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Über­sicht

I. Ein­füh­rung – Neue Stu­di­en­an­ge­bo­te im Bil­dungs­sys­tem vor dem Hin­ter­grund der Reform des Stu­di­en­rechts und der För­de- rung der Mobilität

II. Fall­ge­stal­tun­gen, gemein­sa­me Struk­tur­merk­ma­le und Hin- tergründe

1. Vor­be­mer­kung: Das Ver­lei­hungs­mo­no­pol staat­li­cher oder staat­lich aner­kann­ter Hoch­schu­len für inlän­di­sche Grade

2. Fall­ge­stal­tun­gen und Grün­de koope­ra­ti­ven Bildungsangebots

III. Recht­li­che Bewertung

1. Abschlüs­se deut­scher Hoch­schu­len – Rechts­grund­la­gen – Ver- fas­sungs­recht­li­cher Rahmen

a) Rechts­grund­la­gen
b) Über­sicht über die Lan­des­ge­setz­ge­bung c) Gemein­sa­me Struk­tu­ren
d) Ver­fas­sungs­recht­li­cher Rah­men
e) Fazit

2. Exkurs:Verleihung von Gra­den im Rah­men inter­na­tio­na­ler Hoch­schul­ko­ope­ra­tio­nen – Joint- und Dou­ble Degree-Pro­gram- me deut­scher Hoch­schu­len im Ausland

3. Abschlüs­se aus­län­di­scher Hoch­schu­len im Koope­ra­ti­ons­ver- bund mit inlän­di­schen nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich- tungen

a) Inner­staat­li­che Rege­lun­gen der Qualitätssicherung

b) Inner­staat­li­che und Gemein­schafts­recht­li­che Grund­la­gen der Aner­ken­nung aus­län­di­scher Grade

c) Fazit
IV. Zusam­men­fas­sung und Schluss

I. Ein­füh­rung – Neue Stu­di­en­an­ge­bo­te im Bil­dungs- sys­tem auf dem Hin­ter­grund der Reform des Stu­di­en- rechts und der För­de­rung der Mobilität

1. Das Hoch­schul­sys­tem wur­de im letz­ten Jahr­zehnt in sei­nen Grund­fes­ten ver­än­dert. Neben der Neu­aus­rich- tung des Ver­hält­nis­ses von Staat und Hoch­schu­le und der Reform der Lei­tungs­struk­tu­ren hat die Rege­lung des

1 Rechts­grund­la­ge war § 9 HRG idF v 26. Janu­ar 1976. Zur Rechts­la- ge vor der Reform vgl die Bei­trä­ge von Kar­pen, Stu­di­en­or­ga­ni­sa­ti- on und Salz­we­del, Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen in Hand­buch des Wis­sen­schafts­rechts, 2. Aufl (Hrsg Flä­mig) et al S 657 ff bzw

Stu­di­ums und der Prü­fun­gen einen dra­ma­ti­schen Para- dig­men­wech­sel erfahren.

Im Kern besteht die­ser Para­dig­men­wech­sel im Rück- zug des Staa­tes von einer Detail­steue­rung des Zugangs zum Stu­di­um sowie der Stu­di­en- und Prü­fungs­in­hal­te, zur Her­stel­lung grö­ße­rer Eigen­ver­ant­wor­tung der Hoch- schu­len für den Inhalt der Stu­di­en­gän­ge und für die An- erken­nung von Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen, zur Öff­nung für Mobi­li­tät inner­halb der euro­päi­schen und inter­na­tio­na­len Hoch­schul­sys­te­me und zu neu­en Rah- men­be­din­gun­gen für die Koope­ra­ti­on mit in- und aus- län­di­schen Bildungseinrichtungen.

Ein Rück­blick macht das Aus­maß des Sys­tem­wech- sels deut­lich: Begrün­det mit staat­li­cher Ver­ant­wor­tung für den Zugang zum Stu­di­um und für die Qua­li­täts­stan- dards des Stu­di­ums ent­stand in den 70er Jah­ren des vo- rigen Jahr­hun­derts ein nahe­zu unüber­sicht­li­ches Regel- werk gesetz­li­cher Rah­men­vor­ga­ben, minis­te­ri­el­ler Ge- neh­mi­gungs­vor­be­hal­te und Hoch­schul­sat­zun­gen, damit ver­bun­den eine aus­ufern­de Bürokratie.1

Mit dem Zie­le, trotz föde­ra­ler Diver­si­tät gleich­wer­ti- ge Ver­hält­nis­se her­zu­stel­len, wur­de – basie­rend auf dem HRG – mit den sog. Rah­men­prü­fungs­ord­nun­gen der KMK/HRK ein flä­chen­de­cken­des Regel­werk geschaf­fen, des­sen Umset­zung in Prü­fungs­ord­nun­gen durch staat­li- che Geneh­mi­gungs­vor­be­hal­te garan­tiert war. Mit die- sem Instru­ment glaub­te man die Qua­li­täts­si­che­rung und Qua­li­täts­kon­trol­le des Hoch­schul­stu­di­ums zu erreichen.

Trotz weit­ge­hen­der inhalt­li­cher Gleich­schal­tung blieb aber die Mobi­li­tät zwi­schen Hoch­schu­len durch eine restrik­ti­ve, Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen vor­aus­set­zen- de Aner­ken­nungs­pra­xis an ande­ren Stand­or­ten erwor- bener Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen beschränkt.

Noch gra­vie­ren­der wirk­te sich die kul­tu­rell und poli- tisch beding­te Diver­si­tät der Hoch­schul- und Bil­dungs- sys­te­me auf der inter­na­tio­na­len Ebe­ne aus. Aus­län­di­sche Hoch­schul­gra­de und Stu­di­en­leis­tun­gen bedurf­ten indi- vidu­el­ler Aner­ken­nung durch Hoch­schul­mi­nis­te­ri­en und Hoch­schu­len, die sich zur Vor­be­rei­tung der Ent-

712 ff; zur Rechts­la­ge nach der Reform vgl Lind­ner, Rechts­fra­gen des Stu­di­ums in: Hoch­schul­recht (Hrsg Hartmer/Detmer), 2. Aufl 2011, S 518 ff.

Georg Sand­ber­ger

Koope­ra­tio­nen von staat­li­chen und nicht­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen im deut­schen
und inter­na­tio­na­len Bildungsmarkt

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2014, ISSN 2197–9197

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schei­dung eigens dafür ein­ge­rich­te­ter Stel­len bedien­ten. Mit­hil­fe bila­te­ra­ler staat­li­cher Abkom­men und Koope- rati­ons­ver­trä­gen zwi­schen Hoch­schu­len gelang es, schritt­wei­se mehr Frei­zü­gig­keit zwi­schen den Bil­dungs- sys­te­men zu erreichen.

Auf euro­päi­scher Ebe­ne waren die Hand­lungs­mög- lich­kei­ten durch die Fokus­sie­rung des Uni­ons­rechts auf die Her­stel­lung der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on und die Über­win­dung dis­kri­mi­nie­ren­der und die beruf- liche Frei­zü­gig­keit behin­dern­der Rege­lun­gen be- schränkt.2 Die Erwei­te­rung der Uni­on­ver­trä­ge auf die beruf­li­che Bil­dung, For­schung und Kul­tur schuf zwar wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für die För­de­rung der Mobi­li- tät, aber kei­ne umfas­sen­den Rechts­grund­la­gen für einen rege­lungs­bar­rie­re­frei­en euro­päi­schen Hoch­schul­raum. Die Frei­zü­gig­keit im Arbeits­markt in sog. regu­lier­ten Beru­fen behin­dern­de Fra­gen der Aner­ken­nung von Di- plo­men und ande­ren Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen wur­den schritt­wei­se auf­grund der Richt­li­ni­en 89/48/EWG über die Aner­ken­nung von Hoch­schul­di­plo­men, die eine min­des­tens drei­jäh­ri­ge Berufs­aus­bil­dung abschlie­ßen, die Richt­li­nie 92/51/EWG zur Aner­ken­nung beruf­li­cher Befä­hi­gungs­nach­wei­se und die Richt­li­nie 2005/36 EG über die Aner­ken­nung von Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen beho- ben.

Erst mit der Lis­sa­bon Kon­ven­ti­on des Euro­pa­ra­tes vom 11.4.19973 und dem mit der gemein­sa­men Erklä­rung der Euro­päi­schen Bil­dungs­mi­nis­ter vom 19.6.1999 be- gin­nen­den Bolo­gna Pro­zess gelang es, den Sys­tem­wech- sel von staat­li­cher Detail­steue­rung von Stu­di­um und Prü­fung zu mobi­li­täts­för­dern­den Rah­men­re­ge­lun­gen sowohl auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne als auch auf natio­na­ler Ebe­ne zu realisieren.

Kern­ele­men­te die­ser Reform sind inter­na­tio­nal kom- pati­ble Hoch­schul­gra­de, die Modu­la­ri­sie­rung des Stu­di- ums und die Ein­füh­rung ein­heit­li­cher Leis­tungs­pa­ra­me- ter-Leis­tungs­punkt­sys­te­me (ECTS), die – im Ver­bund mit dem sog. Diplo­ma Sup­ple­ment – die Ver­gleich­bar- keit von Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen erleichtern.4

Zugleich wur­den Para­me­ter der Qua­li­täts­kri­te­ri­en und die Auf­ga­be der Qua­li­täts­kon­trol­le neu defi­niert. Nicht die for­ma­le Kom­pa­ti­bi­li­tät mit staat­li­chen Rah- men­re­ge­lun­gen, son­dern an Aus­bil­dungs­zie­len defi­nier- te Qua­li­täts­pa­ra­me­ter und ihre Über­prü­fung durch Ak- kre­di­tie­rungs-Agen­tu­ren sind seit­dem die Vor­aus­set- zung für die Zulas­sung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten. Ebenso

  1. 2  Zur Euro­pa­recht­li­chen Dimen­si­on vgl Lind­ner, Fn 1, S 535 ff, Rn 62 ff, 112 ff.
  2. 3  Euro­pean Trea­ty Seri­es no 165 Coun­cil of Euro­pe-Unesco Joint Con­ven­ti­on, in deut­sches Recht trans­for­miert durch G v 16.5.2007, BGBl II, S 712 ff.

wur­de die Geneh­mi­gung von Prü­fungs­ord­nun­gen auf die Hoch­schu­len delegiert.

Damit ver­bun­den ist auch eine Neu­re­ge­lung der An- erken­nung von aus­län­di­schen Hoch­schul­gra­den, soweit die­se den Rege­lungs­stan­dards des Lan­des der ver­lei­hen- den Hoch­schu­le ent­spre­chen (Her­kunfts­land­prin­zip).

2. Im Schat­ten die­ser Dere­gu­lie­rung, daher von der Öffent­lich­keit weit­ge­hend unbe­merkt, ent­stand in der Zusam­men­ar­beit staat­li­cher inlän­di­scher und aus­län­di- scher Hoch­schu­len und außer­hoch­schu­li­scher pri­va­ter Bil­dungs­ein­rich­tun­gen in den letz­ten Jah­ren im In- und Aus­land ein Bil­dungs­an­ge­bot, deren Kern­ele­ment die Ver­lei­hung von Gra­den durch deut­sche oder aus­län­di- sche staat­li­che oder staat­lich aner­kann­te Hoch­schu­len auf der Grund­la­ge eines Stu­di­ums an pri­va­ten Bil­dungs- ein­rich­tun­gen ist.

Ange­sichts der Viel­zahl von Bil­dungs­ein­rich­tun­gen bedarf dabei zunächst der Begriff der Hoch­schu­le und der außer­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tung kla­rer Ab- grenzungskritierien.

Soweit sich die­se Ein­rich­tun­gen im Inland befin­den, wird der (for­mel­le) Hoch­schul­be­griff durch § 1 HRG de- finiert. Hoch­schu­len sind dem­nach nach Maß­ga­be des Lan­des­rechts ein­ge­rich­te­te staat­li­che Hoch­schu­len und staat­lich aner­kann­te Hoch­schu­len. Zu die­sen gehö­ren auch Nie­der­las­sun­gen von staat­li­chen Hoch­schu­len an- derer Bun­des­län­der und von staat­lich aner­kann­ten Hoch­schu­len aus dem Bereich der Euro­päi­schen Union.5

Über den Rechts­cha­rak­ter aus­län­di­scher Bil­dungsein- rich­tun­gen als Hoch­schu­len ent­schei­det das Recht des Her­kunfts­lan­des. Soweit sie danach als Hoch­schu­le aner- kannt sind, sind sie auch im Inland als Hoch­schu­le anzu- erken­nen. Davon gehen die Lan­des­hoch­schul­ge­set­ze durch expli­zi­ten Ver­weis auf das Her­kunfts­land­prin­zip aus,6 dies ent­spricht all­ge­mei­nen Grund­sät­zen des inter- natio­na­len Ver­wal­tungs­rechts. Dies gilt auch dann, wenn die­se Bil­dungs­ein­rich­tun­gen nicht dem mate­ri­el­len Hoch­schul­be­griff deut­schen Rech­tes ent­spre­chen, also weder über den Auto­no­mie­sta­tus, den Stan­dard an Selbst­ver­wal­tung und Par­ti­zi­pa­ti­on und ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen verfügen.

Aus der Maß­geb­lich­keit des Her­kunfts­lan­des für den Hoch­schul­be­griff ergibt sich aber kein Zwang der Aner- ken­nung von aus­län­di­schen Hoch­schu­len ver­lie­he­ner Gra­de oder sons­ti­ger Rechts­ak­te. Die­ses ist vielmehr

4 Vgl die Dar­stel­lung bei Lind­ner, op cit, S 575, Rn 184 ff.
5 § 70 Abs 1 LHG BW; § 91 Abs 2 HessHG; § 64 Abs 2 NHG; § 75

Abs 2 HG NRW.
6 Vgl § 37 Abs 1 LHG BW; §22 Abs 1 HessHG; § 10 Abs 1 NHG; § 69

Abs 2 HG NRW.

Sand­ber­ger · Koope­ra­tio­nen im deut­schen und inter­na­tio­na­len Bil­dungs­markt 1 3 1

eine Fra­ge des Kon­ven­ti­ons­rech­tes, soweit die­ses kei­ne Rege­lun­gen ent­hält, kann das Lan­des­recht die Vor­aus- set­zun­gen der Aner­ken­nung definieren.7

Nicht­hoch­schu­li­sche Ein­rich­tun­gen sind mit­hin Bil- dungs­ein­rich­tun­gen, die weder im Inland noch nach dem Recht ihres Her­kunfts­staa­tes als Hoch­schu­len aner- kannt sind.

Die Ent­wick­lung für die Koope­ra­ti­on mit nicht­hoch- schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen nahm ihren Anfang im Wei­ter­bil­dungs­markt. Ziel der Grün­dung pri­vat­recht- lich ver­fass­ter Bil­dungs­ein­rich­tun­gen war zum einen, die Koope­ra­ti­on der Hoch­schu­len mit dem an der Wei- ter­bil­dung inter­es­sier­ten Beschäf­ti­gungs­sys­tem insti­tu­ti- onell zu ver­fes­ti­gen, zum ande­ren aber recht­li­che Hin- der­nis­se des Hoch­schul- und Dienst­rech­tes (Stich­wort Kapa­zi­täts­recht, Gebüh­ren­recht, Dienst­auf­ga­be und Ne- ben­tä­tig­keit) zu über­win­den, um Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo- te zu ange­mes­se­nen Ent­gel­ten mit Betei­li­gung fach­lich qua­li­fi­zier­ter Hoch­schul­leh­rer zu ermöglichen.

Inzwi­schen haben sich aber auch im Bereich der grund­stän­di­gen Aus­bil­dung zahl­rei­che Koope­ra­ti­ons- for­men zwi­schen in- und aus­län­di­schen Hoch­schu­len und in- und aus­län­di­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen ent- wickelt, deren gemein­sa­me Kenn­zei­chen die Ver­lei­hung von Gra­den durch eine staat­li­che oder staat­lich aner- kann­te Hoch­schu­le auf der Grund­la­ge eines Stu­di­ums an einer ande­ren, meist pri­va­ten Bil­dungs­ein­rich­tung des In- oder Aus­lands sind.

Für die­ses Phä­no­men haben sich meh­re­re Begrif­fe, wie Fran­chi­sing, Vali­die­rung oder Exter­nen-Prü­fung eta­bliert, die aber ihrer­seits kla­rer typo­lo­gi­scher Defi­ni- tio­nen ent­beh­ren und des­halb nur ver­ein­zelt und mit unter­schied­li­chem Gehalt Ein­gang in die Geset­zes­spra- che gefun­den haben.

Eine beson­de­re Vari­an­te stellt die Ver­lei­hung von Gra­den durch aus­län­di­sche Hoch­schu­len für ein Stu­di- um an inlän­di­schen pri­va­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen dar.

Ver­su­che der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz, die­se Ent- wick­lun­gen durch klar defi­nier­te Vor­aus­set­zun­gen der Ver­lei­hung von Gra­den auf der Basis extern erbrach­ter Stu­di­en­leis­tun­gen zu steu­ern, haben bis heu­te wenig Ein­fluss auf die Hoch­schul­ge­setz­ge­bung der Län­der ge- habt.

Inzwi­schen sind Fra­gen der Aner­ken­nung sol­cher Gra­de für die Auf­nah­me des Mas­ter­stu­di­ums, für die Stu­di­en­för­de­rung oder die Titel­füh­rung Gegen­stand ge- richt­li­cher Ent­schei­dun­gen gewe­sen und deu­ten auf ein hohes Maß ent­stan­de­ner Rechts­un­si­cher­heit hin.

Die­se Ent­wick­lun­gen nach­zu­zeich­nen, auf ihren ge- mein­sa­men Nen­ner zurück­zu­füh­ren und auf den recht-

7 Vgl § 37 Abs 4 iVm Abs 1–3 LHG BW.

lichen Prüf­stand zu stel­len, ist Gegen­stand mei­ner fol- gen­den Ausführungen.

In einem ers­ten Schritt wer­de ich die Grün­de für die Ent­wick­lung und ihre gemein­sa­men Struk­tur­merk­ma­le untersuchen.

In einem zwei­ten Schritt wer­de ich die hoch­schul- recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in Deutsch­land, in ei- nem drit­ten Schritt die euro­pa- und inter­na­tio­nal­recht­li- chen Vor­aus­set­zun­gen der Aner­ken­nung von Hoch- schul­gra­den aus­län­di­scher Hoch­schu­len auf der Grund- lage inlän­di­scher Bil­dungs­an­ge­bo­te behandeln

II. Fall­ge­stal­tun­gen, gemein­sa­me Struk­tur­merk­ma­le und Hintergründe

1. Vor­be­mer­kung: Das Ver­lei­hungs­mo­no­pol staat­li­cher oder staat­lich aner­kann­ter Hoch­schu­len für inlän­di­sche Grade

Die ein­lei­tend geschil­der­ten Sach­ver­hal­te sys­tem­über- schrei­ten­der Hoch­schul­ko­ope­ra­tio­nen haben ihren Grund im Ver­lei­hungs­mo­no­pol staat­li­cher oder staat­lich aner­kann­ter Hoch­schu­len für Hochschulgrade.

Dies unter­schei­det deut­sche von aus­län­di­schen Hoch­schu­len, deren Recht­sta­tus viel­fach von dem in Deutsch­land noch immer vor­herr­schen­den Typus der staat­li­chen Hoch­schu­le abweicht. Ent­we­der wird der Hoch­schu­le, unab­hän­gig von ihrem Recht­sta­tus, in ih- rem Sitz­staat die Befug­nis zur Ver­lei­hung von Gra­den durch Hoheits­akt über­tra­gen (UK) oder die Ver­lei­hung erfolgt – viel­fach fach­spe­zi­fisch – durch pro­fes­sio­nel­le Orga­ni­sa­tio­nen mit Mono­pol­cha­rak­ter wie die Ame­ri- can Bar Association.

Die­ses Ver­lei­hungs­mo­no­pol in Deutsch­land beruht zum Teil auf den Lan­des­ver­fas­sun­gen, größ­ten­teils aber auf den Lan­des­hoch­schul­ge­set­zen. Die­se regeln neben dem Gra­du­ie­rungs­recht auch die von der berech­tig­ten Hoch­schu­le zu ver­lei­hen­den Grade.

Bei den älte­ren Hoch­schu­len fußt das Gra­du­ie­rungs- und Ver­lei­hungs­mo­no­pol meist auf vor­kon­sti­tu­tio­nel- lem Recht, in der Regel auf den mit ihrer Grün­dung ver- lie­he­nen Pri­vi­le­gi­en, die um uni­ver­sel­le Gel­tung zu er- lan­gen, kai­ser­li­chen und päpst­li­chen Ursprungs waren. Für die­se Hoch­schu­len sehen Lan­des­ver­fas­sun­gen und Hoch­schul­ge­set­ze viel­fach Besitz­stands­ga­ran­tien vor.

Erstaun­li­cher­wei­se ist das Ver­lei­hungs­mo­no­pol kaum Gegen­stand ver­fas­sungs­recht­li­cher Refle­xi­on, obwohl es den Zugang zum Bil­dungs­markt für pri­va­te Anbie­ter be- schränkt oder zumin­dest an die staat­li­che Aner­ken­nung als Hoch­schu­le bin­det, für die der Nach­weis eines aus­rei- chen­den Stu­di­en­an­ge­bots, die Sicher­stel­lung des Lehr-

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und For­schungs­be­trie­bes, die Gewähr­leis­tung der Lehr- Lern‑, und For­schungs­frei­heit und die glei­che Qua­li­fi­ka­ti- on des Lehr­per­so­nals wie bei staat­li­chen Hoch­schu­len ver- langt wird.

Das Gra­du­ie­rungs- und Ver­lei­hungs­mo­no­pol erklärt sich dar­aus, dass die Ver­lei­hung eines Gra­des nach deut- schem Rechts­ver­ständ­nis ein Hoheits­akt ist, der durch gesetz­li­che oder staat­li­che Belei­hung auf die Hoch­schu- len über­tra­gen wird. Ihre ver­fas­sungs­recht­li­che Recht- fer­ti­gung grün­det in der Bedeu­tung von Hoch­schul­gra- den für den Zugang zu Beru­fen, nicht nur zu sog. gere- gel­ten Beru­fen wie Ärz­ten, Apo­the­kern, Rechts­an­wäl­ten son­dern auch zu Beru­fen ohne for­ma­li­sier­te Zugangs­vo- raus­set­zun­gen. Mit dem Ver­lei­hungs­mo­no­pol nimmt der Staat sei­ne Ver­ant­wor­tung für die Gewähr­leis­tung der Berufs­frei­heit und Qua­li­täts­kon­trol­le in den nach Art. 12 GG zuläs­si­gen Schran­ken wahr.

2. Fall­ge­stal­tun­gen und Grün­de koope­ra­ti­ven Bil­dungs- angebots

Damit führt das Bil­dungs­an­ge­bot mit dem Ziel der Erlan­gung eines deut­schen Hoch­schul­gra­des zwangs­läu- fig über eine deut­sche staat­li­che oder staat­lich aner­kann- te Hochschule.

Regel­ty­pus des Erwerbs eines ein grund­stän­di­ges Stu­di- um abschlie­ßen­den Hoch­schul­gra­des ist nach der Ein­füh- rung der gestuf­ten Stu­di­en­gän­ge (Bache­lor und Mas­ter) ein mit der Hoch­schul­prü­fung enden­des, min­des­tens drei­jäh­ri­ges Prä­senz­stu­di­um an einer Hoch­schu­le oder an meh­re­ren sys­tem­glei­chen Hoch­schu­len. Die Stan­dar- disie­rung durch das Leis­tungs­punkt­sys­tem hat die Vor- aus­set­zung für Aner­ken­nung von Stu­di­en- und Prü- fungs­leis­tun­gen in glei­chen oder ver­wand­ten Stu­di­en- gän­gen kraft Geset­zes mög­lich gemacht. Damit wird das erklär­te Rege­lungs­ziel der För­de­rung der natio­na­len und inter­na­tio­na­len Mobi­li­tät der Stu­die­ren­den zu för­dern, umschrie­ben mit „der Schaf­fung eines ein­heit­li­chen Eu- ropäi­schen Hochschulraums“,8 gewährleistet.

Anfor­de­run­gen des Arbeits­mark­tes, unter­schied­li­che Lebens- und Aus­bil­dungs­bio­gra­phien, das Inter­es­se die Chan­cen­gleich­heit im Bil­dungs­we­sen zu ver­bes­sern, schließ­lich die Siche­rung des künf­ti­gen Fach­kräf­te­be- darfs durch Über­gang beruf­lich qua­li­fi­zier­ter in den ter- tiä­ren Bereich gaben den Anstoß, die Ange­bo­te des Prä- senz­stu­di­ums durch Bil­dungs­an­ge­bo­te im Rah­men der dualenAusbildung,desFernstudiumsoderdurchAner- ken­nung von Vor­bil­dun­gen und berufs­be­glei­ten­den Aus­bil­dungs­blö­cken und Wei­ter­bil­dungs­ein­hei­ten zu erweitern.

  1. 8  § 29 Abs 2 LHG BW; § 55 Abs 2 BayHG.
  2. 9  Abruf­bar unter http://www.zhb-flensburg.de/dissert/leusing/Dis-

Die Hoch­schul­ge­setz­ge­bun­gen haben dar­auf mit der schritt­wei­sen Ein­füh­rung neu­er Hand­lungs­for­men, zu- nächst im Rah­men der Rege­lung des Fern­stu­di­ums, spä- ter der Wei­ter­bil­dung reagiert. Dies geschah aller­dings ohne ein über­grei­fen­des kohä­ren­tes ord­nungs­po­li­ti­sches Kon­zept unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und in wel- chem Umfang in der beruf­li­chen Aus- und Wei­ter­bil- dung und an exter­nen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen erwor­be- ne Kennt­nis­se und Qua­li­fi­ka­tio­nen ange­rech­net wer­den und Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen in der Hoch­schu- le erset­zen können.

Die KMK hat in ihrem Beschluss vom 18.9.2008 der den Titel „Anrech­nung von außer­halb des Hoch­schul- wesens erwor­be­nen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten auf das Hoch­schul­stu­di­um“ trägt, dazu für die Anrech­nung von außer­halb des Hoch­schul­we­sens erwor­be­nen Kennt- nis­sen und Fähig­kei­ten eine Typo­lo­gie mit fol­gen­den Fall­ge­stal­tun­gen entwickelt:

- Grenz­über­schrei­ten­des (gemeint ist sys­tem­über­schrei- ten­des) Fran­chi­sing, d.h. die Zusam­men­ar­beit hoch- schu­li­scher und nicht hoch­schu­li­scher Ein­rich­tun­gen, bei denen die Aus­bil­dung ganz oder in Tei­len an einer nicht hoch­schu­li­schen Ein­rich­tung, die Grad­ver­lei­hung durch eine Hoch­schu­le erfolgt, mit fol­gen­den Unter­va­ri- anten:

- grad­ver­lei­hen­de Hoch­schu­le im Inland, Aus­bil­dung an einer Ein­rich­tung im Aus­land
- Grad­ver­lei­hung durch Hoch­schu­le im Aus­land, Aus­bil- dung an einer nicht hoch­schu­li­schen Ein­rich­tung im Aus­land oder Inland.

Ver­su­che, anhand die­ses Ord­nungs­ras­ters einen em- piri­schen Über­blick über die ver­schie­den For­men von koope­ra­ti­ven Bil­dungs­an­ge­bo­ten von Hoch­schu­len und nicht­hoch­schu­li­schen Ein­rich­tun­gen im In- und Aus- land zu bekom­men, schei­tern an man­geln­der Trans­pa- renz.

Einen gewis­sen Auf­schluss gibt neben den Fall­stu­di- en der ver­dienst­vol­len Dis­ser­ta­ti­on von Bri­git­te Leu­sing, „McUni­ver­si­ty“: Inner­staat­li­ches Aca­de­mic Fran­chi­sing (AF) deut­scher Hoch­schu­len – eine public-pri­va­te Pers- pektive,9 und einem Auf­satz die­ser Autorin, „Mc Uni­ver- sitiy“, HM 2/2012, 53, ein Arti­kel von Rolf Hut­ter in der Online Zeit­schrift „Stu­dis Online“ vom 9.5.2011, der – unter der aller­dings pole­mi­schen Über­schrift „Wie Hoch­schu­len ihre Stu­di­en­ab­schlüs­se ver­kau­fen“ – Ein- zel­fäl­le des sog. Hoch­schul­fran­chi­sin­gs in NRW und Sach­sen schildert.

sertation_Leusing_Ver%C3%B6ffentlichung.pdf.

Sand­ber­ger · Koope­ra­tio­nen im deut­schen und inter­na­tio­na­len Bil­dungs­markt 1 3 3

Dem­zu­fol­ge ist in NRW ein brei­tes Spek­trum von Public-Public und Public-Pri­va­te Part­ners­hips mit Schwer­punkt im Bereich betriebs­wirt­schaft­li­cher oder infor­ma­tik­na­her grund­stän­di­ger Stu­di­en­gän­ge und Auf- bau­stu­di­en­gän­ge anzu­tref­fen. In Sach­sen hat vor allem die Hoch­schu­le Mitt­wei­da mit Zustim­mung des Säch­si- schen Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums das sog. DHS-Modell (dezen­tra­les hoch­schul­ge­lenk­tes Stu­di­um) ent­wi­ckelt, des­sen Kern­merk­ma­le laut Eigen­be­schrei­bung ein Stu­di- um in pri­va­ten Aka­de­mien in Koope­ra­ti­on mit der für Inhal­te und Prü­fun­gen ver­ant­wort­li­chen Hoch­schu­le ist. Die­se hat Teil­auf­ga­ben der Qua­li­täts­si­che­rung und Über­wa­chung auf eine pri­vat­recht­lich ver­fass­te Gesell- schaft, der AMAK AG übertragen.10 Das Spek­trum des an zahl­rei­chen Stand­or­ten durch­ge­führ­ten Stu­di­en­an­ge- bots reicht von medi­en­be­zo­ge­nen, betriebs­wirt­schaft­li- chen Stu­di­en­gän­gen bis zum Gesund­heits­ma­nage­ment und Pflege.

Als Grün­de wei­sen die ein­schlä­gi­gen Web­sites meist die Aus­bil­dungs­nä­he zum Berufs­ort, den Ver­bleib des Stu­die­ren­den im Unter­neh­men und die damit ver­bun- dene Pra­xis­ori­en­tie­rung aus.

Die ein­schlä­gi­gen Prü­fungs­ord­nun­gen der betref­fen- den­Hoch­schu­le­ge­ben­al­ler­dingskei­ne­ein­deu­ti­ge­Aus- kunft über das Aus­maß die­ser Arbeits­tei­lung zwi­schen der Hoch­schu­le, dem pri­va­ten Trä­ger der Aus­bil­dung und der zwi­schen­ge­schal­te­ten AMAK-AG. Die Wer- bung für die Stu­di­en­gän­ge hebt aber her­vor, dass alle stu­di­en­be­glei­ten­den Ange­bo­te in Koope­ra­ti­on der pri­va- ten Stu­di­en­aka­de­mie und der Hoch­schu­le unter deren Ver­ant­wor­tung für die Qua­li­tät der Lehr- und Prü­fungs- inhal­te stehen.11

Neben Pra­xis­nä­he und Alter­na­ti­ve zum Prä­senz­stu- dium ermög­li­chen die­se Geschäfts­mo­del­le vor allem die Gene­rie­rung nicht uner­heb­li­cher Ein­nah­men, die sich der pri­va­te Trä­ger, der das Stu­di­en­ent­gelt erhebt, nach Maß­ga­be nicht öffent­lich zugäng­li­cher Koope­ra­ti­ons- ver­trä­ge mit der Hoch­schu­le teilt. Im Zuge der Abschaf- fung der Stu­di­en­ge­büh­ren für grund­stän­di­ge Stu­di­en- gän­ge ist das ein zusätz­li­cher Anreiz, Tei­le der Hoch- schul­aus­bil­dung auf sol­che Stu­di­en­gän­ge zu erweitern.

Die Grün­de für die Grad­ver­lei­hung durch eine inlän- dische Hoch­schu­le auf der Grund­la­ge einer Aus­bil­dung im Aus­land kön­nen viel­fäl­tig sein. Nahe liegt dies, wenn der Gegen­stand der Aus­bil­dung inter­na­tio­nal ist, z.B. in- ter­na­tio­na­le Betriebs­wirt­schaft, Inter­na­tio­na­les Recht und Rechts­ver­glei­chung, Poli­tik­wis­sen­schaft, verglei-

  1. 10  Vgl Start­sei­te der AMAK-AG http://www.amak.ag.
  2. 11  ZB die Prü­fungs­ord­nung für den Stu­di­en­pro­gram Web- und Me-dien­in­for­ma­tik an der FH Dort­mund idF v 23.3.2010, Amt­li­che­Mit­tei­lun­gen Nr 28 v 23.3.2010.
  3. 12  ZB § 35 Abs 3 LHG BW; § 21 Abs 2 HessHG: Vor­züg­li­che Dar-

chen­de Kul­tur- oder Lite­ra­tur­wis­sen­schaft. In die­se Ka- tego­rie fal­len auch die Fäl­le des sog. gemein­sam ver­lie- henen Gra­de („Joint Degree“) bzw. Dop­pel­ab­schlüs­se („Dou­ble Degree“) auf der Basis gemein­sa­mer Aus­bil- dungs­an­ge­bo­te in der Koope­ra­ti­on deut­scher und aus- län­di­scher Hochschulen.12 Eine zuneh­men­de Rol­le spielt auch der Export bewähr­ter Stu­di­en­gän­ge in Schwel­len- länder.

Noch gerin­ger ist dage­gen die Trans­pa­renz des von der KMK als zwei­te Unter­va­ri­an­te erwähn­ten Geschäfts- modells: Grad­ver­lei­hung durch eine Hoch­schu­le im Aus­land, Aus­bil­dung an einer nicht hoch­schu­li­schen Ein­rich­tung im Inland oder Ausland.

Eine sys­te­ma­ti­sche Erhe­bung gibt es bis­her nicht. Eine neue­re Erschei­nung des Fran­chi­sing Modells sind Medi­cal Schools, die aus­län­di­sche Uni­ver­si­tä­ten, meist Pri­vat­uni­ver­si­tä­ten im Ver­bund mit inlän­di­schen Kli­ni- ken kom­mu­na­ler oder pri­va­ter Trä­ger anbie­ten. Dabei fin­det die vor­kli­ni­sche Aus­bil­dung im Regel­fall im Aus- land, die kli­ni­sche Aus­bil­dung nach Maß­ga­be des Ko- ope­ra­ti­ons­ver­tra­ges unter der Auf­sicht der aus­län­di- schen Uni­ver­si­tät im Inland statt. Ein­schlä­gi­ge Stu­di­en- ange­bo­te fin­den sich im Inter­net sei­tens der pri­va­ten Pa- racel­sus Uni­ver­si­tät Salz­burg mit dem städ­ti­schen Kli­ni­kum Nürn­berg (Beginn 2014), der Uni­ver­si­ty of Sout­hamp­ton und dem Kli­ni­kum Kas­sel sowie der Sem- mel­weis Uni­ver­si­tät Buda­pest und dem Kli­ni­kum Ham- burg.

Die Exis­tenz sol­cher Model­le wird spä­tes­tens dann öffent­lich, wenn es in Gerichts­ver­fah­ren um die Aner- ken­nung von Hoch­schul­ab­schlüs­sen geht.

Die­se las­sen aber in der Regel nur Spe­ku­la­tio­nen über die Moti­ve zur Wahl sol­cher Hand­lungs­for­men zu. Offen­sicht­lich erfül­len sie trotz teil­wei­ser beacht­li­cher Stu­di­en­ge­büh­ren eine Bil­dungs­nach­fra­ge auf dem inlän- dischen Bil­dungs­markt, die das deut­sche Hoch­schul­sys- tem nicht hin­rei­chend abzu­de­cken ver­mag. Mani­fest wird dies an den zusätz­li­chen Stu­di­en­an­ge­bo­ten im Fach Human­me­di­zin, für die an staat­li­chen Hoch­schu­len nach wie vor hohen Zulas­sungs­hür­den bestehen.

Die meis­ten Fra­gen wirft die Koope­ra­ti­on eines nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­an­bie­ters im Inland mit einer Hoch­schu­le im Aus­land auf, vor allem dann, wenn der Gegen­stand der Aus­bil­dung kei­nen oder nur einen gerin­gen Aus­lands­be­zug auf­weist. Hier ist die Fra­ge be- rech­tigt, ob die Wahl des Koope­ra­ti­ons­part­ners mit ge- rin­ge­ren Qua­li­täts­stan­dards der ver­lei­hen­den Hoch-

stel­lung der Gestal­tungs­for­men und gesetz­li­chen Rege­lun­gen bei The­re­sa Len­ser, Recht­li­che Hin­wei­se zur Gestal­tung der Stu- dien­do­ku­men­te, 2010, Hrsg DAAD, Infor­ma­tio­nen für deut­sche Hoch­schu­len, Publi­ka­tio­nen zum The­ma Hoch­schul­ab­schlüs­se, abruf­bar unter httb//www.daad.de.

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schu­le im Ver­gleich zu den Hoch­schul­gra­den inlän­di- scher Hoch­schu­len zu tun haben.

Das bun­te Bild mög­li­cher Fall­ge­stal­tun­gen und Grün­de der Koope­ra­ti­on der grad­ver­lei­hen­den Hoch- schu­len mit nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun- gen lässt des­halb kei­ne ein­deu­ti­ge Bewer­tung von Nut- zen und Risi­ken sol­cher Geschäfts­mo­del­le zu.

Ihre recht­li­che Bewer­tung ist davon abhän­gig, ob sich die­se Geschäfts­mo­del­le inner­halb oder außer­halb des hoch­schul­recht­li­chen Hand­lungs­s­rah­mens bewe­gen. Dar­an schließt sich die Fra­ge an, ob und mit wel­chem Inhalt die­ser gege­be­nen­falls ergänzt oder kor­ri­giert wer- den muss.

Soweit es um die Kon­stel­la­ti­on der Ver­lei­hung aus- län­di­scher Hoch­schul­gra­de geht, ist auch auf Kon­for­mi- tät mit dem Gemein­schafts­recht und inter­na­tio­na­len Abkom­men zu ach­ten. Bei der im Fol­gen­den vor­zu­neh- men­den recht­li­chen Bewer­tung wird des­halb zwi­schen den Fäl­len der Ver­lei­hung inlän­di­scher und der Ver­lei- hung aus­län­di­scher Hoch­schul­gra­de auf der Basis eines Stu­di­ums an nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun- gen unterschieden.

III. Recht­li­che Bewertung

1. Abschlüs­se deut­scher Hoch­schu­len – Rechts­grund­la- gen – Ver­fas­sungs­recht­li­cher Rahmen

a) Rechts­grund­la­gen

Die kon­kre­ten For­men der Zusam­men­ar­beit grad­ver­lei- hen­der deut­scher Hoch­schu­len mit inlän­di­schen oder aus­län­di­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen wer­den in Koope- rati­ons­ver­trä­gen gere­gelt. Sie tra­gen meist die Bezeich- nung Fran­chise­ver­trä­ge, bei denen die grad­ver­lei­hen­de Hoch­schu­le der Fran­chi­se­ge­ber, die nicht­hoch­schu­li­sche Bil­dungs­ein­rich­tung der Fran­chise­neh­mer ist. Damit wird ein Begriff aus dem Bereich der Ver­triebs­or­ga­ni­sa- tion von Unter­neh­men auf­ge­grif­fen, bei dem der Fran- chi­se­ge­ber den Auf­tritt und die Stan­dards, der Fran­chi- seneh­mer die Dienst­leis­tun­gen zu erbrin­gen hat. Man- gels gesetz­li­cher Rege­lun­gen hat er auch im Han­dels­recht kei­ne kla­ren Konturen13 und soll­te, soweit der Gesetz­ge- ber sei­nen Inhalt nicht klar defi­niert, nur mit ergän­zen- den Klar­stel­lun­gen ver­wen­det werden.

Im Hin­blick auf die Zuge­hö­rig­keit der Grad­ver­lei- hung zu den öffent­lich-recht­li­chen Befug­nis­sen der Hoch­schu­len, sind jeden­falls die mit deut­schen Bil- dungs­ein­rich­tun­gen abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge als öf-

  1. 13  Vgl BGHZ 140, 342 zur kar­tell­recht­li­chen Beur­tei­lung von Fran- chiseverträgen.
  2. 14  § 6 Abs 1 und 3 LHG BW.
  3. 15  ZB Art 66 Abs 1 S 6 BayHG; § 35 Abs 3 LHG BW; 26 Abs 2

fent­lich-recht­li­che Ver­trä­ge ein­zu­stu­fen. Sie unter­lie­gen nicht der Pri­vat­au­to­no­mie, son­dern bedür­fen, wie Ver- wal­tungs­ak­te, gesetz­li­cher Ermäch­ti­gung, zumin­dest dür­fen sei­nem Abschluss kei­ne Rechts­vor­schrif­ten ent- gegen­ste­hen (§ 54 LVwVG BW und ver­gleich­ba­re Vor- schrif­ten ande­re Bundesländer).

Nahe­zu über­ein­stim­mend sehen die Län­der­ge­set­ze die Mög­lich­keit eines Zusam­men­wir­kens der Hoch­schu- len unter­ein­an­der und mit ande­ren Ein­rich­tun­gen vor. Dies schließt auch Hoch­schu­len ande­rer Län­der und an- derer Staa­ten ein. Als ande­re Ein­rich­tun­gen wer­den aber nur staat­li­che und staat­lich geför­der­te Bil­dungs- und For­schungs­ein­rich­tun­gen genannt. Gegen­stand der Ko- ope­ra­ti­on kön­nen auch gemein­sa­me Stu­di­en­gän­ge sein. Dabei kann die feder­füh­ren­de Hoch­schu­le die erfor­der- lichen Sat­zun­gen mit Wir­kung für alle erlassen.14 Soweit meh­re­re Hoch­schu­len an dem Stu­di­en­gang betei­ligt sind, bedarf es aller­dings ent­spre­chen­der Sat­zun­gen die- ser Hoch­schu­len. Offen bleibt, ob dies auch die Ver­lei- hung von gemein­sa­men Gra­den auf der Grund­la­ge die- ser Sat­zun­gen ein­schließt. Dies bedarf aus­drück­li­cher gesetz­li­cher Ermäch­ti­gung. Fehlt die­se, bedür­fen nach all­ge­mei­nen rechts­sys­te­ma­ti­schen Grund­sät­zen die Zu- läs­sig­keit und Vor­aus­set­zun­gen der Grad­ver­ga­be im Rah­men der Hoch­schul­ko­ope­ra­ti­on einer gesetz­li­chen Rege­lung in den Abschnit­ten der Län­der­ge­set­ze über Stu­di­um, Leh­re und Prüfungen.

Dort fin­den sich im Regel­fall auch Bestim­mun­gen über die Ver­lei­hung von Hoch­schul­ab­schlüs­sen, die in Koope­ra­ti­on mit einer aus­län­di­schen Hoch­schu­le oder ver­gleich­ba­ren Bil­dungs­ein­rich­tung abge­schlos­sen wer- den.15

Für die Gestal­tung die­ser Koope­ra­ti­on zei­gen die Hoch­schul­ge­set­ze ein viel­schich­ti­ges Bild, das von feh- len­der Rege­lung über die Anwen­dung all­ge­mei­ner Grund­sät­ze für die Aner­ken­nung von Stu­di­en- und Prü- fungs­leis­tun­gen zu pass­ge­nau­er Rege­lung die­ser Fall­ge- stal­tung reicht.

Eine Har­mo­ni­sie­rung ist trotz ent­spre­chen­der Be- mühun­gen der KMK bis heu­te nicht gelungen.

Die Aner­ken­nung von Stu­di­en- und Prü­fungs­leis- tun­gen an nicht­hoch­schu­li­schen Ein­rich­tun­gen soll nach den Vor­ga­ben der KMK von 2002/2008 nur nach Gleich­wer­tig­keits­prü­fung im Ein­zel­fall oder bei homo- genen Bewer­ber­grup­pen im Rah­men von kon­kre­ten Ko- ope­ra­ti­ons­ab­kom­men, im Fall der Ver­la­ge­rung an eine nicht­hoch­schu­li­sche Ein­rich­tung auch pau­schal erfol- gen. Vor­aus­set­zung ist aber, dass die Hoch­schu­len für

BbgHG; § 12 Abs 1 u 2 BremHG; § 55 Abs 2 u 3 HambHG; § 21 Abs 2 HessHG; § 60 Abs 2 HG NRW; § 61 Abs 5 SaarlHG; § 32 Abs 8 SächsHG; § 17 Abs 4 HG LSA; § 49 Abs 8 HG SH.

Sand­ber­ger · Koope­ra­tio­nen im deut­schen und inter­na­tio­na­len Bil­dungs­markt 1 3 5

die Qua­li­täts­si­che­rung der Stu­di­en­pro­gram­me sowie der Anrech­nungs­ver­fah­ren ver­ant­wort­lich sind. Dies setzt vor­aus, dass ein wesent­li­cher Teil der dem Hoch­schul­ab- schluss zugrun­de­lie­gen­den Aus­bil­dung in der unmit­tel- baren Ver­ant­wor­tung, d.h. durch eige­ne Leis­tun­gen der ver­lei­hen­den Hoch­schu­le ver­bleibt. Dies erfor­dert eine Rege­lung der Ver­fah­ren und Kri­te­ri­en der Anrech­nung in den Stu­di­en- und Prüfungsordnungen.16

Die Beschlüs­se der KMK sind Emp­feh­lun­gen an die Län­der, haben aber kei­ne die Län­der ver­pflich­ten­den Wir­kun­gen, geschwei­ge denn Gesetzeskraft.

Die KMK-Emp­feh­lun­gen ent­fal­te­ten des­halb bis­her nur beschränk­te Wirkung.

b) Über­sicht über die Landesgesetzgebung

In den Län­der­hoch­schul­ge­set­zen, die die Fra­ge der Aner­ken­nung von Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen regeln,wirdbeiderAnrechnungvonaußerhalbdesStu- diums gewon­ne­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen, die Gleich­wer­tig- keit nach Inhalt und Anfor­de­run­gen gefor­dert und – ent­spre­chend den Vor­ga­ben der KMK – auf die Hälf­te aller Stu­di­en- und Prü­fungs­an­for­de­run­gen beschränk, im Übri­gen aber das Ver­fah­ren der Aner­ken­nung im Ein­zel­nen den Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen über- lassen.17 Kei­ne Limi­tie­rung ent­hält § 34 Abs. 2 Nr. 10 SächsHG. Die­ser über­lässt die Anrech­nung von Qua­li­fi- kat­io­nen, die an nicht als Hoch­schu­len aner­kann­ten Bil- dungs­ein­rich­tun­gen erwor­ben wur­den, der Rege­lung durch die Prü­fungs­ord­nung der Hoch­schu­le, bin­det dies aber an die Vor­aus­set­zung, dass „die­se Tei­le des Stu­di- ums nach Inhalt und Anfor­de­rung gleich­wer­tig sind und die­se damit erset­zen können“.

Eini­ge Bun­des­län­der sehen eine Anrech­nung nur im Fal­le des wei­ter­bil­den­den Stu­di­ums ein­schließ­lich der nicht kon­se­ku­ti­ven Mas­ter­stu­di­en­gän­ge vor.18

Dem­ge­gen­über fin­det sich die Anfor­de­rung der Qua- litäts­si­che­rung durch Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren und der Über­nah­me einer Kon­troll­funk­ti­on der Hoch­schu­le in den Koope­ra­ti­ons­ver­trä­gen mit der nicht­hoch­schu­li- schen Bil­dungs­ein­rich­tung nur vereinzelt.

Der im KMK-Beschluss ange­spro­che­ne Weg der pau- scha­len Anrech­nung von Tei­len eines Stu­di­en­pro- gramms, das an eine nicht­hoch­schu­li­sche Ein­rich­tung aus­ge­la­gert und durch­ge­führt wird – das sog. inner­staat- liche Fran­chi­sing – wird nur in Nordrhein-Westfalen19

  1. 16  Vgl Beschluss der KMK v 18.9.2008, Anrech­nung von außer­halb des Stu­di­ums erwor­be­nen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten auf ein Hoch­schul­stu­di­um, unter 2.1 und 3.1. und 3.2.
  2. 17  ZB § 32 Abs 4 LHGBW; § 56 BremHG.
  3. 18  ZB § 23 Abs 4 BerlHG, § 57 Abs 5 HambHG.
  4. 19  § 66 Abs 5 HG NRW, vgl dazu Pawel­lek, Die Wahr­neh­mung­ho­heit­li­cher Hoch­schul­auf­ga­ben durch pri­va­te Wei­ter­bil­dungs- ein­rich­tun­gen, 2009, S 166 ff, 169.

beschrit­ten. Vor­aus­set­zung dafür ist nach § 66 Abs. 5 HFG NRW eine gleich­wer­ti­ge Vor­be­rei­tung. Dies be- stimmt sich nach drei Vor­aus­set­zun­gen: nach dem Cur- ricu­lum, den Zugangs­vor­aus­set­zun­gen an die Stu­die­ren- den und dem Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil des Lehr­per­so­nals. Ob die Gleich­wer­tig­keit gege­ben ist, ent­schei­det bei einem Stu­di­en­gang, der auch im Prä­senz­stu­di­um an der Hoch- schu­le stu­diert wer­den kann, die ein­schlä­gi­ge Hoch- schul­prü­fungs­ord­nung. Soll ein Grad dage­gen auf der Grund­la­ge eines im Zusam­men­hang mit dem Fran­chi- sing neu ein­ge­führ­ten Cur­ri­cul­ums ver­lie­hen wer­den, muss die Hoch­schu­le zunächst das neue Cur­ri­cu­lum und den neu­en Grad wie einen nor­ma­len Hoch­schul­stu- dien­gang akkre­di­tie­ren las­sen. Erst nach posi­ti­ver Ak- kre­di­tie­rung kann die außer­hoch­schu­li­sche Aus­bil­dung auf­ge­nom­men werden.20 Trä­ger der prü­fungs­vor­be­rei- ten­den Ein­rich­tung darf nach § 66 Abs. 5 S. 2 HG NRW grund­sätz­lich nicht die prü­fen­de und gra­du­ie­ren­de Hoch­schu­le sein. Damit soll ver­hin­dert wer­den, dass sich die Hoch­schu­len ihrer nach § 2 Abs. 2 S. 2 HG nor- mier­ten Ver­pflich­tung, ihre Auf­ga­ben in For­schung, Leh­re und Stu­di­um in öffent­lich-recht­li­cher Wei­se zu er- ledi­gen, durch Wahl einer pri­vat­recht­li­chen Form ent- ziehen.21

Dem­ge­gen­über hat das HessHG 2010 die in § 106 HessHG 2007 vor­ge­se­he­ne Mög­lich­keit des inner­staat­li- chen Fran­chi­sin­gs abgeschafft.

§ 64a Hoch­schul­ge­setz Nie­der­sach­sen (NHG), eben- so § 86 des Baye­ri­schen Hoch­schul­ge­set­zes (BayHG) und § 81 des Bran­den­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes (BbgHG), regeln nur das grenz­über­schrei­ten­de Fran­chi­sing, d.h. Ko- ope­ra­tio­nen inlän­di­scher nicht hoch­schu­li­scher Bil- dungs­ein­rich­tun­gen mit grad­ver­lei­hen­den staat­li­chen oder staat­lich-aner­kann­ten Hoch­schu­len aus den Mit- glied­staa­ten der EU. Anders als das NHG schließt das BbgHG nach der amt­li­chen Begrün­dung das inner­staat­li- che Fran­chi­sing expli­zit aus.22

In Baden-Würt­tem­berg, Sach­sen-Anhalt und Thü- rin­gen ist statt­des­sen die Mög­lich­keit der Exter­nen­prü- fung vorgesehen.23 In die­sem Modell wer­den Per­so­nen zur Hoch­schul­ab­schluss­prü­fung zuge­las­sen, die auf an- dere Wei­se als durch ein Hoch­schul­stu­di­um die erfor- der­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten erwor­ben haben. § 48 Abs. 11 ThürHG und § 15 Abs. 2 HG Sach­sen-Anhalt über­las­sen die Rege­lung der Zulas­sung, der Anforderun-

20 Amt­li­che Begrün­dung zu § 66 Abs 4 HG NRW, Drs 14/2063.
21 Vgl Lieb und Goe­bel, Auto­no­mie und Ver­ant­wor­tung staatlicher

Hoch­schu­len in: Wis­sen­schafts­recht im Umbruch, Gedächt- nis­schrift für Krü­ger, 2001, S 205, 226 ff, 230; Pawel­lek, Die Wahr­neh­mung hoheit­li­cher Hoch­schul­auf­ga­ben durch pri­va­te Wei­ter­bil­dungs­ein­rich­tun­gen, 2009, S 166 ff, 169, 171.

22 Drs 4/6519 zu § 81 Abs 4.
23 Vgl dazu Pawel­lek, aaO S 172 ff.

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gen und des Ver­fah­rens ohne inhalt­li­che Vor­ga­ben der Prü­fungs­ord­nung der Hoch­schu­le. Dage­gen sieht § 33 LHG BW als Vor­aus­set­zung für die Durch­füh­rung von Exter­nen­prü­fun­gen an Uni­ver­si­tä­ten, Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­len, Fach­hoch­schu­len und Dua­len Hoch­schu- len vor, dass an die­sen Hoch­schu­len eine aus­rei­chend brei­te Ver­tre­tung des jewei­li­gen Faches ein­schließ­lich der erfor­der­li­chen fach­li­chen Prü­fungs­kom­pe­tenz des haupt­be­ruf­lich täti­gen wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals ge- währ­leis­tet ist.

Das setzt das Vor­han­den­sein oder die Geneh­mi­gung ent­spre­chen­der Stu­di­en­gän­ge an der Hoch­schu­le und damit eine Qua­li­täts­si­che­rung durch Akkre­di­tie­rung vo- raus. Dabei ist die Exter­nen­prü­fung nach § 33 LHG BW sowohl in Form der Block­prü­fung als auch in Form stu- dien­be­glei­ten­der Leis­tungs­nach­wei­se, die Bestand­teil der Prü­fun­gen sind, möglich.24 Dage­gen ist eine Qua­li- täts­kon­trol­le der exter­nen Bil­dungs­ein­rich­tung oder ein wei­ter­ge­hen­der Ein­fluss der Hoch­schu­le auf das Stu­di- enan­ge­bot der exter­nen Bil­dungs­ein­rich­tung bis­lang nicht vor­ge­schrie­ben, da § 33 LHG nicht dar­auf abstellt, auf wel­che Wei­se die betrof­fe­nen Bewer­ber ihre Qua­li­fi- kat­ion erwor­ben haben.

Das unter­schei­det die Exter­nen­prü­fung, die sowohl grund­stän­di­ge als auch gestuf­te Stu­di­en­gän­ge umfas­sen, von der Rege­lung von Ein­rich­tun­gen des Kon­takt­stu­di- ums. Hier ver­langt § 31 Abs. 4 LHG BW die Absi­che­rung inhalt­li­cher Ein­fluss­nah­me der Hoch­schu­le auf die Lehr­in­hal­te der exter­nen Bildungseinrichtung.

Die im Anhö­rungs­ver­fah­ren befind­li­che Neu­fas­sung des § 33 LHG BW kor­ri­giert die­se Unter­schie­de und ver- langt eine Akkre­di­tie­rung der Vor­be­rei­tungs­pro­gram­me exter­nen Bil­dungs­ein­rich­tung und eine Qua­li­fi­ka­ti­on des Lehr­per­so­nals, die min­des­tens den Anfor­de­run­gen an Lehr­be­auf­trag­te ent­spricht (§ 33 Nr. 2 und 3 n.F.).

Eine Son­der­rol­le von Public-Pri­va­te-Part­ners­hip neh­men Koope­ra­tio­nen im Rah­men des Fern­stu­di­ums und der sog. vir­tu­el­len Stu­di­en­gän­ge ein. Anbie­ter von Fern­stu­di­en­ein­hei­ten oder Ange­bo­ten vir­tu­el­ler Stu­di- engän­ge kön­nen neben ande­ren Hoch­schu­len auch pri- vate Anbie­ter sein. Vor­aus­set­zung ist aber die Siche­rung der Qua­li­täts­kon­trol­le unter Ver­ant­wor­tung der grad- ver­lei­hen­den Hoch­schu­le, idR durch zer­ti­fi­zier­te Akk­re- ditierungsagenturen.

Wei­sen damit in den Bun­des­län­dern die Mög­lich­kei- ten und Anfor­de­run­gen der Ein­be­zie­hung außer­hoch- schu­li­scher Ein­rich­tun­gen bei grund­stän­di­gen Stu­di­en- gän­gen ein erheb­li­ches Gefäl­le auf, was die Zulas­sung, die Anfor­de­rung an die Stu­di­en- und Prüfungsinhalte

  1. 24  Amt­li­che Begrün­dung zu § 33 LHG BW, Drs 14/3390, S 94.
  2. 25  §§ 31 Abs 2 S 6 und 7 Nr 1–3 LHG BW; § 59 Abs 4 HSG SH.

und die Qua­li­fi­ka­ti­on des Lehr­per­so­nals anlangt, las­sen im Bereich der Wis­sen­schaft­li­chen Wei­ter­bil­dung die Re- gelun­gen über die Koope­ra­tio­nen der Hoch­schu­len mit pri­va­ten Anbie­tern wei­te­rei­chen­de Gestal­tungs­spiel­räu- me zu.

Dies hat sei­nen Grund dar­in, dass die Hoch­schu­len aus Kapa­zi­täts­grün­den viel­fach nicht in der Lage sind, ein­schlä­gi­ge Lehr­an­ge­bo­te im Rah­men der Dienst­auf­ga- ben des haupt­amt­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals anzu­bie­ten und aus besol­dungs­recht­li­chen Grün­den ge- hin­dert waren, dafür zusätz­li­che Ver­gü­tun­gen zu gewäh- ren. Des­halb wur­den Wei­ter­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen schon früh auf pri­va­te Trä­ger, auch sol­che, an denen die Hoch­schu­len gesell­schafts­recht­lich betei­ligt sind, ver­la- gert.

Auch hier vari­ie­ren die gesetz­li­chen Rah­men­be­din- gun­gen länderspezifisch.

Soweit die Hoch­schu­len pri­va­te Bil­dungs­ein­rich­tun- gen mit der Durch­füh­rung der Leh­re für post­gra­dua­le Bil­dungs­ein­rich­tun­gen beauf­tra­gen, wer­den dafür Qua- lifi­ka­ti­ons­pro­fi­le an das Lehr­per­so­nal gestellt, die min- des­tens denen von Lehr­be­auf­trag­ten an Hoch­schu­len ent­spre­chen. Der Hoch­schu­le obliegt die allei­ni­ge Ver- ant­wor­tung für die inhalt­li­che didak­ti­sche, struk­tu­rel­le, und zeit­li­che Fest­le­gung des Lehr­an­ge­bots. Die durch die pri­va­te Bil­dungs­ein­rich­tung erbrach­te Leh­re unter- liegt dem Qua­li­täts­ma­nage­ment, ein­schließ­lich der Ei- gen- und Frem­deva­lua­ti­on der Hochschule,25 Die amt­li- che Begrün­dung qua­li­fi­ziert die Rol­le des pri­va­ten An- bie­ters als „Verwaltungshilfe“.26 Die ent­spre­chen­den Ver­trä­ge der Hoch­schu­le mit der pri­va­ten Bil­dungsein- rich­tun­gen bedür­fen der Zustim­mung des zustän­di­gen Ministeriums.

Groß­zü­gi­ger sind dem­ge­gen­über die Rege­lun­gen für Ver­an­stal­tun­gen des Kon­takt­stu­di­ums, für die kei­ne Gra- de ver­lie­hen, son­dern Zer­ti­fi­ka­te aus­ge­ge­ben wer­den. Auch hier wird aber der Hoch­schu­le vor­be­hal­ten, das Lehr­an­ge­bot inhalt­lich und didak­tisch zu ent­wi­ckeln, Prü­fun­gen abzu­neh­men und das gemein­sa­me Zer­ti­fi­kat zu erstellen.

Die koope­rie­ren­de Ein­rich­tung ist ver­pflich­tet, die Wei­ter­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen nach die­sen Vor­ga­ben in eige­ner Ver­ant­wor­tung anzu­bie­ten und durch­zu­füh­ren sowie der Hoch­schu­le für ihre Leis­tun­gen ein ange­mes- senes Ent­gelt zu zahlen.27

c) Gemein­sa­me Strukturen

Gemein­sa­mes Merk­mal die ver­schie­de­nen Vari­an­ten der Zusam­men­ar­beit von grad­ver­lei­hen­den Hochschulen

26 Drs 14/3390 zu § 31 Abs 2, S 94. 27 § 31 Abs 4 LHG BW.

Sand­ber­ger · Koope­ra­tio­nen im deut­schen und inter­na­tio­na­len Bil­dungs­markt 1 3 7

und nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen ist die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Ver­ant­wor­tung der Hoch- schu­len für die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen, für die inhalt­li­che Gestal­tung und die Durch­füh­rung der Prü- fun­gen, die sich an den Anfor­de­run­gen von Stu­di­en­gän- gen im Voll- oder Prä­senz­stu­di­um zu ori­en­tie­ren hat. Die Hoch­schu­len neh­men inso­weit eine hoheit­li­che Auf- gabe wahr. Unab­hän­gig vom Grad der Über­tra­gung der ope­ra­ti­ven Durch­füh­rung des Stu­di­en­an­ge­bots an den pri­va­ten Koope­ra­ti­ons­part­ner tra­gen sie damit – wie in ande­ren Fall­ge­stal­tun­gen der Über­tra­gung von hoheit­li- chen Auf­ga­ben auf pri­va­te Trä­ger – eine Gewähr­leis- tungs­ver­ant­wor­tung für deren ord­nungs­ge­mä­ße Durch- füh­rung unter Ein­hal­tung der für alle Stu­di­en­gän­ge gel- ten­den Qualitätsstandards.

d) Ver­fas­sungs­recht­li­cher Rahmen

Die­se Ein­schrän­kun­gen des Erwerbs von Bil­dungs­qua­li- fika­tio­nen grei­fen sowohl in die Berufs­frei­heit pri­va­ter Bil­dungs­an­bie­ter als auch in die Frei­heit der Berufs­wahl der Stu­die­ren­den ein und müs­sen daher durch den Schran­ken­vor­be­halt des Art. 12 GG legi­ti­miert sein.

Gemein­wohl­grund zur Recht­fer­ti­gung die­ser Schran- ken auf der Sei­te der Anbie­ter ist die Not­wen­dig­keit der Gewähr­leis­tung eines inhalt­lich und qua­li­ta­tiv gleich- wer­ti­gen Stu­di­en­an­ge­bots durch die pri­va­ten Bil­dungs- ein­rich­tun­gen und damit der glei­che Grund, der auch das Aner­ken­nungs­ver­fah­ren und die Aner­ken­nungs­vor- aus­set­zun­gen nicht staat­li­cher Hoch­schu­len rechtfertigt.

Grün­de für die Zuläs­sig­keit, die Ver­lei­hung staat­li- cher Gra­de für ein Stu­di­ums an exter­nen Bil­dungsein- rich­tun­gen an gesetz­li­che Aner­ken­nung zu bin­den, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt schon im Jah­re 1973 zur sog. Exter­nen­prü­fung genannt. Aus Art. 12 GG gibt es, wenn der Staat Aus­bil­dungs­ein­rich­tun­gen geschaf­fen hat, bei Erfül­lung der Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen einen Anspruch auf Zulas­sung zum Stu­di­um und zu Prü­fun- gen, aber kei­ne Ver­pflich­tung, eine Prü­fung für eine Aus­bil­dung an pri­va­ten Ein­rich­tun­gen oder das Selbst- stu­di­um neu zu schaf­fen. Ob sol­che Prü­fun­gen mög­lich und mit bil­dungs­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen ver­ein­bar sind, ist Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers, von Ver­fas­sung we- gen wird die Ein­rich­tung einer sol­chen Prü­fung nicht gefordert.28 Ent­schei­det sich der Gesetz­ge­ber dafür, hält er sich im Rah­men der Schran­ken des Art. 12 GG, wenn er die­se an glei­che Qua­li­täts­stan­dards bin­det, wie sie für Hoch­schul­stu­di­en­gän­ge gel­ten. Dies gebie­tet der Gleich- behand­lungs­grund­satz (Art. 33 GG).

28 BVerwG v 7.8.1972, VII C 2/70, NJW 1974, 573.

e) Fazit

Misst man den hoch­schul­recht­li­chen Befund an den Emp­feh­lun­gen der KMK von 2008, kann von einer Har- moni­sie­rung der recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für Hoch­schul­ko­ope­ra­tio­nen mit pri­va­ten Bil­dungs­an­bie- tern im Bereich der Leh­re nicht die Rede sein. Sowohl die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen der Aner­ken­nung von Stu- dien- und Prü­fungs­leis­tun­gen, als auch die beson­de­ren Rege­lun­gen für die Grad­ver­lei­hung auf der Basis an pri- vaten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen erbrach­ter Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen gehen weit auseinander.

Nur NRW sieht neben der Defi­ni­ti­on eine inhalt­li­che Rege­lung des inner­staat­li­chen Fran­chi­sin­gs vor und un- ter­wirft die­ses den auch für die Stu­di­en­gän­ge der Hoch- schu­len gel­ten­den Rege­lun­gen des Qua­li­täts­ma­na­ge- ments. In Baden-Würt­tem­berg, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen wird mit dem Insti­tut der Exter­nen­prü­fung ein funk­tio­na­les Äqui­va­lent geschaf­fen, für die aber nur Baden-Würt­tem­berg inhalt­li­che und per­so­nel­le Anfor- derun­gen an die grad­ver­lei­hen­de Hoch­schu­le definiert.

Ande­re Hoch­schul­ge­set­ze belas­sen es bei all­ge­mei- nen Ermäch­ti­gun­gen zur Rege­lun­gen in der Prü­fungs- ordnung.

Damit sind bis­her weder die Län­der, noch die Hoch- schu­len der Ver­ant­wor­tung gerecht gewor­den, die der Beschluss der KMK ihnen für die Rege­lung der Vor­aus- set­zun­gen von Hoch­schul­ab­schlüs­sen über­tra­gen hat, bei denen Tei­le eines Stu­di­ums durch nicht­hoch­schu­li- sche Leis­tun­gen ersetzt wer­den sollen.

In die­sem Rege­lungs­ge­fäl­le rich­ten sich ent­spre­chen- de Leis­tungs­an­ge­bo­te natur­ge­mäß an Stand­or­ten mit der gerings­ten Rege­lungs­dich­te ein. Ein wei­te­rer Anreiz ist die Mög­lich­keit der Gene­rie­rung von Ein­nah­me­quel­len der pri­va­ten Anbie­ter, an denen die betei­lig­ten Hoch- schu­len betei­ligt wer­den. Die feh­len­de Trans­pa­renz trägt zu einem unzu­rei­chen­den Ver­brau­cher­schutz für Stu- die­ren­de sol­cher Stu­di­en­an­ge­bo­te bei.

2. Exkurs:Verleihung von Gra­den im Rah­men inter­na­ti- ona­ler Hoch­schul­ko­ope­ra­tio­nen – Joint- und Dou­ble Degree-Pro­gram­me deut­scher Hoch­schu­len im Aus- land

Neben den typi­schen Aus­tausch­pro­gram­men auf der Grund­la­ge wech­sel­sei­ti­ger Aner­ken­nung von Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen, die durch die Ein­füh­rung ein- heit­li­cher Leis­tungs­stan­dards und inter­na­tio­nal kom­pa- tibler Abschlüs­se erheb­lich erleich­tert wur­de, gewinnen

138 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2014), 129–144

im inter­na­tio­na­len Bil­dungs­an­ge­bot zuneh­mend Stu­di- engän­ge an Bedeu­tung, die ent­we­der mit einem gemein- sam ver­lie­he­nen Hoch­schul­grad oder einer Dop­pel-Diplo- mie­rung abschlie­ßen.

Die­ser Weg wird zuneh­mend auch beim Auf­bau deut­scher Hoch­schu­len im Aus­land beschrit­ten, die mit- hil­fe von Pro­gram­men des Bun­des oder vom Bund fi- nan­zier­ten Pro­gram­men (DAAD) in der Koope­ra­ti­on deut­scher Hoch­schu­len im Aus­land errich­tet wur­den. Neben ent­spre­chen­den bi- oder mul­ti­la­te­ra­len Koope­ra- tions­ver­trä­gen wird für die Trä­ger­schaft pri­vat­recht­lich ver­fass­ter Hoch­schu­len ein Trä­ger­ver­ein errich­tet, deren Mit­glie­der sich neben den Grün­dungs­part­nern aus Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen rekru­tie­ren, die zum Pro­gramm in Leh­re und For­schung beitragen.29 Ein beson­de­rer Fall ist der Cam­pus Busan der Fried­rich Alex­an­der Uni­ver­si­tät in Erlan­gen. Trä­ger der nicht ho- heit­li­chen Auf­ga­ben ist eine deut­sche GmbH im Betei­li- gungs­be­sitz der FAU (FAU-Busan GmbH). Die aka­de- mischen Auf­ga­ben wer­den durch eine zen­tra­le Ein­rich- tung der FAU mit Sitz in Busan wahr­ge­nom­men. Wis- sen­schaft­li­ches Per­so­nal der FAU wird zur Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben in Busan beur­laubt, Per­so­nen, die von der FAU-GmbH beschäf­tigt wer­den, erhal­ten den Mit­glieds- sta­tus der FAU.30

Die Unter­stüt­zung der deut­schen Hoch­schu­len reicht von der kon­zep­tio­nel­len Gestal­tung über die Betei­li­gung von Hoch­schul­leh­rern bei der Durch­füh­rung der Stu­di- engän­ge und Prü­fun­gen bis zur Ver­lei­hung gemein­sa- mer Gra­de der im Aus­land gegrün­de­ten Hoch­schu­le und ihrer deut­schen Partner.31

Dabei wird ent­we­der ein gemein­sa­mer Grad oder so- wohl der Grad der aus­län­di­schen Hoch­schu­le als auch der inlän­di­schen Part­ner­hoch­schu­le verliehen.32

Rechts­grund­la­ge für die Durch­füh­rung der Stu­di­en- gän­ge sind die län­der­spe­zi­fi­schen Rege­lun­gen über das Zusam­men­wir­ken der Hochschulen,33 die in meh­re­ren Bun­des­län­dern durch zusätz­li­che Rege­lun­gen für ge- mein­sa­me Prü­fungs­ord­nun­gen ergänzt werden.34 Die­se Rege­lun­gen las­sen der Aus­ge­stal­tung der Zulas­sungs­vo- raus­set­zun­gen, der Inhal­te und Qua­li­täts­kon­trol­le im Rah­men der Koope­ra­ti­ons­ver­trä­ge wei­ten Raum.

Soweit sie mit einem gemein­sa­men Grad abschlie- ßen, bedür­fen sie der glei­chen Qualitätsanforderungen

  1. 29  ZB DAAD, Infor­ma­tio­nen für deut­sche Hoch­schu­len: Viet­na­me­se Ger­man Uni­ver­si­ty (VGU).
  2. 30  §§ 10 a und b der Grund­ord­nung der Fried­rich Alex­an­der Uni- ver­si­tät Erlan­gen Nürn­berg idF v 20.6.2007, zuletzt geän­dert am 25.8.2011. Rechts­grund­la­ge ist Art 16 Abs 4 BayHG, ange­fügt mit Wir­kung vom 15.7.2009 durch G v 7.7.2009 (GVBl S 256).
  3. 31  Über­sicht bei DAAD, Hoch­schul­grün­dun­gen im Aus­land mit Projektbeschreibungen.

wie inlän­di­sche Stu­di­en­gän­ge. Das bedeu­tet, dass sie von einer aner­kann­ten Ein­rich­tung akkre­di­tiert wer­den müssen.

Die Ver­lei­hung gemein­sa­mer Gra­de oder die Befug- nis zur Dop­pel-Diplo­mie­rung bedarf spe­zi­el­ler Ermäch­ti- gung in den Län­der­ge­set­zen. Dabei sind auch die inhalt- lichen Anfor­de­run­gen an den der Grad­ver­lei­hung zu- grun­de­lie­gen­den Stu­di­en­gang ein­schließ­lich der Vor- aus­set­zun­gen der Akkre­di­tie­rung und Qua­li­täts­kon­trol- le zu definieren.35

3. Abschlüs­se aus­län­di­scher Hoch­schu­len im Koope­ra­ti- ons­ver­bund mit inlän­di­schen nicht­hoch­schu­li­schen Bil- dungseinrichtungen

Neben der inlän­di­schen Form der Zusam­men­ar­beit von Hoch­schu­len und nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungsein- rich­tun­gen hat sich in den letz­ten Jah­ren eine Form grenz­über­schrei­ten­der Zusam­men­ar­beit eta­bliert, bei denen die grad­ver­lei­hen­de Hoch­schu­le eine staat­li­che oder staat­lich aner­kann­te aus­län­di­sche Hoch­schu­le ist; die Aus­bil­dung fin­det ganz oder in Tei­len an einer inlän- dischen Ein­rich­tung statt.

Dafür gibt es viel­fäl­ti­ge Grün­de. Zum einen han­delt es sich um meist berufs­ori­en­tier­te Stu­di­en­gän­ge, für die es kein ver­gleich­ba­res Ange­bot an deut­schen Hoch­schu- len gibt. Zum ande­ren kön­nen aber auch Grün­de unter- schied­li­cher Anfor­de­run­gen eine Rol­le spielen.

Der Beschluss der Kul­tus­kon­fe­renz zur Anrech­nung außer­halb des Hoch­schul­we­sens erwor­be­ner Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten auf ein Hoch­schul­stu­di­um und dar­auf auf­bau­en­de hoch­schul­recht­li­che Bestim­mun­gen bie­tet, wie die KMK zutref­fend fest­stellt, kei­ne Hand­ha­be bei Fran­chi­se­kon­stel­la­tio­nen, bei denen die Grad­ver­lei­hung durch eine aus­län­di­sche Hoch­schu­le erfolgt. Gera­de in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen stellt sich daher das Pro­blem der Qua­li­täts­si­che­rung und des Ver­brau­cher­schut­zes in beson­de­rer Dring­lich­keit. Die Fra­ge ist aller­dings, wel- che gesetz­li­chen Mög­lich­kei­ten der Qua­li­täts­si­che­rung mit dem Uni­ons­recht und ein­schlä­gi­gen inter­na­tio­na­len Abkom­men ver­ein­bar sind.36

a) Inner­staat­li­che Rege­lun­gen der Qualitätssicherung

Eine Bestands­auf­nah­me der Län­der­ge­set­ze zeigt auch hier ein unein­heit­li­ches Bild. Die Band­brei­te reicht von

32 Aus­führ­li­che Dar­stel­lung bei The­re­sa Len­ser, Fn 12, S 7 ff.
33 Zusam­men­fas­sen­de Über­sicht bei The­re­sa Len­ser, S 10 ff.
34 § 12 Abs 2 BrHG, § 55 Abs 2 HmbgHG, § 28 Abs 3 HG MV, § 60

Abs 2 HG NRW; § 51 UG Saar; § 49 Abs 8 HSH SH.
35 §§ 35 Abs 3 LHG BW; Art 66 Abs 1 S 6 u 7 BayHG; § 34 Abs 3

BerlHG; § 26 Abs 2 BbgHG; § 21 Abs 2 HessHG; § 53 Abs 2 u 3

HSG SH.
36 KMK, Beschluss v 19.8.2008 unter 2.2.2 und 3.2.

Sand­ber­ger · Koope­ra­tio­nen im deut­schen und inter­na­tio­na­len Bil­dungs­markt 1 3 9

gene­rel­len Rege­lun­gen der Aner­ken­nung aus­län­di­scher Bil­dungs­ab­schlüs­se bis zu spe­zi­fi­schen Rege­lun­gen des grenz­über­schrei­ten­den Franchisings.

Die frü­her ein­zel­fall­be­zo­ge­ne, an Kri­te­ri­en der Gleich­wer­tig­keit mit inlän­di­schen Gra­den ori­en­tier­te Aner­ken­nung ist im Zuge der gemein­schafts­recht­li­chen Rege­lun­gen, ins­be­son­de­re der Nie­der­las­sungs- und Dienst­frei­heit und der dar­aus gezo­ge­nen Fol­ge­run­gen des EuGH und ihm fol­gend, des Bun­des­ver­wal­tungs­ge- richts einer gene­rel­len Aner­ken­nung gewi­chen. Dies gilt auch für Ver­ein­ba­run­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch- land oder ein­zel­ner Bun­des­län­der mit ande­ren Staa­ten, die Vor­rang vor den lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen ha- ben.

Dabei ist zwi­schen Fäl­len zu unter­schei­den, in denen das inlän­di­sche Ange­bot an Hoch­schul­qua­li­fi­ka­tio­nen von Nie­der­las­sun­gen staat­li­cher oder staat­lich aner- kann­ter Hoch­schu­len aus Mit­glied­staa­ten der EU aus- geht. In sol­chen Fäl­len gilt die anbie­ten­de Ein­rich­tung als staat­lich aner­kannt, soweit die Qua­li­tät ihres Stu­di­en- ange­bots nach dem im Her­kunfts­land gel­ten­den Rege- lun­gen gesi­chert ist.37

Soweit es sich um nicht­hoch­schu­li­sche Bil­dungsein- rich­tun­gen des Inlands als Fran­chise­neh­mer der aus­län- dischen Hoch­schu­le han­delt, sehen eini­ge Län­der wie Bran­den­burg, Nie­der­sach­sen und Nord­rhein-West­fa­len und Sach­sen-Anhalt beson­de­re Fest­stel­lungs- bzw. An- erken­nungs­ver­fah­ren vor, soweit die Bil­dungs­ein­rich- tun­gen ihren Sitz im Gel­tungs­be­reich des Geset­zes ha- ben.

Dabei lässt Nie­der­sach­sen die Ein­hal­tung der Zulas- sungs­vor­aus­set­zun­gen und der Qua­li­täts­an­for­de­run­gen nach den im Her­kunfts­land der Hoch­schu­le gel­ten­den Rege­lun­gen genü­gen, ver­langt aber eine Akkre­di­tie­rung des Stu­di­en­an­ge­bots der die Hoch­schul­aus­bil­dung durch­füh­ren­den Ein­rich­tun­gen unter Mit­wir­kung einer inlän­di­schen Akkre­di­tie­rungs­ein­rich­tung. Das Stu­di­en- ange­bot ist mit den ent­spre­chen­den Nach­wei­sen dem Fach­mi­nis­te­ri­um anzuzeigen.38

Bran­den­burg und Nord­rhein-West­fa­len stel­len darü- ber hin­aus­ge­hen­de Anfor­de­run­gen. Nach § 81 Abs. 4 BbgHG bedarf eine Ein­rich­tung, die kei­ne Nie­der­las- sung einer Hoch­schu­le aus einem EU-Staat ist, der Ge-

  1. 37  Vgl zB § 81 Abs 3 BbgHG; § 86 Abs 2 BayHG; § 64 Abs 2 NHG; § 75 Abs 2 S 1 HG NRW; § 80 HSG SH.
  2. 38  § 64a NHG.
  3. 39  § 81 Abs 4 S 1 Nr 1–3 BbgHG.
  4. 40  GVBl NRW 2000, 190; Amt­li­che Begrün­dung 12/4243, S 209 ff,dazu Lieb und Goe­bel, Auto­no­mie und Ver­ant­wor­tung staat­li­cher Hoch­schu­len in: Wis­sen­schafts­recht im Umbruch, Gedächt­nis- schrift für Krü­ger, 2001, S 205, 226 ff; zur Exege­se des § 118 HG NRW auch Richter/Pierlings, Fran­chi­sing-Koope­ra­tio­nen im

neh­mi­gung. Die Durch­füh­rung des Stu­di­en­an­ge­bots ist nur zuläs­sig, wenn:
1. Stu­di­en­be­wer­ber auf­ge­nom­men wer­den, die die Vor- aus­set­zun­gen für eine Auf­nah­me in eine ent­spre­chen­de staat­li­che Hoch­schu­le erfüllen,

2. das Stu­di­en­an­ge­bot durch eine staat­lich aner­kann­te Akkre­di­tie­rungs­ein­rich­tung akkre­di­tiert wor­den ist und 3. Die Kon­trol­le der den Hoch­schul­grad ver­lei­hen­den Hoch­schu­le über den Ver­lauf des Stu­di­ums und die Erbrin­gung der erfor­der­li­chen Leis­tun­gen gesi­chert ist.39

Noch wei­ter geht § 78 Abs. 2 S. 2 HG NRW, der neben dem Nach­weis, dass die aus­län­di­sche Hoch­schu­le Gra­de auch nach einer Aus­bil­dung in NRW ver­lei­hen dür­fen, eine Garan­tie­er­klä­rung der ver­lei­hen­den Hoch­schu­le verlangt.

Die Vor­schrift geht zurück auf § 118 Abs. 1 HG NRW vom 23.2.2000.40 Soweit sich Lan­des­ge­set­ze auf eine ge- nerel­le Rege­lung der Füh­rung aus­län­di­scher Gra­de be- schrän­ken, ist die­se im Regel­fall dar­an gebun­den, dass der Grad von einer nach dem Recht des Her­kunfts­lan­des aner­kann­ten, zur Ver­lei­hung die­ses Gra­des berech­tig­ten Hoch­schu­le auf­grund eines tat­säch­lich absol­vier­ten und durch Prü­fung abge­schlos­se­nen Stu­di­ums ord­nungs­ge- mäß ver­lie­hen wor­den ist.41 Damit wird die bis­her im Ein­zel­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zu prü­fen­de Ver­gleich- bar­keit der ver­lei­hen­den Hoch­schu­le mit einer deut- schen staat­li­chen Hoch­schu­le expli­zit ausgeschlossen.

Auf glei­cher Linie liegt der Vor­schlag einer neu in das baden-würt­tem­ber­gi­sche LHG ein­ge­füg­te Rege­lung des inter­na­tio­na­len Fran­chi­sing im Anhö­rungs­ent­wurf zum Ände­rungs­ge­setz vom 15.10.2013 (§ 72a Abs. 2 LHGE).

Damit beschränkt sich die inner­staat­li­che Qua­li­täts- siche­rung nach die­sen Bestim­mun­gen über die Aner- ken­nung aus­län­di­scher aka­de­mi­scher Gra­de aus­schließ- lich auf die Ein­hal­tung der Ver­lei­hungs­vor­schrif­ten des Herkunftslandes.

Zur Begrün­dung die­ser Libe­ra­li­sie­rung wird auf die Ent­schei­dung des EuGH im Fal­le Kraus vom 31.3.199342 und auf die dar­auf ver­wei­sen­de Ent­schei­dung des Bun- des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 12.11.199743 verwiesen.44

Die ent­schei­den­de Fra­ge beim grenz­über­schrei­ten- den Fran­chi­sing ist aber, ob auch die Füh­rung von Gra-

Hoch­schul­be­reich-Vor­ga­ben des EG-Rechts und die nord­rhein- west­fä­li­sche Rege­lung des § 118 HG, WissR 2003, 224 ff; fer­ner Pawel­lek, Die Wahr­neh­mung hoheit­li­cher Hoch­schul­auf­ga­ben durch pri­va­te Wei­ter­bil­dungs­ein­rich­tun­gen, 2009, S 166 ff.

41 ZB § 37 Abs 1 LHG BW.
42 EuGH,Urteil v 31.3.1993, C‑19/92, Slg 1993, I‑1663.
43 BVerw­GE 105, 336.
44 Amt­li­che Begrün­dung zu § 55 b UG BW 2000, jetzt § 37 LHG

BW, Drs 12/4404, S 251.

140 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2014), 129–144

den, die nicht auf einem Stu­di­um an der ver­lei­hen­den aus­län­di­schen Hoch­schu­le, son­dern einer deut­schen Bil- dungs­ein­rich­tung beru­hen, von den deut­schen gesetz­li- chen Vor­schrif­ten über eine geneh­mi­gungs­freie Füh- rung gedeckt ist.

Dar­an schließt sich die Fra­ge an, ob das Gemein- schafts­recht eine Gleich­wer­tig­keits­kon­trol­le auch in Fäl- len des grenz­über­schrei­ten­den Fran­chi­sin­gs aus­schließt. Je nach der Beant­wor­tung müss­ten die gesetz­li­chen Vor- schrif­ten über die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Gra­de ge- mein­schafts­kon­form restrik­tiv aus­ge­legt werden.

Wäre das der Fall, wür­den die dar­ge­stell­ten inner- staat­li­chen Rege­lun­gen, die eine wei­ter­ge­hen­de Qua­li- täts­kon­trol­le vor­se­hen, wegen Ver­sto­ßes gegen das Ge- mein­schafts­recht unwirksam.

Die­se Fra­gen haben inzwi­schen die deut­schen Ge- rich­te in viel­fäl­ti­gen Kon­stel­la­tio­nen beschäftigt.

Am Anfang steht eine Ent­schei­dung des BayVGH, der die die ein­schlä­gi­ge Vor­schrift des BayHG zur ge- neh­mi­gungs­frei­en Füh­rung von Aka­de­mi­schen Gra­den unter Hin­weis auf die gemein­schafts­recht­li­che Judi­ka­tur auch im Fal­le des grenz­über­schrei­ten­den Fran­chi­sing (Titel­ver­lei­hung durch die Uni­ver­si­ty of Wales auf der Grund­la­ge eines Stu­di­en­kur­ses der All­fi­nanz AG in Ham­burg) anwendet.45 Die­se Ent­schei­dung hat eine fun- dier­te Kri­tik durch Hail­bron­ner erfah­ren, der in ein­ge- hen­der Ein­zel­ana­ly­se der Judi­ka­tur des EuGH den Nach- weis führt, dass das Uni­ons­recht Spiel­räu­me für eine Miss­brauchs­kon­trol­le beim Erwerb von Berufs­be­rech­ti- gun­gen und Gra­den zum Schut­ze der All­ge­mein­heit zu- lässt.46

In die­se Rich­tung gehen auch nach­fol­gen­de Ent- schei­dun­gen zur Fra­ge der Aner­ken­nung im Fran­chise- ver­fah­ren erwor­be­ne Bache­lor­gra­de für die Zulas­sung zu Mas­ter­stu­di­en­gän­gen oder zur Aus­bil­dungs­för­de- rung.47

Die Ent­schei­dung dar­über führt über eine Exege­se der inner­staat­li­chen Bestim­mun­gen in die gemein- schafts­recht­li­chen Grundlagen.

b) Inner­staat­li­che und Gemein­schafts­recht­li­che Grund- lagen der Aner­ken­nung aus­län­di­scher Grade

Inner­staat­li­che Vor­schrif­ten über die geneh­mi­gungs­freie Füh­rung aus­län­di­scher aka­de­mi­scher Gra­de knüp­fen nur an die Vor­aus­set­zung eines tat­säch­lich absolvierten

45 BayVGH v.28. 10.2005, 7 B o5.75.
46 Hail­bron­ner, Aka­de­mi­sche Gra­de aus­län­di­scher EU-Hochschulen

im Fern­stu­di­en­ver­bund mit deut­schen Ausbildungsaktiengesell-

schaf­ten, EuZW 2007, 39 ff.
47 Vgl VG Düs­sel­dorf, Beschluss v 1.12.2010–15, L 1642/10, BeckRS

2011, 45330; VG Karls­ru­he, Urteil v 21.12.2009–10, K 1416/09, ab- ruf­bar bei juris Art 39 EG, Art 42 EG GII070712, § 5 Abs 4 BAföG;

und durch eine Prü­fung abge­schlos­se­nen Stu­di­ums an, las­sen aber offen, ob die­ses ins­ge­samt, in Tei­len oder zumin­dest unter Kon­trol­le der ver­lei­hen­den aus­län­di- schen Hoch­schu­le abge­schlos­sen wurde.48 Glei­ches gilt im Rah­men gestuf­ter Stu­di­en­gän­ge für den Begriff des Hoch­schul­ab­schlus­ses, der offen lässt, ob damit ein voll- stän­di­ges Stu­di­um mit dem Abschluss Bache­lor an einer in- oder aus­län­di­schen Hoch­schu­le gemeint ist oder auch im Fran­chi­sing erwor­be­ne Bache­lor­gra­de erfasst.

Eine Wort­laut­ex­ege­se lässt des­halb kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort auf die Fra­ge zu, ob auch ein Stu­di­um im Fran- chise­ver­fah­ren erfasst wird oder als Vor­aus­set­zung für die Füh­rung des Gra­des oder der Aner­ken­nung als Zu- las­sungs­vor­aus­set­zung für den Mas­ter­stu­di­en­gang einer Gleich­wer­tig­keits­prü­fung unter­zo­gen wer­den darf.

Die Gene­se der lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen über die geneh­mi­gungs­freie Füh­rung aus­län­di­scher Gra­de weist dar­auf hin, dass die Ant­wort nur in den gemein- schafts­recht­li­chen Grund­la­gen gefun­den wer­den kann.

Die Aner­ken­nung von Hoch­schul­gra­den inner­halb der Uni­on ist nicht Gegen­stand des uni­on­recht­li­chen Pri­mär­rechts, son­dern nur sek­to­ra­ler Vor­schrif­ten des Sek­und­där­rechts wie der Richt­li­nie 89/48 über die Aner- ken­nung von Hoch­schul­di­plo­men, die eine min­des­tens drei­jäh­ri­ge Berufs­aus­bil­dung abschlie­ßen. Bei der Füh- rung aka­de­mi­scher Gra­de geht es indes nicht um die Ge- neh­mi­gung zur Berufs­aus­übung. Die uni­ons­recht­li­chen Aner­ken­nungs­grund­sät­ze sind viel­mehr das Ergeb­nis rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung des EuGH auf der Grund- lage der Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit (Art. 45 AEUV ex Art. 39 EG) und der Dienst­leis­tungs­frei­heit (Art. 49 AEUV, ex Art. 43 EG). Die­se gebie­ten zwar, wie Hail­bron­ner in sei- ner Ana­ly­se der Judi­ka­tur im Ein­zel­nen nachweist,49 kei- ne geneh­mi­gungs­freie Füh­rung eines in einem ande­ren Mit­glied­staat erwor­be­nen Gra­des, aber eine erheb­li­che Ein­schrän­kung der Kri­te­ri­en bei der Über­prü­fung im Rah­men eines Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens. Das Geneh­mi- gungs­ver­fah­ren darf nur bezwe­cken, zu über­prü­fen, ob der in einem ande­ren Mit­glied­staat auf­grund eines Stu- diums erwor­be­ne Grad von einer hier­für zustän­di­gen Hoch­schu­le im Anschluss an ein tat­säch­lich absol­vier­tes Stu­di­um ord­nungs­ge­mäß ver­lie­hen wor­den ist.50 Dage- gen ist die Über­prü­fung auf eine irre­füh­ren­de Ver­wen- dung eines Gra­des, der nicht in Über­ein­stim­mung mit den Vor­schrif­ten des Lan­des ver­lie­hen wur­de, durch die

48

49 50

VG Darm­stadt, Urteil v 14.9.2011, 6 K 1646/09, abruf­bar bei juris § 7 Abs 1a BAföG, VG Bre­men, Beschluss v 18.2.2011, 5 V 1331/10, abruf­bar bei juris § 87 HSG BR, § 33 Abs 6 HSG BR.
Vgl zB §§ 37 Abs. 1 LHG BW, 43a BerlHrsg, 20a BbgHrsg, 64b BremHrsg, 69 HambHrsg, 69 Abs.2 Hrsg NRW, § 10 NHrsg.

Hail­bron­ner, aaO S 39, 40 ff.
EuGH, Urteil v.31.3.1993, C‑19/92=EuZW 1993, 322 — Kraus.

Sand­ber­ger · Koope­ra­tio­nen im deut­schen und inter­na­tio­na­len Bil­dungs­markt 1 4 1

zustän­di­gen Behör­den des Lan­des, in dem der Inha­ber den Grad füh­ren will, zuläs­sig, vor­aus­ge­setzt, die­se Über­prü­fung beschränkt sich auf das, was zur Errei- chung des Ziels des Schut­zes der Öffent­lich­keit erfor­der- lich ist.51

Nach der Grund­satz­ent­schei­dung im Fall Kraus ist damit eine inhalt­li­che Über­prü­fung der Gleich­wer­tig­keit des Stu­di­ums und der Prü­fungs­leis­tun­gen, die dem ver- lie­he­nen aka­de­mi­schen Grad zugrun­de lie­gen, aus­ge- schlos­sen. Dage­gen ist eine Über­prü­fung mög­lich, ob das absol­vier­te Stu­di­um den Vor­schrif­ten des Her­kunfts- lan­des entspricht.

Offen bleibt, ob die­se Grund­sät­ze auch dann gel­ten, wenn das Stu­di­um ganz oder teil­wei­se im Rah­men einer Fran­chise­ver­ein­ba­rung mit einer nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tung im Inland durch­ge­führt wird. In die­sen Kon­stel­la­tio­nen ist die Gefahr der Umge­hung im Inland gel­ten­der Qua­li­täts­stan­dards und Qua­li­täts­kont- rol­len nicht aus­zu­schlie­ßen, soweit die Bil­dungs­ein­rich- tung weder einer Kon­trol­le durch die ver­lei­hen­de Hoch- schu­le noch durch die Fach­mi­nis­te­ri­en des Inlands un- terliegt.

Die­se Fall­kon­stel­la­ti­on war nicht Gegen­stand des Fal­les Kraus, sodass des­sen Ent­schei­dungs­grün­de für die Fra­ge­stel­lung wenig hergeben.

Dage­gen weist, wie Hail­bron­ner zutref­fend fest­stellt, der Fall Valen­ti­na Neri52 sowohl in der Fall­kon­stel­la­ti­on als auch in der vom EuGH vor­ge­nom­me­nen recht­li­chen Bewer­tung Par­al­le­len zur Ver­lei­hung von Gra­den im Rah­men von Fran­chi­sing-Ver­ein­ba­run­gen auf. In die- sem Fall ging es um die Aner­ken­nung von Diplo­men der Uni­ver­si­tät Not­ting­ham, die die­se für ein Stu­di­um an ei- ner aus­län­di­schen pri­va­ten Ein­rich­tung sowohl in Groß- bri­ta­ni­en als auch in Ita­li­en anbot. Die Aner­ken­nung wur­de in Ita­li­en ver­wei­gert, weil die­se Kon­stel­la­ti­on die Kon­trol­le der Qua­li­tät der pri­va­ten Ein­rich­tung sowohl durch die zustän­di­gen Ein­rich­tun­gen in Ita­li­en wie im Her­kunfts­land der Ein­rich­tung ver­hin­der­ten. Der EuGH hat die gemein­schafts­recht­li­che Ver­ein­bar­keit die­ser Ent­schei­dun­gen zwar im Ergeb­nis ver­neint, aber nicht aus­ge­schlos­sen, dass inhalt­li­che Anfor­de­run­gen an ein Stu­di­um, das an exter­nen Ein­rich­tun­gen zum Zwe­cke der Qua­li­täts­kon­trol­le defi­niert wer­den kön­nen. Dies ist aber nur dann zuläs­sig, wenn glei­che Anfor­de­run­gen auch beim inner­staat­li­chen Fran­chi­sing gestellt wer­den. Dies war in der Rechts­sa­che Neri nicht der Fall.53

In der Zusam­men­schau der Ent­schei­dun­gen Kraus und Neri lässt sich damit bei der Aner­ken­nung von Hoch­schul­gra­den aus staat­li­chen oder staat­lich aner-

  1. 51  Vgl Hail­bron­ner, aaO mwN in Fn 10 und 11.
  2. 52  EuGH, Urteil v 13.11.2003, C‑153/02=EuZW 2004, 121.
  3. 53  EuGH, vori­ge Fn, Rn 47 ff, vgl auch Hail­bron­ner, aaO S 41.

kann­ten Hoch­schu­len von EU Mit­glied­staa­ten der Ver- zicht auf eine Gleich­wer­tig­keits­prü­fung uni­ons­recht­lich dann recht­fer­ti­gen, wenn das dem Diplom zugrun­de­lie- gen­de Stu­di­um an einer im Her­kunfts­land aner­kann­ten Hoch­schu­le absol­viert wurde.

Dar­aus kann aber nicht der Schluss gezo­gen wer­den, dass bei einer grenz­über­schrei­ten­den Koope­ra­ti­on von Hoch­schu­len mit nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungsein- rich­tun­gen im Inland aus­schließ­lich die Maß­stä­be des Her­kunfts­lan­des des Diploms maß­geb­lich sind.

Viel­mehr sind inner­staat­li­che Kon­trol­len dann zuläs- sig, wenn legi­ti­me Inter­es­sen des Aner­ken­nungs­staa­tes nicht aus­rei­chend durch die inhalt­li­chen Anfor­de­run- gen, Prü­fun­gen und Kon­trol­len des Her­kunfts­lan­des er- fasst sind.

Das ist dann der Fall, wenn die inlän­di­sche Bil­dungs- ein­rich­tung weder durch eine zustän­di­ge inlän­di­sche Stel­le bzw. von ihr beauf­trag­te Akkre­di­tie­rungs­agen­tur noch von einer zustän­di­gen Stel­le des Her­kunfts­lan­des zer­ti­fi­ziert wurde.

Dies erlaubt zwar nicht den Aus­schluss der Aner­ken- nung von aus­län­di­schen Hoch­schul­gra­den, die im Rah- men des grenz­über­schrei­ten­den Fran­chi­sin­gs auf der Grund­la­ge eines Stu­di­ums an einer inlän­di­schen nicht hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tung erwor­ben wur­de. Zuläs­sig ist dage­gen eine Über­prü­fung, ob die für sol­che Koope­ra­tio­nen im Inland gel­ten­den Maß­stä­be ein­gehal- ten wurden.

Unter die­sem Aspekt kann die Ent­schei­dung des BayVGH nicht als Kron­zeu­ge für eine unein­ge­schränk­te Aner­ken­nung aus­län­di­scher Gra­de im Rah­men des grenz­über­schrei­ten­den Fran­chi­sin­gs her­an­ge­zo­gen wer- den. Ihre Begrün­dung fußt aus­schließ­lich auf den tra- gen­den Grün­den des Fal­les Kraus, bei dem es aber um die Aner­ken­nung eines rei­nen Aus­lands­stu­di­ums ging.54

Dar­aus ergibt sich, dass sowohl die beson­de­ren Rege- lun­gen für das grenz­über­schrei­ten­de Fran­chi­sing in Bran­den­burg, Nord­rhein-West­fa­len und Nie­der­sa­chen als auch die Pra­xis in Bun­des­län­dern, die der Aner­ken- nung im grenz­über­schrei­ten­den Fran­ching erwor­be­ner Gra­de hin­sicht­lich des Stu­di­en­an­ge­bots inlän­di­scher Bil­dungs­ein­rich­tun­gen eine Gleich­wer­tig­keits­prü­fung durch­füh­ren, gemein­schafts­rechts­kon­form sind.

Einen Son­der­fall stellt die Euro­päi­sche Berufs­an­er­ken- nungs­richt­li­nie von 2005 dar, die die Aner­ken­nung von Be- ruf­s­qua­li­fi­ka­tio­nen des Her­kunfts­mit­glied­staa­tes für sog. gere­gel­te Beru­fe, ins­be­son­de­re der Human- Zahn- und Tier­me­di­zin im Auf­nah­me­mit­glied­staat regelt.55

54 Hail­bron­ner, aaO S 42.
55 Richt­li­nie 2005/36/EG, ABl EU L 255/22 v 30.9.2005.

142 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2014), 129–144

Die Aner­ken­nung ent­spre­chen­der Qua­li­fi­ka­tio­nen ist nach Art. 24 die­ser Richt­li­nie an die Erfül­lung von Min­dest­an­for­de­run­gen an die Zulas­sung und zum In- halt des Medi­zin­stu­di­ums gebun­den. Glei­ches gilt nach Art. 25 für die Wei­ter­bil­dung zum Facharzt.

Dem Auf­nah­me­mit­glied­staat steht nach Art. 21 der Richt­li­nie aller­dings kein Kon­troll­recht hin­sicht­lich der Ein­hal­tung die­ser Vor­schrif­ten durch den Her­kunfts- staat zu.

Ob die Fran­chi­sing-Model­le der Medi­cal Schools die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 24 der Richt­li­nie erfül­len, ist des­halb in die Ver­ant­wor­tung des Her­kunfts­mit­glied- staa­tes gestellt. Bei Ver­let­zung der Stan­dards wäre ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren nach Art. 258, 259 AEUV denkbar.

c) Fazit

Auch im grenz­über­schrei­ten­den Fran­chi­sing wei­sen die Län­der­ge­set­ze kei­ne ein­heit­li­che Linie auf. Nur weni­ge Län­der, wie Bran­den­burg, Nord­rhein-West­fa­len und Nie­der­sach­sen und künf­tig Baden-Würt­tem­berg wid- men die­ser Pro­ble­ma­tik eige­ne Bestim­mun­gen. Gemein- samer Nen­ner ist die Defi­ni­ti­on von Qua­li­täts­an­for­de- run­gen an das Aus­bil­dungs­an­ge­bot der nicht­hoch­schu­li- schen Bil­dungs­ein­rich­tung im Inland. In den ande­ren Bun­des­län­dern wird die Pro­ble­ma­tik bei der Aus­le­gung der Bestim­mun­gen über die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Hoch­schul­di­plo­me und der Ein­gangs­vor­aus­set­zun­gen für die zwei­te Stu­fe der Bache­lor-Mas­ter-Stu­di­en­gän­ge entschieden.

Dabei kommt der Inter­pre­ta­ti­on des Gemein­schafts- rechts eine zen­tra­le Bedeu­tung zu. Ent­ge­gen einer Ent- schei­dung des BayVGH, der eine Gleich­wer­tig­keits­prü- fung unter Hin­weis auf die Judi­ka­tur des EuGH im Fall Kraus ver­neint hat, ist – dank der umfas­sen­den Ana­ly­se von Kai Hail­bron­ner – eine Gleich­wer­tig­keits­prü­fung im exter­nen Fran­chi­sing erwor­be­ner Gra­de nach den glei- chen Kri­te­ri­en mög­lich, die auch für das inter­ne Fran- chi­sing gel­ten. Dies gebie­tet schon die Gleich­be­hand- lung der Anfor­de­run­gen an die Qua­li­täts­si­che­rung von Hoch­schul­gra­den, die in Koope­ra­ti­on mit inlän­di­schen nicht­hoch­schu­li­schen Ein­rich­tun­gen erwor­ben werden.

IV. Zusam­men­fas­sung und Schluss

Im Schat­ten der Libe­ra­li­sie­rung und Inter­na­tio­na­li­sie- rung des Rechts des Stu­di­ums, der Leh­re und der Prü- fun­gen zu Beginn die­ses Jahr­tau­sends haben sich neue For­men der Zusam­men­ar­beit von Hoch­schu­len und außer­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen entwi-

ckelt, die in ein­zel­nen Län­der­ge­set­zen und Beschlüs­sen der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz auch als Fran­chi­sing bezeich­net werden.

Dabei gibt es zwei Hauptformen:

1. Die Grad­ver­lei­hung durch eine staat­li­che oder staat- lich aner­kann­te deut­sche Hoch­schu­le auf­grund eines Stu­di­ums an einer deut­schen oder aus­län­di­schen nicht- hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tung. Ein beson­de­rer Fall ist die Grad­ver­lei­hung auf­grund eines Stu­di­ums an einer aus­län­di­schen Bil­dungs­ein­rich­tung, die von einer oder meh­re­rer deut­scher Hoch­schu­len im Aus­land gegrün­det wurde.

2. Die Grad­ver­lei­hung durch eine staat­li­che oder staat- lich aner­kann­te Hoch­schu­le des Aus­lands auf­grund eines Stu­di­ums an einer deut­schen nicht­hoch­schu­li- schen Bildungseinrichtung.

In bei­den Fall­grup­pen lie­gen die­ser Koope­ra­ti­on Ver­trä­ge zugrun­de, die die Anfor­de­run­gen an die Zulas- sung, an Inhal­te und Durch­füh­rung des Stu­di­en­gangs durch die pri­va­te Bil­dungs­ein­rich­tung nach Maß­ga­be der ein­schlä­gi­gen Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen der grad­ver­lei­hen­den Hoch­schu­len regeln.

Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig. Zum Teil wer­den die­se Ange­bo­te ent­wi­ckelt, weil die grad­ver­lei­hen­de Hoch­schu­le kapa­zi­tär nicht in der Lage ist, das Stu­di- enan­ge­bot in eige­ner Regie durch­zu­füh­ren. Teil­wei­se geht es auch um zusätz­li­che Aus­bil­dungs­an­ge­bo­te für Berufs­tä­ti­ge oder die Aus­wei­tung in hoch­schul­fer­ne Regio­nen oder den Export deut­scher Stu­di­en­gän­ge in Partnerländer.

Im inter­na­tio­na­len Bereich kom­men Grün­de des Zu- gangs zu inter­na­tio­nal bewähr­ten Stu­di­en­an­ge­bo­ten hin­zu, die durch die Koope­ra­ti­on mit einer pri­va­ten Bil- dungs­ein­rich­tung für den deut­schen Markt zugäng­lich gemacht wer­den sollen.

Viel­fach wird dies mit dem Inter­es­se an zusätz­li­cher Ein­nah­men­ge­ne­rie­rung für die Hoch­schu­len aus Betei­li- gung an den Stu­di­en­ent­gel­ten der nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen ver­bun­den sein.

Es ist Auf­ga­be der Lan­des­ge­setz­ge­ber und der Hoch- schu­len, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die auf die­ser Grund­la­ge ver­lie­he­nen Gra­de den Qua­li­täts­an­for­de­run- gen ent­spre­chen, die für die Abschlüs­se in regu­lä­ren Stu- dien­gän­gen gel­ten. Eben­so ist dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die im Rah­men der Euro­päi­schen Uni­on oder bila­te­ra­len Ver­trä­gen gebo­te­ne Aner­ken­nung von Hoch­schul­gra- den im Rah­men sol­cher Geschäfts­mo­del­le nicht dazu benutzt wird, Stu­di­en­an­ge­bo­te nichthochschulischer

Sand­ber­ger · Koope­ra­tio­nen im deut­schen und inter­na­tio­na­len Bil­dungs­markt 1 4 3

Bil­dungs­ein­rich­tun­gen als Vor­aus­set­zung für die Grad- ver­lei­hung zuzu­las­sen, die nicht den Qua­li­täts­kri­te­ri­en der von der ver­lei­hen­den Hoch­schu­le durch­ge­führ­ten Stu­di­en­an­ge­bo­ten entspricht.

Die Ana­ly­se der ein­schlä­gi­gen lan­des­recht­li­chen Re- gelun­gen weist ein höchst hete­ro­ge­nes Bild auf. Nur we- nige Bun­des­län­der sind den im Beschluss der Kul­tus­mi- nis­ter­kon­fe­renz von 2008 defi­nier­ten Anfor­de­run­gen ei- ner Qua­li­täts­kon­trol­le durch beson­de­re Rege­lun­gen nachgekommen.

Die meis­ten Bun­des­län­der behel­fen sich mit all­ge- mei­nen Rege­lun­gen der Aner­ken­nung von Stu­di­en­leis- tun­gen, die an nicht­hoch­schu­li­schen Bil­dungs­ein­rich- tun­gen oder im Zusam­men­wir­ken von Hoch­schu­len er- bracht wurden.

Dies gilt sowohl für das inner­staat­li­che als auch für das grenz­über­schrei­ten­de Franchising.

Die Anfor­de­run­gen an die Qua­li­täts­kon­trol­le des grenz­über­schrei­ten­den Fran­chi­sin­gs müs­sen sich an der Judi­ka­tur des EuGH zur Aner­ken­nung von Hoch­schul- gra­den, die in einem ande­ren Mit­glied­staat ver­lie­hen wur­den, mes­sen lassen.

Eine Ana­ly­se die­ser Judi­ka­tur zeigt, dass zwar eine Gleich­wer­tig­keits­prü­fung nicht mehr zuläs­sig ist, wenn der aus­län­di­sche Hoch­schul­grad für ein Stu­di­um ver­lie- hen wird, das aus­schließ­lich im grad­ver­lei­hen­den Land absol­viert wur­de und den Vor­aus­set­zun­gen der grad­ver- lei­hen­den Hoch­schu­le entspricht.

Dage­gen ist eine Qua­li­täts­kon­trol­le zuläs­sig, wenn der aus­län­di­sche Grad auf der Grund­la­ge eines Stu­di­ums an einer deut­schen nicht­hoch­schu­li­schen Aus­bil­dung ver­lie­hen wird.

Die­ser Befund macht deut­lich, dass die­ser Sach­kom- plex einer erneu­ten Befas­sung durch die KMK und die Lan­des­ge­setz­ge­ber bedarf, um Miss­bräu­chen zu Las­ten der Stu­die­ren­den gegen­zu­steu­ern und trans­pa­ren­te, ord- nungs­po­li­tisch stim­mi­ge, den Qualitätsanforderungen

eige­ner Stu­di­en­gän­ge ent­spre­chen­den Anfor­de­run­gen an Stu­di­en­an­ge­bo­te zu defi­nie­ren, die im Rah­men von Public Pri­va­te Part­ners­hip außer­halb des Hoch­schul­we- sens erbracht werden.

Dafür hilf­reich sind die in der Vor­be­rei­tung befind­li- chen HRK-Emp­feh­lun­gen zum Fran­chi­sing von Stu­di- engän­gen, die kla­re an die Mit­glieds­hoch­schu­len gerich- tete Ori­en­tie­rungs-Leit­sät­ze für die Ein­füh­rung und Durch­füh­rung von Fran­chise­stu­di­en­gän­gen ent­hal­ten. In deren Mit­tel­punkt steht die Ver­ant­wor­tung der Hoch- schu­le für die Inhal­te, die Qua­li­fi­ka­ti­on des Lehr- und Prü­fungs­per­so­nals und der Qua­li­täts­si­che­rung, die die Hoch­schu­le in den Koope­ra­ti­ons­ver­trä­gen mit den Fran- chise­neh­mern zu ver­an­kern hat.

Im Bereich der grenz­über­schrei­ten­den Koope­ra­ti­on von Hoch­schu­len beim Ange­bot gemein­sam getra­ge­ner Stu­di­en­gän­ge und der Ver­lei­hung von Gra­den bestehen weit­ge­hend ähn­li­che Anfor­de­run­gen an die Aner­ken- nung der Stu­di­en­gän­ge, die Ver­fah­ren der Qua­li­täts­kon- trol­le, an die Zulas­sung, an die Ver­ant­wor­tung für die Durch­füh­rung des Lehr­an­ge­bots und die Prü­fungs­in- hal­te, die sich für die­se inten­sivs­te Form der Zusam­men- arbeit als för­der­lich erwie­sen haben. Aller­dings sehen auch für die­se Kon­stel­la­ti­on nur weni­ge Lan­des­hoch- schul­ge­set­ze beson­de­re Rege­lun­gen vor. Fehlt eine spe­zi- elle Rechts­grund­la­ge, stützt sich die Zusam­men­ar­beit auf die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten, die auch für die Ko- ope­ra­ti­on inlän­di­scher Hoch­schu­len beim Ange­bot ge- mein­sa­mer Stu­di­en­gän­ge oder die soge­nann­te Exter­nen- prü­fung gelten.

Im Inter­es­se der Rege­lungs­trans­pa­renz für die betrof- fenen Stu­die­ren­den und die Hoch­schu­len wäre eine An- glei­chung der lan­des­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen auch für die­se Fall­kon­stel­la­ti­on sinnvoll.

Der Autor ist Pro­fes­sor an der Eber­hard-Karls-Uni­ver­si- tät Tübingen.

144 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2014), 129–144