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Die baden-würt­tem­ber­gi­sche Hoch­schul­re­form­ge­setz- gebung hat in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ein neu­es Steu- erungs­mo­dell für das Ver­hält­nis des Lan­des zu sei­nen Hoch­schu­len ent­wi­ckelt. Die­ses über­trägt in einem ers- ten Schritt bis­lang vom Land wahr­ge­nom­me­ne hoch- schul­recht­li­che Auf­ga­ben auf die Hoch­schu­len. Wesent- liche Berei­che sind die „Dele­ga­ti­on von Ent­schei­dungs- zustän­dig­kei­ten auf die Hoch­schu­len, Auf­he­bung von Zustim­mungs­vor­be­hal­ten und Tat­be­stän­den der Fach- auf­sicht sowie der Ein­stieg in eine Haus­halts­glo­ba­li­sie- rung und leis­tungs­be­zo­ge­ne Mittelverteilung“.1 Rek­to­rat und Deka­nat wer­den hier­bei ganz wesent­lich gestärkt, das Rek­to­rat ist zudem pro­fes­sio­na­li­siert wor­den. Ihnen obliegt nun als Lei­tungs­or­ga­nen in die­sen Berei­chen die Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben, die das Land bis­her in sei­ner Ver­ant­wor­tung für die Hoch­schu­len voll­zo­gen hat.

Ver­fas­sungs­recht­lich eben­so wie poli­tisch ist es nicht angän­gig, dass sich das Land zu weit­ge­hend aus sei­ner Ver­ant­wor­tung für die Hoch­schul­ent­wick­lung zurück- zieht. Die Hoch­schul­re­form in Baden-Würt­tem­berg hat daher in einem zwei­ten Schritt das alte hier­ar­chi­sche durch ein neu­es koope­ra­ti­ves Steue­rungs­mo­dell abge­löst. In die­sem koope­ra­ti­ven Steue­rungs­mo­dell erhal­ten zwar das Rek­to­rat und das Deka­nat neue, bis­her vom Land wahr­ge­nom­me­ne Kom­pe­ten­zen. In wich­ti­gen Berei- chen, wie etwa der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung oder bei der Bestel­lung und Abbe­ru­fung der haupt­amt­li- chen Lei­tungs­or­ga­ne, erfolgt nun­mehr eine kooperative,

Die­ser Bei­trag beruht auf Über­le­gun­gen des Ver­fas­sers, die in einem Rechts­gut­ach­ten für die Lan­des­rek­to­ren­kon­fe­renz Baden- Würt­tem­berg ent­wi­ckelt wurden.

  1. 1  Vgl. den ein­drucks­vol­len Über­blick über Ein­zel­än­de­run­gen bei Haug, Das Hoch­schul­recht in Baden-Würt­tem­berg, 2. Aufl. 2009, Ein­füh­rung, Rn. 4 ff.; Sand­ber­ger, Lan­des­hoch­schul­ge­setz Baden- Würt­tem­berg, 2. Aufl. 2015, Einl. Rn. 5; König, Län­der­stu­die Baden-Würt­tem­berg, in: Insti­tut für Hoch­schul­for­schung an der Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg (Hg.), Steue­rungs­in­stru­men­te auf der Ebe­ne Land-Hoch­schu­le, 2007, S. 40 ff.; In der Smitten/Jaeger, Ziel- und Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen als Instru­ment der Hoch­schul- finan­zie­rung, in: HIS. Forum Hoch­schu­le 16/2012.
  2. 2  Vom 1. April 2014, GBl. S. 99.
  3. 3  StGH BW Az. 1VB 16/15.

auf Ver­stän­di­gung ange­leg­te Kom­pe­tenz­aus­übung ge- mein­sam mit dem Land.

Die­ses neue Steue­rungs­mo­dell ist, wie auch die Steu- erungs­mo­del­le ande­rer Bun­des­län­der, auf den Prüf­stand ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Kon­trol­le gestellt wor­den. Mit einer Geset­zes­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Staats­ge- richts­hof Baden-Würt­tem­berg ist die Ver­fas­sungs­wid- rig­keit der im Lan­des­hoch­schul­ge­setz (LHG) in der Fas- sung des Drit­ten Geset­zes zur Ände­rung hoch­schul- recht­li­cher Vor­schrif­ten (Drit­tes Hoch­schulän­de­rungs- gesetz)2 gere­gel­ten Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on gerügt worden.3 Die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten betref­fen die enu­me­ra­ti­ve Auf­zäh­lung der Zustän­dig­kei­ten des Rek­to- rats, die Wahl und die Abbe­ru­fung der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der, die Zustän­dig­kei­ten des Senats so- wie die Rege­lung des­sen Amts­mit­glie­der, ein­zel­ne Zu- stän­dig­kei­ten des Deka­nats, die Wahl sowie die Abwahl des Dekans sowie die Bera­tungs­kom­pe­tenz des Fakul- täts­ra­tes. Alle die­se Vor­schrif­ten wer­den für unver­ein­bar mit Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG gehal­ten, der über Art. 2 Abs. 1 Lan­des­ver­fas­sung Baden-Würt­tem­berg (LVerf) zur An- wen­dung gelangt.4

Dies ist Anlass, sich mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den Maß­stä­ben einer grund­ge­setz­kon­for­men Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on zu be- fas­sen (I.) und anhand die­ser Maß­stabs­bil­dung nach der Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät des Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons- rechts in Baden-Würt­tem­berg (II.) zu fragen.

4 Auf die Fra­ge, in wel­chem Ver­hält­nis die Grund­recht des
Art. 5 Abs. 3 GG zum lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen, über
Art. 2 Abs. 1 LVerf rezi­pier­ten Grund­recht der Wissenschafts‑, For­schungs- und Lehr­frei­heit steht, wird nicht ein­ge­gan­gen.
Vgl. hier­zu StGH BW, Urteil vom 17.6.2014, 1 VB 15/13, S. 79 f. des Umdrucks; Voß­kuh­le, Die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit im föde­ra­len und euro­päi­schen Ver­fas­sungs­ver­bund, in: Jahr­buch des Öffent­li­chen Rechts, Bd. 59 (2011), S. 215, 229 ff.; Diet­lein, Die Rezep­ti­on von Bun­des­grund­rech­ten durch Lan­des­ver­fas­sungs- recht, AöR 120 (1995), S. 1 ff.; Nord­mann, „Rezi­pier­te“ Grund- rech­te für Schles­wig-Hol­stein, Nor­dÖR 2009, 97, 99 ff.; Löwer, Das Selbst­ver­wal­tungs­recht der Hoch­schu­len nach Lan­des­ver­fas­sungs- recht als Erschei­nungs­form funk­tio­na­ler Selbst­ver­wal­tung, in: Fest­schrift für Wendt, 2015, S. 285 ff.

Tho­mas Würtenberger

Zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung im Lan­des­hoch­schul­ge­setz von Baden-Württemberg

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2016, ISSN 2197–9197

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

I. Zur Aus­dif­fe­ren­zie­rung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben für das Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht
am Maß­stab des Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG durch
das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

In sei­nem Urteil zum nie­der­säch­si­schen Vor­schalt­ge­setz hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor über 40 Jah­ren eine Orga­ni­sa­ti­on der Hoch­schu­len gefor­dert, die das indi­vi­du­el­le Grund­recht der frei­en wis­sen­schaft­li­chen Betä­ti­gung so weit als mög­lich verwirklicht.5 In der Fol- gezeit blie­ben Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die Hoch- schul­or­ga­ni­sa­ti­on meist erfolg­los. Das neue Modell der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on mit star­ken, oft­mals mono­kra­ti- schen Lei­tungs­or­ga­nen an der Spit­ze der Hoch­schu­le und auf Ebe­ne der Fachbereiche6 hat aller­dings zu Geset- zes­ver­fas­sungs­be­schwer­den geführt, denen das Bun­des- ver­fas­sungs­ge­richt durch eine dif­fe­ren­zier­te For­tent- wick­lung der Par­ti­zi­pa­ti­ons­rech­te von Ver­tre­tungs­or­ga- nen an Lei­tungs­ent­schei­dun­gen der Hoch­schu­le in einem begrenz­tem Umfang abge­hol­fen hat.

Will man den Stand der Recht­spre­chung des Bun­des- ver­fas­sungs­ge­richts zu den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor- gaben für gesetz­li­che Rege­lun­gen der Kom­pe­ten­zen der Hoch­schul­lei­tung bestim­men, so darf nicht an einer ein- zel­nen oder eini­gen weni­gen Ent­schei­dun­gen ange­setzt wer­den. Auf­ga­be ist viel­mehr, induk­tiv aus der Recht- spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu die­sem Pro­blem­be­reich jene ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be her­zu­lei­ten, die die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Rechtsp­re- chung leiten.7 Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von Rege­lun- gen der hoch­schul­recht­li­chen Lei­tungs­ebe­ne bestimmt sich nach fol­gen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Rah­menset- zun­gen, die das Bundesverfassungsgericht8 in sei­ner jün- geren Recht­spre­chung vor­ge­ge­ben hat:

1. Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG als objek­ti­ve Grundsatznorm

Wis­sen­schaft als ein von Fremd­be­stim­mung frei­er Raum auto­no­mer Ver­ant­wor­tung bedarf eines umfäng­li­chen recht­li­chen Schut­zes. Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG gewährleistet

  1. 5  BVerfGE 35, 79 ff.
  2. 6  Sand­ber­ger, Die Neu­ord­nung der Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on der Hoch-schu­len durch die Hoch­schul­rechts­no­vel­len der Län­der, WissR 44 (2011), S. 118 ff., 131 (zur Begren­zung der Zustän­dig­kei­ten der Hoch­schul­se­na­te); kri­tisch zu die­ser Ent­wick­lung Löwer, „Star­ke Män­ner“ oder „star­ke Frau­en“ an der Spit­ze der Uni­ver­si­tät?, in: Ruf­fert (Hrsg.), Recht und Orga­ni­sa­ti­on, 2003, S. 25, 30 ff.
  3. 7  Grund­le­gend zu die­ser induk­ti­ven Metho­de: Tan­ne­ber­ger, Die Sicher­heits­ver­fas­sung, 2014, S. 56 ff.
  4. 8  BVerfG Beschluss vom 26.10.2004, 1 BvR 911/00, 927/00,
    928/00; BVerfG Beschluss vom 20.7.2010, 1 BvR 748/06; BVerfG Beschluss vom 24.6.2014, 1 BvR 3217/07; BVerfG Beschluss vom 12.5.2015, 1 BvR 1501/13, 1682/13; zusam­men­fas­sen­de Dars­tel- lung und Wür­di­gung bei Mie­chi­el­sen, Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on und Wis­sen­schafts­frei­heit, 2013, S. 68 ff., 82 ff.; aus­führ­lich zur Verfas-

nicht allein ein Abwehr­recht gegen Ein­grif­fe in die Frei- heit von For­schung und Wis­sen­schaft. Er ist zugleich eine objek­ti­ve wert­ent­schei­den­de Grund­satz­norm9 , die recht­li­cher Aus­ge­stal­tung bedarf. Die­se zielt dar­auf, dass der Staat durch geeig­ne­te orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Insti­tu­tio­nen eines frei­en Wis­sen­schafts­be­trie­bes sorgt und dabei den Wis­sen- schaft­lern die „Teil­ha­be am Wissenschaftsbetrieb“10 ermög­licht. Dabei hat der Gesetz­ge­ber dafür Sor­ge zu tra­gen, dass das Grund­recht auf freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung nur durch kon­kur­rie­ren­de Grund­rech­te der ver­schie­de­nen Betei­lig­ten sowie durch die von den Uni- ver­si­tä­ten zu ver­fol­gen­den legi­ti­men Auf­ga­ben, vor allem der Berufs­aus­bil­dung, begrenzt wird.11

2. Der grund­sätz­lich wei­te Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers bei der Rege­lung
des Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­rechts

Der demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Gesetz­ge­ber ver­fügt bei der Rege­lung des Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­rechts grund- sätz­lich über einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum. An über­kom­me­ne Model­le des Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons- rechts ist er nicht gebunden.12 Gemäß sei­ner jewei­li­gen hoch­schul­po­li­ti­schen Auf­fas­sung regelt er die Bin­nenor- gani­sa­ti­on von Hoch­schu­len, die Legi­ti­ma­ti­on und Ver- ant­wor­tung der ein­zel­nen Hoch­schul­or­ga­ne, die Bewirt- schaf­tung der Hoch­schul­haus­hal­te und ande­res mehr.

3. Ver­wirk­li­chung der Wis­sen­schafts­frei­heit in
einem recht­li­chen Gesamt­ge­fü­ge struk­tu­rell frei­er wis­sen­schaft­li­cher Betä­ti­gung und Aufgabenerfüllung

Wis­sen­schafts­frei­heit muss sich in einem orga­ni­sa­ti­ons- recht­li­chen Gesamt­ge­fü­ge ent­fal­ten, „in dem Entsch­ei- dungs­be­fug­nis­se und Mit­wir­kungs­rech­te, Ein­fluss­nah- me, Infor­ma­ti­on und Kon­trol­le durch die wis­sen­schaft- lich Täti­gen so beschaf­fen sind, dass Gefah­ren für die Frei­heit von For­schung und Leh­re ver­mie­den werden“.13 Die­se grund­recht­lich gebo­te­ne Siche­rung der Wis­sen- schafts­frei­heit ver­langt orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Regelun-

sungs­kon­for­mi­tät von neu­en Kom­pe­ten­zen für die Hoch­schul­lei- tung: Feh­ling, Neue Her­aus­for­de­run­gen an die Selbst­ver­wal­tung in Hoch­schu­le und Wis­sen­schaft, Die Ver­wal­tung 35 (2002),
399 ff.; Görisch, Wis­sen­schafts­frei­heit und Hoch­schul­ma­na­ge- ment, DÖV 2003, 583 ff.; Smed­ding, Die dere­gu­lier­te Hoch­schu­le, DÖV 2007, 269 ff.

9 BVerfGE 35, 79, 112; BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 88, — st. Rspr.; Mager, Frei­heit von For­schung und Leh­re, in: Isensee/Kirchhof (Hg.), Hand­buch des Staats­rechts, Bd. VII, 3. Aufl. 2009, § 166 Rn. 21 ff.

10 Zu die­ser Teil­ha­be­sei­te der Wis­sen­schafts­frei­heit: BVerfG 1 BvR 1501/13, 1682/13, Rn. 68.

11 BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 88.
12 BVerfGE 35, 79, 116, 120; BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 93. 13 BVerfG 1 BvR 1501/13, 1682/13 Rn. 68.

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 3

gen, kraft derer die in der Hoch­schu­le täti­gen Wis­sen- schaft­ler über ihre Ver­tre­tun­gen in den Gre­mi­en Gefähr- dun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit abweh­ren und ihre Vor­stel­lun­gen einer geleb­ten Wis­sen­schafts­frei­heit in die Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on ein­brin­gen kön­nen. Dem­ge­mäß müs­sen die Rege­lun­gen der hoch­schul­in­ter­nen Wil­lens- bil­dung die Vor­aus­set­zun­gen dafür schaf­fen, dass in der Hoch­schu­le freie Wis­sen­schaft unge­stört betrie­ben wer- den und wis­sen­schafts­i­nad­äqua­te Ent­schei­dun­gen ver- mie­den werden.14

In die­ser Per­spek­ti­ve geht es nicht allein um Ein­zel­re- gelun­gen, die mög­li­cher­wei­se die Wis­sen­schafts­frei­heit beein­träch­ti­gen könn­ten. Es geht viel­mehr um eine Ge- samt­sicht auf das hoch­schul­recht­li­che Gesamt­ge­fü­ge mit sei­nen unter­schied­li­chen Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen, mit sei­nem ver­fah­rens­recht­lich geord­ne­ten Zusam­men- spiel von Lei­tungs- und Ver­tre­tungs­or­ga­nen sowie dem Land und nicht zuletzt mit all sei­nen unter­schied­li­chen Ein­fluss- und Kontrollmöglichkeiten.15 Die­ses äußerst kom­ple­xe Gesamt­ge­fü­ge ist von checks and balan­ces ge- gen­sei­ti­ger Kon­trol­le eben­so wie von ver­trau­ens­vol­ler wis­sen­schafts­ad­äqua­ter Zusam­men­ar­beit bestimmt. Die Fina­li­tät des baden-würt­tem­ber­gi­schen Hoch­schul­or­ga- nisa­ti­ons­rechts zielt, wie in Fol­gen­dem ent­wi­ckelt, auf ein wis­sen­schafts­ad­äqua­tes Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons- recht, das den Lei­tungs­or­ga­nen jene Kom­pe­ten­zen gibt, derer die Hoch­schul­füh­rung zur Bewäl­ti­gung der viel­fäl- tigen Auf­ga­ben bedarf, und das den Ver­tre­tungs­or­ga­nen jene Mit­wir­kungs- und Ein­fluss­mög­lich­kei­ten gibt, de- rer geleb­te Wis­sen­schafts­frei­heit in der Hoch­schu­le bedarf.

Um dies wei­ter zu prä­zi­sie­ren: Orga­ni­sa­ti­ons­nor­men sind dann nicht mehr mit Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG ver­ein­bar, wenn die freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung und Auf­ga- ben­er­fül­lung struk­tu­rell gefähr­det erscheint, weil wis- sen­schafts­i­nad­äqua­te Ent­schei­dun­gen zu befürch­ten sind.16 Eine sol­che struk­tu­rel­le Gefähr­dung wird aus­ge- schlos­sen, wenn im „wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ge- samt­ge­fü­ge“ ein hin­rei­chen­des Maß an Mit­wir­kung von Wis­sen­schaft­lern an der Pla­nung der Hoch­schulent- wick­lung und ein­zel­ner Hoch­schul­ein­rich­tun­gen, an al- len den Wis­sen­schafts­be­trieb prä­gen­den Ent­schei­dun- gen über die Orga­ni­sa­ti­on und den Haus­halt sowie am hoch­schul­in­ter­nen Sat­zungs­recht besteht. Die Gewich- tig­keit der zu tref­fen­den Ent­schei­dung für die Ver­wirk­li- chung von Wis­sen­schafts­frei­heit spielt bei den erfor­der- lichen Abwä­gun­gen natur­ge­mäß eine zen­tra­le Rolle.

  1. 14  BVerfG 1 BvR 911/00, 927/00, 928/00 Rn. 156.
  2. 15  BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 92; BVerfG 1 BvR 911/00, 927/00,928/00 Rn. 158.
  3. 16  BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 92.

Leit­ge­dan­ke ist dabei, die Wis­sen­schaft­ler nicht allein vor wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ent­schei­dun­gen zu schüt- zen. Sie sol­len dar­über hin­aus ihre fach­li­che Kom­pe­tenz zur Ver­wirk­li­chung der Wis­sen­schafts­frei­heit in die Hoch­schu­le ein­brin­gen können.

Für das Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht ist seit jeher die Abschich­tung von Lei­tungs­or­ga­nen und Ver­tre­tungs­or­ga- nen unter Betei­li­gung von Wis­sen­schaft­lern struk­tur­prä- gend. Ein Vor­rang von Ver­tre­tungs­or­ga­nen gegen­über Lei­tungs­or­gan besteht nicht. Der Gesetz­ge­ber ist nicht dar­an gehin­dert, den Lei­tungs­or­ga­nen umfang­rei­che Kom­pe­ten­zen im Wis­sen­schafts­be­reich einzuräumen.17 „Die Zuwei­sung von Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen an Lei- tungs­or­ga­ne darf jedoch nur in dem Maße erfol­gen, wie sie inhalt­lich begrenzt und orga­ni­sa­to­risch so abge­si- chert ist, dass eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen- schaft ausscheidet.“18 Im hoch­schul­recht­li­chen Gesamt- gefü­ge müs­sen „Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se und Mit­wir- kungs­rech­te, Ein­fluss­nah­me, Infor­ma­ti­on und Kon­trol­le so beschaf­fen“ sein, dass Gefah­ren für die Frei­heit von For­schung und Leh­re ver­mie­den werden“.19

Aus die­sen grund­sätz­li­chen Erwä­gun­gen fol­gen nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gewich­ti­ge Selbst­ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen und Par­ti­zi­pa­ti­ons­mög- lich­kei­ten von Ver­tre­tungs­or­ga­nen im Hoch­schul­be- reich, die vom Gesetz­ge­ber zu berück­sich­ti­gen sind:

(1) Die Betei­li­gung der Wis­sen­schaft­ler kann in un- ter­schied­li­chen For­men gesche­hen, näm­lich durch „un- mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Ein­fluss­nah­me, Entsch­ei- dungs‑, Veto‑, Mit­wir­kungs- oder Anhö­rungs­rech­te, Aufsichts‑, Infor­ma­ti­ons- oder Kontrollrechte“.20 Die Ein­räu­mung der­ar­ti­ger Betei­li­gungs­rech­te, in Ein­zel­be- rei­chen dif­fe­ren­ziert nach der jewei­li­gen Wis­sen­schafts- rele­vanz, ist in der Lage, struk­tu­rel­len Gefähr­dun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit entgegenzuwirken.

(2) Es kann erfor­der­lich sein, die Wis­sen­schaft­ler nicht bloß auf Stel­lung­nah­men zu wis­sen­schafts­re­le­van- ten Ent­schei­dun­gen zu ver­wei­sen, son­dern ihnen auch das Recht ein­zu­räu­men, ihre Auf­fas­sun­gen bei der­ar­ti- gen Ent­schei­dun­gen durchzusetzen.

(3) Die Bestel­lung und auch die Abbe­ru­fung von Lei- tungs­or­ga­nen sind als effek­ti­ve Ein­fluss- und Kon­trol­lin- stru­men­te einem plu­ral zusam­men­ge­setz­ten Vertre- tungs­or­ga­nen zuzu­wei­sen. Wenn in ver­fas­sungs­recht­lich noch zuläs­si­ger Wei­se wis­sen­schafts­re­le­van­te Entsch­ei- dungs­be­fug­nis­se den Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­nen ent­zo- gen wer­den sol­len, gilt fol­gen­de je des­to-For­mel: „Je

17 BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 95.
18 BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 60; BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 97. 19 BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 57.
20 BVerfG 1 BvR 911/00, 927/00, 928/00 Rn. 160.

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

mehr, je grund­le­gen­der und je sub­stan­ti­el­ler wis­sen- schafts­re­le­van­te per­so­nel­le und sach­li­che Entsch­ei- dungs­be­fug­nis­se dem kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­or- gan ent­zo­gen und einem Lei­tungs­or­gan zuge­wie­sen wer- den, des­to stär­ker muss im Gegen­zug die Mit­wir­kung des Selbst­ver­wal­tungs­or­gans an der Bestel­lung und Ab- beru­fung die­ses Lei­tungs­or­gan und an des­sen Entsch­ei- dun­gen aus­ge­stal­tet sein“.21 Oder anders for­mu­liert: „Je höher Aus­maß und Gewicht der den Lei­tungs­per­so­nen zuste­hen­den Befug­nis­se sind, des­to eher muss die Mög- lich­keit gege­ben sein, sich selbst­be­stimmt von die­sen zu trennen“.22

(4) Die Ori­en­tie­rung des Gesetz­ge­bers an einer zweck­mä­ßi­gen und effi­zi­en­ten Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on ist damit begrenzt: In wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ange­le- gen­hei­ten muss von ihm ein hin­rei­chen­des Maß23 an Mit­wir­kung der Wis­sen­schaft­ler an wis­sen­schafts­re­le- van­ten Ent­schei­dun­gen der Lei­tungs­or­ga­ne garan­tiert sein. Unter die­ser Vor­aus­set­zung ist er frei, „den Wis­sen- schafts­be­trieb nach sei­nem Ermes­sen zu regeln, um die unter­schied­li­chen Auf­ga­ben der Wis­sen­schafts­ein­rich- tun­gen und die Inter­es­sen der dar­an Betei­lig­ten in Wahr- neh­mung sei­ner gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor- tung in ange­mes­se­nen Aus­gleich zu bringen“.

4. Kon­kre­ti­sie­rung die­ser wis­sen­schafts­re­le­van­ten ver- fas­sungs­recht­li­chen Rah­men­set­zun­gen in der Recht- spre­chung des Bundesverfassungsgerichts

Die vor­ste­hend zusam­men­ge­fass­ten wis­sen­schafts­re­le- van­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Rah­men­set­zun­gen an die Lei­tungs­struk­tu­ren von Hoch­schu­len sind sehr all­ge- mein for­mu­liert. Was „ein hin­rei­chen­des Maß an Mit- wir­kung der wis­sen­schaft­lich Täti­gen an wis­sen­schafts- rele­van­ten Ent­schei­dun­gen von Lei­tungs­or­ga­nen“ sein kann, wel­chen Spiel­raum die je des­to-For­mel bei der Aus­ta­rie­rung von wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun- gen, die Lei­tungs- oder Ver­tre­tungs­or­gan zuge­wie­sen wer­den, belässt, was unter einem orga­ni­sa­to­ri­schen Gesamt­ge­fü­ge, das die Wis­sen­schafts­frei­heit struk­tu­rell gefähr­det, zu ver­ste­hen ist, ist einer wei­te­ren Kon­kre­ti- sie­rung bedürf­tig. Nur dadurch lässt sich jene Rechts­si- cher­heit stif­ten, an der sich der Hoch­schul­ge­setz­ge­ber ori­en­tie­ren kann. Eine der­ar­ti­ge Kon­kre­ti­sie­rung der weit­ge­hend for­mel­haf­ten Vor­ga­ben kann mit Blick auf die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ein- zel­fäl­le und damit auf das Fall­recht erfolgen:

  1. 21  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 60.
  2. 22  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 60.
  3. 23  So aus­drück­lich BVerfG 1 BvR 911/00, 927/00, 928/00 Rn. 159,hier auch das fol­gen­de Zitat.
  4. 24  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 67.
  5. 25  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 69.

(1) Ver­fas­sungs­recht­lich statt­haft ist, den Beschluss über den Ent­wick­lungs­plan einer Hoch­schu­le dem Lei- tungs­or­gan zu über­tra­gen, soweit dem Senat die Befug- nis zur Ent­schei­dung über die Grund­zü­ge der Ent­wick- lungs­pla­nung zuge­wie­sen ist.24

(2) Die Ent­schei­dung über die Errich­tung, Ände­rung und Auf­he­bung von Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten samt der Fest­le­gung ihrer Auf­ga­ben und Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren kann nur unter aus­schlag­ge­ben­der Betei­li­gung des Se- nats mit sei­nem gefä­cher­ten Sach­ver­stand, also mit des- sen Ein­ver­neh­men, getrof­fen werden.25

(3) Die Ent­schei­dung über den Wirt­schafts­plan sowie über die Auf­tei­lung der Sach‑, Inves­ti­ti­ons- und Per­so- nal­bud­gets auf die Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten sind wegen der Ange­wie­sen­heit von For­schung und Leh­re auf Res- sourcen wissenschaftsrelevant.26 Hier kann der Gesetz- geber die Mit­tel­ver­wen­dung recht­lich regeln, wobei dem Schutz der Wis­sen­schafts­frei­heit Rech­nung zu tra­gen ist. Soweit bei der Bud­ge­t­auf­tei­lung tief­grei­fen­de wis­sen- schafts­re­le­van­te Ent­schei­dun­gen zu tref­fen sind, bedarf es der Mit­wir­kung des Senats.27

(4) Das Deka­nat kann zur Ver­tei­lung von Stel­len und Mit­teln ermäch­tigt sein. Dies daher, da der­ar­ti­ge Allo­ka- tions­ent­schei­dun­gen, soll­ten sie von den Betrof­fe­nen Hoch­schul­leh­rern selbst getrof­fen wer­den, wegen man- geln­der per­sön­li­cher Distanz feh­ler­be­haf­tet sein kön­nen. Aller­dings muss eine umfas­sen­de Kom­pe­tenz zur Ver­tei- lung von Stel­len und Mit­teln hin­rei­chend kon­trol­liert und umgrenzt sein.28

(5) Die Orga­ni­sa­ti­on und Wei­ter­ent­wick­lung von For­schung und Leh­re, etwa durch die Bil­dung von Schwer­punk­ten, hat unter wesent­li­cher Betei­li­gung des Senats zu erfolgen.29

(6) Für die Bestel­lung einer mit weit rei­chen­den Be- fug­nis­sen aus­ge­stat­te­ten Hoch­schul­lei­tung bedarf es ei- nes Fin­dungs­ver­fah­rens, in dem Mit­wir­kungs­rech­te der Wis­sen­schaft­ler gesi­chert sind. Denn in der Fin­dungs- kom­mis­si­on wird bereits dar­über ent­schie­den, wer über- haupt für die Hoch­schul­lei­tung infra­ge kommt. Im hoch­schul­recht­li­chen Gesamt­ge­fü­ge muss die Mit­wir- kung der Wis­sen­schaft­ler an der Fin­dung von Lei­tungs- orga­nen gewich­tig sein, damit Gefähr­dun­gen der Wis- sen­schafts­frei­heit aus­ge­schlos­sen werden.30 Am zu for- dern­den Stimm­ge­wicht wür­de es feh­len, wenn ledig­lich zwei von elf stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­dern in der Fin- dungs­kom­mis­si­on vom Senat bestimmt wer­den und

26 So bereits BVerfGE 35, 79, 123; 61, 260, 279. 27 BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 70 ff.
28 BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 113.
29 BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 76 f.

30 BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 84.

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 5

dem Lei­tungs­or­gan gewich­ti­ge wis­sen­schafts­re­le­van­te Befug­nis­se zuge­wie­sen sind.

(7) „Im Gesamt­ge­fü­ge der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on kommt der Mög­lich­keit des Ver­tre­tungs­or­gans, sich von einem Lei­tungs­or­gan zu tren­nen, umso grö­ße­re Bedeu- tung zu, je mehr wis­sen­schafts­re­le­van­te Befug­nis­se die- sem zuge­wie­sen und dem Ver­tre­tungs­or­gan ent­zo­gen sind.“31 Dabei ist ent­schei­dend, mit wel­chem Quo­rum der Senat die Ent­las­sung eines Lei­tungs­or­gans ver­an­las- sen kann. Wie auch in ver­gleich­ba­ren Fäl­len ist ein be- son­de­res Quo­rum statt­haft, damit nur bei erheb­li­chem Ver­trau­ens­ver­lust eine Abbe­ru­fung auf den Weg ge- bracht wer­den kann. Nach Ansicht des Bun­des­ver­fas- sungs­ge­richts stößt es auf erheb­li­che ver­fas­sungs­recht­li- che Beden­ken, wenn die Wis­sen­schaft­ler in dem Vertre- tungs­or­gan das Quo­rum nicht errei­chen kön­nen und die Ent­las­sung im Übri­gen an eng gefass­te sach­li­che Vor­aus- set­zun­gen geknüpft wird.32

II. Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Kom­pe- ten­zen der Leitungsorgane

Bei den fol­gen­den Über­le­gun­gen steht nicht allein im Mit­tel­punkt, dass das LHG die Kom­pe­ten­zen der Lei- tungs­or­ga­ne in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se regelt. Von zen­tra­ler Bedeu­tung ist zudem die Pra­xis, dass und wie näm­lich die hoch­schul­recht­li­chen Vor­schrif­ten in Baden-Würt­tem­berg in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se prak­ti­ziert und voll­zo­gen werden.33

1. Hoch­schul­au­to­no­mie und Wis­sen­schafts­frei­heit à la carte

Zu den Beson­der­hei­ten der Hoch­schul­re­form in Baden- Würt­tem­berg gehört, dass die Hoch­schu­len in ein­zel­nen Berei­chen auto­nom über die Gestal­tung der Wis­sen- schafts­frei­heit ent­schei­den kön­nen. Die­se Orga­ni­sa­ti­ons- auto­no­mie gilt etwa, um nur zwei Berei­che zu nen­nen, für die Gestal­tung der Zusam­men­set­zung des Uni­ver­si- täts­ra­tes und für die Zusam­men­set­zung des Deka­nats bzw. des Rek­to­rats jeweils durch Rege­lun­gen in der Grund- ord­nung (§23Abs.1S.2 bzw. §16Abs.1 S. 2LHG). Hin- sicht­lich der Zusam­men­set­zung des Uni­ver­si­täts­ra­tes kön­nen die Hoch­schu­len kraft ihrer Grund­ord­nungs­au- tono­mie bestim­men, dass auch hoch­schul­in­ter­ne Mit- glie­der Sitz und Stim­me haben (§ 20 Abs. 5 S. 3 LHG). Sie haben also die Auto­no­mie, durch Rege­lung in der Grund­ord­nung den Uni­ver­si­täts­rat für eine Mitentschei-

  1. 31  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 92.
  2. 32  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 95.
  3. 33  Wel­che aka­de­mi­schen Gepflo­gen­hei­ten ver­trau­ens­vol­len und anKon­sens ori­en­tier­ten Zusam­men­ar­bei­tens inso­weit Usus sind, kennt Ver­fas­ser aus sei­ner über 15jährigen Tätig­keit als Rechtsbe-

dung durch Wis­sen­schaft­ler und damit Mit­glie­der der Uni­ver­si­tät zu öff­nen. Es sind Fäl­le bekannt, in denen sich der Senat erfolg­reich gegen Plä­ne des Rek­to­rats durch­ge­setzt hat, für den Hoch­schul­rat nur exter­ne Mit- glie­der vorzusehen.

Soweit die Grund­ord­nung dies vor­sieht kön­nen ne- ben dem Dekan vier wei­te­re Pro­de­ka­ne, neben dem Rek- tor fünf wei­te­re Pro­rek­to­ren gewählt wer­den. Bei einem Deka­nat mit fünf und bei einem Rek­to­rat mit sechs Mit- glie­dern lässt sich bereits davon spre­chen, dass ein inter- ner (Wissenschafts-)Pluralismus von Auf­fas­sun­gen über die Ver­wirk­li­chung von Wis­sen­schafts­frei­heit und die Gestal­tung der Hoch­schu­le besteht. Gera­de ein sol­cher Plu­ra­lis­mus sichert wis­sen­schafts­ad­äqua­te Ent­schei­dun- gen bes­ser, als wenn sich das Lei­tungs­gre­mi­um ledig­lich aus zwei oder drei Per­so­nen zusam­men­setzt. Der­ar­ti­ge Lei­tungs­gre­mi­en jedoch, zum Teil auch mono­kra­ti­sche Lei­tungs­gre­mi­en, waren bis­lang Gegen­stand von Ent- schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu Fra­gen einer wis­sen­schafts­frei­heits­kon­for­men Gestal­tung des Hochschulorganisationsrechts.34

Nach dem baden-würt­tem­ber­gi­schen Hoch­schulor- gani­sa­ti­ons­recht haben die Hoch­schu­len also die Mög- lich­keit, bei ihrer recht­li­chen Rege­lung der Zusam­men- set­zung von Lei­tungs­or­ga­nen den Bereich der Wis­sen- schafts­frei­heit sozu­sa­gen à la car­te zu ver­wirk­li­chen. Zu ihrer Hoch­schul­au­to­no­mie und Wis­sen­schafts­frei­heit gehört, über so zen­tra­le Fra­gen wie der per­so­nel­len bzw. zah­len­mä­ßi­gen Zusam­men­set­zung ihrer Lei­tungs­gre­mi- en zu ent­schei­den. Wenn eine Hoch­schu­le die­se Mög- lich­kei­ten der Aus­deh­nung von Reprä­sen­ta­ti­on durch Wis­sen­schaft­ler nicht wahr­nimmt, kann die­se auto­no­me Gestal­tung kein Ver­stoß gegen die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Wis­sen­schafts­frei­heit sein. Zur Aus­übung sei­ner Auto­no­mie kann eben nie­mand, auch kei­ne Insti- tuti­on, gezwun­gen wer­den. Bei der ver­fas­sungs­recht­li- chen Wür­di­gung der orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Rege­lun- gen des LHG lässt sich daher mit guten Grün­den davon aus­ge­hen, wel­che Mög­lich­kei­ten die Hoch­schu­len bei der Reprä­sen­ta­ti­on durch Wis­sen­schaft­ler gene­rell aus- schöp­fen können.

2. Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Kom­pe­ten­zen des Deka- nats nach § 24 Abs. 3 S. 6 Nrn. 2, 3, 4, 5 LHG

Nach § 23 Abs. 1 S. 1 LHG lei­tet das Deka­nat die Fakul­tät. Soweit das Lan­des­hoch­schul­ge­setz nichts ande­res regelt, ist das Deka­nat für alle Ange­le­gen­hei­ten der Fakultät

rater von vier Rek­to­ren der Frei­bur­ger Uni­ver­si­tät.
34 Vgl. etwa BVerfG 1 BvR 3217/07 zu den Kom­pe­ten­zen lediglich

eines von drei Vor­stands­mit­glie­dern für den Bereich von For- schung und Lehre.

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

zustän­dig (§ 23 Abs. 3 S. 1 LHG). Es stellt sich die Fra­ge, ob die Zustän­dig­kei­ten des Deka­nats für die Auf­stel­lung des Ent­wurfs des Haus­halts­vor­anschlags (Nr. 2), für die Ent­schei­dung über die Ver­wen­dung der vom Rek­to­rat der Fakul­tät zuge­wie­se­nen Stel­len und Mit­tel nach den Grund­sät­zen des § 13 Abs. 2 LHG (Nr. 3), für den Vor- schlag zur Funk­ti­ons­be­schrei­bung von Stel­len für Hoch- schul­leh­rer (Nr. 4) sowie für Eva­lua­ti­ons­an­ge­le­gen­hei­ten nach § 5 Abs. 2 LHG (Nr. 5) ver­fas­sungs­kon­form sind.

a) Das Deka­nat als Kol­le­gi­al­or­gan mit gefä­cher­tem wis- sen­schaft­li­chem Sachverstand

Die ver­fas­sungs­recht­li­che Wür­di­gung der Kom­pe­ten­zen des Deka­nats kann an des­sen Zusam­men­set­zung anset- zen. Das Deka­nat ist nach § 23 Abs. 2 S. 2 LHG ein kol­le- gia­les Lei­tungs­or­gan, das aus dem Dekan und min­des- tens zwei Pro­de­ka­nen gebil­det wird. Es ist ein Ver­tre­tungs- organ der Fakul­tät, in dem in der Regel Hoch­schul­leh­rer der Fakul­tät auf­grund von Wah­len das Amt des Dekans und wei­te­rer Pro­de­ka­ne ausüben.

Im Kol­le­gi­al­or­gan Deka­nat wird die Fakul­tät mit ge- fächer­tem wis­sen­schaft­li­chem Sach­ver­stand ver­wal­tet. Der Dekan, der Pro­de­kan, wei­te­re Pro­de­ka­ne, soweit nach der Grund­ord­nung vor­ge­se­hen, sowie der Pro­de­kan für Stu­di­en­an­ge­le­gen­hei­ten tref­fen mehr­heit­lich die dem Deka­nat zuge­wie­se­nen Ent­schei­dun­gen (§ 23 Abs. 2 LHG). Durch der­ar­ti­ge Kol­le­gi­a­l­ent­schei­dun­gen, vor allem wenn die höchst­zu­läs­si­ge Zahl von Pro­de­ka­nen aus­ge­schöpft wird, ist garan­tiert, dass in der Fakul­tät bestehen­de unter- schied­li­che Ansich­ten über die Gestal­tung der Fakul­tät zur Gel­tung und zum Aus­gleich gebracht wer­den können.35

b) Legi­ti­ma­ti­on durch Wahl und Abwahlmöglichkeit

Auf die Wahl des Dekans und der Pro­de­ka­ne hat der Fakul­täts­rat als Ver­tre­tungs­or­gan der Mit­glie­der der Fakul­tät einen bestim­men­den Ein­fluss. Der Dekan wird auf Vor­schlag des Rek­tors vom Fakul­täts­rat gewählt. Dabei ist es in Baden-Würt­tem­berg eine gute Übung, dass sich der Rek­tor, bevor er den Wahl­vor­schlag unter- brei­tet, mit der Fakul­tät ins Beneh­men setzt, wer aus Sicht der Fakul­tät das Amt des Dekans über­neh­men sol- le. Ähn­lich wie im poli­ti­schen Bereich wird der Rek­tor aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den nur jenen Hoch­schul- leh­rer als Dekan vor­schla­gen, der auch die Mehr­heit im Fakul­täts­rat fin­den wird. Jeden­falls kann der Rek­tor der Fakul­tät kei­nen Dekan auf­zwin­gen. Die­se Verfahrens-

  1. 35  Zur Mög­lich­keit inner­halb der Wis­sen­schaft bestehen­de Unter- schie­de in die Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on ein­brin­gen zu kön­nen: BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 59.
  2. 36  BVerfG 1 BvR 911/00, 927/00, 928/00 Rn. 190.
  3. 37  Zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Absi­che­rung der Wissenschaftsfrei-

wei­se ist vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als ver­fas­sungs- kon­form aner­kannt worden.36 Es ergibt sich eben aus der Wis­sen­schafts­frei­heit kein Recht der Fakul­tät, die Fakul- täts­lei­tung aus­schließ­lich auto­nom zu bestimmen.

Ent­schei­dend ist wei­ter, dass die Pro­de­ka­ne vom Fa- kul­täts­rat gewählt wer­den (§ 24 Abs. 4, 5 LHG). Stellt man auf die­se Wahl­ak­te ab, hat der Fakul­täts­rat einen wesent­li­chen per­so­nel­len Ein­fluss auf all jene Entsch­ei- dun­gen, die kol­le­gi­al vom Deka­nat zu tref­fen sind. Die­se Ein­fluss­mög­lich­kei­ten des Fakul­täts­ra­tes wer­den da- durch gestärkt, dass der Dekan auf Vor­schlag des Rek- tors mit der Mehr­heit von zwei Drit­teln der Mit­glie­der des Fakul­täts­ra­tes abge­wählt wer­den kann (§ 24 Abs. 3 S. 8 LHG). Bei einer Abwahl des Dekans en- det zudem auto­ma­tisch die Amts­zeit der Pro­de­ka­ne und der Stu­di­en­de­ka­ne (§ 24 Abs. 4 S. 3, Abs. 5 S. 3 LHG).

Das Deka­nat genießt als Kol­le­gi­al­or­gan über die Wahl sei­ner Mit­glie­der das Ver­trau­en des Fakul­täts­ra­tes und dar­über hin­aus der Fakul­tät ins­ge­samt. Schon des­halb sind wis­sen­schafts­i­nad­äqua­te Ent­schei­dun­gen nicht zu befürch­ten, wenn es über den Haus­halts­vor­anschlag und den Wirt­schafts­plan ent­schei­det, über die Ver­wen­dung der vom Rek­to­rat der Fakul­tät zuge­wie­se­nen Stel­len und Mit­tel ver­fügt, die Funk­ti­ons­be­schrei­bung von Stel­len für Hoch­schul­leh­rer vor­schlägt sowie die Eva­lua­ti­ons­an- gele­gen­hei­ten regelt.

c) Unter­rich­tungs­pflicht des Fakultätsrates

In all die­se Ent­schei­dun­gen ist der Fakul­täts­rat ver­fah- rens­mä­ßig ein­ge­bun­den. Denn die ent­spre­chen­den Ent- schei­dun­gen trifft das Deka­nat nicht in Distanz zum Fakul­täts­rat. Es ist viel­mehr ver­pflich­tet, den Fakul­täts- rat regel­mä­ßig über die­se wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zu unter­rich­ten (§ 23 Abs. 3 S. 5 LHG). Die­ser Unter­rich- tungs­pflicht des Deka­nats ent­spricht zwei­fels­oh­ne ein ent­spre­chen­der gericht­lich durch­setz­ba­rer Infor­ma­ti­ons- anspruch des Fakultätsrates.37 Nach gutem aka­de­mi- schem Brauch ver­bin­det sich mit der Unter­rich­tung des Fakul­täts­ra­tes eine Mei­nungs­bil­dung im Fakul­täts­rat, die für das Deka­nat bei sei­nen Kol­le­gi­a­l­ent­schei­dun­gen von erheb­li­chem Gewicht ist. Gemäß die­sem aka­de­mi­schen Brauch, dem fast schon die Qua­li­tät einer Obser­vanz zukommt, ist das Deka­nat bei sei­nen Ent­schei­dun­gen und sei­ner Amts­füh­rung dar­auf fest­ge­legt, was mehr- heit­lich in den Dis­kus­sio­nen des Fakul­täts­ra­tes geäu­ßert wurde.38

heit durch Infor­ma­ti­ons­rech­te des Fakul­täts­ra­tes: BVerfG 1 BvR

748/06 Rn. 121.
38 Sand­ber­ger, Lan­des­hoch­schul­ge­setz, § 25 Rn. 2 spricht plas­tisch von

Rück­bin­dung des Deka­nats an die Wil­lens­bil­dung im Fakultätsrat.

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 7

d) Zustim­mung des Fakul­täts­ra­tes zum Struk­tur- und Entwicklungsplan

Hin­zu kommt, dass der Fakul­täts­rat dem Struk­tur- und Ent- wick­lungs­plan der Fakul­tät zustim­men muss (§ 25 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 LHG).39 In die­sem Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan wird für den Pla­nungs­zeit­raum fest­ge­legt, wel­che Mit­tel mit­tel­fris­tig benö­tigt wer­den. An die­ser mit­tel­fris­ti­gen Finanz­pla­nung ori­en­tiert sich wie­der­um der Ent­wurf des Haus­halts­vor­anschlags für ein Haus­halts­jahr. Der Fakul­täts­rat hat also mit sei­ner Zustim­mung zum Struk- tur- und Ent­wick­lungs­plan zugleich auch sei­ne Zustim- mung zu den ent­spre­chen­den Haus­halts­vor­anschlä­gen gegeben.

Ver­gleich­ba­res gilt für den Vor­schlag des Deka­nats an das Rek­to­rat, mit wel­cher Funk­ti­ons­be­schrei­bung frei wer­den­de Stel­len von Hoch­schul­leh­rern aus­ge­schrie­ben wer­den sol­len. In aller Regel legt bereits der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan der Fakul­tät sowie der Uni­ver­si­tät fest, mit wel­cher Funk­ti­ons­be­schrei­bung frei wer­den­de Stel­len aus­ge­schrie­ben wer­den (vgl. § 46 Abs. 3 S. 6 LHG: kei­ne Betei­li­gung des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums an der Fest­le­gung der Funk­ti­ons­be­schrei­bung, wenn die­se mit dem Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan über­ein­stimmt; unter die­ser Vor­aus­set­zung auch kei­ne Betei­li­gung des Senats: § 19 Abs. 1 S. 2 Nr. 6 LHG). Aus der Fort­schrei- bung des Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans ergibt sich im Gro­ßen und Gan­zen, wel­che zusätz­li­chen Stel­len und Mit­tel von der Fakul­tät benö­tigt wer­den oder künf­tig weg­fal­len bzw. umge­schich­tet wer­den sollen.

e) Gerin­ger recht­li­cher und finan­zi­el­ler Spiel­raum bei der Ent­schei­dung über Stel­len und Mittel

Bei der Ent­schei­dung des Deka­nats über die Ver­wen­dung der vom Rek­to­rat der Fakul­tät zuge­wie­se­nen Stel­len und Mit­teln ist zu berück­sich­ti­gen, dass den Fakul­täts­gre­mi­en die nöti­ge per­sön­li­che Distanz für eine sach­ge­rech­te Ent- schei­dung fehlt.40 Soweit sein Ent­schei­dungs­spiel­raum begrenzt ist, kann die Mit­tel­ver­tei­lung dem Deka­nat zuge- wie­sen wer­den. Wegen des Ver­wei­ses auf die Grund­sät­ze des§13Abs.2LHG(§23Abs.3S.6LHG)hatdasDeka- nat nur einen recht­lich begrenz­ten Ent­schei­dungs­spiel- raum. Denn aus § 13 Abs. 2 LHG fol­gen die maß­geb­li- chen Vor­ga­ben für die Mit­tel­ver­tei­lung. Davon abge­se- hen besteht bei der Ver­tei­lung von zuge­wie­se­nen Stel­len und Mit­teln nur ein im Ver­gleich zum Uni­ver­si­täts- oder Fakul­täts­haus­halt eher gerin­ger Spiel­raum sowohl des

  1. 39  Zu die­sem für die Ver­wirk­li­chung von Wis­sen­schafts­frei­heit zent- ralem Mit­wir­kungs­recht des Fakul­täts­ra­tes: BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 120.
  2. 40  Feh­ling, Die Ver­wal­tung 35 (2002), 399, 405; BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 113.

Rek­to­rats als auch des Deka­nats. Denn die Haus­halts- mit­tel sind trotz aller Fle­xi­bi­li­sie­rung des Haus­halts in wei­tem Umfang durch Beru­fungs­zu­sa­gen oder ander- wei­ti­ge län­ger­fris­ti­ge Stel­len- und Mit­tel­bin­dun­gen fest- gelegt.41

f) Zwi­schen­er­geb­nis

Im Gesamt­ge­fü­ge der Kom­pe­ten­zen von Fakul­täts­rat und Deka­nat kön­nen die Wis­sen­schaft­ler durch ihre Vertre- ter in aus­rei­chen­der Wei­se an wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen mit­wir­ken und die­se kon­trol­lie­ren. Der Fakul­täts­rat bestimmt über die Wahl und über sei­ne Abwahl­kom­pe­tenz die Zusam­men­set­zung des Deka­nats. Dass eine Abwahl nur unter Mit­wir­kung des Rek­tors recht­lich mög­lich ist, ist im Gesamt­ge­fü­ge der orga­ni­sa- tions­recht­li­chen Rege­lun­gen verfassungskonform.42 Denn zen­tra­le wis­sen­schafts­re­le­van­te Ent­schei­dun­gen, wie das Votum über Beru­fungs­vor­schlä­ge, über die Stu- dien- und Prü­fungs­ord­nun­gen der Fakul­tät, über die inter­ne Struk­tur der Fakul­tät und nicht zuletzt über den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan (§ 25 Abs. 1 S. 2 Nrn. 1–4 LHG), bedür­fen der Zustim­mung des Fakul­täts- rates. Nicht zuletzt: Die Unter­rich­tungs­pflicht des Deka- nats und damit auch der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Fakul­täts­ra­tes ermög­li­chen und garan­tie­ren eine wis­sen- schafts­ad­äqua­te Amtsführung.

3. Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der wis­sen­schafts­re­le­van­ten Befug­nis­se des Rek­to­ra­tes nach § 16 Abs. 3 S. 2
Nrn. 1–14 LHG

§ 16 Abs. 3 LHG regelt die Kom­pe­ten­zen des Rek­to­rats als Lei­tungs­or­gan. Auf den Prüf­stand ver­fas­sungs­recht­li- cher Kon­trol­le lässt sich die enu­me­ra­ti­ve Auf­zäh­lung der Rek­to­rats­kom­pe­ten­zen in § 16 Abs. 3 S. 2 Nrn. 1–14 LHG stel­len. Klä­rungs­be­dürf­tig ist, ob im orga­ni­sa­to­ri­schen Gesamt­ge­fü­ge wei­chen­stel­len­de Ent­schei­dun­gen über die Ent­wick­lung und die Orga­ni­sa­ti­on der Hoch­schu­le sowie über die Res­sour­cen für For­schung und Leh­re im Wesent­li­chen dem Rek­to­rat als zen­tra­lem Lei­tungs­or­gan in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se zuge­wie­sen und damit dem Senat ent­zo­gen wor­den sind.

Eben­so wie der Fakul­täts­rat ist auch das Rek­to­rat ein Kol­le­gi­al­or­gan. Der Rek­tor und die Pro­rek­to­ren lei­ten die Uni­ver­si­tät mit, wird die hoch­schul­recht­li­che Zahl an Pro­rek­to­ren aus­ge­schöpft, breit gefä­cher­tem wis­sen- schaft­li­chem Sach­ver­stand. In ihren Kol­le­gi­a­l­entsch­ei- dun­gen wer­den unter­schied­li­che Ansich­ten über die Ge-

41 Zu die­ser im Ergeb­nis ver­fas­sungs­kon­for­men Begren­zung der Deka­nats­kom­pe­tenz zur Mit­tel­ver­ga­be: BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 114.

42 Zu die­ser Bilan­zie­rung: BVerfG 1 BvR 748/06 Rn. 130 f.

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

stal­tung der Uni­ver­si­tät zum Aus­gleich gebracht. Anläss- lich der Wahl­ver­fah­ren der haupt- und neben­amt­li­chen Pro­rek­to­ren wird tra­di­tio­nell von den Ver­tre­tungs­or­ga- nen auf das wis­sen­schaft­li­che Pro­fil des Rek­to­rats ein­ge- wirkt. Zu die­sem Zweck wer­den der zu wäh­len­de Rek­tor und die zu wäh­len­den Pro­rek­to­ren vor dem Wahl­gang in aller Regel von den Senats­mit­glie­dern ein­dring­lich auf ihr Wis­sen­schafts­ver­ständ­nis und ihre Ziel­vor­stel­lun­gen für die Ent­wick­lung der Uni­ver­si­tät befragt. Die im Rek- torat gebün­del­te und von den aka­de­mi­schen Wahl­or­ga- nen gesteu­er­te Wis­sen­schafts­plu­ra­li­tät“ ist ein wesent­li- ches Ele­ment dafür, dass das Rek­to­rat wis­sen­schaftsad- äqua­te Ent­schei­dun­gen trifft.

a) Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Beschluss­fas­sung über den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan nach § 16 Abs. 3 S. 2 Nr. 1 LHG

Nach § 7 Abs. 1 S. 1 LHG stel­len die Hoch­schu­len für einen Zeit­raum von fünf Jah­ren Struk­tur- und Ent­wick- lungs­plä­ne auf, die regel­mä­ßig fort­ge­schrie­ben wer­den. In die­sen Struk­tur-und Ent­wick­lungs­plä­nen kon­kre­ti- sie­ren die Hoch­schu­len „ihre Auf­ga­ben und die vor­ge­se- hene fach­li­che, struk­tu­rel­le, per­so­nel­le, bau­li­che und finan­zi­el­le Ent­wick­lung“; es wer­den zudem „Fest­le­gun- gen für die künf­ti­ge Ver­wen­dung frei­wer­den­der Stel­len von Pro­fes­su­ren getrof­fen“ (S. 2). In die­sen Plä­nen wer- den „ins­be­son­de­re die Schwer­punk­te der Aus­bil­dung und der For­schung sowie die in den ein­zel­nen Stu­di­en- gän­gen ange­streb­ten Stu­di­en­an­fän­ger­plät­ze“ bezeich­net (S. 4). Der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan ist gera­de­zu das Herz­stück des For­schungs- und Lehr­pro­fils und der Zukunfts­ge­stal­tung der Universität.

Die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung ist ver­zahnt mit ande­ren Berei­chen staat­li­cher Gemein­wohl­ver­wirk- lichung. Denn sie bin­det die Ent­wick­lung der Hoch­schu- le in die Lan­des­ent­wick­lung ein. Im Sin­ne einer integ- rier­ten Lan­des­ent­wick­lungs­pla­nung sol­len die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne ein fach­lich aus­rei­chen­des und regio­nal aus­ge­wo­ge­nes Ange­bot in For­schung und Leh­re sicher­stel­len. Sie sol­len dar­über hin­aus das gemein- schaft­li­che oder hoch­schul­über­grei­fen­de Ange­bot von Ein­rich­tun­gen und deren wirt­schaft­li­che Nut­zung ge- währ­leis­ten (§ 7 Abs. 2 LHG). Mit die­sem breit gefä­cher- ten Auf­ga­ben­spek­trum wird die Struk­tur- und Ent­wick- lungs­pla­nung der Hoch­schu­len in die poli­tisch und de- mokra­tisch zu ver­ant­wor­ten­de Aufgaben‑, Res­sour­cen- und Lan­des­ent­wick­lungs­pla­nung inte­griert. Dass bei einer der­art inte­gra­ti­ven Pla­nung eine Gemenge­la­ge zwi­schen den der Hoch­schul­au­to­no­mie zuzuordnenden

43 Vgl. LT-Drs. 12/4404, S. 244; Sand­ber­ger, Lan­des­hoch­schul­ge­setz, § 7 LHG Rn. 2.

und den im öffent­li­chen Inter­es­se zu ver­fol­gen­den Plan- zie­len ent­steht, ist zwangsläufig.

Die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung als mul­ti- funk­tio­na­les und inte­gra­ti­ves Steue­rungs­in­stru­ment der Hoch­schul­ent­wick­lung ver­folgt wei­te­re Ziel­set­zun­gen, die nicht lehr- und wis­sen­schafts­re­le­vant sind. Jen­seits des enge­ren Berei­ches von For­schung und Leh­re geht es um die Auf­ga­be des Lan­des, die Hoch­schul­fi­nan­zie­rung sicher zu stel­len, eine hin­rei­chen­de Kapa­zi­tät von Stu­di- enan­fän­ger­plät­zen zu gewähr­leis­ten, um die Inte­gra­ti­on eines aus­ge­wo­ge­nen Ange­bo­tes in For­schung und Leh­re in die Regio­nal­ent­wick­lung, um die wirt­schaft­li­che Nut- zung von hoch­schul­über­grei­fen­den Ange­bo­ten von Ein- rich­tun­gen und letzt­lich auch um eine lan­des­wei­te Steu- erung der Schwer­punk­te in Aus­bil­dung und For­schung. In die­ser Per­spek­ti­ve ist die hoch­schul­recht­li­che Struk- tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung janus­köp­fig: Zum einen ist sie in die demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Lan­des- und dabei Haus­halts­po­li­tik ein­ge­bun­den und muss gesamt­ge­sell- schaft­lich wich­ti­ge Auf­ga­ben, wie etwa die Aus­bil­dung für im Wan­del begrif­fen Berufs­zwei­ge, sicher­stel­len. Zum ande­ren geht es um die Schwer­punkt­set­zung im Be- reich von For­schung und Leh­re an den ein­zel­nen Hoch- schu­len, ihren Fakul­tä­ten und ihren Ein­rich­tun­gen. Die alte Unter­schei­dung zwi­schen Hoch­schu­le als Kör­per- schaft des öffent­li­chen Rechts und als staat­li­che Ein­rich- tung wird bei der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung ein Stück weit ein­ge­eb­net, bleibt aber für die Mit­ge­s­tal- tungs­rech­te der Wis­sen­schaft­ler nach wie vor von Bedeutung.

Mit der Rege­lung der Struk­tur- und Ent­wick­lungs- pla­nung hat sich der Gesetz­ge­ber für das ein­gangs ange- spro­che­ne neue Steue­rungs­mo­dell ent­schie­den. Zuvor wur­de sei­tens der Minis­te­ri­al­ver­wal­tung durch Detail- steue­rung über die Rechts- und Fach­auf­sicht sowie vom Land­tag über haus­halts­recht­li­che Mit­tel- und Stel­len­zu- wei­sun­gen auf die Ent­wick­lung der Hoch­schu­len ein ganz direk­ter und die Hoch­schul­au­to­no­mie ver­kür­zen­der Ein­fluss genom­men. Nun­mehr ist ein stra­te­gi­sches Steue- rungs­mo­dell gewählt, in dem ein kon­ti­nu­ier­li­cher Ab- stim­mungs­pro­zess zwi­schen dem Land und sei­nen ein- zel­nen Hoch­schu­len sowie inner­halb der Hoch­schu­len stattfindet.43

Das Steue­rungs­mo­dell der hoch­schul­recht­li­chen Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung bedarf einer beson- deren ver­fah­rens­mä­ßi­gen Gestal­tung. Das Ver­fah­ren, in dem die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne der Hoch- schu­le zustan­de kom­men, muss zum einen die Ein­fluss- und Steue­rungs­mög­lich­kei­ten des Lan­des gewährleisten,

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 9

zum ande­ren aber auch eine aus­rei­chen­de Par­ti­zi­pa­ti­on der Wis­sen­schaft­ler in ihren Ver­tre­tungs­or­ga­nen ermöglichen.

Wegen ihrer Janus­köp­fig­keit bedür­fen die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne der Zustim­mung des Wis­sen- schafts­mi­nis­te­ri­ums (§7Abs.2S.2LHG). Die­se darf nur ver­wei­gert wer­den, wenn sie nicht mit den Zie­len und Vor­ga­ben des Lan­des in struk­tu­rel­ler, finan­zi­el­ler und aus­stat­tungs­be­zo­ge­ner Hin­sicht über­ein­stim­men. Dies bedeu­tet: Das Land kann den Struk­tur- und Ent- wick­lungs­plä­nen ein­zel­ner Uni­ver­si­tä­ten im Lan­desin­te- res­se struk­tu­rel­le, finan­zi­el­le und aus­stat­tungs­be­zo­ge­ne Vor­ga­ben machen. Dies ist nichts Neu­es. Der­ar­ti­ge Steu- erungs­leis­tun­gen sind zuvor unter ande­rem über die Stel­len- und Mit­tel­zu­wei­sun­gen in den Haus­halts­plä­nen, die vom Land­tag ver­ab­schie­det wur­den, geleis­tet wor- den. Da man inso­weit mitt­ler­wei­le weit­ge­hend zu Glo- bal­haus­hal­ten über­ge­gan­gen ist, wer­den die Hoch­schu- len nun­mehr in einer fle­xi­blen Wei­se durch all­ge­mei­ne struk­tu­rel­le und Res­sour­cen-Vor­ga­ben des Lan­des sowie durch des­sen Betei­li­gung an der Struk­tur- und Ent­wick- lungs­pla­nung der Hoch­schu­len gesteuert.

Ergeb­nis ist also, dass die Struk­tur- und Ent­wick- lungs­pla­nung der jewei­li­gen Hoch­schu­le sozu­sa­gen zur gesam­ten Hand44 mit dem Land geschieht. Die Hoch- schu­le und das Land müs­sen ein­ver­nehm­lich han­deln, wobei das Land auf die Ver­wirk­li­chung hoch­schul­po­li­ti- scher und gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Ziel­set­zun­gen hin­wirkt und die Hoch­schu­len die­se Ziel­set­zun­gen in den wis­sen- schafts- und for­schungs­re­le­van­ten Bereich integrieren.

Die­se Funk­ti­on und Ratio­na­li­tät der hoch­schul­recht- lichen Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung erfor­dern ein Pla­nungs­ver­fah­ren, das im Sin­ne einer pla­ne­ri­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung die über­ge­ord­ne­ten Lan­des­in­ter- essen und den grund­recht­lich geschütz­ten Frei­raum für For­schung und Leh­re mit­samt der gebo­te­nen Par­ti­zi­pa- tion von Ver­tre­tungs­or­ga­nen in Ein­klang bringt. Die­sen Anfor­de­run­gen genü­gen die Rege­lun­gen der Kom­pe- tenz­ver­tei­lung und ver­fah­rens­recht­li­chen Mit­wir­kung. In ihrem Gesamt­ge­fü­ge regeln sie die pla­ne­ri­sche Ver- ant­wor­tung für den Bereich der Ver­wirk­li­chung über­ge- ord­ne­ter Inter­es­sen sowie für den wis­sen­schafts­re­le­van- ten Bereich in sach­ge­rech­ter und wis­sen­schafts­ad­äqua- ter Weise:

(1) § 16 Abs. 3 S. 2 Nr. 1 LHG regelt ledig­lich, dass das Rek­to­rat für die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung ein­schließ­lich der Per­so­nal­ent­wick­lung zustän­dig ist. Wer auch sonst könn­te den Struk­tur- und Ent­wick­lungs- plan der Hoch­schu­le auf­stel­len? Der Senat ist ein Be-

44 Zu den Fra­gen einer gesamt­hän­de­ri­schen Pla­nung im poli­ti­schen Bereich: Wür­ten­ber­ger, Staats­recht­li­che Pro­ble­me poli­ti­scher Pla­nung, 1979, S. 252 ff.

schluss­or­gan; mit der Auf­stel­lung eines Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nes wären ihm ope­ra­ti­ve Auf­ga­ben zu- gewie­sen, für deren Erle­di­gung er nicht in der Lage wäre. Hoch­schul­recht­lich beschließt das Rek­to­rat als Kol­le­gi- um und damit bei ent­spre­chen­der Grö­ße mit breit gefä- cher­tem wis­sen­schaft­li­chem Sach­ver­stand über den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan. Im recht­li­chen Ge- samt­ge­fü­ge ist die­ser Beschluss aller­dings nur vor­läu­fig und sozu­sa­gen nur Ent­schei­dungs­grund­la­ge, da drei wei­te­re Instan­zen (Senat, Hoch­schul­rat und Minis­te­ri- um) zur Zustim­mung bzw. zur Beschluss­fas­sung beru­fen sind.

(2) Nach § 19 Abs. 2 Nr. 3 LHG muss der Senat den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­nen zustim­men. Er hat damit eine Veto­po­si­ti­on. Er kann zwar nicht selbst Abän- derun­gen beschlie­ßen. Wenn er jedoch sei­ne Zustim- mung ver­wei­gert, ist das Rek­to­rat gehal­ten, Ände­run­gen vor­zu­schla­gen, die im Senat auf Zustim­mung sto­ßen. Könn­te der Senat den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan gegen­über einer Rek­to­rats­vor­la­ge abän­dern, so hät­te er auch Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen über nicht unmit­tel- bar wis­sen­schafts­re­le­van­te Fest­le­gun­gen im Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan. Der­ar­ti­ges woll­te der Gesetz­ge- ber offen­sicht­lich aus guten Grün­den vermeiden.

(3) Die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung wird un- ter Betei­li­gung aller Ebe­nen der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on erar­bei­tet. In einem bot­tom up-Ver­fah­ren haben die Fa- kul­tä­ten den ers­ten Zugriff.45 Nach § 23 Abs. 3 S. 6 Nr. 1 LHG stellt das Deka­nat im Rah­men der vom Land so- wie von Hoch­schul­rat und Rek­to­rat getrof­fe­nen Fest­le- gun­gen den Struk­tur-und Ent­wick­lungs­plan der Fakul- tätauf.ÜberdieAufstellungdesStruktur-undEntwick- lungs­plans unter­rich­tet das Deka­nat den Fakul­täts­rat (§23Abs.3S.5LHG).

In der baden-würt­tem­ber­gi­schen Pra­xis erfolgt bei der Auf­stel­lung der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne durch die Fakul­tä­ten eine enge Rück­kop­pe­lung der je- wei­li­gen Fakul­täts­in­sti­tu­te und Pro­fes­su­ren mit dem De- kanat. Erst nach die­sem inter­nen Abstim­mungs­pro­zess, auf den sogleich noch ein­zu­ge­hen ist, erfolgt die Zustim- mung des Fakul­täts­ra­tes zum Struk­tur- und Ent­wick- lungs­plan der Fakul­tät (§ 25 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 LHG). Auch hier gilt: Gegen den Wil­len des Fakul­täts­ra­tes kommt kein Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan der Fakul­tät zu Stan­de. Wenn das Gesetz von Zustim­mung spricht, so blei­ben die viel­fäl­ti­gen Abstim­mungs­pro­zes­se in der Pra- xis der Hoch­schu­len in Baden-Würt­tem­berg, um eben die­se Zustim­mung zu errei­chen, ausgeblendet.

45 Sand­ber­ger, WissR 44 (2011), S. 132.

10 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

(4) Letz­te­res gibt Ver­an­las­sung, danach zu dif­fe­ren- zie­ren, in wel­chen Berei­chen und mit wel­cher Wir­kung es Zustim­mungs­er­for­der­nis­se gibt. Zustim­mung kann, um einen Begriff aus der fran­zö­si­schen Dog­ma­tik zu be- mühen, ein „vote blo­qué“ bedeu­ten. In die­sem Fall kann vom Par­la­ment die Zustim­mung zu einem Gesetz oder von einer Gemein­de zu einer Pla­nung ent­we­der erteilt oder abge­lehnt wer­den. Ter­ti­um non datur. Der Hebel des Zustim­mungs­er­for­der­nis­ses kann beim „vote blo- qué“ nicht dazu benutzt wer­den, um mit einer Dro­hung der Ver­wei­ge­rung der Zustim­mung Nach­ver­hand­lun­gen zu veranlassen.

Zustim­mung in der aka­de­mi­schen Kul­tur der baden- würt­tem­ber­gi­schen Hoch­schu­len hat einen ganz ande­ren Cha­rak­ter. Wenn der Senat oder der Fakul­täts­rat etwa zu Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­nen zustim­men müs­sen, dann ist dies ein recht­li­cher Hebel, der dazu genutzt wird, bereits im Vor­feld an der Aus­ar­bei­tung der Pla- nung betei­ligt zu wer­den (sog. Vor­wir­kung eines Zustim- mungs­er­for­der­nis­ses) oder zu beschlie­ßen, dass die Zu- stim­mung erst nach Kor­rek­tur oder Modi­fi­zie­rung be- stimm­ter Fest­le­gun­gen in der Pla­nung zu erwar­ten steht.46 Ein hoch­schul­recht­li­ches Zustim­mungs­er­for­der- nis kommt in der Pra­xis der Hoch­schu­len des Lan­des fak­tisch einer Beschluss­fas­sungs­kom­pe­tenz gleich. So ist es wohl an den meis­ten Hoch­schu­len üblich, dass der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan min­des­tens zwei „Le- sun­gen“ im Senat erfährt. Die­se Pra­xis und Kul­tur des Dis­ku­tie­rens und Ver­han­delns ist ein ganz wesent­li­ches Ele­ment bei auf Kon­sens und Akzep­tanz zie­len­den hoch­schul­in­ter­nen Aushandlungsprozessen.47 Wenn sol­ches in den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs- gerichts zum Zustim­mungs­er­for­der­nis im Hoch­schulor- gani­sa­ti­ons­recht ande­rer Bun­des­län­der bis­lang nicht hin­rei­chend gewür­digt wor­den ist, so mag dies an einer ande­ren lan­des­spe­zi­fi­schen Kul­tur hoch­schul­in­ter­ner Wil­lens­bil­dung liegen.

(5) Wie die­se aka­de­mi­sche Kul­tur unter­halb der nor- mati­ven Vor­ga­ben sich ent­fal­tet, ist fast stellvertretend

  1. 46  Zu den ver­fas­sungs­kon­for­men Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Senats auf die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung: BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 68 (Ent­schei­dung über die Grund­zü­ge der Ent­wick- lungs­pla­nung ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu beanstanden).
  2. 47  Dass das Rek­to­rat sich über ein vom Senat mit guten Argu­men­ten geäu­ßer­tes Mei­nungs­bild in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Berei­chen hin­weg­ge­setzt hät­te, hat es wäh­rend der lan­gen Zeit, in der der Ver­fas­ser Rechts­be­ra­ter der Frei­bur­ger Rek­to­ren war, prak­tisch nie gegeben.
  3. 48  Im Inter­net auf der Inter­net­sei­te der Uni­ver­si­tät Frei­burg abruf-

für die ande­ren Lan­des­uni­ver­si­tä­ten im Edi­to­ri­al des 246 Sei­ten umfas­sen­den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans der Uni­ver­si­tät Frei­burg 2014–201848 aus­ge­führt. Die­ser kam in einer „offe­nen Dia­log­kul­tur“ und in „ver­trau­ens­vol­le® und kon­struk­ti­ve® Zusam­me­n­ar- beit aller Akteu­re und Gre­mi­en“ zustan­de. Am Anfang stan­den „Stra­te­gie­ge­sprä­che des Rek­to­rats mit den Fa- kul­täts­vor­stän­den“. Die­se führ­ten zu „Mei­lens­tei­len in den Berei­chen For­schung, Leh­re und insti­tu­tio­nel­le Inf- rastruk­tur vor dem Hin­ter­grund der finan­zi­el­len Res- sourcen“. Die vom Rek­to­rat zu ent­wi­ckeln­de Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung wur­de sodann „in den uni- ver­si­tä­ren Gre­mi­en mehr­fach dis­ku­tiert“, ins­be­son­de­re auch in der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­kom­mis­si­on des Senats. In ähn­li­cher Wei­se wur­de die Struk­tur- und Ent- wick­lungs­pla­nung auch an ande­ren Hoch­schu­len des Lan­des erarbeitet.49 Der Struk­tur- und Ent­wick­lungs- plan der Uni­ver­si­tät Tübin­gen kam in „einem umfas­sen- den Aus­hand­lungs­pro­zess mit allen Akteu­ren und Gre- mien“ zustan­de. Bei der Erar­bei­tung des Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg hat man „gro­ßen Wert auf eine Trans­pa­renz des Ver­fah­rens und eine inten­si­ve Abstim­mung inner­halb der uni­ver­si­tä­ren Gre­mi­en gelegt“.50 Ein Mehr an Betei­li­gung von Fakul­tä- ten, Fakul­täts­rä­ten und Senat ist kaum vorstellbar.

(6) Wie alle Pla­nung zielt auch die Struk­tur- und Ent- wick­lungs­pla­nung auf Realisierung51 :Der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan einer Uni­ver­si­tät ent­hält die wesent­li- chen Eck­da­ten für die Pla­nung der bau­li­chen Ent­wick- lung (§ 16 Abs. 3 S. 2 Nr. 2 LHG), für die Auf­stel­lung der Aus­stat­tungs­plä­ne (Nr. 3), den Abschluss von Hoch­schul- ver­trä­gen und Ziel­ver­ein­ba­run­gen nach § 13 Abs. 2 LHG (Nr. 4), für die Auf­stel­lung des Ent­wurfs des Haus­halts- vor­anschlags (Nr. 6), für die Ver­tei­lung der für die Hoch- schu­le ver­füg­ba­ren Stel­len nach den Grund­sät­zen von § 13 Abs. 2 LHG ( Nr. 8) sowie für die Ent­schei­dung über die Grund­stücks- und Raum­ver­tei­lung nach den Grund- sät­zen des § 13 Abs. 2 LHG (Nr. 9). Über sei­ne Zustim- mung zum Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan hat der Se-

bar; die fol­gen­den Zita­te auf S. 5; mit ganz ähn­li­chen For­mu­lie- run­gen schil­dert die Ein­lei­tung zum Struk­tur- und Ent­wick­lungs- plan der Uni­ver­si­tät Kon­stanz des­sen Ausarbeitung.

49 So etwa für den Zeit­raum von 2012–2017 an der Hoch­schu­le der Medi­en, Stutt­gart, S. 8 f.

50 So die Ein­füh­rung zum Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan der Uni­ver­si­tät Mann­heim, der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg und der Uni- ver­si­tät Tübingen.

51 Zur Rea­li­sie­rungs­funk­ti­on von Pla­nun­gen: Wür­ten­ber­ger, Staats- recht­li­che Pro­ble­me poli­ti­scher Pla­nung, S. 93 ff.

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 1 1

nat die Road Map für die vor­ge­nann­ten Berei­che legi­ti- miert.52 Dass die Aus­füh­rung des Struk­tur- und Ent- wick­lungs­plan in all die­sen Berei­chen durch das Rek­to­rat geschieht, gehört zu den genui­nen Auf­ga­ben eines Leitungsorgans.

Davon abge­se­hen hat der Senat nach 19 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 und 5 LHG das Recht zur Stel­lung­nah­me. Auch kann er sich über jeden Akt der hoch­schul­in­ter­nen Um- set­zung des Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans infor­mie- ren las­sen und dies auf die Tages­ord­nung von Senats­sit- zun­gen set­zen. Dies bedeu­tet: Der Senat ver­fügt mit sei- nem Zustim­mungs­er­for­der­nis über die gro­ße, teils auch schon detail­lier­te Linie der Hoch­schul­ent­wick­lung, das Rek­to­rat muss gege­be­nen­falls dem Senat bei der Umset- zung der Pla­nung Rede und Ant­wort ste­hen. All dies ga- ran­tiert effek­ti­ve Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten des Vertre- tungs­gre­mi­ums Senat.

(7) Nach § 20 Abs. 1 S. 4 Nr. 2 LHG beschließt der Hoch­schul­rat die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne so- wie die Pla­nung der bau­li­chen Ent­wick­lung der Hoch- schu­le. Die­ser Beschluss des Hoch­schul­rats betrifft eine Pla­nung, die von den Fakul­tä­ten sowie von dem Rek­to­rat erar­bei­tet wur­de und die die Zustim­mung des Senats ge- fun­den hat. Eine der­ar­ti­ge Pla­nung zei­tigt beträcht­li­che Vor- und Bindungswirkungen.53 Was den Kon­sens von Fakul­tä­ten, Senat und Rek­to­rat gefun­den hat, näm­lich ein abge­stimm­tes und in sich stim­mi­ges Kon­zept der Hoch­schul­ent­wick­lung, kann vom Hoch­schul­rat nicht mehr auf­ge­bro­chen wer­den. Bei sei­ner Beschluss­fas­sung ist der Hoch­schul­rat als Kol­le­gi­al­or­gan fak­tisch ohne­hin nicht in der Lage, die ihm vor­ge­leg­ten Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne neu zu gestal­ten. Dass dem so auch sein soll, ergibt sich aus der Sys­te­ma­tik des § 20 Abs. 1 LHG. Des­sen S. 1 und 2 bezeich­nen all­ge­mein die Auf­ga­ben, die dem Hoch­schul­rat über­tra­gen sind: Nach § 20 Abs. 1 S. 1 LHG über­nimmt der Hoch­schul­rat Ver­ant­wor­tung in stra­te­gi­scher Hin­sicht und schlägt Maß­nah­men vor, die der Pro­fil­bil­dung und der Erhö- hung der Leis­tungs- und Wett­be­werbs­fä­hig­keit die­nen. Dies ist die Per­spek­ti­ve und sind die Ziel­set­zun­gen, die der Hoch­schul­rat bei der Beschluss­fas­sung über die

  1. 52  Wie detail­liert ein Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan ist, zeigt der von der Uni­ver­si­tät Frei­burg ver­ab­schie­de­te: umfas­sen­de Auf- stel­lung von Ein­nah­men und Aus­ga­ben (S. 162 ff.), Maß­nah­men effi­zi­en­ter Res­sour­cen­nut­zung (S. 165 ff.) bau­li­che Ent­wick­lung, geplan­te grö­ße­re Bau- und Sanie­rungs­maß­nah­men (S. 168 ff.), detail­lier­te Ent­wick­lungs­zie­le für die Fakul­tä­ten mit „Pro­fes­su- ren­pla­nung“ (S. 176 ff.).
  2. 53  Wür­ten­ber­ger, Staats­recht­li­che Pro­ble­me poli­ti­scher Pla-
    nung, S. 90 ff. zur all­seits bekann­ten Vor­wir­kung der Plan­au­sar- beitung.
  3. 54  So aus­drück­lich LT-Drs. 15/4684, S. 164.

Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne nach § 20 Abs. 1 S. 4 Nr. 2 LHG zu ver­fol­gen hat.54

(8) Der Ein­fluss der Wis­sen­schaft­ler auf die Entsch­ei- dun­gen des Hoch­schul­ra­tes hängt von des­sen Zusam­men- set­zung ab. Nach § 20 Abs. 3 S. 1 LHG besteht der Hoch- schul­rat aus min­des­tens sechs und höchs­tens zwölf ex- ter­nen Mit­glie­dern. Dies ist jedoch nicht zwin­gend. Dass sich der Hoch­schul­rat aus inter­nen und exter­nen Mit­glie- dern zusam­men­setzt, kann, wie bereits erwähnt, durch die Grund­ord­nung bestimmt wer­den (§ 20 Abs. 5 S. 3 LHG).55 Bei Ver­ab­schie­dung der Grund­ord­nung wird also über ein Stück Hoch­schul­au­to­no­mie ent­schie­den. Die Mehr­heit der Mit­glie­der des Hoch­schul­ra­tes muss extern sein, also außer­halb der Hoch­schu­le tätig sein. Die Wis­sen­schaft- ler als inter­ne Mit­glie­der im Hoch­schul­rat kön­nen in die­ser Kon­stel­la­ti­on auf des­sen Ent­schei­dun­gen einen durch­aus beacht­li­chen Ein­fluss aus­üben. In den Dis­kus­sio- nen und anläss­lich der Ent­schei­dun­gen des Hoch­schul­ra­tes brin­gen sie die wis­sen­schafts­re­le­van­ten Aspek­te zur Gel- tung und kön­nen wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ent­schei­dun- gen entgegenwirken.

(9) Ins­ge­samt gese­hen garan­tie­ren die orga­ni­sa­ti­ons- recht­li­chen Vor­schrif­ten ein aus­ge­wo­ge­nes Maß an wis- sen­schafts­ad­äqua­ter und auch demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma- tion bei der nor­ma­ti­ven Fest­le­gung der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne der Hoch­schu­len. An der Ent­wick- lung der stra­te­gi­schen Zie­le wir­ken das Rek­to­rat, der Hoch­schul­rat und das zustän­di­ge Lan­des­mi­nis­te­ri­um mit. Die hoch­schul­in­ter­nen Mit­wir­kungs­rech­te der De- kana­te und Fakul­täts­rä­te sowie vor allem des Senats ga- ran­tie­ren, dass die Frei­heit von Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re im Pla­nungs­pro­zess in wirk­sa­mer Wei­se zur Gel­tung gebracht wer­den kann.

b) Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Kom­pe­ten­zen des Rek­to- rats nach § 16 Abs. 3 S. 2 Nrn. 2–10 LHG

Bei­der­ver­fas­sungs­recht­li­chen­Wür­di­gungd­er­Kom­pe­ten- zen des Rek­to­ra­tes nach § 16 Abs. 3 S. 2 Nrn. 2–10 LHG muss man auf das Gesamt­ge­fü­ge der Kom­pe­ten­zen von Rek­to­rat, Senat und auch Hoch­schul­rat abstel­len. Für die erfor­der­li­chen Abwä­gun­gen hat das Bundesverfassungs-

55 Es liegt also in der Auto­no­mie der Hoch­schu­le, ob sie einen extern oder extern/intern besetz­ten Hoch­schul­rat wählt. Zwar kommt der extern/intern besetz­te Hoch­schul­rat der vom Bun­des- ver­fas­sungs­ge­richt gefor­der­ten Betei­li­gung von Wis­sen­schaft­lern in Lei­tungs­gre­mi­en näher als ein bloß extern besetz­ter Hoch- schul­rat. Damit steht aber noch nicht fest, dass der gesetz­li­che Regel­fall eines ledig­lich extern besetz­ten Hoch­schul­ra­tes nicht mit den Vor­ga­ben des lan­des­grund­recht­li­chen Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG über­ein­stimmt. Denn die Hoch­schu­le hat die Auto­no­mie, zwi- schen bei­den Vari­an­ten zu wäh­len. Sie kann dabei auf einen Teil ihrer Frei­heit von Ein­flüs­sen Drit­ter verzichten.

12 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

gericht fol­gen­de Anfor­de­run­gen an das Gesamt­ge­fü­ge des Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­rechts ent­wi­ckelt: Die­ses „kann ins­be­son­de­re dann ver­fas­sungs­wid­rig sein, wenn dem Lei­tungs­or­gan sub­stan­ti­el­le per­so­nel­le und sach­li- che Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im wis­sen­schafts­re­le­van- ten Bereich zuge­wie­sen wer­den, dem mit Hoch­schul­leh- rern besetz­ten Ver­tre­tungs­or­gan im Ver­hält­nis hier­zu jedoch kaum Kom­pe­ten­zen und auch kei­ne maß­geb­li- chen Mit­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te verbleiben.“56 Die Kom­pe­ten­zen des Senats und des Rek­to­ra­tes müs­sen also zuein­an­der ins Ver­hält­nis gesetzt wer­den. Die ver- hält­nis­mä­ßi­ge Zuord­nung ist erst dann ver­letzt, wenn dem Senat im wis­sen­schafts­re­le­van­ten Bereich kaum Kom­pe­ten­zen und kei­ne maß­geb­li­chen Betei­li­gungs­rech- te verbleiben.

aa) Ein Blick auf die Kom­pe­ten­zen des Senats

Dem Senat sind wich­ti­ge Kom­pe­ten­zen und maß­geb­li- chen Mit­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te zuge­wie­sen: Er hat im aka­de­mi­schen Bereich wich­ti­ge Beschluss­kom­pe- ten­zen: Wahl der neben­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der und damit Ein­wir­kungs­mög­lich­keit auf das Kol­le­gi­um Rek­to­rat ( § 19 Abs. 1 S. 2 Nr. 2), Beschluss­fas­sung über Stu­di­en­gän­ge, Hoch­schul­ein­rich­tun­gen, Fach­grup­pen etc. (Nr. 7), Beschluss­fas­sung über die Fest­set­zung der Zulas­sungs­zah­len (Nr. 8), Beschluss­fas­sung über die Sat- zun­gen für Hoch­schul­prü­fun­gen etc. (Nr. 9), Beschluss- fas­sung über Sat­zun­gen für die Benut­zung von Hoch- schul­ein­rich­tun­gen etc. (Nr. 10), Beschluss­fas­sung über die Grund­ord­nung (Nr. 12), Beschluss­fas­sung über die Eva­lua­ti­ons­sat­zung (§ 5 Abs. 3 S. 4 LHG). In der Grund- ord­nung, die vom Senat erlas­sen wird, wird die Glie­de- rung der Uni­ver­si­tät in Fakul­tä­ten und wei­te­re Hoch­schu- lein­rich­tun­gen gere­gelt (§ 15 Abs. 6 LHG; vgl. § 8 Grund- ord­nung der Uni­ver­si­tät Freiburg).

Ergän­zend zu die­sen Beschluss­kom­pe­ten­zen bes­te- hen für zwei wich­ti­ge Berei­che Zustim­mungs­rech­te: zum Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan (Nr. 3) sowie zu den Beru­fungs­lis­ten der Fakul­tä­ten (z. B. nach § 24 Abs. 2 Grund­ord­nung der Uni­ver­si­tät Frei­burg). Und nicht zu- letzt: An der Wahl der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie- der ist der Senat maß­geb­lich beteiligt.

Der Senat hat die Herr­schaft über die Tages­ord­nung und weit­rei­chen­de Infor­ma­ti­ons­an­sprü­che. Nach § 19 Abs. 1 S. 3 LHG ist auf Antrag eines Vier­tels der Senats­mit­glie- der ein Ver­hand­lungs­ge­gen­stand auf die Tages­ord­nung zu set­zen. Mit dem glei­chen Quo­rum kann ver­langt wer- den, dass das Rek­to­rat den Senat in Ange­le­gen­hei­ten un- ter­rich­tet, die in die Zustän­dig­keit des Senats fal­len (§ 19 Abs. 3 S. 1 LHG). Dar­über hin­aus hat jedes Senatsmit-

56 BVerfGE 127, 87 LS 2.

glied ein Fra­ge­recht und einen Infor­ma­ti­ons­an­spruch in dem vor­ge­nann­ten Bereich (§19Abs.3S.2LHG). Die­se Ansprü­che kön­nen not­falls in einem Uni­ver­si­täts­ver­fas- sungs­streit­ver­fah­ren durch­ge­setzt wer­den. Die­se Infor- mati­ons­rech­te und die Herr­schaft über die Tages­ord- nung garan­tie­ren, dass der Senat dar­über bestimmt, wel- che Gegen­stän­de auf umfas­sen­der Infor­ma­ti­ons­grund­la- ge mit dem Rek­to­rat ver­han­delt und dis­ku­tiert wer­den. Wer die Wirk­lich­keit von Senats­sit­zun­gen kennt, weiß von durch­set­zungs­star­ken Sena­to­ren zu berich­ten, die auch dann zur Bil­dung einer dezi­dier­ten Mei­nung bei- tra­gen kön­nen, wenn ledig­lich Berichts­punk­te auf der Tages­ord­nung ste­hen. Dass das Mei­nungs­bild im Senat vom Rek­to­rat bei sei­nen Ent­schei­dun­gen berück­sich­tigt wird, gehört, wie bereits aus­ge­führt, zu gutem aka­de­mi- schem Brauch.

bb) Die Legi­ti­ma­ti­ons­wir­kung der geneh­mig­ten Struk- tur- und Entwicklungspläne

Die staat­li­che Finan­zie­rung der Hoch­schu­len ori­en­tiert sich an drei Para­me­tern: An ihren Auf­ga­ben, an den ver­ein- bar­ten Zie­len und an ihren Leis­tun­gen (§ 13 Abs. 2 S. 1 LHG). Die geneh­mig­ten Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne sind Grund­la­ge der staat­li­chen Finan­zie­rung der Uni­ver­si­tät (§ 13 Abs. 2 S. 3 LHG). Die­se wie­der­um wird in Hoch- schul­ver­trä­gen und Ziel­ver­ein­ba­run­gen, alle­samt unter Vor­be­halt des Haus­halts­ge­set­zes, gere­gelt. Über die Mit- wir­kung am Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan gewinnt der Senat einen wesent­li­chen Ein­fluss auf die fach­li­che, struk­tu­rel­le, per­so­nel­le, bau­li­che und finan­zi­el­le Ent- wick­lung der Uni­ver­si­tät. Ist der Struk­tur- und Ent­wick- lungs­plan doch die Road Map für die Ver­wirk­li­chung des uni­ver­si­tä­ren wis­sen­schaft­li­chen Pro­fils und mit­tel­bar des- sen Finan­zie­rung durch das Land.

Dies gilt eben­falls für Ent­schei­dun­gen des Rek­to­rats über die Ver­tei­lung der für die Hoch­schu­le ver­füg­ba­ren StellenundMittelnachdenGrundsätzendes§13Abs.2LHG (§ 16 Abs. 3 S. 2 Nr. 8 LHG). Der Wort­laut des § 13 Abs. 2 S. 7 LHG bin­det die­se Ent­schei­dun­gen an den Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan der Hoch­schu­le, zudem an beson­de­re Leis­tungs- und Belastungskriterien.

Davon abge­se­hen kann das Rek­to­rat trotz aller Haus- halts­fle­xi­bi­li­sie­rung nur in begrenz­tem Umfang Stel­len und Mit­tel ver­tei­len, weil die­se durch bestehen­de Bin- dun­gen und Zuwei­sun­gen über lan­ge Zeit­räu­me hin­weg fest­ge­legt sind. Um nur zwei Bei­spie­le zu nen­nen: Wenn Beru­fungs­zu­sa­gen ein­zu­hal­ten sind oder der Senat Hoch- schul­ein­rich­tun­gen und Zen­tren beschließt (§ 19 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 LHG), wer­den hier­durch zugleich auch län­ger­fris- tige Raum‑, Stel­len- und Mit­tel­zu­wei­sun­gen erforder-

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 1 3

lich. In einer sol­chen Situa­ti­on nur begrenz­ter Mög­lich- kei­ten der Ver­tei­lung von Mit­teln und Stel­len muss die Wis­sen­schafts­frei­heit nicht durch wei­ter­rei­chen­de orga­ni- sato­ri­sche Vor­keh­run­gen geschützt werden.57

Nach § 19 Abs. 1 S. 2 Nr. 5 LHG nimmt der Senat zum Abschluss von Hoch­schul­ver­trä­gen und Ziel­ver­ein­ba- run­gen (vgl. 13 Abs. 2 S. 3 LHG) Stel­lung. Auch wenn die Ziel­ver­ein­ba­run­gen in der Pra­xis bis­lang kei­ne Rol­le spie­len, so gilt den­noch: Hier fin­det eine Art von dop­pel- ter­Be­tei­li­gungdesSenatsstatt:DenndieHochschulver- trä­ge und Ziel­ver­ein­ba­run­gen müs­sen auf Grund der ge- setz­li­chen Rege­lung die Ziel­set­zun­gen der geneh­mig­ten Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plä­ne beach­ten, denen der Senat bereits sei­ne Zustim­mung gege­ben hat.58 Damit ist die ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Betei­li­gung des Se- nats, ähn­lich wie in einer Kam­mer­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gefordert59, gewahrt.

cc)Beteiligung des Senats am Qualitätsmanagement

Nach § 5 Abs. 1 LHG rich­ten die Hoch­schu­len unter der Gesamt­ver­ant­wor­tung des Rek­to­rats ein Qua­li­täts­ma- nage­ment­sys­tem ein. Nach § 16 Abs. 3 S. 2 Nr. 5 LHG soll ein Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tem der kon­ti­nu­ier­li­chen Bewer­tung und Ver­bes­se­rung der Struk­tu­ren und Leis- tungs­pro­zes­se die­nen. Zu die­sem Qua­li­täts­ma­nage­ment gehört nicht allein, aber auch die Lehr- und For- schungsevaluation.

Eine sach­ad­äqua­te For­schungs­eva­lua­ti­on hat aller- dings ihre Schwie­rig­kei­ten. Über­zeu­gen­de recht­li­che Vor­ga­ben sind weder vom Gesetz­ge­ber noch von Hoch- schul­sat­zun­gen etc. zu erwar­ten. Es gilt nach wie vor, was das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 200460 judi­ziert hat: Wir sind auch wegen der all­seits bekann­ten Wand­lun­gen der Rah­men­be­din­gun­gen wis­sen­schaft­li­cher For­schung und wegen der Unter­schie­de im jewei­li­gen wis­sen- schafts­spe­zi­fi­schen Umfeld immer noch im Sta­di­um der Dis­kus­si­on von Prak­ti­ken der Wis­sen­schafts­eva­lua­ti­on. So hat der Wis­sen­schafts­rat eine Viel­zahl von Kri­te­ri­en der Eva­lua­ti­on von Wis­sen­schaft vor­ge­schla­gen, ohne vor­ge­ben zu kön­nen, ob es Rang­ord­nun­gen der Kriteri-

  1. 57  So BVerfG 1BvR 3217/07 Rn. 74.
  2. 58  Zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit, wenn das Rek­to­rat zum Abschluss­von Ziel­ver­ein­ba­run­gen zustän­dig ist, die in ihrem wis­sen­schafts- rele­van­ten Teil an eine vom Senat beschlos­se­ne Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung gebun­den sind: BVerfG 1BvR 3217/07
    Rn. 68.
  3. 59  BVerfG‑K NVwZ-RR 2001, 587.
  4. 60  BVerfG 1 BvR 911/00, 927/00, 928/00 Rn. 152, 154.
  5. 61  Wis­sen­schafts­rat, Auf­ga­ben, Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren des Eva­lu-ati­ons­aus­schus­ses des Wis­sen­schafts­ra­tes, Drs. 4205/14; eben­so Gär­ditz, Hoch­schul­ma­nage­ment und Wis­sen­schafts­ad­äquanz, NVwZ 2005, 407, 408 ff.

en gibt bzw. wie die­se im Ein­zel­fall gewich­tet werden.61 Trotz sei­ner Ver­su­che, die Eva­lua­ti­on wis­sen­schaft­li­cher Leis­tung zu struk­tu­rie­ren und zu ratio­na­li­sie­ren, muss­te er jüngst fest­stel­len, „dass vie­le Wis­sen­schaft­ler … die Ver­fah­ren der Leis­tungs­mes­sung und die For­men der Mit­tel­al­lo­ka­ti­on mit Unmut betrach­ten und hin­sicht­lich des Nut­zens die­ser Ver­fah­ren für die Wis­sen­schaft zu- neh­mend Skep­sis äußern“.62 In sol­cher Situa­ti­on vom Gesetz­ge­ber inhalt­li­che Vor­ga­ben für Eva­lua­ti­ons­ver- fah­ren zu ver­lan­gen, wäre ein Bären­dienst an der Wissenschaftsfreiheit.

Davon abge­se­hen ist sehr zwei­fel­haft, ob es ziel­füh- rend sein kann, die Ver­tei­lung von For­schungs­mit­teln einem bestim­men­den Ein­fluss der For­scher zu überant- wor­ten. Ihnen fehlt die hin­rei­chen­de per­sön­li­che Distanz zumEntscheidungsgegenstand,sodassFehlallokationen zu befürch­ten sind.63 Es bedarf damit einer distan­zier­ten, aber dem For­schungs­be­reich doch ver­bun­de­nen Mode- rati­on und Orga­ni­sa­ti­on. Für die Ver­tei­lung der For- schungs­mit­tel kann damit nur das Rek­to­rat zustän­dig sein.

Davon abge­se­hen ist der Senat durch­aus an der Ent- wick­lung des Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tems betei­ligt ist. Über die Betei­li­gung an der Ver­ab­schie­dung des Struk- tur- und Ent­wick­lungs­plans wirkt der Senat auch an der Ent­wick­lung des Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tems mit.64

Nicht zuletzt erlas­sen die Hoch­schu­len nach § 5 Abs. 3 S. 4 LHG Eva­lua­ti­ons­sat­zun­gen. Der Senat ist also als Sat­zungs­ge­ber in der Lage, die inter­nen Eva­lua­ti- ons­ver­fah­ren zu gestalten.65 In die­sen Eva­lua­ti­ons­sat- zun­gen kann zum Bei­spiel vom Sat­zungs­ge­ber Senat ge- regelt wer­den, dass und auch wie Eva­lua­tio­nen Grund­la- ge leis­tungs­ori­en­tier­ter Mit­tel­ver­tei­lung sind. Auch nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist durch die Be- tei­li­gung des Senats „die erfor­der­li­che Ein­be­zie­hung von wis­sen­schaft­li­chem Sach­ver­stand gewährleistet“.66 Es be- steht damit auch inso­weit kei­ne Gefahr wis­sen- schafts­i­nad­äqua­ter Entscheidungen.

62 Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Bewer­tung und Steue­rung von For­schungs­leis­tun­gen, Drs. 1656/11, S. 5.

63 So Gär­ditz, NVwZ 2005, 407, 409 mwN.
64 Vgl. etwa das umfäng­li­che Kapi­tel im Struk­tur- und Entwick-

lungs­plan der Uni­ver­si­tät Frei­burg, im Inter­net abruf­bar, S. 152 ff. 65 Vgl. § 2 S. 1 Nrn. 4 und 5 Ord­nung der Uni­ver­si­tät Freiburg

für das Ver­fah­ren der Eva­lua­ti­on von Stu­di­um und Leh­re vom 22. 12. 2011, Amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen, Jahrg. 42 (2011), Nr. 109, S. 976.

66 BVerfG 1 BvR 911/00, 927/00, 928/00 Rn. 177.

14 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

c) Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der besol­dungs­recht­li­chen Kom­pe­ten­zen des Rek­to­rats nach § 16 Abs. 3 S. 2 Nrn. 11–14 LHG

§ 16 Abs. 3 S. 2 Nrn. 11–14 LHG weist dem Rek­to­rat die Kom­pe­tenz zu, über Leis­tungs­be­zü­ge sowie For­schungs- und Lehr­zu­la­gen zu ent­schei­den. Die Fest­set­zung von Leis­tungs­be­zü­gen, etwa aus Anlass von Beru­fungs­ver- hand­lun­gen, gehört seit jeher zu den staat­li­chen Auf­ga- ben. In his­to­ri­scher Per­spek­ti­ve war die Pro­fes­so­ren­be- sol­dung nie eine Ange­le­gen­heit, die kor­po­ra­ti­ons­recht- lich von den Wis­sen­schaft­lern einer Hoch­schu­le (mit) zu ent­schei­den war. Die­se staat­li­che Auf­ga­be ist dem Rek­to- rat über­tra­gen wor­den, das die ent­spre­chen­den Ent- schei­dun­gen nach den beam­ten- und dienst­recht­li­chen Vor­ga­ben zu tref­fen hat. Kon­se­quen­ter Wei­se bin­det § 16 Abs. 3 S. 2 Nrn. 11–14 LHG die vom Rek­to­rat als Kol- legi­al­or­gan zu ent­schei­den­den besol­dungs­recht­li­chen Zula­gen an § 38 Abs. 1 und § 60 LBesGBW.

Die­se Dezen­tra­li­sie­rung der Ver­ga­be von Leis­tungs- bezü­gen sowie von For­schungs- und Lehr­zu­la­gen er- mög­licht ein höhe­res Maß an Hoch­schul­au­to­no­mie, als wenn die Ver­ga­be die­ser Bezü­ge und Zula­gen durch das Minis­te­ri­um erfol­gen wür­de. Das Rek­to­rat ist ein Kol­le- gial­or­gan, das, legi­ti­miert durch Wah­len, die LBVO zu voll­zie­hen hat. Die­se „Kol­le­gia­li­tät“ gewähr­leis­tet „wis- sen­schafts- und leis­tungs­re­le­van­te Rich­tig­keit“ deut­lich bes­ser als die Ent­schei­dung einer Landesbehörde.

Davon abge­se­hen ist äußerst zwei­fel­haft, ob die Ver- gabe von Leis­tungs­be­zü­gen sowie von For­schungs- und Lehr­zu­la­gen wis­sen­schafts­re­le­vant im Sin­ne der Rechtsp­re- chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu Art. 5 Abs. 3 S. 2 GG seinkann.DerartigeüberdienormaleBesoldunghinausge- hen­de Zula­gen hono­rie­ren zwar per­sön­li­chen Ein­satz und über­durch­schnitt­li­che Leis­tun­gen. Die For­schungs- frei­heit steht aber nicht in deren Fokus. Die­se wird weder durch beson­de­re finan­zi­el­le Zuwen­dun­gen opti­miert noch gar beein­träch­tigt. Dies ist vom Wis­sen­schafts­rat klar for­mu­liert wor­den: „Zusätz­li­che exter­ne, vor allem mone­tä­re wett­be­werb­li­che Impul­se, die durch­set­zungs- stär­ke­ren For­schen­den ein höhe­res Ein­kom­men .… ver- spre­chen, sind nicht erfor­der­lich, um die For­schungs- leis­tung zu steigern“.67 Wer Gegen­tei­li­ges behaup­ten woll­te, ver­kennt die per­sön­li­che Moti­va­ti­on, die For- schung voranbringt.

Dem steht die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs- gerichts zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der W 2‑Besoldung

67 Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen, aaO. S. 6; anders ohne Be- grün­dung Koch, Leis­tungs­ori­en­tier­te Pro­fes­so­ren­be­sol­dung, 2010, S. 86, wobei Ver­fas­se­rin die Gewäh­rung von Leis­tungs­be- zügen gleich­wohl für ver­fas­sungs­wid­rig hält, wenn der Staat die Qua­li­tät von Wis­sen­schaft beur­teilt (S. 136 f.).

in Hes­sen nicht entgegen.68 Streit­ge­gen­stand die­ser Ent- schei­dung war allein, ob die hes­si­sche W 2‑Besoldung mit Art. 33 Abs. 5 GG in Ein­klang ste­he, weil sie nicht dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip und der amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung genü­ge. Ledig­lich in einem obiter dic­tum hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aller­dings die The­se ent- wickelt, es bedür­fe einer wis­sen­schafts­ad­äqua­ten Aus­ge- stal­tung der Gewähr­leis­tung von Leistungszulagen.69 In for­mel­haf­ter Über­nah­me frü­he­rer Recht­spre­chung zur Absi­che­rung der Wis­sen­schafts­frei­heit wird behaup­tet, eine wis­sen­schafts­ad­äqua­te Aus­ge­stal­tung der Ver­ga­be von Leis­tungs­zu­la­gen schüt­ze die Frei­heit der Wis­sen- schaft und damit auch den ein­zel­nen Wis­sen­schaft­ler vor wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Entscheidungen.70 War- um sich dies so ver­hält, bleibt ohne Begrün­dung, – und lässt sich auch nicht aus­rei­chend begrün­den. Denn wie bereits bemerkt: Das Aus­maß von Wis­sen­schafts­frei­heit hängt nicht von den Dienst­be­zü­gen des Pro­fes­sors ab. Dass es sich hier um ein blo­ßes obiter dic­tum han­delt, erhellt sich dar­aus, dass die Wis­sen­schafts­frei­heit nicht in den Leitsätzen71 der Ent­schei­dung the­ma­ti­siert wird, dass dem Gesetz­ge­ber kei­ner­lei Hin­wei­se zur pro­ze­du­ra- len Absi­che­rung gege­ben wer­den und dass im Sub­sum­ti- ons­teil der Ent­schei­dung nicht auf Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG Bezug genom­men wird.

4. Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rech­te des Senats bei Wahl und Abbe­ru­fung der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie- der nach § 18 Abs. 1 – 3, Abs. 5 S. 1 und S. 4, § 19 Abs. 2 Nr. 1, 2 LHG

a) Zur Wahl

Die Wahl der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der erfolgt in einem gestuf­ten Verfahren:

Nach §18Abs.1S.1LHG wird eine Fin­dungs­kom- mis­si­on zur Vor­be­rei­tung der Wahl eines haupt­amt­li- chen Rek­to­rats­mit­glieds ein­ge­setzt. Die­se Fin­dungs- kom­mis­si­on beschließt einen Wahl­vor­schlag, der des Ein­ver­neh­mens des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums bedarf. Sodann wäh­len Hoch­schul­rat und Senat in gemein­sa­mer Sit­zung die haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der (§ 18 Abs. 2 S. 2 LHG). Auf Ver­lan­gen eines der bei­den Wahl­gre­mi­en, also auch des Senats, wer­den wei­te­re Be- wer­ber in den Wahl­vor­schlag auf­ge­nom­men, sofern das Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um sein Ein­ver­neh­men erteilt. Die Quo­ren für die Wahl regelt § 18 Abs. 2 S. 4–6 LHG. Wird die in den ers­ten bei­den Wahl­gän­gen erforderliche

68 BVerfG Urteil vom 14. 2. 2012 2 BvL 4/10.
69 BVerfG 2 BvL 4/10 Rn. 161.
70 BVerfG 2 BvL 4/10 Rn. 159.
71 Zu die­sem Erfor­der­nis: BVerw­GE 73, 263, 268; kri­tisch Schlaich/

Korio­th, Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Rn. 489 mwN.

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 1 5

Mehr­heit nicht erreicht, reicht im drit­ten Wahl­gang die ein­fa­che Mehr­heit der Stim­men jeweils bei­der Wahlg­re- mien. Schei­tert eine Wahl, wird ein Wahl­per­so­nen­gre­mi- um ein­ge­setzt, das aus der glei­chen Zahl von exter­nen Mit­glie­dern des Hoch­schul­ra­tes und von Mit­glie­dern des Senats besteht. Gewählt ist, wer die Mehr­heit der Stim­men in die­sem Gre­mi­um erhält (zu den Moda­li­tä- ten: § 17 Abs. 3 S. 4 LHG).

Eine Fin­dungs­kom­mis­si­on hat, wie vom Bun­des­ver- fas­sungs­ge­richt betont72, einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Wahl der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der. Daher müs­sen die an der Hoch­schu­le täti­gen Wis­sen­schaft­ler in der Fin­dungs­kom­mis­si­on aus­rei­chend gewich­tig re- prä­sen­tiert sein. Dem wird dadurch Rech­nung getra­gen, dass der Fin­dungs­kom­mis­si­on die glei­che Zahl an Mit- glie­dern aus Senat und Hoch­schul­rat ange­hö­ren müs­sen (§18Abs.1S.2LHG). Durch die­se pari­tä­ti­sche Beset- zung hat der Senat auch dann aus­rei­chen­de Mit­wir- kungs­kom­pe­ten­zen, wenn dem Lei­tungs­or­gan gewich­ti- ge wis­sen­schafts­re­le­van­te Befug­nis­se zuge­wie­sen sein sollten.73

Gegen die Quo­ren des Wahl­ver­fah­rens ist ver­fas- sungs­recht­lich nichts zu erin­nern. Die Senats­mit­glie­der haben Blo­cka­de­mög­lich­kei­ten, um die Wahl eines ihnen nicht geneh­men Kan­di­da­ten zu ver­hin­dern. Entsch­ei- dend ist: Gegen den Wil­len der Reprä­sen­tan­ten des Se- nats kann kein haupt­amt­li­ches Rek­to­rats­mit­glied ge- wählt werden.

Auch die Mit­wir­kung des Minis­te­ri­ums am Wahl­ver- fah­ren begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden- ken. Das Minis­te­ri­um muss sein Ein­ver­neh­men mit dem Kan­di­da­ten erklä­ren, weil der haut­amt­li­che Rek­tor auch für den Voll­zug staat­li­cher Auf­ga­ben zustän­dig ist.

b) Zur Abberufung

Die Abbe­ru­fung bzw. Abwahl als actus con­tra­ri­us zur Wahl ist in § 18 Abs. 5 S. 1 und 4 LHG gere­gelt: Im wech- sel­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men kön­nen Hoch­schul­rat, Senat und Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um das Amt eines haupt- amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glieds vor­zei­tig been­den. Im Senat und im Hoch­schul­rat ist hier­für eine 2/3 Mehr­heit erforderlich.

Ob die­ses Quo­rum den ver­fas­sungs­recht­li­chen An- for­de­run­gen genügt, erscheint frag­lich. Denn nach An- sichtdesBundesverfassungsgerichtsstößtesauferhebli-

  1. 72  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 84.
  2. 73  Das BVerfG, aaO. hat es nicht für aus­rei­chend erach­tet, wenn nurz­wei von elf stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­dern in der Fin­dungs­kom- mis­si­on vom Senat bestimmt wer­den, – ein Miss­ver­hält­nis, von dem die baden-würt­tem­ber­gi­sche Rege­lung weit ent­fernt ist.
  3. 74  BVerfG 1 BvR 3217/07 Rn. 95.

che Beden­ken, wenn die abstim­men­den Wis­sen­schaft­ler nicht in der Lage sind, das Quo­rum von 2/3 Drit­teln im Senat zu erreichen.74 In aller Regel wird die­ses Quo­rum im Senat von der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer (auch wenn man die Deka­ne hin­zu­zählt) nicht erreicht. Dies macht die „Abwahl­re­ge­lung“ im LHG gleich­wohl nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Denn das vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge- richt gefor­der­te 2/3 Quo­rum für die Wis­sen­schaft­ler gilt nur unter beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen75: Die wis­sen- schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen müs­sen größ­ten­teils bei den haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­dern bzw. beim Rek­to­rat kon­zen­triert sein, dem Senat dür­fen, abge­se­hen von eini­gen weni­gen Beschluss- oder Zustim­mungs- rech­ten, nur Infor­ma­ti­ons- oder Beneh­mens­rech­te zu- ste­hen. Gera­de dies ist aber bei der Kom­pe­tenz­ver­tei- lung zwi­schen Senat und Rek­to­rat nicht der Fall. Dem Senat ste­hen, wie ausgeführt76, zahl­rei­che Beschluss- kom­pe­ten­zen und Zustim­mungs­rech­te zu.

Auch ist nicht ver­fas­sungs­wid­rig, dass das zustän­di­ge Minis­te­ri­um an der vor­zei­ti­gen Been­di­gung des Amtes eines haupt­amt­li­chen Rek­tors mit­wirkt. Die­ses Mit­wir- kungs­recht ist dadurch gerecht­fer­tigt, dass das haupt- amt­li­che Rek­to­rats­mit­glied auch staat­li­che Auf­ga­ben zu voll­zie­hen hat, die, jeden­falls zum Teil, vor der Hoch- schul­re­form vom Minis­te­ri­um wahr­ge­nom­men wur­den. Wegen die­ses Kon­do­mi­ni­ums zwi­schen Minis­te­ri­um bzw. Land und Rek­to­rat bestehen kei­ne Beden­ken an der Mit­wir­kung des Minis­te­ri­ums bei der Been­di­gung des Amtes eines haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glieds. Die­ses Mit­wir­kungs­recht wird dann ver­fas­sungs­kon­form aus- geübt, wenn das Minis­te­ri­um zur Ansicht gelangt, die Ver­trau­ens­ba­sis zwi­schen dem haupt­amt­li­chen Rek­to- rats­mit­glied und dem Rek­to­rat sei entfallen.

c) Wür­di­gung der Rege­lun­gen über Wahl und Abbe­ru- fung im hoch­schul­recht­li­chen Gesamtgefüge

Wür­digt man die Rege­lun­gen der Wahl und Abbe­ru­fung der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der im hoch­schul- recht­li­chen Gesamt­ge­fü­ge: Nach der hoch­schul­or­ga­ni­sa- tions­recht­li­chen je des­to-For­mel des Bun­des­ver­fas- sungs­ge­richts muss die Mit­wir­kung des Ver­tre­tungs­or- gans an der Bestel­lung und Abbe­ru­fung der (haupt­amt­li­chen) Lei­tungs­or­ga­ne des­to stär­ker sein, „je mehr, je grund­le­gen­der und je sub­stan­ti­el­ler wis­sen- schafts­re­le­van­te per­so­nel­le und sach­li­che Entschei-

75 In BVerfG 1 BvR 911/20, 927/00, 928/00 Rn. 188 wird die Ab- wahl­mög­lich­keit einer 2/3 Mehr­heit von Senats­mit­glie­dern für ver­fas­sungs­kon­form erachtet.

76 Vgl. unter II., 3b, aa.
77 BVerfG 1 BvR 3217/07, LS 2.

16 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18

dungs­be­fug­nis­se dem Ver­tre­tungs­or­gan der aka­de­mi- schen Selbst­ver­wal­tung ent­zo­gen und einem Lei­tungs­or- gan zuge­wie­sen werden“.77 Im Gesamt­ge­fü­ge des baden-würt­tem­ber­gi­schen Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­rechts zeigt sich eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­ta­rie­rung zwi- schen den Kom­pe­ten­zen von Senat, Hoch­schul­rat und Rek­to­rat einer­seits und den Bestel­lungs- und Abbe­ru- fungs­re­ge­lun­gen der (haupt­amt­li­chen) Rek­to­rats­mit­glie- der andererseits.

Die Mit­wir­kungs­rech­te des Lan­des sind durch das Kon­do­mi­ni­um zwi­schen Land und Hoch­schu­le gerecht- fer­tigt. Bei den erfor­der­li­chen Quo­ren liegt zum einen ein hin­rei­chen­des Gewicht beim Senat als Organ der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung. Zum ande­ren bestehen nicht zu unter­schät­zen­de Mög­lich­kei­ten wis­sen­schafts- rele­van­ter Ein­fluss­nah­me im Hoch­schul­rat, soweit er auch inter­ne Mit­glie­der umfasst. Soweit der Hoch­schul- rat nur durch exter­ne Mit­glie­der gebil­det wird, haben die Reprä­sen­tan­ten des Senats jeden­falls durch ihre Blo- cka­de­mög­lich­kei­ten einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Wahl der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der. Bei der Abbe­ru­fung eines haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit- glieds haben der Senat und die in ihm reprä­sen­tier­ten Wis­sen­schaft­ler deut­lich gerin­ge­re Ein­fluss­mög­lich­kei- ten. Dies erscheint noch ver­fas­sungs­kon­form, weil der Senat auf wis­sen­schafts­re­le­van­te Ent­schei­dun­gen, wie aus­ge­führt, beträcht­li­che Ein­fluss­mög­lich­kei­ten hat.

III. Abschlie­ßen­de Würdigung

Eine abschlie­ßen­de Wür­di­gung des im LHG gere­gel­ten wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gesamt­ge­fü­ges ergibt: Die Zuwei­sung von Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen an die Lei­tungs­or­ga­ne ist inhalt­lich begrenzt und orga­ni­sa­to- risch so abge­si­chert, dass eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit aus­schei­det. Außer­dem ori­en- tiert sich die aka­de­mi­sche Pra­xis der Lei­tungs- und Ver- tre­tungs­or­ga­ne ganz selbst­ver­ständ­lich an einer ver­fas- sungs­kon­for­men Aus­übung der ihnen zuge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen und Rech­te ver­fah­rens­mä­ßi­ger Betei­li- gung.

Das zwei­te Hoch­schul­rechts­än­de­rungs­ge­setz von 2005 und das drit­te Hoch­schul­rechts­än­de­rungs­ge­setz von 2014 ver­fol­gen zwei Leit­zie­le: zum einen eine Stär- kung der Lei­tungs­or­ga­ne durch Über­tra­gung vor­mals staat­li­cher Auf­ga­ben, zum ande­ren eine Stär­kung der Hoch­schul­au­to­no­mie durch Auf­he­bung von Fach­auf- sicht sowie durch Haus­halts­glo­ba­li­sie­rung und leis- tungs­be­zo­ge­ne Mit­tel­ver­tei­lung. In vie­len Berei­chen er- folgt nun­mehr eine von Hoch­schu­le und Land koope­ra- tive, auf Ver­stän­di­gung ange­leg­te Kom­pe­tenz­aus­übung. Die Hoch­schul­au­to­no­mie ist zudem dadurch gestärkt,

dass von den Hoch­schu­len dar­über ent­schie­den wird, ob sie hoch­schul­in­ter­ne Mit­glie­der in den Hoch­schul­rat ent- sen­den, und dass sie regeln kön­nen, ob neben dem De- kan vier wei­te­re Pro­de­ka­ne und neben dem Rek­tor fünf wei­te­re Pro­rek­to­ren Sitz und Stim­me im Deka­nat bzw. im Rek­to­rat haben. Durch Aus­schöp­fen der hoch­schul- recht­li­chen Höchst­zahl haben es die Hoch­schu­len in der Hand, ihre kol­le­gia­len, mit Stim­men­mehr­heit entsch­ei- den­den Lei­tungs­or­ga­ne wis­sen­schafts­plu­ra­lis­tisch zu- sam­men­zu­set­zen. So kön­nen in die Beschlüs­se der Lei- tungs­or­ga­ne inner­halb der Wis­sen­schaft bestehen­de Un- ter­schie­de mit gefä­cher­tem wis­sen­schaft­li­chem Sach­ver- stand und sach­ver­stän­dig ein­ge­bracht werden.

Das orga­ni­sa­to­ri­sche Gesamt­ge­fü­ge der Fakul­tä­ten lässt kei­ne struk­tu­rel­len Gefähr­dun­gen der Wis­sen- schafts­frei­heit befürch­ten. Das Ver­tre­tungs­or­gan Fakul- täts­rat hat auf die Wahl des Dekans und der Pro­de­ka­ne einen bestim­men­den Ein­fluss. Dies gilt eben­falls für die Abwahl des Dekans, die eine Zwei­drit­tel­mehr­heit des Fakul­täts­rats erfor­dert. Wis­sen­schafts­i­nad­äqua­te Ent- schei­dun­gen des Deka­nats sind schon des­halb nicht zu befürch­ten: Das Deka­nat muss den Fakul­täts­rat regel­mä- ßig über wich­ti­ge wis­sen­schafts­re­le­van­te Ent­schei­dun- gen unter­rich­ten, was sich nach gutem aka­de­mi­schem Brauch mit einer Mei­nungs­bil­dung im Fakul­täts­rat ver- bin­det. Es ist fast schon ein unge­schrie­be­ner hoch­schul- recht­li­cher Grund­satz, dass das Deka­nat an jenes rück­ge- bun­den ist, was mehr­heit­lich im Fakul­täts­rat geäu­ßert wur­de. Ein wesent­li­ches Steue­rungs­in­stru­ment des Fa- kul­täts­ra­tes ist sei­ne Zustim­mung zum Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan. Die­ses Zustim­mungs­er­for­der­nis er- mög­licht es dem Fakul­täts­rat, die Eck­da­ten der mit­tel- fris­ti­gen Ent­wick­lung der Fakul­tät fest­zu­le­gen. In die- sem ist etwa gere­gelt, mit wel­cher Funk­ti­ons­be­schrei- bung frei­wer­den­de Pro­fes­su­ren aus­zu­schrei­ben sind. Was den Haus­halt betrifft, so legt er fest, wel­che Stel­len und Mit­tel von der Fakul­tät benö­tigt wer­den. Nicht zu- letzt trifft der Fakul­täts­rat mit dem Votum über Beru- fungs­vor­schlä­ge, über die Stu­di­en- und Prü­fungs­ord- nun­gen­so­wie­überihrein­ne­re­Struk­tur­zen­tra­le­wis­sen- schafts­re­le­van­te Entscheidungen.

Das Rek­to­rat ist das zen­tra­le Lei­tungs­or­gan der Uni­ver- sität. Sei­ne Zustän­dig­kei­ten zur Lei­tung der Hoch­schu­le teilt es mit dem Senat, mit dem Hoch­schul­rat und mit dem Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um. Im Rah­men der Zustän­dig- keits­ver­tei­lung hat der Senat wich­ti­ge Beschluss­kom­pe­ten- zen: Wahl der neben­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der, Be- schluss­fas­sung über Stu­di­en­gän­ge, Hoch­schul­ein­rich­tun­gen, Fach­grup­pen etc., Beschluss­fas­sung über die Fest­set­zung der Zulas­sungs­zah­len, Beschluss­fas­sung über die Sat­zun­gen für Prü­fun­gen, Beschluss­fas­sung über die Grund­ord­nung, und nicht zuletzt Beschluss­fas­sung über die Evaluationssatzung.

Wür­ten­ber­ger · Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung 1 7

Über die Grund­ord­nung regelt der Senat zu dem die Glie­de­rung der Uni­ver­si­tät in Fakul­tä­ten, Hoch­schu­lein- rich­tun­gen oder Zen­tren. Zum Struk­tur-und Ent­wick- lungs­plan, dem zen­tra­len Doku­ment zum Pro­fil, zur Ge- stal­tung und zur Ent­wick­lung der Hoch­schu­le, hat der Senat ein Zustim­mungs­recht eben­so wie zu den Beru- fungs­lis­ten von Fakul­tä­ten gemäß der Grund­ord­nung. In der aka­de­mi­schen Pra­xis kommt der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan unter inten­si­ver Betei­li­gung aller Ver­tre­tungs­or­ga­ne zustande.

Gewiss hat das Rek­to­rat als Lei­tungs­or­gan im Wis- sen­schafts­be­reich gewich­ti­ge Ent­schei­dungs­kom­pe­ten- zen, wie etwa den Abschluss von Hoch­schul­ver­trä­gen und Ziel­ver­ein­ba­run­gen, die Auf­stel­lung des Ent­wurfs des Haus­halts­vor­anschlags oder die Ver­tei­lung der ver- füg­ba­ren Stel­len und Mit­tel. Mit die­sen Ent­schei­dun­gen des Rek­to­rats wird jedoch nur jenes aus­ge­führt, was be- reits im Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan vor­ver­fügt ge- wesen ist. Dem hat der Senat zuge­stimmt und konn­te bei der Ertei­lung sei­ner Zustim­mung auf die Eck­punk­te der Hoch­schul­ent­wick­lung Ein­fluss neh­men. Auch über sei- ne Herr­schaft über die Tages­ord­nung und sein weit rei- chen­des Infor­ma­ti­ons­recht ist der Senat in der Lage, die Aus­ar­bei­tung der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung durch das Rek­to­rat früh­zei­tig und Ein­fluss neh­mend zu beglei­ten. Mit die­sem Bün­del an viel­fäl­ti­gen Kom­pe­ten- zen hat der Senat ganz erheb­li­che Steue­rungs­mög­lich- kei­ten hin­sicht­lich aller Ent­schei­dun­gen, die wis­sen- schafts­re­le­vant sind.

Die Wahl der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der kann nicht gegen den Wil­len des Senats gesche­hen. Der Senat hat eine star­ke ver­fah­rens­mä­ßi­ge Stel­lung, die es hin­dert, dass ein haupt­amt­li­ches Rek­to­rats­mit­glied der Hoch­schu­le auf­ge­zwun­gen wird. Über die Wahl der wei- teren Rek­to­rats­mit­glie­der ent­schei­det der Senat eigen-

stän­dig. Schwä­cher ist aller­dings die Stel­lung des Senats bei der Abbe­ru­fung von haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit- glie­dern. Dies kann aus zwei Grün­den hin­ge­nom­men wer­den: Zum einen kann der Senat, wie aus­führ­lich be- grün­det, an wesent­li­chen wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent- schei­dun­gen bestim­mend mit­wir­ken. Zum ande­ren bleibt ein Rek­to­rats­mit­glied, das das Ver­trau­en des Sena- tes ver­lo­ren hat, gleich­wohl in Mehr­heits­ent­schei­dun­gen des Rek­to­rats eingebunden.

Bei einer Gesamt­bi­lanz führt die­ses neue Steue­rungs- modell zu einem sub­stan­ti­el­len Gewinn an Hoch­schul­au- tono­mie. Die Lei­tungs­or­ga­ne der Hoch­schu­len neh­men nun dezen­tral und in Ver­ant­wor­tung gegen­über ihrer Hoch- schu­le Auf­ga­ben waren, die bis­lang zen­tra­lis­tisch aus dem „hoch­schul­fer­nen Stutt­gart“ voll­zo­gen wur­den. Die­se neue Sach­nä­he der Auf­ga­ben­er­fül­lung ver­bes­sert die Mög­lich- kei­ten zu wis­sen­schafts­ad­äqua­ten Entscheidungen.

Im Ergeb­nis ori­en­tie­ren sich die zen­tra­len orga­ni­sa­ti- ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten des LHG an einer Balan­ce von star­ker Lei­tung auf der einen Sei­te und weit rei­chen- den Mit­wir­kungs- und Zustim­mungs­rech­ten der Vertre- tungs­or­ga­ne auf der ande­ren Sei­te. Die­se Balan­ce ges­tat- tet es der Hoch­schul­lei­tung, Pro­fil und Ent­wick­lung der Hoch­schu­le vor­an­zu­brin­gen, und den Ver­tre­tungs­or­ga- nen, die wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen mit­zu- gestal­ten und die Hoch­schu­le vor wis­sen­schafts­frem­den Ent­schei­dun­gen zu schüt­zen. Das Rek­to­rat kann und muss in umfas­sen­den Aus­hand­lungs- und Zustim- mungs­ver­fah­ren mit allen Gre­mi­en und Akteu­ren die erfor­der­li­che Füh­rungs­ver­ant­wor­tung übernehmen.

Tho­mas Wür­ten­ber­ger ist Pro­fes­sor an der Albert-Lud- wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg und Lei­ter der For­schungs- stel­le für Hoch­schul­recht und Hochschularbeitsrecht.

18 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2016), 1–18