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Über­sicht

I. Ein­lei­tung

II. Dua­li­tät als Struk­tur­prin­zip 1. Dualitätsprinzip

2. Hoch­schul­recht­lich-insti­tu­tio­nel­le Ver­bin­dung von Stu­di­en- aka­de­mie und Aus­bil­dungs­stät­ten im DHBW-Modell

a) Zulas­sung und Hoch­schul­mit­glied­schaft der Ausbildungsstätten

b) Zusam­men­wir­ken in den Hoch­schul­gre­mi­en
c) Qua­li­täts­si­che­rung der betrieb­li­chen Aus­bil­dung 3. Ähn­li­che Model­le in ande­ren Bundesländern

III. Ansät­ze der Struk­tur­über­tra­gung auf nicht-dua­le Hoch- schu­len im gel­ten­den Recht

1. Län­der mit legal­de­fi­ni­to­ri­schen Ansätzen

2. Fach­be­reich Dua­les Stu­di­um der Hoch­schu­le für Wirt­schaft und Recht Berlin

IV. Vor­schlag für eine hoch­schul­ge­setz­li­che Rege­lung V. Zusammenfassung

I. Ein­lei­tung

Die dua­le Aus­bil­dung im Anschluss an den mitt­le­ren Bil­dungs­ab­schluss ver­bin­det die Lern­or­te eines Aus­bil- dungs­be­trie­bes und einer berufs­bil­den­den Schu­le zu einem gemein­sa­men Aus­bil­dungs­kon­zept (§ 4 BBiG). Dies stellt einen deut­schen Son­der­weg dar, der sich – unge­ach­tet zeit­wei­li­ger Eng­päs­se bei der Beset­zung von Aus­bil­dungs­stel­len – als „Erfolgs­mo­dell und Mar­ken­zei- chen Deutsch­lands“ bewährt hat.1 Des­halb lag es nahe, die­ses Prin­zip als beson­ders pra­xis­na­he Aus­bil­dungs- form auch auf den ter­tiä­ren Bil­dungs­be­reich zu über­tra- gen. Dies erfolg­te erst­ma­lig 1974 durch Grün­dung der Berufs­aka­de­mien in Baden-Würt­tem­berg, in denen ein aka­de­mi­sches Stu­di­um mit einer Aus­bil­dung in einem Koope­ra­ti­ons­be­trieb ver­zahnt wurde.2 In den seit­her ver­gan­ge­nen vier­zig Jah­ren hat sich die­ses Modell derart

  1. 1  Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung, Pres­se­mit­tei­lung 077/2013, <http://www.bmbf.de/press/3483.php> (25.1.2014).
  2. 2  Ger­ber, in: Haug (Hrsg), Das Hoch­schul­recht in Baden-Würt­tem-berg, 2. Aufl 2009, Rn 1007.
  3. 3  Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Ent­wick­lung des dua­len­Stu­di­ums – Posi­ti­ons­pa­pier, 2013, <http://www.wissenschaftsrat. de/download/archiv/3479–13.pdf>, S 45 f (Tabel­len 1 und 2)

erfolg­reich ent­wi­ckelt, dass der Wis­sen­schafts­rat in sei- nen „Emp­feh­lun­gen zur Ent­wick­lung des dua­len Stu­di- ums“ von inzwi­schen 910 dua­len Stu­di­en­gän­gen in allen Bun­des­län­dern mit ca. 65.000 Stu­die­ren­den im Erst­stu- dium ausgeht.3 Zu die­sem Erfolg haben ins­be­son­de­re die hohe Pra­xis- und Betriebs­nä­he sowie die damit eng zusam­men­hän­gen­de „Employa­bi­li­ty“ – also die Beschäf- tigungs­fä­hig­keit, die einen naht­lo­sen Über­gang vom Stu­di­en­ab­schluss zum Berufs­ein­stieg gewähr­leis­tet – beigetragen.

Da der Begriff des „dua­len Stu­di­ums“ nicht geschützt ist, steht er für eine brei­te Palet­te ganz ver­schie­de­ner Stu­di- engän­ge, die sich ledig­lich im „ob“ einer pro­mi­nen­ten Ein- bezie­hung beruf­li­cher Pra­xis­an­tei­le decken.4 In Über­ein- stim­mung mit der Begriffs­bil­dung des Wis­sen­schafts­ra­tes ver­steht auch die­ser Bei­trag unter einem „dua­len Stu­di­um“ nur eines, bei dem die wis­sen­schaft­li­chen Theo­rie- und die betrieb­li­chen Pra­xis­an­tei­le cur­ri­cu­lar mit­ein­an­der ver­zahnt sind, und nicht nur aus­bil­dungs­or­ga­ni­sa­to­risch auf­ein­an- der abge­stimmt neben­ein­an­der stattfinden.5 Gegen­stand die­ses Bei­trags sind aller­dings nicht die cur­ri­cu­lar­in­halt­li- chen Fra­gen eines dua­len Stu­di­ums, son­dern die damit ide- aler­wei­se zu ver­bin­den­den hoch­schul­recht­lich-struk­tu­rel- len Rah­men­be­din­gun­gen. Aus­ge­hend vom Bei­spiel der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg (DHBW), unter deren Dach die frü­he­ren Berufs­aka­de­mien und ihre Aus- bil­dungs­stät­ten seit 2009 mit­ein­an­der ver­bun­den sind, wird ein Vor­schlag für eine denk­ba­re lan­des­ge­setz­li­che „Dua­li­täts­klau­sel“ gemacht. Dadurch kön­nen die struk­tu- rel­len Vor­tei­le und Beson­der­hei­ten der DHBW auch in nicht­du­al kon­zi­pier­te Hoch­schul­for­men wie Uni­ver­si­tä­ten oder Hoch­schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten imp­le- men­tiert wer­den. Dies könn­te ins­be­son­de­re für sol­che Län- der und Hoch­schu­len von Belang sein, die einen Nach­hol- bedarf in der Koope­ra­ti­on mit der Wirt­schaft haben, aber aus demo­gra­fi­schen und finan­zi­el­len Grün­den kei­ne neu- en Hoch­schu­len oder gar Hoch­schul­ty­pen auf­bau­en können.6

(25.1.2014).
4 Näher zu die­ser Viel­falt vgl Wis­sen­schafts­rat (Fn 3), S 8 – 10. 5 Wis­sen­schafts­rat (Fn 3), S 22.
6 Nur bei­spiel­haft: Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Weiter-

ent­wick­lung des Hoch­schul­sys­tems des Lan­des Sach­sen-Anhalt, 2013, Drs 3231–12 <http://www.wissenschaftsrat.de/download/ archiv/3231–13.pdf>, S 100 – 107 (25.1.2014).

Vol­ker M. Haug

Über­tra­gung dua­ler Koope­ra­ti­ons­struk­tu­ren zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft
auf nicht-dua­le Hochschulen

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2014, ISSN 2197–9197

68 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 67–74

II. Dua­li­tät als Strukturprinzip

1. Dua­li­täts­prin­zip

Ech­te Dua­li­tät im hier ver­stan­de­nen Sinn ist ein Grund- prin­zip, das nicht nur für die Gleich­ge­wich­tig­keit von theo­rie- und pra­xis­be­zo­ge­nen Inhal­ten in inte­grier­ten Stu­di­en­gän­gen gilt. Die Dua­li­tät erstreckt sich als Grund- prin­zip auf alle Berei­che, die mit die­sem Stu­di­en­an­ge­bot unmit­tel­bar und mit­tel­bar zusam­men­hän­gen. Hier­zu zählt etwa die insti­tu­tio­nel­le Dua­li­tät, die von einer gemein­sa­men Ver­ant­wor­tung von Stu­di­en­aka­de­mie und Aus­bil­dungs­stät­ten für dua­le Stu­di­en­gän­ge ausgeht.7 Dies bedingt eine beson­de­re Form von Pari­tät bei der Bil­dung der Gre­mi­en, in denen über die Inhal­te, Anbie- ter und Struk­tu­ren der Stu­di­en­gän­ge ent­schie­den wird.8 Solan­ge sich die aka­de­mi­sche Sei­te der Aus­bil­dungs­stät- ten nur bedient, um ein allein aka­de­misch ver­ant­wor­te- tes Stu­di­en­pro­gramm anbie­ten zu kön­nen, fehlt es an die­ser Kom­po­nen­te des Dualitätsbegriffs.

Bei­spiel­haft umge­setzt wird die­ses Dua­li­täts­prin­zip im Modell der DHBW. So beruht die Dua­le Hoch­schu­le auf den staat­lich vor­ge­hal­te­nen Stu­di­en­aka­de­mien ei- ner­seits (§ 27a LHG BW) und auf pri­vat­wirt­schaft­li­chen oder öffent­li­chen Aus­bil­dungs­stät­ten ande­rer­seits (§ 65c LHG BW), die zur Errei­chung eines gemein­sa­men (Ausbildungs-)Zieles mit­ein­an­der ver­bun­den sind.9 Da- rüber hin­aus ste­hen den Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun- gen Aus­bil­dungs­richt­li­ni­en für die Pra­xis zur Sei­te. Die Stu­die­ren­den sind des Wei­te­ren gleich­zei­tig Aus­zu­bil- den­de im pri­vat­recht­li­chen Ange­stell­ten­ver­hält­nis bei einer Aus­bil­dungs­stel­le (die des­halb auch durch die Ver- gabe der Aus­bil­dungs­ver­trä­ge die Stu­die­ren­den­aus­wahl vor­nimmt, § 60 Abs. 2 Nr. 7 LHG BW) und ein­ge­schrie- bene Stu­die­ren­de mit öffent­lich-recht­li­cher Mit­glied- schaft in der Hoch­schu­le als Per­so­nen­kör­per­schaft. Auch der For­schungs­auf­trag der Dua­len Hoch­schu­le ist an den dual­ty­pi­schen Koope­ra­ti­ons­cha­rak­ter gebun­den, wes­halb bereits die Auf­ga­ben­zu­schrei­bung in § 2 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 LHG BW aus­drück­lich von „koope­ra­ti­ver For­schung“ spricht. Dar­aus folgt, dass an die­ser For­schung haupt­be­ruf- liche Pro­fes­so­ren und betrieb­li­che Prak­ti­ker glei­cher­ma­ßen zu betei­li­gen sind. Nur wenn bei­de Sicht­wei­sen inhaltlich

  1. 7  Von einem „Prin­zip der Ver­ant­wor­tung für die dua­le Aus­bil- dung“ spricht Sand­ber­ger, Lan­des­hoch­schul­ge­setz Baden-Würt- tem­berg, 2013, § 20a Rn 6 (bzgl der pari­tä­ti­schen Beset­zung der Fachkommissionen).
  2. 8  Ohne es sei­nem Begriff des dua­len Stu­di­ums zugrun­de zu legen, emp­fiehlt auch der Wis­sen­schafts­rat „mit Nach­druck“ die Bil­dung von gemein­sa­men Gre­mi­en, vgl Wis­sen­schafts­rat (Fn 3), S 26.
  3. 9  Ger­ber (Fn 2), Rn 1039, spricht von einer „hori­zon­ta­len Kooperation“im Rah­men eines „kon­do­mi­nia­len Modells“.
  4. 10  Vgl auch Ger­ber (Fn 2), Rn 1027, der ins­be­son­de­re betont, dass der Ver­gleich mit der Auf­trags­for­schung unstatt­haft ist , weil hier

und metho­disch Ein­gang fin­den, kön­nen die For- schungs­er­geb­nis­se sowohl den wis­sen­schaft­li­chen als auch den pra­xis­be­zo­ge­nen Anfor­de­run­gen genügen.10 Hin­zu kommt schließ­lich die hoch­schul­recht­lich-insti- tutio­nel­le Ver­bin­dung von Stu­di­en­aka­de­mie und Aus­bil- dungs­stät­ten, um die­ses Dua­li­täts­prin­zip kon­se­quent umzusetzen.

2. Hoch­schul­recht­lich-insti­tu­tio­nel­le Ver­bin­dung von Stu­di­en­aka­de­mie und Aus­bil­dungs­stät­ten im DHBW- Modell

a) Zulas­sung und Hoch­schul­mit­glied­schaft der Aus­bil- dungsstätten

Für die Zulas­sung der Aus­bil­dungs­stät­ten ver­langt § 65c Abs. 1 LHG BW eine hin­rei­chen­de Eig­nung für die Ver­mitt­lung der fest­ge­leg­ten Aus­bil­dungs­in­hal­te. Die­se Eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen wer­den in Eig­nungs- und Zulas­sungs­richt­li­ni­en näher präzisiert.11 Die ein­zel­nen Zulas­sungs­ent­schei­dun­gen trifft der jeweils zustän­di­ge ört­li­che Hoch­schul­rat gem. § 27c Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 LHG BW. Durch die Zulas­sung erwirbt die Aus­bil­dungs­stät­te den Sta­tus als Mit­glied der Hoch­schu­le (§§ 9 Abs. 1 Satz 6, 65c Abs. 2 LHG BW). Durch die­se Auf­nah­me­entsch­ei- dung wer­den die Aus­bil­dungs­stät­ten noch wesent­lich stär­ker als durch jedes Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men in die Hoch­schu­le inte­griert und in die Gewähr­leis­tung des gemein­sa­men Aus­bil­dungs­er­folgs eingebunden.

b) Zusam­men­wir­ken in den Hochschulgremien

Die­se mit­glied­schaft­li­che Stel­lung führt – wie bei allen Hoch­schul­mit­glie­dern – zu Mit­wir­kungs­rech­ten und ‑pflich­ten in der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung, was sich wie ein roter Faden durch die Gre­mi­en­struk­tur der DHBW zieht.

Auf der Zen­tral­ebe­ne der DHBW gilt dies für den Vor­stand, den Auf­sichts­rat, den Senat, die Fach­kom­mis- sio­nen und die Kom­mis­si­on für Qua­li­täts­si­che­rung. So müs­sen sich im Vor­stand die (maxi­mal vier) nicht haupt- amt­li­chen Mit­glie­der hälf­tig auf Pro­fes­so­ren und auf Ver­tre­ter von Aus­bil­dungs­stät­ten ver­tei­len (§ 16 Abs. 1 Satz 3 HS 2 LHG BW).12 Der als stra­te­gi­sches Steue-

der Auf­trag­ge­ber pas­siv bleibt und nicht „mit­forscht“.
11 Vgl Amtl Bekannt­ma­chun­gen der DHBW Nr 14/2011 vom

22.9.2011, < http://www.dhbw.de/fileadmin/user/public/Doku- men­te/Amt­li­che_­Be­kannt­ma­chun­gen/14_2011_­Eig­nungs­vor­aus- setzung_ Praxispartner.pdf> (30.1.2014).

12 Dies ergibt sich aus §§ 16 Abs 1 Satz 3 HS 2, 18 LHG BW, wonach gleich­viel neben­amt­li­che und neben­be­ruf­li­che Vor­stands­mit­glie­der zu bestel­len sind. § 18 LHG BW defi­niert als „neben­amt­lich“ der Hoch­schu­le ange­hö­ren­de haupt­be­ruf­li­che Pro­fes­so­ren (Abs 1) und als „neben­be­ruf­lich“ Ange­hö­ri­ge von Aus­bil­dungs­stät­ten (Abs 4).

Haug · Über­tra­gung dua­ler Koope­ra­ti­ons­struk­tu­ren 6 9

rungs­or­gan an allen Hoch­schu­len in Baden-Würt­tem- berg instal­lier­te Auf­sichts­rat ist im Bereich der DHBW mit zusätz­li­chen – eher aka­de­mi­schen – Auf­ga­ben be- traut, wie etwa die Qua­li­täts­si­che­rung oder die Zustim- mung zu Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen sowie Aus- bil­dungs­richt­li­ni­en (§ 20 Abs. 1 Satz 3 Nr. 15 – 18 LHG BW). Dies erklärt sich aus dem aus­bil­dungs­be­zo- genen Fokus der Hochschule.13 Dem 17-köp­fi­gen Gre­mi- umgehörennebendem(hierausnahmsweisestimmbe- rechtigten)14 Minis­te­ri­ums­ver­tre­ter die Vor­sit­zen­den der acht ört­li­chen Hoch­schul­rä­te (die zwin­gend Vertre- ter der Aus­bil­dungs­stät­ten sein müs­sen, § 27c Abs. 5 Satz 2 LHG BW) sowie acht wei­te­re Mit­glie­der an, die nach den nor­ma­len Regeln für die Beset­zung von Auf­sichts­rä- ten (also mit exter­ner „Bin­nen­mehr­heit“) bestimmt wer- den. Dar­aus ergibt sich zwin­gend ein nicht-aka­de­mi- sches Über­ge­wicht: Zur Zeit gehö­ren dem Auf­sichts­rat ledig­lich ein haupt­be­ruf­li­cher Pro­fes­sor der DHBW und eine Stu­die­ren­de an, wäh­rend alle ande­ren Mit­glie­der ent­we­der Ver­tre­ter von Aus­bil­dungs­stät­ten oder Hoch- schulex­ter­ne sind.15 Dem­ge­gen­über ist der Senat durch die haupt­be­ruf­li­chen Hoch­schul­leh­rer domi­niert: Er be- steht aus den Amts­mit­glie­dern (Vor­stand, Gleichs­tel- lungs­be­auf­trag­te), den nach Grup­pen zu bestim­men­den Wahl­mit­glie­dern und den Vor­sit­zen­den und stell­vertre- ten­den Vor­sit­zen­den der drei Fach­kom­mis­sio­nen (von denen jeweils einer ein Hoch­schul­leh­rer und der ande­re ein Ver­tre­ter einer Aus­bil­dungs­stät­te sein muss, § 20a Abs. 4 Satz 4 LHG BW). Der­zeit gehö­ren dem 30-köp­fi­gen Senat somit neben den drei haupt­amt­li­chen Vor­stands­mit­glie­dern 17 haupt­be­ruf­li­che Hoch­schul­leh- rer, vier Ver­tre­ter von Aus­bil­dungs­stät­ten und je drei Stu­die­ren­de und sons­ti­ge Mit­ar­bei­ter an.16 Die­se bei­den Gre­mi­en – der eher extern bzw. betrieb­lich domi­nier­te Auf­sichts­rat einer­seits und der aka­de­misch domi­nier­te Senat ande­rer­seits – müs­sen im Sin­ne der Dua­li­tät bei wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zusam­men­wir­ken, nament- lich bei der Beschluss­fas­sung über Stu­di­en- und Prü- fungs­ord­nun­gen sowie Aus­bil­dungs­richt­li­ni­en. Wäh- rend hier aber noch unter­schied­lich domi­nier­te Gre­mi- en bestehen, erfolgt die Zusam­men­ar­beit von akademi-

  1. 13  Vgl Ger­ber (Fn 2), Rn 1045.
  2. 14  Bei allen ande­ren Hoch­schu­len kann das Minis­te­ri­um nur einen­Ver­tre­ter mit bera­ten­der Funk­ti­on in die Auf­sichts­rä­te ent­sen­den, § 20 Abs 5 Satz 6 LHG BW; zum Hin­ter­grund des inso­fern abwei- chen­den § 20 Abs 6a LHG BW vgl Ger­ber (Fn 2), Rn 1035, 1038.
  3. 15  Vgl <http://www.dhbw.de/die-dhbw/wir-ueber-uns/hochschullei- tung/ paging-leitung/aufsichtsrat.html> (30.1.2014).
  4. 16  Haupt­be­ruf­li­che Hoch­schul­leh­rer sind zwölf Wahl­mit­glie­der, ein neben­amt­li­ches Vor­stands­mit­glied, die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te und die drei Vor­sit­zen­den der Fach­kom­mis­sio­nen; Ver­tre­ter der Aus­bil­dungs­stät­ten sind ein neben­be­ruf­li­ches Vorstandsmitglied

scher und betrieb­li­cher Sei­te in den Fach­kom­mis­sio­nen unmit­tel­bar, wo die inhalt­li­che Sach­ar­beit für die Ges­tal- tung des dua­len Stu­di­ums geleis­tet wird und Emp­feh­lun- gen an die zen­tra­len Ent­schei­dungs­or­ga­ne gege­ben wer- den (§ 20a Abs. 2 LHG BW). Die­se für jeden Stu­di­en­be- reich (Wirt­schaft, Tech­nik und Sozi­al­we­sen) stand­ort- über­grei­fend gebil­de­ten Gre­mi­en sind pari­tä­tisch mit Pro­fes­so­ren und Ver­tre­tern der Aus­bil­dungs­stät­ten so- wie min­des­tens einem Stu­die­ren­den besetzt (§ 20a Abs. 4 Satz 2 HS 1 LHG BW). Ähn­lich sieht es in der Kom­mis­si­on für Qua­li­täts­si­che­rung aus, in der mit den Vor­sit­zen­den und stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den der Fach­kom­mis­sio­nen (neben Stu­die­ren­den) eben­falls eine inso­weit pari­tä­ti­sche Beset­zung sicher­ge­stellt ist (§ 20a Abs. 4 Satz 2 HS 2 LHG BW).

Die­se Dua­li­sie­rung der Gre­mi­en­struk­tur setzt sich auf der dezen­tra­len Ebe­ne der ein­zel­nen Stu­di­en­aka­de- mie- Stand­or­te fort. So sind die ört­li­chen Hoch­schul­rä­te glei­cher­ma­ßen mit Ver­tre­tern der Stu­di­en­aka­de­mie (ein­schließ­lich der Amts­mit­glie­der!) und der Aus­bil- dungs­stät­ten besetzt (§ 27c Abs. 2 Nr. 9 LHG BW); hin­zu kom­men noch die Stu­die­ren­den­ver­tre­ter. Der Aka­de­mi- sche Senat besteht dage­gen nur aus Amts- und Wahl­mit- glie­dern aus der jewei­li­gen Stu­di­en­aka­de­mie, weil er nach sei­nem Auf­ga­ben­pro­fil auf das Innen­le­ben der Stu- dien­aka­de­mie aus­ge­rich­tet ist (§ 27d Abs. 1, 2 LHG BW).17 Durch über­lap­pen­de Zustim­mungs­er­for­der­nis­se bei­der Gre­mi­en – etwa bei wich­ti­gen Fra­gen für den Stu­di­en- und Lehr­be­trieb – ist auch hier ein weit­ge­hend auf Kon- sens der dua­len Aus­bil­dungs­trä­ger gerich­te­ter Mecha- nis­mus implementiert.18

Die ein­zi­ge durch höher­ran­gi­ges Recht vor­ge­ge­be­ne Gren­ze für die Dua­li­tät in den Gre­mi­en ist der im Hoch- schu­l­ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus Art. 5 Abs. 3 GG abge­lei­te­te Hoch­schul­leh­rer­vor­be­halt. Danach müs­sen die haupt­be­ruf­li­chen Pro­fes­so­ren in Fra­gen der Leh­re einen „maß­ge­ben­den Ein­fluss“ – also die Hälf­te der Stim­men – und in Fra­gen der For­schung einen „aus­schlag­ge­ben­den Ein­fluss“ – also die Mehr­heit der Stim­men – haben.19 Die­se Vor­ga­ben wer­den durch § 10 Abs. 3 LHG BW umge­setzt, der im Bereich der

und drei stv Vor­sit­zen­den der Fach­kom­mis­sio­nen; im Ein­zel­nen vgl <http://www.dhbw.de/die-dhbw/wir-ueber-uns/hochschullei- tung/ paging-leitung/senat.html> (30.1.2014).

17 Vgl Ger­ber (Fn 2), Rn 1065.
18 Vgl Ger­ber (Fn 2), Rn 1041, 1067 f, der hier von einem „kon­do-

minia­len Zusam­men­wir­ken des Hoch­schul­rats und des Akademi-

schen Senats“ spricht.
19 BVerfGE 35, S 79 (131, 132 f); sie­he hier­zu auch Her­ber­ger, in:

Haug (Hrsg), Das Hoch­schul­recht in Baden-Würt­tem­berg, 2. Aufl 2009, Rn 128 f, 135 f.

70 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 67–74

DHBW für den (zen­tra­len) Senat sowie – auf ört­li­cher Ebe­ne – für den Hoch­schul­rat und den Aka­de­mi­schen Senat gilt. Die Sicher­stel­lung der dafür erfor­der­li­chen Stimm­ver­hält­nis­se erfolgt im Ein­zel­nen durch die Grund­ord­nung (was häu­fig durch erhöh­te Stimm­ge- wich­te von Hoch­schul­leh­rern erfolgt).20

c) Qua­li­täts­si­che­rung der betrieb­li­chen Ausbildung

Mit die­sem kon­se­quent durch­ge­hal­te­nen Ansatz der ins- titu­tio­nel­len Dua­li­tät (als Aus­fluss des oben beschrie­be- nen Dua­li­täts­prin­zips) ist natur­ge­mäß und gewollt ein erheb­li­cher Ein­fluss nicht-aka­de­mi­scher Aus­bil­dungs- stät­ten des pri­va­ten und öffent­li­chen Sek­tors auf Inhal­te und Gestal­tung von Stu­di­en­gän­gen ver­bun­den. Die­se Mit­ge­stal­tungs­macht über­wie­gend pri­vat­wirt­schaft­li- cher Aus­bil­dungs­stät­ten bei genu­in hoch­schu­li­schen „Pro­duk­ten“ macht es not­wen­dig, in beson­de­rer Wei­se sicher­zu­stel­len, dass aka­de­mi­sche Stan­dards – für die die Hoch­schu­le insti­tu­tio­nell bürgt – gewahrt und qua­li­ta­tiv wis­sen­schafts­be­zo­ge­ne Aus­bil­dungs­an­ge­bo­te gemacht wer­den. Auch der Wis­sen­schafts­rat warnt davor, „dass nicht allein kurz­fris­ti­ge Unter­neh­mens­be­dar­fe bei der Cur­ri­cul­ums­ge­stal­tung im Vor­der­grund ste­hen“ dür- fen.21 So fin­det nach § 2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 LHG BW in den nicht-aka­de­mi­schen Aus­bil­dungs­stät­ten auch kei­ne „Pra­xis­aus­bil­dung“, son­dern eine „pra­xis­ori­en­tier­te Aus­bil­dung“ statt. Dar­aus folgt, dass auch die­se Aus­bil- dung – als inte­gra­ler Bestand­teil eines Hoch­schul­stu­di- ums – struk­tu­riert, sys­te­ma­tisch ange­lei­tet, inhalt­lich und in ihrer Kom­ple­xi­tät auf die Stu­di­en­in­hal­te bezo­gen und zu den Lern­zie­len rück­ge­kop­pelt sein muss.22 Ein- fach gesagt: Der Stu­die­ren­de darf nicht ein­fach „prak- tisch arbei­ten“, son­dern muss dabei einen lern­ziel­be­zo- genen Wis­sens- und Stu­di­en­fort­schritt erzie­len. Hier­aus folgt die Not­wen­dig­keit beson­de­rer Qua­li­täts­si­che­rungs- mecha­nis­men für die betrieb­li­che Ausbildung.

Für die Aus­bil­dungs­stät­ten in der DHBW gibt es des- halb gesetz­li­che und hoch­schul­ei­ge­ne Vor­ga­ben, um dies zu gewähr­leis­ten. Dazu zählt das Gebot der kon­ti­nu­ier­li- chen Aus­bil­dungs­tä­tig­keit. So ergibt sich aus dem Um- kehr­schluss zu § 65c Abs. 2 Satz 4 LHG BW, dass eine Aus­bil­dungs­stät­te (um Hoch­schul­mit­glied blei­ben zu

  1. 20  Ger­ber (Fn 2), Rn 1069 und Fn 364; zur Vor­gän­ger­vor­schrift im UniG BW und den Spiel­räu­men der Grund­ord­nungs­ge­bung vgl Sand­ber­ger (Fn 7), § 10 Rn 6.
  2. 21  Wis­sen­schafts­rat (Fn 3), S 26.
  3. 22  Vgl Ger­ber (Fn 2), Rn 1022.
  4. 23  Amtl Bekannt­ma­chun­gen der DHBW 14/2011, „Richt­li­ni­en für­die Eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen und das Zulas­sungs­ver­fah­ren von Pra­xis part­nern (Aus­bil­dungs­stät­ten) der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg für ein Bache­lor-Stu­di­um“ vom 22.9.2011, vgl < http://www.dhbw.de/fileadmin/user/public/Dokumente/ Amt­li­che_­Be­kannt­ma­chun­gen/14_2011_­Eig­nungs­vor­aus­set-

kön­nen) sich unun­ter­bro­chen enga­gie­ren – also immer min­des­tens einen Stu­die­ren­den unter Ver­trag haben – muss. Hin­zu kommt eine per­so­na­li­sier­te Kom­po­nen­te, indem eine kon­kre­te Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me durch qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal vor­ge­schrie­ben ist. Denn § 65c Abs. 3 LHG BW ver­langt, dass jede Aus­bil­dungs- stät­te einen Aus­bil­dungs­ver­ant­wort­li­chen bestellt. Die­se Per­son muss einen Hoch­schul­ab­schluss oder einen gleich­wer­ti­gen Bil­dungs­ab­schluss vor­wei­sen kön­nen. Des Wei­te­ren ergibt sich aus §§ 60 Abs. 2 Nr. 7, 65c Abs. 2 LHG BW, dass die DHBW Grund­sät­ze für die Aus­ge­stal­tung der Aus­bil­dungs­ver­trä­ge sowie Zulas- sungs- und Aus­bil­dungs­richt­li­ni­en auf­zu­stel­len hat. So erge­ben sich aus die­sen von der DHBW beschlos­se­nen Richtlinien23 Anfor­de­run­gen an die per­so­nel­le und sach­li­che Aus­stat­tung der Aus­bil­dungs­stät­ten (§ 2 Abs. 1, 2 RL), eine Betreu­ungs- und Unter­stüt­zungs- pflicht zuguns­ten der Stu­die­ren­den (§§ 2 Abs. 3, 4 Abs. 2 5 RL), eine Pflicht zur Vor­la­ge einer Über­sicht der Pra­xis­pha­sen mit zeit­li­chen und stu­di­en­in­halt­li­chen Anga­ben (§ 4 Abs. 1 RL), eine Mit­wir­kungs­pflicht an Eva­lua­tio­nen (§ 6 RL) – für die es eine eige­ne Eva­lua­ti- ons­sat­zung gibt24 – und ein Kon­troll­me­cha­nis­mus in Form regel­mä­ßi­ger Besu­che des Stu­di­en­gangs­lei­ters (§ 8 Abs. 4 RL). Schließ­lich betont das LHG BW mit der Ein­rich­tung der „Kom­mis­si­on für Qua­li­täts­si­che­rung“ (§ 20 a Abs. 1) die Not­wen­dig­keit und Bedeu­tung der Qua­li­täts­si­che­rung auch institutionell.

3. Ähn­li­che Model­le in ande­ren Bundesländern

Mit Ham­burg, Hes­sen, Nie­der­sach­sen, Saar­land, Sach- sen, Schles­wig-Hol­stein und Thü­rin­gen hat eine gan­ze Rei­he wei­te­rer Län­der das Berufs­aka­de­mie- Modell in geson­der­ten Berufs­aka­de­mie-Geset­zen über­nom­men, ohne dies aber – wie bei der DHBW – mit dem Hoch- schul­sta­tus zu ver­bin­den. Aller­dings wird die Zuord- nung zum ter­tiä­ren Bil­dungs­be­reich aus­drück­lich betont25 und der Bache­lor-Abschluss (als staat­li­che Abschluss­be­zeich­nung) – teil­wei­se unter Bin­dung an eine Vor­ab-Akkre­di­tie­rung – ermöglicht.26 Gleich­wohl las­sen sich die­se Län­der in zwei Grup­pen unter­tei­len: Wäh­rend Hes­sen, Nie­der­sach­sen, das Saar­land und

zung_ Praxispartner.pdf> (1.2.2014).
24 Amtl Bekannt­ma­chun­gen der DHBW 6/2010, „Sat­zung der Dua-

len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg zur Eva­lua­ti­on der Qua­li­tät des dua­len Stu­di­ums (Eva­lua­ti­ons­sat­zung DHBW) vom 9.3.2010, vgl < http://www.dhbw-stuttgart.de/fileadmin/dateien/DHBW/ Evaluationssatzung_DHBW.pdf> (1.2.2014).

25 §§ 1 HmbBAG, 1 Abs 1 Satz 1 Hess­BAG, 1 Abs 2 Nds­BAk­adG, 1 Abs 2 Saarl­BAk­adG, 1 Abs 1 Satz 1 Sächs­BAG, 1 Abs 3 BAG SH, 1 Abs 2 ThürBAG.

26 §§ 6 HmbBAG, 6 Hess­BAG, 6a Nds­BAk­adG, 4a Saarl­BAk­adG, 10a Sächs­BAG, 6 BAG SH, 11 Abs 2 Thür-BAG.

Haug · Über­tra­gung dua­ler Koope­ra­ti­ons­struk­tu­ren 7 1

Schles­wig-Hol­stein Berufs­aka­de­mien nur als nicht­staat- liche Ein­rich­tun­gen mit staat­li­cher Aner­ken­nung vor­se- hen, fol­gen Sach­sen und Thü­rin­gen dem frü­he­ren baden-würt­tem­ber­gi­schen Modell staat­li­cher Ein­rich- tun­gen. Allein in Ham­burg sind bei­de Model­le gesetz- lich ange­legt (§§ 11 f. HmbBAG).

Die Aus­prä­gung des Dua­li­täts­prin­zips fällt dabei in den ein­zel­nen Län­dern unter­schied­lich stark aus. So ist die insti­tu­tio­nel­le Dua­li­tät nur in Sach­sen und Thü­rin- gen durch ent­spre­chen­de Gre­mi­en­vor­schrif­ten mit pari- täti­scher Beset­zung gesetz­lich ausgestaltet.27 In den übri- gen Län­dern ist dies in den Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zun- gen für die nicht-staat­li­chen Ein­rich­tun­gen bzw. in Ham­burg durch eine Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung allen- falls angedeutet.28 Die gerings­te Wür­di­gung erfährt die- ser Dua­li­täts­aspekt in Schles­wig-Hol­stein, wo die aka­de- mische und betrieb­li­che Sei­te aus­drück­lich auf die (blo­ße) Koope­ra­ti­ons­mög­lich­keit ver­wie­sen sind (§§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr.2,4Abs.1Satz2BAGSH).Eineforschungsbezogene Dua­li­tät ist in kei­nem Berufs­aka­de­mie-Modell die­ser Län­der gesetz­lich vor­ge­se­hen, was ange­sichts des feh­len- den Hoch­schul­cha­rak­ters kon­se­quent ist.

III. Ansät­ze der Struk­tur­über­tra­gung auf nicht-dua­le Hoch­schu­len im gel­ten­den Recht

1. Län­der mit legal­de­fi­ni­to­ri­schen Ansätzen

Aus­weis­lich der Zusam­men­stel­lung im Posi­ti­ons­pa­pier des Wis­sen­schafts­ra­tes ver­fü­gen alle Bun­des­län­der inzwi­schen über dua­le Stu­di­en­an­ge­bo­te im inte­grier­ten Sinn.29 Soweit jedoch ersicht­lich hinkt die hoch­schul- recht­li­che Abbil­dung dem in den meis­ten Län­dern noch stark hin­ter­her. So lässt sich in den meis­ten Län­dern kei- ne all­ge­mei­ne hoch­schul­recht­li­che Grund­la­ge für dua­le Stu­di­en­an­ge­bo­te (neben den genann­ten Son­der­vor- schrif­ten für Berufs­aka­de­mien oder die DHBW) fin­den. Zumin­dest eine nor­ma­ti­ve Nen­nung gibt es in den Hoch­schul­ge­set­zen von Bay­ern, Hes­sen und Rhein­land- Pfalz, was jedoch auch noch in einem gewis­sen Miss­ver- hält­nis zur Bedeu­tung die­ser Stu­di­en­form steht. Wäh- rend bei­spiels­wei­se die Hoch­schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten in Bay­ern einen Dach­ver­band „hoch- schu­le dual“ zur Ver­mark­tung ihrer zahl­rei­chen dua­len Stu­di­en­an­ge­bo­te geschaf­fen haben und damit offensiv

  1. 27  So gibt es in Sach­sen und Thü­rin­gen stand­ort­über­grei­fen­de Kol­le­gi­en, in denen die staat­li­chen, exter­nen, aka­de­mi­schen und stu­den­ti­schen Ver­tre­ter zusam­men­wir­ken (§§ 14 Sächs- BAG, 21 Thür­BAG), sowie von aka­de­mi­scher und betrieb- licher Sei­te pari­tä­tisch besetz­te Stu­di­en­kom­mis­sio­nen und Koordinierungs¬kommissionen (§§ 15 f Sächs­BAG, 23 f Thür- BAG).
  2. 28  §§ 11 Abs 2 HmbBAG, 2 Abs 1, 5 Hess­BAG, 2 Abs 2 NdsBAkadG,

auf dem dua­len Aus­bil­dungs­markt im ter­tiä­ren Bereich agie­ren, beschränkt sich das Baye­ri­sche Hoch­schul­ge­setz auf eine blo­ße Erwäh­nung des dua­len Stu­di­ums in Art. 56 Abs. 5: „Dua­le Stu­di­en­gän­ge ver­tie­fen die Pra­xis- antei­le eines Stu­di­en­gangs oder inte­grie­ren eine beruf­li- che Aus­bil­dung in Form eines Ver­bund­stu­di­ums.“ Ähn- lich sieht die in Hes­sen geschaf­fe­ne Rege­lung des § 15 Abs. 1 Satz 2 HHG aus, die lapi­dar fest­stellt: „Stu­di- engän­ge kön­nen eine zwi­schen den Lern­or­ten Hoch- schu­le und Pra­xis wech­seln­de Aus­bil­dung vor­se­hen (dua­les Stu­di­um).“ Die rhein­land-pfäl­zi­sche Rege­lung des § 19 Abs. 5 Satz 1 Hoch­SchG RP ist mit den vor­ge- nann­ten Rege­lun­gen ver­gleich­bar, beschränkt den Anwen­dungs­be­reich jedoch aus­drück­lich auf eine Hoch- schul­art: „Die Fach­hoch­schu­len rich­ten Stu­di­en­gän­ge ein, in die eine beruf­li­che Aus­bil­dung oder ein an deren Stel­le tre­ten­des beruf­li­ches Prak­ti­kum inte­griert wird und die durch einen Wech­sel von Stu­di­en- und Pra­xis- pha­sen gekenn­zeich­net sind (dua­le Stu­di­en­gän­ge).“ Allen die­sen Rege­lun­gen ist gemein, dass sie sich auf eine legal­de­fi­ni­to­ri­sche Erwäh­nung des dua­len Stu­di- ums beschrän­ken und damit höhe­re Pra­xis­an­tei­le im Hoch­schul­stu­di­um ermög­li­chen, ohne damit die Dua­li- tät als Grund­prin­zip gesetz­lich zu ver­an­kern oder auch nur eine Grund­la­ge für insti­tu­tio­nel­le Dua­li­tät zu schaf- fen.

Die vom Stif­ter­ver­band im Rah­men des kom­pe­te­ti- ven „Qua­li­täts­netz­werks Dua­les Studium“30 aus­ge­zeich- nete Tech­ni­sche Hoch­schu­le Mit­tel­hes­sen behilft sich mit der Kon­struk­ti­on eines Wis­sen­schaft­li­chen Zent- rums im Rah­men der von § 47 HHG gewähr­ten Orga­ni- sati­ons­frei­heit, das als Trä­ger dua­ler Stu­di­en­gän­ge agiert. Die Sat­zung für die­ses „Zen­trum Dua­les Hoch­schul­stu- dium (ZDH)“31 sieht als Zen­trums­mit­glie­der nur haupt- beruf­li­che Hoch­schul­leh­rer (§ 3 ZDH-Sat­zung) vor. Die Orga­ne Zen­trums­rat und Direk­to­ri­um sind in ihrer Struk­tur Fach­be­reichs­rä­ten und –vor­stän­den nach­ge­bil- det und sehen kei­ne Mit­wir­kung oder Ein­be­zie­hung von dua­len Pra­xis­part­nern vor (§§ 5, 6 ZDH-Sat­zung). Eine der­ar­ti­ge Über­tra­gung von Ent­schei­dungs­macht in hoch­schu­li­schen Ange­le­gen­hei­ten auf Exter­ne wäre bei Feh­len einer hoch­schul­ge­setz­li­chen Grund­la­ge zur insti- tutio­nel­len Dua­li­tät auch nicht zulässig.

2 Abs 2 Saarl­BAk­adG.
29 Wis­sen­schafts­rat (Fn 3), S 45 f, Tabel­len 1 und 2.
30 Aus über 60 Bewer­bun­gen hat­te eine Jury zehn Hoch­schu­len mit

dua­len Stu­di­en­kon­zep­ten aus­ge­wählt, vgl <http://www.stifter- verband.info/bildungsinitiative/beruflich-akademische_bildung/ duales_studium/index.html> (1.2.2014).

31 <http://www.thm.de/amb/pruefungsordnungen/doc_ download/193-amb-432012–22102012-satzung-zdh> (1.2.2014).

72 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 67–74

2. Fach­be­reich Dua­les Stu­di­um der Hoch­schu­le für Wirt­schaft und Recht Berlin

Anders sieht es beim „Fach­be­reich Dua­les Stu­di­um“ der Hoch­schu­le für Wirt­schaft und Recht aus, der eben­falls vom Stif­ter­ver­band mit der Auf­nah­me in das „Qua­li­täts- netz­werk Dua­les Stu­di­um“ prä­miert wur­de. Anders als in den vor­ge­nann­ten Län­dern exis­tiert in Ber­lin eine gesetz­li­che Rechts­grund­la­ge für eine insti­tu­tio­nel­le Dua- lität. Im Mit­tel­punkt steht dabei die „Dua­le Kom­mis­si- on“, die (ähn­lich dem Auf­sichts­rat der DHBW) neben aka­de­mi­schen Ver­tre­tern auch exter­ne Pra­xis­part­ner und Wirt­schafts- und Gewerk­schafts­ver­tre­ter umfasst (§ 2 BakEG) und für alle grund­sätz­li­chen Fra­gen des Fach­be­reichs – anstel­le des in der Hin­ter­grund tre­ten­den Fach­be­reichs­rats – zustän­dig ist, ins­be­son­de­re für die stra­te­gi­sche Ent­wick­lung des Fach­be­reichs, die Aus­bil- dungs- und Prü­fungs­vor­schrif­ten und die Grund­sät­ze für die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Fach­be­reich und Aus- bil­dungs­stät­ten (§ 3 Abs. 1 BakEG). Eben­falls in Ent­sp­re- chung zur DHBW sind der Dua­len Kom­mis­si­on bera- ten­de Fach­kom­mis­sio­nen für die ein­zel­nen Aus­bil- dungs­be­rei­che zur Sei­te gestellt, denen (neben einem Stu­die­ren­den) pari­tä­tisch jeweils sechs haupt­amt­li­che Lehr­kräf­te und Ver­tre­ter der Aus­bil­dungs­stät­ten ange- hören (§ 3 Abs. 2 BakEG).

Aber auch bei die­ser Ber­li­ner Rege­lung han­delt es sich nicht um ein grund­le­gen­des Bekennt­nis zum Dua­li- täts­prin­zip, son­dern (nur) um die nor­ma­ti­ve Umset­zung der Ein­glie­de­rung der Ber­li­ner Berufs­aka­de­mie – die dort eben­falls nach baden-würt­tem­ber­gi­schen Vor­bild 1993 geschaf­fen wurde32 – in die Hoch­schu­le für Wirt- schaft und Recht. Folg­lich hat die­ses Berufs­aka­de­mie- Ein­glie­de­rungs­ge­setz (BakEG) auch kei­ne all­ge­mei­ne hoch­schul­recht­li­che Gel­tung für alle Ber­li­ner Hoch­schu- len, son­dern nur für den die ehe­ma­li­ge Berufs­aka­de­mie dar­stel­len­den Fach­be­reich Dua­les Stu­di­um. Den­noch han­delt es sich dabei um die ein­zi­ge nor­ma­ti­ve Ver­an­ke- rung wesent­li­cher Tei­le des Dua­li­täts­prin­zips im Bereich nicht-dua­ler Hochschulen.

IV. Vor­schlag für eine hoch­schul­ge­setz­li­che Rege­lung („Dua­li­täts­klau­sel“)

Die vor­ge­stell­ten Rege­lun­gen und Bei­spie­le haben gezeigt, dass trotz des Sie­ges­zu­ges des dua­len Stu­di­ums im ter­tiä­ren Bil­dungs­be­reich kein ein­zi­ges Bundesland

32 Hin­ter­grund der Ber­li­ner Grün­dung war der Wech­sel von Man- fred Erhardt – der in Baden-Würt­tem­berg zunächst ab 1974 als Grün­dungs-Refe­rats­lei­ter und spä­ter als Amts­chef im Wis­sen- schafts­mi­nis­te­ri­um den Auf­bau der Berufs­aka­de­mie maß­geb­lich betrieb und des­halb als „spi­ri­tus rec­tor“ die­ser Hoch­schul­art gel­ten kann – nach Ber­lin, wo er von 1991 bis 1996 als Wissen-

über eine gesetz­li­che Rechts­grund­la­ge ver­fügt, die eine Umset­zung des Dua­li­täts­prin­zips in nicht-dua­len Hoch- schu­len gene­rell ermög­li­chen wür­de. Soweit das Lan- des­hoch­schul­recht auf das dua­le Stu­di­um über­haupt ein­geht, gibt es ent­we­der – wie unter II. dar­ge­stellt – eine eige­ne Hoch­schul­art oder hoch­schul­äqui­va­len­te Ein- rich­tung, in der aus­schließ­lich dual stu­diert wer­den kann, oder es gibt legal­de­fi­ni­to­ri­sche Ansät­ze ohne wei- ter­füh­ren­de insti­tu­tio­nel­le Rege­lun­gen. Dies wird der prak­ti­schen Bedeu­tung des dua­len Stu­di­ums sowie des Koope­ra­ti­ons­be­darfs von Hoch­schu­len und Wirt­schaft nicht gerecht. Denn die­ses Defi­zit kann auch nicht mit Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men zwi­schen Hoch­schu­len und exter­nen Aus­bil­dungs­stät­ten beho­ben wer­den: Die Hoch­schu­len kön­nen nicht über ihre Ent­schei­dungs­zu- stän­dig­kei­ten in Hoch­schul­an­ge­le­gen­hei­ten durch Ver- trä­ge dis­po­nie­ren, da öffent­lich-recht­li­che Auf­ga­ben­zu- wei­sun­gen nicht nur ein Recht, son­dern zugleich eine Pflicht begründen.33 Um also die Ver­ant­wor­tung für die Cur­ri­cu­la, Prü­fungs­ord­nun­gen u.ä. gemein­sam im Sinn des Dua­li­täts­prin­zips wahr­neh­men zu kön­nen, benö­ti- gen dual arbei­ten­de Hoch­schul­ein­rich­tun­gen eine gesetz­li­che Grundlage.

Die­se erfor­der­li­che Rechts­grund­la­ge könn­te durch eine „Dua­li­täts­klau­sel“ im all­ge­mei­nen Hoch­schul­ge­setz des jewei­li­gen Lan­des geschaf­fen wer­den. Ähn­lich einer Expe­ri­men­tier­klau­sel wird dadurch ohne zu detail­lier­te Vor­ga­ben ein recht­li­cher Rah­men geschaf­fen, in dem au- ßer­halb des „Regel­be­triebs“ beson­de­re Arbeits­for­men rechts­si­cher prak­ti­ziert wer­den kön­nen. Im Mit­tel­punkt steht dabei die Belei­hung der pri­va­ten und öffent­li­chen Aus­bil­dungs­stät­ten mit den Mit­wir­kungs­rech­ten in ho- heit­lich-hoch­schul­be­zo­ge­nen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen einer­seits und die grund­sätz­li­che Rege­lung des Dua­li- täts­prin­zips ins­be­son­de­re durch Pari­täts­vor­ga­ben im in- sti­tu­tio­nel­len Bereich ande­rer­seits. Auf die­ser Basis wäre fol­gen­de For­mu­lie­rung für eine sol­che „Dua­li­täts­klau- sel“ denkbar:

„(1) Eine Hoch­schu­le kann dua­le Stu­di­en­gän­ge anbie- ten, in denen das Stu­di­um an der Hoch­schu­le sowie am Stu­di­um betei­lig­ten Aus­bil­dungs­stät­ten absol­viert wird. (2) Als Trä­ger die­ser Stu­di­en­gän­ge errich­tet die Hoch- schu­le ein Dua­les Zen­trum, dem die Aus­bil­dungs­stät­ten als Mit­glie­der ange­hö­ren. Orga­ne des Dua­len Zen­trums sind die Dua­le Kom­mis­si­on und der Zentrumsvorstand.

schafts­se­na­tor amtier­te; zur His­to­rie der Ber­li­ner Berufs­aka­de­mie sie­he auch <http://www.hwr-berlin.de/nc/fachbereich-duales- stu­di­um­/­neu­ig­kei­ten/ein­zel­an­sich­t/ar­ti­cle/­dua­les-stu­di­um- erfolgs­mo­dell-mit-zukunft‑1//­back­to/6432/> (1.2.2014).

33 Lad­ner, Ört­li­che und sach­li­che Zustän­dig­keit der Behör­de, LKV 1991, S 200.

Haug · Über­tra­gung dua­ler Koope­ra­ti­ons­struk­tu­ren 7 3

Wei­te­re Gre­mi­en kön­nen mit bera­ten­den Funk­tio­nen ein­ge­rich­tet wer­den.
(3) Die Dua­le Kom­mis­si­on besteht min­des­tens aus den Mit­glie­dern des Zen­trums­vor­stands, Ver­tre­tern der Stu- die­ren­den und gleich vie­len Ver­tre­tern des haupt­be­ruf- lichen Lehr­per­so­nals und der Aus­bil­dungs­stät­ten. Sie beschließt in allen Ange­le­gen­hei­ten des Dua­len Zent- rums von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung, ins­be­son­de­re über

1. die Pla­nung und Ent­wick­lung des Dua­len Zen­trums,
2. die Vor­schlä­ge zur Ein­rich­tung, Ände­rung und Auf­he- bung von dua­len Stu­di­en­gän­gen,
3. die Aus­bil­dungs- und Prü­fungs­vor­schrif­ten,
4. die Grund­sät­ze für die Aus­ge­stal­tung des Ver­trags­ver- hält­nis­ses zwi­schen Stu­die­ren­den und den Aus­bil- dungs­stät­ten,
5. die Grund­sät­ze für die Eig­nung und Zulas­sung der Aus­bil­dungs­stät­ten sowie die Durch­füh­rung und Über- wachung die­ser Grund­sät­ze,
6. die Abstim­mung der Stu­di­en­ka­pa­zi­tä­ten zwi­schen der Hoch­schu­le und den Aus­bil­dungs­stät­ten und
7. die Grund­sät­ze für die Zusam­men­ar­beit des Dua­len Zen­trums mit den Aus­bil­dungs­stät­ten sowie über die Koor­di­nie­rung der Aus­bil­dung.
Bei Ent­schei­dun­gen, die die Leh­re mit Aus­nah­me der Bewer­tung der Leh­re betref­fen, müs­sen die Hoch­schul- leh­rer min­des­tens über die Hälf­te der Stim­men ver­fü- gen.
(4) Der Zen­trums­vor­stand besteht aus haupt­be­ruf­li­chen Hoch­schul­leh­rern und Ver­tre­tern der Aus­bil­dungs­stät- ten. Sei­ne Auf­ga­ben ent­spre­chen denen des Fakul­täts- vor­stands. Für die Wahl gel­ten die für Fakul­täts­vor­stän- de gel­ten­den Regeln, wobei die Dua­le Kom­mis­si­on die Rech­te des Fakul­täts­rats wahr­nimmt.
(5) Zu einem Stu­di­um im Dua­len Zen­trum kann zuge­las- sen wer­den, wer über die dafür erfor­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti- on sowie einen Aus­bil­dungs­ver­trag mit einer zuge­las­se- nen Aus­bil­dungs­stät­te ver­fügt, der den Grund­sät­zen gemäß Absatz 3 Satz 2 Nr. 3 ent­spricht.
(6) Hoch­schul­leh­rer und Aus­bil­dungs­stät­ten kön­nen bei For­schungs­vor­ha­ben, die den Mög­lich­kei­ten und Be- dürf­nis­sen der Pra­xis­part­ner beson­ders ent­spre­chen, zusam­men­wir­ken (koope­ra­ti­ve For­schung).
(7) Das Nähe­re regelt die Hoch­schu­le in der Errich­tungs- satzung.“

V. Zusam­men­fas­sung

Das dua­le Aus­bil­dungs­prin­zip erfreut sich auch im ter­ti- ären Bil­dungs­be­reich stän­dig stei­gen­der Beliebt­heit und Nach­fra­ge. Eine Rei­he von Län­dern hat daher geson­der- te Bil­dungs­ein­rich­tun­gen (Dua­le Hoch­schu­le oder Berufs­aka­de­mien) geschaf­fen und mit hoch­schul­recht­li- chen Son­der­be­stim­mun­gen aus­ge­stal­tet. Aber auch nicht-dua­le Hoch­schu­len bie­ten bun­des­weit zahl­rei­che dua­le Stu­di­en­an­ge­bo­te an, ohne dass dies hoch­schul- recht­lich hin­rei­chend unter­legt wäre. Vie­le Län­der haben dazu gar kei­ne Rege­lun­gen getrof­fen, ande­re haben das dua­le Stu­di­um ledig­lich legal­de­fi­ni­to­risch in ihren Hoch­schul­ge­set­zen erwähnt. In kei­nem die­ser Fäl- le ist das umfas­sen­de Dua­li­täts­prin­zip gesetz­lich ver­an- kert, ins­be­son­de­re auch nicht die Mög­lich­keit insti­tu­tio- nell-orga­ni­sa­to­ri­scher Dua­li­tät. Dadurch ist die inhalt­li- che und orga­ni­sa­to­ri­sche Aus­ge­stal­tung dua­ler Stu­di­en­an­ge­bo­te auf das Instru­ment von Koope­ra­ti­ons- abkom­men ange­wie­sen. Da auf die­sem Weg die gesetz­li- chen Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen nicht modi­fi­ziert wer- den kön­nen, besteht jedoch kei­ne Mög­lich­keit zu dua­len Ent­schei­dungs­struk­tu­ren und zu einer part­ner­schaft­li- chen Ver­ant­wor­tungs­trä­ger­schaft für ein gemein­sa­mes Stu­di­en­an­ge­bot. Um dies aber zu ermög­li­chen, wird hier eine Dua­li­täts­klau­sel (IV.) vor­ge­schla­gen, die in das all- gemei­ne Lan­des­hoch­schul­recht auf­ge­nom­men wer­den könn­te und nicht-dua­len Hoch­schu­len nicht nur dua­le Stu­di­en­an­ge­bo­te erlau­ben wür­de, son­dern auch eine dua­le Ver­ant­wor­tungs­tei­lung zwi­schen aka­de­mi­scher Sei­te und den Aus­bil­dungs­stät­ten. Wäh­rend sich die aka­de­mi­sche Sei­te bei blo­ßen Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men der Aus­bil­dungs­stät­ten nur bedient, kön­nen bei Gel­tung einer sol­chen Dua­li­täts­klau­sel bei­de Aus­bil­dungs­part­ner auf Augen­hö­he und gemein­sam agieren.

Der Autor ist als Minis­te­ri­al­rat im Hoch­schul­dienst und Hono­rar­pro­fes­sor tätig. Er lei­tet die Abtei­lung für Rechts­wis­sen­schaft im Insti­tut für Volks­wirt­schafts­leh- re und Recht der Uni­ver­si­tät Stutt­gart. Sei­ne Arbeits- schwer­punk­te lie­gen im Partizipations‑, Hoch­schul- und Verfassungsrecht.

74 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 67–74