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Die Dis­ser­ta­ti­on „Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs­rechts“ wur­de unter Betreu­ung von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Man­fred Löwisch an der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg erstellt. Sie erscheint als Band 19 der Rei­he „Wis­sen­schafts­po­li­tik und Wis­sen­schafts­recht“ des Deut­schen Hoch­schul­ver- bandes.

I. Ein­füh­rung in das Thema

Mit Gesetz vom 11.03.2016 wur­de das Wis­sen­schafts­zeit- ver­trags­ge­set­zes (WissZeitVG) novel­liert. Ziel der Reform ist es vor allem die gro­ße Zahl der befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­se an Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen, dar- unter vie­le mit einer Lauf­zeit von unter einem Jahr, zu begrenzen.1 Beson­ders betrof­fen von den Befris­tungs­re- gelun­gen sind wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter, von denen 2012 an den Hoch­schu­len 84% befris­tet beschäf­tigt waren.2 Prä­gend für die Befris­tungs­re­ge­lun­gen im Wis- sen­schafts­be­reich ist das Span­nungs­feld zwi­schen den Bestands­schutz­in­ter­es­sen der im Wis­sen­schafts­be­reich Täti­gen, die sich auf das Sozi­al­staats­prin­zip beru­fen kön- nen, und den Frei­heits- und Fle­xi­bi­li­täts­wün­schen der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen. Hier­bei einen ange­mes­se- nen Aus­gleich zu fin­den ist die Anfor­de­rung an alle gesetz­ge­be­ri­schen Aktivitäten.

Die Ent­wick­lung hin zur Mas­sen­uni­ver­si­tät, die Zu- nah­me an dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Pro­jek­ten, kurz­fris­ti­ge Finan­zie­rungs­zu­sa­gen und damit die Schwie­rig­keit der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen, lang­fris­ti­ge Per­so­nal­p­la- nung zu betrei­ben, stel­len an das Befris­tungs­recht im Wis­sen­schafts­be­reich immer neue Anfor­de­run­gen. Zu- sätz­lich ist zu beden­ken, dass die Wis­sen­schafts­ein­rich- tun­gen als Arbeit­ge­ber glo­bal im Wett­be­werb ins­be­son- dere mit der Wirt­schaft um die bes­ten Köp­fe ste­hen. In ande­ren Bran­chen erhal­ten Jung­aka­de­mi­ker oft­mals in über­schau­ba­rem Zeit­raum eine Dau­er­stel­le. So waren 2011 im ver­ar­bei­ten­den Gewer­be bei­spiels­wei­se nur 7,1% der 30- bis 34-Jäh­ri­gen befris­tet beschäftigt.3 In einem Land wie Deutsch­land, das auf Fort­schritt und Inno­va­ti- on ange­wie­sen ist, um sich im inter­na­tio­na­len Vergleich

  1. 1  BT-Drucks 18/6489, S. 1.
  2. 2  Autoren­grup­pe Bil­dungs­be­richt­erstat­tung, Bil­dung in Deutsch-land 2014, S. 129.
  3. 3  Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Jobs ohne Befris­tung: Für vie­le Jungaka-

bewäh­ren zu kön­nen, unter­streicht das die Wich­tig­keit von ange­mes­se­nen Befris­tungs­re­ge­lun­gen im Wissenschaftsbereich.

II. Moti­va­ti­on und Fragestellung

Ziel der Dis­ser­ta­ti­on ist es einer­seits, erst­ma­lig in kon- zen­trier­ter Form einen Gesamt­über­blick über die Ent- ste­hungs- und Ent­wick­lungs­ge­schich­te des Hoch­schul- befris­tungs­rechts zu geben. Ande­rer­seits wer­den aus der His­to­rie Erkennt­nis­se für das Ver­ständ­nis der Hoch- schul­be­fris­tungs­re­ge­lun­gen sowie für Ver­bes­se­rungs- vor­schlä­ge gewon­nen. Dane­ben wird der Ursprung der Rege­lun­gen unter­sucht. Wel­chen Ein­flüs­sen unter­lag die Gesetz­ge­bung im Hoch­schul­be­fris­tungs­recht und wie sind die­se zu bewer­ten? Auf­grund der Aktua­li­tät der Dis­kus­si­on um Hoch­schul­be­fris­tungs­re­ge­lun­gen wer- denzusätzlich,losgelöstvonderhistorischenPerspekti- ve, neue Anre­gun­gen für mög­li­che Ver­bes­se­run­gen gegeben.

III. Ent­wick­lungs­li­ni­en des Hoch­schul­be­fris­tungs- rechts

Die Ent­wick­lung nach der Ent­ste­hung des Hoch­schul­be- fris­tungs­rechts (1.) unter­teilt sich in bis­her drei wesent­li- che Schrit­te: die Umstel­lung des Befris­tungs­sys­tems mit dem 5. HRGÄndG bezie­hungs­wei­se der Repa­ra­tur­no­vel- le (2.), die Ver­la­ge­rung der Hoch­schul­be­fris­tungs­re­ge- lun­gen in das WissZeitVG (3.) sowie die aktu­el­le Novel- lie­rung des WissZeitVG (4.)

1. Ent­ste­hung des Hochschulbefristungsrechts

a) Grün­de für die Ent­wick­lung wis­sen­schafts­spe­zi­fi- scher Befristungsregelungen

Durch die Ände­rung der Per­so­nal­struk­tur mit Ein­füh- rung des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes 1976 gewann das Arbeits­recht eine grö­ße­re Bedeu­tung im Hoch­schul­be- reich. Das Arbeits­recht bot Mög­lich­kei­ten, befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge abzu­schlie­ßen. Hier­bei war jedoch

demi­ker nur ein Traum, Wies­ba­den 2013, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/STATmagazin/ Arbeitsmarkt/2013_05/2013_05PDF.pdf?__blob=publicationFile (22.12.2015).

Mar­kus Meißner

Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hochschulbefristungsrechts

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2016, ISSN 2197–9197

182 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2016), 181–186

immer ein sach­li­cher Grund von­nö­ten, zu dem es eine weit­ge­hen­de Ein­zel­fall­recht­spre­chung gab. Bei die­ser wur­de die Ten­denz beob­ach­tet, dass die Arbeits­ge­rich­te zuneh­mend die sach­li­chen Begrün­dun­gen der Hoch- schu­len nicht aner­kann­ten. Im Umfeld eines ange­spann- ten Arbeits­mark­tes führ­te dies zu einer Viel­zahl von erfolg­rei­chen Entfristungsklagen.

Um die von Art. 5 Abs. 3 GG geschütz­te Wis­sen- schafts­frei­heit zu schüt­zen und sich ihre Inno­va­ti­ons­fä- hig­keit zu erhal­ten, for­der­ten Hoch­schul­ver­tre­ter Lö- sungs­mög­lich­kei­ten, mit denen rechts­si­cher befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se mit wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern gestal­tet wer­den konn­ten. Als Lösungs­mög­lich­kei­ten wur­den lan­des­recht­li­che, tarif­recht­li­che oder bun­des- recht­li­che Rege­lun­gen vor­ge­schla­gen. Den Län­dern fehl- te die Kom­pe­tenz zum Erlass rechts­si­che­rer Nor­men. Eine tarif­recht­li­che Lösung schei­ter­te am Wider­stand der Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung. In der Kon­se­quenz führ­te dies zu einer bun­des­recht­li­chen Regelung.

b) Ein­fluss des Wissenschaftsrates

Von Poli­tik und Lite­ra­tur wird dem Wis­sen­schafts­rat ein ent­schei­den­der Ein­fluss auf das Gesetz über befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge mit wis­sen­schaft­li­chem Per­so­nal an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen vom 14.06.1985 (Zeit­ver­trags­ge­setz) zuge­spro­chen. Die Arbeit klärt, wel­che Rol­le der Wis­sen­schafts­rat bei der Entste- hungs­ge­schich­te tat­säch­lich inne­hat­te. Hier­zu wur­de sich mit der Ent­schei­dungs­fin­dung inner­halb des Wis- sen­schafts­ra­tes aus­ein­an­der­ge­setzt. Dabei konn­te her- aus­ge­fun­den wer­den, dass Anstoß für eine Beschäf­ti- gung mit Befris­tungs­re­ge­lun­gen im Wis­sen­schafts­be- reich Arbeit­ge­ber und Pro­fes­so­ren waren, die unmit­tel­bar von den Miss­stän­den betrof­fen waren. Die­se übten über ihre Gre­mi­en und Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen Druck aus, um Arbeit­neh­mer, Län­der und Bund von geeig­ne­ten Maß­nah­men zu über­zeu­gen. Der Wis­sen­schafts­rat lie- fer­te in die­sem Pro­zess mit der Schrift „Zur Pro­ble­ma­tik befris­te­ter Arbeits­ver­hält­nis­se mit wis­sen­schaft­li­chen Mit- arbei­tern” eine umfas­sen­de wis­sen­schaft­li­che Aus­ar­bei- tung, die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten auf­zeig­te. Dabei war ein bes­se­rer Umgang mit der damals bestehen­den Rechts­la­ge eine wesent­li­che Emp­feh­lung des Wis­sen- schafts­ra­tes. Das Zeit­ver­trags­ge­setz ent­stand also nicht auf Initia­ti­ve des Wis­sen­schafts­ra­tes und war auch nicht unbe­ding­te For­de­rung des Wis­sen­schafts­ra­tes. Ein Ver-

  1. 4  Dal­lin­ger, NZA 1985, S. 648.
  2. 5  End­ers, Beschäf­ti­gungs­si­tua­ti­on im aka­de­mi­schen Mit­tel­bau, S. 35;Enders, Die wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter, S. 120.
  3. 6  Froh­ner, in: Spre­cher­kreis der Hoch­schul­kanz­ler, Die Neu­re­ge-lung der Dienst- und Arbeits­ver­hält­nis­se des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals, S. 28; Mil­ler PersV 1986, S. 19; Nagel, RdA 1997, S. 353;

gleich der Begrün­dung des Geset­zes mit der Schrift des Wis­sen­schafts­ra­tes zeigt aber, dass immer wie­der über län­ge­re Pas­sa­gen Bezug auf den Wis­sen­schafts­rat genom- men wur­de. Den Stim­men, die in der Schrift „Zur Prob- lema­tik befris­te­ter Arbeits­ver­hält­nis­se mit wis­sen­schaft­li- chen Mit­ar­bei­tern” das wich­tigs­te Doku­ment für die Ent- ste­hung des Zeit­ver­trags­ge­set­zes sehen,4 oder der Ansicht sind, die Bun­des­re­gie­rung habe mit dem Zeit- ver­trags­ge­setz im Wesent­li­chen an die Stel­lung­nah­me angeknüpft,5 kann zuge­stimmt werden.

c) Behand­lung der Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit im Gesetzgebungsverfahren

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Zeit­ver­trags­ge­set­zes wur­de kon­tro­vers dis­ku­tiert. In Fra­ge stand die Ver­fas- sungs­mä­ßig­keit des Geset­zes. Ins­be­son­de­re ein Ver­stoß gegen die Tarif­au­to­no­mie wur­de dem Gesetz vor­ge­wor- fen. Nach­dem eine tarif­li­che Eini­gung nicht zu errei­chen gewe­sen sei, habe sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land von der Rol­le des Tarif­part­ners in die des Gesetz­ge­bers bege­ben, um ein­sei­tig ihre Inter­es­sen durchzusetzen.6

Nach­dem eine Nicht­ei­ni­gung der Tarif­par­tei­en auf Rege­lun­gen zur Befris­tung im Hoch­schul­be­reich abseh- barwar,laginnerhalbkurzerZeiteinEntwurfzumZeit- vertragsgesetzvor.Dieszeigt,dassderSchrittzueiner gesetz­li­chen Rege­lung bereits vor­be­rei­tet war. Dafür spricht auch der Druck, den poli­ti­sche Akteu­re bei­spiels- wei­se im Wis­sen­schafts­rat auf­bau­ten. In die­sem Zusam- men­hang stellt sich tat­säch­lich die Fra­ge nach einem ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang der Regie­rungs­ko­ali­ti­on mit der Tarif­au­to­no­mie. Im Gesetz­ge­bungs­pro­zess wur- den die Fra­gen nach der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des und einem Ver­stoß gegen die Tarif­au­to­no­mie in Dis­kus­sio­nen, Anhö­run­gen und Gut­ach­ten aber behan- delt. Nam­haf­te Sach­ver­stän­di­ge beschei­nig­ten dem Ge- setz­ent­wurf sei­ne Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit, die letzt­lich auch vom BVerfG aner­kannt wur­de. Die Rege­lun­gen selbst führ­ten zudem teil­wei­se zu Ver­bes­se­run­gen für die Arbeit­neh­mer. Auch bei unter­schied­li­chen Befris- tungs­grün­den war die Höchst­gren­ze von fünf Jah­ren ein­zu­hal­ten. Zudem soll­te der erst­ma­li­ge Abschluss ei- nes­be­fris­te­ten­Ar­beits­ver­tra­gesnichtspä­te­rals­vier­Jah- re nach Stu­di­en­ab­schluss erfol­gen. Vor­wür­fe wie die von Nagel, wel­cher den Wer­de­gang des Zeit­ver­trags­ge­set­zes als „poli­ti­schen Skan­dal” bezeichnete,7 sind vor die­sem Hin­ter­grund als feh­ler­haft zu bewerten.

Pei­se­ler, NZA 1985, S. 242; Plan­der RiA 1985, S. 59f.; Plan­der, AuR

1986, S. 73; Schrimpf, KJ 1985, S. 39.
Nagel, in: Spre­cher­kreis der Hoch­schul­kanz­ler, Die Neuregelung

der Dienst- und Arbeits­ver­hält­nis­se des wis­sen­schaft­li­chen Per­so- nals, S. 133.

d) Ver­fas­sungs­recht als maß­ge­ben­des Prinzip

Die Kri­tik am Zeit­ver­trags­ge­setz betraf auch die man- geln­de empi­ri­sche Begrün­dung einer Stei­ge­rung der Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit durch befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis- se. Die­se Kri­tik betrifft letzt­lich den Kern der Recht­fer­ti- gung der Hoch­schul­be­fris­tungs­re­ge­lun­gen. Es wird gezeigt, dass die Anfor­de­run­gen der Wis­sen­schafts­frei- heit und damit Ver­fas­sungs­recht der Maß­stab für eige­ne Hoch­schul­be­fris­tungs­re­ge­lun­gen sein muss. Zwei Aspek­te garan­tie­ren ein Min­dest­maß an Fle­xi­bi­li­tät für die Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen als Trä­ger der Wis­sen- schafts­frei­heit: Der stän­di­ge Fluss der Erkennt­nis erfor- dert Reak­tio­nen auch auf arbeits­recht­li­cher Ebe­ne, um wie im Bereich des Rund­funk­pro­gramms inhalt­lich unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen durch spe­zia­li­sier­tes Per­so­nal begeg­nen zu kön­nen. Zudem muss die Mög- lich­keit, sich an den Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen zu qua- lifi­zie­ren, den ste­tig nach­rü­cken­den Genera­tio­nen von Nach­wuchs­wis­sen­schaft­lern immer offen stehen.

e) Rege­lun­gen des Zeitvertragsgesetzes

Die Rege­lun­gen des Zeit­ver­trags­ge­set­zes beinhal­te­ten die Kom­bi­na­ti­on eines Sach­grund­er­for­der­nis­ses mit einer Höchstbefristungsgrenze.

Das BAG stell­te die Anfor­de­rung eines sach­li­chen Grun­des zur Befris­tung von Arbeits­ver­hält­nis­sen. Dar- aus ent­stand der Wil­le, spe­zi­fisch wis­sen­schafts­re­le­van­te sach­li­che Grün­de zu ent­wi­ckeln, die rechts­si­che­re und fle­xi­ble Befris­tungs­mög­lich­kei­ten gewähr­leis­ten soll­ten. Neben einer Befris­tung für Qua­li­fi­zie­rungs­zwe­cke wur- de unter ande­rem ein sach­li­cher Grund bei dritt­mit­tel­fi- nan­zier­ter Tätig­keit oder bei erst­ma­li­ger wis­sen­schaft­li- cher Tätig­keit anerkannt.

Im Inter­es­se der Arbeit­neh­mer wur­den Ober­gren­zen sowohl hin­sicht­lich der Dau­er als auch bezüg­lich der Zeit­span­ne nach dem Abschluss eines Mit­ar­bei­ters ein- geführt. Der erst­ma­li­ge Abschluss eines befris­te­ten Ar- beits­ver­tra­ges soll­te nicht spä­ter als vier Jah­re nach Stu- dien­ab­schluss erfol­gen. Die Befris­tungs­höchst­gren­ze lag in der Regel bei fünf Jah­ren. Nicht ange­rech­net wur­den dabei Promotionszeiten.

f) Geeig­net­heit der Rege­lun­gen des Zeitvertragsgesetzes

Das Zeit­ver­trags­ge­setz sorg­te für eine Fle­xi­bi­li­sie­rung der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se an den Hoch­schu­len. Durch eine Ver­bes­se­rung der Rechts­si­cher­heit flan­kier­te es die Expan­si­on der Beschäf­tig­ten­zahl im Mittelbau.

  1. 8  BVerfG Urteil vom 27.7.2004 – 2 BvF 2/02, NJW 2004, S. 2803.
  2. 9  BT-Drucks 15/4132, S. 9.

Die im Sin­ne der Arbeit­neh­mer getrof­fe­nen Rege­lun­gen wur­den jedoch durch zahl­rei­che Anrech­nungs- und Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten kon­ter­ka­riert. Die­se ermög­lich­ten in der Fol­ge lang­an­dau­ern­de Befris­tun­gen. Als Bei­spiel kann hier die Mög­lich­keit die­nen, bei einem Wech­sel der Hoch­schu­le Arbeits­ver­trä­ge mit einer neu lau­fen­den Höchst­frist zu schließen.

2. Rege­lun­gen des 5. HRGÄndG bezie­hungs­wei­se der Reparaturnovelle

Da die Befris­tungs­re­ge­lun­gen des 5. HRGÄndG auf- grund des Zusam­men­hangs mit den Rege­lun­gen zur Juni­or­pro­fes­sur vom BVerfG für nich­tig erklärt wurden,8 erließ man sie mit der Repa­ra­tur­no­vel­le erneut.9

a) Umstel­lung des Befristungssystems

Den durch die zahl­rei­chen Anre­chungs- und Kom­bi­na- tions­mög­lich­kei­ten her­vor­ge­ru­fe­nen Miss­stand grif­fen Dieterich/Preis auf, als sie auf Grund­la­ge der Vor­ga­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung Ände­run­gen des 5. HRGÄndG erar­bei­te­ten. Sie erkann- ten die Mög­lich­kei­ten des durch die Befris­tungs­richt­li- nie auf euro­päi­scher Ebe­ne neu geschaf­fe­nen Rechts­rah- mens. Dar­aus ent­stand die Umstel­lung des bis­her sach- grund­ori­en­tier­ten Befris­tungs­sys­tems auf eine rei­ne Höchst­be­fris­tungs­gren­ze. Der Gedan­ke von Dieterich/ Preis war, auf­grund von Qua­li­fi­ka­ti­ons­zwe­cken sei eine Befris­tung im Wis­sen­schafts­be­reich regel­mä­ßig für jeweils sechs Jah­re vor und nach der Pro­mo­ti­on gerecht- fertigt.10

Die Umstel­lung des sach­grund­ori­en­tier­ten Sys­tems auf eine Höchst­be­fris­tungs­gren­ze ver­ein­fach­te die Hand- habung des Geset­zes. Die damit ein­her­ge­hen­de Rück- füh­rung von Anrech­nungs- und Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich- kei­ten erhöh­te die Trans­pa­renz für den wis­sen­schaft­li- chen Nach­wuchs und ver­hin­der­te miss­bräuch­li­che Kettenbefristungen.

b) Ver­zicht auf eine eige­ne Drittmittelregelung

Als pro­ble­ma­tisch erwies sich der Ver­zicht auf eine eige- ne Dritt­mit­tel­re­ge­lung. Die durch das TzBfG und die Recht­spre­chung eröff­ne­ten Befris­tungs­mög­lich­kei­ten führ­ten zu Schwie­rig­kei­ten in der prak­ti­schen Umset- zung an den Hoch­schu­len. Rechts­si­che­re Befris­tungs- mög­lich­kei­ten sind aber not­wen­dig, um eine zurückhal- ten­de Per­so­nal­po­li­tik zu ver­hin­dern und poten­ti­el­le Dritt­mit­tel­ge­ber nicht abzuschrecken.

10 Dieterich/Preis, Befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se in Wis­sen­schaft und For­schung, S. 50.

Meiß­ner · Hoch­schul­be­fris­tungs­recht 1 8 3

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c) Pro­ble­ma­ti­sche Tariföffnungsklausel

Teil der auf Dieterich/Preis zurück­ge­hen­den Refor­men war eine par­ti­el­le Tarif­öff­nungs­klau­sel. Bei die­ser erge- ben sich zwei Pro­ble­me. Sie ist als arbeits­recht­li­che Rege- lung von der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des umfasst. Kom­pe­tenz­recht­lich sind aber die Län­der zur For­mu­lie­rung von Fach­rich­tun­gen und For­schungs­be- rei­chen ermäch­tigt. Die­ser Zwi­schen­schritt müss­te erfol- gen, damit die Tarif­par­tei­en rechts­si­cher Ver­ein­ba­run- gen tref­fen kön­nen. Inhalt­lich dürf­ten die Tarif­ver­ein- barun­gen nach § 1 Abs. 1 S. 3 WissZeitVG von den vor­ge­se­he­nen Fris­ten abwei­chen und die Anzahl der zuläs­si­gen Ver­län­ge­run­gen befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge fest­le­gen. Bei einem Abwei­chen von den vor­ge­se­he­nen Fris­ten müss­ten immer die Anfor­de­run­gen der Wis­sen- schafts­frei­heit beach­tet wer­den. Bei Ver­kür­zun­gen der Fris­ten wären die Tarif­par­tei­en zunächst im Unkla­ren über deren Verfassungsmäßigkeit.

Wider­sprüch­lich ist zudem, dass eine Tarif­öff­nung immer wie­der gefor­dert wird, aber von der der­zei­ti­gen Öff­nungs­mög­lich­keit kein Gebrauch gemacht wird. Das Sys­tem aus sach­grund­lo­ser Befris­tung mit Höchst­be­fris- tungs­gren­ze und einer dane­ben mög­li­chen Sach­grund- befris­tung bei Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung ist aus­ge­wo­gen und an den Eigen­hei­ten des Wis­sen­schafts­sys­tems ori­en- tiert. Des­halb ist es erhal­tens­wert. Eine Strei­chung der recht­lich man­gel­haft aus­ge­stal­te­ten und prak­tisch nicht ver­wen­de­ten Tarif­öff­nungs­klau­sel wäre sinnvoll.

3. Ver­la­ge­rung in das WissZeitVG

a) Neu­re­ge­lun­gen des WissZeitVG 2007

Durch die Föde­ra­lis­mus­re­form I ver­lor der Bund die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die all­ge­mei­nen Grund- sät­ze des Hoch­schul­we­sens. Da die Befris­tungs­re­ge­lun- gen auf dem Kom­pe­tenz­ti­tel des Arbeits­rechts beru­hen und man spe­zi­fi­sche Nor­men für erhal­tens­wert hielt, ver­la­ger­te man das Hoch­schul­be­fris­tungs­recht in das WissZeitVG. Dabei wur­den zugleich For­de­run­gen von Arbeit­ge­ber- bezie­hungs­wei­se Arbeit­neh­mer­sei­te nach einem spe­zi­el­len Dritt­mit­tel­tat­be­stand bezie­hungs­wei­se nach einer Ver­bes­se­rung der Ver­ein­bar­keit von wis­sen- schaft­li­cher Kar­rie­re und Fami­lie erfüllt. Nach einem Hin­weis von Hart­mer11 wur­de der vor­ge­se­he­ne per­sön­li- che Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG umfor­mu­liert. Der Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung eröff­ne­te den Anwen- dungs­be­reich des WissZeitVG für wissenschaftliche

11 Hart­mer, Stel­lung­nah­me DHV, BT-A-Drucks 16(18)139h, S. 3; Hart­mer, Öffent­li­che Anhö­rung zum WissZeitVG am 29.11.1006, Pro­to­koll 16/21, S. 8 und 31; Leh­mann-Wand­schnei­der, Sonder-

bezie­hungs­wei­se künst­le­ri­sche Mit­ar­bei­ter und Hilfs- kräf­te. Da die Gestal­tung der Per­so­nal­struk­tur mit der Föde­ra­lis­mus­re­form auf die Län­der über­gan­gen ist, wur- de der Begriff des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals bevor- zugt. Aus­ge­nom­men waren dabei die Hoch­schul­leh­rer. Damit ver­mied man Begriff­lich­kei­ten, die „einer zukünf- tigen Fort­ent­wick­lung in den Län­dern ent­ge­gen­ste­hen könn­ten”.12

Durch die eige­ne Dritt­mit­tel­re­ge­lung – die auch für nicht­wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal galt – wur­de die not- wen­di­ge Fle­xi­bi­li­tät und Rechts­si­cher­heit für Befris­tun- gen, die abseits der Höchst­be­fris­tungs­gren­ze erfol­gen, gewon­nen. Seit­her besteht ein ange­mes­se­nes Rege­lungs- sys­tem, das für die Beschäf­tig­ten trans­pa­rent ist, dem Nach­wuchs genü­gend Qua­li­fi­zie­rungs­zeit zuge­steht und den Arbeit­ge­bern die not­wen­di­ge Fle­xi­bi­li­tät gewährt.

b) Der per­sön­li­che Anwen­dungs­be­reichs des Wiss- ZeitVG

Soweit behaup­tet wird, der Gesetz­ge­ber habe mit Schaf- fung des WissZeitVG kei­ne Erwei­te­rung des Anwen- dungs­be­reichs vor­ge­se­hen, ist dies falsch. Ent­spre­chen­de Aus­füh­run­gen fin­den sich in der Ent­wurfs­be­grün­dung der Bun­des­re­gie­rung, die zeit­lich vor der Sach­ver­stän­di- gen­an­hö­rung vom 29.11.2006 erstellt wur­de. Erst nach der Anhö­rung kam es aber zu der Ver­än­de­rung des Anwen­dungs­be­reichs in § 1 Abs. 1 S. 1 WissZeitVG, der seit­her von wis­sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per- sonal ohne die Hoch­schul­leh­rer spricht. Rich­tig ist des- halb, dass sich der Gesetz­ge­ber vor dem Hin­ter­grund der Ent­schei­dung des BVerfG zum 5. HRGÄndG bei der Fest­le­gung des Anwen­dungs­be­reichs zurück­ge­hal­ten hat, um kei­ne kom­pe­tenz­recht­li­chen Schwie­rig­kei­ten zu pro­du­zie­ren. Damit hat er Raum für län­der­recht­li­che Rege­lun­gen eröff­net, die zustän­di­ger­wei­se Per­so­nal­ka­te- gori­en for­mu­lie­ren kön­nen, die in den Anwen­dungs­be- reich des WissZeitVG fal­len. Die Fest­le­gung wis­sen- schaft­li­chen Per­so­nals ist hoch­schul­recht­li­cher Natur und damit Län­der­sa­che. Eine Bestim­mung des Anwen- dungs­be­reichs in die­sem Sin­ne ist auch zweck­mä­ßig, da eine tätig­keits­be­zo­ge­ne Beschrei­bung zu Abgren­zungs- schwie­rig­kei­ten und in der Kon­se­quenz zu unüber­sicht- licher Ein­zel­fall­recht­spre­chung führt. Rechts­strei­tig­kei- ten zum Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG wer­den der­zeit unnö­tig oft vor Arbeits­ge­rich­ten aus­ge­foch­ten. Eine rechts­si­che­re Gestal­tung bei der­zei­ti­ger For­mu­lie- rung des WissZeitVG wäre eine sta­tus­be­zo­ge­ne Fest­le- gung des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals durch die Länder.

befris­tungs­recht an Hoch­schu­len, S. 57. 12 BT-Drucks 16/4043, S. 9.

Alter­na­tiv kann der Bun­des­ge­setz­ge­ber abschlie­ßend von sei­ner Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz im Arbeits­recht Gebrauch machen und ohne Vor­ga­be von Per­so­nal­ka­te- gori­en den Anwen­dungs­be­reich bei­spiels­wei­se für „wis- sen­schaft­li­ches, wozu auch leh­ren­des Per­so­nal gehört“ eröff­nen. Denn unter das wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal sind auch Lehr­kräf­te für beson­de­re Auf­ga­ben und Lek- toren zu fas­sen, da eine Unter­schei­dung zwi­schen einer bloß repe­tie­ren­den Wie­der­ga­be vor­ge­ge­be­ner Inhal­te und einer Ver­mitt­lung von Inhal­ten, mit denen sich in Form einer kri­ti­schen Hin­ter­fra­gung und einer eige­nen Refle­xi­on aus­ein­an­der­ge­setzt wur­de, pra­xis­fern ist.13

4. Novel­lie­rung des WissZeitVG

Es ist zu begrü­ßen, dass mit der Novel­lie­rung des Wiss- ZeitVG an dem Sys­tem aus sach­grund­lo­ser Befris­tung zur Qua­li­fi­zie­rung und eige­nem Dritt­mit­tel­tat­be­stand zum Erhalt der dar­über hin­aus­ge­hen­den Fle­xi­bi­li­tät kei- ne grund­sätz­li­chen Ände­run­gen vor­ge­nom­men wur­den. Tei­le der Reform sind aber zu kritisieren.

Die ver­ein­bar­te Befris­tungs­dau­er soll so bemes­sen wer­den, dass sie der ange­streb­ten Qua­li­fi­zie­rung ange- mes­sen ist, bezie­hungs­wei­se dass sie der Dau­er der Pro- jekt­lauf­zeit ent­spricht (a). Die Mög­lich­keit auch nicht- wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal bei dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Pro­jek­ten zu befris­ten wur­de gestri­chen (b). Befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge mit stu­den­ti­schem Per­so­nal sind bis zu einer Dau­er von sechs Jah­ren zulässig ©.

a) Befris­tungs­dau­er bei Qualifizierung

Die Anfor­de­rung eines ange­mes­se­nen Ver­hält­nis­ses zwi- schen der ver­ein­bar­ten Befris­tungs­dau­er und der ange- streb­ten Qua­li­fi­zie­rung lässt Raum für Unsicherheiten.14 Auf­grund des unspe­zi­fi­schen Rege­lungs­ge­halts ist die For­mu­lie­rung zudem nicht geeig­net, die als Miss­stän­de emp­fun­de­nen kur­zen Befris­tun­gen zu verhindern.15 Die von den Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen selbst ent­wi­ckel­ten Richt­li­ni­en, auf die der Gesetz­ge­ber hin­weist, haben das Pro­blem der zahl­rei­chen kur­zen Befris­tun­gen bis­her nicht in den Griff bekom­men. Dies führt in der Kon­se- quenz zu einer Aus­le­gung durch die Rechtsprechung.

  1. 13  AR/Löwisch, 7. Aufl. 2015, § 1 WissZeitVG Rn. 2; Raab, Der per- sön­li­che Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG, S. 116 f. und 124.
  2. 14  Hipp­ler, Stel­lung­nah­me Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143d, Anla­ge S. 1; Mandler/Meißner, OdW 2016, S. 40; Preis, Stel­lung­nah­me Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143a, S. 4; Tschaut, Stel­lung­nah­me Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143b, S. 3.
  3. 15  Mandler/Meißner, OdW 2016, S. 40.
  4. 16  Mandler/Meißner, OdW 2016, S. 41.

Die­se hat in der Ver­gan­gen­heit nicht immer auf die spe- zifi­schen Anfor­de­run­gen der Hoch­schu­len Rück­sicht genommen.

Die vor der Novel­le des WissZeitVG gel­ten­den Rege- lun­gen gewähr­ten den Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen Fle- xibi­li­tät und Rechtssicherheit.16 Wird aber das Ziel aus- gege­ben, gegen die vie­len Befris­tungs­ver­trä­ge im Wis- sen­schafts­be­reich mit kur­zer Lauf­zeit auch arbeits­recht- lich vor­ge­hen zu wol­len, ist die getrof­fe­ne Rege­lung man­gel­haft. Vor­zugs­wür­dig erscheint eine Min­dest­ver- trags­lauf­zeit von 24 Mona­ten, wobei Aus­nah­me­mög­lich- kei­ten nach unten zur Erhal­tung der Fle­xi­bi­li­tät der Wis- sen­schafts­ein­rich­tun­gen vor­zu­se­hen wären. Eine fle­xib- lere Alter­na­ti­ve wäre der Vor­schlag von Preis, eine maxi- mal zuläs­si­ge Anzahl an Ver­län­ge­run­gen zu bestimmen.17

b) Behand­lung des nicht­wis­sen­schaft­li­chen Personals

Für das nicht­wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal gilt die Recht- fer­ti­gung für ein Son­der­be­fris­tungs­recht nicht in glei- cher Wei­se wie für das wis­sen­schaft­li­che Personal.18 Ein ste­ti­ger Zufluss neu­er Ideen und die Not­wen­dig­keit einer stän­di­gen Fluk­tua­ti­on zur För­de­rung des Nach­wuch­ses sind beim nicht­wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal nicht erfor- derlich.19 Die Her­aus­nah­me des nicht­wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals aus dem Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG erscheint vor die­sem Hin­ter­grund zunächst nach­voll- zieh­bar. Zu beden­ken ist aller­dings, dass das nicht­wis- sen­schaft­li­che Per­so­nal wei­ter­hin nach dem TzBfG befris­tet wer­den kann. Dar­aus ergibt sich kein struk­tu- rel­ler Unter­schied. Die Hoch­schul­ver­wal­tun­gen sind in der Ver­gan­gen­heit mit den Anfor­de­run­gen des TzBfG nicht aus­rei­chend zurechtgekommen.20 Aus prak­ti­schen Erwä­gun­gen und der his­to­ri­schen Per­spek­ti­ve ist daher für eine Wie­der­auf­nah­me des nicht­wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals in den Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG zu werben.

c) Befris­tungs­dau­er bei stu­den­ti­schen Beschäftigten

Die Höchst­be­fris­tungs­dau­er für stu­den­ti­sches Per­so­nal soll­te ursprüng­lich nur vier Jah­re betra­gen, wur­de aber

17 Preis, Stel­lung­nah­me Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143a, S. 5.
18 BR-Drucks 395/15, S. 9.
19 Mandler/Meißner, OdW 2016, S. 43.
20 Lieb, Zur Befris­tung von Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen im Bereich

der Rund­funk­frei­heit, S. 425; Mandler/Meißner, OdW 2016, S. 43; Preis, Pro­to­koll Öffent­li­che Anhö­rung zum WissZeitVG am 29.11.2006, S. 13.

Meiß­ner · Hoch­schul­be­fris­tungs­recht 1 8 5

186 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2016), 181–186

auf­grund brei­ter Kritik21 auf sechs Jah­re angehoben.22 Damit bleibt die Befris­tungs­dau­er immer noch erkenn- bar hin­ter den Regel­stu­di­en­zei­ten und den tat­säch­li­chen Stu­di­en­zei­ten zurück. Die Mög­lich­keit, wäh­rend der gesam­ten Stu­di­en­zeit von einer stu­den­ti­schen Beschäf­ti- gung an den Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen zu pro­fi­tie­ren, wird damit ohne ver­nünf­ti­gen Grund beschnitten.23 Eine Höchst­be­fris­tungs­dau­er von acht Jah­ren wäre ange- messen.

V. Fazit und Ausblick

Die Dis­ser­ta­ti­on unter­sucht die Ent­ste­hungs- und Ent- wick­lungs­pro­zes­se bis zum Beschluss der Novel­lie­rung des WissZeitVG durch den Bun­des­tag vom 17.12.2015. Dabei zeigt sich, dass die Ent­ste­hungs­ge­schich­te ein­zel- ner Rege­lun­gen ein bes­se­res Ver­ständ­nis för­dern kann. Dar­aus las­sen sich kon­kre­te For­de­run­gen an Gesetz­ge- ber ableiten.

Als der­zeit drin­gends­tes Pro­blem stellt sich die Viel- zahl von befris­te­ten Ver­trä­gen an Hoch­schu­len mit kur- zen Lauf­zei­ten dar. Hier­bei wer­den ver­schie­de­ne Lö- sungs­an­sät­ze ver­folgt. Neben einer ver­bes­ser­ten Finan-

zie­rung sol­len Per­so­nal­kon­zep­te und das Hoch­schul­ar- beits­recht Abhil­fe schaf­fen. Die geän­der­te Finan­zie­rung und die Mög­lich­kei­ten durch neue Per­so­nal­kon­zep­te be- dür­fen geson­der­ter Unter­su­chun­gen. Im Hin­blick auf die hoch­schul­ar­beits­recht­li­che Kom­po­nen­te wird in der Dis­ser­ta­ti­on Stel­lung bezo­gen. Kri­tisch zu beglei­ten wird die Recht­spre­chung zum neu­en WissZeitVG sein, ins­be- son­de­re bezüg­lich des ange­mes­se­nen Ver­hält­nis­ses zwi- schen Befris­tungs- und Qualifizierungsdauer.

Der Autor ist Rechts­an­walt im Bereich des Arbeits- rechts bei CMS Hasche Sig­le Part­ner­schaft von Rechts- anwäl­ten und Steu­er­be­ra­tern mbB in Stuttgart.

Mar­kus Meiß­ner, Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs­rechts
Her­aus­ge­ge­ben vom Deut­schen Hoch­schul­ver­band, Bonn 2016, Band 19 der Rei­he „Wis­sen­schafts­po­li­tik und Wis­sen­schafts­recht“, 216 Sei­ten, 26 Euro (für Mit- glie­der des Deut­schen Hoch­schul­ver­ban­des 23 Euro) incl. Por­to inland

ISBN: 978–3‑944941–04‑2

Zu bestel­len über: Deut­scher Hoch­schul­ver­band, Rhein­al­lee 18–20, 53173 Bonn, E‑Mail: dhv@hochschul- verband.de, Fax: 0228–90 266 80

21 DGB, Stel­lung­nah­me Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143f, S. 5; Gold­mann, Stel­lung­nah­me Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143c, S. 9; Kel­ler, Stel­lung­nah­me Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143e, S. 20; Mandler/Meißner, OdW 2016, S. 35; ver.di, Stel­lung­nah­me

Aus­schuss­druck­sa­che 18(18)143g, S. 6. 22 BT-Drucks 18/7038, S. 5.
23 Mandler/Meißner, OdW 2016, S. 35 f.