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I. Ein­lei­tung

Die Zahl nicht staat­li­cher Hoch­schu­len in Deutsch­land ist in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich gewachsen.1 Nach der amt­li­chen Sta­tis­tik ste­hen von ins­ge­samt 399 Hoch­schu­len 238 Staat­li­chen Hoch­schu­len 161 aner- kann­te nicht- staat­li­che Hoch­schu­len gegenüber.2 Gemes­sen an der Zahl machen die nicht staat­li­chen Hoch­schu­len 25%, gemes­sen an den Stu­die­ren­den­zah­len dage­gen nur 5% der Gesamt­zahl aller Stu­die­ren­den aus.

Die unter­schied­li­chen Grö­ßen­ord­nun­gen nicht staat- licher gegen­über statt­li­chen Hoch­schu­len haben ihren Grund in struk­tu­rel­len Unterschieden.3 Wäh­rend Hoch- schu­len in staat­li­cher Trä­ger­schaft im Regel­fall ein brei- tes, wenn auch viel­fach fach­lich fokus­sier­tes Fächer­spek- trum auf­wei­sen, ist das Fächer­an­ge­bot nicht staat­li­cher Hoch­schu­len im Regel­fall enger aus­ge­rich­tet. Inner­halb der nicht staat­li­chen Hoch­schu­len über­wie­gen pri­va­te Fach­hoch­schu­len oder – in neu­er Ter­mi­no­lo­gie Hoch- schu­len für Ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten mit einem pra- xis-nahen berufs­feld­ori­en­tier­ten Fächer­an­ge­bot. Einen beson­de­ren Schwer­punkt bil­den dabei berufs­be­glei­ten- de oder wei­ter­bil­den­de Studiengänge.

Nicht staat­li­che Hoch­schu­len bedie­nen damit eine stei­gen­de Bil­dungs­nach­fra­ge von Stu­di­en­be­wer­bern mit einem stark berufs­ori­en­tier­ten Spek­trum von Hoch- schul­zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen. Sie fül­len eine Markt­lü- cke, die das staat­li­che Hoch­schul­sys­tem trotz sei­nes gro- ßen Wachs­tums wegen feh­len­der Res­sour­cen nicht zu bedie­nen ver­mag. Für eine Wei­ter­ent­wick­lung von Stu- dien­an­ge­bo­ten staat­li­cher Hoch­schu­len nega­tiv wirk­te sich vor allem der flä­chen­de­cken­de Weg­fall von Stu­di­en- gebüh­ren für grund­stän­di­ge und wei­ter­füh­ren­de Stu­di- engän­ge aus. Dem­ge­gen­über bot und bie­tet die mit einer Zah­lungs­be­reit­schaft der Stu­di­en­be­wer­ber ver­bun­de­ne Nach­fra­ge nach berufs­na­her Aus­bil­dung für pri­va­te Bil- dungs­an­bie­ter erheb­li­che Wachs­tums­chan­cen. Teil­wei­se tre­ten auch staat­li­che Hoch­schu­len mit eige­nen Tochter-

  1. 1  Zum Begriff und zur Klas­si­fi­ka­ti­on nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len vgl. Wis­sen­schafts­rat, Pri­va­te und kirch­li­che Hoch­schu­len aus der Sicht der insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung, 2012, abruf­bar unter http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2264–12.pdf.
  2. 2  Quel­le HRK, Hoch­schu­len in Zah­len, 2015.
  3. 3  Vgl. dazu aus­führ­lich Wis­sen­schafts­rat, Fn. 1, S. 13 ff.
  4. 4  Zuletzt BVerfGE 136, 338 ff. — MHH Han­no­ver; 127, 87 ff. –Ham­bur­gi­sches Hoch­schul­ge­setz; 111, 333 ff. – Brandenburgisches

gesell­schaf­ten. oder in Koope­ra­ti­on mit pri­va­ten Anbie- tern auf die­sem Markt auf.

Rechts­form, Orga­ni­sa­ti­on und Lei­tungs­struk­tu­ren staat­li­cher Hoch­schu­len wer­den durch ein dich­tes Regel- werk der Lan­des­hoch­schul­ge­set­ze bestimmt, die – trotz grö­ße­rer Hand­lung­spiel­räu­me in den letz­ten 15 Jah­ren – nach wie vor nur beschränk­te Hand­lungs­frei­hei­ten für eine Orga­ni­sa­ti­ons­ge­stal­tung las­sen. Mit­wir­kungs­be­fug- nis­se der Mit­glie­der in den Gre­mi­en der Hoch­schu­le wer­den neben den Hoch­schul­ge­set­zen durch die Recht- spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit­be­stimmt. Die­ses hebt in stän­di­ger Ent­schei­dungs­pra­xis zwar auf der einen Sei­te die Gestal­tungs­spiel­räu­me des Hoch- schul­ge­setz­ge­bers her­vor, for­dert auf der ande­ren Sei­te aber eine bis zur Zustim­mung gehen­de Mit­be­tei­li­gung der Grund­rechtsr­trä­ger der Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 GG) an der Bestel­lung der Lei­tungs­or­ga­ne auf zen­tra­ler und dezen­tra­ler Ebe­ne und an wis­sen­schafts­re- levan­ten Sachentscheidungen.4

Für die Orga­ni­sa­ti­on staat­lich aner­kann­ter, nicht- staat­li­cher Hoch­schu­len sehen die ein­schlä­gi­gen Geset­ze dage­gen nur all­ge­mei­ne Rah­men­vor­ga­ben vor, die die insti­tu­tio­nel­le und indi­vi­du­el­le Wis­sen­schafts­frei­heit der Hoch­schu­le und ihrer Mit­glie­der sichern sol­len und im Aner­ken­nungs­ver­fah­ren nach­zu­wei­sen sind.

Im Übri­gen wird die Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on durch die für die gewähl­te Rechts­form bestehen­den gesetz­li­chen Hand­lungs­spiel­räu­me bestimmt. Sog. Gover­nan­ce Kodi- zes haben in die­sem Zusam­men­hang kei­ne Bedeu­tung. Der Public Gover­nan­ce Kodex des jewei­li­gen Bun­des- lan­des gilt nur für Gesell­schaf­ten in staat­li­cher Trä­ger- schaft. Der Deut­sche Gover­nan­ce-Kodex gilt nur für bör­sen­no­tier­te Akti­en­ge­sell­schaf­ten, auch wenn sei­ne Beach­tung nicht kapi­tal­markt­ori­en­tier­ten Gesell­schaf- ten emp­foh­len wird.

Im Gegen­satz zu den staat­li­chen Hoch­schu­len, die – mit Aus­nah­me der Stif­tungs­uni­ver­si­tä­ten in staat­li­cher Trä­ger­schaft – Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts

Hoch­schul­ge­setz. Vgl. dazu zusam­men­fa­send H. Goe­r­lich/G. Sand- ber­ger, Hoch­schul­ver­fas­sungs­recht – Kon­ti­nui­tät oder Para­dig­men- wech­sel in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, FS für F. J. Pei­ne z. 70. Geburts­tag, 2016; Th. Wür­ten­ber­ger, Zur Ver­fas­sungs- mäßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung im Lan­des­hoch- schul­ge­setz Baden-Würt­tem­berg, OdW 2016, S. 1 ff.

Georg Sand­ber­ger

Govern­can­ce-Model­le für nicht staat­li­che Hoch­schu­len – zum Akkre­di­tie­rungs­leit­fa­den des Wissenschaftsrates

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2016, ISSN 2197–9197

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sind und damit mit­glied­schaft­lich orga­ni­siert sein müs- sen, haben nicht staat­li­che Hoch­schu­len die Wahl zwi- schen einer nicht kör­per­schaft­lich struk­tu­rier­ten Ver­fas- sung wie der pri­vat­recht­li­chen Stif­tung oder einem Per- sonen­ver­band, wie der Akti­en­ge­sell­schaft, der GmbH oder einem rechts­fä­hi­gen Ver­ein, der zwar mit­glied- schaft­lich ver­fasst ist, des­sen Mit­glie­der aber die Gesell- schaf­ter und nicht die Mit­glie­der der Hoch­schu­le sind.

Die Ver­fas­sung nicht staat­li­cher Hoch­schu­len folgt da- mit grund­le­gend ande­ren Struk­tur- und Legi­ti­ma­ti­ons- prin­zi­pi­en als die kör­per­schaft­lich ver­fass­te staat­li­che Hoch­schu­le. Wäh­rend die Lei­tung staat­li­cher Hoch­schu­len ihre per­so­nel­le Legi­ti­ma­ti­on durch Wah­len und Bes­tel- lungs­ak­te von Gre­mi­en erfährt, in denen die Grund­rechts- trä­ger der Wis­sen­schafts­frei­heit den maß­geb­li­chen Ein­fluss haben, bezie­hen die Lei­tungs­or­ga­ne in der Rechts­form des pri­va­ten Rechts ihre Legi­ti­ma­ti­on aus der Wahl durch die Gesell­schaf­ter und damit Eigen­tü­mer des Unternehmens.

Dar­aus ent­ste­hen Ziel­kon­flik­te zwi­schen den Inter­es­sen der Gesell­schaf­ter der Trä­ger­or­ga­ni­sa­ti­on und den Inte­res- sen der Leh­ren­den und Stu­die­ren­den, die vor allem im Rah­men eines auf Gewinn­erzie­lung aus­ge­rich­te­ten Unter- neh­mens­ziels nur schwie­rig in Ein­klang zu brin­gen sind.

Eben­so und noch schwie­ri­ger ist aber die gesell­schafts- recht­li­che Unter­neh­mens­ver­fas­sung mit einer auf Mit­wir- kung ihrer Mit­glie­der aus­ge­rich­te­ten Hoch­schul­ver­fas­sung in Ein­klang zu bringen.

Zuge­spitzt stellt sich die Fra­ge, ob unter der Trä­ger­or­ga­ni- sati­on einer Gesell­schaft mit ihren gesetz­lich fest­ge­leg­ten Or- ganen des Vorstands/der Geschäfts­füh­rung, dem Auf­sichts­rat und der Gesell­schaf­ter- bzw. Haupt­ver­samm­lung eine Hoch- schul­ver­fas­sung mit der von staat­li­chen Hoch­schul­or­ga­nen bekann­ten Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on abbil­den lässt.

Die hoch­schul­recht­li­chen Vor­schrif­ten über die An- erken­nung nicht staat­li­cher Hoch­schu­len las­sen die­se Fra­gen weit­ge­hend offen. Schon aus kom­pe­tenz­recht­li- chen Grün­den ent­hal­ten die gesell­schafts­recht­li­chen Re- gelun­gen dafür kei­ne Vor­ga­ben. Nur mit­tel­bar bestimmt der Rah­men der Sat­zungs­ge­stal­tungs­frei­heit die Bedin- gun­gen, Gesell­schafts­ver­fas­sung und Hoch­schul­ver­fas- sung zu einem ange­mes­se­nen Ab- und Aus­gleich zu brin­gen, der den Inter­es­sen der Gesell­schaf­ter und der Mit­glie­der der Hoch­schu­le Rech­nung trägt. Wegen der

5 Vgl. dazu Dani­el Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewähr­leis- tungs­staat, Tübin­gen 2012, S. 346 ff.; fer­ner den Sam­mel­band der Buce­ri­us Law School „Hoch­schul­stand­ort Deutsch­land – Recht- licher Rah­men – Poli­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen“ hrsg. von J.A. Käm­me­rer und P. Rawert, Bd. 2 Köln, 2003, dort die Bei­trä­ge von J.AKäm­me­rer, Regu­lie­rung staat­li­cher und pri­va­ter Hoch­schu­len, S. 119 und KSchmidt, Hoch­schu­len in Rechts­for­men des pri­va­ten Rechts, S. 105 ff; GSand­ber­ger, Hoch­schu­len in alter­na­ti­ver Rechts­form in Wis­sen­schafts­recht, Bei­heft 14: Die janus­köp­fi­ge Rechts­na­tur der Uni­ver­si­tät – ein deut­scher Irr­weg?, hrsg. von

weit­rei­chen­den Sat­zungs­au­to­no­mie (§ 45 GmbHG wird des­halb vor­zugs­wei­se als Trä­ger- Rechts­form die GmbH, auch in Form der gemein­nüt­zi­gen GmbH gewählt, wäh- rend das Akti­en­recht weit­ge­hend zwin­gen­des Orga­ni­sa- tions­recht vor­sieht (§ 23 Abs. 5 AktG).

Auch in der Hoch­schul­rechts­wis­sen­schaft wird die Fra­ge einer wis­sen­schafts­ge­rech­ten Lei­tungs­struk­tur von nicht- staat­li­chen Hoch­schu­len eher stief­müt­ter­lich behandelt.5

Das hat sei­nen Grund auch in der feh­len­den Trans­pa- renz der Lei­tungs­struk­tu­ren pri­va­ter Hochschulen.

Anders als die Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on staat­li­cher Hoch- schu­len, die aus den Hoch­schul­ge­set­zen und den der Ver­öf- fent­li­chungs­pflicht unter­lie­gen­den Grund­ord­nun­gen der Hoch­schu­le bestimmt wird, besteht – jeden­falls bei Gesell- schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung- nur eine beschränk­te Publi­zi­tät durch das Han­dels- und neu­er­dings das Unter- neh­mens­re­gis­ter, die aber nicht die Offen­le­gung des Gesell- schafts­ver­tra­ges ein­schließt. Weder gesell­schafts- noch hoch­schul­recht­lich besteht eine Offen­le­gungs­pflicht der meist in einer Grund­ord­nung gere­gel­ten Hoch­schul­ver­fas- sung, die die Rechts­qua­li­tät eines unter dem Gesell­schafts- ver­trag ein­zu­ord­nen­den Sta­tuts hat.

Ein Blick auf die Web- Auf­trit­te pri­va­ter Hoch­schu­len zeigt, dass im Regel­fall zwar die Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on, aber weder die Satzung/der Gesell­schafts­ver­trag noch das Sta­tut der Hoch­schu­le offen­ge­legt wird.

Eine Aus­nah­me bil­den nur die aus Uni­ver­si­tä­ten in staat­li­cher Trä­ger­schaft umge­wan­del­ten Stif­tungs-Uni- ver­si­tä­ten und Stif­tungs­hoch­schu­len in öffent­lich- recht- licher oder pri­va­ter Rechts­form. Hier geben die ein­schlä- gigen Errich­tungs­ge­set­ze oder Lan­des­ge­set­ze Auf­schluss über das Ver­hält­nis von Trä­ger­or­ga­ni­sa­ti­on, d.h. den Stif­tungs­or­ga­nen auf der einen und der Hoch­schul­or­ga- nisa­ti­on als einer nicht rechts­fä­hi­gen Kör­per­schaft unter dem Dach der Stif­tung. Schon aus ver­fas­sungs­recht­li- chen Grün­den Kön­nen mit dem Wech­sel der Trä­ger- rechts­form nicht die aus der Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 GG) fol­gen­den orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Gewähr- leis­tun­gen der Selbst­ver­wal­tung der Hoch­schu­le und der Par­ti­zi­pa­ti­on der Grund­rechts­trä­ger an den wis­sen- schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen der Hoch­schu­le be- sei­tigt oder beschränkt werden.

J. Heß und D. Leu­ze, 2005, S. 19–55, bes. S. 39 ff. Die sonst sehr gründ­li­che Kom­men­tie­rung zu § 70 HRG durch DLorenz in: M.E. Geis (Hrsg.), Hoch­schul­recht in Bund und Län­dern, 23. Lfg. lässt die­se Fra­ge offen. Das Hand­buch v. Hartmer/Detmer (Hrsg.), Hoch­schul­recht, 2. Aufl. 2011 ent­hält dazu kei­ne Aus­füh­run­gen. Die Gover­nan­ce pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ter For­schungs­ein­rich- tun­gen ist dem­ge­gen­über bes­ser erforscht. Dazu kürz­lich NBlum, Zur Gover­nan­ce pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ter For­schungs­ein­rich- tun­gen, OdW 2015, S. 1 ff. mwN.

Wis­sen­schafts­ge­rech­te Gover­nan­ce- Model­le nicht staat­li­cher Hoch­schu­len sind des­halb aus meh­re­ren Grün­den auf den Prüf­stand zu stel­len. Zum einen müs- sen sie ein wesent­li­ches Kri­te­ri­um für die Aner­ken­nung nicht staat­li­cher Hoch­schu­len sein. Zum ande­ren be- schränkt sich die indi­vi­du­el­le Wis­sen­schafts­frei­heit nicht auf den Gegen­stand, Inhalt und die Ver­brei­tung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis, son­dern ist eben­so auf die Gewähr­leis­tung einer wis­sen­schafts­ge­rech­ten Orga- nisa­ti­on angewiesen.

Es ist des­halb zu begrü­ßen, dass der Wis­sen­schafts­rat die­se Fra­ge zunächst in sei­nen Akkre­di­tie­rungs­leit­fa­den für die Akkre­di­tie­rung nicht staat­li­cher Hoch­schu­len auf­ge­nom­men hat und damit Rege­lungs­de­fi­zi­te staat­li- cher Regu­lie­rung kom­pen­siert. Er baut auf einem lang- jäh­ri­gen Erfah­rungs­ho­ri­zont im Rah­men der Akkre­di- tie­rung und Reak­kre­di­tie­rung nicht staat­li­cher Hoch- schu­len auf. Bei­des, die Akkre­di­tie­rungs­be­rich­te und der Leit­fa­den, bil­den des­halb zugleich eine wich­ti­ge em- piri­sche Basis für die Erfor­schung der Gover­nan­ce- Struk­tur nicht staat­li­cher Hochschulen.

Ziel der nach­fol­gen­den Unter­su­chung ist daher zum einen eine Typo­lo­gie von Lei­tungs­struk­tu­ren nicht staat- licher Hoch­schu­len (II.) , zum ande­ren die Dar­stel­lung der Leit­li­ni­en (III.) und ihrer Fun­die­rung im bestehen- den Verbands‑, Hochschul‑, und Hoch­schul­ver­fas­sungs- recht (IV.) ver­bun­den mit einer abschlie­ßen­den Wür­di- gung (V.).

II. Typo­lo­gie von Lei­tungs­struk­tu­ren nicht- staat­li- cher Hochschulen

1. Hoch­schul­recht­li­che Vorgaben

§ 70 HRG und die ihm fol­gen­den Lan­des­hoch­schul­ge- set­ze ent­hal­ten kei­ne Vor­ga­ben für die Lei­tungs­struk­tur pri­va­ter Hoch­schu­len, son­dern beschrän­ken sich auf das Pos­tu­lat, dass „ die Ange­hö­ri­gen der Ein­rich­tung an der Gestal­tung des Stu­di­ums in sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung der für staat­li­che Hoch­schu­len gel­ten­den Grund­sät­ze mit­wir­ken können“.6

Dies ist mit der indi­rek­ten Bezug­nah­me auf die Grund­sät­ze des § 4 HRG allen­falls eine ein­fach gesetz­li- che Garan­tie indi­vi­du­el­ler For­schungs- und Lehr­frei­heit, geschwei­ge denn eine Garan­tie der nicht staatlichen

  1. 6  Art. 76 Abs. 2 Nr. 7 BayHSchG; § 123 Abs.2 Nr. 7 BerlHG; § 83 Abs. 2 Nr. 7 BbgHG; § 114 Abs. 2 Nr. 7 HambHG; § 92 Abs. 2 Nr. 3 HHG; § 64 Abs. 1 S. 2 Nr. 5 NHG; § 72 Abs. 2 Nr. 8 HG NRW; § 117 Abs. 1 S. 2 Nr. 6 Hoch­SchG RPf; § 80 Abs. 2 Nr. 5 UG Saar; § 106 Abs. 1 Nr. 6 SächsHG; § 105 Abs. 1 Nr. 5 HSG LSA; § 76 Abs. 2 Nr. 8 HSG SH; § 101 Abs. 1 Nr. 6 ThürHG.
  2. 7  D. Lorenz, Fn. 5, § 70 HRG Rn. 37 m.w.N. in Fn. 85.
  3. 8  H. de Wall, Nicht­staat­li­che Hoch­schu­len in: E. Geis (Hrsg.),

Hoch­schu­le als Grund­rechts­trä­ger der Wis­sen­schafts- frei­heit und aka­de­mi­schen Selbstverwaltung.

In sei­ner Exege­se des § 70 HRG ver­neint D. Lorenz eine Ver­pflich­tung von Ver­fas­sungs wegen. Begrün­det wird dies mit feh­len­der unmit­tel­ba­rer Dritt­wir­kung des Art. 5 Abs. 3 GG, mit der Fol­ge, dass pri­va­te Hoch­schul- trä­ger im Gegen­satz zum Staat nicht zu ihrem Schutz ver­pflich­tet sind. Eben­so sei die Bestim­mung Aus­fluss „indi­vi­du­al­grund­recht­li­cher“ Wis­sen­schafts­frei­heit. Eine staat­li­che Pflicht zur „Bereit­stel­lung eines wis­sen- schafts­ad­äqua­ten Struk­tur­mo­dell des Zivil­rechts“ lehnt er in Über­ein­stim­mung mit wei­te­ren Autoren ab.7 Dage- gen soll die staat­li­che Aner­ken­nung der Hoch­schu­le von der orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Ver­wirk­li­chung der Anfor- derun­gen des Art. 5 Abs. 3 GG abhän­gen. Mit der Aner- ken­nung habe der Staat „für die Hoch­schul­qua­li­tät frei- er Hoch­schu­len einzustehen“.

Die­se Exege­se stimmt mit der über­wie­gen­den Auf- fas­sung zur Trag­wei­te der sog. „Pri­vat­hoch­schul­frei­heit“ über­ein. Danach ergibt sich aus Art. 5 Abs. 3 GG weder ein Grund­recht auf Ein­rich­tung einer pri­va­ten Hoch- schu­le noch ein aus Art. 5 Abs. 3 GG abzu­lei­ten­des Grund­recht frei­er For­schung und Leh­re gegen­über dem Hochschulträger.8 Dage­gen ist die lau­fen­de Tätig­keit der Hoch­schu­le und ihrer Mit­glie­der gegen­über staat­li­cher Ein­wir­kung gesichert.9

Umstrit­ten ist aber, ob sich aus Art. 5 Abs. 3 GG, wenn schon nicht im Wege unmit­tel­ba­rer Dritt­wir­kung, so doch aus sei­nem Cha­rak­ter als wert­ent­schei­den­de Grund­rechts­norm eine Gewähr­leis­tungs­pflicht des Trä- gers für eine wis­sen­schafts­ad­äqua­te Hoch­schul­ver­fas- sung ergibt.10 Die­ser Ansatz erweist sich aber in sei­ner Umset­zung als wenig trag­fä­hig, weil sich dar­aus allen- falls Schran­ken für eine wis­sen­schafts­frem­de Orga­ni­sa- tions­ge­stal­tung, aber kei­ne Vor­ga­be für die Aus­ge­s­tal- tung der Hoch­schul­ver­fas­sung gewin­nen lassen.

Damit las­sen sich aus Art. 5 Abs. 3 GG kei­ne Grund- sät­ze für ein wis­sen­schafts­ad­äqua­tes Orga­ni­sa­ti­ons­recht nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len, erst recht kei­ne kon­kre­ten Vor­ga­ben für sei­ne Gestal­tung ableiten.

Bejaht man aber als Fol­ge staat­li­cher Aner­ken­nung eine staat­li­che Gewähr­leis­tung der Hoch­schul­qua­li­tät nicht staat­li­cher Hoch­schu­len, kann sich dar­aus eine Pflicht des zustän­di­gen Lan­des­ge­setz­ge­bers auf wissen-

Hoch­schul­recht im Frei­staat Bay­ern, Hei­del­berg 2009, Kap. VI, S. 415 ff., S. 419 Rn. 14; G. Sand­ber­ger, Lan­des­hoch­schul­ge­setz Baden-Würt­tem­berg, Kom­men­tar, 2. Aufl., Hei­del­berg 2015, §§ 70–72 Rn. 2 m.w.N.

H. de Wall, vori­ge Fn., Rn. 14.
10 J. Käm­me­rer, Regu­lie­rung staat­li­cher und pri­va­ter Hochschulen,

Fn. 5, S. 122.

Sand­ber­ger · Gover­nan­ce-Model­le 9 7

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schafts­ad­äqua­te Vor­ga­ben für deren Orga­ni­sa­ti­ons­recht erge­ben, das sich an den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze orientiert.11

Misst man das bestehen­de Rege­lungs­werk für die Aner­ken­nung pri­va­ter Hoch­schu­len, sind jedoch weder das HRG noch die meis­ten Lan­des­ge­setz­ge­ber die­ser Auf­ga­be gerecht geworden.

Dage­gen hat der baden-würt­tem­ber­gi­sche Gesetz­ge- ber mit dem 3. HRÄG vom 1.4.2014 die bis­he­ri­gen Defi- zite durch wei­ter­ge­hen­de Vor­ga­ben an die Orga­ni­sa­ti­on nicht staat­li­cher Hoch­schu­len zur Siche­rung der Wis- sen­schafts­frei­heit beho­ben. Nach § 70 Abs. 2 Nr. 7 LHG n.F. kann die staat­li­che Aner­ken­nung als Hoch­schu­le er- teilt wer­den, wenn „die inne­re Wis­sen­schafts­frei­heit hin­rei­chend gesi­chert ist; ins­be­son­de­re muss die aka­de- mische Selbst­ver­wal­tung maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Hoch­schul­lei­tung besit- zen, und im aka­de­mi­schen Kern­be­reich muss eine auto- nome Ent­schei­dungs­bil­dung durch die aka­de­mi­schen Gre­mi­en gewähr­leis­tet sein; den Ange­hö­ri­gen der Hoch- schu­le muss das Recht gewährt wer­den, an der Ges­tal- tung des Stu­di­ums in sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung der Grund­sät­ze die­ses Geset­zes mitzuwirken“.

Damit folgt das Gesetz den in stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­wi­ckel­ten und in der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Lei­tungs- orga­ni­sa­ti­on der MHH Han­no­ver kon­kre­ti­sier­ten Grund- sät­zen für ein wis­sen­schafts­ad­äqua­tes Hochschulrecht.12

Es han­delt sich um Rah­men­vor­ga­ben, deren konk­re- te Aus­ge­stal­tung und Absi­che­rung im Gesell­schafts­ver- trag oder Grund­ord­nung der nicht­staat­li­chen Hoch- schu­le über­las­sen bleibt.

2. Typo­lo­gie der Lei­tungs­struk­tu­ren nicht staat­li­cher Hoch­schu­len – Vorbemerkung

Anders als bei den Lei­tungs­struk­tu­ren staat­li­cher Hoch- schu­len, die hin­sicht­lich ihrer Rechts­form und Orga­ni- sati­ons­ver­fas­sung trotz bestehen­der Optio­nen zwischen

  1. 11  Vgl. dazu Dani­el Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewährleistungsstaat,Fn. 5, S. 351 ff.
  2. 12  BVerfGE 136, 338 ff. ; G. Sand­ber­ger, Fn. 8, §§ 70–72 LHG, Rn. 3.
  3. 13  Vgl. O. Beh­rens, Eine „Stif­tung als Trä­ge­rin und Lei­tungs­e­le- ment einer Kör­per­schaft: Miss- und Fehl­ge­brauch recht­li­cher­In­sti­tu­tio­nen in: ders. (Hrsg.) Göt­tin­gen Stif­tungs­uni­ver­si­tät?, Göt­tin­gen 2003, S.11 ff.; v. Brüneck,Ver­fas­sungs­recht­li­che Pro­ble­me der öffent­lich-recht­li­chen Stif­tungs­hoch­schu­le WissR 36 (2002), S. 21ff.; M. Feh­ling, Hoch­schu­len in Rechts­for­men
    des öffent­li­chen Rechts, in „Hoch­schul­stand­ort Deutsch­land – Recht­li­cher Rah­men – Poli­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen“ hrsg. von J.A.Kämmerer und P. Rawert, Bd. 2 Köln, 2003, S. 83 ff.; K.F. Gär­ditz, Die nie­der­säch­si­sche Stif­tungs­hoch­schu­le vor dem Bun- des­ver­wal­tungs­ge­richt, WissR 43 (2009), S. 353 ff.; M.E. Geis, Die Ent­staat­li­chung der Hoch­schu­len: Legi­ti­ma­ti­ons­pro­ble­me von

ver­schie­de­nen Lei­tungs­mo­del­len einem Typen­zwang unter­lie­gen, sind die nicht­staat­li­chen Hoch­schu­len bei der Gestal­tung ihrer Orga­ni­sa­ti­on nach den der­zei­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen für die staat­li­che Aner­ken­nung weit­ge­hend frei. Nicht­staat­li­che Hoch­schu­len unter­lie- gen bis­her auch kei­ner Pflicht zur Offen­le­gung der Rechts­grund­la­gen ihrer Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on. Ihre Web- Auf­trit­te wei­sen zwar im Regel­fall die Grund­struk­tu­ren ihrer Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on auf, erlau­ben aber kei­nen ver­läss­li­chen Ein­blick, um dar­aus Schluss­fol­ge­run­gen über die Rechts­grund­la­gen ihrer Lei­tungs­struk­tur, über die Auf­ga­ben, die Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Lei- tungs­or­ga­ne, über das Ver­hält­nis ihrer Orga­ne, ins­be- son­de­re aber das Zusam­men­spiel zwi­schen den Gesell- schafts­or­ga­nen der Trä­ger­or­ga­ni­sa­ti­on und den Orga- nen der Hoch­schu­le zu ziehen.

3. Exkurs: Typo­lo­gie der Lei­tungs­struk­tu­ren in Trä­ger- schaft von Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts

Die feh­len­de Trans­pa­renz ihrer Struk­tu­ren unter­schei­det nicht­staat­li­che Hoch­schu­len von sog. Stif­tungs­hoch­schu- len, die ihre recht­li­che Exis­tenz ent­we­der eige­nen Errich- tungs­ge­set­zen oder Ermäch­ti­gun­gen in den Hoch­schul­ge- set­zen verdanken.

Die Gover­nan­ce-Struk­tu­ren die­ser Stif­tungs­uni­ver­si­tä- ten sind für die Beur­tei­lung der Gover­nan­ce- Struk­tu­ren nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len in mehr­fa­cher Hin­sicht von Interesse.

Zum einen haben sie, wie die Gover­nan­ce- Struk­tu- ren nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len, die Trä­ger­inter­es­sen und die von der Hoch­schu­le und ihren Mit­glie­dern re- prä­sen­tier­ten Belan­ge der Frei­heit von For­schung und Leh­re zum Aus­gleich zu brin­gen. Inso­weit sind sie auch Vor­bild für die Gestal­tung der Lei­tungs­struk­tu­ren nicht staat­li­cher Hoch­schu­len. Zum ande­ren ist Ver­fas­sungs- mäßig­keit der Struk­tu­ren der Stif­tungs­uni­ver­si­tä­ten Ge- gen­stand zahl­rei­cher rechts­wis­sen­schaft­li­cher Abhand- lungen13 und war im Fal­le der Stif­tungs­uni­ver­si­tät Göt-

Hoch­schul- und Stif­tungs­rä­ten nach der Nie­der­säch­si­schen Hoch- schul­re­form in: Carl Eugen Eber­le u.a. (Hrsg.), FS für Win­fried Brohm z. 70. Geburts­tag, 2002, S. 297 ff.; M. Heintzen/L. Kru- schwitz ( Hrsg.). die Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin als Stif­tungs­uni­ver- sität, 2002; J. Ipsen, Stif­tungs­hoch­schu­le und Hoch­schul­stif­tung. Rechts­for­men der Hoch­schu­len im Wan­del, RdJB 2003, S. 36 ff.; Dani­el Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewähr­leis­tungs- staat. S. 361 ff.; W. Löwer, Das Stif­tungs­mo­dell Uni­ver­si­tät – ein neu­er Weg? in: Wis­sen­schafts­recht, Bei­heft 14: Die janus­köp­fi­ge Rechts­na­tur der Uni­ver­si­tät – ein deut­scher Irr­weg?, hrsg. von

J. Heß und D.Leuze, 2005, S. 69 ff.; G. Sand­ber­ger, Hoch­schu­len in alter­na­ti­ver Rechts­form in Wis­sen­schafts­recht, Bei­heft 14: Die janus­köp­fi­ge Rechts­na­tur der Uni­ver­si­tät – ein deut­scher Irr­weg?, hrsg. von J. Heß und D. Leu­ze, 2005, S. 19–55, bes. S. 39 ff.

tin­gen auch Gegen­stand einer Ent­schei­dung des Bundesverwaltungsgerichts.14

Vor­rei­ter für die­se Ent­wick­lung sind die Stif­tungs- uni­ver­si­tä­ten in Nie­der­sach­sen, die Uni­ver­si­tät Via­dri­na Frankfurt/ Oder, die Johann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si- tät Frankfurt/M und jüngst die Uni­ver­si­tät Lübeck.

Gemein­sa­mes Kenn­zei­chen für die­se Orga­ni­sa­ti­ons- form ist, dass unter dem Dach der Rechts­form der öf- fent­lich recht­li­chen Stif­tung die kör­per­schaft­li­che, mit- glied­schaft­lich aus­ge­leg­te Ver­fas­sung der Hoch­schu­le er- hal­ten bleibt. Auf der Lei­tungs­ebe­ne wer­den die Lei­tung der Stif­tung und die Lei­tung der Hoch­schu­le ent­we­der zusam­men­ge­führt oder durch wech­sel­sei­ti­ge Mit­glied- schaft in den jeweils selb­stän­dig blei­ben­den Lei­tungs­or- ganen des Stif­tungs­vor­stands und des Prä­si­di­ums der Hoch­schu­le ver­knüpft. Zu den wei­te­ren Orga­nen der Stif­tung wie dem Stif­tungs­rat tre­ten die Orga­ne der Hochschule.

In der Gesetz­ge­bung der Bun­des­län­der mit Stif­tungs- uni­ver­si­tä­ten wird dabei zwi­schen dem „Trä­ger­mo­dell“ und dem „Ein­heits­mo­dell“ unterschieden.15 Pro­to­ty- pisch für das Trä­ger­mo­dell sind die nie­der­säch­si­schen Stif­tungs­uni­ver­si­tä­ten und die Stif­tungs­uni­ver­si­tät Viadrina.

Die Hoch­schu­le ver­liert bei die­ser Kon­struk­ti­on ge- gen­über Hoch­schu­len in staat­li­cher Trä­ger­schaft den Sta­tus als rechts­fä­hi­ge Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, behält aber ihren Sta­tus als Kör­per­schaft mit ei- genen Orga­nen auf zen­tra­ler und dezen­tra­ler Rol­le bei.16 Die Kom­pe­ten­zen der kol­le­gia­len Beschluss­or­ga­ne der Hoch­schu­le blei­ben unver­än­dert, wäh­rend die Kom­pe- ten­zen des Hoch­schul­rats auf den Stif­tungs­rat übergehen.17

Unter dem Dach die­ser „qua­si- kör­per­schaft­li­chen“ Ver­fas­sung der Stif­tungs­uni­ver­si­tät blei­ben die mit­glied- schaft­li­chen Mit­glieds­rech­te der Mit­glie­der­grup­pen je- den­falls in den Beschluss­or­ga­nen für aka­de­mi­sche An- gele­gen­hei­ten in der für die bis­he­ri­ge Rechts­form ge- wohn­ten Wei­se erhalten.

Pro­ty­pisch für das Ein­heits­mo­dell ist die Johann Wolf­gang Goe­the- Stif­tungs­uni­ver­si­tät, die auch das Vor­bild für die Stif­tungs­uni­ver­si­tät Lübeck ist.18

  1. 14  BVerwG 2 C 15.08 – Urteil vom 26.11.2009, BVerw­GE 138, 236 ff.
  2. 15  Vgl. Amt­li­che Begrün­dung zum Gesetz über die Stif­tungs­uni­ver-sität Lübeck, LT-Drs. 18/1724 S. 3.
  3. 16  Vgl. § 55 Abs. 2 NHG „(2) 1. Die Stif­tung unter­hält und för­dert­die Hoch­schu­le in deren Eigen­schaft als Kör­per­schaft des öffent- lichen Rechts.“; § 2 Abs. 2 Stif­tungs­ge­setz EUV: „2) Die Stif­tung unter­hält und för­dert die Uni­ver­si­tät in ihrer Eigen­schaft als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts. Dabei wahrt die Stif­tung die Selbst­ver­wal­tung der Universität“.

Im Ein­heits­mo­del ver­bin­det die Ver­fas­sung der Stif- tungs­hoch­schu­le Ele­men­te der Stif­tung als Trä­ger mit Ele­men­ten des tra­di­tio­nel­len Kör­per­schafts­mo­dells. Der Vor­stand der Stif­tung lei­tet in Per­so­nal­uni­on die Stif- tungs­hoch­schu­le. Die aka­de­mi­schen Auf­ga­ben der Stif- tungs­hoch­schu­le wer­den, wie bei den Hoch­schu­len in staat­li­chen in staat­li­cher Trä­ger­schaft, durch die zen­tra- len und dezen­tra­len Kol­le­gi­al­or­ga­ne (Senat, Fakul­täts- rat) und zen­tra­len Lei­tungs­or­ga­ne (Prä­si­di­um, Rek­to­rat) wahrgenommen.

Ziel die­ser Stif­tungs­kon­struk­ti­on ist in bei­den Vari- anten die „Ent­staat­li­chung“. Die Hoch­schu­len sol­len aus der staat­li­chen Steue­rung ent­las­sen und für Finan­zie- rung aus alter­na­ti­ven Quel­len geöff­net werden.

Die­ser Ent­staat­li­chung sind jedoch bei fort­be­stehen- der staat­li­cher Finanz­ver­ant­wor­tung ver­fas­sungs­recht­li- che Gren­zen gesetzt. Als Kon­se­quenz des Demo­kra- tie­prin­zips (Art. 20 Abs. 2 GG) bedarf staat­li­ches Han- deln auch in der Form der mit­tel­ba­ren Staats­ver­wal­tung durch rechts­fä­hi­ge Stif­tun­gen der per­so­nel­len und sach- lichen Legi­ti­ma­ti­on des Han­delns der Stif­tungs­or­ga­ne. Die­se ist nur gewahrt, wenn dem Trä­ger bei der Bes­tel- lung der Orga­ne und wesent­li­chen Sach­ent­schei­dun­gen außer­halb dem staat­li­chen Ein­griff ent­zo­ge­nen Kern­be- reichs der Frei­heit von For­schung und Leh­re ein Ein­fluss gesi­chert ist.

Die aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG fol­gen­de Ver­ant­wor- tung des Lan­des für den frei­en Wis­sen­schafts­be­trieb an den Hoch­schu­len erfor­dert eine wir­kungs­vol­le Rechts- auf­sicht über die Hochschulen.

In der Stif­tungs­uni­ver­si­tät nimmt die­se Funk­ti­on der Stif­tungs­rat wahr.19 Vor­aus­set­zung der Funk­ti­ons­fä­hig- keit die­ser Rechts­auf­sicht ist, dass die per­so­nel­le Beset- zung des Stif­tungs­rats eine wirk­sa­me Auf­sicht ermög- licht und der Stif­tungs­rat über die ent­spre­chen­den Inst- rumen­te ver­fügt, um die­se Auf­sicht wirk­sam auszuüben.

Im Fal­le der Stif­tungs­uni­ver­si­tä­ten nach nie­der­säch- sischem Recht hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die­se Vor­aus­set­zun­gen nur des­halb bejaht, weil die Stif­tung ihrer­seits der Rechts­auf­sicht des Fach­mi­nis­te­ri­ums un- ter­liegt, dem die her­kömm­li­chen Aufsichtsmaßnahmen

17 Vgl. Amt­li­che Begrün­dung zum Gesetz über die Stif­tungs­uni­ver- sität Lübeck, LT-Drs. 18/1724 S.3.

18 § 81 HessHG: „Die Johann-Wolf­gang-Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank- furt am Main ist als Hoch­schu­le des Lan­des eine rechts­fä­hi­ge Stif­tung des öffent­li­chen Rechts mit Sitz in Frank­furt am Main (Stif­tungs­uni­ver­si­tät).“

19 § 55 Abs. 4 NHG: „1. Die Stif­tung übt die Rechts­auf­sicht über die Hoch­schu­le aus. 2. Die Vor­schrif­ten des § 51 über die Rechts­auf- sicht gel­ten entsprechend.“

Sand­ber­ger · Gover­nan­ce-Model­le 9 9

100 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2016), 95–112

zur Ver­fü­gung ste­hen (§ 62 Abs. 1 NHG).20 Dies betrifft vor allem die Wahr­neh­mung der staat­li­chen Ange­le­gen- hei­ten durch die Stif­tung (§ 55 Abs. 3, § 47 Satz 2 NHG). Bei der Aus­übung der Rechts­auf­sicht über die Hoch- schu­le ist die Stif­tung an die Wei­sun­gen des Fach­mi­nis- teri­ums gebun­den (§ 62 Abs. 2 NHG). Die­se Vor­schrift ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts im Hin­blick auf Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ver­fas­sungs­kon­form dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass das Fach­mi­nis­te­ri­um nicht nur berech­tigt, son­dern ver­pflich­tet ist, die Aus- übung der Rechts­auf­sicht durch den Stif­tungs­rat inhalt- lich unein­ge­schränkt zu steu­ern. Ins­be­son­de­re müs­se das Fach­mi­nis­te­ri­um den Stif­tungs­rat bei der Auf­klä- rung mög­li­cher­wei­se auf­sichts­re­le­van­ter Vor­gän­ge und bei der Vor­be­rei­tung von Auf­sichts­maß­nah­men unter- stüt­zen. Das Wei­sungs­recht darf nicht zurück­hal­ten­der wahr­ge­nom­men wer­den als die Rechts­auf­sicht über Hoch­schu­len in der Trä­ger­schaft des Lan­des nach § 51 Abs. 1 NHG.

Der mit der Stif­tungs­kon­struk­ti­on erwar­te­te Zuge- winn an äuße­rer Auto­no­mie besteht damit vor allem in der Erlan­gung vol­ler Rechts­fä­hig­keit, der Ver­mö­gens­fä- hig­keit und Dienst­her­ren­ei­gen­schaft. Dage­gen ist die unmit­tel­ba­re Staats­auf­sicht über die Hoch­schu­le durch eine „Auf­sichts­py­ra­mi­de“ von Fach­mi­nis­te­ri­um und Stif­tungs­rat ersetzt worden.

Dem steht ein durch die Rechts­form der Stif­tung be- ding­ter Ver­lust an inne­rer Ent­schei­dungs­au­to­no­mie der Orga­ne der Hoch­schu­le gegenüber.

Die Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen der Hoch­schul­or­ga- ne in der Rechts­form der rechts­fä­hi­gen Kör­per­schaft umfas­sen dem­ge­gen­über im Rah­men der sog. Ein­heits- ver­wal­tung sowohl den Kern­be­reich des Art. 5 Abs. 3 GG, die aka­de­mi­schen Ange­le­gen­hei­ten als auch die der Fach­auf­sicht des Trä­ger­lan­des unter­lie­gen­den staat­li- chen Ange­le­gen­hei­ten der Wirt­schafts- und Personalverwaltung.

Im Schnitt­stel­len­be­reich der sog. wis­sen­schafts­re­le- van­ten Ange­le­gen­hei­ten, zu denen die Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Hoch­schul­or­ga­ne, die Auf­stel­lung und der Voll­zug des Haus­halts, Struk­tur- und Bau­an­ge­le­gen- hei­ten und die Ent­schei­dun­gen über die Auf­bau­or­ga­ni- sati­on zäh­len, bedarf es eines Abstim­mungs­ver­fah­rens, das Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en als Orga­nen der Grund- rechts­trä­ger hin­rei­chen­de Mit­ent­schei­dungs- zumin­dest Mit­wir­kungs­rech­te einräumt.

Im Stif­tungs­mo­dell ist dage­gen eine Bruch­stel­le zwi- schen der Ver­fas­sung der Stif­tung und der Verfassung

  1. 20  BVerw­GE 135, 286 ff. zur Stif­tungs­ver­fas­sung Göt­tin­gen, ins­be- son­de­re Rn. 47 ff.
  2. 21  § 55 Abs. 2 und 5 NHG.

der Hoch­schu­le ange­legt. Zu den Auf­ga­ben der Stif­tung gehört. die staat­li­chen Ange­le­gen­hei­ten als eige­ne wahr- zunehmen21, ande­rer­seits die Hoch­schu­le in deren Ei- gen­schaft als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts zu för­dern und die Selbst­ver­wal­tung der Hoch­schu­le zu wahren.22

Die­se Bruch­stel­le spie­gelt sich vor allem in der Trans- for­ma­ti­on des Hoch­schul­rats als bis­he­ri­gem Auf­sichts- organ der Hoch­schul­lei­tung und stra­te­gi­schem Organ der Hoch­schu­le zum Organ der Stif­tung wider, das vor allem für die Wah­rung der Trä­ger­be­lan­ge und Wahr­neh- mung der Auf­sichts­be­fug­nis­se des Trä­gers zustän­dig ist. Damit ver­schiebt sich die Ziel­set­zung der Auf­ga­ben des Hoch­schul­rats. Zugleich wird der Ein­fluss der Hoch- schu­le auf eine Mit­wir­kung am Bestel­lungs­akt der Hoch- schul­lei­tung durch den Trä­ger beschränkt und die per­so- nel­le Legi­ma­ti­on der Hoch­schul­lei­tung durch die Selbst- ver­wal­tung geschwächt. Ver­stärkt wird die­se Ten­denz durch das Ver­bot der Bestel­lung von Hoch­schul­mit­glie- dern zu Mit­glie­dern des Stiftungsrates.

Die Mit­glie­der des Stif­tungs­ra­tes sind vor­ran­gig zur Wah­rung der Inter­es­sen der Trä­ger-Stif­tung und nur im Rah­men der Auf­ga­ben der Stif­tung auch dem Inter­es­se der Hoch­schu­le verpflichtet.

Die beschrie­be­nen Kon­flikts­la­gen zei­gen sich sowohl im nie­der­säch­si­schen als auch im bran­den­bur­gi­schen Stif­tungs­mo­dell. Sowohl der Stif­tungs­rat nach nie­der- säch­si­schen als auch der Stif­tungs­rat nach bran­den­bur- gischem Recht neh­men mit der Auf­sicht Funk­tio­nen war, die bis­her dem Staat und nun der Stif­tung als Trä­ger der Hoch­schu­le oblie­gen. Zugleich behal­ten sie Ent- schei­dungs­zu­stän­dig­kei­ten der bis­he­ri­gen Hoch­schul­rä- te bei, die zwar außer­halb des Kern­be­reichs des Art. 5 Abs. 3 GG lie­gen, aber zu den wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ange­le­gen­hei­ten im Sin­ne der Rspr. des Bun­des­ver­fas- sungs­ge­richts gehören.

Beson­ders aus­ge­prägt ist die­ser Ein­griff in die bis­he- rige Selbst­ver­wal­tung in der Stif­tungs­uni­ver­si­tät Frank- furt am Main. In die­ser obliegt dem als Hoch­schul­rat be- zeich­ne­ten Stif­tungs­rat die Letzt­ent­schei­dung über die Grund­ord­nung oder die Ent­wick­lungs­pla­nung und da- mit über wich­ti­ge Auf­ga­ben aus dem Selbst­ver­wal­tungs- bereich. Zwar wer­den sei­ne Mit­glie­der auf Vor­schlag des Prä­si­di­ums und des Senats benannt, dür­fen der Uni­ver- sität aber nicht als Mit­glie­der ange­hö­ren und sind wei- sungs­un­ab­hän­gig. Damit ist nicht gewähr­leis­tet, dass der Hoch­schul­rat das Selbst­ver­wal­tungs­in­ter­es­se der Uni- ver­si­tät wahrnimmt.23

22 § 55 Abs. 3 NHG.
23 DKraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewährleistungsstaat,

S. 384.

Bei Hoch­schu­len in Trä­ger­schaft einer Stif­tung ist das Prä­si­di­um kraft Geset­zes zugleich Organ der Stiftung.24 Das Nie­der­säch­si­sche Hoch­schul­ge­setz vom 24. Juni 2002 hat die Befug­nis­se des Prä­si­di­ums der Hoch­schu­le erheb­lich aus­ge­wei­tet (§ 37 NHG). Sei­ne Stel­lung ist zu Las­ten des Senats erheb­lich gestärkt worden.25

Daher unter­liegt die Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Hoch­schul­lei­tung und die Aus­ge­stal­tung ihrer Kom­pe- ten­zen gegen­über den Orga­nen der Stif­tung und der Hoch­schu­le beson­de­ren Legitimationsanforderungen.

Zen­tra­les und effek­ti­ves Ein­fluss- und Kon­troll­inst- rument der wis­sen­schaft­lich Täti­gen auf die Orga­ni­sa­ti- on der Hoch­schu­le ist das Recht zur Bestel­lung und zur Abbe­ru­fung von Leitungspersonen.26 Je höher Aus­maß und Gewicht der den Lei­tungs­per­so­nen zuste­hen­den Befug­nis­se sind, des­to eher muss die Mög­lich­keit gege- ben sein, sich selbst­be­stimmt von die­sen zu trennen.27 Je mehr, je grund­le­gen­der und je sub­stan­ti­el­ler wis­sen- schafts­re­le­van­te per­so­nel­le und sach­li­che Entsch­ei- dungs­be­fug­nis­se dem kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­or- gan ent­zo­gen und einem Lei­tungs­or­gan zuge­wie­sen wer- den, des­to stär­ker muss im Gegen­zug die Mit­wir­kung des Selbst­ver­wal­tungs­or­gans an der Bestel­lung und Ab- beru­fung die­ses Lei­tungs­or­gans und an des­sen Entsch­ei- dun­gen aus­ge­stal­tet sein.28

Bei der Bestel­lung des Prä­si­di­ums einer Stif­tungs- hoch­schu­le ist wegen des­sen Dop­pel­rol­le eine gleich­be- rech­tig­te Mit­wir­kung der Stif­tungs­or­ga­ne und der Hoch- schul­or­ga­ne erforderlich.

Wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt fest­ge­stellt hat, genügt die Stif­tungs­ver­fas­sung nach nie­der­säch­si­schem Recht die­sen Anfor­de­run­gen nur bei ver­fas­sungs­kon­for- mer Aus­le­gung. Dem Prä­si­di­um gehö­ren der Prä­si­dent und die Vize­prä­si­den­ten an, deren Zahl die vom Senat erlas­se­ne Grund­ord­nung bestimmt (§ 37 Abs. 4 Satz 1 und 2, § 41 Abs. 1 Satz 2 NHG). Sie wer­den vom Stif- tungs­rat auf Vor­schlag des Senats ernannt oder bestellt (§ 60 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 NHG, § 38 Abs. 2 Satz 1, § 39 Satz 1 NHG).

„Die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung die­ser Vor­schrif- ten ergibt, dass der Stif­tungs­rat an den Vor­schlag des Senats gebun­den ist. Er muss den vom Senat vor­ge- schla­ge­nen Bewer­ber ernen­nen, wenn der Ernennung

  1. 24  § 59 Abs. 1 NHG.
  2. 25  JIpsen, Die neue nie­der­säch­si­sche Hoch­schul­ver­fas­sung – Zum­Ge­setz zur Hoch­schul­re­form in Nie­der­sach­sen vom 12.6.2002, NdsVBl. 2002, S. 257 ff. ; ders. Hoch­schu­len in Trä­ger­schaft von Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts (Ein Bei­trag Nie­der­sach­sens zur Hoch­schul­re­form?), NdsVBl. 2003, S. 1 ff.
  3. 26  BVerfG, Beschluss vom 24.6.2014, BVerfGE 136, 338 ff. Rn. 60; vgl. auch Beschluss vom 20.7.2010, a. a. O., Rn. 122 ff.

oder Bestel­lung kei­ne recht­li­chen Hin­der­nis­se ent­ge- gen­ste­hen. Wei­ter­hin setzt die Siche­rung des Ein­flus­ses des Senats vor­aus, dass die­ser nicht an den Vor­schlag der Fin­dungs­kom­mis­si­on gebun­den ist, ihn viel­mehr aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den zurück­wei­sen kann

(§ 38 Abs. 2 Satz 2 bis 5, § 39 Satz 1 NHG)“.29

Glei­ches gilt für die Abwahl des Prä­si­di­ums. „Der Se- nat kann ein Mit­glied des Prä­si­di­ums abwäh­len und da- mit dem Stif­tungs­rat die Ent­las­sung vor­schla­gen (§ 60 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1, § 40 Satz 1 NHG). Der Stif­tungs­rat muss dem Vor­schlag Fol­ge leis­ten, wie durch das gesetz- liche Erfor­der­nis einer qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit für den Abwahl­be­schluss unter­stri­chen wird. Die Bin­dung der Abwahl an eine qua­li­fi­zier­te Mehr­heit kann in Anbe- tracht der auf sechs, bei Wie­der­wahl auf acht Jah­re be- grenz­ten Amts­dau­er der Mit­glie­der des Prä­si­di­ums hin- genom­men wer­den (§ 38 Abs. 3 Satz 1, § 39 Satz 3 NHG)“.30

Die per­so­nel­le Legi­ti­ma­ti­on des Prä­si­di­ums aus der Selbst­ver­wal­tung bei der Wahl und Abwahl der Hoch- schul­lei­tung ist zwar ein not­wen­di­ger, aber kein hin­rei- chen­der Grund, die Über­tra­gung wesent­li­cher wis­sen- schafts­re­le­van­ter Zustän­dig­kei­ten vom Senat als dem Reprä­sen­ta­ti­ons­or­gan der Grund­rechts­trä­ger des Art. 5 Abs. 3 GG auf das Prä­si­di­um zu recht­fer­ti­gen. In sei­ner Ent­schei­dung zur Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on der MHH Han- nover legt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch die Anfor- derun­gen an eine ver­fas­sungs­kon­for­me Mit­entsch­ei- dung und Mit­wir­kung des Senats an wis­sen­schafts­re­le- van­ten Ent­schei­dun­gen fest.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­steht dar­un­ter „nicht nur Ent­schei­dun­gen über kon­kre­te For­schungs- vor­ha­ben oder Lehr­an­ge­bo­te, son­dern auch über die Pla­nung der wei­te­ren Ent­wick­lung einer Ein­rich­tung und über die Ord­nun­gen, die für die eige­ne Orga­ni­sa­ti- on gel­ten sol­len. Wis­sen­schafts­re­le­vant sind auch alle den Wis­sen­schafts­be­trieb prä­gen­den Ent­schei­dun­gen über die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur und den Haushalt“.31

Im Bereich der Haus­halts­an­ge­le­gen­hei­ten und bau­li- chen Ent­wick­lungs­pla­nung ver­langt das BVerfG zumin- dest eine Mit­wir­kung bei der Auf­stel­lung des Wirt- schafts­plans und der Grund­sät­ze der Mittelverteilung,32 im Bereich der Struk­tur­pla­nung und Aufbauorganisati-

27 BVerfG, Beschluss vom 24.6.2014, a. a. O., Rn. 60; vgl. auch Beschluss vom 20.7.2010, a. a. O.

28 BVerfG, Beschluss vom 24.6.2014, a. a. O., Rn. 60. 29 BVerw­GE 135, 286 ff., Rn.57.
30 BVerw­GE 135, 286 ff., Rn.58.
31 BVerfGE 136, 338 ff., 364 (Rn. 58).

32 BVerfGE 136, 338 ff., 374 (Rn. 77).

Sand­ber­ger · Gover­nan­ce-Model­le 1 0 1

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on der Hoch­schu­le eine Mit­be­stim­mung des Senats ne- ben dem Hoch­schul­rat bzw. dem Präsidium.33

Die­se Grund­sät­ze bil­den nicht nur den Maß­stab für die Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on staat­li­cher Hoch­schu­len son- dern auch für die Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on von Stif­tungs- hoch­schu­len, denen das zustän­di­ge Bun­des­land die Trä- gerschaft bis­her staat­li­cher Hoch­schu­len über­tra­gen hat.

Das Land nimmt sei­ne aus Art. 5 Abs.3 GG fort­bes­te- hen­de Gesamt­ver­ant­wor­tung zur Unter­hal­tung funk­ti­ons- fähi­ger Hoch­schu­len mit einem frei­en Wis­sen­schafts­be- trieb nicht nur dadurch wahr, dass es der Stif­tung aus Haus- halts­mit­teln die jähr­li­che Finanz­hil­fe zur Ver­fü­gung stellt, durch die es den Betrieb der Hoch­schu­le gewähr­leis­tet, son- dern hat auch die Ver­ant­wor­tung für eine wis­sen­schaftsad- äqua­te Orga­ni­sa­ti­on der Stiftungshochschule.34

An die­sen Maß­stä­ben gemes­sen sind Zustän­dig­kei- ten des Stif­tungs­rats unbe­denk­lich, soweit sie außer­halb des Bereichs der Hoch­schul­selbst­ver­wal­tung lie­gen wie ein Groß­teil der in § 8 Abs.2 StiftG- EUV genann­ten Kom­pe­ten­zen des Stif­tungs­rats der Via­dri­na oder soweit sie Funk­tio­nen anstel­le der Auf­sichts­be­fug­nis­se des Mi- nis­te­ri­ums betreffen.35 Pro­ble­ma­tisch sind dage­gen Zu- stän­dig­kei­ten des Stif­tungs­rats bei der Wahl und Abwahl der Hoch­schul­lei­tung, für Sat­zungs­an­ge­le­gen­hei­ten, Organisationsentscheidungen.36

In noch stär­ke­rem Maß nimmt der Hoch­schul­rat der Stif­tungs­uni­ver­si­tät Frank­furt am Main Auf­ga­ben aus dem Selbst­ver­wal­tungs­be­reich wahr. Nach § 86 Abs. 2 Satz 2 HessHG bedür­fen sei­ner Zustim­mung: die Grund- ord­nung nach § 84 Abs. 3, die Ent­wick­lungs­pla­nung, ein Antrag auf Abwahl der Prä­si­den­tin oder des Prä­si­den- ten. Zwar wer­den die Hoch­schul­rats­mit­glie­der auf Vor- schlag des Senats und des Prä­si­di­ums bestellt, sind aber nach § 86 Abs. 1 Satz 4 wei­sungs­un­ab­hän­gig, sodass da- mit die Wahr­neh­mung des Selbst­ver­wal­tungs­in­ter­es­ses nicht gewahrt ist.

Glei­ches gilt für die Zustän­dig­kei­ten des Stif­tungs­ra- tes der Stif­tungs­uni­ver­si­tät Lübeck, für deren Stif­tungs- orga­ni­sa­ti­on das Frank­fur­ter Modell Pate gestan­den hat.37
Im Modell der öffent­lich-recht­li­chen Stif­tung als Trä­ger von Hoch­schu­len sind Trä­ger­inter­es­sen und Inter­es­sen der Hoch­schu­len ver­fas­sungs­kon­form nur mit erheb­li- chen Abwei­chun­gen vom Leit­bild einer Stif­tung zu errei-

  1. 33  BVerfGE 136, 338 ff., 365 f. (Rn. 62).
  2. 34  BVerw­GE 135, 286 ff., Rn.42 und 43.
  3. 35  D. Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewährleistungsstaat,S.385 .
  4. 36  § 8 Abs. 2 Nr. 1, 9, 10.
  5. 37  § 8 Abs. 6 Gesetz über die Errich­tung der StiftungsuniversitätLübeck.
  6. 38  Zum Fol­gen­den vgl. Kars­ten Schmidt in: Kämmerer/Rawert

chen. Dies ist aber mög­lich, weil der Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung einer öffent­lich-recht­li­chen Stif­tung über einen weit­rei­chen­den Gestal­tungs­spiel­raum verfügt.

4. Pri­vat­recht­li­cher Hand­lungs­rah­men für pri­va­te Hochschulen

Für die Orga­ni­sa­ti­on nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len ste- hen die pri­vat­recht­li­chen Rechts­for­men der Stif­tung, des Ver­eins, der GmbH und der Akti­en­ge­sell­schaft zur Ver- fügung.

Die Wahl der Rechts­form ist zunächst davon abhän- gig, ob der Betrieb einer Hoch­schu­le ein gesetz­lich zuläs- siger Zweck und Unter­neh­mens­ge­gen­stand ist und nach der Orga­ni­sa­ti­ons­ver­fas­sung der in Aus­sicht genom­me- nen Rechts­form die Orga­ni­sa­ti­ons­ver­fas­sung einer wis- sen­schaft­li­chen Hoch­schu­le rea­li­siert wer­den kann.

Für die in Fra­ge kom­men­den Rechts­for­men gilt der Grund­satz des Nume­rus clau­sus der Gesell­schafts­for- men und – im Rah­men zwin­gen­der Vor­schrif­ten des Gläubiger‑, Gesellschafter‑, und Anle­ger­schut­zes- das Ver­bot der Typen­ver­mi­schung. Dies bedeu­tet, dass für die Hoch­schu­le pass­för­mi­ge Trä­ger­for­men nur im Rah- men der vor­han­de­nen Rechts­for­men und der für die­se gesetz­lich fest­ge­leg­te Gestal­tungs­frei­heit mög­lich sind.38

a) Pri­vat­recht­li­che Vari­an­ten von Stiftungshochschulen

Die pri­vat­recht­li­che rechts­fä­hi­ge Stif­tung (§ 80 BGB) wird in der Lite­ra­tur zwar als Trä­ger­form erör­tert. Als Trä­ger­form pri­va­ter Hoch­schu­len ist sie aber, soweit ersicht­lich, bis­her nur im Fal­le der WHU Koblenz prak- tiziert worden.

Dies hat sei­nen Grund in der Funk­ti­on einer Stif­tung bür­ger­li­chen Rechts als eine Zusam­men­fas­sung eines vom Stif­ter gewid­me­ten Ver­mö­gens zur För­de­rung eines Zwecks. Die pri­vat­recht­li­che Stif­tung hat kei­ne mit­glied- schaft­li­che Ver­bands­ver­fas­sung. Die Auf­ga­ben der Orga- ne der Stif­tung sind des­halb bei der Ver­wal­tung des Stif- tungs­ver­mö­gens auf die Ver­wirk­li­chung des Stif­tungs- zwecks gerich­tet. Die Desti­na­tä­re der Stif­tung sind nicht an der Wil­lens­bil­dung der Stif­tung betei­ligt. Die Stif­tung eig­net sich daher nach der gesetz­li­chen Typo­lo­gie zwar als Trä­ger­or­ga­ni­sa­ti­on eines Unter­neh­mens (Unter­neh- mens­trä­ger­stif­tung). Im Wis­sen­schafts­be­reich ist sie als Ein­rich­tung zur För­de­rung von Wis­sen­schaft und For-

(Hrsg.), Hoch­schul­stand­ort Deutsch­land, Buce­ri­us Law School, Schrif­ten­rei­he des Insti­tuts für Stif­tungs­recht und des Rechts der Non-Pro­fit-Orga­ni­sa­tio­nen, Bd. 2. Köln 2003, S. 105 ff.; D. Kraus­nick, Staat und Hoch­schu­le im Gewähr­leis­tungs­staat, S. 390 ff.; G. Sand­ber­ger, Hoch­schu­len in alter­na­ti­ver Rechts­form in Wis­sen­schafts­recht, Bei­heft 14: Die janus­köp­fi­ge Rechts­na­tur der Uni­ver­si­tät – ein deut­scher Irr­weg?, hrsg. von J. Heß und D. Leu­ze, 2005, S. 19–55, bes. S.39 ff.

schung gebräuch­lich. Als Trä­ger­stif­tung einer mit­glied- schaft­lich ver­fass­ten wis­sen­schaft­li­chen Hoch­schu­le ist sie jedoch nicht oder nur mit Ein­grif­fen in die gesetz­lich vor­ge- gebe­ne Stif­tungs­ver­fas­sung mög­lich, die mit dem Leit­bild der Stif­tung unver­ein­bar sind.

b) Pri­vat­recht­li­che Vereine

Pri­vat­recht­li­che Ver­ei­ne set­zen eine ideel­le Zweck­set­zung vor­aus (§ 21 BGB). In der Trä­ger­schaft eines Ver­eins kön- nen zwar auch sog. auf Ein­nah­me­er­zie­lung aus­ge­rich­te­te Zweck­be­trie­be betrie­ben wer­den. Die­se müs­sen aller­dings den ideel­len Zwe­cken die­nen und dür­fen nicht den Gegen- stand der Ver­eins­tä­tig­keit bil­den. Trotz sei­ner für eine Hoch­schul­ver­fas­sung geeig­ne­ten kör­per­schaft­li­chen Struk- tur schei­det der pri­vat­recht­li­che Ver­ein als Trä­ger einer pri- vaten Hoch­schu­le, deren Finan­zie­rung auf Stu­di­en­ge­büh- ren und Ein­nah­men aus For­schungs­tä­tig­keit ange­wie­sen ist, im Regel­fall aus.

c) Akti­en­ge­sell­schaft

Eine Akti­en­ge­sell­schaft kann zu jedem gesetz­lich erlaub- ten Zweck gegrün­det wer­den. Sie ist die geeig­ne­te Rechts­form zur Finan­zie­rung eines für den Gegen­stand ihrer Tätig­kei­ten erfor­der­li­chen gro­ßen Kapi­tal­be­darfs. Ihrer Rechts­na­tur nach ist die Akti­en­ge­sell­schaft zwar kör­per­schaft­lich orga­ni­siert. Sie ist aber ein Ver­band der Kapi­tal­eig­ner, nicht der Ange­hö­ri­gen des von ihr betrie- benen Unter­neh­mens. Deren Inter­es­sen wer­den im Rah- men der betrieb­li­chen Mit­be­stim­mung und Unter­neh- mens­mit­be­stim­mung repräsentiert.

Die Akti­en­ge­sell­schaft ist durch eine weit­ge­hend zwin­gen­de Orga­ni­sa­ti­ons­ver­fas­sung bestimmt. Ges­tal- tungs­mög­lich­kei­ten durch die Sat­zung bestehen nur in dem Rah­men, den das Gesetz aus­drück­lich zulässt (§ 23 Abs. 5 AktG). Zu den zwin­gen­den Struk­tur­ele­men­ten der AG gehört die Unab­hän­gig­keit des Vor­stands von Wei­sun- gen (§ 76 AktG), die Zusam­men­set­zung des Auf­sichts­rats (§ 96 AktG), die kla­re Funk­ti­ons­tren­nung von Vor­stand und Auf­sichts­rat (§ 111 AktG) und der Aus­schluss der Haupt­ver­samm­lung von Geschäfts­füh­rungs­ent­schei­dun- gen (§ 119 Abs. 3 AktG).

Die Kapi­tal­eig­ner kön­nen ihren Ein­fluss auf die Tä- tig­keit des Auf­sichts­rats nur durch die von ihnen ge- wähl­ten Ver­tre­ter, auf die Tätig­keit des Vor­stands nur mit­tel­bar durch Ver­wei­ge­rung der Ent­las­tung wahr­neh- men. Eine Rück­bin­dung der Bestel­lung der Orga­ne der Gesell­schaft und an deren Wil­lens­bil­dung an Dritte,

etwa die Orga­ne der Hoch­schu­le, ist aus­ge­schlos­sen. Zwar ist es zuläs­sig, dass auf die Anteils­eig­ner Bank im Auf- sichts­rat fach­kun­di­ge Ver­tre­ter der Wis­sen­schaft gewählt wer­den. Die­se sind aber bei der Wahr­neh­mung der Auf­ga- ben nicht pri­mär Inter­es­sen­ver­tre­ter der Wis­sen­schaft son- dern dem Wohl der Trä­ger- Gesell­schaft ver­pflich­tet (§§ 116, 93 Abs. 1 Satz 2 AktG) Eine mit­glied­schaft­li­che Hoch- schul­ver­fas­sung mit eige­nen Orga­nen neben den Orga­nen der Akti­en­ge­sell­schaft lässt sich daher in die­ser Rechts­form nicht oder nur mit erheb­li­chen Schwie­rig­kei­ten abbilden.

d) Monis­ti­sche SE

In der Unter­neh­mens­rechts­pra­xis gewinnt die Euro­päi­sche Gesell­schaft (SE) als Alter­na­ti­ve zur Akti­en­ge­sell­schaft zuneh- men­de Bedeu­tung. Mit wei­te­rer Ver­brei­tung ist zu rech­nen. Ihr Anwen­dungs­be­reich erstreckt sich von bör­sen­no­tier­ten Groß­un­ter­neh­men bis zu klei­ne­ren, nicht mit­be­stimm­ten Gesellschaften.

Der Vor­teil die­ser Rechts­form liegt vor allem in der durch Art. 39 ff., 43 ff. SE-VO eröff­ne­ten Opti­on zwi­schen dem Auf­sichts­rats­sys­tem (dua­lis­ti­sche Ver­fas­sung) und dem­fran­zö­si­schen­und­an­glo­ame­ri­ka­ni­schen­Board-Sys- tem (sog. monis­ti­sche Verfassung).

Vor allem die monis­ti­sche Ver­fas­sung lässt einen brei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, der von einer an das dua- lis­ti­sche Sys­tem rei­chen­den Funk­ti­ons­tren­nung von Ge- schäfts­füh­rung und Auf­sicht bis zur Kon­zen­tra­ti­on der geschäfts­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen im Ver­wal­tungs­rat reicht. In die­sem Fall kann nach Maß­ga­be des SE- Aus- füh­rungs­ge­set­zes in der Sat­zung der Gesell­schaft vor­ge- sehen wer­den, dass ein oder meh­re­re Geschäfts­füh­rer die lau­fen­de Geschäfts­füh­rung in eige­ner Ver­ant­wor- tung führt bzw. füh­ren (Art. 43 SE VO).

Im monis­ti­schen Sys­tem wer­den die Mit­glie­der des mit Geschäfts­füh­rungs- und Auf­sichts­auf­ga­ben betreu- ten Ver­wal­tungs­rats von der Haupt­ver­samm­lung be- stellt. Die Bestel­lung der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter rich­tet sich nach der für die SE maß­geb­li­chen Mit­be­stim­mungs- regelung.

Die monis­ti­sche SE lässt damit auf der Lei­tungs- und Auf- sichts­ebe­ne Raum für eine den Vor­stel­lun­gen der Anteilseig- ner ent­spre­chen­de Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on. Inso­fern ist es be- rech­tigt, von einer Annä­he­rung von monis­ti­scher SE und GmbH zu spre­chen. Wie bei der Akti­en­ge­sell­schaft kön­nen auf der Anteils­eig­ner Bank Ver­tre­ter der Wis­sen­schaft bestellt wer­den. Deren Loya­li­täts­pflicht gilt aber dem Wohl der Gesell- schaft (Art. 51 SE-VO i.V. mit § 116, 93 Abs. 1 Satz 2 AktG).

Sand­ber­ger · Gover­nan­ce-Model­le 1 0 3

104 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2016), 95–112

Im Ver­hält­nis zwi­schen der Haupt­ver­samm­lung und dem Ver­wal­tungs­rat bestehen jedoch auch bei der SE Gestal­tungs­spiel­räu­me für die Sat­zung nur in dem auch für die Akti­en­ge­sell­schaft gel­ten­den Grund­satz weit­ge- hend zwin­gen­der Zustän­dig­keits­be­schrän­kun­gen der Haupt­ver­samm­lung (Art. 52 SE, § 23 Abs. 5 AktG).

Soweit bekannt, fand die monis­ti­sche SE bis­lang als Trä­ger-Rechts­form für nicht staat­li­che Hoch­schu­len noch kei­ne Ver­wen­dung. Daher gibt es kei­ne prak­ti- schen Erfah­run­gen mit einer „Hoch­schul-SE“.

Die Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on der monis­ti­schen SE ist aber auf­grund der weit­ge­hend zwin­gend vor­ge­schrie­be­nen Ge- sell­schafts­ver­fas­sung nicht bes­ser geeig­net als die Lei­tungs- orga­ni­sa­ti­on einer Akti­en­ge­sell­schaft, die Ver­fas­sung einer Hoch­schu­le zu integrieren.

e) GmbH

Wie die AG, kann auch eine GmbH zu jedem belie­bi­gen Zweck gegrün­det wer­den. Auch die Ver­wen­dung zu gemein- nüt­zi­gen Zwe­cken mit Aus­schluss einer Gewinn­be­tei­li­gung der Gesell­schaf­ter ist mög­lich Wie die AG ist sie ein Ver­band der Kapi­tal­eig­ner. Im Gegen­satz zum AktG lässt das GmbH aber eine weit­rei­chen­de Gestal­tungs­frei­heit für die Orga­ni­sa­ti- ons­ver­fas­sung zu, ins­be­son­de­re für das Ver­hält­nis zwi­schen Geschäfts­füh­rung und Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung (§§ 37, 45 GmbHG). Für nicht der betrieb­li­chen und Unter­neh­mens­mit- bestim­mung unter­lie­gen­den Gesell­schaf­ten ist die Ein­füh­rung eines Auf­sichts­rats, die Rege­lung des­sen Zusam­men­set­zung und Auf­ga­ben optio­nal (§ 50 GmbHG).

Trotz die­ser Vor­zü­ge ist aber auch bei der GmbH die Inte- gra­ti­on einer auf mit­glied­schaft­li­che Struk­tu­ren aus­ge­rich­te­ten Hoch­schul­ver­fas­sung in die Ver­bands­ver­fas­sung mit Schwie- rig­kei­ten ver­bun­den. Die für die Ver­fas­sung staat­li­cher Hoch- schu­len gel­ten­den Grund­sät­ze der aka­de­mi­schen Selbst­ver- wal­tung kön­nen nur inner­halb des gesell­schafts­recht­li­chen Gestal­tungs­piel­raums ver­wirk­licht werden.

5. Typo­lo­gie pri­va­ter Hochschulen

Bei pri­va­ten Hoch­schu­len sind Trä­ger und Hoch­schu­le nicht iden­tisch. Dies unter­schei­det sie von staat­li­chen Hoch­schu­len als voll­rechts­fä­hi­ge Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts oder als teil­rechts­fä­hi­ge Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts und zugleich staat­li­che Einrichtungen.

Im gesell­schafts­recht­li­chen Sinn ist die Hoch­schu­le Gegen- stand des von der Gesell­schaft betrie­be­nen Unter­neh­mens. Die Hoch­schu­le ist als sol­che daher nicht rechtsfähig.

Ihre Ver­fas­sung ist ent­we­der Teil des Gesell­schafts­ver- tra­ges oder der Sat­zung der Gesell­schaft oder beruht auf ei-

39 Kars­ten Schmidt in: Kämmerer/Rawert (Hrsg.), Hoch­schuls- tand­ort Deutsch­land, Buce­ri­us Law School, Schrif­ten­rei­he des Insti­tuts für Stif­tungs­recht und des Rechts der Non-Profit-Orga-

ner gegen­über der Gesell­schaft eigen­stän­di­gen, im Rang aber unter der Gesell­schafts­sat­zung ste­hen­den Sat­zung, die in Anleh­nung an staat­li­che Hoch­schu­len viel­fach auch als Grund­ord­nung bezeich­net wird.

Kars­ten Schmidt, her­aus­ra­gen­der Ver­tre­ter des Unter- neh­mens- und Wirt­schafts­rechts und als Prä­si­dent der Bu- ceri­us Law School mit einer pri­vat­recht­lich ver­fass­ten Hochschulevertraut,hatineinerrichtungsweisendemBei- trag zum The­ma „Hoch­schu­len in Rechts­for­men des pri­va- ten Rechts“ mög­li­che Gestal­tun­gen des Ver­hält­nis­ses von Hoch­schul­trä­ger und Hoch­schu­le für die Erfas­sung der Re- alty­pen pri­va­ter Hoch­schu­len die Begrif­fe Ein­heits­mo­dell und Tren­nungs­mo­dell eingeführt.39

a) Ein­heits­mo­del­le

Beim Ein­heits­mo­dell, von Schmidt auch Kor­po­ra­ti­ons- ansatz genannt, ist das Bestre­ben, die Hoch­schul­trä­ger- ver­fas­sung und die Hoch­schul­ver­fas­sung soweit wie mög­lich zur Deckung zu bringen.

Vor­bild ist das Kor­po­ra­ti­ons­mo­dell staat­li­cher Hoch­schu- len. Äuße­res Zei­chen des Ein­heits­mo­dells ist die Inte­gra­ti- on der Hoch­schul­ver­fas­sung in den Gesell­schafts­ver­trag. Im Ein­heits­mo­dell sind des­halb die Hoch­schul­or­ga­ne Teil der Gesell­schaft. Als sol­che kön­nen sie nicht nur im Innen- ver­hält­nis, son­dern auch im Außen­ver­hält­nis aber nur tätig wer­den, wenn die Hoch­schul­lei­tung dem Ver­tre­tungs­or­gan der Gesell­schaft, also dem Vor­stand oder der Geschäfts­füh- rung der Trä­ger­ge­sell­schaft angehört.

Dem Ein­heits­mo­dell steht das Tren­nungs­mo­dell gegen- über, bei dem zwi­schen Trä­gersat­zung und Hoch­schul­sat- zung unter­schie­den wird. Das Tren­nungs­mo­dell soll sich an dem Gegen­satz von Anstalts- und Kor­po­ra­ti­ons­mo­dell öffent­lich-recht­li­cher Prä­gung ori­en­tie­ren. Vor­bild ist Dop- pel­cha­rak­ter staat­li­cher Hoch­schu­len als Kör­per­schaf­ten und zugleich Anstal­ten, in dem sich die (staat­li­chen) Trä­ge- rauf­ga­ben und Hoch­schul­auf­ga­ben widerspiegeln.

Den Real­ty­pus „Ein­heits­mo­dell“ sieht Kars­ten Schmidt in der Ver­fas­sung der Uni­ver­si­tät Wit­ten/Her- decke und der Inter­na­tio­nal Uni­ver­si­ty Bre­men, heu­te Jacobs Uni­ver­si­ty verwirklicht.40

Bei­den gemein­sam ist die Wahl der Rechts­form einer gemein­nüt­zi­gen GmbH (gGmbH). Gemein­sam sind auch die Über­tra­gungs­be­schrän­kung (Vin­ku­lie­rung) der Geschäfts­an­tei­le und das Ver­bot der ent­gelt­li­chen Ver­äu­ße­rung. Unter­schie­de bestehen aber in der Zusam- men­set­zung des Gesell­schaf­ter­krei­ses. Zwar besteht die- ser bei bei­den Gesell­schaf­ten aus natür­li­chen Per­so­nen, den Grün­dungs­in­itia­to­ren. Im Zuge der Entwicklung

nisa­tio­nen, Bd. 2. Köln 2003, S. 105 ff. 40 AaO., S. 112 ff.

sind aber auch Stif­tun­gen in den Gesell­schaf­ter­kreis eingetreten.41

Die wesent­lichs­ten Unter­schie­de zei­gen sich aber in der Gover­nan­ce- Struk­tur bei­der Universitäten.

In Wit­ten-Her­de­cke (UW) war zunächst die Gesell- schaf­ter­ver­samm­lung das obers­te Organ der Gesell- schaft und wur­de – in Abwei­chung zur gesell­schafts- recht­li­chen Ter­mi­no­lo­gie als Direk­to­ri­um bezeich­net. Wesent­li­che Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen wer­den auf Aus­schüs­se über­tra­gen. Die Hoch­schul­ver­fas­sung, auch die aka­de­mi­schen Orga­ne, waren im Gesell­schafts­ver- trag ver­an­kert. Bedingt durch die Finan­zie­rungs­kri­se der Uni­ver­si­tät wur­den aller­dings die Lei­tungs- und Ent- schei­dungs­struk­tu­ren grund­le­gend reformiert.

Ziel die­ser vom Wis­sen­schafts­rat ange­reg­ten Reform war, Trä­ger­ver­ant­wor­tung und Selbst­ver­wal­tung kla­rer von­ein­an­der zu tren­nen. Die Gesell­schaf­ter­ver­samm- lung ist nicht mehr das obers­te Lei­tungs­or­gan der Hoch- schu­le. Ihre Auf­ga­be besteht nun­mehr dar­in, Grund­satz- ent­schei­dun­gen über die Struk­tur der Hoch­schu­le zu tref­fen und deren Finan­zie­rung zu gewährleisten.

Die Zustän­dig­kei­ten der Lei­tungs­or­ga­ne und Gre­mi- en der Hoch­schu­le sind in der zum 1.10.2010 in Kraft ge- tre­te­nen Grund­ord­nung gere­gelt. Für den Erlass und die Ände­rung der Grund­ord­nung sind ein­ver­nehm­li­che Be- schlüs­se des Senats, des Auf­sichts­rats und der Gesell- schaf­ter­ver­samm­lung erforderlich.42

Zen­tra­le Orga­ne der UW/H sind das Prä­si­di­um der Präsident/die Prä­si­den­tin, der Senat und der Aufsichtsrat.

Dem Prä­si­di­um gehö­ren neben dem Präsidenten/ der Prä­si­den­tin Vize­prä­si­den­ten und der Kanzler/die Kanz­le­rin an.

Das Prä­si­di­um lei­tet die Uni­ver­si­tät. Das Außen­ver- tre­tungs­recht übt der Präsident/die Prä­si­den­tin aus. Die Wahl des Präsidenten/der Prä­si­den­tin erfolgt auf der Grund­la­ge eines gemein­sa­men Wahl­vor­schlags des Se- nats und Auf­sichts­rats mit ein­fa­cher Mehr­heit durch den Auf­sichts­rat und bedarf der Bestä­ti­gung durch den Se- nat. Die Amts­zeit beträgt vier Jahre.

Für die Wahl der oder des Vize­prä­si­den­ten gel­ten die glei­chen Ver­fah­ren. Die Zustän­dig­keit umfasst aka­de­mi- sche Angelegenheiten.

Die Wahl des Kanzlers/ der Kanz­le­rin erfolgt durch den Auf­sichts­rat nach Anhö­rung des Senats. Der Senat kann ei- gene Vor­schlä­ge vor­le­gen. Der Zustän­dig­keits­be­reich sind die Wirt­schafts- und Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten. Der Kanz- ler/die Kanz­le­rin hat ein Wider­spruchs­recht gegen Ent-

  1. 41  Vgl. Wis­sen­schafts­rat, Reak­kre­di­tie­rung der Uni­ver­si­tät Wit­ten- Her­de­cke, 2011, AIII 1.
  2. 42  § 47 Abs.1 GO UW/H.

scheidungendesPräsidiums,dieer/siefürunvereinbarmit den Grund­sät­zen der Wirt­schaft­lich­keit hält. Über den Wi- der­spruch ent­schei­det der Aufsichtsrat.

Der Senat besteht aus den Deka­nen als Amts­trä­gern und je drei Wahl­mit­glie­dern aus den Mit­glieds­grup­pen der Fakul­tä­ten, einem wei­te­ren Vertreter(in) der nicht­wis­sen- schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter und der Studierendenschaft.

Der Senat wirkt bei der Bestel­lung des Prä­si­di­ums und des Aufsichtsratsmit,hatBeschlusskompetenzenfürdieGrund- ord­nung und ande­re Sat­zun­gen sowie für Beru­fun­gen und nimmt Stel­lung zur Hochschulentwicklungsplanung.

Der Auf­sichts­rat nimmt die Trä­ger­inter­es­sen wahr. Er besteht aus 5–7 Mit­glie­dern. Der Senat hat ein Vor- schlags­recht für zwei Mit­glie­der. Die Bestel­lung erfolgt durch die Gesellschafterversammlung.

Auf­ga­be des Auf­sichts­rats ist die Bestel­lung und Über­wa­chung der Geschäfts­füh­rung, die Bera­tung des Prä­si­di­ums in stra­te­gi­scher und finanz­wirt­schaft­li­cher Hin­sicht, die Geneh­mi­gung der Grund­ord­nung und die Ein­rich­tung und Deno­mi­na­ti­on neu­er Professuren.

Mit die­sen Ände­run­gen hat die UW/H nicht nur eine Abkehr vom sog. Ein­heits­mo­dell zum Trenn­mo­dell gezo- gen son­dern sich weit­ge­hend an die Lei­tungs­struk­tur staat- licher Hoch­schu­len ange­passt. Das Ver­hält­nis zwi­schen den Orga­nen der Gesell­schaft und der Hoch­schu­le, vor al- lem zwi­schen dem Auf­sichts­rat und dem Senat ent­spricht eben­falls dem Modell staat­li­cher Hochschulen.

Die Aus­ge­stal­tung des Wahl­ver­fah­rens sichert eine dop­pel­te Legi­ti­ma­ti­on durch die Trä­ge­rin und den Senat als Selbst­ver­wal­tungs­or­gan der Hoch­schu­le. Im Schnitt- stel­len­be­reich wis­sen­schafts­re­le­van­ter Ent­schei­dun­gen wie der Orga­ni­sa­ti­on, Finanz- und Struk­tur­pla­nung ist ein wech­sel­sei­ti­ges Abstim­mungs­ver­fah­ren vorgesehen.

Als Gegen­bild ist dem­ge­gen­über die Lei­tungs­or­ga­ni­sa- tion der Jacobs Uni­ver­si­ty in Bre­men anzusehen.43 Sie ist ein Abbild der Orga­ni­sa­ti­on ame­ri­ka­ni­scher Pri­vat­uni­ver- sitä­ten mit einem Board of Trus­tees, der die Gesell­schaf­ter reprä­sen­tiert und einem Board of Gover­nors, der die Funk- tion des Auf­sichts­rats aus­übt und einem mit weit­rei­chen- den Kom­pe­ten­zen aus­ge­stat­te­ten Präsidenten.

Wie im ame­ri­ka­ni­schen Hoch­schul­sys­tem ist die Selbst- ver­wal­tung auf der zen­tra­len Ebe­ne und der Ebe­ne der Fa- kultäten/ Depart­ments gering aus­ge­prägt. Zen­tra­les aka­de- misches Organ ist die Facul­ty Assem­bly, die für die Ent- wick­lung von Cur­ri­cu­la und For­schungs­pro­gram­me zu- stän­dig ist und mit den Deans Beru­fungs­vor­schlä­ge an den Board of Gover­nors aufstellt.

43 Zusam­men­fas­sen­de Dar­stel­lung der Lei­tungs­struk­tur der Jacobs Uni­ver­si­ty in: Wis­sen­schafts­rat, Stel­lung­nah­me zur Reak­kre­di­tie- rung der Jacobs Uni­ver­si­ty Bre­men, v. 25.1.2008, Drs.8312–08.

Sand­ber­ger · Gover­nan­ce-Model­le 1 0 5

106 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2016), 95–112

Der Board of Gover­nors ist das zen­tra­le Entsch­ei- dungs­or­gan für alle grund­sätz­li­chen Fra­gen der Uni­ver- sität. Er beschließt über die Bestel­lung und Abbe­ru­fung des Geschäfts­füh­rers, der zugleich Prä­si­dent der Uni­ver- sität ist. Er besteht aus bis zu 15 Ver­tre­tern aus Wirt- schaft, Gesell­schaft und Wis­sen­schaft und wird vom Board of Trus­tees bestimmt.

Auf der Ebe­ne der Schools lie­gen die Ent­schei­dungs- zustän­dig­kei­ten beim Dean, der auf Vor­schlag des Prä­si- den­ten unter Betei­li­gung der Facul­ty vom Bord of Gover­nors ernannt werden.

Es ist des­halb erstaun­lich und mit sei­nen spä­ter for- mulier­ten Anfor­de­run­gen schwer ver­ein­bar, dass der Wis­sen­schafts­rat die­se Lei­tungs­struk­tur als „ange­mes- sen“ bezeich­net und sich mit der Emp­feh­lung begnügt hat, die Ach­tung der Wis­sen­schafts­frei­heit in die Sat- zung der Uni­ver­si­tät auf­zu­neh­men und alle Orga­ne auf deren Wah­rung ver­pflich­tet werden.44

Grund­ele­ment der beschrie­be­nen Model­le ist der Ver­such, „die aus Hoch­schu­le und Trä­ger­schaft bes­te- hen­de Hoch­schul­ver­fas­sung als Ein­heit zu kon­zi­pie­ren, die Hoch­schul­ver­fas­sung so erschöp­fend wie mög­lich in der Sat­zung der GmbH zu verankern“.45

Das ist aber, wie die Bei­spie­le zei­gen, nur mit erheb­li- chen Ein­grif­fen in das gesetz­li­che Leit­bild der GmbH mög­lich. Gleich­wohl hat die Kon­struk­ti­on den Vor­teil, dass Trä­ger­ver­fas­sung und die Kern­ele­men­te der Hoch- schul­ver­fas­sung gleich­be­rech­tigt im Gesell­schafts­ver­trag ver­an­kert sind. Die eigent­li­che Hoch­schul­sat­zung bzw. Grund­ord­nung ist – gesell­schafts­recht­lich gese­hen, eine Neben­ab­re­de, gleich­sam eine Anla­ge zum Gesell­schafts- ver­trag, die im Rang unter dem Gesell­schafts­ver­trag steht und nicht den Rege­lun­gen über die Ände­rung des Gesell­schafts­ver­trags unterliegt.

b) Tren­nungs­mo­del­le

Das Gemein­sa­me der Tren­nungs­mo­del­le „besteht in einer Domi­nanz der Hoch­schul­sat­zung und dar­in, dass die Trä­ge­rin weit davon ent­fernt die Hoch­schu­le zu sein, nur in den Dienst der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on gestellt wird“.46

Pro­to­ty­pisch für Tren­nungs­mo­del­le sind die von ei- ner rechts­fä­hi­gen Stif­tung getra­ge­ne WHU in Koblenz und die als gGmbH ver­fass­te Buce­ri­us Law School.

Die WHU Koblenz ist als rechts­fä­hi­ge Stif­tung bür- ger­li­chen Rechts mit einem Stif­tungs­ver­mö­gen und mit

  1. 44  Wis­sen­schafts­rat, vori­ge Fn., S.65; vgl. dem­ge­gen­über Wis­sen- schafts­rat, Leit­fa­den der insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung nicht- staat­li­cher Hoch­schu­len 2015, S.28/29.
  2. 45  Kars­ten Schmidt in: Kämmerer/Rawert (Hrsg.), Hoch­schul­stand- ort Deutsch­land, Buce­ri­us Law School, Schrif­ten­rei­he des Insti- tuts für Stif­tungs­recht und des Rechts der Non-Profit-Organisati-

Stif­tungs­or­ga­nen aus­ge­stat­tet. Auf­ga­be ihres Vor­stan­des ist neben der Ver­wal­tung des Stif­tungs­ver­mö­gens die Auf­sicht über die Hoch­schu­le. Stif­tungs­vor­stand und Hoch­schul­lei­tung sind per­so­nen­ver­schie­den. Rek­tor und Geschäfts­füh­rer der Hoch­schu­le kön­nen zu den Sit- zun­gen des Stif­tungs­vor­stands ein­ge­la­den werden.

Neben die­ser Stif­tungs­sat­zung besteht die Grundord- nung der Hoch­schu­le, nach der sich die Hoch­schu­le un- bescha­det der Rech­te des Trä­gers selbst ver­wal­tet. Sie ent­hält alle Grund­ele­men­te einer Hoch­schul­ver­fas­sung: Mit­glied­schaft, Mit­wir­kung, Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on, Stu- dium, Prü­fun­gen, Pro­mo­ti­on und Habi­li­ta­ti­on, Per­so­nal und Berufungen.

Auch bei der Buce­ri­us Law School sind Gesell­schafts- sat­zung und Hoch­schul­sat­zung getrennt.

Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter der „Buce­ri­us Law School Hoch­schu­le für Rechts­wis­sen­schaft gemein­nüt­zi­gen GmbH „waren die Zeit­stif­tung Ebe­lin und Gerd Buce­ri­us. Orga­ne der Gesell­schaft sind neben der Gesell­schaf­ter­ver- samm­lung der Geschäfts­füh­rer und ein Kuratorium.

§ 1 der Satzung47 bezeich­net die Buce­ri­us Law School als staat­lich aner­kann­te Hoch­schu­le in frei­er Trä­ger­schaft gem. § 114 HambHG. Nach § 4 hat die Hoch­schu­le unbe­scha­det der Rech­te der Trä­ge­rin das Recht zur Selbst­ver­wal­tung, Dazu zäh­len in einer kata­log­ar­ti­gen Zusam­men­fas­sung ins- beson­de­re die Aus­bil­dung die Hoch­schul­prü­fun­gen, die Pro­mo­ti­on, Habi­li­ta­ti­on, die Beru­fun­gen, die Rege­lung der zur Mit­glied­schaft gehö­ren­den Rech­te und Pflich­ten, Mit- wir­kung an der Haus­halts­pla­nung, die Bewirt­schaf­tung der zuge­wie­se­nen Stel­len und Mit­tel sowie die Eva­lua­ti­on von Leh­re und Forschung.

§ 5 der Sat­zung gewähr­leis­tet den mit selb­stän­di­gen Auf­gä­ben der Leh­re und For­schung betrau­ten Ange­hö­ri­gen der Hoch­schu­le die Frei­heit von Leh­re und Forschung.

Die Hoch­schu­le hat eige­ne Orga­ne: den Präsidenten/ die Prä­si­den­tin, deren Stell­ver­tre­ter und den Geschäfts­füh- rerunddenSenatalsOrganderSelbstverwaltung.

Der Prä­si­dent wird auf Vor­schlag des Senats vom Kura- tori­um bestellt.

Der Geschäfts­füh­rer der Law School ist zugleich Ge- schäfts­füh­rer der Trä­ger­ge­sell­schaft. Er wird von die­ser be- stellt, vor sei­ner Bestel­lung ist der Senat zu unterrichten.

In der Funk­ti­on des Geschäfts­füh­rers sind Trä­ger und Hoch­schu­le in der Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on ver­bun­den. In den Ablauf­pro­zes­sen der Ent­schei­dun­gen von Trä­ger- und Hoch­schul­or­ga­nen bestehen wei­te­re Verzahnungen.

onen, Bd. 2. Köln 2003, S. 105 ff., 113.
46 Kars­ten Schmidt, vori­ge Fn., S. 113.
47 Abruf­bar unter: http://www.law-school.de/fileadmin/content/

lawschool.de/de/pdf/publications/Hochschulsatzung_12112014. pdf.

c) Bewer­tung

Die Begrif­fe Ein­heits­mo­dell und Tren­nungs­mo­dell ver­lei- ten dazu, das Ziel der Ver­fas­sung einer pri­va­ten Hoch­schu- le aus den Augen zu ver­lie­ren: Die ange­mes­se­ne Balan­ce der Trä­ger­inter­es­sen und einer wis­sen­schafts­ad­äqua­ten, d.h. auf Selbst­ver­wal­tung aus­ge­leg­ten Hoch­schul­ver­fas- sung. Das Trä­ger­inter­es­se wird dabei von dem Unter­neh- mens­ge­gen­stand, dem Betrieb einer wis­sen­schaft­li­chen Hoch­schu­le bestimmt. Von daher ergibt sich für die Ges­tal- tung der Orga­ni­sa­ti­on die Auf­ga­be, in den Sta­tu­ten im Rah- men der gesell­schafts­recht­li­chen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten eine nach außen und innen hand­lungs­fä­hi­ge Orga­ni­sa­ti­on zu schaf­fen, die zum einen die indi­vi­du­el­le Lehr- und For- schungs­frei­heit, zum ande­ren die Mit­wir­kung der Hoch- schul­mit­glie­der nach dem Grad ihrer Ver­ant­wor­tung an wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen zu gewährleisten.

An die­sen Anfor­de­run­gen gemes­sen erscheint eine abs­trak­te Debat­te über die Vor­zü­ge und Nach­tei­le des Ein­heits­mo­dells wenig zielführend.

Es ist vor allem frag­lich, mit dem Ein­heits­mo­dell die Fest­stel­lung zu ver­bin­den, dass die Trä­ge­rin „eine Uni- ver­si­tät ist“, aber dem Tren­nungs­mo­dell das Attri­but zu ver­lei­hen, dass die Trä­ge­rin „ eine Uni­ver­si­tät hat“.48

In der pri­vat­recht­li­chen Rechts­form des Trä­gers, sei es eine Stif­tung, Akti­en­ge­sell­schaft oder GmbH ste­hen sich zwei Ord­nungs­prin­zi­pi­en gegen­über: auf der einen Sei­te die als Ver­mö­gens­or­ga­ni­sa­ti­on oder Ver­bands­or­ga- nisa­ti­on der Anteils­eig­ner ange­leg­te Trä­ger­ver­fas­sung, auf der ande­ren Sei­te die als Kör­per­schaft ver­fass­te, auf Selbst­ver­wal­tung ange­leg­te Hochschulverfassung.

Sowohl im Ein­heits­mo­dell als auch im Trenn­mo­dell ist ihre Ver­bin­dung nur mit erheb­li­chen Ein­grif­fen in die Stif­tungs­ver­fas­sung oder Gesell­schafts­ver­fas­sung erfor- der­lich, aber auch möglich.

Beim Ein­heits­mo­dell besteht die­ser Ein­griff dar­in, dass die Hoch­schul­ver­fas­sung in der Stif­tungs­sat­zung oder Gesell­schafts­sat­zung abge­bil­det und auf der Lei- tungs­ebe­ne der Stif­tung oder Gesell­schaft zusam­men­ge- führt, im Übri­gen durch Abstim­mungs­pro­zes­se zwi- schen den Gesell­schafts- und Hoch­schul­or­ga­nen koor- diniert wird.

  1. 48  So die Zuspit­zung bei Kars­ten Schmidt, Fn. 43., S. 115.
  2. 49  Wis­sen­schafts­rat, Leit­fa­den zur insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rungpri­va­ter Hoch­schu­len, 2014, S. 74 ff., 76 ff., Fn. 142 und 143.
  3. 50  Stel­lung­nah­me zur Akkre­di­tie­rung der (Promotionsrecht)Frankfurt School of Finan­ce & Manage­ment, Frank­furt a. M., Drs. 4887–15, 2015, S. 22 ff. Stel­lung­nah­me zur Reak­kre­di­tie- rung der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell, Drs. 785–15, 2015, S. 27 ff. unter A II.; Stel­lung­nah­me zur Reak­kre­di­tie­rung der Media Design Hoch­schu­le Ber­lin, Drs.7877–15, 2015, S.27 ff. unter A.II; Stel­lung­nah­me zur Reak­kre­di­tie­rung der nta

Das Tren­nungs­mo­dell unter­schei­det sich, wie dar­ge- stellt, vom Ein­heits­mo­dell dar­in, dass die Gesell­schafts- sat­zung und Hoch­schul­sat­zung als selb­stän­di­ge, aber doch ver­knüpf­te Regel­wer­ke aus­ge­stal­tet sind.

Dies hat den Vor­teil, dass auf der einen Sei­te der Ge- sell­schafts­ver­trag von Struk­tu­ren frei­ge­hal­ten wird, die dem gesetz­li­chen Leit­bild wider­spre­chen, dass auf der ande­ren Sei­te die Hoch­schul­ver­fas­sung ent­spre­chend den Anfor­de­run­gen an die aka­de­mi­sche Selbst­ver­wal- tung gestal­tet wer­den kann.

Im Trenn­mo­dell ist die Hoch­schu­le- wie bei der Hoch­schul­ver­fas­sung der Stif­tungs­hoch­schu­len in Nie- der­sach­sen, Frankfurt/Main, Via­dri­na und Lübeck zwar als rea­ler Ver­band, aber nicht als rechts­fä­hi­ge Kör­per- schaft verfasst.

Zur Siche­rung vol­ler Hand­lungs­fä­hig­keit der Hoch- schu­le muss daher auch beim Trenn­mo­dell die Lei­tungs- ebe­ne per­so­nell ver­knüpft und müs­sen Ent­schei­dun­gen von Gesell­schafts- und Hoch­schul­or­ga­nen durch Ab- stim­mungs­ver­fah­ren fest­ge­legt wer­den, die sowohl in der Gesell­schafts­sat­zung wie in der Grund­ord­nung der Hoch­schu­le ver­an­kert werden.

Die­se Ver­knüp­fung soll­te nicht nur auf der Ebe­ne der kauf­män­ni­schen Geschäfts­füh­rung, son­dern auch in der Per­son des Präsidenten/ Rek­tors oder der Präsidentin/ Rek­to­rin gewähr­leis­tet sein.

Des­halb erscheint es über­spitzt, hin­ter dem Ein­heits- oder Tren­nungs­mo­dell unter­schied­li­che Phi­lo­so­phien für eine Orga­ni­sa­ti­on pri­va­ter Hoch­schu­len zu vermuten.

Bei­de Model­le sind unter­schied­li­che, im Ein­zel­fall auf einen ange­mes­se­nen Aus­gleich aus­zu­rich­ten­de Wege, Ge- sell­schafts- und Hoch­schul­ver­fas­sung, Trä­ger- und Hoch- schul­in­ter­es­sen zum Aus­gleich zu bringen.

III. Kri­te­ri­en des Wissenschaftsrats

In sei­nem Leit­fa­den zur insti­tu­tio­nel­len Akkre­di­tie­rung hat der Wis­sen­schafts­rat auch Prü­fungs­kri­te­ri­en zum Prüf­be­reich“ Lei­tungs­struk­tur, Orga­ni­sa­ti­on und Ver- wal­tung aufgestellt.49 Er lässt dort, vor allem aber in den nach­fol­gen­den Akkre­di­tie­rungs- und Reak­kre­di­tie- rungs­ver­fah­ren ein­zel­ner Hochschulen,50 eine gewisse

Hoch­schu­le Isny, Drs.7881–2015, S. 23 ff. unter A.II und S.38 ff. unter B.II; Stel­lung­nah­me zur Reak­kre­di­tie­rung der Hoch­schu­le der Wirt­schaft für Manage­ment, Drs. 4885–15, 2015, S. 23 ff., unter A.II; 35 ff. unter B II; Stel­lung­nah­me zur Reak­kre­di­tie­rung der Munich Busi­ness School, Drs.4883–15, 2015 S. 22 unter A.II und S. 37 ff. unter B.II.; Stel­lung­nah­me zur Reak­kre­di­tie­rung der acca­dis Hoch­schu­le Bad-Hom­burg, Drs. 7879–15, 2015, S. 24 ff. unter A.II, S. 35 ff. unter B.II; Stel­lung­nah­me zur Akkre­di­tie­rung der SRH Hoch­schu­le der popu­lä­ren Küns­te Ber­lin, Drs. 7889–15, 2015 , S. 22 ff. unter A.II., S. 35 ff. unter B.II.

Sand­ber­ger · Gover­nan­ce-Model­le 1 0 7

108 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2016), 95–112

Prä­fe­renz für das Tren­nungs­mo­dell erken­nen. Vor allem geht es ihm dar­um, den Hoch­schul­or­ga­nen eine hin­rei- chen­de Ent­schei­dungs­au­to­no­mie gegen­über den Trä­ger- orga­nen zu gewährleisten.

Dazu ent­hält der Leit­fa­den zum einen eine Auf­ga- ben­be­schrei­bung von Hoch­schul­lei­tung und Senat, zum ande­ren all­ge­mei­ne Grund­sät­ze für die Gestal­tung der Ent­schei­dungs­pro­zes­se zwi­schen Trä­ger­ge­sell­schaft und Hochschule.

1. Funk­ti­ons­be­schrei­bung von Hoch­schul­lei­tung und Senat

Deskrip­ti­ve und prä­skrip­ti­ve Ele­men­te ent­hält die Dar- stel­lung der Auf­ga­ben der Hoch­schul­lei­tung und Senat.

a) Hoch­schul­lei­tung

Das Prä­si­di­um oder Rek­to­rat der Hoch­schu­le soll nach den Vor­stel­lun­gen des Wis­sen­schafts­rats die aka­de­mi- sche Lei­tung und die Ver­ant­wor­tung für die Bewirt- schaf­tung des Haus­halts und der Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei- ten wahr­neh­men. Unklar bleibt, was mit der Fest­stel­lung gemeint ist: „Die zen­tra­le Funk­ti­on der Hoch­schul­lei- tung kann mit dem Begriff der Selbst­steue­rung umschrie- ben werden“.51

Die Hoch­schul­lei­tung ist auf­grund ihrer stra­te­gi- schen Ver­ant­wor­tung das Bin­de­glied zwi­schen der Hoch­schu­le und ihrer Trä­ger­ge­sell­schaft. In der Pra­xis wer­den die Lei­tungs­funk­tio­nen in Per­so­nal­uni­on wahr- genom­men. Erwähnt wird die Per­so­nal­uni­on von Kanz- ler der Hoch­schu­le und Geschäfts­füh­rer der Gesell- schaft. In die­ser Dop­pel­funk­ti­on sieht der Wis­sen- schafts­rat dann eine Gefahr für die Wis­sen­schafts­frei- heit, wenn der Amts­in­ha­ber zugleich als Gesell­schaf­ter an der Trä­ger­ge­sell­schaft betei­ligt ist.52

b) Senat

Das maß­geb­li­che Organ der aka­de­mi­schen Selbst­ver- wal­tung ist der Senat, in dem die Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler als Trä­ger des Grund­rechts der Wis­sen­schafts­frei­heit mit wei­te­ren Ange­hö­ri­gen der Hoch­schu­le ver­tre­ten sind und in dem die Pro­fes­so­rin- nen und Pro­fes­so­ren die Mehr­heit haben müs­sen. Dem Senat muss das maß­geb­li­che Gewicht bei Ent­schei­dun- gen in Fra­gen von Leh­re und For­schung, ins­be­son­de­re der Ein­rich­tung von Stu­di­en­gän­gen und der Bestim- mung der Cur­ri­cu­la oder Bil­dung von For­schungs- schwer­punk­ten zukom­men. Fer­ner muss ihm die gleich- berech­tig­te Mit­wir­kung – sei es durch das Vorschlags-

  1. 51  Wis­sen­schafts­rat, aaO., S. 77.
  2. 52  Wis­sen­schafts­rat, aaO., S. 78.
  3. 53  AaO, S. 79.
  4. 54  Wis­sen­schafts­rat, Leit­fa­den zur insti­tu­tio­nel­len Akkreditierung

recht, gemein­sa­me Wahl oder Zustim­mungs­recht-bei Bestel­lung und Ent­las­sung der Hoch­schu­le neben den Orga­nen der Trä­ger­ge­sell­schaft zukommen.

2. All­ge­mei­ne Grundsätze

Zwin­gend erfor­der­lich ist nach Auf­fas­sung des Wis­sen- schafts­rats die Ein­hal­tung von zwei all­ge­mei­nen Regeln:53

1. Zur Siche­rung der Wis­sen­schafts­frei­heit darf es kein „Durch­re­gie­ren“ einer Per­son geben, die zugleich Gesell­schaf­te­rin bzw. Gesell­schaf­ter und Geschäfts­füh- rerin oder Geschäfts­füh­rer der Trä­ger­ge­sell­schaft sowie Prä­si­den­tin oder Prä­si­dent und in die­ser Eigen­schaft auch noch Vor­sit­zen­de® des Senats als zen­tra­lem Be- schluss­or­gan der Hoch­schu­le ist.

Hier gäl­te es, einen Teil bestehen­der Ver­knüp­fun­gen auf­zu­lö­sen und fall­an­ge­mes­se­ne „checks und balan­ces“ zu entwickeln.

2. Von zen­tra­ler Bedeu­tung ist die Exis­tenz und Wir- kungs­wei­se des Senats, der eine aka­de­mi­sche Kern­funk- tion wahr­nimmt und so aus­ge­stal­tet sein muss, dass er die­se Funk­ti­on selb­stän­dig gegen­über der Lei­tung, Trä- ger­ge­sell­schaft Betrei­ber und Finan­ziers wahr­neh­men kann.54

Dar­über hin­aus for­dert der Wis­sen­schafts­rat, dass „Kom­pe­ten­zen und Mit­wir­kungs­funk­tio­nen“ auf ver- schie­de­nen Ebe­nen wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen.“ Dar­un­ter ver­steht der Wis­sen­schafts­rat nach Entsch­ei- dungs­ge­gen­stän­den dif­fe­ren­zier­te Vorschlags‑, Mit­wir- kungs‑, und Zustimmungsrechte.55

Die­se Grund­sät­ze wer­den für fol­gen­de Fall­kon­stel­la- tio­nen konkretisiert:56

1. Unver­ein­bar­keit von Gesell­schaf­ter­stel­lung und Mit­glied­schaft im Senat. Unver­ein­bar­keit von Geschäfts- füh­rer­funk­ti­on und Prä­si­den­ten­amt bei gleich­zei­ti­ger Gesellschafterstellung.

2. Ver­ein­bar­keit von Geschäfts­füh­rer- und Kanz­ler- funk­ti­on, da der Kanz­ler kei­ne Auf­ga­ben im Kern­be- reich von For­schung und Leh­re hat.

3. Kri­ti­sche Prü­fung der Dop­pel­funk­ti­on als Ge- schäfts­füh­rer der Gesell­schaft und Präsident/Präsidentin der Hoch­schu­le. Zuläs­sig­keit nur bei Vor­schlags- bzw. Zustim­mungs­recht des Senats zur Bestellung.

Eine ange­mes­se­ne Aus­ba­lan­cie­rung von Trä­ger­in­ter- essen und Hoch­schul­in­ter­es­sen macht der Wis­sen- schafts­rat von fol­gen­den Kri­te­ri­en abhängig:57

-„Sepa­ra­ti­ons­mo­dell“: Voll­stän­di­ge Tren­nung der wirt­schaft­lich- stra­te­gi­schen Belan­ge und der akademi-

pri­va­ter Hoch­schu­len, 2014, S.74 ff., 79 ff. 55 AaO., Fn. 147,
56 AaO., S. 80.
57 AaO.,S . 81.

schen Belan­ge. Das bedeu­tet, dass Ver­tre­ter des Trä­gers kein wei­te­res Amt in den (aka­de­mi­schen) Entsch­ei- dungs­or­ga­nen haben.

Alter­na­tiv:

- „Veto­mo­dell“: Veto­recht des Trä­ger­ver­tre­ters gegen- über Ent­schei­dun­gen der Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­ne , die mit den Trä­ger­inter­es­sen ver­ein­bar sind, Veto­recht des Senats gegen­über Ent­schei­dun­gen der Trä­ger­or­ga­ne, die mit den sat­zungs­mä­ßi­gen Rech­ten des Senats unver­ein- bar sind.

Der Wis­sen­schafts­rat for­dert, dass die Sat­zun­gen der Trä­ger­ge­sell­schaft und die Grund­ord­nun­gen der Hoch- schu­le dem ange­passt wer­den und kla­re Kom­pe­ten­zen und Ent­schei­dungs­ver­fah­ren vor­zu­se­hen. Zugleich bie­tet er an, sei­ne bei Akkre­di­tie­run­gen pri­va­ter Hoch­schu­len gewon- nene Exper­ti­se zu einer Stan­dar­di­sie­rung in Fra­gen der Gover­nan­ce einzusetzen.

Exem­pla­risch wer­den vom Wis­sen­schafts­rat Anfor- derun­gen an das Beru­fungs­ver­fah­ren definiert.

Die Ent­schei­dungs­ver­ant­wor­tung dafür müs­se bei den Insti­tu­tio­nen der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung lie­gen, dazu sei den Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren als haupt- ver­ant­wort­li­chen Akteu­ren die hin­rei­chen­de Unab­hän- gig­keit zu sichern.

Dem­ge­gen­über müs­se der Ein­fluss des Betrei­bers auf das Beru­fungs­ver­fah­ren nied­rig gehal­ten wer­den. Es ge- nüge ein Vetorecht.

Wei­ter­rei­chen­der Ein­fluss des Betrei­bers soll dage- gen bei der stra­te­gi­schen Aus­rich­tung oder Funk­ti­ons- bestim­mung einer Pro­fes­sur mög­lich sein.58 Die­se stün- de im Zusam­men­hang mit der unter­neh­me­ri­schen Ent- schei­dung für die Aus­rich­tung der Stu­di­en­gän­ge. Dage- gen habe die Kom­pe­tenz des Betrei­bers bei der aka­de­mi­schen Beur­tei­lung der Bewer­be­rin­nen und Be- wer­ber zu enden.

Auch in der Grün­dungs­pha­se einer Hoch­schu­le müs­se einBerufungsverfahrendurchgeführtwerden.Solangedie Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­ne nicht ein­ge­ri­chet sind und des- halb eine Beru­fungs­kom­mis­si­on aus eige­nen Mit­glie­dern nicht gebil­det wer­den kann, müss­ten für die Beru­fungs- kom­mis­si­on exter­ne Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen- schaft­ler gewon­nen werden.

IV. Bewer­tung

Die Akkedi­tie­rungs­be­rich­te des Wis­sen­schafts­rats stel- len im Ver­fah­ren der Aner­ken­nung nicht­staat­li­cher Hoch­schu­len von den zustän­di­gen Minis­te­ri­en einge-

58 Wis­sen­schafts­rat, aaO., S.82.

hol­te gut­ach­ter­li­che Äuße­run­gen dar. Auf­grund der Exper­ti­se des Wis­sen­schafts­rats haben sie gro­ßes Gewicht, ent­he­ben aber das zustän­di­ge Minis­te­ri­um nicht der eigen­ver­ant­wort­li­chen Prüfung.

Dar­über hin­aus sind die Akkedi­tie­rungs­be­rich­te des Wis­sen­schafts­ra­tes eine wich­ti­ge Quel­le der Trans­pa­renz der Leitungs‑, Organisations‑, Fach‑, und Finanz­struk- turen pri­va­ter Hoch­schu­len. Sie sind die ein­zig öffent­lich zugäng­li­che Quel­le, da die Aner­ken­nungs­ent­schei­dun- gen der Minis­te­ri­en nicht ver­öf­fent­licht wer­den müs­sen und die nicht­staat­li­chen Hoch­schu­len kei­nen hoch- schul­recht­li­chen Publi­zi­täts­vor­schrif­ten unterliegen.

Die skiz­zier­ten Kri­te­ri­en des Wis­sen­schafts­ra­tes ori­en- tie­ren sich an den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi- ckel­ten Maß­stä­ben an eine grund­rechts­kon­for­me Aus­ge- stal­tung der Ent­schei­dungs­pro­zes­se staat­li­cher Hoch­schu- len und die Prin­zi­pi­en aka­de­mi­scher Selbstverwaltung.

Sie fül­len damit eine Lücke der in den meis­ten Lan- des­hoch­schul­ge­set­zen nur unzu­läng­lich defi­nier­ten An- for­de­run­gen an die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur. Offen­sicht­li­ches Vor­bild für die Leit­li­ni­en sind die der- zei­ti­gen Lei­tungs­struk­tu­ren staat­li­cher Hoch­schu­len auf zen­tra­ler Ebe­ne mit den Orga­nen der Hoch­schul­lei­tung, dem Hoch­schul­rat und dem Senat.

Im Rah­men der sog. Ein­heits­ver­wal­tung nimmt auch die Lei­tung staat­li­cher Hoch­schu­len neben aka­de­mi- schen Ange­le­gen­hei­ten auch soge­nann­te staat­li­che An- gele­gen­hei­ten und damit Trä­ger­auf­ga­ben wahr.

Aus die­sem Grund for­dert der Wis­sen­schafts­rat in Über­ein­stim­mung mit dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für die Bestel­lung und Abwahl der Hoch­schul­lei­tung eine dop­pel­te Legi­ti­ma­ti­on durch den Senat und den Or- ganen der Trägergesellschaft.

Weni­ger über­zeu­gend sind dem­ge­gen­über jedoch die Ein­wän­de des Wis­sen­schafts­rats gegen­über der Dop­pel- funk­ti­on von Mit­glie­dern des Lei­tungs­gre­mi­ums der Hoch­schu­le in den Orga­nen der Gesell­schaft. Die­se Dop­pel­funk­ti­on ist zur Siche­rung der recht­li­chen Hand- lungs­fä­hig­keit der Hoch­schu­le im Rechts­ver­kehr unab- ding­bar. Poten­ti­el­le Kon­flik­te zwi­schen Trä­ger­inter­es­sen und Inter­es­sen der Hoch­schu­le sind auch in der Funk­ti- on der Hoch­schul­lei­tung staat­li­cher Hoch­schu­len ange- legt. Sie wer­den dort durch die Rechts- und Fach­auf­sicht des Lan­des, die inter­ne Auf­sicht durch den Hoch­schul­rat und die Mög­lich­keit der Abwahl bei schwe­ren Kon­flik- ten gelöst.

Die­se Hand­lungs­mög­lich­kei­ten kön­nen auch dem Auf­sichts­rat als Reprä­sen­tan­ten der Trägerinteressen

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und dem Senat als Reprä­sen­tan­ten der Hoch­schul­in­ter- essen durch ent­spre­chen­de Bean­stan­dungs­rech­te gegen- über Ent­schei­dun­gen der Hoch­schul­lei­tung und Initia- tiv­rech­te zur Abbe­ru­fung der Hoch­schul­lei­tung ein­ge- räumt werden.

Neben der Siche­rung der per­so­nel­len Legi­ti­ma­ti­on durch Zusam­men­wir­ken der Gesell­schafts- und Hoch- schul­or­ga­ne bedür­fen auch Sach­ent­schei­dun­gen in grund­sätz­li­chen wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ange­le­gen­hei- ten geeig­ne­ter Abstim­mungs­ver­fah­ren zwi­schen Gesell- schafts- und Hochschulorganen.

In sei­nen Ent­schei­dun­gen zur Lei­tungs­struk­tur der Medi­zi­ni­schen Hoch­schu­le Hannover59 und zur Lei- tungs­struk­tur der Fakul­tä­ten der Uni­ver­si­tät Hamburg60 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wesent­li­che Grund- sät­ze der Abstim­mung zwi­schen Selbst­ver­wal­tungs­or­ga- nen und Hoch­schul­lei­tung ent­wi­ckelt, die sich auch für eine wis­sen­schafts­ad­äqua­te Gestal­tung der Entsch­ei- dungs­pro­zes­se nutz­bar machen lassen.

Wis­sen­schafts­re­le­vant sind nicht nur Ent­schei­dun- gen über kon­kre­te For­schungs­vor­ha­ben oder Lehran­ge- bote, son­dern auch über die Pla­nung der wei­te­ren Ent- wick­lung einer Ein­rich­tung und über die Ord­nun­gen, die für die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on gel­ten sol­len. Wis­sen- schafts­re­le­vant sind auch alle den Wis­sen­schafts­be­trieb prä­gen­den Ent­schei­dun­gen über die Orga­ni­sa­ti­ons- struk­tur und den Haushalt“.61

Zur Aus­ge­stal­tung der Orga­ni­sa­ti­on und Mit­wir­kung der Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­ne führt das BVerfG aus:

„Der Gesetz­ge­ber darf die Art und Wei­se der Mit­wir- kung im wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gesamt­ge­fü­ge frei gestal­ten, solan­ge die wis­sen­schaft­lich Täti­gen an wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen hin­rei­chend mit­wir­ken können.“62

Für die Gestal­tung der Ent­schei­dungs­pro­zes­se pri­va- ter Hoch­schu­len lässt sich dar­aus fol­gen­des ableiten:

Ent­schei­dungs­ge­gen­stän­de im Kern­be­reich von For- schung und Leh­re oblie­gen der Ent­schei­dung des Senats. Soweit sie- wie die Ein­rich­tung neu­er Stu­di­en­gän­ge, die Funk­ti­ons­be­schrei­bung von Pro­fes­su­ren, die Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung, Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun- gen oder die Grund­ord­nung der Hoch­schu­le zugleich

  1. 59  Beschluss v. 24.6.2014 – 1 BvR 3217/07 – BVerfGE 136, 338 ff.
  2. 60  Beschluss v. 20.7.2010 – 1 BvR 748/06 – BVerfGE 127, 61 ff.
  3. 61  BVerfGE 136, 338 ff., 364 (Rn. 58).
  4. 62  BVerfGE 136, 338 ff., 364 (Rn. 59).
  5. 63  „(2) Kirch­li­chen und sons­ti­gen nicht staat­li­chen Bil­dungs­ein­rich- tun­gen kann die staat­li­che Aner­ken­nung als Hoch­schu­le erteilt wer­den, wenn… 7. die inne­re Wis­sen­schafts­frei­heit hin­rei­chend gesi­chert ist; ins­be­son­de­re muss die aka­de­mi­sche Selbstverwal-

Trä­ger­inter­es­sen berüh­ren, ist eine Zustim­mung des Se- nats erforderlich.

Ent­schei­dun­gen finanz­wirt­schaft­li­cher Art, wie die Auf­stel­lung des Wirt­schafts­plans, die mit­tel­fris­ti­ge Fi- nanz­pla­nung oder die Grund­sät­ze der Mit­tel­ver­tei­lung oblie­gen vor­ran­gig dem Auf­sichts­rat als Gesell­schaftsor- gan, bedür­fen aber der Zustim­mung des Senats, zumin- dest ist dem Senat ein Recht der Stel­lung­nah­me einzuräumen.

Der Leit­fa­den des Wis­sen­schafts­rats ent­hält dazu wich­ti­ge Hin­wei­se, erfasst aber die in Fra­ge kom­men­den Fall­ge­stal­tun­gen und die dabei zu beach­ten­den Abstim- mungs­pro­zes­se nicht vollständig

Es wäre des­halb zu begrü­ßen, wenn der Wis­sen- schafts­rat die­se Grund­sät­ze bei der Fort­schrei­bung sei- nes Leit­fa­dens sei­nem bis­he­ri­gen Kri­te­ri­en­ka­ta­log zufügt.

V. Zusam­men­fas­sung

Die gesetz­li­chen Vor­ga­ben der meis­ten Lan­des­hoch- schul­ge­set­ze für wis­sen­schafts­ad­äqua­te Lei­tungs­struk­tu- ren pri­va­ter Hoch­schu­len sind unzu­läng­lich. Eine Aus- nah­me davon und zugleich Vor­bild für eine Wei­terent- wicklung

bil­det § 70 Abs. 2 Nr. 7 LHG Baden- Württemberg.63
Zu bean­stan­den ist auch die feh­len­de Trans­pa­renz der Lei­tungs­struk­tu­ren pri­va­ter Hoch­schu­len. Die Öf- fent­lich­keit, Stu­di­en­be­wer­ber, aber auch poten­ti­el­le Be- wer­ber für Stel­len des wis­sen­schaft­li­chen und nicht­wis- sen­schaft­li­chen Diens­tes haben ein berech­tig­tes Inte­res- se an der Offen­le­gung des Gesell­schafts­ver­tra­ges und der Sat­zung der Hoch­schu­le. Weder das Han­dels­re­gis­ter noch das Unter­neh­mens­re­gis­ter bie­ten dafür einen

Ersatz.
Des­halb soll­ten die Hoch­schul­ge­set­ze geän­dert wer-

den und für bei­des, ange­mes­se­ne Rah­men­vor­ga­ben für die Lei­tungs­struk­tu­ren und deren Offen­le­gung Rech- nung tragen.

Lei­tungs­struk­tu­ren pri­va­ter Hoch­schu­len bedür­fen eines Aus­gleichs von Trä­ger­inter­es­sen und Inter­es­sen der von ihnen getra­ge­nen Hochschulen.

Dafür gibt es meh­re­re Lösungs­an­sät­ze. Weder das so- genann­te Ein­heits­mo­dell, in dem Trä­ger­ver­fas­sung und

tung maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Hoch­schul­lei­tung besit­zen, und im aka­de­mi­schen Kern- bereich muss eine auto­no­me Ent­schei­dungs­bil­dung durch die aka­de­mi­schen Gre­mi­en gewähr­leis­tet sein; den Ange­hö­ri­gen der Hoch­schu­le muss das Recht gewährt wer­den, an der Gestal­tung des Stu­di­ums in sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung der Grund­sät­ze die­ses Geset­zes mitzuwirken“.

Hoch­schul­ver­fas­sung in der Sat­zung der Gesell­schaft ver­an­kert sind, noch das sog. Trenn­mo­dell, in dem die Trä­ger­ver­fas­sung in der Sat­zung der Gesell­schaft, die Hoch­schul­ver­fas­sung in einer davon getrenn­ten Grund- ord­nung gere­gelt sind, bil­den den Gold­stan­dard. Auch beim Trenn­mo­dell ist eine Ver­knüp­fung von Gesell- schafts­sat­zung und Hoch­schul­ver­fas­sung erforderlich.

Eine pri­va­te Hoch­schu­le ist nur bei Per­so­nal­uni­on ihres Lei­tungs­or­gans mit der Geschäfts­füh­rung der Trä- ger­ge­sell­schaft im Rechts­ver­kehr handlungsfähig.

Das bedingt eine gleich­be­rech­tig­te Mit­wir­kung des Auf­sichts­rats der Trä­ger­ge­sell­schaft und des Senats als dem Selbst­ver­wal­tungs­or­gan der Hoch­schu­le bei der Bestel­lung und Abbe­ru­fung der Hochschulleitung.

Im Übri­gen bedarf es nach Ent­schei­dungs­ge­gen- stän­den aus­dif­fe­ren­zier­ter Abstim­mungs­pro­zes­se zwi­schen Hoch­schul­lei­tung einer­seits, Auf­sichts­rat der Trä­ger­ge­sell­schaft und Senat der Hoch­schu­le andererseits.

Der aus der Akkre­di­tie­rungs­pra­xis her­vor­ge­gan- gene Leit­fa­den des Wis­sen­schafts­ra­tes bie­tet für die Gestal­tung in den Gesell­schafts- und Hoch­schul­sat- zun­gen hilf­rei­che, aber kei­ne voll­stän­di­gen Hinweise.

Der Leit­fa­den soll­te des­halb im Lich­te der Schlüs­sel- ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Lei- tungs­or­ga­ni­sa­ti­on der Medi­zi­ni­schen Hoch­schu­le Han- nover und der Lei­tungs­struk­tur von Fakul­tä­ten nach dem Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­setz fort­ge­schrie­ben werden.

Die­se ent­hal­ten Grund­sät­ze einer der Wis­sen­schafts- frei­heit (Art. 5 Abs. 3 GG) ange­mes­se­nen Lei­tungs­or­ga- nisa­ti­on, die auch Vor­bild für Gover­nan­ce- Struk­tu­ren pri­va­ter Hoch­schu­len sind.

Georg Sand­ber­ger ist Hono­rar­pro­fes­sor für Wirt- schafts­recht an der juris­ti­schen Fakul­tät der Eber­hard Karls Uni­ver­si­tät Tübin­gen und war von 1979 bis 2003 deren Kanzler.

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