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A. Ein­lei­tung
Hoch­schu­len und For­schungs­in­sti­tu­te wer­den im Zuge der Umset­zung der Mehr­wert­steu­er-Sys­tem­richt­li­nie und ande­rer unio­na­ler Vor­schrif­ten in das deut­sche Recht zuneh­mend wie (zumin­dest mit­tel­stän­di­sche) Unter­neh­men behandelt.2 Die Neu­re­ge­lung der Umsatz- besteue­rung des öffent­li­chen Sek­tors zum 1. Janu­ar 2016 nach § 2b Umsatz­steu­er­ge­setz (UStG) (auf die hier jedoch nicht näher ein­ge­gan­gen wer­den soll) macht die- ses augenfällig.
Daher lässt ein jün­ge­res Judi­kat des Bun­des­ge­richts- hofs zum Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht auf­hor­chen, in dem der BGH den Gedan­ken einer Ver­hän­gung einer Geld­bu­ße gegen juris­ti­sche Per­so­nen (auch des öffent­li- chen Rechts) nach § 30 des Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ge­set- zes (OWiG) auf­grund der Ver­wirk­li­chung einer Straf­tat oder Ord­nungs­wid­rig­keit eines Organs oder Ver­tre­ters einer juris­ti­schen Per­son – sog. Lei­tungs­per­son – ent­wi- ckelt hat.3 Eine schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung die­ser Lei- tungs­per­so­nen kön­ne auch dar­in lie­gen, dass sie ihrer Garan­ten­pflicht nicht nach­kom­men, wenn sie Wis­sen über steu­er­recht­lich rele­van­te Vor­gän­ge haben, das sie nicht offen­ba­ren und wenn infol­ge­des­sen der­je­ni­ge, dem sie ihr Wis­sen nicht offen­bart haben, einen Tat­be­stand einer Vor­schrift des Steu­er­straf- oder Ord­nungs­wid­rig- kei­ten­rechts begeht.4 Die Garan­ten­pflicht (aus Inge­renz) kön­ne dar­aus resul­tie­ren, dass den­je­ni­gen, dem Obhuts- pflich­ten für eine bestimm­te Gefah­ren­quel­le über­tra­gen sind, dann auch eine „Son­der­ver­ant­wort­lich­keit“ für die
1 Die Autorin dankt Herrn Rechts­an­walt Micha­el Deng­ler, Spey­er, für wert­vol­le Hinweise.
2 Dazu etwa Jörg Stal­l­ei­ken, Dritt­mit­tel­for­schung im Ein­kom­men- und Kör­per­schafts­steu­er­recht. Unter beson­de­rer Berück­sich­ti- gung der Abgren­zung steu­er­ba­rer wirt­schaft­li­cher Tätig­kei­ten von steu­er­frei­er hoheit­li­cher Betä­ti­gung staat­li­cher Hoch­schu­len, Müns­ter 2010; zur Ten­denz zur umsatz­steu­er­recht­li­chen Gleich- stel­lung von Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen mit pri­va­ten Unter­neh- mun­gen (wie etwa Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen), die sich schon län- ger abzeich­ne­te, und zur Rechts­la­ge zuvor vgl. Wolf­gang Kessler/ Tho­mas Fritz/Christian Gastl, Umsatz­be­steue­rung öffent­lich- recht­li­cher Hoch­schu­len im Span­nungs­feld zwi­schen natio­na­lem und EG-Recht, UR 2002, S. 452 – 459; Hans-Fried­rich Lan­ge, Juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts als Unter­neh­mer im Umsatz­steu­er­recht, UR 2000, S. 1–13; Chris­toph Gröpl, Öffent- liche Zuschüs­se, Pri­va­ti­sie­rung und Umsatz­steu­er – Umsatz- steu­er­recht­li­che Fol­gen öffent­li­cher Zah­lun­gen im hoheit­li­chen und nicht­ho­heit­li­chen Bereich vor dem Hin­ter­grund aktu­el­ler Pri­va­ti­sie­rungs­be­stre­bun­gen –, DStZ 1998, S. 113–124; Tho­mas Küff­ner, Wett­be­werb ent­schei­det über Umsatz­steu­er­pflicht der
Inte­gri­tät des von ihm über­nom­me­nen Ver­ant­wor­tungs- bereichs treffe.5 Das Urteil führt wei­ter aus, dass in die- sen Fäl­len eine Haf­tung aus mit­tel­ba­rer Täter­schaft in Betracht kom­me, von der sich die Amts­trä­ger aber da- durch exkul­pie­ren könn­ten, dass sie Tax Com­pli­an­ce- Rege­lun­gen für ihre Ein­rich­tung erlie­ßen. Leit­satz 17 des Urteils lau­tet daher: „Für die Bemes­sung der Geld­bu­ße ist zudem von Bedeu­tung, inwie­weit die bebuß­te juris­ti­sche Per­son ihrer Pflicht, Rechts­ver­let­zun­gen aus der Sphä­re des Unter­neh­mens zu unter­bin­den, genügt und ein effi­zi- ent­es Com­pli­an­ce-Manage­ment instal­liert hat, das auf die Ver­mei­dung von Rechts­ver­stö­ßen aus­ge­legt sein muss. Da- bei kann auch eine Rol­le spie­len, ob die juris­ti­sche Per­son in der Fol­ge die­ses Ver­fah­rens ent­spre­chen­de Rege­lun­gen opti­miert und ihre betriebs­in­ter­nen Abläu­fe so gestal­tet hat, dass ver­gleich­ba­re Norm­ver­let­zun­gen zukünf­tig je- den­falls deut­lich erschwert wer­den.“ 6
Zwar bezieht sich die­se Ent­schei­dung der Sache nach auf Manager(innen) öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen, die an Kor­rup­ti­ons­ver­ge­hen betei­ligt sind. Sie ist jedoch des­we- gen bemer­kens­wert, da sie den Gedan­ken einer Ein­rich- tung eines (Tax) Com­pli­an­ce Manage­ments auf die Or- gan­haf­tung für öffent­li­che Ein­rich­tun­gen nach § 30 AO bezieht. Bis­lang waren zur Ein­rich­tung von Com­pli­an­ce- Orga­ni­sa­tio­nen aus­drück­lich nur Unter­neh­men der Fi- nanz­wirt­schaft verpflichtet.7 Das folgt etwa aus § 33 Abs. 1 S. 2 Nr. 1, § 33 d Abs. 5 Nr. 2 des Wert­pa­pier- han­dels­ge­set­zes und ver­schie­de­nen Ver­ord­nun­gen aus dem Bereich der Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht. 8
öffent­li­chen Hand, DStR 2003, S. 1606–1608.
3 Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 09.5.2017 – 1 StR 265/16, NJW
2017, 3798, Rn. 116.
4 Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 09.5.2017 – 1 StR 265/16, NJW
2017, 3798, Rn. 79 ff.
5 Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 09.5.2017 – 1 StR 265/16, NJW
2017, 3798, Rn. 87.
6 Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 09.5.2017 – 1 StR 265/16, NJW
2017, 3798, Leit­satz 14.
7 Vgl. Susan­ne Mey­er, Rechts­pflicht zur Com­pli­an­ce?, online:
Home­page des Bun­des­ver­bands der Com­pli­an­ce-Mana­ger vom 21.03.2013, https://www.bvdcm.de/news/rechtspflicht-zur-com- pli­an­ce (Abruf am 14.8.2019).
8 Dele­gier­te Ver­ord­nung (EU) 2017/565 der Kom­mis­si­on vom
25. April 2016 zur Ergän­zung der Richt­li­nie 2014/65/EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates in Bezug auf die orga­ni­sa­to­ri­schen Anfor­de­run­gen an Wert­pa­pier­fir­men und die Bedin­gun­gen für die Aus­übung ihrer Tätig­keit sowie in Bezug auf die Defi­ni­ti­on bestimm­ter Begrif­fe für die Zwe­cke der genann­ten Richt­li­nie, Abl. C/2016/2398
Mar­grit Seckelmann1
Tax Com­pli­an­ce Manage­ment bei Wis­sen­schaft­sein- richtungen
Ord­nung der Wis­sen­schaft 2019, ISSN 2197–9197

238 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2019), 237–242
Der Gedan­ke einer Tax Com­pli­an­ce ergibt sich aber auch aus Grund­satz 5 des Deut­schen Cor­po­ra­te Gover- nan­ce Kodi­zes 2019, in dem der Begriff der Com­pli­an­ce sogar aus­drück­lich defi­niert ist: „Der Vor­stand hat für die Ein­hal­tung der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen und der unter- neh­mens­in­ter­nen Richt­li­ni­en zu sor­gen und wirkt auf de- ren Beach­tung durch die Kon­zern­un­ter­neh­men hin (Com- pliance).“9 Der Deut­sche Cor­po­ra­te Gover­nan­ce Kodex rich­tet sich an bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men; das sind sol­che, die „im regu­lier­ten Markt, nicht ledig­lich im Frei­ver­kehr einer Bör­se, z.B. dem Ent­ry Stan­dard der Frank­fur­ter Wert­pa­pier­bör­se, gelis­tet sind“. 10
B. Grund­zü­ge eines Tax Com­pli­an­ce Manage­ments für Wissenschaftseinrichtungen
I. Tax Com­pli­an­ce Manage­ment als Ele­ment eines Com­pli­an­ce Managements
Das erwähn­te Urteil des Ers­ten Straf­se­nats des BGH vom 9. Mai 2017 (1 StR 265/16) zieht den Kreis der Ver- pflich­te­ten aber wei­ter – wenn man die Ent­schei­dung so inter­pre­tiert, dass aus der Mög­lich­keit zur Exkul­pa­ti­on bezo­gen auf § 30 AO spie­gel­bild­lich eine Pflicht zur Ins- tal­la­ti­on eines sol­chen Sys­tems folgt. Die vor­ge­nann­te Ent­schei­dung des Ers­ten Straf­se­nats des BGH lässt sich näm­lich ver­all­ge­mei­nernd dahin­ge­hend inter­pre­tie­ren, dass es die Geschäfts­füh­rer­haf­tung nach § 30 OWiG, die gem. § 130 OWiG auch auf Orga­ne öffent­lich-recht­li­cher Anstal­ten über­trag­bar ist, min­dern oder gar aus­schlie- ßen kann, wenn die Ein­rich­tung ein effi­zi­en­tes Com­pli- ance Manage­ment instal­liert hat, das auf die Ver­mei­dung von Rechts­ver­stö­ßen aus­ge­legt sein muss. 11
Die­se Ver­all­ge­mei­ne­rung hat nicht zuletzt das Bun- des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um vor­ge­nom­men. In sei­nem Schrei- ben vom 23.5.2016 (BStBl. I 2016, S. 490) hat es zu § 153 AO dahin­ge­hend Stel­lung genom­men, dass die Eta­blie- rung und Durch­füh­rung eines „inner­be­trieb­li­chen Kon- troll­sys­tems“ ein Indiz gegen das Vor­lie­gen von Vor­satz oder Leicht­fer­tig­keit von Steu­er­pflich­ti­gen oder deren gesetz­li­chen Ver­tre­tern dar­stel­len kann. 12
So sehr man die­se Ent­wick­lung bedenk­lich finden
9 https://www.dcgk.de/de/kodex/dcgk-2019.html?file=files/ dcgk/usercontent/de/Konsultationen/2019/DCGK%20 2019/190522%20DCGK%202019.pdf(14.8.2019), vgl. auch Zif­fer 4.1.3 der Vorgängerregelung.
10 Mey­er (Fn. 7).
11 Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 09.5.2017 – 1 StR 265/16, NJW
2017, 3798.
12 Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, Schrei­ben vom 23.5.2016 (BStBl. I
2016, S. 490), Tz. 2.6.
13 Insti­tut der Wirt­schaft­prü­fer, Prü­fungs­stan­dard „Grund­sät­ze
und auch danach fra­gen kann, inwie­weit man unter die- sen Umstän­den noch Frei­wil­li­ge für die Lei­tung von Hoch­schu­len und For­schungs­in­sti­tu­ten fin­den las­sen: Es emp­fiehlt sich aus haf­tungs­recht­li­chen Grün­den für die Lei­tung der­ar­ti­ger Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen, über die Ein­rich­tung eines Tax Com­pli­an­ce Manage­ment Sys­tem (TCMS) nach­zu­den­ken. Als Ori­en­tie­rungs­punk­te kön- nen hier­bei der Prü­fungs­stan­dard „Grund­sät­ze ord- nungs­ge­mä­ßer Prü­fun­gen von Com­pli­an­ce Mana­ge- ment Sys­te­men“ die­nen, den das Insti­tut der Wirt­schafts- prü­fer für Unter­neh­men ent­wi­ckelt hat (IDW PS 980),13 und der von der dor­ti­gen Arbeits­grup­pe „Tax Com­pli- ance“ erar­bei­te­te IDW-Pra­xis­hin­weis 01/2016. 14
1. Com­pli­an­ce Manage­ment System
Unter einem Com­pli­an­ce Manage­ment Sys­tem (CMS) sind die „auf der Grund­la­ge der von den gesetz­li­chen Ver­tre­tern fest­ge­leg­ten Zie­le ein­ge­führ­ten Grund­sät­ze und Maß­nah­men eines Unter­neh­mens [bzw. hier: einer öffent­lich-recht­lich orga­ni­sier­ten Ein­rich­tung, M.S.] zu ver­ste­hen, die auf die Sicher­stel­lung eines regel­kon­for- men Ver­hal­tens der gesetz­li­chen Ver­tre­ter und Mit­ar­bei- ter des Unter­neh­mens [bzw. hier: einer öffent­lich-recht- lich orga­ni­sier­ten Ein­rich­tung] sowie ggf. von Drit­ten abzie­len, d. h. auf die Ein­hal­tung bestimm­ter Regeln und damit auf die Ver­hin­de­rung von wesent­li­chen Ver­stö­ßen (Regelverstöße).“15
Ein CMS nach IDW PS 980 ent­hält fol­gen­de Ele­men- te, die in die Geschäfts­ab­läu­fe ein­ge­bun­den werden:
• Compliance-Kultur
• Compliance-Ziele
• Compliance-Organisation
• Compliance-Risiken
• Compliance-Programm
• Com­pli­an­ce-Kom­mu­ni­ka­ti­on und
• Com­pli­an­ce-Über­wa­chung und ‑ver­bes­se-
rung.16
2. Tax Com­pli­an­ce Manage­ment System
Ein Tax Com­pli­an­ce Manage­ment Sys­tem ist „ein abge-
grenz­ter Teil­be­reich eines CMS […], des­sen Zweck die voll-
ord­nungs­ge­mä­ßer Prü­fun­gen von Com­pli­an­ce Management
Sys­te­men“ (IDW PS 980), Stand: 11.3.2011.
14 Insti­tut der Wirt­schaft­prü­fer, Arbeits­grup­pe „Tax Compliance“,
IDW-Pra­xis­hin­weis 01/2016, online: https://www.wts.com/wts. de/­pu­bli­ca­ti­ons­/wts-tax-wee­kly/­an­han­ge/2017_29_1_idw-pra- xishinweis‑1–2016.pdf (Abruf am 18.3.2019).
15 IDW-Pra­xis­hin­weis 01/2016, S. 2 Tz. 6 unter Bezug­nah­me auf den IDW PS 980 von April 2011 (dort Tz. 5).
16 IDW-Pra­xis­hin­weis 01/2016, S. 2 Tz. 8 unter Bezug­nah­me auf den IDW PS 980 von April 2011 (dort Tz. 6).

Seckel­mann· Tax Com­pli­an­ce Manage­ment bei Wissenschaftseinrichtungen
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stän­di­ge und zeit­ge­rech­te Erfül­lung steu­er­li­cher Pflich­ten ist“. 17 Es ist u. a. abhän­gig von:
• der Rechts­form der Einrichtung,
• den von der Ein­rich­tung ver­folg­ten Zielen
• der (Binnen-)Organisationsstruktur,
• der Art der anfal­len­den Steu­ern und
• den Pro­zess­ab­läu­fen im Ein­zel­nen und den
Fra­gen der ein­rich­tungs­in­ter­nen Dele­ga­ti­on und Auf­ga­ben. 18
II. Über­prü­fung und Anpas­sung der Struk­tu­ren und Abläufe
Um eine Exkul­pa­ti­on der Insti­tuts- bzw. Hoch­schul­lei- tung zu erzie­len, ist es wich­tig, dass die Ein­rich­tung die Ele­men­te eines (T)CMS auf ihre eige­ne Orga­ni­sa­ti­on und ihre gesetz­li­chen sowie sat­zungs­mä­ßi­gen Auf­ga­ben anpasst.
Man kann sich dabei einen Regel­kreis zwi­schen acht Ele- men­ten vor­stel­len, die zyklisch und re-ite­ra­tiv mit­ein­an- der ver­bun­den sind:
1. die Schaf­fung eines Risi­ko­be­wusst­seins (Prä­ven­ti- on)
2. die Eta­blie­rung einer Compliance-Kultur,
3. die Ent­wick­lung von Compliance-Zielen,
4. die Erstel­lung eines Compliance-Programms,
5. die Anpas­sung der Orga­ni­sa­ti­on an die­ses nebst kla-
rer Defi­ni­ti­on und Zuord­nung von Verantwortlich-
keiten,
6.die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Organisationsgestaltung
und der Ver­ant­wort­lich­kei­ten an die Mit­glie­der (auch die Gre­mi­en­mit­glie­der) und die Beschäf­tig- ten,
7. die Anwen­dung in der Pra­xis (also die adäqua­te steu­er­recht­li­che Ein­stu­fung von neu­en For­schungs- pro­jek­ten unter Zulie­fe­rung der erfor­der­li­chen Anga­ben) und schließlich
8.die kon­ti­nu­ier­li­che Über­wa­chung und Ver­bes­se- rung der Com­pli­an­ce selbst.
Bezo­gen auf die umsat­z/er­trags- und kör­per­schafts- steu­er­li­che Behand­lung von Auf­trags­for­schung sind für ein kor­rek­tes TCMS fol­gen­de Schrit­te erfor­der­lich, die im Ein­zel­nen abzu­ar­bei­ten sind: 19
17 IDW-Pra­xis­hin­weis 01/2016, S. 5 Tz. 22 unter Bezug­nah­me auf den IDW PS 980 von April 2011 (dort Tz. 26 ff.).
18 IDW-Pra­xis­hin­weis 01/2016, S. 5 Tz. 24.
III. Inhalt der Selbstverpflichtung
Nach einer Über­prü­fung und ggf. Kor­rek­tur der Ver­ant- wort­lich­kei­ten und Abläu­fe (wer muss wem wel­che Daten bis wann lie­fern?) kann der zwei­te Schritt des TCMS in Angriff genom­men wer­den: die Selbst­ver- pflich­tung der Ein­rich­tung und der dort Arbei­ten­den. Zu die­ser gehört die schrift­li­che Nie­der­le­gung einer Risi­ko­ana­ly­se (I.), dann (II.) die Auf­stel­lung von Kri­te­ri- en zur steu­er­li­chen Ein­stu­fung und schließ­lich (III.) eine Fest­le­gung und Aus­füh­rung der Ver­fah­rens­ab­läu­fe (ins- beson­de­re die sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl der Mitarbeiter20 , sach­ge­rech­te Orga­ni­sa­ti­on und Auf­ga­ben­ver­tei­lung, Auf­klä­rung und Beleh­rung der Mitarbeiter21 , sowie ein Moni­to­ring, vgl. die §§ 30, 130 OWiG).
1. For­ma­le Anforderungen
In Teil I., der Risi­ko­ana­ly­se, ist die Ist-Orga­ni­sa­ti­on (schrift­lich oder elek­tro­nisch doku­men­tiert) dar­zu­stel- len, wie sie sich aus den gesetz­li­chen, sat­zungs­mä­ßi­gen und ande­ren ein­schlä­gi­gen Rechts­grund­la­gen ergibt (1.). Dazu gehört auch die Bezug­nah­me auf den Geschäfts- ver­tei­lungs­plan (so vor­han­den) und die aus­drück­li­che Benen­nung des oder der Haus­halts­ver­ant­wort­li­chen. Danach ist (unter 2., die bei­den Punk­te kön­nen auch getauscht wer­den) auf die kon­kre­ten Auf­ga­ben der Ein- rich­tung in For­schung und/oder Leh­re bzw. Wei­ter­bil- dung einzugehen.
Ent­schei­dend ist dann unter 3. die Iden­ti­fi­ka­ti­on der anfal­len­den Steu­er­ar­ten wie Lohn­steu­er, Umsatz­steu­er, Kör­per­schafts­steu­er, ggf. auch Gewer­be- bzw. Kapitaler-
1. Risi­ko­ana­ly­se und Prävention
a) Dar­stel­lung der Ist- Orga­ni­sa­ti­on und der Aufgaben
b) Auf­nah­me und Beur­tei­lung der steu­er­recht­li­chen Sachverhalte
(1) Ermitt­lung der Steuerarten
(2) Abgren­zung hoheit­li­che For­schung – Auftragsforschung
(3) Fra­ge der Anwen­dung gesi­cher­ter wis­sen­schaft­li­cher Erkenntnisse
(4) Beur­tei­lung der vor­han­de­nen Risiken
2. Über­prü­fung der vor­han­de­nen Struk­tu­ren in Bezug auf ihre Fähig­keit zur Lösung der ermit­tel­ten Risiken
Über­prü­fung der Ist- Orga­ni­sa­ti­on anhand des IDW-Pra­xis­hin­wei­ses 01/2016 und von IDW PS 980
Erkennt­nis­in­ter­es­se: Wel­che Maß­nah­men bzw. Struk­tur­ver­än­de­run­gen sind vorzunehmen?
3. Ent­wick­lung und Umset­zung der Maßnahmen
a) Erar­bei­tung von Maß­nah­men auf der Basis des Ver­gleichs der Ist-Orga­ni­sa­ti­on und der not­wen­di­gen Kom­pe­ten­zen und Struk­tu­ren mit dem Ziel der Eta­blie­rung einer Tax-CMS-Kultur
Wich­tig: gemein­schaft­li­che Erar­bei­tung durch alle mit den Fra­gen befass­ten, die sich dann auf die erar­bei­te­ten Grund­sät­ze verpflichten
b) Infor­ma­ti­on der For­schen­den bzw. Leh­ren­den und aller anderen,
bis­lang nicht- betei­lig­ten Mitarbeitenden
c) Regel­mä­ßi­ges Controlling
19 20 21
Ori­en­tiert am IDW-Pra­xis­hin­weis 01/2016 und am IDW-PS 980. Bzw. Mitarbeiterinnen.
Bzw. Mitarbeiterinnen

240 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2019), 237–242
trags­steu­er. Zu den jewei­li­gen Punk­ten sind in der Risi- koana­ly­se die Abläu­fe, aber auch die iden­ti­fi­zier­ten Pro- ble­me dar­zu­stel­len, die mit der jewei­li­gen Steu­er­art ver- bun­den sind (z. B. die Fra­ge der Besteue­rung der Auf- trags­for­schung nach dem Umsatz­steu­er­ge­setz, ins­be­son­de­re bezo­gen auf den Betrieb gewerb­li­cher Art [BgA] sowie die Besteue­rung nach dem Kör­per­schafts- steu­er­ge­setz für die nicht gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 23 KStG von der Kör­per­schafts­steu­er befrei­te Anwen­dung gesi- cher­ter wis­sen­schaft­li­cher Erkenntnisse).
2. Doku­men­ta­ti­on der inhalt­li­chen Überlegungen
Im nächs­ten Teil (II.) sind dann die Maß­nah­men dar­zu- stel­len, mit deren Hil­fe die Ein­rich­tung die iden­ti­fi­zier- ten Pro­ble­me ange­hen will und unter III. schließ­lich sind die auf die Risi­ko­ana­ly­se und die neu­en Grund­sät­ze ange­pass­ten Struk­tu­ren und Abläu­fe darzustellen.
Die Tei­le II und III sind inso­fern das Kern­stück der Selbst­ver­pflich­tung der Ein­rich­tung, in die auch alle mit der Abwick­lung Betrau­ten ein­zu­be­zie­hen sind (auch z. B. der/die Steuerberater[in] bzw. Wirtschaftsprüfer[in] der Einrichtung).
Ein Kern­pro­blem wer­den dabei die Kri­te­ri­en sein, nach denen die Ein­rich­tung die Abgren­zung zwi­schen hoheit­li­cher und nicht-hoheit­li­cher For­schung sowie zwi­schen For­schung und der Anwen­dung gesi­cher­ter wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se vornimmt.
Hier fin­den sich in den ein­schlä­gi­gen Kom­men­ta­ren zur Kör­per­schafts­steu­er zumeist recht pau­scha­le Hin- wei­se auf Judi­ka­te, nach denen die Ent­nah­me von Blut- pro­ben durch Uni­ver­si­täts­kran­ken­häu­ser im Auf­trag der Poli­zei oder aber die Mate­ri­al­prü­fung durch uni­ver­si­tä­re Labo­re im Auf­trag der Wirt­schaft der­ar­ti­ge Anwen- dungs­fäl­le sind.22 Schwe­rer wird die kör­per­schafts­steu- erli­che Ein­stu­fung im Bereich der sozi­al- , wirt­schafts- und rechts­wis­sen­schaft­li­chen For­schung: Hier geht die im Inter­net zu fin­den­de Ansicht, bei Gut­ach­ten, die „dem Auf­trag­ge­ber als kon­kre­te Ent­schei­dungs­hil­fe für die Lösung kon­kre­ter, tech­ni­scher, wirt­schaft­li­cher oder recht­li­cher Fra­gen die­nen“ sol­len, hand­le es sich viel­fach um die Anwen­dung gesi­cher­ter wis­sen­schaft­li­cher Er- kennt­nis­se, sicher­lich zu weit.23 Dies ver­kennt die Aus-
22 Vgl. etwa Wolf­gang Kessler/Bastian Schmidt, Unver­bind­li­che Arbeits­hil­fe für die Teil­neh­mer der 13. Frei­bur­ger Arbeits­ta­gung, 13.12.2012, online: http://hochschulbesteuerung.de/wp-content/ upload­s/2016/08/20121213_­Ar­beits­hil­fe_­Ab­gren­zun­g_­For- schung_AF_AgwE.pdf (Abruf am 14.8.2019).
23 Vgl. Kessler/Schmidt (Fn. 22).
24 Eher zwei­felnd Stal­l­ei­ken (Fn. 2).
25 BVerfGE 123, 267 (Leit­satz 4) – Lissabon.
strah­lungs­wir­kung von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG, die im- mer dann, wenn mit einer genu­in wis­sen­schaft­li­chen und vor allem selbst­ent­wi­ckel­ten Metho­dik oder Zu- gangs­wei­se an Fra­gen auch der Auf­trags­for­schung her- ange­gan­gen wird, den Cha­rak­ter der For­schung in den Vor­der­grund tre­ten lässt. Ob man die Aus­strah­lungs­wir- kung eines (natio­na­len) Grund­rechts für die Beur­tei­lung des uni­ons­recht­li­chen Ansat­zes her­an­zie­hen kann, ob eine Wett­be­werbs­ver­zer­rung im steu­er­li­chen Sin­ne vor- liegt, ist zumin­dest umstritten.24 Jedoch ist das Abstel­len auf die Metho­dik und Zugangs­wei­se letzt­lich die­je­ni­ge, die der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Gewähr­leis­tung des unan­tast­ba­ren Kern­be­reichs der Grund­rech­te best­mög­lich nahekommt.25
Das bedeu­tet kon­kret: Wäh­rend die Ein­schal­tung ei- ner uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tung zu Zwe­cken der (blo­ßen) Markt­for­schung sicher als Anwen­dung gesi­cher­ter wis- sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se ein­zu­stu­fen wäre, ist die­se Fra­ge bei For­schungs­pro­jek­ten deut­lich schwie­ri­ger zu beur­tei­len, für die ein spe­zi­el­ler Fra­ge­bo­gen zu ent­wi- ckeln ist, der z. B. auch noch im Rah­men eines Pre-Tests über­prüft wird.26 Sofern hier neue Metho­den ent­wi­ckelt oder bestehen­de Metho­den rekom­bi­niert wer­den, steht der For­schungs­cha­rak­ter im Vor­der­grund. Ein wei­te­res Indiz hier­für ist es, wenn Ergeb­nis­se der Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht wer­den (durch die Ein­stel­lung eines Pro­jekt­be­richts ins Inter­net oder durch die Publi­ka­ti­on der Ergeb­nis­se in Auf­sät­zen bzw. einer Mono­gra­phie; auch die Prä­sen­ta­ti­on auf wis­sen­schaft­li­chen Tagun­gen kann ein sol­ches Indiz sein).
Letzt­lich hilft nur eines: doku­men­tie­ren, was der Ein- stu­fung zugrun­de liegt. Die Ein­stu­fung selbst liegt dabei vom Grund­satz her bei der Insti­tuts­lei­tung, nicht beim Pro­jekt­lei­ter oder der Pro­jekt­lei­te­rin. Die ein­zu­ho­len­de und zu doku­men­tie­ren­de Ein­schät­zung des Pro­jekt­lei- ters oder der Pro­jekt­lei­te­rin ist jedoch ein wesent­li­cher Bestand­teil der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung im Rah­men des Ein­schät­zungs­vor­gangs (man­che Hoch­schu­len ha- ben auch ent­spre­chen­de Check­lis­ten mit Frei­t­ext­fel­dern dazu entwickelt27). Aber die­se Selbst­ein­stu­fung muss von der Hoch­schul- bzw. Insti­tuts­lei­tung ihrer­seits ge- wür­digt wer­den, um zu einer Exkul­pa­ti­on der­sel­ben beizutragen.
26 Vgl. etwa Rolf Porst, Fra­ge­bo­gen. Ein Arbeits­buch, 4. Aufl., Wies- baden 2014; zur qua­li­ta­ti­ven Inhalts­ana­ly­se vgl. Jochen Gläser/ Grit Lau­del, Exper­ten­in­ter­views und qua­li­ta­ti­ve Inhalts­ana­ly­se als Instru­men­te rekon­stru­ie­ren­der Unter­su­chun­gen, 4. Aufl., Wies­ba­den 2010.
27 Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg, Erklä­rung zur steu­er­li­chen Behand­lung von Projekten/Tätigkeiten, online: https://www.zuv. uni-freiburg.de/formulare/st5.pdf (Abruf am 14.8.2019).

Seckel­mann· Tax Com­pli­an­ce Manage­ment bei Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen 2 4 1
Mit­ar­bei­ten­den als Exkul­pa­ti­ons­mög­lich­kei­ten ankommt.29Ein Tax Manage­ment Com­pli­an­ce Sys­tem für Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen mag man daher aus guten rechts- und wis­sen­schafts­po­li­ti­schen Grün­den ableh­nen – fak­tisch wird man aber wohl kaum dar­um her­um­kom- men.
Die Autorin ist Geschäfts­füh­re­rin des Deut­schen For- schungs­in­sti­tuts für öffent­li­che Ver­wal­tung und zugleich Pri­vat­do­zen­tin an der Deut­schen Uni­ver­si­tät für Verwaltungswissenschaften.
IV. Fazit
Man kann sich natür­lich fra­gen, war­um wis­sen­schaft­li- che Ein­rich­tun­gen zuneh­mend Anfor­de­run­gen unter- wor­fen wer­den, die für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men gel­ten – das ist an ande­rer Stel­le auch getan worden.28 Aber Hoch­schul- und Insti­tuts­lei­tun­gen soll­ten sich dar- über im Kla­ren sein, dass die Beru­fung auf die in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG garan­tier­te Wis­sen­schafts­frei­heit als (allei­ni­ge) Exkul­pa­ti­on von den Gerich­ten zuneh- mend weni­ger als allei­ni­ger Grund aner­kannt wer­den dürf­te, son­dern dass es auf Fra­gen der Orga­ni­sa­ti­on sowie auf die Aus­wahl, Infor­ma­ti­on und Schu­lung der
28 Vgl. Mar­grit Seckel­mann, Eva­lua­ti­on und Recht. Struk­tu­ren, Pro­zes­se und Legi­ti­ma­ti­ons­fra­gen staat­li­cher Wis­sens­be­schaf­fung durch (Wissenschafts-)Evaluationen, Tübin­gen 2018, S. 65.
29 Astrid Plantiko/Albina Dreshaj/Stefan Win­hel­ler, Die Fin­an- zie­rung von gemein­nüt­zi­gen For­schungs­or­ga­ni­sa­tio­nen durch Auf­trags­for­schung und deren steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen – ein Über­blick über § 68 Nr. 9 AO, ZStV 2018, 1.

242 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2019), 237–242