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Es wird gefragt: 1stens) Ob in einem Lan­de, wor­inn die Preß­frei­heit Staats­ge­setz ist, lit­ter­a­ri­sche Pri­vi­le­gi­en (wodurch nehm­lich irgend ein Jemand berech­tigt wür­de, aus­schließ­lich über gewis­se Gegen­stän­de Bücher zu schrei­ben, oder lit­ter­a­ri­sche Zeit­schrif­ten, oder kri­ti­sche Tags­blät­ter, oder Lite­ra­tur­zei­tun­gen anzu­le­gen) ert­heilt wer­den kön­nen? 2tens) Ob über­haupt in einem sol­chen Staat lit­ter­a­ri­sche Pri­vi­le­gi­en, sie mögen erlau­ben was sie wol­len, ert­heilt wer­den kön­nen? (Es ver­steht sich, daß Schrif­ten, wel­che dem Staat her­aus­zu­ge­ben zukom­men, wie Regie­rungs­blät­ter, und wenn es noch der­glei­chen gibt, der Staat ver­pach­ten kann.) 3tens) Ob ein bestimm­tes lit­ter­a­ri­sches Pri­vi­le­gi­um, das in einem Staat viel­leicht zu nütz­li­chen Zwe­cken zur Zeit ert­heilt wor­den, als noch in dem­sel­ben Preß­zwang gedul­det wur­de, noch gül­tig ist, wenn bei einer neu ein­ge­führ­ten Staats­ver­fas­sung die Preß­frei­heit Gesetz ist? 4tens) Ob ein sol­ches Pri­vi­le­gi­um in irgend einem Staat gege­ben, auf die Lei­bes­er­ben sich erstre­cken kann und darf, und ob sogar der Pri­vi­le­gier­te es an ande­re ver­kau­fen kann? 5tens) Kann ein Mit­glied einer Uni­ver­si­tät, also einer libe­ra­len, in ihren Geis­tes-Aeu­ße­run­gen durch frü­he­re Pri­vi­le­gi­en (nicht mit Aus­schluß ande­rer) vor Hem­mung geschütz­ten Staats­an­stalt, ein sol­ches, die ande­ren Mit­glie­der lit­ter­a­risch hem­men­des Pri­vi­le­gi­um mit gutem, recht­li­chem Gewis­sen (denn die Mora­li­tät wol­len wir hier nicht anru­fen) anneh­men? 6stens) Kann ein sol­ches, wenn es aus Scham das Pri­vi­le­gi­um ver­heim­licht, mit gutem, recht­li­chem Gewis­sen Mit­glied einer Uni­ver­si­tät blei­ben; kann es in den Ver­samm­lun­gen, wo über das Wohl und Weh der Wis­sen­schaf­ten und ihrer Pfle­ger berath­schlagt und abge­stimmt wird, erschei­nen? 7tens) Wenn die­se Fra­gen ver­nei­nend aus­fie­len, was wäre wohl ver­dien­ter­ma­ßen mit einem sol­chen Indi­vi­du­um anzu­fan­gen? Wel­che Juris­ten­fa­kul­tät die­se Fra­gen, die gewiß für jede selbst so wie für die gan­ze Kul­tur der Mensch­heit von höchs­ter Wich­tig­keit sind, so löst, daß die Lösung Rechts­kraft erhal­ten kann, der ver­spre­chen wir, die Bücher aller ihrer Mit­glie­der, wofern sie sich dazu eig­nen, in der Isis nicht nur lobend anzu­zei­gen; son­dern sel­be auch lobend recen­sie­ren zu las­sen, wenn wir dür­fen. Preis­auf­ga­be an alle Juris­ten­fa­kul­tä­ten der gan­zen Welt1 1 Aus ISIS oder Enzy­clo­pä­di­sche Zei­tung, Jahrg. 1817, S. 43 f. Ord­nung der Wis­sen­schaft 2019, ISSN 2197–9197 204 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2019),203–204