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Seit dem grund­le­gen­den Hoch­schul-Urteil1 des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus dem Jahr 1973 gilt das aus Art. 5 Abs. 3 GG abge­lei­te­te Gebot der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit: Bei Ent­schei­dun­gen, die unmit­tel­bar die Leh­re betref­fen, muss die Grup­pe der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hochschullehrer2 über 50 Pro­zent der Stim­men ver­fü­gen, und bei Ent­schei­dun­gen, die unmit­tel­bar Fra­gen der For­schung oder die Beru­fung der Hoch­schul­leh­rer betref­fen, muss ihr gar ein aus­schlag­ge­ben­der Ein­fluss von über 50 Pro­zent vor­be­hal­ten blei­ben. In die­ser und weiteren3 die Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit berüh­ren­den Ent­schei­dun­gen ging es um staat­li­che Hoch­schu­len. Doch was ist mit den nicht­staat­li­chen, ins­be­son­de­re privaten4 Hoch­schu­len? Bis­her wur­de die­se Anfor­de­rung unter dem Schlag­wort der Hoch­schul­för­mig­keit etwa vom Wissenschaftsrat5 (WR) auch für Pri­vat­hoch­schu­len ohne nähe­re recht­li­che Begrün­dung vor­aus­ge­setzt. Der WR for­mu­liert: „Das maß­geb­li­che Organ für die aka­de­mi­sche Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on auf zen­tra­ler Ebe­ne ist der Senat (statt „Senat“ sind ande­re Namen mög­lich), in dem die Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler als Trä­ger des Grund­rechts der Wis­sen­schafts­frei­heit mit wei­te­ren Ange­hö­ri­gen der Hoch­schu­len ver­tre­ten sind und in dem die Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren über die Mehr­heit ver­fü­gen müs­sen.“ Hier stellt sich – im Anschluss an den Bei­trag von Wür­ten­ber­ger in der ver­gan­ge­nen Aus­ga­be der „Ord­nung der Wissenschaft“6 – die Fra­ge, ob das Modell der Grup­pen­uni­ver­si­tät samt Stim­men­ge­wich­tung auf die Pri­vat­hoch­schu­len de lege lata zu beach­ten ist. A. Ver­fas­sungs­recht Es sind zunächst drei Ver­fas­sungs­fra­gen zu klä­ren: (I.) Wer bil­det die Hoch­schul­leh­re­mehr­heit und (II.) mit wel­chen Kom­pe­ten­zen? Schließ­lich ist zu prü­fen (III.), inwie­weit die Hoch­schul­leh­re­mehr­heit im Lich­te der Pri­vat­hoch­schul­frei­heit zur Gel­tung kommt. I. Mate­ri­el­ler Hoch­schul­leh­rer­be­griff Zur Bestim­mung der Mit­glie­der der kor­po­ra­ti­ons­recht­li­chen Per­so­nen­grup­pe Hoch­schul­leh­rer ist der mate­ri­el­le Hoch­schul­leh­rer­be­griff her­an­zu­zie­hen, der sich in der Recht­spre­chung des Bundesverfassungsgerichts7 seit dem Hoch­schul-Urteil her­aus­ge­bil­det hat. Dem­nach gehö­ren nicht nur Pro­fes­so­ren, son­dern auch Juni­or­pro­fes­so­ren und Pri­vat­do­zen­ten als Hoch­schul­leh­rer zu die­ser Grup­pe, wenn sie aka­de­misch for­schen und leh­ren, die nach Lan­des­recht erfor­der­li­che Qualifikation8 nach­ge­wie­sen haben und mit der selbst­stän­di­gen Ver­tre­tung eines wis­sen­schaft­li­chen Fachs in For­schung und Leh­re betraut sind.9 Die Fra­ge, ob zu die­ser Per­so­nen­grup­pe auch die­je­ni­gen Hoch­schul­leh­rer, die nicht durch Wahl ihrer Kol­le­gen in ein Gre­mi­um ent­sandt wur­den, son­dern qua Amt (bei­spiels­wei­se als Dekan) Mit­glie­der sind, ist umstrit­ten. Nach dem Abwahl-Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg (VerfGH BW) kön­ne auf­grund des Reprä­sen­ta­ti­ons­prin­zips in kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en als Ver­tre­ter der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer nur gewer­tet wer­den, wer von die­sen mit einem ent­spre­chen­den Reprä­sen­ta­ti­ons­man­dat gewählt wor­den sei. Mit­glie­der kraft Amtes sei­en dage­gen grund­sätz­lich kei­ne Ver­tre­ter der Hochschullehrer.10 Alex­an­der Küb­ler-Kreß Die Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit an pri­va­ten Hoch­schu­len – Pflicht oder Kür? 1 BVerfGE 35, 79, 133ff. (Nie­der­säch­si­sches Vor­schalt­ge­setz). 2 Im Fol­gen­den wird das gene­ri­sche Mas­ku­li­num ver­wen­det; gemeint sind stets Frau­en und Män­ner. 3 Auf eine Stär­kung der Sta­tus­grup­pe der Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren rekur­rie­rend BVerfGE 127, 87 (Ham­bur­gi­sches Hoch­schul­ge­setz); BVerfGE 136, 338 (Medi­zi­ni­sche Hoch­schu­le Han­no­ver); BVerfGE 139, 148 (zur BTUCS — Bran­den­burg). 4 Gegen­stand die­ser Unter­su­chung sind pri­va­te Hoch­schu­len in dem Sin­ne, dass sie weder dem Staat noch einer Kir­che zure­chen­bar sind. 5 Wis­sen­schafts­rat, Pri­va­te und kirch­li­che Hoch­schu­len aus Sicht der Insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung, Drs. 2264-12, Bre­men 25.05.2012, S. 78. 6 Wür­ten­ber­ger, Pri­vat­hoch­schul­frei­heit – auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Lei­tungs­ebe­ne? OdW 2019, 15 — 26. 7 BVerfGE 43, 242; 47, 327; 51, 369; 56, 192; 61, 240. 8 Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen z. B. in § 47 LHG BW. 9 Defi­ni­ti­on nach BVerfGE 35, 79, 127; 56, 192, 208f.; 95, 193, 211; BVerw­GE 100, 346, 351; aus­führ­lich Fink, Ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­ga­ben für das Dienst­recht der Hoch­schul­leh­rer, DÖV 1999, S. 980 ff. 10 VerfGH BW, Urteil 14.11.2016 – 1 VB 16/15 – Rn. 88 – juris; die­ses ist bespro­chen von Feh­ling, Unzu­rei­chen­de Kom­pe­ten­zen des Senats im refor­mier­ten Lan­des­hoch­schul­ge­setz Baden-Würt­tem­berg? OdW 2017, 63 ff. Ord­nung der Wis­sen­schaft 2019, ISSN 2197–9197 112 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2019), 111–118 11 So das BVerfG in einem Kam­mer-Beschluss, 03.20.2003 – 1 BvR 1504/03 – Rn. 25 – juris. 12 Aus­führ­lich zum Pro­blem Pautsch, Die Nicht­zu­rech­nung der Amts­mit­glie­der im Senat zur Hoch­schul­leh­rer­grup­pe – Zu Gel­tung und Gren­zen des demo­kra­ti­schen Reprä­sen­ta­ti­ons­prin­zips in der Hoch­schul­selbst­ver­wal­tung, OdW 2018, 213, 221 li. Sp. 13 BVerfGE 136, 338 ff. 14 VerfGH BW, Urteil 14.11.2016 – 1 VB 16/15, LS Nr. 5 – juris; a. A. Pautsch, Die Nicht­zu­rech­nung der Amts­mit­glie­der im Senat zur Hoch­schul­leh­rer­grup­pe, OdW 2018, 213, 217 ff. 15 Starck/Paulus in: v. Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum Grund­ge­setz; Band 1, 7. Aufl. 2018, Art. 5 Abs. 3, Rn. 495. 16 Starck/Paulus in: v. Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum Grund­ge­setz; Band 1, 7. Aufl. 2018, Art. 5 Abs. 3, Rn. 532. Umfas­send jüngst Wür­ten­ber­ger, Pri­vat­hoch­schul­frei­heit – auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Lei­tungs­ebe­ne? OdW 2019, 15 — 26. Ob zusätz­lich die Grund­rech­te aus Art. 2 Abs. 1, Art. 12 oder Art. 14 GG ein­schlä­gig sind, kann an die­ser Stel­le offen blei­ben. 17 Vgl. zu kirch­li­chen Hoch­schu­len BAG, Urt. 12.10.2010 – 9 AZR 554/09 – juris Rn. 59; Kar­pen in: Flä­mig u. a. (Hrsg.), Hand­buch des Wis­sen­schafts­rechts, Bd. 1, 2. Aufl. (1996), S. 208. 18 BAG, Urt. 12.10.2010 – 9 AZR 554/09 – juris Rn. 59; Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewähr­leis­tungs­staat, 2012, S. 100; Lorenz in: Flä­mig u. a. (Hrsg.), Hand­buch des Wis­sen­schafts­rechts, Bd. 1, 2. Aufl. (1996), S. 1167, 1171 f.; Stein­kem­per, Die ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung der Pri­vat­hoch­schu­le und ihre staat­li­che För­de­rung, 2002, S. 124; Wür­ten­ber­ger, Pri­vat­hoch­schul­frei­heit – auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Lei­tungs­ebe­ne? OdW 2019, 15, 25; a. A. VGH BW, DÖV 1981, 65; Feh­ling in: Ders. / Ruf­fert, Regu­lie­rungs­recht, 2010, § 17 Rn. 37 f. 19 Lorenz in: Hail­bron­ner / Geis (Hrsg.), Hoch­schul­recht, § 70 HRG Rn. 17; Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewähr­leis­tungs­staat, 2012, S. 100; Stein­kem­per, Die ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung der Pri­vat­hoch­schu­le und ihre staat­li­che För­de­rung, 2002, S. 124. 20 So auch Stein­kem­per, Die ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung der Pri­vat­hoch­schu­le und ihre staat­li­che För­de­rung, 2002, S. 124. 21 BAG, Urt. 12.10.2010 – 9 AZR 554/09 – juris Rn. 59. 22 BAG, Urt. 12.10.2010 – 9 AZR 554/09 – juris Rn. 59; Feh­ling in: Bon­ner Kom­men­tar, Lose­blatt­aus­ga­be 2004, Art. 5 Abs. 3 (Wis­sen­schafts­frei­heit) Rn. 53. Dem VerfGH BW ist zwar inso­weit zuzu­stim­men, als die pro­fes­so­ra­len Sena­to­ren qua Amt die Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer nicht aus­schließ­lich reprä­sen­tie­ren, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn sie auch von Ange­hö­ri­gen ande­rer Sta­tus­grup­pen gewählt wor­den sind. Aller­dings haben sie, indem sie selbst unver­än­dert Pro­fes­so­ren sind, eine weit mehr die­ser als den ande­ren Grup­pen ent­spre­chen­de Interessenlage.11 Schließ­lich kom­men sie gera­de ihrer Auf­ga­be als Pro­fes­so­ren nach, sich als Betrof­fe­ne an der Selbst­ver­wal­tung zu betei­li­gen, wenn sie ein Amt übernehmen12, mit­hin pri­mi inter pares auf Zeit sind. II. Säch­li­cher Anwen­dungs­be­reich Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat den Anwen­dungs­be­reich des Prin­zips der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit in jüngs­ter Zeit über den Kern­be­reich von For­schung und Leh­re hin­aus aus­ge­dehnt auf Ent­schei­dun­gen unter ande­rem hin­sicht­lich der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung und sogar des Haushalts.13 Der VerfGH BW ging in dem benann­ten Urteil noch wei­ter, indem es das bestehen­de Abwahl­ver­fah­ren für haupt­amt­li­che Rek­to­rats­mit­glie­der mit Art. 20 Abs. 1 der Lan­des­ver­fas­sung des­we­gen für unver­ein­bar erklär­te, weil die Hoch­schul­leh­rer im Senat sie nicht unab­hän­gig von der Mit­wir­kung ande­rer Akteu­re abbe­ru­fen könnten.14 Das Lan­des­hoch­schul­ge­setz müs­se dies­be­züg­lich den aus­schlag­ge­ben­den Ein­fluss der Hoch­schul­leh­rer­schaft sichern. III. Wis­sen­schafts­frei­heit und Grund­rechts­bin­dung Grund­rechts­adres­sat der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 GG ist die öffent­li­che Gewalt i. S. d. Art. 1 Abs. 3 GG.15 Aber: Weder die Pri­vat­hoch­schu­le noch ihr Trä­ger sind Tei­le des Staa­tes. Der Trä­ger ist for­mel­les und mate­ri­el­les Rechts­sub­jekt des Pri­vat­rechts und sei­ner­seits grund­sätz­lich aus­ge­stat­tet mit einem eige­nen Grund­recht aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 i. V. m. Art. 19 Abs. 3 GG, der Privathochschulfreiheit.16 1. Kei­ne Belei­hung der pri­va­ten Hoch­schu­le Wäre der Trä­ger der Hoch­schu­le als juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts dage­gen mit Hoheits­ge­walt belie­hen, wäre er grund­rechts­dog­ma­tisch als Teil des Staa­tes anzu­se­hen und wür­de unmit­tel­bar den Grund­rechts­schutz auslösen.17 Nach rich­ti­ger Ansicht18 führt die staat­li­che Aner­ken­nung einer nicht­staat­li­chen Hoch­schu­le nach dem jewei­li­gen Lan­des­recht jeden­falls nicht zu einer umfas­sen­den Belei­hung in ihrer Gesamt­heit. Sie dient viel­mehr der Bestä­ti­gung des Staates,19 dass es sich bei den mit Kre­dit­punk­ten nach dem Euro­pean Credit Trans­fer and Accu­mu­la­ti­on Sys­tem (ECTS) abge­schlos­se­nen Modu­len um sol­che einer Hoch­schu­le han­delt; dies gilt erst recht für die Stu­di­en­ab­schlüs­se. Auch das mit der Aner­ken­nung ver­bun­de­ne Prü­fungs­recht stellt inso­weit kei­ne Belei­hung dar, als es sich nicht auf Staats­prü­fun­gen bezieht.20 Selbst wenn man eine Belei­hung unter­stell­te, wür­de sie sich allen­falls auf das Prü­fungs- und Gra­du­ie­rungs­we­sen bezie­hen und damit auf die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen dem Trä­ger der Hoch­schu­le und den der Prü­fungs­pflicht unter­lie­gen­den Stu­die­ren­den, nicht aber auf die hier in Rede ste­hen­de Rechts­be­zie­hung zwi­schen Trä­ger und Hochschullehrern.21 2. Kei­ne Dritt­wir­kung der Wis­sen­schafts­frei­heit Art. 5 Abs. 3 GG kommt auch kei­ne Dritt­wir­kung auf das Innen­ver­hält­nis von Trä­ger und Hoch­schul­leh­rern zu.22 Dies auch nicht mit­tel­bar infol­ge einer Gebun­den­heit Küb­ler-Kreß · Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit an pri­va­ten Hoch­schu­len 113 23 Lorenz in: Flä­mig u. a. (Hrsg.), Hand­buch des Wis­sen­schafts­rechts, Bd. 1, 2. Aufl. 1996, S. 1167, 1171 f.; a. A. Tie­mann, ZRP 1972, S. 117. 24 Wür­ten­ber­ger, Pri­vat­hoch­schul­frei­heit – auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Lei­tungs­ebe­ne? OdW 2019, 15, 25; Sand­ber­ger, Kom­men­tar LHG BW, 2. Aufl. 2015, §§ 70–72, Rn. 2. 25 Vgl. Sand­ber­ger, Gover­nan­ce-Model­le für nicht staat­li­che Hoch­schu­len – zum Akkre­di­tie­rungs­leit­fa­den des Wis­sen­schafts­ra­tes, OdW 2016, 95, 97. 26 BVerfGE 7, 198 ff. (Lüth-Urteil). 27 Zech­lin, Insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung von Pri­vat­hoch­schu­len und Wis­sen­schafts­frei­heit, OdW 2018, S. 253, 258. 28 Clas­sen, Wis­sen­schafts­frei­heit außer­halb der Hoch­schu­le, 1994, S. 151. 29 Dickert, Natur­wis­sen­schaf­ten und For­schungs­frei­heit, 1991, S. 352. 30 Über­sicht bei Zech­lin, OdW 2018, S. 253, 258. 31 Starck/Paulus in: v. Mangoldt/Klein/Starck, Kom­men­tar zum Grund­ge­setz; Band 1, 7. Aufl. 2018, Art. 5 Abs. 3, Rn. 495; Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewähr­leis­tungs­staat, 2012, S. 352. 32 Wür­ten­ber­ger weist dar­auf hin, das im Arbeits­ver­trag gere­gelt wer­den kann, dass die Hoch­schul­sat­zung mit ihren Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Hoch­schul­trä­gers auf die Hoch­schul­lei­tung aner­kannt wird: Wür­ten­ber­ger, Pri­vat­hoch­schul­frei­heit – auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Lei­tungs­ebe­ne? OdW 2019, 15, 21. 33 Begriff von Battis/Grigoleit, Die Wis­sen­schafts­frei­heit an der pri­va­ten Uni­ver­si­tät, 2005, S. 8, II.2.b). 34 Battis/Grigoleit, Die Wis­sen­schafts­frei­heit an der pri­va­ten Uni­ver­si­tät, 2005, S. 6, II.2.b). 35 Vgl. Stein­kem­per, Die ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung der Pri­vat­hoch­schu­le und ihre staat­li­che För­de­rung, 2002, S. 129. Hier­von abwei­chend Wür­ten­ber­ger, der die Abwä­gung vor­nimmt zwi­schen der Wis­sen­schafts­frei­heit des Hoch­schul­trä­gers und der­je­ni­gen der Pro­fes­so­ren­schaft sowie der wis­sen­schafts­af­fi­nen Hoch­schul­selbst­ver­wal­tung: Wür­ten­ber­ger, Pri­vat­hoch­schul­frei­heit – auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Lei­tungs­ebe­ne? OdW 2019, 15, 22. des Staa­tes zu insti­tu­tio­nel­ler Siche­rung der Wissenschaft23 oder dem Cha­rak­ter der Grund­rech­te als objek­ti­ver Wertordnung24. Hier­aus kann sich kei­ne Pflicht des Trä­gers erge­ben, die Hoch­schul­ver­fas­sung in einer bestimm­ten Weise,25 etwa unter Berück­sich­ti­gung einer Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit, aus­zu­ge­stal­ten. Allen­falls ist eine mit­tel­ba­re Dritt­wir­kung bei Fall­kon­stel­la­tio­nen denk­bar, bei denen offe­ne Wer­tungs­be­grif­fe wie bei­spiels­wei­se die „Sit­ten­wid­rig­keit“ der Schädigung26 aus­ge­legt werden.27 Dar­aus folgt, dass sich ein ange­stell­ter Pro­fes­sor hin­sicht­lich der Aus­wahl und der Art der Durch­füh­rung von For­schungs­pro­jek­ten auf Art. 5 Abs. 3 GG auch in Form der mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung nicht beru­fen kann, mit­hin kei­nen Anspruch auf beson­de­re Unab­hän­gig­keit gel­tend machen kann.28 So hat nie­mand ein Recht dar­auf, spe­zi­ell als Wis­sen­schaft­ler beschäf­tigt und mit der dafür erfor­der­li­chen Unab­hän­gig­keit aus­ge­stat­tet zu werden.29 3. Kei­ne ver­kürz­te Dritt­wir­kung In Tei­len der Lite­ra­tur wird der Ver­such unter­nom­men, unter­halb der Ebe­ne einer mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung der Wis­sen­schafts­frei­heit inner­halb der pri­va­ten Hoch­schu­len Gel­tung zu verschaffen.30 Es wird argu­men­tiert, dass sich die Hoch­schu­le nur auf die Wis­sen­schafts­frei­heit beru­fen dür­fe, wenn sie selbst ihrem wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal die­se gewähre.31 Aller­dings ergibt sich aus die­ser Kon­struk­ti­on jeden­falls kein eige­nes Grund­recht der Pro­fes­so­ren gegen­über dem Trä­ger der Hoch­schu­le, wes­halb auch die­ser Ansatz nicht weiterhilft.32 IV. Zwi­schen­er­geb­nis Man­gels Grund­rechts­bin­dung besteht nach all­dem kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht der Trä­ger der pri­va­ten Hoch­schu­len gegen­über ihren Pro­fes­so­ren, eine Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit bei Ent­schei­dun­gen in Ange­le­gen­hei­ten von For­schung und Leh­re zu gewähr­leis­ten. B. Grund­rechts­ob­lie­gen­heit durch staat­li­che Aner­ken­nung Wie gezeigt, besteht kei­ne Grund­rechts­bin­dung für die pri­va­te Hoch­schu­le, auch nicht im Sin­ne einer Dritt­wir­kung. Aller­dings wird ihr im Wege der staat­li­chen Aner­ken­nung eine Art „Grundrechtsobliegenheit“33 auf­ge­ge­ben, womit der Staat den Wis­sen­schaft­lern an Pri­vat­hoch­schu­len fak­tisch ein Min­dest­maß an Wis­sen­schafts­frei­heit ver­mit­telt. Doch gehört hier­zu auch das Gebot der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit im Sin­ne des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts? I. Ver­pflich­tung des Staa­tes Der Staat ist ver­pflich­tet, neben dem Struk­tur­mo­dell der staat­li­chen Hoch­schu­le wis­sen­schafts­ad­äqua­te Model­le der Pri­vat­hoch­schu­le zuzu­las­sen. Die­se Ver­pflich­tung ergibt sich zum einen aus dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebot der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 GG, zum ande­ren aus der Schutz­pflicht des Staa­tes für grund­recht­li­che Rechts­gü­ter sowie – in abge­schwäch­ter Wei­se – aus dem kul­tur­staat­li­chen Ein­ste­hen für den nicht­staat­li­chen Hoch­schul­sek­tor als Aus­fluss des Sozialstaatsprinzips.34 Der Gesetz­ge­ber hat die­se Ver­pflich­tung dadurch erfüllt, dass er die Vor­aus­set­zun­gen für die staat­li­che Aner­ken­nung nor­miert hat. Sie sind das Ergeb­nis einer Abwä­gung der Wis­sen­schafts­frei­heit der Pri­vat­hoch­schu­len mit den kol­li­die­ren­den Ver­fas­sungs­gü­tern Aus­bil­dungs­frei­heit der Stu­die­ren­den (aus Art. 12 Abs. 1 GG), Schutz der Öffent­lich­keit vor Täu­schung über die Gleich­wer­tig­keit der Hoch­schu­le und der genann­ten Wis­sen­schafts­ver­ant­wor­tung des Staates.35 114 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2019), 111–118 36 Sie bei­spiel­haft Art. 76 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 BayHSchG oder § 72 Abs. 2 Satz 1 Nr. 8 HG NRW. 37 Für den Abschnitt: Zech­lin, Insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung von Pri­vat­hoch­schu­len und Wis­sen­schafts­frei­heit, OdW 2018, S. 253, 257. 38 Baden-Würt­tem­berg, Ber­lin, Bran­den­burg, Nord­rhein-West­fa­len. 39 Wür­ten­ber­ger erscheint die­se Norm ver­fas­sungs­recht­lich nicht halt­bar: Wür­ten­ber­ger, Pri­vat­hoch­schul­frei­heit – auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Lei­tungs­ebe­ne? OdW 2019, 15, 22. 40 Für den gesam­ten Abschnitt: Bal­dus, Rechts­stel­lung und Auf­ga­ben nicht­staat­li­cher Fach­hoch­schu­len, WissR 30, 1997, S. 10. 41 Für den gesam­ten Abschnitt: Lee, Ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­pro­ble­me des Pri­vat­hoch­schul­we­sens – Pri­vat­hoch­schul­frei­heit in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und in der Repu­blik Korea, 1993, S. 93. II. Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zun­gen in den Hoch­schul­ge­set­zen der Län­der 1. Sinn­ge­mä­ße Mit­wir­kung an der Gestal­tung des Stu­di­ums Die rela­tiv weit gefass­ten Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zun­gen in den Hoch­schul­ge­set­zen der Länder36 ver­lan­gen unter ande­rem, dass die Ange­hö­ri­gen der Hoch­schu­le „an der Gestal­tung des Stu­di­ums in sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung der für die staat­li­chen Hoch­schu­len gel­ten­den Grund­sät­ze“ mit­wir­ken (in Baden-Würt­tem­berg gere­gelt in § 70 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 HS 3 LHG). Einen „maß­ge­ben­den“ oder „aus­schlag­ge­ben­den“ Ein­fluss der Sta­tus­grup­pe der Pro­fes­so­ren, ins­be­son­de­re eine Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit in den Ent­schei­dungs­gre­mi­en, schreibt die Vor­schrift indes nicht vor. Zum einen besteht der Ein­fluss in einer blo­ßen Mit­wir­kung, die zudem beschränkt ist auf die „Gestal­tung des Stu­di­ums“ und sich ledig­lich „sinn­ge­mäß“ an den ent­spre­chen­den Grund­sät­zen für die staat­li­chen Hoch­schu­len ori­en­tiert. Zum ande­ren zielt eine Mit­wir­kung an der Wei­ter­ent­wick­lung der Leh­re auf Par­ti­zi­pa­ti­on und Teil­ha­be, nicht jedoch auf die Aus­übung von Wissenschaftsfreiheit.37 2. Ein­fach­ge­setz­li­che Wis­sen­schafts­frei­heit In eini­gen Bundeländern38 wird zusätz­lich die Garan­tie von Wis­sen­schafts­frei­heit als Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zung nor­miert. So ver­langt das LHG von Baden-Würt­tem­berg, dass „die inne­re Wis­sen­schafts­frei­heit hin­rei­chend gesi­chert ist; ins­be­son­de­re muss die aka­de­mi­sche Selbst­ver­wal­tung maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Hoch­schul­lei­tung besit­zen, und im aka­de­mi­schen Kern­be­reich muss eine auto­no­me Ent­schei­dungs­bil­dung durch die aka­de­mi­schen Gre­mi­en gewähr­leis­tet sein“ (§ 70 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 HS 1 u. 2 LHG BW).39 Die „inne­re Wis­sen­schafts­frei­heit“ i. d. S. kann jedoch nicht die Reich­wei­te des ent­spre­chen­den Grund­rechts aus Art. 5 Abs. 3 GG haben. Für wen und inwie­weit einem Grund­recht Gel­tungs­kraft zukommt, bestimmt sich aus­schließ­lich aus der Ver­fas­sung und nicht aus ein­fa­chem Gesetz. Vor­lie­gend han­delt es sich viel­mehr um eine ein­fach­ge­setz­li­che Befug­nis­norm für die Exe­ku­ti­ve. Die­se muss bei ihrer Aner­ken­nungs­ent­schei­dung frei­lich die Grund­rech­te des Trä­gers berück­sich­ti­gen – was die Reich­wei­te der ein­fach­ge­setz­li­chen Wis­sen­schafts­frei­heit stark ein­schränkt. Im Ergeb­nis dürf­te die­se neu ein­ge­führ­te Qua­si-Wis­sen­schafts­frei­heit jeden­falls nicht wei­ter­rei­chen als die her­ge­brach­te Rege­lung der sinn­ge­mä­ßen Mit­wir­kung. In § 70 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 HS 2 LHG BW wird zwar „ein maß­geb­li­cher Ein­fluss“ auf die Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Mit­glie­der der Hoch­schul­lei­tung vor­ge­ge­ben – jedoch bezieht sich die­ser Ein­fluss auf „die aka­de­mi­sche Selbst­ver­wal­tung“ ins­ge­samt und nicht auf den­je­ni­gen der Sta­tus­grup­pe der Pro­fes­so­ren. Das Glei­che gilt für die auto­no­me Ent­schei­dungs­bil­dung „durch die aka­de­mi­schen Gre­mi­en“, auch hier ist die funk­tio­nel­le Selbst­ver­wal­tung als Gesamt­heit gemeint, nicht der Ein­fluss der Pro­fes­so­ren. 3. Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit in der Lite­ra­tur Baldus40 geht davon aus, dass „die Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz der Pro­fes­so­ren als eigen­ver­ant­wort­lich Leh­ren­de und Trä­ger des Grund­rechts der Wis­sen­schafts­frei­heit durch Ein­rich­tung eines Gre­mi­ums (Senat etc.) mit ent­spre­chen­den Mehr­heits­ver­hält­nis­sen zu gewähr­leis­ten ist“. Dies fol­ge aus dem (in den Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zun­gen ver­wen­de­ten) Hoch­schul­be­griff, der als Ele­ment die Hoch­schul­au­to­no­mie hin­sicht­lich der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung beinhal­te. Aller­dings schränkt Bal­dus ein, dass das Ver­hält­nis von Selbst­ver­wal­tung und Bedarfs­ver­wal­tung nicht staat­lich regu­liert sei: „So darf der Trä­ger nach dem Vor­bild der alten Kura­to­ri­al­ver­fas­sung eine trä­ger­schaft­li­che Ver­wal­tung an der Hoch­schu­le ohne Betei­li­gung von Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­nen ein­rich­ten.“ Nach die­ser Ansicht wäre man­gels ent­spre­chen­der Gre­mi­en eine Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit i. S. d. Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts wohl ent­behr­lich. Lee41 sieht zwar an sich geeig­ne­te Bezugs­punk­te für eine sinn­ge­mä­ße Mit­wir­kung, z. B. Grup­pen­re­prä­sen­ta­ti­on und Pro­fes­so­ren­mehr­heit. Sinn der Vor­schrif­ten über die Aner­ken­nung von nicht­staat­li­chen Hoch­schu- Küb­ler-Kreß · Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit an pri­va­ten Hoch­schu­len 115 42 Eben­so Dal­lin­ger in: HRG Kom­men­tar, § 70 Rn. 14; Lorenz in: Flä­mig u. a. (Hrsg.), Hand­buch des Wis­sen­schafts­rechts, Bd. 1, 2. Aufl. 1996, S. 1142. 43 Heidt­mann, Grund­la­gen der Hoch­schul­frei­heit, 1980, S. 105 Mit­te. 44 Zum glei­chen Ergeb­nis kom­men Battis/Grigoleit, Die Wis­sen­schafts­frei­heit an der pri­va­ten Uni­ver­si­tät, 2005, S. 12 f., III.2. 45 Vgl. die Ver­wei­se auf den Wis­sen­schafts­rat in § 122 Abs. 2 Satz 2 ThürHG, § 91 Abs. 3 Satz 1 HessHG; § 76 Abs. 2 Satz 4 HSG S‑H. 46 Wis­sen­schafts­rat, Leit­fa­den der Insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len, Drs. 4395–15, 2015, S. 15 oben. 47 Wis­sen­schafts­rat, Leit­fa­den der Insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len, Drs. 4395–15, 2015, S. 30. 48 BVerfGE 141, 143; Geis, Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Akkre­di­tie­rung, OdW 2016, 193 ff.; Mager, Ver­fas­sungs­recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen der Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen – Zugleich eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der Akkre­di­tie­rungs-Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und eine ver­fas­sungs­recht­li­che Bewer­tung des Akkre­di­tie­rungs-Staats­ver­trags, OdW 2017, S. 237 ff.; Hufen, JuS 2016, 855 ff. 49 So auch Zech­lin, Insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung von Pri­vat­hoch­schu­len und Wis­sen­schafts­frei­heit, OdW 2018, 253, 260 r. Sp. 50 BVerfGE 141, 143, 170. 51 BVerfGE 141, 143, 172. len sei jedoch das „Bekennt­nis zum dua­len Hoch­schul­sys­tem“. Dies kön­ne nicht bedeu­ten, dass das Gesetz für Pri­vat­hoch­schu­len im Wesent­li­chen die­sel­be Bin­nen­struk­tur for­de­re wie für staat­li­che Hochschulen.42 Denn Gleich­wer­tig­keit rei­che aus, wäh­rend Gleich­ar­tig­keit nicht gefor­dert wer­den dür­fe. Auch nach die­ser Ansicht schei­det folg­lich eine zwin­gend ein­zu­hal­ten­de Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit aus. Heidtmann43 hält den Spiel­raum für eine sinn­ge­mä­ße Anwen­dung der Grund­sät­ze für die staat­li­chen Hoch­schu­len eben­falls für groß. Hin­sicht­lich der Ver­tei­lung der Stimm­ge­wich­te sei­en Abwei­chun­gen zuläs­sig, „solan­ge nur für die Pri­vat­hoch­schul­leh­rer, Stu­den­ten und sons­ti­gen Bediens­te­ten bzw. deren in die Gre­mi­en gewähl­ten Reprä­sen­tan­ten ins­ge­samt, per Sal­do, also unab­hän­gig von der inter­nen Gewich­tung der Stimm­rech­te, ein im Ver­gleich zu den staat­li­chen Hoch­schu­len gleich­wer­ti­ges Maß an cur­ri­cu­la­ren Mit­be­stim­mungs­rech­ten“ gewahrt sei. Nach die­ser (älte­ren) Ansicht kommt es folg­lich auf das Aus­maß der Par­ti­zi­pa­ti­on aller Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen gegen­über dem Trä­ger und nicht auf das Stimm­ge­wicht der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer an. III. Zwi­schen­er­geb­nis Für die Bin­nen­or­ga­ni­sa­ti­on von pri­va­ten Hoch­schu­len ergibt sich ein sehr wei­ter Spiel­raum, der noch weit über das hin­aus­geht, was das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dem Gesetz­ge­ber für die staat­li­chen Hoch­schu­len zuge­stan­den hat.44 Eine zwin­gend ein­zu­hal­ten­de Hoch­schul­leh­re­mehr­heit ergibt sich nach all­dem auch nicht aus ein­fa­chem Recht. C. Insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung als Ein­falls­tor? Die zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­te­ri­en für Wis­sen­schaft beauf­tra­gen in der Regel den Wis­sen­schafts­rat, um nicht­staat­li­che Hoch­schu­len zu begutachten.45 Ziel ist es zu prü­fen, ob die jewei­li­ge Insti­tu­ti­on die Vor­aus­set­zun­gen für die staat­li­che Aner­ken­nung (wei­ter­hin) erfüllt.46 Hier­bei legen die Gut­ach­ter des Wis­sen­schafts­rats nicht aus­schließ­lich die gesetz­li­chen Kri­te­ri­en, son­dern in Leit­fä­den und Stel­lung­nah­men aus­ge­führ­te wei­ter­ge­hen­de Prüf­stei­ne zu Grun­de. Eines der ange­wand­ten Prüf­kri­te­ri­en ist die Anfor­de­rung, dass die Pro­fes­so­ren „über eine struk­tu­rel­le Mehr­heit im zen­tra­len Selbst­ver­wal­tungs­or­gan der Hoch­schu­le (z. B. Aka­de­mi­scher Senat) verfügen“.47 I. Kei­ne Rechts­grund­la­ge In den meis­ten Hoch­schul­ge­set­zen der Län­der ist eine Befas­sung des Wis­sen­schafts­rats nicht gere­gelt. Anders dage­gen in Thü­rin­gen: § 101 Abs. 2 Satz 2 Thü­rin­ger HG bestimmt, dass inner­halb von fünf Jah­ren nach ihrer staat­li­chen Aner­ken­nung „sich die staat­lich aner­kann­te Hoch­schu­le einem Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren durch den Wis­sen­schafts­rat zu unter­zie­hen“ habe. Die­se Zustän­dig­keits­vor­schrift kann schon nach dem Wort­laut kei­ne Rechts­grund­la­ge für impli­zi­te, unge­nann­te Vor­aus­set­zun­gen einer insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung sein, die de fac­to die Aner­ken­nungs­ent­schei­dung der Ver­wal­tung prä­ju­di­zie­ren. Die­se Kon­stel­la­ti­on ähnelt der­je­ni­gen, die der Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ent­schei­dung zum Akkreditierungswesen48 zu Grun­de liegt.49 Im Aus­gangs­ver­fah­ren hat die beklag­te Akkre­di­tie­rungs­agen­tur eine Akkre­di­tie­rung zwei­er von einer pri­va­ten Fach­hoch­schu­le ange­bo­te­ner Stu­di­en­gän­ge ver­sagt. Die­se „mit der Qua­li­täts­si­che­rung ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in die Wis­sen­schafts­frei­heit bedür­fen nach Art. 5 Abs. 3 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art. 20 Abs. 3 GG einer hin­rei­chen­den gesetz­li­chen Grund­la­ge“, denn „Rechts­staats­prin­zip und Demo­kra­tie­ge­bot ver­pflich­ten den Gesetz­ge­ber dazu, die inso­weit für die Grund­rechts­ver­wirk­li­chung maß­geb­li­chen Rege­lun­gen selbst zutreffen“.50 Das BVerfG kam zu dem Schluss, dass der Gesetz­ge­ber sei­ner Ver­pflich­tung hier nicht nach­ge­kom­men sei.51 Auch im Fal­le des Wis­sen­schafts­rats fehlt es an einer hin­rei­chend bestimm­ten gesetz­li­chen Grund­la­ge für sei­ne Akkre­di­tie­rungs­ent­schei­dung. Die Gut­ach­ter müs­sen sich daher in ihrem Prü­fungs­maß­stab auf die im Gesetz 116 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2019), 111–118 52 Eben­so Zech­lin, Insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung von Pri­vat­hoch­schu­len und Wis­sen­schafts­frei­heit, OdW 2018, 253, 260 r. Sp. 53 Zech­lin, Insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung von Pri­vat­hoch­schu­len und Wis­sen­schafts­frei­heit, OdW 2018, 253, 259 f. 54 Wis­sen­schafts­rat, Leit­fa­den der Insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len, Drs. 4395–15, 2015, S. 10. 55 Vgl. https://www.topuniversities.com/university-rankings/worlduniversity-rankings/2019 /abgerufen am 25. 1. 2019). auf­ge­führ­ten Vor­aus­set­zun­gen beschränken52, und die Ver­wal­tung darf sie ledig­lich als erwei­ter­te Grund­la­ge für ihre Ermes­sens­ent­schei­dung in eige­ner Kom­pe­tenz anse­hen. II. Kein vor­ge­la­ger­ter Hoch­schul­be­griff An die­sem Ergeb­nis ändert auch nicht die Defi­ni­ti­on eines dem Gesetz vor­ge­la­ger­ten Hoch­schul­be­grif­fes durch den Wissenschaftsrat.53 Die­ser sieht die Erfül­lung sei­ner selbst auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen „für die Hoch­schul­för­mig­keit einer Ein­rich­tung als kon­sti­tu­tiv an“ und nennt als ers­te Vor­aus­set­zung die fol­gen­de: „Leh­re, For­schung und Kunst­aus­übung fin­den unter den Bedin­gun­gen der grund­ge­setz­lich garan­tier­ten Frei­heit der Wis­sen­schaft und der Kunst statt.“54 Auf die­se Wei­se unter­nimmt es der Wis­sen­schafts­rat, sub­ku­tan dem Prin­zip der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit an nicht­staat­li­chen Hoch­schu­len Gel­tung zu ver­schaf­fen. Dies steht im Wider­spruch zu den Hoch­schul­ge­set­zen der Län­der, die die staat­li­che Aner­ken­nung als kon­sti­tu­tiv für die Hoch­schul­ei­gen­schaft ansieht. Exem­pla­risch sei dies­be­züg­lich § 122 Abs. 1 Satz 1 Thü­rin­ger HG genannt: „Eine Bil­dungs­ein­rich­tung kann als Hoch­schu­le staat­lich aner­kannt wer­den […]“ Nach dem Wort­laut der Vor­schrift ist „eine Bil­dungs­ein­rich­tung“ erst dann eine „Hoch­schu­le“, wenn sie staat­lich aner­kannt ist. III. Zwi­schen­er­geb­nis An dem Ergeb­nis, dass das Prin­zip der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit an nicht­staat­li­chen Hoch­schu­len kei­ne Anwen­dung fin­det, ändert auch die der staat­li­chen Aner­ken­nungs­ent­schei­dung in der Regel vor­aus­ge­hen­de und zumeist prä­ju­di­zie­ren­de insti­tu­tio­nel­le Akkre­di­tie­rung durch den Wis­sen­schafts­rat nichts. Die­se vor­ge­la­ger­te Begut­ach­tung rich­tet sich teil­wei­se nach Kri­te­ri­en, die kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge haben. So liegt es im Fal­le der gefor­der­ten Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit. D. Fazit und Aus­blick Das Prin­zip der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit fin­det nach all­dem an pri­va­ten Hoch­schu­len kei­ne Anwen­dung. Es ist weder ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten noch ein­fach­ge­setz­lich umsetz­bar. Gera­de an den Pri­vat­hoch­schu­len ist es daher mög­lich und wün­schens­wert, mit alter­na­ti­ven Model­len von Par­ti­zi­pa­ti­on und Qua­li­täts­si­che­rung neue Akzen­te im deut­schen Hoch­schul­raum zu set­zen. I. Indi­vi­du­ell ein­ge­räum­te Frei­heit Das Min­dest­maß an inne­rer Wis­sen­schafts­frei­heit, das der Trä­ger der Hoch­schu­le im Innen­ver­hält­nis zu den Hoch­schul­leh­rern auf Grund des jewei­li­gen Hoch­schul­ge­set­zes des Lan­des garan­tie­ren muss, kann auch ohne Gre­mi­en kol­lek­ti­ver Selbst­ver­wal­tung wie dem Senat indi­vi­du­ell ein­ge­räumt wer­den. Denk­bar ist bei­spiels­wei­se, dem ein­zel­nen Hoch­schul­leh­rer arbeits­recht­lich höhe­re Frei­heits­gra­de als an einer staat­li­chen Hoch­schu­le üblich zu belas­sen und ihn in the­men­be­zo­ge­nen klei­ne­ren Arbeits­grup­pen (Task For­ces) an der Gestal­tung von Cur­ri­cu­la und For­schungs­schwer­punk­ten mit­ge­stal­ten zu las­sen. Die­se Frei­räu­me in Ver­bin­dung mit einer wert­schät­zen­den Füh­rung sind schließ­lich geeig­net, Moti­va­ti­on und Krea­ti­vi­tät des Wis­sen­schaft­lers zu för­dern und der Wis­sen­schafts­frei­heit an pri­va­ten Hoch­schu­len Gel­tung zu ver­schaf­fen. II. Alter­na­tiv­mo­del­le am Bei­spiel von Beru­fungs­ver­fah­ren im Aus­land Davon aus­ge­hend, dass das Gebot der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit neben der Gewäh­rung von Par­ti­zi­pa­ti­on auch ein Instru­ment der Qua­li­täts­si­che­rung ist, lohnt sich ein Blick über den Tel­ler­rand. Gera­de aus­län­di­sche Hoch­schu­len mit einer vom deut­schen Hoch­schul­leh­rer­Be­tei­li­gungs­mo­dell abwei­chen­den Pra­xis sind nicht sel­ten zu bes­se­ren wis­sen­schaft­li­chen Leis­tun­gen als deut­sche in der Lage. Dies zeigt sich anschau­lich am Bei­spiel der Aus­ge­stal­tung von Beru­fungs­ver­fah­ren der fol­gen­den bei­den top­ge­rank­ten Universitäten55: 1. Direkt­be­ru­fun­gen an die ETH Die Prä­si­den­tin oder der Prä­si­dent der ETH Zürich kann in Aus­nah­me­fäl­len dem ETH-Rat einen Antrag auf Ernen­nung einer von der Uni­ver­si­täts­lei­tung favo­ri­sier- Küb­ler-Kreß · Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit an pri­va­ten Hoch­schu­len 117 56 Art. 7 Abs. 3 Satz 2 der Ver­ord­nung des ETH-Rates über die Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren der Eid­ge­nös­si­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­len (Pro­fes­so­ren­ver­ord­nung ETH) vom 18. Sep­tem­ber 2003, vom Bun­des­rat geneh­migt am 26. Novem­ber 2003. 57 Schmitt/Arnhold/Rüde, Beru­fungs­ver­fah­ren im inter­na­tio­na­len Ver­gleich, Arbeits­pa­pier Nr. 53, Cen­trum für Hoch­schul­ent­wick­lung (CHE), März 2004. ten Per­son unter­brei­ten (sog. Direktberufung).56 In die­sen Fäl­len kann die Lei­tung ein regu­lä­res Beru­fungs­ver­fah­ren – ein­schließ­lich der Arbeit einer von Hoch­schul­leh­rern domi­nier­ten Beru­fungs­kom­mis­si­on und einer inter­na­tio­na­len Aus­schrei­bung – umge­hen. 2. Star­ke mono­kra­ti­sche Lei­tungs­funk­tio­nen in Stan­ford Auch an der pri­va­ten Stan­ford Uni­ver­si­ty in den USA sind Beru­fungs­ver­fah­ren anders aus­ge­stal­tet. Neben den Fach­be­rei­chen fun­gie­ren die Deans als Vor­schlags­in­stan­zen, die ihre Per­so­nal­vor­stel­lun­gen an den so genann­ten Pro­vost der Fakul­tät wei­ter­lei­ten. Die­ser hohe Ver­wal­tungs­be­am­te hat beim Beru­fungs­ver­fah­ren dafür zu sor­gen, dass Fra­gen von eth­ni­scher, reli­giö­ser und geschlecht­li­cher Gleich­stel­lung ein­ge­hal­ten wer­den. Neben dem Prä­si­den­ten ist auch das Board of Trus­tees, ein Gre­mi­um ver­gleich­bar dem Hoch­schul­rat, in Beru­fungs­ver­fah­ren miteinbezogen.57 Es ist wün­schens­wert, dass auch der Wis­sen­schafts­rat bei Begut­ach­tun­gen den gegen­über staat­li­chen Hoch­schu­len ver­fas­sungs­recht­lich grö­ße­ren Rah­men beach­tet und expe­ri­men­tel­len Kon­zep­ten von Par­ti­zi­pa­ti­on und Qua­li­täts­si­che­rung Raum gibt. RA Alex­an­der Küb­ler-Kreß war Vize­kanz­ler und inte­ri­mis­tisch Uni­ver­si­täts­kanz­ler. Aktu­ell ist er als Jus­ti­zi­ar tätig und dane­ben Lehr­be­auf­trag­ter für IT- und Wirt­schafts­recht an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Nürn­berg Georg Simon Ohm. Er forscht auf dem Gebiet des pri­va­ten Hoch­schul­rechts. 118 O RDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2019), 111–118