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Mit Blick auf die Neu­re­ge­lung der Akkre­di­tie­rung kann vor­aus­ge­schickt wer­den: Die Siche­rung und Ent­wick- lung der Qua­li­tät in Stu­di­um und Leh­re ist und bleibt vor­ran­gig Auf­ga­be der Hoch­schu­len. Eine Rück­kehr zur staat­li­chen Geneh­mi­gungs­pra­xis scheint daher aus­ge- schlos­sen zu sein. Im Zuge der not­wen­dig gewor­de­nen Neu­ord­nung des deut­schen Akkre­di­tie­rungs­sys­tems nut­zen die Län­der die Chan­ce zu des­sen Wei­ter­ent­wick- lung.

I. Anlass und Hin­ter­grund für die Neuregelung

Den Anstoß für die der­zeit lau­fen­de Neu­re­ge­lung der Akkre­di­tie­rung in Deutsch­land hat das Bun­des­ver­fas- sungs­ge­richt mit sei­nem von der Fach­welt seit län­ge­rem erwar­te­ten Beschluss vom 17. Febru­ar 2016 gegeben.1 Zwar hat­te die­se Nor­men­kon­trol­l­ent­schei­dung die im Hoch­schul­ge­setz des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len befind­li­chen Akkre­di­tie­rungs­re­ge­lun­gen zum Gegen- stand, doch wies das Gericht selbst bereits auf die Wei­te- run­gen für das Akkre­di­tie­rungs­sys­tem in ganz Deutsch- land hin.2 Somit sind alle Län­der mit ihren Hoch­schul- geset­zen sowie über die gemein­sam getra­ge­ne Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen glei­cher­ma­ßen von der Ent­schei­dung betrof­fen. Auf die Grund­li­ni­en die­ser Ent­schei­dung soll im Fol­gen­den jedoch nicht wei- ter ein­ge­gan­gen werden.3 Viel­mehr soll die Umset­zung der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Mit­tel­punkt ste­hen. Dafür ist dem Land Nord­rhein- West­fa­len eine Frist bis zum 31. Dezem­ber 2017 gewährt worden.

Der Wis­sen­schafts­rat hat in sei­nen Emp­feh­lun­gen von 2012 zur „Akkre­di­tie­rung als Instru­ment der Quali-

  1. 1  BVerfG, Beschl. 17.2.2016 — 1 BvL 8/10, = BVerfGE 141, 143–182.
  2. 2  Vgl. BVerfG (Fn. 1), Rn. 88.
  3. 3  Vgl. dazu z.B.: Geis, Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Akkre­di-tie­rung, OdW 2016, 193–202; Herr­mann, Ja aber…- Klar­stel­lun- gen aus Karls­ru­he zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen, WissR 49 (2016), 3–27; Quapp, Zur Zukunft der Stu­di­en­gangs­ak­kre­di- tie­rung im Licht der aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas- sungs­ge­richts, DÖV 2017, 271–281.
  4. 4  Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Akkre­di­tie­rung als Instru- ment der Qua­li­täts­si­che­rung, Köln 2012, S. 70.
  5. 5  Vgl. Wis­sen­schafts­rat (Fn. 4), S. 93 ff.
  6. 6  BVerfG, Beschl. 17.2.2016 — 1 BvL 8/10, = BVerfGE 141, 143,Rn. 63, 66.

täts­si­che­rung“ bekräf­tigt, dass ein Hoch­schul­sys­tem von einer sol­chen Grö­ße, Kom­ple­xi­tät, Dif­fe­ren­ziert­heit und inter­na­tio­na­len Ver­net­zung wie das deut­sche, auf for­ma- lisier­te Ver­fah­ren der exter­nen Qua­li­täts­si­che­rung, ins- beson­de­re in Stu­di­um und Leh­re ange­wie­sen sei.4 Im Euro­päi­schen Hoch­schul­raum und ver­gleich­ba­ren au- ßer­eu­ro­päi­schen Län­dern sind der­ar­ti­ge Ver­fah­ren da- her mit guten Grün­den ein­ge­führt worden.5 Das Bun- des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in sei­ner jüngs­ten Akkre­di­tie- rungs­ent­schei­dung letzt­lich auch kei­ne grund­sätz­li­chen Beden­ken gegen eine ver­bind­li­che exter­ne Qua­li­täts­si- che­rung geäußert.6 Inso­fern stell­te sich für die Län­der in der Betrach­tung die­ser Ent­schei­dung nicht die Fra­ge nach dem „Ob“, son­dern nur nach dem „Wie“ exter­ner Qua­li­täts­si­che­rung in Leh­re und Stu­di­um. In der Fra­ge der Aus­ge­stal­tung sind zwei Dimen­sio­nen zu unter- schei­den: Ers­tens die recht­li­che und zwei­tens die orga­ni- sato­risch-inhalt­li­che Form des künf­ti­gen Sys­tems. In die­sem Sin­ne haben die Län­der in der Kul­tus­mi­nis­ter- kon­fe­renz (KMK) beschlos­sen, die recht­li­chen Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Wege eines län­der­ge- mein­sa­men Staats­ver­tra­ges umzu­set­zen und zugleich das bestehen­de Sys­tem der Qua­li­täts­si­che­rung behut­sam wei­ter zu entwickeln.7

II. Der Studienakkreditierungsstaatsvertrag

In Umset­zung der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs- gerichts hat die KMK nach inten­si­ven Bera­tun­gen Anfang Dezem­ber 2016 einen Staats­ver­trags­ent­wurf ver- abschie­det, der am 16. März 2017 von den Regie­rungs- che­fin­nen und Regie­rungs­chefs der Län­der ein­stim­mig beschlos­sen und am 1. Juni 2017 unter­zeich­net wurde.8

7 Vgl. KMK, Pres­se­mit­tei­lung vom 9.12.2016, „Akkre­di­tie­rungs- staats­ver­trag der KMK sichert größt­mög­li­che Qua­li­tät von Stu­di­en­gän­gen und Mobi­li­tät für Stu­die­ren­de“, https://www.kmk. org/ak­tu­el­les/ar­ti­kel­an­sich­t/ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag-der- kmk-sichert-groesst­moe­g­li­che-qua­li­ta­et-von-stu­di­en­ga­en­gen- und-mobilitaet-fuer-studierende.html (abge­ru­fen am 11.8.2017).

8 Zum Ent­wurfstext des „Staats­ver­tra­ges über die Orga­ni­sa­ti­on eines gemein­sa­men Akkre­di­tie­rungs­sys­tems zur Qua­li­täts- siche­rung in Stu­di­um und Leh­re an deut­schen Hoch­schu­len (Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag)“, der noch in den Län­dern rati­fi­ziert wer­den muss, vgl. etwa: Abge­ord­ne­ten­haus Ber­lin, Drs. 18/0362, https://www.parlament-berlin.de/ados/18/IIIPlen/ vorgang/d18-0362.pdf (abge­ru­fen am 11.8.2017).

Patrick A. Neu­haus und Tho­mas Grü­ne­wald Wei­ter­ent­wick­lung einer bewähr­ten Qua­li­täts- siche­rung – Die Neu­re­ge­lung der Akkreditierung

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2017, ISSN 2197–9197

264 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 4 (2017), 263–266

Die Ent­schei­dung der Län­der­ge­mein­schaft für die­se staats­ver­trag­li­che Lösung zeigt deut­lich, dass sie sich zu einem mög­lichst ein­heit­li­chen Sys­tem der Qua­li­täts­si- che­rung und Akkre­di­tie­rung in Deutsch­land bekennt.

1. Wesent­li­che Leitlinien

Die wesent­li­chen Ele­men­te des bis­he­ri­gen Akkre­di­tie- rungs­sys­tems wer­den mit der Neu­re­ge­lung über­nom- men. So wird es wei­ter­hin die bei­den bewähr­ten For­ma- te der Pro­gramm- und der Sys­te­mak­kre­di­tie­rung geben, eben­so wie die sie tra­gen­den Akteu­re. Die „Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land“ mit Sitz in Bonn wird wei­ter fort­be­stehen und zwar als gemein­sa­me Ein­rich­tung der Län­der unter dem neu­en Namen „Stif­tung Akkre­di­tie­rungs­rat“ (Art. 5 Abs. 1 Stu- dien­ak­kre­di­tie­rungs­staats­ver­trag). Dafür wird das nord- rhein-west­fä­li­sche Stif­tungs­er­rich­tungs­ge­setz von 20059 ent­spre­chend geän­dert werden.

Der Staats­ver­trag betont die zen­tra­le Ver­ant­wor­tung der Hoch­schu­len für die Qua­li­täts­si­che­rung ihrer Stu­di- engän­ge bzw. für ihre Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­te­me (Art. 1 Abs. 1 S. 1) wie auch das bewähr­te „Peer reviewing“-Verfahren (Art. 3 Abs. 2). Unter­stri­chen wird dar­in zugleich die Aus­rich­tung des Ver­fah­rens an den bekann­ten vier Schrit­ten der Euro­pean Stan­dards and Gui­de­li­nes (ESG):10

1. Antrag der Hoch­schu­le,
2. Selbst­eva­lua­ti­ons­be­richt der Hoch­schu­le,
3. unab­hän­gi­ger exter­ner Sach­ver­stand von Peer

Reviewing (Peer Reviewing ist dabei das Ein­lö­sen des Anspruchs auf ein wis­sen­schaft­li­ches Ver­fah­ren) und

4. Gut­ach­ten mit Beschluss- und Bewertungsempfehlungen.

2. Die wich­tigs­ten Neuerungen

Des­sen unge­ach­tet haben sich die Län­der für eine Rei­he wich­ti­ger Wei­ter­ent­wick­lun­gen ent­schie­den. So wird das Bezie­hungs­ge­flecht zwi­schen Hoch­schu­len, Agen­tu­ren und einem neu zusam­men­ge­setz­ten Akkre­di­tie­rungs­rat in einer Rei­he zen­tra­ler Punk­te neu jus­tiert. Beson­ders bedeut­sam ist dabei die neue Rol­len­ver­tei­lung zwi­schen Akkre­di­tie­rungs­rat und Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren. Die Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dung in Form eines Ver­wal- tungs­akts trifft künf­tig sowohl bei der Pro­gramm- als auch bei der Sys­te­mak­kre­di­tie­rung zen­tral der Akkredi-

  1. 9  Gesetz zur Errich­tung einer Stif­tung „Stif­tung zur Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen in Deutsch­land“ vom 15.2.2005, GV. NRW.
    S. 45, in Kraft getre­ten am 26.2.2005.
  2. 10  Vgl. Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz (HRK), Stan­dards und Leit­li- nien für die Qua­li­täts­si­che­rung im Euro­päi­schen Hochschulraum

tie­rungs­rat und nicht mehr die jewei­li­ge Akkre­di­tie- rungs­agen­tur (vgl. Art. 3 Abs. 5). Die­ses Poo­ling der Ent- schei­dun­gen beruht auf den vom Wis­sen­schafts­rat bemän­gel­ten Rei­bungs­ver­lus­ten im Meh­re­be­nen­sys­tem der Akkreditierung:11 Dort fin­den sich die Akteu­re KMK (also die Län­der), der Akkre­di­tie­rungs­rat, die Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren und „last but not least“ die Hoch­schu­len. Mit der neu­en Zen­tra­li­sie­rung und den staat­li­chen Ver­fah­rens­re­geln wol­len die Län­der nun- mehr zur Effi­zi­enz­stei­ge­rung sowie zu kon­sis­ten­te­ren Ent­schei­dun­gen beitragen.

Gleich­zei­tig sol­len sich die Hoch­schu­len in den Ver- fah­ren der Pro­gramm- und Sys­te­mak­kre­di­tie­rung wei- ter­hin einer Akkre­di­tie­rungs­agen­tur bedie­nen (Art. 3 Abs. 2 S. 2). Dies dient bei der Viel­zahl der erwar­te­ten Ver­fah­ren nicht zuletzt auch der Ent­las­tung des Rates, der hier­durch ent­schei­dungs­rei­fe Unter­la­gen erhält. Hoch­schu­len und Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren füh­ren das Ver­fah­ren auto­nom und wis­sen­schafts­nah durch. Ver- tre­ter der Berufs­pra­xis und Stu­die­ren­de wer­den wie bis- her obli­ga­to­risch in die Ver­fah­ren der Pro­gramm- und Sys­te­mak­kre­di­tie­rung ein­be­zo­gen. Das Ver­hält­nis von Akkre­di­tie­rungs­agen­tu­ren und Akkre­di­tie­rungs­rat wird künf­tig bestimmt durch die Abstu­fung von Entsch­ei- dungs­vor­be­rei­tung und Entscheidung.

Für die Hoch­schu­len wird es im Ver­fah­ren zu einer ein­deu­ti­gen Tren­nung zwi­schen den ver­schie­de­nen Ver- fah­rens­schrit­ten kom­men, die auf der einen Sei­te das pri­vat­recht­li­che Ver­hält­nis der Hoch­schu­le zur Akkre­di- tie­rungs­agen­tur und auf der ande­ren Sei­te das Ver­hält­nis der Hoch­schu­le zum Akkre­di­tie­rungs­rat und dem Erlass des Akkre­di­tats als Ver­wal­tungs­akt betreffen.

Dar­über hin­aus wur­de der Wis­sen­schaft zur Ge- währ­leis­tung der nach den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas- sungs­ge­richts erfor­der­li­chen Wissenschaftsmehrheit12 in fach­lich-inhalt­li­chen Fra­gen eine struk­tu­rel­le Mehr- heit im Akkre­di­tie­rungs­rat ein­ge­räumt (Art. 9 Abs. 4). Das Beset­zungs­ver­fah­ren für die Grup­pe der Wis­sen- schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler im Rat liegt gemäß Art. 9 Abs. 2 S. 2 und 3 in den Hän­den der Hoch­schul- rek­to­ren­kon­fe­renz (HRK). Die HRK trägt auch die Ver- ant­wor­tung für die Richt­li­ni­en der Gut­ach­ter­be­stel­lung (Art. 3 Abs. 3 S. 1).

Es erfolgt zudem eine Tren­nung der Ver­fah­ren zur Bewer­tung der for­ma­len Kri­te­ri­en (Art. 2 Abs. 2) einer- seits und der fach­lich-inhalt­li­chen Kri­te­ri­en (Art. 2 Abs. 3) ande­rer­seits, zu denen auch die Berufsrelevanz

(ESG) – Stan­dards and gui­de­li­nes for qua­li­ty assuran­ce in the Euro­pean Hig­her Edu­ca­ti­on Area (ESG), Bei­trä­ge zur Hoch­schul- poli­tik 3/2015, Bonn 2015.

11 Wis­sen­schafts­rat (Fn. 4), S. 60 ff. 12 BVerfG (Fn. 1), Rn. 81.

Neuhaus/Grünewald · Neu­re­ge­lung der Akkre­di­tie­rung 2 6 5

gehört. Aller­dings ist das Prin­zip des „Peer reviewing“ nur für die fach­lich-inhalt­li­chen Kri­te­ri­en vor­ge­se­hen. Die­se Auf­tei­lung dient auch der Ver­fah­rens­öko­no­mie: Die for­ma­len Kri­te­ri­en bedür­fen kei­ner Prü­fung durch die Peers, son­dern allein der Veri­fi­zie­rung durch die Agen­tu­ren. Damit wer­den die Gut­ach­ter von der Prü- fung rein for­ma­ler Kri­te­ri­en entlastet.

Das Ver­fah­ren der Zulas­sung von Agen­tu­ren fin­det künf­tig nur noch for­mal auf der Basis einer Regis­trie- rung im Euro­pean Qua­li­ty Regis­ter for Hig­her Edu­ca- tion (EQAR) statt (Art. 5 Abs. 3 Nr. 5) und soll den Ak- kre­di­tie­rungs­rat von der bis­her auf­wän­di­gen Akkre­di- tie­rung der Agen­tu­ren ent­las­ten sowie eine bes­se­re Öff- nung zum euro­päi­schen Agen­turmarkt ermöglichen.

Über die bei­den bekann­ten Akkre­di­tie­rungs­for­ma­te der Pro­gramm- und Sys­te­mak­kre­di­tie­rung hin­aus wird in Art. 3 Abs. 1 Nr. 3 nun­mehr auch eine Expe­ri­men­tier- klau­sel ver­an­kert, die den Staats­ver­trag für den Ein­satz alter­na­ti­ver Akkre­di­tie­rungs­in­stru­men­te öff­net und da- mit zukunfts­fest macht.13

3. Kos­ten

Hin­sicht­lich der Kos­ten der Akkre­di­tie­rung sieht der Staats­ver­trag in Art. 4 Abs. 5 die Mög­lich­keit vor, im Rah­men von Rechts­ver­ord­nun­gen Rege­lun­gen zu den Agen­tur­ent­gel­ten zu tref­fen, um den Län­dern zum Bei- spiel eine Kos­ten­brem­se zu ermög­li­chen. Das Mini­mal- ziel wird es sein, die Kos­ten für die Hoch­schu­len nicht über den bis­he­ri­gen Stand stei­gen zu las­sen. Vor­stell­bar sind per­spek­ti­visch sogar sin­ken­de Kos­ten. Dazu kön- nen ein wie bis­her per­so­nell mög­lichst schlank gehal­te- ner Akkre­di­tie­rungs­rat, kla­re und effi­zi­en­te Ver­fah­ren sowie der stär­ker stei­gen­de Anteil sys­te­mak­kre­di­tier­ter Hoch­schu­len bei­tra­gen. Der Wis­sen­schafts­rat hat nach- gewie­sen, dass die Kos­ten pro Stu­di­en­gang bei der Sys­te- mak­kre­di­tie­rung deut­lich unter jenen der Pro­grammak- kre­di­tie­rung liegen.14 Daher sind von der Sys­te­makk­re- ditie­rung als dem zukünf­ti­gen abseh­ba­ren de fac­to-Regel­fall posi­ti­ve Effek­te für Auf­wand und Kos­ten zu erwar­ten. Zu die­sem Ziel könn­ten auch groß­zü­gi­ge­re Akkre­di­tie­rungs- und Reak­kre­di­tie­rungs­fris­ten als bis- her bei­tra­gen. Für die Sys­te­mak­kre­di­tie­rung spricht jedoch aus Sicht der Qua­li­täts­si­che­rung und ‑ent­wick-

  1. 13  Dies ent­spricht den Emp­feh­lun­gen des Wis­sen­schafts­rats: Wis- sen­schafts­rat (Fn. 4), S. 83 f.
  2. 14  Wis­sen­schafts­rat (Fn. 4), S. 145.
  3. 15  Län­der­ge­mein­sa­me Struk­tur­vor­ga­ben für die Akkre­di­tie-rung von Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen, Beschluss der

lung letzt­end­lich weit mehr als nur die Betrach­tung nach Auf­wand und Kos­ten des Verfahrens.

III. Die Musterrechtsverordnung

Die wei­te­re Aus­ge­stal­tung ins­be­son­de­re der for­ma­len und der fach­lich-inhalt­li­chen Kri­te­ri­en sowie der Ver- fah­rens­re­ge­lun­gen dis­ku­tie­ren die Län­der der­zeit im Wege der Erstel­lung einer Mus­ter­rechts­ver­ord­nung i.S.d. Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung in Art. 4 des Stu­di­en­ak­kre­di- tierungsstaatsvertrags.

Seit Febru­ar 2017 hat eine län­der­of­fe­ne Arbeits­grup- pe unter Feder­füh­rung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len die kom­ple­xe Arbeit an einer Mus­ter­rechts­ver­ord­nung auf­ge­nom­men, wel­che die Grund­la­ge für die von den 16 Län­dern jeweils zu erlas­sen­den „Ver­ord­nun­gen zur Re- gelung des Nähe­ren der Stu­di­en­ak­kre­di­tie­rung“ bil­den soll. Die Arbeits­grup­pe, der Ver­tre­te­rin­nen und Vertre- ter fast aller Bun­des­län­der ange­hö­ren, wird in rasch auf- ein­an­der fol­gen­den Sit­zun­gen und Anhö­run­gen einen Vor­schlag zur Umset­zung des Staats­ver­tra­ges for­mu­lie- ren und die­sen Ent­wurf vor­aus­sicht­lich bis Herbst 2017 den KMK-Gre­mi­en zur Befas­sung vorlegen.

Das vor­ran­gi­ge Ziel der Arbeits­grup­pe besteht dar­in, einen mög­lichst ein­heit­li­chen recht­li­chen Rah­men für alle Bun­des­län­der zu schaf­fen. Der Staats­ver­trag schreibt in Art. 4 Abs. 6 die Ein­heit­lich­keit der Rechts­ver­ord­nun- gen hin­sicht­lich der Rege­lun­gen zu den for­ma­len Kri­te­ri­en, zu den Son­der­re­ge­lun­gen für bestimm­te Stu­di­en­be­rei­che, zum Ver­fah­ren sowie zu den von den Agen­tu­ren zu erhe- ben­den Ent­gel­ten vor. Aller­dings nur soweit dies für die Ge- währ­leis­tung der staat­li­chen Ver­ant­wor­tung als Grund­la­ge gegen­sei­ti­ger Aner­ken­nung und für die Mobi­li­tät erfor­der- lich ist. Es wird also jeweils einen län­der­ge­mein­sa­men Teil sowie gege­be­nen­falls einen län­der­spe­zi­fi­schen Teil in den ein­zel­nen Rechts­ver­ord­nun­gen geben.

Inhalt­lich wird es in der Mus­ter­rechts­ver­ord­nung um die ope­ra­ti­ve Aus­ge­stal­tung und die Funk­ti­ons­zu­wei- sun­gen des zukünf­ti­gen Akkre­di­tie­rungs­sys­tems gehen. Mög­li­cher Rege­lungs­in­halt der Rechts­ver­ord­nun­gen hin­sicht­lich der for­ma­len und fach­lich-inhalt­li­chen Kri- teri­en sind unter ande­rem die län­der­ge­mein­sa­men Struk­tur­vor­ga­ben der KMK,15 gege­be­nen­falls in modifi-

Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 10.10.2003 i.d.F. vom 4.2.2010, https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_ beschlues­se/2003/2003_10_10-Laen­der­ge­mein­sa­me-Struk­tur­vor- gaben.pdf (abge­ru­fen am 11.08.2017).

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zier­ter Form. Die nähe­ren Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen wer­den sich wie erwähnt an den ESG orientieren.

IV. Schluss­be­mer­kun­gen

Der neue Staats­ver­trag schafft die not­wen­dig gewor­de­ne neue Rechts­grund­la­ge für ein zukunfts­fä­hi­ges Akkre­di- tie­rungs­sys­tem. Die zugrun­de lie­gen­den Leit­ge­dan­ken las­sen sich wie folgt zusammenfassen:

•Die pri­mä­re Ver­ant­wor­tung der Hoch­schu­len für Qua­li­täts­si­che­rung und ‑ent­wick­lung in Leh­re und Studium,

• Akkre­di­tie­rung als exter­nes, wis­sen­schafts­ge lei­te­tes Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem für Stu­di­um und Leh­re zur Gewähr­leis­tung fach­lich-inhalt­li­cher Stan­dards und der Be- ruf­s­re­le­vanz der Hochschulabschlüsse,

•die Wahr­neh­mung der staat­li­chen Ver­ant­wor­tung für die Gleich­wer­tig­keit ein­an­der ent­spre­chen­der Stu- dien- und Prü­fungs­leis­tun­gen sowie Stu­di­en­ab­schlüs­se und die Mög­lich­keit des Hochschulwechsels,

• Pro­gramm- und Sys­te­mak­kre­di­tie­rung als Akkre­di- tie­rungs­in­stru­men­te sowie die fes­te Opti­on zur Fort- ent­wick­lung der Qua­li­täts­si­che­rung durch Akkre­di­tie- rung im Wege der Expe­ri­men­tier­klau­sel und

• die Kom­pa­ti­bi­li­tät mit den auf euro­päi­scher Ebe­ne ver­ein­bar­ten Stan­dards und Leit­li­ni­en für die Qua­li- täts­si­che­rung im euro­päi­schen Hochschulraum.

Abschlie­ßend kann fest­ge­hal­ten wer­den, dass sich das „Peer review“ in der For­schung über Jahr­zehn­te als Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung wis­sen­schaft­li­cher Leis­tung ent­wi­ckelt und bewährt hat. In der Leh­re steht das „Peer review“ in Deutsch­land aller­dings noch immer rela­tiv am Anfang, mit allen damit ver­bun­de­nen Schwie­rig­kei- ten. Es wäre daher im Ein­klang mit dem Wis­sen­schafts- rat zu begrü­ßen, wenn die wech­sel­sei­ti­ge, kol­le­gia­le Be- gut­ach­tung der Leh­re und ihrer Orga­ni­sa­ti­on zukünf­tig flä­chen­de­ckend einen ver­gleich­ba­ren Rang wie in der For­schung erreich­te und sich auch auf die­se Wei­se eine im All­tag geleb­te Qua­li­täts­kul­tur ent­wi­ckeln ließe.

Dr. Patrick A. Neu­haus ist Per­sön­li­cher Refe­rent der Minis­te­rin für Kul­tur und Wis­sen­schaft des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. Dr. habil. Tho­mas Grü­ne­wald war bis Juni 2017 Staats­se­kre­tär im Minis­te­ri­um für Inno­va­ti­on, Wis­sen­schaft und For­schung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. Die­ser Bei­trag gibt aus­schließ- lich die per­sön­li­che Mei­nung der Ver­fas­ser wieder.