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Viel­fach besteht in Beru­fungs­aus­schüs­sen (Syn­onym: ‑kom­mis­sio­nen) beim Umgang mit befan­ge­nen Mit­glie­dern regel­mä­ßig zu Beginn der ers­ten Sit­zung gro­ße Unsi­cher­heit. Die Fest­stel­lung der Befan­gen­heit zieht zahl­rei­che Fol­ge­fra­gen nach sich: Muss das als befan­gen gel­ten­de Mit­glied die Sit­zung ver­las­sen? Wenn ja, für immer oder nur für die Dau­er der lau­fen­den Sit­zung? Oder betrifft der Aus­schluss womög­lich nur die Bera­tun­gen hin­sicht­lich des die Befan­gen­heit aus­lö­sen­den Bewer­bers bzw. der die Befan­gen­heit aus­lö­sen­den Bewerberin?1 Pro­ble­ma­tisch erweist sich inso­weit der mit einem Aus­schluss ein­her­ge­hen­de Ver­lust an Fach­kom­pe­tenz für die aus­ge­schrie­be­nen Gebie­te, v.a. in Mehr­fä­cher-Fakul­tä­ten. Fer­ner birgt ein Aus­schluss der als befan­gen gel­ten­den Mit­glie­der die Gefahr des Ver­lus­tes der Beschluss­fä­hig­keit bzw. der dop­pel­ten Pro­fes­so­ren­mehr­heit. Damit ver­bun­den sind Akti­vi­tä­ten zur per­so­nel­len (Nach-) Beset­zung, die regel­mä­ßig das Beru­fungs­ver­fah­ren ver­län­gern. Im fol­gen­den Bei­trag soll es nur um die­se Fra­gen gehen, das Vor­lie­gen der Befan­gen­heit eines Mit­glieds des Beru­fungs­aus­schus­ses wird unter­stellt.
I. Bis­he­ri­ger prak­ti­scher Umgang aus­weis­lich sog. Hand­rei­chun­gen
Nach der „Hand­rei­chung zum Beru­fungs­ver­fah­ren“ der LMU Mün­chen (und vie­len ande­ren Hoch­schu­len) sol­len als befan­gen gel­ten­de Mit­glie­der des Beru­fungs­aus­schus­ses von der Mit­wir­kung bei der wei­te­ren Bera­tung und Beschluss­fas­sung aus­ge­schlos­sen sein.2 Dabei sei es nicht aus­rei­chend, wenn das befan­ge­ne Mit­glied nur im Hin­blick auf die Bewer­ber, die den Anlass der Befan­gen­heit gege­ben haben, nicht mit­wirkt oder den Sit­zungs­raum verlässt.3 Viel­mehr sei erst nach Weg­fall des Befan­gen­heits­grun­des, d.h. erst dann, wenn der betrof­fe­ne Bewer­ber aus­ge­schie­den ist, eine Mit­wir­kung wie­der mög­lich. Der Umgang mit als befan­gen gel­ten­den Mit­glie­dern eines Beru­fungs­aus­schus­ses wird an deut­schen Uni­ver­si­tä­ten aller­dings unter­schied­lich gehand­habt. So wird an der Phil­ipps Uni­ver­si­tät Mar­burg das befan­ge­ne Mit­glied gebe­ten, den Raum zu ver­las­sen. Es kann aber nach der ers­ten Aus­wahl­ent­schei­dung, sofern kei­ne Befan­gen­heit mehr bestehen soll­te, im Beru­fungs­aus­schuss verbleiben.4 Auch an der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg muss das als befan­gen gel­ten­de Mit­glied den Sit­zungs­raum verlassen.5 An der Leib­niz Uni­ver­si­tät Han­no­ver dür­fen die betrof­fe­nen Mit­glie­der des Beru­fungs­aus­schus­ses hin­ge­gen auch wäh­rend der Vor­auswahl noch mit­wir­ken, sie dür­fen sich dabei ledig­lich nicht zu den Bewer­bern äußern, die Anlass zur Besorg­nis der Befan­gen­heit gege­ben haben.6 An der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr Mün­chen ist eine Mit­wir­kung bei der Vor­auswahl der Bewer­ber zuläs­sig, solan­ge sich das als befan­gen gel­ten­de Mit­glied nicht zu den Bewer­bern äußert, denen gegen­über Befan­gen­heit besteht. Spä­tes­tens bei Ver­blei­ben des Bewer­bers im enge­ren Aus­wahl­ver­fah­ren ist das als befan­gen gel­ten­de Mit­glied auszutauschen.7 Gleich­sam auf einem Mit­tel­weg regelt die Beru­fungs­ord­nung der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum, dass
Mar­tin Burgi/Lisa Hagen
Unpar­tei­lich­keit ver­sus Fach­kom­pe­tenz: Zum
Umgang mit befan­ge­nen Mit­glie­dern in
Beru­fungs­aus­schüs­sen
1 In die­ser Aus­ar­bei­tung wird im Sin­ne einer sprach­li­chen Ver­ein­fa­chung das gene­ri­sche Mas­ku­li­num ver­wen­det. Weib­li­che und ander­wei­ti­ge Geschlech­ter­iden­ti­tä­ten wer­den dabei aus­drück­lich mit­ge­meint, soweit es für die Aus­sa­ge erfor­der­lich ist.
2 Sie­he 2. c) Befan­gen­heit in der Hand­rei­chung zum Beru­fungs­ver­fah­ren, abruf­bar unter https://www.serviceportal.verwaltung.uni-muenchen.de/services/personal/berufungen/berufungsverfahren/index.html (zuletzt auf­ge­ru­fen am 20.10.2020).
3 Sie­he Merk­blatt – Hin­wei­se zum Pro­to­koll für Beru­fungs­ver­fah­ren, abruf­bar unter https://www.serviceportal.verwaltung.uni-muenchen.de/services/personal/berufungen/berufungsverfahren/01_berufungsverfahren/merkblatt-hinweise-protokoll.pdf (zuletzt abge­ru­fen am 20.10.2020).
4 Sie­he Befan­gen­heits­re­geln Uni­ver­si­tät Mar­burg, S. 2, abruf­bar unter: https://www.uni-marburg.de/de/universitaet/administration/recht/satzung/befangenheitsregeln-01062014.pdf (zuletzt abge­ru­fen am 20.10.2020).
5 Sie­he Beru­fungs­ver­fah­ren an der Albert-Ludwigs-Universität Frei­burg – Leit­fa­den, S. 9, abruf­bar unter: https://www.zuv.uni-freiburg.de/formulare/berufungsleitfaden.pdf (zuletzt abge­ru­fen am 20.10.2020).
6 Vgl. Hand­rei­chung von Senat und Prä­si­di­um zu Fra­gen der Befan­gen­heit in Beru­fungs­ver­fah­ren Uni Han­no­ver, S. 2, abruf­bar unter: https://www.uni-hannover.de/fileadmin/luh/content/dezernat2/handreichung_umgang_mit__befangenheit.pdf (zuletzt abge­ru­fen am 20.10.2020).
7 Vgl. Leit­fa­den zur Befan­gen­heit in Beru­fungs­ver­fah­ren der Bun­des­wehr Uni­ver­si­tät Mün­chen, S. 4, abruf­bar unter: https://www.unibw.de/universitaet/berufung (zuletzt abge­ru­fen am 20.10.2020).
Ord­nung der Wis­sen­schaft 2021, ISSN 2197–9197
2 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 1 — 6
8 Vgl. Beru­fungs­ord­nung der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum, S. 4 f.,
abruf­bar unter https://www.ruhr-uni-bochum.de/berufungsportal/
berufungsverfahren/Berufungsordnung%202015.pdf (zuletzt
abge­ru­fen am 20.10.2020).
9 Über­sicht­lich hier­zu Wernsmann/Gatza, DÖV 2017, 609 (610 ff.).
10 Sie­he dazu die Auf­lis­tung bei Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht
Bay­ern, 18. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 18 Rn. 2.
11 So Lind­ner, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on,
Stand 01.08.2020, Art. 41 BayHSchG Rn. 6.4; Wernsmann/Gatza,
DÖV 2017, 609 (611 f.).
12 So Wernsmann/Bering, WissR 2019, 276 (282) mit Ver­weis auf §
61 Abs. 2 S. 1 Grund­ord­nung der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät
Mün­chen und § 75 Abs. 1 S. 1 Grund­ord­nung der Uni­ver­si­tät
Regens­burg.
13 Zu den Ein­zel­hei­ten sie­he Wernsmann/Gatza, DÖV 2017, 609
(610 f.). Bei den Hoch­schu­len des Bun­des gilt im Übri­gen
das VwVfG des Bun­des. In Bay­ern lässt sich auch aus Art. 104
BayHSchG auf die Anwend­bar­keit der Art. 20, 21 BayV­wVfG
schlie­ßen, vgl. dazu Lind­ner, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bayern,

  1. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 41 BayHSchG, Rn 25.
    14 Sie­he Schmitz, in: Stelkens/Bonk/Sachs, VwVfG, 9. Aufl. 2018,
    § 20 Rn. 18; Geis, OdW 2020, 23; für das BayV­wVfG sie­he Jabu­rek,
    in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020,
    Art. 18 BayHSchPG, Rn. 24a; so wohl auch BayVGH, B.v. 03.
    Juli 2018 – 7 CE 17.2430 -, juris Rn. 45; VG Ans­bach, B.v. 16.
    August 2016 – AN 2 E 16.00307 –, juris Rn. 41; a.A. Wernsmann/
    Gatza, DÖV 2017, 609 (610 f.), die Art. 20, 21 BayV­wVfG ana­log
    anwen­den wol­len; zur Rechts­la­ge in Ber­lin Hermann/Tietze, LKV
    2015, 337 (338); bezüg­lich des VwVfG MV OVG Meck­len­burg-
    Vor­pom­mern, B.v. 21. April 2010 – 2 M 14/10 –, juris Rn. 19.
    15 Dazu Geis, OdW 2020, 23 (24), der auch auf die Son­der­vor­schrif­ten
    im Hoch­schul­recht ein­geht; Hermann/Tietze, LKV
    2015, 337 (341); Wernsmann/Gatza, DÖV 2017, 609 (616), die die
    ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten des BayV­wVfG ana­log anwen­den;
    VG Ans­bach, B.v. 16. August 2016 – AN 2 E 16.00307 –, juris Rn.
    41; VG Han­no­ver, B.v.19.6.2003 — 6 B 2398/03 –, juris Rn. 69.
    16 Vgl. Geis, OdW 2020, 23 (27); Hermann/Tietze, LKV 2015, 337
    (342); zum BayV­wVfG Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bayern,
  2. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 18 BayHSchPG, Rn. 24a f.;
    a.A. Wernsmann/Gatza, DÖV 2017, 609 (616), die die Vor­schrif­ten
    ana­log anwen­den.
    das als befan­gen gel­ten­de Mit­glied erst aus dem Beru­fungs­aus­schuss
    aus­zu­schlie­ßen ist, wenn sich ein Aus­schluss
    von der Bera­tung und Beschluss­fas­sung über
    ein­zel­ne Kan­di­da­tin­nen oder Kan­di­da­ten nicht als aus­rei­chend
    erweist.8
    II. Nor­ma­ti­ver Rah­men
    Die recht­li­che Grund­la­ge beim Umgang mit als befan­gen
    gel­ten­den Mit­glie­dern eines Beru­fungs­aus­schus­ses
    unter­schei­det sich je nach Bun­des­land nur unwe­sent­lich.
    9 Maß­geb­lich sind die Vor­schrif­ten des jewei­li­gen
    Lan­des­ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes sowie die Hoch­schul­ge­set­ze
    der Län­der. Dane­ben kön­nen die Hoch­schu­len
    im Rah­men ihrer Sat­zungs­be­fug­nis Rege­lun­gen
    für das Beru­fungs­ver­fah­ren tref­fen. Kei­ne Außen­wir­kung
    ent­fal­ten die zu I. erwähn­ten Hand­rei­chun­gen, sie
    sind dem Cha­rak­ter nach uni­ver­si­täts­in­ter­ne Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten.
    In Bay­ern ist das Beru­fungs­ver­fah­ren (noch) in einem
    eige­nen Hoch­schul­per­so­nal­ge­setz (Art. 18 BaySchPG)
    gere­gelt. In den ande­ren Bun­des­län­dern wer­den Vor­ga­ben
    für das Beru­fungs­ver­fah­ren in den jewei­li­gen Lan­des­hoch­schul­ge­set­zen
    gere­gelt, etwa in § 48 BWLHG, §
    37 NRWHG, § 50 RhPf­Hoch­SchG oder § 101 BerlHG.10
    Rege­lun­gen zur Befan­gen­heit feh­len in den ohne­hin
    meist kon­kre­ti­sie­rungs­be­dürf­ti­gen Hoch­schul­ge­set­zen
    jedoch weit­ge­hend. In Bay­ern bei­spiels­wei­se regelt ledig­lich
    Art. 41 Abs. 2 S. 1 BayHSchG für Mit­glie­der von Gre­mi­en
    die Anwend­bar­keit der Art. 20, 21 BayV­wVfG für
    Bera­tun­gen und Abstim­mun­gen, die nicht in einem Ver­wal­tungs­ver­fah­ren
    erfol­gen. Jedoch wird über­wie­gend
    ange­nom­men, der Beru­fungs­aus­schuss sei schon kein
    Gre­mi­um i.d.S.11 Dane­ben gibt Art. 18 Abs. 4 S. 13 BayHSchPG
    Hoch­schu­len die Mög­lich­keit, für die Auf­stel­lung
    des Beru­fungs­vor­schlags eige­ne Rege­lun­gen durch die
    jewei­li­ge Grund­ord­nung zu schaf­fen, wovon sei­tens der
    Hoch­schu­len nur zurück­hal­tend Gebrauch gemacht
    wurde.12
    Ergän­zend und sub­si­di­är gel­ten dar­über hin­aus jedoch
    grund­sätz­lich die Rege­lun­gen des jewei­li­gen
    Lan­des­ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes, ins­be­son­de­re
    §§ 20 und 21, da staat­li­che Hoch­schu­len zugleich Behör­den
    im Sin­ne des § 1 VwVfG sind.13 Bei einem Beru­fungs­ver­fah­ren
    han­delt es sich um eine Prü­fungs­ent­schei­dung
    im Sin­ne des § 2 Abs. 3 Nr. 2 VwVfG, und es ist auf den
    Erlass eines Ver­wal­tungs­ak­tes aus­ge­rich­tet, § 9 VwVfG.14
    Der Beru­fungs­aus­schuss ist fer­ner ein Aus­schuss i.S.v. § 88
    VwVfG, sodass sich ein etwai­ger Aus­schluss eines Mit­glieds
    nach § 21 Abs. 2 VwVfG i.V.m. § 20 Abs. 4 VwVfG
    richtet.15 Über den Aus­schluss ent­schei­det nach §§ 21
    Abs. 2, 20 Abs. 4 S. 2 VwVfG der Beru­fungs­aus­schuss,
    sobald er Kennt­nis über die Grün­de erlangt, wel­che die
    Besorg­nis der Befan­gen­heit rechtfertigen.16 Die fol­gen­den
    Aus­füh­run­gen ori­en­tie­ren sich bei­spiel­haft an der
    Rechts­la­ge in Bay­ern.
    III. Rele­van­te Ent­schei­dun­gen auf der Ebe­ne des
    Beru­fungs­aus­schus­ses
    Gem. Art. 18 Abs. 4 S. 1 BayHSchPG obliegt es dem Beru­fungs­aus­schuss,
    den Beru­fungs­vor­schlag vor­zu­be­rei­ten.
    Burgi/Hagen · Unpar­tei­lich­keit ver­sus Fach­kom­pe­tenz 3
    17 Dies ergibt sich nach Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bayern,
  3. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 18 BayHSchPG Rn. 44a schon
    dar­aus, dass die Wür­di­gung ver­glei­chend sein muss. Vgl. auch
    Bro­si­us-Gers­dorf, in: Drei­er, GG, 3. Aufl. 2015, Art. 33 Rn. 127, wonach
    das in Art. 33 Abs. 2 GG sta­tu­ier­te Prin­zip der Bes­ten­aus­le­se
    erfor­de­re, dass ori­en­tiert an dem aus­ge­schrie­be­nen Anfor­de­rungs­pro­fil
    der Stel­le „auf der Grund­la­ge sämt­li­cher vor­lie­gen­den
    und für die zu beset­zen­de Stel­le rele­van­ten Infor­ma­tio­nen
    ein­ge­hend die Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­che Leis­tung des
    ein­zel­nen Bewer­bers sowie der Bewer­ber im Ver­hält­nis zuein­an­der
    für die zu beset­zen­de Stel­le zu ermit­teln ist“, was eine sepa­ra­te
    Ent­schei­dung über jeden ein­zel­nen Bewer­ber impli­ziert.
    18 So etwa Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617); Geis, OdW
    2020, 23 (28); Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18.
    Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 18 BayHSchPG Rn. 24a.
    19 Sie­he Feh­ling, Ver­wal­tung zwi­schen Unpar­tei­lich­keit und Gestal­tungs­auf­ga­be,
    2001, S. 201 f. mit Fn. 26; Rit­gen, in: Knack/Henneke,
    VwVfG, 11. Aufl. 2020, § 20 Rn. 23; Heß­haus, in: Beck­OK
    VwVfG, 48. Edi­ti­on, Stand 01.07.2020, § 20 Rn. 13.
    20 Vgl. VG Düs­sel­dorf, U.v. 03. Dezem­ber 2015 – 15 K 7734/13 –, juris
    Rn. 74; Hufen/Siegel, Feh­ler im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, 5. Aufl.
    2013, S. 78 Rn. 140.
    21 Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617); so auch VG Ham­burg,
    B.v. 25. Febru­ar 2005 – 8 E 6091/04 -, juris Rn. 51 (der Beschluss
    wur­de jedoch spä­ter vom OVG Ham­burg auf­ge­ho­ben, das schon
    das Vor­lie­gen von Befan­gen­heit im Streit­fall ver­nein­te, vgl. B.v.
  4. Juli 2005 – 1 Bs 89/05 –, juris Rn. 16.
    22 Vgl. Geis, OdW 2020, 23 (28).
    23 Vgl. BVerwG, NVwZ 1984, 718 (720).
    24 So Geis, OdW 2020, 23 (28); Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht
    Bay­ern, 18. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 18 BayHSchPGRn. 24a.
    Dar­in sind gem. Art. 18 Abs. 4 S. 11 BayHSchPG die fach­li­che,
    päd­ago­gi­sche und per­sön­li­che Eig­nung der Bewer­ber
    in Rela­ti­on zum Aus­schrei­bungs­text ein­ge­hend
    „und“ ver­glei­chend zu wür­di­gen und die gewähl­te Rei­hen­fol­ge
    zu begrün­den.
    Eine sach­lich betrach­tet ers­te Ent­schei­dung betrifft
    mit­hin die Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung
    des je ein­zel­nen Bewer­bers (1). Die Bewer­ber müs­sen
    also hin­sicht­lich der zu bewer­ten­den Kri­te­ri­en zunächst
    jeweils für sich beur­teilt werden.17 In einem sach­lich
    betrach­tet zwei­ten Schritt erfolgt sodann eine ver­glei­chen­de
    Betrach­tung der nach (1) qua­li­fi­zier­ten
    Bewer­ber, die sodann im Rah­men einer Vor­auswahl ent­we­der
    in einen Lese­durch­gang ein­be­zo­gen oder direkt
    zu den Beru­fungs­vor­trä­gen ein­ge­la­den wer­den (2). In
    der Ver­fah­rens­pra­xis vie­ler Uni­ver­si­tä­ten wird zwi­schen
    den Ent­schei­dun­gen (1) und (2) frei­lich nicht expli­zit getrennt.
    Zuletzt erfolgt die Ent­schei­dung über die Erstel­lung
    der Vor­schlags­lis­te (3).
    IV. Rechts­fol­ge: Aus­schei­den aus der Sit­zung
    Regel­mä­ßig wird zu Beginn der Sit­zung des Beru­fungs­aus­schus­ses
    auf Grund­la­ge der Bewer­bun­gen geprüft, ob
    Anhalts­punk­te für eine Befan­gen­heit ein­zel­ner Aus­schuss­mit­glie­der
    vor­lie­gen. Ist dies der Fall, so ist das
    betrof­fe­ne Mit­glied des Beru­fungs­aus­schus­ses nach den
    Hand­rei­chun­gen (teil­wei­se „Richt­li­ni­en“ oder „Leit­fä­den“
    genannt) von der wei­te­ren Mit­wir­kung aus­zu­schlie­ßen.
    Frag­lich ist jedoch, auf wel­che der unter III. vor­ge­stell­ten
    Ent­schei­dungs­sta­di­en sich die­ser Aus­schluss
    erstreckt.
  5. Bei der Ent­schei­dung über die Eig­nung des je ein­zel­nen
    Bewer­bers
    In Fra­ge kommt ein Mit­wir­kungs­ver­bot des befan­ge­nen
    Mit­glieds bei der Ent­schei­dung zu (1) ins­ge­samt oder
    nur soweit, wie die Bera­tun­gen den die Befan­gen­heit
    aus­lö­sen­den Bewer­ber betref­fen, sodass eine Mit­wir­kung
    bei den Bera­tun­gen hin­sicht­lich der übri­gen
    Bewer­ber mög­lich blie­be.
    Für die erst­ge­nann­te Vari­an­te spre­chen sich ver­schie­de­ne
    Stim­men in der Lite­ra­tur aus.18 Recht­spre­chung,
    die genau die­se Kon­stel­la­ti­on im Blick hat, gibt
    es (soweit ersicht­lich) nicht. Das Mit­wir­kungs­ver­bot
    soll sach­frem­de Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen ver­hin­dern,
    wes­halb es in einem wei­ten Sin­ne auf jeg­li­che
    Form der Mit­wir­kung im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zu erstre­cken
    ist, die zumin­dest die Mög­lich­keit direk­ter
    oder indi­rek­ter Ein­fluss­nah­me auf die Ver­wal­tungs­ent­schei­dung
    bietet.19 Eine sol­che Mit­wir­kung liegt auch
    dann vor, wenn die befan­ge­ne Per­son nur bera­tend mit
    dem Ziel tätig wird, auf die Sach­ent­schei­dung ande­rer
    Ein­fluss zu nehmen.20 Eine indi­rek­te Ein­fluss­nah­me dahin­ge­hend,
    dass die übri­gen Bewer­ber schlech­ter gestellt
    wür­den, kön­ne bei einer Mit­wir­kung des als befan­gen
    gel­ten­den Mit­glieds bei den ver­blei­ben­den Bewer­bern,
    die nicht den Anlass der Befan­gen­heit gege­ben
    haben, nicht ver­hin­dert wer­den, da die
    Aus­wahl­ent­schei­dung maß­geb­lich auch auf dem wer­ten­den
    Ver­gleich der jewei­li­gen Qua­li­fi­ka­tio­nen beru­he.
    21 Allein die Prä­senz des aus­ge­schlos­se­nen Mit­glieds
    kön­ne die Dis­kus­si­on der ver­blei­ben­den Mit­glie­der im
    Beru­fungs­aus­schuss beeinflussen.22 Der „böse Schein“
    mög­li­cher Par­tei­lich­keit, den es im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren
    gera­de zu ver­mei­den gilt,23 blie­be für die übri­gen
    Bewer­ber bestehen. „Aus­schluss“ in die­sem Sin­ne dür­fe
    dem­nach nicht nur kein Stimm­recht bedeu­ten, son­dern
    müs­se dar­über hin­aus auch das Anwe­sen­heits­recht
    ausschließen.24 Dafür soll auch der Wort­laut in
    Art. 20 Abs. 4 S. 3, 4 („nicht mit­wir­ken“ bzw. „nicht zuge­gen
    sein“) spre­chen. Dem Erfor­der­nis der Fach­kom­pe­tenz
    müs­se im Wege der Nach­no­mi­nie­rung durch
    den Fakul­täts­rat aus­rei­chend Rech­nung getra­gen wer4
    O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 1 — 6
    25 So auch OVG Rhein­land-Pfalz, B.v. 28.9.2007 – 2 B 10825/07
    – juris Rn. 10; Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18.
    Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 18 BayHSchPG Rn. 24a; Geis,
    OdW 2020, 23 (28). Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617) sehen
    eine sol­che Nach­be­set­zung für Pro­fes­so­ren auf­grund des aus
    Art. 5 Abs. 3 GG fol­gen­den Grund­sat­zes, dass Hoch­schul­leh­rer
    im Beru­fungs­aus­schuss stets über die Stimm­mehr­heit ver­fü­gen
    müs­sen, als ver­pflich­tend an.
    26 OVG Rhein­land-Pfalz, B.v. 28.9.2007 – 2 B 10825/07 – juris Rn.
    10; nach Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on,
    Stand 01.08.2020, Art. 18 BayHSchPG Rn. 24a;
    Geis, OdW 2020, 23 (28).
    27 So Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617); Jabu­rek, in:
    Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020,
    Art. 18 BayHSchPG Rn. 24a; a.A. Geis, OdW 2020. 23 (28): In
    die­sem Fall sei das Ver­fah­ren als ulti­ma ratio abzu­bre­chen.
    28 So appel­liert Meh­de, ZfB 2018, 373 (375 f.), trotz der Bemü­hun­gen
    einen bösen Schein zu ver­mei­den, den für die Beset­zung des Beru­fungs­aus­schus­ses
    ent­ste­hen­den Auf­wand nicht aus den Augen
    zu ver­lie­ren.
    29 Vgl. auch Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on,
    Stand 01.08.2020, Art. 18 BayHSchPG Rn. 1;
    Geis, OdW 2020, 23 (31).
    30 Reich, DÖV 2004, 413 (415); BVerfGE 35, 79 (131).
    31 So OVG Müns­ter, B.v. 09. Febru­ar 2009 – 6 B 1744/08 –, juris Rn. 7.
    32 Vgl. Reich, BayHSchPG, 2010, Art. 18 Rn. 15; Wernsmann/Bering,
    WissR 2019, 276 (281); OVG Müns­ter, B.v. 09. Febru­ar 2009 – 6 B
    1744/08 –, juris Rn. 9.
    33 Die­ses Dilem­ma the­ma­ti­sie­ren auch Wernsmann/Gatzka, DÖV
    2017, 609 (617); Geis, OdW 2020, 23 (28); Jabu­rek, in: Beck­OK
    Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020, Art. 18
    BayHSchPG Rn. 24a; Wernsmann/Bering, WissR 2019, 276 (283)
    regen aus die­sem Grund an eine etwai­ge Befan­gen­heit nicht
    vor­schnell zu beja­hen.
    34 Vgl. Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617); Jabu­rek, in:
    Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on, Stand 01.08.2020,
    Art. 18 BayHSchPG Rn. 24a. Geis, OdW 2020, 23 (28) hin­ge­gen
    lehnt die Rück­kehr einer ein­mal aus­ge­schie­de­nen Per­son im
    glei­chen Ver­fah­ren ab.
    35 So Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617); die­se Vor­ge­hens­wei­se,
    wie sie der Leit­fa­den zur Durch­füh­rung von Beru­fungs­ver­fah­ren
    einer Ber­li­ner Hoch­schu­le vor­sieht, wird auch vom VG Ber­lin
    im Rah­men eines Kon­kur­ren­ten­rechts­streits für zuläs­sig erach­tet,
    sie­he VG Ber­lin, B.v. 15. Dez. 2017 – 5 L 315.17 –, juris Rn. 18.
    den,25 was auch nach den Pro­be­vor­trä­gen noch erfol­gen
    könne.26 Nur wenn sich in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len
    kei­ne Ersatz­mit­glie­der für den Beru­fungs­aus­schuss fin­den
    las­sen soll­ten, müss­te aus Grün­den der Prak­ti­ka­bi­li­tät
    eine fach­kom­pe­ten­te Beset­zung des Aus­schus­ses
    dadurch sicher­ge­stellt wer­den, dass das als befan­gen
    gel­ten­de Mit­glied zwar an der Bera­tung teil­neh­men
    dür­fe, ihm aber das Stimm­recht ver­sagt werde.27
    Hier zeigt sich ein ers­tes Pro­blem die­ser Sicht­wei­se,
    da im Fal­le der Befan­gen­heit meh­re­rer Mit­glie­der des
    Beru­fungs­aus­schus­ses die uni­ver­si­täts­in­ter­ne Kapa­zi­tät
    an mög­li­chen fach­kom­pe­ten­ten Mit­glie­dern rasch erschöpft
    sein kann, sodass auf Exter­ne zurück­zu­grei­fen
    wäre. Eine Nach­be­ru­fung der aus­schei­den­den Mit­glie­der
    durch exter­ne Mit­glie­der (d.h. Pro­fes­so­ren ande­rer
    Uni­ver­si­tä­ten) wäre nicht nur kos­ten- (man den­ke an zu
    erstat­ten­de Fahrt­kos­ten etc.) und zeitintensiv.28 Das Beru­fungs­ver­fah­ren
    ist viel­mehr auch das Kern­stück hoch­schu­li­scher
    Selbstverwaltung.29 Ganz in die­sem Sin­ne
    wird das von Art. 5 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­te Aus­wahl­recht
    der Hoch­schu­len für die Ämter von Hoch­schul­leh­ren­den
    als Selbst­er­gän­zungs­recht bezeichnet.30 Inwie­fern
    die Beset­zung eines Beru­fungs­aus­schus­ses mit
    über­wie­gend exter­nen Mit­glie­dern dem noch gerecht
    wer­den könn­te, ist äußerst zwei­fel­haft.
    Für die ein­gangs genann­te zwei­te Vari­an­te spricht
    auch die Erhal­tung der Fach­kom­pe­tenz des Beru­fungs­aus­schus­ses.
    Die­ser hat den Auf­trag, die im Sin­ne der
    Bes­ten­aus­le­se (sie­he auch Art. 33 Abs. 2 GG) qua­li­fi­zier­tes­te
    Per­son für die zu beset­zen­de Pro­fes­sur vor­zu­schla­gen.
    31 Dem­entspre­chend soll­te er idea­ler­wei­se auch das
    Gre­mi­um mit dem maxi­mal mög­li­chen Sach­ver­stand
    sein.32 Ein umfas­sen­des Mit­wir­kungs­ver­bot befan­ge­ner
    Aus­schuss­mit­glie­der birgt dem­ge­gen­über die Gefahr,
    dass die Per­so­nen, die die größ­te Fach­kom­pe­tenz in den
    Beru­fungs­aus­schuss brin­gen, nicht mehr mit­wir­ken
    kön­nen. Dies betrifft ins­be­son­de­re klei­ne wis­sen­schaft­li­che
    Com­mu­nities, die von einem engen wis­sen­schaft­li­chen
    Aus­tausch geprägt sind.33
    Aller­dings wird in den Beru­fungs­aus­schüs­sen oft
    nicht zwi­schen dem ers­ten (1) und zwei­ten (2) Sta­di­um
    der Ent­schei­dung, also der Bewer­tung des je Ein­zel­nen
    und der ver­glei­chen­den Betrach­tung aller Bewer­ber unter­schie­den.
    Auch die Stel­lung­nah­men aus der Lite­ra­tur,
    die sich für die ers­te­re Vor­ge­hens­wei­se aus­spre­chen, dif­fe­ren­zie­ren
    nicht durch­ge­hend zwi­schen die­sen Ent­schei­dungs­sta­di­en.
    Hier ist u.E. anzu­set­zen (sie­he V.).
  6. Bei der Ent­schei­dung über eine Vor­auswahl
    Ent­fällt der Grund der Befan­gen­heit, da der Bewer­ber,
    der den Anlass zur Befan­gen­heit gege­ben hat bereits bei
    der Ent­schei­dung zu (1) aus­schei­det, so kann nach über­wie­gen­der
    Ansicht das ursprüng­lich aus­ge­schlos­se­ne
    Mit­glied an den Sit­zun­gen des Beru­fungs­aus­schus­ses
    wie­der teil­neh­men und mitbestimmen.34 Wird der
    Bewer­ber, der den Anlass für die Befan­gen­heit gege­ben
    hat in einen Lese­durch­gang ein­be­zo­gen oder zu den Pro­be­vor­trä­gen
    ein­ge­la­den, so ist ein Mit­wir­ken des Mit­glieds
    im wei­te­ren Beru­fungs­ver­fah­ren ausgeschlossen.35
    Burgi/Hagen · Unpar­tei­lich­keit ver­sus Fach­kom­pe­tenz 5
    36 Vgl. etwa § 62 Abs. 2 Grund­ord­nung der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-
    Uni­ver­si­tät Mün­chen vom 15. Juni 2007.
    37 Vgl. Lind­ner, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on,
    Stand 01.08.2020, Art. 41 BayHSchG Rn. 2.
    38 Abruf­bar unter https://www.serviceportal.verwaltung.unimuenchen.
    de/services/personal/berufungen/berufungsverfahren/
    index.html (zuletzt auf­ge­ru­fen am 20.10.2020).
    39 So Jabu­rek, in: Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 18. Edi­ti­on, Stand
    01.08.2020, Art. 18 BayHSchPG Rn. 24; dazu VG Ans­bach, B.v.
    25.08.2015 – AN 2 E 15.00143 –, juris Rn. 33: „Eine lücken­lo­se
    Anwe­sen­heit sämt­li­cher Aus­schuss­mit­glie­der wäh­rend aller
    Ver­fah­rens­schrit­te kann des­halb nicht ver­langt wer­den. Die
    Hand­lungs- und Ent­schei­dungs­fä­hig­keit des Aus­schus­ses wäre
    andern­falls ernst­haft in Fra­ge gestellt“.
  7. Bei der Ent­schei­dung über die Vor­schlags­lis­te
    Nach den Pro­be­vor­trä­gen und nach­dem wie übli­cher­wei­se
    vor­ge­se­hen exter­ne ver­glei­chen­de Gut­ach­ten über
    die Vor­zu­schla­gen­den ein­ge­holt wurden36, erstellt der
    Beru­fungs­aus­schuss gem. Art. 18 Abs. 4 S. 5 BayHSchPG
    eine Vor­schlags­lis­te. In die­sem Sta­di­um ist das befan­ge­ne
    Mit­glied bereits aus dem Beru­fungs­aus­schuss aus­ge­schie­den
    (s.o.).
    V. Vor­schlag einer (soweit nicht schon erfolg­ten)
    Modi­fi­zie­rung der Hand­rei­chun­gen
    Auf­bau­end auf den inso­weit gewon­ne­nen Erkennt­nis­sen
    emp­fiehlt es sich, für die Fas­sung uni­ver­si­täts­in­ter­ner
    Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten bezüg­lich des Umgangs mit als
    befan­gen gel­ten­den Mit­glie­dern fol­gen­de Gesichts­punk­te
    zu berück­sich­ti­gen: Die ers­te Sit­zung eines Beru­fungs­aus­schus­ses
    soll­te in zwei Durch­gän­ge geglie­dert wer­den.
    Ein ers­ter Durch­gang soll­te die Eig­nung i.w.S. für
    die je ein­zel­ne sich bewer­ben­de Per­son zum Gegen­stand
    haben, unab­hän­gig von einem wer­ten­den Ver­gleich mit
    den ande­ren Bewer­ben­den. Wur­de auf die­se Wei­se über
    alle Bewer­ben­de ein­zeln bera­ten, so kann nach einer
    zeit­li­chen Zäsur ein wer­ten­der Ver­gleich unter den
    Bewer­ben­den statt­fin­den, die die Min­dest­an­for­de­run­gen
    für die zu beset­zen­de Stel­le erfül­len. Durch ein sol­ches
    Vor­ge­hen kann zwi­schen der Bewer­tung und Bera­tung
    hin­sicht­lich der je ein­zel­nen sich bewer­ben­den Per­son
    und dem wer­ten­den Ver­gleich unter­schie­den
    wer­den, sodass ein Mit­wir­kungs­ver­bot des als befan­gen
    gel­ten­den Aus­schuss­mit­glieds auf die Zeit der Bera­tung
    über die die Befan­gen­heit aus­lö­sen­de Per­son begrenzt
    wer­den kann. Soll­te es die die Befan­gen­heit aus­lö­sen­de
    Per­son bis zum wer­ten­den Ver­gleich schaf­fen, muss das
    als befan­gen gel­ten­de Mit­glied dann aus­schei­den.
    VI. Aus­wir­kun­gen auf Beschluss­fä­hig­keit und
    Zusam­men­set­zung
  8. Beschluss­fä­hig­keit des Beru­fungs­aus­schus­ses ab Aus­schei­den
    des Mit­glieds
    Das baye­ri­sche Hoch­schul­recht trifft selbst kei­ne Rege­lung
    zur Beschluss­fä­hig­keit des Beru­fungs­aus­schus­ses.
    Der Gesetz­ge­ber der Hoch­schul­re­form 2006 hat die
    nähe­re Aus­ge­stal­tung der Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen weit­ge­hend
    den Hoch­schu­len selbst überlassen.37 Art. 18 Abs. 4
    BayHSchPG regelt dem­ge­gen­über orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­ga­ben
    zur Zusam­men­set­zung des Beru­fungs­aus­schus­ses.
    Die Aus­wir­kun­gen des Aus­schei­dens eines Mit­glieds
    aus dem Beru­fungs­aus­schuss wer­den daher bei­spiel­haft
    anhand der Grund­ord­nung der LMU behan­delt.
    Gem. 2. a) der Hand­rei­chung der LMU38 bzw.
    § 69 Abs. 4 S. 1 Grund­ord­nung LMU ist der Beru­fungs­aus­schuss
    beschluss­fä­hig, wenn sämt­li­che Mit­glie­der
    ord­nungs­ge­mäß gela­den sind und die Mehr­heit der Mit­glie­der
    anwe­send und stimm­be­rech­tigt ist. Frag­lich ist,
    ob die Sit­zung wei­ter­ge­führt wer­den darf, wenn infol­ge
    des Aus­schei­dens meh­re­rer Mit­glie­der wegen Befan­gen­heit
    nicht mehr die Mehr­heit der Mit­glie­der anwe­send
    und stimm­be­rech­tigt ist. Gem. § 69 Abs. 5 S. 1 1. HS
    Grund­ord­nung LMU ist ein Gre­mi­um, wenn es zum
    zwei­ten Mal zur Ver­hand­lung über den­sel­ben Gegen­stand
    zusam­men­ge­ru­fen wird, weil es das ers­te Mal beschluss­un­fä­hig
    war, ohne Rück­sicht auf die Zahl der anwe­sen­den
    Stimm­be­rech­tig­ten beschluss­fä­hig. Eine Aus­sa­ge
    über die Aus­wir­kun­gen einer even­tu­el­len Befan­gen­heit
    eines Aus­schuss­mit­glieds auf die Beschluss­fä­hig­keit
    des Aus­schus­ses beim erst­ma­li­gen Zusam­men­kom­men
    trifft die­se Rege­lung mit­hin nicht. Beschluss­fä­hig ist der
    Beru­fungs­aus­schuss dem­nach, wenn zu Beginn der Sit­zung
    die Vor­aus­set­zun­gen des § 69 Abs. 4 S. 1 Grund­ord­nung
    LMU vor­lie­gen. Die Befan­gen­heit eines Mit­glieds
    im wei­te­ren Ver­lauf der Sit­zung hat dar­auf zunächst kei­ne
    Aus­wir­kung, da die als befan­gen gel­ten­de Per­son
    einst­wei­len Mit­glied des Beru­fungs­aus­schus­ses bleibt
    und im Fal­le des Aus­schei­dens des die Befan­gen­heit aus­lö­sen­den
    Bewer­bers wie­der bei der Ent­schei­dungs­fin­dung
    mit­wir­ken könn­te.
    Auch Art. 18 Abs. 4 BayHSchPG ver­langt nicht, dass
    die Mit­glie­der des Beru­fungs­aus­schus­ses durch­ge­hend
    anwe­send sind,39 sodass die Abwe­sen­heit eines Mit­glieds
    wäh­rend der Bera­tung über den die Befan­gen­heit
    aus­lö­sen­den Bewer­ber für die Beschluss­fä­hig­keit fol­gen­los
    bleibt. Zu emp­feh­len ist den­noch, von vorn­her­ein
    eine grö­ße­re Zahl von Mit­glie­dern sowie Ersatz­mit­glie­dern
    zu ent­sen­den. Fer­ner kann die Beschluss­fä­hig­keit
    im Fal­le des end­gül­ti­gen Aus­schei­dens eines als be6
    O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 1 — 6
    40 Dazu Fn. 22.
    41 Sie­he auch Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617); Geis, OdW
    2020, 23 (28).
    42 Vgl. Reich, BayHSchPG, 2010, Art. 18 Rn. 16 mit Ver­weis auf
    BVerfGE 51, 369 (381).
    43 So Wernsmann/Gatzka, DÖV 2017, 609 (617).
    44 So Reich, BayHSchPG, 2010, Art. 18 Rn. 16.
    45 BVerfG, NJW 1973, 1176 (1181).
    fan­gen gel­ten­den Mit­glieds durch die Nach­be­set­zung
    des Sit­zes im Aus­schuss wie­der­her­ge­stellt werden.40
    Gem. Art. 18 Abs. 4 S. 1 BayHSchPG bil­det der Fakul­täts­rat
    im Ein­ver­neh­men mit der Hoch­schul­lei­tung einen Beru­fungs­aus­schuss,
    sodass jener auch für die Nach­no­mi­nie­rung
    eines Mit­glieds des Aus­schus­ses zustän­dig ist.41
  9. Die Pro­fes­so­ren­mehr­heit im Beru­fungs­aus­schuss
    nach Aus­schei­den des Mit­glieds
    Gem. Art. 18 Abs. 4 S. 2 BayHSchPG wird für die Ent­schei­dung
    über die Vor­schlags­lis­te neben der Mehr­heit
    der dem Gre­mi­um ange­hö­ren­den Mit­glie­dern auch die
    Mehr­heit der dem Gre­mi­um ange­hö­ren­den Pro­fes­so­ren
    gefor­dert. Die­se Mehr­heit der Stim­men der Pro­fes­so­ren
    sichert deren aus­schlag­ge­ben­den Einfluss.42 Schei­den
    meh­re­re Mit­glie­der auf­grund von Befan­gen­heit aus dem
    Beru­fungs­aus­schuss aus, kann die Zahl der Per­so­nen,
    die eine Pro­fes­sur inne­ha­ben, unter die von
    Art. 18 Abs. 4 S. 2 Hs. 1 BayHSchPG gefor­der­te Mehr­heit
    sin­ken. Denk­bar wäre es, die Nach­be­set­zung der betrof­fe­nen
    Mit­glie­der in die­sem Fall schon wegen Art. 5 Abs. 3 GG,
    dem der Grund­satz zu ent­neh­men sei, dass Hoch­schul­leh­rer
    im Beru­fungs­aus­schuss stets über die Stimm­mehr­heit
    ver­fü­gen müss­ten und die vor­ge­se­he­nen Ver­tei­lungs­ver­hält­nis­se
    ins­ge­samt sonst unter­lau­fen wür­den, als ver­pflich­tend
    anzusehen.43 Beschränkt sich das
    Mit­wir­kungs­ver­bot jedoch nur auf die Bera­tun­gen und
    Abstim­mun­gen über die die Befan­gen­heit aus­lö­sen­den
    Per­so­nen, wird die Pro­fes­so­ren­mehr­heit dadurch nicht in
    Fra­ge gestellt, da sich Art. 18 Abs. 4 S. 2 Hs. 1 BayHSchPG
    als eine orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Vor­ga­be auf die Mit­glied­schaft,
    nicht auf die durch­ge­hen­de Mit­an­we­sen­heit
    bezieht.44
    VII. Fazit
    Das Beru­fungs­ver­fah­ren der Hoch­schul­leh­rer als den
    eigent­li­chen „Träger(n) der frei­en For­schung und Leh­re
    inner­halb der Universität“45 ist für die Zukunft der Uni­ver­si­tä­ten
    von maß­geb­li­cher Bedeu­tung. Dem­entspre­chend
    kom­plex gestal­tet sich die Zusam­men­set­zung des
    Beru­fungs­aus­schus­ses sowie der Ablauf des Beru­fungs­ver­fah­rens,
    des­sen Ziel es ist, den nach dem Prin­zip der
    Bes­ten­aus­le­se geeig­nets­ten Bewer­ber aus­fin­dig zu
    machen. Regeln zum Umgang mit als befan­gen gel­ten­den
    Mit­glie­dern des Beru­fungs­aus­schus­ses sol­len dabei
    sicher­stel­len, dass die­se Ent­schei­dung frei von sach­frem­den
    Ein­flüs­sen erfolgt. Gleich­zei­tig ist die fach­li­che Nähe
    zu der zu beset­zen­den Pro­fes­sur und sind Erfah­run­gen
    im Bereich der damit ein­her­ge­hen­den Auf­ga­ben ele­men­ta­re
    Vor­aus­set­zung, um die Geeig­net­heit des jewei­li­gen
    Bewer­bers ein­schät­zen zu kön­nen. Eine zu stren­ge
    Hand­ha­bung der Befan­gen­heits­re­ge­lun­gen könn­te dem­nach
    die Fach­kom­pe­tenz des Beru­fungs­aus­schus­ses und
    damit letzt­end­lich die Qua­li­tät der gefun­de­nen Ent­schei­dung
    beein­träch­ti­gen. Eine Auf­tei­lung des Ver­fah­rens
    in der Wei­se, dass zwi­schen der Bewer­tung und
    Bera­tung hin­sicht­lich der je ein­zel­nen sich bewer­ben­den
    Per­son einer­seits und dem wer­ten­den Ver­gleich zwi­schen
    ihnen ande­rer­seits unter­schie­den wer­den kann,
    ermög­licht es, ein Mit­wir­kungs­ver­bot des als befan­gen
    gel­ten­den Aus­schuss­mit­glieds auf den Zeit­raum der
    Bera­tung über die die Befan­gen­heit aus­lö­sen­de Per­son
    zu begren­zen.
    Prof. Dr. Mar­tin Bur­gi ist Pro­fes­sor an der Lud­wigs-Maxi­mi­li­ans-
    Uni­ver­si­tät Mün­chen und Lei­ter des Lehr­stuhls
    für Öffent­li­ches Recht, Wirt­schafts­ver­wal­tungs­recht,
    Umwelt- und Sozi­al­recht und der For­schungs­stel­le für
    Ver­ga­be­recht und Ver­wal­tungs­ko­ope­ra­tio­nen. Lisa
    Hagen ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin an dem Lehr­stuhl
    für Öffent­li­ches Recht, Wirt­schafts­ver­wal­tungs­recht,
    Umwelt- und Sozialrecht.