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Nach den bei­den ers­ten Pha­sen der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve (2006/07–2012 und 2012–2017) soll das mil­li­ar­den­schwe- re Pro­gramm zur För­de­rung der Spit­zen­for­schung in Deutsch­land in einer teil­wei­se modi­fi­zier­ten Form fort- geführt wer­den. Dies haben die Regie­rungs­chefs von Bund und Län­dern am 16. Juni 2016 auf Vor­schlag der Gemein­sa­men Wis­sen­schafts­kon­fe­renz vom 22. April 2016 beschlos­sen. Grund­la­ge ist – wie schon bei den bei- den vor­he­ri­gen Run­den – eine Ver­wal­tungs­ver­ein­ba- rung (Exzel­lenz­stra­te­gie-Ver­ein­ba­rung – ExSV1).

I. Bedeu­ten­de Ände­run­gen gegen­über der bis­he­ri­gen Exzellenz-Förderung

1. Nach­hal­tig­keit

Die bedeu­tends­te Ände­rung gegen­über den bei­den ers- ten Pha­sen besteht dar­in, dass die Exzel­lenz­in­itia­ti­ve in ihrer drit­ten Aus­ge­stal­tung nicht mehr von vorn­her­ein zeit­lich begrenzt ist.2 Mit die­ser Nach­hal­tig­keits­stel­lung der För­de­rung macht die Poli­tik von den Mög­lich­kei­ten des 2014 novel­lier­ten Art. 91b GG Gebrauch; danach ist die gemein­sa­me For­schungs­för­de­rung von Bund und Län­dern nicht mehr auf Vor­ha­ben (also zeit­lich befris­te- te Pro­jek­te) beschränkt, son­dern kann auch zeit­lich unbe­grenzt ange­legt werden.

2. För­der­struk­tur

Eben­falls von gro­ßer Bedeu­tung sind Ände­run­gen in der För­der­struk­tur: Von den bis­he­ri­gen drei För­der­li­ni­en fal­len die Gra­du­ier­ten­schu­len und damit das ein­zi­ge (auch) lehr­be­zo­ge­ne Ele­ment des Pro­gramms weg. Dies bewirkt eine noch stär­ke­re Fokus­sie­rung der För­de­rung auf die inter­na­tio­nal wahr­nehm­ba­re Spit­zen­for­schung in Deutsch­land und deckt sich mit den Emp­feh­lun­gen der Imboden-Kommission.3 Außer­dem wird die bis­her drit- te För­der­li­nie („Zukunfts­kon­zep­te“) nun auch offi­zi­ell als „Exzel­lenz­uni­ver­si­tä­ten“ bezeich­net und in ihrer För- der­sys­te­ma­tik umge­stal­tet. So folgt die GWK dem Vor- schlag der Imbo­den-Kom­mis­si­on, auf die bis­he­ri­gen For­schungs­leis­tun­gen – wie sie etwa durch Prei­se oder

  1. 1  Nicht­amt­li­che, vom Autor gewähl­te Abkür­zung. Die Ver­öf­fent- lichung des Ver­ein­ba­rungs­tex­tes durch das GWK-Büro ist dem- nächst zu erwarten.
  2. 2  Aller­dings sahen bis­her die Aus­schrei­bungs­be­din­gun­gen vor, dass die Uni­ver­si­tä­ten Ver­ste­ti­gungs­zu­sa­gen abge­ben muss­ten (ein­schließ­lich der Sitzländer).
  3. 3  End­be­richt der Inter­na­tio­na­len Exper­ten­kom­mis­si­on zur Eva­lua­ti- on der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve (IEKE) vom Janu­ar 2016, S. 39 f.; http:// www.gwk-bonn.de/fileadmin/Papers/Imboden-Bericht-2016.pdf

Dritt­mit­tel zum Aus­druck kom­men kön­nen – abzu­stel- len,4 und nutzt damit auch in die­sem Punkt die erwei­ter- ten Spiel­räu­me des neu­en Art. 91b GG durch die Los­lö- sung vom frü­he­ren Zwang der Pro­jekt­be­zo­gen­heit (§ 4 Abs. 3a ExSV). Aller­dings wird – inso­weit abwei­chend von den Kom­mis­si­ons­emp­feh­lun­gen – auf die bis­he­ri­ge Fokus­sie­rung auf die soge­nann­ten Zukunfts­kon­zep­te zum pro­jekt­be­zo­ge­nen Aus­bau der uni­ver­si­tä­ren Spit- zen­for­schung (§ 1 Abs. 1 Nr. 3 ExV II5) nicht ganz ver- zich­tet: Auch künf­tig sind neben den bis­he­ri­gen For- schungs­leis­tun­gen die Kohä­renz und Qua­li­tät eines stra- tegi­schen insti­tu­tio­nen­be­zo­ge­nen Gesamt­kon­zepts der Antrag­stel­ler maß­geb­lich (§ 4 Abs. 3b ExSV). Die För­de- rung der Exzel­lenz­clus­ter bleibt dage­gen im Wesent­li- chen unver­än­dert erhalten.

II. Eck­punk­te

1. Finan­zi­el­les Gesamtvolumen

Bund und Län­der inves­tie­ren jähr­lich rund 533 Mio. €, wovon der Bund 75 % (400 Mio. €) und die Sitz­län­der jeweils 25 % der auf sie ent­fal­len­den För­der­maß­nah­men (zusam­men 133 Mio. €) tra­gen (§ 1 Abs. 3 S. 1 ExSV). Damit bleibt das Gesamt­vo­lu­men in sei­ner Grö­ßen­ord- nung erhal­ten (vgl. 2 Abs. 1 ExV II).

2. Ent­schei­dungs­struk­tur

Im Mit­tel­punkt der Ent­schei­dungs­struk­tur steht das Exper­ten­gre­mi­um, das „aus ins­ge­samt 39 in der For- schung auf ver­schie­de­nen Wis­sen­schafts­ge­bie­ten aus­ge- wie­se­nen Exper­tin­nen und Exper­ten“ besteht. Die Mit- glie­der wer­den vom DFG-Senat und von der Wis­sen- schaft­li­chen Kom­mis­si­on des Wis­sen­schafts­ra­tes benannt (§ 2 Abs. 4a ExSV). Gemein­sam mit den Wis- sen­schafts­mi­nis­tern und ‑minis­te­rin­nen von Bund und Län­dern (die zusam­men 32 Stim­men haben) bil­det das Exper­ten­gre­mi­um unter Lei­tung des DFG-Prä­si­den­ten und des WR-Vor­sit­zen­den die Exzel­lenz­kom­mis­si­on, die dann auf der Grund­la­ge der Vor­schlä­ge und Bewer- tun­gen des Exper­ten­gre­mi­ums die abschlie­ßen­den För-

(3.6.2016).
4 End­be­richt der IEKE (Fn. 2), S. 43 f.
5 Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen Bund und Län­dern gemäß

Arti­kel 91b Abs. 1 Nr. 2 des Grund­ge­set­zes über die Fort­set­zung der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve des Bun­des und der Län­der zur För­de­rung von Wis­sen­schaft und For­schung an deut­schen Hoch­schu­len – Exzel­lenz­ver­ein­ba­rung II (ExV II) – vom 24.6.2009, BAnz Nr. 103 v. 16.7.2009, S. 2416; http://www.gwk-bonn.de/fileadmin/Papers/ Exzellenzvereinbarung-II-2009.pdf (31.5.2016).

Vol­ker M. Haug

Exzel­lenz­in­itia­ti­ve zum Dritten!

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2016, ISBN/ISSN 3–45678-222–7

188 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2016), 187–190

derent­schei­dun­gen trifft (§ 2 Abs. 4b ExSV). Damit ähnelt die Ent­schei­dungs­struk­tur stark der bis­he­ri­gen: Dort bil­de­ten die Fach­kom­mis­si­on (von der DFG benannt und für die ers­ten bei­den För­der­li­ni­en zustän- dig) und die Stra­te­gie­kom­mis­si­on (vom WR benannt und für die Zukunfts­kon­zep­te zustän­dig) zusam­men die Gemein­sa­me Kom­mis­si­on mit ins­ge­samt 39 Stim­men, die mit den Minis­te­rin­nen und Minis­tern (32 Stim­men) im Bewil­li­gungs­aus­schuss zusam­men­wirk­te (§ 4 ExV II). Somit wer­den nun DFG und WR bei der Bil­dung und Lei­tung des Exper­ten­gre­mi­ums noch stär­ker zusam- men­ge­fasst, wäh­rend sie bis­her in getrenn­ten Teil­gre­mi- en agierten.

3. Antrag­stel­lung

Zur Antrag­stel­lung sind – wie bis­her – nur Uni­ver­si­tä­ten berechtigt.6 Sie müs­sen dies aber nicht mehr allei­ne tun, son­dern kön­nen sich auch als Ver­bund meh­re­rer Uni- ver­si­tä­ten (Uni­ver­si­täts­ver­bund) – in bei­den För­der­li­ni- en – bewer­ben. Damit trägt die GWK dem zuneh­men- den Grad der fach­li­chen Ver­net­zung der Uni­ver­si­tä­ten Rech­nung, da sich bei wett­be­werb­li­chen Ver­fah­ren zuneh­mend hoch­schul­über­grei­fen­de Antrags­ver­bün­de und ‑kon­sor­ti­en eta­bliert haben. Aller­dings muss der wis­sen­schaft­li­che und struk­tu­rel­le Mehr­wert für jede ein­zel­ne betei­lig­te Uni­ver­si­tät „deut­lich erkenn­bar“ sein; auch muss die „insti­tu­tio­nell nach­hal­ti­ge stra­te­gi­sche Zusam­men­ar­beit“ in einem ver­bind­li­chen Regel­werk aus­drück­lich nie­der­ge­legt sein, womit rei­nen ad-hoc- Bünd­nis­sen eine kla­re Absa­ge erteilt wird. Sowohl Ein- zel­uni­ver­si­tä­ten als auch Uni­ver­si­täts­ver­bün­de sind zudem aus­drück­lich berech­tigt, wei­te­re Koope­ra­ti­ons- part­ner etwa aus der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schung, der Wirt­schaft oder der Gesell­schaft ein­zu­be­zie­hen (§ 1 Abs. 2 ExSV).

4. Wis­sen­schafts­ge­lei­te­tes Verfahren

Wie in den bei­den ers­ten För­der­pha­sen ist auch in der drit­ten Aus­ge­stal­tung der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve ein wis­sen- schafts­ge­lei­te­tes Ver­fah­ren vor­ge­se­hen. Dies ist zum einen in der Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung aus­drück­lich fest­ge­schrie­ben (§ 2 Abs. 7 ExSV) und ergibt sich zum ande­ren aus den Bewer­tungs­kri­te­ri­en (§§ 3 Abs. 3, 4 Abs. 3 ExSV). Eben­so kommt es in der eben geschil­der­ten Ent­schei­dungs­struk­tur zum Aus­druck: Muss­ten frü­her die Fach­kom­mis­si­on und die Stra­te­gie­kom­mis­si­on min- des­tens nur zur Hälf­te aus „Exper­tin­nen und Exper­ten mit lang­jäh­ri­ger Aus­lands­er­fah­rung“ bestehen (§ 4 Abs. 3 S. 4 ExV II), bezieht sich das Exper­ten­er­forder­nis nun

6 Dies recht­fer­tigt sich nicht nur durch die Fokus­sie­rung auf die Spit­zen­for­schung, son­dern auch durch das För­der­pro­gramm „Inno­va­ti­ve Hoch­schu­le“, das neben klei­ne­ren und mittleren

auf sämt­li­che Mit­glie­der des Exper­ten­gre­mi­ums. Wie schon bis­her hat die Fach­sei­te mit 39 Stim­men ein kla­res Über­ge­wicht gegen­über der Poli­tik mit 32 Stim­men. Wäh­rend aller­dings För­der­ent­schei­dun­gen von Exzel- lenz­clus­tern mit der ein­fa­chen Mehr­heit der Exzel­lenz- kom­mis­si­on getrof­fen wer­den kön­nen, bedarf es für die Ent­schei­dung über die poli­tisch pres­ti­ge­träch­ti­gen Exzel­lenz­uni­ver­si­tä­ten neben einer ein­fa­chen Mehr­heit im Exper­ten­gre­mi­um einer qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit von 25 (von 32) Stim­men der Poli­tik (§ 2 Abs. 5 ExSV). Letz- teres ist neu, da bis­lang die Ent­schei­dun­gen in allen För- der­li­ni­en mit ein­fa­cher Mehr­heit getrof­fen wer­den konn- ten (§ 4 Abs. 10 ExV II).

5. Zeit­plan

Bereits im Juli 2016 kon­sti­tu­iert sich das Exper­ten­gre­mi- um. Zeit­gleich erfolgt die Aus­schrei­bung für bei­de För- der­li­ni­en, wobei es zunächst nur um die For­schungs­clus- ter geht: Bis April 2017 sind die Skiz­zen ein­zu­rei­chen, über die im Sep­tem­ber ent­schie­den wird. Es fol­gen die Voll­an­trag­stel­lung bis Febru­ar 2018 und – nach der Begut­ach­tung – im Sep­tem­ber 2018 die För­der­entsch­ei- dun­gen, damit ab Dezem­ber 2018/Januar 2019 die För­de- rung erfol­gen kann. Erst danach, näm­lich im Febru­ar 2019, wer­den die Anträ­ge auf Exzel­lenz­uni­ver­si­tä­ten erwar­tet, über die im Juli 2019 ent­schie­den wird. Die­se För­de­rung läuft dann ab Novem­ber 2019.

III. För­der­li­ni­en

1. Exzel­lenz­clus­ter

Für die Exzel­lenz­clus­ter, mit denen „inter­na­tio­nal wett- bewerbs­fä­hi­ge For­schungs­fel­der“ pro­jekt­be­zo­gen geför- dert wer­den (§ 1 Abs. 1a ExSV), ste­hen jähr­lich 385 Mio. € zur Ver­fü­gung. Unter ange­mes­se­ner Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten der ein­zel­nen Fächer sol­len unter Aus­schöp­fung der Band­brei­te der För­der­hö­he 45 bis 50 För­der­fäl­le ermög­licht wer­den (§ 3 Abs. 1 S. 3 ExSV), was einen Durch­schnitts­be­trag von rund 8,5 Mio. € pro Clus- ter und Jahr bedeu­tet. Dies ent­hält eine spür­ba­re Stei­ge- rung, da nun die bis­her für die Gra­du­ier­ten­schu­len ein- gesetz­ten Mit­tel auf die bei­den ver­blei­ben­den För­der­li- nien umver­teilt wer­den. So wur­den in der zwei­ten Run­de 43 Clus­ter mit ins­ge­samt 292 Mio. jähr­lich (§ 2 Abs. 2 ExV II) geför­dert, was einem Durch­schnitts­wert von 6,8 Mio. € ent­spricht. Der För­der­be­trag umfasst (wie bis­her) eine Pro­gramm­pau­scha­le in Höhe von nun­mehr 22 % der ver­aus­gab­ten direk­ten Pro­jekt­mit­tel (§ 3 Abs. 1 S. 2 ExSV) sowie – neu – Uni­ver­si­täts­pau­scha­len zur Stär-

Uni­ver­si­tä­ten auch die Fach­hoch­schu­len beson­ders im Blick hat, vgl. https://www.bmbf.de/de/innovative-hochschule-2866.html (6.6.2016).

kung der Gover­nan­ce und stra­te­gi­schen Aus­rich­tung der ein­zel­nen Uni­ver­si­tä­ten. Die­se müs­sen geson­dert bean- tragt wer­den und betra­gen 1 Mio. € pro Jahr. Bei meh­re- ren geför­der­ten Clus­tern beim glei­chen Antrag­stel­ler beträgt die Uni­ver­si­täts­pau­scha­le dann 750.000 € für das zwei­te und 500.000 € für jedes wei­te­re Exzel­lenz­clus­ter (§ 3 Abs. 4 ExSV). War die För­de­rung der Clus­ter bis­lang zeit­lich stark limi­tiert (5 Jah­re, § 2 Abs. 5 ExV II), wird nun ein Zeit­ho­ri­zont von „grund­sätz­lich zwei­mal sie­ben Jah­ren“ eröff­net (§ 3 Abs. 6 ExSV). Das Bewer­bungs­ver- fah­ren ist für Erst­an­trag­stel­lun­gen zwei­stu­fig (Antrag- skizzen/Vollanträge) aus­ge­stal­tet; die Ent­schei­dung über die Antrag­skiz­zen liegt beim Exper­ten­gre­mi­um (§ 3 Abs. 2 ExSV).

2. Exzel­lenz­uni­ver­si­tä­ten

Die För­der­li­nie der Exzel­lenz­uni­ver­si­tä­ten dient der dau­er­haf­ten insti­tu­tio­nel­len Stär­kung und dem Aus­bau der inter­na­tio­na­len Spit­zen­stel­lung in der For­schung (§ 1 Abs. 1b ExSV). Für die För­de­rung von acht bis elf Exzel- lenz­uni­ver­si­tä­ten bzw. Ver­bün­de wer­den jähr­lich 148 Mio. € bereit­ge­stellt (§ 4 Abs. 1 S. 1, 2 ExSV). Wie bei den Fächern der Exzel­lenz­clus­ter sol­len auch hier exzel­len­te Anträ­ge klei­ner Uni­ver­si­tä­ten unter Aus­schöp­fung der Band­brei­te der För­der­hö­he ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den. Zudem sind für die För­der­be­trä­ge zwi­schen Ein­zel­uni­ver­si­tä­ten (10 – 15 Mio. € p.a.) und Uni­ver­si- täts­ver­bün­den (15 – 28 Mio. € p.a.) unter­schied­li­che Spann­brei­ten vor­ge­se­hen (§ 4 Abs. 1 S. 3 ExSV). In den Schluss­ver­hand­lun­gen auf Regie­rungs­chef-Ebe­ne wur­de auf mas­si­ves Drän­gen Ham­burgs außer­dem ver­ein­bart, nachAblaufdererstenFörderperiodeimJahr2024eine Fol­ge­aus­schrei­bung durch­zu­füh­ren. Hier kön­nen sich Neu­an­trag­stel­ler auf die bei der ers­ten Eva­lua­ti­on even- tuell frei wer­den­den Plät­ze bewer­ben. Um die von Ham- burg gefor­der­te „Dyna­mik im Sys­tem“ sicher­zu­stel­len, sol­len dann – unab­hän­gig von der Zahl even­tu­ell frei wer­den­der Plät­ze – auf jeden Fall vier wei­te­re Exzel­lenz- uni­ver­si­tä­ten gekürt werden.7 Soll­ten bei der Eva­lua­ti­on kei­ne vier Plät­ze frei wer­den, bedeu­tet das einen Anstieg jder Gesamt­zahl der Exzel­lenz­uni­ver­si­tä­ten über die Ober­gren­ze von elf hin­aus – im Extrem­fall sogar auf 15. Dies wür­de dann auch eine ent­spre­chen­de Erhö­hung des Mit­tel­rah­mens nötig machen.

Der durch­schnitt­li­che För­der­be­trag pro Exzel­len­zu- niver­si­tät und Jahr liegt – je nach Zahl der För­der­fäl­le – bei ca. 15 Mio. €, wäh­rend bei der zwei­ten Run­de der Ex-

  1. 7  Mel­dung der Deut­schen Pres­se­agen­tur vom 17.6.2016: „Drei Pro­gram­me, vie­le Mil­li­ar­den: War­mer Regen für Hoch­schu­len“ (Zusam­men­fas­sung 1300).
  2. 8  https://exzellenzkritik.wordpress.com/2016/04/27/petition-exzel- lenzkritik/ (3.6.2016).

zel­lenz­in­itia­ti­ve für elf Uni­ver­si­tä­ten 142 Mio. € (und da- mit durch­schnitt­lich jeweils knapp 13 Mio. €) zur Ver­fü- gung stan­den. Pau­scha­len sind in die­ser För­der­li­nie aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen. Um in die­ser För­der­li­nie antrags­be­rech­tigt zu sein, muss eine Uni­ver­si­tät min­des- tens zwei geför­der­te Exzel­lenz­clus­ter vor­wei­sen kön­nen; bei Uni­ver­si­täts­ver­bün­den müs­sen min­des­tens drei Clus­ter geför­dert wer­den, wobei jede betei­lig­te Uni­ver­si- tät an min­des­tens einem Clus­ter betei­ligt sein muss (§ 4 Abs. 1 ExSV). Die Aus­wahl der Exzel­lenz­uni­ver­si­tä­ten fin­det nicht mehr – wie bis­her – zeit­gleich mit den Exzel- lenz­clus­tern statt, son­dern erfolgt nun zeit­lich ver­setzt zum Ver­fah­ren über die Exzel­lenz­clus­ter in einem ein- stu­fi­gen Ver­fah­ren (Voll­an­trä­ge). Dabei ist ein „stra­te­gi- sches, insti­tu­tio­nen­be­zo­ge­nes Gesamt­kon­zept“ mit gro- bem Finan­zie­rungs­plan bis zur ers­ten Eva­lua­ti­on vor­zu- legen (§ 4 Abs. 2 ExSV). Die Eva­lua­tio­nen fin­den regel- mäßig alle sie­ben Jah­re statt. Fällt eine Exzel­lenz­uni­ver­si­tät aus der För­de­rung her­aus, erfolgt nach Aus­lau­fen der de- gres­si­ven Aus­lauf­fi­nan­zie­rung eine Neu­aus­schrei­bung durch den Wis­sen­schafts­rat (§ 6 ExSV).

IV. Bewer­tung

Die Exzel­lenz­in­itia­ti­ve hat in ihrer drit­ten Aus­ge­stal­tung neben viel Zustim­mung auch erheb­li­che Kri­tik im hoch- schul­po­li­ti­schen Raum erfah­ren. Dabei wird teil­wei­se der Grund­ge­dan­ke der Spit­zen­för­de­rung an sich ange- grif­fen, aber teil­wei­se auch die kon­kre­te Neu­aus­rich- tung. Gegen das – schon in den bei­den Vor­run­den – ver- folg­te Ziel der Fokus­sie­rung der För­de­rung auf die Spit- zen­for­schung wen­det sich bei­spiels­wei­se die Online-Peti­ti­on „Exzel­lenz­kri­tik“, die eine wei­te­re Hier- archi­sie­rung zwi­schen den Hoch­schu­len, die Ver­stär- kung des Trends zu „Pseu­do-Märk­ten im Hoch­schul­sek- tor“, die Ver­schlech­te­rung der Situa­ti­on des wis­sen­schaft­li- chen Nach­wuch­ses und die wis­sen­schafts­i­nad­äqua­te Ori­en­tie­rung an äußer­li­chen Erfolgs­in­di­ka­to­ren beklagt.8 Die HRK begrüßt dem­ge­gen­über die Fort­füh­rung der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve, kri­ti­siert aber die aus ihrer Sicht zu hohen Hür­den für die zwei­te För­der­li­nie, weil klei­ne­re Uni­ver­si­tä­ten kaum zwei Exzel­lenz­clus­ter stem­men könn­ten und damit fak­tisch vom Exzel­lenz­ti­tel aus­ge- schlos­sen wür­den; dies wür­de „der Viel­falt und Leis- tungs­fä­hig­keit der deut­schen Uni­ver­si­tä­ten nicht gerecht“.9

9 https://www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/ mel­dun­g/gwk-ent­schei­dung-zur-nach­fol­ge-der-exzel­lenz­in­itia­ti­ve- hrk-prae­si­dent-kri­ti­siert-hohe-huer­de-zur-zwei­ten-foer­der­li- nie-3944/ (3.6.2016).

Haug · Exzel­lenz­in­itia­ti­ve zum Drit­ten! 1 8 9

190 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2016), 187–190

Der Grund­ge­dan­ke der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve, die Sicht- bar­keit der deut­schen Spit­zen­for­schung im inter­na­tio­na- len Maß­stab zu stär­ken und so das Anse­hen des deut- schen Wis­sen­schafts­sys­tems im Gan­zen zu erhö­hen, hat unge­ach­tet man­cher Pro­ble­me im Detail sei­ne Berech­ti- gung. Wür­de man die Res­sour­cen gleich­mä­ßi­ger ver­tei- len, wäre die­ses Ziel aber nicht zu errei­chen. Stär­ker wiegt der Hin­weis, dass das Erfor­der­nis von zwei Exzel- lenz­clus­tern die gro­ßen Uni­ver­si­tä­ten fak­tisch stark be- güns­tigt. Zwar trägt ein Exzel­lenz­wett­be­werb struk­tu­rell die Ten­denz zu einer Bevor­zu­gung grö­ße­rer Ein­hei­ten in sich, da mehr kri­ti­sche Mas­se auch mehr Poten­ti­al für Spit­zen­leis­tun­gen gene­rie­ren kann. Umso mehr aber trägt das Exper­ten­gre­mi­um eine beson­de­re Ver­ant­wor- tung, bei sei­nen Ent­schei­dun­gen die Viel­falt der deut- schen Uni­ver­si­täts­land­schaft ange­mes­sen zu berück­sich- tigen. So ist es wich­tig, dass nicht nur weni­ge „Alibi“-Ex- zel­lenz­clus­ter klei­ne­rer Fächer bzw. aus klei­ne­ren Uni- ver­si­tä­ten geför­dert wer­den, son­dern eine hin­rei­chen­de Zahl, um dar­aus auch Zugän­ge zur zwei­ten För­der­li­nie real zu eröffnen.10

Folgt man dem geschil­der­ten Grund­ge­dan­ken der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve, ist die Nach­hal­tig­keits­stel­lung des Pro­gramms beson­ders zu begrü­ßen. Denn die bis­he­ri- gen Fünf­jah­res­in­ter­val­le haben eine lang­fris­ti­ge und ge- deih­li­che Exzel­lenz­ent­wick­lung – wie sie im inter­na­tio- nalen Maß­stab erfor­der­lich ist – min­des­tens stark er- schwert. Zwar besteht auch wei­ter­hin auf Grund der di- ver­sen Eva­lua­ti­ons­vor­be­hal­te, die zur Qua­li­täts­si­che­rung (und zur Recht­fer­ti­gung des Ein­sat­zes öffent­li­cher Mit­tel in Mil­li­ar­den­hö­he) erfor­der­lich sind, die in der For- schung immer­wäh­ren­de Gefahr des Schei­terns. Aber

durch die Ver­län­ge­rung der För­der­ab­schnit­te von fünf auf sie­ben Jah­re und durch die Wei­ter­fi­nan­zie­rungs­mög- lich­keit bestehen nun qua­li­ta­tiv ganz ande­re Per­spek­ti- ven für eine lang­fris­tig ange­leg­te For­schungs­stra­te­gie der ein­zel­nen Uni­ver­si­tä­ten. Sehr erfreu­lich ist zudem, dass das Ver­fah­ren erneut stark wis­sen­schafts­ge­lei­tet aus­ge­stal­tet ist. Auch wenn man sich in den bei­den vor- ange­gan­ge­nen För­der­run­den dar­an gewöhnt hat und für die­se Aus­ge­stal­tung auch zahl­rei­che sach­li­che Grün­de spre­chen, ist es kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich, dass die Poli­tik bei der Ver­tei­lung gro­ßer Geld­sum­men eine poli- tik­fer­ne Ver­fah­rens­ge­stal­tung zulässt. Kri­tisch beleuch- ten mag man die Abschaf­fung der För­de­rung von Gra- duier­ten­schu­len, die als Kris­tal­li­sa­ti­ons­punk­te zur Her- anbil­dung und För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach- wuch­ses eine emi­nent gro­ße Bedeu­tung für die Ent­wick­lung des For­schungs­stand­or­tes Deutsch­land ha- ben.11 Mit Blick auf das Ziel der durch Spit­zen­for­schung ver­mit­tel­ten inter­na­tio­na­len Wahr­nehm­bar­keit deut- scher Uni­ver­si­tä­ten ist die Wei­ter­ent­wick­lung des Pro- gramm­de­signs der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve aber durch­aus schlüs­sig, da die mit Gra­du­ier­ten­schu­len ver­bun­de­ne Pro­mo­ti­ons­för­de­rung stär­ker dem Bereich der Leh­re zu- zuord­nen ist12 und – jeden­falls unmit­tel­bar – wenig zur Sicht­bar­keit beiträgt.

Der Autor ist als Minis­te­ri­al­rat im Hoch­schul­dienst und Hono­rar­pro­fes­sor tätig. Er lei­tet die Abtei­lung für Rechts­wis­sen­schaft im Insti­tut für Volks­wirt­schafts­leh- re und Recht der Uni­ver­si­tät Stutt­gart. Sei­ne Arbeits- schwer­punk­te lie­gen im Partizipations‑, Hoch­schul- und Verfassungsrecht.

  1. 10  Die Imbo­den-Kom­mis­si­on spricht sich daher für ein „hin­sicht­lich Finanz­vo­lu­men und Par­ti­zi­pa­ti­ons-mög­lich­kei­ten wesent­lich fle­xi­ble­res Pro­gramm“ aus, End­be­richt der IEKE (Fn. 2), S. 40.
  2. 11  Dem trägt frei­lich auch das zeit­gleich beschlos­se­ne För­der­pro- gramm von Bund und Län­dern für den wis­sen­schaft­li­chen Nach- wuchs Rech­nung, das einen Umfang von 1 Mrd. € über 15 Jah­re hat

(vgl. https://www.bmbf.de/de/wissenschaftlicher-nachwuchs-144. html, 6.6.2016); den­noch wäre es zu begrü­ßen, wenn die DFG den Weg­fall der Gra­du­ier­ten­schu­len im Rah­men der Exzel­lenz­för­de- rung zum Anlass näh­me, eine ver­stärk­te För­de­rung beson­ders bedeut­sa­mer Gra­du­ier­ten­kol­legs in den Blick zu nehmen.

12 So auch im End­be­richt der IEKE (Fn. 2), S. 39.