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Über­sicht I. Ein­lei­tung II. Schutz 1. For­schungs­da­ten als Wer­ke 2. Leis­tungs­schutz­rech­te an For­schungs­da­ten 3. Schutz für For­schungs­da­ten in Daten­ban­ken III. Ori­gi­nä­re Rechts­in­ha­ber­schaft IV. Abglei­te­te Rech­te 1. Hoch­schul­pro­fes­so­ren 2. Nicht-wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal 3. Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter 4. Exter­ne Per­so­nen (insb. exter­ne Dok­to­ran­den) 5. Exkurs: For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen V. Gesetz­li­che Nut­zungs­er­laub­nis VI. Schluss I. Ein­lei­tung Aus wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve kann das Urhe­ber­recht para­dox erschei­nen: Es schützt nicht das Ergeb­nis, son­dern sei­ne Dar­stel­lung; nicht die Idee, nur die Form, in der sie auf­tritt; nicht hart erar­bei­te­ten Inhalt, aber spon­tan erschaf­fe­ne Krea­tio­nen. Was auf den ers­ten Blick die Wis­sen­schaft zu benach­tei­li­gen scheint, soll ihr gera­de dien­lich sein. Infor­ma­tio­nen sol­len mög­lichst frei zir­ku­lie­ren und sich ver­brei­ten. Das Mono­pol, das der zeit­lich begrenz­te urhe­ber­recht­li­che Schutz gewährt, soll nicht dazu füh­ren, dass Ideen, Metho­den oder Leh­ren der All­ge­mein­heit ent­zo­gen werden,1 denn dies wür­de den wis­sen­schaft­li­chen Kommunikationsprozess2 und den gesell­schaft­li­chen Fort­schritt gefähr­den. Über sei­nen ursprüng­li­chen Kern ist das Urhe­ber­recht aber den­noch längst hin­aus­ge­wach­sen. Die Anfor­de­run­gen an die Schöp­fungs­hö­he eines Wer­kes sind auf „die klei­ne Mün­ze“ her­ab­ge­sun­ken. Die urhe­ber­recht­li­chen Leis­tungs­schutz­rech­te gewäh­ren Schutz auch für Neben­leis­tun­gen, ohne eige­ne Krea­ti­vi­tät – wie etwa Ton­band­auf­nah­men oder ein­fa­che Licht­bil­der. Der auf euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben beru­hen­de Schutz für Daten­ban­ken belohnt sogar eine rei­ne Inves­ti­ti­ons­leis­tung. Ob die­se Ent­wick­lung wün­schens­wert ist, wird breit dis­ku­tiert. Für For­schungs­da­ten erscheint die Gewäh­rung urhe­ber­recht­li­chen (bzw. leis­tungs­schutz­recht­li­chen) Schut­zes einer­seits sinn­voll, weil ihre Erhe­bung und Sys­te­ma­ti­sie­rung mit­un­ter erheb­li­chen Auf­wand erfor­dern. Ande­rer­seits zei­gen aktu­el­le Fäl­le ein gewis­ses Miss­brauchs­po­ten­ti­al urhe­ber­recht­li­cher Aus­schließ­lich­keits­rech­te, wenn die­se zweck­fremd der Geheim­hal­tung von Infor­ma­tio­nen dienen.3 Neben die recht­li­che Kom­ple­xi­tät tritt eine tat­säch­li­che: Was For­schungs­da­ten sind, wel­ches For­mat und wel­che Funk­ti­on sie haben, wird in den Wis­sen­schafts­dis­zi­pli­nen unter­schied­lich beurteilt.4 Für die Zwe­cke die­ses Auf­sat­zes wird der Begriff der For­schungs­da­ten denk­bar weit inter­pre­tiert, um mög­lichst vie­le Kon­stel­la­tio­nen erfas­sen und urhe­ber­recht­lich ein­ord­nen zu kön­nen. For­schungs­da­ten sind dem­nach Infor­ma­ti­ons­ob­jek­te, die Gegen­stand des wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­pro­zes­ses sind. Sie kön­nen bereits zu Beginn der For­schungs­tä­tig­keit exis­tie­ren oder erst hier­bei gene­riert wer­den bzw. durch Inter­pre­ta­ti­on ent­ste­hen. In die vor­lie­gen­de Betrach­tung wer­den zudem nicht nur digi­ta­le, son­dern auch ana­lo­ge Infor­ma­ti­ons­ob­jek­te ein­be­zo­gen. Zwar ist es gera­de die Digi­ta­li­sie­rung, die neue Mög­lich­kei­ten der Pro­duk­ti­on, Spei­che­rung und Aus­wer­tung von For­schungs­da­ten ermög­licht. Den­noch sind längst nicht alle Daten ori­gi­när digi­tal und die Beur­tei­lung ihrer urhe­ber­recht­li­chen Schutz­fä­hig­keit erfolgt im Übri­gen auch wei­test­ge­hend los­ge­löst davon, ob sie ana­log oder digi­tal vor­lie­gen. Der Auf­satz beleuch­tet das Ver­hält­nis von For­schungs­da­ten und Urheberrecht5 im Hin­blick auf den Schutz der Daten (II.), die ori­gi­nä­re Rechts­in­ha­ber­schaft Lin­da Kuschel Urhe­ber­recht und For­schungs­da­ten 1 BGHZ 39, 306 = BGH 27.3.1963 – I b ZR 129/61 – NJW 1963, 1877, 1878 – Rechen­schie­ber. 2 Vgl. Feh­ling, Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­ge­stal­tung von DFGFör­der­be­din­gun­gen zur Open-Access-Publi­ka­ti­on, OdW 2014, 179, 189. 3 EuGH 29.7.2019 – Rs 469/17 – GRUR 2019, 934 – Fun­ke Medi­en; LG Köln 19.3.2019 – 14 O 86/19 – MMR 2019, 546 – Gly­pho­sat. 4 Vgl. Hart­mann, Urhe­ber­recht­li­che Schutz­fä­hig­keit von For­schungs­da­ten, in: Tae­ger (Hrsg.), Law as a Ser­vice. Recht im Inter­net- und Cloud-Zeit­al­ter, 2013, S. 505, 508; Pampel/Goebelbecker/Vierkant, re3data.org: Auf­bau eines Ver­zeich­nis­ses von For­schungs­da­ten-Repo­si­to­ri­en. Ein Werk­statt­be­richt, in: Mit­ter­mai­er (Hrsg.), Ver­netz­tes Wis­sen. Daten, Men­schen, Sys­te­me, 2012, S. 61, 62; Voß, Was sind eigent­lich Daten?, LIBREAS. Libra­ry Ide­as, 23 (2013), 4, 6, https://libreas.eu/ausgabe23/02voss/ (zuletzt auf­ge­ru­fen am 15.11.2019). 5 Dane­ben kön­nen ins­be­son­de­re Aspek­te des Daten(schutz)rechts, des Patent­rechts oder des Geheim­nis­schut­zes eine Rol­le spie­len. Ord­nung der Wis­sen­schaft 2020, ISSN 2197–9197 4 4 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2020), 43–52 6 BGHZ 112, 243 = BGH 27.9.1990 – I ZR 244/88 – GRUR 1991, 523, 525 – Gra­bungs­ma­te­ria­li­en. 7 Vgl. nur Schack, Urhe­ber- und Urhe­ber­ver­trags­recht, 9. Aufl. 2019, Rn. 180. 8 BGH 15.9.1999 – I ZR 57/97 – GRUR 2000, 144, 145 – Comic­Über­set­zun­gen II. 9 Vgl. Bul­lin­ger, in: Wandtke/Bullinger, UrhG, 5. Aufl. 2019, § 2 Rn. 27 f.; Nor­de­mann, in: Fromm/Nordemann, UrhG, 12. Aufl. 2018, § 2 Rn. 59; Schack, Urhe­ber­recht (Fn 7), Rn. 202; Loe­wen­heim, in: Schricker/Loewenheim, UrhG, 5. Aufl. 2017, § 2 Rn. 45. 10 LG Mün­chen 8.9.2011 – 7 O 8226/11 – GRUR-RR 2011, 447 – Karl Valen­tin. Vgl. auch EuGH 16.7.2009 – C‑5/08 – GRUR 2009, 1041, 1044, Rn. 47 f – Infopaq. 11 OLG Köln 8.4.2016 – 6 U 120/15 — K&R 2016, 423; LG Bie­le­feld 3.1.2017 – 4 O 144/16 — MMR 2017, 641 (in den kon­kre­ten Fäl­len man­gels Errei­chens der erfor­der­li­chen Schöp­fungs­hö­he ver­neint). Vgl. auch Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG, 6. Aufl. 2018, § 2 Rn. 83; Ludy­ga, Urhe­ber­recht­li­cher Schutz von Tweets, AfP 2017, 284. 12 Vgl. Hart­mann (Fn 4), 511; Nor­de­mann, in: Fromm/Nordemann, UrhG (Fn 9), § 2 Rn. 118; Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 2 Rn. 93. Inso­fern kri­tisch Haber­stumpf, Wem gehö­ren For­schungs­er­geb­nis­se?, ZUM 2001, 819, 821. 13 BGH 11.4.2002 – I ZR 231/99 – GRUR 2002, 958, 959 – Tech­ni­sche Lie­fer­be­din­gun­gen. 14 BGH 21.11.1980 – I ZR 106/78 – GRUR 1981, 352, 353 – Staats­examens­ar­beit. Vgl. auch Bul­lin­ger, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 2 Rn. 57; Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 2 Rn. 93. 15 BGHZ 39, 306 = BGH 27.3.1963 – I b ZR 129/61 – NJW 1963, 1877, 1878 – Rechen­schie­ber; BGH 21.11.1980 – I ZR 106/78 – GRUR 1981, 352, 353 – Staats­examens­ar­beit. Vgl. auch Bul­lin­ger, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 2 Rn. 50; Loe­wen­heim, in: Schricker/Loewenheim, UrhG (Fn 9), § 2 Rn. 117; Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 2 Rn. 93. 16 Hart­mann (Fn 4), 511. 17 BGH 10.5.1984 – I ZR 85/82 – GRUR 1985, 129, 130 – Elek­tro­den­fa­brik. (III.) und abge­lei­te­te Rech­te (IV.) sowie die Mög­lich­kei­ten einer gesetz­lich erlaub­ten Nut­zung von For­schungs­da­ten (V.). II. Schutz For­schungs­da­ten kön­nen in ganz unter­schied­li­chem Gewand auf­tre­ten. Die Beur­tei­lung ihres (urhe­ber-) recht­li­chen Schut­zes hängt stets von der kon­kre­ten Erschei­nungs­form ab.6 Im Fol­gen­den wird der Schutz für For­schungs­da­ten vom Kern des Urhe­ber­rechts, dem Schutz für Wer­ke (1.), über den Leis­tungs­schutz (2.) bis zu dem mit­tel­bar selbst Roh­da­ten erfas­sen­den Daten­bank­her­stel­ler­recht (3.) auf­ge­fä­chert. 1. For­schungs­da­ten als Wer­ke Nach § 1 UrhG genie­ßen „die Urhe­ber von Wer­ken der Lite­ra­tur, Wis­sen­schaft und Kunst“ Urhe­ber­rechts­schutz. Ent­schei­dend ist der Begriff des Werkes.7 Was ein Werk aus­macht, erklärt § 2 Abs. 2 UrhG: „Wer­ke im Sin­ne die­ses Geset­zes sind nur per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fun­gen.“ For­schungs­da­ten kön­nen zunächst dann urhe­ber­recht­lich geschützt sein, wenn es sich um vor­be­stehen­de Wer­ke han­delt. Dies kön­nen etwa lite­ra­ri­sche Tex­te oder ande­re krea­ti­ve Inhal­te, wie z.B. Musik­stü­cke, Wer­ke der bil­den­den Kunst oder foto­gra­fi­sche Wer­ke sein. Sie alle genie­ßen in der Regel urhe­ber­recht­li­chen Schutz, soweit sie nicht schon gemein­frei sind. Das Urhe­ber­recht erlischt sieb­zig Jah­re nach Tod des Urhe­bers (§ 64 UrhG) bzw. nach Tod des längst­le­ben­den Mit­ur­he­bers (§ 65 UrhG). For­schungs­da­ten, die in Text­form vor­lie­gen, kön­nen als Sprach­wer­ke (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 UrhG) geschützt sein, wenn sie eine per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung dar­stel­len. Zwar sind die Anfor­de­run­gen an die Gestal­tungs­hö­he bei Sprach­wer­ken nicht all­zu hoch,8 eine gewis­se Län­ge des Tex­tes ist aber in aller Regel erfor­der­lich. Eine fes­te Wort- oder Zei­chen­gren­ze exis­tiert dabei nicht,9 theo­re­tisch sind auch ein­zel­ne Sätze10 oder etwa „Tweets“11 schutz­fä­hig, wenn sich der Autor ganz beson­ders krea­tiv aus­drückt. Für For­schungs­da­ten in Text­form, die ein Ver­such­s­er­geb­nis beschrei­ben oder eine Beob­ach­tung doku­men­tie­ren, ist eine der­art krea­ti­ve Aus­drucks­wei­se eher unwahr­schein­lich und kaum gewollt.12 Aller­dings wer­den auch gestal­te­ri­sche Leis­tun­gen, die dar­in bestehen, einen kom­ple­xen Sach­ver­halt mög­lichst klar und prä­zi­se aus­zu­drü­cken, honoriert.13 Für wis­sen­schaft­li­che Tex­te ergibt sich hier­aus, dass sie durch­aus urhe­ber­recht­li­chen Schutz genie­ßen kön­nen – in der Regel aber nur, wenn aus­rei­chend Raum besteht, die gefun­de­nen Ergeb­nis­se in indi­vi­du­el­len Wor­ten dar­zu­stel­len und auch nur im Hin­blick auf ihre krea­ti­ve Ausdrucksform.14 Sehr knap­pe, in ers­ter Linie aus fest­ste­hen­den Begrif­fen zusam­men­ge­setz­te Tex­te, wie etwa Ana­mne­se­be­rich­te, kön­nen hier­nach eher kei­nen Schutz bean­spru­chen. Die Metho­den, Theo­rien und Ergeb­nis­se, die in dem Text aus­ge­drückt wer­den, blei­ben im Übri­gen stets urheberrechtsfrei.15 Nach § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG kön­nen auch Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher oder tech­ni­scher Art schutz­fä­hi­ge Wer­ke sein. Die im Gesetz genann­ten Bei­spie­le („Zeich­nun­gen, Plä­ne, Kar­ten, Skiz­zen, Tabel­len und plas­ti­sche Dar­stel­lun­gen“) sind Dar­stel­lun­gen, die auch im Zusam­men­hang mit For­schungs­da­ten Ver­wen­dung fin­den. Eben­so wie bei Tex­ten ist ein aus­rei­chen­des Maß an krea­ti­ver Gestal­tung erfor­der­lich, das nicht erreicht wird, wenn die Dar­stel­lung rein sche­ma­tisch und durch wis­sen­schaft­li­che Nor­men vor­ge­ge­ben ist.16 Dass der Inhalt der Dar­stel­lung tech­ni­scher Natur ist und eine mög­lichst über­sicht­li­che Prä­sen­ta­ti­on der Infor­ma­tio­nen erfol­gen soll, schließt eine Schutz­fä­hig­keit hin­ge­gen nicht aus.17 Kuschel · Urhe­ber­recht und For­schungs­da­ten 4 5 18 Vgl. BGH 7.12.1979 – I ZR 157/77 – GRUR 1980, 227, 230 f. – Monu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca. 19 So auch Feh­ling (Fn 2), OdW 2014, 179, 188; Hart­mann (Fn 4), 512; Spind­ler, KoLa­Wiss-Gut­ach­ten AP 4: Recht, 27.2.2009, S. 30 ff., abruf­bar unter http://kolawiss.uni-goettingen.de/projektergebnisse/AP4_Report.pdf (zuletzt auf­ge­ru­fen am 15.11.2019). 20 Vgl. Rie­ger, Der recht­li­che Schutz wis­sen­schaft­li­cher Daten­ban­ken, 2010, S. 101. 21 BGHZ 172, 268 = BGH 24.5.2007 – I ZR 130/04 – NJW 2008, 755, 756 – Gedicht­titel­lis­te I. 22 OLG Hamm 26.2.2008 – 4 U 157/07 – ZUM 2008, 598, 601. 23 EuGH 1.3.2012 – C‑604/10 – GRURInt 2012, 435 Rn. 42 – Foot­ball Dat­a­co u.a. Vgl. auch Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 4 Rn. 11. 24 Hier­zu unten II. 3. 25 Vgl. Nor­de­mann, in: Fromm/Nordemann, UrhG (Fn 9), § 2 Rn. 75. 26 BGH 20.9.2012 – I ZR 90/09 – GRUR 2013, 509 Rn. 25 – UniBasic–JDOS; KG 6.9.2010 – 24 U 71/10 – ZUM-RD 2011, 544, 547 – FRITZ!Box. Vgl. auch Schul­ze, in Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 2 Rn. 127. 27 Zum sui-gene­ris-Schutz für Daten­bank­her­stel­ler sie­he unten II. 3. 28 Vgl. Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 72 Rn. 3 f. 29 Vgl. Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 72 Rn. 6; Thum, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 72 Rn. 24. 30 Vgl. Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 72 Rn. 6; Thum, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 72 Rn. 24. 31 Vgl. Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 95 Rn. 6; Manegold/Czernik, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 95 Rn. 4. 32 Vgl. Schack, Urhe­ber­recht (Fn 7), Rn. 730. 33 Vgl. Thum, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 72 Rn. 22. Urhe­ber­recht­li­chen Schutz genie­ßen zudem auch Sam­mel­wer­ke und Daten­bank­wer­ke (§ 4 UrhG). Sam­mel­wer­ke sind nach § 4 Abs. 1 UrhG „Samm­lun­gen von Wer­ken, Daten oder ande­ren unab­hän­gi­gen Ele­men­ten, die auf­grund der Aus­wahl oder Anord­nung der Ele­men­te eine per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung sind […].“ Der Schutz ergibt sich also aus der beson­de­ren Aus­wahl und Anord­nung der Ele­men­te, nicht aus deren Inhalt, und bezieht sich auch allein auf die­se Aus­wahl und Anord­nung im kon­kre­ten Fall.18 Glei­ches gilt für die nach §  4  Abs. 2 UrhG geschütz­ten Daten­bank­wer­ke. Die­se sind Sam­mel­wer­ke, deren „Ele­men­te sys­te­ma­tisch oder metho­disch ange­ord­net und ein­zeln mit Hil­fe elek­tro­ni­scher Mit­tel oder auf ande­re Wei­se zugäng­lich sind“ (§ 4 Abs. 2 S. 1 UrhG). Eine Samm­lung von Roh­da­ten, etwa Mess­da­ten aus einer Ver­suchs­rei­he, wird in aller Regel den Anspruch auf Voll­stän­dig­keit haben und nicht auf einer indi­vi­du­el­len Aus­wahl­ent­schei­dung beru­hen; die Anord­nung wie­der­um anhand logi­scher Kri­te­ri­en (z.B. Zeit, Anzahl, Grö­ße) erfol­gen, denn schließ­lich soll die Dar­stel­lung der Ergeb­nis­se wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards genü­gen und mög­lichst über­sicht­lich und über­prüf­bar sein. Für eine krea­ti­ve Aus­wahl oder Anord­nung ist inso­fern wenig Raum.19 Anders kann sich das Bild z.B. in den Geis­tes- oder Kul­tur­wis­sen­schaf­ten dar­stel­len, wenn eine For­schungs­da­ten­bank etwa aus einer (auf indi­vi­du­el­len Kri­te­ri­en beruhenden20) Aus­wahl an Gedichttiteln21 oder Zeitschriftartikeln22 besteht. Der in die Daten­bank geflos­se­ne Inves­ti­ti­ons- und Arbeits­auf­wand oder die hier­für erfor­der­li­che Sach­kennt­nis kön­nen bei der Beur­tei­lung, ob eine For­schungs­da­ten­bank eine per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung dar­stellt, nicht ins Gewicht fallen.23 Sie spie­len aber beim (leis­tungs­schutz­recht­li­chen) Daten­bank­her­stel­ler­recht eine Rolle.24 Auch Com­pu­ter­pro­gram­me sind urhe­ber­recht­lich schutz­fä­hig, vor­aus­ge­setzt, sie ent­hal­ten eine per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung des Pro­gram­mie­rers und wei­sen inso­fern ein Mini­mum an Indi­vi­dua­li­tät auf.25 Ganz bana­le Pro­gramm­ge­stal­tun­gen oder bereits vor­be­stehen­de Pro­gramm­ele­men­te sind mit­hin nicht geschützt.26 In jedem Fall erstreckt sich der Schutz nur auf die Aus­drucks­form des Pro­gramms und nicht auf die ihm zugrun­de­lie­gen­den Ideen und Grund­sät­ze (vgl. § 69a Abs. 2 UrhG). 2. Leis­tungs­schutz­rech­te an For­schungs­da­ten Wäh­rend ein Urhe­ber­recht nur an per­sön­li­chen geis­ti­gen Schöp­fun­gen besteht, erstreckt sich der Leis­tungs­schutz auf bestimm­te nicht-krea­ti­ve, aber mit urhe­ber­recht­li­chen Wer­ken ver­wand­te Leis­tun­gen. Für For­schungs­da­ten spie­len ins­be­son­de­re der Licht- und Lauf­bild­schutz sowie der Schutz für Ton­trä­ger­her­stel­ler eine Rolle.27 Nach § 72 UrhG sind Licht­bil­der und „Erzeug­nis­se, die ähn­lich wie Licht­bil­der her­ge­stellt wer­den“ geschützt. Unter den Begriff des Licht­bilds fällt jede Art von Foto­gra­fie, unab­hän­gig von der kon­kre­ten Auf­nah­me­tech­nik, also auch etwa Luft­bild- und Satellitenaufnahmen.28 Ähn­li­che Erzeug­nis­se sind alle Bil­der, die mit­hil­fe von Strah­len­en­er­gie her­ge­stellt werden.29 Das sind etwa Infra­rot­auf­nah­men oder – als For­schungs­da­ten beson­ders rele­van­te – medi­zi­ni­sche Rönt­gen- oder Ultra­schall­bil­der sowie Bil­der aus Kern­spin- oder Computertomografie.30 Lauf­bil­der sind Bild­fol­gen oder Bild- und Ton­fol­gen, die nicht als Film­werk geschützt sind (§ 95 UrhG), also nicht die urhe­ber­recht­li­chen Schutz­vor­aus­set­zun­gen erfüllen.31 Dies sind typi­scher­wei­se Fil­me, die ledig­lich ein Ereig­nis oder einen Ablauf wie­der­ge­ben, ohne dass fil­mi­sche Gestal­tungs­mit­tel ein­ge­setzt werden.32 For­schungs­da­ten, die bei­spiels­wei­se einen Ver­suchs­ab­lauf, einen natür­li­chen Vor­gang oder ein Inter­view fil­misch fest­hal­ten, sind also – neben dem Licht­bild­schutz an den ein­zel­nen Film­bil­dern – als Lauf­bil­der geschützt. Anders als bei (schöp­fe­ri­schen) Licht­bild­wer­ken oder Film­wer­ken, steht eine mög­lichst ori­gi­nal­ge­treue, objek­ti­ve Wie­der­ga­be der Vor­la­ge einem Licht- oder Lauf­bild­schutz nicht entgegen.33 Für For­schungs­da­ten in Form der oben genann­ten Bil­der und Fil­me kommt daher 4 6 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2020), 43–52 34 Vgl. Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 72 Rn. 10; Thum, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 72 Rn. 23. 35 Schack, Urhe­ber­recht (Fn 7), Rn. 722; Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 72 Rn. 9. 36 BGH 20.12.2018 – I ZR 104/17 – GRUR 2019, 284, 286 Rn. 23 – Muse­ums­fo­tos. 37 BGH 20.12.2018 – I ZR 104/17 – GRUR 2019, 284, 286 f. Rn. 26 – Muse­ums­fo­tos. 38 Richt­li­nie EU 2019/270 über das Urhe­ber­recht und die ver­wand­ten Schutz­rech­te im digi­ta­len Bin­nen­markt. 39 EuGH 1.3.2012 – C‑604/10 – GRURInt 2012, 435, Rn. 26 f. – Foot­ball Dat­a­co u.a.; EuGH 9.11.2004 – C‑203/02 – GRUR 2005, 244, 247, Rn. 31 – The Bri­tish Hor­ser­a­cing Board u.a. Vgl. auch Schmidt/ Zech, Daten­bank­her­stel­ler­schutz für Roh­da­ten?, CR 2017, 417, 418. 40 Schmidt/Zech (Fn 39), CR 2017, 417, 419. 41 EuGH 29.10.2015 – C‑490/14 – GRUR 2015, 1187, 1188, Rn. 25 f. – Frei­staat Bayern/Verlag Ester­bau­er GmbH. Kri­tisch inso­fern Leist­ner, Was lan­ge währt…: EuGH ent­schei­det zur Schutz­fä­hig­keit geo­gra­fi­scher Kar­ten als Daten­ban­ken, GRUR 2016, 42. 42 Vgl. Schmidt/Zech (Fn 39), CR 2017, 417, 420; Vogel, in: Schricker/Loewenheim, UrhG (Fn 9), § 87a Rn. 22. meist (nur) ein Licht- bzw. Lauf­bild­schutz in Betracht. Der Leis­tungs­schutz für Licht- und Lauf­bil­der unter­schei­det sich von jenem für Wer­ke in ers­ter Linie in einer kür­ze­ren Schutz­frist; der Schutz erlischt 50 Jah­re nach ihrem Erschei­nen oder, man­gels Erschei­nens, 50 Jah­re nach ihrer Her­stel­lung (§ 72 Abs. 3, § 95 i.V.m. § 94 Abs. 3 UrhG). Eine Beson­der­heit ergibt sich für Foto­gra­fien von Wer­ken der bil­den­den Kunst, wenn die­se bereits gemein­frei sind. Lan­ge Zeit war umstrit­ten, ob foto­gra­fi­sche Repli­ka­tio­nen zwei­di­men­sio­na­ler Vor­la­gen, ins­be­son­de­re ori­gi­nal­ge­treue Foto­gra­fien von Gemäl­den, Licht­bild­schutz genie­ßen können.34 Denn auch der rei­ne Licht­bild­schutz muss zumin­dest ein gerin­ges Min­dest­maß an per­sön­li­cher geis­ti­ger (wenn auch nicht schöp­fe­ri­scher) Leis­tung auf­wei­sen, was etwa bei repro­du­zie­ren­den Foto­ko­pien oder Scans nicht der Fall ist.35 Das wur­de im Aus­gangs­punkt auch vom BGH in der Ent­schei­dung Muse­ums­fo­tos bestätigt.36 In den vom Foto­gra­fen getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen über Belich­tung, Blick­win­kel und Ent­fer­nung zum abfo­to­gra­fier­ten Gemäl­de sieht der BGH aber eine für den Licht­bild­schutz aus­rei­chen­de gestal­te­ri­sche Leistung.37 Für For­schungs­da­ten (etwa aus den Kunst- oder Medi­en­wis­sen­schaf­ten), in denen (gemein­freie) zwei­di­men­sio­na­le Wer­ke abge­bil­det sind, bedeu­tet dies, dass sie in der Regel als Licht­bil­der geschützt sind. Aller­dings nicht mehr lan­ge: Die DSMRichtlinie,38 die bis zum 7. Juni 2021 in natio­na­les Recht umzu­set­zen ist, legt in Art. 14 fest, dass „nach Ablauf der Dau­er des Schut­zes eines Wer­kes der bil­den­den Kunst Mate­ri­al, das im Zuge einer Hand­lung der Ver­viel­fäl­ti­gung die­ses Wer­kes ent­stan­den ist, weder urhe­ber­recht­lich noch durch ver­wand­te Schutz­rech­te geschützt ist, es sei denn, die­ses Mate­ri­al stellt eine eige­ne geis­ti­ge Schöp­fung dar.“ Schließ­lich kön­nen For­schungs­da­ten in Form von Ton­auf­nah­men, etwa von Inter­views, Grup­pen­ge­sprä­chen oder Natur­ge­räu­schen, vor­kom­men. Unab­hän­gig von einer (in den genann­ten Bei­spie­len eher nicht gege­be­nen) Schutz­fä­hig­keit der auf­ge­nom­me­nen Geräu­sche, ist die Her­stel­lung des Ton­trä­gers als sol­che nach § 85 UrhG schutz­fä­hig. 3. Schutz für For­schungs­da­ten in Daten­ban­ken In den vor­an­ge­gan­ge­nen Abschnit­ten stan­den For­schungs­da­ten, die auf unter­schied­li­che Art eine gestal­te­ri­sche Form ange­nom­men haben, im Vor­der­grund. Roh­da­ten, also nicht auf­be­rei­te­te Daten, wie etwa Mess­da­ten, genie­ßen als sol­che kei­nen urhe­ber­recht­li­chen Schutz. Soweit die Daten aller­dings in grö­ße­rer Anzahl vor­lie­gen und sys­te­ma­tisch gespei­chert wer­den, kön­nen sie eine nach § 87a UrhG geschütz­te Daten­bank dar­stel­len. Das sui-gene­ris-Schutz­recht für Daten­bank­her­stel­ler schützt jede „Samm­lung von Wer­ken, Daten oder ande­ren unab­hän­gi­gen Ele­men­ten, die sys­te­ma­tisch oder metho­disch ange­ord­net und ein­zeln mit Hil­fe elek­tro­ni­scher Mit­tel oder auf ande­re Wei­se zugäng­lich sind und deren Beschaf­fung, Über­prü­fung oder Dar­stel­lung eine nach Art oder Umfang wesent­li­che Inves­ti­ti­on erfor­dert“ (§ 87a Abs. 1 S. 1 UrhG). Eine For­schungs­da­ten­bank ist in der Regel eine sol­che Samm­lung von Wer­ken, Daten oder ande­ren Ele­men­ten, die ein­zeln zugäng­lich sind (elek­tro­nisch oder ana­log). Das Merk­mal der Unab­hän­gig­keit erfor­dert, dass sich die Ele­men­te von­ein­an­der tren­nen las­sen, ohne dass der Wert ihres Inhalts beein­träch­tigt wird.39 Hier­durch soll ver­hin­dert wer­den, dass der Daten­bank­be­griff auf sämt­li­che Gegen­stän­de aus­ge­dehnt wird, die aus Ein­zel­tei­len bestehen (wie etwa eine Musik­kom­po­si­ti­on, die aus Noten besteht). Die Ele­men­te müs­sen bereits eigen­stän­dig und nicht erst aus ihrer Ver­bin­dung her­aus Sinn ergeben.40 Der EuGH legt hier aller­dings einen recht groß­zü­gi­gen Maß­stab an: Die sich aus einer topo­gra­fi­schen Land­kar­te erge­ben­den Ein­zel­da­ten (Höhe des Ter­rains, Ver­or­tung von Ver­kehrs­we­gen u.Ä.) sind aus­rei­chend unab­hän­gig, auch wenn der Zweck einer Land­kar­te sich nur in Zusam­men­schau der Ein­zel­ele­men­te entfaltet.41 Für For­schungs­da­ten bedeu­tet dies, dass nicht nur eine Samm­lung ver­schie­de­ner Daten, son­dern bereits ein ein­zel­nes Doku­ment eine Daten­bank dar­stel­len kann, wie etwa die Zeich­nung einer archäo­lo­gi­schen Aus­gra­bungs­stät­te – vor­aus­ge­setzt, sie erfüllt auch die ande­ren Tat­be­stands­merk­ma­le. Das Erfor­der­nis einer sys­te­ma­ti­schen oder metho­di­schen Anord­nung soll die Daten­bank von einem blo­ßen „Daten­hau­fen“ abgrenzen.42 Da For­schungs­da­ten im Sin­ne der wis­sen­schaft­li­chen Ver­wert­bar­keit anhand nach­voll­zieh­ba­rer Ord­nungs­kri­te­ri­en zusam­men­ge­stellt wer­den, ist auch die­se Vor­aus­set­zung unpro­ble­ma­tisch. Kuschel · Urhe­ber­recht und For­schungs­da­ten 4 7 43 Vgl. Erwä­gungs­grund 12 RL 96/9/EG (Daten­bank-RL). 44 Vgl. BGH 1.12.2010 – I ZR 196/08 – GRUR 2011, 724, 725, Rn. 18 – Zwei­te Zahn­arzt­mei­nung II; Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 87a Rn. 12; Schmidt/Zech (Fn 39), CR 2017, 417, 421. 45 EuGH 9.11.2004 – C‑203/02 – GRUR 2005, 244, 247, Rn. 31 – The Bri­tish Hor­ser­a­cing Board u.a.; EuGH 9.11.2004 – C‑338/02 – GRUR 2005, 252, 253, Rn. 24 – Fix­tures-Fuß­ball­spiel­plä­ne I; EuGH 9.11.2004 – C‑444/02 – GRUR 2005, 254, 256, Rn. 40 – Fix­tures­Fuß­ball­spiel­plä­ne II; EuGH 9.11.2004 – C‑46/02 – GRURInt 2005, 244, 246 f., Rn. 31 ff. – Fix­tures Mar­ke­ting III. 46 EuGH 9.11.2004 – C‑203/02 – GRUR 2005, 244, 247, Rn. 31 – The Bri­tish Hor­ser­a­cing Board u.a.; EuGH 9.11.2004 – C‑338/02 – GRUR 2005, 252, 253, Rn. 24 – Fix­tures-Fuß­ball­spiel­plä­ne I; EuGH 9.11.2004 – C‑444/02 – GRUR 2005, 254, 256, Rn. 40 – Fix­tures-Fuß­ball­spiel­plä­ne II; EuGH 9.11.2004 – C‑46/02 – GRURInt 2005, 244, 246 f., Rn. 31 ff. – Fix­tures Mar­ke­ting III. Vgl. auch Leist­ner, JZ 2005, 408, 409. 47 Vgl. hier­zu auch Rie­ger, Der recht­li­che Schutz wis­sen­schaft­li­cher Daten­ban­ken, 2010, S. 142 ff. 48 Her­mes, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 87a Rn. 49 ff.; Vogel, in: Schricker/Loewenheim, UrhG (Fn 9), § 87a Rn. 53; Leist­ner, JZ 2005, 408, 409; ders., Daten­bank­schutz. Abgren­zung zwi­schen Daten­samm­lung und Daten­ge­ne­rie­rung, CR 2018, 17, 20. 49 Leist­ner (Fn 48), CR 2018, 17, 20. 50 Leist­ner, JZ 2005, 408, 409. 51 Schmidt/Zech (Fn 39), CR 2017, 417, 422. Zu die­ser Pro­ble­ma­tik vgl. auch Ehmann, Wett­be­werbs­frei­heit und Inves­ti­ti­ons­schutz, 2011, S. 109 f. 52 Schmidt/Zech (Fn 39), CR 2017, 417, 422. 53 Schmidt/Zech (Fn 39), CR 2017, 417, 422. Vgl. auch Rie­ger, Der recht­li­che Schutz wis­sen­schaft­li­cher Daten­ban­ken, 2010, S. 145. 54 BGH 25.3.2010 – I ZR 47/08 – GRUR 2010, 1004, 1005 Rn. 19 – Auto­bahn­maut. Zuletzt muss die Erstel­lung der Daten­bank eine nach Art oder Umfang wesent­li­che Inves­ti­ti­on erfor­dert haben. Eben die­ser Inves­ti­ti­ons­auf­wand soll­te durch die Schaf­fung des Daten­bank­her­stel­ler­rechts geschützt und damit ein Anreiz geschaf­fen wer­den, „moder­ne Daten­spei­cherund Daten­ver­ar­bei­tungs-Sys­te­me“ zu entwickeln.43 Eine Inves­ti­ti­on kann nicht nur in der Auf­wen­dung von Geld, son­dern auch von Zeit, Arbeit oder tech­ni­schen Mit­teln liegen.44 Der EuGH stell­te in vier Urtei­len vom 9.11.2004 klar, dass nur Inves­ti­tio­nen rele­vant sind, die gera­de mit dem Auf­bau der Daten­bank, also mit der Beschaf­fung, Über­prü­fung oder Dar­stel­lung der Daten, zusammenhängen.45 Unbe­rück­sich­tigt blei­ben inso­fern Auf­wen­dun­gen, die der Gene­rie­rung der Daten dienen.46 Bei For­schungs­da­ten hat also eine – nicht ganz tri­via­le – Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Inves­ti­tio­nen in die Daten­ge­ne­rie­rung und Inves­ti­tio­nen in die Daten­be­schaf­fung und ‑samm­lung zu erfolgen.47 Teil­wei­se wird die Abgren­zung danach vor­ge­nom­men, ob es sich um Daten han­delt, die „vor­ge­fun­den“ wer­den, also bereits exis­tie­ren, oder sol­che, die „erfun­den“ werden.48 Nur bei Letz­te­ren bestün­de die Gefahr einer Mono­po­li­sie­rung von Infor­ma­tio­nen, weil allein der Erfin­der der Daten die­se auch sam­meln könne.49 Daten, die im Rah­men wis­sen­schaft­li­cher Mes­sun­gen oder Beob­ach­tun­gen gesam­melt wür­den, sei­en hin­ge­gen bereits in der Natur vor­han­den; der Beschaf­fungs­auf­wand inso­fern also eine berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Investition.50 Gegen die­ses Kri­te­ri­um wird vor­ge­bracht, in der Natur bereits vor­han­den sei ledig­lich „poten­ti­el­le seman­ti­sche Infor­ma­ti­on“, die nur durch Wahr­neh­mung zu fak­ti­scher Infor­ma­ti­on und folg­lich zu Daten werde.51 In der Tat scheint es nicht ganz ein­leuch­tend, tat­säch­li­che Vor­gän­ge bereits vor ihrer Doku­men­ta­ti­on als „vor­han­de­ne Daten“ anzu­se­hen. Statt­des­sen wird vor­ge­schla­gen, auf das Kri­te­ri­um einer all­ge­mei­nen dau­er­haf­ten Zugäng­lich­keit abzu­stel­len, also danach zu fra­gen, „ob Drit­te mit ver­gleich­ba­rem Auf­wand die­sel­ben Daten erzeu­gen können“.52 Bei ephe­me­ren Ereig­nis­sen, wie etwa Wet­ter­da­ten, sei­en die Beob­ach­tun­gen nicht wie­der­hol­bar, so dass eine dau­er­haf­te Zugäng­lich­keit nicht gege­ben sei.53 Die­se Kri­te­ri­en sind grund­sätz­lich über­zeu­gend und kon­se­quent, aber den­noch nicht frei von Beden­ken: Zum einen ist, zumin­dest in natur­wis­sen­schaft­li­chen Kon­stel­la­tio­nen, frag­lich, ob ein par­al­le­ler Beob­ach­ter tat­säch­lich „die­sel­ben Daten“ ermit­teln wür­de. Sicher­lich käme er zu ähn­li­chen oder glei­chen Ergeb­nis­sen, ob aber die Daten auch exakt iden­tisch wären, ist frag­lich. Zum ande­ren hat der BGH in Bezug auf die im Rah­men des Auto­bahn­maut­sys­tems erfass­ten Daten, wie etwa Zeit­punkt und Län­ge der maut­pflich­ti­gen Fahr­ten, ent­schie­den, dass die­se „nicht erzeugt, son­dern nur gesam­melt und geordnet“54 wür­den. Bei die­sen Ver­kehrs­da­ten han­delt es sich aller­dings auch um dyna­mi­sche Vor­gän­ge, die nur im kon­kre­ten Zeit­punkt fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Die Cha­rak­te­ri­sie­rung von Daten als „vor­ge­fun­den“ oder „erzeugt“ gestal­tet sich mit­hin äußerst schwie­rig. Mög­li­cher­wei­se ist sie auch nicht zwin­gend erfor­der­lich, denn Aus­gangs­punkt der Fra­ge ist allein die Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit der kon­kre­ten Inves­ti­ti­on. Nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hig sind all sol­che Inves­ti­tio­nen, die erfor­der­lich sind, um erfass­ba­re Infor­ma­tio­nen über­haupt erst zu initi­ie­ren, also einen Ablauf in Gang zu set­zen, aus dem Infor­ma­tio­nen her­vor­ge­hen. Bei aus einem natur­wis­sen­schaft­li­chen Ver­such her­vor­ge­hen­den Mess­da­ten ist also zwi­schen den Inves­ti­tio­nen, die in den Ver­suchs­auf­bau geflos­sen sind und jenen, die für die Mes­sung des Ver­suchs­ab­laufs und ‑ergeb­nis­ses erfor­der­lich waren, zu unter­schei­den; nur letz­te­re wären für das Daten­bank­her­stel­ler­recht zu berück­sich­ti­gen. Eben­so wäre bei einem sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Expe­ri­ment zu ent­schei­den: Die Kos­ten, die für die Mobi­li­sie­rung der Ver­suchs­teil­neh­mer (etwas das Anwer­ben) und die orga­ni­sa­to­ri­sche Pla­nung des Ver­suchs anfal­len, wären nicht anzu­set­zen, wohl aber der Zeit­auf­wand der Wis­sen­schaft­ler, die die Vor­gän­ge doku­men­tie­ren. 4 8 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2020), 43–52 55 So auch Leist­ner (Fn 48), CR 2018, 17, 19 f. A.A. wohl OLG Ham­burg 8.6.2017 – 5 U 54/12 – Beck­RS 2017, 138204 Rn. 247. 56 Vgl. Hart­mann (Fn 4), 513. 57 EuGH 9.11.2004 – C‑203/02 – GRUR 2005, 244, 251, Rn. 84 ff. – The Bri­tish Hor­ser­a­cing Board u.a. 58 EuGH 9.11.2004 – C‑203/02 – GRUR 2005, 244, 251 Rn. 84 ff. – The Bri­tish Hor­ser­a­cing Board u.a. Vgl. auch Her­mes, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 87b Rn. 66. 59 Vgl. hier­zu nur Bap­pert, Wege zum Urhe­ber­recht, 1962, S. 105 ff.; Wood­man­see, The Geni­us and the Copy­right. Eco­no­mic and Legal Con­di­ti­ons of the Emer­gence of the ‘Aut­hor’, Eigh­te­enth-Cen­tu­ry Stu­dies, 17 (1984), 424. 60 Vgl. Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), Vor­be­mer­kung zu §§ 70 ff. Rn. 13. 61 BGH 6.2.2014 – I ZR 86/12 – GRUR 2014, 363, 364, Rn. 23. Vgl. auch Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 95 Rn. 2. 62 Vgl. BGHZ 112, 243 = BGH 27.9.1990 – I ZR 244/88 – GRUR 1991, 523, 525 – Gra­bungs­ma­te­ria­li­en; Ulri­ci, Koope­ra­ti­on in der Wis­sen­schaft: Das Recht am und auf das Arbeits­er­geb­nis, WissR 48 (2015), 318, 319 f.; ders., Geis­ti­ges Eigen­tum in For­schungs­ver­bün­den, OdW 2018, 129, 131. 63 Lau­ber-Röns­ber­g/K­rahn/­Bau­mann, Gut­ach­ten zu den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen des For­schungs­da­ten­ma­nage­ments 2018, S. 5. 64 Vgl. hier­zu auch Mös­lein, Pri­vat­recht­li­che Regel­set­zungs­fra­gen der wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­ons­form: Ange­bot des Gesetz­ge­bers oder selbst­ge­stal­te­tes Recht?, OdW 2018, 99, 101. Einen ande­ren Inves­ti­ti­ons­be­reich betref­fen Auf­wen­dun­gen, die für die Auf­be­rei­tung gesam­mel­ter Roh­da­ten anfal­len; hier­bei han­delt es sich um berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Kos­ten für die Dar­stel­lung der Daten.55 Im Gegen­satz zu Daten­bank­wer­ken erfor­dert die Aus­wahl und Anord­nung der ein­zel­nen Ele­men­te beim Daten­bank­schutz kei­ne schöp­fe­risch-krea­ti­ve Leis­tung. Für For­schungs­da­ten ist der Daten­bank­schutz folg­lich wesent­lich relevanter.56 Die Schutz­frist ist aller­dings kür­zer: Das Daten­bank­her­stel­ler­recht erlischt 15 Jah­re nach Ver­öf­fent­li­chung bzw. 15 Jah­re nach Her­stel­lung der Daten­bank, wenn sie inner­halb die­ser Frist nicht ver­öf­fent­licht wird (§ 87d UrhG). Der Schutz des Daten­bank­her­stel­lers bezieht sich, ähn­lich wie bei Sam­mel­wer­ken und Daten­bank­wer­ken, nicht auf die ein­zel­nen Daten, son­dern auf das Gesamt­ergeb­nis, die Daten­bank als sol­che. Der Rechts­in­ha­ber hat dem­entspre­chend das aus­schließ­li­che Recht, die Daten­bank voll­stän­dig oder „einen nach Art oder Umfang wesent­li­chen Teil“ davon zu ver­viel­fäl­ti­gen, zu ver­brei­ten und öffent­lich wie­der­zu­ge­ben (§ 87b Abs. 1 S. 1 UrhG). Aller­dings kann bereits die Nut­zung eines unwe­sent­li­chen Teils der Daten­bank das Recht des Daten­bank­her­stel­lers ver­let­zen, wenn es um „wie­der­hol­te und sys­te­ma­ti­sche“ Hand­lun­gen geht, die „einer nor­ma­len Aus­wer­tung der Daten­bank zuwi­der­lau­fen oder die berech­tig­ten Inter­es­sen des Daten­bank­her­stel­lers unzu­mut­bar beein­träch­ti­gen“ (§ 87b Abs. 1 S. 2 UrhG). Die­se „Umgehungsklausel“57 soll sicher­stel­len, dass nicht durch sys­te­ma­ti­schen Zugriff auf unwe­sent­li­che Tei­le der Daten­bank letzt­lich im Gesamt­ergeb­nis doch ein wesent­li­cher Teil oder gar die gesam­te Daten­bank uner­laubt genutzt wird.58 III. Ori­gi­nä­re Rechts­in­ha­ber­schaft Ins­be­son­de­re für die kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schen Urhe­ber­rechts­sys­te­me steht rechts­his­to­risch die Per­son des Urhe­bers im Mittelpunkt.59 Das Urhe­ber­recht hat, zumin­dest im Aus­gangs­punkt, den genia­len (Ein­zel-) Schöp­fer vor Augen und gewährt ihm die aus­schließ­li­chen Rech­te an sei­nem Werk (§ 7 UrhG). Wur­de das Werk von meh­re­ren Per­so­nen gemein­sam geschaf­fen, hal­ten sie auch das Urhe­ber­recht gemein­sam (§ 8 UrhG). Glei­ches gilt für Leis­tungs­schutz­rech­te; hier erhält das Recht die Per­son, die die Leis­tung erbracht hat.60 Der Lauf­bild­schutz steht dabei – in Gleich­lauf mit dem Schutz des Film­her­stel­lers (§ 95 i.V.m. § 94 UrhG) – der Per­son zu, die die wirt­schaft­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Leis­tung der Film­her­stel­lung erbringt.61 Bei For­schungs­da­ten, die von meh­re­ren Per­so­nen gene­riert wur­den, ist also für jeden Bestand­teil ein­zeln fest­zu­stel­len, wer Schöp­fer bzw. Erzeu­ger ist.62 Der Daten­bank­schutz sui gene­ris grün­det sich, wie gese­hen, auf die Schutz­wür­dig­keit wesent­li­cher Inves­ti­tio­nen in die ord­nen­de Funk­ti­on von Daten­ban­ken. Die Rech­te an einer schutz­fä­hi­gen Daten­bank erhält dem­entspre­chend der Daten­bank­her­stel­ler (§ 87b UrhG), also der­je­ni­ge, der die wesent­li­che Inves­ti­ti­on vor­ge­nom­men hat (§ 87a Abs. 2 UrhG). Das ist bei Hoch­schul­for­schung in der Regel die Hoch­schu­le selbst oder ein Dritt­mit­tel- bzw. Auftraggeber.63 Bereits in vie­len Berei­chen krea­ti­ven Schaf­fens trifft die Grund­an­nah­me des Urhe­ber­rechts, dass Ein­zel­per­so­nen Wer­ke erschaf­fen, nur noch ein­ge­schränkt zu; an den Rea­li­tä­ten grö­ße­rer For­schungs­pro­jek­te geht sie häu­fig vorbei.64 Denn hier sind es in der Regel For­scher­grup­pen, die das Pro­jekt betrei­ben und vor allem sehr vie­le ver­schie­de­ne Per­so­nen, die an der Gene­rie­rung von For­schungs­da­ten betei­ligt sind. Neben einem oder meh­re­ren Grup­pen­lei­tern sind häu­fig Dok­to­ran­den und ggf. auch wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kräf­te und nicht-wis­sen­schaft­li­ches Hilfs­per­so­nal in das Pro­jekt ein­ge­bun­den. Wer­den die (urhe­ber­recht­lich oder leis­tungs­schutz­recht­lich) geschütz­ten Mate­ria­li­en in einer gro­ßen Daten­bank zusam­men­ge­führt, ent­steht ein Kon­glo­me­rat, an dem unter­schied­lichs­te Per­so­nen Rech­te hal­ten. IV. Abge­lei­te­te Rech­te Ent­spre­chend sei­ner per­sön­lich­keits­recht­li­chen Wur­zeln ist das Urhe­ber­recht untrenn­bar mit der Per­son des Kuschel · Urhe­ber­recht und For­schungs­da­ten 4 9 65 Vgl. Schul­ze, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 72 Rn. 16; Thum, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 72 Rn. 125. Über­trag­bar sind hin­ge­gen das Recht des Ton­trä­ger­her­stel­lers (§ 85 Abs. 2 S. 1) und des Lauf­bild­her­stel­lers (§ 95 i.V.m. § 94 Abs. 2 S. 1 UrhG). 66 Vgl. Pei­fer, Wis­sen­schafts­markt und Urhe­ber­recht. Schran­ken, Ver­trags­recht, Wett­be­werbs­recht, GRUR 2009, 22, 27; Schack, Urhe­ber­recht (Fn 7), Rn. 1114 f. 67 BVerfGE 35, 79, 113 = BVerfG 29.5.1973 – 1 BvR 424/71 u. 325/72 – NJW 1973, 1176, 1176. Vgl. hier­zu Gär­ditz, Die grund­recht­li­che Stel­lung der Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler in der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on, WissR 49 (2016), 349, 357 f. 68 Vgl. BGHZ 112, 243 = BGH 27.9.1990 – I ZR 244/88 – GRUR 1991, 523, 525 – Gra­bungs­ma­te­ria­li­en; Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 43 Rn. 12; Haber­stumpf (Fn 12), ZUM 2001, 819, 825 f.; Heer­mann, Der Schutz­um­fang von Sprach­wer­ken der Wis­sen­schaft und die urhe­ber­recht­li­che Stel­lung von Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen, GRUR 1999, 468, 474 f. Ein­ge­hend zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Zuläs­sig­keit von Publi­ka­ti­ons­pflich­ten im Rah­men von För­der­be­din­gun­gen Feh­ling (Fn 2), OdW 2014, 179. Zur Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­pflicht in Hoch­schul­sat­zun­gen sie­he Haug, Open Access in Baden-Würt­tem­berg: Rechts­wid­ri­ger Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­zwang zwi­schen Urhe­ber- und Hoch­schul­recht, OdW 2019, 89; gegen eine ent­spre­chen­de Sat­zungs­än­de­rung der Uni­ver­si­tät Kon­stanz ist eine Nor­men­kon­troll­kla­ge beim VGH Baden-Würt­tem­berg anhän­gig, der das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem BVerfG zur Ent­schei­dung vor­ge­legt hat (Az. 9 S 2056/16), vgl. hier­zu Löwisch, Streit um die Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­pflicht geht zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, OdW 2018, 43. 69 Vgl. Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 43 Rn. 12; Haber­stumpf (Fn 12), ZUM 2001, 819, 827; Heer­mann (Fn 68), GRUR 1999, 468, 473. 70 Wandt­ke, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 43 Rn. 26. 71 BGH 26.10.1951 – I ZR 93/51 – GRUR 1952, 257 – Kran­ken­haus­Kar­tei. 72 Ulri­ci (Fn 62), WissR 48 (2015), 318, 328. 73 Vgl. BGHZ 112, 243 = BGH 27.9.1990 – I ZR 244/88 – GRUR 1991, 523, 525 – Gra­bungs­ma­te­ria­li­en; Haber­stumpf (Fn 12), ZUM 2001, 819, 827; Lau­ber-Röns­ber­g/K­rahn/­Bau­mann, Gut­ach­ten 2018 (Fn 63), S. 4. Schöp­fers ver­bun­den und somit nicht über­trag­bar (§ 29 Abs. 1 UrhG). Glei­ches gilt nach ganz über­wie­gen­der Ansicht für Lichtbilder.65 Vor die­sem Hin­ter­grund exis­tie­ren im deut­schen Urhe­ber­recht auch kei­ne der work-made-for-hire doc­tri­ne des anglo-ame­ri­ka­ni­schen Copy­right Law ver­gleich­ba­ren oder dem Arbeit­neh­mer­er­fin­der­ge­setz ent­spre­chen­den Regelungen.66 Drit­ten kann jedoch ein, mit­un­ter sehr umfang­rei­ches, Nut­zungs­recht an dem Werk ein­ge­räumt wer­den. Das kann ent­we­der expli­zit im Rah­men eines Nut­zungs­rechts­ver­trags gesche­hen oder sich impli­zit aus einem pri­vat­recht­li­chen Arbeits- bzw. einem öffent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis erge­ben (vgl. § 43 UrhG und, für Com­pu­ter­pro­gram­me, § 69b UrhG). Für (urhe­ber­recht­lich geschütz­te) For­schungs­da­ten, die an Hoch­schu­len pro­du­ziert wer­den, erge­ben sich aller­dings eini­ge Beson­der­hei­ten. 1. Hoch­schul­pro­fes­so­ren Die Wis­sen­schafts­frei­heit nach Art. 5 Abs. 3 GG erklärt „die Wis­sen­schaft zu einem von staat­li­cher Fremd­be­stim­mung frei­en Bereich per­sön­li­cher und auto­no­mer Ver­ant­wor­tung des ein­zel­nen Wis­sen­schaft­lers“, um die Erkennt­nis­funk­ti­on von For­schung und Leh­re nicht zu gefährden.67 Hier­aus lässt sich ablei­ten, dass die Grund­sät­ze des Arbeit­neh­mer­ur­he­ber­rechts, nach denen Dienst­herr oder Arbeit­ge­ber Nut­zungs­rech­te an den vom Arbeit­neh­mer geschaf­fe­nen Wer­ken erhal­ten, nicht unein­ge­schränkt auf Hoch­schul­leh­rer anwend­bar sind.68 Mit Hoch­schul­pro­fes­so­ren gleich­zu­set­zen sind inso­fern auch ande­re auto­nom arbei­ten­de For­scher, wie etwa Pri­vat­do­zen­ten, außer­plan­mä­ßi­ge Pro­fes­so­ren und Gastdozenten.69 Das Pri­vi­leg gilt aller­dings nur im Hin­blick auf „zweck­freie Forschung“.70 Soweit die Erstel­lung der Mate­ria­li­en zugleich die Erfül­lung einer Dienst­pflicht ist, wie etwa die Erstel­lung einer Pati­en­ten­ak­te, die auch zu For­schungs­zwe­cken ver­wen­det wird, steht dem Arbeit­ge­ber ein Nut­zungs­recht zu.71 Auch im Hin­blick auf For­schungs­da­ten, die im Rah­men eines kon­kre­ten For­schungs­auf­trags, etwa bei Zusam­men­ar­beit mit einem kom­mer­zi­ell täti­gen Unter­neh­men, pro­du­ziert wer­den, hat der For­scher dem Auf­trag­ge­ber in der Regel ein Nut­zungs­recht einzuräumen.72 Wer­den For­schungs­da­ten in grö­ße­rem Umfang erho­ben und in einer For­schungs­da­ten­bank gesam­melt, kann hier­an ein Daten­bank­schutz sui gene­ris bestehen. Die­ses Schutz­recht steht – wie vor­an­ge­gan­gen fest­ge­stellt – in der Regel der Hoch­schu­le oder dem Auf­trag- bzw. Dritt­mit­tel­ge­ber zu. Hier könn­te die Wis­sen­schafts­frei­heit in umge­kehr­ter Stoß­rich­tung wir­ken: Um den Erfolg der For­schung nicht zu gefähr­den und dem pro­jekt­lei­ten­den Wis­sen­schaft­ler die Ent­schei­dung zu über­las­sen, ob und wie er die Daten in zukünf­ti­gen Pro­jek­ten ver­wen­den möch­te, soll­te ihm ein ein­fa­ches Nut­zungs­recht am Daten­bank­her­stel­ler­recht gewährt wer­den. 2. Nicht-wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal Gera­de in umfang­rei­chen For­schungs­pro­jek­ten wer­den auch nicht-wis­sen­schaft­li­che Ange­stell­te For­schungs­da­ten erzeu­gen und somit etwai­ge Rech­te hier­an erhal­ten. Zu die­ser Per­so­nen­grup­pe zäh­len etwa medi­zi­nisch-tech­ni­sche Assis­ten­ten oder stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te. Da die­se Tätig­keit voll­stän­dig wei­sungs­ge­bun­den erfolgt, greift das For­scher­pri­vi­leg hier nicht.73 Grund­sätz­lich erhält damit der Arbeit­ge­ber bzw. Dienst­herr ein Nut­zungs­recht an den Schutz­rech­ten. Teil­wei­se wird vor­ge­schla­gen, das Nut­zungs­recht dem For­schungs­grup­pen­lei­ter zu gewäh­ren, wenn die For­schungs­er­geb­nis­se nach des­sen Wei­sung 5 0 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2020), 43–52 74 Vgl. Haber­stumpf (Fn 12), ZUM 2001, 819, 827. Ggf. unter Betei­li­gung an einem etwai­gen Gewinn (vgl. Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 43 Rn. 12; Haber­stumpf (Fn 12), ZUM 2001, 819, 827). 75 Die­se funk­tio­na­le Betrach­tung fin­det sich auch in der Ent­schei­dung BGHZ 112, 243 = BGH 27.9.1990 – I ZR 244/88 – GRUR 1991, 523, 527 – Gra­bungs­ma­te­ria­li­en. 76 BVerfGE 35, 79, 112 = BVerfG 29.5.1973 – 1 BvR 424/71 u. 325/72 – NJW 1973, 1176, 1176. 77 Vgl. Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 43 Rn. 12; Haber­stumpf (Fn 12), ZUM 2001, 819, 827; Heer­mann (Fn 68), GRUR 1999, 468, 472; Lau­ber-Röns­ber­g/K­rahn/­Bau­mann, Gut­ach­ten 2018 (Fn 63), S. 4. 78 Vgl. Haber­stumpf (Fn 12), ZUM 2001, 819, 828; Heer­mann (Fn 68), GRUR 1999, 468, 475. 79 Sie­he hier­zu auch Ulri­ci, Koope­ra­ti­on in der Wis­sen­schaft: Das Recht am und auf das Arbeits­er­geb­nis, WissR 48 (2015), 318, 329; ders. (Fn 62), OdW 2018, 129, 147. 80 BGH 22.2.1974 – I ZR 128/72 – GRUR 1974, 480, 482 – Hum­mel­rech­te. ent­stan­den sind.74 Am sinn­volls­ten erscheint es, in die­sen Situa­tio­nen bei­den – Arbeit­ge­ber und wei­sungs­er­tei­len­dem Wis­sen­schaft­ler – Nut­zungs­rech­te zu ertei­len. Auf die­se Wei­se wird zum einen die Inves­ti­ti­ons­leis­tung des Arbeit­ge­bers berück­sich­tigt und ein Gleich­lauf mit dem Daten­bank­her­stel­ler­recht erreicht, zum ande­ren wird die Fort­ent­wick­lung des For­schungs­pro­jekts in den Hän­den des wei­sungs­er­tei­len­den Wis­sen­schaft­lers gewährleistet.75 3. Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter Die Wis­sen­schafts­frei­heit kommt nicht nur Hoch­schul­pro­fes­so­ren zugu­te, son­dern „steht jedem zu, der wis­sen­schaft­lich tätig ist oder tätig wer­den will.“76Das bedeu­tet, dass an For­schungs­da­ten, die von wis­sen­schaft­li­chem Per­so­nal im Rah­men der eige­nen For­schung, etwa für eine Qua­li­fi­ka­ti­ons­schrift, pro­du­ziert wer­den, der Arbeit­ge­ber kein Nut­zungs­recht erhält.77 Für Ergeb­nis­se wei­sungs­ge­bun­de­ner Tätig­keit gel­ten hin­ge­gen die glei­chen Grund­sät­ze wie für nicht-wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal (vgl. IV.2.). Die­se Unter­schei­dung fällt bei grö­ße­ren For­schungs­pro­jek­ten, wie etwa in der Medi­zin, mit­un­ter schwer. Regel­mä­ßig sind hier eine Viel­zahl von For­schern unter­schied­li­cher Hier­ar­chien betei­ligt und arbei­ten zugleich am Gesamt­pro­jekt und an ihrer eige­nen For­schung im Rah­men einer Teil­fra­ge. Hier ist auf Ent­ste­hung und Zweck des kon­kre­ten For­schungs­da­tums abzu­stel­len: Han­delt es sich um Mate­ri­al, das wei­sungs­ge­bun­den erho­ben und dem Gesamt­pro­jekt zuge­führt wur­de, so wer­den dar­an Nut­zungs­rech­te ein­ge­räumt. An den vom wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter selb­stän­dig erstell­ten For­schungs­da­ten und Tex­ten (etwa einer Dis­ser­ta­ti­ons­schrift) erhält der Arbeit­ge­ber kei­ne Nut­zungs­rech­te. Im Hin­blick auf die Fra­ge nach der Per­son, die die Nut­zungs­rech­te erhält, gilt das glei­che wie bei nicht-wis­sen­schaft­li­chem Per­so­nal (IV.2.) 4. Exter­ne Per­so­nen (ins­be­son­de­re exter­ne Dok­to­ran­den) Urhe­ber bzw. Rech­te­inha­ber, die in kei­nem Arbeitsoder Dienst­ver­hält­nis tätig sind, wie exter­ne Dok­to­ran­den und Stu­die­ren­de, müs­sen an den von ihnen geschaf­fe­nen Mate­ria­li­en grund­sätz­lich kei­ne Nut­zungs­rech­te einräumen.78 In Bezug auf die ange­fer­tig­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­schrif­ten ist dies selbst­ver­ständ­lich und unpro­ble­ma­tisch. Viel­fach sind aller­dings auch die­se exter­nen Per­so­nen, ins­be­son­de­re exter­ne Dok­to­ran­den, in die Erzeu­gung von For­schungs­da­ten für das Gemein­schafts­pro­jekt eingebunden.79 Zwar erhal­ten sie hier­für meist kei­ne Ver­gü­tung, dafür kön­nen sie aber auf den For­schungs­da­ten­pool zugrei­fen und ihn für ihre eige­ne For­schung ver­wen­den. Gin­ge man davon aus, dass die­se exter­nen Per­so­nen den­noch kei­ne Nut­zungs­rech­te an den von ihnen gene­rier­ten Daten ein­räu­men müss­ten, wür­de dies zu erheb­li­chen Pro­ble­men füh­ren, wenn die For­schungs­da­ten­bank z.B. öffent­lich zugäng­lich gemacht wer­den soll. Denk­bar wäre, die Betreu­ungs­zu­sa­ge als Ver­trag sui gene­ris ein­zu­ord­nen, aus dem sich u.a. ergibt, dass der Dok­to­rand Nut­zungs­rech­te an den von ihm für das Gesamt­pro­jekt pro­du­zier­ten For­schungs­da­ten ein­räumt. Dies wäre mit der wei­ten Inter­pre­ta­ti­on des Begrif­fes des Arbeits­ver­hält­nis­ses durch den BGH wohl zu ver­ein­ba­ren: Hier­nach genügt es, dass der Urhe­ber „in einem mehr oder weni­ger star­ken Abhän­gig­keits­ver­hält­nis für die Ver­wer­tungs­zwe­cke eines ande­ren tätig wird“, wobei auf die „Zweck­be­stim­mung“ des Wer­kes abzu­stel­len sei.80 Zuguns­ten des exter­nen Dok­to­ran­den wie­der­um könn­ten sich aus die­sem Ver­trag Schutz- und Treue­pflich­ten des betreu­en­den For­schers erge­ben. So wäre etwa sicher­zu­stel­len, dass der exter­ne Dok­to­rand auch tat­säch­lich Zugang zu den für sei­ne For­schung rele­van­ten Daten erhält, ins­be­son­de­re auch dann, wenn der Betreu­er zwi­schen­zeit­lich die Insti­tu­ti­on wech­selt. Idea­ler­wei­se soll­ten etwai­ge Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en zu Beginn der Zusam­men­ar­beit fest­ge­legt wer­den. Dabei wäre bei­spiel­wei­se auch eine Rege­lung für den Fall zu tref­fen, dass die Betreu­ung vor­zei­tig (ein­ver­nehm­lich oder auch nicht) been­det wird. 5. Exkurs: For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen Für For­schungs­da­ten, die im Rah­men von For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen geschaf­fen wer­den, gilt im Grund­satz das oben Gesag­te, wobei etwai­ge expli­zi­te Rege­lun­gen in For­schungs- und Ent­wick­lungs­ver­trä­gen zu berück­sich­ti­gen sind. Trotz der enor­men wis­sen­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Rele­vanz von For­schungs­ko­ope­ra­tio- Kuschel · Urhe­ber­recht und For­schungs­da­ten 5 1 81 Vgl. Mös­lein (Fn 64), OdW 2018, 99. Vgl. auch Hei­de, Patent­schutz und Patent­li­zen­zen in For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen, InTer 2013, 2, der den Man­gel an ein­schlä­gi­ger Recht­spre­chung, neben der bestehen­den Rechts­un­si­cher­heit, dar­auf zurück­führt, dass etwai­ge Streit­fäl­le aus Grün­den der Geheim­hal­tung eher vor Schieds­ge­rich­ten aus­ge­tra­gen wer­den. 82 Eberbach/Hommelhoff/Lappe, Eine Koope­ra­ti­ons­form für die Wis­sen­schaft, OdW 2017, 1, 5 ff. Sie­he auch Gei­bel, Rechts­form und Zurech­nun­gen zwi­schen Trans­pa­renz und Abschirm­wir­kung am Bei­spiel der Wis­sen­schafts- und For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen, OdW 2018, 87; Mös­lein (Fn 64), OdW 2018, 99. 83 Vgl. auch Eberbach/Hommelhoff/Lappe (Fn 82), OdW 2017, 1, 8 f. 84 Kum­pan, Die Gover­nan­ce einer For­schungs­ko­ope­ra­ti­ons­ge­sell­schaft – Struk­tur, Kom­pe­ten­zen und Ver­fah­ren, OdW 2018, 115, 117. 85 Vgl. hier­zu auch BGHZ 112, 243 = BGH 27.9.1990 – I ZR 244/88 – GRUR 1991, 523, 527 – Gra­bungs­ma­te­ria­li­en. 86 Sie­he hier­zu Kum­pan (Fn 84), OdW 2018, 115, 117 ff. 87 Für Bei­trä­ge aus nicht-wis­sen­schaft­li­chen Zeit­schrif­ten gilt hin­ge­gen die pro­zen­tua­le Gren­ze aus Absatz 1 bzw. Absatz 2. 88 BT-Drs. 18/12329, S. 40. Zur wis­sen­schaft­li­chen Rele­vanz von Text und Data Mining sie­he nur Raue, Rechts­si­cher­heit für daten­ge­stütz­te For­schung, ZUM 2019, 684; Specht, Die neue Schran­ken­re­ge­lung für Text und Data Mining und ihre Bedeu­tung für die Wis­sen­schaft, OdW 2018, 285. 89 Vgl. de la Duran­taye, Neu­es Urhe­ber­recht für Bil­dung und Wis­sen­schaft. Eine kri­ti­sche Wür­di­gung des Gesetz­ent­wurfs, GRUR 2017, 558, 561; Raue (Fn 88), ZUM 2019, 684, 685. 90 Vgl. BT-Drs. 18/12329, S. 40; ErwG 9 DSM-Richt­li­nie. nen, sind Recht­spre­chung und Lite­ra­tur auf die­sem Gebiet rar.81 Begrü­ßens­wert sind inso­fern Vor­schlä­ge für eine neu zu kre­ieren­de spe­zi­fi­sche Rechts­form für Forschungskooperationen.82 Vor­tei­le einer Koope­ra­ti­ons­form mit eige­ner Rechts­fä­hig­keit wären unter ande­rem, dass sie selbst Trä­ge­rin des Daten­bank­her­stel­ler­rechts sein und in eige­nem Namen Arbeits­ver­trä­ge abschlie­ßen könnte.83 Etwai­ge Nut­zungs­rech­te wür­den dann direkt der For­schungs­ko­ope­ra­ti­on zufal­len. Zudem könn­te die Koope­ra­ti­ons­struk­tur fort­be­stehen, auch wenn ein­zel­ne For­scher aus­schei­den, weil sie z.B. die Insti­tu­ti­on wechseln.84 Auf die­se Wei­se könn­te sicher­ge­stellt wer­den, dass der Zugang zu den For­schungs­da­ten zuguns­ten des Gelin­gens des For­schungs­pro­jek­tes dau­er­haft gewähr­leis­tet ist.85 Die Belan­ge der Wis­sen­schafts­frei­heit in Bezug auf die (Fort-)Nutzung von For­schungs­da­ten soll­ten dabei durch ent­spre­chen­de Governancestrukturen86 sicher­ge­stellt, anstatt auf Ebe­ne urhe­ber­recht­li­cher Nut­zungs­rech­te aus­ge­foch­ten zu wer­den. V. Gesetz­li­che Nut­zungs­er­laub­nis Die Nut­zung urhe­ber­recht­lich bzw. leis­tungs­schutz­recht­lich geschütz­ter For­schungs­da­ten ist nicht nur auf ver­trag­li­cher Basis, son­dern auch im Rah­men der gesetz­li­chen Schran­ken (§§ 44a ff. UrhG) erlaubt. Für die wis­sen­schaft­li­che Nut­zung von For­schungs­da­ten sind beson­ders die Erlaub­nis­tat­be­stän­de in § 60c (Wis­sen­schaft­li­che For­schung) und § 60d UrhG (Text und Data Mining) rele­vant. Die gesetz­li­chen Erlaub­nis­tat­be­stän­de sind im Zusam­men­hang mit For­schungs­da­ten in zwei­er­lei Hin­sicht inter­es­sant: Zum einen kön­nen sich For­scher bei der Nut­zung und Archi­vie­rung vor­be­stehen­der Wer­ke in einer For­schungs­da­ten­bank selbst auf eine etwai­ge Erlaub­nis beru­fen. Zum ande­ren wird die Nach­nut­zung der For­schungs­da­ten durch Drit­te in gewis­sen Gren­zen erlaubt. Nach § 60c Abs. 1 UrhG dür­fen für die Zwe­cke nicht­kom­mer­zi­el­ler For­schung „bis zu 15 Pro­zent eines Wer­kes ver­viel­fäl­tigt, ver­brei­tet und öffent­lich zugäng­lich gemacht wer­den“, um die Wer­ke so einem abge­grenz­ten Kreis von Per­so­nen für deren eige­ne wis­sen­schaft­li­che For­schung zugäng­lich zu machen (Nr. 1) oder um Drit­ten die Über­prü­fung der Qua­li­tät der wis­sen­schaft­li­chen For­schung zu ermög­li­chen (Nr. 2). Zudem dür­fen „Abbil­dun­gen, ein­zel­ne Bei­trä­ge aus der­sel­ben Fach­zeit­schrift oder wis­sen­schaft­li­chen Zeit­schrift, sons­ti­ge Wer­ke gerin­gen Umfangs und ver­grif­fe­ne Wer­ke“ in vol­lem Umfang genutzt wer­den (Abs. 3).87 Das bedeu­tet, dass auch vor­be­stehen­de Wer­ke (in dem erlaub­ten Umfang) in eine For­schungs­da­ten­bank auf­ge­nom­men wer­den dür­fen. Aller­dings darf die­se For­schungs­da­ten­bank dann nur einer per­so­nal abge­grenz­ten For­scher­grup­pe zugäng­lich sein oder aber für Zwe­cke der Über­prü­fung der For­schungs­er­geb­nis­se durch Drit­te genutzt wer­den. Absatz 2 erlaubt (nur) die Ver­viel­fäl­ti­gung eines Wer­kes in grö­ße­rem Umfang (75 Pro­zent), aller­dings ledig­lich für die eige­ne wis­sen­schaft­li­che For­schung, so dass die genutz­ten Werk­aus­schnit­te nicht im Rah­men einer For­schungs­da­ten­bank ande­ren zur Ver­fü­gung gestellt wer­den dür­fen. Beim Text und Data Mining wer­den gro­ße Textund Daten­men­gen auto­ma­ti­siert durch­sucht und ausgewertet.88 Hier­zu ist zunächst tech­nisch erfor­der­lich, dass die aus­zu­wer­ten­den Daten in maschi­nen­les­ba­rer Form (Kor­pus) vor­lie­gen, was in der Regel eine Ver­viel­fäl­ti­gung der Mate­ria­li­en erfordert.89 Das Text und Data Mining als sol­ches, also allein die auto­ma­ti­sier­te Aus­wer­tung, stellt hin­ge­gen kei­ne urhe­ber­recht­lich rele­van­te Hand­lung dar.90 § 60d UrhG erlaubt sowohl etwai­ge Ver­viel­fäl­ti­gun­gen des Ursprungs­ma­te­ri­als (Abs. 1 S. 1 Nr. 1) als auch die Zugäng­lich­ma­chung des Kor­pus für einen bestimmt abge­grenz­ten Kreis von Per­so­nen für die gemein­sa­me wis­sen­schaft­li­che For­schung oder für Drit­te zur Über­prü­fung der wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­tät (Abs. 1 S. 1 Nr. 2). Die Schran­ke gilt aller­dings nur für Mate­ri­al, zu dem bereits ein recht­mä­ßi­ger Zugang besteht; ein 5 2 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2020), 43–52 „Anspruch auf Zugang zu geschütz­tem Ursprungs­ma­te­ri­al“ wird nicht geschaffen.91 Pri­vi­le­giert ist in jedem Fall nur die nicht-kom­mer­zi­el­le Forschung.92 Dass ein Pro­jekt durch Dritt­mit­tel geför­dert wird, steht dem nicht-kom­mer­zi­el­len Cha­rak­ter der For­schung dabei eben­so wenig ent­ge­gen, wie die Aus­sicht auf eine gewinn­brin­gen­de Veröffentlichung.93 Nut­zungs­hand­lun­gen für die Zwe­cke unter­neh­mens­ei­ge­ner For­schung oder kom­mer­zi­el­le Auf­trags­for­schung sind nicht von den Schran­ken erlaubt.94 Durch die DSM-Richt­li­nie wird das Text und Data Mining zum Zwe­cke wis­sen­schaft­li­cher For­schung auf eine ein­heit­li­che euro­päi­sche Grund­la­ge gestellt (Art.  3  DSMRL) und zudem in begrenz­tem Umfang auch für sons­ti­ge Zwe­cke ermög­licht (Art. 4 DSM-RL). Art. 3 Abs. 2 DSMRicht­li­nie erlaubt dabei, im Gegen­satz zur bereits bestehen­den Schran­ken­re­ge­lung in § 60d UrhG, dass im Bereich der wis­sen­schaft­li­chen For­schung das ver­viel­fäl­tig­te Mate­ri­al auch dau­er­haft gespei­chert und auf­be­wahrt wird (Art.  3  Abs.  2  DSM-RL). Unter den Begriff der wis­sen­schaft­li­chen For­schung fällt, anders als nach bis­he­ri­ger deut­scher Rege­lung, auch kom­mer­zi­el­le For­schung, soweit etwai­ge Gewin­ne anschlie­ßend in die For­schung reinves­tiert wer­den (Art. 2 Abs. 1 lit. a DSM-RL).95 VI. Schluss Die Fra­ge nach den Urhe­ber­rech­ten an For­schungs­da­ten ist nicht leicht zu beant­wor­ten. Da der urhe­ber­recht­li­che Schutz von der schöp­fe­ri­schen Leis­tung und die Leis­tungs­schutz­rech­te von der kon­kre­ten Dar­stel­lung des Mate­ri­als abhän­gen, ist die Schutz­fä­hig­keit von For­schungs­da­ten grund­sätz­lich für jeden Infor­ma­ti­ons­trä­ger geson­dert zu prü­fen. An umfang­rei­che­ren For­schungs­da­ten­ban­ken, und in man­chen Fäl­len sogar ein­zel­nen Infor­ma­ti­ons­trä­gern (wie etwa topo­gra­fi­schen Land­kar­ten), kann zudem ein Daten­bank­her­stel­ler­recht bestehen. Da die ori­gi­nä­re Rechts­in­ha­ber­schaft jeweils (abge­se­hen vom Daten­bank­her­stel­ler­recht) bei der schöp­fen­den bzw. erzeu­gen­den Per­son liegt, hal­ten häu­fig eine Viel­zahl von Betei­lig­ten Rech­te an einem For­schungs­da­ten­pool. Zwar kön­nen sich aus den Wer­tun­gen des Arbeit­neh­mer­ur­he­ber­rechts Nut­zungs­rech­te zuguns­ten von Insti­tu­ti­on oder lei­ten­dem For­scher erge­ben. Rechts­si­che­rer und inso­fern vor­zugs­wür­dig sind jedoch expli­zi­te ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen. Idea­ler­wei­se soll­ten die For­schungs­in­sti­tu­tio­nen hier gewis­se Leit­li­ni­en oder ent­spre­chen­de Ver­trags­mus­ter bereit­stel­len. Lin­da Kuschel ist Juni­or­pro­fes­so­rin an der Buce­ri­us Law School in Ham­burg und Habi­li­tan­din von Marc-Phil­ip­pe Wel­ler an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg. Die Autorin dankt Micha­el Feh­ling für den berei­chern­den Gedan­ken­aus­tausch und Dari­us Ros­tam sowie Jas­min Dol­ling für die Unter­stüt­zung bei der Recher­che. 91 BT-Drs. 18/12329, S. 41. 92 BT-Drs. 18/12329, S. 40. 93 BT-Drs. 18/12329, S. 39. Vgl. auch Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 60c Rn. 6; Lüft, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 60c Rn. 12. 94 BT-Drs. 18/12329, S. 39. Vgl. auch Drei­er, in: Dreier/Schulze, UrhG (Fn 11), § 60c Rn. 6; Lüft, in: Wandtke/Bullinger, UrhG (Fn 9), § 60c Rn. 12. 95 Vgl. hier­zu auch Raue (Fn 88), ZUM 2019, 684, 690.