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Die Fra­ge, wer unter wel­chen Umstän­den berech­tigt ist, ein grund­stän­di­ges oder wei­ter­füh­ren­des Stu­di­um auf­zu­neh­men, ist von hoher gesell­schaft­li­cher, öko­no­mi­scher, aber auch grund­recht­li­cher Bedeu­tung. Mit der Öff­nung, also der Aus­wei­tung auf berufs­prak­ti­sche Qua­li­fi­ka­tio­nen, wächst der Kreis der Zugangs­be­rech­tig­ten. Dies gibt Anlass, die grund­le­gen­de Sys­te­ma­tik die­ses Teil­be­reichs des Hoch­schul­rechts zu beleuch­ten und dabei auch auf aktu­el­le Fra­gen, etwa Chan­cen und Gren­zen der Digi­ta­li­sie­rung, ein­zu­ge­hen.
I. Ein­lei­ten­des
Die Bedeu­tung des ter­tiä­ren Bil­dungs­be­reichs nimmt welt­weit und andau­ernd zu.1 Damit ein­her geht die Fra­ge nach der Berech­ti­gung zum Hoch­schul­zu­gang. Die­se kann auf ver­schie­de­nen Wegen erreicht wer­den: Tra­di­tio­nell im Rah­men der Schul­lauf­bahn, zuneh­mend aber auch im Wege beruf­li­cher Qua­li­fi­ka­tio­nen. Die Gewähr von Aus­bil­dungs­res­sour­cen ist Rege­lungs­ge­gen­stand natio­na­ler Geset­ze, in Deutsch­land im Wesent­li­chen der Län­der. Zugleich sind Hoch­schu­len – von jeher und wesen­s­im­ma­nent – auf inter­na­tio­na­le Ein­flüs­se ange­wie­sen und Ziel trans­na­tio­na­ler Wan­de­rungs­be­we­gun­gen. Somit begeg­nen sich hier einer­seits Vor­stel­lun­gen loka­ler und bereichs­spe­zi­fi­scher Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit und ande­rer­seits Erfor­der­nis­se Bun­des­län­der-über­grei­fen­der, bis hin zu inter­na­tio­na­ler Kompatibilität.2
In recht­li­cher Hin­sicht müs­sen die Nor­men des Zugangs­rechts mit dem Grund­ge­setz und dem EU-Recht ver­ein­bar sein.3 Zugleich sind orga­ni­sa­to­ri­sche Aspek­te im Blick zu behal­ten, die viel­fach der Zugangs- bzw. Zulas­sungs­ent­schei­dung vor­ge­la­gert sind und somit einen fak­ti­schen Ein­fluss auf den Hoch­schul­zu­gang ent­fal­ten. Dies betrifft etwa den zeit­kri­ti­schen Trans­fer von Doku­men­ten zwi­schen Bewer­bern und Hoch­schu­len und die Veri­fi­ka­ti­on von Daten. Das „Bür­ger­recht auf Bildung“4 darf aber gera­de nicht zu pau­schal unter den Vor­be­halt der Ver­fah­rens­öko­no­mie gestellt wer­den, son­dern sei­ne mög­lichst effek­ti­ve Durch­set­zung rich­tet sich nach den „Mög­lich­kei­ten der Daten­ver­ar­bei­tung“, wie das BVerfG 2017 hervorhob5 – und dies kann eine Ver­ein­fa­chung des Bewer­bungs­pro­zes­ses und damit die Reduk­ti­on von Hin­der­nis­sen gebie­ten.
Tra­di­tio­nell fokus­siert sich die hoch­schul­recht­li­che Dis­kus­si­on im Zusam­men­hang mit der Auf­nah­me des Stu­di­ums auf den Nume­rus clau­sus – und damit vor allem auf das Hoch­schul­zu­las­sungs­recht. Die­ses regelt die kapa­zi­täts­be­ding­te Aus­wahl zwi­schen meh­re­ren prin­zi­pi­ell in glei­cher Wei­se Berechtigten.6 Hier hat das BVerfG 2017 im Rah­men der Nume­rus clau­sus III-Ent­schei­dung neue Impul­se gegeben.7 In die­sem Bei­trag soll statt­des­sen auf die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen des Hoch­schul­zu­gangs ein­ge­gan­gen wer­den und zwar im grund­stän­di­gen und im Mas­ter­be­reich (II.). Wei­ter wer­den orga­ni­sa­to­ri­sche Aspek­te beleuch­tet und Mög­lich­kei­ten der Digi­ta­li­sie­rung in den Blick genom­men (III.).
1 Dass Men­schen kraft ihres Wis­sens eine gott­glei­che Exis­tenz anstre­ben wer­den, sieht Yuval N. Hara­ri vor­aus. Y. N. Hara­ri, Homo Deus, Eine Geschich­te von Mor­gen, 2015, S. 38 ff.; zur „Ver­meh­rung, Ver­dich­tung“ und „Ver­tei­lung“ des Wis­sens im 19. Jahr­hun­dert vgl. J. Oster­ham­mel, Die Ver­wand­lung der Welt, 2011, S. 1105 ff. vgl. zum Gan­zen P. Bur­ke, Die Explo­si­on des Wis­sens, 2014, S. 294 ff.
2 Vgl. M.-E. Geis, Bil­dungs­fö­de­ra­lis­mus und Zen­tral­ab­itur, RdJB 2019, 241 (244 f.); M. Bode, Hoch­schul­zu­las­sungs­recht im Span­nungs­feld von gesamt­staat­li­cher Pla­nung und loka­ler Gerech­tig­keit – Ein Bei­trag zum ers­ten Nume­rus clau­sus-Urteil, WissR 2013, 348 (359).
3 Vgl. hier­zu K. Hail­bron­ner, Ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen des Hoch­schul­zu­gangs, WissR 1996, 1 (1 ff.).
4 Vgl. R. Dah­ren­dorf, Bil­dung ist Bür­ger­recht, Plä­doy­er für eine akti­ve Bil­dungs­po­li­tik, 1966.
5 BVerfGE 147, 253 (320).
6 Vgl. grund­le­gend J. F. Lind­ner, in: M. Hartmer/H. Detmer, Hoch­schul­recht, 3. Aufl. 2017, Kap. 11, Rn. 97 ff.; M.-E. Geis, in: ders., Hoch­schul­recht im Frei­staat Bay­ern, 2. Aufl., 2017, Kap. 2, Rn. 57 ff.; ders., Die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum „Recht auf Bil­dung“ in den Jah­ren 1972–1977, WissR, Bei­heft 18, 2007, 9 ff.
7 D. Wolff/P. Zim­mer­mann, Gesetz­ge­be­ri­sche Stra­te­gien für die Ver­tei­lung von Medi­zin­stu­di­en­plät­zen, WissR 2018, 159 (159 ff.); P. Zim­mer­mann, Die Aus­wahl­kri­te­ri­en bei der Stand­platz­ver­ga­be vor dem Hin­ter­grund des drit­ten Nume­rus clau­sus-Urteils des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Wirt­schaft und Ver­wal­tung, 2020, 123 (123 ff.); A. Klaf­ki, Grund­rechts­schutz im Hoch­schul­zu­las­sungs­recht, JZ 2018, 541 (541 ff.); B. Frei­in zu Kny­p­hau­sen, Das Hoch­schul­zu­las­sungs­recht auf dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Prüf­stand, 2021.
Ord­nung der Wis­sen­schaft 2022, ISSN 2197–9197
Mat­thi­as Bode
Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung: Aktu­el­le Ent­wick­lun­gen auf dem Gebiet des Hoch­schul-
zugangs­rechts
1 8 2 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
8 Vgl. grds. BVerfGE 33, 303 (329); M. Ruf­fert, in: V. Epping/
C. Hill­gru­ber, Beck­OK Grund­ge­setz, 50. Edi­ti­on, 2022,
Art. 12 Rn. 45.1.
9 BVerfGE 7, 377 (377 ff.).
10 Rei­chen auf der ers­ten Stu­fe noch ver­nünf­ti­ge Erwä­gun­gen des
All­ge­mein­wohls, so müs­sen Ein­grif­fe auf der zwei­ten Stu­fe dem
Schutz eines wich­ti­gen Gemein­schafts­gu­tes bzw. auf drit­ter Stu­fe
der Abwen­dung schwe­rer und nach­weis­ba­rer Gefah­ren für ein
über­ra­gend wich­ti­ges Gemein­schafts­gut die­nen. Vgl. BVerfGE 7,
377 (405 ff.); M. Ruf­fert (Fn. 8), Art. 12 Rn. 93 ff.
11 Die Nume­rus clau­sus III-Ent­schei­dung erwähnt die Theo­rie nicht
ein­mal mehr. Vgl. BVerfGE 147, 253 (253 ff.).
12 Lind­ner (Fn. 6), Rn. 56; Hail­bron­ner (Fn. 3), 1 (16).
13 BVerfGE 33, 303 (338).
14 J. Lüth­je, Umden­ken im Kapa­zi­täts­recht, WissR Bei­heft 18, 2007,
27 (31); M. Feh­ling, Die Ver­tei­lung des Man­gels — Zum neu­en
Nume­rus Clau­sus-Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, RdJB
2018, 100 (110).
15 Berl­VerfGH, NVwZ 2009, 243 (243); HH OVG, Beschl. v. 17.2.2015
– 3 Nc 260/14 –, juris, Rn. 13.
16 Klaf­ki (Fn. 7), 541 (549).
17 Zu Kny­p­hau­sen (Fn. 7), S. 103 f.
18 M. Bode, Hoch­schul­zu­gang und Hoch­schul­zu­las­sung, in: M. E.
Geis, Hoch­schul­recht in Bund und Län­dern, 58. Aktua­li­sie­rung,
2022, Rn. 240, 249 ff.
II. Hoch­schul­zu­gang als Rechts­fra­ge
Der Zugang zum Hoch­schul­stu­di­um als einer Aus­bil­dungs­stät­te
im Sin­ne des Art. 12 Abs. 1 GG wird ver­fas­sungs­recht­lich
geschützt. Die Kon­kre­ti­sie­rung obliegt
aber in wei­ten Tei­len dem ein­fa­chen Gesetz­ge­ber, inzwi­schen
den Län­dern (1.). Ten­den­zi­ell erwei­tern die­se die
Mög­lich­kei­ten des Hoch­schul­be­suchs, zuletzt etwa für
Beruf­lich Qua­li­fi­zier­te. Auch die Aner­ken­nungs­vor­schrif­ten
des Euro­päi­schen Hoch­schul­rau­mes füh­ren zu
einer Aus­wei­tung des Krei­ses der Berech­tig­ten (2.). Ähn­li­ches
gilt für die wei­ter­füh­ren­den Stu­di­en­gän­ge im Mas­ter­be­reich,
wobei hier die Rege­lun­gen stär­ker von den
Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Stu­di­en­gan­ges abhän­gen
(3.).

  1. Ver­fas­sungs­recht­li­che Ein­ord­nung
    Die Hoch­schu­le ist „Aus­bil­dungs­stät­te“ im Sin­ne des
    Art. 12 Abs. 1 S. 1 GG; der Zugang zu ihr wird damit von
    der Berufs­frei­heit geschützt.8 Für eine Beschrän­kung der
    Berufs­frei­heit gel­ten die vom BVerfG im sog. Apo­the­ken-
    Urteil auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze der Drei-Stu­fen-
    Leh­re, einer modi­fi­zier­ten Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung.
    9 Auf der ers­ten Stu­fe ste­hen blo­ße Berufs­aus­übungs­re­ge­lun­gen,
    die allein die Art und Wei­se der
    Tätig­keit betref­fen. Sub­jek­ti­ve Berufs­wahl­re­ge­lun­gen
    ste­hen auf der zwei­ten Stu­fe und betref­fen die Auf­nah­me
    des Beru­fes und knüp­fen an Kri­te­ri­en an, die in der Per­son
    des Ein­zel­nen lie­gen. Als objek­ti­ve Berufs­wahl­re­ge­lun­gen
    – auf drit­ter Stu­fe – sind gene­rel­le Unter­sa­gun­gen,
    etwa aus über­ge­ord­ne­ten Grün­den her­aus, anzu­se­hen.
    Von Stu­fe zu Stu­fe stei­gen die
    Recht­fer­ti­gungs­er­for­der­nis­se an.10 Auch wenn die­se
    Leh­re in der gericht­li­chen Pra­xis zuneh­mend einer gene­rel­len
    Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung weicht,11 ist sie doch
    nach wie vor hilf­reich, um die Recht­fer­ti­gungs­er­for­der­nis­se
    für staat­li­che – also par­la­ments­ge­setz­li­che, ver­ord­nungs-
    oder sat­zungs­recht­li­che – Nor­men zu ver­deut­li­chen.
    Der Zugang zur Hoch­schu­le lässt sich aller­dings
    nicht pau­schal einer die­ser genann­ten Stu­fen zuord­nen;
    viel­mehr kommt es auf die kon­kre­ten Umstän­de an. Das
    gene­rel­le Erfor­der­nis einer Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    zur Auf­nah­me des Stu­di­ums wird als sub­jek­ti­ve
    Zugangs­re­ge­lung der zwei­ten Stu­fe ange­se­hen und ist
    gerecht­fer­tigt, weil sie die Stu­di­en­qua­li­tät als wich­ti­ges
    Gemein­schafts­gut absichert.12
    Soweit ein Über­hang an Stu­di­en­be­wer­bern für einen
    grund­stän­di­gen Stu­di­en­gang besteht und eine Aus­wahl­ent­schei­dung
    zwi­schen die­sen erfor­der­lich wird, han­delt
    es sich um eine Fra­ge der Hoch­schul­zu­las­sung. Rege­lun­gen
    in die­sem Bereich sind aus Sicht des BVerfG als objek­ti­ve
    Berufs­wahl­re­ge­lung, also als die inten­sivs­te Form
    der Ein­schrän­kung, zu klassifizieren.13 Dies sol­le jeden­falls
    dann gel­ten, wenn der betrof­fe­ne, auf den Beruf vor­be­rei­ten­de
    Stu­di­en­gang an allen deut­schen Hoch­schu­len
    zulas­sungs­be­schränkt sei (sog. abso­lu­ter Nume­rus clau­sus).
    Soweit das Stu­di­um ande­ren­orts zulas­sungs­frei auf­ge­nom­men
    wer­den kann, also ledig­lich eine ört­li­che Zulas­sungs­be­schrän­kung
    vor­liegt (sog. rela­ti­ver Nume­rus
    clau­sus), ist die Ein­ord­nung umstrit­ten: Zum Teil wird
    von einer blo­ßen Berufs­aus­übungs­re­ge­lung, also der
    nied­rigs­ten Stu­fe, ausgegangen.14 Die­se Ansicht über­sieht
    aller­dings, dass bereits das Erfor­der­nis der indi­vi­du­el­len
    Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung eine sub­jek­ti­ve
    Berufs­wahl­re­ge­lung dar­stellt. Im Übri­gen schützt die
    Wahl der Aus­bil­dungs­stät­te auch die Wahl ihres Ortes,15
    ins­be­son­de­re wenn es sich um einen nahe­zu bun­des­weit
    zulas­sungs­be­schränk­ten Stu­di­en­gang han­delt. Dem­entspre­chend
    ist von einer subjektiven16 oder sogar einer
    objek­ti­ven Berufs­wahl­re­ge­lung auszugehen.17 Letz­te­re
    Ansicht dürf­te ins­be­son­de­re bei klei­nen, bzw. sehr spe­zi­fi­schen
    und beson­ders nach­ge­frag­ten Stu­di­en­gän­gen zuzu­stim­men
    sein, da eine Ver­wei­sung auf einen ande­ren
    Stu­di­en­ort in aller Regel dann ein „ande­res“ Stu­di­um bedeu­tet.
    18 Auch die Zulas­sungs­be­schrän­kung zu einem
    Zweit- oder Dritt­stu­di­um ist als objek­ti­ve Zugangs­re­ge­lung
    zu ver­ste­hen, und es herrscht inso­weit Einig­keit,
    Bode · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 8 3
    19 BVerfG, Beschl. v. 3.11.1982 — 1 BvR 900/78 = NVwZ 1983,
    277 (279).
    20 Ein Zugangs­an­spruch zu einem kon­se­ku­ti­ven Mas­ter­stu­di­en­gang
    ergibt sich für beruf­lich Qua­li­fi­zier­te ohne Hoch­schul­ab­schluss
    aller­dings weder aus Art. 12 Abs. 1 S. 1 GG noch aus lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen
    Rechts­nor­men; es steht dem Lan­des­ge­setz­ge­ber
    jedoch frei, die­sen zu eröff­nen. Vgl. BayVGH, Beschl. v. 15.1.2013
    – 7 CE 12.2407 –, juris = BayVBl 2013, 604 ff.
    21 BVerwG, Urt. v. 14.12.2016 – 6 C 19/15 –, BVerw­GE 157, 46–54, Rn.
    21; VGH Mün­chen (7. Senat), Beschl. v. 6.5.2019 — 7 CE 18.2023 =
    Beck­RS 2019, 8693, Leit­satz, Rn. 22; Beschl. v. 26.11.2020 – 7 CE
    20.2216 –, juris, Rn. 17 f. VG Ans­bach, Beschl. v. 27.10.2010 – AN
    2 E 10.10315 –, juris, Rn. 14. Vgl. auch C. Tege­t­hoff, juris­PR-BVerwG
    6/2017 Anm. 2 zu BVerwG 6. Senat, Urteil vom 14.12.2016, 6
    C 19/15; Bode (Fn. 17), Rn. 1161.
    22 Vgl. T. Mann/E.-M. Worth­mann, Berufs­frei­heit (Art. 12 GG) –
    Struk­tu­ren und Pro­blem­kon­stel­la­tio­nen, JuS 2013, 385 (386);
    23 Lind­ner (Fn. 6), Rn. 62 f.
    24 Vgl. Bode (Fn. 17), Rn. 58.
    25 Für die Wie­der­be­le­bung eines bun­des­weit ein­heit­li­chen Zugangs­rechts
    vgl. jedoch L. Gies­ecke, Mit der Zulas­sung soll­te auch der
    Zugang zum Stu­di­um bun­des­recht­lich gere­gelt wer­den, WissR
    2007, 180 (180 ff).
    26 Bode (Fn. 17), Rn. 114; ders., Hoch­schul­recht in Bund und Ländern,
  2. Aktua­li­sie­rung, 2022, § 27 HRG Rn. 19 ff.
    27 Zu Kny­p­hau­sen (Fn. 7), S. 109.
    28 Vgl. etwa VG Mün­chen, Beschl. v. 19.1.2022 – M 3 E 21.5482 –,
    juris, Rn. 21.
    29 Vgl. § 58 Abs. 2 HG BW; Art. 43 f. BayHG; § 10 Abs. 2 BerlHG
    i.V.m. Berl­SchulG; § 9 Abs. 2 BbgHG; § 33 Abs. 1 BremHG; § 37
    Abs. 1 HH HG; § 54 Abs. 2 HessHG; § 18 HG M‑V; § 18 NHG;
    § 49 HG NRW; § 41 KHG NRW; § 65 Abs. 1 HG RLP; § 77
    SaarlHSG; § 17 SächsHG; § 27 HSG LSA; § 39 Abs. 1 HSG SH;
    § 60 Abs. 1 ThürHG.
    30 Vgl. Ver­ein­ba­rung zur Gestal­tung der gym­na­sia­len Ober­stu­fe
    und der Abitur­prü­fung, Beschluss der KMK v. 7.7.1972 i.d.F. v.
    18.2.2021; Bode (Fn. 17), Rn. 159 ff.
    dass „es objek­tiv sach­ge­recht und indi­vi­du­ell zumut­bar“
    ist, „im Inter­es­se einer gerech­ten Ver­tei­lung von Lebens­chan­cen
    bei Zweit­stu­di­en­be­wer­bern, die zum wie­der­hol­ten
    Male von ihrem Grund­recht Gebrauch machen,
    stren­ge­re Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen“ vor­zu­se­hen als
    im Bereich des Erststudiums.“19 Der Zugang zu post­gra­dua­len
    Stu­di­en­gän­gen wird eben­falls durch die Berufs­frei­heit
    grund­recht­lich geschützt.20 Beim Zugang zum
    Mas­ter­stu­di­um han­delt es sich um eine sub­jek­ti­ve Zugangs­be­schrän­kung,
    die wie­der­um dem Schutz der Qua­li­tät
    des Stu­di­ums dient.21
    Staats­an­ge­hö­ri­ge aus ande­ren EU-Staa­ten kön­nen
    sich in glei­cher Wei­se wie Deut­sche beim Zugang zu Bil­dungs­ein­rich­tun­gen
    auf die Berufs­frei­heit des
    Art. 12 Abs. 1 GG beru­fen; der ent­ge­gen­ste­hen­de Wort­laut
    wird inso­weit durch den Anwen­dungs­vor­rang des
    EU-Rechts überspielt.22 Aus Art. 18, 20 AEUV ergibt sich
    jedoch kein abso­lu­ter Anspruch auf Zugang zum Stu­di­um,
    son­dern ein Anspruch auf glei­che Behand­lung wie
    deut­sche Staatsbürger.23 Für ande­re Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge,
    z.B. Staats­an­ge­hö­ri­ge aus den USA oder aus Chi­na,
    bleibt es dage­gen beim grund­recht­li­chen Schutz über die
    all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit gem. Art. 2 Abs. 1 GG. Im
    Ergeb­nis kann die­se leich­ter und wei­ter ein­ge­schränkt
    wer­den, was sich zulas­sungs­recht­lich teil­wei­se in den
    Aus­wahl­ver­fah­ren für sog. Dritt­staat­ler spie­gelt, die allein
    dem Will­kür­ver­bot unter­lie­gen; ihnen fehlt auch das
    – gera­de nur aus Art. 12 Abs. 1 GG abge­lei­te­te – Recht zur
    Über­prü­fung der Kapazitäten.24 Soweit die vor­ge­leg­ten
    Bil­dungs­nach­wei­se dem Anwen­dungs­be­reich der Lis­sa­bon-
    Kon­ven­ti­on unter­lie­gen, wird ihre Gleich­wer­tig­keit,
    wie zu zei­gen sein wird, vermutet.
  3. Hoch­schul­zu­gang im grund­stän­di­gen Bereich
    a. Von schwin­den­der Bedeu­tung: § 27 HRG
    § 27 HRG nor­miert seit 1976, wer zum Hoch­schul­stu­di­um
    berech­tigt ist. Die Norm kodi­fi­zier­te das damals
    bereits gel­ten­de Lan­des­recht und ver­leiht ihm bun­des­recht­li­chen
    Gel­tungs­vor­rang. For­mal noch immer in
    Kraft, schwin­det jedoch ihre prak­ti­sche Bedeutung.25
    Seit der Föde­ra­lis­mus­re­form I, mit der die Rege­lungs­kom­pe­tenz
    vom Bund auf die Län­der über­gan­gen ist,
    kann sie näm­lich durch Lan­des­recht ersetzt wer­den,
    Art. 125a Abs. 1 GG.26 Neue­re Rege­lun­gen gehen dann
    vor.27 Da sich die Kern­aus­sa­ge der Rege­lung dar­in
    erschöpft, dass der Hoch­schul­zu­gang durch den erfolg­rei­chen
    Abschluss einer auf das Stu­di­um vor­be­rei­ten­den
    Schul­bil­dung liegt, lenkt sie den Blick schnell auf das
    Lan­des­recht. Gleich­wohl wird § 27 HRG, etwa im Kapa­zi­täts­recht,
    viel­fach noch angeführt.28
    b. Nor­men der Lan­des­hoch­schul­ge­set­ze
    Ganz über­wie­gend nor­mie­ren die Lan­des­hoch­schul­ge­set­ze
    den Hoch­schul­zu­gang, indem sie die Vor­ga­ben des
    § 27 HRG erweitern.29 Dabei kann zwi­schen schu­li­schen
    und zwi­schen berufs­prak­ti­schen Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen
    unter­schie­den wer­den.
    aa. Schu­li­sche Zugangs­be­rech­ti­gun­gen
    Die all­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe, regel­mä­ßig das Abitur,
    berech­tigt zu einem Stu­di­um aller Fach­rich­tun­gen an
    allen Hochschulen.30 Es wird mit der erfolg­rei­chen Abitur­prü­fung,
    also mit dem Abschluss der gym­na­sia­len
    1 8 4 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    31 J. Rux, Schul­recht, 6. Aufl. 2018, Rn. 919.
    32 Vgl. etwa § 34 ff. Abitur­ver­ord­nung Gym­na­si­en der Nor­mal­form
    – NGVO Baden-Würt­tem­berg.
    33 Vgl. § 58 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 HG BW; § 20 Abs. 1 Qua­li­fi­ka­ti­ons­ver­ord­nung
    Bay­ern.
    34 § 9 Abs. 2 BbgHG.
    35 § 18 Abs. 2 NHG.
    36 Die Län­der Bay­ern und Sach­sen sehen die­se Mög­lich­keit nicht
    vor. Nr. 12 „Ver­ein­ba­rung zur Gestal­tung der gym­na­sia­len Ober­stu­fe
    und der Abitur­prü­fung“, Beschluss der KMK v. 7.7.1972 i.d.F.
    v. 15.2.2018.
    37 Die dort erwor­be­nen Zeug­nis­se der all­ge­mei­nen oder der fach­ge­bun­de­nen
    Hoch­schul­rei­fe umfas­sen auch die Fach­hoch­schul­rei­fe.
    Vgl. Nr. 7 „Rah­men­ver­ein­ba­rung über die Berufs­ober­schu­le“,
    Beschluss der KMK v. 25.11.1976 i.d.F. v. 3.12.2010.
    38 § 49 Abs. 1 HG NRW.
    39 Vgl. statt vie­ler § 58 Abs. 2 Nr. 8 HG BW.
    40 Vgl. Ord­nung für ein Pro­be­stu­di­um mit Klei­ner Matri­kel der
    Uni­ver­si­tät Bre­men v. 26.1.2022.
    41 Vgl. etwa § 64 Abs. 2 HG BW.
    42 Vgl. § 40 Abs. 5 KHG NRW; A. Lenk, Kunst- und Musik­hoch­schu­len
    im Reform­pro­zess, DÖV 2009, 320 (325).
    Ober­stu­fe in der Sekun­dar­stu­fe II, oder dem Abschluss
    einer in ent­spre­chen­der Schul­form besuch­ten Ober­stu­fe
    der Berufs­ober­schu­le ver­lie­hen. Die im jewei­li­gen Land
    erfor­der­li­chen Lehr­in­hal­te bestim­men die Gesetz- bzw.
    Verordnungsgeber.31 Das Lan­des­recht sieht regel­mä­ßig
    auch das „Abitur für Schul­frem­de“, das sog. Nicht­schü­ler­ab­itur,
    vor, wel­ches sich an Per­so­nen rich­tet, die zuvor
    nicht die gym­na­sia­le Ober­stu­fe besucht zu haben.32
    Die fach­ge­bun­de­ne Hoch­schul­rei­fe kann in der gym­na­sia­len
    Ober­stu­fe eben­so wie an Fach­gym­na­si­en, Stu­di­en­kol­legs,
    Berufs­kol­legs, Berufs­aka­de­mien, Berufs­ober­schu­len
    und Fach­aka­de­mien erlangt wer­den. Sie befä­higt
    zum Stu­di­um einer bestimm­ten Fach­rich­tung an
    einer Uni­ver­si­tät sowie – teilweise33 – zum Stu­di­um aller
    Fach­rich­tun­gen an einer Hoch­schu­le für ange­wand­te
    Wis­sen­schaf­ten bzw. je nach Lan­des­recht an Päd­ago­gi­schen
    Hoch­schu­len, Kunst­hoch­schu­len, der Dua­len
    Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg sowie wei­te­ren Ein­rich­tun­gen.
    Zum Teil wird auch die Fach­hoch­schul­rei­fe
    fach­ge­bun­den ausgegeben.34 Ein Wech­sel in eine ande­re
    Fach­rich­tung ist zum Teil nach Able­gung einer Prü­fung
    nach Maß­ga­be der Hoch­schu­le möglich.35
    Die Fach­hoch­schul­rei­fe, auch als „Fach­ab­itur“ bezeich­net,
    berech­tigt zu einem Stu­di­um an Hoch­schu­len
    für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten sowie nach Maß­ga­be
    des Lan­des­rechts zum Stu­di­um an wei­te­ren Bil­dungs­ein­rich­tun­gen,
    etwa Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­len. Der Abschluss
    setzt sich aus einem schu­li­schen und einem berufs­prak­ti­schen
    Teil zusam­men. Der schu­li­sche Abschnitt
    wird mit Abschluss der 11. Klas­se eines Gym­na­si­ums,
    36 eines Berufs­kol­legs, einer Fach­ober­schu­le, einer
    Berufsoberschule37 und – in Abhän­gig­keit von der Fächer­wahl
    – dem Abschluss einer Fach­schu­le erwor­ben.
    Der fach­li­che Teil wird durch ein min­des­tens halb­jäh­ri­ges
    oder ein­jäh­ri­ges Berufs­prak­ti­kum oder eine abge­schlos­se­ne
    Berufs­aus­bil­dung erlangt. Zum Teil kann die
    Fach­hoch­schul­rei­fe je nach Lan­des­recht auch zur Berech­ti­gung
    eines uni­ver­si­tä­ren Stu­di­ums aus­ge­wei­tet
    werden.38
    Ein erfolg­reich abge­schlos­se­nes grund­stän­di­ges
    Hoch­schul­stu­di­um ver­leiht eben­falls die all­ge­mei­ne
    Hochschulzugangsberechtigung.39 Dies ist vor allem für
    Per­so­nen rele­vant, die vor ihrem Abschluss nur über
    eine fach­ge­bun­de­ne Berech­ti­gung ver­füg­ten; aller­dings
    ist zu beach­ten, dass im Fal­le eines zulas­sungs­be­schränk­ten
    Stu­di­en­gangs die Bewer­ber als Zweit­stu­di­en­be­wer­ber
    zu behan­deln sind, was ihre Zulas­sungs­chan­cen ten­den­zi­ell
    ver­rin­gert.
    Hin­zu tre­ten beson­de­re Zugangs­we­ge. So berech­ti­gen
    etwa eine schu­li­sche Qua­li­fi­ka­ti­on und eine Auf­bau­prü­fung
    (sog. Del­ta­prü­fung) in Baden-Würt­tem­berg
    zum Stu­di­um eines Bache­lor­stu­di­en­gangs an allen
    Hoch­schu­len, § 58 Abs. 2 Nr. 4 Baden-Würt­tem­ber­gi­sches
    Hoch­schulG. Das erfolg­rei­che Absol­vie­ren eines
    Kon­takt­stu­di­ums, eines sog. Stu­di­ums mit „Klei­ner Matri­kel“,
    ver­leiht in Bre­men eine fach­ge­bun­de­ne Hoch­schul­rei­fe,
    wenn die­ses Stu­di­um für die ange­streb­te fach­ge­bun­de­ne
    Hoch­schul­rei­fe fach­lich ein­schlä­gig ist,
    § 33 Abs. 5 S. 1 Nr. 2, § 58 Bre­mi­sches HochschulG.40 In
    Schles­wig-Hol­stein berech­tigt der Erwerb von Leis­tungs­punk­ten
    im Umfang von drei Semes­tern in einem
    Bache­lor-Stu­di­en­gang an einer Fach­hoch­schu­le oder einer
    Berufs­aka­de­mie zum Stu­di­um fach­lich ver­wand­ter
    Fächer, § 39 Abs. 5 S. 2 Hoch­schulG Schles­wig-Hol­stein.
    Nach Lan­des­recht kön­nen wei­te­re schu­li­sche oder hoch­schu­li­sche
    Zugangs­we­ge hin­zu­tre­ten.
    Schü­lern, die noch nicht über eine Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    ver­fü­gen, kann im Ein­zel­fall der Besuch
    von Lehr­ver­an­stal­tun­gen und der Erwerb von Leis­tun­gen
    gestat­tet wer­den, sofern sie „nach dem ein­ver­nehm­li­chen
    Urteil von Schu­le und Hoch­schu­le beson­de­re
    Bega­bun­gen auf­wei­sen“, wie es etwa § 49 Abs. 6
    Hoch­schulG NRW bestimmt. Die­ses sog. „Früh­stu­di­um“
    oder “Stu­di­um für Jung­stu­die­ren­de” ist inzwi­schen
    in fast allen Bun­des­län­dern vorgesehen.41 Erwor­be­ne
    Stu­di­en­leis­tun­gen wer­den auf Antrag bei einem spä­te­ren
    Stu­di­um ange­rech­net. Üblich ist die­se För­de­rung im Bereich
    der Kunst- und Musik­hoch­schu­len, die beson­de­re
    Bega­bun­gen vor­aus­set­zen und im Rah­men der Eig­nungs­fest­stel­lung
    viel­fach sogar auf das Vor­lie­gen einer
    Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung ver­zich­ten können.42
    Auch Stu­di­en­ort­wechs­lern, die über die Vor­aus­set­zun­gen
    für den Hoch­schul­zu­gang im jewei­li­gen Bun­des­land
    ursprüng­lich gar nicht ver­füg­ten, kann das Lan­des­Bo­de
    · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 8 5
    recht den Hoch­schul­zu­gang ein­räu­men. Ein Jahr erfolg­rei­ches
    Stu­di­um an einer Hoch­schu­le eines ande­ren
    Bun­des­lan­des berech­tigt zur Auf­nah­me eines Stu­di­ums
    in dem glei­chen oder in einem fach­lich ent­spre­chen­den
    Stu­di­en­gang an einer Hoch­schu­le der­sel­ben Hoch­schul­art
    in Baden-Würt­tem­berg, Bran­den­burg und
    Hamburg.43
    bb. Berufs­prak­ti­sche Zugangs­be­rech­ti­gun­gen
    Von stei­gen­der Bedeu­tung ist der Hoch­schul­zu­gang
    kraft beruf­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on, wie ihn die Bun­des­län­der
    seit etwa 2010 sowohl recht­lich als auch orga­ni­sa­to­risch
    deut­lich aus­ge­baut haben.44 Anders als etwa das
    Nicht­schü­ler­ab­itur knüpft er nicht an schu­li­sche, son­dern
    an beruf­li­che Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten an. Dies
    ent­spricht dem von der EU geför­der­ten Leit­bild des
    „lebens­lan­gen Lernens“.45 Hin­ter der Öff­nung der Hoch­schu­len
    für Beruf­lich Qua­li­fi­zier­te steht die Vor­stel­lung,
    dass beruf­li­che Bil­dung prin­zi­pi­ell geeig­net ist, die für
    ein Stu­di­um erfor­der­li­chen Kennt­nis­se zu ver­mit­teln.
    Empi­ri­sche Stu­di­en schei­nen die­ses Kon­zept zu bestä­ti­gen,
    46 wobei sich abzeich­net, dass gera­de die ers­ten
    Semes­ter und die Aner­ken­nung inner­halb der Hoch­schu­le,
    etwa sei­tens der Leh­ren­den, dar­über ent­schei­den,
    ob das Stu­di­um erfolg­reich fort­ge­führt wird.47 Auch
    eine län­ge­re beruf­li­che Vor­er­fah­rung kor­re­liert posi­tiv
    mit dem Studienerfolg.48
    Die KMK gab mit ihrem Beschluss vom 6. März 2009
    einen Rah­men vor, der zwi­schen sog. Auf­stiegs­fort­bil­dun­gen
    und sons­ti­gen Berufs­aus­bil­dun­gen unter­schei­det:
    Die all­ge­mei­ne Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung erhal­ten
    Inha­ber von Abschlüs­sen der beruf­li­chen Auf­stiegs­fort­bil­dung
    (v.a. Meis­ter, Inha­ber von Abschlüs­sen
    von Fach­schu­len etc.). Die fach­ge­bun­de­ne Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    steht sons­ti­gen beruf­lich qua­li­fi­zier­ten
    Bewer­bern zu, sofern sie
  4. einen Abschluss einer nach Berufs­bil­dungs­ge­setz
    bzw. Hand­werks­ord­nung und durch Bun­des- oder Lan­des­recht
    gere­gel­ten min­des­tens zwei­jäh­ri­gen Berufs­aus­bil­dung
    in einem zum ange­streb­ten Stu­di­en­gang affi­nen
    Bereich und min­des­tens drei­jäh­ri­ge Berufs­pra­xis in einem
    zum Stu­di­en­gang affi­nen Bereich nach­wei­sen (für
    Sti­pen­dia­ten des Auf­stiegs­sti­pen­di­en­pro­gramms des
    Bun­des rei­chen zwei Jah­re aus) und 2. über den erfolg­rei­chen
    Abschluss eines Eig­nungs­fest­stel­lungs­ver­fah­rens,
    das durch eine Hoch­schu­le oder staat­li­che Stel­le auf
    der Grund­la­ge einer Prü­fungs­ord­nung durch­ge­führt
    wird, nach­wei­sen; alter­na­tiv genügt hier auch ein erfolg­rei­ches
    Pro­be­stu­di­um.
    Die Län­der haben die­se Rah­men­re­ge­lung inzwi­schen
    konkretisiert.49 Ein Eig­nungs­fest­stel­lungs­ver­fah­ren sehen
    Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern (je nach Stu­di­en­gang),
    Ber­lin (nur falls kei­ne fach­li­che Nähe zum ange­streb­ten
    Stu­di­en­gang besteht), Bre­men (bei min­des­tens fünf­jäh­ri­ger
    Berufs­tä­tig­keit auf Wunsch auch Pro­be­stu­di­um),
    Ham­burg (ggf. ersetz­bar durch Pro­be­stu­di­um), Hes­sen,
    Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Nord­rhein-West­fa­len (bei
    nicht fach­ver­wand­tem Stu­di­um), Saar­land (nach Berufs­aus­bil­dung
    mit Abschluss­no­te 2,5 oder bes­ser und Pro­be­stu­di­um),
    Sach­sen, Sach­sen-Anhalt, Schles­wig-Hol­stein
    und Thü­rin­gen vor. Das Pro­be­stu­di­um exis­tiert in
    Bay­ern (je nach Stu­di­en­gang), Bre­men (bei min­des­tens
    fünf­jäh­ri­ger Berufs­tä­tig­keit), Ham­burg (ggf. als Ersatz
    der Eig­nungs­fest­stel­lungs­prü­fung), Nord­rhein-West­fa­len
    (soweit Stu­di­en­gang nicht zulas­sungs­be­schränkt), im
    Saar­land, in Sach­sen-Anhalt und in Schles­wig-Hol­stein
    43 § 58 Abs. 2 Nr. 9 HG BW; § 9 Abs. 3 S. 2 BbgHG; § 38 Abs. 5 HH
    HG; § 27 Abs. 3 HSG LSA.
    44 Vgl. hier­zu grds. A. Wol­ter, Von der Öff­nung des Hoch­schul­zu­gangs
    zur offe­nen Hoch­schu­le, Der Hoch­schul­zu­gang für
    Berufs­tä­ti­ge im Wan­del, RdJB 2015, 291 (291 ff.); Lind­ner (Fn. 6),
    Rn. 88 ff.
    45 Vgl. J. Ennu­schat, Euro­päi­sche Impul­se zur Ent­staat­li­chung
    des Bil­dungs­we­sens, WissR 2003, 186 (195 f.); Bericht des Rates
    (Bil­dung) an den Euro­päi­schen Rat über die kon­kre­ten künf­ti­gen
    Zie­le der Sys­te­me der All­ge­mei­nen und Beruf­li­chen Bil­dung,
    5980/01 Educ 23, S. 11 ff. Vgl. zum lebens­lan­gen Ler­nen: A. Hüf­ner,
    Das bil­dungs­po­li­ti­sche Kon­zept der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz
    zum lebens­lan­gen Ler­nen im Kon­text staat­li­cher Bil­dungs­po­li­tik
    in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, BuE 2013, 385 (385 ff.).
    46 So sei­en Abbruch­quo­te und Stu­di­en­erfolg schu­li­scher und nicht
    tra­di­tio­nel­ler Stu­die­ren­der ähn­lich. M.w.N. G. Dahm/C. Kerst,
    Wie erfolg­reich sind Stu­die­ren­de mit und ohne Abitur?, Ein
    bun­des­wei­ter Ver­gleich zu Stu­di­en­erfolg und Stu­di­en­leis­tun­gen,
    DZHW Brief, 3/2019;.
    47 Vgl. G. Dahm, C. Kamm, C. Kerst, A. Otto, A. Wol­ter, Ohne
    Abitur an der Hoch­schu­le – Stu­di­en­st­ra­te­gien und Stu­di­en­erfolg
    von nicht-tra­di­tio­nel­len Stu­die­ren­den, in: I. Buß, M. Erbs­land,
    P. Rahn, P. Poh­lenz, Öff­nung von Hoch­schu­len: Impul­se zur
    Wei­ter­ent­wick­lung von Stu­di­en­an­ge­bo­ten, 2018, S. 157 (182); K.
    Engen­horst, Aner­ken­nung als wesent­li­cher Fak­tor zur För­de­rung
    von Lern­er­folg nicht-tra­di­tio­nel­ler Stu­die­ren­der, in: N. Sturm,
    Aner­ken­nung als wesent­li­cher Fak­tor zur För­de­rung von Lern­er­folg
    nicht-tra­di­tio­nel­ler Stu­die­ren­der, 2020, S. 133 (149).
    48 T. Grendel/H. Lübbe/I. Hauß­mann, Effek­te der Dau­er und der
    Qua­li­tät berufs­prak­ti­scher Vor­er­fah­run­gen auf den Stu­di­en­erfolg
    beruf­lich Qua­li­fi­zier­ter, Bei­trä­ge zur Hoch­schul­for­schung, 36.
    Jahr­gang, 4/2014, 40 (58). Hin­zu kom­men wei­te­re Fak­to­ren, bei
    Teil­zeit-Stu­die­ren­den etwa die Akzep­tanz und die Unter­stüt­zung
    ihrer Arbeit­ge­ber. L. Hil­leb­recht, Stu­di­en­erfolg von berufs­be­glei­tend
    Stu­die­ren­den Ent­wick­lung und Vali­die­rung eines Erklä­rungs­mo­dells,
    2019, S. 300 f.
    49 Vgl. § 58 Abs. 2 HG BW; Art. 45 BayHG; § 11 BerlHG; § 9 Abs.
    2 BbgHG; § 33 Abs. 3a und 5 BremHG; § 37 Abs. 1, § 38 HH
    HG; § 60 Abs. 6 HessHG i.V.m. Ver­ord­nung über den Zugang
    beruf­lich Qua­li­fi­zier­ter zu den Hoch­schu­len in Hes­sen; § 18 Abs.
    1, § 19 HG M‑V; § 18 Abs. 4 NHG; § 49 Abs. 4 HG NRW i.V.m.
    BBHZVO; § 41 Abs. 4 KHG NRW; § 65 Abs. 2 HG RLP; § 77 Abs.
    3, 5 SaarlHSG; § 17 Abs. 3 bis 5 SächsHG; § 27 Abs. 2 bis 5 HSG
    LSA; § 39 Abs. 2 bis 4 HSG SH; § 67 Abs. 1, § 69 ThürHG.
    1 8 6 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    (nach Maß­ga­be der Hoch­schu­le). Ergän­zend ist teil­wei­se
    ein Bera­tungs­ge­spräch vorgesehen.50 Weder Eig­nungs­fest­stel­lung
    noch Pro­be­stu­di­um sind erfor­der­lich in
    Bran­den­burg und Nie­der­sach­sen. In Rhein­land-Pfalz
    wird inzwi­schen bei Vor­lie­gen eines Berufs­ab­schlus­ses
    mit min­des­tens der Abschluss­no­te 2,5 oder bes­ser auf die
    Eig­nungs­fest­stel­lungs­prü­fung und auf die Berufs­pra­xis
    verzichtet.51
    Die Eig­nungs­fest­stel­lungs­prü­fung für beruf­lich Qua­li­fi­zier­te
    schreibt – sozio­lo­gisch betrach­tet – die „Gate­kee­per-
    Funk­ti­on“ der Hoch­schu­le fort; viel­fach wird sie
    als „persönliche[s] Abitur-Äqui­va­lent“ betrachtet.52 Der
    Wis­sen­schafts­rat emp­fahl 2014, Berufs­ab­schlüs­se gene­rell
    als Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung anzu­er­ken­nen
    und damit auf die – in der Pra­xis kom­pli­zier­te – Prü­fung
    der Fach­bin­dung zu verzichten.53 Per­spek­ti­visch ist jeden­falls
    wei­te­rer Anpas­sungs­be­darf ersicht­lich. So ist es
    kaum nach­voll­zieh­bar, dass bestimm­te Aus­bil­dun­gen,
    etwa sol­che, die nach den Emp­feh­lun­gen der Deut­schen
    Kran­ken­haus­ge­sell­schaft absol­viert wor­den sind und auf
    aner­kann­ten Fach­stan­dards beru­hen, nicht in den Anwen­dungs­be­reich
    des Hoch­schul­zu­gangs für Beruf­lich
    Qua­li­fi­zier­te fal­len, da sie nicht expli­zit durch Bun­des­o­der
    Lan­des­recht gere­gelt sind.54
    Schließ­lich kann der Hoch­schul­zu­gang auch nach einer
    indi­vi­du­el­len Prü­fung stu­di­en­gangspe­zi­fisch (also
    nicht gene­rell fach­ge­bun­den) durch die Hoch­schu­le eröff­net
    wer­den. Dies setzt – je nach Bun­des­land – neben
    einer ent­spre­chen­den Berufs­aus­bil­dung und einer dar­an
    anknüp­fen­den Berufs­tä­tig­keit von regel­mä­ßig drei Jah­ren
    (bzw. ent­spre­chen­den Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten) wie­der­um
    eine Ein­gangs­prü­fung oder ein erfolg­rei­ches Pro­be­stu­di­um
    vor­aus. Hier­bei han­delt es sich um Vor­läu­fer
    der Rege­lun­gen über den Hoch­schul­zu­gang beruf­lich
    Qua­li­fi­zier­ter. Eine sol­che Abwei­chung vom Vor­lie­gen
    der tra­di­tio­nel­len Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung für
    beson­de­re Stu­di­en­gän­ge sehen der­zeit noch die meis­ten
    Bun­des­län­der vor.55 Die Ein­zel­hei­ten bestim­men die
    Hoch­schu­len.
    cc. Eig­nungs­prü­fung und wei­te­re Leis­tungs­nach­wei­se
    Neben – oder z.T. sogar anstel­le der Hochschulzugangsberechtigung56
    – muss für eini­ge Stu­di­en­gän­ge auch eine
    beson­de­re Eig­nung nach­ge­wie­sen werden.57 Dies betrifft
    vor allem künst­le­ri­sche bzw. musi­sche Stu­di­en­gän­ge
    oder das Sport­stu­di­um. Hin­ter­grund ist, dass die erfor­der­li­che
    Eig­nung hier­für in der schu­li­schen Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    regel­mä­ßig nur unzu­rei­chend
    abge­bil­det wird. Wer sich als geeig­net erwie­sen hat, kann
    aber – falls es einen Über­hang geeig­ne­ter Bewer­ber gibt
    – noch im Zulas­sungs­ver­fah­ren schei­tern. Ins­be­son­de­re
    muss im Rah­men der zulas­sungs­recht­li­chen Aus­wahl­ent­schei­dung
    die Eig­nung nicht erneut berück­sich­tigt
    werden.58
    Seit Lan­gem wird ver­sucht, das Erfor­der­nis der Eig­nung
    auch auf ande­re Stu­di­en­gän­ge zu über­tra­gen, zum
    Teil als „Abitur plus“ bezeichnet.59 Die Gerich­te waren
    hier bis­lang kri­tisch und mach­ten den Rück­griff auf Eig­nungs­prü­fun­gen
    davon abhän­gig, dass der Stu­di­en­gang
    nach­weis­lich beson­de­re Fähig­kei­ten vor­aus­setzt. So
    führt der VGH Bay­ern im Zusam­men­hang mit dem Zugang
    zu grund­stän­di­gen Stu­di­en­gän­gen aus, dass Eig­nungs­fest­stel­lungs­ver­fah­ren
    nicht „die vom Gesetz­ge­ber
    als Regel­fall kon­zi­pier­te Hoch­schul­rei­fe aus­höh­len“
    dürf­ten und auch kei­ne „über die Anfor­de­run­gen des
    Stu­di­en­gangs hin­aus­ge­hen­de ‚Niveau­pfle­ge‘“ gestatten.60
    50 Etwa in Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern, Bre­men, Ham­burg (nach
    Wahl der Hoch­schu­le), Nord­rhein-West­fa­len („sol­len“), Rhein­land-
    Pfalz (nach Wahl der Hoch­schu­le), im Saar­land, in Sach­sen
    und Thü­rin­gen.
    51 § 65 Abs. 2 S. 1 Hoch­schulG Rhein­land-Pfalz, vgl. Land­tag
    Rhein­land-Pfalz, Drs. 17/11430, 206 f.
    52 S. Schrei­ber-Bar­sch/H. Gund­lach, „Du kannst doch MEHR!“ –
    Stu­dier­fä­hig­keit als Bewer­tungs­kri­te­ri­um im Hoch­schul­zu­gang:
    Vali­die­rungs­ver­fah­ren zwi­schen sub­jek­ti­ver Deu­tung und hoch­schu­li­schem
    Gate­kee­ping, ZfW 2019 (42), 69 (91 f.).
    53 Wis­sen­schafts­rat, Emp­feh­lun­gen zur Gestal­tung des Ver­hält­nis­ses
    von beruf­li­cher und aka­de­mi­scher Bil­dung, Ers­ter Teil, Drs. 3818-
    14, 13, 89 f.
    54 Eini­ge Bun­des­län­der, etwa Bay­ern, stel­len die Aus­bil­dun­gen
    inzwi­schen den nach Bun­des- oder Lan­des­recht gere­gel­ten gleich.
    Vgl. § 29 Abs. 4 S. 1 Nr. 3 Qua­li­fi­ka­ti­ons­VO Bay­ern.
    55 Vgl. statt vie­ler § 58 Abs. 2 Nr. 6 HG BW.
    56 Vgl. § 58 Abs. 2 Nr. 7 HG BW; Art. 44 Abs. 1, 2 BayHG; § 10 Abs.
    4 BerlHGG § 9 Abs. 4 BbgHG; § 33 Abs. 2 BremHG; § 37 Abs. 3,
    4 HH HG; § 60 Abs. 4 HessHG; § 18 Abs. 3 HG M‑V; § 18 Abs. 5
    NHG; § 49 Abs. 11 HG NRW; § 41 Abs. 11 KHG NRW; § 66 Abs. 1
    HG RLP; § 17 Abs. 11 SächsHG; § 39 Abs. 6 HSG SH; § 68 Abs. 3
    ThürHG.
    57 Vgl. § 58 Abs. 6 HG BW; Art. 44 Abs. 1 bis 3 BayHG; § 10 Abs. 4
    bis 5 BerlHG; § 9 Abs. 4 BbgHG; § 33 Abs. 2 BremHG; § 37 Abs.
    3, 4 HH HG; § 60 Abs. 4 HessHG; § 18 Abs. 3 HG M‑V; § 18 Abs.
    5 NHG; § 49 Abs. 7, 11 HG NRW; § 41 Abs. 7, 11 KHG NRW; § 66
    Abs. 1 HG RLP; § 77 Abs. 7 SaarlHSG; § 17 Abs. 9, 11 SächsHG;
    § 27 Abs. 2 S. 3 HSG LSA; § 39 Abs. 6 HSG SH; § 68 Abs. 2
    ThürHG.
    58 VG Müns­ter, Beschl. v. 19.5.2021 – 9 L 923/20 –, juris, Rn. 29 ff.
    59 V. M. Haug, in: ders., Das Hoch­schul­recht in Baden-Württemberg,
  5. Aufl. 2020, Rn. 1325.
    60 Eig­nungs­fest­stel­lungs­ver­fah­ren sei­en „zur Ver­mei­dung einer
    hohen Miss­erfolgs- oder Abbre­cher­quo­te nur zuläs­sig, soweit das
    Stu­di­um beson­de­re Anfor­de­run­gen stellt, bezüg­lich derer die Abitur­no­te
    allein nur begrenz­te Aus­sa­ge­kraft hat“. BayVGH, Beschl.
    v. 2.2.2012 – 7 CE 11.3019 –, juris, Rn. 23.
    Bode · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 8 7
    Gleich­wohl ist es viel­fach gelun­gen, die­ses Erfor­der­nis
    zu begrün­den und Eig­nungs­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zu
    etablieren.61
    In Stu­di­en­gän­gen, die beson­de­re Vor­bil­dun­gen, eine
    spe­zi­fi­sche Eig­nung oder prak­ti­sche berufs­prak­ti­sche
    Erfah­rung erfor­dern, kann die Eröff­nung des Hoch­schul­zu­gangs
    vom Nach­weis die­ser Qua­li­fi­ka­tio­nen abhän­gig
    gemacht wer­den. Ent­spre­chen­de Rege­lun­gen, die
    alle Hoch­schul­ge­set­ze vorsehen,62 fin­den sich bei­spiels­wei­se
    im Bereich der Pfle­ge-Stu­di­en­gän­ge oder der Heb­am­men­wis­sen­schaft.
    Es wer­den viel­fach Prak­ti­ka oder
    sogar abge­schlos­se­ne Aus­bil­dun­gen vorausgesetzt.63
    dd. Aus­län­di­sche Zugangs­be­rech­ti­gun­gen
    Die Eröff­nung des Hoch­schul­zu­gangs hängt vom Staat
    ihres Erwerbs, nicht von der Natio­na­li­tät des Erwer­ben­den
    ab. Eine nach deut­schem Recht erwor­be­ne Qua­li­fi­ka­ti­on
    eröff­net in allen Bun­des­län­dern den Hoch­schul­zu­gang.
    64 Han­delt es sich um nicht-Deut­sche, so wer­den
    sie zu sog. „Bil­dungs­in­län­dern“. Auch im sich viel­fach
    anschlie­ßen­den Zulas­sungs­ver­fah­ren sind sie Deut­schen
    gleich­ge­stellt, neh­men also z.B. an der Ver­tei­lung in den
    sog. Haupt­quo­ten, nicht aber der Quo­te für Dritt­staat­ler,
    teil.
    Im Aus­land erwor­be­ne Zugangs­be­rech­ti­gun­gen qua­li­fi­zie­ren
    dage­gen – selbst wenn sie von deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen
    erwor­ben wer­den, nur unter bestimm­ten
    Anfor­de­run­gen zum Stu­di­um – wenn sie näm­lich als
    gleich­wer­tig aner­kannt sind. Hier wird zwi­schen dem
    unmit­tel­ba­ren, also einem voll­kom­men den Anfor­de­run­gen
    ent­spre­chen­den, und dem mit­tel­ba­ren Hoch­schul­zu­gang
    unter­schie­den, bei dem die vor­ge­leg­ten
    Vor­bil­dungs­nach­wei­se allei­ne (noch) nicht zur Auf­nah­me
    des Stu­di­ums befä­hi­gen. In die­sem Fal­le kann ein
    Stu­di­en­kol­leg besucht wer­den, das mit einer Fest­stel­lungs­prü­fung
    abschließt.
    Ob eine gleich­wer­ti­ge Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    vor­liegt, rich­tet sich nach den bil­dungs­po­li­ti­schen
    Rah­men­be­din­gun­gen. Hier ist zu beach­ten, ob es sich
    um Abschlüs­se eines Staa­tes han­delt, der Mit­glied des
    Über­ein­kom­mens über die Aner­ken­nung von Qua­li­fi­ka­tio­nen
    im Hoch­schul­be­reich in der euro­päi­schen Regi­on
    vom 11. April 1997 (Lissabon-Konvention)65 ist. Dies regelt
    die Aner­ken­nung von Stu­di­en­zei­ten, Abschlüs­sen
    und Gra­den und trägt damit zur Ent­ste­hung eines ein­heit­li­chen
    Euro­päi­schen Hoch­schul­rau­mes bei.66 Jede
    Ver­trags­par­tei erkennt für den Zweck des Zugangs zu
    den zu ihrem Hoch­schul­sys­tem gehö­ren­den Pro­gram­men
    grund­sätz­lich die von den ande­ren Ver­trags­par­tei­en
    aus­ge­stell­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen an, wel­che die all­ge­mei­nen
    Vor­aus­set­zun­gen für den Zugang zur Hoch­schul­bil­dung
    in die­sen Staa­ten erfül­len, Art. IV.1 Kon­ven­ti­on.
    Die grund­sätz­li­che Gleich­wer­tig­keit der Zeug­nis­se wird
    unterstellt.67 Die Anwen­dung der Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on
    bewirkt also – im Gegen­satz zu ande­ren Gleich­wer­tig­keits­ver­ein­ba­run­gen
    – eine Beweis­last­um­kehr zuguns­ten
    des Bewer­bers und bestimmt, dass unwe­sent­li­che
    Unter­schie­de zwi­schen Bil­dungs­sys­te­men aner­kannt
    wer­den müs­sen, selbst wenn nach her­kömm­li­cher Betrach­tung
    völ­li­ge Gleich­wer­tig­keit vorliegt.68
    Wesent­li­che Unter­schie­de zwi­schen den Zugangs­sys­te­men
    ste­hen der Aner­ken­nung aller­dings ent­ge­gen, sofern
    die­se in dem aner­ken­nen­den Staat nach­ge­wie­sen
    wer­den, Art. IV.1 und 3 der Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on. Um
    fest­zu­stel­len, ob ein sol­cher Unter­schied zwi­schen den
    Bil­dungs­sys­te­men vor­liegt, grei­fen die Behör­den auf die
    Erkennt­nis­se aus der ANA­BIN-Daten­bank der Zen­tral­stel­le
    für das aus­län­di­sche Bil­dungs­we­sen (ZAB) der
    KMK zurück. Den Bewer­tungs­vor­schlä­gen kommt der
    Cha­rak­ter eines „anti­zi­pier­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens“
    zu.69 Das bedeu­tet, dass die Norman­wen­der, etwa
    Behör­den oder Gerich­te, sich dar­über nur hin­weg­set­zen
    61 So etwa an der TU Mün­chen. Hier fin­det in vie­len Stu­di­en­gän­gen
    ein zwei­stu­fi­ges Eig­nungs­fest­stel­lungs­ver­fah­ren statt; dabei wird
    zunächst pro Bewer­ber aus schu­li­schen und außer­schu­li­schen
    Qua­li­fi­ka­tio­nen ein Punk­te­wert (bis zu 100 Punk­te) ermit­telt.
    Liegt die­ser – je nach Stu­di­en­gang – z.B. bei 74 oder mehr
    Punk­ten, gilt die Per­son als geeig­net, liegt sie bei 59 oder weni­ger
    Punk­ten, gilt sie nicht als geeig­net. Für das mitt­le­re Seg­ment
    fin­den dann in einem zwei­ten Schritt Aus­wahl­ge­sprä­che statt.
    Vgl. Sat­zung über die Eig­nungs­fest­stel­lung für den Bache­lor­stu­di­en­gang
    Gesund­heits­wis­sen­schaft an der TU Mün­chen
    v. 13.5.2022, ver­füg­bar unter www.tum.de (31.5.2022).
    62 Vgl. etwa § 49 Abs. 7 HG NRW.
    63 Vgl. zum Gan­zen M. Bode, Lin­de­rung in Sicht? Zugang und
    Zulas­sung zu Pfle­ge­stu­di­en­gän­gen und zum Medi­zin­stu­di­um
    vor dem Hin­ter­grund des „Pfle­ge­not­stan­des“, in: R. Leh­ner,
    Die Zukunft der Gesund­heits­be­ru­fe in Bil­dung und Migra­ti­on,
    ine­ges-Tagung Sep. 2021 (im Erschei­nen),
    64 Vgl. etwa § 58 Abs. 2 Nr. 10 HG BW.
    65 Zur Inter­pre­ta­ti­on vgl. auch BT-Drs. 16/1291, 27 ff. Vgl. Lind­ner
    (Fn. 6), Rn. 41.
    66 Vgl. hier­zu W.-D. Wen­zel, Das Über­ein­kom­men über die
    Aner­ken­nung von Qua­li­fi­ka­tio­nen im Hoch­schul­be­reich in der
    euro­päi­schen Regi­on (sog. Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on) und sei­ne Aus­wir­kun­gen
    auf den rechts­wis­sen­schaft­li­chen Bereich, ThürVBl.
    2003, 203 (203 ff.).
    67 Zugleich bleibt es den auf­neh­men­den Staa­ten unbe­nom­men,
    beson­de­re Zugangs­vor­aus­set­zun­gen bzw. Fach­bin­dun­gen
    vor­zu­se­hen oder Zulas­sungs­ver­fah­ren durch­füh­ren, die auch im
    Aus­gangs­staat üblich sind, Art. IV.3 und 4 Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on.
    68 Vgl. in Bezug auf die Zulas­sung zum Mas­ter VG Bre­men, Beschl.
    v. 18.2.2011 – 5 V 1331/10 –, juris, Rn. 15.
    69 OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschl. v. 16.2.2010 – OVG 5 S 3.10
    –, juris, Ori­en­tie­rungs­satz. OVG Ber­lin-Bran­den­burg (5. Senat),
    Beschl. v. 9.7.2018 — OVG 5 S 1.18 = Beck­RS 2018, 15491; Beschl.
    v. 7.3.2022 – 7 ZB 20.197 –, juris, Rn. 13; VG Mag­de­burg (7. Kam­mer),
    Urt. v. 26.9.2018 — 7 A 750/16 = Beck­RS 2018, 47512.
    1 8 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    dür­fen, soweit die Emp­feh­lun­gen „metho­disch zwei­fel­haft
    oder sach­lich über­holt“ sind bzw. falls „im jewei­li­gen
    Ein­zel­fall Beson­der­hei­ten auf­tre­ten, die erkenn­bar
    nicht bedacht wor­den sind“.70 Soweit aus­län­di­sche
    Schul­ab­schlüs­se in der Daten­bank nicht geführt wer­den,
    ist „im Ein­zel­fall“ zu ent­schei­den, ob eine Aner­ken­nung
    erfolgt.71
    Wesent­li­che Unter­schie­de kön­nen ent­we­der in struk­tu­rel­len
    Unter­schie­den der Bil­dungs­sys­te­me oder in indi­vi­du­el­len
    Abwei­chun­gen lie­gen: Als wesent­li­cher Unter­schied
    ist es etwa zu bewer­ten, dass in Groß­bri­tan­ni­en
    weder die All­ge­mei­ne noch die Fach­ge­bun­de­ne
    Hoch­schul­rei­fe als Abschlüs­se vor­ge­se­hen sind und die
    Hoch­schu­len auf Grund­la­ge der von ihnen selbst for­mu­lier­ten
    Anfor­de­run­gen über den Zugang entscheiden.72
    Ein eng­li­sches Gene­ral Cer­ti­fi­ca­te of Edu­ca­ti­on (GCE A/
    AS) darf somit nicht als dem deut­schen Abitur gleich­wer­tig
    aner­kannt wer­den, sofern kei­ne erfolg­rei­che Teil­nah­me
    an den Fächern Mathe­ma­tik oder einer der Natur­wis­sen­schaf­ten
    Bio­lo­gie, Che­mie oder Phy­sik erfolgt
    ist.73 Das Nach­ho­len ent­spre­chen­der Kur­se ist grund­sätz­lich
    möglich.74 Ein sol­cher wesent­li­cher Unter­schied
    ist auch dann gege­ben, wenn ein aus­län­di­scher Abschluss
    nicht im Rah­men der im Aus­land hier­für vor­ge­se­he­nen
    Spra­chen, etwa auf Eng­lisch oder Mao­ri, son­dern
    in deut­scher Spra­che erwor­ben wur­de. Dar­an ändert
    es auch nichts, dass für eine deut­sche Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    der Erwerb auf Deutsch eben­falls
    mög­lich wäre; Sinn der Rege­lung ist näm­lich die Gleich­be­hand­lung
    aus­län­di­scher Abschlüs­se, nicht der Schutz
    unter Umge­hung der jewei­li­gen natio­na­len Rege­lun­gen
    erwor­be­ner Qualifikationen.75
    Soweit die Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on im Ver­hält­nis zum
    Her­kunfts­staat eines Bewer­bers nicht anwend­bar ist,76
    fin­det die vom Euro­pa­rat initi­ier­te Euro­päi­sche Kon­ven­ti­on
    über die Gleich­wer­tig­keit der Rei­fe­zeug­nis­se vom
  6. Dezem­ber 195377, Anwen­dung, sofern die betrof­fe­nen
    Staa­ten sich unter den 38 Mit­glied­staa­ten befin­den, die
    bis in das Jahr 2002 bei­getre­ten sind, dar­un­ter Litau­en,
    Neu­see­land und Russ­land. Als Grund­la­ge der Bewer­tung
    wer­den zwar eben­falls die Vor­ga­ben aus ANABIN
    her­an­ge­zo­gen, aller­dings fin­det kei­ne Beweis­last­um­kehr
    statt, und die Ver­wei­ge­rung der Aner­ken­nung ist auch
    nicht auf wesent­li­che Unter­schie­de beschränkt.
    c. Der „Wert“ einer Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    Liegt nach alle­dem eine Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    vor, die zum Stu­di­um berech­tigt, und sind die sons­ti­gen
    For­mal­vor­aus­set­zun­gen ein­ge­hal­ten, etwa Fris­ten oder
    das Erfor­der­nis einer Betei­li­gung am Dia­log­ori­en­tier­ten
    Ser­vice­ver­fah­ren (DoSV), so kann die betrof­fe­ne Per­son
    die Imma­tri­ku­la­ti­on beantragen,78 sofern es sich um
    einen zulas­sungs­frei­en Stu­di­en­gang han­delt. Geht es
    dage­gen um einen zulas­sungs­be­schränk­ten Stu­di­en­gang,
    so genügt die dicho­to­me, also mit „ja“ oder „nein“
    zusam­men­zu­fas­sen­de Fest­stel­lung über den Hoch­schul­zu­gang
    nicht; viel­mehr muss eine Aus­wahl zwi­schen
    kon­kur­rie­ren­den Bewer­bern getrof­fen wer­den; dies ist
    die Auf­ga­be des Hoch­schul­zu­las­sungs­rechts. Die­ses
    greift regel­mä­ßig unter ande­rem auf Infor­ma­tio­nen
    zurück, wel­che in der Zugangs­be­rech­ti­gung bereits
    ange­legt sind. Dane­ben ste­hen unab­hän­gi­ge Kri­te­ri­en,
    etwa Stu­dier­fä­hig­keits­tests oder beruf­li­che Abschlüs­se,
    wor­auf hier nicht näher ein­ge­gan­gen wer­den soll.79
    Gegen­wär­tig – aber nur vor­über­ge­hend – sinkt der
    Anteil der zulas­sungs­be­schränk­ten Studiengänge,80
    70 OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschl. v. 7.3.2022 – 7 ZB 20.197 –,
    juris, Rn. 13; BayVGH, Beschl. v. 25.1.2022 – 7 CE 21.2684 –, juris,
    Rn. 6.
    71 Es ging um einen Wal­dorf-Schul-Abschluss. OVG Ber­lin-Bran­den­burg,
    Beschl. v. 7.3.2022 – 7 ZB 20.197 –, juris, Rn. 15.
    72 Die Not­wen­dig­keit eines aus­drück­li­chen Aus­schlus­ses Groß­bri­tan­ni­ens
    von der gegen­sei­ti­gen Aner­ken­nungs­pra­xis ergibt sich
    dar­aus nicht. Auch aus der Uni­ons­bür­ger­schaft und der Frei­zü­gig­keit
    nach den Art. 20, 21 AEUV folgt ange­sichts der Kom­pe­tenz­be­schrän­kun­gen
    im Art. 165 Abs. 1 AEUV kei­ne Pflicht, in
    ande­ren Mit­glied­staa­ten erwor­be­ne schu­li­sche Qua­li­fi­ka­tio­nen
    anzu­er­ken­nen. OVG HH, Beschl. v. 25.8.2010 – 1 Bf 94/10.Z –,
    juris, Rn. 6, 11 = NVwZ-RR 2010, 975 f. Vgl. auch in Bezug auf die
    Aner­ken­nung von Abschlüs­sen VG Dres­den, Urt. v. 24.8.2009 – 5
    K 1579/08 –, juris.
    73 Es ist inso­fern uner­heb­lich, dass es in Deutsch­land auch aus­reicht,
    wenn die­se Fächer ledig­lich mit „man­gel­haft“ bewer­tet
    wor­den sind; denn inso­weit dür­fen zumin­dest Grund­kennt­nis­se
    ange­nom­men wer­den. OVG Ber­lin-Bran­den­burg (5. Senat),
    Beschl. v. 9.7.2018 — OVG 5 S 1.18 = Beck­RS 2018, 15491.
    74 VG Mag­de­burg (7. Kam­mer), Urt. v. 26.9.2018 — 7 A 750/16 =
    Beck­RS 2018, 47512.
    75 OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschl. v. 7.3.2022 – 7 ZB 20.197 –,
    juris, Rn. 20.
    76 Ver­trags­par­tei­en der Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on, die gleich­zei­tig
    Ver­trags­par­tei­en der Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on über die
    Gleich­wer­tig­keit der Rei­fe­zeug­nis­se sind, a) wen­den in ihren
    gegen­sei­ti­gen Bezie­hun­gen nur das vor­lie­gen­de Über­ein­kom­men
    an; b) wen­den die Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on über die Gleich­wer­tig­keit
    der Rei­fe­zeug­nis­se, deren Ver­trags­par­tei sie sind, in ihren
    Bezie­hun­gen zu ande­ren Staa­ten, die eben­falls Ver­trags­par­tei­en
    jener Über­ein­ein­kunft, nicht aber der Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on sind,
    wei­ter­hin an. Vgl. Art. XI.4 Abs. 1 Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on.
    77 Vgl. Lind­ner, (Fn. 6), Rn. 40.
    78 Vgl. Lind­ner (Fn. 6), Rn. 152 f.
    79 Vgl. Bode (Fn. 17), Rn. 273 ff.
    80 Von den ca. 10.920 grund­stän­di­gen Stu­di­en­an­ge­bo­ten aller Hoch­schul­ar­ten
    wie­sen etwa 6.480 im WiSe 2021/22 kei­ne Zulas­sungs­be­schrän­kung
    auf, ca. 830 setz­ten eine Eig­nungs­prü­fung vor­aus,
    die übri­gen, also rund 3.610, waren zulas­sungs­be­schränkt. HRK,
    Sta­tis­ti­ken zur Hoch­schul­po­li­tik 1/2021, 2021, S. 10, 68.
    Bode · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 8 9
    wäh­rend die Zahl der Stu­di­en­an­ge­bo­te in Deutsch­land
    abso­lut betrach­tet ansteigt.81 Gera­de die bewer­ber­star­ken
    „tra­di­tio­nel­len“ Fächer wie Medi­zin, Jura und Öko­no­mie
    sind aber ganz über­wie­gend nach wie vor
    zulas­sungs­be­schränkt.
    Die­se drei Kri­te­ri­en, die dabei her­an­ge­zo­gen wer­den,
    sind ers­tens das Gesamt­ergeb­nis der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    für das gewähl­te Stu­di­um, wobei auf Note
    oder Punk­te abge­stellt wer­den kann, vgl. Art. 10 Abs. 3 S.
    1 Nr. 1a Staats­ver­trag über die Hoch­schul­zu­las­sung (StV).
    Wäh­rend tra­di­tio­nell auf die Dezi­mal­no­ten (z.B. 1,0 bzw.
    1,1 u.s.w.) zurück­ge­grif­fen wird, wer­den im Zen­tra­len
    Ver­fah­ren für die Human‑, Zahn- und Tier­me­di­zin sowie
    die Phar­ma­zie nun auf die Ein­zel­punk­te (840 bzw.
    900 Punk­te abzüg­lich der Bestehens­gren­ze von 280 bzw.
    300 Punk­ten) herangezogen.82 Zwei­tens kann auf gewich­te­te
    Ein­zel­no­ten der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    abge­stellt wer­den, die über die fach­spe­zi­fi­sche Eig­nung
    Aus­kunft geben, vgl. Art. 10 Abs. 3 S. 1 Nr. 1b StV.
    Dies setzt vor­aus, dass Ein­zel­no­ten, etwa der Leis­tungs­bzw.
    der K‑Kurse, über­haupt aus­ge­wie­sen sind. Soweit
    dies der Fall ist, stellt sich die Fra­ge, ob die Note als sol­che
    her­an­ge­zo­gen wird oder allein der Umstand zählt,
    dass das ent­spre­chen­de Fach mit beson­de­rem Schwer­punkt
    belegt wor­den ist.
    Drit­tens kann auch auf den Zeit­punkt des Erwerbs
    der Qua­li­fi­ka­ti­on abge­stellt wer­den. Die ist immer dann
    der Fall, wenn es um eine Zulas­sung nach War­te­zeit
    geht, die nach wie vor in vie­len Bun­des­län­dern, jedoch
    nicht mehr im Zen­tra­len Ver­fah­ren vor­ge­se­hen ist. Nach
    Kri­tik des BVerfG ist die­se auf maxi­mal sie­ben Halb­jah­re
    zu beschrän­ken, da eine län­ge­re War­te­zeit als Zulas­sungs­kri­te­ri­um
    „dys­funk­tio­nal“ sei.83 Die War­te­zeit
    knüpft an den Zeit­punkt des Erwerbs der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    an. Aller­dings kann die­ser Wert
    durch ande­re Fak­to­ren beein­flusst wer­den. So gel­ten
    etwa Stu­di­en­se­mes­ter an einer deut­schen Hoch­schu­le
    nicht als War­te­zeit im Sin­ne des Zulassungsrechts;84 z.T.
    wird dies auch für Stu­di­en­zei­ten an Hoch­schu­len eines
    Mit­glied­staa­tes der Euro­päi­schen Uni­on oder ande­rer
    Staa­ten des Euro­päi­schen Wirt­schafts­raums
    angenommen.85
    Für die oben dar­ge­stell­ten beson­de­ren Arten von
    Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen kann sich die Bestim­mung
    die­ser Wer­te als schwie­rig erwei­sen. Hin­sicht­lich
    der Fach­hoch­schul­rei­fe wird auf die zumeist
    aus­ge­wie­se­ne Note des schu­li­schen Teils abge­stellt, und
    bei den Fach­fort­bil­dun­gen, etwa dem Meis­ter, ist die Gesamt­no­te
    her­an­zu­zie­hen. Bei den übri­gen Beruf­lich
    Qua­li­fi­zier­ten erfolgt die Noten­be­rech­nung – je nach
    lan­des­recht­li­chen Vor­ga­ben – auf unter­schied­li­che Wei­se.
    Die Note bestimmt sich ent­we­der nach dem Ergeb­nis
    der beruf­li­chen Fort­bil­dun­gen oder, falls vor­ge­se­hen,
    dem Ergeb­nis einer Eig­nungs­prü­fung. Die War­te­zeit bestimmt
    sich über­wie­gend nach dem Zeit­punkt, zu dem
    die Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung „voll­wer­tig“ vor­lag;
    dies ist etwa dann der Fall, wenn die beruf­li­chen Tätig­kei­ten
    im erfor­der­li­chen Umfang nach­weis­bar erbracht
    wor­den sind oder ein Bera­tungs­ge­spräch durch­ge­führt
    wor­den ist.
    Auch bei im Aus­land erwor­be­nen Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen
    fällt die Bestim­mung einer Note
    regel­mä­ßig schwer, denn bereits die Noten­ska­la ist – soweit
    über­haupt eine Note aus­ge­wie­sen wird86 – viel­fach
    eine unter­schied­li­che. Um die­se dem deut­schen Sys­tem
    anzu­glei­chen, wird die sog. modi­fi­zier­te Baye­ri­sche For­mel
    herangezogen.87 Beson­der­hei­ten gel­ten für Fest­stel­lungs­prü­fun­gen.
    88 Ver­gleichs­wei­se ein­fach ist dage­gen
    der Zeit­punkt des Erwerbs der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    zu bestim­men. Es han­delt sich regel­mä­ßig
    um das Datum, zu dem die Vor­aus­set­zun­gen für den
    Hoch­schul­zu­gang in Bezug auf den kon­kre­ten Bewer­ber
    erst­mals vor­la­gen.
    Unab­hän­gig hier­von hat das BVerfG bestimmt, dass
    – zumin­dest in stark nach­ge­frag­ten Stu­di­en­gän­gen – die
    Note der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung um föde­ra­lis­ti­sche
    Unter­schie­de zu berei­ni­gen ist. Hier schließt sich
    ein kom­pli­zier­tes Ver­rech­nungs­ver­fah­ren unter Rück-
    81 Von 11.265 zum WiSe 2007/08 auf 20.951 zum WiSe 2021/22.
    HRK, Sta­tis­ti­ken zur Hoch­schul­po­li­tik 1/2021, 2021, S. 10. Aber
    auch die Zahl der Zugangs­be­rech­tig­ten wird in den kom­men­den
    Jah­ren anstei­gen. Vgl. KMK, Sta­tis­ti­sche Ver­öf­fent­li­chun­gen Nr.
    230, Vor­aus­be­rech­nung der Zahl der Schü­ler/-innen und Absol­vie­ren­den
    2020 bis 2035, 2021.
    82 Kri­tisch dazu Bode (Fn. 17), Rn. 650 ff.
    83 BVerfGE 147, 253 (308 f., 351).
    84 Statt vie­ler: § 6 Abs. 1 S. 4 HG BW.
    85 § 14 Abs. 6 Hoch­schul­zu­las­sungs­VO Ber­lin.
    86 Kön­nen aus­län­di­sche Bil­dungs­nach­wei­se nur indi­rekt und ohne
    Noten­nach­weis belegt wer­den, wer­den sie mit der unters­ten
    Bestehens­no­te in die Berech­nung ein­be­zo­gen.
    87 Ver­ein­facht besagt sie: Maxi­mal­no­te minus erreich­ter Note,
    geteilt durch Maxi­mal­no­te ver­rin­gert um unters­te Bestehens­no­te;
    das Ergeb­nis wird mit drei mul­ti­pli­ziert und mit eins addiert.
    „Ver­ein­ba­rung über die Fest­set­zung der Gesamt­no­te bei aus­län­di­schen
    Hoch­schul­zu­gangs­zeug­nis­sen“, Beschluss der KMK v.
    15.3.1991 i.d.F. v. 18.11.2004; vgl. VG Cott­bus, Urt. v. 15.11.2006 – 1
    K 41/02 –, juris.
    88 Soweit der Hoch­schul­zu­gang erst durch das Bestehen einer
    Fest­stel­lungs­prü­fung eröff­net wird, ist die Gesamt­no­te durch die
    Bil­dung des arith­me­ti­schen Mit­tels aus der Note der aus­län­di­schen
    Bil­dungs­nach­wei­se und der jeweils abge­leg­ten Prü­fung zu
    errech­nen. Beschluss der KMK v. 15.3.1991 i.d.F. v. 12.9.2013, Nr. 1
    Abs. 3.
    1 9 0 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    griff auf den Anteil der Län­der an den Stu­di­en­platz­res­sour­cen,
    den bun­des­wei­ten Rang­platz des Bewer­bers
    und Wei­te­res an.89 Hier­aus ergibt sich also eine bewer­bungs­spe­zi­fi­sche
    Anpas­sung des aus­ge­wie­se­nen Wer­tes,
    die dazu füh­ren kann, dass aus Grün­den der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit
    eine nomi­nal gering­wer­ti­ge­re einer
    höher­wer­ti­ge­ren Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung vor­ge­zo­gen
    wird. Schließ­lich kön­nen im Rah­men des Zulas­sungs­ver­fah­rens
    Noten­wer­te oder War­te­zei­ten auch ver­bes­sert
    wer­den, wenn dies zum Aus­gleich eines erlit­te­nen,
    nicht selbst zu ver­tre­te­nen Umstan­des erfor­der­lich
    ist.90
    Es wird deut­lich, dass der „Wert“ einer Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    in vie­len Fäl­len, vor allem im Bereich
    der all­ge­mei­nen Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen, rela­tiv
    ein­fach zu bestim­men ist; in eini­gen Kon­stel­la­tio­nen,
    ins­be­son­de­re, sofern bereits stu­diert wor­den ist
    oder soweit Qua­li­fi­ka­ti­ons­nach­wei­se Beruf­lich Qua­li­fi­zier­ter
    oder aus­län­di­scher Stu­die­ren­der betrof­fen sind,
    kann sich die Bestim­mung als sehr kom­pli­ziert erwei­sen.
    Wenn dar­über auf Grund­la­ge des Hoch­schul­rechts ent­schie­den
    wird, etwa in Bezug auf Fach­bin­dun­gen, Eig­nungs­prü­fun­gen
    oder Bera­tungs­ge­sprä­chen, ist die Ent­schei­dung
    viel­schich­tig und kann sogar zu diver­gen­ten
    Prü­fungs­er­geb­nis­sen füh­ren, wenn bei­spiels­wei­se der
    Hoch­schul­zu­gang für das glei­che Stu­di­en­an­ge­bot an unter­schied­li­chen
    Hoch­schu­len eröff­net bzw. ver­schlos­sen
    ist bzw. der „Wert“ der Berech­ti­gung von­ein­an­der abweicht.
    Inso­fern han­delt es sich hier­bei nicht um eine abso­lu­te
    bzw. uni­ver­sel­le Legi­ti­ma­ti­on. Viel­mehr ist die Eröff­nung
    des Hoch­schul­zu­gangs rela­tiv zum begehr­ten
    Stu­di­um und der gewähl­ten Hoch­schu­le zu sehen.
  7. Hoch­schul­zu­gang zu wei­ter­füh­ren­den Stu­di­en­gän­gen
    Die Rah­men­be­din­gun­gen des Mas­ter­zu­gangs sind lan­des­ge­setz­lich
    geregelt.91 Vor­aus­set­zung für den Zugang
    zum Mas­ter­stu­di­en­gang ist bun­des­weit zunächst ein ers­ter
    berufs­qua­li­fi­zie­ren­der Hoch­schul­ab­schluss. Hin­zu
    kom­men – je nach Land bzw. Hoch­schu­le unter­schied­li­che
    – zusätz­li­che Eig­nungs- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen.
    Wie weit hier die Note und zusätz­lich oder
    alter­na­tiv wei­te­re inhalt­li­che Eig­nungs- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­kri­te­ri­en
    her­an­ge­zo­gen wer­den, unter­schei­det sich
    von Bun­des­land zu Bun­des­land und viel­fach auch zwi­schen
    den Hoch­schu­len.
    a. Ers­ter berufs­qua­li­fi­zie­ren­der Hoch­schul­ab­schluss
    Die ers­te Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on in Form eines Hoch­schul­ab­schlus­ses
    ist in aller Regel der Bache­lor. Aller­dings
    kön­nen auch Staats­examen, Magis­ter, Diplom oder ein
    kirch­li­cher Abschluss nach einem Stu­di­um an einer
    staat­lich aner­kann­ten Hoch­schu­le zu einem Mas­ter­stu­di­en­gang
    berechtigen.92 Es kommt nicht dar­auf an, ob
    der Abschluss an einer Fach­hoch­schu­le oder einer Uni­ver­si­tät
    erwor­ben wor­den ist. Ande­res kann aus­nahms­wei­se
    dann gel­ten, wenn der Fach­hoch­schul­ab­schluss
    „wesens­ver­schie­den vom Uni­ver­si­täts­ab­schluss in der
    glei­chen Mate­rie ist und eine wesent­li­che Ver­wandt­schaft
    zwi­schen bei­den kaum noch besteht“.93 Unzu­läs­sig
    ist es außer­dem, Zugangs­vor­aus­set­zun­gen so zu
    gestal­ten, dass prak­tisch nur eige­ne Absol­ven­ten Zugang
    fin­den. Dies wäre der Fall, wenn Prü­fun­gen oder Modu­le
    vor­aus­ge­setzt wer­den, die nur die eige­ne Hoch­schu­le
    anbietet.94
    Es ist nicht erfor­der­lich, dass ein iden­ti­scher Stu­di­en­ab­schluss
    vor­liegt; viel­mehr kommt es auf die Ver­gleich­bar­keit
    an. In die­sem Sin­ne gleich­wer­tig sind Hoch­schul­ab­schlüs­se
    dann, wenn ihre Regel­stu­di­en­zeit min­des­tens
    drei Jah­re umfasst bzw. bei einem Kom­pakt­stu­di­en­gang
    min­des­tens 180 ECTS beträgt.95 Der voll­wer­tig
    erbrach­te Hoch­schul­ab­schluss ist unver­zicht­bar und
    kann auch nicht durch ande­re Qua­li­fi­ka­tio­nen, etwa
    Fortbildungen96 oder Kom­pe­ten­zen nach dem Deut­schen
    Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­men für lebens­lan­ges Ler­nen
    89 BVerfGE 147, 253 (338); M. Bode, Zwi­schen Rea­li­tät und Uto­pie,
    Die „Nume­rus clau­sus III“-Entscheidung des BVerfG, OdW 2018,
    173 (173 ff.); ders., Nach Nume­rus clau­sus III: Aktu­el­le Ent­wick­lun­gen
    auf dem Gebiet des Hoch­schul­zu­las­sungs­rechts, NVwZ
    (im Erschei­nen).
    90 Bode (Fn. 17), Rn. 877 ff., 1014 ff.
    91 Vgl. § 59 Abs. 1 S. 2 HG BW; Art. 43 Abs. 5, 6 BayHG; § 10 Abs. 5,
    5a BerlHG; § 9 Abs. 5, 6 BbgHG; § 32 Abs. 6, 8 BremHG; § 39 HG
    HH; § 16, § 20 Abs. 2 Nr. 14 HessHG i.V.m. Sat­zun­gen der Hoch­schu­len;
    § 18 Abs. 4 HG M‑V i.V.m. Sat­zun­gen der Hoch­schu­len;
    § 18 Abs. 8 NHG; § 49 Abs. 6 HG NRW; § 41 Abs. 6 KHG NRW:
    § 19 Abs. 2 HG RLP; § 77 Abs. 6 SaarlHG; § 17 Abs. 10 SächsHG;
    § 27 Abs. 7 und 8 HG LSA; § 49 Abs. 4 bis 6 HSG S‑H; § 67 Abs. 1
    S. 1 Nr. 4 ThürHG.
    92 J. Hof­mann, in: C. von Coelln/V. Haug, Beck­OK Hoch­schul­recht
    Baden-Würt­tem­berg, 14. Edi­ti­on, § 59 Rn. 12.
    93 C. Ernst/J. A. Käm­me­rer, Berufs­frei­heit im Bolo­gna-Pro­zess. Ver­fas­sungs­recht­li­che
    Anfor­de­run­gen an den Zugang zu Bache­lor
    und Mas­ter, RdJB 2011, 297 (310).
    94 A. Musil, Aktu­el­le Rechts­pro­ble­me der Mas­ter­zu­las­sung in
    Deutsch­land, RdJB 2014, 400 (407 f.).
    95 C. Col­ditz, in: C. von Coelln/A. Pautsch, Beck­OK Hoch­schul­recht
    Nie­der­sach­sen, 14. Edi­ti­on, § 14 Rn. 35.
    96 Vgl. E. Albrecht/A. Dre­scher, in: L. Knopp/F.-J. Peine/H. Topel,
    Bran­den­bur­gi­sches Hoch­schul­ge­setz, 3. Aufl. 2018, § 9 Rn. 63 f.
    Vgl. zur jewei­li­gen lan­des­spe­zi­fi­schen Rechts­la­ge VG Karls­ru­he,
    Urt. v. 29.1.2015 – 7 K 3300/14 –, juris, Rn. 25 ff.; VG Ber­lin, Beschl.
    v. 9.10.2012 – 3 L 524.12 –, juris, Rn. 5. Vgl. Ernst/Kämmerer
    (Fn. 93), 297 (309 f.).
    Bode · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 9 1
    (DQR),97 ersetzt wer­den. Auch das „Zusam­men­zie­hen
    von fach­spe­zi­fi­schen Leis­tun­gen aus meh­re­ren Stu­di­en­gän­gen“,
    etwa der BWL und der Psy­cho­lo­gie, ist kein zuläs­si­ges
    Instru­ment, um die Befä­hi­gung für ein Mas­ter­stu­di­um
    nachzuweisen.98 Beruf­lich Qua­li­fi­zier­te, die
    nicht über einen Hoch­schul­ab­schluss ver­fü­gen, kön­nen
    nicht den Zugang zu einem Mas­ter­stu­di­en­gang bean­spru­chen,
    99 auch wenn eini­ge Bun­des­län­der den Zugang
    für bestimm­te Mas­ter­stu­di­en­gän­ge öffnen.100
    Für aus­län­di­sche Bil­dungs­ab­schlüs­se gilt auch hier
    die Lis­sa­bon-Kon­ven­ti­on, nach der – unab­hän­gig von einer
    Über­prü­fung der Lehr­in­hal­te – die Aner­ken­nung erfol­gen
    muss, wenn nicht ein wesent­li­cher Unter­schied
    zwi­schen den all­ge­mei­nen Zugangs­vor­aus­set­zun­gen in
    der aus­stel­len­den Ver­trags­par­tei und der auf­neh­men­den
    Ver­trags­par­tei besteht. Ent­schei­dend sind wie­der­um die
    Emp­feh­lun­gen der ZAB.101 Der Abschluss eines sog.
    Fran­chise-Stu­di­en­gangs, bei dem die aus­län­di­sche
    Hoch­schu­le einen Bache­lor­grad ver­leiht, ist nicht auto­ma­tisch
    gleich­wer­tig; ent­schei­dend ist, wer fak­tisch die
    Leh­re erbringt.102 Ins­ge­samt kön­nen hier kom­pli­zier­te
    Fra­ge­stel­lun­gen auftreten.103
    b. Zusätz­li­che Eig­nungs- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen
    Die Fest­le­gung bestimm­ter Eig­nungs- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen
    für die ein­zel­nen Stu­di­en­gän­ge
    obliegt den Hoch­schu­len nach Maß­ga­be des Lan­des­rechts.
    Als Kri­te­ri­en in Betracht kom­men grund­sätz­lich
    die Note des grund­stän­di­gen Stu­di­en­gan­ges, eine beson­de­re
    fach­li­che Nähe zum ange­streb­ten Mas­ter­stu­di­um
    oder der Nach­weis von Ein­zel­leis­tun­gen des Bache­lors.
    aa. Note
    Die Fra­ge, ob eine qua­li­fi­zier­te, also eine von vorn­her­ein
    defi­nier­te, Note des Bache­lor­ab­schlus­ses zur Zugangs­be­din­gung
    gemacht wer­den kann, wird unter den Bun­des­län­dern
    kon­tro­vers beur­teilt. Ein Teil der Bun­des­län­der,
    etwa Bre­men und NRW, hält die Her­an­zie­hung der Note
    auf der Zugangs­ebe­ne für geboten.104 Ande­res gilt aller­dings
    für den Zugang zu regle­men­tier­ten Beru­fen wie
    dem Lehramt.105 Gerich­te ande­rer Bun­des­län­dern, dar­un­ter
    Bran­den­burg, Ham­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern,
    erach­ten den Rück­griff auf eine qua­li­fi­zier­te
    Note für unzu­läs­sig bzw. unver­hält­nis­mä­ßig. Das VG
    Ham­burg etwa geht davon aus, dass § 39 Abs. 1 HG HH
    die Hoch­schu­len nicht ermäch­ti­ge, bestimm­te Zugangs­no­ten
    fest­zu­set­zen; dies über­schrei­te im Übri­gen die Sat­zungs­be­fug­nis
    der Hochschulen.106
    Soweit eine Her­an­zie­hung der Note auf Ebe­ne des
    Zugangs erfolgt, haben die Lite­ra­tur und vor allem die
    Recht­spre­chung inzwi­schen Maß­stä­be für die Prü­fung
    der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit entwickelt:107 Anhalts­punkt ist
    das Noten­ni­veau im ent­spre­chen­den Stu­di­en­gang. Eine
    Rege­lung ist nach der Recht­spre­chung des VGH Bay­ern
    dann ange­mes­sen, wenn die Anfor­de­run­gen in einem
    Bereich lie­gen, der dem Ergeb­nis von über 60 % der Absol­ven­ten
    des Bache­lor­stu­di­en­gangs in den vori­gen Jah­ren
    entspricht.108 Unan­ge­mes­sen dage­gen ist die Note
    1,1, die nur ca. 5 Pro­zent der Absol­ven­ten errei­chen, für
    den unmit­tel­ba­ren Zugang zum Stu­di­um der Psy­cho­lo­gie,
    und zwar auch dann, wenn Bewer­ber im Bereich von
    1,2 bis 1,8 nach Durch­füh­rung eines Eig­nungs­ver­fah­rens
    den Zugang erhal­ten können.109 Dem­ge­gen­über geht das
    VG Ber­lin davon aus, dass sämt­li­che Zugangs­vor­aus­set-
    97 OVG Lüne­burg (2. Senat), Beschl. v. 21.3.2017 – 2 ME 75/17 =
    Beck­RS 2017, 104446; Col­ditz, (Fn. 95), § 14 Rn. 35.
    98 VG Kas­sel, Beschl. v. 2.12.2019 – 3 L 2696/19.KS –, juris, Rn. 38.
    99 BayVGH, Beschl. v. 15.1.2013 – 7 CE 12.2407 –, juris = BayVBl
    2013, 604 ff.; BayVGH, Urt. v. 13.7.2015 – 7 BV 14.1507 =
    Beck­RS 2015, 49683; die­se Ent­schei­dung bestä­ti­gend BVerwG,
    Urt. v. 14.12.2016 – 6 C 19/15 –, juris; N. Lei­her, in: V. von
    Coelln/J. F. Lind­ner, Beck­OK Hoch­schul­recht Bay­ern, 15. Edi­ti­on,
    Art. 43 Rn. 14.
    100 Vgl. § 10 Abs. 6 Nr. 9 BerlHG; § 29 Abs. 3 HH HG (Zugang zu
    künst­le­ri­schen oder wei­ter­bil­den­den Mas­ter­stu­di­en­gän­gen); §
    16 Abs. 2; § 23 Abs. 2 HessHG (Zugang zu wei­ter­bil­den­den oder
    künst­le­ri­schen Mas­ter­stu­di­en­gän­gen); § 63 Abs. 3 ThürHG (Zugang
    zu wei­ter­bil­den­den Mas­ter­stu­di­en­gän­gen).
    101 Vgl. zu den Bewer­tun­gen der ZAB in Bezug zur Aner­ken­nung
    von aus­län­di­schen Diplo­men VG Dres­den, Urt. v. 24.8.2009 – 5
    K 1579/08 –, juris; VG Frei­burg (1. Kam­mer), Urt. v. 2.3.2016 – 1 K
    1511/14 = Beck­RS 2016, 43947.
    102 Vgl. VG Mün­chen, Urt. v. 4.5.2016 – M 15 K 14.1191 –, juris,
    Rn. 29.
    103 Bode (Fn. 17), Rn. 1276 f.
    104 Es ging um eine Min­dest­no­te von 2,5 beim Zugang zum Mas­ter­stu­di­en­gang
    „Busi­ness Manage­ment“: OVG Bre­men, Beschl.
    v. 6.8.2010 – 2 B 133/10 –, juris, Rn. 33; OVG NRW, Beschl. v.
    26.1.2011 – 13 B 1640/10 –, juris, Rn. 5; Beschl. v. 16.5.2013 – 13
    B 307/13 –, juris, Rn. 3 ff, 18; Beschl. v. 16.2.2016 – 13 B 1516/15 =
    OVG Müns­ter, NVwZ-RR 2016, 503.
    105 Vgl. § 49 Abs. 6 S. 3 HG NRW.
    106 VG Ham­burg, Beschl. v. 14.11.2014 – 19 E 4290/14 = Beck­RS 2015,
    51346.
    107 Vgl. R. Brehm/W. Zim­mer­ling, Eig­nungs­prü­fun­gen und Mas­ter-
    Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen als Stu­di­en­zu­las­sungs­hür­de, NVwZ
    2012, 1376 (1378 f.); H. Maier/R. Brehm, Zugangs- und Aus­wahl­re­ge­lun­gen
    zur Auf­nah­me eines Mas­ter­stu­di­ums, OdW 2014, 151
    (159 ff.).
    108 BayVGH, Beschl. v. 2.9.2013 – 7 CE 13.1084 –, juris, Rn. 32; Musil,
    Fn 94, 400 (407); ähn­lich: VG Regens­burg, Urt. v. 23.1.2015 – RO
    9 K 14.1431 = Beck­RS 2015, 43518.
    109 BayVGH, Beschl. v. 26.11.2020 – 7 CE 20.2216 –, juris, Rn. 18 f.
    1 9 2 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    zun­gen für die­sen Mas­ter­stu­di­en­gang auch über das hin­aus­ge­hen
    dürf­ten, was Stu­die­ren­de des ent­spre­chen­den
    Bache­lor­stu­di­en­gangs an der ent­spre­chen­den Hoch­schu­le
    zu absol­vie­ren hät­ten, sofern die Erfah­run­gen
    und Ein­schät­zun­gen des Fach­be­reichs dies erfor­der­lich
    machten.110 Die Kasu­is­tik zu die­ser Fra­ge ist vielfältig.111
    Kei­ne Beden­ken sah etwa das OVG des Saar­lan­des bei
    der Note 2,9 im Stu­di­en­gang „Inter­na­tio­nal Manage­ment“.
    112 Das OVG NRW erach­te­te die Note 2,5 oder
    bes­ser für den Stu­di­en­gang Wirt­schafts­in­ge­nieur­we­sen
    (Fach­rich­tung Maschi­nen­bau) als angemessen;113 in
    Psy­cho­lo­gie bil­lig­te das Gericht die Maß­ga­be der Hoch­schu­le,
    dass der Bache­lor­ab­schluss in Psy­cho­lo­gie eine
    Gesamt­no­te von min­des­tens 2,5 auf­wei­sen muss bzw. bei
    einem noch aus­ste­hen­den Abschluss bereits min­des­tens
    132 Leis­tungs­punk­te mit einem Noten­durch­schnitt von
    min­des­tens 2,2 vorliegen.114 Eine jähr­lich schwan­ken­de
    Anpas­sung der Note an die Bewer­ber­zah­len ist unzu­läs­sig,
    weil sich die­se offen­kun­dig nicht nach den Anfor­de­run­gen
    an den Stu­di­en­gang rich­tet, son­dern markt­re­gu­la­to­ri­schen
    Zwe­cken dient bzw. den Auf­wand der Unter­la­gen­prü­fung
    reduziert.115
    Soweit die Note her­an­ge­zo­gen wird, stellt sich die
    Fra­ge der Ver­gleich­bar­keit, schließ­lich kann nicht geleug­net
    wer­den, dass ver­schie­de­ne Hoch­schu­len im Inund
    Aus­land unter­schied­li­che Noten­ni­veaus auf­wei­sen.
    Zwar ist bis­lang noch offen, ob die stren­gen Maß­stä­be,
    die das BVerfG im Zusam­men­hang mit der Hoch­schul­zu­las­sung
    zumin­dest bei deut­lich nach­ge­frag­ten Stu­di­en­gän­gen
    für die Ver­gleich­bar­keit von Noten auf­ge­stellt
    hat,116 auch in Bezug auf den Zugang zum Mas­ter gel­ten.
    117 Dies lässt sich mit guten Grün­den zumin­dest für
    stark nach­ge­frag­te Stu­di­en­gän­ge anneh­men. Die Bun­des­län­der
    haben das Pro­blem bereits früh­zei­tig erkannt:
    Mit der Ein­füh­rung rela­ti­ver Noten bzw. Pro­zenträn­ge
    inner­halb Deutschlands118 und mit der sog. Pro­zentrang­trans­for­ma­ti­on
    der KMK in Bezug auf aus­län­di­sche
    Abschlüs­se haben sie ver­sucht, die Ver­gleich­bar­keit zu
    erhöhen.119 Aller­dings schei­ter­ten die­se Ansät­ze, wohl
    unter ande­rem des­we­gen, weil kei­ne gemein­sa­men Stan­dards,
    etwa für die Bestim­mung der Refe­renz­grup­pen,
    gefun­den wer­den konnten.120 Eine Lösung könn­te die
    pau­scha­le Ein­füh­rung schrift­li­cher oder münd­li­cher
    Prü­fungs­ver­fah­ren bie­ten, die aller­dings für die Hoch­schu­len
    aus­ge­spro­chen auf­wän­dig sind.121
    Die Noten aus­län­di­scher Bache­lor­ab­schlüs­se wer­den
    – wie die Schul­zeug­nis­se im grund­stän­di­gen Bereich –
    anhand der modi­fi­zier­ten Baye­ri­schen For­mel auf das
    deut­sche Noten­sys­tem umgerechnet.122
    bb. Wei­te­re Eig­nungs- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen
    Neben oder statt der Note kön­nen die Hoch­schu­len wei­te­re
    Eig­nungs- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen fest­le­gen,
    falls – und nur soweit – dies wegen spe­zi­el­ler fach­li­cher
    Anfor­de­run­gen des jewei­li­gen Mas­ter­stu­di­en­gan­ges
    nach­weis­lich erfor­der­lich ist.123 Über die Aus­wahl
    die­ser beson­de­ren Zugangs­vor­aus­set­zun­gen, die sich an
    der Stu­di­en­ord­nung und dem Pro­fil des Stu­di­en­gangs
    ori­en­tie­ren, ent­schei­det die Hoch­schu­le im Rah­men
    ihrer Zugangssatzung.124 Die­se dient der Qua­li­täts­si­che­rung
    eben­so wie der effek­ti­ven Durch­füh­rung des Mas­ter­stu­di­ums.
    125
    Zu den Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen gehö­ren die
    enge fach­li­che Nähe zum Mas­ter­stu­di­en­gang, nach­ge­wie­se­ne
    Ein­zel­leis­tun­gen des ers­ten berufs­qua­li­fi­zie­ren­den
    Abschlus­ses (beleg­te Fächer nach­ge­wie­sen z.B.
    durch ECTS), fach­be­zo­ge­ne Sprach­kennt­nis­se, stan­dar­di­sier­te
    und struk­tu­rier­te Test­ver­fah­ren zur Fest­stel­lung
    der Eig­nung als Hoch­schul­prü­fung, ggf. und soweit erfor­der­lich,
    fach­lich ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung. Dage­gen
    ist es unzu­läs­sig, Vor­prak­ti­ka oder Eig­nungs­fest­stel­lungs­prü­fun­gen
    zu ver­lan­gen, soweit kei­ne Rechts­grund­la­ge
    hier­für besteht. Auch Moti­va­ti­ons­schrei­ben
    110 VG Ber­lin (3. Kam­mer), Beschl. v. 6.7.2017 – VG 3 L 419.16 =
    Beck­RS 2017, 120681.
    111 Vgl. Bode (Fn. 17), Rn. 1280 f.
    112 OVG Saar­land, Beschl. v. 16.1.2012 – 2 B 409/11 –, juris, Rn. 24 ff.
    113 OVG NRW, Beschl. v. 15.6.2015 – 13 B 505/15 –, juris, Rn. 4.
    114 OVG NRW, Beschl. v. 16.5.2013 – 13 B 308/13 –, juris, Rn. 2, 6 f.
    115 Ernst/Kämmerer (Fn. 93), 297 (311).
    116 Vgl. Bode (Fn. 17), Rn. 307 ff.
    117 Vgl. OVG NRW, Beschl. v. 15.1.2020 – 13 A 2332/19 –, juris,
    Rn. 18 ff.
    118 Bran­den­burg hat­te dies als ein­zi­ges Bun­des­land zwi­schen­zeit­lich
    vor­ge­se­hen. M. Bode, in: L. Knopp/F.-J. Peine/H. Topel, Bran­den­bur­gi­sches
    Hoch­schul­ge­setz, 3. Aufl. 2018, BbgHZG § 2 Rn. 12 ff.
    119 Auch der Gesetz­ge­ber in NRW ging offen­kun­dig davon aus,
    dass es „tabel­la­ri­schen Prozentrangliste[n]“ bzw. „ähn­li­che
    Vergleichsbewertung[en] des Euro­päi­schen Hoch­schul­raums“
    geben soll­te. NRW LT-Drs. 16/5410, 345.
    120 Bode (Fn. 89), 173 (186 f.).
    121 Lei­her, in: (Fn. 99), Art. 43 Rn. 18.
    122 Vgl. VG Cott­bus, Urt. v. 15.11.2006 – 1 K 41/02 –, juris.
    123 Vgl. zur Recht­spre­chung Brehm/Zimmerling (Fn. 107), 1376 (1378
    f.); Maier/Brehm (Fn. 107), 151 (158); S. Klu­ckert, Gesetz­li­che Zugangs­re­ge­lun­gen
    für Mas­ter­stu­di­en­gän­ge im Land Ber­lin und das
    Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit, DÖV 2008, 905 (905 ff.);
    C. Mor­gen­roth, Hoch­schul­stu­di­en­recht und Hochschulprüfungsrecht,
  8. Aufl. 2021, Rn. 203 ff.; Bode (Fn. 118), BbgHZG, Vor­bem.
    Rn. 21 ff.
    124 VG Pots­dam, Beschl. v. 28.5.2014 – 9 L 71/14 –, juris, Rn. 3.
    125 A 2.1, Län­der­ge­mein­sa­me Struk­tur­vor­ga­ben für die Akkre­di­tie­rung
    von Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen, Beschl. der KMK
    v. 10.10.2003 in der Fas­sung v. 4.2.2010. Vgl. VerfGH Ber­lin,
    Beschl. v. 19.6.2013 – 150/12, 150 A/12 –, juris, Rn. 50; Ernst/Kämmerer
    (Fn. 93), 297 (305 ff.).
    Bode · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 9 3
    wei­sen für sich genom­men kei­nen fach­li­chen Bezug zur
    wis­sen­schaft­li­chen Eig­nung auf und sind über­dies
    missbrauchsanfällig.126
    Kon­se­ku­ti­ve Mas­ter set­zen vor­aus, dass der Bache­lor
    im ent­spre­chen­den zuge­hö­ri­gen grund­stän­di­gen oder in
    einem „inhalt­lich ver­wand­ten“ Stu­di­en­gang erwor­ben
    wor­den ist. Die­ses Kri­te­ri­um ist nicht immer leicht zu
    bestim­men, aber grund­sätz­lich zulässig.127 Hier ist im
    Ein­zel­nen zu unter­su­chen, ob die Stu­di­en­gän­ge mit dem
    ent­spre­chen­den grund­stän­di­gen Bache­lor­stu­di­um ver­gleich­bar
    sind, wobei nicht allein auf die Bezeich­nung,
    son­dern die inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung und die Schwer­punk­te
    abge­stellt wer­den muss.128 Wäh­rend etwa der
    Abschluss im Bache­lor­stu­di­en­gang Sport­ma­nage­ment
    dem Mas­ter­stu­di­en­gang Betriebs­wirt­schafts­leh­re als inhalt­lich
    ver­wandt anzu­se­hen ist, da er zu einem maß­geb­li­chen
    Anteil Leis­tun­gen aus der Betriebs­wirt­schafts­leh­re
    umfasst,129 gilt dies nicht für den Abschluss als Diplom-
    Bio­lo­gin im Ver­hält­nis zum Hoch­schul­ab­schluss in
    „Theo­lo­gi­sche Studien/Theological Stu­dies“ weil inhalt­lich
    nicht gleichwertig.130 Es steht der Ver­gleich­bar­keit
    nicht ent­ge­gen, wenn ein­zel­ne Fächer an bestimm­ten
    Hoch­schu­len nicht gelehrt wer­den, solan­ge dies durch
    ande­re Fächer oder Schwer­punkt­set­zun­gen aus­zu­glei­chen
    ist.131 Bei der Fest­stel­lung der Gleich­wer­tig­keit eines
    Abschlus­ses, die auch auf eine Aus­wahl­kom­mis­si­on
    dele­giert wer­den kann,132 han­delt es sich um einen gericht­lich
    voll über­prüf­ba­ren unbe­stimm­ten
    Rechtsbegriff.133
    Deut­li­cher als ande­re Gerich­te betont das OVG NRW
    den Cha­rak­ter des ers­ten berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschlus­ses
    als Aus­gangs­punkt für den Mas­ter­zu­gang.
    Des­sen Rela­ti­vie­rung durch eine Kom­bi­na­ti­on mit wei­te­ren
    Kri­te­ri­en hält es für nicht angän­gig. So fehlt es aus
    Sicht des OVG NRW an einer Rechts­grund­la­ge für die
    Her­an­zie­hung von Zugangs­kri­te­ri­en jen­seits der „Qua­li­tät
    des ers­ten berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschlus­ses“, also
    der Durch­schnitts­no­te bzw. dem Anfor­de­rungs­pro­fil in
    Gestalt von einer Min­dest­zahl von Leis­tungs­punk­ten aus
    bestimm­ten Gebie­ten sowie der fach­li­chen Nähe. Die
    Zugangs­re­ge­lung zum Master134 sei abschlie­ßend; ein
    Rück­griff auf ande­re Kri­te­ri­en, etwa das der Stu­di­en­dau­er
    oder beson­de­rer Ein­zel­leis­tun­gen, sei damit unzu­läs­sig,
    eben­so wie die Sub­de­le­ga­ti­on der Ent­schei­dung über
    den Zugang an den Prüfungsausschuss.135 Mög­lich blei­ben
    aller­dings stu­di­en­gangs­be­zo­ge­ne Vor­bil­dun­gen,
    Eig­nun­gen und Vor­tä­tig­kei­ten, soweit die­se „nicht an
    den ers­ten berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss anknüp­fen“
    und im Ein­zel­fall dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz
    gerecht werden.136
    Sofern Ein­zel­leis­tun­gen oder sons­ti­ge Kri­te­ri­en ver­langt
    wer­den, müs­sen die­se Anfor­de­run­gen eine fach­li­che
    Berech­ti­gung haben.137 Für den Stu­di­en­gang „Manage­ment
    und Mar­ke­ting“ des Fach­be­reichs Wirt­schafts­wis­sen­schaft
    darf etwa ein „Min­dest­an­teil von 18 Leis­tungs­punk­ten
    in den Grund­la­gen der Mathe­ma­tik,
    Sta­tis­tik und/oder Öko­no­me­trie“ gefor­dert wer­den „sowie
    der durch Vor­la­ge einer Abschluss­ar­beit des Bache­lor­stu­di­en­gangs
    oder durch gleich­wer­ti­ge Leis­tun­gen zu
    erbrin­gen­de Nach­weis der Fähig­keit, The­men aus dem
    Bereich Manage­ment und Mar­ke­ting nach wis­sen­schaft­li­chen
    Metho­den bear­bei­ten zu können“.138 Für den
    Mas­ter­stu­di­en­gang „Wirt­schafts­in­ge­nieur­we­sen“ darf
    eine „min­des­tens zwei­jäh­ri­ge inge­nieur­spe­zi­fi­sche Berufs­tä­tig­keit“
    oder „ein Hoch­schul­ab­schluss in einem inge­nieur­wis­sen­schaft­li­chen
    Stu­di­en­gang und eine min­des­tens
    zwei­jäh­ri­ge kauf­män­ni­sche Berufs­tä­tig­keit“ ver­langt
    werden.139 Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen, die bereits
    Gegen­stand des ers­ten berufs­qua­li­fi­zie­ren­den
    Hoch­schul­ab­schlus­ses waren, etwa die Fähig­keit, ein
    The­ma nach wis­sen­schaft­li­chen Metho­den bear­bei­ten zu
    kön­nen, gel­ten mit dem Nach­weis des Bache­lor­stu­di­en­ab­schluss
    regel­mä­ßig bereits als nachgewiesen.140 Unzu­läs­sig
    ist es nach dem VGH Bay­ern, wenn nur mit der
    Note 1,1 der unmit­tel­ba­re Zugang zum Mas­ter­stu­di­en­gang
    Psy­cho­lo­gie ein­ge­räumt wird und bis zur Noten­stu­fe
    1,8 eine Eig­nungs­fest­stel­lungs­prü­fung folgt, denn hier
    sei nicht erkenn­bar, war­um in die­sem Seg­ment eine beson­de­re
    Eig­nung erst noch nach­ge­wie­sen wer­den
    müsste.141
    126 Albrecht/Drescher (Fn. 96), § 9 Rn. 65; kri­tisch gegen­über Moti­va­ti­ons­schrei­ben
    auch Mor­gen­roth (Rn. 122), Rn. 204.
    127 VG Pots­dam, Beschl. v. 28.5.2014 – 9 L 71/14 –, juris, Rn. 6; vgl.
    Lei­her (Fn. 99), Art. 43 Rn. 14.
    128 Vgl. VG Braun­schweig (6. Kam­mer), Beschl. v. 31.3.2017 – 6 B
    434/16 = Beck­RS 2017, 106713.
    129 VG Pots­dam, Beschl. v. 28.5.2014 – 9 L 71/14 –, juris, Rn. 5 f.
    130 BayVGH, Beschl. v. 25.04.2012 – 7 CE 12.153 und 7 C 12.154 =
    Beck­RS 2012, 52757.
    131 VG Ber­lin, Beschl. v. 22.11.2011 – 3 L 675.11 –, juris, Rn. 8.
    132 OVG Lüne­burg, Beschl. v. 9.8.2021 – 2 NB 57/21 –, juris, Rn. 9 f.
    133 OVG Lüne­burg, Beschl. v. 9.8.2021 – 2 NB 57/21 –, juris, Rn. 11.
    134 § 49 Abs. 6 S. 3 HG NRW: „Die Prü­fungs­ord­nun­gen kön­nen
    bestim­men, dass für einen Stu­di­en­gang […] ein vor­an­ge­gan­ge­ner
    qua­li­fi­zier­ter Abschluss nach­zu­wei­sen ist.“
    135 OVG NRW, Beschl. v. 15.6.2015 – 13 B 505/15 –, juris, Rn. 5 ff.;
    Beschl. v. 18.4.2012 – 13 B 52/12 –, juris, Rn. 15; Beschl. v. 26.1.2011
    – 13 B 1640/10 –, juris, Rn. 20 ff.
    136 OVG NRW, Beschl. v. 15.2.2018 – 13 C 60/17 –, juris, Rn. 17.
    137 M.w.N. Bode (Fn. 17), Rn. 1289 f.
    138 VG Ber­lin, Beschl. v. 29.5.2013 – 3 L 408.12 –, juris, Rn. 5 ff.
    139 VG Ber­lin, Beschl. v. 11.12.2012 – 3 L 338.12 –, juris, Rn. 8 ff.
    140 VG Ber­lin, Urt. v. 15.8.2011 – 3 K 267.10 –, juris, Rn. 51 f.; Beschl. v.
    22.2.2011 – 3 L 265.10 –, juris, Rn. 59.
    141 BayVGH, Beschl. v. 26.11.2020 – 7 CE 20.2216 –, juris, Rn. 19.
    1 9 4 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    Der Zugang zu wei­ter­bil­den­den Mas­ter­stu­di­en­gän­gen
    setzt regel­mä­ßig einen ers­ten Hoch­schul­ab­schluss
    oder einen gleich­wer­ti­gen Abschluss sowie eine qua­li­fi­zier­te
    berufs­prak­ti­sche Erfah­rung von in der Regel min­des­tens
    einem Jahr vor­aus. Die Kon­kre­ti­sie­rung der berufs­prak­ti­schen
    Qua­li­fi­ka­ti­on obliegt der Hoch­schu­le.
    c. Aus­nah­me von den zusätz­li­chen Eig­nungs- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen
    Frag­lich ist, wie weit die­se Zugangs­vor­aus­set­zun­gen
    unab­ding­bar sind – so das tra­di­tio­nel­le Ver­ständ­nis –
    bzw. wie weit im Ein­zel­fall Aus­nah­men gemacht wer­den
    kön­nen. Bis­lang wur­den die Zugangs­be­din­gun­gen zum
    Mas­ter, ins­be­son­de­re die Noten­er­forder­nis­se, recht
    streng ein­ge­hal­ten und sind bei­spiels­wei­se auch dann
    bin­dend, wenn im Kapa­zi­täts­ver­fah­ren wei­te­re Stu­di­en­plät­ze
    zu ver­ge­ben sind.142
    In zeit­li­cher Hin­sicht wird der Zugang zum Mas­ter
    auch dann gewährt, wenn die Hoch­schu­le die Eig­nung
    „ins­be­son­de­re anhand einer nach den bis­lang vor­lie­gen­den
    Prü­fungs­leis­tun­gen ermit­tel­ten Durch­schnitts­no­te“
    fest­stel­len kann.143 Ent­spre­chen­de Nor­men die­nen der
    Ver­mei­dung von Ver­zö­ge­run­gen und sind unbe­denk­lich,
    solan­ge sie nicht in einem sich ggf. anschlie­ßen­den
    Zulas­sungs­ver­fah­ren ver­zer­ren­de Wir­kung ent­fal­ten, indem
    bes­ser qua­li­fi­zier­te Bewer­ber auf­grund von Pro­gno­se­feh­lern
    ver­drängt werden.144
    Im Zusam­men­hang mit dem Mas­ter­zu­gang urteil­te
    der VGH Mün­chen, dass es „zur Wah­rung der Zumut­bar­keit
    […] auch bei zugangs­be­schrän­ken­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen
    gebo­ten sein [kann, erg.], in begrün­de­ten
    Aus­nah­me­fäl­len gerin­ge­re Qua­li­fi­ka­tio­nen
    aus­rei­chen zu las­sen oder Befrei­ungs­mög­lich­kei­ten vor­zu­se­hen“.
    145 Die Hoch­schu­le bestimm­te für den Zugang
    zum Mas­ter­stu­di­en­gang Psy­cho­lo­gie eine Durch­schnitts­no­te
    von min­des­tens 1,3 bzw. 1,4 bis 1,8 bei spe­zi­fi­schem
    Nach­weis der Eig­nung; der VGH Bay­ern hielt
    die­se Zugangs­hür­de, die von ca. 78 Pro­zent der Bewer­ber
    erreicht wird, für ange­mes­sen. Den­noch ver­pflich­te­te
    er die Hoch­schu­le, eine Bewer­be­rin mit der Gesamt­no­te
    von 2,3 auf­zu­neh­men, die auf den Roll­stuhl ange­wie­sen
    ist und eine Seh­be­hin­de­rung hat, so dass ihr weder
    das Stu­di­um an einem nicht-roll­stuhl­ge­rech­ten
    Cam­pus noch ent­spre­chen­de Auto­fahr­ten zumut­bar
    sind.146
    Der VGH Bay­ern nahm dabei auf eine Ent­schei­dung
    des BVerwG Bezug, in wel­cher die­ses zwar die vor­her­ge­hen­de
    Ent­schei­dung der Vor­in­stanz auf­recht erhal­ten
    und für recht­mä­ßig befun­den hat­te, dass der Zugang zu
    Mas­ter­stu­di­en­gän­gen ein fach­lich ein­schlä­gi­ges Hoch­schul­stu­di­um
    vor­aus­set­ze, zugleich aber „Zugangs­be­schrän­kun­gen,
    die dar­auf ange­legt sind, dass sie nur
    über­durch­schnitt­lich befä­hig­te Bewer­ber erfül­len kön­nen,“
    für unver­hält­nis­mä­ßig erklärt hat­te; aus Grün­den
    der „Zumut­bar­keit“ sei es gebo­ten, Aus­nah­men und Befrei­un­gen
    zuzulassen.147
    Zumin­dest für nicht zulas­sungs­be­schränk­te post­gra­dua­le
    Mas­ter­stu­di­en­gän­ge, bei denen „neben einem
    Hoch­schul­ab­schluss oder einem ver­gleich­ba­ren Abschluss“
    zusätz­li­che Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen ver­langt
    wür­den, dürf­te „der Bewer­ber, der die­se wei­ter­ge­hen­den
    Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt, daher nicht gene­rell
    dar­auf ver­wie­sen wer­den, die Berück­sich­ti­gung beson­de­rer
    Här­te­ge­sichts­punk­te sei aus­ge­schlos­sen“, wie
    der VGH Bay­ern wei­ter ausführte.148 Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen
    kön­nen also gene­rell ange­mes­sen sein, im
    Ein­zel­fall aller­dings eine Abwei­chung vom Noten­er­forder­nis
    aus Här­te­grün­den gebieten.149 In einer wei­te­ren
    Ent­schei­dung griff der VGH Bay­ern sei­ne Recht­spre­chung
    wie­der­um auf, lehn­te jedoch den Antrag eines Bewer­bers,
    der über einen ent­spre­chen­den ers­ten Stu­di­en­ab­schluss
    mit der Note 3,1 ver­füg­te, für den Mas­ter­stu­di­en­gang
    Elek­tro­tech­nik und Infor­ma­ti­ons­tech­nik, bei
    dem ein Eig­nungs­fest­stel­lung statt­fin­det, ab und beton­te
    die engen Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me einer ent­spre­chen­den
    Här­te. Ins­be­son­de­re hän­ge die­se nicht
    zwangs­läu­fig von einer Behin­de­rung ab; viel­mehr sei
    eine „beson­ders schwer­wie­gen­de per­sön­li­che Aus­nah­me­si­tua­ti­on“
    zu ver­nei­nen, sofern der Betrof­fe­ne „zumut­ba­re
    Maß­nah­men nicht ergreift“.150
    Die­se Recht­spre­chung des VGH Bay­ern wird inzwi­schen
    auch von ande­ren Gerich­ten rezi­piert. Für den Zugang
    zum Mas­ter­stu­di­en­gang Wirt­schafts­che­mie (Min­dest­no­te
    von 2,5) ver­nein­te das VG Schles­wig-Hol­stein
    die Unzu­mut­bar­keit im Fall einer Bewer­be­rin mit der
    Abschluss­no­te 3,0. Eine Aus­nah­me­re­ge­lung erschei­ne
    142 VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschl. v. 15.5.2020 – NC 9 S 1346/20
    –, juris, Rn. 25.
    143 Vgl. § 49 Abs. 6 S. 4 HG NRW.
    14 Bode (Fn. 17), Rn. 1306 f.
    145 VGH Mün­chen (7. Senat), Beschl. v. 6.5.2019 — 7 CE 18.2023 =
    Beck­RS 2019, 8693, Leit­satz, Rn. 22.
    146 VGH Mün­chen (7. Senat), Beschl. v. 6.5.2019 — 7 CE 18.2023 =
    Beck­RS 2019, 8693, Leit­satz, Rn. 20 ff.
    147 BVerwG, Urt. v. 14.12.2016 – 6 C 19/15 –, juris = BVerw­GE 157,
    46–54, Rn. 10 f.
    148 VGH Mün­chen (7. Senat), Beschl. v. 6.5.2019 — 7 CE 18.2023 =
    Beck­RS 2019, 8693, Leit­satz, Rn. 23.
    149 VGH Mün­chen (7. Senat), Beschl. v. 6.5.2019 — 7 CE 18.2023 =
    Beck­RS 2019, 8693, Leit­satz, Rn. 25 f.
    150 BayVGH, Beschl. v. 4.2.2021 – 7 CE 20.3072 –, juris, Rn. 25, 27.
    Bode · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 9 5
    dann „sach­ge­recht und gerecht­fer­tigt, wenn sie […]
    dazu dient, Schwä­chen im Grenz­be­reich zu qua­li­fi­ka­ti­ons­si­chern­den
    Zugangs­vor­aus­set­zun­gen wie einer Min­dest­no­te
    abzu­mil­dern“; dage­gen sei „eine qua­li­fi­ka­ti­ons­un­ab­hän­gi­ge
    Aus­nah­me­re­gel für Stu­die­ren­de mit
    Behin­de­rung“ nicht erforderlich.151 Das OVG NRW hält
    eine Aus­nah­me­re­ge­lung „allen­falls“ dann für ange­mes­sen,
    wenn sie „Schwä­chen im Grenz­be­reich zu ande­ren
    qua­li­fi­ka­ti­ons­si­chern­den Zugangs­vor­aus­set­zun­gen“,
    etwa einer Min­dest­no­te, aus­glei­chen soll. Im Fall einer
    Bewer­be­rin mit der Note 3,4 und einer Behin­de­rung, die
    sich auf einen Mas­ter­stu­di­en­gang Betriebs­wirt­schaft mit
    der Zugangs­schwel­le von 2,5 bewarb, sah das Gericht
    die­sen Grenz­be­reich als nicht mehr gege­ben an. Dem
    „all­ge­mei­nen Aus­gleich von Här­ten – hier eine gel­tend
    gemach­te Orts­ge­bun­den­heit infol­ge einer Behin­de­rung
    – unter einem gene­rel­len Ver­zicht auf den Nach­weis einer
    noch genü­gen­den Qua­li­fi­ka­ti­on zur Bewäl­ti­gung des
    Stu­di­ums“ die­ne eine sol­che Aus­nah­me­re­ge­lung jedoch
    nicht.152
    Der Grund­ge­dan­ke die­ser Recht­spre­chung geht auf
    den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz zurück, wie er aus
    dem grund­ge­setz­li­chen Rechts­staats­prin­zip erwächst.
    Im Ein­zel­fall kön­nen hier­nach auch Rege­lun­gen, für die
    der Gesetz­ge­ber an sich gebun­de­ne Ent­schei­dun­gen vor­sieht,
    durch­bro­chen wer­den, wenn die­se die Gren­ze der
    Unzu­mut­bar­keit überschreiten.153 Dies dürf­te aller­dings
    eben­so wenig für das grund­sätz­li­che Erfor­der­nis des ers­ten
    berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschlus­ses gel­ten wie es sich
    auf den Zugang zu grund­stän­di­gen Stu­di­en­gän­gen über­tra­gen
    lässt. Hier­für besteht auch kei­ne Not­wen­dig­keit,
    soweit – etwa im Beriech des Zulas­sungs­rechts – Här­te­klau­seln
    und die Mög­lich­keit des Nach­teils­aus­gleich
    vor­ge­se­hen sind.
    III. Hoch­schul­zu­gang und Digi­ta­li­sie­rung
    Der Hoch­schul­zu­gang ist nicht nur als Rechts­in­sti­tut zu
    betrach­ten. Dane­ben tre­ten auch tat­säch­li­che Bezü­ge,
    die einen gro­ßen fak­ti­schen Ein­fluss auf die Rea­li­sie­rung
    eines Zugangs­rechts haben kön­nen, etwa die Ver­füg­bar­keit
    und die Über­mitt­lungs­we­ge von Doku­men­ten, die
    Ein­hal­tung von Fris­ten etc. Hier bie­ten digi­ta­le Anwen­dun­gen
    Ver­ein­fa­chun­gen (1.). Es las­sen sich unter­schied­li­che
    Anwen­dungs­fel­der skiz­zie­ren (2.).
  9. Digi­ta­li­sie­rung und ihre Chan­cen
    Der Nach­weis der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung zieht
    viel­fach tat­säch­li­che Schwie­rig­kei­ten nach sich. Zu nen­nen
    sind etwa die Auf­wän­de für die Über­sen­dung der
    Doku­men­te zur Ein­hal­tung der Aus­schluss­fris­ten, das
    Risi­ko des Ver­lusts auf dem Post­weg, Kos­ten­fra­gen und
    ähn­li­ches. Beson­ders deut­lich wird dies, wenn Zeug­nis­do­ku­men­te
    abhan­den­kom­men, etwa bei Geflüch­te­ten.
    154 Schließ­lich erge­ben sich auch Auf­wän­de des Staa­tes
    durch die Ent­ge­gen­nah­me und Prü­fung der Doku­men­te
    auf Echt­heit.
    Es stellt sich daher die Fra­ge, ob die­se Risi­ken und
    Auf­wän­de nicht unter Rück­griff auf tech­ni­sche Hil­fe­stel­lun­gen
    redu­ziert wer­den kön­nen, etwa im Rah­men der
    der­zeit viel­dis­ku­tier­ten „Digi­ta­li­sie­rung“. Hier­un­ter soll
    zunächst „die Umwand­lung von ana­lo­gen Wer­ten in digi­ta­le
    For­ma­te“ ver­stan­den wer­den. Dabei ist zwi­schen
    einer „basale[n] (oder schwache[n]) Digi­ta­li­sie­rung“, die
    die Abbil­dung der bis­he­ri­gen Dienst­leis­tun­gen in digi­ta­len
    For­ma­ten umfasst, und einer „starke[n] Digi­ta­li­sie­rung“
    zu unter­schei­den, bei der die digi­ta­le Tech­no­lo­gie
    die bis­he­ri­gen Pro­zes­se nicht nur abbil­det, son­dern wesent­lich
    verändert.155 Die auf die­se Wei­se ange­sto­ße­nen
    Ver­än­de­run­gen erfas­sen sowohl tech­ni­sche als auch gesell­schaft­li­che
    Berei­che und betref­fen auch die
    Hochschulen.156
    Impul­se gehen dabei von der natio­na­len wie von der
    euro­päi­schen Ebe­ne aus. So ver­pflich­tet das Online­zu­gangs­ge­setz
    Bund, Län­der und Kom­mu­nen, ihre Dienst­leis­tun­gen,
    also etwa Schul­zeug­nis­se, bis Ende 2022 zusätz­lich
    in digi­ta­ler Form anzu­bie­ten. Die EU hat sich
    bereits 2018 das Ziel gesetzt, ein „digi­ta­les Bil­dungs­öko­sys­tem“
    zu erschaf­fen und euro­pa­weit die Fähig­kei­ten zu
    einer „digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on“ zu för­dern. Aus die­sem
    Grund ver­ab­schie­de­te die EU-Kom­mis­si­on den Digi­tal
    Edu­ca­ti­on Action Plan, der unter ande­rem die Vor­keh-
    151 Schles­wig-Hol­stei­ni­sches VG, Beschl. v. 23.6.2020 – 9 B 6/20 –,
    juris, Rn. 19.
    152 OVG NRW, Beschl. v. 15.1.2020 – 13 A 2332/19 –, juris, Rn. 3, 13 ff.
    153 Vgl. R. Pitschas, in: W. Hoff­mann-Rie­m/E. Schmidt-Aßman­n/A.
    Voß­kuh­le, Grund­la­gen des Ver­wal­tungs­rechts, Bd. II, 2. Aufl.
    2012, § 42 Rn. 107 ff.; F. Ossen­bühl, Maß­hal­ten mit dem Über­maß­ver­bot,
    in: P. Badura/R. Scholz, FS Peter Ler­che, 1993, S. 151
    (154).
    154 Vgl. M. Bode, Hoch­schul­zu­gang für Flücht­lin­ge: Bil­dungs­rech­te
    im ent­ste­hen­den Inte­gra­ti­ons­ver­wal­tungs­recht, ZAR 2018, 46 (46
    ff.), zu Form­vor­schrif­ten gene­rell vgl. Bode (Fn. 17), Rn. 1367 ff.
    155 T. Klenk/F. Nullmeier/G. Wewer, Auf dem Weg zum Digi­ta­len
    Staat?, Stand und Per­spek­ti­ven der Digi­ta­li­sie­rung in Staat und
    Ver­wal­tung, in: dies., Hand­buch Digi­ta­li­sie­rung in Staat und
    Ver­wal­tung, 2020, S. 3 (4 f., 7 f.).
    156 Vgl. Klenk/Nullmeier/Wewer (Fn. 155), S. 3 (4 f.); vgl. J. Stember/
    V. Hasen­kamp, E‑Government in Deutsch­land, Ein Über­blick, in:
    J. Stember/W. Eixelsberger/A. Spi­chi­ger, Hand­buch E‑Government,
    2019, S. 31 (46 ff.); J. C. A. Pongratz, IT-Archi­tek­tur für die
    digi­ta­le Hoch­schu­le, 2018.
    1 9 6 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    run­gen zur „Aus­stel­lung digi­tal zer­ti­fi­zier­ter Qua­li­fi­ka­tio­nen“
    vorsieht.157Zwar dürf­te es sich dabei pri­mär um
    beruf­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen han­deln, doch dem Ziel nach
    geht es der EU-Kom­mis­si­on auch um die För­de­rung der
    Mobi­li­tät von Stu­die­ren­den.
    Ver­schie­de­ne Unter­neh­men und Kon­sor­ti­en ver­su­chen
    vor die­sem Hin­ter­grund, Lösun­gen für eine digi­ta­le
    Authen­ti­fi­zie­rung der Bewer­ber anzu­bie­ten: Unter Feder­füh­rung
    des Finanz­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des Sach­sen-
    Anhalt arbei­te­te die Bun­des­dru­cke­rei gemein­sam
    mit der von der öffent­li­chen Ver­wal­tung und öffent­lich­recht­li­chen
    Unter­neh­men getra­ge­nen Fir­ma gov­di­gi­tal
    sowie wei­te­ren Bun­des­län­dern an einer Digi­ta­li­sie­rung
    der Schulzeugnisse.158 Damit gewann das Kon­sor­ti­um
    2021 den ers­ten Platz des Ber­li­ner Ver­wal­tungs­prei­ses in
    der Kate­go­rie „Inno­va­ti­ver Ser­vice für Bürger/innen und
    Kund/innen“.159 Der Ber­li­ner Daten­schutz­be­auf­trag­te
    zeig­te sich dar­über „erstaunt“, da „die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen
    für den Start des Pro­jek­tes […] der­zeit
    noch nicht gege­ben“ sei­en, über­dies feh­le „die voll­stän­di­ge
    tech­ni­sche Doku­men­ta­ti­on des Projekts“.160 Der
    Test­be­trieb wur­de im Febru­ar 2022 gestoppt, da Daten­schutz-
    Akti­vis­ten „grund­le­gen­de Sicher­heits­män­gel“
    ent­deckt hat­ten, die unter ande­rem die unpro­ble­ma­ti­sche
    Erstel­lung eines fik­ti­ven Zeug­nis­ses ermög­licht hät­ten.
    161 Die ers­ten digi­ta­len Zeug­nis­se sol­len 2023 aus­ge­stellt
    wer­den. Ein wei­te­res Pilot­pro­jekt, eben­falls unter
    Betei­li­gung der Bun­des­dru­cke­rei, läuft der­zeit in
    NRW.162
  10. Anwen­dungs­fel­der
    Als Fazit der bis­he­ri­gen Aus­füh­run­gen las­sen sich eini­ge
    Anwen­dungs­fel­der für eine mög­li­che digi­ta­le Inno­va­ti­on
    aus­ma­chen. Auf der Hand lie­gen das Iden­ti­täts- und
    das Doku­men­ten­ma­nage­ment. Per­spek­ti­visch wäre es
    vor­stell­bar, dass nicht nur das Doku­ment selbst, son­dern
    sein recht­li­cher Inhalt aus­les­bar wird oder sogar mög­li­che
    Stu­di­en­we­ge pro­gnos­ti­ziert wer­den.
    a. Iden­ti­täts­nach­wei­se
    Von zen­tra­ler Bedeu­tung im Bereich des Hoch­schul­zu­gangs-
    und Hoch­schul­zu­las­sungs­recht ist die Fest­stel­lung
    der Iden­ti­tät der Bewer­ber, um mehr­fa­che Bewer­bun­gen
    oder Bewer­bun­gen mit frem­den oder gefälsch­ten
    Zeug­nis­sen zu ver­hin­dern. Bis­lang erfolgt die­se
    Fest­stel­lung im Vor­feld der Bewer­bung über die Anga­be
    der E‑Mail-Adres­se und die Selbstan­ga­ben; bei der Ein­schrei­bung
    oder im Nach­gang wird häu­fig der Nach­weis
    durch Vor­la­ge von Aus­weis­do­ku­men­ten und Ori­gi­nal­zeug­nis­sen
    gefor­dert. Die Miss­brauchs­ra­te ist gering,
    doch wäre es wün­schens­wert, dass eine ein­deu­ti­ge Iden­ti­fi­zie­rung
    der Bewer­ber erfol­gen könn­te. Dies wäre
    künf­tig – je nach Ver­brei­tungs­stand – durch den elek­tro­ni­schen
    Per­so­nal­aus­weis bzw. die eID-Kar­te oder über
    die sog. Steu­er-ID, ein gegen Ver­än­de­rung geschütz­tes
    Ord­nungs­merk­mal, möglich.163
    b. Doku­men­ten­ma­nage­ment und Vali­die­rung
    Eine elek­tro­ni­sche Bereit­stel­lung der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen
    in Form von Scan könn­te eine
    erheb­li­che Erleich­te­rung für die meis­ten Bewer­ber dar­stel­len,
    aller­dings ist die Echt­heit der vor­ge­leg­ten Doku­men­te
    ent­schei­dend. Ande­ren­falls dro­hen vor allem im
    Zulas­sungs­recht gefähr­li­che, weil irrever­si­ble Ver­zer­run­gen
    der Ver­ga­be­er­geb­nis­se.
    Erfor­der­lich wäre daher eine Authen­ti­fi­zie­rung der
    Zeug­nis­se. In Betracht kommt hier­für die sog. Block­chain-
    Tech­no­lo­gie, die dar­auf basiert, dass Daten in Blö­cken
    gespei­chert und die­se fäl­schungs­si­cher mit­ein­an­der
    ver­bun­den wer­den. Anhand eines Pri­va­te Key kann
    sich der legi­ti­me Eigen­tü­mer der jewei­li­gen Infor­ma­ti­on
    aus­wei­sen und ande­ren Nut­zern den Zugriff auf die Infor­ma­ti­on
    gewäh­ren. Inso­fern liegt das „Poten­zi­al“ der
    Block­chain-Tech­no­lo­gie für die öffent­li­che Ver­wal­tung
    gera­de „in der Anwen­dung als digi­ta­les Beschei­ni­gungsund
    Nach­weis­we­sen von Rechten“.164 Sie wird in Test­läu-
    157 Euro­päi­sche Kom­mis­si­on, Eras­mus+ Pro­gramm­leit­fa­den Ver­si­on
    1 (2022): 24-11-2021; vgl. EU-Kom­mis­si­on, Akti­ons­plan für digi­ta­le
    Bil­dung, COM(2018) 22 final v. 17.1.2018; EU-Kom­mis­si­on,
    Akti­ons­plan für digi­ta­le Bil­dung 2021–2027, COM(2020) 624 final
    v. 30.9.2020.
    158 Vgl. auch das von der EU geför­der­te Kon­sor­ti­um „Stu­dies+”,
    bestehend aus der Fan­co­typ-Pos­ta­lia Hol­ding AG, der Hoch­schu­le
    Harz, der FU Ber­lin, den Unter­neh­men SiX­FORM GmbH und
    der Bun­des­dru­cke­rei GmbH. Es wur­de ver­sucht, den Aus­tausch
    von Zeug­nis- und Prü­fungs­da­ten zu ermög­li­chen. www.hs-harz.
    de/­for­schun­g/­aus­ge­wa­ehl­te-for­schungs­pro­jek­te/­stu­dies­plus/
    (25.5.2022).
    159 Ver­lei­hung des Ber­li­ner Ver­wal­tungs­prei­ses 2021, Pres­se­mit­tei­lung
    v. 28.10.2021, ver­füg­bar unter: www.berlin.de (31.5.2022).
    160 Ber­li­ner Beauf­trag­ten für Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­frei­heit,
    Jah­res­be­richt 2021, 2022, S. 48, ver­füg­bar unter: www.datenschutz-
    berlin.de (31.5.2022). Vgl. S. Grün­der, Digi­ta­le Zeug­nis­se
    wohl noch ohne Rechts­grund­la­ge, ver­füg­bar unter: www.golem.
    de (31.5.2022).
    161 W. Zehent­mei­er, Zeug­nis­se: Deutsch­lands holp­ri­ger Weg in die
    Digi­ta­li­sie­rung, ver­füg­bar unter: www.br.de (31.5.2022).
    162 Vgl. www.digiz.nrw (31.5.2022).
    163 Bei­des steht grund­sätz­lich auch Bewer­bern aus der EU und dem
    Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum zur Ver­fü­gung. Vgl. L. Gerrits/M.
    Wirtz/S. Heme­s­ath, Der elek­tro­ni­sche Per­so­nal­aus­weis, in: Hand­buch
    Digi­ta­li­sie­rung in Staat und Ver­wal­tung, 2020, S. 539 (545
    ff.); vgl. § 1, 3 Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern­ge­setz.
    164 D. Reh­feld, Block­chain in der öffent­li­chen Ver­wal­tung, in: T.
    Klenk/F. Nullmeier/G. Wewer, Hand­buch Digi­ta­li­sie­rung in Staat
    und Ver­wal­tung, 2020, S. 63 (64 f., 67).
    Bode · Zwi­schen Öff­nung und Digi­ta­li­sie­rung 1 9 7
    fen bereits zur Echt­heits­prü­fung von Zeug­nis­sen ver­wandt;
    das Doku­ment erhält bei sei­ner Aus­stel­lung eine
    Trans­ak­ti­ons-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer und einen Hash­wert,
    also einer Zei­chen­ket­te, die mit­tels eines Pro­gramms
    aus dem Zeug­nis errech­net wur­de. Ein Bewer­ber
    etwa kann sei­nem Arbeit­ge­ber mit­tels Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer
    die Vali­die­rung gestatten.165 In glei­cher
    Wei­se könn­ten Bewer­ber künf­tig den Hoch­schu­len oder
    der Stif­tung für Hoch­schul­zu­las­sung zum Zweck der Zulas­sung
    bzw. der Ein­schrei­bung ihre Daten zur Ver­fü­gung
    stel­len. Hier­durch wäre garan­tiert, dass die vor­ge­leg­ten
    Doku­men­te echt sind. Wozu sie im Ein­zel­fall berech­ti­gen,
    blie­be aller­dings wei­ter­hin Gegen­stand manu­el­ler
    Prü­fung.
    c. Auto­ma­ti­sche Aus­wer­tung
    Ein gro­ßer Mehr­wert wäre daher die auto­ma­ti­sche Aus­les­bar­keit
    der Doku­men­te in Bezug auf die Berech­ti­gun­gen,
    die sie ver­lei­hen. Bei­spiels­wei­se könn­te ein Abitur­zeug­nis
    mit sei­nen ver­ga­bere­le­van­ten Wer­ten unmit­tel­bar
    ver­wend­bar gemacht wer­den, eben­so wie Zeug­nis­se
    der Fach­hoch­schul­rei­fe etc. Durch die auto­ma­ti­sier­te
    Über­nah­me von Daten könn­ten auf­wän­di­ge Berech­ti­gungs­prü­fun­gen
    erheb­lich redu­ziert wer­den. Auch die
    Aner­ken­nung von Doku­men­ten beim Hoch­schul­wech­sel
    wäre wesent­lich schnel­ler und res­sour­cen­scho­nen­der
    mög­lich. Glei­ches gilt für den Über­gang zum Mas­ter
    und die Prü­fung des ver­gleich­ba­ren Stu­di­en­gan­ges. Hier
    dürf­te das Pro­blem vor allem in der Eta­blie­rung eines
    ein­heit­li­chen fach­li­chen Stan­dards für die unter­schied­li­chen
    Berech­ti­gungs­ar­ten liegen.166 Hoch­schu­len, Schu­len
    und Minis­te­ri­en müss­ten sich auf einen Regis­tra­tor
    eini­gen, der die Stan­dards ver­bind­lich fest­legt. Wei­ter­hin
    ist eine ver­fah­rens­über­grei­fen­de Fort­schrei­bung erfor­der­lich,
    da vie­le Zeug­nis­se erst mit Ver­zö­ge­rung genutzt
    wer­den. Ange­sichts des auf­ge­zeig­ten Facet­ten­reich­tums
    der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen dürf­te dies eine
    erheb­li­che Hür­de dar­stel­len.
    d. Digi­ta­ler Hoch­schul­zu­gang
    Wei­ter­ge­dacht könn­ten Algo­rith­men – im Sin­ne einer
    „star­ken Digi­ta­li­sie­rung“ – künf­tig womög­lich auch die
    res­sour­cen- und nei­gungs­ge­rech­te Ver­tei­lung der Stu­di­en­plät­ze
    beglei­ten. Frei­lich ist die Zulas­sungs­ent­schei­dung
    bereits seit den 1970er Jah­ren ein klas­si­scher
    Anwen­dungs­be­reich auto­ma­ti­sier­ter Ver­wal­tungs­ak­te,
    noch bevor § 35a VwVfG über­haupt erlas­sen wor­den
    war.167 Denn nur die algo­rith­men­ge­steu­er­te Ver­ar­bei­tung
    von Bewer­ber­da­ten auf Rang­lis­ten im „Gemein­sa­men
    Gebiets­re­chen­zen­trum Hagen“ konn­te die Ver­ga­be
    der Stu­di­en­plät­ze durch die dama­li­ge Zen­tral­stel­le für
    die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen (ZVS) sicher­stel­len. An
    eini­gen Hoch­schu­len exis­tie­ren inzwi­schen bereits nahe­zu
    auto­ma­ti­sier­te Zulas­sungs­ver­fah­ren, bei denen
    anhand der selbst in die Bewer­bungs­por­ta­le ein­ge­tra­ge­nen
    Bewer­ber­da­ten Rang­lis­ten erstellt und Zulas­sun­gen
    bzw. Ableh­nun­gen erteilt werden.168 Die Recht­spre­chung
    lotet der­zeit aus, wie weit die Pflich­ten der Behör­den
    rei­chen, Feh­ler zu kor­ri­gie­ren, die sich aus Unsi­cher­hei­ten
    im Umgang mit bei Por­ta­len bzw. IT ins­ge­samt,
    erge­ben. Hier reflek­tie­ren sich einer­seits die
    Anfor­de­run­gen der Mas­sen­da­ten­ver­ar­bei­tung und ande­rer­seits
    das Pos­tu­lat des BVerfG, nach wel­chem „Mög­lich­kei­ten
    der Daten­ver­ar­bei­tung“ zu nut­zen sind, um
    eine mög­lichst ver­tei­lungs­ge­rech­te und ohne ver­fah­rens­öko­no­mi­sche
    Hin­der­nis­se belas­te­te Zulas­sungs­ent­schei­dung
    zu unterstützen.169
    Per­spek­ti­visch wäre es denk­bar, dass ein digi­ta­les Zulas­sungs­sys­tem
    anhand der Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung
    die Nei­gun­gen der Bewer­ber berück­sich­tigt und
    165 Reh­feld (Fn. 164), S. 63 (68). Zur Nut­zung unter ande­rem im
    Regis­ter­we­sen der Kom­mu­nen vgl. C. Johan­nis­bau­er, Block­chain
    in der Kom­mu­nal­ver­wal­tung – die Tech­no­lo­gie hin­ter Bit­coin als
    Bau­stein von E‑Government – Anwen­dungs­fel­der und aktu­el­le
    Pro­jek­te, DVBl 2020, 318 (320 f.).
    166 Über sta­tis­ti­sche Kenn­zah­len zum Bil­dungs­we­sen ver­fügt unter
    ande­rem das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt. Zu den Anfor­de­run­gen an
    Stan­dards vgl. M. Döring/S. Noack, Stan­dar­di­sier­ter Daten­aus­tausch,
    in: T. Klenk/F. Nullmeier/G. Wewer, Hand­buch Digi­ta­li­sie­rung
    in Staat und Ver­wal­tung, 2020, S. 633 (634 f.).
    167 Vgl. dazu M. Martini/D. Nink, Sub­sum­ti­ons­au­to­ma­ten ante
    por­tas?, Zu den Gren­zen der Auto­ma­ti­sie­rung in ver­wal­tungs­recht­li­chen
    (Rechtsbehelfs-)Verfahren, DVBl 2018, 1128 (1128 ff.);
    M. Steg­mül­ler, Voll­au­to­ma­ti­sche Ver­wal­tungs­ak­te – eine kri­ti­sche
    Sicht auf die neu­en § 24 I 3 und § 35a VwVfG, NVwZ 2018, 353
    (358).
    168 Beson­de­re Arten von Bewer­bun­gen, etwa sol­che, die Här­te­grün­de
    ent­hal­ten, die sich auf ein Zweit­stu­di­um bezie­hen oder die
    eine Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung Beruf­lich Qua­li­fi­zier­ter
    ent­hal­ten, wer­den aller­dings manu­ell geprüft.
    169 BVerfGE 147, 253 (320); vgl. Bode (Fn. 17), Rn. 1091 ff.
    170 Sol­che Recom­men­der Sys­te­me gehö­ren zu den Basis­an­wen­dun­gen
    Künst­li­cher Intel­li­genz. A. Felfernig/M. Stettinger/M. Wundara
    u.a., Künst­li­cher Intel­li­genz in der Öffent­li­chen Ver­wal­tung,
    in: J. Stember/W. Eixelsberger/A. Spi­chi­ger, Hand­buch E‑Government,
    2019, S. 491 (492 ff.).
    1 9 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 2 ) , 1 8 1 — 1 9 8
    171 Eine „Berufs­len­kung“ bzw. eine „Bedarfs­prü­fung“ wäre ver­fas­sungs­wid­rig.
    BVerfGE 33, 303 (334).
    ihnen spe­zi­fi­sche Ange­bo­te unterbreitet.170 Damit käme
    dem Zulas­sungs­pro­zess eine bera­ten­de und len­ken­de –
    aber nicht zwingende171 – Funk­ti­on zu.
    IV. Fazit
    Die Öff­nung des Hoch­schul­zu­gangs gewinnt an Bedeu­tung
    und spie­gelt die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung zu
    einer Wis­sens­ge­sell­schaft wider. Die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen
    der Zugangs­be­rech­ti­gun­gen diver­si­fi­zie­ren
    sich. Neben Schul­no­ten tre­ten z.B. Eig­nungs­prü­fun­gen,
    prak­ti­sche Antei­le, Bera­tungs­ge­sprä­che oder beson­de­re
    Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le. Zum Teil ent­steht die Berech­ti­gung
    sogar erst im Zusam­men­wir­ken mit einer – und
    nur die­ser – auf­neh­men­den Hoch­schu­le (etwa beim
    Här­te-beding­ten Abse­hen von Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen
    im Mas­ter­be­reich). Zugleich muss die­ses Berech­ti­gungs­sys­tem
    auch kom­pa­ti­bel sein mit allen gleich­wer­ti­gen
    Nach­wei­sen aus dem nicht-deut­schen Bil­dungs­raum.
    Digi­ta­le Doku­men­te kön­nen Auf­wän­de für Bewer­ber
    redu­zie­ren und damit fak­ti­sche Hin­der­nis­se auf dem
    Weg zu einem ver­tei­lungs­ge­rech­ten Bil­dungs­sys­tem redu­zie­ren.
    Zu kurz gegrif­fen wäre es aller­dings, die Digi­ta­li­sie­rung
    von Zeug­nis­sen aus­schließ­lich als Rechts­fra­ge
    bzw. allein als IT-Pro­jekt anzu­se­hen.
    Dr. iur., M.A. Mat­thi­as Bode ist Pro­fes­sor für Staats- und
    Euro­pa­recht an der Hoch­schu­le für Poli­zei und öffent­li­che
    Ver­wal­tung (HSPV) NRW.