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I. Fra­ge­stel­lung

Die rich­ti­ge Aus­wahl­ent­schei­dung in einem Beru­fungs- ver­fah­ren hat für eine Uni­ver­si­tät gro­ße Bedeu­tung. Miss­lingt der Aus­wahl­pro­zess, wer­den nicht nur die mit der Neu­be­set­zung einer Pro­fes­sur ver­bun­de­nen struk­tu- rel­len Über­le­gun­gen rasch zu Maku­la­tur, nicht sel­ten han­delt sich die Hoch­schu­le auch per­so­nel­le Pro­ble­me ein, die zeit­rau­bend und res­sour­cen­ver­nich­tend sind. Im Bereich der Hoch­schul­me­di­zin, in der mit der Vertre- tung eines Fachs in For­schung und Leh­re auch Auf­ga­ben in der Kran­ken­ver­sor­gung ver­bun­den sind, kann im Fal- le einer Fehl­be­set­zung ein erheb­li­cher finan­zi­el­ler Scha- den hinzukommen.

Im Ver­lau­fe eines Beru­fungs­ver­fah­rens bestehen für die uni­ver­si­tä­ren Ent­schei­dungs­trä­ger unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten, sich über die Kom­pe­tenz der Bewer­ber um die aus­ge­schrie­be­ne Pro­fes­sur ein Bild zu machen. So las­sen die ein­ge­reich­ten Unter­la­gen zu Publi­ka­tio­nen, erbrach­ten Lehr­leis­tun­gen, ein­ge­wor­be­nen Dritt­mit­teln, Vor­trä­gen bis hin zu wahr­ge­nom­me­nen Funk­tio­nen in der sci­en­ti­fic com­mu­ni­ty eine Ein­schät­zung der wis­sen- schaft­li­chen Repu­ta­ti­on zu. Wei­te­rer Auf­schluss ergibt sich aus den Pro­be­vor­trä­gen und den danach häu­fig mit den Bewer­bern geführ­ten Gesprä­chen im Krei­se der Be- rufungs­kom­mis­si­on. Ein­ge­hol­te aus­wär­ti­ge Gut­ach­ten füh­ren im Regel­fall zur Wei­chen­stel­lung für die Ers­tel- lung der Beru­fungs­lis­te und damit zur Ent­schei­dung, wem der Ruf erteilt wird.

Gleich­wohl kön­nen im Zuge der sich anschlie­ßen­den Beru­fungs­ver­hand­lun­gen, in denen die säch­li­che, räum- liche und inves­ti­ve Aus­stat­tung der Pro­fes­sur sowie fer- ner die per­sön­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen des Dienst- ver­hält­nis­ses – im Bereich der Hoch­schul­me­di­zin auch ein Chef­arzt­ver­trag – ver­han­delt wer­den, Zwei­fel auf- kom­men, ob sich die gesteck­ten Zie­le mit dem Ruf­ad­res- saten ver­wirk­li­chen las­sen. Das gilt vice versa.

Vor die­sem Hin­ter­grund stellt sich die Fra­ge, ob, un- ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und bis zu wel­chem Sta­di- um eines Beru­fungs­ver­fah­rens eine Uni­ver­si­tät die

1 Vgl. z.B. die Baye­ri­sche Ver­ord­nung über das Beru­fungs­ver­fah­ren (Bay­Be­rufV) v. 3.8.2009, GVBl. 2009, S. 409; unmit­tel­bar aus den Hoch­schul­ge­set­zen folgt die Kom­pe­tenz zur Rufer­tei­lung des Prä- siden­ten bzw. Rek­tors z.B. in Hes­sen (§ 63 Abs. 3 S. 4 HessHG), in Sach­sen (§ 60 Abs. 1 S. 1 SächsHG) oder in Baden-Württemberg,

„Reiß­lei­ne zie­hen“ und den ein­mal erteil­ten Ruf wie­der zurück­neh­men kann. Im Hin­blick auf die ein­gangs be- schrie­be­nen Fol­gen einer „Fehl­be­ru­fung“ hat sie erheb­li- che prak­ti­sche Bedeutung.

II. Teil­schrit­te eines Berufungsverfahrens

Der Ablauf eines Beru­fungs­ver­fah­rens voll­zieht sich in Teil­schrit­ten, die in den Hoch­schul­ge­set­zen der Län­der gere­gelt sind. Hin­zu kom­men Ver­ord­nun­gen auf Län­de- rebe­ne, die Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen ent­hal­ten, etwa die Kom­pe­tenz zur Rufer­tei­lung auf den Rek­tor bzw. den Prä­si­den­ten einer Uni­ver­si­tät übertragen.1 Schließ­lich ergän­zen Bestim­mun­gen in den Grund­ord­nun­gen der Uni­ver­si­tä­ten häu­fig die inner­uni­ver­si­tä­ren Abläu­fe des Ver­fah­rens, die vor allem die Schnitt­stel­len zwi­schen Beru­fungs­kom­mis­si­on, Fakul­täts- bzw. Fach­be­reichs­rat, Senat bis hin zur Hoch­schul­lei­tung betreffen.2

Abge­se­hen von Nuan­cen gestal­tet sich der Ablauf ei- nes Beru­fungs­ver­fah­rens im Wesent­li­chen in allen Bun- des­län­dern nach dem glei­chen Ras­ter: Einer uni­ver­si­tätsin- ter­nen Ent­schei­dung über die Neu­ein­rich­tung oder Wie- der­be­set­zung einer Pro­fes­sur – nebst Fest­le­gung, Bestä­ti- gung oder Ände­rung der Funk­ti­ons­be­schrei­bung – folgt deren öffent­li­che Aus­schrei­bung. Fakul­täts­in­tern wird eine Beru­fungs­kom­mis­si­on gebil­det. Die Kom­mis­si­on wählt aus den ein­ge­gan­ge­nen Bewer­bun­gen geeig­ne­te Kan­di­da­ten aus, die zu Pro­be­vor­trä­gen ein­ge­la­den wer- den; z.T. wer­den auch Kan­di­da­ten direkt ange­spro­chen und auf­ge­for­dert, sich zu bewer­ben. Nach Ein­engung des Kan­di­da­ten­krei­ses wer­den aus­wär­ti­ge Gut­ach­ten be- auf­tragt und in einer abschlie­ßen­den Sit­zung eine Beru- fungs­lis­te ver­ab­schie­det. Es fol­gen unter­schied­li­che uni- ver­si­täts­in­ter­ne Abstim­mungs­pro­zes­se, hier dif­fe­rie­ren die Rege­lun­gen in den Län­dern. Betei­ligt sind dabei Fa- kul­täts- bzw. Fach­be­reichs­rat, der Senat der Uni­ver­si­tät und das Rek­to­rat bzw. das Prä­si­di­um. Die Beru­fungs­lis- te geht dann zur Rufer­tei­lung an den zustän­di­gen Minis- ter, in den meis­ten Bun­des­län­dern liegt die Rufer­tei- lungs­kom­pe­tenz mitt­ler­wei­le aber bei den Hochschulen

dort im Ein­ver­neh­men mit dem Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um (§ 48

Abs. 2 S. 1 LHG BW).
2 Bei­spie­le: § 50 Abs. 6 GO der Uni­ver­si­tät Würz­burg v. 15.7.2007; §

24 Abs. 2 GO der Uni­ver­si­tät Frei­burg v. 21.11.2012.

Frank Wert­hei­mer

„Rol­le rück­wärts“ – Zur Rück­nah­me des Rufs in einem Berufungsverfahren

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2015, ISSN 2197–9197

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direkt, so dass der Ruf vom Rek­tor bzw. Prä­si­den­ten er- teilt wird.3 Es schlie­ßen sich Beru­fungs­ver­hand­lun­gen an, abge­schlos­sen wird das Ver­fah­ren – im Fal­le einer Ver­be­am­tung – mit der Ernennung4, bei einer Pro­fes­sur im Ange­stell­ten­ver­hält­nis mit dem Abschluss des Dienst- bzw. Arbeits­ver­tra­ges. Im Fal­le einer kli­ni­schen Pro­fes- sur kommt ein Chef­arzt­ver­trag für die Auf­ga­ben in der Kran­ken­ver­sor­gung hinzu.5

III. Recht­li­che Bindungswirkung

Zu unter­su­chen ist in der Fol­ge, wel­che Rechts­wir­kun- gen die unter II. dar­ge­stell­ten Teil­schrit­te eines Beru- fungs­ver­fah­rens entfalten:

1. Uni­ver­si­täts­in­ter­ne Struk­tur­be­schlüs­se, öffent­li­che Ausschreibung

Soweit auf Grund­la­ge ent­spre­chen­der Beschlüs­se einer Fakul­tät die Hoch­schul­lei­tung – ggfs. im Zusam­men­wir- ken mit dem zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­te­ri­um – eine neue Pro­fes­sur ein­rich­tet oder eine bereits exis­tie­ren­de zur Wie- der­be­set­zung frei­gibt, führt dies eben­so wenig zu einer Bin­dungs­wir­kung wie die öffent­li­che Aus­schrei­bung der Pro­fes­sur. Zum einen sind bei­de Teil­schrit­te nicht per­so- nen­be­zo­gen und ent­fal­ten zum ande­ren, ins­be­son­de­re auch die öffent­li­che Aus­schrei­bung, zuguns­ten der Bewer­ber um die dor­ti­ge Posi­ti­on nur Bin­dung, als doku­men­tiert wird, dass eine bestimm­te Stel­le besetzt wer­den soll.6

2. Beschluss­fas­sung der Berufungskommission

Auch wenn die Beschluss­fas­sung der Beru­fungs­kom­mis- sion den ers­ten Teil­schritt des Beru­fungs­ver­fah­rens dar- stellt, in dem eine per­so­nen­be­zo­ge­ne Aus­wahl­entsch­ei- dung fällt, erzeugt die­se kei­ne Rechts­bin­dung zuguns­ten eines der gelis­te­ten Bewer­ber. Man­gels Außen­wir­kung i.S.d. § 35 LVwVfG fehlt hier der Rechts­cha­rak­ter eines Ver­wal­tungs­ak­tes. Bei die­ser Aus­wahl­ent­schei­dung der Beru­fungs­kom­mis­si­on han­delt es sich um einen rein inter­nen, über die jewei­li­ge Fakul­tät an die Hoch­schul- lei­tung gerich­te­ten, blo­ßen, wenn auch not­wen­di­gen recht­lich unselb­stän­di­gen Zwi­schen­schritt im Stellenbe-

  1. 3  Vgl. auch Detmer, in: HschR-Pra­xis­hand­buch, 2. Aufl. 2011, S. 133 (Rn. 71).
  2. 4  Auch die Ernen­nung ist in eini­gen Län­dern bereits auf die Hoch­schu­le dele­giert, vgl. etwa § 1 Nr. 1 der Ver­ord­nung über dienst­recht­li­che Zustän­dig­kei­ten im Geschäfts­be­reich des Baye­ri- schen Staats­mi­nis­te­ri­ums für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst (ZustV-WKFM) v. 3.1.2011, GVBl. 2011, S. 26 oder § 4 Nr. 11 ErnG BW.
  3. 5  Beim sog. Inte­gra­ti­ons­mo­dell wer­den die Auf­ga­ben in For­schung, Leh­re und Kran­ken­ver­sor­gung dem­ge­gen­über in einem ein­heit- lichen Ver­trag zusam­men­ge­fasst, so z.B. an der Uni­ver­si­tätsme- dizin Mainz oder der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göttingen.

setzungsverfahren.7 Glei­ches gilt für die die Lis­te bestä­ti- gen­den Beschlüs­se sowie die Stel­lung­nah­me des Fakul- täts- bzw. Fach­be­reichs­rats oder des Hoch­schul­se­nats. Auch hier han­delt es sich um rein inter­ne Ver­fah­rens- schrit­te ohne recht­li­che Außenwirkung.

3. Rufer­tei­lung

a) Ruf als Verwaltungsakt?

Hin­sicht­lich der Rechts­qua­li­tät eines Rufs, wie er vom zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­ter oder vom Rek­tor bzw. Prä- siden­ten einer Uni­ver­si­tät gegen­über einem gelis­te­ten Bewer­ber erteilt wur­de, wer­den unter­schied­li­che Auf­fas- sun­gen vertreten.

Nam­haf­te Stim­men in der hoch­schul­recht­li­chen Li- tera­tur ver­tre­ten die Auf­fas­sung, der Ruf habe gegen­über dem Ruf­in­ha­ber Verwaltungsaktsqualität.8 Entsch­ei- dend sei, dass sich die Beru­fung eines Pro­fes­sors essen­ti- ell von der „Beru­fung“ eines sons­ti­gen Beam­ten auf ei- nen Dienst­pos­ten unter­schei­de. Mit der Ertei­lung des Rufs sei das Aus­wahl­ver­fah­ren been­det; dies kom­me in einem Beru­fungs­schrei­ben dadurch zum Aus­druck, dass der Bewer­ber auf die aus­ge­schrie­be­ne Pro­fes­sur „ohne wenn und aber“ beru­fen wer­de, was den Bin­dungs­wil­len des Lan­des bzw. der Uni­ver­si­tät noch­mals unter­strei- che.9FolgtmandieserAuffassung,sokönnteeinerteilter RufnurnachMaßgabeder§§48,49LVwVfGzurückge- nom­men werden.

Die Recht­spre­chung ver­tritt hin­ge­gen die Auf­fas- sung, dass es sich bei einem Ruf ledig­lich um eine recht- lich unbe­acht­li­che invi­ta­tio ad offe­ren­dum han­delt, d.h. um eine Auf­for­de­rung an den Ruf­adres­sa­ten, in Beru- fungs­ver­hand­lun­gen mit der rufer­tei­len­den Ein­rich­tung einzutreten.10 Zur Begrün­dung wird auf den Wort­laut des Ruf­schrei­bens abge­stellt, wel­ches in aller Regel nicht mehr als eine Absichts­er­klä­rung ent­hal­te, in der Zukunft nach Eini­gung mit dem Ruf­adres­sa­ten – letzt­lich über die Aus­stat­tung der Pro­fes­sur sowie über des­sen per­sön- liches Sta­tus­ver­hält­nis – ein Beam­ten­ver­hält­nis oder ein pri­vat­recht­li­ches Dienst­ver­hält­nis begrün­den zu wol­len, aus dem sich dann wech­sel­sei­ti­ge Rech­ten und Pflich­ten erge­ben. Inso­weit sei der Ruf nach der die­sem zugrunde-

6 BVerwG, Urt. v. 25.4.1996, 2 C 21/95, BVerw­GE 101,112; Detmer, in: HSchR-Pra­xis­hand­buch, aaO., S. 137 (Rn. 80) mwN.

7 BVerwG, Urt. v. 19.2.1998, 2 C 14/97, BVerw­GE 106, 187.
8 Vgl. Epping, WissR 1992, 179; Detmer in: HSchR-Pra­xis­hand-

buch, aaO., S. 145 (Rn. 102) mwN.
9 Vgl. Detmer, WissR 1995, 1, 12, 14; Brehm/Zimmerling, Die Ent-

wick­lung der Recht­spre­chung zum Hoch­schul­leh­rer­recht, www. zimmerling.de/veröffentlichungen/volltextsuche/ neu/hoch­schul- lehrerrecht.htm — Stand August 2001.

10 BVerwG, Urt. v. 19.2.1998, 2 C 14/97, aaO.; VG Wies­ba­den, Urt. v. 20.3.1995, 8/V E 844/93, NVwZ-RR 1996, 207.

Wert­hei­mer · Rück­nah­me des Rufs in einem Beru­fungs­ver­fah­ren 1 4 9

lie­gen­den Aus­wahl­ent­schei­dung eben­falls ein not­wen­di- ger, aber recht­lich unselb­stän­di­ger Zwi­schen­schritt im Stellenbesetzungsverfahren.11

In der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung fin­det sich fol­gen­de Kon­kre­ti­sie­rung: Mit dem Ruf bekun­de die nach Lan­des­recht zustän­di­ge Stel­le ihre Bereit­schaft, mit dem Adres­sa­ten in Beru­fungs­ver­hand­lun­gen ein­zutre- ten und zugleich zu erkun­den, ob der Adres­sat bereit sei, die Pro­fes­sur zu über­neh­men. Tra­di­tio­nell schlie­ßen sich an den Ruf die Beru­fungs­ver­hand­lun­gen an, die sich ins­be­son­de­re auf den Sta­tus (Beam­ter oder Ange­stell- ter), die Aus­ge­stal­tung der Dienst­pflich­ten und die Aus- stat­tung des vor­ge­se­he­nen Auf­ga­ben­be­reichs bezie­hen kön­nen. Erst danach ent­schei­de sich, ob dem Bewer­ber die Stel­le end­gül­tig über­tra­gen wird.12

Rufer­tei­lungs­schrei­ben lässt sich in der Tat zumeist nur eine Absichts­er­klä­rung ent­neh­men, wenn sie – zu- meist wie nach­fol­gend oder ähn­lich – for­mu­liert sind:

„Es ist grund­sätz­lich beab­sich­tigt, für die mit For­schung und Leh­re zusam­men­hän­gen­den Arbei­ten einen Dienst- ver­tag abzu­schlie­ßen. Die­ser Dienst­ver­trag wird von der Uni­ver­si­tät abgeschlossen.“

Addi­tiv in der Hochschulmedizin:

„Es ist beab­sich­tigt, die mit der Pro­fes­sur zusam­men­hän- gen­den Auf­ga­ben der Lei­tung der kli­ni­schen Ein­rich­tung ein­schließ­lich des damit ver­bun­de­nen Liqui­da­ti­ons- rechts durch Chef­arzt­ver­trag zu regeln. Die­ser Chef­arzt- ver­trag wird vom Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum abge­schlos­sen. Für Beru­fungs­ver­hand­lun­gen, ins­be­son­de­re über die Aus­stat­tung der Pro­fes­sur sowie zur Klä­rung wei­te­rer mit der Stel­len­be­set­zung zusam­men­hän­gen­der Fra­gen steht Ihnen der Dekan in der Fakul­tät für … ger­ne zur Verfügung.“

Ins­be­son­de­re die For­mu­lie­run­gen „es ist grund­sätz- lich beab­sich­tigt“ sowie „auch ist vor­ge­se­hen“, die sich mit den Vor­stel­lun­gen einer Fakul­tät – bei Pro­fes­su­ren mit Auf­ga­ben in der Kran­ken­ver­sor­gung auch eines Uni- ver­si­täts­kli­ni­kums – auf die sta­tus­recht­li­che Situa­ti­on des Beru­fungs­adres­sa­ten bezie­hen, spre­chen dage­gen, einsolchesSchreibenalsVerwaltungsaktzuwerten.Die Aus­le­gung einer Rufer­tei­lung nach dem Emp­fän­ger­ho­ri- zont lässt im Grun­de kei­ne ande­re Ent­schei­dung zu, so dass der Recht­spre­chung zu fol­gen ist.

Das BVerwG hat sei­ne Auf­fas­sung, es han­de­le sich bei der Rufer­tei­lung nicht um einen Ver­wal­tungs­akt, fer-

  1. 11  BVerwG, Urt. v. 19.2.1998, aaO.
  2. 12  Vgl. OVG Sach­sen-Anhalt, Beschl. v. 24.06.2010, 1 L 56/10, juris,Rn. 7; eben­so OVG NRW, Urt. v. 22.7.2014, 6 A 815/11, DÖV

ner damit begrün­det, dass die dor­ti­ge streit­ge­gen­ständ­li- che lan­des­recht­li­che Bestim­mung kei­ne Rechts­grund­la- ge dafür ent­hal­te, durch ein­sei­ti­ge Rege­lung mit Außen­wir- kung eine ver­bind­li­che Rechts­fol­ge als Zwi­schen­schritt im Beru­fungs­ver­fah­ren zu set­zen. Die Aus­wahl­ent­schei­dung wer­de erst mit der Über­tra­gung des Amtes des Pro­fes­sors ver­bind­lich getroffen.13

Zum Zeit­punkt der mehr­fach zitier­ten Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 19.02.1998 be- stimm­te die dama­li­ge Fas­sung des § 45 Abs. 2 S. 1 HRG, dass Pro­fes­so­ren auf Vor­schlag der Hoch­schu­le von der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Stel­le beru­fen wer­den. Mit die­sem Vor­schlags­recht wur­de der Hoch­schu­le bei der Beru­fung von Pro­fes­so­ren ein Mit­wir­kungs­recht ein­ge­räumt, womit der Wis­sen­schafts­frei­heit nach Art. 5 Abs. 3 GG in beson­de­rer Wei­se Rech­nung getra­gen wur­de. Das BVerwG hat in die­sem Zusam­men­hang fest- gehal­ten, dass die­se Mit­wir­kungs­hand­lung, also das Vor- schlags­recht der Hoch­schu­le, kei­ne sub­jek­ti­ven Rech­te des Vor­ge­schla­ge­nen begründe.14 Ergibt sich damit in den Fäl­len etwas ande­res, in denen nach Län­der­recht die Rufer­tei­lung nicht mehr dem zustän­di­gen Minis­ter son- dern dem Rek­tor bzw. Prä­si­den­ten der Uni­ver­si­tät über­tra- gen ist? Und spielt mög­li­cher­wei­se eine Rol­le, dass in sol- chen Fäl­len, wie etwa nach § 1 Nr. 1 der Ver­ord­nung über dienst­recht­li­che Zustän­dig­kei­ten im Geschäfts­be­reich des Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums für Wis­sen­schaft, For- schung und Kunst (ZustV-WFKM) vom 03.01.2011 (GVBl. 2011, S. 26) oder § 4 Nr. 11 ErnG BW die Zustän- dig­keit für die Ernen­nung von Hoch­schul­pro­fes­so­ren bei der Uni­ver­si­tät liegt und, soll mit dem Hoch­schul- pro­fes­sor ledig­lich ein pri­vat­recht­li­ches Dienst­ver­hält­nis abge­schlos­sen wer­den, die­se auch für den Abschluss des Arbeits­ver­tra­ges zustän­dig ist?

Nach hier ver­tre­te­ner Auf­fas­sung wur­den hier­durch ledig­lich die Zustän­dig­kei­ten für den Ablauf eines Beru- fungs­ver­fah­rens geän­dert und die Auto­no­mie der jewei- ligen Uni­ver­si­tä­ten gestärkt. Hin­ge­gen ändern die­se neu- en Zustän­dig­kei­ten nichts am Rechts­cha­rak­ter der Ru- fer­tei­lung an sich. Nach wie vor schlie­ßen sich erst an die Rufer­tei­lung kon­kre­te Beru­fungs­ver­hand­lun­gen an, die letzt­lich Auf­schluss dar­über geben, ob es zwi­schen der Uni­ver­si­tät und dem zu Beru­fen­den zu einer Über­ein- stim­mung hin­sicht­lich der zu beset­zen­den Pro­fes­sur kommt, ins­be­son­de­re ob eine Eini­gung über deren Aus- stat­tung sowie über den per­sön­li­chen Sta­tus des Rufad- res­sa­ten erzielt wer­den kann. Eben­so wie sich im Rah- men die­ser Ver­hand­lun­gen beim Ruf­adres­sa­ten Zwei­fel an der Über­nah­me der Pro­fes­sur und den damit verbun-

2014, 982.
13 BVerwG, Urt. v. 19.2.1998, aaO. 14 BVerwG, Urt. v. 19.2.1998, aaO.

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denen Auf­ga­ben erge­ben kön­nen, die am Ende eine Ruf­ab­leh­nung durch ihn nach sich zie­hen, ver­hält sich dies umge­kehrt. Die­ser Über­le­gung wider­sprä­che es, wenn die Uni­ver­si­tät in der Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on recht­lich gebun­den wäre, auch wenn sie erkennt, dass der Beru­fe­ne letzt­lich für die ent­spre­chen­de Stel­le doch nicht in Betracht kommt.

Die Auf­fas­sung, die das BVerwG ver­tritt, teilt das BAG für den Fall, dass mit der Rufer­tei­lung – nach ent- spre­chen­den Beru­fungs­ver­hand­lun­gen – der Abschluss eines Arbeits­ver­hält­nis­ses inten­diert ist. So sieht auch das BAG in der Ertei­lung eines Rufs kein Ange­bot auf Abschluss eines Arbeits­ver­tra­ges son­dern stimmt viel- mehr mit der zuvor dar­ge­stell­ten Auf­fas­sung zum Erklä- rungs­wert einer Rufer­tei­lung überein.15 Danach be- schränkt sich die Rufer­tei­lung auf eine Anfra­ge zur grund­sätz­li­chen Bereit­schaft eines Bewer­bers auf Über- nah­me einer bestimm­ten Pro­fes­so­ren­stel­le, der kein rechts­ver­bind­li­cher Cha­rak­ter bei­gemes­sen wird.

Im Ergeb­nis ist daher fest­zu­hal­ten, dass in dem Ru- fer­tei­lungs­schrei­ben, unab­hän­gig davon, ob es vom zu- stän­di­gen Lan­des­mi­nis­ter oder vom Rek­tor bzw. Prä­si- den­ten einer Uni­ver­si­tät stammt, kein Ver­wal­tungs­akt zu sehen ist, der gegen­über dem Ruf­adres­sa­ten ver­bind- liche Rechts­wir­kun­gen erzeugt. Kei­ne Beden­ken bes­te- hen daher gegen die gän­gi­ge Pra­xis, dem Ruf­adres­sa­ten eine Frist zu set­zen, inner­halb der sich die Uni­ver­si­tät an die Rufer­tei­lung gebun­den fühlt. Lässt der Ruf­adres­sat die­se Frist ver­strei­chen, kann der Ruf an den Nächst­plat- zier­ten erteilt werden.

b) Zusi­che­rung

Ein Rufer­tei­lungs­schrei­ben ist in aller Regel auch kei­ne Zusi­che­rung i.S.d. § 38 Abs. 1 LVwVfG.

Der Anspruch, in ein Beam­ten­ver­hält­nis beru­fen zu wer­den oder mit dem zu Beru­fen­den einen pri­vat­recht­li- chen Dienst­ver­trag abzu­schlie­ßen, der die Auf­ga­ben in For­schung und Leh­re regelt, kann zwar grund­sätz­lich Gegen­stand einer Zusi­che­rung sein.16 Von einer Rechts- ver­bind­lich­keit i.S.d. Vor­schrift wird stets dann aus­ge- gan­gen, wenn der Wil­le einer Behör­de, sich für die Zu- kunft zu bin­den und einen ent­spre­chen­den Anspruch des Begüns­tig­ten auf die zuge­sag­te Maß­nah­me zu be- grün­den, in der Erklä­rung ein­deu­tig erkenn­bar ist, da- mit sie als Zusi­che­rung ange­nom­men wer­den kann.17

Ist eine Rufer­tei­lung so wie oben dar­ge­stellt formu-

  1. 15  BAG, Urt. v. 9.7.1997, 7 AZR 424/96, NZA 1998, 752.
  2. 16  Vgl. Hess. VGH, Beschl. v. 4.3.1991, 1 TG 3306/90, juris, Rn. 29für die Beru­fung in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Lebenszeit.
  3. 17  BVerwG, Urt. v. 7.2.1986, 4 C 28/84, NJW 1986, 2267; BVerwG,Urt. v. 22.1.1998, 2 C 8/97, NVwZ 1998, 1082; Stelkens/Bonk/ Sachs/Stel­kens, VwVfG, 8. Auf. 2014, § 38 Rn. 21.

liert – und das ist der Regel­fall – han­delt es sich aber nur um eine blo­ße Absichts­er­klä­rung. Die­se Aus­le­gung ent- spricht dann dem Wil­len der Uni­ver­si­tät und ist auf Grund­la­ge des § 133 BGB auch vom objek­ti­ven Emp­fän- ger­ho­ri­zont nicht anders zu verstehen.

4. Rück­nah­me des Rufs

Han­delt es sich bei einem Ruf dem­nach nicht um einen rechts­ver­bind­li­chen Akt, weder im Sin­ne eines Ver­wal- tungs­ak­tes noch im Sin­ne einer Zusi­che­rung, son­dern viel- mehr nur um eine unselb­stän­di­ge Vor­be­rei­tungs­hand­lung mit ver­fah­rens­recht­li­chem Cha­rak­ter, so kann der Ruf ohne Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen der §§ 48, 49 LVwVfG wie- der zurück­ge­nom­men wer­den. Zustän­dig für die Rück­nah- medesRufsist–alsactuscontrariuszurRuferteilung–die rufer­tei­len­de Stel­le, mit­hin der zustän­di­ge Lan­des­mi­nis­ter oder der Rek­tor bzw. der Universitätspräsident.

Frei­lich stel­len sich bei der Rück­nah­me eines Rufs ver­schie­den Fragen:

a) Rück­nah­me als Verwaltungsakt?

Zu klä­ren ist zunächst, ob die Rück­nah­me des Rufs ein Ver­wal­tungs­akt ist. Dar­an wur­den in der Lite­ra­tur zum Teil Zwei­fel geäu­ßert, weil die mehr­fach zitier­te Ent- schei­dung des BVerwG aus dem Jah­re 1998 dahin­ge­hend inter­pre­tiert wur­de, dass das Zurück­zie­hen eines Rufan- gebots eben­so wenig ein Ver­wal­tungs­akt sei wie das Ruf­an­ge­bot selbst.18 Dem ist ent­ge­gen zu hal­ten, dass mit der Rück­nah­me des Rufs gegen­über dem Lis­ten­plat- zier­ten ver­bind­lich bestimmt wird, dass er für die Pro- fes­sur nicht mehr in Betracht kommt. Das hat auch das BVerwG in dem Fall so gese­hen, in dem dem Ruf­ad­res- saten mit­ge­teilt wor­den war, dass eine Beru­fung in ein Beam­ten­ver­hält­nis abge­lehnt wer­de. Eine sol­che Mit­tei- lung sei ein Verwaltungsakt.19 Für die­se Ein­schät­zung spricht auch fol­gen­de Über­le­gung: Ist das Aus­wahl­ver- fah­ren um eine Pro­fes­sur abge­schlos­sen, so wird die den Ruf ertei­len­de Stel­le als ver­pflich­tet ange­se­hen, den nicht berück­sich­tig­ten Bewer­bern recht­zei­tig vor der Ernen- nung oder der dienst­ver­trag­li­chen Anstel­lung des Rufin- habers eine begrün­de­te Mit­tei­lung zu machen, dass und wes­halb sie in dem Aus­wahl­ver­fah­ren kei­ne Berück­sich- tigung gefun­den haben und die Ernen­nung bzw. Eins­tel- lung des Ruf­in­ha­bers bevor­steht. Eine sol­che Mit­tei­lung gegen­über den unter­le­ge­nen Bewer­bern wird als Ver- wal­tungs­akt qualifiziert.20 Wenn der Minis­ter, respektive

18 Vgl. Hart­mer, F&L 2000, 149.
19 Vgl. BVerwG, Urt. v. 19.2.1998, juris, Rn. 21.
20 Vgl. VG Düs­sel­dorf, Beschl. v. 22.5.1996, 2 L 1225/96, n.v.; VG

Gel­sen­kir­chen, Beschl. v. 19.9.1995, 1 L 2001/95, juris; eben­so Detmer in: HSchR-Pra­xis­hand­buch, aaO., S. 145 (Rn. 103).

Wert­hei­mer · Rück­nah­me des Rufs in einem Beru­fungs­ver­fah­ren 1 5 1

der Rek­tor oder der Prä­si­dent gegen­über dem Rufad-res­sa- ten dem­nach die Rück­nah­me des Rufs erklärt, so kommt dem die glei­che Rechts­qua­li­tät zu, ledig­lich mit dem Unter- schied, dass die Erklä­rung zeit­lich vor­ver­la­gert ist.

b) Recht­mä­ßig­keit der Rücknahme

Ist die Ruf­rück­nah­me dem­nach ein Ver­wal­tungs­akt, muss die­ser recht­mä­ßig sein. In Betracht zu zie­hen ist, ob dabei die Grund­sät­ze für den Abbruch eines Beru- fungs­ver­fah­rens her­an­ge­zo­gen wer­den können.

Es ent­spricht all­ge­mei­ner Mei­nung, dass ein Beru- fungs­ver­fah­ren jeder­zeit abge­bro­chen und neu eröff­net wer­den kann, dies auch dann, wenn die Vor­schlags­lis­te noch nicht erschöpft ist und solan­ge Rech­te Drit­ter da- durch nicht beein­träch­tigt werden.21 Begrün­det wird dies letzt­lich damit, dass die Hoch­schu­le aus jedem Grund, der inden­weit­ge­steck­ten­Rah­me­nih­rer­Or­ga­ni­sa­ti­ons­kom­pe- tenz fällt, ein sol­ches Ver­fah­ren been­den kann.22

Indes­sen las­sen sich die­se Über­le­gun­gen auf den Fall einer Ruf­rück­nah­me nicht über­tra­gen. Damit ist näm- lich nicht das beim Abbruch von Beru­fungs­ver­hand­lun- gen ent­schei­den­de Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen son­dern viel- mehr das Aus­wahler­mes­sen bezüg­lich der gelis­te­ten Be- wer­ber betroffen.

Die Rück­nah­me eines Rufs könn­te gegen Art. 33 Abs. 2 GG ver­sto­ßen, ins­be­son­de­re stellt sich in die­sem Zusam­men­hang die Fra­ge, ob der Erst­plat­zier­te hier­aus einen Anspruch auf Fort­set­zung der Beru­fungs­ver­hand­lun­gen ablei­ten kann.23 In for­mel­ler Hin­sicht lässt sich dem­ge­gen­über ein­wen­den, dass der Rufer­tei­len­de von Anfang an berech­tigt gewe­sen wäre, von dem Lis­ten­vor­schlag der Fakul­tät abzu­wei­chen. Das ist in den Hoch­schul­ge­set­zen der Län­der über­wie­gend so vor­ge­se­hen, bei­spiels­wei­se regelt § 2 Abs. 1 S. 2 Bay­Be- rufV, dass der Prä­si­dent an die Rei­hung des Beru­fungs­vor- schla­ges nicht gebun­den ist.24 Ähn­li­ches bestimmt § 48 Abs. 2 S. 1 2. HS LHG BW, wonach der Rek­tor in begrün­de­ten Fäl­len vom Beru­fungs­vor­schlag abwei­chen kann.25

Ver­letzt die vom Vor­schlag der Hoch­schu­le abwei- chen­de Rufer­tei­lung des Minis­te­ri­ums nicht die insti­tu­ti- onell garan­tier­te Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 GG) der Hoch­schu­le, so gilt dies erst recht, wenn der Prä­si- dent der Uni­ver­si­tät vom Beru­fungs­vor­schlag abweicht. Ist die­ser dem­nach befugt, den Ruf ohne Bin­dung an die Rei­hung des Beru­fungs­vor­schlags zu ertei­len, so schließt

  1. 21  Vgl. OVG Schles­wig-Hol­stein, Urt. v. 14.2.1994, 3 M 7/94, juris; OVG Koblenz, Beschl. v. 9.3.1993, 2 B 11743/93 n.v., vgl. auch BVerwG, Urt. v. 25.4.1996, 2 C 21/95, BVerw­GE 101,112.
  2. 22  Vgl. etwa Detmer, WissR 1997, 193 ff.; Detmer, in: HSchR-Pra­xis- hand­buch, aaO., S. 145 (Rn. 102); Brehm/Zimmerling, vgl. Fn. 8, unter II. 3. e).
  3. 23  Vgl. BAG, Urt. v. 9.7.1997, 7 AZR 424/96, juris, Rn. 19 sowie BVerwG v. 19.2.1998, aaO., juris, Rn. 28.
  4. 24  Eben­so VGH Mün­chen, Beschl. v. 3.6.1998, 7 ZE 98.714, DVBl

dies ein, dass er von der zunächst ver­folg­ten Rei­hung im Lau­fe des Beru­fungs­ver­fah­rens abwei­chen kann. Da – wie gese­hen – die Rufer­tei­lung kei­nen rechts­ver­bind­li- chen Cha­rak­ter hat, wird inso­weit in kei­ne recht­lich be- reits gefes­tig­te Posi­ti­on des Ruf­adres­sa­ten eingegriffen.

Mate­ri­ell­recht­lich gel­ten nach der Recht­spre­chung kei­ne all­zu hohen Anfor­de­run­gen an die Rück­nah­me ei- nes Rufs. Nach Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG gewährt die Recht- spre­chung einer Hoch­schu­le grund­sätz­lich eine ver­fas- sungs­recht­lich geschütz­te Beur­tei­lungs­kom­pe­tenz über die Qua­li­fi­ka­ti­on eines Bewer­bers für eine Hoch­schul- leh­rer­stel­le. Wie bei der Abwei­chung von einem Beru- fungs­vor­schlag kom­men per­so­nal­po­li­ti­sche, wis­sen- schafts­po­li­ti­sche wie auch fach­wis­sen­schaft­li­che Grün­de dafür in Betracht.26 Nach Maß­ga­be die­ser Über­le­gun­gen hält es die Recht­spre­chung für zuläs­sig, einen Bewer­ber abwei­chend von der Rei­hen­fol­ge des Beru­fungs­vor- schlags für die zu beset­zen­de Pro­fes­so­ren­stel­le aus­zu- wäh­len und zu beru­fen. Da auch die­ser Bewer­ber von der Hoch­schu­le vor­ge­schla­gen und des­halb ihrer Mei- nung nach für die zu beset­zen­de Hoch­schul­leh­rer­stel­le qua­li­fi­ziert ist, wer­de Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG nicht be- rührt.27 Dabei kön­nen nicht nur recht­lich zwin­gen­de son­dern auch unter­halb die­ser Schwel­le lie­gen­de Grün- de, die die per­so­nel­le Eig­nung des Bewer­bers berüh­ren, hin­rei­chen­des Gewicht haben.28 Bei einem Beru­fungs- vor­schlag mit meh­re­ren Bewer­bern ist (zwangs­läu­fig) eine Aus­wahl nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen für den Bewer­ber zu tref­fen, der am bes­ten geeig­net erscheint, den sich ihm stel­len­den Auf­ga­ben nach Art und Umfang gerecht zu werden.

Für eine Rück­nah­me des Rufs wäre es bei­spiels­wei­se aus­rei­chend, wenn sich im Lau­fe der Beru­fungs­ver­hand- lun­gen zeigt, dass die kon­zep­tio­nel­len Vor­stel­lun­gen des Bewer­bers zur Aus­fül­lung der Pro­fes­sur nicht mit den denen der Fakul­tät kom­pa­ti­bel sind, etwa weil er Schwer- punk­te set­zen möch­te, die in der Fakul­tät schon durch eine ande­re Pro­fes­sur ver­tre­ten sind oder weil die­se mit einer von der Fakul­tät beab­sich­tig­ten Antrag­stel­lung, z.B. für einen Son­der­for­schungs­be­reich, nicht kom­pa­ti- bel sind. Ein aus­rei­chen­der Grund für eine Ruf­rück­nah- me wäre auch dar­in zu sehen, dass die For­de­run­gen des Bewer­bers für die per­so­nel­le, sach­li­che oder inves­ti­ve Aus­stat­tung der Pro­fes­sur so erheb­lich über dem zur

1998, 1354; vgl. auch Detmer, in: HSchR-Pra­xis­hand­buch, aaO., S.

135 (Rn. 74).
25 So auch § 60 Abs. 3 S. 5 HessHG; für den Fall der Ruferteilung

durch den Minis­ter, sie­he § 50 Abs. 3 LHG Rhein­land-Pfalz.
26 BVerwG, Beschl. v. 30.6.1998, 2 B 89/87, juris; vgl. BVerwG, Urt. v. 22.4.1977, VII C 17.74, NJW 1977, 1837; VGH Mün­chen v.

3.6.1998, aaO.
27 Vgl. BVerwG, Urt. v. 9.5.1985, aaO., Rn. 30.
28 Vgl. BVerwG, Urt. v. 9.5.1985, 2 C 16/83, juris, Rn. 29 u. 30.

152 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2015), 147–154

Ver­fü­gung ste­hen­den Bud­get lie­gen, dass ein erfolg­rei- cher Abschluss der Beru­fungs­ver­hand­lun­gen mit die­sem Bewer­ber nicht zu erwar­ten ist. Frei­lich müss­te gera­de im letz­ten Fall dem Bewer­ber im Lau­fe der Ver­hand­lun- gen die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den, sei­ne Aus­s­tat- tungs­wün­sche den vor­han­de­nen finan­zi­el­len Spiel­räu- men anzu­pas­sen. Andern­falls lie­fe die Uni­ver­si­tät Ge- fahr, dass eine sofor­ti­ge Ruf­rück­nah­me als ermes­sens- feh­ler­haft ein­ge­stuft wer­den könn­te. Hin­ge­gen lässt sich eine Ruf­rück­nah­me nicht auf sach­frem­de Erwä­gun­gen stüt­zen, etwa sol­che, die den Wer­tun­gen des § 1 AGG wi- der­spre­chen. Das BVerwG ver­langt aller­dings, dass in der Ent­schei­dung gegen­über dem abge­lehn­ten Bewer­ber, dem gegen­über der Ruf wie­der zurück­ge­nom­men wird, er- kenn­bar sein muss, wel­che kon­kre­ten Beweg­grün­de für die Ent­schei­dung maß­ge­bend gewe­sen sind.29

Wer­den die­se Vor­ga­ben ein­ge­hal­ten, kann ein erteil- ter Ruf zurück­ge­nom­men werden.

c) „Point of no return“

Beru­fungs­ver­hand­lun­gen mün­den im Regel­fall in ein kon­kre­tes Beru­fungs­an­ge­bot an den Bewer­ber, wel­ches in schrift­li­cher Form Zusa­gen zu des­sen sta­tus­recht­li- cher Stel­lung – im Fal­le einer Ver­be­am­tung bei­spiels­wei- se zu Besol­dungs­zu­la­gen, im Fal­le eines pri­vat­recht­li- chen Dienst­ver­hält­nis­ses zur Ver­gü­tung – wie auch zur säch­li­chen, per­so­nel­len bis hin zur inves­ti­ven Aus­s­tat- tung der Pro­fes­sur ent­hält. Somit stellt sich die Fra­ge, ob die obi­gen Aus­füh­run­gen zur Rück­nah­me eines Rufs auch dann noch gel­ten, wenn dem Bewer­ber ein sol­ches Beru­fungs­an­ge­bot bereits zuge­gan­gen ist. Schon auf den ers­ten Blick ist ersicht­lich, dass das Beru­fungs­ver­fah­ren in die­sem Fal­le einen gestei­ger­ten Ver­bind­lich­keits­grad gegen­über der Pha­se erreicht hat, in der Uni­ver­si­tät und Bewer­ber über ihre jewei­li­gen Vor­stel­lun­gen ledig­lich mit­ein­an­der dis­ku­tiert haben. Die­sem gestei­ger­ten Ver- bind­lich­keits­grad steht nicht ent­ge­gen, dass die in einem Beru­fungs­an­ge­bot ent­hal­te­ne Aus­stat­tungs­zu­sa­ge nach den Län­der­ge­set­zen einem Haus­halts­vor­be­halt unter­lie- gen und idR auch nur befris­tet erfolgt.30 Ins­be­son­de­re die Befris­tung von Aus­stat­tungs­zu­sa­gen betrifft ledig­lich die Fra­ge, für wel­chen Zeit­raum die mit der Beru­fung zuge­sag­ten Res­sour­cen gewährt wer­den und soll der Uni­ver­si­tät die Mög­lich­keit ein­räu­men, über die Mittel-

  1. 29  Vgl. BVerwG, Urt. v. 9.5.1985, aaO., Rn. 26.
  2. 30  Vgl. z.B. § 48 Abs. 4 LHG BaWü, § 18 Abs. 9 BayHSchPG, § 78Abs. 5 ThüHG, § 37 Abs. 3 S. 1 HZG NRW.
  3. 31  Kluth/Reinhardt, WissR 2004, 288, 294; sehe auch Thie­me, Deut-sches Hoch­schul­recht, 3. Aufl. 2004, Rn. 720 ff.
  4. 32  Sie­he etwa OVG NRW, Urt. v. 27.11.1996, 25 A 3079/93, WissR 1997,175; Detmer in: HSchR-Pra­xis­hand­buch, aaO., S. 149 (Rn. 113).
  5. 33  OVG Sach­sen, Urt. v. 21.1.2010, 2 A 156/09, DVBl. 2010, 591;

zuwei­sung gera­de auch unter Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten nach Ablauf der Befris­tungs­dau­er neu zu entscheiden.

Zur Fra­ge der Rechts­na­tur einer Aus­stat­tungs­zu­sa­ge im Rah­men einer Beru­fung wer­den unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen ver­tre­ten. Hier­für kom­men grund­sätz­lich Ver­wal­tungs­akt, Neben­be­stim­mung, Zusi­che­rung bzw. Zusa­ge oder ein öffent­lich-recht­li­cher Ver­trag in Be- tracht.31 Teil­wei­se wird in einer Beru­fungs­ver­ein­ba­rung ein öffent­lich-recht­li­cher Ver­trag gesehen32, womit das Schrei­ben der Uni­ver­si­tät an den Ruf­adres­sa­ten ein An- gebot zum Abschluss eines sol­chen Ver­tra­ges wäre. Zum Teil wird auf die äuße­ren Umstän­de abge­stellt: Liegt le- dig­lich eine ein­sei­ti­ge Erklä­rung sei­tens der Uni­ver­si­tät vor, soll eine Zusi­che­rung bzw. Zusa­ge gem. § 38 Abs. 1 LVwVfG vor­lie­gen, lie­gen wech­sel­sei­ti­ge, am Ende de- ckungs­glei­che Erklä­run­gen von Uni­ver­si­tät und Hoch- schul­leh­rer vor, wird von einem öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag ausgegangen.33 Der Streit hier­über wird an die- ser Stel­le nicht ver­tieft, zumal er sich für die hier zu be- han­deln­de Fra­ge in der Kon­se­quenz nicht auswirkt.

Sieht man im Beru­fungs­an­ge­bot, wel­ches eine kon- kre­te Aus­stat­tungs­zu­sa­ge ent­hält, eine Zusi­che­rung iSd § 38 Abs. 1 LVwVfG, so kann sich die Uni­ver­si­tät nach deren Abga­be davon nur lösen, wenn ein Fall des § 38 Abs. 3 LVwVfG vor­liegt, d.h. es müss­te nach­träg­lich eine Ände­rung der Sach- und Rechts­la­ge ein­ge­tre­ten sein und die Uni­ver­si­tät in Kennt­nis die­ser Ände­rung eine Zusi­che­rung nicht abge­ge­ben hät­te oder aus recht­li- chen Grün­den nicht hät­te geben dür­fen. Zwar sind für eine Ände­rung der Sach- und Rechts­la­ge Umstän­de aus der Sphä­re der Behör­de – hier also der Uni­ver­si­ät –, von der die Zusi­che­rung stammt, nicht von vorn­her­ein aus- geschlossen.34 Gleich­wohl rei­chen die o.g. unter IV. 2. genann­ten Grün­de aus Sicht des Ver­fas­sers nicht mehr aus, sich der Zusi­che­rung gem. § 38 Abs. 3 LVwVfG durch Rück­nah­me des Rufs zu ent­zie­hen. Um die Bin- dungs­wir­kung der Zusi­che­rung nicht in das Belie­ben der Uni­ver­si­tät zu stel­len, kommt eine Rück­nah­me des Rufs in die­ser Pha­se des Beru­fungs­ver­fah­rens im Grun- de nur dann in Betracht, wenn der Uni­ver­si­tät, bzw. dem Land im Fal­le der Rufer­tei­lung durch den Minis­ter, Tat- sachen aus der Sphä­re des zu Beru­fen­den bekannt wer- den, die eine Ernen­nung zum Beam­ten oder dem Abschluss eines Arbeits­ver­tra­ges zwin­gend ent­ge­gen ste-

VGH Baden-Würt­tem­berg, Urt. v. 21.10.2008, 9 S 1507/06, VBlBW 2009, 69; frei­lich ist das Schrift­form­erfor­der­nis des § 57 LVwVfG zu beach­ten, wonach sich die Unter­schrif­ten bei­der Par­tei­en auf einer Urkun­de befin­den müs­sen, vgl. OVG Nie­der- sachen, Urt. v. 13.8.1991, 9 L 362/89, NJW 1992, 1404; Löwer, WissR 1993, 233, 235 ff.

34 Vgl. Stelkens/Bonk/Sachs/Stel­kens, aaO., § 38 Rn. 99 ff.

Wert­hei­mer · Rück­nah­me des Rufs in einem Beru­fungs­ver­fah­ren 1 5 3

hen. Das wäre z.B. der Fall, wenn die Uni­ver­si­tät von einer erheb­li­chen Ver­let­zung von Dienst­pflich­ten im bestehen­den Dienst­ver­hält­nis oder von Ver­hal­tens­wei- sen des zu Beru­fen­den erfährt, die sich als Miss­brauch der Wis­sen­schafts­frei­heit dar­stel­len, etwa die Fäl­schung von For­schungs­er­geb­nis­sen oder das Vor­lie­gen von Wis- sen­schafts­pla­gia­ten. Die­se Über­le­gun­gen gel­ten in glei- chem Maße, wenn man in dem eine Aus­stat­tungs­zu­sa­ge ent­hal­ten­den Beru­fungs­an­ge­bot ein Ange­bot zum Abschluss eines öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges sieht. Nach § 62 S. 2 LVwVfG sind die Vor­schrif­ten des Bür­ger- lichen Gesetz­buchs ent­spre­chend anwend­bar. Hat die Uni­ver­si­tät ein Beru­fungs­an­ge­bot abge­ge­ben, ist sie dar- an gem. § 145 BGB gebun­den. Ein Erlö­schen des Ange- bots rich­tet sich nach Maß­ga­be der §§ 146 ff. BGB. Damit kann sich die Uni­ver­si­tät von einem wirk­sam abge­ge­be- nen Ange­bot letzt­lich nur über eine Anfech­tung nach §§ 119 ff. BGB lösen. Die o.g. Grün­de, die eine Lösung von einer Zusi­che­rung gem. § 38 Abs. 3 LVwVfG recht- fer­ti­gen, berech­tig­ten auch zu einer Anfech­tung, ins­be- son­de­re wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung nach § 123 Abs. 1 BGB. Die Rück­nah­me eines Rufs nach Abga­be eines ver- bind­li­chen Beru­fungs­an­ge­bots ist damit auf enge Aus- nah­me­fäl­le begrenzt.

5. Prak­ti­sches Vorgehen

Die Situa­ti­on, in der eine Uni­ver­si­tät erwägt, einen erteil- ten Ruf zurück zu neh­men, ist sen­si­bel. Auf Universitäts-

sei­te ist sie mit der Erkennt­nis ver­bun­den, im Aus­wahl- ver­fah­ren eine fal­sche Ent­schei­dung getrof­fen zu haben; auf der ande­ren Sei­te sieht der Ruf­adres­sat sei­ne wis­sen- schaft­li­che Repu­ta­ti­on gefähr­det und ist die Ruf­rück- nah­me mit­un­ter mit einem erheb­li­chen Gesichts­ver­lust für ihn ver­bun­den. Lie­gen kei­ne Grün­de vor, wie sie oben unter III. 3. beschrie­ben wur­den, ist eine Uni­ver­si- täts­lei­tung gut bera­ten, vor einer offi­zi­el­len Rück­nah­me des Rufs das Gespräch mit dem Ruf­adres­sa­ten zu suchen und ihm die Grün­de zu erläu­tern, die sie zu die­ser Ent- schei­dung bewo­gen haben. Wei­te­rer Flur­scha­den lässt sich für bei­de Sei­ten ver­mei­den, wenn der Ruf­adres­sat sich dar­auf­hin ent­schließt, sei­ne Bewer­bung zurück zu zie­hen. Die Uni­ver­si­tät hät­te bei der­ar­ti­gem Aus­gang auch Gewiss­heit, dass ein Kon­kur­ren­ten­streit ver­mie­den wird.

Der Autor ist Part­ner der Kanz­lei KRAUSS LAW in Lahr/ Schwarz­wald. Zuvor war er 17 Jah­re im Uni­ver­si­täts­be- reich, davon über 10 Jah­re in der Hoch­schul­me­di­zin, zuletzt als Kauf­män­ni­scher Direk­tor des Uni­ver­si­täts- kli­ni­kums Frei­burg, tätig. Zu sei­nen Bera­tungs­fel­dern- gehört im Bereich des Arbeits­rechts auch das Hoch- schulrecht.

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