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ÜBERSICHT

I. Alte Rechts­la­ge – Neue Mög­lich­kei­ten 1. Frei­es Wahl­recht

2. Prak­ti­sche Anwen­dungs­fäl­le der Befris­tung gem. § 14 Abs. 2 TzBfG

II. Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richt
3. BAG, Urteil vom 18. Mai 2016 – 7 AZR 533/14
4. BAG, Urteil vom 8. Juni 2016 – 7 AZR 259/14
5. BAG, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2016 – 7 AZR 549/14
6. BAG, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 597/15
7. Lex spe­cia­lis statt Pri­vi­le­gie­rung auch für § 14 Abs. 2 TzBfG

III. Zuläs­sig­keit einer sach­grund­lo­sen Befris­tung gem.
§ 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des § 2 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 WissZeitVG

IV. Zuläs­sig­keit einer sach­grund­lo­sen Befris­tung gem. § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des § 2 Abs. 2 WissZeitVG

V. Zuläs­sig­keit einer sach­grund­lo­sen Befris­tung gem. § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des § 6 WissZeitVG

VI. Prak­ti­sche Umset­zun
1. Im Zwei­fel Befris­tung nach dem WissZeitVG 2. „Alt­ver­trä­ge“
3. Betei­li­gungs­rech­te des Per­so­nal­rats

VII. Fazit

Das Ver­hält­nis der Befris­tungs­grün­de des TzBfG gegen­über denen des WissZeitVG schien geklärt. So stand den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen nach her­kömm­li­cher Mei­nung ein Wahl­recht zwi­schen den Befris­tungs­grün­den des WissZeitVG und des TzBfG zu. Die­ses pri­vi­le­gie­ren­de Ver­ständ­nis hat das Bun- des­ar­beits­ge­richt in sei­nen Ent­schei­dun­gen vom 18.Mai 2016, 8. Juni 2016 und 28. Sep­tem­ber 2016 nun­mehr zuguns­ten einer lex spe­cia­lis-Betrach­tung

  1. 1  Ange­sichts der beab­sich­tig­ten Novel­lie­rung des § 14 Abs. 2 TzBfG aber auch wie­der ein­schrän­ken könn­te, sie­he hier­zu umfas­send Löwisch/Schu­bert, Beschrän­kung befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge nach dem Koali­ti­ons­ver­trag: Aus­wir­kun­gen auf Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen erscheint in OdW Heft 4/2018.
  2. 2  Löwisch in AR-Fach­an­walts­kom­men­tar, 8. Aufl. 2016, Wiss- ZeitVG § 2 Rn. 9 ff; Preis, WissZeitVG, 1. Aufl. 2008, WissZeitVG § 1 Rn. 57, Rn. 73; Ram­bach in Arnold/Gräfl/Imping, Teil­zeit- und Befris­tungs­ge­setz, 2. Aufl. 2007, WissZeitVG § 1 Rn. 42 f.;

Tobi­as Man­dler und Lau­ra Weg­mann

Der Befris­tungs­grund gem. § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG

weit­hin auf­ge­ge­ben. Das WissZeitVG ist danach nicht mehr Pri­vi­leg, son­dern zwin­gen­de Vor­ga­be.

Die Reich­wei­te die­ser Recht­spre­chungs­än­de­rung hat das BAG dabei gegen­über den Befris­tungs­grün­den des WissZeitVG und § 14 Abs. 1 TzBfG dem Grun­de nach geklärt. Offen geblie­ben ist bis­her aller­dings die Fra­ge, ob die Ände­run­gen auch § 14 Abs. 2 TzBfG betref­fen, der im Fol­gen­den nach­ge­gan­gen wer­den soll.

Die fol­gen­den Aus­füh­run­gen glie­dern sich hier­zu in eine zusam­men­fas­sen­de Dar­stel­lung der bis­he­ri­gen (I.) und neu­en Rechts­la­ge (II.) in Bezug auf das Ver- hält­nis der Befris­tungs­grün­de des WissZeitVG und des TzBfG zuein­an­der. Die hier­aus gewon­ne­nen Er- kennt­nis­se wer­den sodann auf die sach­grund­lo­se Be- fris­tung in § 14 Abs. 2 TzBfG über­tra­gen und im Ein- zel­nen den Befris­tungs­grün­den nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG (III.), § 2 Abs. 2 WissZeitVG (IV.) und § 6 WissZeitVG (V.) gegen­über­ge­stellt. Schließ­lich wird die prak­ti­sche Umset­zung der gefun­de­nen Er- geb­nis­se beleuch­tet (VI.).

I. Alte Rechts­la­ge – Neue Mög­lich­kei­ten

Nach nun­mehr über­hol­ter Rechts­la­ge wur­de in den Befris­tungs­grün­den des WissZeitVG ledig­lich eine Pri- vile­gie­rung der Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen, nicht aber eine zwin­gen­de Spe­zia­li­sie­rung gese­hen. Dies führ­te dazu, dass die sach­grund­lo­se Befris­tung in § 14 Abs. 2 TzBfG auch in der Pra­xis Fuß fas­sen konn­te und ihren Anwen­dungs­be­reich seit der Novel­lie­rung des Wiss- ZeitVG sogar noch erwei­tert haben dürfte.1

1. Frei­es Wahl­recht

Das vor­aus­set­zungs­lo­se Wahl­recht zwi­schen den Befris- tungs­grün­den des WissZeitVG und denen des TzBfG wur­de bis­her zwang­los aus § 1 Abs. 2 WissZeitVG abge- leitet.2 Dort heißt es bekannt­lich nach wie vor:

Mül­ler-Glö­ge in Erfur­ter Kom­men­tar zum Arbeits­recht, 17. Aufl. 2017, WissZeitVG§ 1 Rn. 17; Jous­sen, WissZeitVG, 1. Aufl. 2012, WissZeitVG § 1 Rn. 12; Schmidt in Ascheid/Preis/Schmidt, Kün­di­gungs­recht, 5. Aufl. 2017, WissZeitVG § 1 Rn. 32; Däub­ler in Kittner/Däubler/Zwanziger, 8. Aufl. 2011, WissZeitVG

§ 1 Rn. 22 f.; Reich, Kom­men­tar zum Hoch­schul­rah­men­ge­setz mit Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz, 11. Aufl. 2012, WissZeitVG § 1 Rn. 7; zur Ent­wick­lung Meiß­ner, Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs­rechts, 2016 S. 97, 169, 172.

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2018, ISSN 2197–9197

202 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 201–212

„(2) Unbe­rührt bleibt das Recht der Hoch­schu­len, das in Absatz 1 Satz 1 bezeich­ne­te Per­so­nal auch in unbe­fris­te- ten oder nach Maß­ga­be des Teil­zeit- und Befris­tungs­ge- set­zes befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen zu beschäf­ti­gen.“

Bestä­ti­gung fand die­se Annah­me dabei auch wie­der- holt im geäu­ßer­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers. So wird die Exis­tenz des Wahl­rech­tes etwa in der Begrün­dung zum Ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Wis­sen­schafts­zeit­ver- trags­ge­set­zes vom 11. März 2016 (BGBl. I. S. 442) aus- drück­lich vorausgesetzt:3

„Die befris­te­te Beschäf­ti­gung des in § 1 Abs. 1 Satz 1 ge- nann­ten Per­so­nals kann ent­we­der nach Maß­ga­be des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes erfol­gen oder nach Maß­ga­be des Teil­zeit- und Befris­tungs­ge­set­zes, und zwar unab­hän­gig davon, ob es sich um den erst­ma­li­gen Abschluss oder die Ver­län­ge­rung eines Arbeits­ver­tra­ges han­delt.“

Aus­ge­hend von dem inso­fern ver­laut­bar­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers, durf­te die bis dato herr­schen­de Mei­nung folg­lich begrün­det auf eine blo­ße Pri­vi­le­gie­rung der Uni- ver­si­tä­ten, Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen durch die Befris­tungs­tat­be­stän­de des WissZeitVG schlie­ßen. Für ein inso­weit abwei­chen­des Ver­ständ­nis waren weder im Gesetz selbst, noch in der bis dahin ergan­ge­nen Recht­spre­chung ent­spre­chen­de Anhalts- punk­te erkenn­bar oder ent­hal­ten.

2. Prak­ti­sche Anwen­dungs­fäl­le der Befris­tung gem.§ 14 Abs. 2 TzBfG

Infol­ge der Annah­me einer Pri­vi­le­gie­rung haben sich die Uni­ver­si­tä­ten, Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen in pra­xi ver­schie­dent­lich der Befris- tung in § 14 Abs. 2 TzBfG bedient, um hier­durch bestehen- den Unzu­läng­lich­kei­ten des WissZeitVG zu begeg­nen.

§ 14 Abs. 2 TzBfG erlaubt zunächst eine rela­tiv vor­aus- set­zungs­lo­se und dann schein­bar rechts­si­che­re Befris­tung, der ins­be­son­de­re in Zwei­fels­fäl­len Vor­rang vor ande­ren – vor­aus­set­zungs­rei­che­ren – Befris­tungs­grün­den ein­ge­räumt

  1. 3  BT-Drs. 16/3438 S. 11.
  2. 4  Wobei die nur zwei­jäh­ri­ge Befris­tungs­dau­er und Begren­zung der­An­zahl der Ver­län­ge­run­gen – anders in § 2 Abs. 1 Satz 7 Wiss-ZeitVG – in Kauf genom­men wer­den.
  3. 5  Zu die­ser im Über­blick Mül­ler, Die neue stu­di­en­be­glei­ten­de Beschäf-tigung nach Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz, öAT 2016, 90 ff.
  4. 6  Mül­ler-Glö­ge in ErfK, 18. Aufl. 2018, WissZeitVG § 6 Rn. 7.
  5. 7  Ansons­ten ist eine Befris­tung frei­lich aus­ge­schlos­sen, vgl.Man­dler/Meiß­ner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich- kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW 2016, 37; Meiß­ner, Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs- rechts, 2016, S. 173.

wird.4 Dies beruht ins­be­son­de­re im Hoch­schul­be­reich auch dar­auf, dass die vor­ge­nann­ten Ein­schrän­kun­gen im Zu- sam­men­spiel mit einer anschlie­ßen­den WissZeitVG-Be- fris­tung letzt­lich ohne Fol­gen blei­ben, denn nach § 2 Abs. 3 WissZeitVG wird die Fort­set­zung bzw. Ver­län­ge­rung der Befris­tung ledig­lich auf die Höchst­be­fris­tungs­gren­ze im Fall einer anschlie­ßen­den Befris­tung gem. § 2 Abs. 1 Wiss- ZeitVG ange­rech­net. Befris­tun­gen nach § 2 Abs. 2 Wiss- ZeitVG ken­nen zudem ohne­hin kei­ne Höchst­be­fris­tungs- gren­ze und blei­ben daher als alter­na­ti­ve Anschluss­be­fris- tung stets mög­li­ches Mit­tel. Die Befris­tung nach § 6 Wiss- ZeitVG5 ist dem­ge­gen­über von der Anrech­nungs­re­gel in§ 2 Abs. 3 Satz 3 WissZeitVG aus­drück­lich aus­ge­nom- men,6 wes­halb über eine erst­ma­li­ge Befristung7 nach § 14 Abs. 2 TzBfG fak­tisch eine ins­ge­samt acht­jäh­ri­ge Be- fristungsdauererreichtwerdenkann.8

Aus­ge­hend von den vor­ge­nann­ten sys­te­ma­ti­schen Un- ter­schie­den der par­al­le­len Anwend­bar­keit zwi­schen den Befris­tungs­sys­te­men des WissZeitVG und § 14 Abs. 2 TzBfG haben sich in der Pra­xis ins­be­son­de­re die fol­gen­den Anwen­dungs­fel­der erge­ben:

So wird § 14 Abs. 2 TzBfG etwa ein­ge­setzt, wenn die Höchst­be­fris­tungs­dau­er des WissZeitVG erschöpft ist und der Beschäftigte9 die Hoch­schu­le – bei Direkt­ans­tel- lung – oder das anstel­len­de Bun­des­land – bei Lan­des­be- schäf­ti­gung – wech­sel­te. Infol­ge des Arbeit­ge­ber­wech­sels lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 TzBfG vor und eine Befris­tung kann unge­ach­tet der bereits erschöpf­ten Höchst­be­fris­tungs­dau­er für wei­te­re zwei Jah­re erfol­gen. Anders als die Anrech­nungs­re­gel in §2Abs.3 Wiss- ZeitVG, knüp­fen die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 TzBfG gera­de nicht an die Art des deut­schen Arbeit­ge­bers, son­dern nur an den jewei­li­gen Arbeitgeber10 an.

Eben­so wird die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG ein­ge­setzt, um bereits erreich­te Höchst­be­fris­tungs­gren- zen gegen­über dem arbeit­ge­ben­den Land durch eine Di- rekt­an­stel­lung an der jewei­li­gen Anstalt oder deren Toch­ter­un­ter­neh­men zu begrün­den und so wie­der­um die Befris­tungs­dau­er fak­tisch zu ver­län­gern, ohne dass es dabei aber unbe­dingt zu einer sit­ten­wid­ri­gen Ket­ten- befris­tung kom­men muss.11

Mandler/Meißner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich- kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW 2016, 38; Meiß­ner, Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs- rechts, 2016, S. 174.

9 Sofern die männ­li­che Form genannt wird, ist stets auch die weib- liche mit umfasst. Die Aus­füh­run­gen bezie­hen sich ent­spre­chend auch auf künst­le­ri­sches Per­so­nal.

10 BAG, Urteil vom 9. März 2011 – 7 AZR 657/09 = NZA 2011, 1147. 11 Vgl. BAG, Urteil vom 15. Mai 2013 – 7 AZR 525/11 = NZA

2013, 1214; BAG, Urteil vom 9. März 2011 – 7 AZR 657/09 = NZA 2011, 1147.

Mandler/Wegmann · § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG 2 0 3

Über­dies wur­de die Befris­tung auch im Zusam­men- hang mit Nicht-Wis­sen­schaft­lern unter Gel­tung des § 2 Abs. 2 WissZeitVG a.F.12 immer wie­der ein­ge­setzt, um an den Anfor­de­run­gen eines Dritt­mit­tel­pro­jek­tes vor­bei befris­ten zu kön­nen. Denn die Fest­stel­lung eines Dritt­mit­tel­pro­jek­tes im Ein­stel­lungs­zeit­punkt ist in der Pra­xis oft mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den, die unter an- derem aus einem erheb­li­chem Koor­di­na­ti­ons­auf­wand zwi­schen ver­schie­de­nen Abteilungen/Fakultäten und der Per­so­nal­ab­tei­lung resultieren.13

Fer­ner wur­de die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG ein­ge­setzt, wenn eine künf­tig über­wie­gend wis­sen­schaft- lichen Tätig­keit nicht zwei­fel­los war.14 So berei­tet ins­be- son­de­re die Zuord­nung von Lek­to­ren auch nach der nun mehr maß­geb­li­chen Ent­schei­dung des BAG vom 29. April 2015 Schwierigkeiten.15 Zudem zeigt die Viel- zahl der zu die­ser Fra­ge in der Ver­gan­gen­heit ergan­ge- nen Ent­schei­dun­gen, dass die Annah­me wis­sen­schaft­li- cher Tätig­keit nicht immer zwei­fel­los bleibt.16

Eben­so wur­de und wird die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG ein­ge­setzt, um Bache­lor­ab­sol­ven­ten, die in nied­ri­ger Ent­gelt­grup­pe ohne offen­sicht­li­chen Wis­sen­schafts­be­zug ver­gü­tet wer­den ohne dabei einen Mas­ter­ab­schluss anzu­stre­ben, rechts­si­cher zu befris- ten.17 Gera­de im Zusam­men­hang mit der Novel­lie­rung des WissZeitVG und der Aus­son­de­rung des § 6 Wiss- ZeitVG für stu­di­en­be­glei­ten­de Beschäf­ti­gun­gen, besteht

  1. 12  Die Mög­lich­keit einer auf § 14 Abs. 1 TzBfG gestütz­ten Pro­jekt- befris­tung war und ist vie­len Hoch­schu­len, außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen und Uni­ver­si­täts­kli­nik unbe­kannt, könn­te aber eben­so in einem Spe­zia­li­täts­ver­hält­nis ste­hen. Dies soll hier jedoch nicht wei­ter ver­tieft wer­den. In gedank­li­cher Skiz- ze wird man jedoch im Beson­de­ren die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te und die Abwe­sen­heit rele­van­ter Unter­schie­de für die Arbeit­neh- mer her­vor­he­ben müs­sen, die letzt­lich gegen die Annah­me eines spe­zi­el­len Pro­jekt­be­fris­tungs­tat­be­stan­des strei­ten.
  2. 13  Vgl. hier­zu Man­dler, Dritt­mit­tel­ver­wal­tung und ‑befris­tung im Ver­bund zwi­schen Land, Uni­ver­si­tät, Medi­zi­ni­scher Fakul­tät und Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum in Baden-Würt­tem­berg, OdW 2016, 217 ff.
  3. 14  So weist die Ana­ly­se von Jong­manns, Eva­lua­ti­on des Wis­sen- schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes S. 55 ff. (abruf­bar unter http://www. dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201104.pdf, abge­ru­fen am 19. Mai 2018) aus dem Jah­re 2011, neben einem TzBfG-Anteil von bis zu 29% ( S. 73), aus: „Der durch den geän­der­ten per­so­nel­len Gel­tungs- bereich ermög­lich­te Rück­griff auf § 2 Abs. 1 ist aus Sicht vie­ler Hoch­schu­len durch eine Unsi­cher­heit gekenn­zeich­net. Es stellt sich die Fra­ge, inwie­weit der ideel­le Qua­li­fi­zie­rungs­an­spruch, den man mit der Befris­tungs­grund­la­ge ver­bin­det, für Lehr­per­so­nal, das die- sem Anspruch typi­scher­wei­se nicht unter­liegt, auf­recht zu erhal­ten ist. Die Hoch­schu­len wäh­len unter­schied­li­che Vor­ge­hens­wei­sen, um eine Lösung für die­se Fra­ge zu errei­chen: – Die ein­fachs­te Lösung ist es, die Beschäf­tig­ten (zunächst) auf der Grund­la­ge von § 14 Abs. 2 TzBfG bis zu zwei Jah­ren sach­grund­los zu befris­ten…“.
  4. 15  BAG, Urteil vom 29. April 2015 – 7 AZR 519/13; vgl. Mor­gen­roth, Die Wis­sen­schaft­lich­keit der Dienst­leis­tung im WissZVG, Teil
    1, DÖD 2016, 43 ff.; Mor­gen­roth, Die Wis­sen­schaft­lich­keit der Dienst­leis­tung im WissZVG, Teil 2, DÖD 2016, 61 ff.; Boem­ke,

für die kor­rek­te Ein­ord­nung die­ser Grup­pe erheb­li­che Unsi­cher­heit, die durch eine Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG zumin­dest einst­wei­len auf­ge­scho­ben wird.

Eben­so fand der Befris­tungs­grund nach § 14 Abs. 2 TzBfG für stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te Anwen­dung. Je nach Rechts­auf­fas­sung konn­ten ver­schie­de­ne stu­di­en­be­glei- ten­de Beschäf­ti­gungs­in­hal­te sowohl dem wis­sen­schafts- bezo­ge­nen als auch dem nicht wis­sen­schafts­be­zo­ge­nen Be- reichzugeordnetwerden.UmauchhiereventuelleZweifel an der wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tung zu umge­hen, wur­de je nach Pra­xis der Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG der Vor­rang gegen­über einer auf § 2 Abs. 1 Wiss- ZeitVG gestütz­ten Befris­tung ein­ge­räumt.

Eini­ge die­ser Anwen­dungs­fäl­le sind auch durch die Novel­lie­rung des WissZeitVG nicht ent­fal­len, son­dern haben sich letzt­lich sogar erwei­tert und zusätz­lich an At- trak­ti­vi­tät gewonnen.18 Dies beruht vor allem auf den bis­her gericht­lich noch weit­ge­hend unge­klär­ten Tat­be- stands­merk­ma­len der novel­lier­ten Fas­sung des Wiss- ZeitVG sowie auf der mit einer Befris­tung nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG ver­bun­de­nen Fami­li­en­kom­po­nen­ten.

Mit der Novel­lie­rung ist in § 2 Abs. 1 Satz 3 Wiss- ZeitVG die Ange­mes­sen­heit der Befristungsdauer19 Teil des–nachwievorsachgrundlosen20–Befristungstatbe- stan­des gewor­den. Da die­ses Merk­mal weder durch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en noch durch ent­spre­chen­de Recht- spre­chung brauch­bar ein­ge­grenzt. Da inso­weit nur spe-

juris­PR-ArbR 45/2015 Anm. 3; Man­dler/Meiß­ner, Der per­sön­li-

che Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG, OdW 2016,127 ff. 16 Vgl. inso­weit auch zuletzt BAG, Urteil vom 24. Febru­ar 2016 –

7 AZR 182/14; BAG, Urteil vom 20. Janu­ar 2016 – 7 AZR 376/14; BAG, Urteil vom 29. April 2015 – 7 AZR 519/13; BAG, Urteil vom 20. April 2016; – 7 AZR 614/14; LAG Hamm (West­fa­len), Urteil vom 2. Juli 2015 – 18 Sa 517/15 ; LAG Hamm (West­fa­len), Urteil vom 2. Dezem­ber 2015 – 5 Sa 943/15; LAG Hamm, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2014 – 5 Sa 341/14; LAG Meck­len­burg-Vor- pom­mern, Urteil vom 3. Mai 2016 – 5 Sa 78/15; LAG Düs­sel­dorf, Urteil vom 3. Novem­ber 2016 – 13 Sa 436/16; LAG Mün­chen, Urteil vom 31. August 2016 – 8 Sa 118/16; Ram­bach in Arnold/ Gräfl/Imping, Teil­zeit- und Befris­tungs­ge­setz, 4. Aufl. 2016, Wiss- ZeitVG § 2 Rn. 4; umfas­send Preis/Ulb­er, WissZeitVG, 2. Aufl. 2017, § 2 Rn. 8 ff. mzN.; Masch­mann/Konertz, Das Hoch­schul­be- fris­tungs­recht in der Reform, NZA 2016, 258 f. zu Misch­tä­tig­kei- ten sie­he Kroll, Die Novel­lie­rung des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge- set­zes, ZTR 2016, 237 f.

17 Auf die­ses Pro­blem bereits hin­wei­send Man­dler/Meiß­ner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 3 Wiss- ZeitVG, OdW 2017, 37.

18 Zur inso­weit beschrän­ken­den Novel­lie­rung des § 14 Abs. 2 TzBfG.

19 Sie­he zu die­sem aus­führ­lich Man­dler/Meiß­ner, Die An- gemes­sen­heit der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 3 Wiss- ZeitVG, OdW 2017, 199 ff.

20 BT-Drs. 18/6489, S. 8, 10; Preis/Ulber, WissZeitVG, 2. Aufl. 2017, § 2 Rn. 8 f.; Mandler/Meißner, OdW 2017, 199, 203; Masch- mann/Konertz, Das Hoch­schul­be­fris­tungs­recht in der Reform, NZA 2016, 257, 258.

204 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 201–212

zifi­sche Leit­li­ni­en im Zusam­men­spiel mit einem wei­ten Ermes­sens­spiel­raum der Hoch­schu­le rechts­si­cher Abhil- fe schaf­fen kön­nen, ist allein aus Prak­ti­ka­bi­li­täts­grün­den eine Erst­be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG vor­zugs­wür- dig. Die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG erlaubt es vor allem auch kür­ze­re Befris­tungs­zeit­räu­me ohne Rück­sicht auf ihre Ange­mes­sen­heit in Bezug auf die jewei­li­ge wis- sen­schaft­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on des Arbeit­neh­mers fest­zu­le- gen und so das Risi­ko einer Fehl­ein­stel­lung auch jen­seits der Pro­be­zeit wirk­sam zu begren­zen.

Dane­ben kennt die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG kei­ne Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de (Fami­li­en­kom­po­nen- te)21 und ins­be­son­de­re auch nicht die Ver­län­ge­rungs­op- tion22 des § 2 Abs. 5 WissZeitVG.

Soll die Ein­stel­lung pro­jekt­be­zo­gen erfol­gen und be- steht kein Dritt­mit­tel­pro­jekt bzw. ent­spricht der Bewil­li- gungs­zeit­raum des­sel­ben nicht dem Beschäf­ti­gungs­be- darf, so bie­tet die Befris­tung auf­grund des § 2 Abs. 1 WissZeitVG den Nach­teil eines Ver­län­ge­rungs­an­spruchs nach § 2 Abs. 5 WissZeitVG, der ins­be­son­de­re bei Mut- ter­schutz, Eltern­zeit und neu­er­dings auch bei lang­wäh- ren­der Krankheit23 ein­greift. 24 Die­se Ansprü­che kennt die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG nicht, sodass das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis kon­gru­ent zur – oft nur zwei- jäh­ri­gen – Pro­jekt­lauf­zeit befris­tet wer­den kann, ohne dass dabei wei­te­re finan­zi­el­le Belas­tung durch eine ein- sei­ti­ge Ver­län­ge­rung des bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis- ses droht.25 Auch wenn sich an die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG eine auf § 2 Abs. 1 WissZeitVG ge-

  1. 21  Letzt­lich ist die Bezeich­nung Fami­li­en­kom­po­nen­ten mitt­ler­wei- le ver­wäs­sert. Ver­län­ge­run­gen der Höchst­be­fris­tungs­zeit sind nun­mehr auch beim Vor­lie­gen einer Behin­de­rung oder schwer- wie­gen­den Erkran­kung mög­lich. Zudem ist der Ver­län­ge­rungs­an- spruch bspw. auch bei Per­so­nal­rats­tä­tig­keit und neu­er­dings auch bei andau­ern­der Erkran­kung gege­ben. Zutref­fen­der soll­te man daher künf­tig neu­tral von „Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­den“ spre­chen.
  2. 22  Zum Begriff Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Arbeits­ver­hält­nis­sen gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG, OdW 2014, 221; zur Ver­län­ge-
    rung im Zusam­men­hang mit dem Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri­um Man­dler/Meiß­ner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tung nach§ 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG, OdW 2017, 206.
  3. 23  Vgl. Mandler/Meißner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Verbesserungspotential,OdW 2016, 42 f., 45.
  4. 24  Sie­he zum Ver­län­ge­rungs­an­spruch Man­dler, Die Ver­län­ge-rung von Arbeits­ver­hält­nis­sen gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG,OdW 2014, 221 ff.
  5. 25  Zu den Nach­tei­len einer – auf­ge­spar­ten – Ver­län­ge­rungMandler/Meißner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tung nach§ 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG, OdW 2017, 206 ff.
  6. 26  BAG, Urteil vom 18. Mai 2016 – 7 AZR 533/14 = NZA 2016, 1276.
  7. 27  BAG, Urteil vom 8. Juni 2016 – 7 AZR 259/14 = Beck­RS 2016, 73446.
  8. 28  BAG, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2016 – 7 AZR 549/14 = NZA 2017, 249.
  9. 29  Im Ein­zel­nen sie­he Mül­ler, Aktu­el­le Recht­spre­chung zur Befris-tung von Arbeits­ver­hält­nis­sen im Wis­sen­schafts­be­reich, ins­be- son­de­re zum Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz (WissZeitVG), öAT

stütz­te Befris­tung anschließt, setzt dies die Ver­län­ge- rungs­tat­be­stän­de nicht ex tunc in Kraft. Die­se kön­nen al- lein akzes­so­risch im Rah­men eines nach § 2 Abs. 1 Wiss- ZeitVG befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis wir­ken.

II. Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts

Ent­ge­gen bis­he­ri­ger Anschau­ung und Pra­xis hat der 7. Senat des BAG den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli- nika und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen in sei­nen Ent­schei­dun­gen vom 18. Mai 2016,26 8. Juni 201627 und 28. Sep­tem­ber 201628 den Rück­griff auf die Befris­tungs­grün­de in § 14 Abs. 1 TzBfG weit­flä­chig abge- schnit­ten. Im Fol­gen­den wird deren Inhalt kur­so­risch im Hin­blick auf vor­lie­gen­de Fra­ge­stel­lung zusam­men­ge- fasst.29 Dabei ist auch die Ent­schei­dung des 7. Senats vom 14.Juni 201730 zu beach­ten. In die­ser wird den Befris­tungs­grün­den des ÄArbV­trG gegen­über der Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG zwin­gen­der Vor­rang ein­ge­räumt, wes­halb der Ent­schei­dung gera­de für die hie­si­ge Betrach­tung Signal­wir­kung zukommt.

1. BAG, Urteil vom 18. Mai 2016 – 7 AZR 533/14

Im Urteil vom 18. Mai 201631 nahm das BAG von der bis dahin all­ge­mei­nen Mei­nung Abstand und unter­sag­te dem Arbeit­ge­ber den Rück­griff auf die Befris­tungs­grün- de des § 14 Abs. 1 TzBfG. Im ent­schie­de­nen Fall war eine appro­bier­te pro­mo­vier­te Tier­ärz­tin als „wis­sen­schaft­li­che Assis­ten­tin“32 ein­ge­stellt und sechs­mal hin­ter­ein­an­der

2017, 89 ff.; umfas­send auch Preis/Deutzmann, AP WissZeitVG

§ 1 Nr. 7.
30 BAG, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 597/15 = Beck­RS

2017,128880.
31 BAG, Urteil vom 18. Mai 2016 – 7 AZR 533/14 = NZA 2016, 1276. 32 BAG, Urteil vom 18. Mai 2016 – 7 AZR 533/14 = NZA 2016,

1276: „§ 1 Frau Dr. S wird für die Zeit vom 1. Okto­ber 2009 bis ein­schließ­lich 30. Sep­tem­ber 2013 als voll­be­schäf­tig­te Arbeit­neh- merin befris­tet an der Uni­ver­si­tät Leip­zig unter Bei­be­hal­tung ihres Sta­tus als wis­sen­schaft­li­che Assis­ten­tin wei­ter­be­schäf­tigt,

§ 114 Abs. 20 Säch­si­sches Hoch­schul­ge­setz (SächsHSG) vom 10. Dezem­ber 2008 in der ab 11. Juli 2009 gül­ti­gen Fas­sung in Ver- bin­dung mit § 46 Säch­si­sches Hoch­schul­ge­setz (SächsHG) vom 11. Juni 1999 in der ab 31. Janu­ar 2006 gel­ten­den Fas­sung. Die erneu­te Befris­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses rich­tet sich dem­entspre­chend nach § 47 Abs. 3 SächsHG in der o. g. Fas­sung in Ver­bin­dung mit § 114 Abs. 20 SächsHSG in der o. g. Fas­sung“; die Par­tei­en und auch das BAG haben indes über­se­hen, dass mit der „Wei­ter­be­schäf­ti- gung“ mög­li­cher­wei­se gar kei­ne Neu­be­fris­tung vor­lag, son­dern ledig­lich eine Ver­län­ge­rung des bereits bestehen­den Arbeits- ver­trags. Inso­weit wäre zu prü­fen gewe­sen, ob die vor­ge­hen­de Ver­trags­ket­te einen das Zitier­ge­bot wah­ren­den Hin­weis ent­hielt. Zur Abgren­zung zwi­schen Neu­be­fris­tung und Ver­län­ge­rung im WissZeitVG vgl. Man­dler, Die Ver­län­ge­rung von Arbeits­ver­hält- nis­sen gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG, OdW 2014, 223, ins­be­son­de- re auch in Abgren­zung zur Ver­län­ge­rung bei § 14 Abs. 2 TzBfG.

Mandler/Wegmann · § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG 2 0 5

befris­tet wor­den. Im letz­ten – und für die Kla­ge entsch­ei- den­den – Arbeits­ver­trag fehl­te indes ein Hin­weis auf das WissZeitVG, sodass sich die arbeit­ge­ben­de Hoch­schu­le zur Begrün­dung der Wirk­sam­keit der Befris­tung nicht auf das WissZeitVG beru­fen und ledig­lich auf Befris­tungs­grün­de nach § 14 Abs. 1 TzBfG ver­wei­sen konn­te. Ange­führt wur­de zunächst § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG, da die wis­sen­schaft- liche Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung der Klä­ge­rin (Habi­li­ta­ti­on) sich als Eigen­art der Arbeits­leis­tung dar­stel­le. Dane­ben wur­de § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 TzBfG ange­führt, da die Habi­li­ta­ti­on als noch nicht erreich­tes Qua­li­fi­ka­ti­ons­ziel einen in der Per- son der Klä­ge­rin lie­gen­den Grund bedeu­te. Letzt­lich kön­ne die Befris­tung zudem auch auf § 14 Abs. 1 Satz 1 TzBfG gestützt wer­den, denn nach Ansicht der Hoch­schu­le sei das inso­weit ein­schlä­gi­ge säch­si­sche Hoch­schul­ge­setz nicht hin­rei­chend im WissZeitVG berück­sich­tigt, wes­halb ein sol­cher Rück­griff erlaubt sein müs­se.

Das BAG erach­te­te kei­nen der ange­führ­ten Befris- tungs­grün­de für taug­lich. Viel­mehr lehn­te es bereits die Anwend­bar­keit der Befris­tungs­grün­de des §14Abs.1 TzBfG ins­ge­samt ab und erkann­te inso­weit in § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG eine gegen­über §14Abs.1 Satz 2 TzBfG spe­zi­el­le­re Rege­lung, soweit die Befris­tung aus- schließ­lich mit der wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung des Arbeit­neh­mers begrün­det wird. Her­vor­zu­he­ben sei in- sofern, dass ins­be­son­de­re die Rege­lung in §1Abs.2 WissZeitVG der Annah­me die­ses Spe­zia­li­täts­ver­hält­nis- ses nicht ent­ge­gen­ste­hen kön­ne. § 1 Abs. 2 WissZeitVG wer­de viel­mehr erst dann rele­vant, wenn das Wiss- ZeitVG kei­ne vor­ran­gi­ge und abschlie­ßen­de Rege­lung ent­hal­te. Die Bestim­mung sei daher inso­fern restrik­tiv aus­zu­le­gen.

Uner­wähnt lässt die Ent­schei­dung jedoch die unter- schied­li­che Befris­tungs­na­tur im Rah­men des not­wen­di- gen Spe­zia­li­täts­ver­gleichs. So wur­de die Sperr­wir­kung aus der – nach wie vor – sach­grund­lo­sen Befris­tung gem. § 2 Abs. 1 WissZeitVG abge­lei­tet und auf die­ser Grund- lage eine Sach­grund­be­fris­tung gem. § 14 Abs. 1 TzBfG abge­lehnt. Das BAG hat damit einen lex spe­cia­lis-Ver- gleich über die Gren­zen der Rechts­na­tur der Befris­tun­gen hin­aus gesucht. Dies ist metho­disch bemer­kens­wert und ins­be­son­de­re bei der Fra­ge der Über­tra­gung die­ser Recht­spre­chung auf die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG zu berück­sich­ti­gen.

  1. 33  BAG, Urteil vom 8. Juni 2016 – 7 AZR 259/14 = Beck­RS 2016, 73446.
  2. 34  Anders als in der Ent­schei­dung vom 8. Juni 2016 war das Zitier- gebot in die­sem Fall gewahrt.
  3. 35  Zur Bedeu­tung von Dau­er­auf­ga­ben bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen sie­he BT-Drs. 16/3438 S. 14; Ram­bach in Arnold/Gräfl/Imping,

2. BAG, Urteil vom 8. Juni 2016 – 7 AZR 259/14

Die­se Recht­spre­chung wur­de einen Monat spä­ter im Urteil vom 8. Juni 201633 bestä­tigt. Dar­in hat­te eine ange- stell­te Diplom-Bio­che­mi­ke­rin die Wirk­sam­keit ihrer zum 31. Okto­ber 2011 aus­lau­fen­den Dritt­mit­tel­be­fris­tung gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG in Fra­ge gestellt.34 Nach Auf­fas­sung der Arbeit­neh­me­rin war der erfor­der­li­che Zusam­men­hang zwi­schen Pro­jekt und Ver­trags­lauf­zeit zum einen nicht gege­ben und zum ande­ren sei sie wie- der­holt mit Daueraufgaben35 betraut wor­den. Die Vor- aus­set­zun­gen für eine Befris­tung nach § 2 Abs. 2 Wiss- ZeitVG wur­den daher auf die­ser Grund­la­ge bestrit­ten, wes­halb die Hoch­schu­le hilfs­wei­se auf die Wirk­sam­keit der Befris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG ver- wies.

Letz­te­re Argu­men­ta­ti­ons­li­nie lehn­te das BAG ab und ver­wies die Ent­schei­dung im Übri­gen auf­grund unzu­rei- chen­der Wür­di­gung durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt an sel­bi­ges zurück. Im Rah­men der zurück­ver­wei­sen­den Ent­schei­dung hielt das Gericht aus­drück­lich an den Grund­sät­zen des Urteils vom 18. Mai 2016 fest und ver- nein­te daher auch in die­sem Fall einen Rück­griff auf die all­ge­mei­nen Befris­tungs­re­geln des § 14 Abs. 1 TzBfG. Auch bei § 2 Abs. 2 WissZeitVG han­de­le es sich gegen- über § 14 Abs. 1 TzBfG um ein lex spe­cia­lis. Dem stün­de auch nicht ent­ge­gen, dass § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG vor der Ein­füh­rung des Dritt­mit­tel­tat­be­stands als taug­li- che Pro­jekt-Befris­tungs­grund­la­ge aner­kannt gewe­sen sei. Mit der Ein­füh­rung des § 2 Abs. 2 WissZeitVG habe die Befris­tung für dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Pro­jek­te viel- mehr eine eige­ne Grund­la­ge erhal­ten, die inso­weit ab- schlie­ßend zu ver­ste­hen sei.36 Ein zusätz­li­cher Pro­jekt- befris­tungs­tat­be­stand sei daher in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG inso­fern nicht mehr vor­ge­se­hen.

Bemer­kens­wert ist auch in die­ser Ent­schei­dung, dass die Befris­tungs­na­tur gänz­lich uner­wähnt bleibt. Das BAG ver­gleicht nun­mehr aber, anders als im Urteil vom 8. Juni 2016, nicht mehr eine sach­grund­lo­se mit einer Sach­grund­be­fris­tung, son­dern stellt die Sach­grund­be- fris­tung des § 2 Abs. 2 WissZeitVG unre­flek­tiert neben die Sach­grund­be­fris­tung des § 14 Abs. 1 TzBfG. Das lex spe­cia­lis-Ver­hält­nis wird damit inner­halb der­sel­ben Be- fris­tungs­art aner­kannt.

Teil­zeit- und Befris­tungs­ge­setz, 4. Aufl. 2016, WissZeitVG
§ 2 Rn. 50; Man­dler, Rechts­miss­brauch bei Dritt­mit­tel­be­fris­tun- gen gem. § 2 Abs. 2 WissZeitVG, OdW 2015, 220.

36 Zur Ent­wick­lung sie­he umfas­send Meiß­ner, Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs­rechts, 2016 S. 101, 126, 129, 141, 167.

206 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 201–212

3. BAG, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2016 – 7 AZR 549/14

Die­se Recht­spre­chung setz­te das BAG im Urteil vom 28. Sep­tem­ber 201637 fort. Der Klä­ger, eine beson- dere Lehr­kraft am his­to­ri­schen Insti­tut, die auf­grund auf­ein­an­der­fol­gend befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG beschäf­tigt wur­de, begehr­te Fest- stel­lung der Unwirk­sam­keit der letz­ten Befris­tungs­ab­re- de. Sub­stan­ti­iert wur­de die Kla­ge mit dem Argu­ment, dass der Klä­ger als beson­de­re Lehr­kraft nicht dem wis- sen­schaft­li­chen Per­so­nal zuge­hö­rig sei und folg­lich die Vor­aus­set­zun­gen des hilfs­wei­se von der Hoch­schu­le ange­führ­ten § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG („Tabel­len­ab- sen­kungs­be­trag Leh­rer“) nicht vor­lä­gen.

Auch hier wies das BAG die Ent­schei­dung letzt­lich an das LAG auf­grund unge­nü­gen­der Auf­klä­rung zurück, bekräf­tig­te in die­sem Zusam­men­hang aber auch das in den Ent­schei­dun­gen vom 18. Mai und 8. Juni 2016 for- mulier­te lex spe­cia­lis-Ver­hält­nis. Anders als in den vor- ange­gan­ge­nen Fäl­len sah das BAG in den Befris­tungs- tat­be­stän­den des WissZeitVG kei­ne die Befris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG aus­schlie­ßen­de Spe­zi- alre­ge­lung. Dem WissZeitVG sei inso­fern kei­ne abschlie- ßen­de Rege­lung zu ent­neh­men.

Bemer­kens­wert ist an die­ser Ent­schei­dung vor allem der Umstand, dass das BAG einen Rekurs auf die Befris- tungs­grün­de des TzBfG nicht des­halb aus­schließt, weil der Arbeits­ver­trag einen Hin­weis auf das WissZeitVG ent­hält. Trotz eines sol­chen Ver­wei­ses kön­ne die Befris- tung viel­mehr den­noch auf die Sach­grün­de des § 14 Abs. 1 TzBfG gestützt wer­den, da die Wirk­sam­keit der Befris­tung nicht von der schrift­li­chen Anga­be des letzt­end­li­chen Befris­tungs­grun­des abhän­ge. Ent­schei­dend sei inso­fern viel­mehr, ob die jewei­li­gen Befris­tungs­vor- aus­set­zun­gen gege­ben sei­en.

Über­dies dif­fe­ren­ziert das BAG auch in die­ser Ent- schei­dung nicht zwi­schen den ein­zel­nen Befris­tungs­ar- ten, son­dern fragt allein, ob dem WissZeitVG ein spe­zi- elle­rer Befris­tungs­grund mit Blick auf haus­halts­recht­li- che Umstän­de gege­ben sei.

4. BAG, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 597/15

Eine ers­te Ent­schei­dung, die der gegen­ständ­li­chen Fra- gestel­lung nahe kommt, hat das BAG am 14. Juni 201738 ver­kün­det. Dar­in wird das Ver­hält­nis zwi­schen § 14 Abs. 2 TzBfG und dem Befris­tungs­grund des § 1 ÄArbV­trG hin­ter­fragt. Ein Rück­griff des Arbeit­ge­bers

  1. 37  BAG, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2016 – 7 AZR 549/14 = NZA 2017, 249.
  2. 38  BAG, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 597/15 = Beck­RS 2017, 128880.

auf die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG ist danach auf der Grund­la­ge eines lex spe­cia­lis-Ver­hält­nis­ses eben­falls aus­ge­schlos­sen:

Mit ihrer Kla­ge mach­te die als Fach­ärz­tin für inne­re Medi­zin an einem pri­va­ten Kran­ken­haus täti­ge Klä­ge­rin die Unwirk­sam­keit ihrer auf § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG beru- hen­den Befris­tung gel­tend. Die auf die Erlan­gung der Schwer­punkt­be­zeich­nung Gas­tro­en­te­ro­lo­gie gestütz­te Befris­tung kön­ne nicht auf § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG gestützt wer­den, da ein zeit­lich und inhalt­lich struk­tu­rier­ter Wei- ter­bil­dungs­plan nicht vor­han­den gewe­sen sei. Auch die im Arbeits­ver­trag in Bezug gesetz­te Wei­ter­bil­dungs­ord- nung sei inso­fern nicht aus­rei­chend.

Das BAG wies die Revi­si­on zurück und bestä­tig­te, dass zum maß­ge­ben­den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses von Sei­ten der Beklag­ten kei­ne kon­kre­ten Über­le­gun­gen in Bezug auf den Umfang des Wei­ter­bil­dungs­be­darfs und die anzu­wen­den­de Wei­ter­bil­dungs­ord­nung ange- stellt wur­den und dar­über hin­aus der Wei­ter­bil­dungs­be- darf der Klä­ge­rin nicht hin­rei­chend pro­gnos­ti­ziert wor- den sei.

Für den hie­si­gen Fall ent­schei­dend, prüf­te das BAG zudem auch die Mög­lich­keit einer Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG. Gem. § 1 Abs. 5 ÄArbV­trG sei ein sol- cher Rück­griff aber nur inso­fern zuläs­sig, wie § 1 Abs. 1 bis Abs. 4 ÄArbV­trG kei­ne vor­ran­gi­gen Rege­lun­gen ent- hal­te – man bemer­ke inso­fern die Par­al­le­li­tät zum WissZeitVG.

Ein sol­cher erge­be sich in Bezug auf §14Abs.2 TzBfG aus §1Abs.3 Satz 5 und Satz 6 ÄArbV­trG. § 14 Abs. 2 TzBfG ent­hal­te inso­weit eine auf zwei Jah­re beschränk­te und vom Befris­tungs­an­lass los­ge­lös­te Be- fris­tungs­mög­lich­keit und sei dar­über hin­aus im Fal­le ei- ner Wei­ter­bil­dung nicht von der gesetz­ge­be­ri­schen Inten- tion des ÄArbV­trG erfasst.39 Aus­weis­lich der Geset­zes- begrün­dung soll­te den Ärz­ten eine zusam­men­hän­gen­de und am Wei­ter­bil­dungs­ziel ori­en­tier­te Wei­ter­bil­dung er- mög­licht wer­den. Die­sem Ziel sei § 14 Abs. 2 TzBfG je- doch auf­grund sei­nes Befris­tungs­rah­mens abträg­lich, wobei, gestützt auf die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en, auch auf Inten­ti­on zur Ver­hin­de­rung miss­bräuch­li­cher Ket- ten­be­fris­tun­gen ver­wie­sen wurde.40

Die vor­ste­hen­de Ent­schei­dung ist für die Unter­su­chung der hie­si­gen Fra­ge trotz der offen­sicht­li­chen Unter­schie­de zwi­schen­den­Be­fris­tungs­tat­be­stän­den­de­s­Ä­ArbV­trGund WissZeitVG – ins­be­son­de­re der Min­dest­be­fris­tungs­dau­er – von Rele­vanz, denn das ÄArbV­trG ist bereits durch die

39 ErfK/Mül­ler-Glö­ge, 18. Aufl. 2018, TzBfG § 23 Rn. 2; MüKo/Hes- se, 7. Aufl. 2016, TzBfG § 23 Rn. 9; Koch in Schaub, AR-HB,
17. Aufl. 2017, § 38 Rn. 8.

40 BT-Drs. 13/8668 S. 6.

Mandler/Wegmann · § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG 2 0 7

Rege­lung in § 1 Abs. 5 und Abs. 6 ÄArbV­trG zum Wiss- ZeitVG abzu­gren­zen. 41 Aus die­sem sys­te­ma­ti­schen Zu- sam­men­spiel und der durch das BAG in der gegen­ständ- lichen Ent­schei­dung selbst vor­ge­nom­me­nen Bezug­nah- me auf die Exklu­si­vi­täts­the­se ist folg­lich nicht von der Hand zu wei­sen, dass das BAG eine Über­tra­gung der Recht­spre­chungs­grund­sät­ze auch für das Ver­hält­nis der Befris­tung gem. § 14 Abs. 2 TzBfG zu den Befris­tungs­tat- bestän­den des WissZeitVG nahe­legt und inso­weit schein­bar sys­te­ma­ti­sche Unter­schie­de außer Acht lässt. Die Ent­schei­dung mag daher als Vor­bo­te einer ent­sp­re- chen­den Ent­schei­dung auch für das WissZeitVG gele­sen wer­den.

5. Lex spe­cia­lis statt Pri­vi­le­gie­rung auch für § 14 Abs. 2 TzBfG

Das BAG hat die Pri­vi­le­gie­rung der Hoch­schu­len, Uni- ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungsein- rich­tun­gen zuguns­ten eines Spe­zia­li­täts­ver­ständ­nis­ses ver­neint. Die Rege­lun­gen des WissZeitVG bzw. des ÄArbV­trG ent­fal­ten daher gegen­über den Befris­tungs- grün­den des § 14 TzBfG nun­mehr zwin­gen­de Sperr­wir- kung, die unmit­tel­bar aus dem jewei­li­gen Befris­tungs- grund des WissZeitVG folgt. Inso­weit gilt nun der Grund­satz lex spe­cia­lis dero­gat legi gene­ra­li.

Obschon die­ses Ver­ständ­nis mit Blick auf § 1 Abs. 2 WissZeitVG und den aus­drück­lich und wie­der­holt er- klär­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers metho­disch äußerst zwei­fel­haft erscheint, ist für die hie­si­ge Betrach­tung den- noch davon aus­zu­ge­hen, dass die geäu­ßer­ten Grund­sät- ze zu beach­ten sind, da eine Ände­rung der neu­en Recht- spre­chungs­li­nie in naher Zukunft nicht zu erwar­ten ist und die – hier aus­sichts­rei­che – Befra­gung des Bun­des- ver­fas­sungs­ge­richts unter dem Gesichts­punkt des aus dem Rechts­staats­prin­zip abge­lei­te­ten Vor­rangs des Ge- set­zes eben­falls nicht abseh­bar ist.

Aus­ge­hend von den bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen für den Vor­rang des § 2 Abs. 1 und Abs. 2 WissZeitVG ge- gen­über § 14 Abs. 1 TzBfG ist daher zu fra­gen, ob Grün- de bestehen, die eine abwei­chen­de Hand­ha­bung für § 14 Abs. 2 TzBfG nahelegen.42

  1. 41  „(6) Die Absät­ze 1 bis 5 gel­ten nicht, wenn der Arbeits­ver­trag unter den Anwen­dungs­be­reich des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes fällt.“ Ins­be­son­de­re Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka sind aus die­sem Grund gehal­ten das WissZeitVG zu nut­zen, vgl. auch Man­dler/Meiß­ner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun- gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW 2016, 33.
  2. 42  Wohl ins­ge­samt ver­nei­nend Salz­mann/Gün­ther, Das Wis­sen- schafts­zeit­ver­trags­ge­setz, AuA 2017, 86 ff. unter 3.
  3. 43  So wird in den Ent­schei­dun­gen BAG, Urteil vom 18. Mai 2016 – 7 AZR 533/14 = NZA 2016, 1276; BAG, Urteil vom 28. Sep­tem-
    ber 2016 – 7 AZR 549/14 = NZA 2017, 249, § 14 Abs. 1 TzBfG
    § 2 Abs. 1 WissZeitVG gegen­über­ge­stellt.
  4. 44  Vgl. inso­weit BAG, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 597/15 =

Rele­vanz kommt dabei ins­be­son­de­re dem vom BAG aus­ge­blen­de­ten Ver­gleich des Befris­tungs­typs zu. Ohne dies geson­dert zu erwäh­nen, ver­gleicht das BAG die sach­grund­lo­se Befris­tung gem. § 2 Abs. 1 WissZeitVG mit der Sach­grund­be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 TzBfG43 und über­springt damit die natür­li­chen Art­gren­zen. Dem­ge­gen­über wird auch die Sach­grund­be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 TzBfG dem Sach­grund in § 2 Abs. 2 Wiss- ZeitVG inso­weit unter­schieds­los gegen­über­ge­stellt. Hie- raus folgt, dass aus der sach­grund­lo­sen Natur der Befris- tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG kein Rück­schluss auf eine even­tu­el­le Lücke der vor­be­spro­che­nen Recht­spre­chung gese­hen wer­den kann. Viel­mehr bestärkt die inso­weit bestehen­de Art­gleich­heit zur sach­grund­lo­sen Befris­tung in § 2 Abs. 1 WissZeitVG und § 6 WissZeitVG die An- nah­me eines gleich­falls bestehen­den Spe­zia­li­täts­vor- rangs der Befris­tungs­grün­de des WissZeitVG.

Dane­ben spricht ins­be­son­de­re die durch eine Befris- tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG mög­li­che Umge­hung der Schutz­me­cha­nis­men des WissZeitVG zuguns­ten der in der Wis­sen­schaft täti­gen Arbeit­neh­mer für die Annah- me eines Spezialitätsverhältnisses.44 Auf Grund­la­ge der Novel­le des WissZeitVG von 2016 ist die sach­grund­lo­se Befris­tung gem. § 2 Abs. 1 WissZeitVG durch das Ange- mes­sen­heits­kri­te­ri­um ergänzt worden.45 Hier­durch soll­te erreicht wer­den, dass die Hoch­schu­len, außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tun­gen oder Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken kei­ne unzu­mut­bar kur­zen Befris­tungs­zeit­räu­me mit ih- ren Arbeit­neh­mern vereinbaren.46 Wür­de nun aber zu- gelas­sen, dass die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG ne- ben der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG, die das Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri­um ent­hält, bestehen kann, so wäre das Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri­um als sol­ches unter- lau­fen, wenn eine Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG für einen nach dem WissZeitVG unan­ge­mes­sen kur­zen Zeit­raum – bei­spiels­wei­se 6 Monate47 – ver­ein­bart wür- de. Es wäre den Hoch­schu­len damit mög­lich zumin­dest für einen Zeit­raum von 2 Jah­ren mit Arbeit­neh­mern, die sich bis­her noch nicht in einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält- nis zur jewei­li­gen Hoch­schu­le, und sei es auch als stu- den­ti­sche Hilfs­kraft, befun­den haben am Ange­mes­sen-

Beck­RS 2017, 128880.
45 BT-Drs. 18/6489 S. 10 f.; vgl. Masch­mann/Konertz, Das

Hoch­schul­be­fris­tungs­recht in der Reform: Die Novel­le des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes, NZA 2016, 257, 263; Man­dler/Meiß­ner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG.

46 BT-Drs. 18/6489 S. 1 ff.
47 Ram­bach in Arnold/Gräfl/Imping, Teil­zeit- und Befris­tungs-

gesetz, 4. Aufl. 2016, WissZeitVG § 2 Rn. 6; vgl. auch PreisUlb­er, WissZeitVG, 2. Aufl. 2017, WissZeitVG § 2 Rn. 36 f.; Man­dler/Meiß­ner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG, OdW 2017, 200.

208 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 201–212

heits­kri­te­ri­um vor­bei Kurz­zeit­ver­trä­ge zu schlie­ßen. Der inso­weit kla­ren Inten­ti­on der Novel­le muss daher auch vor dem Hin­ter­grund der neu­en Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts Rech­nung getra­gen wer­den. In- ten­diert war die Bekämp­fung unan­ge­mes­sen kur­zer Be- fris­tungs­lauf­zei­ten, wes­halb die ver­ein­bar­te Befris­tungs- dau­er jeweils so zu bemes­sen sei, dass sie „der ange­streb- ten Qua­li­fi­zie­rung ange­mes­sen ist“,48 wobei hier­durch „Fehl­ent­wick­lun­gen in der Befris­tungs­pra­xis“ ent­ge­gen­ge- wirkt wer­den soll­te, „ohne die in der Wis­sen­schaft erfor- der­li­che Fle­xi­bi­li­tät und Dyna­mik zu beein­träch­ti­gen“.49

Sel­bi­ges Argu­ment lässt sich indes nicht unbe­dingt mit Blick auf die Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de – ins­be­son- dere § 2 Abs. 5 WissZeitVG – ent­wi­ckeln. Der Dritt­mit- tel­be­fris­tung sind die­se Tat­be­stän­de fremd, sodass es sich hier­bei letzt­lich nach dem Gesetz um kei­ne garan- tier­te Eigen­heit einer WissZeitVG-Befris­tung han­delt. Zudem ist inso­weit zu erken­nen, dass die Ver­län­ge- rungs­tat­be­stän­de letzt­lich nur Erwei­te­run­gen des ei- gent­li­chen Befris­tungs­tat­be­stan­des dar­stel­len und sich aus die­sem akzes­so­risch ablei­ten. Sie sind daher dem Grun­de nach nicht geeig­net, Unter­schie­de in Bezug auf den eigent­li­chen Befris­tungs­grund offen zu legen.

Gegen eine Über­tra­gung der neue­ren Rechtsp­re- chung auf das Ver­hält­nis zwi­schen § 14 Abs. 2 TzBfG und den Befris­tungs­grün­den des WissZeitVG wird ein- gewandt, dass § 14 Abs. 2 TzBfG weder einen Sach­grund noch eine beson­de­re Art der Tätig­keit erfor­dert und es für die Recht­fer­ti­gung der Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG zudem irrele­vant sei, ob die Tätig­keit evtl. von ei- nem Befris­tungs­grund des § 14 Abs. 1 TzBfG erfasst wür- de.50 Die­se Ansicht ver­kennt indes die vor­ste­hend be- schrie­be­nen Gesichts­punk­te, die ins­be­son­de­re eine Un- ter­schei­dung nach der Art des Befris­tungs­grun­des ent- kräf­ten. Dane­ben kann aus dem Ver­gleich zu § 14 Abs. 1 TzBfG kei­ne einer Über­tra­gung ent­ge­gen­ste­hen­de Er- kennt­nis gewon­nen wer­den. Das BAG hat auf der Grund­la­ge eines Spe­zia­li­täts­ver­hält­nis­ses geur­teilt, wel- ches auf die Befris­tungs­grün­de des WissZeitVG und nicht auf die des TzBfG auf­baut. Zwi­schen § 14 Abs. 1 und Abs. 2 TzBfG besteht gera­de kein Exklu­si­vi­täts­ver- hält­nis, son­dern Alter­na­ti­vi­tät. Aus dem Ver­hält­nis der Befris­tungs­grün­de des TzBfG zuein­an­der kann folg­lich schwer­lich ein Rück­schluss auf die Spe­zia­li­tät der Befris- tungs­grün­de des WissZeitVG gegen­über die­se geschlos- sen wer­den.

48 Hier­zu Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW 2016, 40; zusam­men­fas­send zu den Reak­tio­nen sie­he Meiß­ner, Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Hoch­schul­be­fris­tungs- rechts, 2016, S. 158 ff., 165 ff.

Auch der Zweck des § 14 Abs. 2 TzBfG ver­mag hie- ran nichts zu ändern. Aus­weis­lich der Geset­zes­be- grün­dung erschöpft sich die­ser dar­in, dass Arbeit­ge- ber durch den erleich­ter­ten Abschluss befris­te­ter Ar- beits­ver­hält­nis­se fle­xi­bler auf wech­seln­de Markt­be- din­gun­gen reagie­ren kön­nen sollen.51 Wenn­gleich wech­seln­de Markt­be­din­gun­gen auch die Beschäf­ti- gung von Wis­sen­schaft­lern betref­fen kann, kön­nen sich die­se Zwe­cke zwei­fel­los auch in den Befris­tungs- grün­den des WissZeitVG ver­wirk­li­chen, die zwar dem Grun­de nach den kon­ti­nu­ier­li­chen Durch­lauf jun­ger Wis­sen­schaft­ler sicher­stel­len sol­len, dabei den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tun­gen aber zwei­fel­los auch ein fle­xi­bles Instru­men­ta­ri­um zur Reak­ti­on auf wech­seln­de Markt­be­din­gun­gen an die Hand geben. Dies wird ins­be- son­de­re bei Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka sicht­bar, die im Bereich der Kran­ken­ver­sor­gung mit pri­va­ten Kran­ken­häu­sern kon­kur­rie­ren und aus den wei­te­ren Befris­tungs­tat­be- stän­den des WissZeitVG vor allem Vor­tei­le aus Arbeit- geber­per­spek­ti­ve zie­hen. Dar­über hin­aus die­nen die vor- genann­ten Recht­spre­chungs­grund­sät­ze nicht dazu, den Arbeit­ge­ber eine rechts­si­che­re Befris­tungs­grund­la­ge zu neh­men, son­dern sind Aus­druck der ange­nom­me­nen Norm­kon­kur­renz.

Stich­hal­ti­ger könn­ten auch Über­le­gun­gen zur Risi- kover­tei­lung sein: Bei der Annah­me eines Spe­zia­li­täts- ver­hält­nis­ses zwi­schen §14Abs.2 TzBfG und Wiss- ZeitVG ist der Arbeit­ge­ber bei zwei­fel­haf­ter wis­sen- schaft­li­cher Dienst­leis­tung gezwun­gen, eine bin­den­de Ent­schei­dung bei der Ein­stel­lung zu tref­fen. Wird dann nach WissZeitVG befris­tet, lag aber tat­säch­lich kein über­wie­gen­der Wis­sen­schafts­be­zug vor, so führt das Zitier­ge­bot in § 2 Abs. 4 Satz 1 WissZeitVG zwin- gend zur Unwirk­sam­keit der Befris­tung, obschon eine Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG even­tu­ell mög­lich ge- wesen wäre. Die­sen Umstand wird man jedoch hin­neh- men müs­sen. Der Bestand des Befris­tungs­grun­des und damit die zutref­fen­de Ana­ly­se der Art der im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses pro­gnos­ti­zier­ten Tätig­keit, obliegt allein dem Arbeit­ge­ber und kann schließ­lich nicht dafür benutzt wer­den, um einer Umge­hungs­lö­sung den Weg zu ebnen, die den Arbeit­neh­mer letzt­lich schlech­ter stellt. Aus dem Wis­sen­schafts­pri­vi­leg folgt inso­weit im Rah­men der Spe­zia­li­täts­be­trach­tung auch eine Ver­pflich­tung der pri­vi­le­gier­ten Arbeit­ge­ber.

49 BT-Drs. 18/6489 S. 17.
50 So Preis/Deutz­mann, AP WissZeitVG § 1 Nr. 7 unter IV; vgl. auch

Preis/Ulb­er, WissZeitVG, 2. Aufl. 2017, WissZeitVG § 1 Rn. 166 ff. 51 BT-Drs. 14/4374 S. 14.

Mandler/Wegmann · § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG 2 0 9

Zusam­men­fas­send ist daher fest­zu­stel­len, dass im Grund­satz kei­ne taug­li­chen Argu­men­te exis­tie­ren, die un- ter Anwen­dung des – unrich­ti­gen aber für die Pra­xis zu ak- zep­tie­ren­den – Spe­zia­li­täts­ver­ständ­nis­ses gegen eine An- wen­dung die­ser Grund­sät­ze auch auf das Ver­hält­nis zwi- schen § 14 Abs. 2 TzBfG und den Befris­tungs­grün­den des WissZeitVG spre­chen wür­de. Prin­zi­pi­ell ist daher auch in- soweit auf einen lex spe­cia­lis-Vor­rang zu erken­nen.

Aus dem blo­ßen Vor­rang­ver­hält­nis kann indes nicht all­ge­mein auf einen Aus­schluss der Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG gegen­über jedem der Befris­tungs­grün­de geschlos­sen wer­den. Der Grund­satz lex spe­cia­lis dero­gat legi gene­ra­li kann jeweils nur inso­weit gel­ten, wie die Nor­men des vor­ran­gi­gen Rechts­sat­zes zumin­dest ein zusätz­li­ches Tat­be­stands­merk­mal ent­hal­ten oder eine abwei­chen­de Rechts­fol­ge vorsehen.52 Andern­falls besteht kein auf­zu­lö- sen­der Kon­flikt und die Bestim­mun­gen kön­nen alter­na­tiv neben­ein­an­der stehen.53

Ent­schei­den­des Kri­te­ri­um kann dabei zunächst nicht die „wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tung“ gem. § 1 Wiss- ZeitVG sein. Inso­weit hat § 1 Abs. 2 WissZeitVG – auch nach Ansicht des BAG54 – noch Ver­weis­funk­ti­on, sodass hier letzt­lich eine Rück­aus­nah­me zum Spe­zia­li­täts- grund­satz besteht. Maß­geb­lich sind damit viel­mehr die ein­zel­nen Vor­aus­set­zun­gen der Befris­tungs­tat­be­stän­de des WissZeitVG, die im Ein­zel­nen zu prü­fen und auf ihre Spe­zia­li­tät gegen­über der Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG zu unter­su­chen sind.

III. Zuläs­sig­keit einer sach­grund­lo­sen Befris­tung gem. § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des § 2 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 WissZeitVG

Aus­ge­hend von der Annah­me eines poten­ti­el­len lex spe- cia­lis-Vor­rangs der Befris­tungs­grün­de des WissZeitVG gegen­über denen des § 14 Abs. 2 TzBfG, ist zu prü­fen, ob die – hier gemein­sam behan­del­ten – Befris­tungs­tat­be- stän­de des § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG (Qua­li­fi­ka­ti­ons- phase55) und § 2 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG zumin­dest ein zusätz­li­ches Tat­be­stands­merk­mal auf­wei­sen.

Ein sol­ches könn­te aus der Ver­län­ge­rungs­op­ti­on gem. § 2 Abs. 5 WissZeitVG abge­lei­tet wer­den, da inso- weit offen­kun­dig ein Unter­schied zur sach­grund­lo­sen

  1. 52  Rei­mer, Juris­ti­sche Metho­den­leh­re, 1. Aufl. 2016, C.
    Rn. 199 ff.; Larenz, Metho­den­leh­re der Rechts­wis­sen­schaft, 6. Aufl. 1991, S. 266 ff.
  2. 53  Rei­mer, Juris­ti­sche Metho­den­leh­re, 1. Aufl. 2016, C. Rn. 201; La- renz, Metho­den­leh­re der Rechts­wis­sen­schaft, 6. Aufl. 1991, S. 268.
  3. 54  Vgl. BAG, Urteil vom 18. Mai 2016 – 7 AZR 533/14 = NZA 2016,1276.
  4. 55  Die Bezeich­nung als Pro­mo­ti­ons­pha­se ist nicht unbe­dingt zu-tref­fend. Eine Pro­mo­ti­on muss wäh­rend der Beschäf­ti­gung nicht zwin­gend ange­strebt wer­den, vgl. im Ein­zel­nen Man­dler/Meiß-

Befris­tung des § 14 Abs. 2 TzBfG besteht. Indes han­delt es sich bei die­ser Opti­on ledig­lich um ein abge­lei­te­tes, sub­jek­ti­ves Recht. Der Ver­län­ge­rungs­an­spruch als sol- cher ist nicht Teil des Tat­be­stan­des der Befris­tun­gen nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG, son­dern folgt erst aus deren Bestand. Er ist daher kei­ne taug­li­che Recht­fer­ti­gungs- grund­la­ge für die Annah­me des Spe­zia­li­täts­vor­rangs.

Sel­bi­ges gilt inso­weit auch für die Ver­län­ge­rungs­tat­be- ständederHöchstbefristungsgrenzen,§2Abs. 1 Satz 4, Abs. 5 WissZeitVG. Hier­bei han­delt es sich wie­der­um nur um aus der Befris­tung fol­gen­de Mög­lich­kei­ten, die hier zu- dem allein dem Arbeit­ge­ber einen wei­te­ren Befri-stungs- kor­ri­dor ein­räu­men.

Auch aus der jewei­li­gen Höchst­be­fris­tungs­gren­ze selbst wird man kei­nen zwin­gen­den Vor­rang des Wiss- ZeitVG gegen­über einer Befris­tung nach §14Abs.2 TzBfG ablei­ten kön­nen. Zwar ist der Bestand vor­han­de- ner Befris­tungs­zei­ten als nega­ti­ves Tat­be­stands­merk­mal gegen­über der Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG zusätz- lich ent­hal­ten, jedoch dürf­te auch die maxi­mal zwei­jäh- rige Befris­tung nach letz­te­rem Befris­tungs­tat­be­stand als Höchst­be­fris­tungs­gren­ze ver­stan­den wer­den, sodass hier letzt­lich nur ein nomi­nel­ler aber nicht kon­struk­ti­ver Unter­schied exis­tiert. Dies lässt sich auch damit recht- fer­ti­gen, dass der Höchst­be­fris­tungs­rah­men des Wiss- ZeitVG den des § 14 Abs. 2 TzBfG deut­lich über­steigt, und inso­fern bestehen­de Restrik­tio­nen auf- und nicht abge­baut wer­den.

Unkla­rer wird der Fall frei­lich im Zusam­men­hang mit der revol­vie­ren­den Dreijahresregel56 bei der Befris- tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG, die im Ein­zel­fall auch eine Befris­tung über die Höchst­be­fris­tungs­gren­zen des Wiss- ZeitVG hin­aus ermög­li­chen wür­de. Indes wür­de die Ab- lei­tung des Spe­zia­li­täts­ver­hält­nis­ses aus die­sem Um- stand letzt­lich einem Zir­kel­schluss unter­lie­gen, denn dies wür­de bereits die Annah­me eines Vor­rang­ver­hält­nis­ses vor­aus­set­zen, das gera­de erst fest­ge­stellt wer­den soll.

Ein zusätz­li­ches Tat­be­stands­merk­mal fin­det sich viel­mehr im nun­mehr ein­ge­füg­ten Ange­mes­sen­heits­kri- teri­um in § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG. Im Zuge der No- vel­le wur­de der Tat­be­stand der sach­grund­lo­sen Befris- tung in § 2 Abs. 1 WissZeitVG ergänzt und for­dert nach der gel­ten­den Fas­sung eine gewis­se Bezie­hung zwi­schen

ner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 3

WissZeitVG, OdW 2017, 201.
56 Gegen­wär­tig anhän­gig beim BVerfG unter dem Akten­zei­chen

1 BVL 7/14; sie­he hier­zu im Zusam­men­hang mit der geplan­ten Novel­lie­rung des § 14 Abs. 2 TzBfG Löwisch/Schubert, Besch­rän- kung befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge nach dem Koali­ti­ons­ver­trag: Aus­wir­kun­gen auf Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen erscheint in OdW Heft 4/2018.

210 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 201–212

Qua­li­fi­ka­ti­on und Befris­tungs­dau­er im Sin­ne eines – wenn auch schwer greifbaren57 – ech­ten Tat­be­stands- merk­mals. Die­ser Zusam­men­hang ist dem TzBfG frei- lich gänz­lich fremd und unter­streicht inso­weit die In- ten­ti­on der Geset­zes­no­vel­le, die vor allem auf die Ver- mei­dung unan­ge­mes­se­ner Kurz­be­fris­tun­gen im wis­sen­schaft­li-chen Mit­tel­bau gerich­tet war.58 Vor al- lem vor die­sem Hin­ter­grund erscheint es daher stim- mig, die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG kraft einer lex spe­cia­lis-Betrach­tung aus­zu­schlie­ßen, denn an- dern­falls wäre über § 14 Abs. 2 TzBfG die Umge­hung des Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri­ums zumin­dest im Fall der Erst­be­fris­tung ermöglicht.59 Dies war nicht inten- diert und die Aner­ken­nung der Vor­rang­wir­kung des WissZeitVG erweist sich inso­weit als brauch­ba­res Mit­tel, um even­tu­el­lem Miss­brauch vor­zu­beu­gen.

Aller­dings ist die­se Vor­rang­wir­kung nicht für die Zeit vor der Novel­lie­rung anzu­er­ken­nen. Vor die­ser waren die Tat­be­stän­de letzt­lich ohne rele­van­ten mate- riel­len Unter­schied und ein Vor­rang könn­te sich al- len­falls auf die vor­ste­hend beschrie­be­nen, aber letzt- lich nicht ziel­füh­ren­den, Merk­ma­le beru­fen. Folg­lich kann die Unwirk­sam­keit der Befris­tung eines nach § 14 Abs. 2 TzBfG befris­te­ten Alt­ver­tra­ges nicht auf der Grund­la­ge des nun­mehr in der Recht­spre­chung erkann­ten lex spe­cia­lis-Ver­hält­nis­ses argu­men­tiert wer­den.

IV. Zuläs­sig­keit einer sach­grund­lo­sen Befris­tung gem. § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des § 2 Abs. 2 WissZeitVG

Im Ver­gleich zwi­schen der sach­grund­lo­sen Befris­tung nach§14Abs.2TzBfGunddersachgrundgestützten Dritt­mit­tel­be­fris­tung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG bestehen frei­lich unter­schied­li­che Tat­be­stands­merk- male, die auf einen Vor­rang des WissZeitVG hin­deu- ten könn­ten. Die­ser Schluss wäre jedoch unzu­tref- fend, denn er wür­de die Uni­ver­si­tät, Uni­ver­si­täts­kli- nik oder außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung letzt­lich zur Dritt­mit­tel­be­fris­tung nach § 2 Abs. 2

  1. 57  Mandler/Meißner, Die Ange­mes­sen­heit der Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 3 WissZeitVG, OdW 2017, 199.
  2. 58  BT-Drs. 18/6489 S. 1 ff.
  3. 59  Vgl. inso­fern mit ähn­li­cher Argu­men­ta­ti­on BAG, Urteil vom 14.Juni 2017 – 7 AZR 597/15 = Beck­RS 2017, 128880.
  4. 60  Krit. zu den einst vor­ge­schla­ge­nen vier Jah­ren mit Vor­schlag für 8 Jah­re sie­he Man­dler/Meiß­ner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG– Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Verbesserungspotential,OdW 2016, 38.
  5. 61  Preis/Ulb­er, WissZeitVG, 2. Aufl. 2017, WissZeitVG § 6Rn. 29, 35; Man­dler/Meiß­ner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG

WissZeitVG zwin­gen, sobald ein Dritt­mit­tel­pro­jekt vor­liegt.

Einen sol­chen Zwang kennt jedoch weder das Wiss- ZeitVG noch die Abgren­zung zwi­schen den Befris­tungs- tat­be­stän­den nach § 14 Abs. 1 und Abs. 2 TzBfG. Zudem erüb­rigt sich die­se Abgren­zung bereits dadurch, dass § 2 Abs. 1 WissZeitVG Vor­rang­wir­kung zukommt und das BAG – kon­se­quent – die Mög­lich­keit zur nicht-wis- sen­schafts­be­zo­ge­nen Befris­tung nach einem der Befris- tungs­tat­be­stän­de des § 14 Abs. 1 TzBfG aner­kannt hat. Aus § 2 Abs. 2 WissZeitVG folgt inso­fern kei­ne neue Er- kennt­nis in Bezug auf das gegen­ständ­li­che Ver­hält­nis zwi­schen § 14 Abs. 2 TzBfG und den Befris­tungs­tat­be- stän­den des WissZeitVG.

V. Zuläs­sig­keit einer sach­grund­lo­sen Befris­tung gem. § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des § 6 WissZeitVG

Ein Vor­rang­ver­hält­nis lässt sich eben­so nicht aus § 6 WissZeitVG gegen­über § 14 Abs. 2 TzBfG ent­neh­men. Man­gels Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri­um ver­blie­be auch hier allein die 6‑jährige60 Höchst­be­fris­tungs­dau­er zur Begrün­dung des Spe­zia­li­täts­vor­rangs, die aber nicht ent­schei­dend sein kann.

Über­dies spie­len die Ver­län­ge­rungs­tat­be­stän­de hier von vorn­her­ein kei­ne Rolle.61 Wie vor­ste­hend bereits er- läu­tert, kann aus die­sen indes aber ohne­hin kein taug­li- cher Schluss im Zusam­men­hang auf das Ver­hält­nis der Befris­tungs­tat­be­stän­de gezo­gen wer­den. Infol­ge der feh- len­den Anrech­nung gem. § 2 Abs. 3 Satz 3 WissZeitVG62 ist es den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und auße- runi­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen damit mög­lich, durch die Kom­bi­na­ti­on einer Erst­be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG und anschlie­ßen­der § 6 WissZeitVG- Befris­tung eine ins­ge­samt maxi­mal 8‑jährige Befris- tungs­dau­er zu erzie­len. Dies ent­spricht den im Zusam- men­hang mit der Novel­lie­rung gefor­der­ten Zeit­räu­men und ist inso­weit nicht zu beanstanden.63 Es darf daher auch wei­ter­hin allein auf ein bloß pri­vi­le­gie­ren­des Ver- ständ­nis geschlos­sen wer­den.

– Mög­lich­kei­ten, Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al,

OdW 2016, 35 ff.
62 Zur beacht­li­chen Fra­ge der Euro­pa­rechts­kon­for­mi­tät des

§ 2 Abs. 3 WissZeitVG sie­he umfas­send Stumpf, Befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se im Wis­sen­schafts­be­trieb NZA 2015, 326 ff.; zur Anrech­nung von Beschäf­ti­gungs­zei­ten bei rei­ner Ver­wal- tungs­tä­tig­keit sie­he unlängst BAG, Urteil vom 27.September 2017 – 7 AZR 629/15 = ZTR 2018, 152 ff.

63 Man­dler/Meiß­ner, Ent­wurfs­dis­kus­si­on WissZeitVG – Mög­lich­kei- ten, Ein­schrän­kun­gen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, OdW 2016, 35 ff.

Mandler/Wegmann · § 14 Abs. 2 TzBfG im Anwen­dungs­be­reich des WissZeitVG 2 1 1

VI. Prak­ti­sche Umset­zung

Aus­ge­hend von den vor­ste­hen­den Befun­den zeigt sich, dass letzt­lich nur im Ver­hält­nis der Befris­tungs- grün­de des § 2 Abs. 1 WissZeitVG gegen­über der Befris­tung aus § 14 Abs. 2 TzBfG Anpas­sungs­be­darf besteht. Aus die­sem Grund soll­ten die Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen fort­an ver­stärkt dar­auf ach­ten, dass gera­de im wis­sen­schaft­li­chen Mit­tel­bau der Rah- men des WissZeitVG nicht ohne eine reflek­tier­te Prü- fung der jewei­li­gen Umstän­de ver­las­sen wird. Hier- durch ent­steht jedoch gera­de in Zwei­fels­fäl­len über den wis­sen­schaft­li­chen Cha­rak­ter der geschul­de­ten Tätig­keit eine ver­meint­li­che Zwick­müh­le, die durch das Risi­ko einer fal­schen Zuord­nung ent­steht. Sel­bi- ges Risi­ko scheint sich auch für die Ver­gan­gen­heit zu rea­li­sie­ren, denn die Recht­spre­chungs­än­de­rung bezieht sich aus­schließ­lich auf die Rege­lun­gen des WissZeitVG vor der Novel­le.

Die mit die­sen Pro­blem­fel­dern ver­bun­de­nen Risi- ken kön­nen jedoch auf­ge­ho­ben oder zumin­dest ge- min­dert wer­den:

1. Im Zwei­fel Befris­tung nach dem WissZeitVG

Bestehen Unklar­hei­ten dar­über, ob wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tun­gen im Ein­zel­nen über­wie­gend geschul- det wer­den oder nicht, ist die Wahl eines Befris­tungs- tat­be­stan­des des § 2 Abs. 1 WissZeitVG gegen­über dem des § 14 Abs. 2 TzBfG im Zwei­fel zu emp­feh­len. Dies bie­tet sich auch in ande­ren Zwei­fels­fäl­len gegen- über den Sach­grün­den des § 14 Abs. 1 TzBfG an.

Stellt sich in die­sen Fäl­len sodann im Nach­hin­ein her­aus, dass tat­säch­lich kei­ne über­wie­gend wis­sen- schaft­li­che Tätig­keit geschul­det war – also kein lex spe­cia­lis-Ver­hält­nis bestand –, so ver­bleibt dem Ar- beit­ge­ber noch der Rück­griff auf den Befris­tungs­tat- bestand des § 14 Abs. 2 TzBfG. Anders als in den vom BAG ent­schie­de­nen Fäl­len, wird die Befris­tung in die- sem Fall weder durch wis­sen­schafts­be­zo­ge­ne Eigen- hei­ten des WissZeitVG begrün­det, noch kann in die- sem Fall der lex spe­cia­lis-Ein­wand über­haupt zur Be- grün­dung der Unwirk­sam­keit der Befris­tung her­an­ge- zogen wer­den, da der Anwen-dungs­be­reich des Geset­zes gera­de nicht eröff­net wur­de. Infol­ge­des­sen

  1. 64  Salzmann/Günther, Das Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz, AuA 2017, 86, 87.
  2. 65  Vgl. auch Salzmann/Günther, Das Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge- setz, AuA 2017, 86 ff. unter 3.
  3. 66  Vgl. BAG, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2016 – 7 AZR 549/14 = NZA 2017, 249 nach dem es der Anga­be des genau­en TzBfG- Befris­tungs­grun­des gera­de nicht bedarf.

kann ins­be­son­de­re auch das Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri- um nicht zur Begrün­dung des Vor­rangs her­an­ge­zo­gen wer­den, e con­tra­rio § 1 Abs. 2 WissZeitVG.

Die­sem Vor­ge­hen wird man – in der vor­be­schrie­be- nen Kon­stel­la­ti­on – auch den Ein­wand treu­wid­ri­gen Ver­hal­tens nicht ent­ge­gen­hal­ten kön­nen. Die Unter- schei­dung zwi­schen wis­sen­schaft­li­cher und nicht-wis- sen­schaft­li­cher Tätig­keit kann bis­wei­len über­aus schwie- rig sein, wes­halb in der Wahl der Befris­tungs­tat­be­stän­de des WissZeitVG letzt­lich kein vor­werf­ba­rer Treue­bruch lie­gen kann.

Einen sol­chen wird man aller­dings anneh­men müs- sen, wenn die Befris­tung alter­na­tiv auf das TzBfG oder das WissZeitVG gestützt wird. Bereits die ambi­va­len­te Wahl des Befris­tungs­tat­be­stan­des ist inso­fern per­plex und wür­de die Zwe­cke des in § 2 Abs. 4 Satz 1 Wiss- ZeitVG nor­mier­ten Zitier­ge­bots umgehen.64 Sel­bi­ges muss für die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG gel­ten, die hilfs­wei­se auf § 2 Abs. 1 WissZeitVG gestützt wird.65 Zwar wäre inso­fern das Zitier­ge­bot for­mal gewahrt, je- doch muss die Unwirk­sam­keit die­ser Kon­struk­ti­on aus dem sys­tem­im­ma­nen­ten Ver­hält­nis die­ser Befris­tun­gen zuein­an­der fol­gen. Ins­be­son­de­re wür­de durch der­ar­ti­ge Kon­struk­tio­nen dem Arbeit­neh­mer die Klar­heit dar­über genom­men, nach wel­chen Bestim­mun­gen er die Wirk- sam­keit sei­ner Befris­tung bestim­men muss. Mög­lich ist indes die Befris­tung unter Nen­nung des WissZeitVG, der, wie­der­um hilfs­wei­se, die Befris­tung nach § 14 Abs. 2 TzBfG nach­ge­stellt wird. Die­ser Fall bil­det letzt­lich nur dekla­ra­to­risch die Geset­zes­la­ge ab und kann sich daher nicht dem Vor­wurf der Per­ple­xi­tät gegenübersehen.66

2. „Alt­ver­trä­ge“

Auch im Zusam­men­hang mit der Anwen­dung der Recht­spre­chungs­grund­sät­ze auf Alt­ver­trä­ge, besteht argu­men­ta­ti­ver Spiel­raum. So ist aner­kannt, dass nicht vor­her­seh­ba­re Recht­spre­chungs­än­de­run­gen auf­grund des in Art. 2Abs.1 GG bzw. Art. 3Abs.1 GG iVm. Art. 20 Abs. 3 GG ver­an­ker­ten Ver­trau­ens­schut­zes kei­ne Anwen­dung auf Sach­ver­hal­te fin­den kön­nen, die vor den Ände­run­gen liegen.67 Die Ände­rung stän­di­ger höchst- rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ist nur dann unbe­acht­lich, wenn sie hin­rei­chend begrün­det ist und sich im Rah­men einer vor­her­seh­ba­ren Ent­wick­lung hält.68 Soweit hin­ge- gen durch gefes­tig­te Recht­spre­chung ein Ver­trau­ens­tat-

67 Grzes­zick in Maunz/Dürig, 80. EL Juni 2017, VII. Rn. 105; BVerfG, Beschluss vom 18. Okto­ber 2012 – 1 BvR 2366/11 = NJW 2013, 523 ff.

68 Grzes­zick in Maunz/Dürig, 80. EL Juni 2017, VII. Rn. 105; BVerfG, Beschluss vom 18. Okto­ber 2012 – 1 BvR 2366/11 = NJW 2013, 523 ff.

212 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 201–212

bestand begrün­det wur­de, kann die­sem erfor­der­li­chen- falls durch Bestim­mun­gen zur zeit­li­chen Anwend­bar­keit oder Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen im Ein­zel­fall Rech­nung getra­gen werden.69

Die Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze auf bereits vor der Recht­spre­chungs­än­de­rung abge­schlos­se­ne „Alt­ver- trä­ge“ dürf­ten sach­ge­recht sein. Die neue Rechtsp­re- chung des BAG ist zwar begrün­det, hält sich aber zumin- dest bis zur Ent­schei­dung vom 18. Mai 201670 nicht im Rah­men des Vor­her­seh­ba­ren. Weder aus vor­an­ge­gan­ge- ner Recht­spre­chung, noch aus Lite­ra­tur oder Gesetz er- gab sich das jet­zi­ge Ver­ständ­nis. Es ist den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen daher nicht anzu­las­ten, wenn sie vor die­sem Datum Ver­trä­ge mit Wis­sen­schaft­lern ge- schlos­sen und auf der Grund­la­ge des § 14 Abs. 2 TzBfG befris­tet haben soll­ten. Die Berück­sich­ti­gung ihrer Inte- res­sen und der aus der bis dahin bestehen­den Geset­zes- und Recht­spre­chungs­la­ge gebie­ten daher rich­ti­ger­wei­se Zurück­hal­tung bei der Anwen­dung die­ser Rechtsp­re- chungs­än­de­rung auf Befris­tun­gen nach §14Abs.2 TzBfG vor dem 18. Mai 2016.

In die­sem Zusam­men­hang ist aller­dings anzu­mer- ken, dass das BAG auch im Fall vom 18. Mai 2016 inso- fern kei­ne Mil­de wal­ten ließ, obschon die­se auch inso- fern gebo­ten gewe­sen wäre. Soweit mög­lich, ist den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tun­gen daher zu raten die mo- men­tan noch nicht höchst­rich­ter­lich geklär­te Rechts­la­ge in Bezug auf § 14 Abs. 2 TzBfG zu nut­zen und auf ent- spre­chen­de Neu­be­fris­tun­gen nach § 2 Abs. 1 Wiss- ZeitVG hin­zu­wir­ken.

3. Betei­li­gungs­rech­te des Per­so­nal­rats

Schließ­lich sind auch die Betei­li­gungs­rech­te des Per­so- nal­ra­tes zu berück­sich­ti­gen, die sich nach den jewei­li­gen Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen bestim­men. Nach die­sen ist bei der Ein­stel­lung eines wis­sen­schaft­lich täti- gen Arbeit­neh­mers in der Regel nicht mit­zu­be­stim­men.

  1. 69  BVerfG, Beschluss vom 18. Okto­ber 2012 – 1 BvR 2366/11 = NJW 2013, 523 ff.
  2. 70  Ange­sichts der Beschrän­kung des Spe­zia­li­täts­vor­rangs für die novel­lier­te Fas­sung des WissZeitVG erstreckt sich der rele­van­te Zeit­raum daher – gegen­über Befris­tun­gen nach § 14 Abs. 2 TzBfG – vom 16. März bis zum 18. Mai 2016. In Bezug auf die übri­gen Befris­tungs­tat­be­stän­de des WissZeitVG kann die­se Aus­nah­me jedoch brei­te­re Anwen­dung

Wird nun aber die Befris­tung eines Wis­sen­schaft­lers auf den Befris­tungs­grund des § 14 Abs. 2 TzBfG gestützt, so zeigt der Arbeit­ge­ber letzt­lich an, dass er für das Arbeits­ver­hält­nis selbst kei­ne über­wie­gend wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit pro­gnos­ti­ziert, sodass letzt­lich ein Mit­be­stim­mungs­recht der Per­so­nal­ver- tre­tung anzu­er­ken­nen wäre. Indes rich­tet sich die Ent­ste­hung eines Mit­be­stim­mungs-rechts nach den Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen nicht nach der Wahl des Befris­tungs­tat­be­stan­des, son­dern nach der tat­säch­li­chen Art der Tätig­keit. Daher kann der Arbeit­ge­ber auch dann eine Betei­li­gung auf das für Wis­sen­schaft­ler gel­ten­de Maß zurück­füh­ren, wenn tat­säch­lich wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit vor­liegt. Dies kann sich auch nach der Bezeich­nung der Stel­le gemäß den Lan­des­hoch­schul­ge­set­zen rich­ten.

VII. Fazit

Ein den Befris­tungs­grund nach § 14 Abs. 2 TzBfG aus- schlie­ßen­der Spe­zia­li­täts­vor­rang ist gegen­über den Befris­tungs­grün­den des § 2 Abs. 1 WissZeitVG für Ver­trä­ge anzu­er­ken­nen, sofern die Ver­trä­ge nach der Novel­lie­rung des WissZeitVG abge­schlos­sen wur­den. Im Übri­gen bleibt die Alter­na­ti­vi­tät der Befris­tungs- grün­de jedoch bestehen und der Befris­tungs­grund des § 14 Abs. 2 TzBfG kann ins­be­son­de­re im Zusam- men­spiel mit § 6 WissZeitVG ein­ge­setzt wer­den.

Auf der Grund­la­ge die­ser Erkennt­nis­se soll­te den Hoch­schu­len, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka und außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tun­gen daher an einer zügi­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit die­ser The­ma­tik und Auf­ar­bei- tung der eige­nen Pra­xis und Risi­ken gele­gen sein.

Tobi­as Man­dler ist Rechts­an­walt bei Jones Day in Mün- chen. Lau­ra Weg­mann ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei- terin an der For­schungs­stel­le für Hoch­schul­ar­beits- recht der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg, Prof. Dr. Dr. h.c. Man­fred Löwisch.