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Am 12. 8. 2021 ist das Gesetz zur Ergän­zung und Ände­rung der Rege­lun­gen für die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be von Frau­en an Füh­rungs­po­si­tio­nen in der Pri­vat­wirt­schaft und im öffent­li­chen Dienst (FüPoG II) in Kraft getreten.1 Das Gesetz hat das aus dem Jahr 2015 stam­men­de FüPoG I abge­löst. Sein wesent­li­cher Inhalt sind Ände­run­gen und Ergän­zun­gen des Bun­des­gre­mi­en­be­set­zungs­ge­set­zes (BGremBG)2 und des Bun­des­gleich­stel­lungs­ge­set­zes (BGleiG)3, sowie eben­falls der Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern die­nen­de Son­der­vor­schif­ten für Gesell­schaf­ten mit Mehr­heits­be­tei­li­gung des Bun­des. Der nach­fol­gen­de Bei­trag geht der Rele­vanz der Rege­lun­gen des FüPoG II für die Gre­mi­en­be­set­zung in Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen nach. Die Erör­te­rung der Ände­run­gen des BGleiG und deren Rele­vanz für Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen bleibt einem wei­te­ren Bei­trag in OdW vor­be­hal­ten.
I. Anwen­dungs­be­reich des Bundesgremienbesetzungsgesetzes

  1. Gesetz­li­che Rege­lung
    Das BGremBG gilt nach sei­nem § 2 Satz 1 für Auf­sichts­gre­mi­en und wesent­li­che Gre­mi­en, für die der Bund Mit­glie­der bestim­men kann.

    Auf­sichts­gre­mi­en sind nach § 3 Nr. 1 Auf­sichts- und Ver­wal­tungs­rä­te sowie ver­gleich­ba­re Auf­sicht füh­ren­de Orga­ne unge­ach­tet ihrer Bezeich­nung und Rechts­grund­la­ge, auch wenn deren Mit­glie­der durch Wahl bestimmt wer­den.

    Wesent­li­che Gre­mi­en sind nach § 3 Nr. 2 sol­che, bei denen die Bun­des­re­gie­rung als Gesamt­heit die Mit­glied­schaft min­des­tens eines Mit­glieds zu beschlie­ßen oder zur Kennt­nis zu neh­men hat, sowie sol­che, die wegen ihrer beson­de­ren tat­säch­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen oder zukunfts­re­le­van­ten Bedeu­tung von den in § 3 Nr. 3 näher genann­ten Insti­tu­tio­nen des Bun­des (Bun­des­re­gie­rung, Bun­des­kanz­ler­amt, Bun­des­mi­nis­te­ri­en, Bun­des­be­auf­trag­te, bun­des­un­mit­tel­ba­re juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts ohne Recht auf Selbst­ver­wal­tung) bestimmt wor­den sind.

    Vom Bund zu bestim­men sind nach § 3 Nr. 4 Mit­glie­der, wel­che die Insti­tu­tio­nen des Bun­des ein­zeln oder gemein­sam in ein Auf­sichts­gre­mi­um oder in ein wesent­li­ches Gre­mi­um unmit­tel­bar und rechts­ver­bind­lich wäh­len, beru­fen, ent­sen­den oder für ein sol­ches Gre­mi­um vor­schla­gen können.
  2. Anwen­dung auf Hoch­schu­len
    Für eine Anwen­dung des BGremBG auf die staat­li­chen Hoch­schu­len der Län­der fehlt es durch­weg an der drit­ten Vor­aus­set­zung. Kein Lan­des­recht sieht bis­lang ein irgend­wie gear­te­tes Bestim­mungs­recht des Bun­des für Auf­sichts­gre­mi­en oder ande­re Gre­mi­en vor. Soweit die Lan­des­hoch­schul­ge­set­ze Bestim­mungs­rech­te der Lan­des­re­gie­rung für Hoch­schul­rä­te vor­se­hen, legen sie regel­mä­ßig auch geschlech­ter­be­zo­ge­ne Quo­ten für die vom Land zu bestim­men­den Mit­glie­der fest.4
    Einen Son­der­fall stellt aller­dings das Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) dar. Das KIT ver­ei­nigt in einer Rechts­per­son eine Uni­ver­si­tät des Lan­des Baden-Würt­tem­berg und ein zur Helm­holtz-Gemein­schaft gehö­ren­des natio­na­les For­schungs­zen­trum, das aus dem For­schungs­zen­trum Karls­ru­he her­vor­ge­gan­gen ist. Nach § 7 Absatz 1 Satz 2 des KIT-Geset­zes des Lan­des Baden-Würt­tem­ber­g5 benen­nen Bund und Land jeweils einen Ver­tre­ter als Mit­glied in dem ins­ge­samt aus elf Mit­glie­dern bestehen­den Auf­sichts­rat.
    Für ihr Zusam­men­wir­ken in Fra­gen der Finan­zie­rung der Groß­for­schungs­auf­ga­be des KIT haben Bund und Land beim KIT eine staat­li­che Kom­mis­si­on der Finanz­mit­tel­ge­ber ein­ge­rich­tet, in der sie nach § 19 Absatz 1 Satz 2 KIT-Gesetz die Groß­for­schungs­auf­ga­be des KIT betref­fen­de gemein­sa­me Fra­gen bera­ten und in der Beschlüs­se und Ent­schei­dun­gen, die finan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen für einen der bei­den Zuwen­dungs­ge­ber haben, nicht gegen des­sen Stim­me getrof­fen wer­den dür­fen. Der Zustim­mung der Kom­mis­si­on bedür­fen nach § 19 Absatz 1 Satz 6 Nrn. 1 bis 9 unter ande­rem all­ge­mei­ne For1
    Gesetz vom 7. August 2021 (BGBl I 2021 S. 3311).
    2 Gesetz vom 24. April 2015 (BGBl I S. 642).
    3 Gesetz vom 24. April 2015 (BGBl IS. 642, 643) zuvor zuletzt geän­dert durch Art. 8 des Geset­zes vom 9. Juni 2021 (BGBl I S. 1614).
    4 vgl. etwa § 20 Abs. 3 Satz 1 LHG Baden-Würt­tem­berg wonach min­des­tens 40 % der Mit­glie­der Frau­en sein müs­sen.
    5 Gesetz über das Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie vom 14. 7. 2019 (GBl. 2009, 317).
    Ord­nung der Wis­sen­schaft 2022, ISSN 2197–9197
    Man­fred Löwisch und Jona­than Jocher
    Rele­vanz des FüPoG II für die Gre­mi­en­be­set­zung in Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen
    1 4 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 4 7 — 1 5 4
    6 Grund­ord­nung der Hoch­schu­le des Bun­des für öffent­li­che Ver­wal­tung
    vom 31. 8. 2018, GMBl 2018, 662.
    7 Hoch­schu­le des Bun­des für öffent­li­che Ver­wal­tung, Kura­to­ri­um
    https://www.hsbund.de/DE/01_Hochschule/15_Organe_Gremien/
    05_Kuratorium/kuratorium-node.html (abge­ru­fen am
    14.5.2022)
    8 § 62 Absatz 2 Lan­des­ge­setz Rhein­land-Pfalz in der Fas­sung vom
  3. 11.2010, GVBl. 2010, 503.
    9 Sie­he Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung über die Deut­sche Rich­ter­aka­de­mie
    vom 1. 3. 1993.
    10 Betei­li­gungs­be­richt des Bun­des 2020, Sei­te 6.
    schungs­zie­le und wich­ti­ge for­schungs­po­li­ti­sche und finan­zi­el­le
    Ange­le­gen­hei­ten (Nr. 1), der Struk­tur- und
    Ent­wick­lungs­plan (Nr. 2) und die Grund­sät­ze für die
    Ver­wen­dung der For­schungs- und Ent­wick­lungs­er­geb­nis­se,
    die bei der Wahr­neh­mung der Groß­for­schungs­auf­ga­be
    gewon­nen wer­den (Nr. 6).
    Nach § 19 Absatz 1 Satz 3 des Geset­zes wer­den die
    Mit­glie­der der Kom­mis­si­on vom Bund und vom Land
    benannt und vom Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Baden-Würt­tem­berg
    bestellt. Der­zeit benennt der Bund zwei
    Mit­glie­der.
    Auch auf die bei­den Bun­des­wehr­uni­ver­si­tä­ten in
    Mün­chen und Ham­burg ist das Gesetz nicht anwend­bar.
    Denn für kein Gre­mi­um die­ser Hoch­schu­len ist ein irgend­wie
    gear­te­tes Mit­glie­der­be­stim­mungs­recht des
    Bun­des gesetz­lich vor­ge­se­hen. Das Bil­dungs­zen­trum
    der Bun­des­wehr, das den Bil­dungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­pro­zess
    unter­halb der minis­te­ri­el­len Ebe­ne steu­ert
    und koor­di­niert, ist eine Bun­des­ober­be­hör­de.
    Hin­ge­gen besteht bei der Hoch­schu­le des Bun­des
    für öffent­li­che Ver­wal­tung in Mann­heim nach § 22 der
    Grund­ord­nung ein Kura­to­ri­um, in wel­ches das Bun­des­mi­nis­te­ri­um
    des Innern, das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung
    und For­schung und zustän­di­ge Bun­des­be­hör­den
    Kura­to­ren entsenden.6 Haupt­auf­ga­be des Kura­to­ri­ums
    ist die Auf­sicht über die Fach­be­rei­che der Hoch­schu­le.
    Es ent­schei­det aber auch über grund­sätz­li­che Zie­le der
    Hoch­schu­le in Leh­re und anwen­dungs­be­zo­ge­ner
    Forschung.7
    Der Bund ist einer der Trä­ger der Deut­schen Uni­ver­si­tät
    für Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten Spey­er. Als sol­cher
    ent­sen­det er nach § 62 des Lan­des­ge­set­zes Rhein­land-
    Pfalz über die­se Hoch­schu­le einen Ver­tre­ter in den
    Ver­wal­tungs­rat der Uni­ver­si­tät. Der Ver­wal­tungs­rat unter­stützt
    die Hoch­schu­le bei der Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben,
    ins­be­son­de­re der Aus- und Wei­ter­bil­dung von Ange­hö­ri­gen
    des öffent­li­chen Diens­tes, und berät sie in
    grund­sätz­li­chen Ange­le­gen­hei­ten, ins­be­son­de­re durch
    Erar­bei­tung von Kon­zep­ten zur Wei­ter­ent­wick­lung.
    Zum Erlass von Richt­li­ni­en für die wis­sen­schaft­li­che
    Aus- und Wei­ter­bil­dung ist sein Ein­ver­neh­men
    erforderlich.8
    In der Pro­gramm­kon­fe­renz der Deut­schen Rich­ter­aka­de­mie
    ist das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um mit einer
    Stim­me ver­tre­ten. Die Pro­gramm­kon­fe­renz legt das Arbeits­pro­gramm
    der Rich­ter­aka­de­mie in sei­nen Grund­zü­gen
    jeweils für ein Kalen­der­jahr fest und bestimmt
    ins­be­son­de­re Zahl, Dau­er und The­ma­tik der durch­zu­füh­ren­den
    Tagungen.9
    In Deutsch­land bestehen, soweit zu sehen, kei­ne Pri­vat­hoch­schu­len,
    an denen der Bund unmit­tel­bar oder
    mit­tel­bar betei­ligt ist. Dem­entspre­chend exis­tie­ren auch
    kei­ne Mit­glie­der­be­stim­mungs­rech­te des Bundes.
  4. Anwen­dung auf For­schungs­ein­rich­tun­gen
    Nach dem Betei­li­gungs­be­richt 2020 ver­fügt der Bund
    über 14 Betei­li­gun­gen aus dem Bereich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums
    für Bil­dung und For­schung, näm­lich
    • CISPA- Helm­holtz-Zen­trum für
    Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit,
    • Deut­sches Pri­ma­ten­zen­trum –Leib­niz-Insti­tut für
    Pri­ma­ten­for­schung,
    • Deut­sches Zen­trum für Hoch­schul- und
    Wis­sen­schafts­for­schung,
    • FIZ Karls­ru­he – Leib­niz-Insti­tut — für
    Infor­ma­ti­ons­in­fra­struk­tur,
    • For­schungs­zen­trum Jülich,
    • Futu­ri­um GmbH,
    • GSI Helm­holtz-Zen­trum für Schwer­io­nen­for­schung,
    • Helm­holtz-Zen­trum Mün­chen Deut­sches For­schungs­zen­trum
    für Gesund­heit und Umwelt,
    • Helm­holtz-Zen­trum Ber­lin für Mate­ria­li­en und
    Ener­gie,
    • Helm­holtz-Zen­trum für Infek­ti­ons­for­schung,
    • Helm­holtz-Zen­trum für Umwelt­for­schung,
    • Helm­holtz- Zen­trum Here­on (frü­her: Geest­hacht
    Zen­trum für Mate­ri­al- und Küs­ten­for­schung),
    • SPRIND GmbH
    • Wis­sen­schafts­zen­trum Ber­lin für Sozi­al­for­schung.
    10
    „Bei die­sen Betei­li­gun­gen han­delt es ganz über­wie­gend
    um Mehr­heits­be­tei­li­gun­gen.“ Nur beim Deut­schen
    Pri­ma­ten­zen­trum und beim FIZ Karls­ru­he beschränkt
    sich die Betei­li­gung auf 50,00 Pro­zent.
    Die Ein­rich­tun­gen, an denen die­se Betei­li­gun­gen bestehen,
    sind als GmbHs orga­ni­siert. Ihre Gesell­schafts­ver­trä­ge
    sehen die Bil­dung von Auf­sichts­rä­ten vor und
    Loe­wisch und Jocher · Rele­vanz des FüPoG II für die Gre­mi­en­be­set­zung 1 4 9
    11 Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Finan­zen, Alpha­be­ti­sche Zusam­men­stel­lung
    der Unter­neh­men, die mit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land
    i.S.d. § 15 AktG ver­bun­den sind sowie Alpha­be­ti­sche Zusam­men­stel­lung
    der recht­lich unselb­stän­di­gen Ein­rich­tun­gen des Bun­des,
    die dem Bund als herr­schen­dem Unter­neh­men zuzu­rech­nen
    sind, Stand 31. Dezem­ber 2020.
    12 Nach­weis wie Fn 10.
    13 Gesetz zur Ein­rich­tung des Deut­schen Ethik­rat vom 16.7.2007
    (BGBl. I Sei­te 1385).
    räu­men dem Bund in unter­schied­li­chem Umfang Ent­sen­de­rech­te
    ein. So wird von den neun Auf­sichts­rats­mit­glie­dern
    des CISPA – Zen­trums ein Mit­glied vom Bund
    ent­sandt. Beim For­schungs­zen­trum Jülich sind von
    zwölf Auf­sichts­rats­mit­glie­dern drei vom Bund ent­sand­te
    Mit­glie­der, bei Futu­ri­um fünf von elf, beim Helm­holtz-
    Zen­trum für Umwelt­for­schung drei von höchs­tens 13,
    beim Here­on Zen­trum drei von 16 und bei SPRIND drei
    von min­des­tens drei und höchs­tens zehn Mit­glie­dern.
    Beim Wis­sen­schafts­zen­trum Ber­lin für Sozi­al­for­schung
    wird der Vor­sit­zen­de des dort bestehen­den Kura­to­ri­ums
    vom Gesell­schaf­ter Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land benannt;
    zwei Mit­glie­der wer­den im Ein­ver­neh­men mit
    dem Deut­schen Bun­des­tag von der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung
    beru­fen.
    Infol­ge der Ent­sen­de­rech­te des Bun­des unter­lie­gen
    die­se Auf­sichts­rä­te nach des­sen § 2 in Ver­bin­dung mit
    § 3 Nr. 1 dem BGremBG.
    Der Bund ist auch abge­se­hen von die­sen Unter­neh­men
    mit wei­te­ren Unter­neh­men aus dem Bereich von
    Wis­sen­schaft und For­schung im Sin­ne des § 15 AktG
    ver­bun­den. Dies gilt etwa für das Deut­sche Bio­mas­se­for­schungs­zen­trum
    gGmbH, die FIM For­schungs­ge­sell­schaft
    für inte­grier­te Mobi­li­tät, die Gesell­schaft für For­schung
    zu inno­va­ti­ven Höhen­wind­an­la­gen mbH, die
    WIK Wis­sen­schaft­li­ches Insti­tut für Infra­struk­tur und
    Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te GmbH und die juris GmbH.11
    Auch für die­se Gesell­schaf­ten bestehen nach den Gesell­schafts­ver­trä­gen
    Ent­sen­de­rech­te des Bun­des zum
    Auf­sichts­rat mit der Fol­ge der Anwend­bar­keit des
    BGremBG. So setzt sich der aus fünf Mit­glie­dern bestehen­de
    Auf­sichts­rat der juris GmbH aus drei Ver­tre­tern
    des Gesell­schaf­ters Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, dar­un­ter
    einem Ange­hö­ri­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz
    als Vor­sit­zen­den und je einem von dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um
    der Finan­zen und dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um
    des Innern vor­ge­schla­ge­nen Mit­glied sowie zwei wei­te­ren
    Mit­glie­dern zusam­men.
    Wei­ter gibt es unselb­stän­di­ge Ein­rich­tun­gen, die
    dem Bund zuzu­rech­nen sind.12 Aus dem Bereich von
    Wis­sen­schaft und For­schung sind das u.a. das Bun­des­in­sti­tut
    für Bevöl­ke­rungs­for­schung, das Bun­des­in­sti­tut für
    Sport­wis­sen­schaft, das Paul-Ehr­lich-Insti­tut und das Robert-
    Koch-Insti­tut. Auch der Deut­sche Ethik­rat gehört
    hierher.13
    Soweit bei die­sen Ein­rich­tun­gen Gre­mi­en bestehen,
    kommt eine Anwen­dung des BGremBG in Betracht.
    Dies gilt etwa für die beim Robert-Koch-Insti­tut gebil­de­te
    Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on und den Deut­schen Ethik­rat.
    So wer­den nach § 20 Absatz 2 Infek­ti­ons­schutz­ge­setz
    die Mit­glie­der der Kom­mis­si­on vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um
    für Gesund­heit im Beneh­men mit den obers­ten Lan­des­ge­sund­heits­be­hör­den
    beru­fen. Nach § 5 Absatz 1 Eth-
    RG beruft der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­tags die
    Mit­glie­der des Deut­schen Ethik­rats je zur Hälf­te auf
    Vor­schlag des Deut­schen Bun­des­tags und der
    Bun­des­re­gie­rung.
    Die Max-Planck-Gesell­schaft zur För­de­rung der
    Wis­sen­schaf­ten ist als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein orga­ni­siert.
    Bei ihr besteht ein Senat, der nach § 13 der Sat­zung über
    alle Ange­le­gen­hei­ten beschlie­ßen kann, die nicht durch
    die Sat­zung der Haupt­ver­samm­lung vor­be­hal­ten sind.
    Gemäß § 12 Absatz 7 der Sat­zung kann die Bun­des­re­gie­rung
    zwei Bun­des­mi­nis­ter oder Staats­se­kre­tä­re als Mit­glie­der
    des Senats benen­nen. Die­se kön­nen im Ver­hin­de­rungs­fall
    die Aus­übung des Stimm­rechts einem Minis­ter
    oder Staats­se­kre­tär des­sel­ben Bun­des­mi­nis­te­ri­ums
    über­las­sen.
    Auch die Fraun­ho­fer-Gesell­schaft zur För­de­rung
    der ange­wand­ten For­schung ist als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein
    orga­ni­siert. Bei der Gesell­schaft besteht eben­falls ein Senat,
    dem nach § 12 Nr. 2 und Nr. 3 der Sat­zung umfas­sen­de
    Zustän­dig­kei­ten zukom­men. Nach § 10 Nr. 1 b der
    Sat­zung gehö­ren dem Senat vier vom Bund ent­sand­te
    Ver­tre­te­rin­nen oder Ver­tre­ter an.
    II. Beset­zung der Aufsichtsräte
  5. Vor­ga­ben des BGremBG
    Nach § 4 Absatz Satz 1 BGremBG sol­len in jedem Auf­sichts­gre­mi­um
    mit min­des­tens zwei vom Bund zu
    bestim­men­den Mit­glie­dern unter die­sen Frau­en und
    Män­ner zu glei­chen Tei­len ver­tre­ten sein. Steht dem
    Bund eine unge­ra­de Zahl von Sit­zen zu, darf das
    Ungleich­ge­wicht zwi­schen Frau­en und Män­nern nur
    einen Sitz betra­gen. Dies gilt für Neu­wah­len, Beru­fun­gen
    und Ent­sen­dun­gen, wobei bestehen­de Man­da­te bis
    zu ihrem Ende wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen (Absatz
    2).
    1 5 0 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 4 7 — 1 5 4
    14 Jarass/Pieroth, GG 16. Aufl. 2020, Art. 33 Rn 12; wei­ter Bat­tis in
    Sachs, GG 9. Auf­la­ge 2021, Art. 33 Rn 24.
    15 Jarass/Pieroth, GG 16. Aufl. 2020, Art. 33 Rn 28; vgl. wei­ter
    Bro­si­us-Gers­dorf in Drei­er, GG, 3. Aufl. 2015, Art. 33 Rn 96.
    16 BVerfG vom 14.4.1987, 1 BvR 775/84, BVerfGE 75, 192; BVerfG
    vom 10.3.1992, 1 BvR 454 u.a./91, BVerfGE 85, 360; Kem­pen in
    Epping/Hillgruber, Bek’scher Online-Kom­men­tar GG (Stand
    15.11.2021) Art. 5 Rn. 185.
    17 Zu die­sem Gesichts­punkt VGH Kas­sel, B 27.03.86 — 1 TG 678/86
    -, NVwZ 86,766 ‑768 = DVBl 87,425 ‑426; vgl OVG Saarl, U,
    30.11.00, — 1_R_10/00 — Dienst­li­che Beur­tei­lung — SKZ_01,106/26
    (L); vgl OVG Saarl, U, 19.11.01, — 1_R_4/01 — Dienstpostenübertragung
  • SKZ_02,158/26 (L).
    Auf­sichts­gre­mi­en, für wel­che der Bund gemäß
    § 3 Nr. 4 BGremBG Mit­glie­der bestim­men kann, sind bei
    den in der Rechts­form einer GmbH geführ­ten For­schungs­ein­rich­tun­gen
    deren Auf­sichts­rä­te. Ein Auf­sichts­gre­mi­um
    stellt auch das Kura­to­ri­um der Hoch­schu­le
    für öffent­li­che Ver­wal­tung des Bun­des dar.
    An sich ist auch der Auf­sichts­rat des KIT ein Auf­sichts­gre­mi­um.
    Doch schei­tert die Anwen­dung der Vor­schrift
    auf ihn dar­an, dass der Bund nur ein Mit­glied benennt.
    Glei­ches gilt für das CISPA – Zen­trum, in des­sen
    Auf­sichts­rat der Bund eben­falls nur ein Mit­glied
    ent­sen­det.
    Nicht anwend­bar ist die Vor­schrift auch auf das Kura­to­ri­um
    des Wis­sen­schafts­zen­trums Ber­lin, weil nach
    dem Gesell­schafts­ver­trag vom 23.09.2021 nur der Vor­sit­zen­de
    vom Bund als Gesell­schaf­ter benannt wird. Zwar
    wer­den zwei wei­te­re Mit­glie­der von der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung
    im Ein­ver­neh­men mit dem Deut­schen
    Bun­des­tag beru­fen; der Deut­sche Bun­des­tag zählt aber
    nicht zu den Insti­tu­tio­nen des Bun­des im Sin­ne von
    § 3 Nr. 3 BGremBG.
    Zur Ein­hal­tung der Vor­ga­ben des § 4 Absatz 1 Satz 1
    BGremBG sind je nach ihrer Zustän­dig­keit die Bun­des­re­gie­rung
    oder das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und
    For­schung nach Art. 20 Absatz 3 GG (Prin­zip der Gesetz­mä­ßig­keit
    der Ver­wal­tung) ver­pflich­tet. Dabei haben
    sie frei­lich auch mög­li­cher­wei­se wider­strei­ten­de Vor­ga­ben
    des Grund­ge­set­zes zu beach­ten. So muss in Rech­nung
    gestellt wer­den, dass sich das nach Art. 33 Abs. 2
    GG bestehen­de Recht auf glei­chen Zugang zu jedem öffent­li­chen
    Amt auf sämt­li­che vom Bund zu ver­ge­ben­de
    Posi­tio­nen, gleich­gül­tig ob öffent­lich-recht­lich oder pri­vat­recht­lich
    aus­ge­stal­tet, bezieht14 und damit auch das
    Amt als Auf­sichts­rats­mit­glied erfasst. Eine Bevor­zu­gung
    wegen des Geschlechts ist damit auch hier nur bei gleich­wer­ti­ger
    oder fast gleich­wer­ti­ger Eig­nung für das Amt
    des Auf­sichts­rats einer For­schungs­ein­rich­tung zuläs­sig.
    15 Auch bil­det die Wis­sen­schafts­frei­heit eine Schran­ke.
    Art. 5 Absatz 3 GG schützt nicht nur die ein­zel­nen
    Wis­sen­schaft­ler, son­dern auch die wis­sen­schaft­li­chen
    Ein­rich­tun­gen und damit neben den Hoch­schu­len auch
    pri­vat­recht­lich ver­fass­te Wissenschaftseinrichtungen.16
    Die Bestim­mung wis­sen­schafts­fer­ner Mit­glie­der fin­det
    hier ihre Gren­ze.
    Wenn nach § 4 Absatz 1 Satz 2 im Fal­le einer unge­ra­den
    Zahl von Sit­zen das Ungleich­ge­wicht nur einen Sitz
    betra­gen darf, bedeu­tet das nicht, dass Art. 33 Absatz 2
    GG und Art. 5 Absatz 3 Satz 1 GG inso­weit nicht zu beach­ten
    wären. Rich­tig ist nur, dass die offen gehal­te­ne
    Ent­schei­dung über einen Sitz in der Regel genü­gend
    Spiel­raum lässt, um sowohl dem Ziel des Geset­zes als
    auch die­sen Grund­rech­ten Rech­nung zu tra­gen.
    Droht bei der Bestim­mung der Mit­glie­der des Bun­des
    für einen Auf­sichts­rat ein Unter­schrei­ten der Vor­ga­ben
    des Absat­zes 1, hat nach Absatz 3 Satz 2 und 3 je nach
    Zustän­dig­keit die Bun­des­re­gie­rung oder das Bun­des­mi­nis­te­ri­um
    für Bil­dung und For­schung unver­züg­lich das
    Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren und Frau­en zu
    unter­rich­ten und die Grün­de für die dro­hen­de Unter­schrei­tung
    dar­zu­le­gen.
    Wei­te­re Rechts­fol­gen einer Unter­schrei­tung sieht das
    Gesetz nicht vor. Ins­be­son­de­re folgt aus der Unter­schrei­tung
    nicht die Unwirk­sam­keit der Bestel­lung des vom
    Bund bestimm­ten Mit­glieds des Auf­sichts­rats.
    Aller­dings sind bei der Bestim­mung von Auf­sichts­rats­mit­glie­dern
    über­gan­ge­ne Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber
    nicht gehin­dert, ihr aus Art. 33 Absatz 2 GG fol­gen­des
    Recht auf glei­chen Zugang zu einem öffent­li­chen
    Amt nach den dafür in der Recht­spre­chung der Ver­wal­tungs­ge­rich­te
    und der Arbeits­ge­rich­te ent­wi­ckel­ten
    Grund­sät­zen gel­tend zu machen. So kann der bis­he­ri­ge
    Amts­in­ha­ber rügen, dass bei der Neu­be­set­zung des Auf­sichts­rats­amts
    sei­ne gesam­mel­te fach­li­che Erfah­rung
    unbe­rück­sich­tigt geblie­ben ist.17
  1. Vor­ga­ben des Gesell­schafts­rechts
    a. Gesell­schaf­ten mit Mehr­heits­be­tei­li­gung des Bun­des
    Das FüPoG II hat in das Gesell­schafts­recht Son­der­vor­schrif­ten
    bei Betei­li­gung des Bun­des an einer Gesell­schaft
    ein­ge­fügt, wel­che ins­be­son­de­re auch die gleich­mä­ßi­ge
    Betei­li­gung der Geschlech­ter in den Auf­sichts­rä­ten
    för­dern sol­len: Nach § 96 Absatz 2 Satz 1 AktG muss
    sich bei bör­sen­no­tier­ten AGs, für die das Mit­be­stim­Lo­e­wisch
    und Jocher · Rele­vanz des FüPoG II für die Gre­mi­en­be­set­zung 1 5 1
    mungs­ge­setz, das Mon­tan-Mit­be­stim­mungs­ge­setz oder
    das Mit­be­stim­mungs­er­gän­zungs­ge­setz gilt, der Auf­sichts­rat
    zu min­des­tens 30 Pro­zent aus Frau­en und zu 30
    Pro­zent aus Män­nern zusam­men­set­zen. Die­ses Min­dest­an­teils­ge­bot
    hat der durch Art. 7 des FüPoG II in das
    AktG ein­ge­füg­te § 393 a in sei­nem Absatz 2 Nr. 2 für AGs
    mit Mehr­heits­be­tei­li­gung des Bun­des dahin erwei­tert,
    dass es unab­hän­gig von einer Bör­sen­no­tie­rung und
    einer Gel­tung der dort genann­ten Mit­be­stim­mungs­ge­set­ze
    gilt. Nach Absatz 3 des durch Art. 10 FüPoG II in
    das GmbHG ein­ge­füg­ten neu­en § 77a gilt § 96 Absatz 2
    AktG ent­spre­chend auch für die Zusam­men­set­zung des
    Auf­sichts­rats einer GmbH mit Mehr­heits­be­tei­li­gung des
    Bun­des unab­hän­gig von einer Gel­tung des Mit­be­stim­mungs­ge­set­zes,
    des Mon­tan-Mit­be­stim­mungs­ge­set­zes
    oder des Mit­be­stim­mungs­er­gän­zungs­ge­set­zes.
    Ergänzt wer­den die­se Bestim­mun­gen durch Neu­re­ge­lun­gen
    des Drit­tel­be­tei­li­gungs­ge­set­zes (Drit­telbG).
    Art. 22 Nr. 1 FüPoG II hat in des­sen § 4 einen Absatz 5
    ein­ge­fügt. Die­ser bestimmt, wie das Min­dest­an­teils­ge­bot
    in nach dem Drit­telbG mit­be­stimm­ten AG- und GmbHAuf­sichts­rä­ten
    mit Mehr­heits­be­tei­li­gung des Bun­des zu
    erfül­len ist.
    Dem Zusam­men­hang die­ser Rege­lun­gen ist sicher zu
    ent­neh­men, dass AGs und GmbHs, auch wenn für sie
    nicht eines der in § 393 a AktG oder § 77a GmbHG genann­ten
    Mit­be­stim­mungs­ge­set­ze son­dern nur das Drit­telbG
    gilt, nun­mehr grund­sätz­lich der Rege­lung des
    § 96 Absatz 2 AktG unter­fal­len. Wenn Stöhr dem­ge­gen­über
    für die GmbH meint, § 96 Absatz 2 AktG gel­te danach
    „in einer nach dem Mit­bestG bzw. dem Mon­tan-
    Mit­bestG mit­be­stimm­ten GmbH“ entsprechend18, geht
    das dar­an vor­bei, dass § 77a AktG die ent­spre­chen­de
    Gel­tung gera­de unab­hän­gig von der Gel­tung die­ser Mit­be­stim­mungs­ge­set­ze
    anord­net.
    Zu klä­ren bleibt, ob § 96 Absatz 2 AktG auch auf AGs
    und ent­spre­chend auf GmbHs anzu­wen­den ist, für die
    über­haupt kei­ne Unter­neh­mens­mit­be­stim­mung gilt.
    Hier­zu zählt ein­mal der Fall, dass eine Gesell­schaft die
    für die Gel­tung des Drit­telbG not­wen­di­ge Zahl von 500
    Arbeit­neh­mern gar nicht erreicht, und zum andern der
    Fall, dass eine Gesell­schaft, wie das auf For­schungs­ein­rich­tun­gen
    regel­mä­ßig zutrifft19, nach § 1 Absatz 4 Nr. 1
    Mit­bestG oder § 1 Absatz 2 Nr. 2 a Drit­telbG als Ten­denz­un­ter­neh­men
    von der Gel­tung die­ser Geset­ze aus­ge­nom­men
    ist.
    Zum ers­ten Fall: Weder der Wort­laut von § 393 a Absatz
    2 Nr. 2 AktG noch der Wort­laut von § 77a Absatz 3
    GmbHG unter­schei­den nach der Unter­neh­mens­grö­ße.
    Viel­mehr las­sen sie die Mehr­heits­be­tei­li­gung des Bun­des
    als Anwen­dungs­vor­aus­set­zung genü­gen. Mehr­heits­be­tei­li­gung
    des Bun­des liegt nach § 393 a Absatz 1 Nr. 1 und
    § 77 a Absatz 1 Nr. 1 GmbHG aber ohne Dif­fe­ren­zie­rung
    nach der Arbeit­neh­mer­zahl immer dann vor, wenn die
    Antei­le an der Gesell­schaft zur Mehr­heit vom Bund gehal­ten
    wer­den. Auf die Arbeit­neh­mer­zahl kommt es nur
    in dem in § 393 a Absatz 1 Nr. 3 AktG und § 77 a Absatz 1
    Nr. 3 GmbHG gere­gel­ten Aus­nah­me­fall einer mit­tel­ba­ren
    Betei­li­gung des Bun­des an.
    Vor allem aber das vom Gesetz­ge­ber ver­folg­te Ziel
    spricht für die Anwend­bar­keit unab­hän­gig von der Zahl
    der beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer. Das FüPoG II will über­all
    dort, wo dem Bund Rege­lungs­be­fug­nis­se zukom­men,
    eine geschlech­ter­ge­rech­te Auf­tei­lung der Auf­sichts­rats­sit­ze
    errei­chen. Für das Gewicht die­ses Ziels spielt die
    Zahl der beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer kei­ne Rol­le.
    Dass Auf­sichts­rä­te in nicht mit­be­stimm­ten GmbHs
    ihre Basis allein im Gesell­schafts­ver­trag haben, ändert
    nichts. Zwar führt die für einen sol­chen Auf­sichts­rat
    maß­ge­ben­de Ver­wei­sungs­vor­schrift des § 52 Absatz 1
    GmbHG den § 96 Absatz 2 AktG nicht auf. Doch ist die­ser
    Ver­weis in der in das GmbHG ein­ge­füg­ten zwin­gen­den
    Bestim­mung des § 77a Absatz 3 GmbHG ent­hal­ten.
    Es wäre ja auch wider­sprüch­lich, könn­te sich der Bund
    in Gesell­schaf­ten, an denen er mit Mehr­heit betei­ligt ist,
    dem von ihm auf­ge­stell­ten Min­dest­an­teils­ge­bot durch
    eine abwei­chen­de Rege­lung im Gesell­schafts­ver­trag
    ent­zie­hen.
    Zum zwei­ten Fall: Auch der Ten­denz­cha­rak­ter von
    For­schungs­ein­rich­tun­gen bie­tet ange­sichts die­ses Ziels
    kei­nen Anlass, die direk­te oder ent­spre­chen­de Anwen­dung
    von § 96 Absatz 2 AktG aus­zu­schlie­ßen. Das zeigt
    schon der Umstand, dass § 3 Nr. 2 a BGremBG Gre­mi­en
    beson­de­rer wis­sen­schaft­li­cher Bedeu­tung aus­drück­lich
    in sei­ne Rege­lung wesent­li­cher Gre­mi­en ein­be­zieht. Für
    Auf­sichts­rä­te von For­schungs­ein­rich­tun­gen kann nichts
    Ande­res gel­ten. Deren begrün­de­ten wis­sen­schaft­li­chen
    Belan­gen kann und muss jedoch bei den kon­kre­ten Beset­zungs­ent­schei­dun­gen
    Rech­nung getra­gen wer­den
    (sie­he unter 1).
    Die ent­spre­chen­de Gel­tung von § 96 Absatz 2 AktG
    hat zur Fol­ge, dass sich auch die Auf­sichts­rä­te von For­schungs­ein­rich­tun­gen,
    die als GmbH orga­ni­siert sind,
    zu min­des­tens 30 Pro­zent aus Frau­en und zu min­des­tens
    30 Pro­zent aus Män­nern zusam­men­set­zen müs­sen. Dabei
    ist nach § 96 Absatz 2 Satz 4 auf vol­le Per­so­nen­zah­len
    18 Stöhr, Die Aus­wir­kun­gen des FüPoG II auf das GmbHG: Eine
    kri­ti­sche Bestands­auf­nah­me, ZIP 2021, 2267, 2271.
    19 Löwisch/Kaiser/Klumpp/Klumpp, BetrVG 7. Auf­la­ge 2020, § 118
    Rn. 25 mit wei­te­ren Nach­wei­sen.
    1 5 2 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 4 7 — 1 5 4
    mathe­ma­tisch auf- bzw. abzu­run­den. Unter fünf bis acht
    Auf­sichts­rats­mit­glie­dern müs­sen damit min­des­tens zwei
    Frau­en und min­des­tens zwei Män­ner sein, unter neun
    bis elf min­des­tens jeweils drei, unter zwölf bis 14 jeweils
    vier, unter 15 bis 18 jeweils fünf, unter 19 bis 21 jeweils
    sechs und unter 22 bis 24 jeweils sie­ben.
    Dass nach § 4 Absatz 1 BGremBG unter den vom
    Bund zu bestim­men­den Mit­glie­dern Frau­en und Män­ner
    zu glei­chen Tei­len ver­tre­ten sein sol­len, erleich­tert
    die Erfül­lung des Min­dest­an­teils­ge­bots, kann je nach der
    Grö­ße des Auf­sichts­rats aber auch nicht aus­rei­chen.
    Reicht die Rege­lung des § 4 Absatz 1 nicht aus, muss das
    Min­dest­an­teils­ge­bot bei der Wahl oder sons­ti­gen Bestim­mung
    der übri­gen Mit­glie­der erfüllt wer­den.
    Nicht anders als bei der Bestim­mung der Mit­glie­der
    des Bun­des nach § 4 Absatz 1 BGremBG ist bei der Quo­ten­re­ge­lung
    des § 96 Absatz 2 AktG die durch Art. 5 Absatz
    3 GG geschütz­te Wis­sen­schafts­frei­heit zu beach­ten.
    Wür­de im kon­kre­ten Fall die Erfül­lung einer 30 – Pro­zent
    – Quo­te dazu füh­ren, dass eine für die wis­sen­schafts­re­le­van­te
    Arbeit des Auf­sichts­rats benö­tig­te Per­son
    dem Auf­sichts­rat nicht ange­hö­ren könn­te, muss das
    Min­dest­an­teils­ge­bot zurück­tre­ten.
    Anders als die Nicht­ein­hal­tung der Vor­ga­ben des
    § 4 Absatz 1 BGremBG hat der Ver­stoß gegen das Min­dest­an­teils­ge­bot
    eine unmit­tel­ba­re recht­li­che Kon­se­quenz:
    Nach § 96 Absatz 2 Satz 6 AktG sind dann Wahl
    und Ent­sen­dung der Mit­glie­der des Auf­sichts­rats nich­tig.
    Nich­tig­keit bedeu­tet dabei, dass für das unter­re­prä­sen­tier­te
    Geschlecht vor­zu­se­hen­de Sit­ze unbe­setzt blei­ben
    („lee­rer Stuhl“).20 Wird die Unter­re­prä­sen­ta­ti­on
    nicht beho­ben, erfolgt nach Maß­ga­be von § 104 AktG
    eine Bestel­lung durch das Gericht. Die inso­weit bei der
    GmbH ent­stan­de­ne Lücke muss durch ana­lo­ge Anwen­dung
    von § 104 AktG geschlos­sen wer­den.
    b. Ziel­grö­ßen­be­stim­mung
    AktG wie GmbHG ent­hal­ten für Gesell­schaf­ten, die bör­sen­no­tiert
    sind oder der Mit­be­stim­mung unter­lie­gen,
    Bestim­mun­gen über die Fest­le­gung von Ziel­grö­ßen des
    Frau­en­an­teils in den Auf­sichts­rä­ten. Die­se gel­ten unab­hän­gig
    davon, ob und in wel­cher Höhe der Bund an den
    Gesell­schaf­ten betei­ligt ist. Vor­aus­set­zung ist aber die
    Gel­tung der Mit­be­stim­mung min­des­tens nach dem Drit­telbG.
    Nach der Neu­fas­sung von § 111 Absatz 5 AktG, der
    nach § 52 Absatz 2 GmbHG auch für die GmbH gilt,
    müs­sen Vor­stand bzw. Geschäfts­füh­rung eine Ziel­grö­ße
    auch für den Auf­sichts­rat fest­le­gen, die den ange­streb­ten
    Frau­en­an­teil beschrei­ben und bei Anga­ben in Pro­zent
    vol­len Per­so­nen­zah­len ent­spre­chen muss. Die Fest­le­gung
    einer Ziel­grö­ße Null ist klar und ver­ständ­lich zu
    begrün­den. Liegt der Frau­en­an­teil bei der Fest­le­gung der
    Ziel­grö­ße unter 30 Pro­zent, darf eine spä­ter erneut fest­ge­leg­te
    Ziel­grö­ße den jeweils erreich­ten Anteil nicht
    mehr unter­schrei­ten.
    Dass die Gel­tung der Mit­be­stim­mung min­des­tens
    nach dem Drit­telbG Vor­aus­set­zung ist, hat zur Fol­ge,
    dass Ten­denz­un­ter­neh­men und damit auch For­schungs­ein­rich­tun­gen
    von die­ser Rege­lung nicht erfasst
    wer­den (§ 1 Absatz 4 Nr. 1 Mit­bestG, § Absatz 2 Nr. 2a
    Drit­telbG). Auf­grund ihrer Sat­zungs­au­to­no­mie steht es
    den Gesell­schaf­tern aber frei, im Gesell­schafts­ver­trag
    sol­che Ziel­grö­ßen fest­zu­le­gen. Dafür kann der Bund,
    wenn er an der Gesell­schaft betei­ligt ist, sei­nen Ein­fluss
    nut­zen.
  2. Exkurs: Rege­lun­gen für Vor­stän­de und Geschäfts­füh­rer
    Das FüPoG II hat auch die Vor­schif­ten für die Beset­zung
    der Vor­stän­de von AGs und der Geschäfts­füh­run­gen
    von GmbHs wei­ter­ent­wi­ckelt. Nach § 393 a Absatz 2 in
    Ver­bin­dung mit § 76 a AktG müs­sen bei Mehr­heits­be­tei­li­gung
    des Bun­des in Vor­stän­den, die aus mehr als drei
    Per­so­nen bestehen, min­des­tens eine Frau und ein Mann
    Mit­glied sein. Glei­ches gilt nach § 77a Absatz 2 GmbHG
    für eine aus mehr als zwei Per­so­nen bestehen­de
    Geschäfts­füh­rung.
    Ein­ge­führt wor­den ist auch eine „Stay on Board“-
    Rege­lung, wel­che Füh­rungs­per­so­nen ihr Amt auch in
    Fäl­len sichern soll, in denen sie wegen Schwan­ger­schaft,
    Eltern­zeit, Sor­ge für Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge oder Krank­heit
    aus­fal­len: Gemäß § 84 Absatz 3 AktG hat das Mit­glied eines
    Vor­stands, der aus meh­re­ren Mit­glie­dern besteht,
    das Recht den Auf­sichts­rat um den Wider­ruf sei­ner Bestel­lung
    ver­bun­den mit der Zusi­che­rung der Wie­der­be­stel­lung
    nach Ablauf der Schutz­fris­ten zu ersu­chen,
    wenn es wegen Mut­ter­schutz, Eltern­zeit, der Pfle­ge eines
    Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen oder Krank­heit sei­nen mit der Bestel­lung
    ver­bun­de­nen Pflich­ten vor­über­ge­hend nicht
    nach­kom­men kann. Glei­ches gilt nach § 38 Absatz 3
    GmbHG für die Geschäfts­füh­rer einer GmbH, soweit
    min­des­tens ein wei­te­rer Geschäfts­füh­rer bestellt ist.
  3. Über­nah­me durch die Län­der
    Nach § 393 a Absatz 3 AktG und § 77a Absatz 4 GmbHG
    kön­nen die Län­der die Vor­ga­ben auf die Gesell­schaf­ten
    erstre­cken, an denen eine Mehr­heits­be­tei­li­gung des Lan­des
    besteht.
    20 Hüffer/Koch, Akti­en­ge­setz 14. Aufl. 2020, § 96 Rn. 23.
    Loe­wisch und Jocher · Rele­vanz des FüPoG II für die Gre­mi­en­be­set­zung 1 5 3
    Die­se Öff­nungs­klau­seln tra­gen der mit dem AktG
    und dem GmbHG als Teil der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung
    des Bun­des nach Art. 72 Abs. 1 GG an sich ver­bun­de­nen
    Sperr­wir­kung Rech­nung. Erfasst wer­den alle
    AGs und GmbHs, an denen eine Mehr­heits­be­tei­li­gung
    des betref­fen­den Lan­des besteht. Ob die Gesell­schaft in
    dem betref­fen­den Land auch ihren Sitz hat, ist
    uner­heb­lich.
    III. Beset­zung wesent­li­cher Gremien
  4. Bestim­mung von min­des­tens zwei Mit­glie­dern
    Wie die Bezug­nah­me auf § 4 Absatz 1 Satz 1 BGremBG
    ergibt, setzt die in § 4 Absatz 1 Satz 3 BGremBG fest­ge­leg­te
    Pflicht, auf pari­tä­ti­sche Beset­zung hin­zu­wir­ken,
    vor­aus, dass der Bund min­des­tens zwei Mit­glie­der des
    Gre­mi­ums zu bestim­men hat. Einen zu bestim­men­den
    Sitz auf­zu­tei­len oder alter­nie­rend mit einer Frau und
    einem Mann zu beset­zen, ist nicht vor­ge­se­hen.
    Dem­entspre­chend ist das BGremBG auf die Ver­tre­tung
    des Bun­des im Ver­wal­tungs­rat der Deut­schen Uni­ver­si­tät
    für Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten und die Ent­sen­dung
    des Bun­des­ver­tre­ters in die Pro­gramm­kon­fe­renz
    der Deut­schen Rich­ter­aka­de­mie nicht anwendbar.
  5. Bestim­mung der Wesent­lich­keit
    Kraft Geset­zes als wesent­lich gel­ten nach § 3 Nr. 2 a
    BGremBG Gre­mi­en, bei denen die Bun­des­re­gie­rung als
    Gesamt­heit die Mit­glied­schaft min­des­tens eines Mit­glieds
    zu beschlie­ßen oder zur Kennt­nis zu neh­men hat.
    Das trifft auf den Senat der Max-Planck-Gesell­schaft
    zu: Die bei­den Mit­glie­der des Bun­des im Senat
    sind nach § 12 Absatz 7 der Sat­zung von der Bun­des­re­gie­rung
    zu benen­nen und damit im Sin­ne von § 3 Nr. 4
    BGremBG von ihr zu bestim­men.
    Auch der Deut­sche Ethik­rat gehört hier­her, da sei­ne
    26 Mit­glie­der zwar vom Prä­si­den­ten des Deut­schen
    Bun­des­ta­ges beru­fen, aber die Häl­fe von Ihnen von der
    Bun­des­re­gie­rung als Insti­tu­ti­on des Bun­des im Sin­ne
    von § 3 Nr. 3 BGremBG vor­ge­schla­gen wer­den.
    Die Wesent­lich­keit ande­rer Gre­mi­en setzt nach § 3
    Nr. 2 b BGremBG vor­aus, dass sie wegen ihrer beson­de­ren
    tat­säch­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen oder zukunfts­re­le­van­ten
    Bedeu­tung von der zustän­di­gen Insti­tu­ti­on des
    Bun­des als wesent­li­ches Gre­mi­um bestimmt wor­den
    sind.
    Das gilt ein­mal für die Fraun­ho­fer-Gesell­schaft. Deren
    Sat­zung macht in § 10 Nr.1 b die Mit­glied­schaft der
    Ver­tre­ter des Bun­des nicht davon abhän­gig, dass die
    Bun­des­re­gie­rung über die Ent­sen­dung ent­schei­det. Des­halb
    muss die zustän­di­ge Insti­tu­ti­on des Bun­des, hier
    das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung,
    über die Bestim­mung als wesent­lich ent­schei­den. Dass
    dem Senat der Fraun­ho­fer-Gesell­schaft ange­sichts sei­ner
    umfas­sen­den Zustän­dig­keit einer­seits und ange­sichts
    der Bedeu­tung der Fraun­ho­fer-Insti­tu­te für die ange­wand­te
    For­schung in Deutsch­land ande­rer­seits beson­de­re
    tat­säch­li­che, wis­sen­schaft­li­che und zukunfts­re­le­van­te
    Bedeu­tung im Sin­ne von § 3 Nr. 2 b BGremBG zukommt,
    ist zwei­fels­frei. Dem­entspre­chend ist das Bun­des­mi­nis­te­ri­um
    für Bil­dung und For­schung gehal­ten, den Senat
    als wesent­li­ches Gre­mi­um zu bestim­men.
    Auch die staat­li­che Kom­mis­si­on der Finanz­mit­tel­ge­ber
    für das KIT hat ange­sichts ihrer Bera­tungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se
    für die Groß­for­schungs­ein­rich­tung
    KIT beson­de­re tat­säch­li­che, wis­sen­schaft­li­che und
    zukunfts­re­le­van­te Bedeu­tung. Die Anwen­dung des
    BGremBG auf die Kom­mis­si­on setzt nach § 3 Nr. 2 des
    Geset­zes eben­falls vor­aus, dass die zustän­di­ge Insti­tu­ti­on
    des Bun­des, also das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung
    und For­schung, sie als wesent­lich bestimmt. Das ist
    erfolgt.21
  6. Hin­wir­kungs­pflicht
    Nach § 4 Absatz 1 Satz 3 BGremBG haben die Insti­tu­tio­nen
    des Bun­des bei jedem wesent­li­chen Gre­mi­um dar­auf
    hin­zu­wir­ken, dass eine pari­tä­ti­sche Ver­tre­tung von
    Frau­en und Män­nern nach § 4 Absatz 1 Sät­ze 1 und 2
    geschaf­fen oder erhal­ten wird. Wie aus der Bezug­nah­me
    auf Satz 1 folgt, ist Ziel eine jeweils glei­che Anzahl von
    Frau­en und Män­nern in dem betref­fen­den Gre­mi­um.
    Steht dem Bund eine unge­ra­de Zahl von Sit­zen zu, darf
    das Ungleich­ge­wicht zwi­schen Frau­en und Män­nern nur
    einen Sitz betra­gen (Satz 2). Die Hin­wir­kungs­pflicht
    trifft je nach ihrer Zustän­dig­keit die Bun­des­re­gie­rung
    oder das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung.
    Beim Deut­schen Ethik­rat ist das für die Hälf­te
    der Mit­glie­der die Bun­des­re­gie­rung.
    Durch Bezug­nah­me auf Satz 1 ist die Hin­wir­kungs­pflicht
    als Soll­vor­schrift aus­ge­stal­tet. Das bedeu­tet nach
    all­ge­mei­nen Grund­sät­zen, dass die Ver­pflich­tung im Regel­fall
    strikt ein­zu­hal­ten ist und Abwei­chun­gen nur in
    aty­pi­schen Fäl­len zuläs­sig sind, in denen kon­kre­te Grün­de
    für das Abwei­chen von der Norm sprechen.22 Sol­che
    Grün­de sind auch hier das nach Art. 33 Absatz. 2 GG bestehen­de
    Recht auf glei­chen Zugang zu einem öffent­li-
    21 Aus­kunft des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung
    vom 16. 3. 2022.
    22 Vgl. Kopp/Ramsauer, Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz, 20. Aufl.
    2019, § 40 Rn. 64.
    1 5 4 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 4 7 — 1 5 4
    chen Amt, das eine Bevor­zu­gung wegen des Geschlechts
    nur bei gleich­wer­ti­ger oder fast gleich­wer­ti­ger Eig­nung
    zulässt23, sowie die Wis­sen­schafts­frei­heit der betrof­fe­nen
    Ein­rich­tung, wel­che der Bestim­mung wis­sen­schafts­fer­ner
    Mit­glie­der Gren­zen zieht.24 Ande­re Grün­de, etwa
    das Bestre­ben nach aus­ge­wo­ge­ner Ver­tre­tung der in einer
    Koali­ti­on ver­tre­te­nen Par­tei­en, rei­chen nicht aus.
  7. Vor­la­ge an das Frau­en­mi­nis­te­ri­um
    Droht bei der Bestim­mung der Mit­glie­der des Bun­des
    für ein wesent­li­ches Gre­mi­um ein Unter­schrei­ten der
    Vor­ga­ben des Absat­zes 1, habe nach Absatz 3 Satz 2 und
    3 auch hier je nach Zustän­dig­keit die Bun­des­re­gie­rung
    oder das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung
    unver­züg­lich das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren
    und Frau­en zu unter­rich­ten und die Grün­de für die
    dro­hen­de Unter­schrei­tung dar­zu­le­gen.
    Wei­te­re Rechts­fol­gen einer Unter­schrei­tung sieht das
    Gesetz auch hier nicht vor. Ins­be­son­de­re folgt aus der
    Unter­schrei­tung nicht die Unwirk­sam­keit der Bestel­lung
    des vom Bund bestimm­ten Mit­glieds des wesent­li­chen
    Gre­mi­ums.
    Aller­dings sind auch bei der Bestim­mung von Gre­mi­en­mit­glie­dern
    über­gan­ge­ne Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber
    nicht gehin­dert, ihr aus Art. 33 Absatz 2 GG fol­gen­des
    Recht auf glei­chen Zugang zu einem öffent­li­chen
    Amt nach den dafür in der Recht­spre­chung der Ver­wal­tungs­ge­rich­te
    und der Arbeits­ge­rich­te ent­wi­ckel­ten
    Grund­sät­zen gel­tend zu machen, etwa zu rügen, dass bei
    der Neu­be­set­zung eines Auf­sichts­rats­amts die vom bis­he­ri­gen
    Amts­in­ha­ber gesam­mel­te fach­li­che Erfah­rung
    unbe­rück­sich­tigt geblie­ben ist.25
    Man­fred Löwisch ist Pro­fes­sor an der Albert-Lud­wig-
    Uni­ver­si­tät Frei­burg und Lei­ter der For­schungs­stel­le
    für Hoch­schul­recht und Hoch­schul­ar­beits­recht.
    Jona­than Tim Jocher ist Rechts­re­fe­ren­dar am Land­ge­richt
    Frei­burg
    23 Oben unter II 1 iVm Fn 15.
    24 Oben unter II 1 iVm Fn 16.
    25 Oben unter II 1 iVm Fn 17.