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I. Ein­lei­tung

Olaf Bartz und Kat­rin Mayer-Lantermann

Wan­del der Auf­ga­ben des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes und der Agen­tu­ren durch den „Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rungs- staatsvertrag“

II. HRG-Novel­le 1998, Akkreditierungs-Stiftungs-

Gesetz 2005

Wesent­li­che Grund­la­gen für die Akkre­di­tie­rung wur­den 1998 geschaf­fen: Bun­des­tag und Bun­des­rat ver­ab­schie- deten die vier­te Novel­le des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes (HRG) und stri­chen aus § 9 Abs. 2 HRG die obli­ga­to­ri- sche Erar­bei­tung von Rah­men­prü­fungs­ord­nun­gen. Die Begrün­dung dafür lau­te­te: „Die Gleich­wer­tig­keit der Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen sowie der Stu­di­en­ab- schlüs­se und die Mög­lich­keit des Hoch­schul­wech­sels sol­len künf­tig nicht mehr zwin­gend durch Rah­men­prü- fungs­ord­nun­gen sicher­ge­stellt wer­den. Die Län­der und die HRK kön­nen die­ses Instru­ment in Zukunft wei­ter nut­zen. Sie kön­nen sich aber auch ande­rer Instru­men­te wie bei­spiels­wei­se eines Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­rens von Insti­tu­tio­nen und Stu­di­en­gän­gen, der staat­li­chen Geneh- migung der ein­zel­nen Prü­fungs­ord­nun­gen oder einer Ex-post-Kon­trol­le im Rah­men der Eva­lua­ti­on bedie- nen.“5

Im sel­ben Jahr fass­ten Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK) und Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz (HRK) Grundsatzbeschlüsse6 zur Ein­füh­rung eines Akkre­di­tie- rungs­sys­tems. Nach einer Pilot­pha­se wur­de 2002 die für die nächs­ten 15 Jah­re gül­ti­ge Grund­struk­tur eines dezen- tra­len Sys­tems fixiert,7 in dem der Akkre­di­tie­rungs­rat Grund­an­for­de­run­gen an das Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren auf­stellt und Agen­tu­ren zer­ti­fi­ziert sowie über­wacht, wäh­rend die Agen­tu­ren ihrer­seits Akkre­di­tie­rungs­ver- fah­ren durch­füh­ren und Stu­di­en­gän­ge akkreditieren.

5 Bun­des­tags-Druck­sa­che 13/8796., S. 17, http://dipbt.bundestag.de/ doc/btd/13/087/1308796.pdf (1.9.2017).

6 Sie­he den Beschluss der KMK „Ein­füh­rung eines Akkre­di­tie- rungs­ver­fah­rens für Bache­lor-/Bak­ka­lau­re­us- und Mas­ter-/ Magis­ter­stu­di­en­gän­ge“ vom 3.12.1998, https://www.kmk.org/ fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/BS_981203_AKKreditierung.
pdf (1.9.2017) sowie die Ent­schlie­ßung des 185. Ple­nums der HRK vom 6. Juli 1998 zum Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren, https://www.hrk. de/­po­si­tio­nen­/­po­si­ti­on/­be­schlus­s/­de­tail­/ak­kre­di­tie­rungs­ver­fah- ren/ (1.9.2017).

7 Sie­he den Beschluss der KMK „Künf­ti­ge Ent­wick­lung der län­der- und hoch­schul­über­grei­fen­den Qua­li­täts­si­che­rung in Deutsch- land“ vom 01.03.2002, S. 11, http://www.akkreditierungsrat.de/ filead­min/­Sei­ten­in­hal­te/KM­K/­Sons­ti­ge/KM­K_­Sys­te­m_­Wei­ter- entwicklung2002.pdf (1.9.2017).

Für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen und hoch- schul­in­ter­nen Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­te­men in Deutsch­land ist eine neue Rechts­grund­la­ge erar­bei­tet wor­den: Die Minis­ter­prä­si­den­ten der Län­der haben den „Staats­ver­trag über die Orga­ni­sa­ti­on eines gemein­sa­men Akkre­di­tie­rungs­sys­tems zur Qua­li­täts­si­che­rung in Stu- dium und Leh­re an deut­schen Hoch­schu­len“ unter­zeich- net.1 Die­ser „Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag“ stellt die Umset­zung des Beschlus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs- gerichts vom Febru­ar 20162 dar.

Zum Zeit­punkt, an dem der vor­lie­gen­de Bei­trag er- stellt wird, liegt der Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag den Län­der­par­la­men­ten zur Rati­fi­zie­rung vor. Die Ent- schei­dung über die Zustim­mung liegt in der Sou­ve­rä­ni- tät jedes ein­zel­nen Gesetz­ge­bungs­or­gans. Gleich­wohl benutzt der Text in der Fol­ge den Indi­ka­tiv und geht in- sofern von der Fik­ti­on eines ver­ab­schie­de­ten Staats­ver- trags aus. Dies geschieht aus­schließ­lich aus sprach­li­chen Erwä­gun­gen, da weder ein durch­gän­gig im Kon­junk­tiv gehal­te­ner Text noch eine Häu­fung von Aus­drü­cken wie „vor­aus­sicht­lich“ oder „vor­ge­se­hen“ sti­lis­tisch über­zeu- gen würden.

Der Arti­kel kon­zen­triert sich auf den Wan­del der Auf­ga­ben­stel­lung von Akkre­di­tie­rungs­rat und Agen­tu- ren. Auf dar­über hin­aus­ge­hen­de Aus­füh­run­gen zur ex- ter­nen Qua­li­täts­si­che­rung in Deutschland3 sowie zur Rol­le und Rechts­na­tur der Akkreditierung4 wird weit­ge- hend ver­zich­tet und hier­für auf ande­re ein­schlä­gi­ge Schrif­ten verwiesen.

  1. 1  Der Text des Staats­ver­trags nebst Begrün­dung ist in den Do- kumen­ta­ti­ons­sys­te­men meh­re­rer Län­der­par­la­men­te ver­füg­bar, bei­spiels­wei­se hier: http://www.landtag-bw.de/files/live/sites/ LTBW/files/dokumente/WP16/Drucksachen/1000/16_1823_D.pdf (1.9.2017).
  2. 2  BVerfG, Beschluss des Ers­ten Senats vom 17. Febru­ar 2016 — 1 BvL 8/10 — Rn. (1–88), http://www.bverfg.de/e/ls20160217_1bvl000810. html (1.9.2017).
  3. 3  Vgl. etwa das Hand­buch Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re (Kohler/ Pohlenz/Schmidt (Hrsg.), Hand­buch Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re: Eva­lua­ti­on nut­zen — Akkre­di­tie­rung sichern — Pro­fil schär­fen, Lose­blatt­samm­lung) und Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun- gen zur Akkre­di­tie­rung als Instru­ment der Qua­li­täts­si­che­rung, Drs. 2259-12, 2012, https://www.wissenschaftsrat.de/download/ archiv/2259–12.pdf (1.9.2017).
  4. 4  Sie­he dazu z.B. Immer, Rechts­pro­ble­me der Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen, 2013.

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2017, ISSN 2197–9197

256 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2017), 255–262

Der Akkre­di­tie­rungs­rat kon­sti­tu­ier­te sich 1999 und war zunächst ohne eige­ne Rechts­form bei der Geschäfts- stel­le der HRK ange­sie­delt. Zum Jah­res­wech­sel 2002/03 erfolg­te ein Umzug in das Sekre­ta­ri­at der KMK. Rechts- fähig­keit erhielt er 2005 mit dem nord­rhein-west­fä­li- schen „Gesetz zur Errich­tung einer Stif­tung „Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land““ (übli­cher­wei­se und auch im Fol­gen­den abge­kürzt mit „ASG“ für Akkreditierungs-Stiftungs-Gesetz),8 dem 2004 eine Ver­stän­di­gung der Län­der in der KMK9 vor- aus­ging. Die Län­der über­tru­gen ihre Auf­ga­ben nach § 9 Abs. 2 HRG per Verwaltungsvereinbarung10 auf die Stiftung.11

III. Auf­ga­ben von Akkre­di­tie­rungs­rat und Agen­tu­ren bis­lang und künftig

Auch die künf­ti­ge Kon­zep­ti­on gemäß Stu­di­en­ak­kre­di­tie- rungs­staats­ver­trag sieht eine Zwei-Ebe­nen-Struk­tur mit einer Auf­ga­ben­tei­lung von Agen­tu­ren und Akkre­di­tie- rungs­rat vor. Dabei sind jedoch drei wesent­li­che Ver- schie­bun­gen zu verzeichnen:

•Die Befug­nis, Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen zu tref­fen, geht von den Agen­tu­ren auf den Akkre­di­tie- rungs­rat über (Art. 5 Abs. 3 Nr. 1 Staatsvertrag).

• Sämt­li­che Befug­nis­se zur Regel­set­zung, die bis­her teil- wei­se beim Akkre­di­tie­rungs­rat ange­sie­delt waren, gehen auf die Län­der über (Art. 5 Abs. 3 Nr. 6 Staatsvertrag).

•Die bis­her vom Akkre­di­tie­rungs­rat durch­ge­führ­te mate­ri­el­le Prü­fung der Agen­tu­ren geht auf das euro­pä- ische Agen­tu­ren­re­gis­ter EQAR über (vgl. Art. 5 Abs. 3 Nr. 5 Staatsvertrag).

Die­se drei Aspek­te sei­en im Fol­gen­den näher ausgeführt.

1. Ent­schei­dungs­be­fug­nis

a) Situa­ti­on bislang

Die der­zeit täti­gen Agen­tu­ren sind über­wie­gend als Stif- tun­gen oder als pri­vat­recht­li­che Ver­ei­ne organisiert;12

  1. 8  Abruf­bar unter http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Sei- teninhalte/AR/Beschluesse/ASG_Stiftungsgesetz.pdf (1.9.2017).
  2. 9  Sie­he den Beschluss der KMK „Eck­punk­te für die Wei­ter­ent­wick- lung der Akkre­di­tie­rung in Deutsch­land“ vom 15.10.2004, http:// www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/KMK/Sonsti- ge/KMK_System_Weiterentwicklung2004.pdf (1.9.2017).
  3. 10  Beschluss der KMK „Ver­ein­ba­rung zur Stif­tung „Stif­tung: Akk­re- ditie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land“ vom 16.12.2004, http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/KMK/ Sonstige/KMK_System_Stiftung_Vereinbarung.pdf (1.9.2017).
  4. 11  Mit Ein­füh­rung des ASG wur­de der Akkre­di­tie­rungs­rat nur­mehr eines von drei Gre­mi­en – neben Vor­stand und Stif­tungs­rat – der „Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch- land. Gleich­wohl wer­den die Begrif­fe „Akkre­di­tie­rungs­rat“ und Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutschland“

eine Vor­ga­be für die Rechts­form exis­tiert nicht. Bis­lang füh­ren sie die Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren durch und tref- fen die Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen, wobei sie im Auf­trag der Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en- gän­gen deren Sie­gel ver­ge­ben. Ent­schei­dungs­gre­mi­en sind zumeist die so genann­ten Akkre­di­tie­rungs­kom­mis- sio­nen. Sie bestehen min­des­tens aus Hoch­schul­vertre- tern, Ver­tre­tern der Berufs­pra­xis und Studierenden.

Die Agen­tu­ren sind an Kri­te­ri­en und Ver­fah­rens­re- geln des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes gebun­den, ent­wi­ckeln auf die­ser Basis aber eige­ne Pro­fi­le. Sie ope­ra­tio­na­li­sie­ren die Regeln des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes in eige­nen Hand­rei- chun­gen; teil­wei­se sind sie nur in bestimm­ten Fächer­grup- pen tätig oder ver­fü­gen über regio­na­le Schwer­punk­te, ope- rie­ren grund­sätz­lich aber in allen Bundesländern.

Die Rechts­na­tur des Han­delns der Agen­tu­ren im noch aktu­el­len Sys­tem ist über­wie­gend unge­klärt. Den aktu­ell anwend­ba­ren Rechts­grund­la­gen kann man kei­ne kla­re Ent­schei­dung für das öffent­li­che bzw. pri­va­te Recht ent­neh­men. Das ASG selbst schweigt zur Rechts­na­tur der Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dung; in der Begrün­dung zum ASG ist von „pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten und han- deln­den Agen­tu­ren“ die Rede.13 Auch in den Lan- des­hoch­schul­ge­set­zen fin­den sich kei­ne ein­deu­ti­gen Aus­sa­gen zu die­ser Thematik.14 Eine Aus­nah­me stellt NRW dar: Dort wur­de im § 7a des 2014 in Kraft getre­te- nen Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes gere­gelt, dass die Agen­tu- ren in NRW als Belie­he­ne handeln.15

b) Ratio der Änderung

Die bis­lang unge­klär­te Rechts­na­tur des Agen­tur­han- delns war ein wesent­li­cher Aus­lö­ser für die Über­tra­gung der Ent­schei­dungs­be­fug­nis auf den Akkre­di­tie­rungs­rat. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt monier­te, dass kei­ne Klar­heit bezüg­lich der Rechts­stel­lung der Agen­tu­ren und der Rechts­form der von ihnen getrof­fe­nen Entsch­ei- dun­gen bestehe.16 Daher bestand Hand­lungs­be­darf für NRW und die Ländergemeinschaft.

im All­tag häu­fig syn­onym ver­wen­det, so auch im Fol­gen­den.
12 Näher dazu Immer (Fn. 4), S. 12.
13 Land­tags­druck­sa­che 13/6182, S. 12, https://www.landtag.nrw.de/

portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD13-6182.pdf

(1.9.2017).
14 Vgl. z. B. Brink­tri­ne, Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren und ‑model­le

nach Maß­ga­be des Hoch­schul­rechts der Län­der, WissR 42 (2009),

164 (165 ff.).
15 Sie­he dazu die Begrün­dung zu § 7 a HZG, Landtagsdrucksache

16/5410, S. 310, https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/doku- mentenarchiv/Dokument/MMD16-5410.pdf (1.9.2017); vgl. dazu auch Geis, Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Akkre­di­tie­rung, OdW 4 (2016), 193 (197).

16 Beschluss des BVerfG (Fn. 2), Rn 71 und 72.

Bart­z/­May­er-Lan­ter­mann · Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag 2 5 7

Die öffent­lich-recht­li­che Qua­li­fi­zie­rung der Akkre­di- tie­rungs­ent­schei­dung lag nahe. Bei mit Kla­gen im Be- reich der Akkre­di­tie­rung befass­ten Ver­wal­tungs­ge­rich- ten ließ sich eine Ten­denz für die öffent­lich-recht­li­che Ein­ord­nung der Akkre­di­tie­rung erkennen.17 Auch in der Lite­ra­tur wur­de dies über­wie­gend angenommen,18 da die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen und hoch­schul- inter­nen QM-Sys­te­men der öffent­li­chen Auf­ga­be der Auf­sicht über das Hoch­schul­we­sen diene.19 Zudem tref- fen die Agen­tu­ren selbst dann, wenn die Akkre­di­tie­rung das lan­des­recht­lich erfor­der­li­che Geneh­mi­gungs­ver­fah- ren nicht ersetzt,20 für die staat­li­chen Stel­len maß­geb­li- che Beur­tei­lun­gen dazu, ob der Stu­di­en­gang die in der Akkre­di­tie­rung zu prü­fen­den Qua­li­täts­an­for­de­run­gen erfüllt.21 Auch das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg ging in sei­ner Vor­la­ge­ent­schei­dung an das Bun­des­ver­fas­sungs- gericht vom öffent­lich-recht­li­chen Han­deln der Agen­tu- ren aus.22

Hät­te man die Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz bei den Agen­tu­ren belas­sen, wäre ihre ein­deu­ti­ge, gesetz­lich ge- regel­te Belei­hung unum­gäng­lich geworden.23 Dem hät­te jedoch das Selbst­ver­ständ­nis der Agen­tu­ren wider­spro- chen, die sich seit jeher nicht als Behör­den, son­dern als pri­vat­recht­lich han­deln­de Akteu­re verstehen.24 Hin­zu kam, dass die dop­pel­te Rol­le der Agen­tu­ren sowohl als

  1. 17  Zum Bei­spiel VG Min­den, Beschluss vom 30.07.2009 – 2 K 1291/08 Rn. 1 — 3, zitiert nach Immer (Fn. 4), S. 171.
  2. 18  Vgl. z. B. Lege, Die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen, JZ 14/2005, 698 (702); Heits­ch, Rechts­na­tur der Akkreditierungsentscheidungen/ Pro­zes­sua­le Fra­gen, WissR 42 (2009), 136 (142 f.).
  3. 19  Sie­he dazu Heits­ch (Fn. 18) WissR 42 (2009), 136 (142 f.).
  4. 20  Dies ist zum Bei­spiel in Ber­lin, Bre­men und Schles­wig-Hol­stein­der Fall. Auch in Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern, Bran­den­burg und Sach­sen-Anhalt muss ein Stu­di­en­gang durch das Minis­te­ri­um geneh­migt wer­den, falls kei­ne dies­be­züg­li­che Rege­lung in einer Ziel­ver­ein­ba­rung exis­tiert. Sie­he dazu die Über­sicht des Akkre­di- tie­rungs­ra­tes unter http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/ Sei­ten­in­hal­te/AR/­Sons­ti­ge/20161109­Re­ge­lun­g_Ak­kr_un­d_­Ge- nehmigung_Abfrage_2016.pdf (1.9.2017); vgl. auch Immer (Fn. 4), S. 122 f.
  5. 21  Über­zeu­gend argu­men­tiert hier Immer (Fn. 4), S. 238: „Aus- schlag­ge­bend, aber auch aus­rei­chend ist viel­mehr der in ihrem Bereich qua­li­ta­tiv-rechts­ver­bind­li­che Ein­fluss der Agen­tu­ren: Die Beur­tei­lung, ob der Stu­di­en­gang die Struk­tur­vor­ga­ben und den Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­men ein­hält, berufs­re­le­van­te Kom­pe­ten­zen ver- mit­telt und das erfor­der­li­che Qua­li­täts­ver­ständ­nis mit­bringt, ist nach sys­te­ma­tisch-teleo­lo­gi­scher Aus­le­gung des Akkre­di­tie­rungs- ver­fah­rens allein und letzt­ver­bind­lich ihrem Votum zuge­wie­sen“; sie­he auch Epping (Hrsg.), Nie­der­säch­si­sches Hoch­schul­ge­setz,§ 6, Rn 40. Er qua­li­fi­ziert die Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen, zumin­dest nach dem nie­der­säch­si­schen Lan­des­hoch­schul­recht, als öffentlich-rechtlich.
  6. 22  Sie­he Beschluss des VG Arns­berg vom 16.04.2010 – 12 K 2689/08, https://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/vg_arnsberg/j2010/12_K_2 689_08beschluss20100416.html (1.9.2017), S. 28. Das Bun­des­ver- fas­sungs­ge­richt traf kei­ne Fest­le­gung, ob die Agen­tu­ren öffent­lich oder pri­vat­recht­lich han­deln. Geis (Fn. 15), OdW 4 (2016), 193 (194), legt jedoch nach­voll­zieh­bar dar, dass die Verfassungsrichter

Durch­füh­ren­de der Ver­fah­ren als auch als Ent­schei­der über die Akkre­di­tie­rung dazu führt, dass sie eine Stu­di- enqua­li­tät ent­wi­ckeln­de Rol­le nur ein­ge­schränkt wahr- neh­men können.25

Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Ver­la­ge­rung der Ent- schei­dungs­zu­stän­dig­keit auf den Akkre­di­tie­rungs­rat zu sehen. Die­ser kann als Stif­tung des öffent­li­chen Rechts selbst­ver­ständ­lich Ver­wal­tungs­ak­te tref­fen; die Agen­tu- ren kön­nen als pri­va­te „Dienst­leis­ter für die Hoch­schu- len“26 künf­tig deut­lich frei­er agie­ren. So wer­den „kla­re Rechts­ver­hält­nis­se […] geschaffen“.27

Auch kann durch die neue Zustän­dig­keit des Akk­re- ditie­rungs­ra­tes „eine kon­sis­ten­te Ent­schei­dungs­pra­xis auf der Grund­la­ge der vor­ge­ge­be­nen Kriterien“28 er- reicht wer­den. Wie groß der Bedarf in die­ser Hin­sicht ist, lässt sich dar­an able­sen, dass der Akkre­di­tie­rungs­rat per­ma­nent tätig wur­de, um Inkon­sis­ten­zen zu begeg- nen.29 Damit dient die Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes auch „der Dere­gu­lie­rung und Effizienzsteigerung.“30

Hin­zu kommt, dass die allei­ni­ge Kom­pe­tenz für Ver- fah­ren und Ent­schei­dung bei am Markt agie­ren­den und von der Zufrie­den­heit der Kun­den abhän­gi­gen Agen­tu- ren Fehl­an­rei­ze nicht ganz aus­schließt, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der Zunah­me der Systemakkreditie-

von einer öffent­lich-recht­li­chen Fern­wir­kung aus­gin­gen: Das auf pri­va­te, die staat­li­che Aner­ken­nung begeh­ren­de, Hoch­schu­len in NRW anwend­ba­re Nor­men­ge­flecht füh­re für die­se Hoch­schu­len de fac­to zu einer Akkre­di­tie­rungs­pflicht und stel­le damit einen Grund­rechts­ein­griff dar.

23 Die Über­tra­gung staat­li­cher Auf­ga­ben an Pri­va­te steht unter dem so genann­ten insti­tu­tio­nel­len Geset­zes­vor­be­halt, bedarf also einer ein­deu­ti­gen gesetz­li­chen Rege­lung, sie­he dazu zum Bei­spiel Lege (Fn. 18), JZ 14/2005, 698 (703).

24 Sie­he dazu zum Bei­spiel Land­fried, HRK, Bei­trä­ge zur Hoch- schul­po­li­tik 6/2001, 46 (48 f.).

25 Das Ver­bot der Ver­knüp­fung von Bera­tung und Akkre­di­tie­rung ist für die Sys­te­mak­kre­di­tie­rung expli­zit gere­gelt, vgl. den Be- schluss des Akkre­di­tie­rungs­rats „Stan­dards für die Gestal­tung des Ver­hält­nis­ses von Sys­te­mak­kre­di­tie­rung und Bera­tungs­dienst- leis­tun­gen“ vom 31.10.2008 i.d.F. vom 20.02.2013, http://www. akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/AR/Beschluesse/ AR_Beratung_Systemakkreditierung.pdf (01.09.2017). Eine ggf. ange­sichts der Tätig­keit nicht in Deutsch­land ansäs­si­ger Agen- turen erfor­der­li­che Belei­hung aus­län­di­scher Rechts­trä­ger haben als nicht pro­ble­ma­tisch beur­teilt Heits­ch, DÖV 2007, S. 346 und Immer, S. 166.

26 Begrün­dung zu Art. 3 Abs. 5 Staats­ver­trag.
27 Ebd.
28 Ebd.
29 Zahl­rei­che der unter http://www.akkreditierungsrat.de/index.

php?id=beschluesse&L=-9.9 (1.9.2017) ver­öf­fent­lich­ten Beschlüs- se, Hand­rei­chun­gen und Rund­schrei­ben des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes hat­ten Inkon­sis­ten­zen in der Pra­xis der Agen­tu­ren zum Anlass.

30 Begrün­dung zu Art. 3 Abs. 5 Staatsvertrag.

258 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2017), 255–262

rungs­ver­fah­ren mit ihren weit­rei­chen­den Impli­ka­tio­nen für die Hochschulen.31

Durch eine Zustän­dig­keit des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes kön­nen schließ­lich die Anfor­de­run­gen an die Gut­ach­ten har­mo­ni­siert und Zeit­ab­läu­fe kla­rer defi­niert werden.

2. Befug­nis zur Fest­le­gung von Kri­te­ri­en und Ver­fah- rensregeln

a) Situa­ti­on bislang

Bis­lang wur­den Qua­li­täts­kri­te­ri­en für die Akkre­di­tie- rung im Wesent­li­chen vom Akkre­di­tie­rungs­rat ver­ab- schie­det. Aller­dings war eine so pro­mi­nen­te Rol­le des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes bei der Schaf­fung des Akkre­di­tie- rungs­sys­tems gar nicht ange­legt. Viel­mehr ging man von einem Kon­do­mi­ni­um von Staat und Hoch­schu­len aus, wobei die Hoch­schu­len, basie­rend auf Art. 5 Abs. 3 Grund­ge­setz, pri­mär für die fach­lich-inhalt­li­che Aus­ge- stal­tung des Stu­di­ums und der Staat – im föde­ra­len Sys- tem Deutsch­lands also die Län­der – pri­mär für die Stu- dienst­ruk­tur und den for­ma­len Rah­men zustän­dig sei- en.32 Die­se Zwei­tei­lung wur­de auch bei Ein­füh­rung des Akkre­di­tie­rungs­sys­tems im Grund­satz auf­recht­erhal­ten: Die Zustän­dig­keit für die fach­lich-inhalt­li­che Bewer­tung ver­blieb bei der sci­en­ti­fic community.33 Die staat­li­che Ver­ant­wor­tung für die Stu­di­en­an­ge­bo­te soll­te über Struk­tur­vor­ga­ben wahr­ge­nom­men werden.

Dem Akkre­di­tie­rungs­rat wur­de pri­mär die Rol­le ei- nes „Orga­ni­sa­tors“ des peer-review-Ver­fah­rens zuge- dacht.34 Die­se Per­spek­ti­ve der Anfangs­jah­re spie­gelt sich auch im ASG von 2005 wider. Der neu gegrün­de­ten „Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land“ wur­de durch das ASG neben der Auf­ga­be der Akkre­di­tie­rung von Agenturen35 die Verantwortung

  1. 31  Vgl. Kün­zel, Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven des deut­schen Sys­tems der exter­nen Qua­li­täts­si­che­rung, Hand­buch Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re (Fn. 3), B 1.6, S. 8 f.
  2. 32  Vgl. Thier­fel­der, Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen im föde­ra­len Sys­tem, Hand­buch Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re (Fn. 3), S. 2.
  3. 33  Vgl. Koh­ler, Anfor­de­run­gen an die Qua­li­tät des Akkre­di­tie­rungs­sys- tems, Hand­buch Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re (Fn. 3), F 1.4, S. 3 f.
  4. 34  Dies lässt sich aus dem Beschluss der KMK „Ein­füh­rung eines Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­rens für Bache­lor-/Bak­ka­lau­re­us- und Mas­ter-/Ma­gis­ter­stu­di­en­gän­ge“ vom 3.12.1998 (Fn. 6), able­sen,
    in dem es auf S. 61 heißt, dass der Akkre­di­tie­rungs­rat den Ablauf der fach­lich-inhalt­li­chen Begut­ach­tun­gen der Stu­di­en­gän­ge koor- dinie­ren solle.
  5. 35  Sie­he dazu 3.
  6. 36  Vgl. § 2 Abs. 1 Nr. 3 ASG.
  7. 37  Gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 2 ASG. Die aktu­el­len län­der­ge­mein­sa­men­Struk­tur­vor­ga­ben („Län­der­ge­mein­sa­me Struk­tur­vor­ga­ben für die Akkre­di­tie­rung von Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen“, Beschluss der KMK vom 10.10.2003 i.d. F. vom 4.2.2010) sind abruf­bar unter http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Sei- ten­in­hal­te/KM­K/­Vor­ga­ben/KM­K_La­en­der­ge­mein­sa­me_­Struk- turvorgaben_aktuell.pdf (1.9.2017).

für den Erlass von Ver­fah­rens­re­geln für die Stu­di­en- gangs­ak­kre­di­tie­rung übertragen.36 Ent­spre­chend der her­aus­ge­ho­be­nen Bedeu­tung der staat­li­chen Struk­tur- vor­ga­ben wur­de die Stif­tung zudem damit beauf­tragt, län­der­ge­mein­sa­me und lan­des­spe­zi­fi­sche Struk­tur­vor- gaben zu ver­bind­li­chen Vor­ga­ben für die Agen­tu­ren zusammenzufassen.37

Der neu kon­sti­tu­ier­te Akkre­di­tie­rungs­rat stell­te je- doch als­bald fest, dass eine Leer­stel­le in recht­li­cher wie inhalt­li­cher Hin­sicht bestand: Die vom Akkre­di­tie­rungs- rat ver­ab­schie­de­ten Kri­te­ri­en für Stu­di­en­gän­ge waren bis­her nicht über die Nen­nung eini­ger Aspek­te oder The­men­fel­der hinausgekommen.38 Denn zu Beginn der 2000er Jah­re hat­te bei KMK, HRK und Akkre­di­tie­rungs- rat die Über­zeu­gung geherrscht, das Haupt­ziel der Ak- kre­di­tie­rung bestehe dar­in, ein schlüs­si­ges und kohä­ren- tes Bild von den Leis­tun­gen der Hoch­schu­len zu erhal- ten, also Qua­li­täts­si­che­rung im Wesent­li­chen durch Her­stel­lung von Trans­pa­renz zu erzielen.39

Aus Sicht des dama­li­gen Vor­sit­zen­den, des Greifs­wal- der Juris­ten Jür­gen Koh­ler, konn­te dies nicht genü­gen: Ak- kre­di­tie­rungs­ver­fah­ren ent­sprä­chen rechts­staat­li­chen Maß- stä­ben nur dann, wenn sie „nor­ma­tiv durch­ge­bil­det [sei- en]“.40 Das Ergeb­nis sol­cher Ver­fah­ren kön­ne […] „nicht das blo­ße Resul­tat eines Dis­kur­ses sein, des­sen inhalt­li­che Ori­en­tie­rungnicht­klar­durch­Vor­ga­be­von­sach­be­zo­ge­nen, also vali­den und ins­be­son­de­re auch im Hin­blick auf Art. 5 Grund­ge­setz trag­fä­hi­gen Kri­te­ri­en umris­sen“ sei.41 Der Ak- kre­di­tie­rungs­rat ent­wi­ckel­te dar­auf­hin 2005 das ers­te um- fas­sen­de Kri­te­ri­en­set, geprägt vom so genann­ten „fit­ness of and fit­ness for pur­po­se“- Ansatz,42 und erar­bei­te­te in den Fol­ge­jah­ren ein sys­te­ma­tisch auf­ge­bau­tes Regel­werk, ge- glie­dert nach Ver­fah­rens­re­geln, (Qualitäts-)Kriterien und Entscheidungsregeln.43

38 Beschluss des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes „Akkre­di­tie­rung von Akk­re- ditie­rungs­agen­tu­ren und Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen mit den Abschlüs­sen Bachelor/Bakkalaureus und Master/Magister
– Min­dest­stan­dards und Kri­te­ri­en“ vom 30.11.1999 i.d.F. vom 17.12.1999.

39 Ebd., S. 6.
40 Koh­ler, Anfor­de­run­gen an die Qua­li­tät des Akkreditierungssys-

tems, Hand­buch Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re (Fn. 3), F 1.4, S. 7. 41 Ebd.; Koh­ler ging hier schon von einer öffent­lich-recht­li­chen Na- tur der Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren aus, sie­he zur Pro­ble­ma­tik der Rechts­na­tur von Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen Abschnitt 3.1.2.

42 Dabei han­del­te es sich um die „Kri­te­ri­en für die Akkre­di­tie­rung von Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren“, Beschluss des Akkre­di­tie­rungs- rates vom 15.12.2005.

43 Letz­ter Stand sind die „Regeln für die Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen und für die Sys­te­mak­kre­di­tie­rung“, Beschluss des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes vom 08.12.2009, zuletzt geän­dert am 20.02.2013, http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiten- inhalte/AR/Beschluesse/AR_Regeln_Studiengaenge_aktuell.pdf (01.09.2017).

Bart­z/­May­er-Lan­ter­mann · Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag 2 5 9

Damit bestand in Deutsch­land ein inter­na­tio­nal an- schluss­fä­hi­ges Regel­werk, das die vier rele­van­ten Dimen­sio­nen exter­ner Qua­li­täts­si­che­rung umfasste:

• Struk­tur­vor­ga­ben, in Deutsch­land von der KMK be- schlos­sen und mit jeweils unter­schied­li­chen Aus­prä­gun- gen in die Hoch­schul­ge­set­ze der Län­der ein­ge­flos­sen, wie etwa die Regel­stu­di­en­zeit oder die zu erwer­ben­de Kre- dit­punkt­zahl pro Studiengang;

• all­ge­mei­ne, so genann­te „gene­ri­sche“ und vom Ak- kre­di­tie­rungs­rat ent­wi­ckel­te Qua­li­täts­kri­te­ri­en, bei- spiels­wei­se die Aus­rich­tung des Stu­di­en­gangs an Qua- lifi­ka­ti­ons­zie­len, die Stim­mig­keit des Cur­ri­cul­ums, ein auf die ange­streb­ten Lern­er­geb­nis­se aus­ge­rich­te­tes Prü­fungs­sys­tem oder die Stu­dier­bar­keit im vor­ge­ge­be- nen Zeitraum;

• Ver­fah­rens­re­geln für die Begut­ach­tung von Stu­di­en- gän­gen oder von hoch­schul­in­ter­nen Qua­li­täts­ma­na­ge- mentsystemen

• fach­lich-inhalt­li­che Kri­te­ri­en, die auf der Basis des Ent­wick­lungs­stan­des der in den Stu­di­en­gän­gen rele- van­ten Fächer von den exter­nen Gut­ach­tern im Ge- spräch vor Ort dis­ku­tiert wur­den. Über­grei­fen­de, ein- heit­li­che fach­li­che Vor­ga­ben exis­tier­ten mit dem Fort- fall der Rah­men­prü­fungs­ord­nun­gen nicht mehr, aus- genom­men bei Stu­di­en­gän­gen, die zu regle­men­tier­ten Beru­fen füh­ren (Lehr­amt, Archi­tek­tur, Sozia­le Arbeit etc.).

Das Zusam­men­spiel der Akteu­re erwies sich als hin- rei­chend leis­tungs­fä­hig, um so bedeu­ten­de Inno­va­tio- nen wie die 2007/08 ein­ge­führ­te „Sys­te­mak­kre­di­tie- rung“, d.h. die Akkre­di­tie­rung hoch­schul­in­ter­ner Qua­li- täts­ma­nage­ment­sys­te­me als Alter­na­ti­ve zur Akkre­di­tie- rung von Stu­di­en­gän­gen („Pro­gramm­ak­kre­di­tie­rung“) zu imple­men­tie­ren. Gleich­wohl brach­te die Mul­ti-Ak- teurs-Kon­stel­la­ti­on der Akkre­di­tie­rung im Bereich der Regel­set­zung auch – zusätz­lich zu den ver­fas­sungs­recht- lichen Schwie­rig­kei­ten – prak­ti­sche Pro­ble­me mit sich, wie sogleich aus­zu­füh­ren sein wird.

b) Ratio der Änderung

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kri­ti­sier­te u.a., der Gesetz­ge­ber habe „die Nor­mie­rung inhalt­li­cher und ver- fah­rens- und orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­ge­ner Anfor­de­run­gen an die Akkre­di­tie­rung […] fak­tisch aus der Hand gege-

  1. 44  Beschluss des BVerfG (Fn. 2), Rn 80.
  2. 45  Vgl. ins­be­son­de­re Art. 4 Staatsvertrag.
  3. 46  Die­se Ver­ant­wor­tungs­tei­lung spie­gelt sich auch in Art. 1, Absätze1 und 2 Staats­ver­trag wider.

ben“,44 ohne die wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen selbst zu treffen.

Mit der Neu­re­ge­lung kom­men die Län­der die­sen Moni­ta des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nach: Kri­te­ri­en und Ver­fah­rens­re­geln wer­den künf­tig im Staats­ver­trag und in Rechts­ver­ord­nun­gen der Län­der, zu denen der Staats­ver­trag die not­wen­di­gen Ermäch­ti­gun­gen gibt,45 fest­ge­legt. Auf die­se Wei­se ist die demo­kra­ti­sche Legi­ti- mati­on zwei­fels­frei vor­han­den. Den Anfor­de­run­gen der Ver­fas­sungs­rich­ter an die Betei­li­gung der Wis­sen­schaft wird sowohl durch die ver­än­der­te Zusam­men­set­zung des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes als auch durch die Fest­schrei- bung der Mehr­heit der Wis­sen­schaft in den Gut­ach­ter- grup­pen Genü­ge getan. Es bleibt also im Grund­satz bei einer Ver­ant­wor­tungs­tei­lung zwi­schen Staat und Hochschule.46

Die Län­der haben mit ihrer Über­nah­me sämt­li­cher Regel­set­zungs­kom­pe­ten­zen noch ein wei­te­res Ziel ver- folgt, das aus Art. 3 Abs. 2 Satz 3 des Staats­ver­trags her- vor­geht: „Grund­la­ge und Maß­stab der Begut­ach­tung […] sind aus­schließ­lich die Rege­lun­gen die­ses Staats­ver- tra­ges und die Rege­lun­gen, die auf der Grund­la­ge die­ses Staats­ver­tra­ges erlas­sen wur­den.“ Denn die bis­he­ri­ge Hete­ro­ge­ni­tät der Regel­set­zung hat­te das Regel­werk un- über­sicht­lich gestal­tet – Hoch­schu­len und Agen­tu­ren muss­ten min­des­tens die Struk­tur­vor­ga­ben der KMK so- wie die Regeln des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes neben­ein­an­der legen. Zusätz­lich hat­ten die Agen­tu­ren selbst jeweils ei- gene Aus­deu­tun­gen, Leit­fä­den etc. ent­wi­ckelt, die zur Unüber­sicht­lich­keit des Gesamt­sys­tems bei­tru­gen. Schon 2012 hat­te der Wis­sen­schafts­rat kri­ti­siert, dass die Pra­xis der immer wei­te­ren Regel­aus­le­gung auf jeder be- tei­lig­ten Ebe­ne zu einer ste­tig anwach­sen­den Regu­lie- rungs­dich­te geführt habe.47

Durch die Regel­set­zung „aus einer Hand“ wird Der- arti­ges künf­tig ver­mie­den. In einem föde­ra­len Sys­tem wird sich eine in gewis­sem Umfang unaus­weich­li­che He- tero­ge­ni­tät gleich­wohl dadurch erge­ben, dass jedes Land eine eige­ne Rechts­ver­ord­nung erlässt. Art. 4 Abs. 6 des Staats­ver­trags hält aber fest, dass die Ver­ord­nun­gen über­ein­stim­men müs­sen, sofern dies für die Gleich­wer- tig­keit von Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen sowie von Stu­di­en­ab­schlüs­sen­und­für­die­Mög­lich­keitdes­Hoch- schul­wech­sels erfor­der­lich ist, so dass der Aus­ein­an­der- ent­wick­lung Gren­zen gesetzt sind.

47 Wis­sen­schafts­rat (Fn. 3), S. 60–62.

260 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2017), 255–262

Anre­gun­gen aus der Pra­xis und sei­tens der „Sta­ke- hol­der“, nament­lich Wis­sen­schaft, Berufs­pra­xis und Stu- die­ren­den, wer­den künf­tig dadurch berück­sich­tigt, dass der Akkre­di­tie­rungs­rat in Art. 5 Abs. 3 Nr. 6 Staats­ver- tragdenAuftragerhält,VorschlägezuRechtsverordnun- gen zu unterbreiten.48

3 Akkre­di­tie­rung von Agenturen

a) Situa­ti­on bislang

Das noch gül­ti­ge ASG legt in § 2 Abs. 1 Nr. 1 fest, dass Agen­tu­ren, die in Deutsch­land tätig sein müs­sen, vom Akkre­di­tie­rungs­rat zu akkre­di­tie­ren sind. Die­ser Auf­ga- be ist er – schon seit 2000 – mit einem gut­acht­er­zent- rier­ten Ver­fah­ren nach­ge­kom­men, das ana­log zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen auf­ge­baut ist: Alle fünf Jah­re prüft eine vom Akkre­di­tie­rungs­rat ein­ge­setz­te Gut­ach­ter­grup­pe die Agen­tur auf Basis eines von ihr ein- gereich­ten Selbst­be­richts und eines Vor-Ort-Besuchs dar­auf, ob sie in der Lage war bzw. ist, die Ver­fah­ren der Stu­di­en­gangs- und Sys­te­mak­kre­di­tie­rung sach­ge­recht durch­zu­füh­ren. Im posi­ti­ven Fall erhält die Agen­tur das Recht, das Sie­gel des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes zu verleihen.

Die zugrun­de­lie­gen­den Kri­te­ri­en umfas­sen u.a. eine aus­rei­chen­de Aus­stat­tung, die Betei­li­gung aller Sta­ke- hol­der an den Ver­fah­ren und ein funk­ti­ons­tüch­ti­ges agen­tur­in­ter­nes Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tem. Ein wei- terer wich­ti­ger Punkt ist die Unab­hän­gig­keit der Agen- turen, die häu­fig von Hoch­schu­len, Fakul­täts-/Fach­be- reichs­ta­gen, Fach­ge­sell­schaf­ten und Berufs­ver­bän­den getra­gen werden.49 Die gefor­der­te Abrech­nung auf Voll- kos­ten­ba­sis soll einen Wett­be­werb über einen nicht mehr trag­fä­hi­gen oder quer­sub­ven­tio­nier­ten güns­ti­gen Preis unterbinden.

Ein wei­te­res Kri­te­ri­um besteht in der fach- und hoch- schul­über­grei­fen­den Durch­füh­rung von Akkre­di­tie- rungs­ver­fah­ren durch die Agen­tu­ren. Weder soll­ten Trenn­li­ni­en zwi­schen Uni­ver­si­täts- und Fach­hoch­schul- stu­di­en­gän­gen noch zu klei­ne, nur für win­zi­ge Fächer- aus­schnit­te zustän­di­ge Agen­tu­ren entstehen.

  1. 48  Die Rege­lung ähnelt der in Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 des Staats­ver­trags über die Errich­tung einer gemein­sa­men Ein­rich­tung für Hoch- schul­zu­las­sung vom 5. Juni 2008, https://recht.nrw.de/lmi/owa/ br_vbl_show_pdf?p_id=12301 (1.9.2017).
  2. 49  Sie­he dazu Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Akkre­di­tie­rung als Instru­ment der Qua­li­täts­si­che­rung (Fn. 3), S. 31.
  3. 50  Die ESG 2005 sind abruf­bar unter http://www.enqa.eu/wp-con- tent/uploads/2015/09/ESG_3edition.pdf, die Neu­fas­sung von 2015 fin­det sich u.a. hier http://eqar.eu/fileadmin/documents/bologna/ ESG_2015.pdf und zusam­men mit einer deut­schen Über­set­zung hier https://www.hrk.de/uploads/media/ESG_German_and_Eng- lish_2015.pdf (1.9.2017).

War ein Begut­ach­tungs­ver­fah­ren für Agen­tu­ren in der ers­ten Hälf­te der 2000er Jah­re weit­ge­hend ein deut- sches Spe­zi­fi­kum, änder­te sich dies 2005 mit der Ver­ab- schie­dung der „Stan­dards and Gui­de­li­nes for Qua­li­ty Assuran­ce in the Euro­pean Hig­her Edu­ca­ti­on Area“ (ESG)50 durch die für die Hoch­schul­bil­dung ver­ant­wort- lichen Minis­ter des Euro­päi­schen Hochschulraums.51 Die ESG beinhal­ten Prin­zi­pi­en sowohl für die inter­ne Qua­li­täts­si­che­rung der Hoch­schu­len als auch für die ex- ter­ne Qua­li­täts­si­che­rung durch Agen­tu­ren bzw. der Agen­tu­ren selbst. Auf Basis der ESG, zunächst ins­be­son- dere deren Kapi­tel zwei und drei, eta­blier­te zuerst die Euro­pean Asso­cia­ti­on for Qua­li­ty Assuran­ce in Hig­her Edu­ca­ti­on (ENQA) das Prin­zip, Agen­tu­ren nur als Mit- glied auf­zu­neh­men, wenn sie in einem Begut­ach­tungs- ver­fah­ren ihre Über­ein­stim­mung mit den ESG nach­wei- sen. Das glei­che Prin­zip ver­folgt seit 2008 das „Euro­pean Qua­li­ty Assuran­ce Regis­ter“ (EQAR).

Der Akkre­di­tie­rungs­rat reagier­te auf die­se euro­päi- sche Ent­wick­lung, indem er zunächst optio­nal im Rah- men sei­ner Agen­turak­kre­di­tie­run­gen eine ESG-Prü­fung anbot. 2016 inte­grier­te er die ESG voll­stän­dig in sei­ne ein­schlä­gi­gen Regeln, zumal die jewei­li­gen Nor­men- kom­ple­xe nah bei­ein­an­der lie­gen, sind in ihnen doch je- weils lang­jäh­ri­ge Erfah­run­gen aus der Ent­wick­lung der Qua­li­täts­si­che­rung in Stu­di­um und Leh­re in Euro­pa seit den 1990er Jah­ren kondensiert.52 In der Pra­xis bedeu­tet dies seit zehn Jah­ren für die in Deutsch­land ansäs­si­gen Agen­tu­ren, dass das Ver­fah­ren beim Akkre­di­tie­rungs­rat als „one-stop-shop“ fun­giert und sowohl für die Akk­re- ditie­rung in Deutsch­land als auch für die Mit­glied­schaft bei ENQA sowie für die Regis­trie­rung bei EQAR dient.

b) Ratio der Änderung

Das bis­he­ri­ge Sys­tem war dahin­ge­hend aus­ta­riert, dass die Agen­tu­ren die Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen tref- fen und das Sie­gel des Akkre­di­tie­rungs­ra­tes ver­lei­hen, im Gegen­zug aber von letz­te­rem akkre­di­tiert und in ihrer lau­fen­den Arbeit über­wacht wer­den (ASG § 2 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4). Mit der Über­tra­gung der Entschei-

51 Es han­delt sich bei ihnen also nicht um euro­päi­sches Gemein- schafts­recht; vgl. Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Akkre­di­tie- rung als Instru­ment der Qua­li­täts­si­che­rung (Fn. 3), S. 28.

52 So for­mu­liert es Hop­bach, Euro­pean Asso­cia­ti­on for Qua­li­ty Assuran­ce in Hig­her Edu­ca­ti­on-ENQA, Hand­buch Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re (Fn. 3), B 3.3, S. 10.

Bart­z/­May­er-Lan­ter­mann · Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag 2 6 1

dungs­funk­ti­on auf den Akkre­di­tie­rungs­rat stell­te sich nun die Fra­ge nach einer Neu­jus­tie­rung sei­nes Ver­hält- nis­ses zu den Agenturen.

Für die „Betriebs­er­laub­nis“ steht mit dem Regis­ter EQAR inzwi­schen eine eta­blier­te, neu­tra­le euro­päi­sche Prüf­instanz zur Ver­fü­gung. Der Staats­ver­trag hält in Art. 3 Abs. 2 Satz 2 fest, dass Begut­ach­tun­gen in Pro- gramm- und Sys­te­mak­kre­di­tie­run­gen von einer bei EQAR regis­trier­ten und vom Akkre­di­tie­rungs­rat zuge- las­se­nen Agen­tur durch­ge­führt werden.53

An die­ser Stel­le ist beson­ders wich­tig zu beto­nen, dass die künf­ti­ge Zulas­sung von Agen­tu­ren durch den Akkre­di­tie­rungs­rat nicht mit deren vor­ma­li­ger Akkre­di- tie­rung gleich­zu­set­zen ist. Alle mate­ri­ell-inhalt­li­chen Prü­f­rech­te lie­gen nicht mehr beim Akkre­di­tie­rungs­rat, son­dern gehen auf EQAR über. Die Begrün­dung zum Staats­ver­trag spricht daher vom „Ver­zicht auf die Akkre­di- tie­rung von Agen­tu­ren zuguns­ten eines for­ma­len Zulas- sungsverfahrens“54 auf Basis der EQAR-Registrierung.

Die Zulas­sung durch den Akkre­di­tie­rungs­rat dient dabei pri­mär der Anbin­dung der hier­zu­lan­de täti­gen Agen­tu­ren an den deut­schen Rechts­rah­men, die die Re- gis­trie­rung bei dem als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein nach bel- gischem Recht orga­ni­sier­ten EQAR nicht aus sich selbst her­aus her­stel­len kann.

Als Vor­aus­set­zung für die Zulas­sung benennt der Staats­ver­trag ent­spre­chend (Art. 5 Abs. 3 Nr. 5) den „durch die Agen­tur zu führende[n] Nach­weis, dass sie zuver­läs­sig in der Lage ist, die Auf­ga­ben der Begut­ach- tung und der Erstel­lung des Gut­ach­tens wahr­zu­neh­men; bei den bei dem EQAR regis­trier­ten Agen­tu­ren wird dies wider­leg­bar ver­mu­tet.“ Die Begrün­dung ver­weist dar- auf, dass der Begriff der Zuver­läs­sig­keit „in Ana­lo­gie zu dem gewer­be­recht­li­chen Wirt­schafts­ver­wal­tungs- recht“55 gewählt wur­de und dass die­ser Begriff von der Recht­spre­chung hin­rei­chend defi­niert und damit als be- ruf­s­re­gu­lie­ren­de Rege­lung zuläs­sig sein dürfte.56

Mate­ri­ell-inhalt­li­che Prü­fun­gen der Agen­tu­ren durch den Akkre­di­tie­rungs­rat im bis­he­ri­gen Sinn sind damit nicht ver­bun­den. Das Zulas­sungs­ver­fah­ren dürf­te sich daher in aller Regel auf einen Schrift­wech­sel zwi- schen EQAR-regis­trier­ter Agen­tur und Akkre­di­tie- rungs­rat beschränken.

Auf die­se Wei­se wird der Zugang für euro­päi­sche Agen­tu­ren erheb­lich erleich­tert. Dabei ist zu berück­sich- tigen, dass die Gut­ach­ten, sobald es zur Antrag­stel­lung der Hoch­schu­le beim Akkre­di­tie­rungs­rat kommt, in deut­scher Spra­che vor­lie­gen müssen.57

Kon­se­quen­ter­wei­se ent­fällt nicht nur die Akkre­di­tie- rung der Agen­tu­ren durch den Akkre­di­tie­rungs­rat, son- dern auch die kon­ti­nu­ier­li­che Über­wa­chung ers­te­rer durch letz­te­ren sowie die Ver­pflich­tung, Ver­ein­ba­run­gen zur Zusam­men­ar­beit zu schlie­ßen (ASG § 3): Alle dies- bezüg­li­chen Ver­flech­tun­gen sind nicht mehr erfor­der- lich, sobald nur noch der Akkre­di­tie­rungs­rat selbst Ak- kre­di­tie­rungs­ent­schei­dun­gen trifft und sein Sie­gel verleiht.

IV. Fazit und Ausblick

Das Ver­hält­nis zwi­schen Akkre­di­tie­rungs­rat und Agen- turen steht vor einem grund­le­gen­den Wan­del. Die jewei- ligen Auf­ga­ben, Funk­tio­nen und Rechts­ver­hält­nis­se wer­den dabei durch die Bestim­mun­gen des Staats­ver- trags klar beschrie­ben und deut­lich defi­niert, so dass bis- lang offe­ne Fra­gen geklärt sind und Rechts­si­cher­heit her­ge­stellt ist.

Olaf Bartz ist Geschäfts­füh­rer und Vor­stands­mit­glied der Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land. Kat­rin May­er-Lan­ter­mann ist Voll­ju­ris­tin und arbei­tet als Refe­ren­tin in der Geschäfts­stel­le der Stiftung.

  1. 53  Auf die Son­der­si­tua­ti­on von Agen­tur­tä­tig­kei­ten, die das Staats­kir- chen­recht berüh­ren, wird hier nicht eingegangen.
  2. 54  Begrün­dung zu Art. 3 Abs. 8 Staatsvertrag.
  3. 55  Begrün­dung zu Art. 5 Abs. 3 Nr. 5 Staatsvertrag.
  4. 56  Ebd.; vgl. auch Immer (Fn. 4), S. 263 ff. zu den Grund­rech­ten der­Agen­tu­ren nach bis­he­ri­ger Rechtslage.
  5. 57  Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz NRW, § 23.

262 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2017), 255–262