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Über­sicht

quel­len erzeugt hat. 2013 hat ihr die Düs­sel­dor­fer Fakul- tät die Pro­mo­ti­on ent­zo­gen – nach 33 Jah­ren. Hier soll es nicht um die Fra­ge gehen, nach wel­chen Maß­stä­ben der Pro­mo­ti­ons­ent­zug zu beur­tei­len ist („Täu­schungs­ab- sicht“, her­me­neu­ti­sche Erkun­dun­gen); das hat das VG Düs­sel­dorf auf Anfech­tungs­kla­ge von Annet­te Scha­van zu ent­schei­den. Noch sol­len die erstaun­li­chen Ein– und Anwür­fe Drit­ter in gemes­se­ner Wei­se per­si­fliert wer- den.1 Hier geht es allein um die Fra­ge, ob es sach­ge­recht ist, daß ein ein gan­zes Erwerbs­le­ben lang getra­ge­ner „Titel“ ent­zo­gen wird, obschon nach drei­ßig Jah­ren jede straf­recht­li­che Ahn­dung (bis auf Mord) aus­ge­schlos­sen ist2 und wie­wohl drei­ßig Jah­re die äußers­te Ver­jäh­rungs- frist auch im Zivil­recht sind3 und nach drei­ßig Jah­ren jede Arg­list-Anfech­tung aus­ge­schlos­sen ist.4

Damit Annet­te Scha­van nicht allei­ne steht: Viel­fach ver­gleich­bar ist der Fall Eli­sa­beth Strö­ker, die 1953 auf ähn­lich angreif­ba­re Wei­se mit unaus­ge­zeich­ne­ten Fremd­tex­ten pro­mo­viert wor­den ist.5 Der Unter­schied: Die pro­mo­vie­ren­de Bon­ner Fakul­tät beließ ihr 1991, also nach 38 Jah­ren, die Pro­mo­ti­on – aber nicht wegen Zeit- ablau­fes, son­dern weil in den 50er Jah­ren ande­re Maß- stä­be wis­sen­schaft­li­cher Red­lich­keit gegol­ten hät­ten, wes­we­gen es an der Täu­schung feh­le. Die eige­ne Köl­ner Fakul­tät sah da kla­rer, daß näm­lich die Dis­ser­ta­ti­on „zu gro­ßen Tei­len aus als sol­chen nicht gekenn­zeich­ne­ten wört­li­chen und sinn­ge­mä­ßen Ent­leh­nun­gen besteht und daß die Arbeit in Kennt­nis die­ser Tat­sa­che weder damals noch heu­te von der Phi­lo­so­phi­schen Fakul­tät der Uni- ver­si­tät zu Köln als Dis­ser­ta­ti­on ange­nom­men wor­den wäre“. Die dreis­te, unwah­re Aus­re­de schütz­te effek­tiv und erfolg­reich eine Pro­fes­so­ren­kol­le­gin – aller­dings nur in der Form, nicht vor mas­si­vem Ehr­ver­lust. Er- staun­lich auch damals schon: Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen aka­de­mi­scher Schlacht­rös­ser, gestützt auf die all­ge­mei­ne Aner­ken­nung der wis­sen­schaft­li­chen Kol­le­gin und ohne Rück­sicht auf die Dis­ser­ta­ti­on. Ein­dring­lich gegen­über jeder Schön­fär­be­rei mahn­te Die­ter Simon: „Ihr Fall, der unspek­ta­ku­lä­re Casus einer ordent­li­chen professoralen

Frist­ver­kür­zung den Fall des § 318 Abs 2 Satz 3 BGB ver­ges­sen. 5 Meichs­ner, Hübsch geklaut, DIE ZEIT Nr 44/1990 = 22; www.

zeit.de/1990/44/huebsch-geklaut [18.6.2013]; http://de.mmdoku. wikia.com/wiki/MMDoku/Dokumentation/1991/Bericht_ Str%C3%B6ker-Kommission [18.6.2013].

I. Pro­mo­ti­ons­ent­zug nach lan­ger Zeit
1. Scha­van, Strö­ker und Hel­ler
2. Kei­ne Sank­ti­ons­be­gren­zung – Ersit­zung 3. Effek­ti­ve „Ver­jäh­rung“ bin­nen fünf Jah­ren 4. Befris­tungs­vor­schlag Löwer
5. „Vor­bild­li­che“ Juristenausbildung?

II. Lex feren­da – cui bono?
1. Kan­di­dat: Titel­er­halt
2. Fakul­tät und aca­de­mia: Schutz des Arbeitsfriedens

III. Unter­ge­setz­li­che Rege­lung in Pro­mo­ti­ons­ord­nun­gen? 1. Dr. phil. oder rer. pol. in Mün­chen
2. Reich­wei­te der Rege­lungs­er­mäch­ti­gung
3. Fol­gen­los

IV. Fazit

Die Rechts­pra­xis geht davon aus, daß der Ent­zug einer durch Pla­gi­at bewirk­ten Pro­mo­ti­on hoch­schul­recht­lich unbe­fris­tet mög­lich ist, also auch noch nach über drei­ßig Jah­ren. Hier­ge­gen for­dern Stim­men eine effek­ti­ve Ver- jäh­rung – bin­nen fünf oder zehn Jah­ren, die dem Pla­gia- tor dann eine bestands­fes­te Pro­mo­ti­on ver­schaff­ten. Der Bei­trag sor­tiert die ange­lau­fe­ne Dis­kus­si­on (I.), fragt nach dem Schutz­zweck sol­cher Pro­mo­ti­ons­er­sit­zungs­re- geln (II.) und stellt den „Aus­weg“ hei­len­der Pro­mo­ti­ons- ord­nun­gen vor (III.).

I. Pro­mo­ti­ons­ent­zug nach lan­ger Zeit

1. Scha­van, Strö­ker und Heller

Der „Fall Scha­van“ hat die Gemü­ter erregt. Annet­te Scha­van hat­te zu ihrer Pro­mo­ti­on im Jahr 1980 eine Dis- ser­ta­ti­on ein­ge­reicht, die Text­frag­men­te ent­hält, die nicht von ihr ver­faßt waren, die nicht hin­rei­chend klar als Fremd­tex­te aus­ge­wie­sen waren und mit denen Annet­te Scha­van den Ein­druck einer eige­nen wis­sen- schaft­li­chen Leis­tung in der Erschlie­ßung von Primär-

  1. 1  Dazu Kau­be, Frau Jeder­manns Pla­gi­at, F.A.Z. 24.1.2013, 25 = www. faz.net/aktuell/feuilleton/der-fall-schavan-frau-jedermanns- plagiat-12036233.html [19.6.2013].
  2. 2  § 78 Abs 3 Nr 1 StGB.
  3. 3  § 197 BGB.
  4. 4  Die all­ge­mei­ne Höchst­gren­ze liegt nach § 124 Abs 3 BGBin­zwi­schen bei zehn Jah­ren, doch hat der Gesetz­ge­ber bei der

Vol­ker Rieble

Pla­giat­ver­jäh­rung.
Zur Ersit­zung des Doktorgrades

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2014, ISSN 2197–9197

20 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2014), 19–28

Lauf­bahn, die durch beharr­li­ches und unaus­ge­wie­se­nes Kopie­ren frem­der Tex­te erschrie­ben wurde“.6

Der­zeit viru­lent ist der Fall Arne Hel­ler, angreif­bar promoviert7 im Jahr 1998; Pro­mo­ti­ons­ent­zug 2012, also 14 Jah­re spä­ter von der Ham­bur­ger Juris­ten­fa­kul­tät sei- nes Gra­des „ent­klei­det“. Der Rechts­streit hängt beim VG Ham­burg. Göl­te eine Ent­zugs­frist von zehn Jah­ren, so wäre Hel­ler seit 2008 „immun“. Weil der gan­ze Streit im Zuge eines Habi­li­ta­ti­ons­ver­su­ches auf­ge­kocht ist: Müß­te womög­lich nach geheil­ter Pro­mo­ti­on die wei­te­re Wis- sen­schafts­kar­rie­re hin­ge­nom­men wer­den – so daß der Dis­ser­ta­ti­ons­pla­gia­tor irgend­wann die Lehr­be­fug­nis aus­übt, gar Dok­to­ran­den anleitet?

2. Kei­ne Sank­ti­ons­be­gren­zung – Ersitzung

Um eine Straf- oder Sank­tio­nen­be­gren­zung nach Art der Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung geht es in die­ser Dis­kus­si­on nicht. Der Pro­mo­ti­ons­ent­zug ist kei­ne Stra­fe – auch wenn er von Betrof­fe­nen wegen der Prang­er­wir­kung so emp­fun­den wird. Die Ver­wal­tung nimmt das­je­ni­ge zurück, was nie hät­te erteilt wer­den dür­fen, betreibt also Feh­ler­kor­rek­tur. Der Pro­mo­ti­ons­ent­zug ist auch kein der Ver­jäh­rung zugäng­li­cher Anspruch. Viel­mehr kommt der Ver­wal­tung eine ein­sei­tig hoheit­lich durch­zu­set­zen­de Rechts- macht zu – die ihrer­seits pri­vat­recht­lich dem Gestal­tungs- recht ver­gleich­bar ist. Gestal­tungs­rech­te aber ver­jäh­ren (gar) nicht. Sie kön­nen nur befris­tet sein, wie das für die Arg­listan­fech­tung der Fall ist. Indes taugt die zivil­recht- liche Arg­list­re­ge­lung nicht als Argument:8 Dort geht es um den Schutz der frei­en Wil­lens­bil­dung des Pri­vat- rechts­sub­jek­tes, das frei ent­schei­den darf, ob es die eige- ne Erklä­rung gel­ten las­sen will. Die­se Erklä­rung ist weder rich­tig noch falsch, son­dern nur zwei­fel­haft zustan­de­ge­kom­men, wes­we­gen der Getäusch­te frei über deren Exis­tenz ent­schei­den darf. Hier dage­gen geht es um die Kor­rek­tur von rechts­wid­ri­gem Ver­wal­tungs­han- deln – in die­ser Kor­rek­tur ist die Behör­de nicht frei, son- dern muß sich vom Prin­zip der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung lei­ten lassen.

Der Ent­zug einer wider­recht­lich erlang­ten Pro­mo- tion kor­ri­giert vor­an­ge­gan­ge­nes Unrecht, ent­zieht eine Rechts­po­si­ti­on, die dem Adres­sa­ten nicht zusteht und stellt den recht­mä­ßi­gen Zustand wie­der her. Sol­che Kor-

  1. 6  Die­ter Simon, Die Wahr­heit muß erfun­den wer­den, F.A.Z. 18.12.1997, 40.
  2. 7  www.abendblatt.de/hamburg/article2412760/Plagiatsaffaere-an- der-Uni-Hamburg.html [18.6.2013]; http://de.vroniplag.wikia.com/ wiki/Ah [18.6.2013]; zu den ver­wor­re­nen Hin­ter­grün­den: Horst­kot- te, Ange­schwärzt bei Vro­ni­plag, www.zeit.de/studium/hochschu- le/2011–08/vroniplag-uni-hamburg [19.6.2013]. Aller­dings ändert ein kri­tik­wür­di­ges Motiv der Hel­ler-Geg­ner nichts am Befund. Jeder Arbeit­ge­ber darf bei einem miß­lie­bi­gen Arbeit­neh­mer nach vor­han­de­nen Kün­di­gungs­grün­den suchen.

rek­tur durch Rück­kehr zum gesetz­li­chen Zustand gebie- tet der Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung nach Art. 20 Abs. 3 GG. Der Ver­zicht auf Pro­mo­ti­ons- ent­zug – auch nach defi­nier­ter Frist – beläßt einen un- ver­dien­ten aka­de­mi­schen Grad, ver­nach­läs­sigt die gebo- tene Kor­rek­tur und braucht eben hier­für einen recht­fer- tigen­den Grund. Inso­fern wirkt jede Befris­tung des Pro- moti­ons­ent­zug gleich der sachen­recht­li­chen Ersit­zung: Wer sich wegen sei­nes Grund­buch­ein­trags für den Ei- gen­tü­mer eines Grund­stücks hal­ten darf, obwohl er nach objek­ti­ver Rechts­la­ge nicht Eigen­tü­mer ist, erwirbt das Eigen­tum (zu Las­ten des wah­ren Eigen­tü­mers) nach drei­ßig Jah­ren, § 900 BGB. Glei­ches gilt für beweg­li­che Sachen nach zehn Jah­ren, § 937 BGB – aber nur wenn der Schein-Eigen­tü­mer gut­gläu­big war.

§ 48 VwVfG ent­hält selbst eine – nur rela­ti­ve – Frist: Hat die Ver­wal­tung das Unrecht bemerkt, so bleibt ihr nur ein Jahr zur Rück­nah­me – wenn nicht der Adres­sat sei­ner­seits „den Ver­wal­tungs­akt durch arg­lis­ti­ge Täu- schung, Dro­hung oder Bestechung erwirkt hat“, Abs. 4. Die­se Rege­lung ist abschlie­ßend und schließt jede Befri- stung der Rück­nah­me ohne gesetz­li­che Grund­la­ge aus.9 Ins­be­son­de­re gibt es kei­ne abso­lu­te Frist, die die Rück- nah­me nach drei­ßig oder zehn Jah­ren auch ohne Kennt- nis aus­schlös­se. Viel­mehr gilt im Ver­wal­tungs­recht das Prin­zip der frei­en und unbe­fris­te­ten Rück­nehm­bar­keit rechts­wid­ri­ger Verwaltungsakte.10 Für eine aus­nahms- wei­se Befris­tung braucht es eine spe­zi­al­ge­setz­li­che Vor- schrift, wie § 35 Abs. 3 Staats­an­ge­hö­rig­keits­ge­setz, der seit 2009 die Rück­nah­me der arg­lis­tig erschli­che­nen Ein­bür­ge­rung nach fünf Jah­ren aus­schließt – zum be- son­de­ren Schutz vor Staa­ten­lo­sig­keit nach Art 16 Abs. 1 Satz 2 GG.11 Vor Pro­mo­ti­ons­lo­sig­keit schützt die Ver­fas- sung nicht.

Deut­li­cher noch wird das im Ver­gleich zur rück­wir- ken­den Rück­nah­me der Beam­ten­er­nen­nung wegen arg- lis­ti­ger Täu­schung – nach § 12 Beam­ten­sta­tus­ge­setz. Eine abso­lu­te Rück­nah­me­frist von 10 oder 30 Jah­ren gab es noch nie, die frü­he­re rela­ti­ve Rück­nah­me­frist ab Kennt- nis von der Täuschung12 gibt es nicht mehr. Des­halb muß ein Poli­zist, der 1978 mit einem gefälsch­ten Schul- zeug­nis die Ver­be­am­tung erschwin­del­te, durch­aus damit rech­nen, daß der Dienst­herr im Jahr 2011 sei­ne Ernen-

8 So aber Lin­ke, Ver­wal­tungs­recht­li­che Aspek­te der Ent­zie­hung aka­de­mi­scher Gra­de, WissR 1999, 146, 172 f.

9 Klar und rich­tig Gär­ditz, Die Fest­stel­lung von Wis­sen­schafts­p­la- gia­ten im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, WissR 2013, 3, 26 f.

10 Etwa BVerwG 8.8.1986 – 4 C 16/84 – NVwZ 1987, 488 mwN. 11 Vgl BVerfG 24.5.2006 – 2 BvR 669/04 – BVerfGE 116, 24. 12 Etwa BVerwG 8.11.1961 — VI C 120/59 – NJW 1962, 605.

Rieb­le · Pla­giat­ver­jäh­rung. Zur Ersit­zung des Dok­tor­gra­des 2 1

nung rück­wir­kend zurück­nimmt, also 33 Jah­re danach. Hier schützt kei­ne abso­lu­te Frist, son­dern allein die ganz aus­nahms­wei­se und kon­kre­te ermes­sens­be­gren­zen­de Unver­hält­nis­mä­ßig­keit im Einzelfall.13 Wenn dage­gen eine Ober­se­kre­tär­an­wär­te­rin im Jus­tiz­voll­zugs­dienst ihre Ver­be­am­tung durch Ver­schwei­gen einer Vor­er­kran- kung erwirkt, kann sie zwölf Jah­re spä­ter rück­wir­kend ent­be­am­tet werden.14 Dar­an gemes­sen wider­fährt dem Dis­ser­ta­ti­ons­pla­gia­tor doch recht wenig.

Das ist alles so klar, wes­we­gen im gel­ten­den Recht schon Sturm­ge­schüt­ze wie die Men­schen­wür­de auf­ge- fah­ren wer­den müs­sen. Doer­fer for­dert ernst­lich in Ar- gumen­ta­ti­ons­ana­lo­gie zur lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe auch für Pro­mo­ti­ons­schwind­ler ein Per­spek­tiv­recht ge- gen­über lebens­lan­ger Rücknahmedrohung.15 Dem­ge- gen­über ist fest­zu­hal­ten: Ver­jäh­rung ist kein uni­ver­sa­les Rechts­prin­zip, Ersit­zung eben­so­we­nig. § 48 VwVfG ver- langt grund­sätz­lich eine unbe­fris­te­te Kor­rek­tur von Ver- wal­tungs­un­recht auch zu Las­ten des Begünstigten.

Um Sank­ti­ons­be­gren­zung gin­ge es nur dann, wenn auf sol­chen Wis­sen­schafts­be­trug Stra­fe stün­de, wie dies von Wesch­pfen­nig und Wit­tern vorschlagen.16 Bis­lang ist straf­bar nur das Füh­ren eines Titels, den man nicht hat – nicht aber das Erschlei­chen eines Titels durch ein Wis- sen­schafts-Fake. Nord­rhein-West­fa­len könn­te sei­nen Buß­geld­tat­be­stand für stu­den­ti­schen Prü­fungs­be­trug in § 63 Abs. 5 Satz 2 lit a HG auf Pro­mo­ti­ons­be­trü­ge­rei­en erwei­tern. Und inso­fern, ja, greift die nor­ma­le Ver­fol- gungsverjährung.

3. Effek­ti­ve „Ver­jäh­rung“ bin­nen fünf Jahren

Eben des­halb läuft die Bestra­fung des Dok­to­ran­den wegen fal­scher Ver­si­che­rung an Eides Statt (die man­che Pro­mo­ti­ons­ord­nun­gen mit hin­rei­chen­der gesetz­li­cher Ermäch­ti­gung ver­lan­gen) prak­tisch leer: Die beei­de­te Ver­si­che­rung, die Arbeit selbst und eigen­stän­dig und nur unter Ver­wen­dung der ange­ge­be­nen Hilfs­mit­tel geschrie­ben zu haben, mag vor­sätz­lich falsch abge­ge­ben wor­den sein. Die Ver­fol­gung solch beschwo­re­ner Lüge nach § 156 StGB ver­jährt bin­nen fünf Jah­ren, § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB. Ver­jäh­rungs­be­ginn ist die Abga­be der Ver­si- che­rung – zusam­men mit der Arbeit. Von da an schlum- mert die pla­gia­to­ri­sche Dis­ser­ta­ti­on bei den bei­den Gut- ach­tern, anschlie­ßend folgt noch eine münd­li­che Prü- fung. Schon dies dau­ert regel­mä­ßig ein, mit­un­ter auch

  1. 13  VG Mün­chen 16.10.2012 – M 5 K 11.4492 – juris.
  2. 14  VG Han­no­ver 26.6.2013 – 2 B 2658/13 – juris: Tra­gisch hierbei:Die Vor­er­kran­kung hat­te die Beam­tin im Mili­tär­ein­satz für­Deutsch­land erlitten.
  3. 15  Die Ver­jäh­rung im Pro­mo­ti­ons­recht, WissR 2012, 227, 241.
  4. 16  Wie kön­nen Pla­gia­te in Dis­ser­ta­tio­nen straf­recht­lich sanktioniert

zwei Jah­re. Danach ver­geht wei­te­re Zeit, bis die Ver­öf- fent­li­chung der Arbeit betrie­ben ist. Erscheint die Arbeit (was eher zügig ist), zwei Jah­re nach Ein­rei­chung der Dis­ser­ta­ti­on, so blei­ben zur recht­zei­ti­gen Auf­de­ckung des Pla­gia­tes nur­mehr drei Jah­re: Drei Jah­re für Rezep­ti- on in der Wis­sen­schaft und das zufäl­li­ge Bemer­ken von Text­über­ein­stim­mun­gen. Eine so zügi­ge Pla­gi­ats­auf­dek- kung ist sel­ten und allen­falls gründ­li­chen Rezen­sen­ten zu ver­dan­ken, die das Buch schnell nach dem Erschei- nen lesen und bespre­chen! Schon für Fischer-Lesca­no, den Auf­de­cker des Guttenberg-Plagiates,17 hät­te die­se Zeit nicht gereicht: Der Bericht der Bay­reu­ther Kom­mis- sion weist lei­der nicht aus, wann zu Gut­ten­berg sei­ne Arbeit mit der nur ehren­wört­li­chen (also jeden­falls straf- losen) Ver­si­che­rung abge­ge­ben hat. Das hym­ni­sche Erst- gut­ach­ten Häber­le datiert vom 23.10.2006. Rech­net man mit einem nor­mal-zügi­gen Lauf der Din­ge, so wur­de die Arbeit unge­fähr sechs Mona­te zuvor ein­ge­reicht, also im April 2006. Mit­hin lief die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung für eine hypo­the­ti­sche eides­statt­li­che Erklä­rung im April 2011 ab. Die Dis­kus­si­on begann im Febru­ar 2011 mit einem Arti­kel der Süd­deut­schen; am 1. März folg­te der Rück­tritt. Ob die Staats­an­walt­schaft inner­halb weni­ger Wochen die Ver­jäh­rung hät­te unter­bre­chen kön­nen (und wol­len), darf bezwei­felt werden.

Der wiki-namens­ge­ben­de Fall Vero­ni­ka Saß ist Ge- gen­bei­spiel. Dem Urteil des VG Frei­burg vom 23.5.2012 (1 K 58/12) ist der Zeit­ab­lauf zu ent­neh­men: Juni 2008 Abga­be der Dis­ser­ta­ti­on – 29.10.2008 Ver­lei­hung Dok- tor­grad – Dis­ser­ta­ti­on 2009 erschie­nen – 2011 ers­te Hin- wei­se auf Pla­gi­at – 10.5.2011 Ent­zug des Dok­tor­gra­des. Hier hät­te die Staats­an­walt­schaft hin­rei­chend Zeit (bis Juni 2013) gehabt um eine etwai­ge und fal­sche eides­statt- liche Ver­si­che­rung zu ver­fol­gen. Dane­ben steht die Viel- zahl der bei vro­ni­plag ent­deck­ten Fäl­le, die erst sehr viel spä­ter auf­ge­deckt wor­den sind. IdR ist aber das Abga­be- datum nicht bekannt, son­dern nur das Prü­fungs­da- tum.18 Eine fünf­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist, die mit der maß­ge­ben­den Rechts­hand­lung beginnt, also der Ein­rei- chung der Arbeit, ist so kurz bemes­sen, daß im erwart- baren Ver­lauf Dis­ser­ta­ti­ons­pla­gia­te inner­halb die­ser Frist über­wie­gend nicht auf­ge­deckt wür­den – weil die kri­ti­sche Rezep­ti­on in der Wis­sen­schafts­öf­fent­lich­keit län­ger braucht: vom Anfangs­ver­dacht bis hin zu sorg­fäl- tiger Prü­fung, Bewer­tung und Entscheidung.

wer­den? F.A.Z., 21.7.2011, Nr 167, 8.
17 Fischer-Lesca­no, Karl-Theo­dor Frhr. zu Gut­ten­berg, Verfassung

und Ver­fas­sungs­ver­trag. Kon­sti­tu­tio­nel­le Ent­wick­lungs­stu­fen in

den USA und der EU, Kri­ti­sche Jus­tiz 2011, 112.
18 Dazu die Über­sicht: http://de.vroniplag.wikia.com/

wiki/%C3%9Cbersicht [19.6.2013].

22 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2014), 19–28

Pseu­do-effek­tiv ist das Buß­geld für stu­den­ti­sche Be- schei­ßer­le in § 63 Hoch­schulG Nord­rhein-West­fa­len. Die Sank­ti­ons­dro­hung ist mit 50.000 € hart – doch die Ver­jäh­rung beson­ders kurz: drei Jah­re gem. § 31 Abs. 2 OWiG. Kan­di­da­ten für ein Buß­geld sind also vor allem jene, die unmit­tel­bar in der Prü­fung erwischt wer­den. Die Bache­lor– oder Mas­ter­ar­beit wird typi­scher­wei­se nicht ver­öf­fent­lich – wes­we­gen auch das Pla­gi­at nicht auf­fliegt und schon gar nicht bin­nen drei Jah­ren. Kaum effek­ti­ver ist die Straf­ver­fol­gung wegen ande­rer Delikte19 – und eben­so­we­nig effek­tiv wäre die Ver­fol­gung des vom DHV für gewerb­li­che Ghost­wri­ter gefor­der­ten Straf­tat- bestands „Wissenschaftsbetrug“.20

4. Befris­tungs­vor­schlag Löwer

Vor allem der Wis­sen­schafts­recht­ler Löwer for­dert immer wie­der die Ein­füh­rung eines Ver­jäh­rungs­tat­be- stan­des – ein­mal mit Blick auf das Vor­bild der Juris­ten- aus­bil­dung und zum ande­ren zum Schutz des Rechts- frie­dens (Zeit heilt alle Wun­den). Er betont den Sank­ti- ons­cha­rak­ter des Titel­ent­zugs, also des­sen Stra­f­ähn­lich- keit – auch und gera­de mit Blick auf kol­la­te­ra­le Fol­gen wie Arbeits­platz­ver­lust und Ehreinbuße.21 Auf­ge­grif­fen wird die­se For­de­rung vom „Gemein­sa­mes Posi­ti­ons­pa- pier des All­ge­mei­nen Fakul­tä­ten­tags (AFT), der Fakul­tä- ten­ta­ge und des Deut­schen Hoch­schul­ver­bands (DHV) vom 21. Mai 2013“,22 mit der etwas erstaun­li­chen Begrün- dung, daß Daten­fäl­schun­gen nach Ablauf der Auf­be- wah­rungs­fris­ten nicht mehr nach­weis­bar wären: „Inso- fern stellt sich die Fra­ge, ob nicht aus Grün­den der mate- riel­len Gerech­tig­keit für Pla­gia­te Ent­spre­chen­des gel­ten soll.“ Für einen Juris­ten har­ter Argu­men­ta­ti­ons­to­bak an der Gren­ze zum Unsinn. Dage­gen wen­det sich Dan­ne- mann – Ber­li­ner Hoch­schul­leh­rer und Akteur bei Vro­ni- plag – mit der Erwä­gung, so kämen der­zeit zu vie­le Schwind- ler davon. Die Pla­giat­kon­trol­le sei gera­de erst ange­lau­fen; die Auf­ar­bei­tung dür­fe nicht abge­würgt werden.23

5. „Vor­bild­li­che“ Juristenausbildung?

Löwer beruft sich auf das Vor­bild der Prü­fungs­kon­troll- befris­tung in den Lan­des­re­ge­lun­gen zur Juris­ten­aus­bil- dung. In der Tat wer­den juris­ti­sche Prü­fungs­be­trü­ger über­wie­gend nach fünf Jah­ren (Nord­rhein-West­fa­len, Baden-Würt­tem­berg, Bre­men, Ham­burg, Nie­der­sach- sen, Rhein­land-Pfalz, Saar­land, Sach­sen-Anhalt, Schles-

  1. 19  Über­sicht bei Otte­mann, Wis­sen­schafts­be­trug und Straf­recht (2006).
  2. 20  www.hochschulverband.de/cms1/pressemitteilung+M56c11ee1774. html [26.7.2013].
  3. 21  Löwer, Ver­jäh­rungs­frist für Pla­gi­ats­ver­ge­hen? Pro F & L 2012, 550 = www.forschung-und-lehre.de/wordpress/Archiv/2012/ful_07- 2012.pdf [26.7.2013].
  4. 22  www.hochschulverband.de/cms1/fileadmin/redaktion/download/

wig-Hol­stein), manch­mal auch nach drei (Ber­lin, Bran- den­burg, Hes­sen, Thü­rin­gen) ver­schont, haben sich dann also das Staats­examen „erses­sen“ und dür­fen Rechts­su­chen­de auch im denk­bar här­tes­ten Fall bera­ten, wenn sie näm­lich einen Stell­ver­tre­ter in die Prü­fung geschickt und selbst gar nichts geleis­tet haben. Beson- ders schön das Saar­land: Wer zum Rich­ter oder Beam­ten auf Lebens­zeit ernannt wird, dem kann das Examen nicht mehr ent­zo­gen wer­den (also nach dor­ti­ger drei­jäh- riger Pro­be­zeit). Das ist eini­ger­ma­ßen erstaun­lich: Wer sich die Ernen­nung zum Staats­an­walt durch arg­lis­ti­ge Täu­schung über Erle­di­gun­gen (durch Akten­ver­ste­cken) erschwin­delt – der muß die Rück­nah­me der Ernen­nung fürchten,24 und zwar unbe­fris­tet nach § 12 Beam­tens­ta- tus­ge­setz. Wer sich dage­gen die Examens­haus­ar­beit schrei­ben ließ oder kühn einen „Stell­ver­tre­ter“ in die Klau­su­ren schick­te (so einst in Hei­del­berg gesche­hen), der darf auf Zeit­ab­lauf und Ersit­zung hoffen.

Hart sind Bay­ern und Meck­len­burg-Vor­pom­mern, die kei­ne Rück­nah­me­be­fris­tung ken­nen. § 11 Abs. 6 der baye­ri­schen Aus­bil­dungs- und Prü­fungs­ord­nung für Ju- ris­ten sieht expli­zit die unbe­fris­te­te nach­träg­li­che Nicht- Bestehens­er­klä­rung für den Fall des „Unter­schleifs“ in einer Juris­ti­schen Staats­prü­fung vor. Sach­sen gibt eine rela­ti­ve Frist von einem Jahr ab Ent­de­ckung vor, und schützt den Arg­lis­ti­gen – anders als § 48 Abs. 4 VwVfG. Schon 1949 hat das „Zen­tral-Jus­tiz­amt für die Bri­ti­sche Zone“ in § 28 Abs. 4 sei­ner Justizausbildungsordnung25 verfügt:

Auch nach Aus­hän­di­gung des Zeug­nis­ses über das Bestehen der Prü­fung kann die­se für nicht bestan­den erklärt wer­den, aber nur inner­halb einer Frist von 5 Jah- ren seit dem Tage der münd­li­chen Prüfung.

Dabei fällt auf, daß die Befris­tungs­re­geln sei­ner­zeit gera­de in jenen Län­dern ein­ge­führt wor­den sind, die da- mals auf ein Haus­ar­bei­ten­ex­amen gesetzt haben. In der Tat ist die juris­ti­sche Examens­haus­ar­beit beson­ders pla- giats–, also betrugs­an­fäl­lig. In Köln und Bonn leb­ten Anwalts­kanz­lei­en frü­her davon, Examens­kan­di­da­ten die Arbeit abzu­neh­men – gegen den Preis eines Autos. Im Rhei­ni­schen wur­den sei­ner­zeit Täu­schungs­zah­len von bis zu einem Drit­tel geschätzt. Die Ersit­zung durch Be- fris­tung schütz­te so Täu­scher und Betrü­ger vor dem Ent-

pdf/resolutionen/Empfehlungen21052013.pdf [31.7.2013], 9 f.
23 Dan­ne­mann, Ver­jäh­rungs­frist für Pla­gi­ats­ver­ge­hen? Con­tra F & L

2012, 551 = www.forschung-und-lehre.de/wordpress/Archiv/2012/

ful_07-2012.pdf [26.7.2013].
24 BVerwG 18.9.1985 – 2 C 30/84 – DVBl 1986, 148 und juris.
25 JAO vom 15.1.1949, Ver­ord­nungs­blatt für die Bri­ti­sche Zone 1949,

21.

Rieb­le · Pla­giat­ver­jäh­rung. Zur Ersit­zung des Dok­tor­gra­des 2 3

zug der Anwalts­zu­las­sung oder vor der Ent­fer­nung aus dem Staats­dienst sowie vor ent­spre­chen­der Erpreß­bar- keit – und ver­schaff­te der Staats­prü­fung eine schein­ba­re, fik­ti­ve Dignität.

Eigent­lich erstaun­lich ist etwas ande­res: Ver­gleich­ba- re Befris­tun­gen kom­men in gesetz­li­chen Aus­bil­dungs­re- geln sonst nicht vor – obwohl man doch auch Ärz­ten, Archi­tek­ten, Leh­rern und Inge­nieu­ren das erschli­che­ne Examen gön­nen könn­te. Es han­delt sich ganz über­wie- gend um ein Juris­ten­pro­blem. Für Ärz­te kennt die Ap- pro­ba­ti­ons­ord­nung kei­ne Son­der­re­ge­lung für die Rück- nah­me der Staats­exami­na, so daß es bei § 48 VwVfG be- wen­det; für die Appro­ba­ti­on schreibt § 5 Abs. 1 Satz 1 Bun­des­ärz­te­ord­nung expli­zit die Rück­nah­me vor, wenn das Examen fehlt.

§ 35 Abs. 2 der (baye­ri­schen) All­ge­mei­nen Prü­fungs- ord­nung sieht für alle rele­van­ten Prü­fun­gen baye­ri­scher Beam­ter und also auch für Leh­rer das nach­träg­li­che und unbe­fris­te­te Schei­tern bei Unter­schleif, Täu­schung oder Benut­zung nicht­zu­ge­las­se­ner Hilfs­mit­tel zu eige­nem oder frem­dem Vor­teil vor. Anders aber wie­der Nord- rhein-West­fa­len: § 37 Abs. 4 der Ord­nung des Vor­be­rei- tungs­diens­tes und der Staats­prü­fung 2011 (GV NRW S. 218) ent­hält wie­der eine Fünf­jah­res­frist auch bei Täu- schun­gen. Hier herrscht der­je­ni­ge rhei­ni­sche Froh­sinn, den Löwer den Dok­to­ran­den zubil­li­gen will.

Von sach­be­zo­ge­ner Här­te sind durch­weg inge­nieur- wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dungs­ord­nun­gen. So bestimmt § 28 Diplom­prü­fungs­ord­nung Maschi­nen­bau der RWTH vom 18.11.199826 zur „Aberken­nung des Diplom- grades“:

(1) Hat die Kan­di­da­tin oder der Kan­di­dat bei einer Prü­fung getäuscht und wird die­se Tat­sa­che erst nach Aus­hän­di­gung des Zeug­nis­ses bekannt, kann der Prü- fungs­aus­schuß nach­träg­lich die Noten für die­je­ni­gen Prü­fungs­leis­tun­gen, bei deren Erbrin­gung die Kan­di­da- tin oder der Kan­di­dat getäuscht hat, ent­spre­chend be- rich­ti­gen und die Prü­fung ganz oder teil­wei­se für nicht bestan­den erklären.

(2) Waren die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung zu einer Prü­fung nicht erfüllt, ohne daß die Kan­di­da­tin oder der Kan­di­dat hier­über täu­schen woll­te, und wird

26 www.maschinenbau.rwth-aachen.de/cms/Maschinenbau/Studi- um/Downloads/Diplom/~osl/Maschinenbau/ [29.7.2013].

die­se Tat­sa­che erst nach der Aus­hän­di­gung des Zeug- nis­ses bekannt, wird die­ser Man­gel durch das Bestehen der Prü­fung geheilt. Hat die Kan­di­da­tin oder der Kan­di- dat die Zulas­sung vor­sätz­lich zu Unrecht erwirkt, ent- schei­det der Prü­fungs­aus­schuß unter Beach­tung des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes für das Land Nord­rhein- West­fa­len über die Rechtsfolgen.

Eine Frist gibt es dort gar nicht; eine Hei­lung ist nur vor­ge­se­hen, wenn Prü­fungs­vor­aus­set­zun­gen feh­len und dar­über nicht vor­sätz­lich getäuscht wor­den ist. Das Pla- giat in der Diplom­ar­beit kann also unbe­fris­tet mit Aber- ken­nung geahn­det werden.

Wenn Löwer also aus einer juris­ti­schen Beson­der­heit ein ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­ges Prin­zip extra­po­liert, mag man sich wis­sen­schaft­lich fra­gen, war­um ihm ande­re Fä- cher und ihre Aus­bil­dungs­re­geln nicht in den Sinn kom- men. Prak­tisch möch­te man ihn fra­gen, ob er von einem Arzt behan­delt wer­den woll­te, der sich sein ertäusch­tes Examen zur Appro­ba­ti­on erses­sen hat oder ob er über eine Brü­cke fah­ren will, die ein Schei­n­in­ge­nieur kon- stru­iert hat. Mag er vor einem Rich­ter ste­hen, der sei­nen Berufs­zu­gang mit einer gekauf­ten Examens­haus­ar­beit in Nord­rhein-West­fa­len erschli­chen hat? War­um täu­schen- de Juris­ten (und Leh­rer) einen beson­de­ren Befris­tungs- schutz benö­ti­gen – im Ver­gleich zu Inge­nieu­ren, Be- triebs- und Volks­wir­ten, aber auch Ärz­ten – ist nicht er- findlich.

II. Lex feren­da – cui bono?

1. Kan­di­dat: Titelerhalt

Gestellt ist also die Grund­fra­ge: For­dern Ver­trau­ens- schutz oder Rechts­frie­den eine Befris­tung des Pro­mo­ti- ons­ent­zugs, soll also der Dok­tor in der Sache unver­dient erhal­ten blei­ben – weil lan­ge Zeit ver­gan­gen ist? Vor­teil- haft ist dies zuerst für den Schwind­ler, der die aka­de­mi- sche Frucht sei­ner Moge­lei behal­ten darf. Dem nur und womög­lich zu Unrecht in Ver­dacht Gera­te­nen wird das Pro­mo­ti­ons­kon­troll­ver­fah­ren zu eige­ner Ehren­ret­tung ver­sagt. Hier wur­de selbst der Spöt­ter Hei­ne fuch­tig, dem unter­stellt wor­den war, er habe sei­nen Dok­tor gekauft:

24 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2014), 19–28

Man soll ruhig von mir sagen, ich sei ein Bas­tard, der Sohn eines Hen­kers, ein Stra­ßen­räu­ber, Athe­ist, ein schlech­ter Dich­ter – ich lache dar­über. Aber es zer­reißt mir das Herz, mei­ne Dok­tor­wür­de bestrei­ten zu hören (obwohl unter uns gesagt, die Juris­pru­denz gera­de die- jeni­ge unter allen Wis­sen­schaf­ten ist, von wel­cher ich am wenigs­ten weiß).27

Ver­jäh­rungs­frist oder Ersit­zung kön­nen die Dis­kus- sion des inkri­mi­nier­ten Tex­tes nicht unter­bin­den und auch nicht den damit bewirk­ten Anse­hens­ver­lust. Jeder ver­öf­fent­lich­te aka­de­mi­sche Text steht zur Werk­kri­tik an und damit auch zur Dis­kus­si­on sei­ner „Ori­gi­na­li­tät“. Eben aus die­sem Grund schrei­ben die Pro­mo­ti­ons­ord- nun­gen die Publi­ka­ti­on vor. Das kann man an pro­fes­so- ralen Pla­gia­ten und Geist­schrei­be­rei­en erken­nen (Schwin­tow­ski, Wirth, Preis28). Geret­tet wird durch Er- sit­zung nur Visi­ten­kar­te und Klin­gel­schild. Der Pla­gia- toren-Ein­trag im Netz bleibt.

Auf der ande­ren Sei­te gilt: Je län­ger sol­che Dok­to­rats- ertüch­ti­gung unbe­merkt bleibt, des­to län­ger kann auf dem unge­recht­fer­tig­ten, erschwin­del­ten Dok­tor­grad eine Kar­rie­re, ein Berufs­le­ben und gesell­schaft­li­ches An- sehen wach­sen. Das zyni­sche (oder dia­lek­ti­sche) Mo- ment ist das des Felix Krull: Der ange­maß­te Erfolg fußt auf eben jenem ange­se­he­nen Qua­li­täts­aus­weis der Dis- ser­ta­ti­on, den der Fremd­text­ver­wer­ter für sich als An- spruch und Maß­stab leug­net. Wis­sen­schaft miß­rät zum Schau­spiel, wird im eigent­li­chen Wort­sinn nur­mehr vor- geführt, vor­ge­spielt und vor­ge­täuscht. Es macht kei­nen nen­nens­wer­ten Unter­schied, ob der Hoch­stap­ler Ex- amens­zeug­nis­se, Dis­ser­ta­ti­on und womög­lich Appro­ba- tion (Gerd Pos­tel) fälscht oder ob er nur ein biß­chen ge- schick­ter eine gefälsch­te Prü­fungs­leis­tung ein­reicht und auf deren Grund­la­ge eine ech­te Urkun­de erhält. Hoch- sta­pe­lei bleibt das.

Die sehr spät auf­ge­deck­ten Fäl­le Strö­ker und Scha­van zei­gen: Auf der Grund­la­ge eines unver­dien­ten Dok­tor- gra­des läßt sich ein gan­zer Lebens­plan bau­en, sei es die aka­de­mi­sche, sei es die poli­ti­sche Kar­rie­re. Heut­zu­ta­ge ver­su­chen frisch Pro­mo­vier­te über die Juni­or­pro­fes­sur unmit­tel­bar auf das Dis­ser­ta­ti­ons­pla­gi­at eine Wis­sen- schafts­kar­rie­re zu bauen.29 Die­se Vor­tei­le des Doktor-

27 Hein­rich Hei­ne, Brief an Phil­arè­te Chas­les [den Über­set­zer von Jean Paul] vom 15. Janu­ar 1835, in: Hei­ne, Leben Sie wohl und hole Sie der Teu­fel (2005, Hg Hau­s­child, über­setzt von Fell­rath), 178 f; oder in ande­rer Über­set­zung: Hei­ne, Mein Leben, Auto- bio­gra­fi­sche Tex­te (2005, Hg Kru­se, Über­set­zer nicht ange­ge­ben, Brief­da­tum womög­lich durch Scan­feh­ler ver­fälscht), 18 f; im Ori­gi­nal der Düs­sel­dor­fer Hei­ne-Aus­ga­be (DHA): „Qu’on dise de moi que je suis bâtard, fils de bour­reau, voleur de grand che­min, athée, mau­vais poè­te: j’en ris; mais ça me déchi­re le coeur de voir con­tes­ter ma digni­té doc­to­ra­le (ent­re nous, quoi­que doc­teur en

gra­des blei­ben dem­je­ni­gen, des­sen Pro­mo­ti­on nach lan- ger Zeit ent­zo­gen wird. § 48 VwVfG sieht kei­ne Ab- schöp­fung von Vor­tei­len vor. Inso­fern läßt sich umge- kehrt sagen: Wer erst nach drei­ßig oder mehr Jah­ren „er- wischt“ wird, hat schon unglaub­li­ches Glück gehabt, durf­te ein Erwerbs­le­ben lang von unver­dien­ter aka­de­mi- scher Wür­de zeh­ren. Der Dok­tor­grad ist bares Geld wert.30 Auch die Alters­ver­sor­gung bleibt. Für Pro­mo­ti- ons­schwind­ler bedeu­tet dies: „Money for not­hing. Chicks for free.“ (Dire Straits). Daß dann über die­se Frucht lang­jäh­ri­ger Nicht­ent­de­ckung hin­aus auch die künf­ti­ge Ver­scho­nung gebo­ten sein soll … das erschließt sich mir nicht.

Viel­leicht hilft ein Sport­bei­spiel zur Ein­sicht: Wird ein Sport­ler nach län­ge­rer Zeit des Dopings über­führt, dür­fen ihm dann nach­träg­lich rück­wir­kend Medail­len, Sie­ge und Rekor­de aberkannt wer­den? Oder muß nicht nach gewis­ser Zeit „Rechts­frie­den“ für sol­che Sport­lei- stungs­be­trü­ger ein­keh­ren? Kann man eine zwei­fel­haf­te Medail­le ersit­zen? Wie kommt der Rad­sport-Welt­ver- band dazu, im Jahr 2012 Lan­ce Arm­strong wegen sys­te- mati­schen Dopings sämt­li­che Erfol­ge seit dem 1. August 1998 abzu­er­ken­nen, dar­un­ter alle Tour-de-Fran­ce-Sie­ge? Ist es nicht uner­hört, daß die­sem „Sport­ler“ 2013 – nach mehr als zehn Jah­ren – die olym­pi­sche Medail­le aus 2000 ent­zo­gen wird? Müs­sen nicht Doping­sün­der auf (unver­dien­ten) Medail­len­schatz und Sie­ger­eh­re ver­trau- en dür­fen? Wo bleibt der Rechtsfrieden?

Stau­nen kann man nur dar­über, daß die zen­tra­le Fra- ge nicht gestellt wird: Soll die Ersit­zung des Dok­tor­gra- des in den ganz har­ten Fäl­len grei­fen – wenn also der Kan­di­dat nicht eine Zei­le der Dis­ser­ta­ti­on ver­faßt hat, son­dern ent­we­der einen Geist­schrei­ber bezahlt oder ein Voll­text­pla­gi­at abge­ge­ben hat? Um wel­chen Ver­trau­ens- schutz geht es hier? Der Voll­be­trü­ger hofft doch allen- falls, nicht erwischt zu wer­den und also davon­zu­kom- men. Nach gewis­ser Zeit mag er hier­auf ver­trau­en – doch berech­tigt und schüt­zens­wert ist dies Ver­trau­en nicht.

Eben dies betont die Prü­fungs­recht­spre­chung: Die Fakul­tä­ten müs­sen bei ihrem Rück­nah­me­er­mes­sen („kann“ in § 48 Absatz 1 VwVfG) den „Schutz des Ver- trau­ens auf den Bestand des Ver­wal­tungs­ak­tes mit dem

droit, la juris­pru­dence est pré­cis­é­ment cel­le de tou­tes les sciences

dont je sais le moins)“. Erläu­te­run­gen dazu: DHA XV, 1249 ff. 28 Dazu Rieb­le, Wis­sen­schafts­pla­gi­at (2010).
29 Fall Hafer­kamp, aus­ge­rech­net in den Kommunikationswissen-

schaf­ten dazu Macho­w­ecz, Und weg war sie, DIE ZEIT 27.9.2012 =

www.zeit.de/2012/40/Plagiat-Professorin-Sachsen [27.6.2013]. 30 Groll, Ein Dok­tor­ti­tel bringt mehr Geld und Pres­ti­ge, www.zeit.

de/karriere/beruf/2013–02/promotion-karriere-einkommen [19.6.2013].

Rieb­le · Pla­giat­ver­jäh­rung. Zur Ersit­zung des Dok­tor­gra­des 2 5

öffent­li­chen Inter­es­se an sei­ner Rück­nah­me abzu­wä­gen“. Für die­se Abwä­gung kommt das BVerwG zu einem prin- zipi­el­len Vor­rang der Rücknahme:

In die­se Abwä­gung sind bei der Ent­zie­hung eines Dok- tor­gra­des die für den Betrof­fe­nen damit ver­bun­de­nen beruf­li­chen Erschwer­nis­se ein­zu­stel­len, die als vor­her- seh­ba­re und in Kauf genom­me­ne Neben­fol­gen den Schutz­be­reich des Art. 12 Abs. 1 GG berüh­ren […]. Da- mit über­ein­stim­mend hat das Beru­fungs­ge­richt die Er- mes­sens­aus­übung der Beklag­ten des­halb gebil­ligt, weil deren wis­sen­schaft­li­cher Ruf und das Anse­hen der Rechts­wis­sen­schaft ins­ge­samt das Inter­es­se der Klä- gerin an ihrem beruf­li­chen Anse­hen überwiege.31

In der Ent­schei­dung zum Unwür­dig­keits­wi­der­ruf im Fall Schön betont das BVerwG,32 daß die Pro­mo­ti­on ei- nen Ver­trau­ens­vor­schuß, also eine Erwar­tung in ein spä- teres wis­sen­schafts­kon­for­mes Arbei­ten begrün­det. Wer durch spä­te­re Daten­fäl­schun­gen gra­vie­rend gegen die Grund­sät­ze guter wis­sen­schaft­li­cher Pra­xis ver­stößt, dem kann zum Schutz der Wis­sen­schaft der Dok­tor­grad ent­zo­gen wer­den. Wenn aber die Pro­mo­ti­on eine lebens- lan­ge Red­lich­keits­pflicht des Pro­mo­vier­ten erzeu­gen kann, dann kann es „erst recht“ kein Ver­trau­en dar­auf geben, mit einer anfäng­li­chen Täu­schung „durch­zu­kom- men“. Eben dies schließt auch jedes Aus­wei­chen auf die Ver­wir­kung aus.33

2. Fakul­tät und aca­de­mia: Schutz des Arbeitsfriedens

Rechts­frie­den und Ver­trau­ens­schutz sind wich­ti­ge Güter. Die Recht­mä­ßig­keit staat­li­chen Ver­hal­tens aber auch. Mit „Rechts­frie­den“ ist indes der Arbeits­frie­den in den Fakul­tä­ten gemeint: Dort näm­lich löst jeder plau­sib- le Anfangs­ver­dacht einen auf­wen­di­gen Pla­gi­ats­prüf­pro- zeß aus. Die Auf­ar­bei­tung des Pla­gi­ats­ver­dach­tes macht mehr Mühe als die Begut­ach­tung der Dis­ser­ta­ti­on: Fin- den sich ver­däch­ti­ge Text­stel­len, muß akri­bisch nach den Ori­gi­na­len gesucht wer­den – das ist eine Suche ins Blaue. Text­ver­gleichs­pro­gram­me sind wenig hilf­reich. Sie ver­sa­gen selbst bei im Netz ver­füg­ba­ren Quel­len – und erst recht hel­fen sie nicht beim Fin­den papier­ner Ori­gi­na­le. All dies mün­det in eine auf­wen­di­ge synopti-

  1. 31  BVerwG 20.10.2006 – 6 B 67/06 – juris.
  2. 32  BVerwG 31.7.2013 – 6 C 9.12 – Pres­se­mit­tei­lung 56/2013.
  3. 33  Schroe­der, Die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des wegen Täu­schun­gin der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung, NwVBl 2010, 176, 181. All­ge­mein zur Ver­wir­kung im Ver­wal­tungs­recht BVerwG 12.1.2004 – 3 B 101/03 – NVwZ-RR 2004, 314.
  4. 34  Grund­li­ni­en der Phi­lo­so­phie des Rechts (1821) § 69, zitiert nach der Frank­fur­ter Werk­aus­ga­be, Band 7 (1979), 148; gemeinfrei:

sche Gegen­über­stel­lung der Tex­te, die die mar­gi­na­len mani­pu­la­ti­ven Text­ver­än­de­run­gen (Satz­um­stel­lun­gen, Wort­aus­tausch, gerin­ge Strei­chun­gen: „Modi­fi­ka­ti­ön- chen“ iS Hegels34) sicht­bar machen sol­len. Den Lehr- stuhl des Gut­ach­ters kann das über Wochen läh­men. So viel Arbeit macht nicht glück­lich – zumal eine Fakul­tät mit der Pla­gi­ats­schau kei­ne Meri­ten erwirbt, son­dern nur Unan­nehm­lich­kei­ten hat. Die Kla­ge­lust der Kan­di- daten auf Pro­mo­ti­ons­ent­zug ist unge­bro­chen. Bezeich- nen­der­wei­se beken­nen All­ge­mei­ner Fakul­tä­ten­tag (AFT), Fach- Fakul­tä­ten­ta­ge und Deut­scher Hoch­schul- verband35:

Da kei­ne Fakul­tät glück­lich ist, von Amts wegen auch lan­ge zurück­lie­gen­de Pro­mo­ti­ons­leis­tun­gen auf­grei­fen zu müs­sen und in einem müh­se­li­gen Ver­fah­ren neu zu prü­fen, spre­chen sicher auch Prak­ti­ka­bi­li­täts­grün­de für eine Verjährungsfrist.

Die­sen Satz muß man sich selbst mehr­fach vor­le­sen, um sei­ne Imper­ti­nenz zu begrei­fen: Weil Fakul­tä­ten faul sind, müs­sen betrü­ge­ri­sche Dok­to­ran­den davon­kom- men. Arbeits­un­lust zur Kor­rek­tur eigen­ver­ant­wor­te­ter Feh­ler heißt nun: „Prak­ti­ka­bi­li­tät“.

Selbst wenn Pla­gia­to­ren vom Gut­ach­ter erwischt wer­den, sehen doch die Fakul­tä­ten viel­fach von einer förm­li­chen Miß­bil­li­gung der Arbeit (Durch­fal­len­las­sen) ab – was dem Kan­di­da­ten nicht bloß die Rück­nah­me des Pro­mo­ti­ons­ge­su­ches erlaubt, son­dern auch die erneu­te Ein­rei­chung bei einer weni­ger kri­ti­schen, bevor­zugt öster­rei­chi­schen Uni­ver­si­tät (Fall Moeder36). Die oft er- for­der­li­che Ver­si­che­rung des Dok­tor-Kan­di­da­ten, sei­ne Arbeit nicht anders­wo ein­ge­reicht zu haben, kann leich- ten Her­zens und errö­tungs­los abge­ge­ben wer­den. Die Rück­nah­me des schei­tern­den Gesu­ches macht alles un- gesche­hen und so kann das Unge­sche­he­ne ver­si­chert werden.

Eine mög­lichst kur­ze Pro­mo­ti­ons­rück­nah­me­frist er- spart die pein­li­chen Aus­re­den der Fakul­tä­ten, das ver- brei­te­te Schwei­gen und Bemän­teln, das Geschwur­be­le über die feh­len­de Täu­schungs­ab­sicht, die Bedeu­tungs­lo- sig­keit der geklau­ten Text­stel­len im Ver­gleich zu dem wis­sen­schaft­li­chen Zen­tral­teil der Arbeit, den erst noch

www.zeno.org/nid/20009181253 [1.8.2013].
35 www.hochschulverband.de/cms1/fileadmin/redaktion/download/

pdf/resolutionen/Empfehlungen21052013.pdf [31.7.2013], 9 f. 36 Horst­kot­te, Pro­fes­sor gilt als Pla­gia­tor und kei­nen störts, www.

zeit.de/studium/hochschule/2013–05/moeder-plagiat-dissertation [19.6.2013]; http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Rm [27.6.2013] www.hs-heilbronn.de/5166719/958_stellungnahme_plagiat [27.6.2013].

26 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2014), 19–28

zu ermit­teln­den her­me­neu­ti­schen Deu­tungs­zu­sam­men- hang des mash up.37 Und damit auch die mit sol­chem Gna­den­er­weis (Althus­mann, Par­ty-Prinz Schaum­burg- Lip­pe) ver­bun­de­ne Fra­ge, ob eine sol­che Fakul­tät wis- sen­schaft­li­che Maß­stä­be noch ernst nimmt. Nicht bloß das Pla­gi­at ist eine Fra­ge der Ehre (Hegel38), die Pla­gi­at- wehr durch die Fakul­tä­ten ist es eben­so. Dem­entsp­re- chend lau­tet der Sach­ein­wand: Wer aus Arbeits­un­lust die Durch­set­zung wis­sen­schaft­li­cher Red­lich­keits­maß- stä­be ver­wei­gert, der kann als Uni­ver­si­tät oder Fakul­tät sich sei­ner­seits nicht mehr auf Wis­sen­schaft­lich­keit be- rufen und hier­aus Anse­hen und sozia­le Gel­tung ablei­ten. Wenn die Fakul­tä­ten sich wei­gern, die von ihnen her­vor- gebrach­ten Wis­sen­schafts­pro­duk­te sau­ber zu hal­ten – dann brau­chen sie sich nicht zu wun­dern, wenn sie im Anse­hen auf das Niveau von Gebraucht­wa­gen­händ­lern her­ab­sin­ken. Der Gel­tungs­an­spruch der Wis­sen­schaft grün­det dar­auf, daß sie das Sein red­lich ergrün­den will – der blo­ße Schein von Wis­sen­schaft­lich­keit trägt nicht. Und eben auf sol­chen Schein ist die Ver­jäh­rungs­kon­zep- tion gerichtet.

Immer wie­der ist von Fäl­len zu hören, in denen die Fakul­tä­ten exter­ne Hin­wei­se auf Pla­gia­te „über­hö­ren“. So berich­tet Jür­gen Plöhn, der bei Stu­di­en zum eige­nen Dok­to­rat auf ein Dis­ser­ta­ti­ons-Voll­text­pla­gi­at (gan­ze Arbeit abge­schrie­ben!) gesto­ßen war, in einem Leser- brief an die F.A.Z. (29.10.2012, S. 8): „Als ich vor eini­gen Jah­ren die Leo­pold-Fran­zens-Uni­ver­si­tät Inns­bruck auf den Fall auf­merk­sam mach­te, wur­de bei mir nur ange- fragt, ob ich der Uni­ver­si­tät auch noch die heu­ti­ge Adres- se ihrer Pro­mo­ven­din ver­schaf­fen kön­ne.“ Ich selbst habe einst eine Fakul­tät dis­kret auf eine andert­halb­sei­ti- ge wort­wört­li­che Text­i­den­ti­tät in einer Dis­ser­ta­ti­on hin- gewie­sen – und bin auf gepfleg­tes Des­in­ter­es­se gesto­ßen: Schon die Nach­schau, ob in der Arbeit von Mar­co Wen- deroth39 womög­lich (und dies nicht ganz unwahr­schein- lich) wei­te­re „Stel­len“ zu fin­den sind – war der Fakul­tät zu lästig.

So gese­hen bringt Ver­jäh­rung vor allem Ruhe in die Fakul­tät: Die mög­lichst kur­ze Ver­jäh­rungs­frist soll die Hän­de bin­den, damit die ange­spro­che­ne Fakul­tät bedau- ernd sagen kann: Uns sind die Hän­de gebun­den. Man kann unschwer ein Mus­ter-Absa­ge­schrei­ben, vor­for­mu- liert vom All­ge­mei­nen Fakul­tä­ten­tag, imaginieren:

  1. 37  Von Geh­len, Mas­hup: Lob der Kopie (2011).
  2. 38  Hegel, Grund­li­ni­en der Phi­lo­so­phie des Rechts (1821) § 69, zitiert­nach der Frank­fur­ter Werk­aus­ga­be, Band 7 (1979), 148 ff; gemein-frei im Netz: www.zeno.org/nid/20009181253 [1.8.2013].
  3. 39  Der all­ge­mei­ne Unter­las­sungs­an­spruch des Betriebs­rats, 2006 =

Sehr geehr­ter [Hin­weis­ge­ber],
wir bedan­ken uns sehr für die Hin­wei­se zu inter­tex­tu­el- len Inkor­rekt­hei­ten in der Dis­ser­ta­ti­on [Titel] von [Dok- torand]. Da die Dis­ser­ta­ti­on [Pro­mo­ti­ons­jahr] voll­zo­gen wor­den ist, ist inzwi­schen die Pro­mo­ti­ons­rück­nah­me- frist nach § 00 des für uns maß­geb­li­chen Lan­des­hoch- schul­ge­set­zes ver­stri­chen. Die­se Frist dient dem Schutz des Rechts­frie­dens. Des­halb kann der Dok­tor­grad nicht mehr ent­zo­gen wer­den, auch wenn eine Unter­su­chung ergä­be, daß die Dis­ser­ta­ti­on kei­ne taug­li­che Grund­la­ge für den ver­lie­he­nen Dok­tor­grad ist.

Es steht Ihnen frei, sich per­sön­lich publi­zis­tisch mit der ange­grif­fe­nen Dok­tor­ar­beit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Uns als Fakul­tät einer staat­li­chen Uni­ver­si­tät ist dies mit Blick auf das Prin­zip der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal- tung untersagt.

Mit wis­sen­schaft­li­chen Grü­ßen Ihre …

III. Unter­ge­setz­li­che Rege­lung in Promotions­ ord­nun­gen?

1. Dr. phil. oder rer. pol. in München

Die ekla­tan­ten fakul­täts­schüt­zen­den Vor­tei­le einer sol- chen Pro­mo­ti­ons­er­sit­zung legen es nahe, bis zur gefor- der­ten hoch­schul­ge­setz­li­chen Umset­zung in den Pro- moti­ons­ord­nun­gen ent­spre­chen­de Selbst­ver­scho­nung zu regeln. So bestimmt die „Pro­mo­ti­ons­ord­nung der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen für die Gra- de des Dr. phil. und Dr. rer. pol.“:40

§ 16 Nicht­voll­zug der Pro­mo­ti­on und Ent­zug des Dok- torgrades

(1) Hat der Kan­di­dat bei einer Pro­mo­ti­ons­leis­tung getäuscht und wird dies erst nach Ertei­lung des Be- scheids gemäß § 12 Abs. 3 bekannt, so kann nach­träg­lich die Dok­tor­prü­fung für nicht bestan­den erklärt werden.

(2) Waren die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung zur Pro­mo­ti­on nicht erfüllt, ohne dass der Kan­di­dat hie­rü- ber täu­schen woll­te, und wird die­se Tat­sa­che erst nach Ertei­lung des Bescheids gemäß § 12 Abs. 3 bekannt, so wird die­ser Man­gel durch das Bestehen der Dok­tor­prü- fung geheilt. Hat der Kan­di­dat die Zulas­sung vor­sätz­lich zu Unrecht erwirkt, so ent­schei­det der Promotionsaus-

Diss Bochum 2005; zu dem Fall Rieb­le, Das Wissenschaftsplagiat

(2010), S 11.
40 www.uni-muenchen.de/studium/studienangebot/studiengaenge/

nebenfachw_mag/promord/fassung_2005/p‑k/konsol_fassung_ promo_2005_S3_2009_06_191.pdf [27.6.2013].

Rieb­le · Pla­giat­ver­jäh­rung. Zur Ersit­zung des Dok­tor­gra­des 2 7

schuss über erfor­der­li­che Maß­nah­men unter Beach­tung der all­ge­mei­nen Grund­sät­ze über die Rück­nah­me rechts­wid­ri­ger Ver­wal­tungs­ak­te (Art. 48 VwVfG).

(3) Im Fal­le der nach­träg­li­chen Fest­stel­lung des Nicht­be­stehens der Dok­tor­prü­fung ist die bereits aus- gehän­dig­te Urkun­de ein­zu­zie­hen. Eine Ent­schei­dung nach Abs. 1 und 2 ist nur inner­halb einer Frist von fünf Jah­ren nach Ertei­lung des Bescheids gemäß § 12 Abs. 3 möglich.

Die­se Rege­lung fin­det sich in wei­te­ren Prü­fungs­ord- nun­gen, so etwa in der Pro­mo­ti­ons­ord­nung für die Ma- the­ma­tisch-Geo­gra­phi­sche Fakul­tät der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Eich­stätt-Ingol­stadt 2004. Die Norm unter- schei­det rich­tig die Pro­mo­ti­ons­täu­schung (also vor al- lem: das Dis­ser­ta­ti­ons­pla­gi­at) und die Täu­schung über die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen – ord­net aber für bei­de in Abs. 3 die Ver­jäh­rung bin­nen fünf Jah­ren an. Dann ist nicht nur der über­for­der­te Dok­to­rand mit ange­eig­ne­ten Fremd­tex­ten ver­schont, son­dern auch der hart­lei­bi­ge Be- trü­ger, der kein ein­zi­ges Wort selbst ver­faßt hat, son­dern einen Ghost­wri­ter für 25.000 € hat schrei­ben lassen.

2. Reich­wei­te der Regelungsermächtigung

Die Rechts­fra­ge lau­tet: Dür­fen Hoch­schu­len ihr eige­nes Pro­mo­ti­ons­ent­zugs­re­gime ver­ord­nen – und damit das ver­fas­sungs­recht­li­che Prin­zip der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung einschränken?41 Ant­wort: Das hängt zuerst von der lan­des­hoch­schul­recht­li­chen Rege­lungs­er­mäch- tigung ab. Wenn das Lan­des­hoch­schul­ge­setz eine sol­che Ermäch­ti­gung expli­zit ent­hält, lie­ße sich hier­ge­gen nur Art. 80 GG nebst ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten des Lan- des­rechts ein­wen­den, der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen dahin begrenzt, daß die wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen im Gesetz getrof­fen sein müs­sen. Das folgt schon aus dem Gewaltenteilungsprinzip.

Für eine aus­ge­dehn­te Ana­ly­se aller Lan­des­ge­set­ze ist hier kein Platz. Sym­pto­ma­tisch muß das baye­ri­sche Recht her­hal­ten, also das hie­si­ge Hoch­schul­ge­setz. Zen- tra­le Norm ist Art. 69 Satz 1 BayHSchG: „Der von einer baye­ri­schen Hoch­schu­le ver­lie­he­ne aka­de­mi­sche Grad kann unbe­scha­det des Art. 48 BayV­wVfG ent­zo­gen wer- den, wenn sich der Inha­ber oder die Inha­be­rin durch ein spä­te­res Ver­hal­ten der Füh­rung des Gra­des als unwür­dig erwie­sen hat.“ Damit ist für den Pro­mo­ti­ons­ent­zug we- gen Dis­ser­ta­ti­ons­pla­gi­at expli­zit auf die all­ge­mei­ne ver- wal­tungs­ver­fah­rens­recht­li­che Rege­lung zur Rück­nah­me rechts­wid­ri­ger Ver­wal­tungs­ak­te ver­wie­sen. Daß nach

41 Die­se Fra­ge habe ich mit PD Dr. Josef Auleh­ner vom Rechts­amt der LMU dis­ku­tiert; ihm ver­dan­ke ich Anre­gun­gen und Argu- mente.

Art. 104 Abs. 1 BayHSchG das Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge- setz für Hoch­schul­prü­fun­gen nur gilt, soweit nicht Sat- zun­gen der Hoch­schu­len inhalts­glei­che oder ent­ge­gen- ste­hen­de Bestim­mun­gen ent­hal­ten, ist kei­ne Ermäch­ti- gungs­grund­la­ge. Die­se fin­det sich in Artt. 64 Abs. 1 Satz 5, 61 Abs. 3 Satz 2 Nr. 9 BayHSchG. Daß die Uni­ver­si­tä- ten „die Bear­bei­tungs­zei­ten für die Anfer­ti­gung schrift- licher Prü­fungs­ar­bei­ten sowie die Fol­gen von Ver­stö­ßen gegen Prü­fungs­vor­schrif­ten“ regeln dür­fen und müs­sen, läßt sich einer­seits eng ver­ste­hen – dahin, daß es nur um Ord­nungs­vor­schrif­ten und For­ma­li­en geht. Man kann das aber auch weit begrei­fen und die Fakul­tä­ten für be- rech­tigt hal­ten, ihr Rück­nah­me­er­mes­sen vor­ab zu bin- den. Mir liegt die ers­te Les­art deut­lich näher, weil die nach­träg­li­che Rück­nah­me eines durch Täu­schung er- lang­ten Prü­fungs­tes­tats kei­ne fakul­täts­spe­zi­fi­sche Fra­ge ist, son­dern fakul­täts­über­grei­fend gleich­för­mig gere­gelt wer­den muß. War­um der Dr. phil. in Mün­chen nach fünf Jah­ren rück­nah­me­fest erses­sen ist, der Dr. iur. dage- gen nicht, bleibt uner­find­lich. Weil so zudem das Ver­fas- sungs­prin­zip der Recht­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung zu- rück­ge­drängt wird, hal­te ich dafür, daß eine der­ar­ti­ge Befris­tung dem par­la­men­ta­ri­schen Hoch­schul­ge­setz vor­be­hal­ten ist und Uni­ver­si­tä­ten und Fakul­tä­ten nicht über­las­sen wer­den kann.

3. Fol­gen­los

Das Schö­ne an der­ar­ti­gen Rechts­er­wä­gun­gen: Sie sind fol­gen­los. Ist die Pro­mo­ti­ons­ord­nung mit Befris­tungs­re- gel ein­mal in der Welt, kann eine Fakul­tät sich zum Selbst­schutz vor Arbeits­last auf die­se beru­fen. Dem Ein- wand, eine sol­che Pro­mo­ti­ons­ord­nung sei rechts­wid­rig und unwirk­sam, läßt sich gelas­sen begeg­nen: Dies fest- zustel­len sei Auf­ga­be der Rechts­auf­sicht. Bis dahin müs- se sich jeder Absol­vent auf die Pro­mo­ti­ons­ord­nung ver- las­sen dürfen.

IV. Fazit

Jede Form von „Pla­giat­ver­jäh­rung“ läuft auf eine Ersit- zung des erschli­che­nen Abschlus­ses, ins­be­son­de­re der Pro­mo­ti­on hin­aus. Für sie braucht es grund­sätz­lich eine gesetz­li­che Rege­lung, weil die Kor­rek­tur von Ver­wal- tungs­un­recht grund­sätz­lich unbe­fris­tet erfolgt. Bezeich- nen­der­wei­se fin­den sich sol­che Prü­fungs­kon­troll­be­fri- stun­gen vor allem bei Juris­ten, mit­un­ter auch bei Leh- rern. Dort scheint es bedeu­tungs­los zu sein, ob das Staats­examen erschli­chen wor­den ist. Bei Ärz­ten und

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Inge­nieu­ren hin­ge­gen ist die Rechts­ord­nung stren­ger. Dort möch­te die Gesell­schaft kei­ne Schwind­ler dulden.

Die Wis­sen­schaft muß sich selbst befra­gen, was ihr wich­tig ist: Ruhe an der Pro­mo­ti­ons­front und Ver­scho- nung von ner­vi­gen Prüf­ver­fah­ren oder Ver­tei­di­gung der wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards, auch und gera­de durch Auf­de­ckung und Kor­rek­tur des Fehl­ver­hal­tens. Der ers­te Weg ist bequem, birgt aber die Gefahr, daß die Red­lich- keit als „Fun­da­ment der Wis­sen­schaft als eines sozia­len Systems“42 brö­ckelt. Daß Gesell­schaft, Rechts­ord­nung und Recht­spre­chung der Wis­sen­schaft Grund­ver­trau­en ent­ge­gen­brin­gen und Vor­rech­te gewäh­ren, ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Wür­de bemerkt, wie lax Wis­sen- schafts­in­sti­tu­tio­nen bei Prü­fung und Pro­mo­ti­on ver­fah- ren und lenk­te die Wis­sen­schaft selbst durch kor­rek­tur- ver­ei­teln­de Frist das Augen­merk hier­auf, so miß­rie­ten die Vor­rech­te der Wis­sen­schaft zum kleb­rig-unver­di­en- ten Pri­vi­leg. Nach­hal­tig ist das nicht. Und mit­tel­fris­tig ver­tei­di­gen lie­ßen sich sta­tus­ori­en­tier­te Pri­vi­le­gi­en ohne dahin­ter­ste­hen­den Leis­tungs– und Red­lich­keitsan- spruch eben­so­we­nig. Es gilt, was das BVerfG zur erschli- che­nen Ein­bür­ge­rung gesagt hat:

Eine Rechts­ord­nung, die sich ernst nimmt, darf nicht Prä­mi­en auf die Miss­ach­tung ihrer selbst set­zen. Sie schafft sonst Anrei­ze zur Rechts­ver­let­zung, dis­kri­mi­niert recht­s­treu­es Ver­hal­ten […] und unter­gräbt damit die Vor­aus­set­zun­gen ihrer eige­nen Wirksamkeit.43

Wem dies gleich­gül­tig ist und wer für sei­ne per­sön­li- che Rest­dienst­zeit vor allem in Ruhe gelas­sen wer­den will, dem ist die womög­lich rechts­wid­ri­ge aber doch fak- tisch wirk­sa­me Befris­tungs­re­ge­lung in den Pro­mo­ti­ons- ord­nun­gen zu emp­feh­len. Sie erregt wenig Auf­se­hen, ver­schafft Pro­mo­ti­ons­be­trü­gern einen siche­ren Titel und schützt Pro­fes­so­ren davor, lang­wei­li­ge Arbei­ten er- neut anschau­en zu müs­sen. Ist der Dok­tor­grad nach Frist­ab­lauf erses­sen, ändert das an der aka­de­mi­schen Hoch­sta­pe­lei: kei­nen Deut.

42 DFG-Denk­schrift, Siche­rung guter wis­sen­schaft­li­cher Pra­xis, 1998, 27 = www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stel- lungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf [1.8.2013].

43

BVerfG 24.5.2006 – 2 BvR 669/04 – BVerfGE 116, 24 Rn 63.

Der Autor ist Pro­fes­sor am Zen­trum für Arbeits­be­zie- hun­gen und Arbeits­recht (ZAAR) an der Lud­wig- Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen (LMU).