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Ordnung der Wissenschaft





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Das Missbrauchsrisiko in den Biowissenschaften

Silja Vöneky und Constantin Teetzmann ▪▪▪ Seit 2012 haben Forschungsvorhaben, bei denen die Übertragbarkeit und Gefährlichkeit von Vogelgrippeerregern im Labor verändert wurde, zu intensiven Sicherheitsdebatten geführt. Im Zentrum der interdisziplinär und international geführten Diskussionen steht die Frage, ob den Biowissenschaften und ihrer Förderung weitere Grenzen gesetzt werden müssen, wenn diese Forschung für schädliche Zwecke missbraucht werden kann. Die Suche nach Lösungen für dieses Dual-Use-Problem ist aktueller denn je: Mit dem technischen Fortschritt der Biowissenschaften wachsen die Befürchtungen, dass Forschungsergebnisse auch für die Entwicklung und Verwendung von Biowaffen von Terroristen missbraucht werden können. Dies gilt insbesondere, wenn in Experimenten Erreger noch gefährlicher gemacht werden oder wenn die Waffenfähigkeit von Erregern gesteigert wird. Vorschläge und Reaktionen zur Einhegung dieser Risiken reichen von der Erarbeitung neuer Codes of Conduct für verantwortliche Forschung und der Einrichtung neuer Dual-Use-Research-of-Concern-Kommissionen bis hin zu einem Stopp der öffentlichen Förderung bestimmter biowissenschaftlicher Versuche.

Die Beiträge der vorliegenden Ausgabe von Ordnung der Wissenschaft widmen sich dieser Debatte aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und praktischen Perspektiven. Grundlegende und aktuelle Fragen der gegenwärtigen und zukünftigen Regulierung und Förderung der Biowissenschaften werden beleuchtet. Alle Beiträge beruhen dabei auf Vorträgen, die im Rahmen des Symposiums „Das Missbrauchsrisiko in den Biowissenschaften – Biosicherheitsrelevante Forschung zwischen Freiheit, Fortschritt und Verantwortung“ an der Universität Freiburg am 3. Juli 2014 vorgestellt und intensiv diskutiert wurden. Das Symposium wurde von dem Kompetenznetzwerk für das Recht der zivilen Sicherheit in Europa (KORSE) und dem Lehrstuhl für Völkerrecht und Rechtsethik veranstaltet und von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) gefördert.

 

Biosicherheitsrelevante Forschung und der Schutz vor biologischen Waffen

Sylvia Groneick ▪▪▪ Das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen (BWÜ) steht vor zwei Herausforderungen: technologischen Entwicklungen und dem Fehlen eines Verifikationsmechanismus. Dennoch ist das Übereinkommen wegen seiner hohen Zahl von Vertragsstaaten ein Wert an sich. Auch besteht kein völliger Stillstand: Vertrauensbildende Maßnahmen werden durchgeführt und ein Sekretariat…

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Die Regelung biosicherheitsrelevanter Forschung als effektiver Beitrag zur biologischen Rüstungskontrolle?

 

Gunnar Jeremias ▪▪▪ Eine akute Bedrohung durch biologische Waffen scheint derzeit nicht gegeben. Spätestens zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des zentralen multilateralen Vertrags zur biologischen Rüstungskontrolle, dem Biowaffenübereinkommen (BWÜ) 1975 hatten sämtliche Vertragsstaaten die noch nach dem Zweiten Weltkrieg offensive biologische Rüstungsprogramme unterhielten, diese offiziell eingestellt und…

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Die Influenzaforschung und das Dual-Use-Problem

 

Hans Dieter Klenk ▪▪▪ Dass Infektionserreger und Toxine für die biologische Kriegsführung und ähnliche Zwecke missbraucht werden können, ist seit langem bekannt (Tabelle 1). Mit den 2002 in den USA verübten Milzbrandanschlägen trat das Problem in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit und schuf sehr schnell eine Atmosphäre allgemeiner Beunruhigung. In der Folge erfuhren wissenschaftliche Arbeiten…

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Biosafety and Biosecurity Relevant Life Sciences Work: Protection from Bio-Warfare and Bio-Terrorism

 

Kathryn Nixdorff ▪▪▪ Advances in science and technology over the past few years have initiated new and improved approaches to countering disease and promoting health in general. This progress in the life sciences is absolutely essential. At the same time, the rapidity with which the advances occur and the possibilities for misuse that they reveal give us a clear indication that we have reached a critical point in being…

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Wissenschaft. Freiheit. Verantwortung.

Über Ethik und Ethos der freien Wissenschaft und Forschung

Elif Özmen ▪▪▪ Die Frage, Was und wozu ist Wissenschaft?, ist ein Gegenstand von philosophischen Reflexionen seit der Antike, wo scientia bereits durch einen Objektivitäts-, Begründungs- und Wahrheitsanspruch charakterisiert und auf diese Weise von Dogmen, Ideologien oder bloßen Meinungen unterschieden wurde. Gegenwärtig steht „Wissenschaft“ als Oberbegriff für die verschiedenen disziplinären...

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Epistemologische Aspekte der Anwendung des Vorsorgeprinzips bei Biosicherheitsfragen

 

Thomas A. C. Reydon ▪▪▪ In seiner im Mai vergangenen Jahres veröffentlichten Stellungnahme zur Sicherheitsproblematik in den Biowissenschaften mit dem Titel Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft nimmt der Deutsche Ethikrat Bezug auf zwei Prinzipien, die bei der Beurteilung von Biosicherheitsmaßnahmen sowie der Begründung von Schutzmaßnahmen eine Rolle...

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Warum Journalisten das

„Dual-Use-Research of Concern“-Dilemma thematisieren

 

Volker Stollorz ▪▪▪ Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft für wissenschaftliches Wissen. Wissenschaft ist Erbauerin und Zerstörerin sozialer Welten und das Tempo der von ihr hervorgebrachten Veränderungen beschleunigt sich in modernen Gesellschaften. Forschung setzt ständig neue Spielfiguren auf das Schachbrett der sozialen Welt, verändert zudem deren Spielregeln. Im Ergebnis kann...

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Mit Missbrauchsrisiken begründete rechtliche Beschränkungen der Forschung in den Biowissenschaften

Constantin Teetzmann ▪▪▪ Mit der Diskussion um Missbrauchsrisiken in den Biowissenschaften sind Forderungen nach der Beschränkung der biowissenschaftlichen Forschung verbunden. Zunächst fragt sich jedoch, inwieweit die Forschung bereits wegen dieser Risiken rechtlich eingeschränkt ist. Forscherin F ist in einem Hochsicherheitslabor tätig. Regeln zur Vorbeugung von Unfällen sind in ihrem Labor...

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„...that nature is the ultimate bioterrorist“ – Wissenschaftsfreiheit in Zeiten eines entgrenzten Sicherheitsdiskurses

Hans Heinrich Trute ▪▪▪ In Zeiten eines entgrenzten Sicherheitsdiskurses werden Wissenschaftler schnell zu verantwortungslosen, verrückten Gesellen, die um ihres überspannten Wissenschaftler-Egos, ihrer Reputation oder ökonomischer Interessen willen die Menschheit mit hochriskanten Experimenten gefährden und nebenbei Terroristen das Wissen zum Bau hochgefährlicher...

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Biosecurity – Freedom, Responsibility, and Legitimacy of Research

Silja Vöneky ▪▪▪ The subjects of biosecurity and the containment of biological weapons remain highly relevant and important, particularly in times with as many instabilities as today. These instabilities at the national and international level become manifest in terrorist attacks, as in Madrid 2004, London 2005, Boston 2013, Paris 2015, and Copenhagen 2015, the establishment of a terrorist...

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Schriftwechsel zwischen Verleger und Autor

Kurt Tucholsky ▪▪▪ Lieber Herr Tucholsky, schönen Dank für Ihren Brief vom 2. Juni. Wir haben Ihren Wunsch notiert. Für heute etwas andres. Wie Sie wissen, habe ich in der letzten Zeit allerhand politische Bücher verlegt, mit denen Sie sich ja hinlänglich beschäftigt haben. Nun möchte ich doch aber wieder einmal die »schöne Literatur« pflegen. Haben Sie gar nichts? Wie wäre es denn mit einer kleinen...

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Informationen:

 

Pressemitteilung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK)

 

"Evaluation der Exzellenzinitiative startet

Eine internationale Expertenkommission bewertet das Programm und seine Auswirkungen auf das deutsche Wissenschaftssystem Im Jahr 2005 haben Bund und Länder die Exzellenzinitiative mit dem Ziel beschlossen, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die universitäre Spitzenforschung sichtbarer zu machen. Die begonnene Leistungsspirale sollte fortgeführt werden; die Ausbildung von Spitzen und die Anhebung der Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandortes in der Breite gehören ebenfalls zu den Zielsetzungen. Dafür stellen Bund und Länder den deutschen Hochschulen in zwei Förderphasen rund 4,6 Mrd. Euro zur Verfügung. Nach fast zehn Jahren Laufzeit sollen das Programm und seine Auswirkungen auf das deutsche Wissenschaftssystem evaluiert werden. Eine unabhängige, international zusammengesetzte Expertenkommission wird sich im Auftrag von Bund und Ländern dieser Evaluierungsaufgabe annehmen.

Der Zeitpunkt der Evaluierung wurde so gewählt, dass die geförderten Projekte in ihrer Umsetzung hinreichend weit fortgeschritten sind und der Abschlussbericht der Kommission im politischen Entscheidungsprozess berücksichtigt werden kann. „Die Exzellenzinitiative hat im deutschen Wissenschaftssystem eine große, international beachtete Dynamik erzeugt, die wir auch in Zukunft erhalten und ausbauen wollen. Wir wollen dabei auch bewährte Förderlinien weiterentwickeln und in neue Formate bringen, die Evaluationsergebnisse werden eine wichtige Grundlage für diese Entscheidungen sein“, sagt die GWK-Vorsitzende Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, vor dem Hintergrund, dass das Programm Ende 2017 ausläuft. „Bund und Länder sind den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sehr dankbar für ihre Bereitschaft zur Mitarbeit in der Kommission. Die unabhängige Expertenkommission spiegelt die Vielfalt der Wissenschaft gut wider und wird dadurch in der Lage sein, eine umfassende Evaluation aus ganz unterschiedlichen Perspektiven vorzulegen“, so die stellvertretende GWK-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Bildungs- und Wissenschaftsministerin Doris Ahnen.

Die von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) berufene Expertenkommission wird morgen mit ihrer konstituierenden Sitzung die Arbeit aufnehmen und ihr Vorgehen vollkommen eigenständig gestalten. Sie wird dabei von einer in einem Ausschreibungsverfahren ausgewählten, unabhängigen Geschäftsstelle unterstützt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat erarbeiten bis Juni 2015 einen datengestützten Bericht über den Verlauf der Exzellenzinitiative, den die Expertenkommission in ihre Beratungen einbezieht. Das Gremium wird seine Evaluationsergebnisse Bund und Ländern im Januar 2016 präsentieren.

Mit Herrn Professor Dr. Dieter Imboden konnte die GWK einen international renommierten Wissenschaftler und Wissenschaftsmanager als Vorsitzenden der Expertenkommission gewinnen. Von 2005 bis 2012 saß er dem Forschungsrat des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) vor, von Januar 2009 bis Oktober 2011 war er Präsident der Vereinigung der Präsidien der europäischen Forschungsförderorganisationen (EUROHORCs). Als stellvertretende Vorsitzende der Kommission wurde Frau Prof. Dr. Elke Lütjen-Drecoll berufen. Sie war u.a. langjährige Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz und gehörte dem Vorstand der Union der deutschen Akademien an.

Die GWK hat die Mitglieder des hochkarätigen Expertenteams auf Vorschlag von Professor Imboden berufen. „Wichtig war allen Beteiligten, dass wir als Kommission eine gewisse persönliche Distanz zur Exzellenzinitiative haben und durch die Kommissionsmitglieder unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven eingebracht werden“, sagt der Kommissionsvorsitzende. So ist kein Mitglied selbst in Entscheidungsgremien der Exzellenzinitiative beteiligt gewesen. Die Expertinnen und Experten verfügen neben Erfahrungen mit systemischen Begutachtungen und Evaluationen auch über ausgezeichnete wissenschaftliche Reputation sowie Kenntnisse des deutschen Wissenschaftssystems. Eine Liste der von der GWK berufenen Kommissionsmitglieder ist dieser Pressemitteilung als Anlage beigefügt.

Bund und Länder haben die Exzellenzinitiative am 16. Juni 2005 beschlossen, die in zwei Förderphasen (2005 bis 2011 und 2011 bis 2017) durchgeführt wird. Bei der Verlängerung des Programms um die 2. Förderphase im Jahr 2009 haben sie zugleich eine umfassende Evaluation vereinbart. Ihre strategischen Zielsetzungen verfolgt der Wettbewerb in drei projektbezogenen Förderlinien

• Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses,

• Exzellenzcluster zur Förderung von Spitzenforschung,

• Zukunftskonzepte zum Ausbau der universitären Spitzenforschung.

Die Geschäftsstelle der Internationalen Expertenkommission zur Evaluation der Exzellenzinitiative ist unter folgender Adresse für Rückfragen erreichbar:

Geschäftsstelle zur Evaluation der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder iit – Institut für Innovation und Technik in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH Steinplatz 1 – 10623 Berlin

Zentrale Telefonnummer der Geschäftsstelle: +49 30 310078-191

Kontakt für Presseanfragen: Miriam Kreibich, Dr. Christoph Schmale

E-Mail: kreibich@iit-berlin.de, schmale@iit-berlin.de"

(Pressemitteilung der GWK vom 22.9.2014)