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Über­sicht
I. Ein­lei­tung
II. Pra­xis­fra­gen im Zusam­men­hang mit online-Lehre

  1. Vor­über­le­gun­gen zum Soft­ware­sys­tem
    a. Beschaf­fung
    b. Daten­schutz­recht­li­che Vorüberlegungen
  2. Vor­über­le­gun­gen für Leh­ren­de
    a. Über­le­gun­gen zur inhalt­li­chen und didak­ti­schen Gestal­tung
    b. Ver­wen­dung von open access-Inhal­ten
    c. Infor­ma­ti­on der Stu­die­ren­den über die Funk­ti­ons­wei­se des Sys­tems
    d. Siche­rung der Lehr­ma­te­ria­li­en gegen Missbrauch
  3. Fehl­ver­hal­ten der Stu­die­ren­den
    a. Staat­li­ches Recht
    b. Hoch­schul­recht
    III. Ergeb­nis­se
    I. Ein­lei­tung
    Die Coro­na-Pan­de­mie hat auch das deut­sche Hoch­schul­le­ben in kür­zes­ter Zeit stark verändert.1 Die Mit­te März 2020 in Deutsch­land begin­nen­den Maß­nah­men, Kon­tak­te zu beschrän­ken und Min­dest­ab­stän­de ein­zu­rich­ten, hat­te dabei erheb­li­che orga­ni­sa­to­ri­sche und recht­li­che Kon­se­quen­zen. Inner­halb weni­ger Wochen hat­ten die Hoch­schu­len die Auf­ga­be, das anste­hen­de Som­mer­se­mes­ter 2020 über online-Ange­bo­te zu Leh­re und Prü­fung abzusichern.2 Die­se Absi­che­rung ließ sich nur mit einer inten­si­ven Kraft­an­stren­gung aller Betei­lig­ten bewäl­ti­gen, zumal die recht­li­che Lage unsi­cher und vola­til war und der Pro­zess der Digi­ta­li­sie­rung von Leh­re und Prü­fung in den deut­schen Hoch­schu­len sich weit­ge­hend noch nicht auf der Ziel­ge­ra­den befindet.3 Immer­hin konn­ten im Ver­lau­fe des Som­mer­se­mes­ters 2020 ers­te Erfah­run­gen mit der online-Leh­re und einem Prü­fungs­zeit­raum im online-For­mat gesam­melt werden.4
    Nach einer Beru­hi­gung der Infek­ti­ons­la­ge über den Som­mer 2020, die mit Locke­run­gen der Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men ver­bun­den war,5 stie­gen die Zah­len der posi­ti­ven Test­ergeb­nis­se deutsch­land­weit wie­der erheb­lich an. Es galt des­halb, die Erkennt­nis­se und Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen Mona­te zu kon­so­li­die­ren, sich inten­siv mit den Aus­ge­stal­tun­gen des online-Hoch­schul­be­triebs zu befas­sen und die­se in einem sinn­vol­len Maß dau­er­haft zu inte­grie­ren.
    Die­se Abhand­lung unter­nimmt daher den Ver­such, die Fort­ent­wick­lung des Rechts der online-Leh­re nach der­zei­ti­gem Stand auf­zu­ar­bei­ten. Teil 2 wird dann neben eini­gen grund­le­gen­den Fra­ge­stel­lun­gen den aktu­el­len Zwi­schen­stand für online-Prü­fun­gen beleuch­ten. Hof­fent­lich kann damit ein klei­ner Bei­trag geleis­tet wer­den, den der­zeit nur begrenzt mög­li­chen kol­le­gia­len Aus­tausch zu beför­dern.
    II. Pra­xis­fra­gen im Zusam­men­hang mit online-Leh­re
    Obwohl die online-Leh­re kein neu­ar­ti­ges Phä­no­men in der deut­schen Wis­sen­schafts­land­schaft ist,6 hat die Coro­na-Situa­ti­on den Bedarf danach und damit den Klä­rungs­be­darf bezüg­lich sei­ner recht­li­chen Dimen­sio­nen erheb­lich erhöht. Aus der prak­ti­schen Innen­sicht sol­len des­halb die wesent­li­chen Aspek­te ange­schnit­ten wer­den, zu denen eini­ge Vor­über­le­gun­gen zum ver­wen­de­ten Soft­ware­sys­tem (1.) und Hin­wei­se für Leh­ren­de für die Erstel­lung ihrer Lehr­un­ter­la­gen (2.) gehö­ren. Aber nicht nur die Ver­ant­wor­tungs­sphä­re der Hoch­Cars­ten
    Mor­gen­roth und Bar­ba­ra Wie­czo­rek
    Zwi­schen­bi­lanz zum Coro­na-Hoch­schul­recht aus Sicht der Hoch­schul­pra­xis, Teil I – Online-Leh­re
    Online-Fund­stel­len wur­den zuletzt abge­ru­fen am 24. Novem­ber 2020.
    1 Eine anschau­li­che Beschrei­bung der Anfor­de­run­gen und Reak­tio­nen aus den ers­ten Mona­ten ver­mit­telt Sand­ber­ger, OdW 2020, 155 ff.
    2 Dem Beginn der wesent­li­chen Coro­na-Maß­nah­men Mit­te März 2020 folg­te die Fest­stel­lung einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Bedeu­tung nach § 5 IfSG durch den deut­schen Bun­des­tag mit Wir­kung zum 28. März 2020, s. Rixen, NJW 2020, 1097 ff. Der übli­che Semes­ter­start im Som­mer­se­mes­ter liegt ca. Mit­te April des Jah­res und war von die­sen ein­schnei­den­den Maß­nah­men nur weni­ge Wochen ent­fernt.
    3 Mit aus­führ­li­chen Nach­wei­sen dazu Eisen­traut, OdW 2020, 177 ff.
    4 Eine Zusam­men­fas­sung des ers­ten Coro­na-Semes­ters bie­tet Hoch­schu­len zie­hen Bilanz des Digi­tal­se­mes­ters (faz.net), sei­tens der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz Stel­lung­nah­men der HRK — Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz.
    5 Es wur­de im Bun­des­tag sogar über eine Auf­he­bung der Fest­stel­lung einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te im Sin­ne von § 5 IfSG debat­tiert, s. Deut­scher Bun­des­tag — Streit um Auf­he­bung der epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te.
    6 So bie­ten etwa die Fern­uni­ver­si­tät Hagen oder die Vir­tu­el­le Hoch­schu­le Bay­ern seit Län­ge­rem online-Ange­bo­te an.
    Ord­nung der Wis­sen­schaft 2021, ISSN 2197–9197
    8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 7 — 1 8
    7 Bei juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts hat nach § 99 Nr. 2
    GWB eine Fest­stel­lung zu erfol­gen, dass deren Auf­ga­ben­er­fül­lung
    im All­ge­mein­in­ter­es­se liegt, s. Zie­kow, in: Ziekow/Völlink,
    Ver­ga­be­recht, Kom­men­tar, 4. Auf­la­ge, 2020, § 99 GWB, Rn. 55.
    Dies könn­te idea­ler­wei­se durch die Aner­ken­nung der pri­va­ten
    Hoch­schu­le erfol­gen.
    8 Da die UVgO – wie die VOL – kei­nen Geset­zes­cha­rak­ter hat, ist
    sie von jedem Bun­des­land geson­dert ein­zu­füh­ren, bei­spiels­wei­se
    als Ver­wal­tungs­vor­schrift zu § 55 Lan­des-LHO.
    9 Der Schwel­len­wert nach § 3 VgV wird von der EU-Kom­mis­si­on
    im Amts­blatt der EU bekannt­ge­ge­ben, zuletzt am 30. Okto­ber
    2019 mit Wir­kung ab dem 1. Janu­ar 2020, s. Amts­blatt der Euro­päi­sche
    Uni­on, Nr. L 279/23.
    10 § 50 UVgO nimmt zum Per­so­nen­kreis frei­be­ruf­li­cher Anbie­ter
    inso­weit Bezug auf die Rege­lung in § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG.
    11 Vari­an­ten­reich und instruk­tiv inso­weit Kirch/Kumpf, Ver­ga­be-
    News 2014, 94 ff.
    12 Der für der­ar­ti­ge Leis­tun­gen grund­sätz­lich eröff­ne­te Wett­be­werb
    könn­te natür­lich dadurch aus­ge­schlos­sen sein, dass sich der
    Anbie­ter Exklu­siv­rech­te an der Soft­ware zu Grun­de lie­gen­dem-
    Quell­code aus­be­dun­gen hat, was bei Soft­ware außer­halb der open
    source Bewe­gung sehr wahr­schein­lich ist. In die­sem Fal­le kommt
    nach der Art der Leis­tung nur der Ver­käu­fer der Aus­gangs­soft­ware
    in Fra­ge – es han­delt sich hier­bei dann um eine pri­vi­le­gier­te
    Form der gewerb­li­chen Beschaf­fung.
    13 Trut­zel, in: Ziekow/Völlink (Fn. 7), § 28 VgV, Rn. 2.
    14 OLG Cel­le, Beschluss vom 22.05.2008, Az. 13 Verg 1/08.
    15 OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 17.05.2011, Az. Verg W 16/10.
    16 Gemeint ist hier die Unter­schei­dung zwi­schen Ober­schwel­lenund
    Unter­schwel­len­ver­ga­be­recht, nicht dage­gen die danach noch
    zu tref­fen­de Wahl der kon­kre­ten Ver­fah­rens­art.
    17 OLG Frank­furt am Main, Beschluss vom 08.04.2014, Az. 11 Verg
    1/14.
    18 Zu den Mög­lich­kei­ten und recht­li­chen Maß­stä­ben einer Test­stel­lung
    vor bzw. nach Ver­trags­schluss Jennert/Werner, Ver­ga­beR
    2016, 174 ff.
    schu­le gehört hier­hin, son­dern auch eine Betrach­tung
    mög­li­chen Fehl­ver­hal­tens der Stu­die­ren­den mit Bezug
    zu den Unter­richts­ma­te­ria­li­en (3.).
  4. Vor­über­le­gun­gen zum Soft­ware­sys­tem
    Vor­über­le­gun­gen zum Soft­ware­sys­tem inklu­die­ren des­sen
    Beschaf­fung (a.), und des­sen best­mög­li­che daten­schutz­recht­li­che
    Absi­che­rung (b.).
    a. Beschaf­fung
    Auch für die Beschaf­fung von Soft­ware zu Zwe­cken der
    online-Leh­re hat eine Hoch­schu­le das gel­ten­de Ver­ga­be­recht
    ein­zu­hal­ten, zumin­dest dann, wenn sie ein sog.
    öffent­li­cher Auf­trag­ge­ber ist. Dies ist für staat­li­che Hoch­schu­len
    immer der Fall. Für pri­va­te, staat­lich aner­kann­te
    Hoch­schu­len bestimmt sich dies nach dem Umfang
    ihrer Anerkennung.7
    Inner­halb des Ver­ga­be­rechts ist sodann in zwei­er­lei
    Hin­sicht zu struk­tu­rie­ren. Wir unter­schei­den in ers­ter
    Stu­fe das auf EU-Recht basie­ren­de Ober­schwel­len­ver­ga­be­recht
    gemäß GWB und VgV vom Unter­schwel­len­ver­ga­be­recht
    nach der UVgO bzw. – soweit die betref­fen­den
    Bun­des­län­der die­se noch nicht für gül­tig erklärt haben8
    – die VOL/A. Der aktu­el­le Schwellenwert9 beträgt für die
    hier rele­van­ten Beschaf­fungs­ar­ten 214.000 € net­to. Für
    den Unter­schwel­len­be­reich, also für Gesamt­net­to­kos­ten
    unter 214.000 €, rele­vant ist eine wei­te­re Unter­schei­dung
    zwi­schen gewerb­li­chen Lie­fe­run­gen bzw. sons­ti­gen Leis­tun­gen
    einer­seits und sog. frei­be­ruf­li­chen Leis­tun­gen
    ande­rer­seits. Frei­be­ruf­li­che Leis­tun­gen sind sol­che Leis­tun­gen,
    bei denen nach der Art der Leis­tung frei­be­ruf­li­che
    Anbieter10 zumin­dest auch als Bie­ter im Ver­ga­be­ver­fah­ren
    in Fra­ge kom­men kön­nen. Gera­de für Soft­ware­pro­duk­te
    ist dies mit Bezug zu indi­vi­du­el­ler Ent­wick­lung
    bzw. Anpas­sung sehr wahr­schein­lich und
    des­halb in der Vor­be­rei­tung des Ver­fah­rens immer mit
    zu beobachten.11 Für der­art kom­ple­xe, inte­grier­te Sys­te­me
    wie online-Lehrs­oft­ware wird der poten­zi­el­le Anbie­ter­kreis
    aber wohl doch mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit
    aus­schließ­lich aus gewer­be­trei­ben­den, indus­tri­el­len
    Anbie­tern bestehen kön­nen, so dass die rich­ti­ge
    Ver­ga­be­art die gewerb­li­che Lie­fe­rung bzw. Lis­tung ist.
    Die­se Fra­ge könn­te aller­dings für kon­kre­te Wei­ter­ent­wick­lun­gen
    einer bestehen­den Soft­ware anders zu beur­tei­len
    sein.12
    Essen­zi­ell für die Beschaf­fung ist in jedem Fall die
    Vor­be­rei­tung. Im Rah­men der sog. Bedarfsermittlung13
    hat die Hoch­schu­le näm­lich mög­lichst genau vor­ab zu
    über­le­gen, wel­che For­men der online-Leh­re – bzw.: ggf.
    inklu­si­ve online-Prü­fun­gen — sie ein­zu­set­zen plant. Danach
    bestimmt sich dann im Rah­men der sog. Mark­ter­kun­dung,
    wel­che poten­zi­el­len Anbie­ter für eine der­art
    aus­ge­stat­te­te Soft­ware in Fra­ge kommen.14 Da die Mark­ter­kun­dung
    in der Regel auch einen Schät­zungs­wert für
    die Beschaf­fungs­kos­ten beinhaltet,15 ist damit zugleich
    auch der zutref­fen­de recht­li­che Rahmen16 für das Ver­fah­ren
    gesi­chert. Bezüg­lich der poten­zi­el­len Bie­ter emp­fiehlt
    es sich, im Rah­men des Ver­fah­rens aktu­el­le, ein­schlä­gi­ge
    Refe­ren­zen abzu­for­dern, um bei den betref­fen­den
    Stel­len nach deren Erfah­run­gen mit dem Bie­ter und
    der Soft­ware kon­kret zu erfragen.17 Hin­sicht­lich der
    Leis­tung selbst ist es ver­ga­be­recht­lich zuläs­sig, vor der
    Ertei­lung des Zuschlags eine sog. Teststellung18 zu absol­vie­ren,
    in der die Soft­ware dann im prak­ti­schen Ein­satz
    getes­tet wer­den kann, um die Rich­tig­keit der Bie­ter­an­ga­ben
    zum Sys­tem im kon­kre­ten Umfeld der Hoch­schu­le
    Morgenroth/Wieczorek · Zwi­schen­bi­lanz zum Hoch­schul­recht 9
    19 Zu den umfang­rei­chen Son­der­re­ge­lun­gen von Bund und Län­dern
    im Zusam­men­hang mit der Covid-19-Situa­ti­on s. Braun, in:
    Ziekow/Völlink (Fn. 7), § 134 GWB, Rn. 145 a ff.
    20 Soweit die Beschaf­fung Ange­bo­te außer­halb der EU betrifft, wird
    jedoch auf den Zusam­men­hang mit der Ent­schei­dung des EuGH
    zu Pri­va­cy Shield ver­wie­sen, s. Fn. 54–56.
    21 So der renom­mier­te Daten­schutz­recht­ler Schwart­mann anläss­lich
    eines Webi­nars zum Recht von online-Leh­re und online-Prü­fun­gen
    am 30. Okto­ber 2020, hier­zu Haa­ke, OdW 2021, S. 62 ff.
    22 Hier­zu Feh­ling, OdW 2020, 137, 142.
    23 Die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung ist dann Sache der bzw. des Leh­ren­den,
    z. B. über lec­tu­re pranks, s. dazu Fn. 59.
    24 In Erwä­gungs­grund 78 zu Art. 25 EU-DSGVO als „Maß­nah­me
    zur Trans­pa­renz der Ver­ar­bei­tung“ bezeich­net.
    25 S. auch Feh­ling (Fn. 22), S. 146 ff.
    26 Soll­te dage­gen eine daten­schutz­recht­li­che Bewer­tung ein
    dif­fe­ren­zier­tes Bild erge­ben, so ist dies je nach dem Grad der
    Dif­fe­ren­zier­bar­keit, also etwa nach Fach­dis­zi­pli­nen, Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten,
    Stu­di­en­gän­gen oder sogar Modu­len indi­vi­du­ell
    zu erfas­sen und den jeweils vor­ge­ge­be­nen Ver­fah­ren in den
    ein­zel­nen Hoch­schu­len zuzu­füh­ren.
    veri­fi­zie­ren zu kön­nen. Die ver­ga­be­recht­li­che Erleich­te­rung,
    infol­ge unver­schul­de­ter Dring­lich­keit nach ver­ein­fach­ten
    Vor­ga­ben zu beschaffen,19 soll­te dage­gen mit
    Blick auf die nun­mehr seit meh­re­ren Mona­ten bekann­te
    Son­der­pro­ble­ma­tik Coro­na nicht mehr zuläs­sig sein.20
    b. Daten­schutz­recht­li­che Vor­über­le­gun­gen
    Daten­schutz­recht­li­che Über­le­gun­gen der Hoch­schu­le
    beinhal­ten sowohl das for­mel­le als auch das inhalt­li­che
    Daten­schutz­recht, letz­te­res bei Soft­ware­an­bie­tern außer­halb
    der EU ins­be­son­de­re zum Recht des Daten­trans­fers
    in Dritt­staa­ten nach Art. 44 ff. EU-DSGVO.
    In for­mel­ler Hin­sicht bestehen Pflich­ten der Hoch­schu­le
    im Außen­ver­hält­nis zu Stu­die­ren­den sowie inter­ne
    Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten. Zu letz­te­ren gehört ins­be­son­de­re
    das Ver­zeich­nis der Ver­ar­bei­tungs­tä­tig­kei­ten
    (VVT) gemäß Art. 30 EU-DSGVO, in dem die wesent­li­chen
    Daten­ver­ar­bei­tun­gen, Ver­fah­rens­ab­läu­fe, Betei­lig­ten
    und Rechts­po­si­tio­nen im Rah­men des Betriebs des
    Soft­ware­sys­tems auf­zu­füh­ren sind. Gegen­über den Stu­die­ren­den
    hat die Hoch­schu­le dage­gen über die Funk­ti­ons­wei­se
    des Sys­tems und die damit ver­bun­de­nen Daten­ver­ar­bei­tun­gen
    zu infor­mie­ren, Art. 13, 14 EU-DSGVO,
    sowie die­se Infor­ma­ti­on auch zu doku­men­tie­ren,
    Art. 5 Abs. 2 EU-DSGVO.21 Ob die­se Infor­ma­ti­on über
    eine all­ge­mei­ne Inter­net­sei­te oder für jeden Stu­die­ren­den
    indi­vi­du­ell, bei­spiels­wei­se in einem Fens­ter vor Nut­zung
    des Sys­tems, erscheint, bleibt der kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung
    über­las­sen. Zum eben­falls erfor­der­li­chen Nach­weis
    der Doku­men­ta­ti­on der Infor­ma­ti­on bie­tet sich
    mög­li­cher­wei­se die IT-basier­te, indi­vi­dua­li­sier­te Infor­ma­ti­on
    in Ver­bin­dung mit der Spei­che­rung der aktiv gesetz­ten
    Kennt­nis­nah­me durch die Stu­die­ren­den sei­tens
    der Hoch­schu­le als effek­ti­ves Mit­tel an.
    In mate­ri­el­ler Hin­sicht hat sich die Daten­ver­ar­bei­tung
    zunächst all­ge­mein an den Grund­sät­zen von
    Art. 5 EU-DSGVO zu ori­en­tie­ren, ins­be­son­de­re an den
    Gebo­ten der Zweck­bin­dung, Daten­spar­sam­keit und
    Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Nach dem Zweck der Leh­re, inter­ak­ti­ven
    Aus­tausch von Wis­sen zwi­schen Leh­ren­den und
    Stu­die­ren­den zu ermöglichen,22 sind dabei bestim­mungs­ge­mäß
    per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten die­ser Betei­lig­ten
    zu beach­ten. Möch­te die leh­ren­de Per­son dar­über hin­aus
    im Rah­men der Leh­re per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten
    Drit­ter ver­wen­den, z. B. ein Video mit abge­bil­de­ten drit­ten
    Per­so­nen, so hat das Sys­tem dies dem Grun­de nach
    eben­falls zu berücksichtigen.23 Die Hoch­schu­le hat jedoch
    über­ge­ord­net zwei Fra­gen zu klä­ren: die tech­ni­schen
    Vor­ein­stel­lun­gen des Sys­tems und die daten­schutz­recht­li­che
    Kom­pa­ti­bi­li­tät bei Ver­wen­dung von
    Soft­ware von außer­halb der EU, ins­be­son­de­re US-ame­ri­ka­ni­scher
    Soft­ware.
    Die tech­ni­schen Vor­ein­stel­lun­gen des Sys­tems haben
    neben der rein tech­ni­schen Kom­pa­ti­bi­li­tät mit ande­ren
    ver­wen­de­ten Sys­te­men vor allem daten­schutz­recht­li­che
    Vor­ga­ben zu beach­ten. Die­se als „tech­nisch-orga­ni­sa­to­ri­sche
    Maß­nah­men“ vor­ge­se­he­nen Anfor­de­run­gen bestehen
    ins­be­son­de­re in den Vor­keh­run­gen zur Sicher­heit
    der Daten­ver­ar­bei­tung nach Art. 32 EU-DSGVO sowie
    in Vor­ein­stel­lun­gen, die von Vorn­her­ein das Gebot der
    Daten­spar­sam­keit umset­zen wol­len und Ver­ar­bei­tung
    nur der für den jewei­li­gen Zweck wirk­lich erfor­der­li­chen
    Daten über­haupt erst ermög­li­chen, Art. 25 Abs. 2 EUDSGVO.
    Zu letz­te­rem gehört – neben einem eta­blier­ten
    und regel­mä­ßig über­prüf­ten Rech­te- und Rollenkonzept24
  • vor allem die Fra­ge, ob die Hoch­schu­le ein Soft­ware­sys­tem
    für online-Leh­re von vorn­her­ein für eine
    Auf­zeich­nung der betref­fen­den Ver­an­stal­tung sperrt
    und die­se damit gar nicht erst zulässt.25 Die­se Fra­ge stellt
    sich in die­ser Abso­lut­heit für die Hoch­schu­le natür­lich
    nur dann, wenn unter kei­nen Umstän­den ein Vor­hal­ten
    der Lehr­ver­an­stal­tung als daten­schutz­recht­lich erlaubt,
    ins­be­son­de­re erfor­der­lich für die Erfül­lung der öffent­li­chen
    Auf­ga­be der Hoch­schul­leh­re, ange­se­hen wer­den
    kann, Art. 6 Abs. 1 lit. e) EU-DSGVO.26 Die in die­se Abwä­gung
    ein­zu­stel­len­den Rech­te und Inter­es­sen der Betei­lig­ten
    sind viel­fäl­tig. Ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit
    sei­en im Fol­gen­den eini­ge prak­tisch wesent­li­che Aspek­te
    dis­ku­tiert.
    So erscheint es als durch­aus offen, ob das Vor­hal­ten
    digi­ta­ler Kopien von Lehr­ver­an­stal­tun­gen ein legi­ti­mer
    Zweck für die Daten­ver­ar­bei­tungs­form der „Spei­che­rung“,
    die mit der Auf­nah­me ein­her­geht, sein kann. Aus
    der Ver­ant­wor­tung der Hoch­schu­le für die Sicherstel1
    0 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 7 — 1 8
    27 Feh­ling, in: Kahl/Waldhoff/ Wal­ter, Bon­ner Kom­men­tar zum
    Grund­ge­setz, Art. 5 Abs. 3, Rn. 99.
    28 Eine anschau­li­che Dar­stel­lung der ver­schie­de­nen Ebe­nen und
    Posi­tio­nen bei VGH Mann­heim, Urteil vom 21.11.2017, Az. 9 S
    1145/16, Rn. 45 ff. bei juris.
    29 BVerfGE 90, 1, 11 ff.
    30 Spannagel/Spannagel, Designing In-Class Acti­vi­ties in the
    Inver­ted Class­room Model, in: Handke/ Kiesler/ Wie­mey­er. The
    Inver­ted Class­room Model. 2013. S. 113 ff.
    31 van Alten/ Phielix/Janssen/Kester: Effects of flip­ping the class­room
    on lear­ning out­co­mes and satis­fac­tion: A meta-ana­ly­sis, Edu­ca­tio­nal
    Rese­arch Review, 2019, pas­sim.
    32 Eine Stu­die der Ber­tels­mann-Stif­tung belegt, dass etwas mehr
    als die Hälf­te der Leh­ren­den, die Blen­ded Lear­ning-For­ma­te ein­set­zen,
    das Kon­zept „Flip­ped Class­room“ ver­wen­den, s. Schmid/
    Goertz/Radomski/Thom/Behren, Moni­tor Digi­ta­le Bil­dung. Die
    Hoch­schu­len im digi­ta­len Zeit­al­ter, 2017, S. 15.
    33 Die Mög­lich­kei­ten, auch im Mut­ter­schutz bzw. in Eltern­zeit,
    ggf. auf der Grund­la­ge einer Beur­lau­bung, Prü­fungs­leis­tun­gen
    absol­vie­ren zu dür­fen, wodurch eine Ver­fol­gung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen
    auch in die­sen Zei­ten sinn­voll bzw. erfor­der­lich sein
    kann, ist – auf­bau­end auf dem seit 2019 gel­ten­den MuSchG –
    sehr dif­fe­ren­ziert unter den Hoch­schu­len gere­gelt.
    34 Feh­ling (Fn. 27).
    35 EuGH, MMR 2009, 175, 177.
    36 Gola, Daten­schutz­grund­veror­dung, Kom­men­tar, 2017, Art. 9 Rn.
    12.
    lung des Lehrangebots27 wird sich sicher­lich ein digi­ta­les
    Strea­ming, aber ten­den­zi­ell kei­ne Auf­zeich­nung ablei­ten
    las­sen. Sei­tens der Stu­die­ren­den ist die effek­ti­ve Ver­wirk­li­chung
    der Stu­dier­frei­heit durch nahe­zu unbe­grenz­te
    Wie­der­ho­lungs­mög­lich­keit sowie das erhöh­te
    Rezep­ti­ons­po­ten­zi­al spe­zi­ell für audi­tive bzw. visu­el­le
    Lern­ty­pen sicher­lich von Vor­teil – ob sich die­ser Aspekt
    aber rechts­ver­bind­lich aus der Stu­dier­frei­heit her­aus ablei­ten
    lässt, ist zwei­fel­haft, zumal bereits die Ebe­ne der
    recht­li­chen Ver­an­ke­rung einer Stu­dier­frei­heit alles ande­re
    als geklärt ist.28 Dem­ge­gen­über lässt sich sei­tens der
    Leh­ren­den anfüh­ren, die aus der über Art. 5 Abs.3 GG
    ver­mit­tel­ten Lehr­frei­heit fol­gen­de Wahl der Lehrmethoden29
    schlie­ße nicht nur eine Bedie­nung der vir­tu­el­len
    Welt an sich über die ein­ma­li­ge, son­dern gera­de über die
    Auf­zeich­nung eine dau­er­haf­te oder sonst per­p­etu­ier­te
    Rezep­ti­ons­mög­lich­keit der Lehr­in­hal­te für die Stu­die­ren­den
    ein. Hin­sicht­lich der Wahl didak­ti­scher Kon­zep­te
    für Lehr­ver­an­stal­tun­gen ist die Metho­de des „Flip­ped
    Classroom“30 zu nen­nen, bei der die Nut­zung von Auf­zeich­nun­gen
    in beson­de­rem Maße rele­vant ist. Die Tat­sa­che,
    dass bei geeig­ne­ter Kon­zep­ti­on ein „Flip­ped
    Classroom“-Ansatz zu ver­bes­ser­ten Lern­er­geb­nis­sen im
    Ver­gleich zu tra­di­tio­nel­len Ansät­zen führt31, unter­streicht
    die Bedeu­tung von Lehr­me­tho­den unter Nut­zung
    digi­ta­ler Hilfs­mit­tel, wie auch Auf­zeich­nun­gen zur
    Ver­bes­se­rung der Lehr­qua­li­tät. Die Bedeu­tung des Kon­zep­tes
    „Flip­ped Class­room“ wird auch an sei­ner Ver­brei­tung
    sichtbar.32 Jeden­falls auf der Ebe­ne des legi­ti­men
    Zwecks beacht­lich sind dane­ben Erwä­gun­gen der Teil­ha­be
    von unver­schul­det ver­hin­der­ten Stu­die­ren­den,
    etwa infol­ge von Krank­heit, Schwan­ger­schaft oder Mut­ter­schutz
    bzw. Elternzeit33 – inso­weit kann der oben ange­stell­te
    Ver­gleich zur ana­lo­gen Welt ver­las­sen und die
    Chan­cen der digi­ta­len Mög­lich­kei­ten in die Abwä­gung
    ein­ge­stellt wer­den. Für die Arbeit mit und am Men­schen
    kann die­ser Gedan­ke der nicht fort­ge­setz­ten Ana­lo­gie
    fort­ge­führt und ein legi­ti­mer Zweck einer Auf­nah­me
    durch­aus dar­in erkannt wer­den, die Übungs­funk­ti­on
    der­ar­ti­ger Leh­re mit Blick auf die Lebens- bzw. Gesund­heits­ri­si­ken
    in der spä­te­ren beruf­li­chen Pra­xis als neue,
    digi­tal ver­mit­tel­te Chan­ce der Leh­re anzu­se­hen. Zuguns­ten
    einer wei­te­ren Prü­fung wird des­halb von der
    Ver­folg­bar­keit legi­ti­mer Zwe­cke durch die Auf­nah­me
    von Lehr­ver­an­stal­tun­gen aus­ge­gan­gen.
    Eine hin­rei­chen­de Eig­nung der Auf­nah­me zur Ver­fol­gung
    der benann­ten legi­ti­men Zwe­cke wird man der
    Auf­nah­me einer Lehr­ver­an­stal­tung nur dann abspre­chen
    kön­nen, wenn man das Maß an erfor­der­li­cher Inter­ak­ti­on
    als Grund­be­stand­teil wis­sen­schaft­li­cher Lehre34
    auch in Zei­ten wie die­sen als unver­än­dert hoch ansä­he.
    Die­ser Anspruch wäre für das Som­mer­se­mes­ter
    2020 ange­sichts der herr­schen­den Rah­men­be­din­gun­gen
    ver­fehlt gewe­sen. Je län­ger die Hoch­schu­len mit der Coro­na-
    Situa­ti­on umge­hen und sich adap­tie­ren kön­nen,
    des­to mehr wird die­ser Anspruch an Inter­ak­ti­on auch
    digi­ta­ler Leh­re – im Sin­ne einer voll­ende­ten Trans­for­ma­ti­on
    – gel­ten. Aus jet­zi­ger Sicht, zu Beginn des zwei­ten
    „Coro­na-Semes­ters“, schei­nen gewis­se Abstri­che von
    die­sem Maß­stab aller­dings nach wie vor gebo­ten zu sein.
    Die Eig­nung der Auf­nah­me wird des­halb zumin­dest
    der­zeit nicht bestreit­bar sein.
    Im Rah­men der Erfor­der­lich­keit der Maß­nah­me ist
    zu fra­gen, wel­che der mög­li­chen Vari­an­ten die Rech­te
    der Betrof­fe­nen, ihre Grund­re­che aus Art. 7, 8 GrCh, am
    wenigs­ten ein­schränkt, die ver­folg­ten legi­ti­men Zwe­cke
    jedoch ver­wirk­li­chen kann.35 Hier­bei ist ins­be­son­de­re
    an Beschrän­kun­gen der Ver­wen­dung per­so­nen­be­zo­ge­ner
    Daten der Stu­die­ren­den zu den­ken, da die leh­ren­de
    Per­son über die Ver­wen­dung ihrer eige­nen per­so­nen­be­zo­ge­nen
    Daten im Rah­men ihrer Metho­den­wahl auto­nom
    bestim­men kann. Im Lich­te der Ver­wirk­li­chung
    von Stu­di­en- bzw. Teil­ha­be­rech­ten und ‑inter­es­sen sind
    des­halb Stu­fun­gen vor­zu­neh­men zwi­schen der Ver­wen­dung
    von stu­den­ti­schen Video- bzw. Bild­ein­blen­dun­gen,
    Chat­funk­tio­nen, Klar­na­men oder Pseud­ony­men und
    ande­ren denk­ba­ren Vari­an­ten. Zu beach­ten ist hier für
    die Teil­men­ge der sog. bio­me­tri­schen Daten36 der Stu­die­ren­den
    nach Art. 4 Nr. 11 EU-DSGVO, dass die­se daten­schutz­recht­lich
    als beson­ders sen­si­bel gel­ten und desMorgenroth/
    Wie­czo­rek · Zwi­schen­bi­lanz zum Hoch­schul­recht 1 1
    37 Von die­ser kann aber gege­be­nen­falls abge­se­hen wer­den, wenn die
    Rechts­grund­la­ge der Daten­ver­ar­bei­tung die­se bereits hin­rei­chend
    ent­hält, Art. 35 Abs. 10 EU-DSGVO; s. Jandt, in: Kühling/ Buch­ner,
    DS-GVO, BDSG, Kom­men­tar, 3. Auf­la­ge, 2020, Art. 35, Rn.
    22 ff.
    38 Buchner/Petri, in: Kühling/Buchner (Fn. 37) Art. 6, Rn. 196
    m.w.N. las­sen inso­weit alle Geset­ze im mate­ri­el­len Sin­ne genü­gen
    und erwäh­nen bei­spiel­haft hier­zu die kom­mu­na­le Sat­zung.
    39 In sei­nen aktu­el­len Urtei­len Recht auf Ver­ges­sen I (Az. 1 BvR
    16/13) und Recht auf Ver­ges­sen II (1 BvR 276/17) vom 6. Novem­ber
    2019 hat das BVerfG sei­ne Linie zur Behand­lung natio­na­ler
    staat­li­cher Maß­nah­men an Hand der Grund­rech­te der GrCh und
    des GG, auf­bau­end auf der Linie sei­ner Solan­ge-Ent­schei­dun­gen,
    dahin gehend prä­zi­siert, dass die Aus­füh­rung von EU-Recht
    (hier der EU-DSGVO) zumin­dest auch dann an den natio­na­len
    Grund­rech­ten zu mes­sen ist, wenn das betref­fen­de EU-Recht den
    Mit­glieds­staa­ten einen Gestal­tungs­spiel­raum ein­räumt, wie dies
    hier über die Öff­nungs­klau­seln nach Art. 85, 89 EU-DSGVO der
    Fall ist.
    40 Schwart­mann (Fn. 21).
    41 EuGH, Urt. v. 16.07.2020, Az. C 311/18 – Schrems II.
    42 Beschluss 2016/1250 der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zur Über­mitt­lung
    per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten in die USA.
    43 Art. 46 Abs. 2 Nr. c und d EU-DSGVO sieht Stan­dard­ver­trags­klau­seln
    der EU-Kom­mis­si­on (Alt. c) oder natio­na­ler Auf­sichts­be­hör­den,
    die von der EU-Kom­mis­si­on nach Art. 93 Abs. 2
    EU-DSGVO geneh­migt wur­den, vor.
    44 EuGH, Fn. 20, 41.
    45 Gola, in: Gola/Schomerus, BDSG, Kom­men­tar, 1. Auf­la­ge, 2010, §
    11 Rn. 2.
    halb durch beson­de­re Mecha­nis­men zu schüt­zen sind,
    ins­be­son­de­re die Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung nach
    Art. 35 EU-DSGVO.37 Spe­zi­ell die­se per­so­nen­be­zo­ge­nen
    Daten sind des­halb beson­ders sorg­fäl­tig zu prü­fen, bevor
    deren flä­chen­de­cken­de Ver­wen­dung frei­ge­ge­ben wer­den
    kann. Eben­so ist in die Abwä­gung ein­zu­stel­len, wel­chen
    Grad von Öffent­lich­keit die ver­ar­bei­te­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen
    Daten erfah­ren wer­den, also etwa die Stu­fen des
    Inter­nets, des hoch­schul­wei­ten Intra­nets oder auch ledig­lich
    einer Fakul­täts- bzw. Kursöf­fent­lich­keit. Für den
    Bereich der Arbeit mit und am Men­schen sei hier auf
    den recht­lich eben­falls beson­ders sen­si­blen Bereich der
    Arbeit mit Pati­en­ten­da­ten hin­ge­wie­sen und eine ent­spre­chen­de
    Stu­fung der Ver­wen­dung per­so­nen­be­zo­ge­ner
    Pati­en­ten­da­ten ent­spre­chend des Aus­bil­dungs­zwecks
    ange­regt. Wel­che die­ser Stu­fen im Rah­men der
    Erfor­der­lich­keits­prü­fung beschrit­ten zu wer­den hat,
    rich­tet sich nach den in den Stu­di­en­ord­nun­gen ver­an­ker­ten
    Zie­len der Leh­re. Da die­se Rege­lun­gen als spe­zi­fi­sche
    Bestim­mun­gen im Sin­ne von Art. 6 Abs.1 Satz 1 Nr. b)
    in Ver­bin­dung mit Absät­zen 2 und 3 EU-DSGVO zu sehen
    sind38 und auch einen genu­in wis­sen­schafts­spe­zi­fi­schen
    Bereich regeln, die natio­na­len Grund­rech­te also
    her­an­ge­zo­gen wer­den dürfen,39 sind die­se Erwä­gun­gen
    als Aus­ge­stal­tun­gen der ein­zel­nen Grund­rechts­trä­ger
    der natio­na­len Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 GG
    voll­wer­tig in die Abwä­gung ein­stell­bar. Teil­wei­se wird
    gegen die Erfor­der­lich­keit der Auf­zeich­nung ange­führt,
    der Zweck der Wie­der­ho­lung sei durch ande­re Maß­nah­men,
    bei­spiels­wei­se vir­tu­el­le Sprech­stun­den, eben­so erreich­bar.
    40 Die­ser Ansatz trifft jedoch in Fäl­len nicht zu,
    in denen die Adres­sa­ten nicht wir­kungs­voll über der­ar­ti­ge
    Maß­nah­men zu errei­chen sind. Zu den­ken wäre etwa
    an die Ein­stel­lung in einen Pool von Lehr­in­hal­ten ohne
    fes­te Rezep­ti­ons­struk­tu­ren, bei­spiels­wei­se in gro­ßen
    OER-Netz­wer­ken oder über­re­gio­na­len Lehr­ver­bün­den.
    Fin­det ein Daten­trans­fer in ein Land außer­halb des
    Gel­tungs­be­reichs der EU-DSGVO statt, so sind die zusätz­li­chen
    inhalt­li­chen Vor­ga­ben für eine Daten­über­mitt­lung
    in ein Dritt­land nach Art. 44 ff. DSGVO zu beach­ten.
    Pro­mi­nen­te Bei­spie­le sind hier­bei sicher­lich die
    Kon­fe­renz­soft­wares Zoom, Sky­pe oder Micro­soft Teams,
    die von US-ame­ri­ka­ni­schen Fir­men ver­trie­ben wer­den.
    Die­se Fra­ge­stel­lung hat für das lau­fen­de Win­ter­se­mes­ter
    2020/21 an Bedeu­tung gewon­nen , denn der EuGH hat
    mit Urteil vom 16. Juli 202041 die bis­her gel­ten­de daten­schutz­recht­li­che
    Legi­ti­ma­ti­on für den trans­at­lan­ti­schen
    Daten­trans­fer zwi­schen der EU und den USA (sog. Pri­va­cy
    Shield)42 man­gels hin­läng­li­chem Daten­schutz­ni­veau
    in den USA für unwirk­sam erklärt. Der EuGH hat
    außer­dem zur zwei­ten Säu­le recht­mä­ßi­ger trans­at­lan­ti­scher
    Daten­über­mitt­lung, den sog. Stan­dard­schutz­klau­seln,
    43 Stel­lung bezo­gen: Die­se sei­en nach dem Schei­tern
    von Pri­va­cy Shield zwar wei­ter­hin zuläs­sig und denk­bar,
    im Ver­hält­nis zu den USA in der kon­kre­ten Fall­ge­stal­tung
    jedoch nicht oder nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len
    tragfähig.44 Damit ste­hen die deut­schen Hoch­schu­len
    vor einem erheb­li­chen Legi­ti­ma­ti­ons­pro­blem, per­so­nen­be­zo­ge­ne
    Daten ihrer Bediens­te­ten bzw. Stu­die­ren­den in
    die USA wei­ter­zu­lei­ten oder deren direk­te Erhe­bung in
    den USA zu ver­ant­wor­ten.
    Die nach wie vor mög­li­che und erfor­der­li­che Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­tungs­ver­ein­ba­rung
    nach Art. 28 EUDSGVO
    ver­mag die­se Defi­zi­te nach aktu­el­lem Stand
    nicht voll­stän­dig zu kom­pen­sie­ren. Sie bezieht sich inhalt­lich
    auf die ope­ra­ti­ve Abwick­lung der Daten­ver­ar­bei­tung,
    lässt die mate­ri­ell-recht­li­che Zuläs­sig­keit des
    Daten­trans­fers dage­gen unbe­rührt. Vor Gel­tung der EUDSGVO
    ging das deut­sche Daten­schutz­recht zwar von
    einer Pri­vi­le­gie­rungs­wir­kung der ADV der­ge­stalt aus,
    dass eine Ein­heit von Ver­ant­wort­li­chem und Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­ter
    ange­nom­men wur­de, sodass die Erlaub­nis
    der Ver­ar­bei­tung beim Ver­ar­bei­ter direkt genüg­te,
    der Trans­fer zum Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­ter also nicht
    mehr geson­dert legi­ti­ma­ti­ons­be­dürf­tig war.45 Man­gels
    erkenn­ba­rer gericht­li­cher Klä­rung unter Gel­tung der
    1 2 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 7 — 1 8
    46 Für einen Weg­fall der Pri­vi­le­gie­rungs­wir­kung Roßnagel/ Kro­sch­mann,
    ZD 2014, 495 ff.; dage­gen Koos/Englisch, ZD 2014, 276 ff.
    47 Zu den Impli­ka­tio­nen mit Bezug auf den Stan­dard der Wis­sen­schaft­lich­keit
    der Hoch­schul­leh­re s. oben, Fn. 27; zum frei­en Daten­ver­kehr
    als eigen­stän­di­gem Ziel der EU-DSGVO und des­sen
    Beson­der­hei­ten Feh­ling (Fn. 22), S. 143.
    48 Exem­pla­risch die Uni­ver­si­tät Kiel, abruf­bar unter Infor­ma­tio­nen
    zu Daten­schutz und Sicher­heit — Rechen­zen­trum (uni-kiel.de).
    49 Aus­führ­lich zum bereits im Römi­schen Recht ent­wi­ckel­ten „nul­la
    obli­ga­tio – Grund­satz“ Seong, Der Begriff der nicht gehö­ri­gen
    Erfül­lung aus dog­men­ge­schicht­li­cher und rechts­ver­glei­chen­der
    Sicht, Diss., Frank­furt, 2004.
    50 Cla­ri­fy­ing Law­ful Over­seas Use of Data Act des US-Kon­gres­ses
    vom 22. März 2018, s. Cording/Götzinger, CR 2018, 636 ff.
    51 Schwart­mann (Fn. 21).
    52 Auf eine eigen­stän­di­ge Rechts­per­sön­lich­keit, etwa als eigen­stän­di­ge
    Toch­ter­ge­sell­schaft inner­halb einer Kon­zern­struk­tur, kommt
    es nicht an, s. Zer­dick, in: Ehmann/Selmayr, Daten­schutz­grund­ver­ord­nung,
    2017, Art. 3, Rn.8.
    53 Berengaut/Lensdorf, CR-Bei­la­ge 2019, 111 ff.
    54 https://www.sueddeutsche.de/digital/datenschutz-facebookschrems-
    privacy-shield‑1.4730186.
    55 Zur Bedeu­tung der Schluss­an­trä­ge der Gene­ral­an­wäl­te beim
    EuGH für Fin­dung und Dar­stel­lung der Ent­schei­dung Oppermann/
    Claasen/Nettesheim, Euro­pa­recht, 8. Auf­la­ge, 2018, § 5 Rn.
    143; Wege­ner, in: Calliess/Ruffert, EUV/ AEUV, Kom­men­tar, 5.
    Auf­la­ge, 2016, Art. 252 AEUV, Rn. 3
    EU-DSGVO ist offen, ob die­se Pri­vi­le­gie­rung noch besteht
    – bis auf Wei­te­res ist des­halb von einer recht­li­chen
    Unsi­cher­heit auszugehen.46
    Sind die Hoch­schu­len durch die­se Sach- und Rechts­la­ge
    gezwun­gen, auf Ange­bo­te aus den USA zu ver­zich­ten,
    bis eine trag­fä­hi­ge Fol­ge­re­ge­lung in Kraft getre­ten
    ist? Oder lässt sich mög­li­cher­wei­se doch eine Recht­fer­ti­gung
    für die Ver­wen­dung von Zoom & Co. fin­den? Eine
    gan­ze Rei­he von Grün­den schei­nen dies jeden­falls
    nahe­zu­le­gen.
    Zunächst kann hier­bei auch auf das Erfor­der­nis der
    Auf­recht­erhal­tung funk­ti­ons­fä­hi­ger Hoch­schu­len trotz
    der Aus­nah­me­si­tua­ti­on Coro­na zuge­grif­fen werden.47
    Die Pan­de­mie und ihre Fol­gen sind zwar seit mitt­ler­wei­le
    einem guten hal­ben Jahr bekannt. Seriö­se Pro­zes­se
    zum Umstieg gan­zer Hoch­schu­len auf flä­chen­de­cken­de
    online-Leh­re benö­ti­gen jedoch erheb­lich mehr Zeit. Das
    par­al­le­le Argu­ment lässt sich fin­den für Hoch­schu­len,
    die den Daten­trans­fer in die USA prak­ti­ziert und sich
    hier­bei auf Pri­va­cy Shield beru­fen haben48 – auch die­sen
    Hoch­schu­len ist ein recht­lich gesi­cher­ter und tech­nisch­in­halt­lich
    rei­bungs­lo­ser Umstieg in den weni­gen Mona­ten
    vom Urteil des EuGH bis zum Beginn des Win­ter­se­mes­ter
    2020/21 schlicht nicht mög­lich gewe­sen. Einer
    sehr schnell beschaff­ba­ren, im Grund­be­trieb und damit
    trotz gerin­ge­ren per­for­ma­ti­ven Poten­zi­als siche­ren EUDSGVO-
    kom­pa­ti­blen Soft­ware an sich könn­te dane­ben
    ent­ge­gen­ste­hen, dass die Leh­ren­den für den Umgang mit
    einer neu­en Soft­ware flä­chen­de­ckend und hin­rei­chend
    geschult wer­den müs­sen, um qua­li­ta­tiv hin­rei­chen­de
    wis­sen­schaft­li­che Leh­re anbie­ten zu müs­sen. Neben einer
    schnel­len und siche­ren Durch­drin­gung der neu­en
    Mate­rie durch das tech­ni­sche Per­so­nal der Hoch­schu­le
    könn­te in Zei­ten mobi­ler Arbeit eine hin­rei­chend brei­te
    und gründ­li­che Ein­wei­sung des Lehr­per­so­nals einer sol­che
    Maß­nah­me (vor­über­ge­hend) ent­ge­gen­ste­hen. Könn­te
    für die­sen Kon­text nicht der all­ge­meis­ne Rechts­grund­satz
    her­an­ge­zo­gen wer­den, dass Unmög­li­ches
    recht­lich nicht gefor­dert wer­den darf?49
    Dar­über hin­aus wird auch teleo­lo­gisch damit argu­men­tiert,
    ein Ver­gleich der US-ame­ri­ka­ni­schen Soft­ware
    (z. B. Zoom) mit in der EU her­ge­stell­ten Pro­duk­ten wei­se
    ein ver­gleich­ba­res Pro­duk­tiv­ri­si­ko auf, wobei dem sicher­lich
    ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­de könn­te, dass das haupt­säch­li­che
    Daten­schutz­ri­si­ko in der Zugriffs­mög­lich­keit
    von US-Behör­den infol­ge des Cloud Act50 und nicht
    durch tech­ni­sche Unzu­läng­lich­kei­ten besteht.51 Aus dem
    glei­chen Grund genügt es auch nicht, dass die US-ame­ri­ka­ni­schen
    Anbie­ter den Ver­trieb an Abneh­mer in der
    EU über in der EU ansäs­si­ge Zweigstellen52 abwi­ckeln.
    Denn hier wäre zwar nach Art. 3 EU-DSGVO der euro­päi­sche
    Daten­schutz auch bei einem Trans­fer in die USA
    anwend­bar, was den Cloud Act mit den ent­spre­chen­den
    Befug­nis­sen der US-Behör­den jedoch nicht berührt.53
    Ein wei­te­res Argu­ment für eine zumin­dest vor­über­ge­hen­de
    Ver­wen­dung von US-ame­ri­ka­ni­schen Sys­te­men
    könn­te sein, dass die der­art kon­se­quen­te Ableh­nung
    daten­schutz­recht­li­cher Mög­lich­kei­ten durch den
    EuGH so nicht abseh­bar war. Denn der Gene­ral­an­walt
    beim EuGH hat­te in sei­nem Gut­ach­ten zum Fall zwar
    Pri­va­cy Shield eben­falls kri­tisch gewür­digt, einen Trans­fer
    über die Stan­dard­ver­trags­klau­seln dage­gen nach wie
    vor als zuläs­sig bewertet.54 Berück­sich­tigt man den Erfah­rungs­wert,
    dass der EuGH oft dem Gut­ach­ten des zuge­wie­se­nen
    Gene­ral­an­walts folgt,55 so bestärkt die­ser Erfah­rungs­satz
    in der kon­kre­ten Anwen­dung für die deut­schen
    Hoch­schu­len neben dem Eil­ef­fekt, der durch das
    Urteil ohne­hin ein­ge­tre­ten war, auch den
    Über­ra­schungs­ef­fekt.
    Die­ser Über­ra­schungs­ef­fekt wirkt sich ver­ga­be­recht­lich
    dage­gen ten­den­zi­ell pri­vi­le­gie­rend aus. Denn die
    Tat­sa­che, erst im Juli 2020 vom Erfor­der­nis einer EUDSGVO-
    kom­pa­ti­blen Soft­ware erfah­ren zu kön­nen, die
    mit Wir­kung zum Okto­ber 2020 funk­ti­ons­fä­hig sein soll,
    erlaubt kei­ne lan­gen Ver­ga­be­ver­fah­ren. Mit dem Plä­doy­er
    des Gene­ral­an­walts vor dem EuGH und der davon
    abwei­chen­den Ent­schei­dung des Gerichts­hofs rückt der
    Fall argu­men­ta­tiv auch stär­ker in die Nähe einer „unverMorgenroth/
    Wie­czo­rek · Zwi­schen­bi­lanz zum Hoch­schul­recht 1 3
    56 Vgl. § 14 Abs. 3 Nr. 3 VgV, § 8 Abs. 4 Nr. 9 UVgO.
    57 Feh­ling (Fn. 22).
    58 Schneider/ Pre­ckel, Varia­bles Asso­cia­ted With Achie­ve­ment
    in Hig­her Edu­ca­ti­on: A Sys­te­ma­tic Review of Meta-Ana­ly­ses,
    Psy­cho­lo­gi­cal Bul­le­tin, 2017, S. 8 wei­sen einen Cohens d‑Wert
    für das Feed­back von 0,47 aus, was auf einen mitt­le­ren Effekt
    schlie­ßen lässt.
    59 Ein effek­ti­ves Mit­tel zur Auf­lo­cke­rung von Lehr­in­hal­ten kön­nen
    dabei auch sog. lec­tu­re pranks sein, also Video­se­quen­zen, in
    denen Lehr­ver­an­stal­tun­gen mit über­ra­schen­den, humor­vol­len
    Ele­men­ten über­zo­gen wer­den, z.B. das Erschei­nen von Zor­ro
    oder Super­man im Hör­saal.
    schul­de­ten“ Dring­lich­keit, die für eine pri­vi­le­gier­te Beschaf­fung
    erfor­der­lich ist.56 Die­ser zeit­na­hen Beschaf­fung
    stan­den, nicht nur ange­sichts der Urlaubs­zeit im rele­van­ten
    Zeit­raum, jedoch orga­ni­sa­to­ri­sche Erfor­der­nis­se
    der tech­nisch siche­ren Imple­men­tie­rung, vor allem
    aber der Ein­füh­rung und Schu­lung der bear­bei­ten­den
    Per­so­nen in so gra­vie­ren­dem Maße ent­ge­gen, dass auch
    die pri­vi­le­gier­te Beschaf­fung der Soft­ware den Bereich
    der fak­ti­schen Unmög­lich­keit einer Umstel­lung nicht
    ver­las­sen ließ.
    Letzt­lich ist aber auch die­se Abwä­gung in ers­ter Linie
    zu mes­sen an den indi­vi­du­el­len Gege­ben­hei­ten jeder
    Hoch­schu­le, ins­be­son­de­re der Fra­ge, ob und ggf. inwie­weit
    die Eta­blie­rung vom Umstieg auf eine Struk­tur der
    online-Leh­re, die EU-DSGVO-kom­pa­ti­bel ist, mög­lich
    und zumut­bar ist. Für die­se Abwä­gung kann dabei die
    Ent­schei­dung für oder gegen eine Auf­zeich­nung von
    Lehr­ver­an­stal­tun­gen, mit erheb­li­cher Wir­kung für die
    per­for­ma­ti­ve Bean­spru­chung des Sys­tems, rele­vant sein.
    Ins­ge­samt spre­chen gute Grün­de dafür, sich gegen
    daten­schutz­recht­li­che Angrif­fe effek­tiv weh­ren zu kön­nen,
    zumin­dest für einen vor­über­ge­hen­den Zeit­raum.
    Belast­ba­re Ent­schei­dun­gen hier­zu wer­den abzu­war­ten
    blei­ben. Die Hoch­schu­len schei­nen dar­über hin­aus gut
    bera­ten, die­se Mate­rie nicht aus den Augen zu ver­lie­ren
    und an die­ser Fra­ge zu arbei­ten sowie den Pro­zess­fort­schritt
    zu doku­men­tie­ren. Flan­kie­rend könn­ten die poli­ti­schen
    Inter­es­sen­ver­tre­tungs­struk­tu­ren des deut­schen
    Hoch­schul­sys­tems auf die Bri­sanz der der­zei­ti­gen
    Rechts­la­ge hin­wei­sen und neue Lösun­gen für eine Legi­ti­mie­rung
    des wich­ti­gen Daten­aus­tauschs zwi­schen den
    USA und der EU fördern.
  1. Vor­über­le­gun­gen für Leh­ren­de
    Zu den Vor­über­le­gun­gen, die sich Leh­ren­de vor Beginn
    einer online-Lehr­ver­an­stal­tung machen soll­ten, zäh­len
    die inhalt­li­che bzw. didak­ti­sche Gestal­tung (a.), die Ver­wen­dung
    von Mate­ria­li­en im Wege von open access (b.),
    die Infor­ma­ti­on der Stu­die­ren­den über die Funk­ti­ons­wei­se
    des Sys­tems (c.) und die recht­li­che Siche­rung der
    Lehr­ma­te­ria­li­en gegen Miss­brauch (d.).
    a. Über­le­gun­gen zur inhalt­li­chen bzw. didak­ti­schen
    Gestal­tung
    Inhalt­li­che bzw. didak­ti­sche Pla­nun­gen und Gestal­tun­gen
    sind kein neu­es The­ma, son­dern aus der bis­he­ri­gen
    Abwick­lung der Hoch­schul­leh­re bekannt. Neu ist dage­gen
    die Anfor­de­rung an vie­le Leh­ren­de, inner­halb kur­zer
    Zeit eine Umstel­lung vie­ler Lehr­ver­an­stal­tun­gen und
    Lehr­ma­te­ria­li­en auf die online-Vari­an­te zu bewerk­stel­li­gen.
    In inhalt­li­cher Hin­sicht ist dabei maß­geb­lich, das
    erfor­der­li­che Niveau an Wis­sen­schaft­lich­keit der Leh­re
    sicherzustellen.57 Didak­tisch gilt es, die neu­en Her­aus­for­de­run­gen
    der online-Ver­mitt­lung zu meis­tern.
    Prä­gen­de Merk­ma­le für die didak­ti­sche Annä­he­rung
    an die online-Leh­re kön­nen dabei die räum­li­chen und
    zeit­li­chen Ver­schie­bun­gen im Ver­gleich zur Prä­senz­leh­re
    sein. Der räum­li­chen Ver­la­ge­rung cur­ri­cu­la­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on
    und Inter­ak­ti­on ent­spre­chen dabei digi­ta­le
    Tools wie Chats oder Umfra­gen. Der Mög­lich­keit in zeit­li­cher
    Hin­sicht, Leh­re in vor- bzw. nach­be­rei­ten­de Zeit­räu­me
    zu ver­la­gern, kommt bei­spiels­wei­se der Ansatz
    des „Flip­ped Classroom“-Konzepts ent­ge­gen. Denn hier­mit
    kön­nen Ele­men­te zur Vor­be­rei­tung, die asyn­chron
    bear­bei­tet wer­den, mit der Abbil­dung der Prä­senz­pha­sen
    im digi­ta­len Raum mit­ein­an­der ver­knüpft wer­den.
    Für die Zeit nach der Lehr­ver­an­stal­tung bzw. für Zei­ten
    zwi­schen Lehr­ver­an­stal­tun­gen bie­ten sich E‑Lear­ning-
    Plattformen58 an. Hier könn­ten wesent­li­che didak­ti­sche
    Erwä­gun­gen, die sich gera­de durch den Umstieg auf digi­ta­le
    For­ma­te erge­ben, ein­ge­baut werden.59
    In inhalt­li­che und metho­di­sche bzw. didak­ti­sche
    Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen wer­den kön­nen dabei auch
    urhe­ber­recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen. Denn es ist aner­kannt,
    dass Urhe­ber­rech­te an Arbeits­er­geb­nis­sen, die auf
    frei­er wis­sen­schaft­li­cher Tätig­keit beru­hen, nicht nach
    1 4 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 7 — 1 8
    60 Götting/Leuze, in: Hartmer/Detmer, Hoch­schul­recht – Ein Hand­buch
    für die Pra­xis, 3. Auf­la­ge, 2017, § 13, Rn. 124 ff.; s. bereits
    Leu­ze, Urhe­ber­rech­te der Beschäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst
    und in den Hoch­schu­len, 1998, S. 113 ff.
    61 Leu­ze (Fn. 60), S. 124 ff.
    62 Schwart­mann (Fn. 21).
    63 Sand­ber­ger (Fn. 1), S. 167.
    64 van den Berk/Tan, ePortfo­lio-Prü­fung, 2018, abruf­bar unter: https://
    www.researchgate.net/publication/322519665_E-Portfolio-
    Pru­fung.
    65 Sos­nitza, Rechts­wis­sen­schaft 2010, 225 ff.
    66 Für den Wis­sen­schafts­be­reich ein­füh­rend Eisen­traut (Fn. 3), S.
    179 f.; Zu gesetz­li­chen Rege­lun­gen im Rah­men eines Zweit­ver­wer­tungs­rechts
    von For­schungs­er­geb­nis­sen Haug, OdW 2019, 89
    ff.
    67 Vgl. Infor­ma­ti­ons­platt­form Open Access: Rechts­fra­gen in
    Deutsch­land (open-access.net).
    68 Exem­pla­risch hier­zu Lizenz­be­stim­mun­gen für die sehr libe­ra­le
    Crea­ti­ve Com­mons Lizenz CC BY: Crea­ti­ve Com­mons — Namens­nen­nung
    2.0 Deutsch­land — CC BY 2.0 DE.
    69 Kreutzer/Hirche, Rechts­fra­gen zur Digi­ta­li­sie­rung in der Leh­re,
    2017, S. 25 ff.; Eisen­traut (Fn. 3), S. 179 m.w.N.
    70 Grund­le­gend Kru­jatz, Open Access, Diss. 2012, Tübin­gen, S. 125
    ff.
    § 43 UrhG auf den Dienst­herrn über­ge­hen, son­dern bei
    den Urhe­bern verbleiben.60 Soweit eine leh­ren­de Per­son
    also wis­sen­schaft­lich tätig ist und dabei kei­nem inhalt­li­chen
    Wei­sungs­recht unter­liegt, blei­ben die Urhe­ber­rech­te
    dar­an die­ser Per­son zuge­wie­sen. Für Lehr­ma­te­ria­li­en
    von Hoch­schul­leh­rern ist dies des­halb immer der Fall,
    für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de im Rah­men ihrer
    frei­en Antei­le im Arbeits­ver­trag, nicht dage­gen für Inhal­te,
    die durch nicht­wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal erstellt
    wurden.61 Soll­te eine gemein­sa­me Erstel­lung von Inhal­ten
    von wei­sungs­frei­em und wei­sungs­ge­bun­de­nem Per­so­nal
    geben, so erge­ben sich Abgren­zungs­fra­gen im
    Ein­zel­fall.
    Schließ­lich kön­nen auch daten­schutz­recht­li­che Erwä­gun­gen
    die inhalt­li­chen bzw. metho­disch-didak­ti­schen
    Gestal­tun­gen beein­flus­sen. Dies betrifft bei­spiels­wei­se
    die Kon­stel­la­ti­on, dass die leh­ren­de Per­son den
    rei­nen Lern­fort­schritt der Stu­die­ren­den IT-basiert mes­sen
    und zu die­sem Zweck mas­sen­wei­se Bear­bei­tun­gen
    der Stu­die­ren­den spei­chern möch­te, z.B. in Form von inter­ak­ti­ven
    Quiz-Auf­ga­ben in Lern­platt­for­men oder ein­ge­reich­ten
    Auf­ga­ben inklu­si­ve dem ent­spre­chen­den
    Feed­back. Die­se Spei­che­run­gen wer­den in aller Regel
    Ver­ar­bei­tun­gen per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten sein, da die
    leh­ren­de Per­son sie ja den betref­fen­den Stu­die­ren­den
    zuord­nen kön­nen muss. Daten­schutz­recht­lich sind die­se
    Spei­che­run­gen nach ver­brei­te­ter Auf­fas­sung bedenk­lich,
    weil ihre Erfor­der­lich­keit für Zwe­cke der ord­nungs­ge­mä­ßen
    Aus­übung der Hoch­schul­leh­re im Zwei­fel steht.62
    Eine ande­re Bewer­tung lie­ße sich dage­gen dann recht­fer­ti­gen,
    wenn der rei­ne Lern­er­folg durch didak­ti­sche
    Über­le­gun­gen Rele­vanz für die Prü­fung bekom­men
    wür­de, z. B. als Prü­fungs­vor­leis­tung, Teil­prü­fungs­leis­tung
    oder auch als Studienleistung63, zum Bei­spiel in
    Form von E‑Portfolios64. Die­se Erkennt­nis hat nicht nur
    Aus­wir­kun­gen auf die (Um-)Gestaltung die­ser Modu­le
    durch Fakul­tät bzw. Fach­be­reich, son­dern auch für den
    metho­di­schen Auf­bau und die inhalt­li­che Pla­nung der
    Abfol­ge durch die leh­ren­de Per­son im kon­kre­ten
    Ein­zel­fall.
    b. Ver­wen­dung von open access Inhal­ten
    Die digi­ta­le Ver­wen­dung von Lehr­in­hal­ten bringt ein
    erhöh­tes Poten­zi­al ihrer Ver­brei­tung und damit auch
    erhöh­te recht­li­che Risi­ken mit sich. Ist ein urhe­ber­recht­lich
    geschütz­tes Werk durch eine Siche­rungs­pan­ne im
    Inter­net ein­seh­bar, so bedeu­tet dies welt­wei­ten Zugriff.65
    Es kann des­halb allein aus recht­li­chen Grün­den sinn­voll
    sein, auf Inhal­te zurück­zu­grei­fen, die recht­lich ganz oder
    weit­ge­hend frei­ge­ge­ben sind. Zudem bil­den die im Rah­men
    der open access Bewe­gung mitt­ler­wei­le ent­stan­de­nen
    Werk­samm­lun­gen auch eine gro­ße Chan­ce für
    inhalt­li­che oder visu­el­le Anre­gun­gen, Ergän­zun­gen oder
    Berei­che­run­gen der eige­nen Gedan­ken und Struk­tu­ren.
    Open access (dt. frei­er Zugang) bedeu­tet den unbe­schränk­ten
    und kos­ten­frei­en Zugang zu wis­sen­schaft­li­chen
    Informationen.66 Hin­sicht­lich der Unbe­schränkt­heit
    könn­te schnell das Miss­ver­ständ­nis auf­kom­men,
    dass dies tat­säch­lich auto­ma­tisch die Befrei­ung von
    sämt­li­chen Rech­ten drit­ter Per­so­nen bedeu­ten könn­te.
    Dem ist jedoch nicht so. Die weit­ge­hen­de Rechts­frei­heit
    der open access Bewe­gung bezieht sich statt­des­sen
    haupt­säch­lich auf das Urheberrecht.67 Ande­re rele­van­te
    Rechts­ge­bie­te, bei­spiels­wei­se das Bild­nis­schutz­recht
    nach dem KUG oder das Daten­schutz­recht, blei­ben davon
    unbe­rührt und sind nach wie vor voll­stän­dig zu beach­ten.
    68 Spe­zi­ell mit Blick auf Mate­ria­li­en in der Hoch­schul­leh­re
    spricht man häu­fig auch von open edu­ca­tio­nal
    res­sour­ces (OER).69
    Haupt­an­wen­dungs­fall für eine urhe­ber­recht­lich weit­ge­hend
    befrei­te Be- und Ver­ar­bei­tungs­mög­lich­keit von
    frem­den Inhal­ten im Rah­men von OER sind die Crea­ti­ve
    Com­mons Lizenzen.70 Die Crea­ti­ve Com­mons Bewe­gung
    hat eine Serie von Lizenz­for­men her­vor­ge­bracht,
    die eine Ver­wen­dung der lizen­sier­ten Inhal­te mit mehr
    oder weni­ger gro­ßen recht­li­chen Beschrän­kun­gen beMorgenroth/
    Wie­czo­rek · Zwi­schen­bi­lanz zum Hoch­schul­recht 1 5
    71 OLG Köln, Urteil vom 31.10.2014, Az. 6 U 60/14; aus­führ­lich
    Rauer/Ettig, WRP 2015, 94 ff.
    72 Some Rights Reser­ved Archi­ves — Crea­ti­ve Com­mons.
    73 Die Ernst-Abbe-Hoch­schu­le Jena bie­tet ihren Leh­ren­den einen
    sol­chen Ver­merk an.
    74 Leu­ze (Fn. 60, 61).
    75 § 36 Abs. 1 BeamtStG.
    deu­ten. In der am stärks­ten urhe­ber­recht­lich befrei­ten
    Lizenz namens CC BY hat die ver­wen­den­de Per­son nur
    noch den Namen des Urhe­bers zu nen­nen, ansons­ten
    sind alle Nut­zungs­mög­lich­kei­ten erlaubt, also z. B. die
    Bear­bei­tung, die Ver­brei­tung oder die Ver­wen­dung zu
    eige­nen kom­mer­zi­el­len Zwe­cken. In der­je­ni­gen Vari­an­te
    mit den stärks­ten recht­li­chen Vor­be­hal­ten darf der ver­wen­de­te
    frem­de Inhalt weder kom­mer­zi­ell genutzt noch
    bear­bei­tet wer­den, zudem ist auch hier der Name des
    Urhe­bers zu nen­nen, sog. Lizenz CC BY-NC-ND. Ver­ein­zelt
    fin­det sich dage­gen auch die sog. Crea­ti­ve Com­mons
    Zero (CCO) Lizenz, in der alle urhe­ber­recht­li­chen
    Beschrän­kun­gen auf­ge­ho­ben sind. Hin­sicht­lich ande­rer
    Rech­te gilt hier­zu jedoch der soeben gezeig­te Hin­weis.
    Die Ver­wen­dung von OER-Mate­ria­li­en und spe­zi­ell
    Crea­ti­ve Com­mons Lizen­zen bringt eine Rei­he von
    Chan­cen und Poten­zia­len her­vor, kön­nen frem­de Inhal­te
    doch ver­meint­lich schnell und rechts­si­cher in die eige­nen
    Unter­la­gen ein­ge­pflegt wer­den. Den­noch ber­gen
    auch die CC-Lizen­zen und ande­re OER-Mate­ria­li­en eine
    Rei­he von recht­li­chen Her­aus­for­de­run­gen. So kann die
    Fra­ge des zutref­fen­den Klä­gers, die Erfül­lung der Lizenz­be­din­gun­gen
    oder auch die Scha­dens­be­rech­nung
    im Fal­le einer Pflicht­ver­let­zung Gegen­stand dif­fi­zi­ler
    Streit­fra­gen sein.71 Nicht umsonst ist der Leit­spruch der
    Crea­ti­ve Com­mons Bewe­gung auch „some rights reser­ved“
    (dt. eini­ge Rech­te vorbehalten).72
    Die Hoch­schu­len soll­ten des­halb über­le­gen und ggf.
    regu­lie­ren, ob sie für die Ver­wen­dung von frem­den
    OER-Mate­ria­li­en grund­le­gen­de Kon­troll­struk­tu­ren wie
    z. B. Infor­ma­ti­ons­pflich­ten eta­blie­ren oder sogar die
    Ver­wen­dung aller oder ein­zel­ner Lehr­ma­te­ria­li­en von
    einer fach­li­chen Frei­ga­be abhän­gig machen wol­len.
    c. Infor­ma­ti­on der Stu­die­ren­den über die Funk­ti­ons­wei­se
    des Sys­tems
    Soweit nicht die Hoch­schu­le als Insti­tu­ti­on die daten­schutz­recht­li­che
    Infor­ma­ti­on über die ver­wen­de­ten
    Soft­ware­sys­te­me der online-Leh­re vor­nimmt, könn­te
    sich eine indi­vi­du­el­le Infor­ma­ti­on, ver­mit­telt und ver­ant­wor­tet
    durch die leh­ren­de Per­son, anbie­ten. Auch
    hier­zu sind meh­re­re Vari­an­ten denk­bar, bei­spiels­wei­se
    eine auto­ma­ti­sche, auf das betref­fen­de Sys­tem indi­vi­dua­li­sier­te
    Infor­ma­ti­on zu Beginn jedes Semes­ters oder
    auch eine IT-basier­te oder münd­li­che Infor­ma­ti­on durch
    die leh­ren­de Per­son zu Beginn der Ver­an­stal­tungs­rei­he.
    Um die erfor­der­li­chen Nach­wei­se der Infor­ma­ti­on
    sicher­zu­stel­len, könn­te sich ein indi­vi­du­el­ler Auf­ruf,
    ver­bun­den mit einer per opt-in betä­tig­ten Kennt­nis­nah­me
    durch die Stu­die­ren­den und die inter­ne Spei­che­rung
    die­ser Aktio­nen, als effek­ti­ves Mit­tel anbie­ten.
    d. Siche­rung der Lehr­ma­te­ria­li­en gegen Miss­brauch
    Zu einer abge­run­de­ten Pla­nung der Ver­wen­dung von
    Lehr­ma­te­ria­li­en gehört auch, die­se best­mög­lich gegen
    Miss­brauch zu schüt­zen. Typi­scher Fall ist dabei das
    Infor­ma­ti­ons­leck infol­ge einer unver­schul­de­ten tech­ni­schen
    Pan­ne und das dar­auf­hin erfol­gen­de Hin­aus­schwem­men
    der Inhal­te ins Inter­net, wo sie dann unkon­trol­lier­bar
    ver­wen­det wer­den kön­nen. Denk­bar sind in
    Aus­nah­me­fäl­len jedoch lei­der auch unbe­fug­te Nut­zungs­hand­lun­gen
    durch die Adres­sa­ten der Lehr­ver­an­stal­tung.
    Auf die tech­ni­schen Dimen­sio­nen der Daten­si­che­rung
    durch Struk­tu­ren der glo­ba­len Hoch­schul­ar­chi­tek­tur
    hat die ein­zel­ne leh­ren­de Per­son in aller Regel kei­nen
    Ein­fluss. Jedoch ist zu über­le­gen, ob sich die Lehr­ma­te­ria­li­en
    effek­tiv und ele­gant durch einen prä­gnan­ten Ver­merk
    zur recht­li­chen Zuge­hö­rig­keit in hohem Maße sichern
    lassen.73 Wegen der bereits behan­del­ten Pro­ble­ma­tik,
    wem die Rech­te an den Lehr­ma­te­ria­li­en zuge­wie­sen
    sind,74 kann sich dabei durch­aus die Fra­ge stel­len, ob
    der „copy­right-Ver­merk“ als Rechts­trä­ger die leh­ren­de
    Per­son oder nicht lie­ber doch die Hoch­schu­le beinhal­ten
    soll­te. Dies soll der Gestal­tung der Hoch­schu­le im Ergeb­nis
    über­las­sen blei­ben, zumal in vie­len Fäl­len die
    Lehr­ma­te­ria­li­en kom­plett von der leh­ren­den Per­son erstellt
    und des­halb die­ser recht­lich zuge­wie­sen sein wer­den.
    Aus Sicht eines Ver­wen­ders ist dage­gen mög­li­cher­wei­se
    die Sicht­wei­se inter­es­san­ter, wer im Fal­le einer
    Rechts­ver­let­zung als haf­ten­de Per­son in Fra­ge kommt.
    Weil die Durch­füh­rung von Hoch­schul­leh­re eine dienst­li­che
    Tätig­keit, damit eine Amts­hand­lung im Sine des
    Staats­haf­tungs­rechts ist, haf­tet bei Ver­let­zun­gen im Außen­ver­hält­nis
    zur anspruchs­füh­ren­den Per­son zunächst
    die Hoch­schu­le als Dienst­herr nach den Grund­sät­zen
    der Amts­haf­tung nach § 839 BGB, Art. 34 GG. Außer­dem
    zählt es zu den dienst­li­chen Pflich­ten wis­sen­schaft­li­chen
    Per­so­nals, Recht und Gesetz einzuhalten,75 so
    dass im Fal­le bekannt wer­den­der Rechts­ver­let­zun­gen
    auch der jewei­li­ge Dienst­vor­ge­setz­te auf Abhil­fe drän­gen
    darf. Ins­ge­samt spre­chen des­halb gute Grün­de dafür, in
    die­sem Kon­text eher eine recht­li­che Zuge­hö­rig­keit der
    Hoch­schu­le in den Ver­merk ein­zu­flech­ten.
    1 6 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 7 — 1 8
    76 Bot­ta, Daten­schutz bei E‑Lear­ning-Platt­for­men, Recht­li­che
    Her­aus­for­de­run­gen digi­ta­ler Hoch­schul­bil­dung am Bei­spiel der
    Mas­si­ve Open Online Cour­ses (MOOCs), 2020; Bespre­chung bei
    Gol­la, OdW 2020, 209 ff.
    77 Eisele, in: Schönke/Schröder, StGB, Kom­men­tar, 30. Auf­la­ge,
    2018, § 201, Rn. 7 f.
    78 Heuchemer/Paul, JA 2004, Heft 4, 1, 4.
    79 Eisele, in: Schönke/Schröder (Fn. 77), § 201, Rn. 29 ff.
    80 S. oben, Nr. II 1 b.
    81 Dies bie­tet sich unab­hän­gig von bestehen­den Teil­ha­be­rech­ten
    der unver­schul­det abwe­sen­den Stu­die­ren­den, s. oben, Fn. 33, aus
    Grün­den effek­ti­ver Ver­fah­rens­ge­stal­tung an.
    82 § 76 ThürHG.
  2. Fehl­ver­hal­ten der Stu­die­ren­den
    Das Mit­glied­schafts­ver­hält­nis der Stu­die­ren­den zur
    Hoch­schu­le ist weni­ger inten­siv aus­ge­stal­tet als ein
    Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis. Die ver­bind­li­chen Rechts­ver­hält­nis­se
    sind des­halb wenig all­ge­mein und abs­trakt,
    son­dern ver­stärkt an ein­zel­ne Rege­lungs­be­rei­che ange­bun­den.
    Haupt­an­wen­dungs­fall hier­für ist die Prü­fung.
    Aber auch außer­halb die­ser sind kon­kre­te Ver­hal­tens­pflich­ten
    und zuge­hö­ri­ge Sank­tio­nen denk­bar. Für die
    Leh­re sind dies zum Einen der recht­li­che Rah­men des
    staat­li­chen Zivil- bzw. Straf­rechts (a.), sowie spe­zi­el­le
    hoch­schul­recht­li­che Mecha­nis­men in Anleh­nung an das
    Ord­nungs­recht (b.).
    a. Staat­li­ches Recht
    So kann bereits die Auf­nah­me einer Lehr­ver­an­stal­tung
    auf einem dau­er­haf­ten Daten­trä­ger, bei­spiels­wei­se einem
    Smart­pho­ne, straf­bar sein. Denn § 201 Abs.1 Nr. 1 StGB
    ver­bie­tet die Auf­nah­me des nicht­öf­fent­lich gespro­che­nen
    Wor­tes. Soweit eine online-Lehr­ver­an­stal­tung nicht
    einer brei­ten und unbe­stimm­ba­ren Öffent­lich­keit
    zugäng­lich ist, wie dies etwa bei den sog. MOOCs76 der
    Fall ist, soll­te der Teil­neh­mer­kreis einer Lehr­ver­an­stal­tung
    hin­rei­chend nicht­öf­fent­lich sein.77 Pro­ble­ma­tisch
    ist das Merk­mal „unbe­fugt“, das nicht Bestand­teil des
    Tat­be­stands der Norm, son­dern ein Hin­weis auf die
    Rechts­wid­rig­keit des Han­delns ist.78 Die Unbe­fugt­heit
    des Han­delns kann des­halb durch eine recht­fer­ti­gen­de
    Einwilligung79 oder ande­re Recht­fer­ti­gungs­grün­de aus­ge­schlos­sen
    wer­den. Hier­bei stel­len sich inter­es­san­te
    Abgren­zungs­fra­gen. Ist näm­lich nur die leh­ren­de Per­son
    zu hören, so kommt es aus­schließ­lich auf ihren Wil­len
    an. Wer­den dage­gen auch Rede­bei­trä­ge ande­rer Stu­die­ren­der
    mit auf­ge­fan­gen, so sind alle ihre Ein­wil­li­gun­gen
    erfor­der­lich. Außer­dem ist offen, wie sich die leh­ren­de
    Per­son zu einer Auf­nah­me posi­tio­niert, ob dies also als
    sinn­vol­le Berei­che­rung je nach Lern­typ oder als über­grif­fi­ge
    Ambush-Akti­on gese­hen wird. Aus der Ein­wil­li­gung
    der leh­ren­den Per­son in die Auf­zeich­nung der Ver­an­stal­tung,
    die aus ihrem Ver­hal­ten folgt,80 kann inso­weit
    nicht ohne Wei­te­res auch auf die Ein­wil­li­gung zur
    Spei­che­rung durch Stu­die­ren­de aus­ge­gan­gen wer­den. In
    jedem Fall ist es rat­sam, die­se Kon­stel­la­ti­on vor Beginn
    einer Lehr­ver­an­stal­tungs­rei­he belast­bar zu bespre­chen
    und mög­li­cher­wei­se zusätz­lich auch schrift­lich für die­je­ni­gen
    Stu­die­ren­den vor­zu­hal­ten, die bei der Bespre­chung
    nicht anwe­send waren.81
    Etwas ein­deu­ti­ger ist die Rechts­la­ge dann bei
    § 201 Abs. 1 Nr. 2 StGB, der das Zur-Ver­fü­gung-Stel­len
    die­ser Mate­ria­li­en unter Stra­fe stellt. Haupt­an­wen­dungs­fall
    des­sen ist sicher­lich der Upload auf öffent­lich zugäng­li­chen
    Platt­for­men. Dass dies vom Wil­len aller hör­ba­ren
    Per­so­nen gedeckt bzw. sonst gerecht­fer­tigt wer­den
    kann, dürf­te sich auf Aus­nah­me­si­tua­tio­nen
    beschrän­ken.
    Die Gele­gen­heit für eine stra­te­gi­sche Über­le­gung der
    Hoch­schu­le bie­tet in die­sem Zusam­men­hang noch, dass
    Straf­ta­ten nach § 201 Abs. 1 StGB nur auf Straf­an­trag ver­folgt
    wer­den, § 205 StGB. Die Hoch­schu­le hat in die­sem
    Zusam­men­hang das Recht und gleich­zei­tig auch die
    Ver­ant­wor­tung, sich mit dem Zusam­men­spiel von Straf­recht
    und Hoch­schul­recht mit Blick auf die Gege­ben­hei­ten
    vor Ort zu befas­sen. Dabei könn­te das Inter­es­se an
    einer Durch­set­zungs­fä­hig­keit ange­sichts des eher locke­ren
    recht­li­chen Ban­des der Hoch­schul­mit­glied­schaft für
    eine stär­ke­re Straf­ver­fol­gung eben­so eine Rol­le spie­len
    wie der Kon­troll­ver­lust durch das staat­li­che Straf­ver­fol­gungs­mo­no­pol
    dage­gen. Hoch­schu­len in Bun­des­län­dern,
    denen ord­nungs­recht­li­che Rege­lungs­sys­te­me wie
    das Ordnungsverfahren82 zur Sei­te ste­hen, könn­ten die­ses
    Ele­ment in ihre Abwä­gung eben­falls ein­flie­ßen
    las­sen.
    Par­al­lel zum Schutz per­sön­li­cher Rechts­gü­ter wird
    auch das Urhe­ber­recht als geis­ti­ges Eigen­tum geschützt.
    Denn § 106 UrhG stellt mit der Ver­viel­fäl­ti­gung eben­falls
    bereits die Auf­nah­me sowie mit der öffent­li­chen Wie­der­ga­be
    das Hoch­la­den auf öffent­lich zugäng­li­che Platt­for­men
    eben­so unter Stra­fe wie § 201 StGB, solan­ge die
    Lehr­ma­te­ria­li­en urhe­ber­recht­lich geschützt sind und
    kei­ne Ein­wil­li­gung aller Betei­lig­ten vor­liegt. Die inhalt­li­che
    Straf­bar­keit ist des­halb weit­ge­hend par­al­lel zu
    § 201 StGB. Anders als dort unter­liegt eine Ver­fol­gung
    von Taten nach § 106 UrhG aber nicht der aus­schließ­li­chen
    Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis der Hoch­schu­len, denn nach
    § 109 UrhG kann die Staats­an­walt­schaft bei beson­de­rem
    öffent­li­chen Inter­es­se die Straf­ver­fol­gung auch von Amts
    wegen ein­lei­ten. Soweit jedoch kei­ne Prä­ze­denz- oder
    Morgenroth/Wieczorek · Zwi­schen­bi­lanz zum Hoch­schul­recht 1 7
    sons­ti­gen gra­vie­ren­den Fäl­le vor­lie­gen, soll­ten die soeben
    genann­ten Erwä­gun­gen glei­cher­ma­ßen gel­ten
    kön­nen.
    Dane­ben kön­nen die­je­ni­ge Per­son, wel­che die Ver­let­zungs­hand­lung
    zu ver­ant­wor­ten hat, auch zivil­recht­li­che
    Ansprü­che tref­fen, z. B. Unter­las­sungs­an­sprü­che hin­sicht­lich
    des Urhe­ber­rechts aus § 97 UrhG,83 bezüg­lich
    ande­rer Aspek­te, etwa des Bild­nis­schutz­rechts aus §§ 823
    in Ver­bin­dung mit 1004 BGB,84 oder Scha­dens­er­satz­an­sprü­che
    aus § 98 UrhG für Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen
    oder aus §§ 823 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit
    § 201 StGB.85 Span­nen­de Kon­stel­la­tio­nen erge­ben sich
    hier­bei dann, wenn die wider­recht­lich ver­wen­de­ten Inhal­te
    zumin­dest auch der leh­ren­den Per­son zuge­wie­sen
    sind und die­se des­halb min­des­tens teil­wei­se selbst berech­tigt
    ist, Ansprü­che gel­tend zu machen, sog. Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on.
    Hier könn­te die Hoch­schu­le ein Inter­es­se dar­an
    haben, das Ver­fah­ren selbst zu füh­ren. Im Fal­le einer
    aus­schließ­li­chen Rechts­in­ha­ber­schaft der leh­ren­den
    Per­son kommt dabei die Abtre­tung der For­de­rung gegen
    den Ver­let­zer von Sei­ten der leh­ren­den Per­son auf die
    Hoch­schu­le nach § 398 BGB in Betracht. Befin­den sich
    bei­de in einer Rechts­ge­mein­schaft bezüg­lich der Lehr­in­hal­te,
    so soll­te eine Streit­ge­nos­sen­schaft nach § 59 ZPO
    im Pro­zess eine taug­li­che Alter­na­ti­ve zur allei­ni­gen Pro­zess­füh­rung
    der Hoch­schu­le nach Abtre­tung sein.
    b. Hoch­schul­recht
    Den Hoch­schu­len steht ent­we­der auf der Grund­la­ge
    eige­ner Rege­lun­gen, etwa einer Haus­ord­nung, oder kraft
    funk­tio­na­len Anne­xes der Selbst­ver­wal­tungs­tä­tig­keit
    das Haus­recht zur Sei­te. Die­ses berech­tigt den Inha­ber,
    die Benut­zung der der Hoch­schu­le zuge­wie­se­nen Lie­gen­schaf­ten
    unter bestimm­te Bedin­gun­gen zu stel­len
    bzw. die Nut­zung zu unter­sa­gen.
    Vor allem für die der­zeit so stark fre­quen­tier­ten online-
    Akti­ons­wel­ten ist das Haus­recht ins­be­son­de­re in
    sei­ner Aus­ge­stal­tung als vir­tu­el­les Hausrecht86 inter­es­sant.
    So kann auch der vir­tu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und
    Inter­ak­ti­ons­raum unter Spiel­re­geln gestellt und die Teil­nah­me
    dar­an von deren Ein­hal­tung abhän­gig gemacht
    wer­den. Da das klas­si­sche Haus­recht phy­sisch wirkt und
    mög­li­cher­wei­se nicht alle haus­rechts­be­zo­ge­nen Rege­lun­gen
    die vir­tu­el­le Dimen­si­on bereits ent­hal­ten, emp­fiehlt
    sich eine kon­kre­te Aus­ge­stal­tung in einer Rege­lung.
    Soweit das regu­lä­re Hoch­schul­recht oder auch das
    spe­zi­el­le Coro­na-Recht für der­ar­ti­ge Rege­lun­gen eine
    Rechts­grund­la­ge bie­ten, kann die­se Fixie­rung dar­auf gestützt
    wer­den.
    In eini­gen Bun­des­län­dern besteht dar­über hin­aus
    auch die Mög­lich­keit, gegen Stu­die­ren­de nach Durch­füh­rung
    eines Ord­nungs­ver­fah­rens bestimm­te Ord­nungs­maß­nah­men
    zu verhängen.87 Durch die Ver­bin­dung
    nicht­aka­de­mi­schen Fehl­ver­hal­tens mit aka­de­mi­schen
    Sank­tio­nen trägt die­ses Ord­nungs­ver­fah­ren damit
    zumin­dest in Ansät­zen ord­nungs­recht­li­che Züge. Die­se
    Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten ste­hen damit gewis­ser­ma­ßen
    zwi­schen dem eng begrenz­ten prü­fungs­recht­li­chen Rege­lungs­sys­tem
    und dem all­ge­mein gel­ten­den staat­li­chen
    Recht. Zum Schutz der Stu­die­ren­den sind die­se Ord­nungs­ver­fah­ren
    sehr for­mal aus­ge­stal­tet.
    III. Ergeb­nis­se
    Zusam­men­ge­fasst sei­en abschlie­ßend noch­mals die
    nach­fol­gen­den wesent­li­chen Ergeb­nis­se genannt:
  3. Die Beschaf­fung von Kon­fe­renz­sys­te­men für online-
    Leh­re ist mitt­ler­wei­le wohl im regu­lä­ren Ver­ga­be­ver­fah­ren
    für gewerb­li­che Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge
    Leis­tun­gen zu täti­gen. Unmit­tel­bar nach dem Aus­bruch
    der Coro­na-Pan­de­mie im März 2020 sowie mög­li­cher­wei­se
    auch mit Blick auf die wenig vor­her­seh­ba­re Ent­schei­dung
    des EuGH über die Unwirk­sam­keit von Pri­va­cy
    Shield war dage­gen mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit
    eine pri­vi­le­gier­te Beschaf­fung wegen unver­schul­de­ter
    Dring­lich­keit mög­lich (oben, Nr. II 1 a).
  4. Für die Fra­ge der Zuläs­sig­keit einer Spei­che­rung
    per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten von Stu­die­ren­den im Rah­men
    der online-Leh­re im Wege der Auf­zeich­nung von
    Lehr­ver­an­stal­tun­gen ist die recht­li­che Gemenge­la­ge zwi­schen
    der Ver­ant­wor­tung der Hoch­schu­le für qua­li­ta­tiv
    hin­rei­chend wis­sen­schaft­li­che Leh­re, der Lehr­frei­heit
    der leh­ren­den Per­son unter Ein­schluss didak­ti­scher Ele­men­te
    und der Ver­wirk­li­chung der Stu­dier­frei­heit der
    Stu­die­ren­den maß­geb­lich. Die kon­kre­te Abwä­gung
    hängt von vie­len ver­schie­de­nen Fak­to­ren, etwa der Art,
    Anzahl und Schutz­wür­dig­keit der per­so­nen­be­zo­ge­nen
    Daten, dem spe­zi­el­len Ver­wen­dungs­zweck oder dem
    Grad der ver­mit­tel­ten Öffent­lich­keit, ab. Online-Leh­re
    kann jedoch mehr sein als die vir­tu­el­le Abbil­dung von
    ana­log ver­wen­de­ten Struk­tu­ren, ange­rei­chert um neue
    didak­ti­sche Ele­men­te. Online-Leh­re ver­mit­telt die
    83 BGH, Urteil vom 24.09.2014, Az. I ZR 35/11.
    84 BAG, Urteil vom 11.12.2014, Az. 8 AZR 1010/13.
    85 OLG Köln, Urteil vom 18.07.2019, Az. 15 W 21/19.
    86 LG Bre­men, Urteil vom 20.06.2019, Az. 7 O 1618/18 m.w.N.
    87 § 15 BbgHG, § 51 a HG NRW, § 76 ThürHG.
    1 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 1 ( 2 0 2 1 ) , 7 — 1 8
    Chan­ce, unver­schul­det abwe­sen­de Per­so­nen­grup­pen
    wirk­sam teil­ha­ben zu las­sen. Nicht nur online-Leh­re an
    sich, son­dern auch die Abbil­dung gespei­cher­ter Inhal­te
    im Wege der Auf­nah­me erhält dadurch einen neu­en
    Cha­rak­ter und Zweck sowie eine ande­re Wer­tig­keit im
    Gefü­ge der bestehen­den Inter­es­sen und Rech­te (oben,
    Nr. II 1 b).
  5. Mit guten Grün­den las­sen sich Pro­duk­te von außer­halb
    der EU auch nach der Kas­sie­rung von Pri­va­cy
    Shield durch den EuGH im Juli 2020 zumin­dest noch für
    eine gewis­se Zeit auf­recht­erhal­ten. Zu die­sen Grün­den
    zäh­len etwa das Erfor­der­nis, einen funk­ti­ons­fä­hi­gen
    Wis­sen­schafts­be­trieb auf­recht­zu­er­hal­ten, die Unvor­her­seh­bar­keit
    der Ent­schei­dung in die­ser Kon­se­quenz oder
    die latent vor­han­de­ne Pri­vi­le­gie­rungs­wir­kung einer Ver­ein­ba­rung
    über Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­tung (oben, Nr. II
    1 b).
  6. Online-Leh­re bedeu­tet die Chan­ce und die Ver­ant­wor­tung,
    die sich ver­schie­ben­den räum­li­chen, zeit­li­chen
    und inhalt­li­chen Gege­ben­hei­ten anzu­neh­men und sie zu
    neu­en inhalt­lich-didak­ti­schen Ein­hei­ten zu for­men. Dabei
    ste­hen bereits vie­le ver­schie­de­ne Ele­men­te zur Ver­fü­gung.
    Recht­li­che Aspek­te, etwa die urhe­ber­recht­li­che
    Zuwei­sung von Arbeits­in­hal­ten oder die daten­schutz­recht­li­che
    Bedenk­lich­keit der Mes­sung rei­nen Lern­fort­schritts
    ohne Bewer­tungs­be­zug, sind hier­bei ein­zu­flech­ten
    (oben, Nr. II 2 a).
  7. Die Mög­lich­kei­ten der open access-Bewe­gung sind
    groß und sind Teil des Selbst­ver­ständ­nis­ses des wis­sen­schaft­li­chen
    Sys­tems. Da die Begrif­fe „open“ access oder
    Crea­ti­ve „Com­mons“ kom­plet­te Rech­te­frei­heit sug­ge­rie­ren,
    in der Pra­xis aber sel­ten mit einer fak­ti­schen Rech­te­frei­heit
    in die­sem Aus­maß ver­bun­den sind, bie­tet es sich
    für die Hoch­schu­len an, Infor­ma­ti­ons- und ggf. Prüf­pro­zes­se
    ein­zu­rich­ten bzw. aus­zu­bau­en, um Rechts­ver­let­zun­gen
    und dar­aus ent­ste­hen­de Ver­mö­gens- und Repu­ta­ti­ons­schä­den
    zu ver­mei­den (oben, Nr. II 2 b).
  8. Art. 5 Abs. 2 EU-DSGVO sieht nicht nur eine Infor­ma­ti­on
    der Stu­die­ren­den über ihre ver­ar­bei­te­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen
    Daten, son­dern auch deren Doku­men­ta­ti­on,
    also Nach­weis­füh­rung, vor. Dies kann je nach
    kon­kre­ten Gege­ben­hei­ten all­ge­mein oder auch spe­zi­fisch
    für jedes ver­wen­de­te Sys­tem erfol­gen (oben, Nr. II
    2 c).
  9. Arbeits­in­hal­te von wei­sungs­frei han­deln­dem wis­sen­schaft­li­chen
    Per­so­nal blei­ben die­sen Per­so­nen recht­lich
    zuge­wie­sen. Im Fal­le einer Rechts­ver­let­zung im
    Rah­men von deren Tätig­keit wird wegen der Sol­venz des
    Dienst­herrn und des­sen staats­haf­tungs­recht­li­cher Ver­ant­wort­lich­keit
    in aller Regel der Dienst­herr Geg­ner von
    Ansprü­chen sein. Kenn­zeich­nun­gen von Lehr­ma­te­ria­li­en
    könn­ten des­halb sinn­vol­ler­wei­se nicht die wis­sen­schaft­lich
    täti­ge Per­son, son­dern die Hoch­schu­le als
    Rech­te­inha­ber aus­wei­sen (oben. Nr. II 2 d).
  10. Stu­die­ren­de, die Lehr­ma­te­ria­li­en ohne Erlaub­nis
    auf­zeich­nen bzw. ins­be­son­de­re wei­ter­ver­brei­ten, bege­ben
    sich in die Gefahr einer zivil- bzw. straf­recht­li­chen
    Erfas­sung. Für die Hoch­schu­len erge­ben sich dabei stra­te­gi­sche
    Mög­lich­kei­ten. So kann durch die Stel­lung eines
    Straf­an­tra­ges die Ahn­dungs­mög­lich­keit von Ver­hal­ten
    inner­halb des ansons­ten recht­lich eher wenig ver­floch­te­nen
    Mit­glied­schafts­ver­hält­nis­ses erhöht wer­den. Im Ver­hält­nis
    zur leh­ren­den Per­son, deren Rech­te ganz oder
    teil­wei­se ver­letzt wur­den, bie­ten sich die For­de­rungs­ab­tre­tung
    oder die Streit­ge­nos­sen­schaft als foren­si­sche Gestal­tungs­mit­tel
    an (oben, Nr. II 3 a).
  11. Der im Rah­men der online-Leh­re betre­te­ne vir­tu­el­le
    Raum setzt vir­tu­el­le Steue­rungs­be­fug­nis­se vor­aus,
    die über ein vir­tu­el­les Haus­recht zu ver­wirk­li­chen sind,
    etwa bei Stö­run­gen von Lehr­ver­an­stal­tun­gen. In Län­dern,
    in denen über ein Ord­nungs­ver­fah­ren die Mög­lich­keit
    der Ver­hän­gung cur­ri­cu­la­rer Sank­tio­nen bei
    nicht not­wen­dig cur­ri­cu­lar ange­bun­de­nem ord­nungs­wid­ri­gem
    Ver­hal­ten von Stu­die­ren­den mög­lich ist, erhält
    die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung zwi­schen Ord­nung und
    Mit­glied­schaft, die sonst über Ele­men­te wie Straf­an­trä­ge
    oder eides­statt­li­che Erklä­run­gen zu lösen sind, eine wei­te­re
    Facet­te (oben, Nr. II 3 b).
    Prof. Dr. rer. nat. Bar­ba­ra Wie­czo­rek ist Vize­prä­si­den­tin
    der Ernst-Abbe-Hoch­schu­le Jena für Stu­di­um, Leh­re
    und Wei­ter­bil­dung und Lei­te­rin des Teil­pro­jekts „Hoch­schul­di­dak­tik“
    an der Hoch­schu­le. Dr. iur. Cars­ten Mor­gen­roth
    ist Jus­ti­zi­ar der Ernst-Abbe-Hoch­schu­le sowie
    Refe­rent und Fach­au­tor im Hoch­schul­stu­di­en- bzw.
    -prü­fungs­recht. Der Bei­trag gibt die per­sön­li­che Auf­fas­sung
    der Autorin und des Autors wieder.