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I. Aus­gangs­la­ge

Dass die Novel­lie­rung des Geset­zes über befris­te­te Ver­trä­ge in der Wis­sen­schaft (kurz Wis­sen­schafts­zeit- ver­trags­ge­setz – WissZeitVG1) auf der poli­ti­schen Agen­da steht, war spä­tes­tens seit der Auf­nah­me der befris­te­ten Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se in die Reform- vor­ha­ben des Koalitionsvertrags2 zwi­schen CDU, CSU und SPD vom 16.12.2013 klar. Die Regie­rungs­par- tei­en haben hier gene­rel­len Hand­lungs­be­darf gese­hen und eine Novel­lie­rung des Geset­zes ange­kün­digt. Bun­des­mi­nis­te­rin Johan­na Wan­ka hat die­se Ankün­di- gung Anfang des Jah­res wie­der auf­ge­grif­fen und erklärt, sie wol­le mit einer Ände­rung des WissZeitVG gegen die pre­kä­ren Arbeits­be­din­gun­gen bei Deutsch- lands wis­sen­schaft­li­chem Nach­wuchs vorgehen.3

Seit­dem arbei­te­ten die Regie­rungs­frak­tio­nen an einer Ver­stän­di­gung über die Eck­punk­te der Novel­lie- rung. Der ers­te Schritt zur Eini­gung war Ende Juni 2015 erreicht. CDU und CSU prä­sen­tier­ten ein Papier4 „Grund­sät­ze für gemein­sa­mes Bund-Län­der-Pro- gramm und Eck­punk­te für flan­kie­ren­de Novel­le des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes“, wel­ches sich in ent­schei­den­den Punk­ten mit dem Anfang des Jah­res vor­ge­leg­ten Positionspapier5 zur Novel­lie­rung des WissZeitVG der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on deckte.

Der vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For- schung (BMBF) erar­bei­te­te Refe­ren­ten­ent­wurf für ein „Ers­tes Gesetz zur Ände­rung des Wis­sen­schafts­zeit­ver- trags­ge­set­zes (1. WissZeitVGÄndG)“6 ließ nicht lan­ge auf sich war­ten und liegt seit dem 15. Juli 2015 vor.

  1. 1  Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz vom 12. April 2007 (BGBl. I S. 506)
  2. 2  Koali­ti­ons­ver­trag zwi­schen CDU, CSU und SPD, Deutsch­lands­Zu­kunft gestal­ten, 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode, 16.12.2013, S. 21.
  3. 3  Sie­he zB http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/arbeitsbe-dingungen-wanka-will-ausbeutung-von-wissenschaftlern-stop-pen-a-1013667.html [abge­ru­fen am 16.8.2015].
  4. 4  Arbeits­grup­pe Bil­dung und For­schung der CDU/C­SU-Frak­tionim Deut­schen Bun­des­tag, Mit dem Ten­u­re-Track-Pro­gramm Per- spek­ti­ven für den wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuchs sub­stan­zi­ell ver- bes­sern – Grund­sät­ze für gemein­sa­mes Bund-Län­der-Pro­gramm und Eck­punk­te für flan­kie­ren­de Novel­le des Wis­sen­schafts­zeit­ver- trags­ge­set­zes, 23. Juni 2015.
  5. 5  Arbeits­grup­pe Bil­dung und For­schung der SPD-Bun­des­tags- frak­ti­on, Eck­punk­te­pa­pier zum Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz, 30.6.2014.
  6. 6  Refe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung für ein Ers­tes Gesetz zur Ände­rung des Wissenschafts-

Das bis­lang gel­ten­de WissZeitVG ent­stand im Zuge der Föde­ra­lis­mus­re­form, die im Sep­tem­ber 2006 in Kraft trat und die Auf­he­bung der Rah­men­ge­setz­ge­bungs­kom- petenz des Bun­des vor­sah. Es lös­te die §§ 57a-57f Hoch- schul­rah­men­ge­setz (HRG) ab. Das in die­sen Vor­schrif- ten gere­gel­te wis­sen­schaft­li­che Son­der­be­fris­tungs­recht wur­de im WissZeitVG ver­selbst­stän­digt und erwei­tert. Das neue Gesetz sah sich seit sei­nem Inkraft­tre­ten am 18.4.2007 anhal­ten­der Kri­tik ausgesetzt.

Von Anfang an haben die in den Wis­sen­schaft­sein- rich­tun­gen ver­tre­te­nen Gewerk­schaf­ten ihren Unmut über das WissZeitVG und die dadurch recht­lich gestütz- te Befris­tungs­pra­xis an Uni­ver­si­tä­ten und außer­uni­ver- sitä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen kundgetan.7

Die im Jahr 2008 vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil- dung und For­schung (BMBF) bei der HIS Hoch­schul- Infor­ma­ti­ons-Sys­tem GmbH in Auf­trag gege­be­ne und 2011 vor­ge­stell­te Evaluation8 des WissZeitVG bestä­tig­te ein­zel­ne Kri­tik­punk­te bezüg­lich hoher Befris­tungs­quo- ten und kur­zer Vertragslaufzeiten.9

Mit zuneh­men­der Bedeu­tung von wis­sens­ba­sier­ten Tä- tig­kei­ten und dem dar­aus resul­tie­ren­den, wach­sen­den öf- fent­li­chen Inter­es­se an der Situa­ti­on des wis­sen­schaft­li­chen Nachwuchses10 ist die Befris­tungs­pra­xis im Wis­sen­schafts- bereich in den letz­ten Jah­ren in den poli­ti­schen Fokus ge- rückt und immer wie­der Gegen­stand diver­ser Novel­lie- rungs­in­itia­ti­ven gewor­den. Auch wenn befris­te­te Beschäf­ti- gungs­ver­hält­nis­se auf­grund von Qua­li­fi­zie­rungs­pha­sen, zeit­lich begrenzt zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln sowie wei­te­ren, sich aus der Orga­ni­sa­ti­on der Wis­sen­schaft selbst erge­ben­den Sach­grün­den seit Lan­gem im deut­schen Wis-

zeit­ver­trags­ge­set­zes (1. WissZeitVGÄndG), Bearbeitungsstand

9.7.2015.
7 Sie­he zB GEW-Stel­lung­nah­me zur Ein­füh­rung des Wissenschafts-

zeit­ver­trags­ge­set­zes vom 1.4.2007, abruf­bar unter http://www.gew. de/wissenschaft/wissenschaftszeitvertragsgesetz/ [abge­ru­fen am 16.8.2015].

Jong­manns, Eva­lua­ti­on des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes (WissZeitVG), Geset­zes­eva­lua­ti­on im Auf­trag des Bun­des­mi- nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung (HIS:Forum Hoch­schu­le 4/2011). Han­no­ver: HIS.

Jong­manns, aaO, S. 2, wonach sich im Jahr 2009 83 Pro­zent der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in einem befris­te­ten Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis befanden.

10 Kon­sor­ti­um Bun­des­be­richt Wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs, Bun­des- bericht Wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs 2013 (BuWiN 2013): Sta­tis­ti­sche Daten und For­schungs­be­fun­de zu Pro­mo­vie­ren­den und Pro­mo­vier­ten in Deutsch­land, Wich­ti­ge Ergeb­nis­se im Über­blick, S.4.

Niko­laus Blum und Kat­rin Vehling

„Alles wird gut?“ – Anmer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2015, ISSN 2197–9197

190 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 189–198

sen­schafts­be­trieb eta­bliert sind, wird poli­tisch der Ruf nach mehr Plan­bar­keit und Sicher­heit von wis­sen­schaft­li­chen Berufs­we­gen immer lauter.

II. Novel­lie­rungs­be­darf aus Sicht der außer­uni­ver­si­tä­ren Forschung

Aus dem Blick­win­kel der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen ist zunächst zu fra­gen, ob tat­säch­lich ein drin­gen­der Novel- lie­rungs­be­darf besteht und ob mit den vor­lie­gen­den Än- derungs­vor­schlä­gen die bestehen­den Her­aus­for­de­run- gen bewäl­tigt wer­den. Die bereits erwähn­te HIS-Stu­die hat die bestehen­de Befris­tungs­pra­xis an den deut­schen Uni­ver­si­tä­ten und Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen scho­nungs- los offen­ge­legt. Häu­fig kur­ze Ver­trags­lauf­zei­ten von unter einem Jahr, unab­hän­gig von der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se, hohe Befris­tungs­quo­ten bei den wis­sen­schaft­li­chen Beschäf­tig- ten in den Ein­rich­tun­gen sowie man­geln­de Berufs­per­spek- tiven kenn­zeich­nen das Bild der viel ange­führ­ten „aus- ufer­n­den Befristungspraxis“.11 An die­ser Situa­ti­ons­be- schrei­bung dürf­te sich seit der Daten­er­he­bung für die Stu­die wenig geän­dert haben.12 Es steht außer Zwei­fel, dass sie unak­zep­ta­bel ist. Und zwar nicht nur für den wis­sen- schaft­li­chen Nach­wuchs, dem bere­chen­ba­re und trans­pa- ren­te Kar­rie­re­we­ge feh­len – das liegt auf der Hand. Die Situ- ati­on ist auch für die Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen eine immense Belas­tung, denn sie ver­ur­sacht einen hohen Ver- wal­tungs­auf­wand und stellt die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Insti­tu­ten, Fakul­tä­ten und Per­so­nal­ver­wal­tun­gen nicht sel- ten auf die Zer­reiß­pro­be. Inso­weit besteht drin­gen­der Reformbedarf.

Gleich­zei­tig drängt sich jedoch die Fra­ge auf, ob eine allein recht­li­che Her­an­ge­hens­wei­se tat­säch­lich geeig­net ist, die fest­ge­stell­ten Pro­ble­me zu lösen. Denn nicht pri- mär das Arbeits­recht ist Ursa­che der uner­wünsch­ten Ent­wick­lun­gen. Betrach­tet man den Gesamt­kon­text las- sen sich wei­te­re, nicht min­der rele­van­te Fak­to­ren iden­ti- fizie­ren, wel­che beträcht­li­chen Ein­fluss auf die Beschäf­ti- gungs­ver­hält­nis­se in der Wis­sen­schaft nehmen.

Allen vor­an sind hier die finan­zi­el­le Lage der Wis­sen- schafts­ein­rich­tun­gen und die För­der­pra­xis der Mit­tel­ge- ber zu nen­nen. Der Anteil der Dritt­mit­tel­for­schung an den pro­jekt­be­zo­ge­nen För­der­maß­nah­men ist in den ver- gan­ge­nen Jah­ren ste­tig gewach­sen. Stän­di­ge Finan­zie- rungs­un­si­cher­hei­ten durch die Abhän­gig­keit von den Fi-

  1. 11  Ver.di – Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft, Pres­se­mit­tei­lung vom 19.1.2015. Abruf­bar unter: https://www.verdi.de/presse/pre ssemitteilungen/++co++b8c149ea-9fda-11e4-a02e-52540059119e [abge­ru­fen am 16.8.2015].
  2. 12  Die Daten­ba­sis für die HIS-Stu­die stammt aus dem Jahr 2009.
  3. 13  BuWiN 2013 – Über­blick, aaO, S.4.
  4. 14  BuWiN 2013 – Über­blick, aaO, S.4.

nan­zie­rungs­trä­gern erschwe­ren nicht sel­ten eine mit­tel- fris­ti­ge Stel­len­pla­nung. Im glei­chen Atem­zug neh­men die Per­for­mance-Erwar­tun­gen der Mit­tel­ge­ber gegen- über den Mit­tel­emp­fän­gern zu: For­schungs­vor­ha­ben wer­den immer kom­ple­xer und inter­na­tio­na­ler und er- for­dern einen zuneh­mend höhe­ren Ver­wal­tungs­auf- wand (etwa bei der Aus­ge­stal­tung von Vertragswerken).

Der Kon­kur­renz­kampf um die zur Ver­fü­gung ste- hen­den Mit­tel in der Wis­sen­schaft wird här­ter. Die For- derung nach mehr unbe­fris­te­ten Stel­len für wis­sen- schaft­li­che Beschäf­tig­te muss daher solan­ge eine kaum lös­ba­re Auf­ga­be blei­ben, als es den For­schungs­ein­rich- tun­gen nicht mög­lich ist, eine belast­ba­re mit­tel- und lang­fris­ti­ge Bud­get­pla­nung für die gefor­der­ten Zusatz- plan­stel­len zu erstellen.

In die­sem Kon­text ist wei­ter­hin zu beden­ken, dass der demo­gra­phi­sche Wan­del auch das Wis­sen­schafts­sys- tem trifft und es vor neue per­so­nel­le und struk­tu­rel­le Her­aus­for­de­run­gen stellt. Die bis­her größ­ten­teils per­so- nal­ver­wal­tend täti­gen Per­so­nal­be­rei­che müs­sen umden- ken, sich frei­schwim­men und pla­ne­risch und steu­ernd ein­grei­fen. Dies erfor­dert Kennt­nis­se in per­so­nal­po­li­ti- schen und ‑stra­te­gi­schen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten und Pro­zes­sen, wie sie in der frei­en Wirt­schaft bereits seit Lan­gem den Erfolg und die Arbeit­ge­ber­at­trak­ti­vi­tät von Unter­neh­men sichern. Auch ver­schiebt sich der The- menschwer­punkt auf die Pha­se nach der Promotion.13 Wur­de zu Beginn des Jahr­tau­sends noch fast aus­schließ- lich die Situa­ti­on der Pro­mo­vie­ren­den und die Ent­wick- lung und der Aus­bau struk­tu­rier­ter Dok­to­ran­den­pro- gram­me the­ma­ti­siert, hat sich der Fokus von Öffent­lich- keit und Poli­tik nun­mehr ver­stärkt auf die beruf­li­chen Per­spek­ti­ven der Post­dok­to­ran­den verschoben.14

Eine erhöh­te Fluk­tua­ti­on der Beschäf­tig­ten liegt bei For­schungs­ein­rich­tun­gen, gleich ob außer­uni­ver­si­tär oder uni­ver­si­tär, in der Natur der Sache.15 Nur in be- schränk­tem Umfang ste­hen Pro­fes­su­ren, Insti­tuts- und Abtei­lungs­lei­ter­stel­len oder Stel­len des soge­nann­ten Mit­tel­baus zur unbe­fris­te­ten Beset­zung zur Ver­fü­gung. Auch die Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit der Ein­rich­tun­gen erfor- dert einen regel­mä­ßi­gen Zufluss von neu­em und fle­xib- lem Gedan­ken­gut. Die For­schungs­ein­rich­tun­gen sind über­wie­gend aus öffent­li­chen Mit­teln finan­ziert, daher dem Gemein­wohl ver­pflich­tet und mit einem Aus­bil- dungs­auf­trag ver­se­hen. Nie­mand erwar­tet ernsthaft,

15 So auch Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU), wenn sie von einer „der schwie­ri­ge­ren Auf­ga­ben“ spricht, die Balan­ce zwi­schen Dyna­mik und Sicher­heit zu fin­den“, zu fin­den unter http://www. heise.de/newsticker/meldung/Koalition-will-Zeitvertragsgesetz- fuer-Wissenschaftler-aendern-2730651.html [abge­ru­fen am 16.8.2015].

Blum/Vehling · Anmer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG 1 9 1

dass für alle Dok­to­ran­den Dau­er­stel­len in der öffent­li- chen For­schung bereit­ste­hen. Bei den Post­dok­to­ran­den, die nach der Pro­mo­ti­on in der For­schung blei­ben, ist die Erwar­tungs­hal­tung schon höher, auch wenn fak­tisch der größ­te Teil spä­ter als hoch­qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal in Un- ter­neh­men der frei­en Wirt­schaft oder öffent­li­che Ein- rich­tun­gen wech­selt. Erschwert wird der Wech­sel immer noch durch eine ver­eng­te aka­de­mi­sche Sicht­wei­se, die ihn häu­fig als Schei­tern einer aka­de­mi­schen Kar­rie­re wer­tet. Die­ses „Mind­set“ muss sich ändern und durch eine Fluk­tua­ti­ons­kul­tur ersetzt werden.

In Anbe­tracht der Fül­le der Fak­to­ren, die die Be- schäf­tig­ten­si­tua­ti­on in der Wis­sen­schaft beein­flus­sen, lässt sich fest­stel­len, dass es eines poli­ti­schen Maß­nah- menbündels16 bedür­fen wird, um nach­hal­ti­ge Ver­bes­se- run­gen der Arbeits­be­din­gun­gen für wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal her­bei­zu­füh­ren. Es muss auch die Finan­zie- rungs­mo­da­li­tä­ten und per­so­nal­po­li­ti­sche Maß­nah­men umfas­sen. Die geplan­te Geset­zes­re­form des WissZeitVG kann einen Bei­trag leis­ten, „den Fehl­ent­wick­lun­gen bei Be- fristungen“17 in der Wis­sen­schaft ent­ge­gen­zu­wir­ken. Das erhoff­te All­heil­mit­tel wird sie nicht sein.18

Unge­ach­tet die­ser Fest­stel­lung sol­len im Fol­gen­den die recht­li­chen Aspek­te der geplan­ten Geset­zes­no­vel­lie- rung ein­ge­hen­der beleuch­tet werden.

III. Recht­li­che Kritik

Im Zen­trum der Kri­tik am WissZeitVG in sei­ner der­zei- tigen Fas­sung steht die Annah­me, das Gesetz leis­te, in Abwei­chung von sei­nen eigent­li­chen Rege­lungs­zie­len, einer aus­ufern­den Befris­tungs­pra­xis bei wis­sen­schaft­li- chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal an Uni­ver­si­tä­ten und For­schungs­ein­rich­tun­gen Vorschub.

Im Detail belau­fen sich die Ein­wän­de ins­be­son­de­re auf die im Fol­gen­den kurz dar­ge­stell­ten Punkte19:

• Das Gesetz ermög­licht kurz­lau­fen­de Ket­ten­ver­trä­ge. In den Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen fin­det sich daher ein hoher Anteil an Beschäf­tig­ten mit befris­te­ten Arbeits- ver­hält­nis­sen, deren Lauf­zei­ten nicht sel­ten unter einem Jahr lie­gen und eine ver­läss­li­che Kar­rie­re- und Fami­li­en- pla­nung erschweren.

  1. 16  Alli­anz der Wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen, Stel­lung­nah­me zur Novel­le des WissZeitVG vom 25.3.2015. Abruf­bar unter http:// www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/Allianz_Wiss- ZeitVG_20150325.pdf [abge­ru­fen am 16.8.2015].
  2. 17  http://www.heise.de/newsticker/meldung/Koalition-will- Zeitvertragsgesetz-fuer-Wissenschaftler-aendern-2730651.html [abge­ru­fen am 16.8.2015].
  3. 18  So auch Albert Rupprecht (CSU), der sich mit Bezug zu der

• Teil­wei­se fehlt es bei befris­te­ten Beschäf­ti­gungs­ver- hält­nis­sen in der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se (§ 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG) an einer Sicher­stel­lung, dass das Ziel der Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­fris­tung auch erreicht wird. Ohne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen über die jewei­li­gen Rech­te und Pflich­ten bie­tet sich im Bedarfs­fall für die Betrof­fe- nen kei­ne Hand­ha­be, ihren Anspruch auf Qua­li­fi­zie­rung durch­zu­set­zen. Befris­tungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­dau­er sind dabei nicht sel­ten inkongruent.

• Bei der Anrech­nung von stu­di­en­be­glei­ten­den be- fris­te­ten Arbeits­zei­ten auf die ins­ge­samt zuläs­si­gen Be- fris­tungs­dau­ern gibt es kei­ne ein­heit­li­che Hand­ha­bung in den Ein­rich­tun­gen. Das WissZeitVG trägt nicht zu ei- ner Klar­stel­lung bei, wenn es von der Nicht­an­re­chen­bar- keit von Zei­ten eines befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­ses spricht, die „vor dem Abschluss des Stu­di­ums lie­gen“ (§ 2 Abs. 3 Satz 3 WissZeitVG).

• Ähn­lich ver­hält es sich bei der Anrech­nungs­pra­xis von Eltern‑, Betreu­ungs- und Pfle­ge­zei­ten (§ 2 Abs. 5 WissZeitVG). Ins­be­son­de­re bei einem Arbeit­ge­ber- wech­sel ist nicht gewähr­leis­tet, dass die­se fami­li­en­po­li­ti- sche Rege­lung sach­ge­recht zur Anwen­dung kommt.

• Die Mög­lich­keit, wis­sen­schaft­li­ches und wis­sen- schafts­ak­zes­so­ri­sches Per­so­nal auf­grund von vor­über­ge- hend zur Ver­fü­gung ste­hen­den Finanz­mit­teln gemäß § 2 Abs. 2 WissZeitVG befris­tet zu beschäf­ti­gen, führt ohne eine Kopp­lung der Befris­tungs­dau­er an die Lauf- zeit der Finan­zie­rungs­be­wil­li­gung zu Ket­ten­be­fris­tun- gen und Kurz­ver­trä­gen. Über­dies wird mit die­sem Be- fris­tungs­tat­be­stand der Anwen­dungs­be­reich des Geset- zes auf das wis­sen­schafts­ak­zes­so­ri­sche Per­so­nal aus­ge- wei­tet. Die­ses Per­so­nal setzt sich gera­de nicht aus Wis­sen­schaft­lern zusam­men und übt nach Auf­fas­sung der Kri­ti­ker zumeist Dau­er­auf­ga­ben aus.

• Die in § 1 Abs. 1 Satz 2 und 3 WissZeitVG ent­hal­te- ne Tarif­sper­re ver­schließt die­sen arbeits­recht­li­chen Son- der­be­reich gegen­über einer kol­lek­tiv­recht­li­chen Aus­ge- stal­tung durch die Tarifpartner.

19

Situa­ti­on an der Hoch­schu­len äußer­te: „Die Pra­xis an den Hoch- schu­len aber ist viel kom­pli­zier­ter als es per Gesetz zu fas­sen ist.“ Zu fin­den auf http://www.sueddeutsche.de/politik/hochschulen- zwang-des-zeitvertrags‑1.2511139 [abge­ru­fen am 16.8.2015]. SPD-Eck­punk­te­pa­pier, aaO; Erläu­te­run­gen in den Geset­zes­ent- wür­fen der Frak­ti­on der SPD, BT-Drs. 17/12531 sowie der Frak­ti­on von Bündnis90/Die Grü­nen, BT-Drs. 18/1463.

192 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 189–198

Der Ein­fluss der Recht­spre­chung auf die Aus­le­gung des WissZeitVG ist begrenzt. Die seit Inkraft­tre­ten des WissZeitVG ergan­ge­nen Urtei­le konn­ten die drän­gen- den Fra­gen der Pra­xis nur teil­wei­se beant­wor­ten. Zwar ist unbe­strit­ten, dass es den Gerich­ten zu ein­zel­nen Fra- gestel­lun­gen gelun­gen ist, den Anwen­dern jeden­falls Anhalts­punk­te für die rich­ti­ge Anwen­dung und Aus­le- gung der Vor­schrif­ten des WissZeitVG an die Hand zu geben. So etwa bei der Ermitt­lung des Zeit­punk­tes des Ab- schlus­ses einer Promotion20 oder der Ermitt­lung der Höchst­be­fris­tungs­dau­er bei wis­sen­schaft­li­chen Beschäf- tig­ten, die nicht den medi­zi­ni­schen Fach­rich­tun­gen ange- hören,21 aber in der medi­zi­ni­schen For­schung arbeiten.22

Für die nöti­ge Rechts­si­cher­heit und folg­lich Plan­bar- keit und Ver­läss­lich­keit bei den befris­tet Beschäf­tig­ten hat dies nicht gesorgt. Als Bei­spiel sei eines der in die­sem Kon­text am meis­ten beach­te­ten Urtei­le der letz­ten Jah­re genannt. In der Ent­schei­dung des BAG vom 1.6.201123 hat­te das Gericht die sach­grund­lo­se Befris­tung einer pro­mo­vier­ten Lehr­kraft für beson­de­re Auf­ga­ben für rechts­wid­rig erklärt, da der per­so­nel­le Gel­tungs­be­reich des § 1 Abs. 1 S. 1, Abs. 5 S. 1 WissZeitVG – wis­sen­schaft- liches und künst­le­ri­sches Per­so­nal mit Aus­nah­me der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer – im vor- lie­gen­den Fall nicht eröff­net gewe­sen sei.

Zunächst stell­te das BAG fest, dass das WissZeitVG sei­nen per­sön­li­chen Gel­tungs­be­reich „eigen­stän­dig und abschließend“24 bestim­me. Es kom­me daher nicht auf die Begriffs­be­zeich­nun­gen oder sta­tus­recht­li­che Zuord- nungs­de­fi­ni­tio­nen nach den Lan­des­hoch­schul­ge­set­zen an.25 Mit dem Abhan­den­kom­men der Rah­men­ge­setz­ge- bungs­kom­pe­tenz des Bun­des im Zuge der Föde­ra­lis­mus- reform „ging die Defi­ni­ti­ons­macht für die ver­schie­de- nen Kate­go­rien der Per­so­nal­struk­tur an den Hoch­schu- len auf die Län­der über, so dass der Bund gezwun­gen war, den per­so­nel­len Gel­tungs­be­reich des WissZeitVG eigen­stän­dig zu definieren“.26 Da das WissZeitVG aber gera­de nicht defi­niert, was unter dem Begriff „wis­sen­schaft- licher Mit­ar­bei­ter“ zu ver­ste­hen ist, hat­te das BAG ergän- zend eine Aus­le­gung nach Sinn und Zweck der Befris­tungs- mög­lich­keit und unter Berück­sich­ti­gung grund­ge­setz­li­cher Wert­ent­schei­dun­gen vorzunehmen.27

  1. 20  BAG, Urteil vom 20.1.2010 — 7 AZR 753/08.
  2. 21  BAG, Urteil vom 2.9.2009 — 7 AZR 291/08.
  3. 22  Hauck-Scholz, Aktu­el­le Pro­ble­me des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags-geset­zes (WissZeitVG), öAT 2013, S. 89.
  4. 23  BAG, Urteil vom 1.6.2011 — 7 AZR 827/09; NZA 2011, S. 1280.
  5. 24  NZA 2011, S. 1280 (1282).
  6. 25  NZA 2011, S. 1280 (1282).
  7. 26  Hauck-Scholz, aaO, S. 89.
  8. 27  ArbG Ham­burg, Urteil vom 26.2.2014 — 27 Ca 307/13.
  9. 28  NZA 2011, S. 1280 (1284).
  10. 29  NZA 2011, S. 1280 (1284).

Wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal müs­se danach eine – zu- min­dest über­wie­gend – wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tung erbrin­gen, da nur eine „inhalt­lich-tätig­keits­be­zo­ge­ne In- ter­pre­ta­ti­on des Begriffs ́wis­sen­schaft­li­ches Per­so- nal‘“28 dem „Sinn und Zweck des Gesetzes“29 ent­spre­che und das im Geset­zes­text ver­wen­de­te Adjek­tiv „wis­sen- schaft­lich“ als „tätig­keits­be­zo­ge­ner Aus­druck (…) auf ei- nen – von einer repro­duk­ti­ven oder repe­tie­ren­den Tätig- keit abzu­gren­zen­den – Aspekt hin [deutet]“.30

Das BAG hat ange­nom­men, dass „wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit (…) alles [sei], was nach Inhalt und Form als ernst­haf­ter plan­mä­ßi­ger Ver­such zur Ermitt­lung der Wahr­heit anzu­se­hen ist (…)“.31 Sie sei „nach Auf­ga­ben- stel­lung und anzu­wen­den­der Arbeits­me­tho­de dar­auf ange­legt, neue Erkennt­nis­se zu gewin­nen und zu ver­ar- bei­ten, um den Erkennt­nis­stand der jewei­li­gen wis­sen- schaft­li­chen Dis­zi­plin zu sichern oder zu erweitern“.32 „Die Ver­mitt­lung von Fach­wis­sen und prak­ti­schen Fer- tig­kei­ten an Stu­die­ren­de und deren Unter­wei­sung in der Anwen­dung wis­sen­schaft­li­cher Methoden“33 kön­ne da- bei eben­falls eine wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tung sein.34 Dies aber nur dann, wenn die Lehr­tä­tig­keit dem Leh­ren­den „die Mög­lich­keit zur eigen­stän­di­gen For- schung und Reflexion“35 belasse.

Die Gren­zen die­ser Defi­ni­ti­on sind erkenn­bar flie- ßend,36 „wenig kon­tu­riert und aussagekräftig“37, die rein dog­ma­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se problematisch.38 Wis- sen­schaft­li­che Ein­rich­tun­gen wer­den nach die­sem Urteil gezwun­gen, bei jeder Ein­stel­lung im Ein­zel­fall zu dis­ku- tie­ren, ob die von dem Mit­ar­bei­ter aus­zu­füh­ren­den Auf- gaben als wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit anzu­se­hen sind oder nicht. Denn die Trenn­li­nie zwi­schen wis­sen­schaft- lichem Per­so­nal i. S. d. WissZeitVG und sons­ti­gen Be- schäf­ti­gen ver­läuft in der Pra­xis nicht immer der­art grad­li­nig, wie vom BAG offen­bar ange­nom­men. Die Un- sicher­hei­ten bei der Grenz­zie­hung, ins­be­son­de­re im Be- reich von Befris­tun­gen bei wis­sen­schaft­li­chen Misch­tä- tig­kei­ten, die sowohl wis­sen­schaft­lich-for­schen­der als auch ver­wal­ten­der oder leh­ren­der oder kran­ken­ver­sor- gen­der Natur sind, wer­den blei­ben. Ins­ge­samt hat die­ses Urteil also eher zu einer Ver­un­si­che­rung über den An- wen­dungs­be­reich des WissZeitVG geführt.

30 NZA 2011, S. 1280 (1284).
31 NZA 2011, S. 1280 (1283).
32 NZA 2011, S. 1280 (1283).
33 NZA 2011, S. 1280 (1283 f.).
34 NZA 2011, S. 1280 (1283 f.).
35 NZA 2011, S. 1280 (1283).
36 Kroll, Aktu­el­les zum Befris­tungs­recht an Hoch­schu­len und For-

schungs­ein­rich­tun­gen – Recht­spre­chung und Gesetzgebung,

öAT 2014, S. 244 (245). 37 Hauck-Scholz, aaO, S. 89. 38 Hauck-Scholz, aaO, S. 89.

Blum/Vehling · Anmer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG 1 9 3

IV. Novel­lie­rungs­vor­schlä­ge

Es hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren meh­re­re Geset­zes­in­iti- ati­ven zu einem „Ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Geset- zes über befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge in der Wis­sen­schaft (1.WissZeitVG-ÄndG)“ gegeben.

Auf einen, noch in der letz­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode von der Bun­des­tags­frak­ti­on der SPD vor­ge­leg­ten Entwurf39 folg­te ein fast gleich lau­ten­der Gesetzesantrag40 der Bun- des­län­der Nord­rhein-West­fa­len und Ham­burg, dem Ba- den-Würt­tem­berg, Bre­men und Nie­der­sach­sen bei­get­re- ten sind, der aller­dings nicht durch den Bun­des­rat ein­ge- bracht wur­de. Auf­grund der Bun­des­tags­wahl und lang- wie­ri­gen Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen sta­gnier­te das Novel­lie­rungs­vor­ha­ben anschlie­ßend. Seit Mai 2014 liegt ein Vorschlag41 der Bun­des­tags­frak­ti­on von Bünd­nis 90/ Die Grü­nen vor. Die­ser Geset­zes­ent­wurf geht nicht über den von der SPD im Jahr 2013 vor­ge­leg­ten Ent­wurf hinaus.

Schließ­lich hat auch die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) im Janu­ar 2015 einen umfangrei- chen Entwurf42 eines Geset­zes zur Ände­rung des Wis- sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes (WissZeitVGÄndG) vor- gelegt, des­sen Grund­for­de­run­gen sich zwar mit den Ent- wür­fen von SPD und Bünd­nis 90/Die Grü­nen decken, in vie­len Tei­len aber weit über das dort Gefor­der­te hin­aus gehen.

Die Reform­vor­schlä­ge las­sen sich wie folgt zusam­men- fassen:

• Ein­füh­rung von Min­dest­ver­trags­lauf­zei­ten von grund­sätz­lich zwei Jah­ren in der Post-Doc-Pha­se, um für mehr Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit und Plan­bar­keit zu sor­gen und zukünf­tig die häu­fi­ge Ver­ein­ba­rung von sehr kur­zen Ver­trags­lauf­zei­ten von bis zu einem Jahr zu unterbinden.

• Ver­pflich­ten­der Abschluss einer den Ver­trag ergän- zen­den Betreu­ungs­ver­ein­ba­rung als zusätz­li­che Vor­aus- set­zung für eine Befris­tung in der Pro­mo­ti­ons­pha­se ge- mäß § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG, wobei die Betreu­ungs- ver­ein­ba­rung den Qua­li­fi­zie­rungs­zweck der Beschäf­ti- gung (i. d. R. die Pro­mo­ti­on) sowie die jewei­li­gen Rech­te und Pflich­ten der Ver­trags­par­tei­en, Betreu­ungs­stan- dards oder z.B. etwai­ge Lehr­ver­pflich­tun­gen wie­der­zu- geben hat und an die vor­ge­se­he­ne Lauf­zeit des Beschäf-

  1. 39  BT-Drs. 17/12531.
  2. 40  BR-Drs. 267/13.
  3. 41  BT-Drs. 18/1463.
  4. 42  GEW-Gesetz­ent­wurf: Dau­er­stel­len für Dau­er­auf­ga­ben — Min-

tigungs­ver­hält­nis­ses zu kop­peln ist (wei­ter­ge­hend bei der GEW: Qua­li­fi­zie­rungs­ab­re­de sowie für den Fall des Errei­chens des Qua­li­fi­zie­rungs­ziels die Ver­ein­ba­rung des Ent­falls der Befris­tungs­ab­re­de als Vor­aus­set­zung für Befris­tung in Post-Doc-Phase).

• Enge­re Fas­sung des Anwen­dungs­be­reichs des Be- fris­tungs­tat­be­stands der über­wie­gen­den Dritt­mit­tel­fi- nan­zie­rung dahin­ge­hend, dass befris­te­te Arbeits­ver- trags­lauf­zei­ten nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG künf­tig den Lauf­zei­ten der Finan­zie­rungs­be­wil­li­gun­gen der Dritt- mit­tel­ge­ber ent­spre­chen müs­sen (bei län­ge­ren Bewil­li- gungs­zeit­räu­men min­des­tens 24 Monate).

Dane­ben zusätz­li­che Vor­ga­ben für die Befris­tung von nicht-wis­sen­schaft­li­chem und nicht-künst­le­ri­schem Per­so­nal, wonach der Arbeit­ge­ber die Not­wen­dig­keit ei- ner befris­te­ten Beschäf­ti­gung dar­le­gen und stets mehr als 50 Pro­zent des ange­stell­ten nicht-wis­sen­schaft­li­chen und nicht-künst­le­ri­schen Per­so­nals in einer Ein­rich­tung fest ange­stellt sein muss (anders bei der GEW: Gänz­li­che Her­aus­nah­me von über­wie­gend mit Lehr­auf­ga­ben be- trau­tem sowie nicht-wis­sen­schaft­li­chem und nicht- künst­le­ri­schem Per­so­nal aus dem Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG).

• Klar­stel­lung, dass Arbeits­zei­ten, die wäh­rend des Erst­stu­di­ums (Abschluss mit Bache­lor und kon­se­ku­tiv anschlie­ßen­dem Mas­ter oder gleich­wer­tig) geleis­tet wur­den, nicht auf die 12- bezie­hungs­wei­se 15-Jah­re-Re- gelung ange­rech­net wer­den, um ein­heit­li­che Handha- bung bei der Anrech­nung von stu­di­en­be­glei­ten­den Ar- beits­zei­ten zu gewährleisten.

• Sicher­stel­lung, dass pri­vi­le­gier­te Tat­be­stän­de nach § 2 Abs. 5 Satz 2 WissZeitVG (z.B. Mut­ter­schut­z/­El­tern- zeit, Pfle­ge von Kin­dern oder Ange­hö­ri­gen) auch tat- säch­lich Begüns­tig­ten zugu­te­kom­men. In der Pra­xis sind der­ar­ti­ge Zei­ten bei Arbeit­ge­ber­wech­seln nicht im- mer erkenn­bar aus­ge­wie­sen wor­den (wesent­lich umfas- sen­der die GEW: Auto­ma­tis­mus auch bei Ver­län­ge­rung im Rah­men der fami­li­en­po­li­ti­schen Kom­po­nen­te in § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG sowie Aus­wei­tung der­sel- ben auch auf Drittmittelbefristungen).

• Auf­he­bung der Tarif­sper­re in § 1 Abs. 1 Satz 2 und 3 WissZeitVG zur Siche­rung der Tarifautonomie.

dest­stan­dards für Zeit­ver­trä­ge; abruf­bar unter: http://www.gew. de/wissenschaft/wissenschaftszeitvertragsgesetz [abge­ru­fen am 16.8.2015].

194 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 189–198

IV. Refe­ren­ten­ent­wurf vom 9.7.201543

Der Refe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil- dung und For­schung für ein „Ers­tes Gesetz zur Ände- rung des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes“ – 1. Wiss- ZeitVGÄndG – behält, wie erwar­tet, die grund­sätz­li­che Stoß­rich­tung der Eck­punk­te­pa­pie­re der Frak­tio­nen von CDU/CSU und SPD sowie der vor­aus­ge­gan­ge­nen Geset- zes­in­itia­ti­ven bei. So soll mit der Geset­zes­än­de­rung – sei es durch Neu­re­ge­lun­gen, sei es durch stär­ke­re Kon­tu­rie- rung bestehen­der Rege­lun­gen – Fehl­ent­wick­lun­gen in der Befris­tungs­pra­xis ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den, ohne die in der Wis­sen­schaft erfor­der­li­che Fle­xi­bi­li­tät und Dyna­mik zu beeinträchtigen“44 und sie damit hand- lungs­un­fä­hig zu machen. Gleich­zei­tig distan­ziert sich der Refe­ren­ten­ent­wurf aber auch von For­de­run­gen der frü­he­ren Vor­schlä­ge. Er über­nimmt nicht die viel­fach ein­ge­brach­te Auf­he­bung der Tarif­sper­re, weil sie „der Grund­kon­zep­ti­on des Geset­zes widerspricht“45, oder die Ver­pflich­tung zum Abschluss von Betreu­ungs­ver­ein­ba- run­gen, weil sie „von der dem Gesetz zugrun­de lie­gen- den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz nicht gedeckt ist“46 sowie die For­de­rung nach Min­dest­ver­trags­lauf­zei­ten wegen „feh­len­der Zweckmäßigkeit“.47

Kon­kret sieht der Refe­ren­ten­ent­wurf die expli­zi­te Auf- nah­me des Qua­li­fi­zie­rungs­ziels als Grund­la­ge einer sach- grundlos48 befris­te­ten Beschäf­ti­gung nach § 2 Abs. 1 Wiss- ZeitVG vor. Zuläs­sig­keit und Wirk­sam­keit einer Befris- tung von Arbeits­ver­trä­gen nach § 2 Abs. 1 Satz 1 (Pro­mo- tions­pha­se) und Satz 2 (Post-Doc-Pha­se) wer­den an das Erfor­der­nis geknüpft, dass die jewei­li­ge Beschäf­ti­gung „zur eige­nen wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Qualifizierung“49 dient. Die Wahr­neh­mung auch von Dau­er­auf­ga­ben durch befris­tet Beschäf­tig­te bleibt mög- lich, ist aber künf­tig nur noch dann als sach­ge­recht an- zuse­hen, wenn die Tätig­keit im Zusam­men­hang mit der per­sön­li­chen Qua­li­fi­zie­rung des ein­zel­nen Beschäf­tig­ten steht.50

Die ver­ein­bar­te Befris­tungs­dau­er und die ange­streb- te Qua­li­fi­zie­rung sol­len künf­tig in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zuein­an­der stehen.51 Bei einer for­ma­len Qua-

  1. 43  Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO.
  2. 44  Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Vor­blatt, S. 1.
  3. 45  Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Vor­blatt, S. 1.
  4. 46  Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Vor­blatt, S. 1.
  5. 47  Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Vor­blatt, S. 1.
  6. 48  Der Refe­ren­ten­ent­wurf stellt klar, dass „die als ́typi­sier­te Qua­li-fizie­rungs­pha­se‘ kon­zi­pier­te sach­grund­lo­se Befris­tung“ durch die in den Geset­zes­text auf­ge­nom­me­ne Zweck­set­zung nicht zu einer Sach­grund­be­fris­tung wird. Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVG- ÄndG, aaO, Begrün­dung, S. 10.

lifi­zie­rung wie etwa der Pro­mo­ti­on bedeu­tet dies, dass die Lauf­zeit des zugrun­de lie­gen­den Ver­trags­ver­hält­nis- ses dem Dok­to­ran­den die Mög­lich­keit geben muss, die Pro­mo­ti­ons­leis­tun­gen in ange­mes­se­ner Zeit zu erbrin- gen. Kurz- und Ket­ten­be­fris­tun­gen sol­len hier­durch ver- hin­dert werden.

Im Bereich von Befris­tun­gen auf­grund von Dritt­mit- tel­fi­nan­zie­run­gen soll die ver­ein­bar­te Befris­tungs­dau­er der jewei­li­gen Dau­er der Mit­tel­be­wil­li­gung ent­sp­re- chen.52 Der Abschluss eines in der Lauf­zeit nicht der Dau­er der Mit­tel­be­wil­li­gung ent­spre­chen­den, kür­ze­ren Ver­trags bleibt bei begrün­de­ten Aus­nah­men im Ein­zel- fall möglich.53 Als mög­li­che Grün­de für eine Kurz­be­fris- tung nennt der Refe­ren­ten­ent­wurf Abschluss­ar­bei­ten im Nach­gang zu einem Arbeits­ver­hält­nis, etwa zur Fer­tig- stel­lung einer Publi­ka­ti­on, Dok­tor­ar­beit oder eines Pro- jekts, sowie die Über­brü­ckung zu einer Anschluss­be- schäf­ti­gung oder zwi­schen zwei Projekten.54

Eine Befris­tung wegen Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung von wis- sen­schafts­ak­zes­so­ri­schem Per­so­nal soll nicht mehr mög­lich sein. Der Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG wird nicht mehr auf die­se Beschäf­tig­ten­grup­pe ausgeweitet.

Die fami­li­en­po­li­ti­sche Kom­po­nen­te in § 2 Abs. 1 Satz 4 WissZeitVG (neu) soll dahin­ge­hend prä­zi­siert wer­den, dass sich die ins­ge­samt zuläs­si­ge Befris­tungs- dau­er bei Betreu­ung eines oder meh­re­rer Kin­der unter 18 Jah­ren nicht nur bei leib­li­chen und adop­tier­ten Kin- dern um zwei Jah­re je Kind ver­län­gert, son­dern auch bei der Betreu­ung von Stief- und Pfle­ge­kin­dern (Ver­weis auf § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 bis 3 Bundes­el­tern­geld- und Elternzeitgesetz).

Der Ent­wurf greift schließ­lich noch die Pro­ble­ma­tik der unein­heit­li­chen prak­ti­schen Hand­ha­bung der An- rech­nung von stu­di­en­be­glei­ten­den befris­te­ten Arbeits- zei­ten auf die ins­ge­samt zuläs­si­gen Befris­tungs­dau­ern auf und stellt in einem neu­en § 6 klar, dass stu­den­ti­sche Hilfs­kraft­tä­tig­kei­ten nicht nur wäh­rend eines Stu­di­ums, das zu einem ers­ten berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss führt (z.B. Bache­lor), son­dern auch wäh­rend einem kon- seku­tiv anschlie­ßen­dem Mas­ter- oder gleich­wer­ti­gem Stu­di­um anrech­nungs­frei bleiben.

49 Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Geset­zes­text, § 2 Abs. 1 Satz 1 und 2.

50 Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Begrün­dung, S. 7. 51 Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Gesetzestext,

§ 2 Abs. 1 Satz 3.
52 Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Gesetzestext,

§ 2 Abs. 2 Satz 1.
53 Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Begrün­dung, S. 6. 54 Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Begrün­dung, S. 6.

Blum/Vehling · Anmer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG 1 9 5

VI. Bewer­tung des Ent­wurfs aus Sicht der außer­uni­ver­si­tä­ren Forschungseinrichtungen

Wie ist der Refe­ren­ten­ent­wurf aus Sicht der außer­uni- ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen zu bewer­ten und was bedeu­tet er für die all­täg­li­che Pra­xis im Wis­sen- schafts­be­trieb? Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass der Refe- ren­ten­ent­wurf ins­ge­samt sehr aus­ge­wo­gen ist. Er ver- folgt erkenn­bar das Ziel, die beab­sich­tig­te Ein­däm­mung der befris­te­ten Arbeits­ver­trä­ge mit den Not­wen­dig­kei- ten eines inno­va­ti­ven und zugleich den Nach­wuchs qua- lifi­zie­ren­den Wis­sen­schafts­be­triebs in Ein­klang zu brin- gen. Zu ein­zel­nen Rege­lungs­in­hal­ten sind fol­gen­de Anmer­kun­gen zu machen:

a) Beson­ders wich­tig und zu begrü­ßen ist die Bei­be- hal­tung der Tarif­sper­re in § 1 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG. Ihr Weg­fall hät­te nicht, wie von den Befür­wor­tern die­ser Geset­zes­än­de­rung inten­diert, zu einer Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen der befris­tet beschäf­tig­ten Wis­sen- schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler bei­getra­gen, son- dern zu einer Zer­split­te­rung der gel­ten­den Rege­lun­gen in der deut­schen Wis­sen­schafts­land­schaft geführt.

Die Tarif­sper­re war ursprüng­lich ein­ge­führt wor­den um sicher­zu­stel­len, dass von der im WissZeitVG fest­ge- schrie­be­nen Befris­tungs­dau­er nicht durch Ver­ein­ba­rung abge­wi­chen wer­den kann. Neben der Begren­zung der Höchst­be­fris­tungs­dau­er war Rege­lungs­zweck, das Nach­rü- cken jun­ger Nach­wuchs­wis­sen­schaft­le­rin­nen und ‑wis­sen- schaft­ler auf die vor­han­de­nen Stel­len sicherzustellen.55

Die Öff­nung des wis­sen­schaft­li­chen Son­der­be­fris- tungs­rechts für die kol­lek­tiv­recht­li­che Gestal­tung wäre auch des­halb pro­ble­ma­tisch, weil die Wis­sen­schaft­sein- rich­tun­gen nicht als Arbeit­ge­ber orga­ni­siert sind und ihre gemein­sa­men Inter­es­sen nicht wirk­sam ver­tre­ten kön­nen. Man­gels einer sol­chen ein­heit­li­chen Orga­ni­sa­ti- on der wis­sen­schaft­li­chen Arbeit­ge­ber in Deutsch­land wür­de es durch die Auf­he­bung der Tarif­sper­re mit hoher Wahr­schein­lich­keit nur zu einer wei­te­ren Aus­dif­fe­ren- zie­rung und Unein­heit­lich­keit der Rah­men­be­din­gun­gen kom­men. Die Zer­split­te­rung der Tarif­land­schaft und Unüber­sicht­lich­keit der jeweils gel­ten­den Befris­tungs­re- gelun­gen wür­den sich zum Nach­teil des wis­sen­schaft­li- chen Nach­wuch­ses auswirken.

b) Die expli­zi­te Auf­nah­me des Qua­li­fi­zie­rungs­ziels als Grund­la­ge einer sach­grund­los befris­te­ten Beschäfti-

  1. 55  Bereits zur Vor­gän­ger­re­ge­lung § 57 a Satz 2 HRG: BVerfGE 94, 268; BT-Drs. 10/2283, S. 6.
  2. 56  So auch CDU/C­SU-Eck­punk­te­pa­pier, aaO.
  3. 57  Vgl. hier­zu Geset­zes­be­grün­dung zum WissZeitVG, BT-Drs.16/3438.

gung nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG ist die logi­sche Kon­se- quenz der bis­her allein in der Geset­zes­be­grün­dung ent- hal­te­nen Zweck­be­stim­mung des WissZeitVG,56 die Qua- lifi­zie­rung (Aus‑, Fort- und Wei­ter­bil­dung) des wis­sen- schaft­li­chen Nach­wuch­ses an Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen (§ 5 Wiss- ZeitVG) sicherzustellen.57

Der Refe­ren­ten­ent­wurf ver­zich­tet dabei aus­drück­lich auf die Vor­ga­be eines for­ma­len Qualifizierungsziels58 und erkennt wei­ter­hin an, dass sich wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on nicht allein in der for­ma­len Qua­li­fi­zie­rung im Rah­men eines Pro­mo­ti­ons- oder Habi­li­ta­ti­ons­vorha- bens erschöpft, son­dern in einer Viel­zahl von Aus­prä- gun­gen statt­fin­den kann, ins­be­son­de­re auch in der Mit- arbeit an Forschungsvorhaben59 oder in dem Erwerb von Fähig­kei­ten und Kennt­nis­sen im wis­sen­schaft­li­chen Pro­jekt­ma­nage­ment, der wis­sen­schaft­li­chen Akqui­si­ti­on und Mitarbeiterführung.

Das trägt der Rea­li­tät in den For­schungs­ein­rich­tun- gen Rech­nung, in der nicht jede Beschäf­ti­gung wäh­rend der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se auf eine Pro­mo­ti­on oder Habi­li- tati­on aus­ge­rich­tet ist, gleich­wohl aber für eine Kar­rie­re inner­halb des Wis­sen­schafts­sys­tems (z.B. im Bereich des Wis­sen­schafts­ma­nage­ments) för­der­lich sein kann. Die Annah­me, jeder wis­sen­schaft­lich Beschäf­tig­te stre­be die Erstel­lung einer Dis­ser­ta­ti­on oder Habi­li­ta­ti­ons­schrift an, trifft erwie­se­ner Maßen nicht zu.60

Ins­be­son­de­re nach Abschluss der Pro­mo­ti­on zwei- feln vie­le an der Sinn­haf­tig­keit einer wei­te­ren for­ma­len Qua­li­fi­zie­rung. Und dies zu recht. Denn einer­seits ste- hen auf dem stei­ni­gen Weg der aka­de­mi­schen Kar­rie­re, trotz aller poli­ti­schen För­der­maß­nah­men (Ten­u­re Track Posi­tio­nen, Juni­or­pro­fes­su­ren etc.), nur sehr begrenzt Stel­len­ka­pa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung. Ande­rer­seits hono­rie- ren ande­re Arbeit­ge­ber, ob pri­vat oder öffent­lich, in der Regel kei­ne wei­te­ren for­ma­len aka­de­mi­sche Qua­li­fi­ka­ti- onen über die Pro­mo­ti­on hin­aus. Sehr wohl aber schät- zen sie die Erfah­run­gen und Fähig­kei­ten, die mit selb­stän- digen wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten erwor­ben wurden.

Die Fest­le­gung for­ma­ler Qua­li­fi­zie­rungs­zie­le als Vor- aus­set­zung für eine wirk­sa­me Befris­tung wür­de dar­über hin­aus die außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen vor neue Her­aus­for­de­run­gen stel­len. Sie ver­fü­gen be- kannt­lich weder über ein eige­nes Pro­mo­ti­ons- noch Ha- bili­ta­ti­ons­recht. Damit hät­ten sie kaum mehr eine Hand- habe gehabt, wis­sen­schaft­li­che Beschäf­tig­te außer­halb ihrer koope­ra­ti­ven Gra­du­ier­ten­pro­gram­me befris­tet zu

58 So auch bis­her BT-Drs. 16/3438, S. 11.
59 Von Wesch­pfen­nig, „Pre­kä­re Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se“ des

aka­de­mi­schen Mit­tel­baus – Abhil­fe durch den Gesetzgeber?,

http://www.juwiss.de/44–2014/ [abge­ru­fen am 16.8.2015]. 60 Von Wesch­pfen­nig, aaO.

196 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 189–198

beschäf­tig­ten. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Uni­ver- sitä­ten über das Pro­mo­ti­ons- und Habi­li­ta­ti­ons­recht wür­de neu­en Zünd­stoff erhal­ten. Das Teil­zeit- und Be- fris­tungs­ge­setz (TzBfG) hät­te die so ent­ste­hen­de Lücke nicht schlie­ßen kön­nen, ent­hält es doch nur eine zwei- jäh­ri­ge sach­grund­lo­se und damit sehr kur­ze Befris­tungs- mög­lich­keit oder, für den Wis­sen­schafts­be­trieb nicht sel­ten unpas­sen­de und damit unsi­che­re Befristungsgründe.

c) Der Ver­zicht auf die Fest­schrei­bung des Erfor­der- nis­ses einer for­ma­len Betreu­ungs­ver­ein­ba­rung zur Si- che­rung des Qua­li­fi­zie­rungs­zwecks, wie noch in den äl- teren Vor­schlä­gen für die Geset­zes­no­vel­lie­rung gefor- dert, kommt mit Blick auf die vor­aus­ge­gan­ge­ne poli­ti- sche und media­le Dis­kus­si­on über­ra­schend, ist aber nor­ma­tiv rich­tig. Die Rege­lungs­kom­pe­tenz des Bun­des fehlt. Zum einen, so stellt der Refe­ren­ten­ent­wurf zutref- fend fest, ist die gesetz­li­che Ver­knüp­fung von Befris­tung nach WissZeitVG und Betreu­ungs­ver­ein­ba­rung von des­sen Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für das Arbeits­recht aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 12 Grund­ge­setz, auf der das Wiss- ZeitVG aus­schließ­lich beruht, nicht gedeckt.61 Nach den Erläu­te­run­gen des Ent­wurfs knüp­fen die Vor­ga­ben für den Abschluss und die Inhal­te einer Betreu­ungs­ver­ein- barung „nicht an den Arbeit­neh­mer­sta­tus an, son­dern sind pri­mär im Kon­text der wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung zu sehen und zie­len auf deren Erfolg“.62

Daher unter­liegt eine hoch­schul­recht­li­che Betreu- ungsvereinbarung63 der Gesetz­ge­bung der Län­der bezie- hungs­wei­se ist Ange­le­gen­heit der Uni­ver­si­tä­ten. Eine Viel­zahl der Uni­ver­si­tä­ten hat sie in ihre Pro­mo­ti­ons- ord­nun­gen auf­ge­nom­men, das Land Baden-Würt­tem- berg schreibt den Abschluss in sei­nem Lan­des­hoch- schul­ge­setz (§ 38 Abs. 5 Satz 2) vor.64 Die baye­ri­schen Uni­ver­si­tä­ten sehen sie seit kur­zem aus­drück­lich in den „Grund­sät­zen der staat­li­chen baye­ri­schen Hoch­schu­len zum Umgang mit Befris­tun­gen nach dem WissZeitVG und zur För­de­rung von Kar­rie­re­per­spek­ti­ven für den wis­sen­schaft­li­chen Nachwuchs“65 vor.

Dar­über hin­aus hät­te eine sol­che Rege­lung im Wiss- ZeitVG alle außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun- gen vor kaum lös­ba­re recht­li­che Pro­ble­me sowie einen nicht leist­ba­ren Ver­wal­tungs­auf­wand gestellt. Denn der Arbeits­ver­trag wür­de zwar zwi­schen Dok­to­rand und

  1. 61  Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Begrün­dung S. 8.
  2. 62  Refe­ren­ten­ent­wurf 1. WissZeitVGÄndG, aaO, Begrün­dung S. 8.
  3. 63  Grund­le­gend zu der The­ma­tik der hoch­schul­recht­li­chen­Be­treu­ungs­ver­ein­ba­run­gen: Löwisch/Würtenberger, Betreu- ungs­ver­ein­ba­run­gen im Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren, OdW 3 (2014), S. 103.
  4. 64  Löwisch/Würtenberger, aaO, S. 103.

For­schungs­ein­rich­tung abge­schlos­sen. Da das Pro­mo- tions- und Habi­li­ta­ti­ons­recht aber allei­ne bei den Hoch- schu­len liegt, ist die eigent­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on maß­geb- lich durch die­se zu beför­dern und sicher­zu­stel­len. Ad- res­sa­ten der sich aus der Betreu­ungs­ver­ein­ba­rung erge- ben­den Rech­te und Pflich­ten sind der uni­ve­si­tä­re Betreu­er und der Dok­to­rand, nicht die Ein­rich­tung, an wel­cher der Dok­to­rand sei­ne Arbeit erstellt.66

Eine Ver­mi­schung des Rechts­ver­hält­nis­ses der Dok- toran­den mit der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungsein- rich­tung auf Grund­la­ge eines Arbeits­ver­trags und dem öffent­lich-recht­li­chen Dok­to­ran­den­ver­hält­nis mit der Hoch­schu­le, dem in der Regel die Betreu­ungs­ver­ein­ba- rung zugrun­de liegt, wäre weder rechts­sys­te­ma­tisch sau- ber, noch in der Pra­xis gut hand­hab­bar gewe­sen. Auch bei den mitt­ler­wei­le weit ver­brei­te­ten gemein­sa­men Be- rufun­gen ver­bleibt das eigent­li­che Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren bei den Hoch­schu­len und unter­liegt den dor­ti­gen Ord- nun­gen. Der Abschluss einer Betreu­ungs­ver­ein­ba­rung und die anschlie­ßen­de Betreu­ung durch die Hoch­schu­le könn­te von den außer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen regel- mäßig nur sehr bedingt beein­flusst und nach­ge­hal­ten werden.

Neben den prak­ti­schen Schwie­rig­kei­ten wür­den auch neue Rechts­un­si­cher­hei­ten ent­ste­hen. Wenn die Wirk- sam­keit der Befris­tung eines Arbeits­ver­trags mit der au- ßer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung an den Ab- schluss und die Ein­hal­tung einer Betreu­ungs­ver­ein­ba- rung mit der Hoch­schu­le gekop­pelt wäre, müss­te das Ver­hält­nis die­ser bei­den Ver­trä­ge geklärt wer­den. Was wäre die Kon­se­quenz bei Män­geln eines oder bei­der Rechts­ver­hält­nis­se (z.B. unter­las­se­ner oder ver­spä­te­ter Abschluss oder Ver­stoß gegen die Betreu­ungs­ver­ein­ba- rung)? Wür­de bei Män­geln im Betreu­ungs­ver­hält­nis die Befris­tung ent­fal­len und ein Dok­to­ran­den­ver­trag in ein unbe­fris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis über­ge­hen? Sol­che Risi- ken wären für die For­schungs­ein­rich­tun­gen nicht trag- bar, wür­den wei­te­re for­ma­le Absi­che­run­gen und Ver- wal­tungs­auf­wand her­vor­ru­fen und sich letzt­lich zulas- ten des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses auswirken.

d) Die Mög­lich­keit, Arbeits­ver­trä­ge über den Sach- grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung zu befris­ten (§ 2 Abs. 2 WissZeitVG)67, gilt als der unbe­strit­te­ne Erfolgs­fak­tor des WissZeitVG und hat in die­sem Bereich für ein hohes

65 Abruf­bar unter http://www.km.bayern.de/allgemein/mel- dun­g/3347/­bes­se­re-arbeits­be­din­gun­gen-fuer-nach­wuchs­wis­sen- schaftler.html [abge­ru­fen am 16.8.2015].

66 Löwisch/Würtenberger, aaO, S. 103.
67 Sie­he hier­zu umfas­send Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Drittmit-

tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs.2 WissZeitVG, OdW 4 (2015), S. 217 ff. in die­sem Heft.

Blum/Vehling · Anmer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG 1 9 7

Maß an Rechts­si­cher­heit bei Arbeit­ge­bern und Beschäf- tig­ten glei­cher­ma­ßen gesorgt. Der nun in den Refe­ren- ten­ent­wurf auf­ge­nom­me­ne Gleich­lauf von ver­ein­bar­ter Befris­tungs­dau­er und Dau­er der Finan­zie­rungs­be­wil­li- gung wird im Rah­men der recht­li­chen und tat­säch­li­chen Mög­lich­kei­ten der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungsein- rich­tun­gen schon heu­te umgesetzt.

Ent­schei­dend ist aber die Aus­ge­stal­tung der Vor- schrift als „Soll-Vor­schrift“, wodurch der Refe­ren­ten­ent- wurf die Rea­li­tät der Dritt­mit­tel­pra­xis in der deut­schen For­schung berück­sich­tigt. Eine ande­re Aus­ge­stal­tung, etwa als „Muss-Vor­schrift“, hät­te ver­kannt, dass den For- schungs­ein­rich­tun­gen bei der Viel­zahl unter­schied­li­cher Dritt­mit­tel­ge­ber (deut­sche öffent­li­che oder pri­va­te, aus- län­di­sche oder supra­na­tio­na­le Finan­zie­rungs­trä­ger) mit ent­spre­chend man­nig­fal­ti­gen, dif­fe­rie­ren­den För­der­for- maten und Bestim­mun­gen, jeden­falls hin­rei­chen­de Fle- xibi­li­tät bei der per­so­nel­len Aus­ge­stal­tung (Per­so­nal­p­la- nung und ‑ein­satz) der Pro­jek­te zuge­stan­den wer­den muss, um inner­halb des engen zuwen­dungs­recht­li­chen Rah­mens manö­vrier­fä­hig zu blei­ben. Etwa bei Per­so­nal- wech­seln (z.B. arbeit­ge­ber- und/oder arbeit­neh­mer­sei­ti- ge Kün­di­gung) unter­halb der Pro­jekt­lauf­zeit oder bei ei- nem sich außer­plan­mä­ßig erge­ben­den per­so­nel­len Son- der­be­darf muss auch die Ver­ein­ba­rung kür­ze­rer Ver- trags­lauf­zei­ten ange­mes­sen sein.

Gleich­zei­tig wäre durch eine man­da­to­ri­sche Kopp- lung der Lauf­zei­ten von Ver­trag und Dritt­mit­tel­fi­nan­zie- rung in sim­pli­fi­zie­ren­der Wei­se unter­stellt wor­den, dass die für die Durch­füh­rung eines Pro­jek­tes benö­tig­ten Ex- per­ti­sen über die Gesamt­lauf­zeit der Finan­zie­rungs­be- wil­li­gung immer iden­tisch sind. Die Pra­xis zeigt aber, dass häu­fig das Gegen­teil der Fall ist. Pro­jek­te, ins­be­son- dere grö­ße­re Vor­ha­ben mit Lauf­zei­ten von meh­re­ren Jah­ren, las­sen sich regel­mä­ßig in meh­re­re Pro­jektab- schnit­te unter­tei­len. Die­se kön­nen Vor‑, Haupt- und Nach­be­rei­tungs­tä­tig­kei­ten umfas­sen, aber auch selbst- stän­di­ge Teil­pro­jek­te inner­halb des Gesamt­pro­jek­tes. Im Rah­men des Gesamt­pro­jekts wer­den daher, je nach Ab- schnitt, unter­schied­li­che Fach­kennt­nis­se benö­tigt, die nicht durch eine Per­son abge­deckt wer­den kön­nen. Die zugrun­de lie­gen­den Finan­zie­rungs­zu­sa­gen sind dar­über hin­aus häu­fig zu unspe­zi­fisch, als dass sich dar­aus per- sonal­wirt­schaft­li­che Rück­schlüs­se für Per­so­nal­p­la- nung und ‑ein­satz zie­hen lie­ßen. Per­so­nel­le Ein­zel- maß­nah­men kön­nen sich nach der indi­vi­du­el­len Aus- wahl als wesent­lich kos­ten­in­ten­si­ver her­aus­stel­len, als bei Bean­tra­gung der Mit­tel für die Posi­ti­on ver­an- schlagt; z.B. dann, wenn die Bewer­bungs­markt­si­tua­ti- on eine Ein­stel­lung ver­teu­ert. Den wis­sen­schaft­li­chen Arbeit­ge­bern bleibt in die­sen Fäl­len nur die Kür­zung der Beschäf­ti­gungs­zeit auf eine gegen­über der Projektlaufzeit

kür­ze­re Ver­trags­lauf­zeit, um die Finan­zie­rung der Stel­le zu gewähr­leis­ten. Es ist daher zu hof­fen, dass die fle­xi­ble For- mulie­rung des Refe­ren­ten­ent­wurfs im Lau­fe des Gesetz­ge- bungs­ver­fah­rens erhal­ten bleibt.

e) Kri­tisch zu beur­tei­len ist dem­ge­gen­über aus Sicht der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schung die geplan­te Abschaf­fung der Befris­tungs­mög­lich­keit für nicht-wis­sen­schaft­li­ches (sog. wis­sen­schafts­ak­zes­so­ri­sches Per­so­nal wie Tech­ni­sche Assis­ten­tin­nen und Assis­ten­ten) und nicht-künst­le­ri­sches Per­so­nal auf Grund­la­ge von befris­tet zur Ver­fü­gung ste­hen- den Mit­teln (Strei­chung von § 2 Abs. 2 Satz 2 WissZeitVG sowie der bezug­neh­men­den §§ 3 Satz 2, 4 Satz 2, 5 Satz 2 WissZeitVG). Die­se Ände­rung wird mit dem Argu- ment begrün­det, dass für Dau­er­auf­ga­ben auch dau­er­haft Per­so­nal ange­stellt wer­den soll. Die­ses Argu­ment ist in sei- ner Abs­trakt­heit nicht zu bestrei­ten, trifft aber nicht die Rea­li- tät vie­ler Dritt­mit­tel­pro­jek­te. Die Pro­jek­te sind per se kei­ne Dau­er­auf­ga­ben. Zwar haben gro­ße For­schungs­ein­rich­tun­gen immer ein gewis­ses Volu­men an Dritt­mit­tel­pro­jek­ten in Bear- bei­tung, es wäre aber ein Irr­tum zu mei­nen, dass dabei ein­heit- liche Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen an das tech­ni­sche Per­so­nal bestehen.

Im Gegen­teil: die Qua­li­fi­ka­tio­nen und die Finan­zie­rung auch des nicht-wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals wer­den im Detail in den Pro­jekt­an­trä­gen beschrie­ben und nur in dem Umfang bewil­ligt, wie tat­säch­lich not­wen­dig. Ihre Funk­ti­on ist für die erfolg­rei­che Durch­füh­rung des Pro­jekts unter Umstän­den genau­so wich­tig wie die der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter (z.B. beim Ein­satz spe­zi­el­ler Mess­tech­ni­ken). Mit­tel für die Schu­lung und das Anler­nen von vor­han­de- nem tech­ni­schem Per­so­nal sind in den Dritt­mit­tel­fi­nan­zie- run­gen nicht ent­hal­ten. Die Aus­stat­tung von Dritt­mit­tel- pro­jek­ten mit tech­ni­schem Per­so­nal wird mit die­ser Geset- zes­än­de­rung in Zukunft schwie­ri­ger, etwa dann, wenn im Rah­men von dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Stu­di­en Feld­ar­bei­ten (Erhe­bun­gen, Stich­pro­ben oder Ähn­li­ches) durch­zu­füh­ren sind, für die vor­über­ge­hend spe­zi­ell geschul­tes Per­so­nal be- nötigt wird, wel­ches aber in der Regel so spe­zia­li­siert ist, dass es an-der­wei­tig kaum ein­setz­bar ist oder aber auch dann, wenn eine Per­so­nal­auf­sto­ckung erfor­der­lich wird.

Mit der Abschaf­fung der Befris­tungs­mög­lich­keit nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG für wis­sen­schafts­ak­zes­so­ri­sches Per- sonal wer­den die Arbeit­ge­ber geneigt sein, in Dritt­mit­tel- pro­jek­ten künf­tig statt über das WissZeitVG, über das TzBfG zu befris­ten. Die mit Ein­füh­rung des WissZeitVG geschaf­fe­ne Rechts­si­cher­heit in die­sem Bereich wür­de weg- fal­len, da eine nach § 14 Abs. 1 TzBfG wirk­sa­me Dritt­mit­tel- befristung68 eine stren­ge­re Pro­gno­se dahin­ge­hend vor­aus- setzt, dass mit einer Wei­ter­ge­wäh­rung der Dritt­mit­tel über den Pro­jekt­zeit­raum hin­aus nicht zu rech­nen ist.

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Die­se Pro­gno­se kann aber nicht immer glei­cher­ma- ßen ver­läss­lich getrof­fen wer­den, da die wis­sen­schaft­li- chen Ein­rich­tun­gen kei­nen Ein­fluss auf Geld­ge­ber und etwai­ge Anschluss­fi­nan­zie­run­gen haben. Eine sach- grund­lo­se Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG wäre wei- ter­hin nur bei Neu­ein­stel­lun­gen mög­lich. (Neuan­ge- stell­tes) wis­sen­schafts­ak­zes­so­ri­sches Per­so­nal müss­te spä­tes­tens nach zwei Jah­ren ent­fris­tet oder, was der we- sent­lich häu­fi­ge­re Fall sein dürf­te, man­gels dau­er­haf­ter Beschäf­ti­gungs­per­spek­ti­ve und Finan­zie­rungs­mög­lich- keit, aus­ge­tauscht werden.

VII. Fazit und Ausblick

Der vor­ge­leg­te Refe­ren­ten­ent­wurf für die Ände­rung des WissZeitVG ist eine not­wen­di­ge Maß­nah­me zur Ände- rung der der­zei­ti­gen Befris­tungs­pra­xis in Wis­sen­schafts- ein­rich­tun­gen, die ohne Wenn und Aber als unbe­frie­di- gend zu bezeich­nen ist. Die der­zei­ti­ge Pra­xis wird weder dem Bedürf­nis nach plan­ba­ren, ver­läss­li­chen Kar­rie­re- wegen und ange­mes­se­nen Ver­trags­lauf­zei­ten gerecht, noch bie­tet sie die nöti­ge Rechts­si­cher­heit für die Ein- richtungen.

Die Geset­zes­än­de­rung allei­ne wird aller­dings nicht aus­rei­chen, um lang­fris­tig Ver­hält­nis­se in der deut­schen Wis­sen­schafts­land­schaft her­bei­zu­füh­ren, die den be- rech­tig­ten Inter­es­sen des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch- ses und der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen gerecht wer­den. Fak­to­ren wie Finan­zie­rungs­un­si­cher­hei­ten, demo­gra­fi- sche Ent­wick­lung und wis­sen­schafts­spe­zi­fi­sches Mind- set spie­len eine eben­so wesent­li­che, wenn nicht sogar ge- wich­ti­ge­re Rol­le als das viel­fach kri­ti­sier­te Arbeits­recht. Um eine spür­ba­re Ver­bes­se­rung her­bei­zu­füh­ren sind Maß­nah­men erfor­der­lich, die ins­be­son­de­re bei der Fi- nan­zie­rungs- und Stel­len­si­tua­ti­on der Ein­rich­tun­gen an-

set­zen. Denn die geplan­ten Geset­zes­än­de­run­gen bemü- hen sich zwar um ein Gleich­ge­wicht zwi­schen einer Ver- bes­se­rung der Situa­ti­on der wis­sen­schaft­li­chen Beschäf- tig­ten einer­seits, und der beson­de­ren Situa­ti­on der wis­sen­schaft­li­chen Arbeit­ge­ber ande­rer­seits, beinhal­ten aber auch das Poten­zi­al neue Unsi­cher­hei­ten zu schaf- fen, wenn sie etwa die Befris­tungs­mög­lich­kei­ten für wis- sen­schafts­ak­zes­so­ri­sches Per­so­nal einschränken.

Der­zeit ent­wi­ckeln vie­le wis­sen­schaft­li­che Ein­rich- tun­gen eige­ne Richt­li­ni­en, z.B. in Form von Per­so­nal­po- lici­es, die den ein­rich­tungs­spe­zi­fi­schen Umgang mit be- fris­tet beschäf­tig­tem Per­so­nal regeln. Sie ver­fol­gen das Ziel, die Situa­ti­on der Beschäf­tig­ten in Bezug auf die For­de­run­gen Plan­bar­keit und Ver­läss­lich­keit der Kar­rie- rewe­ge, ange­mes­se­ne Ver­trags­lauf­zei­ten und Kar­rie­re- ent­wick­lung zu ver­bes­sern. Die­se Ent­wick­lung ist zu be- grü­ßen und darf nicht, wie gele­gent­lich pole­misch ver- merkt, als „Wis­sen­schafts­lob­by­is­mus“ oder „Zeitspiel“69 miss­ver­stan­den werden.

Es ist ein wich­ti­ger Schritt der Wis­sen­schafts­ein­rich- tun­gen, unter Wah­rung ihrer wis­sen­schaft­li­chen und in- sti­tu­tio­nel­len Eigen­stän­dig­keit und Berück­sich­ti­gung der dar­aus resul­tie­ren­den per­so­nal­wirt­schaft­li­chen und arbeits­recht­li­chen Beson­der­hei­ten, ihren höchst­ei­ge­nen Bei­trag für ver­bes­ser­te und ver­läss­li­che­re Beschäf­ti- gungs­be­din­gun­gen für die Wis­sen­schaft in Deutsch­land zu leis­ten. Das könn­te ein ent­schei­den­der Schritt in der Ent­wick­lung von der Per­so­nal­ver­wal­tung hin zum wis- sen­schafts­ad­äqua­ten Per­so­nal­ma­nage­ment sein.

Niko­laus Blum ist Kauf­män­ni­scher Geschäfts­füh­rer des Helm­holtz Zen­trums Mün­chen. Kat­rin Vehling ist Per- sonal­re­fe­ren­tin für Grund­satz­fra­gen am Helm­holtz Zen­trum München.

68 Offen blei­ben soll an die­ser Stel­le, ob man mit der Rechtsp­re- chung bei der Befris­tung auf­grund Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung einen unbe­nann­ten Sach­grund in § 14 Abs. 1 TzBfG annimmt (BAG- Urteil vom 29. 7. 2009 — 7 AZR 907/07) oder die Drittmittelfinan-

zie­rung als Fall des Satz 2 Nr. 1 sieht.
69 Z. B. http://www.studis-online.de/Karriere/art-1847-befristungen.

php [abge­ru­fen am 16.8.2015].