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Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ver­langt für die Befris­tung gem. § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG, eine – über all­ge­mei­ne Kom­pe­tenz­zu­wäch­se hin­aus­ge­hen­de – Beschäf­ti­gung „zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung“ und weicht damit aus­drück­lich von der ein­schlä­gi­gen Geset­zes­be­grün­dung ab.1 Ob und inwie­weit die­ses Ergeb­nis zutref­fend ist, soll im Fol­gen­den über­prüft wer­den.
Die Aus­füh­run­gen glie­dern sich hier­zu in eine kur­ze Zusam­men­fas­sung der Ent­schei­dung (I.), die aus­schli­ßend vor dem Hin­ter­grund der maß­geb­li­chen Geset­zes­be­grün­dung (II.) gewür­digt wird (III.).
I. Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts
Der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts vom

  1. Okto­ber 2020 liegt die Ent­fris­tungs­kla­ge einer Diplom-Inge­nieu­rin mit Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag zugrun­de, deren – mit einer staat­lich finan­zier­ten Res­sort­for­schungs­ein­rich­tung geschlos­se­ner – Arbeits­ver­trag „ohne Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des gemäß § 2 Absatz 1 Satz 1 und Satz 42 i. V. m. § 1 Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz (WissZeitVG)” befris­tet wur­de. Nach dem als Anla­ge bei­gefüg­ten Qua­li­fi­zie­rungs­plan war unter ande­rem der Erwerb ver­tief­ter Kennt­nis­se in den The­men­fel­dern “Betonstraßenbau/Betontechnologie, ins­be­son­de­re im Bereich Beton­fer­tig­tei­le für Ver­kehrs­flä­chen aus Beton” ver­ein­bart, wofür “die fach­li­che Bear­bei­tung des BMBF — Dritt­mit­tel­pro­jekts HESTER (= Hybri­des Ent­wick­lungs­sys­tem für die Stra­ßen­er­hal­tung unter Ein­satz neu­ar­ti­ger Werk­stof­fe) inklu­si­ve der Erstel­lung des wis­sen­schaft­li­chen Abschluss­be­rich­tes” sowie der Besuch bei einer Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­me zum The­ma “Kom­mu­ni­zie­ren und Koope­rie­ren” vor­ge­se­hen war.3
    Die Klä­ge­rin führ­te an, schließ­lich nur noch mit einem Pro­zent ihrer Tätig­keit wis­sen­schaft­lich tätig gewor­den zu sein. Die Beschäf­ti­gung die­ne zudem auch nicht der För­de­rung ihrer eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung. Mit 43 Jah­ren gehö­re sie nicht mehr zum wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuchs.
    Das Lan­des­ar­beits­ge­richt gab der Kla­ge – anders als die Vorinstanz4 – statt.
    Nach der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hand­le es sich bei den durch die Novel­le 20165 in § 2 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 HS 1 WissZeitVG ein­ge­füg­ten Zusät­zen um eigen­stän­dig zu prü­fen­de Tat­be­stands­merk­ma­le, die von der arbeit­ge­ben­den For­schungs­ein­rich­tung nicht nach­ge­wie­sen sei­en.
    Eine Befris­tung gem. § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG sei bereits nach dem Wort­laut nur „zuläs­sig, wenn die befris­te­te Beschäf­ti­gung“ über eine blo­ße wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit hin­aus auch „zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung erfolgt“. Erfor­der­lich sei daher mehr als ein blo­ßes wis­sen­schaft­li­ches Arbei­ten und die damit typi­scher­wei­se ver­bun­de­nen Kom­pe­tenz­zu­wäch­se. Die blo­ße För­de­rung einer
    Tobi­as Man­dler und Sabi­ta Baner­jee
    Die För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen
    Qua­li­fi­zie­rung als Tat­be­stands­merk­mal der sach­grund­lo­sen Befris­tun­gen gem. § 2 Abs. 1 WissZeitVG? –
    Anmer­kung zu LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20
    1 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris = Beck­RS 2020, 39167; Revi­si­on der­zeit anhän­gig unter Az. 7 AZR 573/20 (mit einer Ent­schei­dung dürf­te im ers­ten Quar­tal 2022 zu rech­nen sein).
    2 Die Anga­be des genau­en Befris­tungs­grun­des ist nach dem Zitier­ge­bot gem. § 2 Abs. 4 Satz 1 WissZeitVG nicht geschul­det. Eben­so ist es nicht erfor­der­lich auf Satz 4 zu ver­wei­sen, wenn Kin­der vor­han­den sind und die­se zur Ver­län­ge­rung der Höchst­be­fris­tungs­dau­er für eine wirk­sa­me Befris­tung her­an­ge­zo­gen wer­den müs­sen. Der­ar­ti­ge Anga­ben bin­den den Arbeit­ge­ber letzt­end­lich nur unnö­tig – etwa, wenn eine Ver­län­ge­rung gem. § 2 Abs. 5 Nr. 1 WissZeitVG mög­lich ist oder erklärt wur­de oder die Vor­aus­set­zun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG vor­lie­gen; vgl. all­ge­mein Mül­ler-Glö­ge in ErfK, 21. Aufl. 2021, WissZeitVG § 2 Rn. 15.
    3 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn. 2–7.
    4 Vor­in­stanz: ArbG Köln, Urteil vom 26. Mai 2020 — 11 Ca 295/20 = Beck­RS 2020, 39168 Rn. 31: „Auch ist dem Qua­li­fi­zie­rungs­er­for­der­nis in § 2 Abs. 1 S. 1 WissZeitVG genügt. … Seit dem Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung zum 17.03.2016 ist Vor­aus­set­zung für die Befris­tung, dass die befris­te­te Beschäf­ti­gung „zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung“ erfolgt. Gleich­wohl han­delt es sich dabei nicht um eine Sach­grund­be­fris­tung. Aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung hat der Gesetz­ge­ber sie wei­ter­hin als „typi­sier­te Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se“ und nicht als Sach­grund­be­fris­tung kon­zi­piert. Inner­halb des Befris­tungs­rah­mens ist auch wei­ter­hin für ein­zel­ne Befris­tun­gen kein spe­zi­fi­scher Sach­grund erfor­der­lich …“.
    5 Vgl. hier­zu aus­führ­lich Mandler/Meißner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW 2016, 33 ff.; Meiß­ner, Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs­rechts, 2016, S. 162 ff.
    Ord­nung der Wis­sen­schaft 2021, ISSN 2197–9197
    1 9 4 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 1 ) , 1 9 3 — 2 0 0
    6 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn.
    38, 47, 53.
    7 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn.
    53.
    8 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn.
    42.
    9 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn.
    54: „Wenn die Gegen­auf­fas­sung zuträ­fe, blie­be die­se Vor­schrift in
    den Fäl­len, in denen kei­ne for­mel­le Qua­li­fi­zie­rung ange­strebt wird,
    ohne Anwen­dungs­be­reich“.
    10 BT-Drs. 18/6489 (Geset­zes­ent­wurf); Beschluss­emp­feh­lung und
    Bericht BT-Drs. 18/7038.
    11 BR-Drs. 395/15; BT-Drs. 18/6489.
    12 BGBl. I 2016 Nr. 12 S. 442.
    13 BR-Drs. 395/15; BT-Drs. 18/6489; BT-Drs. 18/7038.
    14 BT-Drs. 18/6489; S. 10.
    wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung, die nicht über eine
    blo­ße Gewin­nung zusätz­li­cher Berufs­er­fah­run­gen hin­aus­ge­he,
    genü­ge dem­ge­gen­über nicht.6 Ein „wis­sen­schaft­li­ches
    Geprä­ge der Tätig­keit des Mit­ar­bei­ters“ im
    Sin­ne einer wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit sei mit­hin „not­wen­di­ge
    aber nicht hin­rei­chen­de Bedingung.“7
    Gegen­tei­li­ges fol­ge auch nicht aus der Geset­zes­be­grün­dung.
    Zwar habe der Gesetz­ge­ber mit dem neu hin­zu­ge­füg­ten
    Zusatz „alles beim Alten belas­sen wol­len“ und
    das Gesetz dann auch unver­än­dert ver­ab­schie­det, die­sen
    Wil­len aber in den For­mu­lie­run­gen des Geset­zes nicht
    hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck gebracht.8
    Dem rechts­su­chen­den Bür­ger sei eine Lek­tü­re der
    Geset­zes­be­grün­dung inso­weit ange­sichts des kla­ren
    Wort­lauts und der abwei­chen­den For­mu­lie­rung zum
    „wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal“ in § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss-
    ZeitVG bzw. §§ 4, 5 WissZeitVG nicht zuzu­mu­ten.
    Dar­über hin­aus bestä­ti­ge sich die Exis­tenz eines zusätz­li­chen
    Tat­be­stands­merk­mals auch in sys­te­ma­ti­scher
    Hin­sicht: § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG set­ze eine gegen­über
    der „ange­streb­ten Qua­li­fi­zie­rung“ ange­mes­se­ne Befris­tungs­dau­er
    vor­aus. Ohne ein „for­mel­les Qua­li­fi­zie­rungs­ziel“
    in § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG blei­be die Vor­schrift
    daher man­gels Bezugs­punkts für die Berech­nung
    der ange­mes­se­nen Dau­er ohne Anwendungsbereich.9
    Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüll­te die Befris­tung der
    Klä­ge­rin nach der Ansicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts
    nicht. Zwar habe die Klä­ge­rin offen­sicht­lich wis­sen­schaft­lich
    gear­bei­tet und es sei auch das Ziel der Par­tei­en
    gewe­sen, die Fähig­kei­ten der Klä­ge­rin wei­ter aus­zu­bil­den,
    eine dar­über­hin­aus­ge­hen­de För­de­rung der eige­nen
    wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung sei dar­über hin­aus
    aber nicht nach­ge­wie­sen und die Befris­tung damit
    unwirk­sam.
    II. Gesetzesbegründung10
    Über­ein­stim­mend mit dem Wort­laut der Gesetzesbegründung11
    wur­de § 2 Abs. 1 Satz 1 und 2 WissZeitVG
    gem. Art. 1 des Ers­ten Geset­zes zur Ände­rung des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes
    (1. WissZeitVGÄndG)
    vom 11. März 201612 um die im Fol­gen­den unter­stri­che­nen
    Pas­sa­gen ergänzt13:
    „(1) Die Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen des in § 1 Absatz
    1 Satz 1 genann­ten Per­so­nals, das nicht pro­mo­viert ist,
    ist bis zu einer Dau­er von sechs Jah­ren zuläs­sig, wenn die
    befris­te­te Beschäf­ti­gung zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen
    oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung erfolgt.
    Nach abge­schlos­se­ner Pro­mo­ti­on ist eine Befris­tung bis zu
    einer Dau­er von sechs Jah­ren, im Bereich der Medi­zin bis
    zu einer Dau­er von neun Jah­ren, zuläs­sig, wenn die befris­te­te
    Beschäf­ti­gung zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen
    oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung erfolgt […
    ] “
    In der Geset­zes­be­grün­dung des Bun­des­ta­ges vom 28.
    Okto­ber 2015 heißt es zu die­sen Ände­run­gen klar­stel­lend
    (Her­vor­he­bun­gen hinzugefügt)14:
    „Mit den Ergän­zun­gen in Satz 1 und 2 wird der bei Erlass
    des WissZeitVG nur in der Geset­zes­be­grün­dung for­mu­lier­te
    Zweck der sach­grund­lo­sen Befris­tung in den Geset­zes­text
    über­nom­men. Damit wird klar­ge­stellt, dass die­se
    Befris­tungs­mög­lich­kei­ten nach ihrer Zweck­set­zung aus­schließ­lich
    der Qua­li­fi­zie­rung des wis­sen­schaft­li­chen und
    künst­le­ri­schen Nach­wuch­ses die­nen. Die als „typi­sier­te
    Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se” kon­zi­pier­te sach­grund­lo­se Befris­tung
    wird damit nicht zu einer Sach­grund­be­fris­tung. Inner­halb
    des Befris­tungs­rah­mens ist auch wei­ter­hin für ein­zel­ne
    Befris­tun­gen kein spe­zi­fi­scher Sach­grund erfor­der­lich.
    Wie bis­her gibt das WissZeitVG des­halb auch künf­tig
    kein for­ma­les Qua­li­fi­zie­rungs­ziel vor. So ist nach § 2 Absatz
    1 Satz 1 auch wei­ter­hin eine befris­te­te Beschäf­ti­gung
    von nicht pro­mo­vier­tem Per­so­nal, des­sen befris­te­te Beschäf­ti­gung
    zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen
    oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung erfolgt, mög­lich, wenn
    die­ses kei­ne Pro­mo­ti­on anstrebt (ver­glei­che BT-Drs.
    16/3438, Sei­te 11). Pro­mo­vier­tes Per­so­nal, des­sen befris­te­te
    Beschäf­ti­gung zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen
    oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung erfolgt, kann sich
    auch künf­tig durch Erbrin­gung wei­te­rer wis­sen­schaft­li­cher
    Leis­tun­gen und Tätig­kei­ten in der Leh­re für die Über­nah­me
    einer Pro­fes­sur qua­li­fi­zie­ren (BT-Drs. 16/3438, Sei­te 12
    […])
    Neben der wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung im enge­ren
    Sin­ne geht es viel­mehr auch um den Erwerb von Fähig­kei­ten
    und Kennt­nis­sen etwa in Bezug auf Pro­jekt­ma­nage­ment
    im Bereich der Wis­sen­schaft. Im Ergeb­nis muss QuaMandler/
    Baner­jee · Die För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung 1 9 5
    15 BT-Drs. 16/3438 S. 12.
    16 § 57b Abs. 1 HRG: „(1) Die Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen des
    in § 57a Abs. 1 Satz 1 genann­ten Per­so­nals, das nicht pro­mo­viert
    ist, ist bis zu einer Dau­er von sechs Jah­ren zuläs­sig. Nach
    abge­schlos­se­ner Pro­mo­ti­on ist eine Befris­tung bis zu einer Dau­er
    von sechs Jah­ren, im Bereich der Medi­zin bis zu einer Dau­er von
    neun Jah­ren zuläs­sig“.
    17 BT-Drs. 16/3438 S. 12.
    18 BT-Drs. 18/6489 S. 10.
    19 Bspw. BAG, Urteil vom 20. Janu­ar 2021 – 7 AZR 193/20 –, juris;
    ArbG Köln, Urteil vom 26. Mai 2020 — 11 Ca 295/20 = Beck­RS
    2020, 39168 Rn. 31.
    20 Löwisch in Dornbusch/Fischermeier/Löwisch, AR-Kommentar,
  2. Aufl. 2016, § 2 WissZeitVG Rn. 2; Mül­ler-Glö­ge, ErfK, 21. Aufl.
    2021, § 2 WissZeitVG Rn. 2b; Preis/Ulber, WissZeitVG 2 Aufl.
    2017, § 2 Rn. 8 ff.; Ram­bach in Arnold/Gräfl, TzBfG 4. Aufl. 2016,
    § 2 Rn. 1; Mandler/Meißner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG –
    Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW
    2016, 33, 39; Koch in Schaub, Arbeits­rechts-Hand­buch, 18. Aufl.
    2019, § 39 Rn. 33; Dom­ke, Das Befris­tungs­recht des wis­sen­schaft­li­chen
    Per­so­nals an deut­schen Hoch­schu­len zwi­schen wis­sen­schaft­li­cher
    Dyna­mik und sozia­ler Sicher­heit, S. 186 f.; Mandler/
    Meiß­ner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tungs­dau­er nach § 2 Abs.
    1 Satz 3 WissZeitVG, OdW 2017, S. 199, 201.
    21 aA. Gie­sen ArbRAk­tu­ell 2021, 160: „Die Ent­schei­dung über­zeugt“;
    Hauck-Scholz, RdA 2016, 262 f.: „Die­se Qua­li­fi­zie­rung ist
    nun­mehr der – ein­zi­ge (neben der Dritt­mit­tel­be­fris­tung nach § 2
    Abs. 2 WissZeitVG) – (Sach-) Grund für eine befris­te­te Beschäf­ti­gung
    mit wis­sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal.“;
    schein­bar auch Schmidt in Ascheid/Preis/Schmidt, Kündigungsrecht,
  3. Aufl. 2021, § 2 WissZeitVG Rn. 3 ff. „Ergän­zung … um
    qua­li­ta­ti­ves Ele­ment“; Bötz­mann, öAT 2016, 48 „wer­den durch
    den Ein­schub … erhöh­te Anfor­de­run­gen … zu stel­len sein“; Maschmann/
    Konertz, NZA 2016, 257, 259 „…muss künf­tig die Befris­tung
    zur För­de­rung der eige­nen Qua­li­fi­zie­rung erfol­gen…“.
    lifi­zie­rung in der Wis­sen­schaft zu einer erfolg­rei­chen beruf­li­chen
    Kar­rie­re auch und gera­de außer­halb der
    Wis­sen­schaft befä­hi­gen, sei es in der Wirt­schaft, als Selb­stän­di­ger
    oder in ande­ren gesell­schaft­li­chen Lebens- und
    Arbeits­be­rei­chen. Ver­gleich­ba­res gilt für den zwei­ten Teil
    der Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se, die soge­nann­te
    Post­doc-Pha­se[…]).
    Bei den von den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in
    der Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se zu erbrin­gen­den wis­sen­schaft­li­chen
    Dienst­leis­tun­gen han­delt es sich oft­mals und not­wen­di­ger­wei­se
    um Dau­er­auf­ga­ben der Hoch­schu­len. Durch
    die jetzt vor­ge­se­he­ne Ergän­zung wird des­halb zugleich
    klar­ge­stellt, dass die Über­tra­gung von Dau­er­auf­ga­ben auf
    nach dem WissZeitVG befris­te­tes Per­so­nal nur im Kon­text
    einer Qua­li­fi­zie­rung zuläs­sig ist.”
    In der von der vor­ste­hen­den Geset­zes­be­grün­dung
    zur der­zei­ti­gen Fas­sung in Bezug genom­me­nen Begrün­dung
    heißt es schließ­lich wei­ter­ge­hend (Her­vor­he­bun­gen
    hinzugefügt)15:
    „Bis auf den neu­en Satz 3 ent­spricht Absatz 1 – abge­se­hen
    von not­wen­di­gen redak­tio­nel­len Ände­run­gen – dem
    bis­he­ri­gen § 57b Abs. 1 HRG16. Die bis­he­ri­ge Rechts­la­ge
    wird inso­weit nicht ver­än­dert […].
    Bei den Mit­ar­bei­ter­grup­pen, auf die Absatz 1 Satz 1 Bezug
    nimmt, wird unter­stellt, dass zum einen ihre Beschäf­ti­gung
    der eige­nen Aus‑, Fort- und Wei­ter­bil­dung dient
    und zum ande­ren der regel­mä­ßi­ge Aus­tausch des Per­so­nals
    zur Siche­rung der Inno­va­ti­on in For­schung und Leh­re
    an den Hoch­schu­len not­wen­dig ist.
    Zwar sind die von den ent­spre­chen­den Mit­ar­bei­te­rin­nen
    und Mit­ar­bei­tern wahr­ge­nom­me­nen wis­sen­schaft­li­chen
    Dienst­leis­tun­gen oft­mals Dau­er­auf­ga­ben der Hoch­schu­le.
    Die Befris­tungs­mög­lich­keit wird aber bei die­sen
    Mit­ar­bei­ter­grup­pen aus­nahms­los im Inter­es­se der Nach­wuchs-
    und Qua­li­fi­ka­ti­ons­för­de­rung eröff­net […].
    Die Ein­be­zie­hung [der wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen
    Hilfs­kräf­te] ist gerecht­fer­tigt, weil auch wis­sen­schaft­li­che
    und künst­le­ri­sche Hilfs­kräf­te Dienst­leis­tun­gen
    in For­schung und Leh­re erbrin­gen und typi­scher­wei­se
    auch zur eige­nen Qua­li­fi­zie­rung beschäf­tigt wer­den. Sie
    unter­schei­den sich von den wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen
    Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern nur dar­in,
    dass sie ihre Dienst­leis­tun­gen zu weni­ger als der Hälf­te der
    regel­mä­ßi­gen Arbeits­zeit der im öffent­li­chen Dienst Beschäf­tig­ten
    zu erbrin­gen haben.“
    Nach der Vor­stel­lung des Norm­ge­bers han­delt es sich
    daher bei den Ergän­zun­gen in § 2 Abs. 1 Satz 1 bzw. Satz 2
    WissZeitVG ledig­lich um Klar­stel­lun­gen des bereits der
    vor­he­ri­gen Fas­sung zugrund­lie­gen­den Zwecks im Wort­laut
    der sach­grund­lo­sen Befris­tungs­tat­be­stän­de. Neue
    Tat­be­stands­merk­ma­le – oder gar eine Rechts­na­tur­än­de­run­gen
    der Befris­tun­gen – waren dem­ge­gen­über nicht
    inten­diert und schließ­lich auch nicht erfor­der­lich. Der
    Gesetz­ge­ber geht mit­hin auch wei­ter­hin in typi­sie­ren­der
    Betrach­tung davon aus, dass die Tätig­kei­ten wis­sen­schaft­li­chen
    Per­so­nals im per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich
    des WissZeitVG „der eige­nen Aus‑, Fort- und Wei­ter­bil­dung
    dienen“17 und kein „for­ma­les Qua­li­fi­zie­rungs­ziel“
    18 erfor­der­lich ist.
    III. Recht­li­che Wür­di­gung
    Die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts und die
    Geset­zes­be­grün­dung ste­hen sich dia­me­tral gegen­über.
    Der bestehen­de Wider­spruch ist zuguns­ten der Geset­zes­be­grün­dung
    – und wohl herr­schen­den Meinung19
    und Lehre20 – aufzulösen:21
    Die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts über­geht
    im Kern die Vor­aus­set­zun­gen des per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­rei­ches
    des WissZeitVG und über­spannt die
    Anfor­de­run­gen des Geset­zes ohne die erfor­der­li­che
    Rück­bin­dung an Wort­laut (1.), Sys­te­ma­tik (2.), den Gesetz­ge­ber­wil­len
    (3.) und Telos (4.). Im Ein­zel­nen:
    1 9 6 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 1 ) , 1 9 3 — 2 0 0
    22 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn.
    48 f., 53.
    23 Zum Ver­hält­nis zum WissZeitVG sie­he Mandler/Wegmann, Der
    Befris­tungs­grund gem. § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich
    des WissZeitVG, OdW 2018, 201 ff.; wei­ter­füh­rend Löwisch/
    Schu­bert, Beschrän­kung befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge nach dem Koali­ti­ons­ver­trag:
    Aus­wir­kun­gen auf Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen,
    OdW 2018, 263 ff.
    24 Vgl. Preis/Ulber, WissZeitVG, § 2 Rn. 12; Maschmann/Konertz,
    NZA 2016, 257, 259.
    25 Ob sich der Beschäf­tig­te tat­säch­lich qua­li­fi­ziert, ist frei­lich irrele­vant.
    Ent­schei­dend ist die (typi­sie­ren­de) Pro­gno­se des Arbeit­ge­bers
    bei Ver­trags­schluss.
    26 BAG, Urteil vom 24. Febru­ar 2016 – 7 AZR 182/14 –, juris Rn. 32
    = NZA 2016, 949; vgl. auch BAG, Urteil vom 29. April 2015 – 7
    AZR 519/13 und Mandler/Meißner, Der per­sön­li­che Anwen­dungs­be­reich
    des WissZeitVG, OdW 2016, 127 ff.
  4. Wort­laut
    Dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zunächst zuzu­ge­ben, dass
    der geän­der­te Wort­laut in § 2 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Wiss-
    ZeitVG im ers­ten Zugang die Annah­me eines wei­te­ren
    Tat­be­stands­merk­mals trägt.22
    So ist die moda­le Ver­knüp­fung „zuläs­sig, wenn“
    bspw. in den Sach­grund­be­fris­tun­gen gem. § 14 Abs. 1
    TzBfG („[… ] zuläs­sig, wenn sie durch einen sach­li­chen
    Grund gerecht­fer­tigt ist…“) oder gem. § 2 Abs. 2 Wiss-
    ZeitVG („[…]zuläs­sig, wenn die Beschäf­ti­gung über­wie­gend
    aus Mit­teln Drit­ter finan­ziert wird […]”) zu fin­den,
    die hin­ge­gen bei den sach­grund­lo­sen Befris­tun­gen in
    § 14 Abs. 2 TzBfG23 („Die Befris­tung […] ist bis zur Dau­er
    von zwei Jah­ren zuläs­sig“) oder § 6 WissZeitVG („Befris­te­te
    Arbeits­ver­trä­ge [… ] bis zur Dau­er von ins­ge­samt
    sechs Jah­ren zuläs­sig.“) fehlt.
    Aller­dings muss beach­tet wer­den, dass die Wort­laut­aus­le­gung
    nicht bei der Ver­knüp­fung der bei­den Satz­tei­le
    ste­hen blei­ben darf. Viel­mehr ist der gesam­te Sinn­ge­halt
    der Norm zu erfas­sen, der zunächst die „Befris­tung
    von Arbeits­ver­trä­gen des in § 1 Absatz 1 Satz 1 genann­ten
    Per­so­nals“ vor­aus­setzt. Der Zusatz „wenn die befris­te­te
    Beschäf­ti­gung zur För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen
    oder künst­le­ri­schen Qua­li­fi­zie­rung erfolgt“, kann danach
    sei­nem Wort­laut nach auch nur dahin­ge­hend ver­stan­den
    wer­den, dass hier­durch ledig­lich die bereits
    durch den Ver­weis auf § 1 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG erfor­der­li­chen
    Tat­be­stands­merk­ma­le – als recht­li­ches Nullum
    – wie­der­holt wer­den.
    Ver­gleicht man die Reich­wei­te des „wis­sen­schaft­li­chen
    und künst­le­ri­schen Per­so­nals“ in § 1 Abs. 1 Satz 1
    WissZeitVG mit dem ergänz­ten Satz­teil in § 2 Abs. 1 Satz 1
    WissZeitVG, wird deut­lich, dass ledig­lich die „För­de­rung
    der eige­nen Qua­li­fi­zie­rung“ über die ansons­ten in bei­den
    Nor­men ent­hal­te­ne „wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit“
    hin­aus­geht.
    Weder dem Begriff „För­de­rung“, noch der Kon­kre­ti­sie­rung
    „eige­nen“ kommt dabei aber gegen­über der wis­sen­schaft­li­chen
    Tätig­keit gem. § 1 Abs. 1 WissZeitVG
    eine eigen­stän­di­ge, zusätz­li­che Bedeu­tung zu:
    Qua­li­fi­ziert sich der Beschäf­tig­te im Rah­men sei­nes
    Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses, för­dert ihn dies stets selbst
    und damit zwin­gend sei­ne eige­ne Qua­li­fi­zie­rung. Eine
    Qua­li­fi­zie­rung „zuguns­ten Drit­ter“ gibt es nicht. Eine
    Qua­li­fi­zie­rung durch die Mit­ar­beit an frem­der For­schung
    ist daher auch ohne wei­te­res mög­lich und
    anerkannt.24
    Es ver­bleibt mit­hin die Fra­ge, ob zwi­schen dem Begriff
    der „Qua­li­fi­zie­rung“ in § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG
    und der „wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit“ gem.
    § 1 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG ein mate­ri­el­ler Unter­schied
    besteht. Das wird man ver­nei­nen müs­sen.
    Wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­zie­rung ist ihrem Inhalt
    und Umfang nach von der jewei­li­gen wis­sen­schaft­li­chen
    Tätig­keit abhän­gig und beschreibt damit ledig­lich dekla­ra­to­risch
    die Fol­ge der kon­kret geschul­de­ten wis­sen­schaft­li­chen
    Tätigkeit.25 Wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­zie­rung
    und wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit beschrei­ben mit­hin
    nur ver­schie­de­ne Sei­ten der­sel­ben Medail­le und set­zen
    in mate­ri­el­ler Abhän­gig­keit zuein­an­der das­sel­be
    vor­aus.
    Dem­entspre­chend hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt
    bspw. im Urteil vom 24. Febru­ar 2016 zutref­fend fest­ge­stellt,
    dass die Qua­li­fi­zie­rung aus der Beschäf­ti­gung mit
    wis­sen­schaft­li­cher Arbeit statt folgt.26
    „Für die Wirk­sam­keit der Befris­tung genügt dazu aber
    die Beschäf­ti­gung mit wis­sen­schaft­li­cher Arbeit, die das
    wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal unab­hän­gig von einem wäh­rend
    der Tätig­keit in Aus­sicht genom­me­nen oder erziel­ten
    aka­de­mi­schen Grad qua­li­fi­ziert. Des­halb ist weder das
    Anstre­ben einer Pro­mo­ti­on Vor­aus­set­zung für den Abschluss
    eines befris­te­ten Arbeits­ver­trags nach
    § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG (BT-Drs. 14/6853 S. 32; ), noch
    setzt die Zuläs­sig­keit der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 2
    WissZeitVG das Anstre­ben einer Habi­li­ta­ti­on vor­aus.
    Nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers soll dem wis­sen­schaft­li­chen
    Per­so­nal im Rah­men einer befris­te­ten Beschäf­ti­gung
    nach § 2 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG ledig­lich die Mög­lich­keit
    eröff­net wer­den, For­schungs­leis­tun­gen und wis­sen­schaft­li­che
    Tätig­kei­ten in der Leh­re zu erbrin­gen und
    sich auf die­se Wei­se für die Über­nah­me einer Pro­fes­sur zu
    Mandler/Banerjee · Die För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung 1 9 7
    27 Vgl. BAG, Urteil vom 20. Janu­ar 2021 – 7 AZR 193/20 –, juris
    Rn. 38: „Die ange­mes­se­ne Befris­tungs­dau­er ist daher ein­zel­fall­be­zo­gen
    („jeweils“) unter Berück­sich­ti­gung der Ver­hält­nis­se bei
    Ver­trags­schluss zu ermit­teln. Dabei kommt es ins­be­son­de­re auf die
    Ver­hält­nis­se im jewei­li­gen Fach, das ange­streb­te Qua­li­fi­zie­rungs­ziel
    und den Stand der indi­vi­du­el­len Qua­li­fi­zie­rung des Arbeit­neh­mers
    an“; vgl. auch aus­führ­lich Mandler/Meißner, Die Ange­mes­sen­heit
    der Befris­tungs­dau­er nach § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG, OdW
    2017, 199 ff.
    28 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn.
    54.
    29 Vgl. BAG, Urteil vom 20. Janu­ar 2021 – 7 AZR 193/20 –, juris Rn.
    19 mwN.
    30 BT-Drs. 16/3438, S. 12.
    31 Vgl. Mül­ler-Glö­ge, ErfK, 21. Aufl. 2021, § 2 WissZeitVG Rn. 2b.
    32 Beach­te: BAG, Urteil vom 20. Janu­ar 2021 – 7 AZR 193/20 –,
    juris; aA. LAG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 4. Sep­tem­ber 2020 – 14
    Sa 864/19 –, juris: „Beschäf­ti­gungs­pha­sen, die zum Zwe­cke der
    Anfer­ti­gung einer Dok­tor­schrift genutzt wer­den, sind im Rah­men
    des § 2 Abs. 3 S. 1 WissZeitVG auch dann auf die gesam­te zuläs­si­ge
    Befris­tungs­dau­er nach § 2 Abs. 1 S. 1 und 4 WissZeitVG anzu­rech­nen,
    wenn es sich um befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se mit nicht mehr
    als einem Vier­tel der regel­mä­ßi­gen Arbeits­zeit han­delt“; vgl. hier­zu
    schon Mandler/Meißner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich­kei­ten,
    Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW 2016,
    33, 46.
    qua­li­fi­zie­ren (vgl. BT-Drs. 14/6853 S. 33; BT-Drs. 16/3438 S.
    12).“
    Eine auf die Satz­ver­bin­dung „zuläs­sig, wenn“ beschränk­te
    Aus­le­gung greift daher hier zu kurz und wür­digt
    den ver­blei­ben­den Wort­laut des Befris­tungs­tat­be­stan­des
    in § 2 Abs. 1 WissZeitVG nicht hin­rei­chend, der
    auf den per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich in § 1 Abs. 1
    WissZeitVG ver­weist. Der Wort­laut des § 2 Abs. 1 Satz 1
    WissZeitVG trägt das vom Lan­des­ar­beits­ge­richt gefun­de­ne
    Ergeb­nis danach nicht.
  5. Sys­te­ma­tik
    Das nach dem Wort­laut gefun­de­ne Ergeb­nis bestä­tigt
    sich auch in sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht.
    § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG ver­weist auf § 1 Abs. 1
    WissZeitVG und stellt im ergänz­ten Satz­teil ledig­lich die
    bereits aus der wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit gem.
    § 1 Abs. 1 WissZeitVG fol­gen­de Kon­se­quenz klar. Die erneu­te
    Prü­fung des­sel­ben Tat­be­stan­des ist red­un­dant und
    wird daher von § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG nicht
    ein­ge­for­dert.
    Das Lan­des­ar­beits­ge­richt beruft sich inso­weit dar­auf,
    dass ein zusätz­li­ches Tat­be­stands­merk­mal schon des­halb
    aus § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG fol­gen müs­se, weil die
    Ange­mes­sen­heits­prü­fung in § 2 Abs. 1 Satz 3 Wiss-
    ZeitVG27 ein „for­ma­les Qua­li­fi­zie­rungs­ziel“ vor­aus­set­ze
    und andern­falls ohne Anwen­dungs­be­reich bliebe.28
    Auch die­sem Argu­ment ist nicht zu fol­gen.
    Zwi­schen dem Befris­tungs­grund und der Höchst­dau­er
    besteht weder nor­ma­tiv noch sys­te­ma­tisch ein
    zwin­gen­der Zusam­men­hang. Die Befris­tungs­höchst­gren­ze
    beschränkt eine zuläs­si­ge Beschäf­ti­gung ledig­lich
    in zeit­li­cher Hin­sicht und stellt so sicher, dass auch für
    die Qua­li­fi­zie­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses
    aus­rei­chend Stel­len zur Ver­fü­gung ste­hen und die­se Mit­tel
    nicht durch sich wei­ter­qua­li­fi­zie­ren­de Beschäf­tig­te
    dau­er­haft gebun­den werden.29 Dass ein Beschäf­tig­ter
    bspw. auch nach dem Über­schrei­ten der Regel-Befris­tungs­höchst­gren­ze
    wei­ter wis­sen­schaft­lich tätig wer­den
    kann, dürf­te unstrei­tig sein. Dem Gesetz liegt aner­kann­ter­ma­ßen
    eine typi­sie­ren­de Betrach­tungs­wei­se
    zugrun­de.
    Eben­so ver­langt weder der Wort­laut noch die Geset­zes­be­grün­dung
    ein „for­ma­les Qua­li­fi­zie­rungs­ziel“ für die
    Befris­tung oder die Ange­mes­sen­heits­prü­fung. Dies stellt
    auch die Geset­zes­be­grün­dung noch ein­mal klar. Dass
    die Bestim­mung der „ange­mes­se­nen Dau­er“ bei einem
    for­ma­len Qua­li­fi­zie­rungs­ziel ein­fa­cher sein mag, ist hier
    kein Argu­ment. Gera­de die For­schung ist regel­mä­ßig
    durch eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Qua­li­fi­zie­rungs­zie­le
    gekenn­zeich­net. Es geht nicht immer um den Erwerb
    einer bestimm­ten Fer­tig­keit oder eines bestimm­ten
    Abschlus­ses, son­dern oft um den Erwerb von Kennt­nis­sen
    über die wis­sen­schaft­li­che Metho­dik und Arbeits­wei­se
    in einem oder meh­re­ren Fach­be­rei­chen.
    Dar­über hin­aus könn­te man in dem Zusatz „För­de­rung
    der eige­nen“ wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung einen,
    gegen­über dem per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich
    abwei­chen­den Gehalt ver­mu­ten, und sys­te­ma­tisch dar­auf
    schlie­ßen, dass § 2 Abs. 1 WissZeitVG auf­grund sei­nes
    abwei­chen­den Wort­lau­tes damit „mehr ver­lan­ge“ als
    blo­ße wis­sen­schaft­li­che Tätig­kei­ten. Wie bereits erläu­tert,
    wäre aber auch dies unzu­tref­fend. Die wis­sen­schaft­li­che
    Tätig­keit des befris­tet Beschäf­tig­ten führt immer
    zu sei­ner eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung und
    för­dert die­se. Aus die­sem Grund konn­te der Gesetz­ge­ber
    das Merk­mal auch im per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich
    weg­las­sen und im Lich­te des Geset­zes­zwecks unter­stel­len,
    dass die Beschäf­ti­gung immer „der eige­nen Aus‑,
    Fort- und Wei­ter­bil­dung dient“30, zumal die wis­sen­schaft­li­che
    Tätig­keit bei Misch­tä­tig­kei­ten ohne­hin über­wie­gen
    muss.31
    Die­ses Ergeb­nis bestä­tigt sich auch mit Blick auf
    § 2 Abs. 332, 4 und 5 WissZeitVG. Das WissZeitVG geht
    erkenn­bar von einer typi­sie­ren­den Betrach­tung und
    sach­grund­lo­sen Befris­tung aus, die ihre Gren­zen in den
    1 9 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 1 ) , 1 9 3 — 2 0 0
    33 Vgl. zum Rechts­miss­brauch Man­dler, Rechts­miss­brauch bei
    Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG, OdW 2015,
    217 ff.; zur Berech­nung der Höchst­be­fris­tungs­gren­ze Mandler/
    Weg­mann, Berech­nung der Höchst­be­fris­tungs­gren­ze gem. § 2
    Abs. 1 Satz 1 und 2 WissZeitVG –Anmer­kung zu LAG Ber­lin-
    Bran­den­burg, Urteil vom 16. August 2018 – 21 Sa 201/18, OdW
    2019, 125 ff.; juris; Mandler/Wegmann, Wie vie­le Tage hat das
    Jahr? Berech­nung der Höchst­be­fris­tungs­gren­zen gem. § 2 Wiss-
    ZeitVG – Anmer­kun­gen zu BAG, Urteil vom 20. Mai 2020 – 7
    AZR 72/19 und LAG Hamm, Urteil vom 28. Novem­ber 2019 – 11
    Sa 381/19, OdW 2021, 53.
    34 Vgl. hier­zu Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Arbeits­ver­hält­nis­sen
    gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG, OdW 2014, 221.
    35 BT-Drs. 16/3438, S. 12.
    36 BT-Drs. 18/6489, S. 10.
    37 BT-Drs. 18/6489, S. 10.
    38 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris Rn.
    46.
    39 LAG Köln, Urteil vom 7. Okto­ber 2020 – 5 Sa 451/20 –, juris
    Rn. 42 ff.; die zitier­ten Ent­schei­dun­gen des BGH und BAG sind
    inso­fern uner­gie­big. BAG, Urteil vom 20. Novem­ber 2019 – 5
    AZR 39/19 — Rn. 20 betrifft die Aus­le­gung eines – zwei­sei­ti­gen
    – Tarif­ver­tra­ges; BGH, Urteil vom 5. Novem­ber 2019 — XI ZR
    650/18 — Rn. 30 betrifft den umge­kehr­ten Fall, in dem die Geset­zes­be­grün­dung
    zusätz­li­che Anfor­de­run­gen in den Norm­text
    hin­ein­liest – was aller­dings mit der Richt­li­nie nicht ver­ein­bar
    oder prak­tisch umsetz­bar gewe­sen wäre.
    40 Vgl. bspw. BT-Drs. 16/3438, S. 10.
    jewei­li­gen Höchst­be­fris­tungs­gren­zen fin­det und kalen­der­mä­ßig
    bestimmt wird.33 § 2 Abs. 5 WissZeitVG ermög­licht
    zudem eine ein­sei­ti­ge Ver­län­ge­rung durch den
    Arbeitnehmer,34 die von einer even­tu­el­len wei­te­ren
    Qua­li­fi­zie­rung des Arbeit­neh­mers los­ge­löst zu beur­tei­len
    ist und ihre Recht­fer­ti­gung wie­der­um in der bereits
    nach § 1 Abs. 1 WissZeitVG vor­aus­ge­setz­ten wis­sen­schaft­li­chen
    Tätig­keit fin­det. Auch die Sys­te­ma­tik spricht
    daher gegen wei­te­re Tatbestandsmerkmale.
  6. Wil­le des Gesetz­ge­bers
    Der Wil­le des Gesetz­ge­bers ist klar und bestä­tigt das
    nach Wort­laut und Sys­te­ma­tik gefun­de­ne Ergeb­nis:
    Eine wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­zie­rung wird bei wis­sen­schaft­li­cher
    Tätig­keit gem. § 1 Abs. 1 WissZeitVG unter­stellt,
    35 ohne dass sich hier­an durch die Ergän­zun­gen
    etwas ändern sollte.36 Die Ergän­zun­gen in § 2 Abs. 1 Satz 1
    und 2 WissZeitVG sind daher auch nach dem Wil­len des
    Gesetz­ge­bers ledig­lich unbe­acht­li­che Klar­stel­lun­gen des
    Gesetzeszwecks.37
    Abwei­chen­des kann auch nicht aus dem Ziel der Novel­lie­rung
    im Übri­gen geschlos­sen wer­den. Mit den Anpas­sun­gen
    des WissZeitVG soll­te Kurz­be­fris­tun­gen im
    Wis­sen­schafts­be­reich ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Dies
    wird unter ande­rem durch § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG
    sicher­ge­stellt, erfor­dert aber nicht, dass die sach­grund­lo­se
    Befris­tung von wei­te­ren Bedin­gun­gen abhän­gig gemacht
    wird.
    Dar­über hin­aus kann den Über­le­gun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts
    zur Ver­füg­bar­keit und Lek­tü­re der Geset­zes­be­grün­dung
    nicht zuge­stimmt wer­den. Es ist zwar
    zutref­fend, dass der „norm­un­ter­wor­fe­ne Bür­ger“ Mühe
    haben mag die – online abruf­ba­re – Geset­zes­be­grün­dung
    aus­fin­dig zu machen und dar­aus das für ihn Maß­geb­li­che
    zu gewinnen;38 dies ist jedoch kei­ne Ausnahme‑,
    son­dern der Regel­fall und Rechts­be­ra­tung (ggf.
    auch kos­ten­freie) ver­füg­bar. Die Geset­zes­be­grün­dung
    weicht inso­fern – wie erläu­tert – auch nicht von dem­je­ni­gen
    ab, was für den „Bür­ger“ ohne­hin gilt und hat danach
    ledig­lich klar­stel­len­den Cha­rak­ter. Zudem steht neben
    dem „norm­un­ter­wor­fe­nen Bür­ger“ auch die For­schungs­ein­rich­tung,
    die sich auf den in der Geset­zes­be­grün­dung
    nie­der­ge­schrie­be­nen Wil­len des Gesetz­ge­bers
    für ihre Aus­le­gung ver­las­sen kön­nen muss.
    Eben­so ist dem Lan­des­ar­beits­ge­richt dar­in nicht zu
    fol­gen, dass der Wil­le des Gesetz­ge­bers in § 2 Abs. 1 Satz 1
    WissZeitVG kei­nen Nie­der­schlag gefun­den habe und
    des­halb nicht berück­sich­tigt wer­den dürfe39. Der Gesetz­ge­ber­wil­le
    ist aus­drück­lich in den Norm­text mit auf­ge­nom­men
    wor­den und führt – wie die Ana­ly­se des
    Wort­lauts zeigt – nicht zu einer tat­be­stand­li­chen Ergän­zung
    der her­vor­ge­brach­ten Befris­tungs­tat­be­stän­de. Ledig­lich
    der Geset­zes­zweck wird noch ein­mal erin­nernd
    wie­der­holt, ohne dass hier­mit neue Tat­be­stands­merk­ma­le
    gegen­über der Prü­fung nach § 1 Abs. 1 WissZeitVG
    for­mu­liert wer­den oder wer­den soll­ten.
    Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zutref­fend fest­stellt, ist
    eine Geset­zes­in­ter­pre­ta­ti­on, die sich über den klar erkenn­ba­ren
    Wil­len des Gesetz­ge­bers hin­weg­setzt, unzu­läs­sig.
    Das Gericht wäre daher selbst bei sei­ner Inter­pre­ta­ti­on
    des Wort­lau­tes der Norm gehal­ten gewe­sen, dem
    erkann­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers größt­mög­li­che Gel­tung
    zu ver­schaf­fen – etwa durch eine teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on
    der erkann­ten Tat­be­stands­merk­ma­le. Die Begrün­dung
    des Gerichts über­zeugt daher auch inso­weit
    nicht.
  7. Sinn und Zweck
    Mit den Befris­tungs­tat­be­stän­den in § 2 Abs. 1 Wiss-
    ZeitVG soll den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und
    außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen auch wei­ter­hin
    ein rechts­si­che­rer und ver­läss­li­cher Rah­men für
    die befris­te­te Beschäf­ti­gung des wis­sen­schaft­li­chen oder
    künst­le­ri­schen Per­so­nals an die Hand gege­ben wer­den,
    Mandler/Banerjee · Die För­de­rung der eige­nen wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung 1 9 9
    41 BT-Drs. 18/6489, S. 10.
    42 Vgl. BAG, Urteil vom 24. Febru­ar 2016 – 7 AZR 182/14 –, juris
    Rn. 32 mwN.
    43 BT-Drs. 18/6489, S. 10.
    um die Qua­li­fi­zie­rung des wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen
    Nach­wuch­ses einer­seits und die Inno­va­ti­on in
    For­schung und Leh­re ander­seits sicherzustellen.40
    Die­se Zwe­cke wür­den ver­ei­telt, wenn über die aus
    der wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit fol­gen­de Qua­lif­kat­i­on
    hin­aus eine wei­te­re Qua­li­fi­zie­rung ver­langt und damit
    aus der sach­grund­lo­sen eine Sach­grund­be­fris­tung mit
    erheb­li­chem Prü­fungs­auf­wand für die Hoch­schu­len,
    Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen
    wür­de.
    Wie die Geset­zes­be­grün­dung zutref­fend erläu­tert,
    geht es zudem „neben der wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung
    im enge­ren Sin­ne … auch um den Erwerb von Fähig­kei­ten
    und Kennt­nis­sen … im Bereich der Wis­sen­schaft“,
    die „im Ergeb­nis zu einer erfolg­rei­chen beruf­li­chen Kar­rie­re
    auch und gera­de außer­halb der Wis­sen­schaft befähigen“
  8. Eine Qua­li­fi­zie­rung allein um der Wis­sen­schaft
    Wil­len (Qua­li­fi­zie­rung im enge­ren Sin­ne) ist daher nicht
    der Regel­fall und wird vom Gesetz dem­entspre­chend
    auch nicht zur wirk­sa­men Befris­tung vorausgesetzt.
  9. Zur Ent­schei­dung im Übri­gen
    Was mate­ri­ell in dem neu­en Tat­be­stands­merk­mal gefor­dert
    wird, ist der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts
    nicht klar zu ent­neh­men. Inso­weit heißt es ledig­lich
    abgren­zend, dass sich die Qua­li­fi­zie­rung „nicht in
    der blo­ßen Gewin­nung zusätz­li­cher Berufs­er­fah­run­gen
    erschöp­fen“ dür­fe, son­dern dar­über hin­aus­ge­hen müs­se.
    Was hier­mit gemeint ist und was die For­schungs­ein­rich­tung
    kon­kret hät­te vor­tra­gen müs­sen, bleibt hin­ge­gen
    offen. Die Wis­sen­schaft­lich­keit der Tätig­keit erfor­dert
    nicht unbe­dingt das Bemü­hen um eige­ne, neue wis­sen­schaft­li­che
    Erkenntnisse.42
    Nur weil ein Beschäf­tig­ter eine bestimm­te wis­sen­schaft­li­che
    Tätig­keit schon ein­mal aus­ge­übt hat, ist deren
    erneu­te Vor­nah­me nicht der wis­sen­schaft­lich qua­li­fi­zie­ren­de
    Effekt abzu­er­ken­nen. Das wis­sen­schaft­li­che
    Arbei­ten und die hier­aus fol­gen­de wis­sen­schaft­li­che
    Qua­li­fi­zie­rung ist weit­hin durch Wie­der­ho­lung, Refle­xi­on
    und Ver­bes­se­rung bereits bekann­ter Vor­gän­ge und
    Metho­den geprägt und von – nicht wis­sen­schaft­li­chen –
    Dau­er­auf­ga­ben abzu­gren­zen (die hier nicht geprüft wur­den).
    Der Erwerb zusätz­li­cher Berufs­er­fah­run­gen ist inso­fern
    zwin­gen­de und zudem erwünsch­te Fol­ge, die einer
    wei­te­ren wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung nicht
    ent­ge­gen­steht, son­dern mit ihr not­wen­di­ger­wei­se
    einhergeht.43
    IV. Aus­blick
    Der Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist nicht zu fol­gen.
    Die mit der Novel­le 2016 ein­ge­führ­ten Ergän­zun­gen
    in § 2 Abs. 1 Satz 1 bzw. Satz 2 WissZeitVG beinhal­ten
    gegen­über der wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit in
    § 1 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG nach Wort­laut, Sys­te­ma­tik,
    His­to­rie und Telos ledig­lich eine Klar­stel­lung des Geset­zes­zwecks,
    aber kei­ne wei­te­ren Tat­be­stands­merk­ma­le.
    Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Revi­si­on selbst zuge­las­sen.
    Mit einer klä­ren­den Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts
    dürf­te im ers­ten Quar­tal 2022 zu rech­nen
    sein (Az. 7 AZR 573/20).
    Dr. Tobi­as Man­dler ist Rechts­an­walt bei Jones Day in
    Mün­chen. Sabi­ta Baner­jee ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin
    eben­da. Der Bei­trag gibt aus­schließ­lich die
    per­sön­li­che Auf­fas­sung der Autoren wie­der.
    2 0 0 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 1 ) , 1 9 3 — 2 0 0