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Das Ham­bur­gi­sche OVG hat­te in dem vor­lie­gen­den Eil- ver­fah­ren dar­über zu befin­den, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der für den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung erfor­der­li­che Anord­nungs­grund gege­ben ist, wenn der Stu­di­en­be­wer­ber die vor­läu­fi­ge Zulas­sung auf einen Stu­di­en­platz außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa- zität zum ers­ten Fach­se­mes­ter in einem Stu­di­en­gang begehrt, der zwar an der von ihm gewähl­ten Uni­ver­si­tät, nicht aber bun­des­weit zulas­sungs­be­schränkt ist. Kon­kret ging es um die Zulas­sung zum Stu­di­en­gang der Rechts- wis­sen­schaft (Staats­prü­fung) an der Uni­ver­si­tät Ham- burg.

I. Aus­gangs­la­ge

Bis­lang hat­te die Glaub­haft­ma­chung des Anord­nungs- grun­des in Eil­ver­fah­ren, die auf Zulas­sung zu Stu­di­en- plät­zen außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät gerich­tet sind, nur eine gerin­ge Bedeu­tung. Dies liegt v.a. dar­in begrün­det, dass ent­spre­chen­de Ver­fah­ren in nen­nens- wer­tem Umfang lan­ge nur in den bun­des­weit zulas- sungs­be­schränk­ten und zen­tral von der Stif­tung für Hoch­schul­zu­las­sung (ehe­mals ZVS) ver­ge­be­nen Stu­di- engän­gen Medi­zin, Zahn­me­di­zin, Tier­me­di­zin und Psy- cho­lo­gie von Stu­di­en­be­wer­bern ein­ge­lei­tet wur­den. Bei die­sen Stu­di­en­gän­gen genügt – eine vor­an­ge­gan­ge­ne Bewer­bung im regu­lä­ren Zulassungsverfahren1 und die feh­len­de end­gül­ti­ge Zulas­sung an einer ande­ren Hoch- schule2 vor­aus­ge­setzt – nach unbe­strit­te­ner Ansicht für die Glaub­haft­ma­chung eines Anord­nungs­grun­des der schlich­te Hin­weis dar­auf, dass der Bewer­ber das Stu­di- um sogleich auf­neh­men möch­te und die Vor­le­sun­gen als­bald begin­nen bzw. bereits begon­nen haben.3

  1. 1  Sie­he dazu Ham­bur­gi­sches OVG vom 24.6.1991, Bs III 193/91, NVwZ-RR 1992, 22; Ham­bur­gi­sches OVG vom 16.12.1996, Bs III 144/96, juris; Ham­bur­gi­sches OVG vom 23.4.2008, 3 Nc 216/07, HmbJVBl 2009, 2; ande­re Auf­fas­sung aber etwa OVG Nord­rhein- West­fa­len vom 20.3.2013, 13 C 91/12, NWVBl 2013, 340.
  2. 2  Sie­he statt aller VGH Baden-Würt­tem­berg vom 19.7.2001, NC 9 S 2/01, VBlBW 2002, 163; Brehm/Zimmerling, Hoch­schul­ka­pa­zi­täts- recht, Band 1, Der Kapa­zi­täts­pro­zess, Rn 170 mit umfas­sen­den Nachweisen.
  3. 3  Baye­ri­scher VGH vom 27.4.2005, 7 CE 05.10057 ua, VGHE BY 58, 91; VGH Baden-Würt­tem­berg vom 23.2.1999, NC 9 S 113/98, NVwZ-RR 2000, 23; Schles­wig-Hol­stei­ni­sches VG vom 7.10.2002, 9 C 19/02 ua, juris.

Es stellt sich jedoch die Fra­ge, ob die­se gerin­gen An- for­de­run­gen an die Glaub­haft­ma­chung eines Anord- nungs­grun­des auch dann gel­ten kön­nen, wenn es sich um einen ledig­lich ört­lich zulas­sungs­be­schränk­ten Stu- dien­gang han­delt, der ent­spre­chen­de Stu­di­en­gang also ande­ren­orts nicht zulas­sungs­be­schränkt ist, so dass der Stu­di­en­be­wer­ber sein Stu­di­um ohne wei­te­res an einer ande­ren Hoch­schu­le auf­neh­men kann. Bis­lang wur­de in der Recht­spre­chung ledig­lich ver­ein­zelt das Bestehen ei- nes Anord­nungs­grun­des in die­sen Fäl­len des sog. ört­li- chen bzw. rela­ti­ven Nume­rus Clau­sus pro­ble­ma­ti­siert. Bereits in den acht­zi­ger Jah­ren ent­schied das OVG Bre- men hier­zu, dass wegen der Mög­lich­keit des Stu­di­en­be- wer­bers, an ande­re Hoch­schu­len aus­zu­wei­chen, im All- gemei­nen kein Grund für eine vor­läu­fi­ge Zulas­sung durch eine einst­wei­li­ge Anord­nung vor­lie­ge. Der vor­läu- figen Siche­rung des ver­meint­li­chen Rechts, das Stu­di­um bei der Wahl­uni­ver­si­tät zu absol­vie­ren und abzu­schlie- ßen, bedür­fe es schon des­halb nicht, weil der Stu­di­en­be- wer­ber zunächst auf ande­re Stu­di­en­or­te aus­wei­chen könne.4 Ange­sichts der Zunah­me von ört­li­chen Zulas- sungs­be­schrän­kun­gen, ins­be­son­de­re in Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen, gewinnt die­se Fra­ge jedoch zu- neh­mend an Bedeutung.

Das OVG Nord­rhein-West­fa­len ver­tritt hier­zu in stän­di­ger Recht­spre­chung die Ansicht, dass dem Stu­di- enbe­wer­ber das erfor­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se für einen Antrag nach § 123 VwGO feh­le, wenn die­ser einen ent­spre­chen­den Stu­di­en­platz an einer ande­ren Hoch- schu­le erlangt hat oder einen sol­chen ohne Zulas­sungs- beschrän­kun­gen erlan­gen kann.5 Es lie­ge dann in der Hand des Bewer­bers, sein Stu­di­um zunächst ande­ren- orts ohne Zeit­ver­lust auf­zu­neh­men, um es für den Fall

4 OVG Bre­men vom 15.1.1985, 1 B 75/84, KMK-HSchR 1985, 829, 833; OVG Bre­men vom 28.10.1980, 1 B 39/80, Leit­satz in NJW 1981, 1798; OVG Bre­men vom 12.11.1981, 1 B 51/81, KMK- HSchR 1982, 611; sie­he auch VGH Baden-Würt­tem­berg vom 23.12.1987, NC 9 S 212/87, KMK-HSchR 1988, 706; Bahro/Berlin, Das Hoch­schul­zu­las­sungs­recht in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch- land, 4. Aufl 2003, 454.

5 OVG Nord­rhein-West­fa­len vom 19.7.2010, 13 C 56/11, juris; OVG Nord­rhein-West­fa­len vom 19.3.2010, 13 C 120/10, juris; OVG Nord­rhein-West­fa­len vom 3.6.1996, 13 C 40/96, Jur­Bü­ro 1997, 88.

Cor­ne­lia Feldmann

Anord­nungs­grund bei ört­li­chem Nume­rus Clau­sus – Ham­bur­gi­sches OVG vom 15.8.2013, 3 NC 16/13

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2014, ISSN 2197–9197

30 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2014), 29–34

eines erfolg­rei­chen Haupt­sa­che­ver­fah­rens an der Wun- schuni­ver­si­tät unter Höher­stu­fung in das jeweils erreich- te Fach­se­mes­ter fort­zu­set­zen. Dies sei dem Stu­di­en­be- wer­ber regel­mä­ßig zumutbar.6 Etwas ande­res kom­me le- dig­lich dann „in Betracht, wenn gewich­ti­ge Grün­de in der Per­son des Stu­di­en­be­wer­bers oder fami­liä­re bzw. so- zia­le Grün­de oder eine spe­zi­el­le Aus­rich­tung des Stu­di- engangs an der Hoch­schu­le der Wahl die Auf­nah­me des gewähl­ten Stu­di­en­gangs an einem ande­ren Stu­di­en­ort als dem gewünsch­ten im Ein­zel­fall als unzu­mut­bar er- schei­nen lassen“.7

Bereits in sei­nem Beschluss vom 4.4.20128 (betref- fend das Win­ter­se­mes­ters 2011/2012) hat­te sich das Ham- bur­gi­sche OVG der Auf­fas­sung des OVG Nord­rhein- West­fa­len ange­schlos­sen und für auf die vor­läu­fi­ge Zu- las­sung zum Stu­di­en­gang Rechts­wis­sen­schaft (Staats­e­xa- men) gerich­te­te Eil­ver­fah­ren obiter dic­tum ent­schie­den, dass es an der Glaub­haft­ma­chung eines Anord­nungs- grun­des feh­le, wenn der „Stu­di­en­be­wer­ber in dem be- tref­fen­den (oder einem vom Inhalt und Abschluss her ent­spre­chen­den) Stu­di­en­gang einen – end­gül­ti­gen – Stu- dien­platz an einer ande­ren deut­schen als der zuerst ge- wünsch­ten (und inso­weit zulas­sungs­be­schränk­ten) Hoch- schu­le ohne Zulas­sungs­be­schrän­kun­gen, also mit einem schlich­ten Zulas­sungs­an­trag, erlan­gen“ kön­ne. Dem Be- wer­ber sei es grund­sätz­lich zuzu­mu­ten, zunächst das Stu­di­um an einer Hoch­schu­le ohne Zulas­sungs­be­sch­rän- kung auf­zu­neh­men. Etwas ande­res gel­te nur, wenn der be- tref­fen­de Bewer­ber beson­de­re Bin­dun­gen an den Stu­di­en- ort vor­tra­gen und glaub­haft machen könne.

Das Ham­bur­gi­sche Ver­wal­tungs­ge­richt folg­te die­ser Ein­schät­zung „sei­nes“ OVG in der Fol­ge­zeit – d.h. in den Ver­fah­ren betref­fend das Som­mer­se­mes­ter 2013 – nicht.9 Die Zugrun­de­le­gung der vom OVG geäu­ßer­ten Rechts- auf­as­sung bewir­ke, dass das in Art. 12 Abs. 1 GG eben- falls ver­bürg­te Recht auf freie Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te fak­tisch leer­lie­fe. Der Zulas­sungs­an­spruch bestehe je- doch gera­de nicht nur für die Zulas­sung zu einem be- stimm­ten Stu­di­en­gang an einer belie­bi­gen ande­ren Hoch- schu­le, son­dern beinhal­te die Zulas­sung zum Stu­di­um in die- sem Stu­di­en­gang bei der Wun­sch­uni­ver­si­tät. Ohne die An- nah­me eines Anord­nungs­grun­des dro­he des­halb der end­gül­ti­ge Unter­gang die­ses ver­fas­sungs­recht­lich ge- währ­leis­te­ten Anspru­ches. Über­dies sei die Wahl der Hoch­schu­le sowohl in Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän- gen als auch für den Stu­di­en­gang Rechts­wis­sen­schaft prä­gend für den spä­te­ren Berufs­ein­stieg. Die Vielfältig-

  1. 6  OVG Nord­rhein-West­fa­len vom 8.3.2006, 13 B 253/06, juris, Rn 7; so auch OVG Ber­lin-Bran­den­burg vom 19.3.2008, OVG 5 NC 125.07, juris; VG Mün­chen vom 25.9.1997, M 3 E L 97.20034, juris, Rn 6 f.
  2. 7  So unter Bezug­nah­me auf das OVG Nord­rhein-West­fa­len: VG

keit der Gestal­tung von Bache­lor­stu­di­en­gän­gen im Wett- bewerb der Hoch­schu­len führ­ten in vie­len Fäl­len dazu, dass ein Über­gang zum Mas­ter­stu­di­en­gang prak­tisch nur noch an der eige­nen Hoch­schu­le mög­lich sei, so dass schon der Ein­stieg in das Stu­di­um vor­ent­schei­dend für den kon­se­ku­ti­ven Mas­ter­stu­di­en­gang und damit für den Berufs­zu­gang sein kön­ne. Dies gel­te für das Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaft ent­spre­chend. Denn auch die­ses schlie­ße nicht mehr mit einem ver­meint­lich lan­des- oder bun­des­weit ein­heit­li­chen ers­ten Staats­examen ab, son­dern mit der ers­ten Prü­fung, die aus der uni­ver­si­tä- ren Schwer­punkt­be­reichs­prü­fung und der staat­li­chen Pflicht­fach­prü­fung bestehe. Dabei kom­me der uni­ver­si- tären Prü­fung mit 30 Pro­zent bei der Gesamt­no­ten­bil- dung erheb­li­ches Gewicht zu. Außer­dem bestehe bei ei- nem Ver­weis auf das Haupt­sa­che­ver­fah­ren das Risi­ko, dass even­tu­ell vor­han­de­ne Stu­di­en­plät­ze im Eil­ver­fah­ren an ande­re Stu­di­en­be­wer­ber ver­ge­ben wor­den sind, die beson­de­re Bin­dun­gen an den Stu­di­en­ort Ham­burg glaub­haft gemacht haben. Zudem sei auch zu befürch- ten, dass die Hoch­schu­len ihre durch öffent­li­che Mit­tel finan­zier­ten Kapa­zi­tä­ten nicht mehr voll aus­schöp­fen wür­den, da sie auf freie Plät­ze an ande­ren Hoch­schu­len ver­wei­sen könn­ten und eine Kon­trol­le durch die Ver­wal- tungs­ge­rich­te im Rah­men von Eil­ver­fah­ren nicht mehr befürch­ten müssten.

II. Die Entscheidung

In dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren muss­te das Ham­bur­gi- sche OVG auf die von der Uni­ver­si­tät Ham­burg geführ- ten Beschwer­den hin nun­mehr ent­schei­den, ob es an sei- ner obiter dic­tum bereits geäu­ßer­ten Ansicht fest­hält oder sich von den Argu­men­ten des Ver­wal­tungs­ge­richts über­zeu­gen lässt und die­se Auf­fas­sung sogleich wie­der auf­gibt. Das Ham­bur­gi­sche OVG hat sich dabei für einen für alle Betei­lig­ten „gesichts­wah­ren­den“ Mit­tel­weg ent- schei­den. Im Einzelnen:

1. Feh­len­der Anord­nungs­grund bei begehr­ter Zulas­sung zum Stu­di­en­gang Rechts­wis­sen­schaft (Staats­prü­fung)

Das OVG hat der Beschwer­de der Uni­ver­si­tät statt­ge­ge- ben und die Beschlüs­se des Ham­bur­gi­schen Ver­wal- tungs­ge­richts auf­ge­ho­ben, mit denen die Hoch­schu­le ver­pflich­tet wor­den war, die Antrag­stel­ler auf Stu­di­en- plät­ze außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät unab­hän­gig davon in das ers­te Fach­se­mes­ter zuzu­las­sen, ob die

Müns­ter vom 12.3.2009, 9 L 45/09, juris.
8 Ham­bur­gi­sches OVG vom 4.4.2012, 3 NC 53/11, juris, Rn 75 ff,

Leit­satz in WissR 2012, 186.
9 Ham­bur­gi­sches VG vom 5.5.2013, 20 ZE 24/13 ua, nv.

Feld­mann · Anord­nungs­grund bei ört­li­chem Nume­rus Clau­sus 3 1

Antrag­stel­ler eine beson­de­re per­sön­li­che Bin­dung an den Wunsch­stu­di­en­ort dar­ge­legt haben. Das Ham­bur­gi- sche OVG hat – anders als die Vor­in­stanz – erneut ange- nom­men, dass es für einen Antrag auf Zulas­sung auf einen außer­ka­pa­zi­tä­ren Stu­di­en­platz an der Glaub­haft- machung eines Anord­nungs­grun­des fehlt, wenn an min- des­tens einer deut­schen Uni­ver­si­tät zum ent­spre­chen- den Semes­ter (hier Som­mer­se­mes­ter 2013) die Zulas­sung zum Stu­di­en­gang Rechts­wis­sen­schaft (Staats­prü­fung) ohne kapa­zi­tä­re Beschrän­kung eröff­net ist und der Stu­di­en­be- wer­ber kei­ne beson­de­re Bin­dun­gen an den Stu­di­en­ort Ham­burg schlüs­sig dar­ge­legt hat. Denn in die­sen Fäl­len sei es dem Bewer­ber zumut­bar, das Stu­di­um zunächst an einer ande­ren Hoch­schu­le auf­zu­neh­men. Ent­schei­dend sei im Hin­blick auf Siche­rung des Grund­rechts auf freie Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te allein, dass eine im Haupt­sa- che­ver­fah­ren rea­li­sier­ba­re Opti­on bestehe, den behaup- teten Zulas­sungs­an­spruch bei der Wunsch­hoch­schu­le vor Been­di­gung des Stu­di­ums durch­set­zen und das Stu- dium an der Wunsch­hoch­schu­le noch unter zumut­ba­ren Bedin­gun­gen auf­neh­men zu kön­nen. Denn in die­sem Fall wer­de das Recht auf freie Wahl der Aus­bil­dungs­stät- te nicht end­gül­tig vereitelt.

Das Ham­bur­gi­sche OVG hat jedoch zugleich fest­ge- hal­ten, dass dies nur dann gel­te, wenn „das betref­fen­de Stu­di­um lang genug ist, um nach einem rechts­kräf­ti­gen Erfolg im Haupt­sa­che­ver­fah­ren einen Quer­ein­stieg bei der Wunsch­hoch­schu­le unter Aner­ken­nung der bei der ande­ren Hoch­schu­le erbrach­ten Stu­di­en­leis­tun­gen zu ermög­li­chen“. Die­se Vor­aus­set­zung sieht das Ham­bur­gi- sche OVG beim Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaft (Staats- examen) – anders etwa als bei Bache­lor- und Mas­ter­stu- dien­gän­gen – als gege­ben an. Sowohl die Regel­stu­di­en- zeit von neun Semes­tern als auch die inhalt­li­che Aus­ge- stal­tung des Stu­di­en­gangs lie­ße es inso­weit hin­rei­chend wahr­schein­lich erschei­nen, dass ein Wech­sel zum höhe- ren Fach­se­mes­ter „pro­blem­los mög­lich“ sei. Dies gel­te ins­be­son­de­re auch im Hin­blick auf fach­li­che Gesichts- punk­te. Die Struk­tur des Stu­di­en­gangs sei durch die §§ 5, 5a DRiG im Wesent­li­chen bun­des­weit vor­ge­ge­ben. Et- was ande­res gel­te zwar gege­be­nen­falls hin­sicht­lich der Schwer­punkt­be­reichs­aus­bil­dung; aller­dings sei davon aus­zu­ge­hen, dass ein gege­be­nen­falls vor­han­de­ner Zulas- sungs­an­spruch im Haupt­sa­che­ver­fah­ren noch vor Be- ginn der Schwer­punkt­be­reichs­aus­bil­dung rea­li­siert wer- den kön­ne. Dies gel­te jeden­falls dann, wenn – wie vor­lie- gend – die Schwer­punkt­aus­bil­dung erst mit dem sechs- ten Semes­ter begin­ne. Erst wenn inso­fern zeit­li­cher Ver­zug dro­he, weil der Bewer­ber bis zum Abschluss des Grund­stu­di­ums noch kei­ne Zulas­sung bei der Wunschu-

niver­si­tät erhal­ten habe, sei für den Wech­sel zum nun ange­streb­ten höhe­ren Fach­se­mes­ter dann das Vor­lie­gen eines Anord­nungs­grun­des zu beja­hen, falls sich in sei- nem anhän­gi­gen Haupt­sa­che­ver­fah­ren kei­ne bal­di­ge rechts­kräf­ti­ge Klä­rung zu sei­nen Guns­ten abzeich­ne. Bis zu die­sem Zeit­punkt droh­ten den Antrag­stel­lern jedoch kei­ne wesent­li­chen Nach­tei­le, die durch Ver­sa­gung einst- wei­li­gen Recht­schut­zes ent­ste­hen und im Fall des Obsie- gens im Haupt­sa­che­ver­fah­ren nicht mehr besei­tigt wer- den könnten.

2. Bestehen­der Anord­nungs­grund bei begehr­ter Zulas- sung zu Bache­lor- und Masterstudiengängen

Anders beur­teilt dies das Ham­bur­gi­sche OVG jedoch obiter dic­tum bei den Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän- gen. Hier sei ein spä­te­rer Quer­ein­stieg bei der Wunsch- hoch­schu­le nicht glei­cher­ma­ßen mög­lich. Die Regel­stu- dien­zeit von Bache­lor­stu­di­en­gän­gen lie­ge in aller Regel bei sechs Semes­tern. Es spre­che wenig dafür, dass das betref­fen­de Stu­di­um lang genug ist, um nach einem rechts­kräf­ti­gen Erfolg im Haupt­sa­che­ver­fah­ren einen Quer­ein­stieg bei der Wunsch­hoch­schu­le unter Aner­ken- nung der bei der ande­ren Hoch­schu­le erbrach­ten Stu­di- enleis­tun­gen zu ermög­li­chen. Auch eine Ver­gleich­bar- keit der Stu­di­en­in­hal­te kön­ne nicht schlicht unter­stellt wer­den. So gebe es hier ins­be­son­de­re kei­ne bun­des­recht- lichen Vor­ga­ben. Zudem sei­en die Hoch­schu­len gera­de bemüht, im Sin­ne von Allein­stel­lungs­merk­ma­len eige­ne Struk­tu­ren und Aus­bil­dungs­in­hal­te zu ent­wi­ckeln. Auch die Aner­ken­nungs­per­spek­ti­ve für Stu­di­en­leis­tun­gen, die an ande­ren Hoch­schu­len erbracht wor­den sind, sei weni­ger klar. Zwar sähen alle Län­der bzw. Hoch­schu­len Anrech- nungs­be­stim­mun­gen von vor­aus­ge­gan­ge­nen Stu­di­en­leis- tun­gen vor. Die­se stell­ten jedoch dar­auf ab, dass kei­ne „wesent­li­chen Unter­schie­de“ zwi­schen den erwor­be­nen und den an der auf­neh­men­den Hoch­schu­le zu erwer- ben­den Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten bestehen. Ob die- se Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, sei nur anhand auf­wen­di- ger Ein­zel­fall­prü­fun­gen zu klä­ren, die den Rah­men des einst­wei­li­gen Recht­schutz­ver­fah­rens spren­gen wür­den. Dies gel­te erst recht für Mas­ter­stu­di­en­gän­ge. Die­se Stu- dien­gän­ge sei­en noch spe­zi­el­ler und mehr von dem Bemü­hen der Hoch­schu­len um Allein­stel­lungs­merk­ma- le geprägt. Zudem dau­er­ten sie regel­mä­ßig nur zwei Jah- re, was einen Quer­ein­stieg unter zumut­ba­ren Bedin­gun- gen nach einem Erfolg im Haupt­sa­che­ver­fah­ren noch unwahr­schein­li­cher mache. Die Ver­nei­nung des Anord- nungs­grun­des ent­spre­che des­halb hier zwangs­läu­fig einer „Ver­wei­sung auf ein Absol­vie­ren des gesam­ten Stu- diums an der ande­ren Hoch­schu­le“. Dies kön­ne im Hin-

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blick auf Art. 19 Abs. 4 GG nicht hin­ge­nom­men wer­den, weil hier­durch das Recht auf freie Wahl der Aus­bil- dungs­stät­te ver­ei­telt wer­de. Der Stu­di­en­be­wer­ber erlei­de inso­fern unwie­der­bring­li­che und damit unzu­mut­ba­re Nachteile.

3. Beson­de­re Bin­dung an einen Stu­di­en­ort als Anord- nungsgrund

Unab­hän­gig davon, ob die Zulas­sung zu einem Bache- lor‑, Mas­ter- oder Staats­examens­stu­di­en­gang begehrt wird, sieht das Ham­bur­gi­sche OVG einen Anord­nungs- grund für das Begeh­ren auf Zulas­sung auf einen Stu­di- enplatz außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät aus­nahms- wei­se dann als gege­ben an, wenn der Stu­di­en­be­wer­ber eine beson­de­re per­sön­li­che Bin­dung an den Stu­di­en­ort glaub­haft macht. Ob der Antrag­stel­ler eine hin­rei­chen­de Bin­dung an den Wunsch­stu­di­en­ort hat, will das Ham- bur­gi­sche OVG anhand der Grund­sät­ze der Stif­tung für Hoch­schul­zu­las­sung für die bevor­zug­te Berück­sich­ti- gung des ers­ten Stu­di­en­ort­wun­sches im Rah­men der War­te­zeit­quo­te bei Stu­di­en­gän­gen des zen­tra­len Ver­ga­be- ver­fah­rens ermitteln.10 Danach kann eine sol­che beson­de­re zwin­gen­de Bin­dung in eige­nen gesund­heit­li­chen, fami­liä- ren oder wirt­schaft­li­chen Umstän­den sowie wis­sen­schaft- lichen Grün­den begrün­det sein, § 21 Abs. 3 Satz 3 Ver­ga- beVO Stiftung.11 Stets setzt die­se Bin­dung jedoch nach § 21 Abs. 3 Satz 2 Ver­ga­be­VO Stif­tung vor­aus, dass unter Anle­gung eines stren­gen Maß­stabs die Zulas­sung an einem ande­ren Stu­di­en­ort mit erheb­li­chen Nach­tei­len ver­bun­den wäre.

Als fami­liä­rer Grund ist hier etwa bei Allein­ste­hen- den die Betreu­ung eines eige­nen min­der­jäh­ri­gen Kin­des aner­kannt, wenn bei einer Zulas­sung an einem ande­ren als dem gewünsch­ten Stu­di­en­ort die Wahr­neh­mung der elter­li­chen Auf­ga­ben stark beein­träch­tigt wäre. Auch die Pfle­ge von pfle­ge­be­dürf­ti­gen Ver­wand­ten in auf­stei­gen- der Linie oder Geschwis­tern kann eine beson­de­re Orts- bin­dung begrün­den, wenn ande­re Per­so­nen zur Pfle­ge nicht vor­han­den sind. Für die ent­spre­chen­de Glaub­haft- machung ist frei­lich ein aus­führ­li­ches ärzt­li­ches Gut­ach- ten vor­zu­le­gen, in dem auch Anga­ben zum Aus­maß und Umfang der not­wen­di­gen Pfle­ge ent­hal­ten sind. Es muss eine Pfle­ge­be­dürf­tig­keit vor­lie­gen, die der Pfle­ge­stu­fe II oder III nach dem SGB IX ent­spricht. Gele­gent­li­che Hil-

  1. 10  So auch schon Ham­bur­gi­sche OVG vom 1.6.2012, 3 Nc 51/11, NVwZ-RR 2012, 887; Ham­bur­gi­sche OVG vom 4.4.2012, 3 Nc 53/11, juris, Rn 77, Leit­satz in WissR 2012, 186.
  2. 11  Ver­ord­nung über die zen­tra­le Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen durch die Stif­tung für Hochschulzulassung.
  3. 12  Sie­he hier­zu Hoch­schul­start, Das Maga­zin zur Stu­di­en­platz­be- wer­bung, Win­ter­se­mes­ter 2013/14, 58.
  4. 13  BVerfG vom 18.7.1972, 1 BvL 32/70, BVerfGE 33, 303, 329; BVerwG vom 23.10.1996, 6 C 1/94, BVerw­GE 102, 142, 146;

feleis­tun­gen bei der Haus­halts­füh­rung wer­den nicht als aus­rei­chend angesehen.12 Als wirt­schaft­li­cher Grund für eine bestimm­te Orts­prä­fe­renz wird bei­spiels­wei­se ein Sti­pen­di­um ange­se­hen, das nur für den Wahl­stu­di­en­ort gilt.

III. Bewer­tung

Die Ent­schei­dung des Ham­bur­gi­schen OVG ist zu begrü­ßen. Das Gericht hat sich – anders als die Vorins- tanz und das OVG Nord­rhein-West­fa­len – kei­ne Scheu- klap­pen auf­ge­setzt und sich nicht zur Äuße­rung einer abs­trak­ten Rechts­auf­fas­sung hin­rei­ßen las­sen. Es hat viel­mehr ent­spre­chend der ihm zukom­men­den Auf­ga­be das Vor­lie­gen eines Anord­nungs­grun­des anhand der aus Art. 19 Abs. 4 GG abzu­lei­ten­den Maß­stä­be im kon­kre­ten Ein­zel­fall geprüft und ist dem­entspre­chend zu einem aus­dif­fe­ren­zier­ten und zugleich über­zeu­gen­den Ergeb- nis gelangt.

Dabei ist das Ham­bur­gi­sche OVG zunächst zurecht von der Maß­ga­be aus­ge­gan­gen, dass Art. 12 Abs. 1 GG nicht nur die Berufs­wahl, son­dern auch die freie Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te schützt. Dazu gehört gera­de auch die Frei­heit, zwi­schen ver­schie­de­nen Uni­ver­si­tä­ten und damit auch den Stu­di­en­ort zu wählen.13 Das aus Art. 12 Abs. 1 GG erwach­se­ne Teil­ha­be­recht erstreckt sich des- halb auf die Teil­ha­be an frei­en Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten an dem Stu­di­en­ort, an dem der ein­zel­ne Bewer­ber stu- die­ren will. Das Recht auf Teil­ha­be an den vor­han­den Aus- bil­dungs­res­sour­cen besteht inso­fern unein­ge­schränkt und ist nicht „allein auf die Fäl­le zuge­schnit­ten, in denen die Be- schrän­kun­gen des frei­en Zugangs zur Aus­bil­dung gleich- zei­tig die Frei­heit der Berufs­wahl beeinträchtigen“.14 Ein irgend­wie gear­te­ter „Ver­ständ­nis­wan­del“ des Grund- rechts – wie der VGH Baden-Würt­tem­berg und das OVG Ber­lin-Bran­den­burg mei­nen –, dass das Grund- recht als Teil­ha­be­recht „ledig­lich auf die Erschöp­fung der ins­ge­samt vor­han­de­nen Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten ge- richtet“15 ist bzw. die „Ver­wirk­li­chung des Teil­ha­be­rechts eines noch nicht zuge­las­se­nen Stu­di­en­be­wer­bers vor- nehm­lich unter dem Gesichts­punkt sei­ner Fach­prä­fe- renz Gewicht bei­zu­mes­sen ist, wäh­rend sei­ner Orts­prä- ferenz durch Anle­gung stren­ger Maß­stä­be an ihre Durch­setz­bar­keit nach­ran­gi­ge Bedeutung“16 zukommt,

VerfGH Ber­lin vom 16.9.2008, 81/08, 81 A/08; VGH des Saarlan-

des vom 10.7.2008, 3 B 370/08, juris.
14 So aber VGH Baden-Würt­tem­berg vom 23.12.1987, NC 9 S

212/87, KMK-HSchR 1988, 706, 706 f.
15 VGH Baden-Würt­tem­berg vom 23.12.1987, NC 9 S 212/87,

KMK-HSchR 1988, 706, 707.
16 OVG Ber­lin-Bran­den­burg vom 19.3.2008, OVG 5 NC 125.07,

juris, Rn 9.

Feld­mann · Anord­nungs­grund bei ört­li­chem Nume­rus Clau­sus 3 3

hat nicht statt­ge­fun­den. Er stün­de im Übri­gen auch mit dem ein­deu­ti­gen Wort­laut der Ver­fas­sungs­be­stim­mung und­dem­Wil­len­des­Ver­fas­sungs­ge­ber­sim­kla­ren­Wi­der- spruch.17 Danach ist die freie Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te expli­zit geschützt. Dar­an ver­mag ein behaup­te­ter – sub­stan- tiell jedoch nicht beleg­ba­rer – „Ver­ständ­nis­wan­del“ zu der Bedeu­tung der frei­en Wahl des Hoch­schul­or­tes nichts zu ändern. Auch wenn es um die Ver­wirk­li­chung des An- spruchs auf freie Stu­di­en­ort­wahl geht, muss des­halb ef- fek­ti­ver Rechts­schutz gewährt werden.18 Dies schließt es aus, was das Ham­bur­gi­sche OVG zutref­fend erkannt hat, die Glaub­haft­ma­chung eines Anord­nungs­grun­des im- mer dann zu ver­nei­nen, wenn der ent­spre­chen­de Stu­di- engang ande­ren­orts ohne Zulas­sungs­be­schrän­kung an- gebo­ten wird und des­halb ande­ren­orts auf­ge­nom­men wer­den kann.

Gleich­wohl folgt aus der Mög­lich­keit des Bestehens eines Zulas­sungs­an­spru­ches an der Wun­sch­uni­ver­si­tät noch nicht, dass die­ser immer unein­ge­schränkt im Wege des Eil­recht­schut­zes vor­läu­fig ver­wirk­licht wer­den kann. Art. 19 Abs. 4 GG gebie­tet die umfas­sen­de Über­prü­fung der Kapa­zi­tät sei­tens der Ver­wal­tungs­ge­rich­te im Eil­ver- fah­ren näm­lich nur dann, wenn ande­ren­falls „schwe­re und unzu­mut­ba­re, anders nicht abwend­ba­re Nach­tei­le ent- stün­den, zu deren nach­träg­li­cher Besei­ti­gung die Entsch­ei- dung in der Haupt­sa­che nicht mehr in der Lage wäre“.19 Nur dann erscheint also aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün- den ein einst­wei­li­ger Recht­schutz über­haupt gebo­ten. Auf § 123 Abs. 1 Satz 2 VwGO über­tra­gen bedeu­tet dies, dass eine Rege­lungs­an­ord­nung mit dem Ziel, vor­läu­fig bei einer Hoch­schu­le einen Stu­di­en­platz zu einem be- stimm­ten Semes­ter zu erhal­ten, nur zuläs­sig ist, wenn die Rege­lung, „um wesent­li­che Nach­tei­le abzu­wen­den oder dro­hen­de Gewalt zu ver­hin­dern oder aus ande­ren Grün­den nötig erscheint“. Die Not­wen­dig­keit einer Re- gelung ist dabei nach stren­gen Maß­stä­ben zu beur­tei­len, weil durch den Erlass der begehr­ten einst­wei­li­gen An- ord­nung die Haupt­sa­che vor­weg­ge­nom­men wird.20 Ein Anord­nungs­grund besteht hier nur, wenn es dem Stu­di­en- bewer­ber unter Berück­sich­ti­gung sei­ner Inter­es­sen schlecht- hin unzu­mut­bar ist, auf das Haupt­sa­che­ver­fah­ren verwie-

  1. 17  VerfGH Ber­lin vom 16.9.2008, 81/08, 81 A/08, juris, Rn 10.
  2. 18  Brehm/Zimmerling, aaO, Rn 167; ande­re Auf­fas­sung jedoch VGH­Ba­den-Würt­tem­berg vom 23.12.1987, NC 9 S 212/87, KMK- HSchR 1988, 706, 707, wenn es um die Teil­ha­be an außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät bestehen­de Kapa­zi­tä­ten geht.
  3. 19  BVerfG vom 19.10.1977, 2 BvR 42/76, BVerfGE 46, 166, 179; BVerfG vom 31.3.2004, 1 BvR 356/04, NVwZ 2004, 1112; BVerfG vom 25.7.1996, 1 BvR 638/96, DVBl 1996, 1367; Hes­si­scher VGH vom 5.11.1991, 7 TG 2074/91, NVwZ-RR 1992, 361; OVG Nord­rhein-West­fa­len vom 21.11.1988, 15 B 2380/88, NJW 1989, 1105; VerfGH Ber­lin vom 16.9.2008, 81/08, 81 A/08, juris, Rn 13.

sen zu werden.21 Dies hat­te die Vor­in­stanz ver­kannt, indem sie vom Recht der frei­en Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te zu- gleich auf dro­hen­de, unzu­mut­ba­re Nach­tei­le i.S.v. § 123 Abs. 1 Satz 2 VwGO schloss.

Das Ham­bur­gi­sche OVG wen­det das gel­ten­de Recht hier hin­ge­gen zutref­fend an und nimmt inso­fern zu Recht an, dass der Ver­weis auf das Haupt­sa­che­ver­fah­ren nur dann unzu­mut­bar ist, wenn dem Stu­di­en­be­wer­ber hier­durch schwe­re Nach­tei­le dro­hen, die im Haupt­sa- che­ver­fah­ren nicht mehr besei­tigt wer­den kön­nen. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn wegen der beson­de­ren per­sön­li­chen Umstän­de ein Ver­weis auf die Auf­nah­me des Stu­di­ums an einem ande­ren Stu­di­en­ort eine beson- dere per­sön­li­che Här­te dar­stel­len oder wenn der glaub- haft gemach­te Anspruch auf Zulas­sung bei der Wahl­uni- ver­si­tät zu dem Stu­di­en­gang hier­durch vor­aus­sicht­lich end­gül­tig ver­ei­telt wer­den würde.22 Ent­schei­dend ist für letz­te­res, ob das eigent­li­che Begeh­ren „Zulas­sung bei der Wun­sch­uni­ver­si­tät“ im Haupt­sa­che­ver­fah­ren noch wir- kungs­voll ver­folgt wer­den kann. Hier gilt: Ist mit einer Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren erst zu einem Zeit­punkt zu rech­nen, zu dem der Stu­di­en­be­wer­ber das ande­ren­orts auf­ge­nom­me­ne Stu­di­um bereits annä­hernd oder gar voll­stän­dig abge­schlos­sen hat, so schei­det ein spä­te­rer Orts­wech­sel nach einer posi­ti­ven Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren – zumin­dest unter zumut­ba­ren Bedin­gun­gen – aus. Dann aber bedeu­tet der Ver­weis auf das Haupt­sa­che­ver­fah­ren zugleich die end­gül­ti­ge Verei- telung des (glaub­haft gemach­ten) Zulas­sungs­an­spruchs an der Wun­sch­uni­ver­si­tät. Eine sol­che end­gül­ti­ge Rechts­ver­ei­te­lung – hier des Rechts auf freie Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te – zu ver­hin­dern, ist gera­de urei­ge­ner Zweck jedes einst­wei­li­gen Recht­schutz­ver­fah­rens. In die­sen Fäl­len ist des­halb zwin­gend das Vor­lie­gen eines Anord­nungs­grun­des anzunehmen.

IV. Fazit

Abge­se­hen von den Fäl­len, in denen der Stu­di­en­be­wer- ber beson­de­re per­sön­li­che Bin­dun­gen an den Wunsch- stu­di­en­ort vor­brin­gen kann, ein ver­gleich­ba­rer Studien-

20 OVG Rhein­land-Pfalz vom 13.1.2003, 6 D 11940/02, WissR 2003, 168; Schles­wig-Hol­stei­ni­sche OVG vom 9.6.2004, 3 NB 1/04, juris, Rn 4; VG Dres­den vom 30.5.2002, NC 5 K 406/01, juris, Rn 5

21 OVG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 13.1.2003, 6 D 11940/02, WissR 2003, 168; VG Bay­reuth, Beschluss vom 17.12.2012, B 3 E 12.10004, juris, Rn 15; VG Köln, Beschluss vom 22.2.2013, 6 Nc 162/12, juris, Rn 4; Kopp/Schenke, 17. Aufl. 2011, § 123 Rn 26.

22 Vgl hier­zu BVerfG vom 25.10.1988, 2 BvR 745/88, BVerfGE 79, 69, 74.

34 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2014), 29–34

gangan­dern­orts­nicht­an­ge­bo­ten­wir­do­der­die­ein­schlä­gi- gen Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen eine Aner­ken­nung ande­ren­orts erbrach­ter Stu­di­en­leis­tun­gen aus­schlie­ßen, kommt es dem­nach für das Vor­lie­gen eines Anord­nungs- grun­des bei ört­lich zulas­sungs­be­schränk­ten Stu­di­en­gän- gen auf zwei­er­lei an: zum einem auf die Län­ge des betref- fen­den Stu­di­en­gangs, zum ande­ren auf die vor­aus­sicht­li­che Ver­fah­rens­dau­er eines anzu­stre­ben­den Haupt­sa­che­ver­fah- rens. Nur wenn die Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu einem Zeit­punkt zu erwar­ten ist, zu dem bei Obsie­gen des Stu­di­en­be­wer­bers ein Quer­ein­stieg bei der Wun­sch­uni- ver­si­tät noch mög­lich ist, fehlt es an der erfor­der­li­chen Glaub­haft­ma­chung eines Anord­nungs­grun­des. Dies wird im Ergeb­nis regel­mä­ßig allen­falls bei Stu­di­en­gän­gen der Fall sein, die auf das Abschluss­ziel Staats­examen gerich­tet sind.

Dass das Vor­lie­gen eines Anord­nungs­grun­des von der Ver­fah­rens­dau­er des Haupt­sa­che­ver­fah­rens abhängt, bedeu­tet zugleich, dass die Gerich­te der Ver­wal­tungs­ge- richts­bar­keit das Vor­lie­gen des Anord­nungs­grun­des selbst steu­ern kön­nen. Denn auf die Ver­fah­rens­dau­er haben sie unmit­tel­ba­ren Ein­fluss. Die Ver­wal­tungs­ge- rich­te soll­ten die­se Ent­schei­dung des­halb zum Anlass neh­men, sich – auch in Zulas­sungs­ver­fah­ren – der Be-

deu­tung des Haupt­sa­che­ver­fah­rens zu besin­nen und die­sem die wich­ti­ge gesetz­li­che Auf­ga­be zukom­men las- sen, eine umfas­sen­de, der Rechts­kraft fähi­ge und – auch was zeit­li­che Belan­ge angeht – die Rech­te der Betei­li­gen- den wah­ren­de Prü­fung des Zulas­sungs­be­geh­rens zu ge- währ­leis­ten. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Freiburg23 hat in- sofern den Anfang gemacht und ist in den bun­des­weit zulas- sungs­be­schränk­ten Stu­di­en­gän­gen Medi­zin und Zahn­me­di- zin dazu über­ge­gan­gen, in den Haupt­sa­che­ver­fah­ren sehr zeit­nah, d.h. zusam­men mit den einst­wei­li­gen Rechts­schutz- ver­fah­ren, zu ent­schei­den. Eil­an­trä­ge und die Rechts­un­si- cher­hei­ten, die mit rein vor­läu­fi­gen Prü­fun­gen und Ent- schei­dun­gen grund­sätz­lich ver­bun­den sind, erüb­ri­gen sich dann. Die­se Ver­fah­rens­wei­se stellt des­halb einen Gewinn für alle Betei­lig­ten, d.h. sowohl für die betrof­fe- nen Stu­di­en­be­wer­ber, die betrof­fe­nen Hoch­schu­len als auch für die ange­ru­fe­nen Gerich­te dar. Sie soll­te bun­de- weit Ein­zug in die ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Pra­xis erfah- ren.

Die Autorin ist Fach­an­wäl­tin für Arbeits­recht, Fachan- wäl­tin für Ver­wal­tungs­recht, Part­ne­rin der Kanz­lei Dr. Fett­weis & Sozi­en, Freiburg.

23 Sie­he etwa VG Frei­burg vom 20.3.2012, NC 6 K 2155/11, juris, betref­fend die Zulas­sung zum Stu­di­en­gang Human­me­di­zin zum Win­ter­se­mes­ter 2011/12; VG Frei­burg vom 6.12.2012, NC 6 K 2032/12, juris, betref­fend die Zulas­sung zum Stu­di­en­gang Human­me­di­zin zum Win­ter­se­mes­ter 2012/13.