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I. War­um ein LL.M.?

Der LL.M. ist ein The­ma, mit dem sich inzwi­schen ver- mut­lich jeder deut­sche Jura­stu­dent beschäf­tigt. Die Anzahl der deut­schen Juris­ten, die ein LL.M.-Programm abschlie­ßen, steigt seit Jah­ren und inzwi­schen bie­ten auch vie­le juris­ti­sche Fakul­tä­ten deut­scher Uni­ver­si­tä­ten Stu­den­ten die Mög­lich­keit die­sen Abschluss zu erwerben.

Daher habe auch ich mich nach mei­nem Ers­ten Staats­examen im Jahr 2012 mit der Fra­ge beschäf­tigt, ob es sinn­voll für mich wäre einen LL.M.-Studium zu be- gin­nen. Ich habe mich schnell dafür ent­schie­den, weil ich die mit dem LL.M. ver­bun­de­ne Chan­ce des ein­jäh­ri- gen Aus­lands­auf­ent­halts nut­zen wollte.

Es gibt aber vie­le wei­te­re Argu­men­te für den Erwerb eines LL.M.

Zunächst kann er für den beruf­li­chen Ein­stieg und die anschlie­ßen­de Kar­rie­re wert­voll sein. Die Stu­den­ten- zah­len in den Rechts­wis­sen­schaf­ten sind kon­stant hoch, die Anzahl der zuge­las­se­nen Anwäl­te steigt seit Jah­ren und der Kon­kur­renz­druck unter Juris­ten ist somit hoch, daher sind Zusatz­qua­li­fi­ka­tio­nen – wie auch der LL.M. – eine gute Mög­lich­keit, sich von ande­ren Bewer­bern ab- zuset­zen. Vor allem für Juris­ten, die eine Kar­rie­re in ei- ner inter­na­tio­na­len Wirt­schafts­kanz­lei anstre­ben, ist ein LL.M.-Studium – ins­be­son­de­re im eng­lisch­spra­chi­gen Aus­land – sehr nütz­lich, denn es beschei­nigt dem Be- wer­ber gute Sprach­kennt­nis­se, Fle­xi­bi­li­tät und Welt­of- fen­heit. Der LL.M. wird in die­sen Kanz­lei­en mit der Pro- moti­on für die Ein­stel­lung und die Bezah­lung viel­fach als gleich­wer­tig behandelt.

Außer­dem öff­net der LL.M. die Tür zu Stel­len mit Aus­lands­be­zug, zum Bei­spiel bei einer inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on, einem Unter­neh­men, das mul­ti­na­tio­nal ori­en­tiert ist oder sogar zu einer Stel­le im Ausland.

Von den Berufs­chan­cen abge­se­hen, ermög­licht ein LL.M.-Studium es einem Juris­ten, der ein beson­de­res In- ter­es­se an einen spe­zi­el­len Rechts­ge­biet hat, sei­ne Kennt- nis­se dar­über zu ver­tie­fen und das The­ma aus einem an- deren, inter­na­tio­na­le­ren Blick­win­kel zu betrachten.

II. Stu­di­en­auf­bau

Ich ent­schied mich also für ein LL.M.-Studium. Als Uni- ver­si­tät wähl­te ich das King‘s Col­le­ge Lon­don aus. Zum einen weil ich ger­ne ein Jahr in Lon­don ver­brin­gen woll-

te und zum ande­ren weil am King‘s Col­le­ge ein LL.M. im Arbeits­recht ange­bo­ten wur­de, als ich mich bewarb. Die Spe­zia­li­sie­rung („spe­cia­lism“) im Arbeits­recht gab es dann aller­dings schon bevor ich mein Stu­di­um begann nicht mehr, weil die Uni­ver­si­tät ihr Pro­fil schär­fen woll- te und daher eini­ge Spe­zia­li­sie­run­gen strich.

Inzwi­schen gibt es am King‘s Col­le­ge neben dem all- gemei­nen LL.M. („tailo­red LL.M.“) Spe­zia­li­sie­run­gen im Wett­be­werbs­recht („Com­pe­ti­ti­on Law“), im Euro­pa- recht, im inter­na­tio­na­len Wirt­schafts­recht („Inter­na­tio- nal Busi­ness Law“), im inter­na­tio­na­len Finanz­recht („In- ter­na­tio­nal Finan­cial Law“), im Recht des geis­ti­gen Ei- gen­tums in Kom­bi­na­ti­on mit Infor­ma­ti­ons­recht („Intel- lec­tu­al Pro­per­ty & Infor­ma­ti­on Law“), im trans­na­tio­na­len Recht („Trans­na­tio­nal Law“) und im inter­na­tio­na­len Steu­er­recht („Inter­na­tio­nal Tax“).

Unab­hän­gig davon für wel­che Art von LL.M. am King‘s Col­le­ge sich ein Stu­dent ent­schei­det, der wesent- liche Auf­bau des Stu­di­ums ist iden­tisch. Jeder Stu­dent muss bis zum Ende des LL.M.-Programms 180 Credits sam­meln, um das Stu­di­um erfolg­reich abzu­schlie­ßen. Die Credits müs­sen durch eine Mas­ter­ar­beit („wri­ting pro­ject“) und ver­schie­de­ne Kur­se erwor­ben werden.

Das Stu­di­en­jahr ist in drei Abschnit­te auf­ge­teilt, die dort Semes­ter genannt wer­den. In den ers­ten bei­den Se- mes­tern fin­det Unter­richt statt, im drit­ten Semes­ter wer- den die Abschluss­klau­su­ren geschrie­ben und im An- schluss an die­ses Semes­ter haben die Stu­den­ten freie Zeit, in der sie ihre Abschluss­ar­bei­ten anfer­ti­gen können.

Ein Kurs ist je nach sei­nem Umfang, also der Anzahl an Unter­richts­stun­den, ent­we­der 20 oder 40 Credits wert. Ein 20 Credits Kurs wird in der Regel ein Semes­ter und ein 40 Credits Kurs zwei Sems­ter unter­rich­tet. In je- dem Kurs wird im drit­ten Semes­ter eine Abschluss­klau- sur geschrie­ben, deren Bear­bei­tungs­zeit in der Regel zwei oder drei Stun­den beträgt.

Die zum Ende des Stu­di­ums ein­zu­rei­chen­de Mas­ter- arbeit gibt es in zwei ver­schie­de­nen Vari­an­ten. Die ers­te heißt „Dis­ser­ta­ti­on“ und ist 60 Credits wert. Eine Dis­ser- tati­on darf maxi­mal 15.000 Wör­ter inklu­si­ve Fuß­no­ten und Inhalts­ver­zeich­nis umfas­sen, ihr The­ma ist vom Stu­den­ten selbst zu wäh­len und der Stu­dent muss sich eigen­stän­dig einen Pro­fes­sor suchen, der sei­ne Dis­ser­ta- tion betreut. Die zwei­te Vari­an­te der Mas­ter­ar­beit ist das „Rese­arch Essay“, das 40 Credits ein­bringt. Das Thema

Maren Jantz

LL.M. — Stu­di­um am Kings Col­le­ge in Lon­don. Ein Erfahrungsbericht

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2015, ISSN 2197–9197

234 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 233–236

des Rese­arch Essays ist inso­weit vor­ge­ge­ben als der Stu- dent eine Lis­te mit Vor­schlä­gen von den Pro­fes­so­ren sei- ner Kur­se erhält und in einem der Kurs drei The­men als gewünscht aus­wäh­len kann. Falls es mög­lich ist, be- kommt er sein ers­tes Wunsch­the­ma zuge­teilt, soll­te dies nicht mög­lich sein, erhält er je nach Mög­lich­keit das zwei­te oder drit­te The­ma von sei­ner Lis­te. Das Rese­arch Essay darf einen Umfang von 7.500 Wör­tern inklu­si­ve Fuß­no­ten und Lite­ra­tur­ver­zeich­nis nicht überschreiten.

Um einen spe­zia­li­sier­ten LL.M. zu erwer­ben, muss ein Stu­dent 120 sei­ner Credits mit Inhal­ten aus einem Spe­zi­al­ge­biet erwer­ben und bei der Uni­ver­si­tät ange­ben, dass er einen spe­zia­li­sier­ten LL.M. erwer­ben möchte.

III. Stu­di­en­ab­lauf

Eine Woche vor dem Anfang des Semes­ters gab es eine Ein­füh­rungs­wo­che für inter­na­tio­na­le Stu­den­ten. Das ist eine gro­ße Hil­fe zum Knüp­fen von Kon­tak­ten zu ande- ren Stu­den­ten und um Infor­ma­tio­nen über das Leben in Eng­land bzw. in Lon­don sowie über den gene­rel­len Ablauf eines Stu­di­ums in Eng­land und die Ein­rich­tun- gen und Hilfs­an­ge­bo­te am Col­le­ge zu erhal­ten. Am ers- ten Tag des Semes­ters gab es noch eine spe­zi­el­le Ein­füh- rung für alle LL.M.-Studenten, um den Ablauf des LL.M.-Programms, die Pro­fes­so­ren und die Spe­zia­li­sie- run­gen vorzustellen.

An die­sem Ein­füh­rungs­tag bekom­men die Stu­den­ten außer­dem Stun­den­plä­ne aus­ge­hän­digt, auf denen sämt- liche für Juris­ten ange­bo­te­nen Kur­se mit Hin­weis dar­auf, für wel­che Spe­zia­li­sie­rung sie Credits lie­fern kön­nen, ver­merkt sind. Die Stu­den­ten haben in den ers­ten zwei Wochen des Stu­di­ums die Mög­lich­keit alle Kur­se zu be- suchen, die ihnen inter­es­sant erschei­nen. Nach zwei Wo- chen müs­sen sie sich ent­schei­den, wel­che Kur­se sie tat- säch­lich bele­gen wol­len und müs­sen sich dafür im Intra- net der Uni­ver­si­tät („KEATS“) anmelden.

Der Unter­richt in den Kur­sen ori­en­tiert sich an einer Lese­lis­te („rea­ding list“), die jeder Pro­fes­sor für sei­nen Kurs am Anfang des ers­ten Unter­richts­se­mes­ters aus­gibt und die jeder­zeit auf KEATS zugäng­lich ist. Dort ist für jede Unter­richts­ein­heit ein The­ma auf­ge­führt, das im Kurs bespro­chen wird und es wer­den Tex­te ange­ge­ben, die für die­ses The­ma im Vor­aus zu lesen sind. Die­se Tex- te wer­den, soweit es den Pro­fes­so­ren mög­lich ist, auf KE- ATS online gestellt, damit die Stu­den­ten sie pro­blem­los fin­den und abru­fen kön­nen. Die rea­ding lists haben re- gel­mä­ßig einen so gro­ßen Umfang, dass es kein Stu­dent schafft alles zu lesen, was auf der Lis­te steht, wes­halb die

1 Lis­te mit allen wähl­ba­ren Kur­sen: http://www.kcl.ac.uk/pros- pec­tus/­gra­dua­te/­mas­ter-of-law­s/­st­ruc­tu­re [zuletzt abge­ru­fen am 3.9.2015].

Pro­fes­so­ren kenn­zeich­nen, wel­che Tex­te die wesent- lichs­ten und daher zur Vor­be­rei­tung der Stun­de uner- läss­lich sind. Wie die­se The­men dann genau im Unter- richt bespro­chen wer­den, hängt zum einen von der Kurs­grö­ße und zum ande­ren vom Stil des jewei­li­gen Pro­fes­sors ab.

Die Kur­se, die ich besucht habe, hat­te alle Teil­neh- mer­zah­len unter 40 Stu­den­ten, wes­halb sie eher Unter- richts­stun­den in der Schu­le als Vor­le­sun­gen an deut- schen Uni­ver­si­tä­ten gli­chen; der Unter­schied zwi­schen den ver­schie­de­nen Kur­sen lag dar­in, ob es ein Fron­tal- unter­richt mit gele­gent­li­chen Fra­gen an die Stu­den­ten oder ein Unter­richts­ge­spräch war. Ich habe aber von Kom­mi­li­to­nen gehört, dass ihre Kur­se wesent­lich grö­ßer waren und neh­me daher an, dass dort der Lehr­stil einer Vor­le­sung näher kam.

Die Abschluss­klau­su­ren im drit­ten Semes­ter wer­den in gro­ßen Hal­len mit über tau­send Stu­den­ten pro Hal­le geschrie­ben. Es wer­den in jeder Klau­sur meh­re­re Fra­gen in Form von offe­nen Auf­satz­fra­gen gestellt, von denen man eine bestimm­te Anzahl – in der Regel eine Fra­ge für jede Stun­de der Bear­bei­tungs­zeit – aus­wäh­len und bear- bei­ten muss. Die Klau­sur­fra­gen bezie­hen sich auf die The­men der Unter­richts­stun­den. Jede Fra­ge behan­delt eine Unter­richts­ein­heit, wobei es weni­ger Fra­gen als Un- ter­richts­ein­hei­ten gibt, so dass nicht alle Unter­richt­sein- hei­ten abge­fragt wer­den. Es wird aber auch nichts ge- fragt, was nicht bespro­chen wur­de. Als Ant­wor­ten wer- den Essays erwartet.

Ich habe in mei­ner Zeit am King‘s Col­le­ge einen tailo­red LL.M. gemacht, da mei­ne gewünsch­te Spe­zia­li- sie­rung nicht mehr exis­tier­te. Ich war des­halb in mei­ner Kurswahl1 voll­kom­men unab­hän­gig. Es gibt näm­lich – abge­se­hen von der Anfor­de­rung 120 Credits aus einem Rechts­ge­biet für die Spe­zia­li­sie­rung zu sam­meln – kei- ner­lei fes­te Vor­ga­ben über Kur­se, die man wäh­len müss- te oder sol­che, die man nicht kom­bi­nie­ren könn­te. Ich habe im Rah­men des Stu­di­ums daher die vier Kur­se be- legt, die mich am meis­ten inter­es­sier­ten, ohne dar­auf zu ach­ten, dass sie ein sinn­vol­les oder sys­te­ma­ti­sches Ge- samt­kon­zept erga­ben. Das war eine span­nen­de Abwei- chung vom deut­schen Stu­di­en­kon­zept, hin­ter­ließ mich aber mit dem Ein­druck, dass dies wegen des erwor­be­nen Wis­sens in unver­bun­de­nen Nischen für eine gute juris­ti- sche Aus­bil­dung nicht geeig­net ist. Da der LL.M. für mich nur ein Bonus und nicht die Grund­la­ge mei­ner Aus­bil­dung war und der Ver­fol­gung mei­ner spe­zi­el­le­ren Inter­es­sen dien­te, begrüß­te ich die Mög­lich­keit. Von den vier Kur­sen, die ich beleg­te waren drei Kur­se 40 Credits

und einer 20 Credits wert. Die umfang­rei­che­ren Kur­se waren: „Poli­ti­cal Theo­ry and Inter­na­tio­nal Law“, „Inter- natio­nal and Com­pa­ra­ti­ve Pro­per­ty Law“ und „Euro- pean Labour Law“; der kür­ze­re Kurs war „Labour Law in the Age of Aus­teri­ty“. Damit erfüll­te ich 140 Credits und fer­tig­te des­halb ein Rese­arch Essay an, um ins­ge­samt auf 180 Credits zu kommen.

In mei­nen Kur­sen muss­te ich kei­ner­lei Zwi­schen­leis- tun­gen in den Unter­richts­se­mes­tern, wie zum Bei­spiel durch Anfer­ti­gung von Haus­ar­bei­ten oder Refe­ra­te, er- brin­gen, son­dern wur­de nur auf der Grund­la­ge der Ab- schluss­klau­su­ren bewer­tet. Es gibt aber am King‘s Col- lege auch eini­ge Kur­se, die ver­schie­de­ne Zwi­schen­leis- tun­gen wäh­rend der Unter­richts­se­mes­ter verlangen.

Die Kur­se, die ich besuch­te waren alle ziem­lich klein. Der größ­te Kurs war „Inter­na­tio­nal and Com­pa­ra­ti­ve Pro­per­ty Law“ mit ca. 30–40 Stu­den­ten; der kleins­te war „Labour Law in the Age of Aus­teri­ty“ mit 7 Stu­den­ten. Von vie­len ande­ren Kur­sen habe ich aber gehört, dass sie wesent­lich grö­ßer waren; was vor allem dar­an lag, dass die­se Kur­se – im Gegen­satz zu drei von mei­nen vier Kur- sen – geeig­net waren, Credits für eine Spe­zia­li­sie­rung zu liefern.

IV. Unter­schie­de zum Stu­di­um in Deutschland

Eini­ge Unter­schie­de zum Stu­di­um in Deutsch­land sind schon ange­klun­gen, so zum Bei­spiel die klei­ne­ren Kurs- grö­ßen, die Mög­lich­keit sei­ne Kur­se recht frei zu wäh­len, die abwei­chen­de Lehr­form und die ande­re Art Klau­su- ren zu schrei­ben. Es gibt aber noch ande­re Unterschiede.

Sehr auf­fäl­lig ist, dass die Orga­ni­sa­ti­on des Stu­di­ums mit wesent­lich mehr Rück­sicht auf die Bedürf­nis­se der Stu­den­ten kon­stru­iert ist. Schon in der Ein­füh­rungs­wo- che für inter­na­tio­na­le Stu­den­ten wur­de deut­lich, dass das King‘s Col­le­ge mehr Wert dar­auf legt, sei­nen Stu­den- ten zu hel­fen als eine deut­sche Uni­ver­si­tät. Es gibt zum Bei­spiel eine Ein­rich­tung die „Com­pass“ heißt und de- ren Zweck es ist für jeg­li­ches Pro­blem eines Stu­den­ten, sei es ein Stu­di­en- oder Lebens­be­zo­ge­nes, ent­we­der selbst Hil­fe zu leis­ten oder ihn zumin­dest an eine Stel­le wei­ter zu ver­wei­sen, die ihm hel­fen kann.

Für inter­na­tio­na­le Stu­den­ten gibt es außer­dem das „Eng­lish Lan­guage Cent­re“, das über das gan­ze Jahr Eng- lisch­kur­se für aus­län­di­sche Stu­den­ten mit unter­schied­li- chen Schwer­punkt­set­zun­gen, zum Bei­spiel das Schrei­ben von eng­li­schen Tex­ten im all­ge­mei­nen, das Schrei­ben von Essays, wie sie an der Uni­ver­si­tät ver­langt wer­den, im Be- son­de­ren oder den münd­li­chen Aus­druck, anbie­tet, so dass mög­li­cher­wei­se vor­han­de­ne sprach­li­che Pro­ble­me schnell beho­ben wer­den kön­nen. Außer­dem bie­tet das Eng­lish Lan­guage Cent­re jedem Stu­den­ten die Mög­lich­keit einige

Sei­ten sei­ner Mas­ter­ar­beit ein­zu­rei­chen und sie nach sprach­li­chen Maß­stä­ben – natür­lich nicht inhalt­lich – bewer­tet und wei­te­re sprach­li­che Tipps und Hil­festel- lun­gen zu bekommen.

Auch die Pro­fes­so­ren sind jeder­zeit bereit den Stu- den­ten zu hel­fen und bie­ten dies auf eine Wei­se an, die zum Kon­takt anhält. Zum einen wer­den ihre offi­zi­el­len Sprech­zei­ten in der ers­ten Stun­de publik gemacht und bewor­ben, wobei auch mit­ge­teilt wird, dass in beson­de- ren Fäl­len nach Abspra­che Ter­mi­ne zu ande­ren Zei­ten ver­ein­bart wer­den kön­nen; und zum ande­ren erhal­ten die Stu­den­ten die E‑Mail-Adres­sen der Pro­fes­so­ren und wer­den ange­hal­ten jeder­zeit zu schrei­ben. Aus eige­ner Erfah­rung kann ich nichts zu den Sprech­stun­den sagen, aber mit dem Schrei­ben von E‑Mails habe ich die Erfah- rung gemacht, dass mit einer Ant­wort inner­halb der nächs­ten zwei Tage, zumeist aber noch am sel­ben Tag zu rech­nen ist. Das Ver­hält­nis der Stu­den­ten zu dem Pro- fes­so­ren ist ins­ge­samt ein ganz ande­res als in Deutsch- land. Wegen der klei­ne­ren Kurs­grö­ßen ken­nen die meis- ten Pro­fes­so­ren alle ihre Stu­den­ten, sind jeder­zeit an- sprech­bar und kon­tak­tie­ren die Stu­den­ten teil­wei­se von sich aus per E‑Mail, wenn Orga­ni­sa­to­ri­sches zum Kurs zu bespre­chen ist.

Kurz ange­spro­chen habe ich außer­dem das Intra­net KEATS. Dort fin­den die Stu­den­ten unter ande­rem die rea­ding lists und vie­le der Tex­te, auf die die rea­ding list ver­weist, so dass ihnen viel­fach die Arbeit in der Biblio- thek nach den ange­ge­be­nen Büchern und Arti­keln zu suchen abge­nom­men wird. Auch die rea­ding lists selbst sind eine wert­vol­les Instru­ment für den Stu­den­ten. Sie sind zwar zu lang, um jede von ihnen für jeden Kurs in jeder Woche durch­zu­ar­bei­ten, aber wenn ein Stu­dent an einem bestimm­ten The­ma ein beson­de­res Inter­es­se mit- bringt, fin­det er auf der ent­spre­chen­den Lis­te alle Buch- kapi­tel, Arti­kel und Ent­schei­dun­gen, die der unter­rich- ten­de Pro­fes­sor zu dem jewei­li­gen The­ma für rele­vant und lesens­wert hält, was eine her­vor­ra­gen­de Mög­lich- keit bie­tet sein Wis­sen zu ver­tie­fen und ohne gro­ße Re- cher­che­ar­beit einen Über­blick über die wesent­li­che Recht­spre­chung und Lite­ra­tur zu bekommen.

Das King‘s Col­le­ge küm­mert sich zudem nicht nur um die wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dung sei­ner Stu­den­ten wäh­rend der Stu­di­ums­zeit, son­dern bie­tet auch Hil­fe- stel­lun­gen für das anschlie­ßen­de Berufs­le­ben. So gibt es dort ein „Care­ers and Employa­bi­li­ty Team“, das dem Stu- den­ten hel­fen soll sei­nen Weg aus der Uni­ver­si­tät ins Be- ruf­s­le­ben erfolg­reich zu gestal­ten. Es bie­tet indi­vi­du­el­le Berufs­be­ra­tungs­stun­den an („indi­vi­du­al gui­d­ance ses­si- ons“) und orga­ni­siert group work­shops zu ver­schie­de- nen Kar­rie­re bezo­ge­nen The­men. Die Uni­ver­si­tät orga- nisiert außer­dem Events („Employ­er Events“), bei denen

Jantz · LL.M. Erfah­rung 2 3 5

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sich ver­schie­de­ne poten­ti­el­le Arbeit­ge­ber vor­stel­len und die Stu­den­ten die Mög­lich­keit haben, die­se ken­nen­zu- ler­nen, Fra­gen zu stel­len und sich Netz­wer­ke auf­zu­bau- en. Die­se Ange­bo­te sind aber natür­lich in ers­ter Linie in- ter­es­sant für Stu­den­ten, die sich vor­stel­len kön­nen, nach dem Abschluss des LL.M.-Programms in Lon­don zu blei­ben und dort zu arbeiten.

V. Abschlie­ßen­de Eindrücke

Das LL.M.-Studium am King‘s Col­le­ge ist ins­ge­samt also eine sehr ande­re Erfah­rung als ein Stu­di­um an einer deut­schen Uni­ver­si­tät. Es gleicht von der Form mehr einem Jahr in einer Schu­le mit außer­ge­wöhn­lich freund- lichen und hilfs­be­rei­ten Mit­ar­bei­tern. Die Orga­ni­sa­ti­on ist wesent­lich mehr an den Bedürf­nis­sen der Stu­den­ten ori­en­tiert und erin­nert an den Ser­vice eines Dienst­leis- tungs­un­ter­neh­mens. Inhalt­lich habe ich mein Stu­di­um – wie bereits erwähnt – rein nach mei­nen Inter­es­sen und nicht mit inein­an­der grei­fen­den Kur­sen auf­ge­baut. Das war einer­seits sehr span­nend, weil ich mei­nen Nei­gun- gen nach­ge­hen und sogar einen Kurs in Phi­lo­so­phie besu­chen konn­te, ande­rer­seits fand ich es im Nach­hin- ein aber etwas scha­de, dass ich nicht das Gefühl hat­te zumin­dest einen klei­nen zusam­men­hän­gen­den Teil- kom­plex des bri­ti­schen oder inter­na­tio­na­len Rechts als Gan­zes beleuch­tet zu haben. Das war aber in ers­ter Linie der Tat­sa­che geschul­det, dass die von mir ange­streb­te Spe­zia­li­sie­rung nicht mehr ange­bo­ten wur­de und wäre mit einer an einer Spe­zia­li­sie­rung ori­en­tier­ten Kurs­wahl anders gewe­sen. Zur inhalt­li­chen Kom­po­nen­te des LL.M.-Studiums am King‘s Col­le­ge an sich ist zu sagen,

dass es fas­zi­nie­rend ist, bestimm­te, aus der Per­spek­ti­ve des deut­schen Rechts bekann­te, Rechts­ge­bie­te aus einem ganz ande­ren Blick­win­kel zu betrach­ten; sowohl das Rechts­sys­tem ist ein ande­res, als auch die Art recht­li­che The­men und Pro­ble­me zu betrach­ten und zu unter­rich- ten ist anders; sie ist weni­ger rein juris­tisch, son­dern es wer­den mehr Bezü­ge zu gesell­schaft­li­chen, poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen The­men hergestellt.

Ich habe die Orga­ni­sa­ti­on des Stu­di­ums im Ver­gleich zum Stu­di­um an einer deut­schen Uni­ver­si­tät sehr gelobt und ich blei­be dabei, dass die Rah­men­be­din­gun­gen für Stu­den­ten ange­neh­mer sind. Aber bei allem Lob muss man zwei Din­ge im Hin­ter­kopf behal­ten, zum einen, dass die Stu­di­en­ge­büh­ren in Eng­land inzwi­schen ziem- lich hoch sind und wei­ter stei­gen. Bri­ti­sche und EU-Stu- den­ten zah­len für ihren LL.M. am King‘s Col­le­ge im Jahr 2015 13.000 Pfund2 (ent­spricht etwa 18.300 Euro) Stu­di- enge­büh­ren, aus­län­di­sche Stu­den­ten aus Nicht-EU-Län- dern zah­len noch mehr; und zum ande­ren, dass in Groß- bri­tan­ni­en das Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten kei­ne Vor­aus­set­zung für die Aus­übung eines juris­ti­schen Be- rufes ist.3 Es war auf­fäl­lig, dass ein Groß­teil der Stu­den- ten im LL.M.-Programm nicht bri­tisch waren. In mei­nen vier Kur­sen waren von den ca. 70–80 Stu­den­ten ins­ge- samt zwei aus Groß­bri­tan­ni­en. Die Uni­ver­si­tät muss also den Stu­den­ten ein attrak­ti­ves Ange­bot machen, um sie zum einem LL.M.-Studium zu ver­an­las­sen, das viel Geld kos­tet und kei­ne direk­te Berufs­vor­aus­set­zung ist.

Maren Jantz ist Rechts­re­fe­ren­da­rin am Kam­mer­ge­richt Berlin.

  1. 2  http://www.kcl.ac.uk/prospectus/graduate/master-of-laws/apply- ing [zuletzt abge­ru­fen am 3.9.2015].
  2. 3  Es reicht ein ande­res Stu­di­um mit anschlie­ßen­dem „con­ver­si­on cour­se“: für bar­ris­ter: http://www.barcouncil.org.uk/careers/ how-to-beco­me-a-bar­ris­ter; für soli­ci­tor: http://lawsociety.org.uk/ law-care­er­s/­be­co­m­ing-a-soli­ci­tor [zuletzt abge­ru­fen am 3.9.2015].