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I. Ein­füh­rung Lässt sich von einer „Geron­to­kra­tie“ an Hochschulen1 spre­chen, wird die aka­de­mi­sche Selbst­ver­wal­tung also zu sehr von Älte­ren domi­niert? Soll­te Jün­ge­ren mehr Ein­fluss in den Hoch­schul­gre­mi­en ein­ge­räumt wer­den, weil dies inno­va­ti­ve Impul­se und ein Auf­bre­chen gefes­tig­ter, viel­leicht teil­wei­se auch über­kom­me­ner, Struk­tu­ren ver­spricht, weil es eine Mit­wir­kung der­je­ni­gen, die von zukunfts­be­zo­ge­nen Ent­schei­dun­gen an Hoch­schu­len am längs­ten betrof­fen sind, garan­tiert? Könn­te auf die­sem Wege „Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit“ an den Hoch­schu­len her­ge­stellt wer­den? Recht­lich gilt es dabei die Fra­ge zu unter­su­chen, ob Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG, aus dem die Mit­wir­kungs­rech­te an der Hoch­schu­le abge­lei­tet wer­den, eine ver­stärk­te Mit­wir­kung Jün­ge­rer ge- oder gera­de ver­bie­tet oder ob das Kri­te­ri­um “Alter“ inso­weit kei­ne Rol­le spie­len kann. II. Grund­sätz­li­ches zu den Mit­wir­kungs­rech­ten an der aka­de­mi­schen Selbstverwaltung2 Bei der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung han­delt es sich um funk­tio­na­le, um „grund­rechts­ver­wirk­li­chen­de“, nicht um demo­kra­ti­sche Selbstverwaltung.3 Somit ist sie nicht durch demo­kra­tisch-ega­li­tä­re Partizipation,4 son­dern durch eine aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG fol­gen­de, abge­stuf­te Mit­wir­kung der Mit­glie­der­grup­pen gekennzeichnet.5 Die genau­en Anfor­de­run­gen, die sich aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG für die Mit­wir­kung erge­ben, hat das BVerfG 1973 in sei­nem Hoch­schu­l­ur­teil grund­le­gend her­aus­ge­ar­bei­tet. In die­ser Ent­schei­dung wer­den die Hoch­schul­leh­rer als „Inha­ber der Schlüs­sel­funk­tio­nen des wis­sen­schaft­li­chen Lebens“6 bezeich­net, deren beson­de­re Stel­lung sich aus ihrer „Qua­li­fi­ka­ti­on, Funk­ti­on, Ver­ant­wor­tung und Betrof­fen­heit“ ergebe.7 Die­se her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung der Hoch­schul­leh­rer kann frei­lich – wie vom BVerfG zutref­fend dar­ge­stellt – nur für wis­sen­schafts­re­le­van­te Ange­le­ge­nehei­ten Gel­tung beanspruchen.8 Zu den Hoch­schul­leh­rern gehö­ren nach dem vom BVerfG in sei­nem Hoch­schu­l­ur­teil gepräg­ten „mate­ri­el­len Hoch­schul­leh­rer­be­griff “ die­je­ni­gen aka­de­mi­schen For­scher und Leh­rer, die „auf­grund der Habi­li­ta­ti­on oder eines sons­ti­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­wei­ses mit der selb­stän­di­gen Ver­tre­tung eines wis­sen­schaft­li­chen Faches in For­schung und Leh­re betraut“ sind.9 Erfor­der­lich sei eine „homo­gen“ zusam­men­ge­setz­te Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer, die sich durch eine „typi­sche Inter­es­sen­la­ge“ aus­zeich­nen müsse.10 Die Mit­wir­kungs­rech­te der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter wer­den, eben­falls der über­zeu­gen­den Auf­fas­sung des BVerfG zufol­ge, dem Grun­de nach auch durch das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit geschützt.11 Den Stu­die­ren­den soll das Recht aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG gleich­falls zuste­hen, „solan­ge und soweit sie an der For­schung und wis­sen­schaft­li­chen Leh­re“ teil­neh­men. Dass dage­gen die nicht-wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter nicht unter den Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts fal­len, soll kei­nen hin­rei­chen­den Grund für ihren gene­rel­len Aus­schluss von der Betei­li­gung dar­stel­len. Ihre Mit­wir­kung als sol­che soll auch nicht in unzu­läs­si­ger Wei­se in die ver­fas­Sil­via Per­ni­ce-Warn­ke Sta­tus und Alter in der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung 1 Zur Begriff­lich­keit sie­he bereits den Bei­trag von Paul B. Bal­tes „Wider die Geron­to­kra­tie“ in der „Zeit“ v. 4.4.1997, Aus­ga­be 15/1997. 2 S. hier­zu auch bereits Per­ni­ce-Warn­ke, Die Mit­wir­kung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer und der sons­ti­gen Sta­tus­grup­pen an der uni­ver­si­tä­ren Selbst­ver­wal­tung, Rechts­wis­sen­schaft 2/2017, 227. Der vor­lie­gen­de Bei­trag stellt eine Fort­ent­wick­lung der dort ange­stell­ten Über­le­gun­gen, ins­be­son­de­re unter Berück­sich­ti­gung des Aspekts „Alter“, dar. 3 Zur Abgren­zung der aka­de­mi­schen von der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung als „demo­kra­ti­scher“ Selbst­ver­wal­tung und von der übri­gen funk­tio­na­len Selbst­ver­wal­tung Jes­ta­edt, Selbst­ver­wal­tung als „Ver­bund­be­griff “, Die Ver­wal­tung 35 (2002), 293 (316); ders., Demo­kra­tie­prin­zip und Kon­do­mi­ni­al­ver­wal­tung, 1993, S. 530. Für eine Son­der­stel­lung der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung als „Frei­heits­si­che­rung für ein sen­si­bles Grund­recht“ auch Schmid­tAß­mann, Das All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­recht als Ord­nungs­idee, 1998, S. 96. 4 Böcken­för­de, in: Isensee/Kirchhof, Hand­buch des Staats­rechts, Bd. I, 1987, § 22 Rn. 33. 5 So auch Feh­ling, Neue Her­aus­for­de­run­gen an die Selbst­ver­wal­tung in Hoch­schu­le und Wis­sen­schaft, Die Ver­wal­tung 35 (2002), 399 (402 f.), der die Hoch­schul­selbst­ver­wal­tung aller­dings über Art. 5 Abs. 3 GG hin­aus für grund­rechts­ge­prägt hält und einen „qua­si­de­mo­kra­ti­schen Ansatz“, der auf „Par­ti­zi­pa­ti­on und Reprä­sen­ta­ti­on aller Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen abzielt,“ befür­wor­tet. 6 BVerfGE 35, 79 (127). 7 BVerfGE 35, 79 (127, 131). 8 BVerfGE 35, 79 (130 f.). 9 BVerfGE 35, 79 (125 ff.). 10 BVerfGE 35, 79 (134 f.). 11 BVerfGE 35, 79 (125). Ord­nung der Wis­sen­schaft 2019, ISSN 2197–9197 4 6 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2019), 45–54 12 BVerfGE 35, 79 (126 ff.); zum Streit, ob die Ein­be­zie­hung nicht­wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter in den Kreis der Hoch­schul­mit­glie­der sach­ge­recht erscheint, auch Gär­ditz, Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on und ver­wal­tungs­recht­li­che Sys­tem­bil­dung, 2009, S. 556, Fn. 710 m.w.N. 13 S. z.B. § 11a Abs. 1 HG NRW, § 14 Abs. 1 S. 3 HG SH oder § 10 Abs. 1 S. 1 LHG BW. 14 § 22 Abs. 2 S. 3 HG NRW bestimmt, dass die Stim­men der Ver­tre­ter der Grup­pen im Sin­ne des § 11 Abs. 1 S. 1 im glei­chen Ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen, es sei denn, es liegt eine Rege­lung in der Grund­ord­nung nach § 11a Abs. 2 S. 2 vor und das Minis­te­ri­um hat dies schrift­lich gegen­über der Hoch­schu­le fest­ge­stellt. 15 Von den stu­di­en­be­rech­tig­ten Schul­ab­gän­gern des Jah­res 2014 began­nen ins­ge­samt 45% ein Stu­di­um im Jahr des Stu­di­en­erwerbs, 23% ein Jahr danach und 6% zwei Jah­re danach. Somit nah­men rund 73% der Stu­di­en­be­rech­tig­ten aus dem Jahr 2014 inner­halb von zwei Jah­ren ein Stu­di­um auf, Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Hoch­schu­len auf einen Blick, 2018, S. 12. 16 Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Hochschulen/ Tabellen/StudierendeErstesFSBundeslaender.html. 17 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/ BildungForschungKultur/Hochschulen/Tabellen/StudierendeInsgesamtBundeslaender.html. 18 Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Hoch­schu­len auf einen Blick, 2018, S. 24 f. 19 Staats­ver­trag über die gemein­sa­me Ein­rich­tung für Hoch­schul­zu­las­sung vom 17.3.2016. 20 Der­zeit Medi­zin, Zahn­me­di­zin, Tier­me­di­zin, Phar­ma­zie. sungs­recht­lich abge­si­cher­ten Mit­wir­kungs­rech­te der Hoch­schul­leh­rer eingreifen.12 Das Modell der Grup­pen­uni­ver­si­tät, das eine grund­sätz­li­che Mit­wir­kung aller Mit­glie­der­grup­pen der Hoch­schu­le vor­sieht, wur­de somit in der Ent­schei­dung für mit Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG ver­ein­bar befun­den. Die Vor­ga­ben des BVerfG zu den abge­stuf­ten Mit­wir­kungs­rech­ten haben Ein­gang in die Hoch­schul­ge­set­ze der Län­der gefun­den, die bestim­men, dass sich Art und Umfang der Mit­wir­kung der ein­zel­nen Mit­glie­der­grup­pen nach Qua­li­fi­ka­ti­on, Funk­ti­on, Ver­ant­wor­tung und Betrof­fen­heit der Mit­glie­der richten.13 Teil­wei­se ist aber auch eine vier­tel­pa­ri­tä­ti­sche Gre­mi­en­be­set­zung vor­ge­se­hen, so bei­spiels­wei­se im HG NRW für den Senat.14 III. Die Alters­struk­tur der durch Art. 5 Abs. 3 GG geschütz­ten Sta­tus­grup­pen Der Alters­struk­tur der Sta­tus­grup­pen kommt zwar hin­sicht­lich der Alters­struk­tur der Hoch­schul­gre­mi­en nur mit­tel­ba­re Bedeu­tung zu, weil aus einer Sta­tus­grup­pe mit über­wie­gend jün­ge­ren Ange­hö­ri­gen auch gera­de die Ältes­ten und umge­kehrt aus Sta­tus­grup­pen mit über­wie­gend älte­ren Ange­hö­ri­gen auch gera­de die Jüngs­ten gewählt wer­den kön­nen. Hin­sicht­lich des akti­ven Wahl­rechts stellt sich die Alters­struk­tur der Sta­tus­grup­pe jedoch als unmit­tel­bar rele­vant dar. Bei den fol­gen­den sta­tis­ti­schen Anga­ben zum Durch­schnitts­al­ter in den ein­zel­nen Grup­pen ist aller­dings zu berück­sich­ti­gen, dass sich die­ses auf eine Per­so­nal­grup­pe bezieht, die nicht voll­um­fäng­lich mit der Zusam­men­set­zung der ent­spre­chen­den Sta­tus­grup­pe an der jewei­li­gen Hoch­schu­le über­ein­stimmt und dass es sich um hoch­schul­über­grei­fend ermit­tel­te Durch­schnitts­wer­te han­delt, die kei­ne Aus­sa­ge über das Durch­schnitts­al­ter in der ent­spre­chen­den Grup­pe an einer ein­zel­nen Hoch­schu­le zu tref­fen ver­mö­gen. 1. Die Alters­zu­sam­men­set­zung der Grup­pe der Stu­die­ren­den Der Groß­teil der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­tig­ten nimmt ein Stu­di­um im Anschluss an die Schu­le, in jun­gem Alter auf,15 nicht zuletzt auch wegen recht­li­cher oder tat­säch­li­cher Höchst­al­ters­gren­zen für die Auf­nah­me bestimm­ter Beru­fe. Ins­ge­samt lag das Durch­schnitts­al­ter (Medi­an) der Stu­di­en­an­fän­ger im Stu­di­en­jahr 2017/18 bei 21,5,16 das Durch­schnitts­al­ter (Medi­an) der Stu­die­ren­den im WS 2017/18 bei 24,517 und das Durch­schnitts­al­ter (Medi­an) zum Zeit­punkt des Stu­di­en­ab­schlus­ses bei uni­ver­si­tä­ren Abschlüs­sen bei 26 Jahren.18 Teil­wei­se exis­tie­ren auch Höchst­al­ters­gren­zen. So wer­den gemäß § 8 Abs. 3 des Staats­ver­trags über die gemein­sa­me Ein­rich­tung für Hochschulzulassung19 die­je­ni­gen, die zum Bewer­bungs­stich­tag das 55. Lebens­jahr bereits voll­endet haben, am Aus­wahl­ver­fah­ren hin­sicht­lich der im zen­tra­len Ver­fah­ren ver­ge­be­nen Studienplätze20 nur betei­ligt, wenn für das beab­sich­tig­te Stu­di­um unter Berück­sich­ti­gung der per­sön­li­chen Situa­ti­on schwer­wie­gen­de wis­sen­schaft­li­che oder beruf­li­che Grün­de spre­chen. Die dar­in lie­gen­de, an (Art. 12 i.V.m.) Art. 3 Abs. 1 GG zu mes­sen­de, Ungleich­be­hand­lung auf­grund des Alters lässt sich dadurch recht­fer­ti­gen, dass vor­ran­gig sol­chen Per­so­nen der Zugang zum Stu­di­um ermög­licht wer­den soll, die die­ses als Vor­be­rei­tung für eine im Anschluss an das Stu­di­um aus Alters­grün­den auch noch tat­säch­lich in Betracht kom­men­de Berufs­tä­tig­keit benö­ti­gen. Auch infol­ge des Urteils des BVerfG zur Stu­di­en­platz­ver­ga­be für das Medi­zin­stu­di­um wird sich die Zahl älte­rer Stu­die­ren­der zumin­dest im Fach Medi­zin (und in den ande­ren bun­des­weit zulas­sungs­be- Per­ni­ce-Warn­ke · Sta­tus und Alter in der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung 4 7 21 Dazu von Coelln, Anmer­kung zu BVerfG, Urt. v. 19.12.2017 – 1 BvL 3/14, 1 BvL 4/14, Unver­ein­bar­keit der Stu­di­en­platz­ver­ga­be für Human­me­di­zin mit dem Grund­ge­setz, NJW 2018, 361 (380). 22 S. dazu auch die im Juni 2018 von der KMK ver­ab­schie­de­ten Eck­punk­te für einen Staats­ver­trag zur Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen im Fach Human­me­di­zin, die eine Abschaf­fung der War­te­zeit­quo­te vor­se­hen, https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/ richtungsentscheidung-der-kultusministerkonferenz-zur-vergabe-von-studienplaetzen-im-fach-humanmedizi.html 23 BVerfG, NJW 2018, 361 (375 ff.; ins­bes. Rn. 224). 24 BVerfG, NJW 2018, 361 (375 ff.; ins­bes. Rn. 224). 25 S. z. B. § 11 Abs. 1 Nr. 4 HG NRW, § 16 Abs. 2 S. 6 NHG, § 32 Abs. 3 Nr. 2 HHG. Aller­dings ermög­licht § 32 Abs. 7 HHG eine abwei­chen­de Zuord­nung und auch § 11 Abs. 1 S. 3 HG NRW behält der Grund­ord­nung die Schaf­fung einer eige­nen Dok­to­ran­den­grup­pe vor. Bei­spiels­wei­se § 10 Abs. 1 LHG BW sieht für exter­ne Dok­to­ran­den eine eige­ne Grup­pe vor und weist den an der Hoch­schu­le beschäf­tig­ten Dok­to­ran­den ein Wahl­recht zu, ob sie der Grup­pe der Mit­ar­bei­ter oder der Grup­pe der Dok­to­ran­den ange­hö­ren möch­ten. Gemäß § 5 Abs. 3 Nr. 2 BremHG bil­den Dok­to­ran­den eine gemein­sa­me Grup­pe mit den wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Mit­ar­bei­tern. 26 Zur genau­en Bezeich­nung und Zusam­men­set­zung vgl. die ein­zel­nen Rege­lun­gen in den Lan­des­hoch­schul­ge­set­zen. 27 S. z.B. § 11 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW, § 16 Abs. 2 Nr. 2 LHG BW, § 32 Abs. 3 Nr. 3 HHG. 28 Bun­des­be­richt Wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs 2017, S. 100. 29 Arith­me­ti­sches Mit­tel: 35,6 Jah­re. Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Fach­se­rie 11, Rei­he 4.4, Bil­dung und Kul­tur – Per­so­nal an Hoch­schu­len, 2018, S. 244. Als Hoch­schu­len wur­den dabei alle nach Lan­des­recht aner­kann­ten Hoch­schu­len, unab­hän­gig von der Trä­ger­schaft, aus­ge­wie­sen. 30 Arith­me­ti­sches Mit­tel 2014: 35,3 Jah­re; Medi­an: 31,7 Jah­re; Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Fach­se­rie 11, Rei­he 4.4, Bil­dung und Kul­tur – Per­so­nal an Hoch­schu­len, 2015, S. 161. 31 Jarass, in: Jarass/Pieroth, GG, 15. Aufl. 2018, Art. 33 Rn. 18. schränk­ten Stu­di­en­gän­gen, bei denen die Bewer­ber­zahl die Gesamt­zahl der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Stu­di­en­plät­ze übersteigt)21 verringern.22 Die Rich­ter des Ers­ten Senats des BVerfG führ­ten in die­sem Urteil aus, War­te­zeit­quo­ten sei­en zwar ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten, jedoch zuläs­sig. Dies gel­te aller­dings nur dann, wenn die War­te­zeit in ihrer Dau­er begrenzt sei. Denn Stu­die­ren­de mit län­ge­ren War­te­zei­ten wie­sen einen gerin­ge­ren Stu­di­en­erfolg auf („Ver­ler­nen des Ler­nens“) und brä­chen ihr Stu­di­um häu­fi­ger ab als ande­re Studierende.23 Ein zu lan­ges War­ten beein­träch­ti­ge dem­nach die Erfolgs­chan­cen im Stu­di­um und damit die Mög­lich­keit zur Ver­wirk­li­chung der Berufs­wahl. Zugleich wür­den Bewer­ber mit grö­ße­ren Erfolgs­aus­sich­ten blockiert.24 Zusätz­lich wer­den viel­fach auch die exter­nen, d.h. nicht an der Hoch­schu­le beschäf­tig­ten, Dok­to­ran­den der Grup­pe der Stu­die­ren­den zugeordnet.25 Dies führt zu einer Erhö­hung des Durch­schnitts­al­ters die­ser Grup­pe und wirft die Fra­ge nach ihrer homo­ge­nen Zusam­men­set­zung auf, weil Qua­li­fi­ka­ti­on und Inter­es­sen der Stu­die­ren­den einer­seits und der Dok­to­ran­den ande­rer­seits von­ein­an­der abwei­chen. 2. Die Alters­zu­sam­men­set­zung der Grup­pe der wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Mitarbeiter26 Die Grup­pe der wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Mit­ar­bei­ter umfasst vor allem befris­tet beschäf­tig­tes Per­so­nal in der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se nach abge­schlos­se­nem Stu­di­um und vor Auf­nah­me einer Hoch­schul­leh­rer- oder ander­wei­ti­gen Berufs­tä­tig­keit, ins­be­son­de­re Dok­to­ran­den und Postdocs/Habilitanden, aber auch dau­er­haft beschäf­tig­tes wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal, regel­mä­ßig auch Lehr­kräf­te für beson­de­re Aufgaben.27 Dem­entspre­chend ist ein durch­schnitt­li­ches Alter, das über dem­je­ni­gen der Stu­die­ren­den und unter dem­je­ni­gen der Hoch­schul­leh­rer liegt, zu erwar­ten: 2014 waren 109.880 der dem haupt­be­ruf­li­chen wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Per­so­nal ange­hö­ren­den Per­so­nen unter 35 und 35.047 zwi­schen 35 und 45 Jah­re alt. Dabei ist die Zahl der Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler unter 35 zwi­schen 2000 und 2014 um 91%, die­je­ni­ge der 35–45-Jährigen um 41% gewachsen.28 Das Durch­schnitts­al­ter (Medi­an) der wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Mit­ar­bei­ter betrug 2017 32 Jahre29 und ist damit seit 2014 leicht angestiegen.30 3. Die Alters­zu­sam­men­set­zung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer a. Grund­sätz­li­ches Die Zusam­men­set­zung der Hoch­schul­leh­rer­schaft und damit auch der Sta­tus­grup­pe Hoch­schul­leh­rer wird über die Beru­fung der Hoch­schul­leh­rer an die Hoch­schu­le gesteu­ert. Dabei legt Art.  33  Abs.  2  GG mit Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung die für den Zugang zum Hoch­schul­leh­rer­amt maß­geb­li­chen Kri­te­ri­en fest. Der Begriff „Befä­hi­gung“ soll all­ge­mein der Tätig­keit zu Gute kom­men­de Fähig­kei­ten wie Bega­bung, All­ge­mein­wis­sen oder Lebens­er­fah­rung umfas­sen, der Begriff „fach­li­che Leis­tung“ Fach­wis­sen, Fach­kön­nen und Bewäh­rung im Fach und der Begriff „Eig­nung (i.e.S.)“ schließ­lich alle sons­ti­gen geis­ti­gen, kör­per­li­chen, psy­chi­schen und cha­rak­ter­li­chen Eigenschaften.31 Das Alter wird in Art. 33 Abs. 2 GG gera­de nicht genannt. Allen­falls lie­ße sich dar­über nach­den­ken, ob in man­chen, ins­be­son­de­re geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen, Fächern ein höhe­res Alter eine höhe­re Befä­hi­gung und bes­se­re fach­li­che Leis­tung indi­ziert oder ob umge­kehrt ein gerin­ge­res Alter für eine gerin­ge­re Befä­hi­gung und 4 8 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2019), 45–54 32 Sie­he zu die­sem Pro­blem­kom­plex und zur Unter­tei­lung in eig­nungs­im­ma­nen­te Kri­te­ri­en, eig­nungs­er­gän­zen­de Hilfs­kri­te­ri­en und eig­nungs­frem­de Kri­te­ri­en Höf­ling, Alters­gren­zen im (Hochschul-)Recht – eine Pro­blem­skiz­ze, in: Anderbrügge/Epping/Löwer, Fest­schrift für Die­ter Leu­ze zum 70. Geburts­tag, 2003, S. 263 (268 f.). Spe­zi­ell zu Alters­gren­zen bei der Beru­fung von Pro­fes­so­ren sie­he auch Pütt­ner, Alters­gren­zen im Beam­ten­recht, DVBl 1997, 259 (260 f.); Roel­le­cke, Alters­gren­zen in Beru­fungs­ver­fah­ren, VBlBW 1995, 1 (2). 33 Bun­des­be­richt Wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs 2017, S. 117. 34 Heinz/Briedis/Jongmanns, Alter(n) und Wis­sen­schafts­kar­rie­ren, in: Baur/Besio/Norkus/Petschick, Wis­sen – Orga­ni­sa­ti­on – Pra­xis, 2016, S. 552 (565 f.). 35 Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Fach­se­rie 11, Rei­he 4.4, Bil­dung und Kul­tur – Per­so­nal an Hoch­schu­len, 2011, S. 158. 36 Arith­me­ti­sches Mit­tel: 51,3 Jah­re, Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Fach­se­rie 11, Rei­he 4.4, Bil­dung und Kul­tur – Per­so­nal an Hoch­schu­len, 2018, S. 244. 37 Berech­net auf­grund der Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes, Fach­se­rie 11, Rei­he 4.4, Bil­dung und Kul­tur – Per­so­nal an Hoch­schu­len, 2018, S. 244. Im Jahr 2015 lag das Durch­schnitts­al­ter bei 50,9 Jah­ren, der Anteil der Hoch­schul­leh­rer über 60 bei 17,7% und der Anteil unter 45 bei 23,33%, Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Fach­se­rie 11, Rei­he 4.4, Bil­dung und Kul­tur – Per­so­nal an Hoch­schu­len, 2016, S. 158. 38 Für einen Über­blick Detmer, Die Seni­or­pro­fes­sur, FuL 6/17, 516. 39 Ent­wurf eines Geset­zes zur Ver­bes­se­rung der Per­spek­ti­ven des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses sowie zur Ände­rung hoch­schul­recht­li­cher Vor­schrif­ten, LT Drs. 5/7018, S. 24 f. schlech­te­re fach­li­che Leis­tung spricht, weil die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grund­la­gen des Faches, mit der grund­le­gen­den Lite­ra­tur, not­wen­di­ger­wei­se eine gewis­se Zeit in Anspruch nimmt. Letzt­lich bleibt das Alter in die­sem Bereich jedoch ein eig­nungs­frem­des Kri­te­ri­um, d.h. ein Kri­te­ri­um, das in kei­ner unmit­tel­ba­ren Bezie­hung zur Eig­nung i.e.S., zur Befä­hi­gung oder fach­li­chen Leis­tung, steht.32 Rein fak­tisch wird aber ein Groß­teil der Erst­be­ru­fe­nen wegen der regel­mä­ßig zeit­auf­wen­di­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­nach­wei­se, die für die Erlan­gung einer Hoch­schul­leh­rer­po­si­ti­on zu erbrin­gen sind, bereits ein fort­ge­schrit­te­nes Lebens­al­ter erreicht haben. So sind W2-Pro­fes­so­ren bei ihrer Beru­fung im Durch­schnitt 41,4 und W3-Pro­fes­so­ren 42,4 Jah­re alt (arith­me­ti­sches Mittel).33 Die ver­gleichs­wei­se hohen Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen für Hoch­schul­leh­rer (s. z.B. §  39a  HG NRW) berück­sich­ti­gen die­se zeit­in­ten­si­ve Qua­li­fi­zie­rung und die­nen damit gera­de den Inter­es­sen des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses. Sie begüns­ti­gen zwar kei­ne Ver­jün­gung, füh­ren aber auch nicht zwangs­läu­fig zu einer Alte­rung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer, weil sie eine Qua­li­fi­zie­rung, Beru­fung und Zuge­hö­rig­keit zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer in jün­ge­rem Alter nicht ver­hin­dern. Die Mög­lich­keit des Hin­aus­schie­bens des Ein­tritts in den Ruhe­stand (s. z.B. §§  33  Abs.  1  HG NRW, 120 Abs. 1, 32 LBG NRW; § 16 Abs. 7 HmbHG) schließ­lich führt im Fal­le ihrer Wahr­neh­mung zu einem höhe­ren Durch­schnitts­al­ter in der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer. Ins­ge­samt wur­de zwar für die Jah­re 2002 — 2010 eine Ver­jün­gung inner­halb der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer nachgewiesen,34 für die Jah­re 2010 bis 2017 lässt sich dies den Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes jedoch nicht ent­neh­men: Im Jahr 2010 lag das Durch­schnitts­al­ter der Hoch­schul­leh­rer bei 50,4, der Anteil der Hoch­schul­leh­rer über 60 an den Hoch­schul­leh­rern ins­ge­samt bei 16,61% und der­je­ni­ge der Hoch­schul­leh­rer unter 45 bei 25,86%.35 Im Jahr 2016 stieg das Durch­schnitts­al­ter auf 51,2 (Median)36 und der Anteil der Hoch­schul­leh­rer über 60 auf 19,11% an. Der Anteil der Hoch­schul­leh­rer unter 45 sank dage­gen auf 22,31%.37 b. Seni­or­pro­fes­so­ren Sind in den Lan­des­hoch­schul­ge­set­zen so genann­te „Seni­or­pro­fes­su­ren“ vorgesehen38 und wer­den die Seni­or­pro­fes­so­ren der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe zuge­ord­net, kann auch dies zu einem Anstei­gen des Durch­schnitts­al­ters in der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe füh­ren. Für die Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en an der Hoch­schu­le ist das dann rele­vant, wenn den Seni­or­pro­fes­so­ren auch voll­um­fäng­li­che Mit­glieds­rech­te zuste­hen. Aus­drück­li­che gesetz­li­che Rege­lun­gen zur Seni­or­pro­fes­sur tref­fen bei­spiels­wei­se die Hoch­schul­ge­set­ze von Ham­burg, Schles­wig-Hol­stein und Thü­rin­gen. So sieht § 94 Abs. 2 S. 1 ThürHG vor, dass nach dem Ein­tritt von Pro­fes­so­ren in den Ruhe­stand die vor­über­ge­hen­de Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben aus ihrem bis­he­ri­gen Fach­ge­biet im Wege der Beauf­tra­gung durch den Prä­si­den­ten, am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum durch den Kli­ni­kums­vor­stand oder im Rah­men eines pri­vat­recht­li­chen Ver­trags­ver­hält­nis­ses mög­lich ist. Durch die­ses als „Seni­or­pro­fes­sur“ bezeich­ne­te Instru­ment soll vor allem ein geord­ne­ter Über­gang bis zur Neu­be­set­zung der Pro­fes­sur sicher­ge­stellt und dem Pro­fes­sor der Abschluss bestimm­ter Pro­jek­te ermög­licht wer­den. Dafür kön­nen die Seni­or­pro­fes­so­ren von den sons­ti­gen mit der Pro­fes­sur ver­bun­de­nen Dienst­auf­ga­ben ent­bun­den werden.39 Gemäß § 21 Abs. 2 S. 5 ThürHG gehö­ren auch die Seni­or­pro­fes­so­ren zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer. Die Zuläs­sig­keit die­ser Zuord­nung erscheint ange­sichts der vom BVerfG auf­ge­stell­ten Kri­te­ri­en der Funk­ti­on und Ver­ant­wor­tung bei einer umfang­rei­chen Ent­bin­dung von den Dienst­auf­ga­ben zwei­fel­haft, lässt sich wegen des vor­über­ge­hen­den Cha­rak­ters jedoch hin­neh­men. §  16  Abs.  9  HmbHG sieht vor, dass ein Pro­fes­sor der betref­fen­den oder einer ande­ren Hoch­schu­le aus dem In- oder Aus­land, der in den Ruhe­stand getre­ten Per­ni­ce-Warn­ke · Sta­tus und Alter in der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung 4 9 40 S. dazu auch die Ant­wort des Senats auf die Schrift­li­che Klei­ne Anfra­ge v. 31.3.2013, Bür­ger­schaft der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg, Drs. 20/6754. 41 Wobei ent­pflich­te­te Hoch­schul­leh­rer viel­fach noch zur Betreu­ung von Dis­ser­ta­tio­nen und Habi­li­ta­tio­nen berech­tigt sind. ist, bei her­vor­ra­gen­der Eig­nung als Pro­fes­sor an der Hoch­schu­le beschäf­tigt wer­den kann, jedoch nicht län­ger als bis zum Ende des letz­ten Monats des Semes­ters, in dem das 75. Lebens­jahr voll­endet wird. Die Beschäf­ti­gung erfolgt auf der Grund­la­ge eines öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges, in dem die Rech­te und Pflich­ten des Pro­fes­sors in For­schung und Leh­re zu ver­ein­ba­ren sind. Im Unter­schied zu den die Seni­or­pro­fes­sur betref­fen­den Rege­lun­gen im thü­rin­gi­schen Hoch­schul­ge­setz lässt das HmbHG auch eine Beschäf­ti­gung von Pro­fes­so­ren ande­rer Hoch­schu­len als Seni­or­pro­fes­so­ren zu und ent­hält nicht den Begriff „über­gangs­wei­se.“ Vor­ran­gi­ger Grund für die Rege­lung im HmbHG ist anders als in Thü­rin­gen nicht die Sicher­stel­lung eines geord­ne­ten Über­gangs bis zur Neu­be­set­zung der Pro­fes­sur, son­dern die Über­brü­ckung von Eng­päs­sen in der Lehre.40 Nach dem HmbHG sind Seni­or­pro­fes­so­ren Mit­glie­der der Hoch­schu­le, wenn es sich um eine haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit han­delt, § 8 Abs. 1 S. 1 HmbHG, da die Seni­or­pro­fes­sur in einem Unter­ab­satz des § 16 zur dienst­recht­li­chen Stel­lung der Pro­fes­so­ren gere­gelt ist, die dem Teil „Mit­glie­der der Hoch­schu­le“ unter­fällt. Dar­aus sowie aus dem Feh­len abwei­chen­der Rege­lun­gen lässt sich dar­über­hin­aus schlie­ßen, dass Seni­or­pro­fes­so­ren zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer gehö­ren. Die Rege­lung der genau­en Rech­te und Pflich­ten der Mit­glie­der der Hoch­schu­le über­lässt §  8  Abs.  2  HmbHG der Grund­ord­nung. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit der Zuord­nung zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer mit den ent­spre­chen­den Mit­wir­kungs­rech­ten hängt im Hin­blick auf die Kri­te­ri­en der Funk­ti­on und Ver­ant­wor­tung von der genau­en Stel­lung und den ein­zel­nen Pflich­ten der Seni­or­pro­fes­so­ren ab. § 65 Abs. 3 HG SH bestimmt schließ­lich, dass die Hoch­schu­le in ihre Ver­fas­sung Rege­lun­gen über die Beschäf­ti­gung von Hoch­schul­leh­rern oder ande­ren Per­sön­lich­kei­ten aus der wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Pra­xis auf­neh­men kann, die die Vor­aus­set­zun­gen für eine Pro­fes­sur nach §  61 erfül­len und die bereits in den Ruhe­stand getre­ten sind oder eine Ren­te bezie­hen. Die­se Per­so­nen kön­nen mit der befris­te­ten Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben in Leh­re, For­schung, Wei­ter­bil­dung und Kunst beauf­tragt wer­den und für die Dau­er ihrer Beauf­tra­gung die Bezeich­nung „Seni­or­pro­fes­sor“ füh­ren. Gemäß § 13 Abs. 4 S. 1 Nr. 4 HG SH sind die Seni­or­pro­fes­so­ren nach schles­wig-hol­stei­ni­schem Recht aller­dings nur Ange­hö­ri­ge der Hoch­schu­le. Wäh­rend § 14 S. 2 HG SH die Mit­wir­kung an der Selbst­ver­wal­tung zum Recht und zur Pflicht aller Mit­glie­der erklärt, steht Ange­hö­ri­gen, soweit im HG nichts Nähe­res bestimmt ist, gemäß § 13 Abs. 4 S. 2 HG SH das akti­ve und pas­si­ve Wahl­recht nur zu, wenn dies in der Ver­fas­sung der Hoch­schu­le so fest­ge­legt wird. Dort wer­den gemäß § 13 Abs. 4 S. 3 HG SH auch die wei­te­ren Rech­te und Pflich­ten der Ange­hö­ri­gen im Rah­men der Selbst­ver­wal­tung und bei der Erfül­lung der Auf­ga­ben der Hoch­schu­le gere­gelt. c. Ent­pflich­te­te Hoch­schul­leh­rer Auch die Zuord­nung ent­pflich­te­ter oder in den Ruhe­stand ver­setz­ter Pro­fes­so­ren zur Hoch­schul­leh­rer­grup­pe führt zu einem Anstei­gen des Durch­schnitts­al­ters in die­ser Grup­pe. Für die Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en an der Hoch­schu­le ist dies dann rele­vant, wenn die­sen Pro­fes­so­ren auch die­sel­ben Mit­wir­kungs­rech­te wie Hoch­schul­leh­rern im akti­ven Dienst zuste­hen, was jedoch regel­mä­ßig nicht der Fall ist. So sieht bspw. § 9 Abs. 1 S. 2 HG NRW vor, dass es sich bei ent­pflich­te­ten oder in den Ruhe­stand ver­setz­ten Pro­fes­so­ren zwar um Mit­glie­der der Hoch­schu­le han­delt, dass sie aber, wenn sie nicht zugleich aus ande­ren Grün­den Mit­glie­der der Hoch­schu­le sind, an Wah­len nicht teil­neh­men. § 21 Abs. 3 Nr. 2 ThürHG weist Pro­fes­so­ren im Ruhe­stand eben­so wie Seni­or­pro­fes­so­ren den Sta­tus „Ange­hö­ri­ge der Hoch­schu­le“ zu. Die Rege­lung der gegen­über Mit­glie­dern regel­mä­ßig weni­ger weit­rei­chen­den Mit­wir­kungs­rech­te der Ange­hö­ri­gen über­lässt das ThürHG gemäß § 21 Abs. 3 S. 1 der Hoch­schul­ord­nung, wäh­rend in §  22  ThürHG die Rech­te und Pflich­ten der Mit­glie­der näher bestimmt wer­den. Auch gemäß § 13 Abs. 4 Nr. 2 HG SH sind die Pro­fes­so­ren im Ruhe­stand nur Ange­hö­ri­ge der Hoch­schu­le (dazu bereits oben b.). Die­se ein­ge­schränk­ten Mit­wir­kungs­rech­te las­sen sich mit dem Entfallen41 der Ele­men­te „Funk­ti­on“ und „Ver­ant­wor­tung“ begrün­den. 5 0 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2019), 45–54 42 S. bspw. § 11 Abs. 1 Nr. 1 HG NRW, §§ 10 Abs. 1 Nr. 1, 44 Abs. 1 Nr. 1 LHG BW oder § 42 S. 1 HRG. Infol­ge der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006 ist die Rah­men­kom­pe­tenz des Bun­des gemäß Art. 75 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 GG a.F., ent­fal­len. Gemäß Art. 125a Abs. 1 S. 1 GG gilt das HRG den­noch fort. Das Vor­ha­ben, das HRG auf­zu­he­ben (vgl. BT-Drs. 16/6122), wur­de bis­lang nicht rea­li­siert. Die Lan­des­ge­setz­ge­ber kön­nen gemäß Art. 125a Abs. 1 S. 2 GG das Bun­des­recht durch Lan­des­recht erset­zen. 43 Bun­des­be­richt Wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs 2017, S. 117. 44 S. zu die­ser Ein­schät­zung auch von Coelln, Das Bin­nen­recht der Hoch­schu­le, in: Hartmer/Detmer, Hoch­schul­recht, 3. Aufl. 2017, Kap. 7 Rn. 58. 45 Hell­muth Stumpf, Inne­re Orga­ni­sa­ti­on und Inter­or­gan­be­zie­hun­gen von Hoch­schu­len, DÖV 2017, 620 (625) argu­men­tiert dage­gen, dass der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe das für die her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung kon­sti­tu­ti­ve Ele­ment der Homo­ge­ni­tät u.a. wegen der lan­des­ge­setz­li­chen Zuord­nung der Juni­or­pro­fes­so­ren zur Grup­pe der Hoch­schu­le feh­le. Über­zeu­gen­der erscheint es aber, die Homo­ge­ni­tät der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe für ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten und die Zuord­nung der Juni­or­pro­fes­so­ren zu die­ser Grup­pe daher für ver­fas­sungs­wid­rig zu hal­ten. 46 Bun­des­be­richt Wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs 2017, S. 101, Abb. B16. d. Juni­or­pro­fes­so­ren Die Zuord­nung der Juni­or­pro­fes­so­ren zur Grup­pe der Hochschullehrer42 trägt zum Absin­ken des Durch­schnitts­al­ters die­ser Grup­pe bei, denn Juni­or­pro­fes­so­ren sind bei ihrer Beru­fung im Schnitt nur 35,2 Jah­re alt (arith­me­ti­sches Mit­tel; W2-Pro­fes­so­ren dage­gen wie gezeigt 41,4 und W3-Pro­fes­so­ren 42,4 Jah­re alt).43 Gera­de die­se Zuord­nung der Juni­or­pro­fes­so­ren zur Hoch­schul­leh­rer­grup­pe mit voll­um­fäng­li­chen Mit­wir­kungs­rech­ten ist indes pro­ble­ma­tisch. Juni­or­pro­fes­so­ren sind zwar mit der selbst­stän­di­gen Ver­tre­tung eines wis­sen­schaft­li­chen Faches in For­schung und Leh­re betraut. Hin­sicht­lich des Auf­ga­ben­spek­trums und jeden­falls regel­mä­ßig bezüg­lich des Umfangs der (Lehr-)Aufgaben unter­schei­den sie sich jedoch von Pro­fes­so­ren und sind die­sen somit hin­sicht­lich Funk­ti­on und Ver­ant­wor­tung nicht voll­um­fäng­lich gleich­ge­stellt. Zudem ist die Juni­or­pro­fes­sur als alter­na­ti­ver Qua­li­fi­ka­ti­ons­weg zur Habi­li­ta­ti­on auf dem Weg zur Pro­fes­sur ausgestaltet.44 Damit ent­spricht die Qua­li­fi­ka­ti­on (noch) nicht der­je­ni­gen der Pro­fes­so­ren; viel­mehr wird der ent­spre­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­ons­nach­weis gera­de erst erbracht. Ins­ge­samt ist die Inter­es­sen­la­ge der Juni­or­pro­fes­so­ren eher der­je­ni­gen der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter ver­gleich­bar. Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Zuord­nung zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer lässt sich somit zumin­dest erheb­lich anzweifeln.45 IV. Zwi­schen­er­geb­nis Eine Ver­jün­gung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer ist zumin­dest für die Jah­re 2010 — 2017 nicht fest­zu­stel­len. Die Mit­wir­kungs­rech­te Stu­die­ren­der und wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an der uni­ver­si­tä­ren Selbst­ver­wal­tung wur­den zwar teil­wei­se aus­ge­wei­tet. Den­noch bleibt der domi­nie­ren­de Ein­fluss der regel­mä­ßig älte­ren Hoch­schul­leh­rer bestehen. Grün­de dafür lie­gen in der Alters­struk­tur inner­halb der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe und in dem domi­nie­ren­den Ein­fluss der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe an sich. Eine Ver­jün­gung der Hoch­schul­gre­mi­en kann somit ent­we­der über eine Ver­jün­gung der Sta­tus­grup­pen selbst bzw. eine Stär­kung der Jün­ge­ren in den Sta­tus­grup­pen oder über eine Ver­än­de­rung des Ein­flus­ses der Sta­tus­grup­pen erfol­gen. V. Reform­an­sät­ze 1. Ver­än­de­rung der Mit­wir­kungs­rech­te der ein­zel­nen Sta­tus­grup­pen Eine Ver­jün­gung der Ent­schei­dungs­gre­mi­en kann zunächst dadurch erreicht wer­den, dass den­je­ni­gen Sta­tus­grup­pen, denen über­wie­gend Jün­ge­re ange­hö­ren, d.h. ins­be­son­de­re der Grup­pe der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter und der Grup­pe der Stu­die­ren­den, mehr Mit­wir­kungs­rech­te ein­ge­räumt wer­den. Die Mit­wir­kungs­rech­te sind jedoch wie gezeigt Aus­prä­gung des durch Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG ver­mit­tel­ten Schut­zes. Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG aber lässt sich das Erfor­der­nis, Jün­ge­ren bzw. allen Alters­grup­pen glei­cher­ma­ßen Mit­wir­kungs­rech­te ein­zu­räu­men, nicht ent­neh­men; das Lebens­al­ter stellt kein für die Ablei­tung von Mit­wir­kungs­rech­ten aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG rele­van­tes Kri­te­ri­um dar. Viel­mehr rich­ten sich die Mit­wir­kungs­rech­te nach Funk­ti­on und Sta­tus. Auch der Anzahl der Mit­glie­der der jewei­li­gen Sta­tus­grup­pe kommt kei­ne unmit­tel­ba­re Bedeu­tung für die Mit­wir­kungs­rech­te zu, weil die Hoch­schul­selbst­ver­wal­tung wie bereits gezeigt nicht durch demo­kra­tisch-ega­li­tä­re Par­ti­zi­pa­ti­on, son­dern durch eine aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG fol­gen­de, abge­stuf­te Mit­wir­kung der Mit­glie­der­grup­pen gekenn­zeich­net ist. Dass also der Anteil der wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Mit­ar­bei­ter an sämt­li­chen Hoch­schu­len am gesam­ten haupt­be­ruf­li­chen wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Per­so­nal im Jahr 2000 bei 63% und im Jahr 2014 bereits bei 75% lag, wäh­rend der Anteil der Pro­fes­so­ren von 24% auf 19% gesun­ken ist,46 gebie­tet kei­ne Aus­wei­tung der Mit­wir­kungs­rech­te der Sta­tus­grup­pe der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter. Mög­li­cher­wei­se müss­ten aber den mit Jün­ge­ren besetz­ten ande­ren Sta­tus­grup­pen wegen des Kri­te­ri­ums der Betrof­fen­heit weit­rei­chen­de­re Mit­wir­kungs­rech­te ein­ge­räumt wer­den. Denn das BVerfG hat­te Per­ni­ce-Warn­ke · Sta­tus und Alter in der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung 5 1 47 BVerfGE 35, 79 (127). 48 Bun­des­be­richt Wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs 2017, S. 102, Abb. B 19. 49 Ein Hin­weis dar­auf mag dem MHH-Urteil des BVerfG zu ent­neh­men sein, in wel­chem mehr­fach von der Mit­wir­kung der „Wis­sen­schaft­ler“ (und nicht der Hoch­schul­leh­rer) die Rede ist, BVerfGE 136, 338 (u.a. 377 f.); dazu näher Per­ni­ce-Warn­ke (Fn. 2), Rechts­wis­sen­schaft 2/2017, 227 (233). 50 Dazu aus­führ­li­cher Per­ni­ce-Warn­ke (Fn. 2), Rechts­wis­sen­schaft 2/2017, 227. A.A. Hell­muth Stumpf (Fn. 45), DÖV 2017, 620. aus­ge­führt, dass Hoch­schul­leh­rer „infol­ge ihrer regel­mä­ßig län­ge­ren Zuge­hö­rig­keit zur Uni­ver­si­tät […] durch lang­fris­tig wir­ken­de Ent­schei­dun­gen der Hoch­schul­or­ga­ne stär­ker betrof­fen [wür­den] als die Grup­pen der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter und Studenten“47 und damit das Merk­mal der Betrof­fen­heit zeit­lich und nicht nach Inten­si­tät defi­niert. Auf­grund des­sen lie­ße sich argu­men­tie­ren, dass gera­de Jün­ge­re län­ger als Älte­re von Ent­schei­dun­gen betrof­fen sind. Gegen die län­ge­re Betrof­fen­heit der Stu­die­ren­den und wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter spricht aber die regel­mä­ßig nur zeit­lich begrenz­te Zuge­hö­rig­keit zur Hoch­schu­le bzw. die befris­te­te Beschäf­ti­gung. So betrug der Anteil des befris­tet beschäf­tig­ten wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals am haupt­be­ruf­li­chen wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Per­so­nal an Uni­ver­si­tä­ten und gleich­ge­stell­ten Hoch­schu­len 2014 73%, der­je­ni­ge des unbe­fris­tet beschäf­tig­ten wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals dage­gen nur 14%. Ins­ge­samt haben sich die Ver­hält­nis­se zuguns­ten befris­te­ter Beschäf­ti­gung verschoben.48 Zudem ver­möch­te sich aber auch eine etwai­ge län­ge­re Betrof­fen­heit der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter nicht gegen­über einer höhe­ren Qua­li­fi­ka­ti­on, wich­ti­ge­ren Funk­ti­on oder grö­ße­ren Ver­ant­wor­tung der Hoch­schul­leh­rer durch­zu­set­zen. Wegen der Wis­sen­schafts­nä­he der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter und auch wegen des Ver­schwim­mens der Gren­zen zwi­schen den Sta­tus­grup­pen durch die Zuord­nung der Juni­or­pro­fes­so­ren zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer lie­ße sich aller­dings über eine Auf­wer­tung der Grup­pe der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter im Ver­gleich zu den ande­ren Grup­pen und eine Annä­he­rung der Anzahl der Ver­tre­ter der Hoch­schul­leh­rer und der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter in den Hoch­schul­gre­mi­en diskutieren.49 Dabei müss­te aber die her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung der Hoch­schul­leh­rer gewahrt blei­ben. Denn die vom BVerfG zur Begrün­dung der her­aus­ge­ho­be­nen Stel­lung der Hoch­schul­leh­rer her­an­ge­zo­ge­nen Argu­men­te ihrer im Ver­gleich zu den ande­ren Sta­tus­grup­pen höhe­ren Qua­li­fi­ka­ti­on, wich­ti­ge­ren Funk­ti­on und grö­ße­ren Ver­ant­wor­tung ver­mö­gen auch in heu­ti­ger Zeit noch zu über­zeu­gen, weil nur die­se die für eine Begrün­dung von aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG abge­lei­te­ten Mit­wir­kungs­rech­ten maß­geb­li­chen Kri­te­ri­en dar­stel­len kön­nen. Damit ist die her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung der Hoch­schul­leh­rer für wis­sen­schafts­re­le­van­te Fra­gen nach wie vor ver­fas­sungs­recht­lich geboten50 und steht einer Aus­wei­tung von Mit­wir­kungs­rech­ten ande­rer Sta­tus­grup­pen in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Fra­gen in einem die her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung der Hoch­schul­leh­rer berüh­ren­den Aus­maß ent­ge­gen. 2. Ver­jün­gung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer und Stär­kung der Mit­wir­kungs­rech­te jün­ge­rer Hoch­schul­leh­rer inner­halb der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe a. Zusam­men­set­zung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer Zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer kön­nen wegen der Kri­te­ri­en der Funk­ti­on und Ver­ant­wor­tung nur sol­che Hoch­schul­leh­rer gehö­ren, die noch voll­um­fäng­lich die Pflich­ten von Hoch­schul­leh­rern wahr­neh­men. Inso­fern schei­den jeden­falls ent­pflich­te­te Hoch­schul­leh­rer aus, was zu einem Absin­ken des Durch­schnitts­al­ters in der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe bei­trägt. Zusätz­lich tra­gen die regel­mä­ßig jün­ge­ren Juni­or­pro­fes­so­ren zur Ver­jün­gung die­ser Grup­pe bei. Gera­de die ver­fas­sungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit der Zuord­nung der Juni­or­pro­fes­so­ren zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer ist jedoch wie gezeigt zwei­fel­haft. Eine Ver­jün­gung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer und damit der Gre­mi­en kann frei­lich durch ver­än­der­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­din­gun­gen, die eine rasche­re Qua­li­fi­ka­ti­on ermög­li­chen, erreicht wer­den, dies aber mög­li­cher­wei­se um den Preis gerin­ge­rer Befä­hi­gung und schlech­te­rer fach­li­cher Leis­tung. b. Stär­kung der Mit­wir­kungs­rech­te jün­ge­rer Hoch­schul­leh­rer inner­halb der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe Schließ­lich stellt sich die Fra­ge, ob sich über die vom BVerfG auf­ge­stell­ten Kri­te­ri­en der Qua­li­fi­ka­ti­on, Funk­ti­on, Ver­ant­wor­tung und Betrof­fen­heit, die ursprüng­lich nur der Abgren­zung gegen­über den ande­ren Sta­tus­grup­pen dien­ten, auch eine Dif­fe­ren­zie­rung inner­halb der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer begrün­den lässt und die Mit­wir­kungs­rech­te der jün­ge­ren Hoch­schul­leh­rer inner­halb der Grup­pe aus­ge­wei­tet wer­den kön­nen. Das Merk­mal der Qua­li­fi­ka­ti­on ermög­licht aller­dings kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung: Die erfor­der­li­che, for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on kann nur ent­we­der vor­lie­gen oder nicht vor­lie­gen. Anders stellt sich dies bezüg­lich der Funk­ti­on, Ver­ant­wor­tung und Betrof­fen­heit dar. So erscheint es denk­bar, Hoch­schul­leh­rern mit wich­ti­ge­rer Funk­ti­on und grö­ße- 5 2 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2019), 45–54 51 Duden, Das gro­ße Fremd­wör­ter­buch, 4. Aufl. 2017, „Anci­en­ni­täts­prin­zip.“ 52 BVerfGE 35, 79 (127). 53 § 28 Abs. 1 NHG, u.a. expli­zit für den Fall der Erst­be­ru­fung; § 49 LHG BW; Art. 8 Abs. 2 BayHSchPG; § 61 Abs. 5 HHG. 54 S. dazu Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Hoch­schu­len auf einen Blick, 2018, S. 32. 55 VerfGH BW, VBlBW 2017, 61 (63): „[…] Jedoch ist das Gewicht ihrer Betrof­fen­heit durch die Hoch­schul­struk­tur nicht dem der Betrof­fen­heit der Hoch­schul­leh­rer ver­gleich­bar, die auf­grund ihrer Vor­bil­dung, ihrer meist lang­jäh­ri­gen Tätig­keit und Erfah­rung in For­schung und Leh­re in ers­ter Linie die Hoch­schu­le als wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tung prä­gen. Sie tra­gen kraft ihres Amtes und Auf­tra­ges erhöh­te Ver­ant­wor­tung für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit und den wis­sen­schaft­li­chen Rang der Hoch­schu­le. Sie sind nach ihrem Sta­tus und ihrer Funk­ti­on zur For­schung und Leh­re sowie deren Orga­ni­sa­ti­on oder Mit­or­ga­ni­sa­ti­on in ihrem Fach­be­reich ver­pflich­tet und daher mit der Sache der Wis­sen­schaft beson­ders eng ver­bun­den. Nach der der­zei­ti­gen Struk­tur der Hoch­schu­le sind sie die Inha­ber der Schlüs­sel­funk­ti­on des wis­sen­schaft­li­chen Lebens.“ Dies gleicht der ent­spre­chen­den Pas­sa­ge des Hoch­schu­l­ur­teils, auf das auch Bezug genom­men wird. Jedoch fehlt im Urteil des VerfGH BW der im Hoch­schu­l­ur­teil fol­gen­de Satz: „Infol­ge ihrer regel­mä­ßig län­ge­ren Zuge­hö­rig­keit zur Uni­ver­si­tät wer­den sie zudem durch lang­fris­tig wir­ken­de Ent­schei­dun­gen der Hoch­schul­or­ga­ne stär­ker betrof­fen als die Grup­pen der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter und der Stu­den­ten“, BVerfGE 35, 79 (127). rer Ver­ant­wor­tung mehr Ein­fluss­mög­lich­kei­ten zu gewäh­ren. Eben­falls könn­ten jün­ge­ren Hoch­schul­leh­rern, die auf­grund der ihnen ver­blei­ben­den Dienst­zeit noch län­ger als älte­re Hoch­schul­leh­rer von Ent­schei­dun­gen betrof­fen sind, als logi­sche Kon­se­quenz des vom BVerfG zeit­lich defi­nier­ten Merk­mals der Betrof­fen­heit, mehr Mit­wir­kungs­rech­te ein­ge­räumt wer­den. Zum einen ver­mag jedoch das Kri­te­ri­um der Betrof­fen­heit die ande­ren Kri­te­ri­en nicht zu ver­drän­gen. Gera­de dienst- und damit häu­fig auch lebens­äl­te­re Hoch­schul­leh­rer wer­den aber regel­mä­ßig wich­ti­ge­re Funk­tio­nen beklei­den und grö­ße­re Ver­ant­wor­tung tra­gen. Genau dies spie­gelt sich auch in dem viel­fach ange­wen­de­ten Anci­en­ni­täts­prin­zip wie­der, das im Gegen­satz zum Senio­ri­täts­prin­zip zwar an das Dienst­al­ter anknüpft51 und Dienst­äl­te­ren eine her­aus­ge­ho­be­ne Posi­ti­on zuweist, damit aber letzt­lich mit­tel­bar regel­mä­ßig auch Lebens­äl­te­re begüns­tigt. Auch das BVerfG hat­te die­se Kri­te­ri­en mit einem zeit­li­chen Aspekt in Ver­bin­dung gebracht: „Die Hoch­schul­leh­rer prä­gen auf­grund ihrer Vor­bil­dung, ihrer meist lang­jäh­ri­gen Tätig­keit und Erfah­rung in For­schung und Leh­re in ers­ter Linie die Hoch­schu­le als wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tung. Sie tra­gen kraft ihres Amtes […] erhöh­te Ver­ant­wor­tung […].“52 So könn­te also zum einen selbst eine län­ge­re Betrof­fen­heit jün­ge­rer Hoch­schul­leh­rer kei­ne Gewäh­rung aus­ge­wei­te­ter Mit­wir­kungs­rech­te inner­halb der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe recht­fer­ti­gen, wenn sie hin­sicht­lich der Funk­ti­on und Ver­ant­wor­tung hin­ter älte­ren Hoch­schul­leh­rern zurück­blie­ben. Zum ande­ren ist frag­lich, ob jün­ge­re Hoch­schul­leh­rer tat­säch­lich grund­sätz­lich län­ger als älte­re betrof­fen sind. Eini­ge Hoch­schul­ge­set­ze sehen die Mög­lich­keit einer Beru­fung auf Zeit, teil­wei­se auch gera­de für den Fall der Erst­be­ru­fung vor,53 so dass sich eher jün­ge­re als älte­re Hoch­schul­leh­rer in einem befris­te­ten Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis befin­den und die Hoch­schu­le in abseh­ba­rer Zeit wie­der ver­las­sen wer­den. Auch auf­grund eines Rufs an eine ande­re Hoch­schu­le kann es zu einem Hoch­schul­wech­sel kom­men, wobei die­se Mög­lich­keit frei­lich nicht auf jün­ge­re Hoch­schul­leh­rer beschränkt ist. Dass jün­ge­re Hoch­schul­leh­rer – im Gegen­satz zu einem Groß­teil der Stu­die­ren­den und wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter – der Wis­sen­schaft nicht ganz den Rücken keh­ren, son­dern ihr an einer ande­ren Hoch­schu­le wei­ter­hin die­nen wer­den, kann schließ­lich bezüg­lich der Selbst­ver­wal­tung einer kon­kre­ten Hoch­schu­le nicht das maß­geb­li­che Kri­te­ri­um dar­stel­len. Somit lässt sich die län­ge­re Betrof­fen­heit jün­ge­rer Hoch­schul­leh­rer jeden­falls nicht grund­sätz­lich beja­hen. Schließ­lich las­sen die gegen­über dem Zeit­punkt des Erge­hens des Hoch­schu­l­ur­teils ver­än­der­ten Ver­hält­nis­se, ins­be­son­de­re die Exis­tenz zeit­lich befris­te­ter Professuren,54 ein Fest­hal­ten am Merk­mal der Betrof­fen­heit ins­ge­samt pro­ble­ma­tisch erschei­nen. So ist es auch genau die­ses Kri­te­ri­um der län­ge­ren Zuge­hö­rig­keit, das in einem 2016 ergan­ge­nen Urteil des VerfGH BW ent­fal­len ist.55 Allen­falls könn­te künf­tig auf die Inten­si­tät anstel­le der Dau­er der Betrof­fen­heit abge­stellt wer­den. Dies aller­dings hät­te kei­ne Rele­vanz für die alters­be­zo­ge­ne Mit­wir­kung. VI. Ergeb­nis Aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG lässt sich weder das Erfor­der­nis aus­ge­wei­te­ter Mit­wir­kungs­rech­te der ande­ren Sta­tus­grup­pen noch der jün­ge­ren Hoch­schul­leh­rer inner­halb der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe und ins­ge­samt kein Gebot der Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit an der Hoch­schu­le ablei­ten. Eine Ver­jün­gung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer und damit der Gre­mi­en kann frei­lich durch ver­än­der­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­din­gun­gen wie ins­be­son­de­re ver­kürz­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­zei­ten erreicht wer­den. Ob dies im Hin­blick auf die fach­li­che Leis­tung und Befä­hi­gung erstre­bens­wert ist, lässt sich bezwei­feln. Zudem kön­nen inno­va­ti­ve Ideen zwar gera­de der Fort­ent­wick­lung der Wis­sen­schaft die­nen. Dass aller­dings gera­de oder nur jün­ge­re Hoch­schul­leh­rer sol­che inno­va­ti­ven Ideen ver- Per­ni­ce-Warn­ke · Sta­tus und Alter in der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung 5 3 56 Roel­le­cke, Alters­gren­zen in Beru­fungs­ver­fah­ren, VBlBW 1995, 1 (2) und Höf­ling, Alters­gren­zen im (Hochschul-)Recht – eine Pro­blem­skiz­ze, in: Anderbrügge/Epping/Löwer, Fest­schrift für Die­ter Leu­ze zum 70. Geburts­tag, 2003, S. 263 (272 f.) dage­gen beja­hen die Ent­wick­lung des Faches durch jün­ge­re Hoch­schul­leh­rer und deren neue Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter. Die Beru­fung Jün­ge­rer die­ne damit der For­schungs­frei­heit. Auch Pütt­ner, Alters­gren­zen im Beam­ten­recht, DVBl 1997, 259 (261) ver­weist auf die Inno­va­ti­ons­kraft der Jün­ge­ren. tre­ten, bleibt eine blo­ße Hypothese.56 Jeden­falls aber ist eine Ein­brin­gung, wenn auch nicht Durch­set­zung sol­cher Ideen, bereits durch weni­ge mög­lich. Schließ­lich setzt eine Wahl jün­ge­rer Hoch­schul­leh­rer in die Ver­tre­tungs­gre­mi­en nicht unbe­dingt eine Mehr­heit der­sel­ben in der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe vor­aus, weil jün­ge­re Hoch­schul­leh­rer nicht zwangs­läu­fig für jün­ge­re und älte­re Hoch­schul­leh­rer nicht zwin­gend für älte­re stim­men. Aller­dings stellt die Auf­ga­be der – wenn auch nur fak­ti­schen – Ori­en­tie­rung am Anci­en­ni­täts­prin­zip die Vor­be­din­gung für eine Wahl jün­ge­rer Ver­tre­ter dar. Sil­via Per­ni­ce-Warn­ke ist Aka­de­mi­sche Rätin und Habi­li­tan­din am Lehr­stuhl für Staats- und Ver­wal­tungs­recht sowie Wis­sen­schafts­recht und Medi­en­recht der Uni­ver­si­tät zu Köln. 5 4 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2019), 45–54