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I. Pro­blem­auf­riss

Eine aku­te Bedro­hung durch bio­lo­gi­sche Waf­fen scheint der­zeit nicht gege­ben. Spä­tes­tens zum Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens des zen­tra­len mul­ti­la­te­ra­len Ver­trags zur bio­lo­gi­schen Rüs­tungs­kon­trol­le, dem Bio­waf­fen­über­ein- kom­men (BWÜ) 1975 hat­ten sämt­li­che Ver­trags­staa­ten die noch nach dem Zwei­ten Welt­krieg offen­si­ve bio­lo­gi- sche Rüs­tungs­pro­gram­me unter­hiel­ten, die­se offi­zi­ell ein­ge­stellt und vor­han­de­ne Bestän­de vernichtet.1 Zwar sind seit­her ins­ge­samt drei Fäl­le ille­ga­ler Pro­gram­me auf­ge­deckt worden,2 der­zeit gibt es aber weder kon­kre­te Hin­wei­se auf ent­spre­chen­de Akti­vi­tä­ten in den Mit­glied- staa­ten, noch auf sol­che in Staa­ten außer­halb des Ver- trags­re­gimes. Ein­zi­ge Aus­nah­me ist Syri­en: Im Som­mer 2014 wur­de der Orga­ni­sa­ti­on zum Ver­bot Che­mi­scher Waf­fen ein Pro­gramm zur Her­stel­lung von Rizin bekanntgegeben3 – Rizin fällt als bio­ge­nes Toxin eben­so unter das Che­mie­waf­fen­über­ein­kom­men, wie unter das BWÜ.

Seit den Milz­brand­brie­fen in den USA (Sep­tem­ber und Okto­ber 2001) wird in den Stel­lung­nah­men der Ver- trags­par­tei­en auf den jähr­li­chen BWÜ Staa­ten­tref­fen vor allem der inter­na­tio­na­le Ter­ro­ris­mus als Bedro­hungs­sze- nario beschrie­ben. Doch auch hier las­sen sich rela­tiv we- nige Fäl­le benen­nen: 2001 hat­te ein ehe­ma­li­ger Ange- stell­ter des US-Bio­ab­wehr­pro­gramms beson­ders auf- wän­dig her­ge­stell­te und prä­pa­rier­te Milz­brand­spo­ren, die zuvor in eben die­sem Pro­gramm her­ge­stellt wor­den waren, an Poli­ti­ker und Jour­na­lis­ten ver­schickt; Anfang der 1990er Jah­re hat­te die japa­ni­sche Aum-Shin­ri­kyo Sek­te mit gro­ßem Auf­wand ver­sucht, eben­falls Milz- brand­spo­ren sowie Ebo­la waf­fen­fä­hig zu machen, war aller­dings geschei­tert und 1984 hat­te eine indi­sche Sek­te ver­sucht, bei mög­lichst gro­ßen Tei­len der Bevöl­ke­rung des Städt­chens The Dul­les im US-Bun­des­staat Oregon

  1. 1  Whee­lis, Mark, Róz­sa, Lajos und Dan­do, Mal­colm (Hrsg) (2006): Dead­ly Cul­tures: Bio­lo­gi­cal Wea­pons sin­ce 1945, Lon­don. Offen- sive Pro­gram­me gab es in Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Kana­da, UdSSR und den USA.
  2. 2  Und zwar in Russ­land (Die UdSSR hat­te ihr Pro­gramm heim­lich bis zur Wen­de wei­ter­ge­führt), Irak und Süd­afri­ka. Kei­ner die­ser Fäl­le wur­de im Regime ver­han­delt und/oder mit Sank­tio­nen be- wehrt; nicht zuletzt des­halb, weil die Auf­de­ckung der Pro­gram­me jeweils im Zusam­men­hang mit grund­le­gen­den Ver­än­de­run­gen in der insti­tu­tio­nel­len Orga­ni­sa­ti­on der Betrei­ber­staa­ten stand.

durch die Kon­ta­mi­nie­rung von Salat­the­ken Sal­mo­nel­lo- se und damit Bett­lä­ge­rig­keit aus­zu­lö­sen, um der eige- nen, bei den Kom­mu­nal­wah­len antre­ten­den Par­tei zu ei- nem höhe­ren Stimm­an­teil zu verhelfen.4 Belast­ba­re Be- rich­te, dass Al Quai­da ver­sucht hät­te, eine Bio­waf­fen­ka- pazi­tät auf­zu­bau­en, fin­den sich nicht.5 Auch die Schlag­zei­len, die einen vom „Isla­mi­schen Staat“ erbeu­te- ten Com­pu­ter ange­sichts sei­ner Inhal­te, die auf ein Inte- res­se an bio­lo­gi­scher Bewaff­nung hin­deu­ten soll­ten, als „Lap­top of Doom“ bezeichneten,6 erschei­nen bei nähe- rer Betrach­tung als deut­lich übertrieben.

Nach der­zei­ti­gem Erkennt­nis­stand gibt es also der- zeit in kei­nem Staat der Erde bio­lo­gi­sche Waf­fen oder Pro­gram­me zu deren Ent­wick­lung und Her­stel­lung. Es ist zwar nicht mög­lich von die­ser Lage auf die Zukunft zu schlie­ßen, im Grun­de ist das BWÜ aber ein prä­ven­ti- ver Rüs­tungs­kon­troll­ver­trag. Ein Rüs­tungs­kon­troll­re- gime, das nicht ver­su­chen muss, bestehen­de Bedro- hungs­po­ten­zia­le aus Waf­fen­ar­se­na­len ein­zu­he­gen, son- dern sich auf die Ver­hin­de­rung künf­ti­ger Rüs­tungs­pro- gram­me kon­zen­trie­ren kann, scheint unter güns­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen zu bestehen – wäre da nicht das imma- nen­te Pro­blem der feh­len­den Veri­fi­ka­ti­on im BWÜ. Seit die Ver­hand­lun­gen zum Ver­trag in den frü­hen 1970er Jah­ren begon­nen hat­ten, steht der Malus zu Buche, dass die Mit­glie­der sich nicht zu einem ent­spre­chen­den Me- cha­nis­mus durch­rin­gen konn­ten. Kon­kre­te Ver­hand­lun- gen, die die Ein­rich­tung eines von einer inter­na­tio­na­len Behör­de gelei­te­ten Inspek­ti­ons­re­gimes zur Fol­ge gehabt hät­ten, waren 2001 kurz vor ihrem Abschluss geschei­tert; eine Neu­auf­la­ge ist nicht in Sicht.

Ent­stan­den wäre ein „klas­sisch“ zwi­schen­staat­li­cher Mecha­nis­mus zur Beob­ach­tung von Com­pli­an­ce-rele- van­tem Ver­hal­ten in bio­tech­ni­schen Pro­duk­ti­ons- und For­schungs­ein­rich­tun­gen. Ein sol­cher Mecha­nis­mus wäre ver­mut­lich geeig­net, das Ver­bots­re­gime zu stärken,

3 https://www.opcw.org/index.php?eID=dam_frontend_ push&docID=17532 (7.1.2015).

Geor­gi­ev, Vas­sil (2009), Impact on Glo­ba Health, Volu­me Two, NIH.

Ouagrham-Gorm­ley, Sonia Ben (2014), Bar­ri­ers to Bio­wea­pons: The Chal­len­ges of Exper­ti­se and Orga­niz­a­ti­on for Wea­pons Deve- lop­ment, Corn­nell Uni­ver­si­ty Press.

6 http://foreignpolicy.com/2014/08/28/found-the-islamic-states- ter­ror-lap­top-of-doom/ (29.1.2015).

Gun­nar Jeremias

Die Rege­lung bio­si­cher­heits­re­le­van­ter For­schung als effek­ti­ver Bei­trag zur bio­lo­gi­schen Rüstungskontrolle?

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2015, ISSN 2197–9197

48 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2015), 47–54

indem Tech­no­lo­gie­an­wen­dun­gen in Uni­ver­si­tä­ten, Un- ter­neh­men und dekla­rier­ten Ein­rich­tun­gen mili­tä­ri- scher bio­lo­gi­scher Abwehr­for­schung zu einem gewis­sen Grad trans­pa­rent wür­den. Vor allem durch die gestie­ge- ne Ent­de­ckungs­wahr­schein­lich­keit könn­ten (vor allem staat­li­che) Akteu­re so abge­schreckt wer­den, heim­lich bio­lo­gi­sche Waf­fen zu ent­wi­ckeln und zu pro­du­zie­ren — zwei­fel­haft ist indes, ob ein sol­cher Mecha­nis­mus auch geeig­net wäre, die nicht­be­ab­sich­tig­te Her­stel­lung von miss­brauchs­fä­hi­gem Wis­sen zu erschwe­ren, wie es po- ten­ti­ell im Rah­men „nor­ma­ler“ bio­tech­ni­scher For- schung pro­du­ziert wird.

II. Rele­van­te Akti­vi­tä­ten und Akteure

In den bis­her bekann­ten BW-Pro­gram­men wur­den Wis- sen­schaft­ler von Regie­run­gen damit beauf­tragt, bio­tech- nisches Wis­sen gezielt so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, dass eine Waf­fen­fä­hig­keit der Patho­ge­ne oder Toxi­ne her­ge­stellt wer­den kann.7 Obwohl sie auf dem Wis­sens­schatz zivi­ler For­schung grün­de­ten, waren dies also dezi­diert auf einen mili­tä­ri­schen Ein­satz der Bio­tech­no­lo­gie aus­ge­leg- te For­schungs- und Ent­wick­lungs­an­stren­gun­gen. Mit Blick auf die Fra­ge­stel­lung die­ses Arti­kels sind dabei zwei Fest­stel­lun­gen zu machen. Ers­tens: Auch die­se Bio- waf­fen­pro­gram­me basier­ten auf Grund­la­gen­wis­sen, in dem die Mög­lich­kei­ten für eine miss­bräuch­li­che Wei­ter- ent­wick­lung bereits ange­legt waren. Die­ses imma­nen­te Dual-Use-Poten­zi­al der Bio­tech­no­lo­gie ist eines der Ele- men­te, die sie zu einer Risi­ko­tech­no­lo­gie machen. Zwei- tens: Das letz­te bekann­te gro­ße BW-Pro­gramm wur­de bis ca. 1991 in der UdSSR betrie­ben. Seit­dem lässt sich eine anhal­ten­de rapi­de und glo­ba­le Ent­wick­lung in den Bio­wis­sen­schaf­ten und der zuge­hö­ri­gen Tech­nik beob- ach­ten. Die umfas­sen­den Miss­brauchs­po­ten­zia­le bes­te- hen der­weil wei­ter, wobei ver­schär­fend hin­zu­kommt, dass in einem stän­dig wach­sen­den Feld auch die Pro- duk­ti­on wei­te­ren rele­van­ten Wis­sens kon­stant zunimmt. Außer­dem wer­den im Zuge der Wei­ter­ent­wick­lung gänz­lich neue Berei­che erschlos­sen, die neue Mög­lich- kei­ten, aber eben auch Miss­brauchs­po­ten­zia­le generie-

  1. 7  Schä­fer, Achim (2002), Bio­ter­ro­ris­mus und Bio­lo­gi­sche Waf­fen, Berlin.
  2. 8  Zilins­kas, R. A., Dan­do, M. and Nix­dorff, K. (2011), Bio­tech­no­lo­gy and Bio­ter­ro­rism. Ency­clo­pe­dia of Bio­ter­ro­rism Defen­se, 1–14.
  3. 9  Dem letzt­ge­nann­ten Argu­ment wird häu­fig ent­ge­gen­ge­setzt, dass nicht unter­schätzt wer­den dür­fe, dass prak­ti­sches Erfah­rungs- wis­sen, das sich nur im Lau­fe lang­jäh­ri­ger Aus­bil­dung aneig­nen lässt, erfor­der­lich ist, um bio­tech­ni­sche Expe­ri­men­te erfolg­reich durch­füh­ren zu kön­nen. Damit kann aber allen­falls der Befürch- tung begeg­net wer­den, dass ter­ro­ris­ti­sche Grup­pie­run­gen ohne

ren (z.B. Syn­the­ti­sche Bio­lo­gie, Nano­tech­no­lo­gie, Sys- tembiologie).8 Zudem wird die Anwen­dung von Tech­ni- ken preis­güns­ti­ger und schnel­ler, ver­brei­tet sich Wis­sen schnel­ler und in Län­der, die zunächst kei­nen Zugang zu die­ser Tech­no­lo­gie hat­ten und das Wis­sen wird auch ein­fa­cher handhabbar.9 Kurz: Mit der Wei­ter­ent­wick- lung der Bio­tech­no­lo­gie ent­ste­hen sicher­lich neue Chan- cen, etwa für die Bekämp­fung von Krank­hei­ten, aber gleich­zei­tig ent­ste­hen auch neue Risi­ken. Damit ist nicht gesagt, dass die­se Situa­ti­on zwangs­läu­fig zu neu­en Bio- waf­fen­pro­gram­men füh­ren wird. Es ist aller­dings eben­so wenig aus­ge­schlos­sen, dass Akteu­re miss­bräuch­lich auf die­ses Wis­sen zurück­grei­fen wer­den. Mesel­son bemerkt zu Recht, dass jede Groß­tech­no­lo­gie auch mili­tä­risch genutzt wird.10 Gemein­sam mit der Beob­ach­tung, dass sich die Dif­fu­si­ons­rich­tung von Tech­no­lo­gien in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten umge­kehrt hat, frü­her also Groß­tech­no­lo­gien eher im mili­tä­ri­schen Kon­text (wei- ter-)entwickelt wur­den und sich dann kom­mer­zi­el­le Nut­zun­gen dar­aus ablei­te­ten, heu­te aber ver­stärkt zivi­le Ent­wick­lun­gen in der Fol­ge mili­tä­risch genutzt wer- den,11 erklärt dies das Erfor­der­nis eines hohen Niveaus von Wach­sam­keit und von akti­ven Maß­nah­men zur Prä- vention.

Sol­che prä­ven­ti­ven Maß­nah­men gegen die Ver­wer- tung von bio­tech­ni­schem Wis­sen und Tech­no­lo­gie in mili­tä­ri­schen Pro­gram­men oder durch Kri­mi­nel­le sind in der Pra­xis oft deckungs­gleich mit sol­chen, die auch Schad­wir­kun­gen ver­hin­dern sol­len, die aus dem zivi­len Nor­mal­be­trieb resul­tie­ren. Die­se Maß­nah­men wer­den unter dem Begriff Bio­si­cher­heit, bzw. mit den eng­li­schen Begrif­fen Bio­safe­ty und Bio­se­cu­ri­ty beschrie­ben. Die eng­li­sche Tren­nung von Safe­ty und Secu­ri­ty dis­kri­mi- niert Betriebs­si­cher­heit (die jeden­falls in den Vor­rei­ter- staa­ten der Bio­tech­no­lo­gie­nut­zung in der Pra­xis lan­ge eta­bliert ist) von der Vor­beu­gung von Miss­brauch. Safe- ty steht also nicht im Kon­text von „Dual-Use“, son­dern es sol­len durch ent­spre­chen­de Maß­nah­men Unfäl­le und der aus Unwis­sen her­vor­ge­hen­de unsach­ge­mä­ße Um- gang mit Agen­zi­en und Labor- bzw. Pro­duk­ti­ons­aus­rüs- tung ver­mie­den wer­den. Bio­se­cu­ri­ty blickt hin­ge­gen auf

fach­li­chen Hin­ter­grund immer leich­ter Bio­waf­fen Kapa­zi­tä­ten auf­bau­en könn­ten. Für aus­ge­bil­de­te Wis­sen­schaft­ler hin­ge­gen sind vie­le Anwen­dun­gen in der Bio­tech­no­lo­gie heu­te sicher­lich schnel­ler und mit weni­ger Auf­wand durch­zu­füh­ren, als früher.

10 Mesel­son, Mat­thew (2000), Aver­ting the hos­ti­le explo­ita­ti­on of bio­tech­no­lo­gy, in: Che­mi­cal and Bio­lo­gi­cal Con­ven­ti­ons Bul­le­tin, No. 48, 16–19.

11 Wiem­ken, Uwe (2006), Hoch­tech­no­lo­gien in der Wehr­tech­nik, in: Spur, Gün­ter (Hrsg): Wachs­tum durch Tech­no­lo­gi­sche Inno­va­ti- on, 123–129.

die „dunk­le Sei­te“ der Dual-Use-Pro­ble­ma­tik, die die Bio­tech­no­lo­gie in beson­de­rem Umfang betrifft.12 Secu- rity-Maß­nah­men sol­len dabei ver­hin­dern, dass aus dem Poten­zi­al einer miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung ein be- gan­ge­ner Miss­brauch wird — aus dual-use also misu­se wird. Trotz die­ser unter­schied­li­chen Ziel­set­zun­gen gibt es doch eine Rei­he von Über­schnei­dun­gen bei der Aus- gestal­tung kon­kre­ter Maß­nah­men. Das gilt z.B. für Re- gelun­gen zum Zutritt zu Labo­ren, Hand­ha­bung, Lage- rung, tech­ni­sche Bar­rie­ren, etc.13

Wie in allen kom­ple­xen Sys­te­men kann das Risi­ko von Unfäl­len und Miss­brauch nicht voll­kom­men ver­hin- dert wer­den, so dass zwi­schen Nut­zen und Risi­ken des Tech­no­lo­gie­be­triebs abge­wo­gen wer­den muss. Die Ent- wick­lung von und die Ent­schei­dung über kon­kre­te Maß- nah­men, die in der Pra­xis erfor­der­lich, durch­führ­bar und erfolg­ver­spre­chend sind, wird dabei regel­mä­ßig nur von Bio­wis­sen­schaft­lern oder in Zusam­men­ar­beit mit ihnen durch­führ­bar sein. Zur Iden­ti­fi­zie­rung von Punk- ten an denen sinn­voll ange­setzt wer­den kann, ist die Er- kennt­nis hilf­reich, dass „nicht alles glei­cher­ma­ßen dual- use“ ist.14 Zum Umgang mit der Fra­ge, wel­che Tätig­kei- ten also unter beson­de­re Beob­ach­tung und Rege­lungs- ver­su­che gestellt wer­den sol­len, haben sich vor etwa zehn Jah­ren zunächst zwei Ansät­ze ent­wi­ckelt, nament- lich der erre­ger­ba­sier­te Ansatz, der davon aus­geht, dass das Arbei­ten mit bestimm­ten Agenzien15 Risi­ken indu- ziert und der akti­vi­tä­ten­ba­sier­te Ansatz, der Expe­ri­men- te mit bestimm­ten Zielsetzungen16 unter Risi­ko­vor­be- halt stellt.

Bei­de Ansät­ze haben gemein, dass mit den benann- ten For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten, bzw. For­schungs­ob­jek­ten in der Tat grö­ße­re Schad­wir­kun­gen erzielt wer­den kön­nen, als mit ande­ren – es in der Aus­prä­gung von dual-use also qua­li­ta­ti­ve Unter­schie­de gibt. Seit etwa 2008 wird der Begriff Dual-Use Rese­arch of Con­cern (DURC) in der Debat­te genutzt. Obschon in die­ser For­mu­lie­rung eine Qua­li­fi­zie­rung als beson­ders bedenk­li­che Forschung

  1. 12  Nix­dorff, Kathryn (2006), Bio­lo­gi­cal Wea­pons Con­ven­ti­on, in: R. Aven­haus, N. Kyria­ko­pou­los, M. Richard, G. Stein (Hrsg). Veri­fy- ing Trea­ty Com­pli­an­ce; Ber­lin and Hei­del­berg: Sprin­ger, 107–134.
  2. 13  Dick­mann, Petra et al. (2014), Safe and Secu­re Bio­ma­te­ri­als: A Risk-Based Alter­na­ti­ve Approach, Chathamhouse.
  3. 14  NSABB (2010), Bio­se­cu­ri­ty — Pro­po­sed Frame­work for the Over- sight of Dual Use Life Sci­en­ces Rese­arch; Washing­ton D.C.
  4. 15  Lis­te etwa beim Cen­ter for Dise­a­se Con­trol and Pre­ven­ti­on unter http://emergency.cdc.gov/agent/agentlist.asp (29.1.2015).
  5. 16  Ent­spre­chen­de Auf­lis­tun­gen fin­den sich bei ver­schie­de­nen Autoren, zusam­men­ge­fasst bei Suk, Jona­than E. equal con­tri- butor, Anna Zmor­zyns­ka equal con­tri­bu­tor, Iris Hun­ger, Wal­ter Bie­der­bick, Julia Sas­se, Hein­rich Maid­hof, Jan C. Semen­za (2011), Dual-Use Rese­arch and Tech­no­lo­gi­cal Dif­fu­si­on: Recon­si­de­ring the Bio­ter­ro­rism Thre­at Spec­trum in PLOS Pathogens.
  6. 17  Know­les, Lori P. (2012), Cur­rent Dual-Use Gover­nache Measures,

nicht getrof­fen wird, wer­den als Bei­spie­le für DURC vor allem sol­che Expe­ri­men­te ange­führt, bei denen das Miss­brauchs­po­ten­zi­al im Ver­hält­nis zum erwar­te­ten Nut­zen hoch ist.17 So wer­den häu­fig die Reak­ti­vie­rung des Erre­gers der Spa­ni­schen Grip­pe von 1918, die Kom- bina­ti­on von Erre­gern der „Schwei­ne-“ und der „Vogel- grip­pe“ durch die For­scher­grup­pen um Kawao­ka und Fou­chier oder die Syn­the­se des Polio­vi­rus genannt.18 DURC bezeich­net aber eben nur Hin­wei­se auf ein grö- ßeres Risi­ko und kei­nes­falls einen tat­säch­lich bevors­te- hen­den Miss­brauch. Für sämt­li­che Ver­wen­dun­gen der gelis­te­ten Erre­ger und Expe­ri­men­te exis­tie­ren viel­fäl­ti­ge legi­ti­me Anwendungen.19 Eine bes­se­re Ein­gren­zung risi- kobe­haf­te­ter Expe­ri­men­te und bedenk­li­cher For- schungs­ak­ti­vi­tä­ten bie­tet daher ver­mut­lich ein kom­bi- nier­ter Ansatz, wie er in etwa in der Stel­lung­neh­me des Deut­schen Ethik­rats ent­wi­ckelt wird.20 Das Pro­blem Bio­se­cu­ri­ty reicht aber über die engen Gren­zen des La- bors hin­aus, betrifft also nicht nur die for­sche­ri­sche Pro- duk­ti­on von Unsi­cher­heit, son­dern eben­so die damit in Zusam­men­hang ste­hen­de Ver­brei­tung von ent­spre­chen- dem Wis­sen, Erre­gern (auch syn­the­ti­sche DNA/RNA) und die Labor- und Pro­duk­ti­ons­in­fra­struk­tur etc.

Für die­ses Teil­pro­blem der bio­lo­gi­schen Rüs­tungs- kon­trol­le stellt sich daher die Anfor­de­rung, dass die Ad- res­sa­ten poten­zi­el­ler Rege­lun­gen nicht (aus­schließ­lich) Staa­ten sind, son­dern dar­über hin­aus ers­tens gezielt die Wis­sen­schaft­ler (die epis­temic com­mu­ni­ty), die das Feld mit ihrem Erfah­rungs­wis­sen, ihren Netz­wer­ken und mit ihrer Neu­gier­de bestim­men, und zwei­tens auch die Ak- teu­re, die die Durch­füh­rung von Wis­sen­schaft von au- ßen beein­flus­sen, ange­spro­chen wer­den sol­len. Dabei han­delt es sich zur Haupt­sa­che um Finan­ziers von DURC, also teils um eine Rei­he von Staa­ten, zu einem erheb­li­chen Teil aber um kom­mer­zi­el­le Akteu­re. Es soll- te in der Debat­te um die Rege­lung bio­si­cher­heits­re­le­van- ter For­schung nicht ver­ges­sen wer­den, dass das Ide­al des frei­en For­schers, des­sen Moti­va­ti­on aus­schließ­lich die

in: Jona­than B. Tucker (2012), Inno­va­ti­on, Dual Use, and Secu­ri­ty: Mana­ging the Risks of Emer­ging Bio­lo­gi­cal and Che­mi­cal Tech- nolo­gies, MIT Press, 45–66.

18 Kwik Gron­vall, Gigi (2013), H5N1: A Case Stu­dy for Dual-Use Rese­arch, CFR Working Paper.

19 Die meist­zi­tier­te Stu­die zur Zusam­men­fas­sung rele­van­ter Expe­ri- men­te ist der soge­nann­te Fink-Report. Die­ser führt auch Ver­su- che zur Ver­bes­se­rung der Waf­fen­fä­hig­keit von Erre­gern an, wobei die­se Art von Expe­ri­men­ten klar nicht dual-use ist. Wenn ein Erre­ger waf­fen­fä­hig gemacht wird, ist eine fried­li­che Anwen­dung kaum anti­zi­pier­bar, NSABB (2004), Bio­tech­no­lo­gy in an age of Ter­ro­rism, Washing­ton D.C.

20 Deut­scher Ethik­rat (2014), Bio­si­cher­heit – Frei­heit und Ver­ant- wor­tung in der Wis­sen­schaft, 83 ff.

Jere­mi­as · Bio­si­cher­heits­re­le­van­te For­schung 4 9

50 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2015), 47–54

Suche nach der objek­ti­ven Wahr­heit ist, in der bio­tech­ni- schen Pra­xis kaum noch anzu­tref­fen ist. Bio­tech­no­lo­gie- for­schung ist oft­mals, wenn nicht zum über­wie­gen­den Teil, durch kom­mer­zi­el­le Inter­es­sen moti­viert. Das gilt auch für einen Groß­teil der For­schung an Uni­ver­si­tä­ten. Von Hans-Peter Dürr stammt der Satz, dass Tech­no­lo­gie die Wis­sen­schaft aus dem Elfen­bein­turm ver­trie­ben hat. In kaum einem ande­ren Feld wird so deut­lich, wie in der Bio­tech­no­lo­gie, dass kom­mer­zi­el­le Ver­wert­bar­keit min- des­tens eben­so stark die Ent­wick­lung von Tech­no­lo­gie beein­flusst wie „klas­si­sche“ Grundlagenforschung.21 Be- stimm­te Pro­duk­te, wie etwa Impf­stof­fe wer­den ver­mut- lich aus­schließ­lich von kom­mer­zi­el­len Akteu­ren ent­wi- ckelt und vertrieben.

III. Wel­che Maßnahmen?

Die­ser Hin­ter­grund ist zu beden­ken, wenn über das Spek­trum der Mög­lich­kei­ten zur Rege­lung bio­si­cher- heits­re­le­van­ter For­schung und die Wir­kung von Rege- lun­gen nach­ge­dacht wird: Wel­che Wir­kung ent­fal­ten Maß­nah­men in aka­de­mi­schen Insti­tu­tio­nen und in pro- fit­ori­en­tier­ten Unter­neh­men und wie kann gesetz­ge­be­ri- sches Han­deln zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung bei trans­na­tio­na- len Unter­neh­men die gewünsch­te Wir­kung ent­fal­ten? Wäh­rend die zwei­te Fra­ge im Rah­men die­ses Arti­kels nicht beant­wor­tet wer­den kann, erscheint es fol­ge­rich­tig, das Prin­zip der Prä­ven­ti­on, das die gesam­te bio­lo­gi­sche Rüs­tungs­kon­trol­le bestimmt, auch auf die Rege­lung von DURC anzu­wen­den. Risi­ken kön­nen am effek­tivs­ten ver­mie­den oder ver­rin­gert wer­den, wenn Akti­vi­tä­ten, die zu ihrer Ent­ste­hung bei­tra­gen bereits im Vor­feld ver- hin­dert wer­den, oder sol­che, die zu einer Ver­rin­ge­rung des Risi­kos bei­tra­gen, recht­zei­tig begon­nen wer­den. Prä- ven­ti­ve Maß­nah­men zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung wur­den bereits in ver­schie­de­nen Zusam­men­hän­gen, nicht zuletzt auch in der Stel­lung­nah­me des Deut­schen Ethik- rats vor­ge­schla­gen. Die dar­in vor­ge­schla­ge­nen Prä­ven­ti- ons­maß­nah­men umfas­sen unter ande­rem gesetz­li­che Rege­lun­gen, wie etwa zur Ein­rich­tung einer DURC- Kom­mis­si­on, die im Vor­feld der Durch­füh­rung ent­sp­re- chen­der Expe­ri­men­te eine ver­pflich­ten­de Bera­tung der

  1. 21  Dürr, Hans-Peter (2010), War­um es ums Gan­ze geht, München.
  2. 22  Deut­scher Ethik­rat (2014), Bio­si­cher­heit – Frei­heit und Ver­ant-wor­tung in der Wis­sen­schaft, 187 ff.
  3. 23  Wilms, Hans Chris­ti­an (2010), Sci­en­ti­fic Free­dom and Social­Re­spon­si­bi­li­ty: Con­flicts in the Ethi­cal Regu­la­ti­on of Sci­ence; in: Infor­ma­ti­ons­pa­pie­re der Max-Planck-For­schungs­grup­pe „Demo- kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on ethi­scher Ent­schei­dun­gen“, Sil­ja Vöne­ky (Hrsg).
  4. 24  Deut­scher Ethik­rat (2014), Bio­si­cher­heit – Frei­heit und Ver­ant- wor­tung in der Wis­sen­schaft, 191 ff.
  5. 25  Jack­son, Ronald J., Ian A. Ram­shaw et al. (2001): Expres­si­on of

durch­füh­ren­den Insti­tu­ti­on durch­führt, die Auf­nah­me ent­spre­chen­der Inhal­te in Leh­re und Fort­bil­dung, das Auf­stel­len eines bun­des­wei­ten Ver­hal­tens­ko­dex für Wis- sen­schaft­ler, sowie Prä­ven­ti­on durch eine ver­ant­wor- tungs­vol­le Ver­ga­be­pra­xis bei der Ver­tei­lung öffent­li­cher Forschungsgelder.22

Zur Regu­lie­rung wird also ein Ansatz vor­ge­schla­gen, der auf einer Kom­bi­na­ti­on von Maß­nah­men beruht, die durch mate­ri­el­les Recht defi­niert wer­den und sol­chen, die im Bereich des infor­mel­len soft law ange­sie­delt sind.23 Die­se Vor­schlä­ge kön­nen hier nicht ein­ge­hend beschrie­ben und schon gar nicht abschlie­ßend bewer­tet wer­den, es sol­len aber eini­ge Fra­gen auf­ge­wor­fen wer- den, die mög­li­cher­wei­se zur Beur­tei­lung ihrer Effek­ti­vi- tät bei­tra­gen kön­nen. So ist frag­lich, inwie­weit eine Um- set­zung der DURC-Defi­ni­ti­on wie in der Stel­lung­nah­me emp­foh­len umfas­send genug ist.24 Zwar wird hier der Pro­ble­ma­tik Rech­nung getra­gen, dass weder ein agen­zi- en- noch ein akti­vi­tä­ten­ba­sier­ter Ansatz zur Beur­tei­lung von DURC-indu­zier­ten Risi­ken aus­rei­chend ist, ob es aber effek­tiv ist, nur die gelis­te­ten Arbei­ten mit gelis­te­ten Erre­gern (oder gänz­lich neu geschaf­fe­nen, bedroh­li­chen bio­lo­gi­schen Agen­zi­en) für die exter­ne Beur­tei­lung durch eine DURC-Kom­mis­si­on vor­zu­schla­gen, kann dis­ku­tiert wer­den. So zeigt etwa das Bei­spiel der For- schung an Mäu­se­po­cken von 2001,25 dass auch Arbei­ten an nicht in den bestehen­den Lis­ten geführ­ten Erre­gern zu gefähr­li­chen Ergeb­nis­sen füh­ren kön­nen, weil Er- kennt­nis­se die an eng ver­wand­ten Erre­gern gewon­nen wur­den, direkt auf gelis­te­te Erre­ger über­trag­bar sein können.26 Inso­fern wäre auch der Auf­trag an eine Kom- mis­si­on, die ent­spre­chen­de Expe­ri­men­te beur­tei­len soll, mög­li­cher­wei­se zu kurz formuliert.

Dass die durch­füh­ren­den For­scher künf­tig aber nicht mehr allein­ver­ant­wort­lich die aus ihrer Arbeit resul­tie- ren­den Risi­ken bewer­ten sol­len, ist sicher­lich Vor­aus­set- zung für effek­ti­ve Prä­ven­ti­on. Eine Selbst­be­ur­tei­lung ist nicht nur aus grund­sätz­li­chen Erwä­gun­gen ein Pro­blem (die Beur­tei­lung eines eige­nen Pro­jekts ist natur­ge­mäß mit Inter­es­sens­kon­flik­ten behaf­tet), son­dern erfor­dert neben einem ent­spre­chen­den Pro­blem­be­wusst­sein auch das metho­do­lo­gi­sche Wis­sen, risi­ko­be­haf­te­te Forschung

Mou­se Interleukin‑4 by a Recom­bi­nant Ectro­me­lia Virus Sup- pres­ses Cyto­ly­tic Lym­pho­cy­te Respon­ses and Over­co­mes Gene­tic Resis­tance to Mou­se­pox, in: J Virol, Feb 2001, 75(3), 1205–1210.

26 Damals wur­de an der Aus­tra­li­an Natio­nal Uni­ver­si­ty ein Expe­ri- ment durch­ge­führt, in dem das Mäu­se­po­cken­vi­rus als Gen­fäh­re in einem „Impf­stoff “ gegen Schwan­ger­schaf­ten ein­ge­setzt wer­den soll­te. Die in das Virus ein­ge­bau­ten und mit ihm trans­por­tier­ten Infor­ma­tio­nen bewirk­ten aber auch eine 100%ige Leta­li­tät des Vi- rus, unge­ach­tet vor­he­ri­ger Imp­fun­gen oder bestehen­der Resis­ten- zen (Jack­son et al. 2001). Die­ses Expe­ri­ment könn­te genau­so für das Human­pa­tho­gen Ortho­poxvi­rus vario­la wie­der­holt werden.

zu erken­nen und zu ver­mei­den. Das kann im Extrem­fall die Bereit­schaft ein­schlie­ßen, auf Erkennt­nis­ge­winn zu ver­zich­ten, häu­fig wird das Pro­blem aber durch alter­na- tive Expe­ri­men­te oder Simu­la­tio­nen zu behe­ben sein.27

Das Pro­blem der Imple­men­tie­rung einer Kom­mis­si- on zur ex-ante-Beur­tei­lung von Risi­ken aus bio­wis­sen- schaft­li­cher For­schung wäre immer noch vor­han­den, aber nicht ganz so drän­gend, wenn es in der epis­temic com­mu­ni­ty ein Pro­blem­be­wusst­sein in Hin­blick auf die Risi­ken bestün­de. Nun gibt es nicht all­zu vie­le Daten zur Quan­ti­fi­zie­rung der Aus­prä­gung eines sol­chen Risi­ko­be- wusst­seins und der damit zusam­men­hän­gen­den per­sön- lichen Verantwortung.28 Es gibt aber star­ke Hin­wei­se, dass die­ses Bewusst­sein in Uni­ver­si­tä­ten und Indus­trie eher schwach aus­ge­prägt ist. So ist bekannt, dass das The­ma Bio­se­cu­ri­ty, im Gegen­satz zu gesetz­lich vor­ge- schrie­ben Bio­safe­ty­in­hal­ten, in den deut­schen uni­ver­si- tären Lehr­plä­nen nicht vorkommt.29 Eine aktu­el­le kur- sori­sche Über­prü­fung der Ergeb­nis­se die­ser Stu­die führ- te eben­falls aus­schließ­lich zu nega­ti­ven Ergeb­nis­sen. Es ist auch nicht anzu­neh­men, dass ent­spre­chen­de Inhal­te in der wis­sen­schaft­li­chen Aus- und Fort­bil­dung in naher Zukunft ver­stärkt ver­an­kert wer­den – jeden­falls nicht aus einer Selbst­er­kennt­nis der die Leh­re koor­di­nie­ren- den Gre­mi­en her­aus. Aus Krei­sen der Kon­fe­renz bio­wis- sen­schaft­li­cher Fach­be­rei­che und des Ver­ban­des Bio­lo- gie, Bio­wis­sen­schaf­ten und Bio­me­di­zin ist die Ansicht zu hören, dass das „mora­li­sche Niveau“ an deut­schen Uni- ver­si­tä­ten „durch­gän­gig so hoch“ sei, dass die vol­len Lehr­plä­ne an die­ser Stel­le „nicht erwei­te­rungs­be­dürf­tig“ sei­en. Nun ist Nicht­wis­sen zunächst ein epis­te­mo­lo­gi- sches Phä­no­men und wird erst dann zu einem mora­li- schen Pro­blem, wenn (Selbst-) Erkennt­nis aktiv ver­mie- den wird. In jedem Fall kann die Nicht­auf­nah­me der um die The­ma­tik der Bio­se­cu­ri­ty erwei­ter­ten bio­si­cher­heits- rele­van­ten Leh­re als Indi­ka­tor für ein nur gering aus­ge- präg­tes Pro­blem­be­wusst­sein ange­se­hen wer­den. Folge-

  1. 27  Colin A. Rus­sell, Smith, Derek J. et al. (2012), The Poten­ti­al for Respi­ra­to­ry Droplet–Transmissible A/H5N1 Influ­en­za Virus to Evol­ve in a Mam­ma­li­an Host, Sci­ence 22 June 2012: Vol. 336 no. 6088, 1541–1547.
  2. 28  In die­sem Zusam­men­hang wäre es auch inter­es­sant, mög­li­cher- wei­se bestehen­de per­sön­li­che und insti­tu­tio­nel­le Haf­tung zu the­ma­ti­sie­ren. Aller­dings ist das mög­li­che Scha­dens­aus­maß (etwa ana­log zur Kern­tech­nik) kaum zu bestimmen.
  3. 29  Hop­pe, Jan (2010), Bio­se­cu­ri­ty aspects in life sci­ence pro­gram­mes at Ger­man uni­ver­si­ties. A sur­vey, For­schungs­stel­le Bio­lo­gi­sche Waf­fen und Rüs­tungs­kon­trol­le, ZNF, Uni­ver­si­tät Hamburg.
  4. 30  Bol­la­ert, Cathy und Whit­by, Simon (2012), Online app­lied dual- use bio­se­cu­ri­ty edu­ca­ti­on: a case stu­dy from the Uni­ver­si­ty of Brad­ford; in: Med Con­fl Sur­viv. 2012 Jan-Mar, 28(1), 59–71.
  5. 31  Aktu­ell schei­nen die EU und ihre Mit­glie­der vor­wie­gend in der Nach­bar­schaft der EU und in ande­ren Part­ner­län­dern bemüht,

rich­tig kann befürch­tet wer­den, dass aus dem Nich­ter- ken­nen des Pro­blems auch kein Ver­ant­wor­tungs­be- wusst­sein ent­sprin­gen wird (glei­ches kann für den Bereich der Fort­bil­dung anti­zi­piert werden).

Die man­gel­haft aus­ge­präg­te Aus­bil­dung im Bereich Bio­se­cu­ri­ty ist kein auf Deutsch­land beschränk­tes Prob- lem. Anek­do­ti­sche Evi­denz ergibt für ande­re EU-Staa­ten ein sehr ähn­li­ches Bild. Zwar gibt es eini­ge Initia­ti­ven, die ent­spre­chen­de Inhal­te ent­wi­ckeln und zur Nut­zung anbie­ten, z.B. an der Uni­ver­si­tät Bradford.30 Gesprä­che mit dar­an Betei­lig­ten zei­gen aber, dass es nur sel­ten dazu kommt, dass die­se Inhal­te auch in die Leh­re über­nom- men werden.31 Inso­fern sind Maß­nah­men zur Ein­he- gung der aus DURC resul­tie­ren­den Gefah­ren in vie­len, wenn nicht allen, euro­päi­schen Staa­ten erforderlich.

Zur Rege­lung der hoch­gra­dig risi­ko­be­haf­te­ten aber gesetz­lich kaum defi­nier­ba­ren For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten bie­ten sich vor allem Ver­hal­tens­ko­di­zes für Wis­sen- schaft­ler an. In der Tat wur­den in den ver­gan­ge­nen Jah- ren eini­ge sol­cher Kodi­zes ent­wi­ckelt, die expli­zit die­se Pro­ble­ma­tik auf­grei­fen. Exem­pla­risch sei­en für die deut- sche For­schungs­land­schaft der Kodex der Max-Planck- Gesell­schaft, der gemein­sa­me Kodex der Deut­schen For- schungs­ge­mein­schaft und der Leo­pol­di­na und der des Robert Koch Insti­tuts genannt.32 Doch auch in ande­ren Ländern33 und von Zusam­men­schlüs­sen kom­mer­zi­el­ler Akteu­re, wie etwa der Inter­na­tio­nal Asso­cia­ti­on Syn­the- tic Biology34 wur­den Kodi­zes entwickelt.

Es wur­de bereits ange­führt, dass kom­mer­zi­el­le Ak- teu­re min­des­tens eben­so stark in bio­si­cher­heits­re­le­van­te For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten ein­ge­bun­den sind, wie aka­de­mi- sche Insti­tu­tio­nen und dar­über hin­aus auch vie­le Pro- duk­te oder Pro­duk­ti­ons­tech­ni­ken eine hohe Bio­se­cu­ri- tyre­le­vanz auf­wei­sen. Daher kann auch für die Rege­lung der Akti­vi­tä­ten die­ser Akteu­re eine Mischung aus ge- setz­li­chen Rege­lun­gen, soft law und Selbst­re­gu­lie­rung im Sin­ne einer Ver­ant­wor­tungs­kul­tur grei­fen. Initiativen

Pro­blem­be­wusst­sein zu säen. Bei­spiel­haft sei­en hier das Deut- sche Bio­si­cher­heits­pro­gramm des Aus­wär­ti­gen Amtes und das „Inter­na­tio­nal Net­work of Uni­ver­si­ties and Insti­tu­tes for Rai­sing Awa­reness on Dual-Use Con­cerns in Bio­tech­no­lo­gy“ (Pro­ject 18 in der CBRN Cen­ters of Excel­lence, Initia­ti­ve von UNICRI und der EU) genannt.

32 RKI: http://www.rki.de/EN/Content/Institute/Dual_Use/ code_of_conduct.html (29.1.2015); MPG: http://www.mpg. de/198043/Forschungsfreiheit (29.1.2015); DFG und Leo­pol­di­na: http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stel- lungnahmen/2014/dfg-leopoldina_forschungsrisiken_de_en.pdf (29.1.2015).

33 BWPP Bio­Wea­pons Moni­tor 2014: http://www.bwpp.org/docu- ments/BWM%202014%20WEB.pdf (29.1.2015).

34 www.ia-sb.eu (29.1.2015).

Jere­mi­as · Bio­si­cher­heits­re­le­van­te For­schung 5 1

52 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2015), 47–54

wie der Wies­ba­den-Pro­zess zur Umset­zung der Sicher- heits­rats­re­so­lu­ti­on 1540 (2004)35 bin­den wich­ti­ge kom- mer­zi­el­le Akteu­re ein, den­noch ist die Reich­wei­te sol- cher Initia­ti­ven bei wei­tem nicht umfas­send und blei­ben frei­wil­li­ge Selbst­ver­pflich­tun­gen ein Instru­ment, das in ers­ter Linie auf Ver­trau­en in die­se Akteu­re setzt.

Unab­hän­gig von der Art des Akteurs sto­ßen geplan­te prä­ven­ti­ve Maß­nah­men an ihre Gren­zen, wenn bei- spiels­wei­se ein Expe­ri­ment (ggf. auch trotz vor­he­ri­ger Refle­xi­on mög­li­cher aus dem Erkennt­nis­ge­winn er- wach­sen­der Risi­ken) uner­war­tet Miss­brauchs­po­ten­zia­le schafft. Für sol­che Fäl­le wird regel­mä­ßig dis­ku­tiert, ob Ein­grif­fe in die Publi­ka­ti­ons­pra­xis erfolg­ver­spre­chen­de Maß­nah­men sind. Das oben erwähn­te Mäu­se­po­ckenex- peri­ment war nicht der ers­te Fall, für den dis­ku­tiert wur- de, ob die Publi­ka­ti­on wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se ver­ant­wort­bar ist. Der Sta­ke­hol­der­dia­log, der von den For­schern initi­iert wur­de und die Aus­tra­li­sche Regie- rung, das finan­zi­ell hin­ter dem Pro­jekt ste­hen­de Unter- neh­men, die Ver­ein­ten Natio­nen und eine zivil­ge­sell- schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­on in die Debat­te ein­ge­bun­den hat­te, ist aber bei­spiel­ge­bend für einen ver­ant­wor­tungs- vol­len Umgang mit uner­war­tet pro­ble­ma­ti­schen gen- tech­ni­schen For­schungs­er­geb­nis­sen. Dies spie­gelt die Viel­schich­tig­keit der invol­vier­ten Inter­es­sen wider und mach­te das Pro­blem einer brei­te­ren Fach­öf­fent­lich­keit bewusst.

In die­sem, wie auch in spä­te­ren Fäl­len wur­den die Ergeb­nis­se letzt­lich ohne Ein­schrän­kun­gen publiziert.36 Es mag Fäl­le geben, in denen eine sol­che Publi­ka­ti- ons­pra­xis als nicht ange­bracht erscheint, aller­dings wer- den sich Erkennt­nis­se, die in öffent­li­chen Pro­jek­ten erar- bei­tet wur­den, zum einen ohne­hin nur schwer geheim hal­ten las­sen und ist zum ande­ren (wenn auch nicht an die­ser Stel­le) zu dis­ku­tie­ren, ob die Her­stel­lung öffent­li- cher Trans­pa­renz letzt­lich nicht risi­ko­är­mer ist, als eine ver­meint­lich kon­trol­lier­te Wei­ter­ga­be des Wis­sens nur an aus­ge­wähl­te Emp­fän­ger. In der Pra­xis wer­den die­se Ent­schei­dungs­pro­zes­se ohne­hin vor allem von der Durch­set­zung par­ti­ku­la­rer Inter­es­sen der Wis­sen­schaft- ler, der Ver­le­ger, die sich im Wett­be­werb mit ande­ren Zeit­schrif­ten befin­den und ande­rer Akteu­re bestimmt wer­den, so dass eine mög­li­che Inter­ven­ti­on von Bera­ter- gre­mi­en, wie dem NSABB in den USA, nicht allein die Vor­ge­hen bestim­men wird. Letzt­lich wird es sich kaum ver­mei­den las­sen, dass im Betrieb einer Risikotechnolo-

35 http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Friedens- politik/Abruestung/Projekte/141120-Industriedialog_Konf.html (29.1.2015).

36 Got­t­ron, Frank und Shea, Dana A. (2013): Publi­shing Scientific

gie auch künf­tig wei­te­re Erkennt­nis­se mit imma­nen­tem Risi­ko erlangt und ver­öf­fent­licht werden.

IV. Imple­men­tie­rung

Die Rege­lung bio­si­cher­heits­re­le­van­ter Akti­vi­tä­ten geschieht also unter schwie­ri­gen Vor­aus­set­zun­gen. Der Gegen­stand ist kom­plex: Eine ex–ante-Definition prob- lema­ti­scher For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten und die Abwä­gung von Chan­cen und Risi­ken ist nur für weni­ge, beson­ders exem­pla­ri­sche Fäl­le (s.o.) ein­deu­tig vor­zu­neh­men, in der epis­temic com­mu­ni­ty lässt sich kein stark aus­ge­präg­tes oder ver­brei­te­tes Pro­blem­be­wusst­sein erken­nen und die vie­len betei­lig­ten Akteu­re brin­gen ihre je eige­nen Inter- essen in die poli­ti­schen Pro­zes­se der Meh­re­be­nen- Gover­nan­ce ein. Am viel­ver­spre­chends­ten sind daher am ehes­ten Ansät­ze, in denen natio­na­le Gesetz­ge­bung und mul­ti­la­te­ra­le Ver­ein­ba­run­gen als erfor­der­li­che Unter­stüt­zung effek­ti­ve­rer Instru­men­te auf der Ebe­ne der Bil­dung einer „Kul­tur der Ver­ant­wor­tung“ fun­gie- ren.

Die­se Kul­tur muss so glo­bal sein, wie die Tech­no­lo­gie und ihre Risi­ken. Inso­fern ist zu fra­gen, ob nicht eine von zivil­ge­sell­schaft­lich-aka­de­mi­schen Akteu­ren orga- nisier­te „Asi­lo­mar 2.0“ Kon­fe­renz gelin­gen könn­te, die das Ziel hät­te, eine gemein­sa­me Erklä­rung zum ver­ant- wort­li­chen Umgang mit Patho­ge­nen, ihrer Erfor­schung und Pro­duk­ti­on zu ver­ab­schie­den. Auf der Asi­lo­mar Kon­fe­renz zu rekom­bi­nan­ter DNS im Jahr 1975 hat­ten Wis­sen­schaft­ler Richt­li­ni­en für einen ver­ant­wor­tungs- vol­len Umgang mit bestimm­ten gen­tech­ni­schen Metho- den ent­wi­ckelt. Ein Neben­ef­fekt war die Ver­or­tung des Risi­ko­dis­kur­ses in einer brei­te­ren Öffent­lich­keit. Akti­ve Teil­neh­mer einer Nach­fol­ge­kon­fe­renz wären die im Be- reich akti­ven aka­de­mi­schen Ein­rich­tun­gen, die natio­na- len Aka­de­mien der Wis­sen­schaf­ten, die unab­hän­gi­gen nicht-uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen, Unter- neh­men, Stif­tun­gen und Ver­la­ge; aber eben auch die Staa­ten in ihrer Dop­pel­funk­ti­on als Gesetz- und Geldge- ber. Eine sol­che Kon­fe­renz könn­te mit den jähr­li­chen Exper­ten­tref­fen zum BWÜ in Genf ver­schränkt wer­den und wäre auch die Umset­zung ent­spre­chen­der For­de- run­gen aus der BWÜ Über­prü­fungs­kon­fe­renz 2002.37 Eine Erklä­rung könn­te beto­nen, dass zur Stär­kung des völ­ker­recht­li­chen Ver­trags zum Bann bio­lo­gi­scher Waf- fen und unter Wür­di­gung der, in Umset­zung der UNSR

Papers with Poten­ti­al Secu­ri­ty Risks: Issu­es for Con­gress; in: CRS

Report for Con­gress, R 42606.
37 www.un.org/disarmament/WMD/Bio/pdf/bwccnfv17.pdf

(29.1.2015).

1540 (2004), mög­lichst effek­ti­ven natio­na­len Gesetz­ge- bun­gen Ver­bo­te bestimm­ter Akti­vi­tä­ten wohl nur in Aus­nah­me­fäl­len mög­lich sind, For­scher aber im Rah- men einer Ver­ant­wor­tungs­kul­tur im Zwei­fel auf Er- kennt­nis ver­zich­ten, wenn zu gro­ße Risi­ken pro­du­ziert würden.

Zumin­dest für die Imple­men­tie­rung von Ver­trä­gen der mul­ti­la­te­ra­len Rüs­tungs­kon­trol­le ist eine Kom­bi­na­ti- on von Maß­nah­men der eher infor­mel­len Sphä­re, wie frei­wil­li­ger Selbst­ver­pflich­tun­gen, Regu­lie­rung durch Ver­hal­tens­ko­di­zes einer­seits und gesetz­li­cher Regu­lie- rung auf natio­na­ler Ebe­ne und im inter­na­tio­na­len Kon- text ein neu­er Ansatz. Denn hier steht im Gegen­satz zu „klas­sisch“ staat­li­chem Han­deln im Regime nicht die Fra­ge nach dem Com­pli­an­ce­ver­hal­ten von Ver­trags­mit- glie­dern im Mit­tel­punkt. Ein­zel­nor­men (ins­be­son­de­re das Entwicklungs‑, Herstellungs‑, Erwerbs- und Besitz- ver­bot aus Arti­kel I und das Pro­li­fe­ra­ti­ons­ver­bot aus Ar- tikel III, aber auch das Gebot zur tech­ni­schen Koope­ra- tion aus Arti­kel X) aus dem Ver­trag könn­ten jedoch auch durch soft-law-Rege­lun­gen, wie etwa einem glo­ba­len Code of Con­duct gestärkt wer­den. Was zur bes­se­ren Im- ple­men­tie­rung des BWÜ aber auf die eine oder ande­re Wei­se gelin­gen muss, ist eine Ver­hal­tens­än­de­rung der Ver­ant­wort­li­chen, die ihre imma­nen­te Ver­ant­wor­tung reflek­tie­ren sollten.

V. Fazit

Die Rege­lung bio­si­cher­heits­re­le­van­ter For­schung in einem Rege­lungs­me­cha­nis­mus, der auf europäischer

und natio­na­ler Gesetz­ge­bung ver­an­kert ist, in zen­tra­len Punk­ten aber auch auf soft law beruht, ist eine für Rüs- tungs­kon­troll­re­gime unge­wöhn­li­che Kon­struk­ti­on. Nichts­des­to­trotz kann dies ein erfolg­ver­spre­chen­der, ja sogar ein not­wen­di­ger Weg zur Stär­kung des mul­ti­la­te- ralen Regimes zum Ver­bot bio­lo­gi­scher Waf­fen sein. Selbst wenn das insti­tu­tio­nel­le Pro­blem des Regimes gelöst wer­den soll­te und ein zwi­schen­staat­li­cher Com- pli­an­ce­me­cha­nis­mus eta­bliert wer­den könn­te, wäre die- ser ver­mut­lich kaum in der Lage in erfor­der­li­cher Wei­se mit dem beson­ders aus­ge­präg­ten dual-use-Pro­blem auf dem Feld der Bio­tech­no­lo­gie umzu­ge­hen. Prä­ven­ti­ve bio­lo­gi­sche Rüs­tungs­kon­trol­le beginnt not­wen­dig in den zivi­len aka­de­mi­schen und fir­men­ei­ge­nen Labo­ren und in den Köp­fen der dort täti­gen Wis­sen­schaft­ler. Ver­ant- wortungs­vol­les Han­deln, im Sin­ne eines mög­li­chen Ver- zichts auf for­sche­ri­sche Akti­vi­tä­ten, die zur Pro­duk­ti­on beson­ders gro­ßer und unnö­ti­ger Risi­ken füh­ren, ist eine Ver­hal­tens­wei­se, die nur begrenzt ver­ord­net wer­den kann. Ange­sichts des hohen Glo­ba­li­sie­rungs­gra­des der Bio­tech­no­lo­gie soll­te ange­strebt wer­den, die Ver­ab­re- dung eines Ver­hal­tens­ko­dex auf trans­na­tio­na­ler Ebe­ne zu koor­di­nie­ren. Die Asi­lo­mar-Kon­fe­renz von 1975 hat gezeigt, dass eine sol­che Anstren­gung gelin­gen kann.

Dr. phil. des. Gun­nar Jere­mi­as ist Lei­ter der For- schungs­stel­le Bio­lo­gi­sche Waf­fen und Rüs­tungs­kont- rol­le am Carl Fried­rich von Weiz­sä­cker Zen­trum für Natur­wis­sen­schaft und Frie­dens­for­schung an der Uni- ver­si­tät Hamburg.

Jere­mi­as · Bio­si­cher­heits­re­le­van­te For­schung 5 3

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