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Der sechs­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat sich in sei­nem Urteil vom 27.03.2014 mit der Anrech­nung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter in Teil­zeit auf die Stu­fen­zu­ord­nung und mit dem Begriff der „ein­schlä­gi­gen Berufs­er­fah­rung“ nach §§ 40 Nr. 5, 16 Abs. 2 S. 3 TV‑L aus­ein­an­der­ge­setzt. Im kon­kre­ten Fall stand die Fra­ge im Vor­der­grund, ob die Aner­ken­nung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten bei einem ande­ren Arbeit­ge- ber als „ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung von min­des­tens einem Jahr“ im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Vor­schrif­ten einen bestimm­ten Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um­fang voraussetzt.

I. Aus­gangs­la­ge

Bei Arbeits­ver­trä­gen, auf die der Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) Anwen­dung fin- det, kann sich im Rah­men der Stu­fen­zu­ord­nung des jewei­li­gen Arbeit­neh­mers nach §§ 40 Nr. 5, 16 Abs. 2 S. 3 TV‑L die Fra­ge stel­len, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten aus einem frü­he­ren Arbeits­ver- hält­nis mit einem ande­ren Arbeit­ge­ber unter den Begriff „ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung von min­des­tens einem Jahr“ gefasst wer­den kön­nen. Aus­le­gungs­spiel­raum lässt die Vor­schrift ins­be­son­de­re an zwei Stel­len: Wann ist von einer „ein­schlä­gi­gen Berufs­er­fah­rung“ aus­zu­ge­hen? Und wie sind Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten in Teil­zeit auf die erfor­der­li­che Min­dest­dau­er der Vor­be­schäf­ti­gung von einem Jahr anzurechnen?

Ins­be­son­de­re die Fra­ge nach der Berück­sich­ti­gung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten in Teil­zeit war bis­lang höchst­rich­ter­lich nicht geklärt. Die Mei­nun­gen in der Lite­ra­tur gehen in die­sem Zusam­men­hang aus­ein­an­der: Wäh­rend eini­ge Autoren eine Anrech­nung von Vor­be- schäf­ti­gungs­zei­ten an einen bestimm­ten Min­dest­be- schäf­ti­gungs­um­fang in Höhe von 501 bzw. (etwa in ent- spre­chen­der Anwen­dung des § 2 Abs. 3 WissZeitVG) 25%2 der regel­mä­ßi­gen wöchent­li­chen Arbeits­zeit knüp-

  1. 1  Vgl Breier/Dassau/Kiefer/Thivessen, TV‑L: Tarif- und Arbeits­recht im öffent­li­chen Dienst der Län­der, Stand 10/2009, Nr 5 § 40 Rn 9.
  2. 2  Vgl Braun in: Sponer/Steinherr TV‑L, Stand Mai 2013, § 40 Nr 5 Rn 7.
  3. 3  Vgl von Lan­den­berg-Roberg, Stol­per­stu­fen im öffent­li­chen Tarif­ver­trags­recht – Zur Anre­chen­bar­keit von Teil­zeit­tä­tig­keit im

fen wol­len oder dies zumin­dest in Erwä­gung zie­hen, lehnt die wohl über­wie­gen­de Auf­fas­sung in der Lite­ra­tur das Erfor­der­nis eines sol­chen Min­dest­be­schäf­ti­gungs- umfangs im Ergeb­nis ab.3

Mit bei­den Fra­gen hat sich der sechs­te Senat des Bun- des­ar­beits­ge­richts in dem hier bespro­che­nen Urteil aus- einandergesetzt.

II. Die Ent­schei­dung des BAG

1. Sach­ver­halt

In dem nun­mehr vom BAG ent­schie­de­nen Fall begehr­te der Klä­ger, der beim beklag­ten Frei­staat in der Zeit vom 1. Okto­ber 2007 bis zum 30. Sep­tem­ber 2008 mit einem Umfang von 50% der regel­mä­ßi­gen wöchent­li­chen Arbeits­zeit als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter einer Uni- ver­si­tät ange­stellt war, die Fest­stel­lung, dass er für die­sen Zeit­raum vom beklag­ten Frei­staat nicht in Stu­fe 1, son- dern in Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe 13 zu ver­gü­ten sei. Dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Arbeits­ver­hält­nis unmit­tel- bar vor­aus­ge­gan­gen waren meh­re­re befris­te­te Beschäf­ti- gungs­ver­hält­nis­se des Klä­gers in Teil­zeit an einem Lehr- stuhl in einem ande­ren Bun­des­land, wobei der Klä­ger teil­wei­se als wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kraft mit Hoch­schul- abschluss, teil­wei­se als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt war. Die­se Arbeits­ver­hält­nis­se fan­den in der Zeit vom 1. Sep­tem­ber 2006 bis zum 30. Sep­tem­ber 2007 statt und blie­ben ohne Unter­bre­chung. Der Arbeits­zeit- umfang des Klä­gers in die­sen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis- sen schwank­te in die­ser Zeit von 20 Stun­den monat­lich über 76 Stun­den monat­lich bis hin zu 20 Stun­den wöchentlich.

Sein Fest­stel­lungs­be­geh­ren begrün­de­te der Klä­ger unter Ver­weis auf die nach sei­ner Auf­fas­sung ein­schlä­gi- ge Berufs­er­fah­rung von über einem Jahr im Sin­ne der §§ 40 Nr. 5, 16 Abs. 2 S. 3 TV‑L. Er sei fak­tisch im gesam­ten Vor­be­schäf­ti­gungs­zeit­raum mit Tätig­kei­ten eines wis-

Rah­men der Stu­fen­zu­ord­nung nach § 16 II TV‑L in: öAT 2014, 23; Felix in: Bepler/Böhle/Meerkamp/Russ, Beck’scher Online-Kom- men­tar TV‑L, Stand 1.1.2014, § 16 Rn 15a.1 ff; Mül­ler in: Bepler/ Böhle/Meerkamp/Russ, Beck’scher Online-Kom­men­tar TV‑L, Stand 1.1.2014 § 40 Nr 5, Rn 1a; Braun in: Sponer/Steinherr TV‑L Stand Mai 2013, § 40 Nr 5 Rn 7.

Mar­kus Bettecken

Die Berück­sich­ti­gung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter in Teil­zeit
bei der Stu­fen­zu­ord­nung nach dem TV‑L –
BAG 27.3.2014 – 6 AZR 571/12

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2014, ISSN 2197–9197

238 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2014), 237–240

sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters betraut gewe­sen, die Zei­ten der Anstel­lung als wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kraft beruh­ten ledig­lich auf haus­halts­recht­li­chen Gesichtspunkten.

Der beklag­te Frei­staat trat der Kla­ge mit der Begrün- dung ent­ge­gen, es lie­ge kei­ne ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah- rung im Sin­ne des TV‑L für die aktu­el­le Tätig­keit des Klä­gers vor. Hier­bei berief sich der beklag­te Frei­staat auf die Zei­ten der Anstel­lung als wis­sen­schaft­li­che Hilfs- kraft, die inhalt­lich schon per se nicht mit der Tätig­keit eines wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters ver­gleich­bar sei­en. Außer­dem ver­trat der beklag­te Frei­staat die Auf­fas­sung, dass Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten nur mit einem Min­dest­be- schäf­ti­gungs­um­fang von 50% anzu­er­ken­nen sei­en, da nur eine Tätig­keit in einem sol­chen Umfang eine ein- schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung gewähr­leis­ten könne.

Nach­dem der Klä­ger zunächst vor dem Arbeits­ge- richt Leip­zig (18. März 2010 – 14 Ca 143/09) mit sei­ner Kla­ge geschei­tert war, hat­te das säch­si­sche LAG (8. Mai 2012 – 7 Sa 227/10) der Kla­ge statt­ge­ge­ben und hier­bei fest­ge­stellt, dass die Tätig­kei­ten des Klä­gers – abwei- chend von der arbeits­ver­trag­li­chen For­mu­lie­rung – in- halt­lich jeden­falls im Zeit­raum 1. Okto­ber 2006 bis zum 30. Sep­tem­ber 2007 der­je­ni­gen eines wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters ent­spro­chen hät­ten. Die Revi­si­on des be- klag­ten Frei­staa­tes gegen die­ses Urteil wur­de vom BAG zurückgewiesen.

2. Urteils­be­grün­dung

In den Urteils­grün­den hat sich der sechs­te Senat sowohl mit der Fra­ge eines erfor­der­li­chen Min­dest­be­schäf­ti- gungs­um­fangs für die Aner­ken­nung von Vor­be­schäf­ti- gungs­zei­ten, als auch mit der Fra­ge nach einer gleich- wer­ti­gen Tätig­keit im Sin­ne „ein­schlä­gi­ger Berufs­er­fah- rung“ auseinandergesetzt.

a) Gleich­wer­tig­keit einer Tätigkeit

Die Fra­ge, wann eine Tätig­keit in dem Sin­ne gleich­wer- tig ist, dass inhalt­lich von einer „ein­schlä­gi­gen Berufser- fah­rung“ im Sin­ne der §§ 40 Nr. 5, 16 Abs. 2 S. 3 TV‑L aus­ge­gan­gen wer­den kann, beur­teilt der sechs­te Senat in Anleh­nung an die Pro­to­koll­erklä­rung Nr. 1 zu § 16 Abs. 2 TV‑L: „Ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung“ lie­ge dann vor, wenn „die frü­he­re Tätig­keit im Wesent­li­chen unve­rän- dert fort­ge­setzt wird oder zumin­dest gleich­ar­tig war“, was wie­der­um grund­sätz­lich eine Vor­be­schäf­ti­gung mit der ent­spre­chen­den ein­grup­pie­rungs­recht­li­chen Wer­tig- keit der aktu­el­len Beschäf­ti­gung vor­aus­set­ze. Dabei betont der sechs­te Senat, dass es für die Beur­tei­lung der Wer­tig­keit der Tätig­keit nicht auf die for­ma­le Bewer­tung durch den Arbeit­ge­ber, son­dern auf die ent­geltrecht­lich zutref­fen­de, mit­hin den Qua­li­fi­ka­tio­nen und Tätig­kei­ten des Arbeit­neh­mers ent­spre­chen­de Bewer­tung ankom-

me. Von Gleich­wer­tig­keit kön­ne dann aus­ge­gan­gen wer- den, wenn „die Vor­be­schäf­ti­gung qua­li­ta­tiv im Wesent­li- chen die gesam­te inhalt­li­che Brei­te der aktu­el­len Beschäf- tigung“ abdecke.

Im kon­kre­ten betrach­te­te der sechs­te Senat die Fest- stel­lun­gen des LAG, wonach der Klä­ger jeden­falls im Zeit­raum vom 1. Okto­ber 2006 bis zum 30. Sep­tem­ber 2007 trotz teil­wei­se anders­lau­ten­der Arbeits­ver­trä­ge Tä- tig­kei­ten eines wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters ver­rich- tete, man­gels ent­spre­chen­der Revi­si­ons­rüge des beklag- ten Lan­des als bin­dend und ging daher von der Gleich- wer­tig­keit der zuvor ver­rich­te­ten Tätig­keit jeden­falls in die­sem Zeit­raum aus.

b) Kein abs­trak­ter Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um­fang für die Aner­ken­nung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten im Rah- men der Stu­fen­zu­ord­nung erforderlich

Mit der Fra­ge der Anre­chen­bar­keit von Teil­zeit­tä­tig­kei- ten auf die erfor­der­li­che Vor­be­schäf­ti­gungs­dau­er von einem Jahr hat sich das BAG sodann ein­ge­hend ausein- ander­ge­setzt. Nach Auf­fas­sung des BAG sind im Ergeb- nis bei der Stu­fen­zu­ord­nung Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten auch in Teil­zeit ohne abs­trak­ten Min­dest­be­schäf­ti­gungs- umfang in Höhe einer bestimm­ten Teil­zeit­quo­te so zu berück­sich­ti­gen, als hät­te der betref­fen­de Arbeit­neh­mer in dem Zeit­raum Voll­zeit gear­bei­tet. Dabei lässt das BAG jedoch ein „Hin­ter­tür­chen“ in Gestalt einer Ein­zel­fal­lab- wägung offen.

Das BAG stützt sei­ne Auf­fas­sung sowohl auf den Wort­laut der §§ 40 Nr. 5, 16 Abs. 2 S. 3 TV‑L, als auch auf den Rege­lungs­zu­sam­men­hang und –zweck. Schließ­lich wür­de eine fes­te Min­dest­be­schäf­ti­gungs­quo­te nach An- sicht des BAG gegen die höher­ran­gi­ge gesetz­li­che Vor- schrift des § 4 Abs. 1 S. 1 TzBfG ver­sto­ßen. Im Einzelnen:

aa) Das Erfor­der­nis eines Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um- fangs erge­be sich nicht aus dem Wort­laut der §§ 40 Nr. 5, 16 Abs. 2 S. 3 TV‑L. Dort sei ein zeit­li­cher Min­des­tum- fang der Vor­be­schäf­ti­gung im Sin­ne einer bestimm­ten Teil­zeit­quo­te mit der For­mu­lie­rung „ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung von min­des­tens einem Jahr“ aus­drück- lich nicht festgelegt.

bb) Aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang der §§ 16, 17 TV‑L erge­be sich nichts ande­res und ins­be­son­de­re kein Raum für eine sol­che ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der §§40Nr.5,16Abs.2S.3TV‑L.Esfehlebereitsaneiner unbe­wuss­ten Tari­flü­cke, da Anhalts­punk­te dafür, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en die Fra­ge der Teil­zeit­be­schäf­ti- gung über­se­hen und daher unbe­wusst nicht gere­gelt hät- ten, nicht ersicht­lich sei­en. Viel­mehr zei­ge schon die Vor­schrift des § 17 Abs. 3 S. 4 TV‑L eine bewuss­te Ent-

Bette­cken · Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter 2 3 9

schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en für die vol­le Anrech- nung von Teil­zeit­be­schäf­ti­gun­gen. Mit Blick auf die­se Vor­schrift, die für den Stu­fen­auf­stieg bei unun­ter­bro- che­ner Tätig­keit beim glei­chen Arbeit­ge­ber eine vol­le Anrech­nung von Zei­ten der Teil­zeit­be­schäf­ti­gung auf die Stu­fen­lauf­zeit aus­drück­lich anord­net, sei kein Grund ersicht­lich, Berufs­er­fah­rung bei Ein­stel­lung und Höher- stu­fung unter­schied­lich zu behandeln.

cc) Dies erge­be sich auch aus dem Zweck des § 16 Abs. 2 TV‑L, der durch die Aner­ken­nung von Vor­be­schäf­ti- gungs­zei­ten Arbeit­ge­ber­wech­sel im oder in den öffent­li- chen Dienst erleich­tern und nach­tei­li­ge Fol­gen eines sol- chen Wech­sels ver­mei­den wol­le. Nach Auf­fas­sung des BAG gilt die­ser Zweck „in beson­de­rem Maß“ im Hoch- schul­be­reich, da hier oft­mals beson­de­re Mobi­li­tät erwünscht und erfor­der­lich sei. Vor die­sem Hin­ter­grund wür­de die For­de­rung eines Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um- fangs „ein Hemm­nis für das Ziel der Mobi­li­tät“ dars­tel- len und wäre zudem bei einem län­der­über­grei­fen­den Wech­sel wegen der in jedem Land unter­schied­li­chen Min­dest­stun­den­zahl der regel­mä­ßi­gen Arbeits­zeit gemäß dem Anhang zu § 6 TV‑L auch wenig prak­ti­ka- bel.

dd) Dar­über hin­aus ent­spre­che das Erfor­der­nis eines Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um­fangs auch inhalt­lich nicht dem Zweck des § 16 Abs. 2 TV‑L, vor­han­de­ne Berufser- fah­rung auf­grund erspar­ter Ein­ar­bei­tungs­zeit und eines höhe­ren Leis­tungs­ver­mö­gens finan­zi­ell zu hono­rie­ren. Die­ser Zweck sei viel­mehr stets dann erfüllt, wenn der Arbeit­neh­mer Berufs­er­fah­rung in einer mit der aktu­el- len gleich­wer­ti­gen Tätig­keit (sie­he oben) der­ge­stalt erwor­ben habe, dass er die Tätig­keit im neu­en Arbeits- ver­hält­nis von Beginn an voll aus­fül­len kön­ne. Dies sei grund­sätz­lich auch im Rah­men von Vor­be­schäf­ti­gun­gen in Teil­zeit gege­ben. Den Fäl­len, in denen die­se Vor­aus- set­zun­gen etwa auf­grund von Teil­zeit­be­schäf­ti­gun­gen mit sehr gerin­gem Beschäf­ti­gungs­um­fang nicht vor­lie- gen, kön­ne mit der oben beschrie­be­nen Aus­le­gung des Begriffs der „ein­schlä­gi­gen Berufs­er­fah­rung“ im Rah- men einer Ein­zel­fall­ab­wä­gung hin­rei­chend Rech­nung getra­gen werden.

ee) Schließ­lich sieht das BAG in der von Tei­len der Lite- ratur ver­tre­te­nen For­de­rung eines Min­dest­be­schäf­ti- gungs­um­fangs für Teil­zeit­be­schäf­tig­te eine sachlich

4 So auch von Lan­den­berg-Roberg aaO; Felix in: Bepler/Böhle/ Meerkamp/Russ, Beck’scher Online-Kom­men­tar TV‑L, Stand 1.1.2014, § 16 Rn 15a.1 ff; Mül­ler in: Bepler/Böhle/Meerkamp/ Russ, Beck’scher Online-Kom­men­tar TV‑L, Stand 1.1.2014, § 40 Nr 5, Rn 1a.

nicht gerecht­fer­tig­te Benach­tei­li­gung von Teil­zeit­be- schäf­tig­ten im Sin­ne des § 4 Abs. 1 S. 1 TzBfG. Zwar sei denk­bar, dass der mit einer Voll­zeit­be­schäf­ti­gung ver- bun­de­ne grö­ße­re Gewinn an Erfah­rungs­wis­sen eine Ungleich­be­hand­lung bei der Stu­fen­zu­ord­nung recht­fer- tigen kön­ne, doch erfor­de­re dies stets eine kon­kre­te Abwä­gung im Ein­zel­fall und kei­ne abs­trak­te Gren­ze eines bestimm­ten wöchent­li­chen Arbeitsumfangs.

III. Bewer­tung

Die Ent­schei­dung des BAG, wonach für die Fra­ge der Stu­fen­zu­ord­nung Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten in Teil­zeit ohne abs­trak­ten Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um­fang grund- sätz­lich voll anzu­rech­nen sind, über­zeugt. Ein sol­ches in Tei­len der Lite­ra­tur in Erwä­gung gezo­ge­nes Erfor­der­nis eines abs­trak­ten Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um­fangs in Höhe von 25 bzw. 50% der wöchent­li­chen Regel­ar­beits­zeit lässt sich weder dog­ma­tisch, noch inhalt­lich über­zeu­gend begrün­den, wie das BAG aus­führ­lich ausarbeitet.4 In dog- mati­scher Hin­sicht lässt schon der Wort­laut der §§ 40 Nr. 5, 16 Abs. 2 S. 3 TV‑L das Erfor­der­nis eines Min­dest- umfangs für Vor­be­schäf­ti­gun­gen in Teil­zeit nicht zu. Auch eine ent­spre­chen­de ergän­zen­de Aus­le­gung über- zeugt aus den vom BAG genann­ten Grün­den nicht. Als gewich­ti­ge Argu­men­te gegen eine sol­che Aus­le­gung müs­sen hier ins­be­son­de­re die feh­len­de Prak­ti­ka­bi­li­tät einer der­ar­ti­gen star­ren Unter­gren­ze in Anbe­tracht län- der­über­grei­fend unter­schied­li­cher Wochen­ar­beits­zei­ten sowie die Rege­lung des § 17 Abs. 3 S. 4 TV‑L genannt wer­den. Ins­be­son­de­re letz­te­rer Aspekt wiegt schwer. Denn eine über­zeu­gen­de Recht­fer­ti­gung für eine unter- schied­li­che Behand­lung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten bei Höher­stu­fung und Ein­stel­lung ist nicht ersicht­lich. Bei­den Tat­be­stän­den lie­gen viel­mehr ver­gleich­ba­re Rege­lungs­zwe­cke zugrun­de – finan­zi­el­le Hono­rie­rung von erwor­be­ner Berufs­er­fah­rung und einem damit ver- bun­de­nen erhöh­ten Leis­tungs­ver­mö­gen im Ver­gleich zu „Neu­ein­stei­gern“.

Die in der Vor­in­stanz vom säch­si­schen LAG (8. Mai 2012 — 7 Sa 227/10) noch dis­ku­tier­te ana­lo­ge Anwen­dung des § 2 Abs. 3 WissZeitVG (Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um- fang von 25%), wird vom BAG in der Urteils­be­grün­dung nicht ein­mal in Erwä­gung gezo­gen – ist jedoch über die bereits genann­ten Gesichts­punk­te hin­aus dog­ma­tisch schon man­gels Vor­lie­gen der Ana­lo­gie­vor­aus­set­zun­gen abzulehnen.5DassdasErforderniseinesabstraktenMin-

5 Vgl inso­weit die über­zeu­gen­de Dar­stel­lung bei von Lan­den­berg- Roberg aaO.

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dest­be­schäf­ti­gungs­um­fangs dane­ben auch eine sach­lich nicht gerecht­fer­tig­te Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von § 4 Abs. 1 S. 1 TzBfG dar­stel­len wür­de, unter­streicht das Er- geb­nis des BAG noch zusätzlich.

Die Vor­ga­be des BAG, wonach denk­ba­re Aus­nah­me- fäl­le mit äußerst gerin­ger wöchent­li­cher Arbeits­zeit für die Fra­ge der Aner­ken­nung die­ser Vor­be­schäf­ti­gungs- zei­ten nicht quan­ti­ta­tiv über den Beschäf­ti­gungs­um­fang, son­dern qua­li­ta­tiv über den Begriff der „ein­schlä­gi­gen Berufs­er­fah­rung“ zu lösen sind, ist auch inhalt­lich über- zeu­gend. Auf die­se Wei­se wird eine den Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Ein­zel­falls gerecht wer­den­de Abwä­gung ermög­licht, die gegen­über star­ren Gren­zen vor­zugs­wür- dig erscheint. Denn der von Tei­len der Lite­ra­tur erwo­ge- ne abs­trak­te Min­dest­be­schäf­ti­gungs­um­fang könn­te zu dem nicht über­zeu­gen­den Ergeb­nis füh­ren, dass ein Ar- beit­neh­mer, der vom Zeit­vo­lu­men her gese­hen umfang- rei­che­re Berufs­er­fah­run­gen gesam­melt hat (bei­spiels- wei­se 2 Jah­re mit einem Umfang von 30%) gegen­über ei- nem ande­ren Arbeit­neh­mer mit höhe­rer Quo­te aber ins- gesamt nied­ri­ge­rem Arbeits­zeit­vo­lu­men (im Bei­spiel: 1 Jahr Beschäf­ti­gung mit einem Umfang von 50%) in un- gerecht­fer­tig­ter Wei­se bei der Stu­fen­zu­ord­nung benach- tei­ligt wird. Mit der Auf­fas­sung des BAG ist eine den Be- son­der­hei­ten des Ein­zel­falls gerecht wer­den­de Aner­ken- nung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten durch die Arbeits­ge- rich­te deut­lich bes­ser gewähr­leis­tet als mit einer abs­trak­ten Mindestbeschäftigungsgrenze.

Zugleich stellt das BAG klar, dass „ein­schlä­gi­ge Be- ruf­s­er­fah­rung“ allei­ne dann vor­liegt, wenn die vor­her­ge- hen­de Tätig­keit in ihrer ein­grup­pie­rungs­recht­li­chen Wer­tig­keit der neu­en Tätig­keit ent­spricht. Dies erscheint sach­ge­recht. Denn die Aner­ken­nung von Vor­be­schäf­ti- gungs­zei­ten beruht auf der Annah­me eines höhe­ren Leis­tungs­ver­mö­gens und einer ver­kürz­ten Ein­ar­bei- tungs­zeit des betref­fen­den Mit­ar­bei­ters. Dies ist im Ein- zel­fall dann gege­ben, wenn die vor­he­ri­ge Tätig­keit des Arbeit­neh­mers inhalt­lich weit­ge­hend mit der aktu­el­len Tätig­keit in Ein­klang steht, die erwor­be­nen Kennt­nis­se also auch in der neu­en Tätig­keit ver­wert­bar sind. Hier- von wie­der­um wird in der Lite­ra­tur aus­ge­gan­gen, wenn die ver­gleich­ba­ren Tätig­kei­ten min­des­tens die Hälf­te der Arbeits­zeit im vor­he­ri­gen Arbeits­ver­hält­nis umfassten.6 Nicht ent­schei­dend kann hin­ge­gen die for­ma­le Einstu-

  1. 6  Vgl Felix in: Bepler/Böhle/Meerkamp/Russ, Beck’scher Online- Kom­men­tar TV‑L, Stand 1.1.2014, § 16 Rn 15d, e.
  2. 7  Bei­spiel in Anleh­nung an: von Lan­den­berg-Roberg aaO, S 25.

fung der Tätig­keit des Arbeit­neh­mers durch den Arbeit- geber sein, wie das BAG über­zeu­gend darlegt.

Für die Aner­ken­nung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten in Teil­zeit bei der Stu­fen­zu­ord­nung eines wis­sen­schaft­li- chen Mit­ar­bei­ters gilt dem­nach fol­gen­des: Im Grund­satz sind Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten auch in Teil­zeit voll auf die not­wen­di­ge Vor­be­schäf­ti­gungs­dau­er von einem Jahr an- zurech­nen. Aus­nah­men von die­sem Grund­satz wer­den nicht anhand von abs­trak­ten Teil­zeit­quo­ten (50, 25, 10 oder gar 5% der wöchent­li­chen Arbeits­zeit), son­dern in- halt­lich über die Fra­ge der „ein­schlä­gi­gen Berufs­er­fah- rung“ bestimmt: Hat etwa ein wis­sen­schaft­li­cher Mitar- bei­ter im Rah­men sei­ner Vor­be­schäf­ti­gung ledig­lich zwei Stun­den pro Woche Klau­su­ren kor­ri­giert, so kann die­ser Vor­be­schäf­ti­gung dann die vol­le Anrech­nung ver- wei­gert wer­den, wenn in der neu­en Beschäf­ti­gung um- fas­sen­de Auf­ga­ben in For­schung und Leh­re wahr­ge­nom- men wer­den sollen.7 In der­ar­ti­gen Fäl­len wird es indes regel­mä­ßig auf der Hand lie­gen, dass eine „ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung“, die nach dem oben Aus­ge­führ­ten stets an der Stu­fen­zu­ord­nung und dem Auf­ga­ben­pro­fil der neu­en Stel­le zu mes­sen sein wird, nicht vorliegt.

IV. Fazit

Die prak­ti­sche Bedeu­tung der hier bespro­che­nen Ent- schei­dung ist groß. Gera­de im Wis­sen­schafts­be­reich sind Teil­zeit­be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se und Arbeit­ge- ber­wech­sel weit ver­brei­tet. Ange­sichts der nicht uner- heb­li­chen Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Stu­fen der jewei­li­gen Entgeltgruppen8 wirkt sich die Fra­ge der Stu­fen­zu­ord­nung für den jewei­li­gen Arbeit­neh­mer finan­zi­ell spür­bar aus. Das Urteil schafft nun­mehr Klar- heit dar­über, dass sol­che Teil­zeit­be­schäf­ti­gungs­ver­hält- nis­se bei Wech­sel des Arbeit­ge­bers im Grund­satz voll bei der Fra­ge der Stu­fen­zu­ord­nung zu berück­sich­ti­gen sind. Zugleich ist die Ent­schei­dung auch für die Arbeits­ge- rich­te praktikabel.

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Der Autor ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter der For- schungs­stel­le für Hoch­schul­recht und Hoch­schul­ar- beits­recht der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg sowie Rechts­re­fe­ren­dar am Land­ge­richt Stuttgart.

Vgl von Lan­den­berg-Roberg aaO, S 24.