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Die Befris­tung von Arbeits­ver­hält­nis­sen nach dem Wiss- ZeitVG steht seit gerau­mer Zeit in der Kri­tik. Bemän­gelt wer­den unter ande­rem zu kur­ze Ver­trags­lauf­zei­ten und Ket­ten­be­fris­tun­gen. Im Zuge des­sen wer­den unter- schied­li­che Model­le zur Novel­lie­rung des WissZeitVG diskutiert.1

Ver­schie­dent­lich hat die­se Kri­tik aller­dings schon in der Gegen­wart Aus­wir­kun­gen. Ins­be­son­de­re sog. Dritt- mit­tel­be­fris­tun­gen nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG sind durch die Recht­spre­chung zuneh­mend mit dem Vor- wurf des Rechts­miss­brauchs für unwirk­sam erklärt worden.

Den hier­zu maß­geb­li­chen Gren­zen und Kri­te­ri­en des Rechts­miss­brau­ches sind die fol­gen­den Aus­füh­run­gen gewid­met. Ziel ist die Erar­bei­tung eines abs­trakt an- wend­ba­ren Prüfungsmaßstabes.

Hier­zu glie­dern sich die fol­gen­den Aus­füh­run­gen in die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen des Rechts­miss­brau- ches (I.), deren Refle­xi­on an der Befris­tung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG (II.) sowie einen Pra­xis­hin­weis (III.) und ein Fazit (IV.)

I. Vor­aus­set­zun­gen des Rechtsmissbrauchs

Das Zivil­recht ent­hält ver­schie­de­ne Kor­rek­ti­ve, die neben den gesetz­li­chen Grund­la­gen wir­ken und die Ver- wirk­li­chung sub­jek­ti­ver Rechts­po­si­tio­nen ermög­li­chen. Im Rah­men der Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen ist der insti­tu­tio­nel­le Rechts­miss­brauch nach § 242 BGB ein sol­cher Rege­lungs­me­cha­nis­mus. Er begrenzt im Ein­zel- fall die ein­sei­ti­ge Aus­nut­zung recht­li­cher Spiel­räu­me. Inhalt und Reich­wei­te rich­ten sich dabei sowohl nach euro­pa­recht­li­chen und natio­na­len Vorgaben.

1. Euro­pa­recht­li­che Vorgaben

Die Richt­li­nie 1999/70/EG des Rates vom 28. Juni 1999 zur EGB-UNI­CE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge sieht bestimm­te Mindestan-

  1. 1  Sie­he hier­zu umfas­send Blum/Vehling, Anmer­kung zur geplan­ten Novel­lie­rung des WissZeitVG OdW 2015 S. 189ff. in die­sem Heft.
  2. 2  EuGH, Urteil vom 3.7.2014 – C‑362/13, C‑363/13 und C‑407/13, C‑362/13, C‑363/13, C‑407/13 – juris Rn. 62.
  3. 3  EuGH, Urteil vom 3.7.2014 – C‑362/13, C‑363/13 und C‑407/13, C‑362/13, C‑363/13, C‑407/13 – juris Rn. 62.
  4. 4  EuGH, Urteil vom 3.7.2014 – C‑362/13, C‑363/13 und C‑407/13, C‑362/13, C‑363/13, C‑407/13 – juris Rn. 62.
  5. 5  EuGH, Urteil vom 3.7.2014 – C‑362/13, C‑363/13 und C‑407/13,

for­de­run­gen für die Ver­län­ge­rung von befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen vor. So sta­tu­iert die inko­ope­rier­te Rah­men­ver­ein­ba­rung, Art. 1 1999/70/EG, in ihren all­ge- mei­nen Erwä­gun­gen unter Nr. 7 die an die Mit­glieds- staa­ten gerich­te­te Pflicht einem Miss­brauch durch befris- tete Arbei­ter­ver­trä­ge mit Hil­fe der Not­wen­dig­keit objek- tiver Grün­de im Grund­satz ent­ge­gen­zu­tre­ten. Dadurch soll ein Rah­men geschaf­fen wer­den, der Miss­brauch prä- ven­tiv ver­hin­dert. Art. 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung stellt den Mit­glieds­staa­ten hier­zu schließ­lich ver­schie­de­ne Maß­nah­men zur Wahl.

Die­se all­ge­mei­nen Vor­ga­ben wer­den jedoch durch die Recht­spre­chung des EuGH wei­ter ergänzt.2 Die­ser fol­gert ins­be­son­de­re aus dem Effek­ti­vi­täts­grund­satz die Ver­pflich­tung einer gene­rel­len Miss­brauchs­kon­trol­le, wenn es trotz der Maß­nah­men nach Art. 5 zu einem Miss­brauch durch befris­te­te Ver­trä­ge gekom­men ist.3

Die­se gene­rel­le Miss­brauchs­kon­trol­le müs­se auch im natio­na­len Recht gewähr­leis­tet werden.4 Es sei­en „Maß- nah­men zu ergrei­fen, die nicht nur ver­hält­nis­mä­ßig, son- dern auch effek­tiv und abschre­ckend genug sein müs­sen, um die vol­le Wirk­sam­keit der zur Durch­füh­rung der Rah- men­ver­ein­ba­rung erlas­se­nen Nor­men sicher­zu­stel­len“.5 Es müs­se die Mög­lich­keit bestehen „eine Maß­nah­me anzu- wen­den, die effek­ti­ve und gleich­wer­ti­ge Garan­tien für den Schutz der Arbeit­neh­mer bie­tet, um die­sen Miss­brauch ange­mes­sen zu ahn­den und die Fol­gen des Ver­sto­ßes gegen das Uni­ons­recht zu besei­ti­gen“.6 Die­se Maß­nah­men müs- se jedoch nicht zwin­gend zur Umwand­lung befris­te­ter in unbe­fris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se führen.7

2. Natio­na­le Vorgaben

Den Vor­ga­ben des Euro­pa­rech­tes ent­spre­chend, ent­hal- ten sowohl das TzBfG als auch das WissZeitVG all­ge- mei­ne Missbrauchsschranken.8

So erfül­len die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen des §2Abs.1WissZeitVG den Prä­ven­ti­ons­grund nach Art. 5 lit. b) der Rah­men­ver­ein­ba­rung. § 2 Abs. 2 Wiss-

C‑362/13, C‑363/13, C‑407/13 – juris Rn. 62.
6 EuGH, Urteil vom 3.7.2014 – C‑362/13, C‑363/13 und C‑407/13,

C‑362/13, C‑363/13, C‑407/13 – juris Rn. 64
7 EuGH, Urteil vom 3.7.2014 – C‑362/13, C‑363/13 und C‑407/13,

C‑362/13, C‑363/13, C‑407/13 – juris Rn. 65.
8 Zur Euro­pa­rechts­kon­for­mi­tät der Befris­tung nach § 2 Abs. 2

WissZeitVG sie­he Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris- tungs­recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 188 ff.

Tobi­as Mandler

Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2015, ISSN 2197–9197

218 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 217–228

ZeitVG erfor­dert dem­ge­gen­über einen sach­li­chen Grund für die Befris­tung im Sin­ne von Art. 5 lit. a) der Rah­men- ver­ein­ba­rung. Die vom EuGH ein­ge­for­der­te beson­de­re Miss­brauchs­kon­trol­le wird im natio­na­len Recht über den insti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch nach § 242 BGB sichergestellt.9

Die Wirk­sam­keit einer Befris­tung ist danach in zwei Schrit­ten zu prü­fen. Zunächst soll das Vor­lie­gen eines Befris­tungs­grun­des kon­kret über­prüft werden.10 Des­sen Anfor­de­run­gen stei­gern sich auch mit zuneh­men­der Zahl der Befris­tun­gen nicht, son­dern blei­ben iden- tisch.11 Ein gestei­ger­ter Pro­gno­se­auf­wand wird daher nicht erwartet.12

Kann danach ein auf­fäl­li­ges Miss­ver­hält­nis zwi­schen Ver­trags­dau­er und Gesamt­zahl der Befris­tungs­ver­län­ge- run­gen im Maß­stab des § 14 Abs. 2 TzBfG und § 21 BEEG fest­ge­stellt wer­den, so hat in einem zwei­ten Schritt eine umfas­sen­de Rechts­miss­brauchs­prü­fung zu erfolgen.13 Die­se ori­en­tiert sich an ver­schie­de­nen Miss­brauchs­kri- teri­en, die einen Rechts­miss­brauch indi­zie­ren kön­nen. Ist danach abs­trakt von einem Rechts­miss­brauch aus­zu- gehen, kann der Vor­wurf des Rechts­miss­brauchs schließ- lich durch den Vor­trag beson­de­rer Umstän­de ent­kräf­tet werden.14

Als wesent­li­che Miss­brauchs­kri­te­ri­en wer­den zu- nächst alle mit der Ver­län­ge­rung ver­bun­de­nen Umstän- de ver­stan­den. Dies umfasst letzt­lich sämt­li­che vor­an­ge- gan­ge­nen Befris­tun­gen und Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se und bedeu­tet inso­weit die Auf­ga­be einer nur punk­tu­el- len Betrachtung.15

Maß­geb­lich ist danach vor allem die Gesamt­dau­er der befris­te­ten Beschäf­ti­gung im Ver­hält­nis zur Anzahl der Verlängerungen.16 Dane­ben indi­zie­ren auch die Be- schäf­ti­gung auf dem­sel­ben Arbeits­platz mit glei­chen Auf­ga­ben sowie die zeit­li­che Inkon­gru­enz zwi­schen Be- darf und Ver­trags­lauf­zeit und eine nicht über­wie­gend auf den Befris­tungs­grund bezo­ge­ne Beschäf­ti­gung den Rechtsmissbrauch.17 Sel­bi­ges gilt, wenn trotz der Mög-

  1. 9  Zur sog. Innen­theo­rie sie­he bspw. BVerfGE 89, 231 ff.; Stau­din- ger/Looschelders/Olzen, 2015, § 242 Rn. 221.
  2. 10  Sie­he unter II. 1.
  3. 11  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 14 ff.
  4. 12  Anders noch BAG, Urteil vom 22.11.1995 – 7 AZR 252/95.
  5. 13  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 41, 48.
  6. 14  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 48.
  7. 15  Vgl. BAG, Urteil vom 24.8.2011 – 7 AZR 228/10 = BAGE 139,109 ff.
  8. 16  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 36.
  9. 17  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 43 ff.

lich­keit zur dau­er­haf­ten Befris­tung immer wie­der auf befris­te­te Ver­trä­ge zurück­ge­grif­fen wird.18

Beson­de­re Umstän­de, die einen danach indi­zier­ten Rechts­miss­brauch wider­le­gen kön­nen, sind vor allem bran­chen­spe­zi­fi­sche Besonderheiten.19 Zu die­sen zäh­len vor allem die Pres­se­frei­heit und die nach „Art. 5 Abs. 3 GG garan­tier­te Frei­heit von Kunst und Wis­sen­schaft, For­schung und Lehre“.20

Sind danach beacht­li­che beson­de­re Umstän­de im kon­kre­ten Fall­ge­ge­ben, so ist schließ­lich zwi­schen die- sen und den betrof­fe­nen Indi­vi­dual­in­ter­es­sen abzu­wä- gen. Das Inter­es­se der Arbeit­ge­ber ihre unter­neh­me­ri- sche Per­so­nal­pla­nung nicht durch den Abschluss unbe- fris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge ein­engen zu müs­sen – wenn- gleich ein regel­mä­ßi­ger Bedarf an Arbeit­neh­mern besteht – ist dabei grund­sätz­lich gewich­ti­ger als das Be- stands­schutz­in­ter­es­se der Arbeitnehmer.21 Nur im Ein- zel­fall kann daher von grob und uner­träg­lich emp­fun­de- nen Unbil­lig­kei­ten aus­ge­gan­gen wer­den, die für die An- nah­me eines Rechts­miss­brauchs kon­sti­tu­tiv sind.22

3. Dar­le­gungs- und Beweislast

Für die­se Vor­aus­set­zun­gen des Rechts­miss­brauchs ist der Arbeit­neh­mer grund­sätz­lich beweisbelastet.23 Da es sich bei die­sen Vor­aus­set­zun­gen aber um sog. inne­re Tat­sa­chen han­delt, kann der Beweis durch Indi­zi­en geführt werden.24 Wer­den die­se vor­ge­tra­gen und sind die­se glaub­haft, so kann der Arbeit­ge­ber die Beweis­kraft die­ser durch den Vor­trag der beson­de­ren Umstän­de ent- kräften.25

Eines geson­der­ten Vor­trags bedarf es aller­dings dann nicht, wenn die beson­de­ren Umstän­de evi­dent sind. So ver­wirk­licht sich gera­de die Wis­sen­schafts­frei­heit als be- son­de­rer Umstand über das Grund­ge­setz, auch ohne dass ent­spre­chend vor­ge­tra­gen wur­de. Allein im Zusam- men­hang mit Befris­tun­gen außer­halb des WissZeitVG muss daher geson­dert vor­ge­tra­gen werden.26 Eines Vor- trags bedarf es auch dann nicht wenn nicht-wissen-

18 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 43 ff. 19 So auch der EuGH, Urteil vom 3.7.2014 – C‑362/13 – juris

Rn. 59; EuGH, Urteil vom 26.01.2012 – C‑586/10 Nr. 27. 20 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 47. 21 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 41. 22 Staudinger/Looschelders/Olzen, 2015, § 242 Rn. 221.
23 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 48. 24 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 48. 25 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 48. 26 Unrich­tig daher inso­weit LAG Köln, Urteil vom 6.11.2013

226/13.

– 11 Sa

Man­dler · Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen 2 1 9

schaft­li­ches Per­so­nal über § 2 Abs. 2 Satz 2 WissZeitVG befris­tet wur­de. Auch die­se Befris­tung steht unzwei­fel- haft im Schutz­be­reich des Art. 5 Abs. 3 GG.27

II. Rechts­miss­brauch bei Befris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG

Fra­gen des Rechts­miss­brauchs stel­len sich bei Dritt­mit- tel­be­fris­tun­gen im Rah­men von For­schungs­pro­jek­ten auf ver­schie­de­nen Ebe­nen. Die­se wer­den viel­fach nicht sau­ber getrennt, was wohl teil­wei­se dar­auf zurück­zu­füh- ren ist, dass eini­ge der genann­ten Miss­brauchs­kri­te­ri­en bereits Teil des Befris­tungs­grun­des sind. Nach­ste­hend wird des­halb nach der Pro­gno­se­e­be­ne (1.) und der Rechts­miss­brauchs­ebe­ne unter­schie­den (2.).

1. Pro­gno­se­e­be­ne – Befristungsgrund

Der Befris­tungs­grund nach §2Abs.2WissZeitVG ist Sach­grund. Wie auch die Pro­jekt­be­fris­tung gemäß TzBfG bedarf sie im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses einer Pro- gnoseentscheidung.28 Die­se muss für § 2 Abs. 2 Wiss- ZeitVG erge­ben, dass die Mit­ar­bei­te­rin oder der Mitar- bei­ter über­wie­gend der Zweck­be­stim­mung bestimm­ter und zeit­lich begrenz­ter Forschungsdrittmittel29 beschäf- tigt wird.30 Ist dies der Fall bie­tet die Exis­tenz des Dritt- mit­tel­pro­jek­tes einen wider­leg­li­chen Sach­grund. Die fremd­be­stimm­ten Auf­ga­ben und Pro­jekt­lauf­zei­ten begrün­den hier­zu die erfor­der­li­che Abhän­gig­keit gegen- über exter­nen Umständen.31

Der Unter­schied gegen­über der Prü­fung des Rechts- miss­brauchs, liegt daher im Betrach­tungs­zeit­punkt und der Per­spek­ti­ve. Die Pro­gno­se stellt nur auf die Wahr- schein­lich­keit einer ent­spre­chen­den Projektbeschäfti-

  1. 27  BVerfG, Beschluss vom 24.4.1996 – 1 BvR 712/86 = BVerfGE 94, 268, 288: „Rechts­un­si­cher­heit im Hin­blick auf die Been­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses beim Aus­lau­fen der dafür bestimm­ten Mit­tel kann für ein For­schungs­pro­jekt hin­der­lich sein. Der Gesetz­ge­ber durf­te davon aus­ge­hen, daß eine Hoch­schu­le oder For­schungsein- rich­tung zögert, ein Pro­jekt durch­zu­füh­ren, wenn sie fürch­ten muß, nach des­sen Been­di­gung die dafür ein­ge­stell­te Per­son lang­fris­tig beschäf­ti­gen zu müs­sen“; sie­he auch Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch­schu­len und For­schungsein- rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 183 f.; Zim­mer­mann, Befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se an Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si- tären For­schungs­ein­rich­tun­gen bei Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung, 2001, S. 123 f.
  2. 28  Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch- schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 198; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 52.

gung aus der anti­zi­pie­ren­den Per­spek­ti­ve des Arbeit­ge- bers ab. Im Rah­men des § 242 BGB ist hin­ge­gen das ge- sam­te Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis im Sin­ne einer abs­trak- ten ex post Betrach­tung auf der Grund­la­ge tat­säch­lich ein­ge­tre­te­ner Umstän­de maß­geb­lich.

Aus die­sem Grund ver­wun­dert es auch nicht, dass etwa der Umstand, ob tat­säch­lich über­wie­gend mit Pro- jekt­be­zug gear­bei­tet wird und ob die Tätig­keit auf dem- sel­ben Arbeits­platz und mit iden­ti­schen Auf­ga­ben aus- geführt wird, sowohl im Rah­men des Befris­tungs­grun- des als auch im Rah­men der Rechts­miss­brauchs­prü­fung beacht­lich ist. Der Betrach­tungs­zeit­punkt und die Pers- pek­ti­ve sind hier ver­schie­den und zu trennen.

Letzt­lich han­delt es sich daher bei der Rechts­miss- brauchs­prü­fung um zusätz­li­che Vor­aus­set­zun­gen des Befris­tungs­grun­des als nega­ti­ve Tat­be­stands­merk­ma­le im Sin­ne der Innentheorie.32 Die vom Bun­des­ar­beits­ge- richt ange­spro­che­ne Tren­nung zwi­schen Befris­tungs- grund und Rechts­miss­brauch ist daher nur in Bezug auf die Prü­fungs­maß­stä­be anzuerkennen.33

Fol­ge die­ser Abschich­tung ist die dop­pel­te Prü­fungs- oblie­gen­heit gegen­über bestimm­ten Umstän­den. Lie­gen die­se bereits auf der Pro­gno­se­e­be­ne nicht vor, so fehlt es schon am Befris­tungs­grund. Einer Prü­fung auf der Rechts­miss­brauchs­ebe­ne bedarf es dann nicht mehr. Im Fol­gen­den sei dies an typi­schen Grenz­fäl­len erklärt, die dem nach­ran­gi­gen Rechts­miss­brauch auf­sei­ten des Tat- bestan­des nahe stehen.

a) Dau­er­auf­ga­be – Folgeprojekte

Befris­tungs­grund in § 2 Abs. 2 WissZeitVG ist die über- wie­gen­de Beschäf­ti­gung im Rah­men eines dritt­mit­tel­fi- nan­zier­ten Pro­jek­tes. Die­ser Grund gilt aller­dings nicht

29 Zur Pro­jekt­be­fris­tung in der Leh­re sie­he Leh­mann-Wand- schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 199 f.; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 70.

30 Schmidt in Ascheid/Preis/Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 4. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 52.

31 Vgl. BT-Drs. 16/3438 S. 14; LAG Sach­sen, Urteil vom 13.3.2014 – 9 Sa 466/13, zur Dritt­mit­te­qua­li­tät von Struk­tur­för­de­run­gen; Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch- schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 188 mwN.; Stil­ler, Das Dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Arbeits­ver- hält­nis, Diss. 2000, S. 248 ff.

32 Zur sog. Innen­theo­rie sie­he bspw. BVerfGE 89, 231 ff.; Stau­din- ger/Looschelders/Olzen, 2015, § 242 Rn. 221.

33 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09.

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abso­lut, son­dern erfor­dert – aus­weis­lich der Geset­zes­be- grün­dung – teil­wei­se eine wei­ter­ge­hen­de Prü­fung auf der Prognoseebene.34

Die Exis­tenz eines Dritt­mit­tel­pro­jek­tes begrün­det damit über die Abhän­gig­keit von exter­nen Grün­den letzt­lich nur die Ver­mu­tung für einen nur vor­über­ge- hen­den Beschäf­ti­gungs­be­darf als Teil der Pro­gno­se­ent- schei­dung und des Befristungsgrundes.35 Die Pro­gno­se muss sich daher auch dar­auf bezie­hen, dass über das Dritt­mit­tel­pro­jekt kei­ne Dau­er­auf­ga­ben – als Gegen­be- griff des vor­über­ge­hen­den Bedar­fes – finan­ziert werden.36

Dau­er­auf­ga­be kann auch ein sog. Fol­ge- oder An- schluss­pro­jekt sein, sofern kei­ne mate­ri­ell rele­van­te In- halts­än­de­rung gegen­über dem vor­ge­hen­den Pro­jekt be- steht.37 Ins­be­son­de­re bei gleich­na­mi­gen For­schungs­pro- jek­ten, die kei­ne Ände­run­gen der Auf­ga­ben­be­schrei- bung beinhal­ten, kann des­halb die erfor­der­li­che Pro­gno­se nicht mehr gestellt wer­den. Gleich­wohl ist hier­bei stets zu beach­ten, dass gera­de auch die For- schung auf Fort­set­zung und Ver­tie­fung gewon­ne­ner Er- kennt­nis­se ange­wie­sen ist. Auch der blo­ßen Ver­tie­fung vor­han­de­ner Kennt­nis­se kommt ein inso­weit neu­er ma- teri­el­ler Gehalt zu. Allein die sprach­li­che Iden­ti­tät darf des­halb noch nicht zur fina­len Annah­me inhalt­li­cher Kon­gru­enz füh­ren. Im Zwei­fel ist daher von einem neu- en Pro­jekt­in­halt und damit einem nur vor­über­ge­hen­den Bedarf auszugehen.38

Ent­spre­chen­des gilt bei sich auto­ma­tisch ver­län­gern- den Drittmittelprojekten.39 Hier fehlt es bereits am Tat- bestand des Dritt­mit­tel­pro­jek­tes. Die Mit­tel ste­hen nicht

  1. 34  BT-Drs. 16/3438 S. 14: „Viel­mehr ist im Ein­klang mit der Recht- spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu beach­ten, dass die Erfül­lung von Dau­er­auf­ga­ben dem Abschluss von befris­te­ten Ver­trä­gen ent­ge- gen­steht. Ob eine sol­che Dau­er­auf­ga­be vor­liegt, muss wei­ter­hin im Ein­zel­fall geprüft wer­den. Je lang­fris­ti­ger die Pro­jek­te aus­ge­stal­tet sind, umso genau­er muss die Prü­fung sein, ob tat­säch­lich nicht über Dritt­mit­tel­pro­jek­te Dau­er­auf­ga­ben erfüllt wer­den sol­len. So för­dern Bund und Län­der bei­spiels­wei­se gemein­sam Lang­frist­for­schungs- vor­ha­ben der Uni­on der Deut­schen Aka­de­mien der Wis­sen­schaf­ten, die vorn­her­ein auf eine Lauf­zeit von bis zu 25 Jah­ren ange­legt sein kön­nen. In der­ar­ti­gen Fäl­len ist das Arbeits­vo­lu­men so groß und die bereits am Pro­jekt­an­fang pro­gnos­ti­zier­te Pro­jekt­lauf­zeit so lang, so dass an die Dar­le­gung des Arbeit­ge­bers, ob tat­säch­lich noch ein Tat­be­stand vor­liegt, der eine Befris­tung zulässt, oder die Tätig­keit der in dem Pro­jekt Beschäf­tig­ten von Anfang an das Geprä­ge einer Dau­er­auf­ga­be hat, hohe Anfor­de­run­gen zu stel­len sind.“; vgl.BAG, Urteil vom 13.02.2013 – 7 AZR 284/11 zu sich auto­ma­tisch ver­län­gern­den Mit­tel­be­wil­li­gun­gen; Schmidt in Ascheid/Preis/ Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 4. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 52; Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch- schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 186.
  2. 35  Inso­weit ist in Zwei­fel zu zie­hen, ob die Bezeich­nung als Dritt- mit­tel­be­fris­tung wirk­lich rich­tig ist. Zutref­fen­der erscheint die Bezeich­nung der pro­jekt­be­zo­ge­nen Drittmittelbefristung.

ür einen begrenz­ten Zeit­raum zur Ver­fü­gung. Ande­res kann hier nur gel­ten, wenn der Dritt­mit­tel­ge­ber ver- bind­lich erklärt die Anschluss­fi­nan­zie­rung für den kom- men­den Zeit­ab­schnitt nicht auf­recht zu erhalten.40 In die­sem Fall liegt ein begrenz­ter Zeit­ab­schnitt (wie­der) vor.

Fehlt es an den genann­ten Vor­aus­set­zun­gen, kann eine Prü­fung des Rechts­miss­brauchs gegen­über der ge- gen­wär­ti­gen Befris­tung dahin­ste­hen. Allein in Bezug auf abge­schlos­se­ne Zeit­räu­me kann aus der Beschäf­ti­gung mit den­sel­ben Auf­ga­ben am sel­ben Arbeits­ort noch auf ein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten geschlos­sen werden.

b) Über­brü­ckungs­be­fris­tung

Den Dau­er­auf­ga­ben ste­hen die in der Pra­xis ver­brei­te­ten Über­brü­ckungs­be­fris­tun­gen nahe. Hier wer­den Kurz­be- fris­tun­gen auf Dritt­mit­tel­pro­jek­te von weni­gen Mona­ten im Inter­es­se des Beschäf­tig­ten abge­schlos­sen. Oft sind bspw. Anschluss­fi­nan­zie­run­gen noch nicht bewil­ligt oder die ent­spre­chen­den Gel­der noch nicht ein­ge­trof­fen. Weil eine unbe­fris­te­te Beschäf­ti­gung jedoch viel­fach aus­ge­schlos­sen ist, der Beschäf­tig­te aber wei­ter beschäf- tigt wer­den soll, wird for­mal eine Befris­tung auf ein lau- fen­des ande­res Dritt­mit­tel­pro­jekt vor­ge­nom­men bis das eigent­li­che Pro­jekt beginnt.

In die­ser Kon­stel­la­ti­on fehlt es an einem Befris­tungs- grund.41 § 2 Abs. 2 WissZeitVG sus­pen­diert das wirt- schaft­li­che Risi­ko der Stel­len­fi­nan­zie­rung nicht.42 Die­ses ver­bleibt bei der Hoch­schu­le, Uni­ver­si­täts­kli­nik oder For­schungs­ein­rich­tung iSv. § 5 WissZeitVG. Das jeweili-

36 BT-Drs. 16/3438 S. 14; vgl. BAG, Urteil vom 13.02.2013 – 7 AZR 284/11 zu sich auto­ma­tisch ver­län­gern­den Mit­tel­be­wil­li­gun- gen; LAG Köln, Urteil vom 31.7.2014 – 7 Sa 587/13; Schmidt in Ascheid/Preis/Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 4. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 52; Mül­ler-Glö­ge in Erfur­ter Kom­men­tar, 15. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 9a; Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der- befris­tungs­recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 191 f.; Preis, WissZeitVG § 2
Rn. 72; Schla­cher in Laux/Schlachter, Teil­zeit- und Befris­tungs­ge- setz, 2007, Anhang 2 § 2 Rn. 16; dies ver­langt letzt­lich auch das Euro­pa­recht, EuGH, Urteil vom 26.01.2012 – C‑586/10 Nr. 36

f.; EuGH, Beschluss vom 1.10.2010 – C‑3/10; zwei­felnd Gro­e­ger,

ArbRB 2009 S. 67.
37 Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch-

schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 191 f. auch zu Son­der­for­schungs­be­rei­chen; Preis, Wiss- ZeitVG § 2 Rn. 60.

38 AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 9.
39 Vgl. dazu AR-Löwisch § 2 WissZeitVG Rn. 11 mwN.
40 BAG, Urteil vom 7.4.2004 – 7 AZR 441/03 = NZA 2004, 944.
41 Vgl. auch Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Sonderbefristungsrecht

an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem Wiss-

ZeitVG, 2008, S. 194; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 59. 42 Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 56.

Man­dler · Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen 2 2 1

ge Dritt­mit­tel­pro­jekt wird hier – wenn auch im Inter­es­se des Beschäf­tig­ten – nur vor­ge­scho­ben. Die auf der Grund­la­ge von § 2 Abs. 2 WissZeitVG erzeug­te Ver­mu- tung durch die Exis­tenz eines Dritt­mit­tel­pro­jek­tes ist in- soweit widerleglich.

Ande­res gilt, wenn die Exper­ti­se des Beschäf­tig­ten tat­säch­lich nur von vor­über­ge­hen­dem Nut­zen für das je- wei­li­ge Pro­jekt ist. In die­sem Fall kann eine ent­spre­chen- de Pro­gno­se für den Befris­tungs­grund noch gestellt werden.

Zu beach­ten ist hier auch die Recht­spre­chung des Lan­des­ar­beits­ge­rich­tes Ber­lin-Bran­den­burg, die zu Recht bei einer Anschluss­be­fris­tung von einem Monat zum Zwe­cke der Fer­tig­stel­lung der Dis­ser­ta­ti­on vom Befris- tungs­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 TzBfG ausgeht.43

c) Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit nach Projektabschluss

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln hat in sei­ner Entsch­ei- dung vom 31. Juli 2014 ange­deu­tet, dass es bei Pro­jekt­be- fris­tung erfor­der­lich sein könn­te eine Pro­gno­se­entsch­ei- dung auch dahin­ge­hend zu tref­fen, ob der Pro­jekt­mitar- bei­ter nach Been­di­gung des Pro­jekts auf­grund sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on nicht auf einem frei­en Arbeits­platz in einem ande­ren Pro­jekt oder im Rah­men der Dau­er­auf- gaben des Arbeit­ge­bers befris­tet oder unbe­fris­tet wei­ter- beschäf­tigt wer­den könnte.44

Sind Anschluss­pro­jek­te abseh­bar, so wür­de dies die Pro­gno­se­ent­schei­dung und damit auch den Befris­tungs- grund auf­he­ben. Ins­be­son­de­re im medi­zi­ni­schen Be- reich wür­den damit Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen letzt­lich unmöglich.

Der Kri­tik ist aller­dings nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes, jeden­falls für den hoch­schul- recht­li­chen Bereich nicht zu folgen.45 § 2 Abs. 2 Wiss- ZeitVG erlaubt die Befris­tung gera­de unab­hän­gig von den Höchst­be­fris­tungs­gren­zen zur Gewähr­leis­tung der wis­sen­schaft­li­chen Nachwuchsförderung.46

d) Tarif­ver­trag­li­che Verlängerungsgrenzen

Zusätz­li­che tat­be­stands­be­zo­ge­ne Miss­brauchs­re­ge­lun- gen ent­hal­ten tarif­ver­trag­li­che maxi­ma­le Verlängerun-

  1. 43  LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 15.3.2013 – 6 Sa 2102/12; vgl. auch Löwisch/Wertheimer, in Hartmer/Detmer, Hoch­schul- recht, 2004, VII Rn. 147.
  2. 44  LAG Köln, Urteil vom 31.07.2014 – 7 Sa 587/13; in die­sem Sin­ne letzt­lich schon LAG Bran­den­burg, Urteil vom 28.2.2003 – 5 Sa 616/02.
  3. 45  Vgl. BAG, Urteil vom 07. Mai 2008 – 7 AZR 146/07.
  4. 46  BT-Drs. 10/2283, S. 6: „Die Absi­che­rung und Erwei­te­rung der Befris­tungs­mög­lich­kei­ten dient zugleich der För­de­rung des wis-sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses und liegt inso­fern auch im indi­vi- duel­len Inter­es­se der Nach­wuchs­kräf­te. …“. Sie­he auch Leh­mann- Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch­schu­len und

gen nach § 1 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG. Die­se Mög­lich- keit besteht auch bei der Sach­grund­be­fris­tung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG.47 Der zwei­te Satz­teil bezieht sich auf bei­de Befristungsmöglichkeiten.48

Es ist damit in ers­ter Linie den Tarif­ver­trags­par­tei­en über­las­sen die Anzahl zuläs­si­ger Ver­län­ge­run­gen auch bei Dritt­mit­tel­ver­trä­gen fest­zu­le­gen. Der­ar­ti­ge Maxi- mal­gren­zen wer­den Teil des Befris­tungs­grun­des. Wird daher eine Befris­tung über die ver­ein­bar­te maxi­ma­le An- zahl hin­aus ver­ein­bart, so fehlt der Befristungsgrund.

Sind der­ar­ti­ge Rege­lun­gen getrof­fen, so muss sich eine gericht­li­che Über­prü­fung grund­sätz­lich auf den Be- fris­tungs­grund beschrän­ken. Eine Über­prü­fung auf Rechts­miss­brauch ist sodann weit­hin ausgeschlossen.

e) Kol­lu­si­ves Zusam­men­wir­ken mit dem Drittmittelgeber

An einer für den Befris­tungs­grund erfor­der­li­chen Prog- nose­ent­schei­dung fehlt es auch beim kol­lu­si­ven Zusam- men­wir­ken von Dritt­mit­tel­ge­ber und der Hoch­schu­le, Uni­ver­si­täts­kli­nik oder Forschungseinrichtung.49 Wer- den Dritt­mit­tel­pro­jek­te nur geschaf­fen um Befris­tungs- grün­de zu erzeu­gen, so kann der per­so­nel­le Mehr­be­darf im Rah­men einer über­wie­gen­den Pro­jekt­be­schäf­ti­gung nicht pro­gnos­ti­ziert wer­den. Inso­weit bedarf es einer Lösung über § 242 BGB nicht.50

2. Not­wen­dig­keit zur Prü­fung auf Rechtsmissbrauch

Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des Befris­tungs­grun­des vor, so muss nicht in jedem Fall auch eine Über­prü­fung auf einen even­tu­el­len Rechts­miss­brauch statt­fin­den. Eine sol­che Prü­fung wird erst durch ein gewis­ses Miss­ver­hält- nis zwi­schen Gesamt­be­schäf­ti­gungs­dau­er und der Anzahl der Befris­tun­gen begründet.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt geht von der Not­wen­dig­keit zur Prü­fung des Rechts­miss­brauchs aus, sobald die Gren­zen des § 14 Abs. 2 TzBfG, also 2 Jah­ren und 3 Ver- län­ge­run­gen, über­schrit­ten werden.51 Eine wei­te­re Schran­ke bil­det § 21 BEEG.52

Der genann­te § 14 Abs. 2 TzBfG kann aller­dings im Zusam­men­hang mit Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG nicht die äußers­te Gren­ze einer

For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 183 f. 47 Preis, WissZeitVG § 1 Rn. 53; a.A. Schmidt in Ascheid/Preis/

Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 4. Aufl., WissZeitVG § 1 Rn. 27. 48 Preis, WissZeitVG § 1 Rn. 53; vgl. auch BT-Drs. 16/3438 S. 10. 49 AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 12; sie­he dazu umfassender

auch Stil­ler, Das Dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Arbeits­ver­hält­nis, Diss.

2000, S. 118 ff.
50 So noch BAG, Urteil vom 15.5.2013 – 7 AZR 525/11 = BAGE 145,

128 ff.
51 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 41, 48 52 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 41, 48

222 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 217–228

Prü­fungs­not­wen­dig­keit dar­stel­len. Die sach­grund­lo­se Befris­tung nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG begrün­det inso- weit eine abwei­chen­de Aus­gangs­la­ge. Danach muss ein Rechts­miss­brauch immer aus­ge­schlos­sen sein, wenn die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG im jewei­li­gen Abschnitt noch nicht erreicht wur­den. Erst wenn die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen ins­ge­samt erschöpft sind, kann das Ver­hält­nis des § 14 Abs. 2 TzBfG Indiz sein.53 Dies ergibt sich schon dar­aus, dass eine Befris- tung nach WissZeitVG nicht den kon­kre­ten Befris­tungs- grund nen­nen muss. Eine alter­na­ti­ve Befris­tung ist da- mit nicht ausgeschlossen.

Bei die­ser Berech­nung sind auch sämt­li­che Abzü­ge die das WissZeitVG vor­sieht ein­zu­prei­sen. Ins­be­son­de­re auch die Fami­li­en­kom­po­nen­ten und die erklär­ten Ver- län­ge­run­gen nach § 2 Abs. 5 WissZeitVG.54

Sind die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen erreicht, so kön- nen wie­der­um nur die­je­ni­gen Zei­ten einen Rechts­miss- brauch gene­rie­ren, die außer­halb der der­sel­ben lie­gen. Andern­falls wür­de den Hoch­schu­len ein Vor­wurf aus der zuläs­si­gen alter­na­ti­ven Nut­zung der Befris­tungs- grün­de des WissZeitVG ent­ste­hen. Dies ist vom Gesetz- geber­wil­len nicht gedeckt.55

Gera­de die­ser Umstand ist in der Ver­gan­gen­heit sei- tens der Recht­spre­chung – neben der auch bei Dritt­mit- tel­be­fris­tun­gen umfas­send gel­ten­den Wis­sen­schafts­frei- heit als beson­de­rem Umstand – ver­kannt worden.

Besteht ein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis daher etwa be- fris­tet über § 2 Abs. 2 WissZeitVG seit 17 Jah­ren und wa- ren 15 Jah­re im Rah­men der Höchst­be­fris­tungs­gren­zen nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG, so ver­blei­ben nur 2 Jah­re, aus denen ein Vor­wurf ent­ste­hen kann. Die­ser liegt aber inner­halb der Gren­zen des § 14 Abs. 2 TzBfG, wes­halb eine Prü­fung des Rechts­miss­brau­ches grund­sätz­lich nicht not­wen­dig wäre.

3. Indi­zier­ter Rechtsmissbrauch

Besteht die Not­wen­dig­keit zur Über­prü­fung im Hin­blick auf einen even­tu­el­len Rechts­miss­brauch, so muss in einer Gesamt­be­trach­tung das Vor­lie­gen ein­zel­ner Indi­zi- en belegt wer­den. Die­se indi­zie­ren sodann wider­leg­lich den Rechts­miss­brauch und damit die Unwirk­sam­keit des Befristungsgrundes.

  1. 53  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 41, 48.
  2. 54  Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Arbeits­ver­hält­nis­sen gem.§ 2 Abs. 5 WissZeitVG, OdW 2014, S. 221 ff.
  3. 55  BT-Drs. 16/3438 S. 14: „Der neue Befris­tungs­tat­be­stand zielt in ers-ter Linie auf die Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten des wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Per­so­nals nach Abschluss der Qua­li­fi­zie­rungs- pha­se. Eine Aus­schöp­fung der Höchst­be­fris­tungs­dau­er des Absatz
    1 ist gleich­wohl für den Abschluss eines befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges auf der Basis des Absat­zes 2 nicht erfor­der­lich
    .“
  4. 56  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 783/10; BAG, Urteil vom

a) Recht­spre­chung

Die Gesamt­dau­er der befris­te­ten Beschäf­ti­gung im Ver- hält­nis zur Anzahl der Ver­län­ge­run­gen wird von der Recht­spre­chung als wich­tigs­tes Indiz gewertet.

So geht das Bun­des­ar­beits­ge­richt – in einem Sach­ver- halt außer­halb des WissZeitVG – bei einer Sach­grund- befris­tung mit einer Gesamt­dau­er von 7 Jah­ren und 9 Mona­ten bei vier­ma­li­ger Ver­län­ge­rung noch nicht von einem Rechts­miss­brauch aus.56 Bei einer Gesamt­dau­er von mehr als 11 Jah­ren und 13 Befris­tun­gen sei die­ser hin­ge­gen indiziert.57

Der genann­ten Recht­spre­chung fol­gend erklär­te das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt eine Hoch­schul­be­schäf- tigung von 22 Jah­ren und 2 Mona­ten und 11 ver­schie­de- nen recht­li­chen Grund­la­gen für rechtsmissbräuchlich.58 Das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis war im ent­schie­de­nen Fall zudem teil­wei­se durch die Ver­be­am­tung des Beschäf­tig- ten unter­bro­chen wor­den. Dies war nach Ansicht des Gerich­tes jedoch unbeachtlich.59

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen ent­schied fer­ner, dass die Befris­tung eines Mathe­ma­ti­kers über 11 Jah­re und ins­ge­samt 16 Ver­län­ge­run­gen zwar den Rechts­miss- brauch indi­zie­re, die Befris­tung aber durch die Wis­sen- schafts­frei­heit gerecht­fer­tigt wer­den könne.60

Im Ergeb­nis iden­tisch urteil­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg. Bei einer Gesamt­be­schäf­ti­gungs­dau­er eines wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters von 2 Jah­ren und 7 Mona­ten sei ein Rechts­miss­brauch nicht indiziert.61

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ging hin­ge­gen von ei- nem Rechts­miss­brauch bei einer Befris­tungs­ge­samt­dau- er von 14 Jah­ren und 23 Ein­zel­be­fris­tun­gen nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG aus.62

Das Arbeits­ge­richt Aachen, die Vor­in­stanz, stell­te dem­ge­gen­über auf das Ver­hält­nis zwi­schen WissZeitVG und TzBfG ab.63 Auf­grund der erwei­ter­ten Mög­lich­kei- ten des WissZeitVG gegen­über dem TzBfG sei eine Be- fris­tung von 14 Jah­ren nicht rechtsmissbräuchlich.64

b) Ver­hält­nis von Gesamt­dau­er und Ver­län­ge­run­gen im WissZeitVG

Dem Arbeits­ge­richt ist im Ergeb­nis zuzu­stim­men. Wie bereits im Rah­men der Not­wen­dig­keit zur Überprüfung

18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 43.
57 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 43.
58 LAG Sach­sen, Urteil vom 6.3.2014 – 6 Sa 676/13.
59 LAG Sach­sen, Urteil vom 6.3.2014 – 6 Sa 676/13.
60 LAG Hes­sen, Urteil vom 6.8.2015 – 2 Sa 1210/14.
61 LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 15.3.2013 – 6 Sa 2102/12. 62 LAG Köln, Urteil vom 6.11.2013 – 11 Sa 226/13.
63 ArbG Aachen, Urteil vom 29.01.2013 – 5 Ca 3759/12.
64 ArbG Aachen, Urteil vom 29.01.2013 – 5 Ca 3759/12.

Man­dler · Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen 2 2 3

des Rechts­miss­brau­ches erläu­tert, geht das WissZeitVG von ande­ren Grenz­wer­ten aus und gesteht den Hoch- schu­len inso­weit erwei­ter­te Spiel­räu­me zur Verfügung.65 Wer­den die­se nicht erheb­lich über­schrit­ten, so kann ein Rechts­miss­brauch nicht indi­ziert sein.

Die Anschau­un­gen der Arbeits­ge­rich­te sind hier nur inso­weit zu ergän­zen, dass kei­ne abs­trak­te Betrach­tung erfol­gen darf. Es ist viel­mehr von den kon­kre­ten Höchst- befris­tungs­gren­zen des jewei­li­gen Beschäf­tig­ten aus­zu- gehen. Zu berück­sich­tig­ten sind daher neben den Grund­fris­ten auch sämt­li­che Ver­län­ge­rungs- und An- rechnungsbestimmungen.66 Erst wenn die Höchst­be­fris- tungs­gren­zen über­schrit­ten wer­den, kann es auf das Ver- hält­nis von Befris­tung und Ver­län­ge­rung ankom­men. Dabei sind ins­be­son­de­re auch die Zei­ten, die inner­halb der Höchst­be­fris­tungs­zei­ten zurück­ge­legt wur­den, her- auszurechnen.67 Nur so kann dem euro­pa­recht­li­chen Miss­brauch bei gleich­zei­ti­ger Ach­tung natio­na­ler Erfor- der­lich­kei­ten im for­schungs­be­zo­ge­nen Hoch­schul­recht Rech­nung getra­gen werden.

Aus die­sem Grund ist auch zwi­schen wis­sen­schaft­li- chem Per­so­nal und nicht-wis­sen­schaft­li­chem Per­so­nal streng zu unterscheiden68: Die Aus­wei­tung des Befris- tungs­tat­be­stan­des auf das nicht-wis­sen­schaft­li­che Per­so- nal recht­fer­tigt sich aus der Not­wen­dig­keit einer kon- gru­en­ten Beschäf­ti­gung gegen­über den vor­han­de­nen Mit­teln. Dies bedeu­tet jedoch nicht, dass die ansons­ten nicht anwend­ba­ren Höchst­be­fris­tungs­gren­zen hier ana- log gel­ten wür­den. Für das nicht-wis­sen­schaft­li­che Per- sonal muss viel­mehr der all­ge­mei­ne Maß­stab in Bezug auf die Indi­zie­rung des Rechts­miss­brauchs zur Anwen- dung kom­men. Erst auf der Ebe­ne der beson­de­ren Um- stän­de kann über die eben­falls betrof­fe­ne Wis­sen­schafts- frei­heit Recht­fer­ti­gung gesucht werden.

c) Beschäf­ti­gung auf dem­sel­ben Arbeits­platz mit glei­chen Aufgaben

Fer­ner soll die Beschäf­ti­gung auf dem­sel­ben Arbeits­platz und mit gleich­blei­ben­den Auf­ga­ben den Rechtsmiss-

  1. 65  Sie­he unter II. 2.
  2. 66  Beam­ten­ver­hält­nis­se auf Zeit wer­den nach § 2 Abs. 3 WissZeitVGan­ge­rech­net. Inso­weit ist der Ent­schei­dung des LAG Sach­sen, Urteil vom 6.3.2014 – 6 Sa 676/13 zuzu­stim­men. Mit beacht­li­chen Argu­men­ten für die maß­geb­li­chen Zei­ten von Stu­den­ti­schen Hilfs­kräf­ten sie­he Haratsch/Holljesiefken, Stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te auf Lebens­zeit? NZA 2008 S. 207 ff. Gleich­wohl wird die dies­be- züg­li­che Rege­lung des WissZeitVG auch vor dem Euro­pa­recht bestand haben.
  3. 67  Sie­he oben unter II. 2.
  4. 68  Sie­he zum akzes­so­ri­schen Per­so­nal Schmidt in Ascheid/Preis/Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 4. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 35 ff.
  5. 69  Sie­he II. 1. a).
  6. 70  BAG, Urteil vom 29.7.2009 – 7 AZR 907/07; LAG Sach­sen, Urteil­vom 6.3.2014 – 6 Sa 676/13 – juris Rn. 27; LAG Köln, Urteil vom

brauch indi­zie­ren kön­nen. Dies ist gera­de bei fes­ten For- schungs­grup­pen mit wech­seln­den Dritt­mit­tel­pro­jek­ten aber oft der Fall.

Labor­ein­rich­tun­gen und Arbeits­plät­ze blei­ben in der Regel iden­tisch. Auch die Auf­ga­ben ändern sich oft nicht in erheb­li­chem Maße, denn gera­de die Anwen­dung be- kann­ter Metho­den auf neue Sach­ver­hal­te macht einen Groß­teil der For­schung aus.

Aus den gleich­blei­ben­den Auf­ga­ben und Arbeits­plät- zen kann daher allein kein Indiz gewon­nen wer­den. Es kommt im Rah­men der Dritt­mit­tel­be­fris­tung nur dar­auf an, dass kei­ne Dau­er­auf­ga­ben erfüllt werden69 und über- wie­gend mit Pro­jekt­be­zug gear­bei­tet wird.

d) Zeit­li­che Kon­gru­enz zwi­schen Pro­jekt­lauf­zeit und Beschäftigungsdauer

Indiz ist auch die zeit­li­che Kon­gru­enz zwi­schen der Pro- jekt­lauf­zeit und der Beschäftigungsdauer.70 Teil­wei­se blei­ben die Befris­tun­gen deut­lich hin­ter den Pro­jekt­lauf- zei­ten zurück oder über­tref­fen die­se sogar. Hier­aus ent- steht der Ein­druck, dass der Beschäf­ti­gungs­be­darf unab- hän­gig vom eigent­li­chen Befris­tungs­grund besteht und des­halb letzt­lich nur vor­ge­scho­ben ist. Außer­halb der bereits bespro­che­nen Über­brü­ckungs­be­schäf­ti­gun­gen bei denen der Befris­tungs­grund fehlt71, kann die Indiz- wir­kung ins­be­son­de­re dann ein­tre­ten, wenn jah­res­wei­se befris­tet wird, die Pro­jek­te aber Lauf­zei­ten von meh­re- ren Jah­ren haben. Neben dem Pro­blem, dass durch die erneu­te Befris­tung ggf. eine Dau­er­auf­ga­be ent­stan­den ist,72 indi­ziert die­se Vor­ge­hens­wei­se den Rechts­miss- brauch, der nicht immer wider­legt wer­den kann.

In die­sem Sin­ne hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ge- urteilt und eine über­schie­ßen­de Befris­tung von ledig­lich 3 Mona­ten gegen­über der Pro­jekt­lauf­zeit aus­rei­chen las- sen, um die Befris­tung für unwirk­sam zu erklären.73 Das Gesetz gehe von der Not­wen­dig­keit einer gegen über dem Pro­jekt kon­gru­en­ten Lauf­zeit aus.74

Die­se Anschau­ung über­zeugt auf der Ebe­ne des Be- fris­tungs­grun­des nicht.75 Die Pro­jekt­be­fris­tung setzt

9.9.2009 – 3 Sa 746/09; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 58; wei­ter­ge- hend Schmidt in Ascheid/Preis/Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 4. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 37, der auch die Kon­gru­enz zu den ver­blei­ben­den Team­mit­glie­dern ver­langt. Die­se Erwei­te­rung fin­det jedoch im Gesetz kei­ne Stüt­ze. Die Geset­zes­be­grün­dung geht viel­mehr von der Mög­lich­keit zur fle­xi­blen und inso­weit unab­hän­gi­gen Befris­tung aus.

71 Sie­he oben II. 1. b).
72 Sie­he oben II. 1. a).
73 LAG Köln, Urteil vom 14.3.2011 – 11 Sa 439/10; LAG Köln, Ur-

teil vom 9.9.2009 – 3 Sa 746/09; so schein­bar auch Hauk-Scholz,

Aktu­el­le Pro­ble­me des WissZeitVG öAT S. 89. 74 LAG Köln, Urteil vom 14.3.2011 – 11 Sa 439/10. 75 AR-Löwisch, § 2 WissZeitVG Rn. 12.

224 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 217–228

nicht in jedem Fall den Gleich­lauf zum Pro­jekt voraus.76 Dies zeigt sich beson­ders dann, wenn das Pro­jekt selbst ver­schie­de­ne Abschnit­te vor­sieht oder aus­ge­wähl­te fach­li- che Fähig­kei­ten nicht im gesam­ten Pro­jekt benö­tigt wer- den. Eine Befris­tung über die Pro­jekt­lauf­zeit ist gegen- über dem Befris­tungs­grund eben­so unschäd­lich, sofern die Pro­gno­se zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ent- spre­chend zuläs­sig getrof­fen wurde.77 Etwa durch die Kün­di­gung der Dritt­mit­tel oder dem vor­zei­ti­gen wis­sen- schaft­li­chen Abschluss des Pro­jek­tes kann eine über- schie­ßen­de Befris­tungs­dau­er entstehen.78

Inkon­gru­enz ist danach allein im Zusam­men­hang mit der Prü­fung des Rechts­miss­brau­ches beacht­lich und kann inso­weit auch wider­legt werden.

e) Über­wie­gen­den Projektbeschäftigung

Wie schon bei der Pro­gno­se­ent­schei­dung, ist erheb­lich, ob der Mit­ar­bei­ter schließ­lich tat­säch­lich über­wie­gend mit Pro­jekt­auf­ga­ben betraut wur­de. Erfolgt sei­ne Beschäf­ti­gung trotz ent­spre­chen­der Pro­gno­se nicht über­wie­gend pro­jekt­be­zo­gen, so ist dies für den Befris- tungs­grund selbst nicht schäd­lich, kann im Ein­zel­fall aber den Rechts­miss­brauch wider­leg­lich indizieren.

4. Ent­kräf­tung des indi­zier­ten Rechtsmissbrauchs

Kann auf der Grund­la­ge der genann­ten Indi­zi­en auf einen Rechts­miss­brauch geschlos­sen wer­den, so kann die­ser Vor­wurf durch den Vor­trag beson­de­rer Umstän­de ent­kräf­tet wer­den. Nicht alle Umstän­de sind aller­dings recht­lich verwendungsfähig.

a) Vor­über­ge­hen­der Bedarf an per­sön­li­cher Eig­nung und Weg­fall des Projektbedarfes

Bleibt die Befris­tungs­dau­er hin­ter der Pro­jekt­lauf­zeit zurück, so kann dies den Rechts­miss­brauch indi­zie­ren. Die nur vor­über­ge­hen­de pro­jekt­be­zo­ge­ne Beschäf­ti­gung beruht jedoch oft auf dem Umstand, dass Pro­jek­te trotz ihrer Ein­heit­lich­keit in ver­schie­de­ne inter­ne Pro­jektab- schnit­te ein­ge­teilt wer­den. Die­se Abschnit­te betref­fen häu­fig the­ma­tisch zu tren­nen­de Teil­be­rei­che des Gesamt- pro­jek­tes und gene­rie­ren des­halb unterschiedliche

76 So auch BAG, Urteil vom 15.1.2003 – 7 AZR 616/01; LAG Sach- sen, Urteil vom 6.3.2014 – 6 Sa 676/13 – juris Rn. 27; Löwisch, Die Ablö­sung der Befris­tungs­be­stim­mun­gen des Hoch­schul­rah- men­ge­set­zes durch das Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz NZA 2007 S. 482 f.; AR-Löwisch § 2 WissZeitVG Rn. 11; Mül­ler-Glö­ge in Erfur­ter Kom­men­tar, 15. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 11a; Jous­sen, Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz, 1. Aufl. 2 Ed., § 2 Rn. 14; Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch- schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 193 ff.; Schla­cher in Laux/Schlachter, Teil­zeit- und Befris-

Anfor­de­run­gen an die fach­li­che Eig­nung des Pro­jekt­per- sonals. Kann des­halb dar­ge­legt wer­den, dass bspw. eine gegen­über dem Gesamt­pro­jekt kür­ze­re Befris­tung auf tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten der ein­zel­nen Pro­jektab- schnit­te beru­hen, so ist der Vor­wurf des Miss­brauchs wider­legt. Eine inso­weit kür­ze­re Befris­tung ist zulässig.

Sel­bi­ges gilt beim Weg­fall des Pro­jekt­be­darfs aus ex- ter­nen Umstän­den. Hier hat es die Hoch­schu­le, Uni­ver­si- täts­kli­nik oder For­schungs­ein­rich­tung nicht in der Hand, ob eine Beschäf­ti­gung ent­spre­chend den Pro­jekt- auf­ga­ben wei­ter mög­lich ist. Ein sol­cher Weg­fall kann ins­be­son­de­re dann ein­tre­ten, wenn das ange­streb­te For- schungs­er­geb­nis durch Drit­te bereits abschlie­ßend erzielt wur­de oder ander­wei­ti­ge Metho­den eine Fort­füh­rung des Pro­jek­tes sinn­los erschei­nen las­sen. Die Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und For­schungs­ein­rich­tun­gen sind nicht ver­pflich­tet oder berech­tigt Res­sour­cen zu verschwenden.

Ande­res gilt, sofern der For­schungs­be­darf auf­grund inter­ner Ent­schei­dun­gen unab­hän­gig von exter­nen Tat­sa- chen ein­tritt. Ein durch der­ar­ti­ge Ent­schei­dun­gen er- zeug­ter Weg­fall des Bedarfs ist dem Risi­ko der Hoch- schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken oder For­schungs­ein­rich- tun­gen zuzu­ord­nen und beinhal­tet grund­sätz­lich kei­nen beson­de­ren ent­kräf­ten­den Umstand.79

b) Unter­bre­chun­gen des Beschäftigungsverhältnisses

Unter­bre­chun­gen des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses kön- nen einen wei­te­ren ent­kräf­ten­den Umstand dar­stel­len. Erfolgt die Beschäf­ti­gung nicht durch­gän­gig, son­dern pro­jekt­be­zo­gen lücken­haft, ergibt sich gleich­zei­tig der Nach­weis eines nur vor­über­ge­hen­den Beschäf­ti­gungs­be- darfes.

c) Wis­sen­schafts­frei­heit – Nachwuchsförderung

Viel­fach sind die Gerich­te auf die zwei­fel­los gel­ten­de Wis­sen­schafts­frei­heit als beson­de­rem Umstand nicht ein­ge­gan­gen oder haben die­sen für die Dritt­mit­tel­be­fris- tung abge­lehnt.

Die Wis­sen­schafts­frei­heit stellt jedoch für die Uni- ver­si­tä­ten, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und Forschungseinrich-

tungs­ge­setz, 2007, Anhang 2 § 2 Rn. 17; Preis, WissZeitVG § 2

Rn. 58.
77 So auch LAG Sach­sen, Urteil vom 6.3.2014 – 6 Sa 676/13 – juris

Rn. 27.
78 Hier zu eng Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Sonderbefristungs-

recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem

WissZeitVG, 2008, S. 195.
79 Sie­he dazu Stil­ler, Das Dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Arbeitsverhältnis,

Diss. 2000, S. 239 ff.

Man­dler · Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen 2 2 5

tun­gen den gewich­tigs­ten beson­de­ren Umstand dar. Schon das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die Wis­sen­schafts- frei­heit aus­drück­lich als abwä­gungs­er­heb­li­chen Um- stand bei der Fra­ge des Rechts­miss­brau­ches hervorgehoben.80

Der Gel­tung der Wis­sen­schafts­frei­heit bei Dritt­mit- tel­be­fris­tun­gen ist ent­ge­gen gehal­ten wor­den, dass das Son­der­be­fris­tungs­recht des § 2 Abs. 2 WissZeitVG aus- schließ­lich der För­de­rung der For­schung und nicht der Nach­wuchs­för­de­rung im Sin­ne der Wis­sen­schafts­frei- heit die­nen würde.81

Die­se Anschau­ung ist unzu­tref­fend. Neben der sehr wohl mög­li­chen Nach­wuchs­för­de­rung, die sich bereits aus der Aus­tausch­bar­keit der Befris­tun­gen nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG und § 2 Abs. 2 WissZeitVG er- gibt,82 ist gera­de die For­schung selbst Teil der wis­sen- schaft­li­chen Freiheit.83

Der Befris­tungs­grund in § 2 Abs. 2 WissZeitVG trägt dem Rech­nung. Bei der Novel­lie­rung des Hoch­schul­son- der­be­fris­tungs­rech­tes wur­de erkannt, dass gera­de dritt- mit­tel­fi­nan­zier­te Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se zur För­de- rung wis­sen­schaft­li­cher For­schung uner­läss­lich sind.84 Obschon die Finan­zie­rung nicht mit der Not­wen­dig­keit zur Befris­tung gleich­ge­setzt wer­den kann, so könn­ten Hoch­schu­len doch mit Pro­jek­ten zögern, bei denen sie fürch­ten müs­sen die jeweils ein­ge­stell­ten Per­so­nen lang- fris­tig beschäf­tig­ten zu müssen.85 Dies wür­de die zu ge- währ­leis­ten­de For­schungs- und Wis­sen­schafts­frei­heit im Lich­te der staat­li­chen För­de­rungs­pflicht zu sehr ein- schränken.86 For­schung ohne gesi­cher­te Finan­zie­rung ist eben­so wis­sen­schafts­schäd­lich, wie die unbe­fris­te­te Beschäf­ti­gung von For­schern ohne Finanzierung.87 Auch hier­durch wür­de die Nachwuchsförderungsoblie-

  1. 80  BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 47.
  2. 81  BT-Drs. 16/3438 S. 14 ff.
  3. 82  Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 57.
  4. 83  BVerfG, Beschluss vom 24.4.1996 – 1 BvR 712/86 = BVerfGE 94,268 ff.; LAG Hes­sen, Urteil vom 6.8.2015 – 2 Sa 1210/14; Stil­ler, Das Dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Arbeits­ver­hält­nis, Diss. 2000, S. 254 ff.; Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch- schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 190 f.; AR-Löwisch § 2 WissZeitVG Rn. 12.
  5. 84  Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs­recht an Hoch- schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 183 ff.
  6. 85  BVerfG, Beschluss vom 24.4.1996 – 1 BvR 712/86 = BVerfGE 94, 268, 288: „Rechts­un­si­cher­heit im Hin­blick auf die Been­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses beim Aus­lau­fen der dafür bestimm­ten Mit­tel kann für ein For­schungs­pro­jekt hin­der­lich sein. Der Gesetz­ge­ber durf­te davon aus­ge­hen, daß eine Hoch­schu­le oder For­schungsein- rich­tung zögert, ein Pro­jekt durch­zu­füh­ren, wenn sie fürch­ten muß, nach des­sen Been­di­gung die dafür ein­ge­stell­te Per­son lang­fris­tig beschäf­ti­gen zu müs­sen“.
  7. 86  BVerfG, Beschluss vom 24.4.1996 – 1 BvR 712/86 = BVerfGE 94, 268 ff.

gen­heit im Übri­gen beschränkt. Die Mög­lich­keit, vor- han­de­ne Mit­tel ziel­ge­rich­tet und effi­zi­ent ein­set­zen zu kön­nen, ist eine wich­ti­ge Grund­be­din­gung für ein mo- der­nes Hoch­schul­bild und die in ihr ver­kör­per­te Wissenschaftsfreiheit.88

Der Wis­sen­schafts­frei­heit kommt aus die­sen Grün- den über­ra­gen­de Bedeu­tung als beson­de­rem Umstand zu. Die Annah­me eines Rechts­miss­brauchs muss sich des­halb weit­hin ver­bie­ten. Das beschränk­ba­re Bestands- schutz­in­ter­es­se der Arbeit­neh­mer muss inso­weit gegen- über der schran­ken­los gewähr­leis­te­ten Wis­sen­schafts- frei­heit zurück­tre­ten, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Be- fris­tungs­grun­des erfüllt sind. Nur in extre­men Ein­zel­fäl- len kann des­halb ein indi­zier­ter Rechts­miss­brauch nicht wider­legt werden.

III. Pra­xis­emp­feh­lun­gen

Im Lich­te die­ser Rechts­la­ge, die durch die Rechtsp­re- chung nicht an Klar­heit gewon­nen hat, ist für den prak- tischen Umgang mit der Dritt­mit­tel­be­fris­tung Ver­schie- denes anzuraten.

1. Kei­ne Überbrückungsbeschäftigungen

Ins­be­son­de­re die sog. Über­brü­ckungs­be­schäf­ti­gun­gen erfol­gen ohne Befris­tungs­grund. Die­se soll­ten, soweit wie mög­lich und unter Inkauf­nah­me der dar­aus resul­tie- ren­den Nach­tei­le für die Beschäf­tig­ten, nicht mehr abge- schlos­sen wer­den, sofern die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen über­schrit­ten sind.

Im Fal­le der Unzu­läs­sig­keit einer sol­chen Befris­tung ver­blei­ben nur noch die Befris­tungs­grün­de nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG und des TzBfG. Der Ansicht des

87 BT-Drs. 10/2283, S. 6: „Die Leis­tungs­fä­hig­keit der For­schung in Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen hängt in hohem Maße von der Mög­lich­keit ab, stets genü­gend neu­es Per­so­nal gewin­nen zu kön­nen. Ohne den lau­fen­den Zustrom jun­ger Wis­sen­schaft­ler und neu­er Ideen wür­de die For­schung erstar­ren. Die Bedeu­tung der Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen unter­schei­det sich in die­sem Bereich daher grund­sätz­lich von ande­ren Berei-

chen des Arbeits­le­bens: Zeit­ver­trä­ge sind hier kein Aus­nah­me­fall, son­dern ein unent­behr­li­ches Regel­in­stru­ment zur Absi­che­rung
der Funk­ti­ons- und Erneue­rungs­fä­hig­keit der For­schung. 2. Die Absi­che­rung und Erwei­te­rung der Befris­tungs­mög­lich­kei­ten dient zugleich der För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses und liegt inso­fern auch im indi­vi­du­el­len Inter­es­se der Nach­wuchs­kräf­te. …
“. sie­he auch Leh­mann-Wand­schnei­der, Das Son­der­be­fris­tungs- recht an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach dem WissZeitVG, 2008, S. 183 f.; Zim­mer­mann, Befris­te­te Arbeits­ver- hält­nis­se an Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs- ein­rich­tun­gen bei Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung, 2001, S. 123 f.; zu den Inter­es­sen­kon­flik­ten bei der Dritt­mit­tel­for­schung ein­ge­hend Plan­der in Dritt­mit­tel­for­schung, 1971, S. 34 ff.

88 Vgl. BT-Drs. 10/2283, S. 6; BVerfG, Beschluss vom 24.4.1996 – 1 BvR 712/86 = BVerfGE 94, 268 ff.

226 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 217–228

Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen, das hier eine Exklu­si­vi­tät annimmt, ist nicht zu folgen.89 § 1 Abs. 1 Satz 4 Wiss- ZeitVG geht erkenn­bar von einem leges spe­cia­lis-Ver- hält­nis aus.90 Ins­be­son­de­re ist hier auch an § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 TzBfG zu denken.91

2. Prä­zi­se Inhalts­be­schrei­bung der Folgeprojekte

Dane­ben ist es ange­zeigt, für die Pro­ble­ma­tik der sog. Dau­er­auf­ga­ben Vor­sor­ge zu tref­fen. Anschluss­pro­jek­te, die tat­säch­lich einen ande­ren Inhalt haben, sind als sol- che auch in der Pro­jekt­be­schrei­bung und im Arbeits­ver- trag kennt­lich zu machen.92 Hier­durch kann der Vor- wurf einer unzu­läs­si­gen Befris­tung für Dau­er­auf­ga­ben beweis­bar wider­legt werden.

Von der Befris­tung auf inhalt­lich völ­lig iden­ti­sche Fol­ge­pro­jek­te im Rah­men des § 2 Abs. 2 WissZeitVG ist hin­ge­gen abzu­ra­ten, soweit es sich nicht sicher um das letz­te Fol­ge­pro­jekt handelt.

3. Dop­pel­be­fris­tun­gen bei län­ge­ren Vertragslaufzeiten

Ein Vor­teil der Dritt­mit­tel­be­fris­tung liegt dar­in, dass sie – anders als bei der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 1 Wiss- ZeitVG – auch mit einer auf­lö­sen­den Bedin­gung kom­bi- niert wer­den kann, § 21 TzBfG.93 Die Bedin­gung ermög- licht die Kopp­lung der Ver­trags­lauf­zeit an die des Pro- jek­tes. Dadurch kann das Ende eines Arbeits­ver­hält­nis­ses abseits von star­ren Zeit­gren­zen erreicht wer­den und so der Auf­wand der Ver­wal­tung zuguns­ten einer (poten­ti- ell) län­ge­ren Ver­trags­lauf­zeit für den Beschäf­tig­ten ver- mie­den wer­den. Die­se Mög­lich­keit kann auch genutzt wer­den um Über­brü­ckungs­un­zu­läng­lich­kei­ten bei Anschluss­fi­nan­zie­run­gen auszuschließen.94

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern hält die Bedin­gung auf den Weg­fall der pro­jekt­ge­bun­de- nen Dritt­mit­tel für zulässig.95 Die­ser Recht­spre­chung ist grund­sätz­lich zuzu­stim­men. Aller­dings soll­ten ent­sp­re- chen­de Klau­seln unbe­dingt nur auf exter­ne Grün­de ab- stel­len. Dem Arbeit­neh­mer darf das Finan­zie­rungs­ri­si­ko sei­ner Stel­le nicht auf­ge­bür­det werden.96 Die Bedingung

  1. 89  LAG Sach­sen, Urteil vom 13.3.2014 – 9 Sa 466/13.
  2. 90  Rich­tig hier Schmidt in Ascheid/Preis/Schmidt, Kündigungsrecht,4. Aufl., WissZeitVG § 2 Rn. 49; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 54.
  3. 91  LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 15.3.2013 – 6 Sa 2102/12; sie­he auch Löwisch/Wertheimer in Hartmer/Detmer, Hoch­schul-recht, 2004, VII Rn. 147.
  4. 92  So auch Kroll, Aktu­el­les zum Befris­tungs­recht an Hoch­schu­lenund For­schungs­ein­rich­tun­gen öAT 2014 Rn. 247; vgl auch Preis,WissZeitVG § 2 Rn. 60.
  5. 93  Hes­se in Münch­ner Kom­men­tar zum BGB, 6. Aufl., TzBfG § 23Rn. 41. Sie­he mwN. auch Zim­mer­mann, Befris­te­te Arbeits­ver- hält­nis­se an Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren Forschungs-

soll­te daher auf Umstän­de lau­ten, auf deren Ein­tre­ten der Arbeit­ge­ber kei­nen Ein­fluss hat. Die Kün­di­gung des Dritt­mit­tel­pro­jek­tes durch den Dritt­mit­tel­ge­ber, der Weg­fall des Pro­jek­tes durch Neue­run­gen in der For- schung und die Nicht­ver­län­ge­rung durch den Dritt­mit- tel­ge­ber sind der­ar­ti­ge Umstände.97

4. Kon­gru­enz zwi­schen Ver­trags- und Projektlaufzeit

Zudem ist es auch ange­zeigt, ver­stärkt auf eine zeit­li­che Kon­gru­enz zwi­schen Ver­trags- und Pro­jekt­lauf­zeit zu ach­ten. Abwei­chun­gen kön­nen nur gerecht­fer­tigt wer- den, wenn die Not­wen­dig­keit zur nur antei­li­gen Beschäf- tigung im jewei­li­gen Pro­jekt besteht.98 Eine jah­res­wei­se Befris­tung auf das­sel­be Dritt­mit­tel­pro­jekt ist daher eben- so wenig zu emp­feh­len wie die Befris­tung über das Pro- jekt hin­aus. Letz­te­res soll­te nur ver­ein­bart wer­den, wenn im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses mit hoher Wahr- schein­lich­keit von einem Fol­ge­pro­jekt aus­zu­ge­hen ist.

IV. Fazit und Ausblick

Die Not­wen­dig­keit zur Prü­fung des Rechts­miss­brauchs bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG besteht erst, wenn die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen über- schrit­ten sind und die Über­schrei­tung das Maß des § 14 Abs. 2 TzBfG über­steigt.99 Ist danach eine Prü­fung erfor­der­lich, so sind die Zei­ten inner­halb der Höchst­be- fris­tungs­gren­zen für die Betrach­tung unbe­acht­lich. Ist auf der Grund­la­ge der dann noch erheb­li­chen Zei­ten ein Rechts­miss­brauch durch den Beweis eines ent­spre­chen- den Indiz indi­ziert, so kann der hier­in lie­gen­de Vor­wurf durch den Vor­trag beson­de­rer Umstän­de ent­kräf­tet wer- den. Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und For­schungs- ein­rich­tun­gen kön­nen sich hier­zu unein­ge­schränkt auf die Wis­sen­schafts­frei­heit beru­fen und die ihnen im Wiss- ZeitVG zuge­stan­de­nen Frei­hei­ten in Bezug auf Nach- wuchs­för­de­rung und For­schung gegen­über der jewei­li- gen Befris­tung ein­for­dern. Die schran­ken­lo­se Wis­sen- schafts­frei­heit setzt sich dabei gegen­über dem insoweit

ein­rich­tun­gen bei Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung, 2001, S. 213 f.; Preis,

WissZeitVG § 2 Rn. 61.
94 Zur Anschluss­fi­nan­zie­rung zutref­fend Mül­ler, Die Drittmittelbe-

fris­tung nach WissZeitVG öAT 2010 S. 226.
95 LAG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 5.12.2013 – 4 Sa

63/13; hier zwei­felnd Stil­ler, Das Dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Arbeits-

ver­hält­nis, Diss. 2000, S. 276 ff.
96 Stil­ler, Das Dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Arbeits­ver­hält­nis, Diss. 2000, S.

276 ff.; Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 56.
97 Vgl. dazu auch Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 55.
98 Preis, WissZeitVG § 2 Rn. 58 f.
99 BAG, Urteil vom 18.7.2012 – 7 AZR 443/09 – juris Rn. 41, 48.

Man­dler · Rechts­miss­brauch bei Drittmittelbefristungen

2 2 7

beschränk­ten Bestands­schutz­in­ter­es­se des Beschäftigten

durch und garan­tiert damit der Hoch­schu­le, Uni­ver­si- täts­kli­nik oder For­schungs­ein­rich­tung die nach dem Geset­zes­wil­len ver­spro­che­ne Rechts­si­cher­heit und ‑klar- heit.100 Nur im extre­men Ein­zel­fall kann sich daher die Unwirk­sam­keit der Befris­tung im hoch­schul­recht­li­chen Bereich aus § 242 BGB ergeben.

Tobi­as Man­dler ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter der For­schungs­stel­le für Hoch­schul­recht und Hoch­schul- arbeits­recht der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Freiburg.

100 BT-Drs. 16/3438 S. 8: „Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­re For- schungs­ein­rich­tun­gen und ihre Dritt­mit­tel­be­schäf­tig­ten benö­ti­gen des­halb grö­ße­re Rechts­si­cher­heit. Die­se grö­ße­re Rechts­si­cher­heit kann durch einen eige­nen – in der Wis­sen­schaft beson­ders rele­van- ten – Befris­tungs­tat­be­stand für Fäl­le der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung geschaf­fen wer­den.“

228 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2015), 217–228