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A. Ein­lei­tung

For­schung und Leh­re an deut­schen und euro­päi­schen Uni­ver­si­tä­ten wer­den ste­tig internationaler.1 In der Euro­päi­schen Uni­on mit ihren 24 ver­schie­de­nen Amts- spra­chen bedeu­tet dies, dass ver­mehrt in eng­li­scher Spra­che kom­mu­ni­ziert wird, da die­se dem größt­mög­li- chen Per­so­nen­kreis ver­ständ­lich ist.2 An deut­schen Uni- ver­si­tä­ten wur­den im Jahr 2015 über 1.000 eng­lisch­spra- chi­ge Kur­se ange­bo­ten. Auch des­we­gen stu­dier­ten an den deut­schen Uni­ver­si­tä­ten ver­mehrt inter­na­tio­na­le Stu­den­ten (erst­mals über 300.000 aus­län­di­sche Stu­die- ren­de in Deutsch­land in 2014).3 Zudem ist es in vie­len Fach­be­rei­chen (ins­be­son­de­re den Natur­wis­sen­schaf­ten) inzwi­schen üblich, dass deut­sche Wis­sen­schaft­ler, die an deut­schen For­schungs­ein­rich­tun­gen beschäf­tigt sind, auf Eng­lisch publizieren.4 Uni­ver­si­tä­ten und For- schungs­ein­rich­tun­gen haben ein Inter­es­se dar­an, ihre Inter­na­tio­na­li­sie­rung vor­an­zu­trei­ben, um ihren Ruf im Aus­land zu stär­ken und dadurch sowohl attrak­tiv für renom­mier­te inter­na­tio­na­le Gast­wis­sen­schaft­ler und Stu­den­ten zu wer­den als auch im Ren­nen um inter­na­tio- nale For­schungs­gel­der gut abzu­schnei­den. Vor allem das Volu­men der von der Euro­päi­schen Uni­on gestell­ten For­schungs­gel­der hat sich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn- ten stark erhöht.5 Zudem wird das Ein­wer­ben von euro- päi­schen För­der­gel­dern inzwi­schen auch bei der natio- nalen For­schungs­för­de­rung posi­tiv berücksichtigt.6

Vor die­sem Hin­ter­grund stellt sich die Fra­ge, inwie- weit deut­sche Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­re For- schungs­ein­rich­tun­gen ihr inter­na­tio­na­les Pro­fil dadurch stär­ken dür­fen, dass sie den bei ihnen beschäf­tig­ten For- schern und Leh­rern Vor­ga­ben hin­sicht­lich der Spra­che ihrer Publi­ka­tio­nen und ihrer Lehr­ver­an­stal­tun­gen ma-

  1. 1  Hend­ler, VVDStRL 2005 (65), 258 ff.
  2. 2  Die Euro­pä­er und ihre Spra­chen, S. 4, abruf­bar unter: http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_243_sum_de.pdf[abgerufen am 30.11.2016].
  3. 3  BMBF Pres­se­mit­tei­lung 098/2015, abruf­bar unter: https://www.bmbf.de/de/erstmals-ueber-300–000-auslaendische-studierende-in-deutschland-956.html [abge­ru­fen am 30.11.2016].
  4. 4  Hornborstel/Klingsporn/von Ins, in: Publi­ka­ti­ons­ver­hal­ten in un- ter­schied­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen, 2. Auf­la­ge 2009, S. 26, abruf­bar unter: https://www.humboldt-foundation.de/pls/web/docs/F13905/12_disk_papier_publikationsverhalten2_kompr. pdf [abge­ru­fen am 30.11.2016]; Emp­feh­lung „Spra­chen­po­li­tik
    an deut­schen Hoch­schu­len“ — Emp­feh­lung der 11. Mit­glie­der- ver­samm­lung der HRK am 22.11.2011 in Ber­lin, abruf­bar unter: https://www.hrk.de/positionen/beschluesse-nach-thema/conven- tion/­emp­feh­lung-spra­chen­po­li­tik-an-deut­schen-hoch­schu­len/ [abge­ru­fen am 30.11.2016].

chen. Des Wei­te­ren ist der Fra­ge nach­zu­ge­hen, inwie­fern die Euro­päi­sche Uni­on im Rah­men ihrer For­schungs­för- derung den geför­der­ten For­schern die Publi­ka­ti­on ihrer For­schungs­er­geb­nis­se in einer bestimm­ten Spra­che vor- schrei­ben darf. In bei­den Fäl­len erge­ben sich Ein­sch­rän- kun­gen aus der Wissenschaftsfreiheit.

B. Sprach­wahl als Teil der Wis­sen­schafts­frei­heit nach dem Grund­ge­setz und die Mög­lich­keit ihrer Beschränkung

I. Schutz­be­reich der Wissenschaftsfreiheit

1. Sach­li­cher Schutzbereich

Art. 5 Abs. 3 GG schützt jede wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit, also alles, „was nach Inhalt und Form als ernst­haf­ter plan­mä­ßi­ger Ver­such zur Ermitt­lung der Wahr­heit anzu­se­hen ist.“7 Die Wis­sen­schafts­frei­heit umfasst die For­schung, als „die geis­ti­ge Tätig­keit mit dem Zie­le, in metho­di­scher, sys­te­ma­ti­scher und nach­prüf­ba­rer Wei­se neu­er Erkennt­nis­se zu gewinnen“8 eben­so wie die Leh­re als „der wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Über­mitt­lung der durch die For­schung gewon­ne­nen Erkenntnisse“.9

Die Wis­sen­schafts­frei­heit garan­tiert nicht nur dem Ein­zel­nen ein Abwehr­recht gegen staat­li­che Ein­grif­fe in sei­ne Frei­heit der For­schung und Leh­re, son­dern ver­kör- pert als ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­ent­schei­dung auch eine objek­ti­ve Wert­ord­nung. Die­se objek­ti­ve Wertord- nung bekräf­tigt sowohl den Schutz des Ein­zel­nen als auch die Bedeu­tung, die der frei­en Wis­sen­schaft für die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lung zukommt und dar- aus resul­tie­rend das gesell­schaft­li­che Inter­es­se an einem funk­ti­ons­fä­hi­gen Wissenschaftsbetrieb.10

5 Das ers­te For­schungs­rah­men­pro­gramm (1984) hat­te einen Um- fang von unter 4 Mil­li­ar­den Euro, das aktu­el­le ach­te For­schungs- rah­men­pro­gramm hat einen För­de­rungs­rah­men von ins­ge­samt ca. 78 Mil­li­ar­den Euro; vgl. Stamm, Euro­pas For­schungs­för­de­rung und For­schungs­po­li­tik – Auf dem Weg zu neu­en Hori­zon­ten, S. 19.

Stamm, Euro­pas For­schungs­för­de­rung und For­schungs­po­li­tik – Auf dem Weg zu neu­en Hori­zon­ten, S. 50.

7 BVerfG, Urteil vom 29. 5. 1973 — 1 BvR 424/71 und 325/72 = BVerfGE 35, 79.

8 Bun­des­be­richt For­schung III BT-Drs. V/4335, S. 4.
9 BVerfG, Urteil vom 29. 5. 1973 — 1 BvR 424/71 und 325/72 =

BVerfGE 35, 79.
10 BVerfG, Urteil vom 29. 5. 1973 — 1 BvR 424/71 und 325/72 =

BVerfGE 35, 79.

Maren Jantz

Sprach­wahl und Wissenschaftsfreiheit

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2017, ISBN/ISSN 3–45678-222–7

42 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 41–50

Die Wis­sen­schafts­frei­heit als Abwehr­recht des Ein­zel­nen schützt unstrei­tig unter ande­rem die Frei- heit der Ver­brei­tung von Forschungsergebnissen.11 Umstrit­ten ist ledig­lich, ob die Ver­brei­tungs­frei­heit dem Schutz­be­reich der Wis­sen­schafts­frei­heit an sich,12 der Forschungsfreiheit13 oder zumin­dest hin- sicht­lich der Publi­ka­ti­on von Lehr­bü­chern und von Arti­keln in Aus­bil­dungs­zeit­schrif­ten der Lehr­frei- heit14 zuzu­ord­nen ist. Die exak­te dog­ma­ti­sche Ein- ord­nung hat hin­sicht­lich der Zuläs­sig­keit von Ein- schrän­kun­gen der Ver­öf­fent­li­chungs­frei­heit kei­ne Aus­wir­kun­gen, da die Wissenschafts‑, die For- schungs- und die Lehr­frei­heit den­sel­ben Schran­ken unterliegen.

Die Ver­brei­tungs­frei­heit umfasst Ort und Zeit der Publi­ka­ti­on sowie deren Modalitäten.15 Unter die ge- schütz­ten Moda­li­tä­ten fällt nicht zuletzt die Spra­che, in der das wis­sen­schaft­li­che Werk ver­fasst ist.16 Die Spra­che ist stets eine ent­schei­den­de Kom­po­nen­te des wis­sen­schaft­li­chen Wer­kes, wenn auch ihre Bedeu- tung in eini­gen Fach­be­rei­chen zen­tra­ler ist als in an- deren. Eine beson­de­re Bedeu­tung kommt der Ver­öf- fent­li­chungs­spra­che in den Geistes‑, Sozi­al- und Rechts­wis­sen­schaf­ten zu, da sie in die­sen Berei­chen ein wesent­li­ches Instru­ment des Wis­sen­schaft­lers ist und nur weni­ge Wis­sen­schaft­ler es ver­mö­gen, sich in meh­re­ren Spra­chen mit der­sel­ben der Sache nach er- for­der­li­chen Prä­zi­si­on aus­zu­drü­cken. Außer­dem kann das The­ma eines For­schungs­vor­ha­bens die Ver- wen­dung einer bestimm­ten Spra­che, wenn auch nicht zwin­gend vor­ge­ben, so doch beson­ders sinn­voll er- schei­nen lassen.

Gegen­stand der Lehr­frei­heit ist unter ande­rem das Recht des Leh­ren­den, selbst den Inhalt sowie den Ab- lauf sei­ner Lehr­ver­an­stal­tung festzulegen.17 Zum In- halt und Ablauf der Lehr­ver­an­stal­tung gehört auch, in wel­cher Spra­che sie statt­fin­det. Auch für den Inhalt und die Qua­li­tät der Lehr­ver­an­stal­tung ist die Sprache

  1. 11  BVerfG, Urteil vom 29. 5. 1973 — 1 BvR 424/71 und 325/72 = BVerfGE 35, 79; Mager, in: Isensee/Kirchhof, Hand­buch des Staats­rechts, Band 7, 3. Aufl., Hei­del­berg 2009, § 166 Rn. 17; Scholz, in: Maunz/Dürig, 77. EL Juli 2016, Art. 5 Abs. 3, Rn. 13.
  2. 12  Mager, in: Isensee/Kirchhof, Hand­buch des Staats­rechts, Band 7, 3. Aufl., Hei­del­berg 2009, § 166 Rn. 17.
  3. 13  Kem­pen, in: Hartmer/Detmer (Hrsg.), 2. Aufl. 2011, Kap. I, Rn. 67.
  4. 14  Scholz, in: Maunz/Dürig, GG Kom­men­tar, 77. EL Juli 2016, Art.5 Abs. 3, Rn. 108; Starck, in: Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tarz­um GG, 6. Auf­la­ge 2010, Art. 5 Abs. 3, Rn 376.
  5. 15  BVerfG, Urteil vom 03.09.2015 — 1 BvR 1983/15, ArbR 2015, 513;Starck, in: Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum GG, Art. 5Abs. 3, Rn 416.
  6. 16  Kahl, VVDStRL 65 (2006), 386, 402 f.; Kahl, JuS 2007, 201, 203.
  7. 17  Vgl. § 4 III HRG, s. auch BverfG, Beschluss vom 7. Okto­ber 1980 ‑1 BvR 1289/78.

ein ent­schei­den­der Bestand­teil, da der leh­ren­de Wis- sen­schaft­ler nur in einer begrenz­ten Anzahl an Spra- chen in der Lage sein wird, die Ver­an­stal­tung auf ei- nem hohen Niveau anzu­bie­ten. Außer­dem gilt eben­so für die Lehr­ver­an­stal­tung wie für die Publi­ka­ti­on, dass gewis­se The­men die Kom­mu­ni­ka­ti­on in einer be- stimm­ten Spra­che vorgeben.

Die aus der Ver­brei­tungs­frei­heit fol­gen­de wis­sen- schaft­li­che Sprach­frei­heit hat das Recht des Ein­zel­nen zur Kon­se­quenz, die von ihm in Schrift und Wort ver- wen­de­te Spra­che selbst zu wäh­len. Ein Wis­sen­schaft- ler hat daher nach Art. 5 Abs. 3 GG also zunächst grund­sätz­lich ein ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­tes Recht, die Spra­che, in der er sei­ne For­schungs­er­geb- nis­se publi­ziert oder sei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen ab- hält, selbst zu bestimmen.

2. Per­sön­li­cher Schutzbereich

Die Wis­sen­schafts­frei­heit ist ein Jeder­mann-Grund- recht und schützt als sol­chen „jeden, der wis­sen- schaft­lich tätig ist oder tätig wer­den will“.18 Das umfasst zunächst die Wis­sen­schaft­ler selbst, im nächs- ten Schritt über Art. 19 Abs. 3 GG aber auch die Hoch- schu­len sowie deren Fakul­tä­ten und Fachbereiche19, die außer­uni­ver­si­tä­ren Forschungseinrichtungen20 sowie for­schen­de Wirtschaftsunternehmen.21

3. Abgren­zung zur all­ge­mei­nen Sprach­frei­heit sowie zur Mei­nungs- bzw. Pressefreiheit

Die Sprach­frei­heit wird im Grund­ge­setz nicht expli­zit geschützt.22 Da die Spra­che aller­dings ein essen­ti­el­ler Bestand­teil der Iden­ti­tät des Ein­zel­nen ist und ihm die Mög­lich­keit der Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung bie­tet, ist sie Bestand­teil des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts, Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG.23 Die all­ge­mei­ne Sprach­frei­heit schützt das Recht des Ein­zel­nen die von ihm im öffent­li­chen und im pri­va­ten Gebrauch in Schrift und Wort ver­wen­de­te Spra­che selbst zu wäh-

18 BVerfG, Urteil vom 29. 5. 1973 — 1 BvR 424/71 und 325/72 = BVerfGE 35, 79.

19 BVerfG, Urteil vom 16.01.1963 — 1 BvR 316/60, BverfGE 15, 256; Mager, in: Isensee/Kirchhof, Hand­buch des Staats­rechts, Band 7, 3. Aufl., Hei­del­berg 2009, § 166 Rn. 37; Arnold, Die Bedeu­tung der Wis­sen­schafts­frei­heit für die Fraun­ho­fer-Gesell­schaft, S. 97.

20 BVerfG vom 10.3.1992, 1 BvR 454 u.a./91, BVerfGE 85, 360; Schmidt-Ass­mann, Die Wis­sen­schafts­frei­heit nach Art. 5 Abs. 3 GG; in: FS für Wer­ner Thie­me zum 70.Geburtstag, S. 707; Scholz, in Maunz/Dürig, GG Kom­men­tar, 77. EL Juli 2016, Art. 5 Abs. 3, Rn. 125.

21 Ruf­fert, VVDStRL 65 (2006), 145, 179.
22 Anders ist dies bei­spiels­wei­se in Art. 18 der Bun­des­ver­fas­sung der

Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft.
23 Kahl, VVDStRL 65 (2006), 386, 395 m.w.N.; Kahl, JuS 2007, 201.

len.24 Die all­ge­mei­ne Sprach­frei­heit kommt für for- schen­de bzw. leh­ren­de Wis­sen­schaft­ler nicht zur Anwen- dung, da Art. 5 Abs. 3 GG die spe­zi­el­le­re wis­sen­schaft­li- che Sprach­frei­heit schützt.25

Die Mei­nungs- und die Pres­se­frei­heit aus Art. 5 Abs. 1 GG spie­len für die Ver­öf­fent­li­chungs­frei­heit des Wis- sen­schaft­lers kei­ne Rol­le, da die Wis­sen­schafts­frei­heit als spe­zi­el­le­res Grund­recht wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen zumin­dest hin­sicht­lich der Rech­te der Wis­sen­schaft­ler schützt.26

4. Grund­rechts­bin­dung

Nach Art. 1 Abs. 3 GG sind die Gesetz­ge­bung, voll­zie- hen­de Gewalt und Recht­spre­chung unmit­tel­bar an die Grund­rech­te gebun­den. Die staat­li­chen Hoch­schu­len sind als staat­li­che Orga­ne, die als juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts orga­ni­siert sind, unmit­tel­bar nach Art. 1 Abs. 3 GG gegen­über ihren wis­sen­schaft­lich täti­gen Mit­glie­dern an die Wis­sen­schafts­frei­heit gebunden.27

Vie­le außer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen wer­den über­wie­gend vom Staat finan­ziert und von die­sem gesell­schafts­recht­lich beherrscht. Zudem neh- men sie staat­li­che Auf­ga­ben wahr, sodass sie dem Staat zuge­rech­net wer­den. Sie sind dem­entspre­chend im Ver­hält­nis zu ihrem wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal gemäß Art. 1 Abs. 3 GG direkt an die Grund­rech­te ge- bunden.

Außer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen, die nicht öffent­lich-recht­lich orga­ni­siert sind, sowie sol- che, die auf­grund ihrer Finan­zie­rung, orga­ni­sa­to­ri- schen Selbst­stän­dig­keit bzw. ihrer Auf­ga­ben­er­fül­lung nicht als staat­lich ange­se­hen wer­den kön­nen, sind durch die mit­tel­ba­re Dritt­wir­kung, die aus der objek- tiven Wert­ent­schei­dung des Art. 5 Abs. 3 GG folgt, an die Wis­sen­schafts­frei­heit gebunden.28 Auch for­schen- de Wirt­schafts­un­ter­neh­men sind gegen­über ihren an- gestell­ten For­schern durch die mit­tel­ba­re Dritt­wir- kung der Wis­sen­schafts­frei­heit an die­se gebunden.29

Die grund­recht­li­che Wert­ord­nung wirkt sich auch bei der Aus­le­gung von unbe­stimm­ten Rechts­be­grif­fen und Gene­ral­klau­seln aus.30 Zen­tral ist dabei § 106 GewO als all­ge­mei­ne Vor­schrift über das Weisungsrecht.

  1. 24  Kahl, VVDStRL 65 (2006), 386, 398 f sowie Fn 48.
  2. 25  Kahl, VVDStRL 65 (2006), 386, 396.
  3. 26  Scholz, in: Maunz/Dürig, Grund­ge­setz-Kom­men­tar, 77. EL Juli2016, Rn 13; umstrit­ten ist der Schutz des Art. 5 Abs. 3 hin­sicht­lich­der Rech­te der Ver­le­ger, sie­he Scholz, eben­da, m.w.N.
  4. 27  Ster­zel, Die Wis­sen­schafts­frei­heit des ange­stell­ten For­schers, S. 52;Scholz, in Maunz/Dürig, GG Kom­men­tar, 77. EL Juli 2016, Art. 5Abs. 3, Rn. 128.
  5. 28  Schmidt-Ass­mann, Die Wis­sen­schafts­frei­heit nach Art. 5 Abs. 3GG; in: FS für Wer­ner Thie­me zum 70.Geburtstag, S. 708. 29 vgl. Rüf­ner, in: Isensee/Kirchhof, Hand­buch des Staats­rechts, Band
    7, 3. Aufl., Hei­del­berg 2009, § 196 Rn 88 ff.; Schubert/Tarantino,

II. Sprach­vor­ga­ben als Ein­griff in die Wis­sen­schafts- freiheit

Aus dem Vor­ste­hen­den folgt: Vor­ga­ben der Grund­rechts- ver­pflich­te­ten gegen­über den Wis­sen­schaft­lern hin­sicht­lich der Spra­che, in der eine Publi­ka­ti­on abge­fasst sein oder eine Lehr­ver­an­stal­tun­gen gehal­ten wer­den muss, stel­len einen Ein­griff in die Ver­brei­tungs­frei­heit und die Lehr­frei­heit als Tei­le der Wis­sen­schafts­frei­heit dar.

Sol­che Vor­ga­ben kön­nen den Wis­sen­schaft­lern auf ver­schie­dens­ten Wegen gemacht wer­den. Im Fol­gen­den sol­len Vor­ga­ben, wel­che die unter­schied­li­chen Grund- rechts­adres­sa­ten den Grund­rechts­trä­gern im Arbeits- ver­trag und durch Wei­sung machen, auf ihre Zuläs­sig- keit unter­sucht werden.

1. Son­der­stel­lung der Pro­fes­so­ren an staat­li­chen Hochschulen

Pro­fes­so­ren an staat­li­chen Hoch­schu­len befin­den sich gegen­über den ande­ren wis­sen­schaft­lich Täti­gen in zwei­er­lei Hin­sicht in einer Son­der­stel­lung. Zum einen wer­den sie in der Regel nicht auf Grund­la­ge eines Arbeits­ver­tra­ges beschäf­tigt, son­dern sind Beamte.31 Aus der Beam­ten­stel­lung fol­gen gewis­se Amts­pflich- ten, die geeig­net sind, die Wis­sen­schafts­frei­heit ein- zuschrän­ken. Eine sol­che Ein­schrän­kung ist aber zumin­dest im Kern­be­reich der Wis­sen­schafts­frei­heit, der For­schung und der Leh­re, weit­ge­hend weder zuläs­sig (Art. 5 Abs. 3 GG) noch bezweckt. Denn die Beam­ten­stel­lung soll dem Pro­fes­sor die per­sön­li­che und sach­li­che Unab­hän­gig­keit ver­lei­hen, die er zur Aus­übung sei­ner von Art. 5 Abs. 3 GG garan­tier­ten Frei­hei­ten bedarf.32 Dar­aus folgt die ande­re Beson- der­heit im Ver­gleich zu sons­ti­gen wis­sen­schaft­lich Täti­gen, dass sich Pro­fes­so­ren an staat­li­chen Hoch- schu­len näm­lich nur sehr begrenzt Wei­sungs­rech­ten gegen­über sehen.33 Nur hin­sicht­lich der Lehr­ver- pflich­tun­gen unter­lie­gen Pro­fes­so­ren dem Wei­sungs- recht der Prä­si­den­ten bzw. Deka­ne der Fakultäten.34 Bei der Aus­übung die­ses Wei­sungs­rechts sind die Wei­sungs­be­fug­ten unmit­tel­bar an Art. 5 Abs. 3 GG gebunden.35 In der Aus­übung sei­ner Forschungstätig-

OdW 2016, 169, 170.
30 Schubert/Tarantino, OdW 2016, 169, 170.
31 Löwisch/Wertheimer, in: Hartmer/Dettmer, Hoch­schul­recht, 2.

Auf­la­ge 2011, Kap X, Rn 1 ff.
32 Scholz, in Maunz/Dürig, GG Kom­men­tar, 77. EL Juli 2016, Art. 5

Abs. 3, Rn. 172.
33 Scholz, in Maunz/Dürig, GG Kom­men­tar, 77. EL Juli 2016, Art. 5

Abs. 3, Rn. 172; Schubert/Tarantino, OdW 2016, 169, 175; Thie­me,

Deut­sches Hoch­schul­recht, 3. Auf­la­ge 20014, Rn 701.
34 Vgl. bspw. § 24 Abs. 2 S. 1 LHG BaWü; Art. 28 Abs. 4 S. 2 BayHSchG;

§28Abs.2S.2ThürHG;§27Abs.1S.2HGNRW. 35 S.o. B.I.4.

Jantz · Sprach­wahl und Wis­sen­schafts­frei­heit 4 3

44 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 41–50

keit hin­ge­gen ist der Pro­fes­sor wei­sungs­frei, was den beson­de­ren Schutz­ge­halt des Art. 5 Abs. 3 GG wider- spie­gelt. Für Sprach­vor­ga­ben in Bezug auf die Ver­öf- fent­li­chun­gen von Pro­fes­so­ren an staat­li­chen Hoch- schu­len fehlt daher schon ein Weisungsrecht.

2. Die übri­gen wis­sen­schaft­lich Tätigen

Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter an staat­li­chen Hoch­schu- len ste­hen in einem arbeits­recht­li­chen Ver­hält­nis zum Bun­des­land, zu dem die Uni­ver­si­tät gehört, an der sie tätig werden.36 Sie unter­lie­gen daher dem Wei­sungs­recht nach § 106 GewO.37

Das wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal der außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tung, zu dem auch deren lei­ten­de Wis­sen­schaft­ler gehö­ren, und das wis­sen­schaft­li­che Per- sonal der for­schen­den pri­va­ten Wirt­schafts­un­ter­neh- men steht in einem Arbeitsverhältnis38 zu den jewei­li­gen Ein­rich­tun­gen für die es tätig wird. Alle die­se Per­so­nen sind daher eben­so wie die Wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei- ter an staat­li­chen Hoch­schu­len und im Gegen­satz zu den Pro­fes­so­ren an staat­li­chen Hoch­schu­len grund­sätz­lich bei der Aus­übung ihrer Tätig­keit umfas­send wei­sungs- gebun­den, § 106 GewO.39

1. Schran­ken

Art. 5 Abs. 3 GG ent­hält kei­ne Schran­ken­re­ge­lung. Die Schran­ken des Art. 5 Abs. 2 GG sind auf­grund der Spe­zi- ali­tät der Wis­sen­schafts­frei­heit gegen­über den Frei­hei­ten aus Art. 5 Abs. 1 GG nicht anwendbar.43 Die Wis­sen- schafts­frei­heit ist den­noch nicht schran­ken­los gewähr- leis­tet. Sie wird ein­ge­schränkt durch ande­re ver­fas­sungs- recht­lich geschütz­te Rechtsgüter.44 Bei einer Kol­li­si­on von ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Rechts­gü­tern sind die­se im Wege der prak­ti­schen Kon­kor­danz so gegen­ein- ander abzu­wä­gen, dass bei­de so weit wie mög­lich zur Gel­tung kommen.45

2. Recht­mä­ßig­keit von Sprach­vor­ga­ben durch staat­li­che Hoch­schu­len und dem Staat zuzu­ord­nen­de außer­uni- ver­si­tä­re Forschungseinrichtungen

Unter­schied­lich zu behan­deln sind Sprach­vor­ga­ben von staat­li­chen Hoch­schu­len und dem Staat zuzu­rech­nen- den außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen einer-

Abs. 3, Rn. 172; Schubert/Tarantino, OdW 2016, 169, 170 f. und 175 f. 42 S.o. B.I.4.

43 Kem­pen, in: Hartmer/Dettmer, Hoch­schul­recht, 2. Auf­la­ge 2011, Kapi­tel I Rn 95; Mager, in: Isensee/Kirchhof, Hand­buch des Staats­rechts, Band 7, 3. Aufl., Hei­del­berg 2009, § 166 Rn. 30.

44 Löwisch, OdW 2016, 153, 154; Mager, in: Isensee/Kirchhof, Hand- buch des Staats­rechts, Band 7, 3. Aufl., Hei­del­berg 2009, § 166 Rn. 30.

45 Cal­liess, in: Merten/Papier, Hand­buch der Grund­rech­te, Band II, 2006, § 44, Rn 34; Schul­te, VVDStRL 65 (2006), 110, 120.

Wie weit die­ses Wei­sungs­recht reicht, hängt sowohl von der Aus­ge­stal­tung des Arbeits­ver­tra­ges als auch von der kon­kre­ten Wei­sung im Ein­zel­fall ab.40

Die Aus­ge­stal­tung des Arbeits­ver­tra­ges und die dar­aus resul­tie­ren­de Ein­bin­dung in wei­sungs­recht­li­che Struk­tu­ren ent­schei­det zunächst dar­über, ob ein Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an einer staat­li­chen Hoch­schu­le oder das wis- sen­schaft­li­che Per­so­nal von außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tung sowie for­schen­den pri­va­ten Wirt- schafts­un­ter­neh­men sich über­haupt auf die Wis­sen­schafts- frei­heit beru­fen kann. Denn auf die Wis­sen­schafts­frei­heit kann sich nur beru­fen, wer wis­sen­schaft­lich tätig wird. Ob der Ein- zel­ne wis­sen­schaft­lich tätig wird oder nur qua­li­fi­zier­te Dienst- leis­tun­gen in einem wis­sen­schaft­li­chen Umfeld erbringt, legt der Arbeits­ver­trag fest. Sieht der Ver­trag also eine voll­stän­dig wei­sungs­ge­bun­de­ne Tätig­keit vor, so kann sich der Arbeit­neh- mer nicht auf die Wis­sen­schafts­frei­heit beru­fen, da nur eigen- ver­ant­wort­li­che Tätig­kei­ten als Wis­sen­schaft vom Schutz­be- reich des Art. 5 Abs. 3 GG umfasst sind.41

  1. 36  Löwisch/Wertheimer, in: Hartmer/Detmer, Hoch­schul­recht, 3. Auf­la­ge 2017, Kapi­tel X, Rn 10.
  2. 37  Löwisch/Wertheimer, in: Hartmer/Detmer, Hoch­schul­recht, 3. Auf­la­ge 2017, Kapi­tel X, Rn 57ff; Schubert/Tarantino, OdW 2016, 169, 175.
  3. 38  Mit Aus­nah­me der lei­ten­den Wis­sen­schaft­ler, die Orga­ne der von ihnen gelei­te­ten For­schungs­ein­rich­tung sind.
  4. 39  Schubert/Tarantino, OdW 2016, 169, 170.
  5. 40  Schubert/Tarantino, OdW 2016, 169.
  6. 41  Clas­sen, Wis­sen­schafts­frei­heit außer­halb der Hoch­schu­le, S. 152;Scholz, in: Maunz/Dürig, GG Kom­men­tar, 77. EL Juli 2016, Art. 5

Sieht der Arbeits­ver­trag hin­ge­gen vor, dass eine, wenn auch auf einen gewis­sen abtrenn­ba­ren Bereich be- schränk­te, unab­hän­gi­ge und damit wis­sen­schaft­li­che Tä- tig­keit geschul­det wird, so kann sich der Ein­zel­ne bei der spe­zi­el­len Ver­trags­ge­stal­tung in die­sem Bereich auf die Wis­sen­schafts­frei­heit beru­fen. Wis­sen­schaft­li­che Mitar- bei­ter an staat­li­chen Hoch­schu­len sowie an dem Staat zuzu­ord­nen­den außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich- tun­gen kön­nen sich ihrem Arbeit­ge­ber gegen­über direkt auf Art. 5 Abs. 3 GG beru­fen, da ihre Arbeit­ge­ber gemäß Art. 1 Abs. 3 GG direkt an die Grund­rech­te gebun­den sind.42 Das wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal der übri­gen auße- runi­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen und der for- schen­den pri­va­ten Wirt­schafts­un­ter­neh­men kann sich auf­grund der mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung der Grund­rech­te gegen­über sei­nem Arbeit­ge­ber auf § 307 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB beru­fen, soweit die die Wis­sen­schafts­frei­heit ein­schrän­ken­den Rege­lun­gen vom Arbeit­ge­ber all­ge- mein vor­ge­ge­ben werden.

III. Recht­mä­ßig­keit der Beschrän­kung der Sprach- freiheit

seits und dem Staat nicht zure­chen­ba­ren außer­uni­ver­si- tären For­schungs­ein­rich­tun­gen und pri­va­ten Wirt- schafts­un­ter­neh­men ande­rer­seits. Denn die staat­li­chen Hoch­schu­len und die dem Staat zure­chen­ba­ren auße- runi­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen kön­nen sich neben Art. 5 Abs. 3 GG nicht auf ande­re Grund­rech­te berufen.46 Dem­ge­gen­über ste­hen dem Staat nicht zuge- ord­ne­ten außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen eben­so wie pri­va­ten Wirt­schafts­un­ter­neh­men das Grund­recht des Art. 12 Abs. 1 GG zur Seite.47

a) Sprach­vor­ga­ben für Lehrveranstaltungen

Wird durch einen Grund­rechts­ver­pflich­te­ten die Lehr- frei­heit ein­ge­schränkt, so kom­men als Schran­ke der Wis­sen­schafts­frei­heit des leh­ren­den Wis­sen­schaft­lers die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Güter der Stu­dier- bzw. Lern­frei­heit der Studenten48 und der Aus­bil­dungs- auf­trag der Uni­ver­si­tät in Betracht.49 Es ist also eine Ver- hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung durch­zu­füh­ren mit dem Ziel der Errei­chung prak­ti­scher Konkordanz.

Legi­tim sind sprach­li­che Vor­ga­ben, wel­che den Stu- den­ten die Mög­lich­keit geben sol­len, ihrem Grund­recht auf Lern­frei­heit gemäß aus­ge­bil­det zu wer­den oder wel- che einen ord­nungs­ge­mä­ßen Ablauf des Lehr­be­trie­bes garan­tie­ren sol­len. Die Wei­sung, eine Lehr­ver­an­stal­tung in eng­li­scher Spra­che abzu­hal­ten, ist bei­spiels­wei­se von die­sem Zweck gedeckt, wenn es sich um Ver­an­stal­tun- gen des Fach­be­reichs Anglis­tik oder um eng­lisch­spra- chi­ge Spe­zi­al­ver­an­stal­tun­gen im Rah­men des Lehran­ge- bots ande­rer Fach­be­rei­che einer staat­li­chen Hoch­schu­le han­delt, die ihre Ver­an­stal­tun­gen ansons­ten grund­sätz- lich auf Deutsch abhal­ten. Nicht gedeckt wäre die­se Vor- gabe hin­ge­gen an einer staat­li­chen Hoch­schu­le in Bezug auf Lehr­ver­an­stal­tun­gen, deren The­ma kei­ne beson­de­re Ver­bin­dung zur eng­li­schen Spra­che aufweist.50

Soweit ein sol­cher legi­ti­mer Zweck besteht, ist die Wei­sung, etwa die eng­li­sche Spra­che zu ver­wen­den, ge- eig­net und erfor­der­lich, da kein mil­de­res Mit­tel zur Ge- währ­leis­tung der Lern­frei­heit sowie eines ord­nungs­ge- mäßen Lehr­be­triebs vor­han­den ist.

Im Rah­men der Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sin­ne ist im Wege der prak­ti­schen Kon­kor­danz zu gewähr­leis­ten, dass sowohl die Wissenschaftsfreiheit

  1. 46  Beth­ge, in: Sachs, Grund­ge­setz Kom­men­tar, 7. Auf­la­ge 2014, Mün- chen, Art. 5, Rn 220.
  2. 47  Clas­sen, Wis­sen­schafts­frei­heit außer­halb der Hoch­schu­le, S. 144, 155.
  3. 48  Umstrit­ten ist, ob der Schutz aus Art. 5 Abs. 3 GG folgt (so: Beth- ge, in: Sachs, Grund­ge­setz Kom­men­tar, 7. Auf­la­ge 2014, Mün­chen, Art. 5, Rn 208) oder aus Art. 2 Abs. 1 GG (so: Thie­me, Deut­sches Hoch­schul­recht, 3. Auf­la­ge 2004, 847).
  4. 49  BVerfG, Beschluss vom 7. Okto­ber 1980 — 1 BvR 1289/78; Kahl,

des Leh­ren­den als auch die Lern­frei­heit der Stu­den­ten wei­test­mög­lich zur Gel­tung kom­men. Ein Wis­sen­schaft- ler, der zu einem The­ma forscht und lehrt, das eine enge Ver­bin­dung zur eng­li­schen Spra­che auf­weist, wird in sei- ner Lehr­frei­heit durch die Wei­sung zur Ver­wen­dung der eng­li­schen Spra­che kaum ein­ge­schränkt sein, da die­se ein wesent­li­cher Bestand­teil sei­ner For­schung ist. Dem- ent­spre­chend ist es nur ange­mes­sen, der Lern­frei­heit in die­sem Zusam­men­hang den Vor­zug zu geben, da die­se durch auf deut­scher Spra­che abge­hal­te­ne Lehr­ver­an­s­tal- tun­gen, die den Gebrauch des Eng­li­schen the­ma­tisch ver­lan­gen, stark ein­ge­schränkt wür­de. Weist das The­ma der Lehr­ver­an­stal­tung also eine enge Ver­bin­dung zur eng­li­schen Spra­che auf, ist eine ent­spre­chen­de Vor­ga­be der eng­li­schen Spra­che rechtmäßig.

b) Sprach­vor­ga­ben für Publikationen

Wird einem Wis­sen­schaft­ler eine Vor­ga­be hin­sicht­lich der Spra­che, in der er sei­ne wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se pub- lizie­ren soll, gemacht, so schränkt dies sei­ne Wis­sen­schafts- frei­heit in ihrem Kern­be­reich ein, da die Kom­mu­ni­ka­ti­on für die Wis­sen­schaft von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung ist51 und die zur Ver­mitt­lung von wis­sen­schaft­li­chen Aus­sa­gen gewähl­te Spra­che einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on hat. Es muss daher dem gegen­läu­fi­gen Inter­es­se zunächst ein ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­tes Rechts­gut zur Sei­te stehen.52

Ein sol­ches Rechts­gut kann die Wis­sen­schafts­frei­heit ande­rer Wis­sen­schaft­ler sein, mit denen der betrof­fe­ne Wis­sen­schaft­ler im Rah­men der Hoch­schu­le oder der For­schungs­ein­rich­tung zusam­men­ar­bei­tet. Hat sich eine For­scher­grup­pe für die Ver­öf­fent­li­chung der gemein­sa- men For­schungs­er­geb­nis­se in einer bestimm­ten Spra­che ent­schie­den, muss sich die­se Ent­schei­dung gegen die ab- wei­chen­de Mei­nung ein­zel­ner Mit­glie­der der For- schungs­grup­pe durch­set­zen können.

Hin­ge­gen reicht das Inter­es­se der staat­li­chen Hoch- schu­le oder außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung, ihr wis­sen­schaft­li­ches Pro­fil bzw. ihre Aus­gangs­po­si­ti­on im Wett­be­werb um For­schungs­för­de­rungs­gel­der durch die Wahl einer gän­gi­gen Spra­che und der damit ein­her- gehen­den Mög­lich­kei­ten eines bes­se­ren „Ran­kings“ zu stär­ken, nicht aus. Zwar sind die staat­li­chen Hochschu-

VVDStRL 65 (2006), 386, 404; Kem­pen, in: Hartmer/Detmer,

Hoch­schul­recht, 2. Auf­la­ge 2011, Kapi­tel I Rn 96.
50 Kahl, VVDStRL 65 (2006), 386, 402 f.
51 Per­ni­ce, in: Drei­er, Grund­ge­setz Kom­men­tar, Band I, 2. Auflage

2004, Art. 5 III (Wis­sen­schaft), Rn 28; Stein­fort, Die ver­fas- sungs­recht­li­chen Grund­la­gen der Ver­öf­fent­li­chungs­frei­heit des Wis­sen­schaft­lers, Bonn 1987, S. 28 f.

52 A.A. Starck, in: Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum GG, 6. Auf­la­ge 2010, Art. 5 Abs. 3, Rn 416.

Jantz · Sprach­wahl und Wis­sen­schafts­frei­heit 4 5

46 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 41–50

len und die dem Staat zuge­ord­ne­ten außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen grund­sätz­lich Trä­ger der Wis- sen­schafts­frei­heit. Auf die­se kön­nen sie sich aber regel- mäßig nur im Ver­hält­nis zum Staat beru­fen. Den für sie täti­gen Wis­sen­schaft­lern gegen­über sind sie in ers­ter Li- nie grundrechtspflichtig.53 Nur wenn und soweit sie ihre Auf­ga­be, den ihr ange­hö­ren­den Wis­sen­schaft­lern die freie Betä­ti­gung zu ermög­li­chen und ihre sons­ti­gen Auf- gaben in der Wis­sen­schafts­pfle­ge anders nicht mehr er- fül­len kön­nen, kommt eine Ein­schrän­kung der Wis­sen- schafts­frei­heit in Betracht.54 Davon aber kann im Hin- blick auf die Sprach­wahl bei Publi­ka­tio­nen in aller Regel nicht gespro­chen werden.

3. Recht­mä­ßig­keit von Sprach­vor­ga­ben durch nicht dem Staat zuzu­ord­nen­de außer­uni­ver­si­tä­re For­schungsein- rich­tun­gen und for­schen­de pri­va­te Wirt­schafts­un­ter- nehmen

Da in den hier zu behan­deln­den Insti­tu­tio­nen nur geforscht und nicht gelehrt wird, kann es nur um die Zuläs­sig­keit von Sprach­vor­ga­ben hin­sicht­lich der Publi- kat­ion von For­schungs­er­geb­nis­sen gehen.

Als Schran­ke der Wis­sen­schafts­frei­heit der For­scher kom­men als kol­li­die­ren­de ver­fas­sungs­recht­lich ge- schütz­te Rechts­gü­ter die Wis­sen­schafts­frei­heit der ande- ren Wis­sen­schaft­ler und die Wis­sen­schafts­frei­heit des Arbeit­ge­bers sowie des­sen unter­neh­me­ri­sche Frei­heit aus Art. 12 Abs. 1 GG in Betracht.55 Auf die Wis­sen- schafts­frei­heit kön­nen die­se Arbeit­ge­ber sich aller­dings nur beru­fen, sofern orga­ni­sa­to­risch sicher­ge­stellt ist, dass ihre Arbeit­neh­mern wis­sen­schaft­lich tätig wer­den können,56 sie ihnen also einen gewis­sen Frei­raum bei der For­schung garantieren.

Die­se Grund­rech­te der Arbeit­ge­ber sind als kol­li­die- ren­des Ver­fas­sungs­recht im Arbeits­ver­hält­nis zu beach- ten, da die Grund­rech­te mit­tel­bar zu Guns­ten und zu Las­ten bei­der Ver­trags­par­tei­en wirken.57

Es ist also eine Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung vor­zu- neh­men, um die Zuläs­sig­keit einer Wei­sung über die Ver­wen­dung einer bestimm­ten – oft­mals der eng­li­schen – Spra­che für Publi­ka­tio­nen zu beurteilen.

Eben­so wie in der staat­li­chen Hoch­schu­le bzw. der dem Staat zuzu­ord­nen­den außer­uni­ver­si­tä­ren For-

  1. 53  Hanau/Ossenbühl, Kün­di­gungs­schutz und Wis­sen­schafts­frei­heit, S. 74; Löwer, in: Merten/Papier, Hand­buch der Grund­rech­te, 2011, Band IV, § 99, Rn 21; Starck, in: Mangoldt/Klein/Starck, Kom- men­tar zum Grund­ge­setz, 6. Auf­la­ge 2010, Art. 5 Abs. 3, Rn 409.
  2. 54  Mallmann/Strauch, Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie der frei­en Wis­sen- schaft, S. 14 f.; Schul­te, VVDStRL 65 (2006), 110, 122.
  3. 55  Clas­sen, Wis­sen­schafts­frei­heit außer­halb der Hoch­schu­le, S. 144, 155; vgl. Bren­ner, in: Merten/Papier, Hand­buch der Grund­rech­te, Band V, 2013, § 155, Rn 15 ff.

schungs­ein­rich­tung gilt auch hier, dass bei der Zusam- men­ar­beit meh­re­rer Wis­sen­schaft­ler an einem grö­ße­ren For­schungs­pro­jekt dem Ein­zel­nen Sprach­vor­ga­ben zur Wah­rung der Wis­sen­schafts­frei­heit der übri­gen Wis­sen- schaft­ler gemacht wer­den dür­fen. Sie sind also soweit recht­mä­ßig, als sie für die Durch­füh­rung und den Erfolg des Pro­jekts erfor­der­lich sind.

Das Inter­es­se der Arbeit­ge­ber, das hin­ter einer Sprach­vor­ga­be steht, ist die Stär­kung sei­nes wis­sen- schaft­li­chen Pro­fils. Damit ein­her­ge­hen soll die Mög- lich­keit, renom­mier­te inter­na­tio­na­le Wis­sen­schaft­ler als Arbeit­neh­mer gewin­nen zu kön­nen und eine mög­lichst gute Aus­gangs­po­si­ti­on bei der Bewer­bung um For- schungs­för­de­rungs­gel­der zu haben. Es soll also die wis- sen­schaft­li­che Leis­tung der außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tung bzw. des for­schen­den pri­va­ten Wirt- schafts­un­ter­neh­mens gestärkt wer­den, um wirt­schaft­lich wert­vol­le Ergeb­nis­se zu erzie­len und es sol­len För­der­gel- der akqui­riert wer­den. Die­se Inter­es­sen wer­den sowohl von Art. 5 Abs. 3 als auch von Art. 12 Abs. 1 GG geschützt und sind damit als legi­tim anzusehen.

Eine Sprach­vor­ga­be ist geeig­net und erfor­der­lich, um das Inter­es­se des Arbeit­ge­bers an inter­na­tio­na­ler Auf- merk­sam­keit zu erfül­len, da allein die Ver­wen­dung der eng­li­schen Spra­che es garan­tiert, dass die inter­na­tio­na­le „sci­en­ti­fic com­mu­ni­ty“ die For­schungs­er­geb­nis­se zur Kennt­nis neh­men kann.

Frag­lich ist aller­dings, ob die Sprach­vor­ga­be des Ar- beit­ge­bers als ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne ange­se- hen wer­den kann. Dies wäre wohl anzu­neh­men, wenn man mit Starck davon aus­gin­ge, dass die Art und Wei­se der Ver­öf­fent­li­chung ledig­lich eine Akzi­denz der For- schungs­frei­heit ist und Ein­grif­fe daher ein­fa­cher zu recht­fer­ti­gen sind.58 Anders ist es aller­dings zu beur­tei- len, wenn man die Ansicht von Per­ni­ce und Stein­fort,59 dass die Ver­öf­fent­li­chungs­frei­heit auch in Bezug auf ihre Moda­li­tä­ten, wovon auch die Ver­öf­fent­li­chungs­spra­che umfasst ist, zum Kern­be­reich der Wis­sen­schafts­frei­heit gehört. Die­se Ansicht ist über­zeu­gen­der, da die Spra­che einen wesent­li­chen Teil der Ver­öf­fent­li­chung dar­stellt. Sie ist das Medi­um, mit dem das For­schungs­er­geb­nis ver­mit­telt wird. Erst die sprach­li­che Ver­mitt­lung macht die Ergeb­nis­se für die „sci­en­ti­fic com­mu­ni­ty“ verständ-

56 Schmidt-Ass­mann, Die Wis­sen­schafts­frei­heit nach Art. 5 Abs. 3 GG; in: FS für Wer­ner Thie­me zum 70.Geburtstag, S. 708; Starck, in: Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum GG, 6. Auf­la­ge 2010, Art. 5 Abs. 3, Rn 411.

57 Starck, in: Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum GG, 6. Auf­la- ge 2010, Art. 5 Abs. 3, Rn 411.

58 Starck, in: Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum GG, 6. Auf­la- ge 2010, Art. 5 Abs. 3, Rn 416.

59 S.o. Fn 51.

lich und so zu einem Teil des wis­sen­schaft­li­chen Dia­logs. Außer­dem ermög­licht es die Wahl der Spra­che dem Wis- sen­schaft­ler, den Adres­sa­ten­kreis für sei­ne For­schungs- arbeit zu bestim­men, was je nach deren The­ma ein we- sent­li­cher Gesichts­punkt sein kann. Eine Sprach­vor­ga­be stell dem­nach einen Ein­griff in den Kern­be­reich der Wis­sen­schafts­frei­heit des Betrof­fe­nen dar. Ein­grif­fe in den Kern­be­reich der Wis­sen­schafts­frei­heit sind wesent- lich schwie­ri­ger zu rechtfertigen.60 Denn der aus der Ver­weh­rung einer Sprach­vor­ga­be resul­tie­ren­de Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit und die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit des Arbeit­ge­bers ist weit weni­ger ein­schnei- dend. Zwar ist ihm die Mög­lich­keit der Schär­fung sei­nes inter­na­tio­na­len Pro­fils erschwert, er kann aber den­noch wei­ter­hin auf dem von ihm gewünsch­ten Gebiet for- schen las­sen und dadurch wirt­schaft­lich ver­wert­ba­re For­schungs­er­geb­nis­se erzielen.

IV. Ergeb­nis

Die­Sprach­wahl­des­Wis­sen­schaft­lers­be­züg­lichs­ei­ner Publi­ka­tio­nen und sei­ner Lehr­ver­an­stal­tun­gen wird von Art. 5 Abs. 3 GG geschützt. Ein­schrän­kun­gen die- ser Frei­heit sind nur auf der Grund­la­ge von kol­li­die- ren­den ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Rechts­gü- tern zulässig.

In Bezug auf Lehr­ver­an­stal­tun­gen sind Sprach­vor- gaben zuläs­sig, sofern die Stu­dier- bzw. Lern­frei­heit der Stu­den­ten und der ord­nungs­ge­mä­ße Ablauf der Lehr- ver­an­stal­tun­gen es erfor­dern. Dies wird in der Regel am Bei­spiel der Vor­ga­be der Ver­wen­dung des Eng­li­schen nur zu beja­hen sein, wenn Lehr­ver­an­stal­tun­gen des Fach­be­reichs Anglis­tik oder Spe­zi­al­ver­an­stal­tung ande- rer Fach­be­rei­che, deren The­ma­tik eine enge Ver­bin­dung zur eng­li­schen Spra­che auf­wei­sen, betrof­fen sind.

Sprach­vor­ga­ben für Publi­ka­tio­nen sind in der Regel unzu­läs­sig, da ent­spre­chen­de Ein­grif­fe in den Kern­be- reich der For­schungs­frei­heit nur schwer zu recht­fer­ti­gen sind. Eine Aus­nah­me ergibt sich ins­be­son­de­re bei der Koope­ra­ti­on meh­re­rer Wis­sen­schaft­ler, die nur mit Hil- fe der gemein­sa­men Ver­wen­dung der­sel­ben Ver­öf­fent­li- chungs­spra­che mög­lich ist.

  1. 60  BVerfG, Beschlüs­se vom 22. Juli 1999 — 1 BvR 709/97 und 07. August 2007 — 1 BvR 2667/05.
  2. 61  Kot­zur, in: Schulze/Zuleeg/Kadelbach, Euro­pa­recht — Hand­buch für die deut­sche Rechts­pra­xis, 3. Auf­la­ge 2015, 2. Teil § 38 Bil­dung und Kul­tur, Rn 45; Mann, in: Hesselhaus/Nowak, Hand­buch der Euro­päi­schen Grund­rech­te, § 26, Rn 56.
  3. 62  Ruf­fert, in: Calliess/Ruffert, EUV/AEUV, 5. Auf­la­ge 2016, Art. 13 GRCh mwN.

C. Sprach­wahl als Teil der Wis­sen­schafts­frei­heit nach der Euro­päi­schen Grund­rech­te Char­ta und die Mög- lich­keit ihrer Beschränkung

I. Schutz­be­reich der Wissenschaftsfreiheit

In Art. 13 GRCh ist die Wis­sen­schafts­frei­heit auf euro­pa- recht­li­cher Ebe­ne garan­tiert. In Art. 13 heißt es, dass die For­schung frei ist und die aka­de­mi­sche Frei­heit geach­tet wird. Die Begrif­fe Wis­sen­schaft, For­schung und aka­de- mische Frei­heit sind in der GRCh nicht defi­niert. Es gibt auch kei­ne Recht­spre­chung des EuGH, die sich mit der Wis­sen­schafts­frei­heit der GRCh beschäftigt.61

Für den Begriff der Wis­sen­schafts­frei­heit kann zwar nicht auf die Defi­ni­ti­on des Grund­ge­set­zes abge­stellt werden62, aber im euro­päi­schen Sekun­där­recht fin­det sich zumin­dest eine Defi­ni­ti­on der For­schungs­frei­heit, die Anhalts­punk­te lie­fern kann.

So defi­niert die Richt­li­nie des Rates vom 12.10.2005 über ein beson­de­res Zulas­sungs­ver­fah­ren für Dritt- staats­an­ge­hö­ri­ge zum Zwe­cke der wis­sen­schaft­li­chen For­schung in Art. 2 lit. b) For­schung als „sys­te­ma­tisch betrie­be­ne, schöp­fe­ri­sche Arbeit mit dem Zweck der Er- wei­te­rung des Wis­sens­stands, ein­schließ­lich der Er- kennt­nis­se über den Men­schen, die Kul­tur und die Ge- sell­schaft, sowie der Ein­satz die­ses Wis­sens mit dem Ziel, neue Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten zu finden“.

Von der Wis­sen­schafts­frei­heit ist auch die Publi­ka­ti- on der For­schungs­er­geb­nis­se umfasst.63 Dies erscheint allein schon auf­grund der Tat­sa­che, dass die Wis­sen- schafts­frei­heit der GRCh als Aus­fluss der Mei­nungs- und Gedan­ken­frei­heit gese­hen wird,64 zwin­gend. Denn für die Mei­nungs­frei­heit ist es ele­men­tar, nicht nur eine Mei­nung zu haben, son­dern die­se auch kom­mu­ni­zie­ren zu dür­fen. Da zum Kom­mu­ni­ka­ti­ons­vor­gang entsch­ei- dend die Spra­che gehört, in der kom­mu­ni­ziert wird, ist davon aus­zu­ge­hen, dass Art. 13 GRCh auch die wis­sen- schaft­li­che Sprach­frei­heit umfasst.

Per­sön­lich kön­nen den Schutz der Wis­sen­schafts­frei- heit des Art. 13 GRCh sowohl natür­li­che als auch juris­ti­sche Per­so­nen, die wis­sen­schaft­lich tätig wer­den, in Anspruch nehmen.65 Einem Wis­sen­schaft­ler wird dem­nach durch

63 Ruf­fert, in Calliess/Ruffert, EUV/AEUV, 5. Auf­la­ge 2016, Art. 13 GRCh, Rn 8.

64 Kem­pen in: Stern/Sachs, Euro­päi­sche Grund­rech­te-Char­ta, 2016, Art. 13, Rn 17, 24; Ruf­fert, in: Callies/Ruffert, EUV/AEUVB, 5. Aufl. 2016, Art. 13 GRCh, Rn 7.

65 Kem­pen, in: Stern/Sachs, Euro­päi­sche Grund­rech­te-Char­ta, 2016, Art. 13, Rn 9.

Jantz · Sprach­wahl und Wis­sen­schafts­frei­heit 4 7

48 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 41–50

Art. 13 GRCh das Recht garan­tiert, eine wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­ti­on in der Spra­che sei­ner Wahl zu verfassen.

II. Ein­griff und des­sen Zulässigkeit

Schränk­te die Euro­päi­sche Uni­on im Rah­men der Ver- gabe ihrer För­der­gel­der die­ses Recht durch sprach­li­che Vor­ga­ben ein, läge dar­in ein Ein­griff in die Wis­sen- schaftsfreiheit.66

1. For­schungs­för­de­rung durch die EU

Art. 179 AEUV schreibt das Ziel der Uni­on fest, ihre wis- sen­schaft­li­chen und tech­no­lo­gi­schen Grund­la­gen dadurch zu stär­ken, dass ein euro­päi­scher Raum der For­schung geschaf­fen wird, in dem Frei­zü­gig­keit für For­scher herrscht und wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se und Tech­no­lo­gien frei aus­ge­tauscht wer­den, die Ent- wick­lung ihrer Wett­be­werbs­fä­hig­keit ein­schließ­lich der ihrer Indus­trie zu för­dern sowie alle For­schungs­maß- nah­men zu unter­stüt­zen, die auf­grund ande­rer Kapi­tel der Ver­trä­ge für erfor­der­lich gehal­ten werden.

Zur Ziel­er­rei­chung wer­den nach Art. 180 lit. a) AEUV unter ande­rem Pro­gram­me für For­schung, tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung und Demons­tra­ti­on unter För­de­rung der Zu- sam­men­ar­beit mit und zwi­schen Unter­neh­men, For- schungs­zen­tren und Hoch­schu­len durchgeführt.

Die For­schungs­rah­men­pro­gram­me wer­den gemäß Art. 182 Abs. 1 AEUV vom Euro­päi­schen Par­la­ment und dem Rat gemäß dem ordent­li­chen Gesetz­ge­bungs­ver- fah­ren und nach Anhö­rung des Wirt­schafts- und Sozi­al- aus­schus­ses auf­ge­stellt. Die­se fas­sen alle Aktio­nen der Uni­on in die­sem Bereich zusammen.

Zur Durch­füh­rung des Rah­men­pro­gramms legt die Uni­on unter ande­rem die Regeln für die Ver­brei­tung der For­schungs­er­geb­nis­se fest, Art. 183 AEUV.

Durch die Ver­ord­nung Nr. 1291/2013 des Euro­päi- schen Par­la­ments und des Rates vom 11. Dezem­ber 2013 über das Rah­men­pro­gramm für For­schung und Inno­va- tion Hori­zont 2020 (2014–2020) und zur Auf­he­bung des Beschlus­ses Nr. 1982/2006/EG wur­de das aktu­el­le ach­te For­schungs­rah­men­pro­gramm ein­ge­führt. Das Ziel des Pro­gramms ist es, zum Auf­bau einer uni­ons­wei­ten wis- sens- und inno­va­ti­ons­ge­stütz­ten Gesell­schaft und Wirt- schaft bei­zu­tra­gen, indem es zusätz­li­che För­der­mit­tel für For­schung, Ent­wick­lung und Inno­va­ti­on mobi­li­siert und

  1. 66  Vgl. Berns­dorff, in: Mey­er, Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi- schen Uni­on, 4. Auf­la­ge 2014, Arti­kel 13, Rn 15 und Ehlers, Euro- päi­sche Grund­rech­te und Grund­frei­hei­ten, 4. Auf­la­ge, Ber­lin, Rn 11, die davon aus­geht, dass sich Art. 13 GRCh bei der For­schungs- för­de­rung und dort ins­be­son­de­re bei Ver­hal­tens­an­for­de­run­gen an Wis­sen­schaft­ler aus­wir­ken kann.
  2. 67  Zu Hori­zon 2020: Becker, Das Rah­men­pro­gramm der Euro­päi- schen Uni­on für For­schung und Inno­va­ti­on, OdW 2014, 97.

einen Bei­trag zur Ver­wirk­li­chung der Zie­le im Bereich For­schung und Ent­wick­lung leis­tet, Art. 5 Abs. 1 der Ver- ordnung.67

Zur Ziel­er­rei­chung sol­len drei Schwer­punk­te die­nen: „wis­sen­schaft­li­che Exzel­lenz“, „füh­ren­de Rol­le der In- dus­trie“ und „gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen“, Art. 5 Abs. 2 der Verordnung.

Im Rah­men die­ses Bei­trags ist es nicht mög­lich sämt- liche For­schungs­för­de­rungs­maß­nah­men der EU aus- führ­lich dar­zu­stel­len, wes­halb der Blick im Fol­gen­den auf den Schwer­punkt „wis­sen­schaft­li­che Exzel­lenz“ und dort noch spe­zi­el­ler auf das Ein­zel­ziel „Stär­kung der Pi- onier­for­schung durch Tätig­kei­ten des Euro­päi­schen For- schungs­ra­tes“ (ERC = Euro­pean Rese­arch Coun­cil), Art. 3 Abs. 1 lit. a) des Beschlus­ses des Rates vom 3. Dezem­ber 2013 über das Spe­zi­fi­sche Pro­gramm zur Durch­füh­rung des Rah­men­pro­gramms für For­schung und Inno­va­ti­on „Hori­zont 2020“ (2014–2020) gerich­tet wird. Die­ses Ein- zel­ziel ist aus zwei Grün­den beson­ders inter­es­sant. Zum einen wird Pro­jekt­för­de­rung betrie­ben, in deren Rah- men Vor­ga­ben bezüg­lich der Ver­öf­fent­li­chung der For- schungs­er­geb­nis­se gemacht wer­den, zum ande­ren ist die­ses Ein­zel­ziel mit einer finan­zi­el­len Aus­stat­tung von ca. 13 Mil­li­ar­den Euro eines der finan­zi­ell am bes­ten aus- gestat­te­ten Ein­zel­zie­le von Hori­zon 2020.68

Der ERC bie­tet For­schern eine Lang­zeit­för­de­rung für Pro­jek­te im Bereich der Grund­la­gen­for­schung. Die För- der­mit­tel wer­den auf der Grund­la­ge der Exzel­lenz des För­der­an­trags inner­halb eines peer review Ver­fah­rens ver­ge­ben. Als Kri­te­ri­en wer­den das Poten­ti­al des Antrag- stel­lers, das Poten­ti­al des Pro­jekts und das Umfeld des Antrag­stel­lers herangezogen.69 Mit den in die­sem Ver- fah­ren erfolg­rei­chen Teil­neh­mern wer­den Finanz­hil­fe- ver­ein­ba­run­gen / Grant Agree­ments geschlos­sen, Art. 18 Abs. 2 Ver­ord­nung (EU) Nr. 1290/2013 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11. Dezem­ber 2013. Die­se Ver­ein­ba­run­gen legen die Rech­te und Pflich­ten der Teil- neh­mer und des ERC fest, Art. 18 Abs. 3 Ver­ord­nung (EU) Nr. 1290/2013.

2. Zuläs­sig­keit von Sprach­vor­ga­ben im Rah­men der Finanzhilfevereinbarung

Die aktu­el­len Mus­ter­fi­nanz­hil­fe­ver­ein­ba­run­gen des ERC (Model Grant Agree­ments) ent­hal­ten kei­ne Vor­ga­ben zur Spra­che, in der Publi­ka­tio­nen zu ver­fas­sen sind.70

68 Anhang II zur Ver­ord­nung (EU) Nr. 1291/2013 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11. Dezem­ber 2013.

69 S. Groß, EuR 2010, 299, 301, der das Antrags­ver­fah­ren, das Bewer­tungs­ver­fah­ren und die Orga­ni­sa­ti­on des ERC aus­führ­lich darstellt.

70 Model Grant Agree­ments abruf­bar unter: http://ec.europa.eu/ research/participants/portal/desktop/en/funding/reference_docs. html#h2020-mga-erc[abgerufen am 30.11.2016].

Sprach­vor­ga­ben sind im Model Grant Agree­ment ledig- lich hin­sicht­lich der Berich­te (Art. 20.5), der Bewer­tung (Art. 22.1.2.) und Audits (Art. 22.1.3) ent­hal­ten. Es wird in allen genann­ten Klau­seln vor­ge­schrie­ben, dass die Spra­che der Finanz­hil­fe­ver­ein­ba­rung zu ver­wen­den ist. Hin­sicht­lich der Ver­öf­fent­li­chun­gen fin­den sich im Model Grant Agree­ment Rege­lun­gen in Art. 29. Hier wird ins­be­son­de­re in Art. 29.2 vor­ge­schrie­ben, dass die Publi­ka­ti­on online kos­ten­los abruf­bar sein muss („open access“).

Frag­lich ist, ob Sprach­vor­ga­ben zuläs­sig wären, soll- ten sie ein­ge­führt wer­den. Dies ist anhand der Wis­sen- schafts­frei­heit der geför­der­ten Wis­sen­schaft­ler zu beur- tei­len. Die Exe­ku­tiv­agen­tur (ERCEA), die die Ver­wal- tung des ERC über­nimmt und die Finanz­hil­fe­ver­ein­ba- rung abschließt, han­delt im Namen der Euro­päi­schen Kommission.71 Dem­entspre­chend muss sie bei ihrer Tä- tig­keit die GRCh beach­ten, vgl. Art. 51 Abs. 1 GRCh.

Die Wis­sen­schafts­frei­heit des Art. 13 GRCh ist unter ande­rem nach Art. 52 GRCh einschränkbar.72 Nach Art. 52 Abs. 1 S. 1 GRCh muss jede Ein­schrän­kung der Aus­übung der in die­ser Char­ta aner­kann­ten Rech­te und Frei­hei­ten gesetz­lich vor­ge­se­hen sein und den Wesens- gehalt die­ser Rech­te und Frei­hei­ten ach­ten. Als gesetz­li- che Norm kommt für die Ein­schrän­kung der Wis­sen- schafts­frei­heit hin­sicht­lich der Ver­öf­fent­li­chun­gen Art. 183 AEUV in Betracht, der vor­sieht, dass die Uni­on zur Durch­füh­rung des Rah­men­pro­gramms die Regeln für die Ver­brei­tung der For­schungs­er­geb­nis­se festlegt.

Ein­schrän­kun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit dür­fen jedoch unter Wah­rung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis- mäßig­keit nur vor­ge­nom­men wer­den, wenn sie erfor- der­lich sind und den von der Uni­on aner­kann­ten, dem Gemein­wohl die­nen­den Ziel­set­zun­gen oder den Erfor- der­nis­sen des Schut­zes der Rech­te und Frei­hei­ten ande- rer tat­säch­lich ent­spre­chen, Art. 52 Abs. 1 S. 2 GRCh.

Recht­fer­ti­gend kommt also zunächst die Wis­sen- schafts­frei­heit ande­rer For­scher in Betracht. Hier ist eben­so wie auf natio­na­ler Ebene73 davon aus­zu­ge­hen, dass bei Koope­ra­tio­nen meh­re­rer Wis­sen­schaft­ler dem Ein­zel­nen Sprach­vor­ga­ben gemacht wer­den dür­fen, wenn die Ver­öf­fent­li­chung der For­schungs­er­geb­nis­se der For­scher in einer Spra­che für die Durch­füh­rung des gemein­sa­men For­schungs­pro­jekts erfor­der­lich ist.

Als von der Uni­on aner­kann­te, dem Gemeinwohl

  1. 71  http://europa.eu/european-union/about-eu/agencies/erc_de [abge­ru­fen am 30.11.2016]; Stamm, Euro­pas For­schungs­för­de­rung und For­schungs­po­li­tik – Auf dem Weg zu neu­en Hori­zon­ten?, S. 37.
  2. 72  Kem­pen, in: Stern/Sachs, Euro­päi­sche Grund­rech­te-Char­ta, 2016, Art. 13, Rn 22; Kot­zur, in: Schulze/Zuleeg/Kadelbach, Euro­pa­recht — Hand­buch für die deut­sche Rechts­pra­xis, 3. Auf­la­ge 2015; 2. Teil § 38 Bil­dung und Kul­tur, Rn 77.

die­nen­de Ziel­set­zung, auf­grund derer die Wis­sen­schafts- frei­heit ein­ge­schränkt wer­den kann, kommt Art. 179 AEUV in Betracht. Danach hat die Uni­on das Ziel, ihre wis­sen­schaft­li­chen und tech­no­lo­gi­schen Grund­la­gen dadurch zu stär­ken, dass ein euro­päi­scher Raum der For­schung geschaf­fen wird, in dem Frei­zü­gig­keit für For­scher herrscht und wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se und Tech­no­lo­gien frei aus­ge­tauscht werden.

Die Vor­ga­be der Publi­ka­ti­on der For­schungs­er­geb- nis­se in eng­li­scher Spra­che wäre zur Errei­chung der Zie- le der För­de­rung der Mobi­li­tät der For­scher und des Aus­tau­sches von wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen ge- eig­net, da Eng­lisch inzwi­schen die lin­gua fran­ca der Wis­sen­schaf­ten ist.74 Der Adres­sa­ten­kreis der von der EU geför­der­ten Publi­ka­tio­nen wäre somit größt­mög­lich und auch Wis­sen­schaft­ler, die der Amts­spra­che eines Lan­des, in dem sie for­schen, nicht mäch­tig sind, könn­ten dort Publi­ka­tio­nen auf Eng­lisch anfertigen.

Eine sol­che Sprach­vor­ga­be wäre hin­ge­gen nicht er- for­der­lich. Die Wis­sen­schafts­frei­heit wür­de durch Sprach­vor­ga­ben für die Publi­ka­ti­on von For­schungser- geb­nis­sen erheb­lich eingeschränkt.75 Die vor­ge­nann­ten Zie­le der Uni­on müs­sen dage­gen zurück­ste­hen. Dafür spricht neben der Bedeu­tung der Wis­sen­schafts­frei­heit der Grund­ge­dan­ke des Art. 22 GRCh, dem­ge­mäß die Uni­on die Viel­falt der Kul­tu­ren, Reli­gio­nen und Spra- chen ach­tet. Es ist also auch die Sprach­wahl des Wis­sen- schaft­lers bei der Ver­öf­fen­ti­chung sei­ner For­schungser- geb­nis­se zu ach­ten. Zumal die Kom­mis­si­on sich in Art. 38.1 das Recht sichert, für ihre Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Ver­öf­fent­li­chungs­tä­tig­kei­ten („com­mu­ni­ca­ti­on and publi­cis­ing acti­vi­ties“), Infor­ma­tio­nen zum For­schungs- pro­jekt, Doku­men­te, ins­be­son­de­re Zusam­men­fas­sun- gen, und ande­re Mate­ria­li­en der For­scher zu nut­zen und in die­sem Zuge auch zu übersetzten.

III. Ergeb­nis

Die Sprach­frei­heit bezüg­lich wis­sen­schaft­li­cher Publi­ka- tio­nen wird auch von der Wis­sen­schafts­frei­heit des Art. 13 GRCh geschützt. Dem­entspre­chend stel­len Sprach­vor­ga­ben für die Ver­öf­fent­li­chung von wis­sen- schaft­li­chen Ergeb­nis­sen in Finanz­hil­fe­ver­ein­ba­run­gen Ein­schrän­kun­gen die­ser Frei­heit dar. Die­se sind regel- mäßig nicht zu recht­fer­ti­gen. Aus­nahms­wei­se sind sie

73 S.o. B.III.2¬.b)
74 Hornborstel/Klingsporn/von Ins, in: Publi­ka­ti­ons­ver­hal­ten in un-

ter­schied­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen, 2. Auf­la­ge 2009, S. 26, abruf­bar unter: https://www.humboldt-foundation.de/pls/ web/docs/F13905/12_disk_papier_publikationsverhalten2_kompr. pdf. [abge­ru­fen am 30.11.2016].

75 Zur Bedeu­tung der Ver­öf­fen­ti­chungs­spra­che für die Wis­sen- schafts­frei­heit, s.o. B.III.3.

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jedoch zuläs­sig, wenn sie für die Zusam­men­ar­beit einer Grup­pe von Wis­sen­schaft­lern erfor­der­lich sind, wenn also eine gemein­sa­me Ver­öf­fent­li­chung oder meh­re­re auf­ein­an­der auf­bau­en­de Publi­ka­tio­nen inner­halb die­ser Grup­pe geplant sind.

D. Gesamt­ergeb­nis

Die­Frei­heit­der­Sprach­wah­l­istein­we­sent­li­cher­Be­stand- teil der Wis­sen­schafts­frei­heit sowohl des Grund­ge­set­zes als auch der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on. Ein­schrän­kun­gen die­ser Frei­heit sind daher nur auf­grund eines star­ken gegen­läu­fi­gen Inter­es­ses, das ver- fas­sungs­recht­lich geschützt ist bzw. einer von der Union

aner­kann­ten, dem Gemein­wohl die­nen­den Ziel­set­zun- gen ent­spricht. Ein sol­ches Inter­es­se wird bei Sprach­vor- gaben hin­sicht­lich der Publi­ka­ti­on von wis­sen­schaft­li- chen Ergeb­nis­sen in der Regel nicht vor­lie­gen. Anders ist dies bei sprach­li­chen Vor­ga­ben bezüg­lich der Leh­re. In die­sem Fall muss die Frei­heit der Sprach­wahl, soweit dies durch die The­ma­tik der Lehr­ver­an­stal­tung vor­ge­ge- ben ist, zurück­tre­ten gegen­über der Lern- bzw. Stu­dier- frei­heit der Stu­den­ten und dem ord­nungs­ge­mä­ßen Ablauf des Lehrbetriebes.

Die Autorin ist Rechts­an­wäl­tin bei Kliemt & Voll­städt in Berlin.