Menü Schließen
Klicke hier zur PDF-Version des Beitrags!

Das Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz steht aktu­ell in der Kri­tik. Es beför­de­re Kurz­zeit­ver­trä­ge, Miss­brauch und Perspektivlosigkeit.1 Des­halb soll im Sin­ne des Koali­ti- ons­ver­tra­ges für die 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode mit dem Ers- ten Gesetz zur Ände­rung des WissZeitVG nach­ge­bes­sert werden.2 Der hier­zu vor­lie­gen­de Ent­wurf ist detail­reich und ent­hält ver­schie­de­ne Anpas­sun­gen, Ergän­zun­gen und Erset­zun­gen. Die­se wur­den bereits von Blu­m/­Veh- ling aus der Per­spek­ti­ve der For­schungs­ein­rich­tun­gen vor­ge­stellt und bewertet.3 Die­ser Bei­trag soll dar­an anknüp­fen und den Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sowie die dar­auf erfolg­te Stel­lung­nah­me des Bundesrates4 im Hin­blick auf Hoch­schu­len und Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka beur- tei­len. Die jewei­li­gen Mög­lich­kei­ten, Unklar­hei­ten und Unzu­läng­lich­kei­ten sol­len ihre Dar­stel­lung dabei eben­so erfah­ren, wie vor­zugs­wür­di­ge­re neue Lösungen.

Die Aus­füh­run­gen glie­dern sich dazu, im Anschluss an die Vor­schlä­ge zur Tarif­sper­re (I.), sys­te­ma­tisch in sach­grund­lo­se (II.) und dritt­mit­tel­be­zo­ge­ne Befris­tun- gen (III.). Ihnen fol­gen eine Stel­lung­nah­me zur ange- dach­ten Ver­än­de­rung des Ver­län­ge­rungs­tat­be­stan­des nach § 2 Abs. 5 WissZeitVG und der fami­li­en­po­li­ti­schen Kom­po­nen­ten (IV.) sowie Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Anrech­nungs­re­ge­lung in § 2 Abs. 3 WissZeitVG (V.) und der Über­gangs­re­ge­lung des Ent­wur­fes (VI.). Den Anmer­kun­gen folgt ein Fazit (VI.). Im Anhang befin­det sich der Voll­text des WissZeitVG nach den beab­sich­ti- gen Ände­run­gen der Bun­des­re­gie­rung (VIII.).

  1. 1  Sie­he auch Jong­manns, Eva­lua­ti­on des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags- geset­zes S. 43 ff., abruf­bar unter http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/ fh-201104.pdf, abge­ru­fen am 5.11.2015.
  2. 2  BR-Drs. 395/15 S. 1; der Koali­ti­ons­ver­trag ent­hält hier­zu fol- gen­des (S. 27, abruf­bar unter http://www.bundesregierung.de/ Content/DE/_Anlagen/2013/2013–12-17-koalitionsvertrag.pdf; jsessionid=E4E33C214A4483DC859CBC76FA702B9C.s1t1?__ blob=publicationFile&v=2, abge­ru­fen am 5.11.2015): „Befris­te­te Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se auf­grund von Qua­li­fi­zie­rungs­pha­sen, zeit­lich befris­te­ten For­schungs­pro­jek­ten und ande­ren Sach­grün- den lie­gen in der Natur des Wis­sen­schafts­be­triebs; ihr Anteil– ins­be­son­de­re über sehr kur­ze Zeit­räu­me – hat in den letz­ten Jah­ren ein Maß erreicht, das Hand­lungs­be­darf ent­ste­hen lässt. An ers­ter Stel­le ist ein akti­ves Gegen­steu­ern Auf­ga­be der Hoch­schu- len und For­schungs­ein­rich­tun­gen in ihrer Rol­le als Arbeit­ge­ber. Wir begrü­ßen ent­spre­chen­de Akti­vi­tä­ten der Wis­sen­schafts- orga­ni­sa­tio­nen und wer­den deren Bemü­hun­gen durch eine Novel­lie­rung des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes flankieren.

I. Anwen­dungs­be­reich und Tarifsperre

Der Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung lässt den Anwen- dungs­be­reich des WissZeitVG nach § 1 unan­ge­tas­tet. Ledig­lich klar­stel­lend soll ergän­zend zu den §§ 2 und 3 der nun­mehr neu­ge­stal­te­te Befris­tungs­tat­be­stand nach § 6 WissZeitVG‑E genannt werden.5 An der in § 1 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG ent­hal­te­nen Tarif­sper­re soll aus den hin­läng­lich bekann­ten Grün­den fest­ge­hal­ten werden.6

Abwei­chen­des sieht hier der Vor­schlag des Bun­des- rates vor. Die­ser regt zunächst an, die Bezug­nah­me auf den neu­en § 6 WissZeitVG‑E dahin­ge­hend zu ergän­zen, dass das WissZeitVG für stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te „unab- hän­gig von der Art der Tätig­keit“ gilt.7 Das soll Unklar- hei­ten im Zusam­men­hang mit Abgren­zungs­fra­gen bei bloß mit­tel­bar wis­sen­schafts­be­zo­ge­nen Tätig­kei­ten beenden.8

Kom­pe­tenz­recht­li­che Schwie­rig­kei­ten erge­ben sich dar­aus nicht. Auf die Nen­nung der stu­den­ti­schen Hilfs- kräf­te wur­de bei Ein­füh­rung des WissZeitVG bewusst ver­zich­tet, um län­der­recht­li­chen Rege­lun­gen nicht vor- zugreifen.9 Seit der Föde­ra­lis­mus­re­form I obliegt es al- lein den Län­dern Per­so­nal­ka­te­go­rien im Hoch­schul­be- reich zu for­mu­lie­ren. Vor dem Hin­ter­grund der Nich­tig- erklä­rung des 5. HRGÄndG auf­grund kom­pe­tenz­recht­li- cher Probleme,10 ver­zich­tet das WissZeitVG bis­her auf eine Fest­le­gung von Per­so­nal­ka­te­go­rien und damit auch

Wir wol­len für den wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuchs plan­ba­re und ver­läss­li­che Kar­rie­re­we­ge schaf­fen. Der Bund wird im Rah­men sei­ner För­de­rung und bei Ver­ein­ba­run­gen zu neu­en Instru­men- ten auf ange­mes­se­ne Lauf­zei­ten der Anstel­lungs­ver­trä­ge achten“.

Blum/Vehling, „Alles wird gut?” – Anmer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG OdW 2015 S. 189–198.

4 BR-Drs. 395/15 (Beschluss).
5 BR-Drs. 395/15.
6 Sie­he hier­zu aus­führ­lich Blum/Vehling, „Alles wird gut?” – An-

mer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG OdW

2015 S. 195.
7 BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 4 f.
8 BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 5; vgl. zu den Abgrenzungsschwie-

rig­kei­ten Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem Wiss- ZeitVG, 2009 S. 94 ff.

9 WT-Drs. 16/4043 S. 9.
10 BVerfG, Urteil vom 27.7.2004 – 2 BvF 2/02.

Tobi­as Man­dler und Mar­kus Meißner

Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG
– Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Verbesserungspotential

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2016, ISSN 2197–9197

34 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

auf die Kate­go­rie der stu­den­ti­schen Hilfs­kräf­te. Der Vor- schlag der Bun­des­re­gie­rung berück­sich­tigt dies inso­fern, als dass von stu­den­ti­schem Per­so­nal gespro­chen wird.

Unge­löst bleibt die Dis­kus­si­on um die sog. Lek­to­ren- tätigkeit.11 Eine Posi­tio­nie­rung des Geset­zes wäre in die- sem Punkt wün­schens­wert. Vor­zugs­wür­dig scheint die erklär­te Anwend­bar­keit auch auf Lektoren.12 Wis­sen- schaft und deren Ver­mitt­lung kön­nen auch bei Lek­to­ren nicht getrennt wer­den, da sie jeweils Vor­aus­set­zung für- ein­an­der sind.13

Neben der Klar­stel­lung in Bezug auf den Anwen- dungs­be­reich des WissZeitVG, sieht der Vor­schlag des Bun­des­ra­tes aller­dings Radi­ka­les für die sog. Tarif­sper­re vor. Die­se sei auf­zu­he­ben, da die Hoch­schu­len und au- ßer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen nicht sach- gerecht mit den ihnen vom Gesetz­ge­ber gege­be­nen Be- fris­tungs­mög­lich­kei­ten umge­gan­gen seien.14 Die unan- gemes­sen kur­zen Ver­trags­lauf­zei­ten könn­ten über Tarif- ver­trä­ge wirk­sam ein­ge­schränkt wer­den. So kön­ne zudem die Akzep­tanz befris­te­ter Ver­trä­ge im Hoch- schul­recht gestei­gert wer­den und eine befrie­den­de Wir- kung eintreten.15

Die­ser Vor­stoß ver­wun­dert. Neben den von Blum/ Vehling bereits aus­rei­chend dar­ge­leg­ten Vor­tei­len und Not­wen­dig­kei­ten der bestehen­den Tarifsperre,16 exis- tiert die ver­lang­te Ein­wir­kungs­mög­lich­keit bereits seit vie­len Jah­ren unge­nutzt. § 1 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG‑E erlaubt für Befris­tun­gen nach § 2 Abs. 1 und 2 Wiss- ZeitVG die Ver­ein­ba­rung ver­bind­li­cher Ver­län­ge­run- gen.17 Hier­durch lässt sich die her­vor­ge­ho­be­ne Pro­ble- matik unan­ge­mes­sen kur­zer Ver­trags­lauf­zei­ten bereits

  1. 11  Zur Dis­kus­si­on Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris- tungs­recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2009 S. 97 ff.
  2. 12  AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 2 f.; Rambach/Feldmann ZTR 2009 S. 288 f.
  3. 13  Vgl. BVerfG, Beschluss vom 24. Juni 2014 – 1 BvR 3217/07; BVerfGE 136, 338 ff.
  4. 14  BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 4.
  5. 15  BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 4.
  6. 16  Blum/Vehling, „Alles wird gut?” – Anmer­kun­gen zur geplan­ten­No­vel­lie­rung des WissZeitVG OdW 2015 S. 195.
  7. 17  Sie­he dazu auch Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris-tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 221.
  8. 18  Im Zuge die­ser Über­le­gung ist hin­zu­zu­fü­gen, dass durch die­tat­be­stand­li­che Bezug­nah­me auf „befris­te­te Ver­trä­ge“ in § 1
    Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG auch Ver­trä­ge nach § 6 WissZeitVG‑E erfasst sind. Inso­weit bleibt das Gesetz kon­se­quent und lie­fert
    ein wei­te­res Argu­ment für die Anwen­dung die­ser Tarif­öff­nung auf Drittmittelbefristungen.Eine struk­tu­rel­le Schlech­ter­s­tel-
    lung zwi­schen der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG und
    § 6 WissZeitVG‑E wäre bei der ent­ge­gen­setz­ten Les­art nicht erklär­lich. Vgl. dazu Hes­se in Münch­ner Kom­men­tar zum BGB, 6. Aufl., TzBfG § 23 Rn. 41. Sie­he mwN.; Zim­mer­mann, Befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se an Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen bei Dritt­mit­tel Finan­zie­rung, 2001, S. 213 f.; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 61; Man­dler, Rechts­miss­brauch bei

nach aktu­el­lem Rechts­stand tarif­lich regeln. Einer Ab- schaf­fung der Tarif­sper­re bedarf es daher vor dem Hin- ter­grund die­ses Vor­wur­fes nicht. Im Gegen­teil ist auf- grund der tarif­li­chen Mög­lich­kei­ten die Not­wen­dig­keit die­ser Öff­nung selbst kri­tisch zu hinterfragen.18

Mit Blick auf die vor­ge­schla­ge­ne Klar­stel­lung im An- wen­dungs­be­reich des WissZeitVG sei dar­auf hin­ge­wie- sen, dass auch die Benen­nung der Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka mit Forschungsaufgaben19 sowie der juris­ti­schen Per­so- nen, die mit For­schungs­auf­ga­ben von Hoch­schu­len oder Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken lan­des­recht­lich belie­hen sind, sinn- voll erscheint. Ins­be­son­de­re die Belei­hung ist ein zu be- obach­ten­des Phänomen,20 das immer wie­der Fra­gen hin­sicht­lich der Anwend­bar­keit des WissZeitVG auf- wirft. Grund­sätz­lich ist hier von einer unmit­tel­ba­ren Anwend­bar­keit im Rah­men der jewei­li­gen Tat­be­stän­de aus­zu­ge­hen, wie letzt­lich schon aus §§ 3–5 WissZeitVG her­vor­geht. Es wird daher vor­ge­schla­gen den Anwen- dungs­be­reich wie folgt neu zu fassen:

„Für den Abschluss von Arbeits­ver­trä­gen für eine be- stimm­te Zeit (befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge) mit wis­sen- schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal mit Aus­nah- me der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer, an Ein­rich­tun­gen des Bil­dungs­we­sens, die nach Lan­des- recht staat­li­che Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka mit For­schungs­auf­ga­ben oder mit deren Auf­ga­ben belie­he- ne juris­ti­sche Per­so­nen sind, gel­ten die §§ 2, 3 und 6.“

Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015

S. 226.
19 AR-Löwisch , § 2 WissZeitVG Rn. 6; Schmidt in Ascheid/Preis/

Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 4. Aufl. 2012 WissZeitVG § 2 Rn. 1; abwei­chend Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs- recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2009 S. 40. Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken betrei­ben – in untrenn­ba­rer Zusam­men­ar­beit mit den medi­zi­ni­schen Fakul­tä­ten – For­schung. Der Umweg über die Anstel­lung bei den Uni­ver­si- täten ist unnö­tig und fin­det kei­ne tat­sa­chen­ba­sier­te Recht­fer­ti- gung. Das Gesetz über befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung bil­det hier­zu kei­nen Wider­spruch. Die­ses ist nicht auf Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka mit eige­nen For­schungs­auf­ga­ben anzu­wen­den. Zum Anwen­dungs­be­reich sie­he Hes­se in Münch­ner Kom­men­tar BGB, 6. Aufl. 2012 § 23 Rn. 5. Die Auf­nah­me in den Geset­zes­wort­laut hat damit ledig­lich klar­stel­len­de Funktion.

20 Vgl. z.B. § 4 Abs. 5 UKG BW: „Das Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um kann Drit­te mit der Wahr­neh­mung der hoheit­li­chen Auf­ga­ben und Befug­nis­se einer Uni­ver­si­täts­kli­nik nach den Absät­zen 1 und 3 belei­hen. Die Belei­hung erfolgt durch Ver­wal­tungs­akt auf der Grund­la­ge einer öffent­lich-recht­li­chen Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum, der Uni­ver­si­tät und dem Drit­ten.“; Löwisch/Domisch, Zur Anwend­bar­keit des Arbeit­neh­mer­über- las­sungs­ge­set­zes auf Per­so­nal­ge­stel­lun­gen durch juris­ti­sche Per­so- nen des öffent­li­chen Rechts BB 2012, 1408 ff.

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 3 5

II. Sach­grund­lo­se Befristungen

Der Ent­wurf sieht vor, dass es nun­mehr nicht zwei, son- dern letzt­lich drei Mög­lich­kei­ten zur sach­grund­lo­sen Befris­tung geben soll. Neben die bereits exis­tie­ren­den Befris­tungs­mög­lich­kei­ten nach § 2 Abs. 1 und Abs. 2 WissZeitVG, soll mit dem neu­en § 6 für wis­sen­schaft­li- che und künst­le­ri­sche Hilfs­kräf­te ein eige­ner Befris- tungs­grund geschaf­fen wer­den. Im Fol­gen­den wird des- halb – einer aka­de­mi­schen Lauf­bahn fol­gend – nach die- sen Fäl­len unterschieden.

1. Wis­sen­schaft­li­che und künst­le­ri­sche Hilfskräfte

§ 6 WissZeitVG‑E sieht die Mög­lich­keit zur sach­grund- losen Befris­tung für ins­ge­samt 4 Jah­re von ein­ge­schrie- benen Stu­die­ren­den vor, die wis­sen­schaft­li­che oder künst­le­ri­sche Hilfs­tä­tig­kei­ten erbringen.21 Auch das Mas­ter­stu­di­um nach abge­schlos­se­nem Bache­lor­stu­di­um soll hier­von erfasst wer­den und Ver­län­ge­run­gen inner- halb des vier­jäh­ri­gen Befris­tungs­zeit­rau­mes mög­lich blei­ben. Aus­weis­lich der Ent­wurfs­be­grün­dung, darf eine Anstel­lung zudem – über den Wort­laut hin­aus – den Umfang einer hälf­ti­gen oder gar voll­stän­di­gen regel­mä- ßigen Anstel­lung nicht erreichen.22 Das jewei­li­ge Stu­di- um müs­se im Vor­der­grund stehen.23

Beglei­tet wird die Neue­rung von § 2 Abs. 3 Satz 3 WissZeitVG‑E, der eine Anrech­nung von befris­te­ten Be- schäf­ti­gun­gen nach § 6 WissZeitVG‑E und ande­ren stu- dien­be­glei­ten­den Beschäf­ti­gun­gen, deren Befris­tung auf ande­ren Rechts­vor­schrif­ten beruht, ausschließt.

Die Rege­lung ist aus dog­ma­ti­scher Per­spek­ti­ve an sich zu begrü­ßen, begeg­net aber ins­be­son­de­re in Bezug auf ihre prak­ti­sche Umsetz­bar­keit und sozia­len Aus­wir- kun­gen für Studenten24 tief­grei­fen­den Beden­ken. Im Ein­zel­nen las­sen sich fünf Pro­blem­krei­se erken­nen, für deren inter­es­sen­ge­rech­te­re Lösung im Anschluss an de- ren Ana­ly­se gewor­ben wer­den soll.

a) Befris­tungs­dau­er

Die Befris­tungs­dau­er von 4 Jah­ren beruht, wie auch die Rege­lung über­haupt, auf dem ehe­ma­li­gen § 57e HRG.

  1. 21  BR-Drs. 395/15 S. 11.
  2. 22  BR-Drs. 395/15 S. 13.
  3. 23  BR-Drs. 395/15 S. 13. Die­ser gesetz­li­chen Beschrän­kung bedarf esan sich nicht. Der kon­sti­tu­tiv erfor­der­li­che Stu­den­ten­sta­tus wird­bei einer idR. 85 Stun­den über­stei­gen­den Tätig­keit aberkannt.
  4. 24  Sofern die männ­li­che Form genannt wird, ist stets auch die­weib­li­che mit umfasst. Zum Begriff der Stu­die­ren­den sie­he http:// www.zaar.uni-muenchen.de/studium/studenteninfo/student_ prof/student/index.html, abge­ru­fen am 22.10.2015.
  5. 25  BR-Drs. 395/15 S. 11; kri­tisch etwa Löwisch in For­schung & Leh­re 2002/4 S. 186: „Die Begren­zung auf vier Jah­re kann sich so sehr ein­schnei­dend für Stu­die­ren­de aus­wir­ken, die auf Nebenverdiens-

Schon damals wur­de die­se Rege­lung mit Recht kri­ti- siert.25 Die­se Kri­tik gilt heu­te genau­so wie damals. Die Befris­tungs­dau­er genügt der Stu­di­en­dau­er vie­ler Stu­di- engän­ge nicht mehr und kann aus die­sem Grund den Ent­zug zumin­dest eines Teils der wirt­schaft­li­chen Lebens­grund­la­ge bedeu­ten. Dies hat auch der Bun­des­rat erkannt. Die­ser for­dert eine Befris­tungs­höchst­dau­er von nun­mehr 6 Jahren.26 Aller­dings greift auch die­se For­de- rung zu kurz.

Heu­te wie damals ist es üblich, dass ein nicht uner- heb­li­cher Teil der Stu­den­ten sich über eine Anstel­lung als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft zumin­dest ein Zubrot erwirt- schaf­tet. Miet­prei­se und Lebens­hal­tungs­kos­ten sind ins- beson­de­re in den Stu­den­ten­städ­ten gestiegen.27 Die­se gene­rie­ren viel­fach – trotz elter­li­cher und staat­li­cher Un- ter­stüt­zung – einen mit­un­ter deut­lich wei­ter­ge­hen­den fi- nan­zi­el­len Bedarf, der durch eine Beschäf­ti­gung im uni- ver­si­tä­ren oder außer­uni­ver­si­tä­ren Bereich gedeckt wer- den muss.

Die Anstel­lung an einer Hoch­schu­le stellt dabei für vie­le Stu­den­ten die sinn­volls­te Alter­na­ti­ve dar. Hier wer- den der Ein­stieg in das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten und die Mög­lich­keit zur Erwirt­schaf­tung von Ein­kom­men gleich­zei­tig rea­li­siert. Ins­be­son­de­re die viel­fach bes­te- hen­de Chan­ce zum wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs zumin- dest mit­tel­bar bei­tra­gen zu kön­nen, bedeu­tet viel­fach eine nicht zu unter­schät­zen­de Moti­va­ti­on, spä­ter auch selbst wis­sen­schaft­lich tätig zu wer­den. Dane­ben erleich- tert die Arbeit an einem Insti­tut, Lehr­stuhl oder in einer For­schungs­ein­rich­tung auch eine spä­te­re eige­ne Dis­ser- tati­on. Die früh­zei­ti­ge Mög­lich­keit zur Zusam­men­ar­beit zwi­schen stu­den­ti­schen und wis­sen­schaft­li­chen Hilfs- kräf­ten, Dok­to­ran­den, Post-Docs, Gast­wis­sen­schaft­lern, Habi­li­tan­den und Pro­fes­so­ren ver­leiht Selbst­ver­trau­en und Sicher­heit im Umgang mit eige­nen wis­sen­schaft­li- chen Ambi­tio­nen und Arbei­ten. Gera­de durch die Tätig- keit als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft wird daher oft erst eine spä­te­re wis­sen­schaft­li­che Kar­rie­re in Gang gesetzt, die ohne die­sen leich­ten Zugang nie ent­stan­den wäre.

Die­se Mög­lich­keit beschnei­det der Ent­wurf ohne ver­nünf­ti­gen Grund, indem die Befris­tungs­dau­er er-

te ange­wie­sen sind. Auch ver­nach­läs­sigt die Rege­lung die Tat­sa- che, daß vie­le Stu­die­ren­de ihr Stu­di­um heu­te als Teil­zeit­stu­di­um neben einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis kon­zi­pie­ren. Die Mög- lich­keit, ein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft zu wäh­len und so gleich­zei­tig aus der Beschäf­ti­gung Nut­zen für das Stu­di­um zu zie­hen, wird nach vier Jah­ren abge­schnit­ten. In § 57e Satz 1 soll­te daher die Dau­er von vier Jah­ren ersetzt wer­den durch eine „Dau­er von sechs Jahren“.

26 BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 7.
27 Sie­he unlängst http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/wohn-

kos­ten-anteil-in-frei­burg-im-breis­gau-am-hoechs­ten-a-1060702. html, abge­ru­fen am 2.11.2015.

36 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

kenn­bar hin­ter den Regel­stu­di­en­zei­ten und den tat­säch- lichen Stu­di­en­zei­ten zurück­bleibt. So liegt die Regel­stu- dien­zeit für Human­me­di­zin an der Albert-Lud­wigs- Uni­ver­si­tät Frei­burg bei 13 Fach­se­mes­tern, ohne dass da- bei die regel­mä­ßig wäh­rend des Stu­di­ums aus­ge­setz­te Pro­mo­ti­ons­zeit berück­sich­tigt wäre.28

Auch in ande­ren Stu­di­en­gän­gen liegt die Regel­stu­di- enzeitregelmäßigüber4Jahren.Sowerdenetwafürdas Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten 9 Fachsemester,29 das Mathe­ma­tik­stu­di­um im gym­na­sia­len Lehr­amt 10 Fach- semester,30 Bio­lo­gie mit Bache­lor und Mas­ter 10 Fach­se- mester,31 Ger­ma­nis­tik mit Bache­lor und Mas­ter 10 Fach- semester32 usw. als Regel­stu­di­en­zeit ange­ge­ben. Zieht man nun ins Kal­kül, dass nach den Anga­ben des Sta­tis­ti- schen Bun­des­am­tes ledig­lich 39,3 % der Stu­den­ten ihr Stu­di­um in der Regel­stu­di­en­zeit abschließen,33 wird schnell sicht­bar, dass mit der 4‑Jahresregelung den Stu- den­ten viel­fach zumin­dest ein Teil ihrer wirt­schaft­li­chen Lebens­grund­la­ge – gera­de gegen Ende des Stu­di­ums und vor Beginn einer Dis­ser­ta­ti­on oder sons­ti­gen wis­sen- schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung – genom­men würde.

Teil­wei­se kann hier zwar Abhil­fe durch § 14 Abs. 2 TzBfG geschaf­fen wer­den, der eine zumin­dest 2‑jährige Auf­sto­ckung des 4‑Jahreszeitraumes ermög­licht. Die Neu­re­ge­lung in § 2 Abs. 3 Satz 3 WissZeitVG‑E bedeu­tet inso­weit auch kei­ne Anrech­nung die­ser Befris­tun­gen auf die Höchst­be­fris­tungs­zei­ten und wird damit kon­klu­dent vorausgesetzt.34 Aller­dings beschnei­det eine sol­che Be- fris­tung die Ver­län­ge­rungs­mög­lich­kei­ten und ist aus­ge- schlos­sen, wenn zuvor eine Befris­tung nach § 6 Wiss- ZeitVG‑E bestand. Allein auf­grund der Wahl des Erst- Befris­tungs­grun­des wür­de so die Befris­tungs­dau­er zwi- schen 4 und 6 Jah­ren schwan­ken. Eben­so schwankt die Befris­tungs­dau­er über § 14 Abs. 2 TzBfG bei einem Hoch­schul- bzw. Arbeit­ge­ber­wech­sel. Stu­den­ten könn- ten somit auf der Grund­la­ge der Neu­re­ge­lung gezwun- gen sein, zum Erhalt ihrer Lebens­grund­la­ge aus dem uni­ver­si­tä­ren Betrieb aus­zu­schei­den oder an eine ande­re Hoch­schu­le zu wech­seln, bei der eine Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG noch mög­lich ist. Damit wür­de gera­de die­je­ni­ge Pflicht ver­ei­telt, die das Grund­ge­setz dem Ge- setz­ge­ber inso­weit auf­gibt: Die För­de­rung des wis­sen- schaft­li­chen Nachwuchses.35

  1. 28  https://www.studium.uni-freiburg.de/studium/studienfaecher/ fachinfo/index.html?id_stud=109, abge­ru­fen am 22.10.2015.
  2. 29  http://www.studium.uni-freiburg.de/studium/studienfaecher/ fachinfo/index.html?id_stud=136, abge­ru­fen am 22.10.2015.
  3. 30  http://www.studium.uni-freiburg.de/studium/studienfaecher/ fachinfo/index.html?id_stud=108, abge­ru­fen am 22.10.2015.
  4. 31  http://www.studium.uni-freiburg.de/studium/studienfaecher/ fachinfo/index.html?id_stud=362; http://www.studium.uni- freiburg.de/studium/studienfaecher/fachinfo/index.html?id_ stud=302, abge­ru­fen am 22.10.2015.

Vor die­sem Hin­ter­grund bleibt unklar, war­um der Ent­wurf hier der­art eng­her­zig ver­fährt. Die Vor­wür­fe, die dem WissZeitVG gemacht wer­den, beru­hen nicht auf Ver­trä­gen mit stu­den­ti­schen Hilfs­kräf­ten. Die­se Be- schäf­tig­ten­grup­pe ist am wenigs­ten durch die Befris- tungs­mög­lich­kei­ten betrof­fen. Viel­fach ändert sich die Lebens­si­tua­ti­on der Stu­den­ten semes­ter­wei­se. Aus­lands- auf­ent­hal­te, Eras­mus, Stu­di­en- und Wohn­ort­wech­sel tre­ten häu­fig auf, sodass eine semes­ter- oder jah­res­wei­se Befris­tung sogar im Inter­es­se der Stu­den­ten lie­gen kann. Dane­ben sei bemerkt, dass trotz der for­ma­len Kurz­be- fris­tun­gen regel­mä­ßig auch bei den Stu­den­ten kei­ne Un- sicher­heit in Bezug auf die Ver­län­ge­rung ihrer Ver­trä­ge besteht. Auf­grund der oft über­las­te­ten Per­so­nal­ad­mi­nis- tra­tio­nen müs­sen Anträ­ge auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung be- reits Mona­te vor dem eigent­li­chen Befris­tungs­en­de aus- gefüllt und ein­ge­reicht wer­den. Auf die­sem Weg erhält der Stu­dent idR. früh­zei­tig Kennt­nis über sei­nen wei­te- ren Status.

Zudem setzt die Befris­tungs­re­ge­lung fal­sche Anrei­ze. Stu­den­ten, die ver­tieft stu­die­ren oder aus per­sön­li­chen Gründen36 das Stu­di­um nicht schnel­ler absol­vie­ren kön- nen, wer­den benach­tei­ligt. So wer­den ins­be­son­de­re die Stu­den­ten mit Lern­be­hin­de­run­gen, chro­ni­schen Er- kran­kun­gen oder sons­ti­gen Ein­schrän­kun­gen über die Befris­tungs­dau­er mit­tel­bar benachteiligt.

b) Zweit­stu­di­um und Studienwechsel

Neben dem Pro­blem der Befris­tungs­dau­er, bedeu­tet die Neu­re­ge­lung auch eine Benach­tei­li­gung von Per­so­nen, die nach einem Stu­di­en­ab­bruch ein wei­te­res auf­neh­men. Sel­bi­ges gilt für Per­so­nen, die par­al­lel ein Zweit­stu­di­um auf­ge­nom­men haben, des­sen Stu­di­en­zei­ten die des Erst- stu­di­ums über­stei­gen. Nach wort­laut­ge­treu­er Anwen- dung des Ent­wurfs ergä­be sich für die­se Per­so­nen eine abso­lu­te Befris­tungs­gren­ze von 4 Jah­ren an allen deut- schen Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni- ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen; und dies unab­hän- gig von Stu­di­en­art und ‑umfang.

Die Anzahl der Erst-Stu­di­en­ab­bre­cher bzw. ‑wechs- ler ist bekann­ter­ma­ßen hoch. Der Stu­di­en­ab­bruch bzw. ‑wech­sel in Kom­bi­na­ti­on mit einer Beschäf­ti­gung als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft kann sich des­halb gera­de auch

32 http://www.studium.uni-freiburg.de/studium/studienfaecher/ fachinfo/index.html?id_stud=396; http://www.studium.uni- freiburg.de/studium/studienfaecher/fachinfo/index.html?id_ stud=372, abge­ru­fen am 22.10.2015.

33 Pres­se­mit­tei­lung vom 3. Febru­ar 2014 – 037/14.
34 BR-Drs. 395/15 S. 12.
35 BVerfGE 35, 79, 114 f.; BVerfGE 94, 268, 285; BR-Drs. 395/15 S. 3. 36 Vgl. BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 7, Teil­zeit­stu­di­um aus familiä-

ren Grün­den.

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 3 7

für künf­ti­ge Beschäf­ti­gun­gen über­aus nach­tei­lig aus­wir- ken. Es kann jedoch nicht im Sin­ne des Geset­zes sein, die oft ohne­hin schwie­ri­ge Lebens­ent­schei­dung bei der Stu- dien­wahl nach­träg­lich wei­ter zu sanktionieren.

Sel­bi­ges gilt für Per­so­nen, die in der Lage sind meh- rere Fächer zu stu­die­ren und daher ent­spre­chend lang unter den Anwen­dungs­be­reich des § 6 WissZeitVG‑E fal­len. Eine Befris­tung nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG wäre bei wort­laut­ge­treu­er Anwen­dung solan­ge aus­ge­schlos- sen, wie das Zweit­stu­di­um noch zu einem wei­te­ren be- ruf­s­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss führt. Auch die­se Wir- kung ist nicht gerecht­fer­tigt und bedarf der Korrektur.

c) Bache­lor- und Masterstudium

Ver­gleich­ba­re Schwie­rig­kei­ten bestehen bei Bachelor/ Mas­ter­stu­di­en­gän­gen. Die in § 6 WissZeitVG‑E gefun- dene Rege­lung soll der Klar­stel­lung dienen.37 Auch Mas- ter­stu­den­ten dür­fen danach als stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te beschäf­tigt werden.38

Pro­ble­ma­tisch an die­ser Rege­lung ist indes­sen das sub­jek­tiv aus­lö­sen­de Moment. Ob eine Befris­tung nach § 6 WissZeitVG‑E oder § 2 Abs. 1 WissZeitVG‑E mög- lich ist, ent­schei­det allein der Stu­dent bzw. Bache­lor­ab- sol­vent. Trifft die­ser die Ent­schei­dung gegen ein an- schlie­ßen­des Mas­ter­stu­di­um, so braucht er im Beschäf­ti- gungs­fall sei­ne Höchst­be­fris­tungs­gren­zen nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG auf. Nimmt er das Mas­ter­stu­di­um nach ei- ner Hoch­schul­be­schäf­ti­gung wie­der auf, so muss er er- neut auf sei­ne ver­blei­ben­den Zei­ten nach § 6 Wiss- ZeitVG zurück­grei­fen. Sind die­se bereits ver­braucht oder nicht mehr aus­rei­chend vor­han­den, so kann eine wei­te­re Beschäf­ti­gung nicht ein­mal auf der Grund­la­ge des § 14 Abs. 2 TzBfG erfol­gen. Auf die­ser Grund­la­ge zeigt sich die Schwä­che der Abhän­gig­keit vom sub­jek­ti- ven Moment. Der Bache­lor­ab­sol­vent wird sei­ne Ent- schei­dung, ob er ein Mas­ter­stu­di­um beginnt schlech­tes- ten­falls von den jeweils ver­blei­ben­den Höchst­be­fris- tungs­zei­ten abhän­gig machen müs­sen. Sind bspw. Zei­ten nach § 6 WissZeitVG‑E im Gegen­satz zu sol­chen nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG vor­han­den, so kann allein auf der Grund­la­ge der dann evtl. nur vor­ge­scho­be­nen Entsch­ei- dung für ein Mas­ter­stu­di­um wie­der­um ein Befris­tungs- grund erzeugt wer­den. Umge­kehrt wird der Bache­lor­ab- sol­vent aber bei bereits auf­ge­brauch­ten Zei­ten nach § 6 WissZeitVG‑E ggf. davon abge­hal­ten, sich in einen Mas-

  1. 37  BR-Drs. 395/15 S. 11 f.
  2. 38  BR-Drs. 395/15 S. 11.
  3. 39  BVerfGE 35, 79, 114 f.; BVerfGE 94, 268, 285; BR-Drs. 395/15 S. 3.
  4. 40  Pro­mo­ti­ons­stu­den­ten sind zwar imma­tri­ku­lier­te Stu­den­ten. Ihr­Stu­di­um führt aller­dings nicht zu einem ers­ten oder einem wei­te- ren berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss iSv. § 6 WissZeitVG‑E.

ter­stu­di­en­gang ein­zu­schrei­ben. In die­sem Fall kann sei- ne Anstel­lung nicht mehr befris­tet erfol­gen und wird enden müs­sen. Dem stün­de wie­der­um die ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­te Nach­wuchs­för­de­rungs­pflicht entgegen.39

d) Pro­mo­ti­on wäh­rend des Studiums

Ähn­li­che Pro­blem­la­gen erge­ben sich für Pro­mo­ti­ons­stu- den­ten bzw. bei Pro­mo­tio­nen wäh­rend des Stu­di­ums. Hier zwingt der Ent­wurf zur Unter­schei­dung zwi­schen dem Pro­mo­ti­ons­stu­di­um wäh­rend des (Haupt-)Studi- ums – dann wohl § 6 WissZeitVG‑E – und dem Pro­mo- tions­stu­di­um nach dem Hoch­schul­ab­schluss – dann wie bis­her § 2 Abs. 1 WissZeitVG‑E.40

Der ers­te Fall, der wohl mehr­heit­lich nur im Bereich der Human­me­di­zin auf­tritt und damit beson­ders für die Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und medi­zi­ni­schen Fakul­tä­ten der Hoch­schu­len von Inter­es­se ist, wirft Fra­gen auf. Unklar ist, ob die Vor­aus­set­zun­gen des § 6 WissZeitVG‑E noch gege­ben sind, wenn das Pro­mo­ti­ons­stu­di­um neben dem Haupt­stu­di­um erfolgt bzw. eine Imma­tri­ku­la­ti­on als Pro­mo­ti­ons­stu­dent nicht erfolgt. Viel­fach wird sich der Pro­mo­ti­ons­stu­dent im Hin­blick auf die Regel­stu­di­en­zeit beur­lau­ben las­sen oder ein­fach ohne als sol­cher immat- riku­liert zu sein wäh­rend sei­nes regu­lä­ren Stu­di­ums pro- movieren41 und ein bis drei Semes­ter sei­ner Dok­torar- beit wid­men. Wäh­rend die­ser Zeit bleibt er wei­ter­hin ein­ge­schrie­ben; erfüllt inso­weit also die Vor­aus­set­zun- gen des § 6 WissZeitVG‑E. Sein (Haupt-)Studium ist nach wie vor auf einen berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss gerich­tet, obwohl die Pro­mo­ti­on an sich nicht berufs- qua­li­fi­zie­rend wäre. Hier­durch ent­steht die eigen­ar­ti­ge Situa­ti­on, dass Pro­mo­ti­ons­zei­ten wäh­rend des Stu­di­ums als Zei­ten nach § 6 WissZeitVG‑E gewer­tet wür­den und so eine Anrech­nung auf die Höchst­be­fris­tungs­zeit des § 2 Abs. 1 WissZeitVG nicht statt­fin­det. § 2 Abs. 3 Wiss- ZeitVG‑E sieht kei­ne Anrech­nung für die Zei­ten nach § 6 WissZeitVG‑E vor. Damit wür­de der imma­tri­ku­lier- te Pro­mo­ti­ons­stu­dent nicht nur weni­ger Zeit, als die in § 2 Abs. 1 WissZeitVG ver­an­schlag­ten 6 Pro­mo­ti­ons­jah- re haben, er wür­de auch die Ver­län­ge­rungs­mög­lich­keit bei zügi­ger Pro­mo­ti­on nach § 2 Abs. 1 Satz 2 HS 2 Wiss- ZeitVG‑E ein­bü­ßen. Die­se bezieht sich ein­deu­tig nur auf Befris­tun­gen nach § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG und er- fasst damit § 6‑Befristungen nicht. Dies bedeu­tet eine gra­vie­ren­de Schlech­ter­stel­lung ins­be­son­de­re der medizi-

41 BR-Drs. 395/15 S. 12: „Befris­te­te Beschäf­ti­gun­gen als wis­sen- schaft­li­che Hilfs­kraft außer­halb eines Stu­di­ums, die zur För­de- rung der eige­nen Qua­li­fi­zie­rung der wis­sen­schaft­li­chen Hilfs­kraft erfol­gen, unter­fal­len auch künf­tig dem § 2 Absatz 1“.

38 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

nischen Fakul­tä­ten, der Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und auch der Beschäf­tig­ten, die die­se Zei­ten trotz zügi­ger Pro­mo­ti­on für die Post-Doc-Pha­se nicht mehr nut­zen kön­nen. Für die­se struk­tu­rel­le Schlech­ter­stel­lung – vor allem von Dok­to­ran­den der Human­me­di­zin – gibt es kei­ne sach­li- che Rechtfertigung.

Die­se Pro­ble­ma­tik besteht unter ande­rem Vor­zei- chen auch gegen­wär­tig. Es ist unklar, ob Pro­mo­ti­ons­zei- ten, die wäh­rend des Stu­di­ums absol­viert wur­den, nach § 2 Abs. 3 WissZeitVG anzu­rech­nen sind.42 Hier schafft die Neu­re­ge­lung zwar Klar­heit, indem eine Anrech­nung nur im Rah­men der Zei­ten nach § 6 WissZeitVG‑E er- fol­gen kann, die­se wohl unge­woll­te Klar(Schlechter-) stel­lung ist jedoch aus den vor­ge­nann­ten Grün­den abzulehnen.

e) Fami­li­en­po­li­ti­sche Komponente

Die Neu­re­ge­lung ent­kop­pelt die stu­den­ti­sche Hilfs­kraft von den sog. fami­li­en­po­li­ti­schen Kom­po­nen­ten, die nach § 2 WissZeitVG gel­ten. Ins­be­son­de­re die in § 2 Abs. 5 WissZeitVG gegen­wär­tig noch zu berück­sich­ti- gen­den Zei­ten sind nicht ver­wert­bar. Auch nach der Ent­wurfs­fas­sung fin­den Nicht­an­rech­nun­gen nur statt, „sofern sie zu einer Ver­län­ge­rung füh­ren kön­nen”. Nur in Fäl­len des § 2 Abs. 1 WissZeitVG und nicht des § 6 WissZeitVG‑E kann eine Ver­län­ge­rung nach Abs. 5 erzeugt werden.

Für die­se Schlech­ter­stel­lung bedarf es eines recht­fer- tigen­den Grun­des. Die­ser mag dar­in gese­hen wer­den, dass Hilfs­kräf­te nicht für ihre eige­ne wis­sen­schaft­li­che oder künst­le­ri­sche Qua­li­fi­ka­ti­on tätig werden.43 Gleich- wohl erlaubt die ange­dach­te star­re Rege­lung hier kei­ne Spiel­räu­me. Es ist zwar aus Grün­den der Pla­nungs­si- cher­heit ver­nünf­tig, die Hilfs­kräf­te nicht in die Posi­ti­on einer ein­sei­ti­gen Ver­län­ge­rungs­op­ti­on nach § 2 Abs. 5 WissZeitVG zu set­zen, aller­dings steht der Nicht­an­rech- nung die­ser Zei­ten auf die Zei­ten nach § 6 WissZeitVG- E eine sol­che Erwä­gung nicht ent­ge­gen. In die­sem Fall liegt eine will­kür­lich erschei­nen­de Schlech­ter­stel­lung der Hilfs­kräf­te vor. Ins­be­son­de­re Eltern­zei­ten oder Zei- ten, in denen Ange­hö­ri­ge betreut wer­den und Zei­ten nach der Nr. 6‑E44 sind hier von Relevanz.

f) Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al

Vor dem Hin­ter­grund der genann­ten Män­gel ist nach einer inter­es­sen­ge­rech­te­ren Lösung zu suchen. Diese

  1. 42  Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 26 f., 28.
  2. 43  BR-Drs. 395/15 S. 12.
  3. 44  Sie­he unten unter IV. 2.
  4. 45  Eben­so denk­bar wäre eine Kopp­lung der Befris­tungs­dau­er andie jewei­li­ge Regel­stu­di­en­zeit. Die­se Rege­lung hät­te den Vor­teil einer indi­vi­du­el­len Anpas­sung an die jewei­li­gen Studiengänge

muss sich zur Ver­mei­dung von ana­lo­gen Schlüs­sen und teleo­lo­gi­schen Reduk­tio­nen ins­be­son­de­re im Geset­zes- text nie­der­schla­gen. Hier­zu wird fol­gen­der Vor­schlag unterbreitet:

„§ 6 Wis­sen­schaft­li­che und künst­le­ri­sche Hilfs­tä­tig­kei­ten 1Studierende, die an einer deut­schen Hoch­schu­le imma­tri­ku­liert sind, einen ers­ten oder fort­füh­ren­den be-

ruf­s­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss anstre­ben und wis­sen- schaft­li­che oder künst­le­ri­sche Hilfs­tä­tig­kei­ten erbrin- gen, kön­nen für die Dau­er von 8 Jah­ren jeweils befris­tet beschäf­tigt wer­den. 2Promoviert der Beschäf­tig­te wäh- rend einer befris­te­ten Beschäf­ti­gung nach die­ser Vor- schrift, so kann inso­weit eine Befris­tung für die Dau­er von wei­te­ren 6 Jah­ren erfol­gen. 3Zeiten nach Satz 2 gel- ten als Zei­ten im Sin­ne von § 2 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 HS 2. Die Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de nach § 2 Abs. 1 Satz 5, 6 und Abs. 5 Satz 2 fin­den ent­spre­chen­de Anwen- dung. 4Innerhalb der zuläs­si­gen Befris­tungs­dau­er sind Ver­län­ge­run­gen eines befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges mög­lich. 5Beschäftigungen nach Satz 1, die auf­grund an- derer Rechts­vor­schrif­ten befris­tet wur­den, sind auf die Zei­ten nach Satz 1 und 2 anzurechnen.“

Der Vor­schlag räumt die genann­ten Pro­blem­la­gen aus. So wird durch Befris­tungs­dau­er von 8 Jah­ren er- reicht, dass Stu­den­ten ihr gesam­tes Stu­di­um über be- schäf­tigt wer­den können.45 Die Dau­er von 8 Jah­ren er- gibt sich aus der Erkennt­nis, dass im Bereich der Hu- man­me­di­zin Stu­di­en­dau­ern von 13–16 Fach­se­mes­tern nach den Erhe­bun­gen des Sta­tis­ti­schen Bundesamtes46 üblich sind. Da nach Satz 5 eine Anrech­nung von Be- schäf­ti­gungs­zei­ten erfolgt, die auf ande­ren Befris­tungs- tat­be­stän­den beruht, erle­digt sich die Pro­ble­ma­tik um den will­kür­li­chen Ein­satz von § 14 Abs. 2 TzBfG. Sel­bi­ges gilt für Umge­hungs­tat­be­stän­de nach § 14 Abs. 1 TzBfG.

Die­ses Ergeb­nis erzielt im Übri­gen auch der Vor- schlag des Bun­des­ra­tes, wenn er 6 Jah­re for­dert, die Be- fris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG jedoch nicht aus­schließt. Der Vor­zug des hie­si­gen Vor­schla­ges liegt dem­ge­gen- über in der Ver­mei­dung admi­nis­tra­ti­ven Auf­wan­des so- wie von Rechts­un­si­cher­hei­ten und Will­kür in Bezug auf § 14 TzBfG.

Die Mög­lich­keit zur erneu­ten Nut­zung der Befris- tungs­zeit­räu­me bei einem Stu­di­en­ab­bruch oder ‑wech- sel wird dar­an sicht­bar, dass die Beschäf­ti­gung „jeweils

und bedürf­te nur noch eines ergän­zen­den ein­ma­li­gen 2‑jährigen Zeit­zu­schla­ges. Aller­dings birgt die­se Lösung die Gefahr, dass bun­des­weit unter­schied­li­che Befris­tungs­zei­ten ent­ste­hen und die Hoch­schu­len die Regel­stu­di­en­zei­ten nicht unbe­ein­flusst von der Befris­tungs­dau­er festlegen.

46 Pres­se­mit­tei­lung vom 3. Febru­ar 2014 – 037/14.

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 3 9

befris­tet” erfolgt. Damit wird auch die Schwie­rig­keit des Zweit­stu­di­ums umgan­gen. Hier kann eben­so wie bei ei- nem Stu­di­en­ab­bruch- oder ‑wech­sel die gesam­te Befris- tungs­zeit erneut genutzt wer­den, denn es han­delt sich nicht um einen fort­füh­ren­den berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss, wie etwa beim Bache­lor/­Mas­ter-Modell. Die- ses ist in der Befris­tungs­höchst­dau­er von 8 Jah­ren aus- rei­chend umfasst, sodass eine mit­tel­ba­re Ein­fluss­nah­me auf die Stu­di­en­ent­schei­dung aus­ge­schlos­sen ist.

Durch Satz 2 wird klar­ge­stellt, dass eine Pro­mo­ti­on wäh­rend des Stu­di­ums zwar im Befris­tungs­grund auf § 6 WissZeitVG‑E beruht, die hier zurück­ge­leg­ten Zei­ten aber denen nach § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG ent­sp­re- chen. Eine Schlech­ter­stel­lung der Pro­mo­ti­on also nicht erfol­gen kann. Satz 3 erklärt wei­ter die Ver­län­ge­rungs­re- gelung aus § 2 Abs. 1 Satz 2 HS 2 WissZeitVG‑E für anwendbar.

Satz 4 stellt klar, dass die fami­li­en­po­li­ti­schen Kom­po- nen­ten für Hilfs­kräf­te ent­spre­chend gel­ten. Nicht um- fasst ist damit die Mög­lich­keit zur ein­sei­ti­gen Ver­län­ge- rung des Arbeits­ver­tra­ges, was über die man­geln­de eige- ne wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­zie­rung gerecht­fer­tigt wer- den kann. Im Übri­gen sind aber die bekann­ten Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de ana­log zur Anwen­dung zu brin­gen. Dies erlaubt die voll­stän­di­ge Nut­zung der auch bis­her nutz­ba­ren Ver­län­ge­rungs­zei­ten durch die Hoch- schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka oder außer­uni­ver­si­tä­ren Forschungseinrichtungen.

Satz 5 stellt die Mög­lich­keit zur Ver­län­ge­rung sicher. Satz 6 löst die TzBfG-Pro­ble­ma­ti­k47 über eine Anrech- nungs­re­ge­lung. Dadurch wer­den Fra­gen einer vor­ma­li- gen Beschäf­ti­gung etwa beim Land obso­let und der Ver- wal­tungs­auf­wand damit rechts­si­cher gesenkt.

e) Zwi­schen­fa­zit

Die geplan­te Novel­lie­rung bedeu­tet für die stu­den­ti- schen Hilfs­kräf­te erheb­li­che Schlech­ter­stel­lun­gen. Die­se gefähr­den den staat­li­chen Schutz­auf­trag im Hin­blick auf sei­ne wis­sen­schafts­be­zo­ge­ne Nach­wuchs­för­de­rungs- pflicht sowie die wirt­schaft­li­che Lebens­grund­la­ge einer Viel­zahl von wis­sen­schafts­in­ter­es­sier­ten Stu­den­ten. Eine Anpas­sung der Rege­lung im Sin­ne des Beschlus­ses des Bun­des­ra­tes, die allein eine Her­auf­set­zung der Befris- tungs­dau­er vor­sieht, ist unge­nü­gend. Es bedarf neben einer Her­auf­set­zung auf 8 Jah­re wei­te­rer Ergän­zun­gen in Bezug auf Zweit­stu­di­um, Bache­lor- und Masterstudien-

  1. 47  Sie­he oben unter II. 1. a).
  2. 48  BR-Drs. 395/15 S. 7.
  3. 49  BT-Drs. 16/3438 S. 11: „Zwar sind die von den ent­spre­chen-den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern wahr­ge­nom­me­nen wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen oft­mals Dau­er­auf­ga­ben der Hoch­schu­le. Die Befris­tungs­mög­lich­keit wird aber bei diesen

gän­ge, Pro­mo­ti­ons­stu­di­um und fami­li­en­po­li­ti­sche Kom- ponenten.

2. Pro­mo­ti­ons­pha­se

Neue­run­gen sind auch hin­sicht­lich der Befris­tung in der sog. Pro­mo­ti­ons­pha­se nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG vor- gese­hen. Hier­bei wei­chen der Ent­wurf der Bun­des­re­gie- rung und der Vor­schlag des Bun­des­ra­tes jedoch deut­lich von­ein­an­der ab. Die­se wer­den daher getrennt bespro- chen und letzt­lich in Bezug auf mög­li­che Kom­bi­na­tio- nen und Ver­bes­se­run­gen analysiert.

a) Ent­wurf der Bundesregierung

Hin­sicht­lich der Befris­tung in der Pro­mo­ti­ons­pha­se nach § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG‑E ent­hält der Ent­wurf nun­mehr die Klar­stel­lung, dass eine Befris­tung nur „zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le- rischen Qua­li­fi­zie­rung” erfol­gen darf. Die­se sprach­li­che Ergän­zung schafft – ent­ge­gen der unbe­fan­ge­nen Lek­tü­re des Geset­zes – kei­ne neu­en tat­be­stand­li­chen Anfor­de- rungen.48 Das Kri­te­ri­um der För­de­rung eige­ner wis­sen- schaft­li­cher oder künst­le­ri­scher Qua­li­fi­zie­rung bestand seitjeher;wenngleichdiesesnichtimWortlautwieder- gege­ben wur­de, son­dern aus den Gesetzesmaterialien49 und dem Telos der Befris­tung abge­lei­tet wer­den musste.50

Die Auf­nah­me die­ses bis­her unge­schrie­be­nen Tat­be- stands­merk­mals ist aus metho­di­scher Per­spek­ti­ve zu be- grü­ßen. Den­noch darf nicht ver­kannt wer­den, dass der Begriff der wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Qua- lifi­zie­rung letzt­lich nicht aus­sa­ge­kräf­tig ist. Die eige­ne Qua­li­fi­zie­rung wird auch durch Tätig­kei­ten geför­dert, die mit ihr nur mit­tel­bar in Bezie­hung ste­hen. Wech­sel- wir­kun­gen sind ins­be­son­de­re in der Kran­ken­ver­sor­gung sicht­bar. Die Kran­ken­ver­sor­gung ist untrenn­ba­rer Be- stand­teil wis­sen­schaft­li­cher Forschung.51 Auf der Grund­la­ge die­ser Argu­men­ta­ti­on lässt sich fast jede Tä- tig­keit der För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung zuord­nen. Die beab­sich­tig­te Prä­ven­tiv- wir­kung wird daher wohl nicht ein­tre­ten, da der Be- schäf­tig­te auf­grund sei­ner Abhän­gig­keit zum/zur Dok­tor­va­ter/-mut­ter typi­scher­wei­se kei­ne Ein­wän­de wäh­rend der Pro­mo­ti­ons­pha­se erhe­ben wird.

Wei­ter geht der Novel­lie­rungs­vor­schlag in § 2 Satz 3 WissZeitVG‑E. Die­ser for­dert ein ange­mes­se­nes Ver- hält­nis zwi­schen der ver­ein­bar­ten Befris­tungs­dau­er und der ange­streb­ten Qualifizierung.52 Jenes Ver­hält­nis soll

Mit­ar­bei­ter­grup­pen aus­nahms­los im Inter­es­se der Nachwuchs-

und Qua­li­fi­ka­ti­ons­för­de­rung eröff­net“.
50 BR-Drs. 395/15 S. 7; Vgl. dazu Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 12
51 BVerfG, Beschluss vom 24. Juni 2014 – 1 BvR 3217/07 = BVerfGE

136, 338 ff.
52 BR-Drs. 395/15 S. 8.

40 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

sich dar­an ori­en­tie­ren, was im Hin­blick auf die wis­sen- schaft­li­che oder künst­le­ri­sche Qua­li­fi­zie­rung „sinn­voll” ist.53 Dies lässt frei­lich einen beträcht­li­chen Raum für Unsi­cher­hei­ten. Die­se sol­len über die von den Wis­sen- schafts­ein­rich­tun­gen selbst ent­wi­ckel­ten inter­nen Richt- lini­en aus­ge­räumt werden.54 Exem­pla­risch wer­den ne- ben die­sen auch die Codes of Con­duct, der Ori­en­tie- rungs­rah­men zur För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Per- sonals nach der Pro­mo­ti­on und aka­de­mi­scher Kar­rie­re­we­ge neben der Pro­fes­sur (2014),55 die Leit­li­ni- en für die Aus­ge­stal­tung befris­te­ter Beschäf­ti­gungs­ver- hält­nis­se mit wis­sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal (2012)56 usw. genannt.57

Die genann­ten Leit­li­ni­en sind aber selbst wenig kon- kret und geben viel­mehr nur das wie­der, was ohne­hin im Ent­wurf steht. Dane­ben bie­tet gera­de die Mög­lich­keit zum Erlass hoch­schul­ei­ge­ner Richt­li­ni­en wie­der­um die Gefahr einer sich wei­ter aus­dif­fe­ren­zie­ren­den unein­heit- lichen Befris­tungs­hand­ha­bung. Zusätz­lich trägt die­se Lösung den Anreiz zum Erlass güns­ti­ger ein­rich­tungs­ei- gener Leit­li­ni­en mit mög­lichst gro­ßem Befris­tungs­rah- men in sich. Das aktu­el­le Pro­blem wird sich daher auf dem vor­ge­schla­ge­nen Weg kaum besei­ti­gen las­sen, son- dern ledig­lich ver­la­gern. Dies ver­deut­li­chen auch die Rechtsfolgen.

Indem Satz 3 die jewei­li­ge Befris­tungs­dau­er von der Ange­mes­sen­heit im Ein­zel­fall abhän­gig macht, wird die- se auch Teil der not­wen­di­gen Pro­gno­se­ent­schei­dung bei Vertragsschluss.58 Ein Ver­stoß muss damit letzt­lich die Unwirk­sam­keit der jewei­li­gen Befris­tung bedeu­ten. Al-

  1. 53  BR-Drs. 395/15 S. 8.
  2. 54  BR-Drs. 395/15 S. 8.
  3. 55  http://www.hrk.de/positionen/gesamtliste-beschluesse/position/convention/orientierungsrahmen-zur-foerderung-des-wissen- schaft­li­chen-nach­wuch­ses-nach-der-pro­mo­ti­on-und-aka­de­mi/, abge­ru­fen am 31.10.2015 : „Befris­tungs­re­geln: Durch geeig­ne­te Maß­nah­men sind auch bei befris­te­ten Arbeits­ver­trä­gen ange­mes- sene Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se zu ermög­li­chen, indem sich die Befris­tun­gen von pro­jekt­be­zo­ge­nen Ver­trä­gen an der Lauf­zeit der Pro­jek­te ori­en­tie­ren. Wenn es sich um befris­te­te Auf­ga­ben han- delt, fällt es in die Ver­ant­wor­tung der jewei­li­gen Dienst­vor­ge­setz- ten, die­ses den Betrof­fe­nen klar zu kom­mu­ni­zie­ren und ihnen Gesprä­che über die wei­te­re Kar­rie­re­ent­wick­lung anzubieten.”
  4. 56  http://www.hrk.de/positionen/gesamtliste-beschluesse/position/ con­ven­ti­on/­leit­li­ni­en-fuer-die-aus­ge­stal­tung-befris­te­ter-bescha- efti­gungs­verha­elt­nis­se-mit-wis­sen­schaft­li­chem-un/, abge­ru­fen am 31.10.2015: „ 1. Plan­bar­keit … Die kon­kre­te Befris­tung­muss mög­lichst ziel­be­zo­gen erfol­gen, d.h. in jeder Pha­se ist das Qua­li­fi­ka­ti­ons­ziel zu der Dau­er des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses in Bezie­hung zu set­zen. Um die­ses ange­mes­sen zu errei­chen, müs­sen die Vor­ge­setz­ten den Qua­li­fi­zie­rungs­fort­schritt bewusst beglei­ten und kon­ti­nu­ier­lich eva­lu­ie­ren. Die Vor­ge­setz­ten haben eine rea­lis­ti­sche Betreu­ung aus Per­so­nal­ent­wick­lungs­per­spek­ti- ve — d. h. auch die Bestim­mung von Zie­len und Zeit­schrit­ten in

ler­dings ist den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen auf der Grund­la­ge der Wis­sen­schafts­frei­heit ein beträcht­li­cher Ein­schät­zungs­spiel­raum einzuräumen.59 Unab­hän­gig davon, ob eige­ne Leit­li­ni­en exis­tie­ren oder nicht, wird man nicht bei jeder Inkon­gru­enz zwi­schen Qua­li­fi­zie- rung und Ver­trags­lauf­zeit auf einen Rechts­ver­stoß schlie­ßen können.60 So schließt die Begrün­dung bereits auf eine Ange­mes­sen­heit, wenn Per­so­nal für die Zei­ten ihrer dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Pro­jek­te befris­tet wird.61 Die Pro­jek­te haben mit der För­de­rung der eige­nen Qua- lifi­zie­rung letzt­lich nicht zwin­gend zu tun und sind viel- fach auf Jah­res­zeit­räu­me unab­hän­gig von der Dau­er des Gesamt­pro­jek­tes angelegt.62 Auch ist es nicht unüb­lich, dass gera­de Dok­to­ran­den über Pro­jek­te dritt­fi­nan­ziert wer­den, mit denen sie gar nichts zu tun haben. Dies hängt von der jewei­li­gen Wid­mung ab. Dane­ben wird der Beschäf­tig­te im Ein­zel­fall über­haupt nicht wis­sen, ob er dritt­fi­nan­ziert ist oder über den Haus­halt finan­ziert wird. Eine Ver­pflich­tung zur Benen­nung der Finan­zie- rungs­grund­la­ge besteht nicht. Aus die­ser Unsi­cher­heit her­aus wer­den sich erwo­ge­ne Rechts­strei­tig­kei­ten schnell zer­schla­gen. Die Mit­tel­be­wil­li­gung kann zudem letzt­lich will­kür­lich zwi­schen Dritt­mit­tel­ge­ber und Hoch­schu­le, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka oder außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tung fest­ge­legt wer­den. Dadurch kann letzt­lich für jed­we­den Zeit­raum ein Grund für kur- ze Befris­tungs­zei­ten geschaf­fen wer­den, der gericht­lich kaum angreif­bar wäre.63 Die Neu­re­ge­lung ist aus die­sen Grün­den nicht geeig­net, die als Miss­stän­de empfunde-

der Befris­tungs­zeit — zu gewähr­leis­ten. Dazu zählt im Sin­ne einer wohl­ver­stan­de­nen, ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Per­so­nal­ent­wick- lung, dem wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuchs Kar­rie­re­we­ge inner­halb und außer­halb der Wis­sen­schaft auf­zu­zei­gen und für die­se Wege zu qua­li­fi­zie­ren. Dies kann aber auch das Abra­ten vom Wei­ter­ver- fol­gen einer wis­sen­schaft­li­chen Kar­rie­re beinhalten”.

57 BR-Drs. 395/15 S. 8 mwN.
58 Vgl. Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem.

§ 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 219.
59 Vgl. BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 47;

Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2

Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 218, 221 f.
60 Vgl. dazu BAG, Urteil vom 29.7.2009 – 7 AZR 907/07; LAG Sach-

sen, Urteil vom 6.3.2014 – 6 Sa 676/13 – juris Rn. 27; LAG Köln, Urteil vom 9.9.2009 – 3 Sa 746/09; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 58; Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 223 f.

61 BR-Drs. 395/15 S. 8.
62 Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2

Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 223 f.
63 Vgl. AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 12; sie­he dazu umfassender

auch Stil­ler, Das Dritt­mit­tel finan­zier­te Arbeits­ver­hält­nis, Diss. 2000, S. 118; Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun- gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 221.

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 4 1

nen Gege­ben­hei­ten zu ändern. Allein über den Gedan- ken des Rechts­miss­brauchs wäre an der Ange­mes­sen­heit vor­bei eine Sank­tio­nie­rung im Ein­zel­fall denkbar.64

b) Vor­schlag des Bundesrates

Aus­ge­reif­ter ist der Vor­schlag des Bun­des­ra­tes. Die­ser for­dert eine Neu­fas­sung des Satz 3:65

„Die ver­ein­bar­te Befris­tungs­dau­er soll bei einer ers­ten nach den Sät­zen 1 und 2 befris­te­ten Beschäf­ti­gung 24 Mona­te nicht unter­schrei­ten, sofern kei­ne sach­li­chen Grün­de eine kür­ze­re Dau­er rechtfertigen.“

Jener Vor­schlag ist gegen­über dem der Bun­des­re­gie- rung vor­zugs­wür­di­ger. Er sieht eine ande­re Ver­tei­lung der Beweis­last vor. Der jewei­li­ge Arbeit­ge­ber muss sich bei Befris­tun­gen über 24 Mona­ten kei­ne Gedan­ken über deren Ange­mes­sen­heit machen. Die­se ist gesetzt. Nur im Fal­le der Unter­schrei­tung hat er beson­de­re sach­li­che Grün­de dar­zu­le­gen. Damit wird sowohl der Ver­wal- tungs­auf­wand begrenzt als auch Rechts­si­cher­heit her­ge- stellt, die die Lösung der Bun­des­re­gie­rung nicht errei- chen wird.

c) Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al

Die vor­han­de­nen Bestim­mun­gen bedeu­ten für die Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tun­gen größt­mög­li­che Fle­xi­bi­li­tät und Rechts­si­cher­heit, wie sie die Wis­sen­schafts­frei­heit garan­tiert und for­dert. Eine Not­wen­dig­keit zur Anpas- sung besteht gegen­wär­tig nicht.

Erkennt man aller­dings im Lich­te der Ein­schät­zungs- prä­ro­ga­ti­ve des Gesetz­ge­bers auf einen statt­fin­den­den Miss­brauch im Bereich der Kurz­zeit­ver­trä­ge, so ist letzt- lich dem Vor­schlag des Bun­des­ra­tes aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit der Vor­zug zu geben.

Die vor­ge­schla­ge­nen 24 Min­dest­mo­na­te mit der Mög­lich­keit zur Abwei­chung sind ver­tret­bar. Die Rege- lung scheint aller­dings ergän­zungs­wür­dig hin­sicht­lich der Unter­schrei­tung des 24-Monats­zeit­rau­mes. Hier kann, wie auch nach dem Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, nur die Ange­mes­sen­heit zwi­schen Ver­trags­lauf­zeit und eige­ner wis­sen­schaft­li­cher oder künst­le­ri­scher Qua­li­fi- zie­rung maß­geb­lich sein. Die Ange­mes­sen­heit als nor- mati­ves Tat­be­stands­merk­mal ist jedoch kaum verallge-

  1. 64  Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 224 f.
  2. 65  BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 5.
  3. 66  Sie­he dazu Blum/Vehling, „Alles wird gut?” – Anmer­kun­gen zur­ge­plan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG OdW 2015 S. 197.
  4. 67  BR-Drs. 395/15 S. 9.

mei­ner­bar und bedeu­tet des­halb ein erhöh­tes Maß an Rechts­un­si­cher­heit. Daher soll­te der Vor­schlag des Bun­des- rates um klar­stel­len­de Regel­bei­spie­le ergänzt werden:

„Ein beson­de­rer sach­li­cher Grund im Sin­ne des Sat­zes 3 liegt ins­be­son­de­re vor,

a) soweit die Beschäf­ti­gung über­wie­gend im Rah- men eines Pro­jek­tes oder Dritt­mit­tel­pro­jek­tes nach § 2 Abs. 2 erfolgt und die­ses vor Ablauf von 24 Mona­ten ab Beschäf­ti­gungs­be­ginn vor­aus­sicht­lich endet,

b) soweit die fach­li­che Exper­ti­se des Beschäf­tig­ten nur für einen bestimm­ten Pro­jekt­ab­schnitt benö­tigt wird,66

c) die Beschäf­ti­gung auf Wunsch des Beschäf­tig­ten kür­zer erfolgt, wobei dies schrift­lich im Arbeits­ver­trag zu ver­mer­ken ist,

d) die eige­ne wis­sen­schaft­li­che oder künst­le­ri­sche Qua­li­fi­zie­rung, Pro­mo­ti­on oder Habi­li­ta­ti­on des Beschäf- tig­ten vor Ablauf der 24 Mona­te vor­aus­sicht­lich abge- schlos­sen sein wird, wobei dies schrift­lich im Arbeits­ver- trag zu ver­mer­ken ist.”

Die For­mu­lie­rung „ins­be­son­de­re” zeigt an, dass die Auf­lis­tung nicht abschlie­ßend ist. Lit. a) trägt dem Um- stand Rech­nung, dass Pro­jek­te auch kür­zer als 24 Mona- te lau­fen. Um hier einen Wech­sel in die Dritt­mit­tel­be- fris­tung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG zu ver­mei­den, muss die­ser Grund genannt wer­den. Dies gilt sowohl für Dritt- mit­tel­pro­jek­te nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG als auch für sons­ti­ge Pro­jek­te, bei denen eine über­wie­gen­de Dritt­fi- nan­zie­rung nicht gege­ben ist.

Lit. b) fasst den Fall, den auch die Begrün­dung der Bun­des­re­gie­rung enthält.67 Für bestimm­te Pro­jek­te wer- den nicht über den gesam­ten Pro­jekt­zeit­raum hin­weg Per­so­nen mit bestimm­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen benötigt.68

Lit. c) behan­delt die­je­ni­gen Fäl­le, in denen Beschäf- tig­te bspw. in Vor­be­rei­tung auf einen Aus­lands­auf­ent­halt oder Kin­der­be­treu­ung selbst eine kür­ze­re Beschäf­ti- gungs­dau­er prä­fe­rie­ren. Dies erleich­tert eine spä­te­re Aus­ein­an­der­set­zung hin­sicht­lich der Been­di­gung des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses und ist der Sach­grund­be- fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG nach­emp- funden.69 Die Pflicht zur Auf­nah­me des Wun­sches in den Ver­trags­text dient der Doku­men­ta­ti­on und Rechts- sicher­heit für bei­de Seiten.

68 BR-Drs. 395/15 S. 9; vgl. auch Blum/Vehling, „Alles wird gut?” – Anmer­kun­gen zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG OdW 2015 S. 197.

69 BAG, Urteil vom 6.11.1996 – 7 AZR 909/95; BAG, Urteil vom 26.4.1985 – 7 AZR 316/84.

42 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

Lit. d) nimmt Bezug auf den Befris­tungs­grund. An- gestrebt wer­den die Pro­mo­ti­on, Habi­li­ta­ti­on oder die ei- gene wis­sen­schaft­li­che bzw. künst­le­ri­sche Qua­li­fi­zie- rung. Kann die­ses Ziel bspw. auf­grund bereits geleis­te­ter For­schungs­ar­beit unter­halb des Zwei­jah­res­zeit­rau­mes erreicht wer­den, so besteht kein Bedarf für eine län­ge­re Ver­trags­dau­er. Auch dies ist zur Doku­men­ta­ti­on und Rechts­si­cher­heit im Ver­trag zu vermerken.

d) Zwi­schen­fa­zit

Der Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sowie der Vor­schlag des Bun­des­ra­tes sind im Hin­blick auf die Ver­trags­lauf- zei­ten an sich über­flüs­sig. Auf der Grund­la­ge bestehen- der Rege­lun­gen wird die Wis­sen­schafts­frei­heit am ehes- ten gewähr­leis­tet. Soll­te man sich aller­dings zu einer Neu­re­ge­lung beken­nen wol­len, so ist der Vor­schlag des Bun­des­ra­tes aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit vor­zugs- wür­di­ger. Die vor­ge­schla­ge­nen Rege­lun­gen bie­ten die Mög­lich­keit zu einem aus­ge­wo­ge­nen Aus­gleich zwi- schen den betrof­fe­nen Inter­es­sen. Zur Absi­che­rung die- ser Inter­es­sen­la­gen bedarf der Vor­schlag aller­dings klar- stel­len­der Kon­kre­ti­sie­run­gen, um sei­ne Pra­xis­taug­lich- keit und deutsch­land­weit ein­heit­li­che Hand­ha­bung sicherzustellen.

3. Post-Doc Phase

Auch in der Post-Doc Pha­se gilt § 2 Abs. 1 Satz 3 Wiss- ZeitVG‑E. Die für die Pro­mo­ti­ons­pha­se bestehen­den Schwie­rig­kei­ten gel­ten auch hier. Die Ange­mes­sen­heit ist auch hier kei­ne inter­es­sen­ge­rech­te und miss­brauchs- ver­hin­dern­de Lösung. Der Vor­schlag des Bun­des­ra­tes unter den genann­ten Modi­fi­ka­tio­nen muss hier ent­sp­re- chend gelten.70

III. Dritt­mit­tel­be­fris­tung

Modi­fi­ka­tio­nen sind auch für die Dritt­mit­tel­be­fris­tun- gen vor­ge­se­hen. Die­se las­sen sich nach dem per­sön­li- chen Anwen­dungs­be­rei­ches des Befris­tungs­tat­be­stan­des in § 2 Abs. 2 WissZeitVG trennen.

1. Wis­sen­schaft­li­ches Personal

Eine Dritt­mit­tel­be­fris­tung soll für wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal unter den alt­be­kann­ten Vor­aus­set­zun­gen mög- lich blei­ben. Aller­dings erhält Satz 1 einen angefügten

  1. 70  Sie­he oben unter II. b), c).
  2. 71  BR-Drs. 395/15 S. 9.
  3. 72  BR-Drs. 395/15 S. 9: „Bei mehr­jäh­ri­gen Pro­jek­ten, für die die­kon­kre­te Mit­tel­be­reit­stel­lung aus haus­halts­recht­li­chen Grün­den, z.B. jähr­lich erfolgt, ist maß­geb­li­cher Ori­en­tie­rungs­punkt viel- mehr der bewil­lig­te Pro­jekt­zeit­raum … Bei Ver­trags­ab­schlüs­sen, die wäh­rend eines schon lau­fen­den Pro­jek­tes … erfol­gen, bildet

Halb­satz, der hin­sicht­lich der ver­ein­bar­ten Befris­tungs- dau­er auf die Dau­er der Mit­tel­be­wil­li­gung ver­weist. Die Bin­dungs­wir­kung kommt dabei der Ange­mes­sen­heit gleich, für die die Mit­tel­be­wil­li­gung als legi­ti­mes Ange- mes­sen­heits­kri­te­ri­um erklärt wurde.71 Die Kopp­lung der Ver­trags­lauf­zeit an die Mit­tel­be­wil­li­gung ist als Soll­be- stim­mung aus­ge­stal­tet und lässt somit Raum für Abwei- chungen.

Die­se letzt­lich nach­voll­zieh­ba­re Umge­stal­tung der Dritt­mit­tel­be­fris­tung birgt aller­dings unter Beach­tung der gegen­wär­ti­gen Begrün­dung einen ganz wesent­li­chen Feh­ler. Nach der Begrün­dung soll die Bin­dung nicht an die Mit­tel­be­wil­li­gung, son­dern vor­nehm­lich an die Pro- jekt­lauf­zeit erfolgen.72 Die Pro­jekt­lauf­zeit und Mit­tel­be- wil­li­gung sind aber kei­nes­falls iden­tisch. Viel­fach wer- den Mit­tel­be­wil­li­gun­gen jähr­lich ver­ge­ben bzw. ange- passt, wohin­ge­gen die eigent­li­che Pro­jekt­lauf­zeit meh­re- re Jah­re, gar Jahr­zehn­te, umfas­sen kann. Inso­weit muss eine Klar­stel­lung erfol­gen, denn wür­de tat­säch­lich die Befris­tung anhand der Mit­tel­be­wil­li­gun­gen zuge­las­sen, so ergä­be sich hier­aus die Mög­lich­keit zur unzu­läs­si­gen Trans­for­ma­ti­on des Finan­zie­rungs­ri­si­kos auf den jeweils Beschäftigten.73

Klar­ge­stellt wer­den soll­te daher, dass allein eine Bin- dung an die Pro­jekt­lauf­zeit zuläs­sig ist. Dar­über hin­aus bie­tet sich hin­sicht­lich der Mög­lich­keit der auf­lö­sen­den Bedin­gung eine Klar­stel­lung im Gesetz an:

„Die Befris­tung kann zusätz­lich unter den auf­lö­sen­den Bedin­gun­gen ins­be­son­de­re der Nicht­ver­län­ge­rung des Pro­jek­tes im Sin­ne des Sat­zes 1 durch den Dritt­mit­tel­ge- ber sowie auf den Weg­fall des For­schungs­be­dar­fes auf- grund des wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritts erfolgen.“

Durch die For­mu­lie­rung „ins­be­son­de­re” wird klar­ge- stellt, dass die Auf­lis­tung nur der Rechts­si­cher­heit in Be- zug auf bestimm­te Grün­de dient. Die Anknüp­fung an das Pro­jekt an sich und nicht an des­sen Mit­tel­be­wil­li- gung oder Finan­zie­rung bleibt die Bedin­gung im zuläs- sigen Rah­men. Es han­delt sich inso­weit um einen exter- nen Grund außer­halb des Finan­zie­rungs­ri­si­kos. Dane- ben kann die Bedin­gung auch an einen Weg­fall des For- schungsbedarfesgeknüpftwerden.Auchhierhandeltes sich um einen exter­nen Grund.

die ver­blei­ben­de Pro­jekt- oder Bewil­li­gungs­dau­er den maßgebli-

chen Ori­en­tie­rungs­punkt.“
73 Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2

Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 226; Stil­ler, Das Dritt­mit­tel fi- nan­zier­te Arbeits­ver­hält­nis, Diss. 2000, S. 276; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 56; in die­sem Sin­ne auch WR-Drs. 4009–14 S. 77.

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 4 3

Der Vor­teil liegt auf der Hand. Die Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs- ein­rich­tun­gen kön­nen in der Gewiss­heit der Zuläs­sig­keit der Bedin­gung län­ger­fris­ti­ge Ver­trä­ge auf die gesam­te Pro­jekt­lauf­zeit schlie­ßen ohne sich dem Vor­wurf des Rechts­miss­brau­ches auszusetzen,74 dem Beschäf­tig­ten ein erhöh­tes Maß an Pla­nungs­si­cher­heit geben und gleich­zei­tig ihren Ver­wal­tungs­auf­wand deut­lich sen- ken.75 Eine bspw. jähr­li­che Ver­län­ge­rung der Ver­trä­ge ist dann nicht mehr not­wen­dig. Res­sour­cen könn­ten so in erheb­li­chem Umfang ein­ge­spart werden.

2. Nicht-Wis­sen­schaft­li­ches Personal

Erheb­li­che Ände­run­gen sieht der Ent­wurf für das im Rah­men von Dritt­mit­tel­pro­jek­ten beschäf­tig­te nicht- wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal vor. Befris­tun­gen die­ses Per- sonals wer­den ins­ge­samt aus dem Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG her­aus­ge­löst. Sog. akzes­so­ri­sches Pro- jekt­per­so­nal ist damit nicht mehr nach dem WissZeitVG befrist­bar. Begrün­det wird die­ser Schritt damit, dass die Recht­fer­ti­gung für das Son­der­be­fris­tungs­recht nicht in glei­cher Wei­se wie für das wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal gilt.76 Ein ste­ti­ger Zufluss neu­er Ideen und die Not­wen- dig­keit einer stän­di­gen Fluk­tua­ti­on sei hier nicht erfor- derlich.77 Auch eine För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses, die vom BVerfG beson­ders als Recht­fer­ti- gungs­grund für die Befris­tungs­zei­ten des WissZeitVG bestä­tigt wurde,78 ist im Bereich des nicht-wis­sen­schaft- lichen Per­so­nals nicht notwendig.

Die­se Grund­ent­schei­dung ist für die Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs- ein­rich­tun­gen sicher die schmerz­haf­tes­te. Ins­be­son­de­re im Rah­men lang­jäh­ri­ger Groß­pro­jek­te steigt der Bedarf an akzes­so­ri­schem Wis­sen­schafts- und Ver­wal­tungs­per- sonal. Endet das Pro­jekt, so kann je nach Grö­ße der Ein- rich­tung ein nicht zu unter­schät­zen­der Leer­lauf des an- gestell­ten Per­so­na­les ent­ste­hen und damit eine uner- wünsch­te Mit­tel­bin­dung eintreten.79 Gera­de den klei­ne- ren nach Lan­des­recht aner­kann­ten Hochschulen

  1. 74  Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 226.
  2. 75  Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 226.
  3. 76  BR-Drs. 395/15 S. 9.
  4. 77  BR-Drs. 395/15 S. 9.
  5. 78  BVerfG, Beschluss vom 24.4.1996 – 1 BvR 712/86.
  6. 79  AR-Löwisch , § 2 WissZeitVG Rn. 8.
  7. 80  Http://www.deutschlandfunk.de/baden-wuerttemberg-neue-perspektiven-fuer-den.680.de.html?dram:article_id=335385, abge­ru­fen am 31.10.2015, baden-würt­tem­ber­gi­schen Wis­sen- schafts­mi­nis­te­rin The­re­sia Bau­er: „Es wird der gesam­te nicht- wis­sen­schaft­li­che Dienst aus die­sem Wis­sen­schafts-Zeit­ver­trags- gesetz her­aus­ge­nom­men. Das wie­der bedeu­tet: Nach zwei Jah­ren folgt eine Dau­er­stel­le. Wenn aber kei­ne Dau­er­stel­le vorhanden

könn­ten hier­durch nicht unbe­acht­li­che Risi­ken auf­ge- bür­det wer­den. Betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen mit den bekann­ten Untie­fen wären zu befürchten.

Aller­dings lässt der Ent­wurf eine teil­wei­se über­se­he- ne80 bedeut­sa­me Lücke. Aus­drück­lich darf das nicht- wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal nach dem Teil­zeit- und Be- fris­tungs­ge­setz befris­tet werden.81 In § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG ist der Befris­tungs­grund der Pro­jekt­be­fris- tung nor­miert. Nach der Recht­spre­chung muss bei der Pro­jekt­be­fris­tung bereits im Zeit­punkt des Ver­trags- schlus­ses zu erwar­ten sein, dass die im Rah­men des Pro- jekts durch­ge­führ­ten Auf­ga­ben nicht dau­er­haft anfal­len. Für eine sol­che Pro­gno­se müs­sen aus­rei­chend kon­kre­te Anhalts­punk­te vorliegen.82 Zur Dritt­mit­tel­be­fris­tung besteht der Unter­schied, dass § 2 Abs. 2 WissZeitVG eine gesetz­li­che Ver­mu­tung for­mu­liert, die nur im Extrem­fall durch den Vor­wurf des Rechts­miss­brau­ches wider­legt wer­den kann.83 Sie führt damit zu einem Mehr an Rechtssicherheit.

Dass es prak­ti­sche Schwie­rig­kei­ten bei der Pro­jekt­be- fris­tung geben wird, ist offen­kun­dig. An die Hoch­schul- ver­wal­tun­gen wer­den höhe­re Anfor­de­run­gen gestellt, denen sie in der Ver­gan­gen­heit nicht immer gerecht wurden.84 Ein Aus­schluss des TzBfG wäre indes unzu­läs- sig, da hier­in eine struk­tu­rel­le Schlech­ter­stel­lung der Ein­rich­tun­gen gegen­über pri­va­ten Arbeit­ge­bern entstünde.

Aus die­sem Grund wird aus der his­to­ri­schen Pers- pek­ti­ve hier dafür gewor­ben die Rege­lung in ihrer jet­zi- gen Fas­sung bei­zu­be­hal­ten. Wie schon vor der Ein­füh- rung der Dritt­mit­tel­be­fris­tung im WissZeitVG, ist allei- nige Fol­ge der Geset­zes­no­vel­le eine höhe­re Rechts­un­si- cher­heit, mit der allen Betei­lig­ten wenig gehol­fen sein dürf­te. Die beson­de­ren Recht­fer­ti­gungs­grün­de für spe- zifi­sches Befris­tungs­recht für wis­sen­schaft­li­ches Per­so- nal bestehen zwar nicht; auf die staat­li­che Pflicht zur För­de­rung der Wis­sen­schaft sei aber hin­ge­wie­sen. Die­se gilt nicht nur gegen­über den im Ent­wurf genann­ten Grün­den, son­dern gewähr­leis­tet auch eine Sicherstel-

ist, bedeu­tet das schlicht und ergrei­fend: Die Leu­te sind nach zwei Jah­ren drau­ßen — oder auf einer Dau­er­stel­le. Die gibt es aber ganz selten.“

81 BR-Drs. 395/15 S. 3, 9.
82 BAG, Urteil vom 13.2.2013 – 7 AZR 284/11.
83 Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2

Abs. 2 WissZeitVG OdW 2015 S. 218 ff.; LAG Hes­sen, Urteil vom

6.8.2015 – 2 Sa 1210/14.
84 Bezüg­lich der Dritt­mit­tel­be­fris­tung bei wis­sen­schaft­li­chem Perso-

nal: Lieb, Zur Befris­tung von Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen im Be- reich der Rund­funk­frei­heit, Dieterich/ Gamillscheg/Wiedemann, Fest­schrift für Marie Lui­se Hil­ger und Her­mann Stumpf, 1983, S. 425, Preis, Pro­to­koll Öffent­li­che Anhö­rung zum WissZeitVG am 29.11.2006, S. 13.

44 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

lung der Wis­sen­schafts­för­de­rung durch – denklo­gisch – not­wen­di­ges akzes­so­ri­sches Personal.85 Zwar dürf­te die Gren­ze eines nicht zu recht­fer­ti­gen­den Ein­griffs noch nicht erreicht sein; es bleibt jedoch der Ein­druck, dass sich die Geschichte86 wie­der­ho­len wird und wie schon zuvor die Dritt­mit­tel­be­fris­tung für wis­sen­schaft­li­ches und auch für nicht-wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal zur Her- stel­lung von Rechts­si­cher­heit letzt­lich wie­der Ein­gang in das WissZeitVG findet.87

IV. Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de

Beglei­tend zu die­sen Ände­run­gen, ent­hält der Ent­wurf auch Anpas­sun­gen und Erwei­te­run­gen in Bezug auf die sog. fami­li­en­po­li­ti­schen Kom­po­nen­ten. Die­sen sind ihre ver­län­gern­den Rechts­wir­kun­gen für die Höchst­be­fris- tungs­zei­ten gemein­sam. Danach kann zwi­schen abs­trak- ten und kon­kre­ten Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­den unter- schie­den werden.

1. Abs­trak­te Verlängerungstatbestände

Die abs­trak­ten Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de zeich­nen sich dadurch aus, dass bei ihrer tat­be­stand­li­chen Erfül­lung abs­trakt und damit ohne Prü­fung der kon­kret auf­ge- wand­ten Zei­ten eine Erhö­hung der Höchst­be­fris­tungs- gren­zen eintritt.

Für die­se sieht der Ent­wurf eine Anpas­sung und eine Erwei­te­rung vor. Zum einen wird klar­ge­stellt, dass die pau­scha­le Ver­län­ge­rung für die Kin­des­be­treu­ung von 2 Jah­ren auch dann erfolgt, sofern hin­sicht­lich des Kin­des die Vor­aus­set­zun­gen nach § 15 Abs. 1 Satz 1 BEEG vor­lie- gen; zum ande­ren wird ein neu­er zwei­jäh­ri­ger Ver­län­ge- rungs­tat­be­stand für die Fäl­le einer Behin­de­rung nach § 2 Abs. 1 SGB IX oder einer schwer­wie­gen­den chro­ni­schen Erkrankung88 eingeführt.

Die Klar­stel­lung gegen­über der Kin­der­be­treu­ung ist begrüßenswert.89 Aller­dings soll­te der Ver­weis auf § 15 Abs. 1 BEEG ins­ge­samt erfol­gen, um die Gel­tung des Zu- stim­mungs­er­for­der­nis­ses nach Satz 2 ein­heit­lich auf den Ver­län­ge­rungs­tat­be­stand im WissZeitVG zu übertragen.90

  1. 85  Es besteht die Ver­pflich­tung die Hoch­schu­len durch die Bereit- stel­lung von per­so­nel­len, finan­zi­el­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Mit­teln zu ermög­li­chen und zu för­dern, vgl. BR-Drs. 395/15 S. 3 unter Beru­fung auf BVerfGE 35, 79, 114 f.; BVerfGE 94, 268, 285.
  2. 86  BR-Drs. 395/15 S. 9; sie­he auch AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 8.
  3. 87  Eine Dritt­mit­tel­re­ge­lung für wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal war ur- sprüng­lich Aus­lö­ser für die Ent­wick­lung von Son­der­be­fris­tungs- recht für den Wis­sen­schafts­be­reich und wur­de 1985 in das HRG ein­ge­führt. Nach­dem die Rege­lung zwi­schen­zeit­lich auf­ge­ho­ben­wur­de, stieg der Druck der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen auf den Gesetz­ge­ber der­art an, dass im WissZeitVG wie­der eine Dritt­mit- tel­re­ge­lung auf­ge­nom­men wurde.
  4. 88  Unklar bleibt hier wel­che Art und wel­cher Grad der Erkrankung

Der neu­ein­ge­füg­te Ver­län­ge­rungs­tat­be­stand nach § 2 Abs. 1 Satz 6 WissZeitVG‑E ist eben­falls dem Grun­de nach sinn­voll. Die jewei­li­ge Höchst­be­fris­tungs­zeit er- höht sich beim Vor­lie­gen einer Behin­de­rung im Sin­ne von § 2 Abs. 1 SGB IX oder einer schwer­wie­gen­den chro- nischen Erkran­kung pau­schal um zwei Jah­re. Damit soll den Vor­ga­ben der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on ent­spro­chen sowie die Ver­ein­bar­keit von Behin­de­rung und Wis­sen­schaft ermög­licht werden.91

Aller­dings lässt die For­mu­lie­rung wie auch die der Sät­ze 4 und 5 Fra­gen im Hin­blick auf die zeit­li­che Gel- tung auf­kom­men. Viel­fach scheu­en die Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs- ein­rich­tun­gen eine Inan­spruch­nah­me die­ser Ver­län­ge- rungs­tat­be­stän­de, sofern die abs­trak­ten Ver­län­ge­rungs- zei­ten tat­säch­lich noch nicht erfüllt sind; das betreu­te Kind etwa erst ein Jahr alt ist oder die Behin­de­rung erst seit 3 Mona­ten feststeht.

Die­se Rechts­un­si­cher­heit behebt der Ent­wurf bis­her noch nicht. Da aber die Gewäh­rung der abs­trak­ten Ver- län­ge­rungs­zeit ohne eine Ein­zel­fall­prü­fung erfolgt, soll­te sich das Gesetz klar dazu beken­nen, dass eine Ver­län­ge- rung unab­hän­gig davon genutzt wer­den kann, ob der je- wei­li­ge Tat­be­stand tat­säch­lich schon in ent­spre­chen­der Län­ge vorliegt.92 Andern­falls muss befürch­tet wer­den, dass wie bis­her ver­fah­ren wird, d.h. Kurz­be­fris­tun­gen er- fol­gen, die den jeweils bereits absol­vier­ten Zei­ten nach- fol­gen. Die Klar­stel­lung hier­zu kann in der Geset­zes­be- grün­dung oder im Geset­zes­text erfolgen:

„Die Ver­län­ge­run­gen nach den Sät­zen 4–6 erfol­gen mit Ein­tritt des Tatbestandes.“

2. Kon­kre­te Verlängerungstatbestände

Neben den abs­trakt zu gewäh­ren­den Ver­län­ge­run­gen, sieht der Ent­wurf auch hin­sicht­lich der kon­kre­ten Ver­län­ge- rungs­tat­be­stän­de des § 2 Abs. 5 WissZeitVG Ände­run­gen vor. So wird ein neu­er Ver­län­ge­rungs­tat­be­stand ein­ge­führt und dane­ben der Anrech­nungs­mo­dus ins­ge­samt von der bis­her not­wen­di­gen Ver­län­ge­rungs­er­klä­rung entkoppelt.

genügt. Was schwer­wie­gend chro­nisch ist, wird nicht näher umschrie­ben und damit der Recht­spre­chung über­las­sen. Genügt bspw. schon eine chro­ni­sche Seh­nen­schei­den­ent­zün­dung, die etwa für einen Juris­ten schwer­wie­gend ist, einen Bio­lo­gen aber ander­seits nicht hin­dern würde?

89 Vgl. in die­sem Sin­ne bspw. LAG Köln, Urteil vom 27. April 2012 – 4 Sa 1320/11.

90 BR-Drs. 395/15 S. 8: „Damit wird einer­seits der Kind­be­griff im WissZeitVG ver­ein­heit­licht und ande­rer­seits ein Gleich­klang zu den Rege­lun­gen der Eltern­zeit im BEEG hergestellt“.

91 BR-Drs. 395/15 S. 9.
92 In die­sem Sin­ne schon bis zur Gren­ze des Rechts­miss­brauchs AR-

Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 5.

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 4 5

a) Krank­heits­be­ding­te Arbeits­un­fä­hig­keit als Ver­län­ge- rungstatbestand

In Nr. 6 wer­den nun­mehr Zei­ten einer krank­heits­be- ding­ten Arbeits­un­fä­hig­keit, in denen ein gesetz­li­cher oder tarif­ver­trag­li­cher Anspruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung nicht besteht, für ein­sei­tig ver­län­ge­rungs­wür­dig erklärt. Über­se­hen wird dabei, dass auch die Krank­heit wäh­rend der Karenz­zeit nach § 3 Abs. 3 EFZG den Tat­be­stand erfüllt. Dies führt zu unnö­ti­gem Rechen­auf­wand, der so sicher auch nicht beab­sich­tigt war. Dem Tat­be­stand ist daher anzufügen:

„und das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis seit min­des­tens vier Wochen unun­ter­bro­chen andauert.“

Dane­ben ist die­ser Ver­län­ge­rungs­tat­be­stand in Be- zug auf die ein­sei­ti­ge Ver­län­ge­rungs­op­ti­on ins­ge­samt frag­wür­dig. Es ist an sich das Risi­ko des Arbeit­neh­mers, wenn die­ser arbeits­un­fä­hig erkrankt. Ein zwin­gen­der Zusam­men­hang zwi­schen Wis­sen­schaft, Qua­li­fi­zie­rung und Fami­lie besteht im Gegen­satz zu den übri­gen Tat­be- stän­den nicht. Krank­heit ist dem all­ge­mei­nen Lebens­ri- siko zuzu­rech­nen, die nicht durch eine ein­sei­ti­ge Ver­län- gerungs­er­klä­rung auf die Arbeit­ge­ber über­tra­gen wer- den darf. Es scheint daher vor­zugs­wür­dig die Lang­zei- ter­kran­kung zur Siche­rung des Beschäf­tig­ten­sta­tus zwar in Bezug auf die Ver­län­ge­rungs­zei­ten anzu­er­ken­nen, die ein­sei­ti­ge Verlängerungsoption93 nach § 2 Abs. 5 Satz 1 WissZeitVG aber nicht zu gewäh­ren. Inso­weit wäre an das Ende des fünf­ten Absat­zes Fol­gen­des zu stellen:

„Zei­ten im Sin­ne des Sat­zes 3 sind auch Zei­ten einer krank­heits­be­ding­ten Arbeits­un­fä­hig­keit, in denen kein gesetz­li­cher oder tarif­ver­trag­li­cher Anspruch auf Ent- gelt­fort­zah­lung besteht und das Beschäf­ti­gungs­ver­hält- nis seit min­des­tens vier Wochen unun­ter­bro­chen andauert.“

b) Auto­ma­ti­scher Nichtanrechnungsmechanismus

Die vor­ge­schla­ge­ne Ände­rung des Ver­län­ge­rungsme- cha­nis­mus ist bereits in den vor­he­ri­gen Vor­schlä­gen zur

  1. 93  Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Arbeits­ver­hält­nis­sen gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG OdW 2014 S. 221.
  2. 94  Vgl. BT-Drs 17/12531 S. 5; Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Ar- beits­ver­hält­nis­sen gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG OdW 2014 S. 222.
  3. 95  BR-Drs. 395/15 S. 5, 10 f.
  4. 96  Letzt­lich nimmt die­se Ent­schei­dung dem Beschäf­tig­ten aber auch­die Mög­lich­keit selbst dar­über zu ent­schei­den, wann nur noch eine unbe­fris­te­te Beschäf­ti­gung mög­lich wäre. Vgl. Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Arbeits­ver­hält­nis­sen gem. § 2 Abs. 5 Wiss- ZeitVG OdW 2014 S. 222.
  5. 97  Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Arbeits­ver­hält­nis­sen gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG OdW 2014 S. 221 ff.; anders noch auf der

Novel­lie­rung des WissZeitVG enthalten.94 Eine Nicht- Anrech­nung auf die Höchst­be­fris­tungs­zei­ten soll danach auch ohne vor­he­ri­ge Ver­län­ge­rungs­er­klä­rung gem. § 2 Abs. 5 Satz 1 WissZeitVG mög­lich sein.95 Gelöst wird damit die bekann­te Pro­ble­ma­tik, wonach Zei­ten, für die kei­ne Ver­län­ge­rung gegen­über dem alten Arbeit­ge­ber erklärt wur­de, gegen­über den Höchst­be­fris­tungs­gren­zen „ver­lo­ren gehen“.96

Die beab­sich­tig­te Ände­rung ist not­wen­dig und zu begrü­ßen. Sie beach­tet die Tren­nung zwi­schen Ver­län­ge- rungs­op­ti­on und Anrech­nung auf die Höchst­be­fris- tungs­gren­zen in zuläs­si­ger Wei­se. Die Ver­län­ge­rungs­tat- bestän­de erfreu­en sich unter den Beschäf­tig­ten gro­ßer Beliebtheit.97 Zudem neh­men die Beschäf­ti­gungs­ver- hält­nis­se, wel­che die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen regu­lär errei­chen, ste­tig zu. Gera­de der Wech­sel einer Hoch- schu­le soll­te im Lich­te eines not­wen­di­gen intel­lek­tu­el­len und per­so­nel­len Aus­tau­sches zwi­schen den Ein­rich­tun- gen begüns­tigt werden.

Hin­sicht­lich der Anrech­nungs­re­ge­lun­gen soll­te das Gesetz indes noch wei­ter kon­kre­ti­siert wer­den. So fin­det sich nach wie vor die zwei­fel­haf­te Soll­be­stim­mung in § 2 Abs. 5 Satz 2 WissZeitVG‑E. Es ist unsin­nig, dem Arbeit- geber eine Ent­schei­dung über die anre­chen­ba­ren Zeit- räu­me zuzu­mu­ten. Die­ser wird aus der bestehen­den Rechts­un­si­cher­heit her­aus stets nur auf den Zwei­jah­res- zeit­raum erken­nen. Vor­zu­schla­gen ist eine ver­bind­li­che Rege­lung oder die Anga­be von Kri­te­ri­en, die eine über- schie­ßen­de Ver­län­ge­rung erlauben.98

Dane­ben bedarf Abs. 5 Nr. 1 einer Klar­stel­lung in Be- zug auf die anre­chen­ba­ren Zeit­räu­me. Ange­rech­net wer- den dür­fen nur sol­che Zei­ten, die tat­säch­lich aus­ge­fal­len sind. Daher muss der jewei­li­ge Beschäf­ti­gungs­um­fang vor und wäh­rend der Betreu­ung ein­be­zo­gen wer­den. Schwie­rig­kei­ten erge­ben sich hier­bei aller­dings dann, wenn die Betreu­ung mit schwan­ken­dem Beschäf­ti- gungs­um­fang über einen Zeit­raum von mehr als 2 Jah- ren erfolgt. Hier ist zunächst bei der Ver­län­ge­rungser- klä­rung nach § 2 Abs. 5 Satz 1 WissZeitVG, spä­tes­tens aber bei der Berech­nung der Ver­län­ge­rungs­zei­ten im Nach­hin­ein unklar in wel­chem Umfang ange­rech­net wer­den darf. Zur Ent­las­tung der Ein­rich­tun­gen wird da-

Grund­la­ge der Eva­lu­ie­rung 2011 BR-Drs. 395/15 (Beschluss)
S. 3. Ins­be­son­de­re an Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka, die typi­scher­wei­se Höchst­be­fris­tungs­gren­zen über­haupt errei­chen, kommt dem Ver- län­ge­rungs­tat­be­stand zuneh­men­de Bedeu­tung zu. Hoch­schu­len bedür­fen der Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de in der Regel nicht, da die Beschäf­tig­ten hier zuvor ausscheiden.

98 Dies legt der Ent­wurf selbst nahe, indem er zwin­gend von
einer Ver­län­ge­rungs­dau­er von 2 Jah­ren bei einem drei­jäh­ri­gem Aus­lands­auf­ent­halt aus­geht, BR-Drs. 395/15 S. 11: „So kann bei- spiels­wei­se eine Beur­lau­bung nach Satz 1 Num­mer 2 für 3 Jah­re erfol­gen; nach Satz 2 ist eine hier­durch aus­ge­lös­te Ver­län­ge­rung aber auf zwei Jah­re begrenzt“.

46 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

her vor­ge­schla­gen die­sen Tat­be­stand, sofern er die Kin- der­be­treu­ung betrifft aus dem Abs. 5 her­aus­zu­neh­men und in § 2 Abs. 1 Satz 4 WissZeitVG zu inte­grie­ren. Da- mit soll­te dort ein Auf­schlag von 1 Jahr zu ins­ge­samt 3 Jah­ren je Kind gege­ben wer­den. Dies spart Rechen­auf- wand und kommt der durch Teil­zeit gepräg­ten Pra­xis nahe. Viel­fach bege­ben sich gera­de Müt­ter in Teil­zeit au- ßer­halb der Eltern­zeit, um ihre Kin­der zu betreu­en. Die- se Zei­ten lie­gen – unter Beach­tung einer gewöhn­li­chen Betreu­ungs­si­tua­ti­on in Teil­zeit – im Mini­mum bei ei- nem Zeit­raum von 3 Jah­ren je Kind. Dies gilt auch au- ßer­halb der nun­mehr über das Eltern­geld-Plus erreich- baren Betreu­ungs­zei­ten, die bereits nach Nr. 3 Berück- sich­ti­gung finden.

V. Anrech­nung von Beschäftigungszeiten

Der Bun­des­rat deu­tet in sei­nem Beschluss bereits auf die euro­pa­rechts­be­zo­ge­ne Unzu­läs­sig­keit der 25 %-Rege- lung in § 2 Abs. 3 WissZeitVG bezo­gen auf die Teil­zeit- richt­li­nie hin.99 Dem kann auch vor dem Hin­ter­grund der Befris­tungs­richt­li­nie nur bei­gepflich­tet wer­den. Letzt­lich erlaubt die Rege­lung eine zwei­fel­haf­te schran- ken- und grund­lo­se Befristungsmöglichkeit.100 Auf- grund der Schaf­fung eines eige­nen Befris­tungs­grun­des in § 6 WissZeitVG für stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te wird vor- geschla­gen die Rege­lung gänz­lich zu strei­chen. Die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen eröff­nen bezo­gen auf die eige­ne wis­sen­schaft­li­che oder künst­le­ri­sche Qua­li­fi­zie- rung einen ange­mes­se­nen zeit­li­chen Umfang. Viel­fach hin­dert gera­de auch ein zu hoher Beschäf­ti­gungs­um­fang die eige­ne Qua­li­fi­zie­rung. So wer­den bspw. Dok­tor­an- den kein Inter­es­se dar­an haben neben einer Voll­zeit­an- stel­lung ihre eige­ne Pro­mo­ti­on zu betrei­ben. Viel­mehr genügt ihnen eine Anstel­lung in Teil­zeit, die den Lebens- unter­halt zumin­dest par­ti­ell abdeckt, sodass die eige­ne Pro­mo­ti­on zügig vor­an­ge­trie­ben wer­den kann. Gleich- sam sind die­se Zei­ten letzt­lich der Qua­li­fi­zie­rung in Voll­zeit gewid­met und als sol­che auch anzu­rech­nen. Die Anrech­nungs­re­ge­lung ist dem­ge­mäß ent­spre­chend ein- zukürzen.

Dane­ben schlägt der Bun­des­rat vor, die Dritt­mit­tel- befris­tungs­zei­ten nur auf die nach § 2 Abs. 1 Satz 1 und 2

99 BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 3 f.
100 BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 4; Vgl. dazu bspw. Preis Wiss-

ZeitVG § 2 Rn. 103 ff. a.A. AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 3. 101 BR-Drs. 395/15 (Beschluss) S. 6.

WissZeitVG ins­ge­samt zur Ver­fü­gung ste­hen­de Befris- tungs­dau­er anzu­rech­nen und so letzt­lich poten­ti­el­le Pro­mo­ti­ons­zei­ten vor zwi­schen­zeit­li­chen Dritt­mit­tel­be- fris­tungs­zei­ten zu schützen.101 Die­se Über­le­gung ist nach­voll­zieh­bar, letzt­lich aber nicht in das Gesetz zu in- tegrie­ren. Tra­di­tio­nell benö­tigt gera­de die Habi­li­ta­ti­on mehr Zeit, sodass eine sol­che Anrech­nungs­re­ge­lung letzt­lich Habi­li­tan­den als künf­tig dau­er­haf­te Wis­sen- schaft­ler hin­dern kann. Die berech­tigt befürch­te­te Kon- stel­la­ti­on einer lang­jäh­ri­gen Dritt­mit­tel­be­fris­tung ohne gleich­zei­ti­ge Pro­mo­ti­on, dürf­te eher sel­ten sein und muss hier zurückstehen.102 Die Ein­rich­tun­gen nut­zen zuerst die Rechts­si­cher­heit der sach­grund­lo­sen Befristung.

VI. Über­gangs­re­ge­lung

Hin­sicht­lich der Anwen­dung des neu­en Rech­tes, sieht der Ent­wurf in Art. 2 das Inkraft­tre­ten am Tage nach der Ver­kün­dung vor. Die­se an sich nicht zu bean­stan­den­de Rege­lung kann jedoch zuguns­ten der Beschäf­tig­ten sowiederHochschulen,Universitätsklinikaundaußeruni- ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen ver­än­dert werden.

So ist nicht ersicht­lich, war­um § 2 Abs. 5 Satz 2 und 3 WissZeitVG‑E nicht rück­wir­kend Gel­tung erlan­gen sol- len. Die Beschäf­tig­ten kön­nen so alte ansons­ten ver­lo­re- ne Höchst­be­fris­tungs­zei­ten zurück­er­hal­ten und die Ein- rich­tun­gen die­se ein­sei­tig nut­zen. Andern­falls wird es Jah­re dau­ern, bis die Rege­lun­gen tat­säch­lich Rele­vanz ent­fal­ten; solan­ge die Grund-Höchst­be­fris­tungs­zei­ten noch nicht aus­ge­schöpft sind, besteht kei­ne Not­wen­dig- keit zur Ver­län­ge­rung. Sofern kei­ne Aus­wei­tung der Rück­wir­kung auf § 2 Abs. 5 Satz 1 WissZeitVG‑E erfolgt, wirft die­ser Schritt kei­ne Schwie­rig­kei­ten in Bezug auf die ver­fas­sungs­recht­li­che Not­wen­dig­keit einer Recht­fer- tigung die­ser ech­ten Rück­wir­kung auf. Die Hoch­schu- len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen kön­nen ein­sei­tig über die Nut- zung die­ser Zei­ten ent­schei­den. Es wür­de sich daher um eine für alle Sei­ten güns­ti­ge Rege­lung handeln.

102 Vgl. auch AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 1.

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 4 7

VII. Fazit

Der Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sowie die Erwi­de­rung des Bun­des­ra­tes ent­hal­ten jeweils sinn­vol­le und umzu- set­zen­de Ände­run­gen des WissZeitVG. Zu befür­wor­ten ist, dass an den bei­den wesent­li­chen Aspek­ten der Befris- tungs­mög­lich­kei­ten kei­ne grund­le­gen­den Ände­run­gen vor­ge­se­hen sind. Sowohl die sach­grund­lo­se Befris­tung als auch die Dritt­mit­tel­re­ge­lung haben sich bewährt.

Hin­sicht­lich der vor­ge­schla­ge­nen Ände­run­gen be- steht aller­dings noch Ände­rungs- bzw. Ergän­zungs­be- darf. Auch die Kom­bi­na­ti­on bei­der Vor­schlä­ge ver­mag in Tei­len nicht zu über­zeu­gen. Ins­be­son­de­re prak­tisch rele­van­te Ein­zel­fra­gen und mit­tel­ba­re Ein­wir­kun­gen von ande­ren Rechts­vor­schrif­ten wer­den nur unzu­rei­chend berücksichtigt.

Tobi­as Man­dler und Mar­kus Meiß­ner sind wis­sen- schaft­li­che Mit­ar­bei­ter der For­schungs­stel­le für Hoch- schul­recht und Hoch­schul­ar­beits­recht der Albert-Lud- wigs-Uni­ver­si­tät Freiburg.

VIII. Anhang

Die Neue­run­gen des Entwurfes103 sind durch Unter­strei- chung her­vor­ge­ho­ben. Soweit Rege­lun­gen getilgt wur- den, sind die­se nicht geson­dert vermerkt:

§ 1 Befris­tung von Arbeitsverträgen

(1) Für den Abschluss von Arbeits­ver­trä­gen für eine bestimm­te Zeit (befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge) mit wis­sen- schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal mit Aus­nah- me der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer an Ein­rich­tun­gen des Bil­dungs­we­sens, die nach Lan­des- recht staat­li­che Hoch­schu­len sind, gel­ten die §§ 2, 3 und 6. Von die­sen Vor­schrif­ten kann durch Ver­ein­ba­rung nicht abge­wi­chen wer­den. Durch Tarif­ver­trag kann für bestimm­te Fach­rich­tun­gen und For­schungs­be­rei­che von den in § 2 Abs. 1 vor­ge­se­he­nen Fris­ten abge­wi­chen und die Anzahl der zuläs­si­gen Ver­län­ge­run­gen befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge fest­ge­legt wer­den. Im Gel­tungs­be­reich eines sol­chen Tarif­ver­tra­ges kön­nen nicht tarif­ge­bun­de- ne Ver­trags­par­tei­en die Anwen­dung der tarif­li­chen Rege­lun­gen ver­ein­ba­ren. Die arbeits­recht­li­chen Vor- schrif­ten und Grund­sät­ze über befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge und deren Kün­di­gung sind anzu­wen­den, soweit sie den

103 BR-Drs. 395/15: „§ 2 Abs 1 S 3 WissZeitVG ver­langt kei­nen Nach­weis des mit der „Betreu­ung“ ver­bun­de­nen Zeit­auf­wands. Auch Eltern­zeit oder Teil­zeit­ar­beit müs­sen nicht vor­lie­gen. Es genügt, dass das Kind im gemein­sa­men Haus­halt lebt und dem befris­tet beschäf­tig­ten Eltern­teil das Sor­ge­recht zusteht.“

Vor­schrif­ten der §§ 2 bis 6 nicht wider­spre­chen.
(2) Unbe­rührt bleibt das Recht der Hoch­schu­len, das in Absatz 1 Satz 1 bezeich­ne­te Per­so­nal auch in unbe­fris- teten oder nach Maß­ga­be des Teil­zeit- und Befris­tungs- geset­zes befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen zu

beschäf­ti­gen.

§ 2 Befris­tungs­dau­er; Befris­tung wegen Dritt­mit­tel­fi- nanzierung

(1) 1Die Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen des in § 1 Absatz 1 Satz 1 genann­ten Per­so­nals, das nicht pro­mo­viert ist, ist bis zu einer Dau­er von sechs Jah­ren zuläs­sig, wenn die befris­te­te Beschäf­ti­gung zur För­de­rung der eige­nen wis- sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung erfolgt. 2Nach abge­schlos­se­ner Pro­mo­ti­on ist eine Befris- tung bis zu einer Dau­er von sechs Jah­ren, im Bereich der Medi­zin bis zu einer Dau­er von neun Jah­ren zuläs­sig, wenn die befris­te­te Beschäf­ti­gung zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi- zie­rung erfolgt;HS2 die zuläs­si­ge Befris­tungs­dau­er ver­län- gert sich in dem Umfang, in dem Zei­ten einer befris­te­ten Beschäf­ti­gung nach Satz 1 und Pro­mo­ti­ons­zei­ten ohne Beschäf­ti­gung nach Satz 1 zusam­men weni­ger als sechs Jah­re betra­gen haben. 3Die ver­ein­bar­te Befris­tungs­dau­er ist jeweils so zu bemes­sen, dass sie der ange­streb­ten Qua­li­fi­zie­rung ange­mes­sen ist. 4Die nach den Sät­zen 1 und 2 ins­ge­samt zuläs­si­ge Befris­tungs­dau­er ver­län­gert sich bei Betreu­ung eines oder meh­re­rer Kin­der unter 18 Jah­ren um zwei Jah­re je Kind. 5Satz 4 gilt auch, wenn hin­sicht­lich des Kin­des die Vor­aus­set­zun­gen des § 15 Absatz 1 Satz 1 des Bundes­el­tern­geld- und Eltern­zeit­ge- set­zes vor­lie­gen. 6Die nach den Sät­zen 1 und 2 zuläs­si­ge Befris­tungs­dau­er ver­län­gert sich bei Vor­lie­gen einer Behin­de­rung nach § 2 Absatz 1 des Neun­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch oder einer schwer­wie­gen­den chro­ni- schen Erkran­kung um zwei Jah­re. 7Innerhalb der jeweils zuläs­si­gen Befris­tungs­dau­er sind auch Ver­län­ge­run­gen eines befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges möglich.

(2) Die Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen des in § 1 Abs. 1 Satz 1 genann­ten Per­so­nals ist auch zuläs­sig, wenn die Beschäf­ti­gung über­wie­gend aus Mit­teln Drit­ter fi- nan­ziert wird, die Finan­zie­rung für eine bestimm­te Auf- gabe und Zeit­dau­er bewil­ligt ist und die Mit­ar­bei­te­rin oder der Mit­ar­bei­ter über­wie­gend der Zweck­be­stim- mung die­ser Mit­tel ent­spre­chend beschäf­tigt wird; die ver­ein­bar­te Befris­tungs­dau­er soll der Dau­er der Mit­tel- bewil­li­gung entsprechen.

page15image143506496
page15image145189440
page15image145188704
page15image147442096
page15image63701712
page15image143536384
page15image145189056
page15image105819216
page15image105835136
page15image105835328
page15image143515152
page15image143487120
page15image145190368
page15image145190560
page15image145192432
page15image145187904
page15image145188096
page15image145193728
page15image145193920
page15image145194208
page15image145194496
page15image145186720
page15image145187008
page15image145187296
page15image145187584
page15image153754704
page15image153754992
page15image153755280
page15image153755568
page15image153755856
page15image153756144
page15image153756848
page15image153757040

48 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50

(3) Auf die in Absatz 1 gere­gel­te zuläs­si­ge Befris­tungs- dau­er sind alle befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­se mit mehr als einem Vier­tel der regel­mä­ßi­gen Arbeits­zeit, die mit einer deut­schen Hoch­schu­le oder einer For­schungsein- rich­tung im Sin­ne des § 5 abge­schlos­sen wur­den, sowie ent­spre­chen­de Beam­ten­ver­hält­nis­se auf Zeit und Pri­vat- dienst­ver­trä­ge nach § 3 anzu­rech­nen. Ange­rech­net wer- den auch befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se, die nach ande- ren Rechts­vor­schrif­ten abge­schlos­sen wur­den. Die Sät­ze 1 und 2 gel­ten nicht für Arbeits­ver­hält­nis­se nach § 6 so- wie ver­gleich­ba­re stu­di­en­be­glei­ten­de Beschäf­ti­gun­gen, die auf ande­ren Rechts­vor­schrif­ten beruhen.

(4) Im Arbeits­ver­trag ist anzu­ge­ben, ob die Befris- tung auf den Vor­schrif­ten die­ses Geset­zes beruht. Fehlt die­se Anga­be, kann die Befris­tung nicht auf Vor­schrif­ten die­ses Geset­zes gestützt wer­den. Die Dau­er der Befris- tung muss bei Arbeits­ver­trä­gen nach Absatz 1 kalen­der- mäßig bestimmt oder bestimm­bar sein.

(5) Die jewei­li­ge Dau­er eines befris­te­ten Arbeits­ver- tra­ges nach Absatz 1 ver­län­gert sich im Ein­ver­ständ­nis mit der Mit­ar­bei­te­rin oder dem Mit­ar­bei­ter um

1. Zei­ten einer Beur­lau­bung oder einer Ermä­ßi­gung der Arbeits­zeit um min­des­tens ein Fünf­tel der regel­mä- ßigen Arbeits­zeit, die für die Betreu­ung oder Pfle­ge eines oder meh­re­rer Kin­der unter 18 Jah­ren, auch wenn hin- sicht­lich des Kin­des die Vor­aus­set­zun­gen des § 15 Absatz 1 Satz 1 des Bundes­el­tern­geld- und Eltern­zeit­ge­set­zes vor­lie­gen, oder pfle­ge­be­dürf­ti­ger sons­ti­ger Ange­hö­ri­ger gewährt wor­den sind,

2. Zei­ten einer Beur­lau­bung für eine wis­sen­schaft­li- che oder künst­le­ri­sche Tätig­keit oder eine außer­halb des Hoch­schul­be­reichs oder im Aus­land durch­ge­führ­te wis- sen­schaft­li­che, künst­le­ri­sche oder beruf­li­che Aus‑, Fort- oder Weiterbildung,

3. Zei­ten einer Inan­spruch­nah­me von Eltern­zeit nach dem Bundes­el­tern­geld- und Eltern­zeit­ge­setz und Zei­ten eines Beschäf­ti­gungs­ver­bots nach den §§ 3, 4, 6 und 8 des Mut­ter­schutz­ge­set­zes in dem Umfang, in dem eine Erwerbs­tä­tig­keit nicht erfolgt ist,

4. Zei­ten des Grund­wehr- und Zivildienstes,

5. Zei­ten einer Frei­stel­lung im Umfang von min­des- tens einem Fünf­tel der regel­mä­ßi­gen Arbeits­zeit zur Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben in einer Per­so­nal- oder Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, von Auf­ga­ben eines oder einer Frau­en- oder Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten oder zur Aus­übung eines mit dem Arbeits­ver­hält­nis zu ver­ein­ba- ren­den Man­dats und

6. Zei­ten einer krank­heits­be­ding­ten Arbeits­un­fä­hig- keit, in denen ein gesetz­li­cher oder tarif­ver­trag­li­cher Anspruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung nicht besteht.

In den Fäl­len des Sat­zes 1 Num­mer 1, 2 und 5 soll die Ver­län­ge­rung die Dau­er von jeweils zwei Jah­ren nicht über­schrei­ten. Zei­ten nach Satz 1 Num­mer 1 bis 6 wer­den in dem Umfang, in dem sie zu einer Ver­län­ge­rung eines befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges füh­ren kön­nen, nicht auf die nach Absatz 1 zuläs­si­ge Befris­tungs­dau­er angerechnet.

§ 3 Privatdienstvertrag

Für einen befris­te­ten Arbeits­ver­trag, den ein Mit­glied einer Hoch­schu­le, das Auf­ga­ben sei­ner Hoch­schu­le selb- stän­dig wahr­nimmt, zur Unter­stüt­zung bei der Erfül- lung die­ser Auf­ga­ben mit über­wie­gend aus Mit­teln Drit- ter ver­gü­te­tem Per­so­nal im Sin­ne von § 1 Abs. 1 Satz 1 abschließt, gel­ten die Vor­schrif­ten der §§ 1, 2 und 6 ent- sprechend.

§ 4 Wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal an staat­lich aner­kann- ten Hochschulen

Für den Abschluss befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge mit wis- sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal an nach Lan­des­recht staat­lich aner­kann­ten Hoch­schu­len gel­ten die Vor­schrif­ten der §§ 1 bis 3 und 6 entsprechend.

§ 5 Wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal an For­schungs­ein­rich- tungen

Für den Abschluss befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge mit wis- sen­schaft­li­chem Per­so­nal an staat­li­chen For­schungsein- rich­tun­gen sowie an über­wie­gend staat­lich, an insti­tu­ti- onell über­wie­gend staat­lich oder auf der Grund­la­ge von Arti­kel 91b des Grund­ge­set­zes finan­zier­ten For­schungs- ein­rich­tun­gen gel­ten die Vor­schrif­ten der §§ 1 bis 3 und 6 entsprechend.

§ 6 Wis­sen­schaft­li­che und künst­le­ri­sche Hilfstätigkeiten

Befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge zur Erbrin­gung wis­sen­schaft- licher oder künst­le­ri­scher Hilfs­tä­tig­kei­ten mit Stu­die- ren­den, die an einer deut­schen Hoch­schu­le für ein Stu- dium, das zu einem ers­ten oder einem wei­te­ren berufs- qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss führt, ein­ge­schrie­ben sind, sind bis zur Dau­er von ins­ge­samt vier Jah­ren zuläs­sig. Inner­halb der zuläs­si­gen Befris­tungs­dau­er sind auch Ver­län­ge­run­gen eines befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges mög- lich.

§ 7 Rechts­grund­la­ge für bereits abge­schlos­se­ne Ver­trä- ge; Übergangsregelung

(1) Für die seit dem 23. Febru­ar 2002 bis zum 17. April 2007 an staat­li­chen und staat­lich aner­kann­ten Hoch- schu­len sowie an For­schungs­ein­rich­tun­gen im Sin­ne des § 5 abge­schlos­se­nen Arbeits­ver­trä­ge gel­ten die §§ 57a bis 57f des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes in der ab 31. Dezem-

page16image149963600
page16image149963888
page16image149964176
page16image149964464
page16image149964752
page16image149965040
page16image149965328
page16image149965744
page16image149966032
page16image149966320
page16image149966608
page16image149966896
page16image149967184
page16image149967472
page16image149967760
page16image149968304
page16image149968496
page16image149968784
page16image149969072
page16image149969360
page16image149969648
page16image149969936
page16image149970224
page16image149970512
page16image149970800
page16image149971088

Mandler/Meißner · Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG 4 9

ber 2004 gel­ten­den Fas­sung fort. Für vor dem 23. Febru- ar 2002 an staat­li­chen und staat­lich aner­kann­ten Hoch- schu­len sowie an For­schungs­ein­rich­tun­gen im Sin­ne des § 5 abge­schlos­se­ne Arbeits­ver­trä­ge gel­ten die §§ 57a bis 57e des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes in der vor dem 23. Febru­ar 2002 gel­ten­den Fas­sung fort. Satz 2 gilt ent­sp­re- chend für Arbeits­ver­trä­ge, die zwi­schen dem 27. Juli 2004 und dem 31. Dezem­ber 2004 abge­schlos­sen wurden.

(2) Der Abschluss befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge nach § 2 Abs. 1 Satz 1 und 2 mit Per­so­nen, die bereits vor dem 23. Febru­ar 2002 in einem befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis zu einer Hoch­schu­le, einem Hoch­schul­mit­glied im Sin- ne von § 3 oder einer For­schungs­ein­rich­tung im Sin­ne von § 5 stan­den, ist auch nach Ablauf der in § 2 Abs. 1 Satz 1 und 2 gere­gel­ten jeweils zuläs­si­gen Befristungs-

dau­er mit einer Lauf­zeit bis zum 29. Febru­ar 2008 zuläs- sig. Satz 1 gilt ent­spre­chend für Per­so­nen, die vor dem 23. Febru­ar 2002 in einem Dienst­ver­hält­nis als wis­sen- schaft­li­cher oder künst­le­ri­scher Assis­tent stan­den. § 2 Abs. 5 gilt entsprechend.

§ 8 Evaluation

Die Aus­wir­kun­gen die­ses Geset­zes wer­den im Jahr 2020 evaluiert.

Arti­kel 2

Die­ses Gesetz tritt am Tag nach der Ver­kün­dung in Kraft.

page17image150218864
page17image150219152
page17image150219440
page17image150219728
page17image150220016

50 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 33–50