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Über­sicht

I. Ein­füh­rung: Der Fest­landso­ckel der Ark­tis und Ant­ark­tis aus völ­ker­recht­li­cher Sicht

1. Der Fall „Arc­tic Sun­ri­se“, die Grund­la­gen des völ­ker­recht­li- chen Regimes der Ark­tis und deut­sche Forschungsinteressen

2. Die Grund­la­gen des völ­ker­recht­li­chen Regimes der Ant­ark­tis und deut­sche Forschungsinteressen

II. Das Fest­landso­ckel­re­gime der Ark­tis und die wis­sen­schaft­li- che Meeresforschung

1. Das Fest­landso­ckel­re­gime des See­rechts­über­ein­kom­mens 2. Rech­te der Küs­ten­staa­ten am erwei­ter­ten Festlandsockel

3. Wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung auf und über dem Fest- landsockel

a) Begriff der wis­sen­schaft­li­chen Meeresforschung

b) Maß­geb­li­che see­recht­li­che Rege­lun­gen zur wis­sen­schaft­li­chen Meeresforschung

aa) Grund­sät­ze

bb) Die Rege­lung des Art. 246 SRÜ: For­schungs­rech­te der Staa- ten

cc) Ver­fah­ren für For­schungs­vor­ha­ben in der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne oder auf dem Festlandsockel

dd) Wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung in den Gewäs­sern über dem erwei­ter­ten Festlandsockel

4. Zusam­men­fas­sung: Recht­li­cher Rah­men für For­schungs­ak­ti- vitä­ten auf dem Fest­landso­ckel der Ark­tis und über dem Fest- landso­ckel der Arktis

III. Son­der­fall: Das Fest­landso­ckel­re­gime im Spitzbergengebiet

IV. Das Fest­landso­ckel­re­gime der Ant­ark­tis 1. Völ­ker­recht­li­cher Mei­nungs­stand
2. Bewer­tung und prak­ti­sche Bedeutung

V. Son­der­fall: Das Rechts­re­gime des Fest­landso­ckels der Inseln nörd­lich des Antarktisgebietes

  1. 1  Vgl zur Green­peace-Akti­on statt ande­rer Lal­ly, Rus­sia Char-
    ges 14 from Green­peace Ship Arc­tic Sun­ri­se with Pira­cy After Pro­test, Washing­ton Post, 2.10.2013, abruf­bar unter http://www. washingtonpost.com/world/europe/russia-charges-five-from- green­peace-ship-with-pira­cy/2013/10/02/9­b47a7­d8-2b64-11e3 ‑b141-298f46539716_story.html. All­ge­mein zu poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen in Bezug auf die Ark­tis schon der Eco- nomist von 2012: The Vanis­hing North: What the Mel­ting of the Arc­tic Means for Tra­de, Ener­gy and the Envi­ron­ment, 16.06.2012, ins­be­son­de­re 46 ff, abruf­bar unter http://www.economist.com/ printedition/2012–06-16.
  2. 2  Rosen­thal, Race Is On as Ice Melt Reve­als Arc­tic Tre­a­su­res, The New York Times, 18.9.2012, abruf­bar unter http://www.nytimes.

I. Ein­füh­rung: Der Fest­landso­ckel der Ark­tis und Ant­ark­tis aus völ­ker­recht­li­cher Sicht

1. Der Fall „Arc­tic Sun­ri­se“, die Grund­la­gen des völ­ker- recht­li­chen Regimes der Ark­tis und deut­sche For- schungsinteressen

Wie umstrit­ten die Aus­beu­tung der Roh­stof­fe in der Ark­tis poli­tisch und völ­ker­recht­lich ist, hat sich nicht erst gezeigt, als am 18. Sep­tem­ber 2013 Mit­glie­der der Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on Green­peace ver­such­ten, mit Hil­fe ihres Schif­fes Arc­tic Sun­ri­se die rus­si­sche Ölplatt­form „Pri­ras­l­om­na­ja“ (Приразломная) zu beset- zen.1 Green­peace woll­te mit die­ser Akti­on auf die Gefah- ren der Ölför­de­rung für das ver­wund­ba­re Öko­sys­tem der Ark­tis und auf die man­geln­den Sicher­heits­vor­keh- run­gen durch Russ­land auf­merk­sam machen. Bekannt ist, dass die Akti­on schei­ter­te und das Schiff der Green- peace-Akti­vis­ten von der rus­si­schen Küs­ten­wa­che ver- folgt und gestoppt wur­de; zudem wur­den alle an Bord befind­li­chen Mit­glie­der fest­ge­nom­men und das Schiff festgesetzt.

Die gro­ße Reso­nanz die­ses Fal­les in den inter­na­tio- nalen Medi­en und die Vehe­menz, mit der Russ­land sei­ne Frei­heit zur Aus­beu­tung ark­ti­scher Erd­öl­vor­kom­men ver­tei­digt, zei­gen noch­mals deut­lich, dass die Ark­tis im 21. Jahr­hun­dert als ein stra­te­gisch wich­ti­ges, da roh­stoff- rei­ches Gebiet im Zen­trum unter­schied­li­cher staat­li­cher Inter­es­sen, ins­be­son­de­re der Anrai­ner­staa­ten Russ­land, Kana­da, Däne­mark für Grön­land, Nor­we­gen und USA,2 steht. Umstrit­ten sind vor allem die Grund­la­gen und Gren­zen der Aus­beu­tung von in der Ark­tis lagern­den Boden­schät­zen: Die zuneh­men­de Eis­frei­heit der ark­ti- schen Seegebiete3 sowie die dar­aus resul­tie­ren­de, fort- schrei­ten­de Erschlie­ßung neu­er See­we­ge für den Schiffs- verkehr4 rücken die nun leich­ter zugäng­li­chen Ressour-

com/2012/09/19/­sci­en­ce/e­ar­th/­arc­tic-resour­ces-expo­sed-by-

warming-set-off-competition.html?pagewanted=all&_r=0.
3 Vgl die Daten des Natio­nal Snow & Ice Data Cen­ter (USA), abruf-

bar unter http://nsidc.org/arcticseaicenews/.
4 Momen­tan sind dies die Nord­ost- und Nord­west­pas­sa­ge nördlich

des eura­si­schen bzw. nord­ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nents. Vgl
Sietz, Das Schiff, das aus der Käl­te kam, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, 4.6.2013, abruf­bar unter http://www.seiten.faz-archiv.de/ faz/20130604/ftum201306043886866.html. Aus­führ­lich zur völ- ker­recht­li­chen Ein­ord­nung der Nord­west­pas­sa­ge Höfel­mei­er, Der völ­ker­recht­li­che Sta­tus der Nord­west­pas­sa­ge im Span­nungs­feld zwi­schen inter­na­tio­na­lem See­recht und ark­ti­scher Sou­ve­rä­ni­tät, FIP 6/2013, abruf­bar unter http://www.fiponline.de/.

Anja Höfel­mei­er und Sil­ja Vöneky

Rechts­fra­gen bei For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten über dem Fest­landso­ckel der Ark­tis und Antarktis

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2014, ISSN 2197–9197

44 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 43–54

cen des unter den ark­ti­schen Gewäs­sern gele­ge­nen Fest- landso­ckels in den Fokus der Anrai­ner­staa­ten. Damit wird völ­ker­recht­lich der Sta­tus des ark­ti­schen Mee­res­bo- dens rele­vant, der sich man­gels spe­zi­el­ler Rege­lun­gen in ers­ter Linie nach dem See­rechts­über­ein­kom­men der Ver­ein­ten Natio­nen (SRÜ)5 bestimmt.

Wegen der bedeu­ten­den Inter­es­sen in Bezug auf die Ark­tis erstaunt es nicht, dass der Fall der Arc­tic Sun­ri­se ein Nach­spiel vor einem inter­na­tio­na­len Gericht hat­te: Auf Antrag der Nie­der­lan­de – des Flag­gen­staa­tes der Arc­tic Sun­ri­se – erließ der Inter­na­tio­na­le See­ge­richts­hof (Inter­na­tio­nal Tri­bu­nal of the Law of the Sea, ITLOS) am 22. Novem­ber 2013 eine einst­wei­li­ge Anord­nung gegen Russ­land, in der die Frei­las­sung der Akti­vis­ten und ihres Schif­fes gegen Kau­ti­on ver­fügt wurde.6 Völ­ker­recht­lich war hier­bei unter ande­rem ent­schei­dend, dass die Akti- vis­ten und das Schiff etwa 40 Kilo­me­ter ent­fernt von der rus­si­schen Küs­te in der rus­si­schen aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne fest­ge­setzt wurden.7

Die ver­schie­de­nen Zonen der küs­ten­staat­li­chen Ju- ris­dik­ti­on sind für die Zuläs­sig­keit der Aus­beu­tung von Res­sour­cen des ark­ti­schen Fest­landso­ckels durch die Ark­ti­s­an­rai­ner­staa­ten ent­schei­dend: Hier ist beson­ders die Mög­lich­keit einer Erwei­te­rung des durch die Maxi- mal­brei­te der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne (AWZ) von 200 See­mei­len ℠8 begrenz­ten Aus­beu­tungs­ge­bie- tes auf den gesam­ten Fest­landso­ckel bis zu einer Ent­fer- nung von 350 sm gemäß Art. 76 Abs. 1 i.V.m. Abs. 6 SRÜ bedeut­sam. Der von Nor­we­gen 2006 ein­ge­reich­te An- trag auf einen sol­chen erwei­ter­ten Fest­landso­ckel wurde

  1. 5  Die USA sind nicht an das See­rechts­über­ein­kom­men gebun- den; für sie gilt daher die Con­ven­ti­on on the Con­ti­nen­tal Shelf (Fest­landso­ckel­kon­ven­ti­on) vom 29.4.1958 (Inkraft­tre­ten am 10.6.1964, 499 UNTS 311), sowie die par­al­le­len völ­ker­ge­wohn- heits­recht­li­chen Rege­lun­gen, die zu gro­ßen Tei­len denen des See­rechts­über­ein­kom­mens ent­spre­chen. Vgl Rothwell/Stephens, The Inter­na­tio­nal Law of the Sea, 2010, 106 ff.
  2. 6  Vgl Inter­na­tio­nal Tri­bu­nal on the Law of the Sea, The “Arc­tic Sun­ri­se” Case (King­dom of the Nether­lands v. Rus­si­an Fe- dera­ti­on) (Order), 22.11.2013, abruf­bar unter http://www. itlos.org/fileadmin/itlos/documents/cases/case_no.22/Order/ C22_Ord_22_11_2013_orig_Eng.pdf. An der Zuläs­sig­keit und Wirk­sam­keit der Anord­nung ändert sich nichts dadurch, dass Russ­land die Zustän­dig­keit des Gerichts­hofs bestritt und dem Ver­fah­ren fern­blieb; vgl dazu ins­be­son­de­re das – im Ergeb­nis zustim­men­de – Son­der­vo­tum der Rich­ter Wol­frum und Kel­ly, abruf­bar unter http://www.itlos.org/fileadmin/itlos/documents/ cases/case_no.22/Order/C22_Ord_22.11.2013_sep.op.Wolfrum- Kelly_orig_Eng.pdf, Rn. 3 ff.
  3. 7  Vgl Art 55 ff SRÜ.
  4. 8  Eine See­mei­le ent­spricht 1,852 km.
  5. 9  Com­mis­si­on on the Limits of the Con­ti­nen­tal Shelf (CLCS),Summary of the Recom­men­da­ti­ons of the Com­mis­si­on on the Li- mits of the Con­ti­nen­tal Shelf in Regard to the Sub­mis­si­ons Made by Nor­way in Respect of Are­as in the Arc­tic Oce­an, the Bar­ents Sea and the Nor­we­gi­an Sea on 27 Novem­ber 2006, 27.3.2009,

von der dafür nach dem See­rechts­über­ein­kom­men zu- stän­di­gen Fest­landso­ckel­kom­mis­si­on bereits 2009 mit zustim­men­den Emp­feh­lun­gen beschieden.9 Russ­land hat 2001 eben­falls einen Antrag für die Ark­tis ein­ge- reicht. Die 2002 von der Kom­mis­si­on ange­reg­ten Revi­si- onen des Antrags und sei­ner Tatsachengrundlage10 ste- hen bis heu­te aus. Däne­mark hat mit sei­nem letz­ten An- trag an die Fest­landso­ckel­kom­mis­si­on vom Novem­ber 2013 ange­kün­digt, zeit­nah eben­falls einen Antrag bezüg- lich des erwei­ter­ten ark­ti­schen Fest­landso­ckels stel­len zu wollen.11 Auch sei­tens Kana­das wur­de jüngst ein sol­cher Antrag für die Gebie­te nörd­lich des kana­disch-ark­ti- schen Archi­pels offi­zi­ell angekündigt.12 Bis auf die USA, die das See­rechts­über­ein­kom­men bis­her nicht rati­fi­ziert haben und für die daher ein Antrag zur Zeit nicht in Fra- ge kommt, ist also für alle Anrai­ner­staa­ten die Aner­ken- nung eines erwei­ter­ten Fest­landso­ckels zu erwarten.

Für die Staa­ten wie Deutsch­land, deren Schif­fe in den über dem erwei­ter­ten Fest­landso­ckel gele­ge­nen Mee­res- gebie­ten wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung betreiben,13 stellt sich die Fra­ge, ob und inwie­fern durch sol­che De- kla­ra­tio­nen der Anrai­ner­staa­ten die For­schung, die bis- her nur durch Teil XIII SRÜ ein­ge­schränkt war,14 in den dar­über lie­gen­den Hoch­see­ge­bie­ten auch von den An- rai­ner­staa­ten wei­ter­ge­hend in der Ark­tis regle­men­tiert wer­den kann. Da wis­sen­schaft­li­che For­schun­gen in die- sem Bereich auch eine Bedeu­tung für die Erfor­schung und Aus­beu­tung der Res­sour­cen des Fest­landso­ckels ha- ben kön­nen, ist nicht ver­wun­der­lich, wenn Anrai­ner- staa­ten in der Ark­tis hier gege­be­nen­falls in Zukunft der

abruf­bar unter http://www.un.org/depts/los/clcs_new/submissi-

ons_files/nor06/nor_rec_summ.pdf.
10 UNGA, Oce­ans and the Law of the Sea: Report of the Secretary-

Gene­ral, 8.10.2002, Rn 38 ff.
11 UN Com­mis­si­on on the Limits of the Con­ti­nen­tal Shelf, Submis-

sion by the King­dom of Den­mark, 26.11.2013, abruf­bar unter http://www.un.org/depts/los/clcs_new/submissions_files/sub- mission_dnk_68_2013.htm. Alle wei­te­ren Anträ­ge, Reak­tio­nen ande­rer Staa­ten und sons­ti­ge Erklä­run­gen sind abruf­bar unter http://www.un.org/depts/los/clcs_new/commission_submissions. htm.

12 UN Divi­si­on for Oce­an Affairs and the Law of the Sea, Preli­mi- nary Infor­ma­ti­on con­cer­ning the Outer Limits of the Con­ti­nen­tal Shelf of Cana­da in the Arc­tic Oce­an, 06.12.2013, abruf­bar unter http://www.un.org/depts/los/clcs_new/submissions_files/prelimi- nary/can_pi_en.pdf.

13 Vgl dazu die Akti­vi­tä­ten der FS Polar­stern des deut­schen Alfred-Wege­ner-Insti­tuts, abruf­bar unter www.awi.de/index. php?id=51&L=1.

14 Teil XIII SRÜ ent­hält aus­führ­li­che Rege­lun­gen zur wis­sen­schaft- lichen Mee­res­for­schung – zu der alle Staa­ten berech­tigt sind – in allen ver­schie­de­nen See­ge­bie­ten ein­schließ­lich der Hohen See. Für die Hohe See bestehen neben den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der Art 238–244 SRÜ vor allem Rück­sicht­nah­me­pflich­ten bei der Auf­stel­lung und Nut­zung von Anla­gen und Aus­rüs­tung in Art 258 ff SRÜ.

Höfelmeier/Vöneky · For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten über dem Fest­landso­ckel 4 5

For­schung ande­rer Staa­ten Gren­zen set­zen wol­len. Die­se Fra­gen wer­den im Fol­gen­den – nach der Dar­le­gung der Grund­la­gen des völ­ker­recht­li­chen Regimes der Ant­ark- tis – unter II. untersucht.

2. Die Grund­la­gen des völ­ker­recht­li­chen Regimes der Ant­ark­tis und deut­sche Forschungsinteressen

Die glei­che Fra­ge, ob bzw. inwie­weit For­schungs­ak­ti­vi­tä- ten von Staa­ten über dem (erwei­ter­ten) Fest­landso­ckel durch ande­re Staa­ten völ­ker­recht­lich ein­schränk­bar sind, stellt sich auch für die Mee­res­ge­bie­te im Bereich des Antarktisvertrages.15 In die­sen Gebie­ten ist zwar im Ergeb­nis nicht mehr umstrit­ten, ob die Rege­lun­gen des See­rechts­über­ein­kom­mens zum Fest­landso­ckel Anwen- dung fin­den oder ob die­se durch das Ant­ark­tis­ver­trags- regime als lex spe­cia­lis voll­kom­men ver­drängt wer­den. Unklar ist jedoch, ob und für wel­che Land­mas­sen die­je- nigen Mit­glied­staa­ten des Ant­ark­tis­ver­tra­ges, die als soge­nann­te clai­mant sta­tes16 Gebiets­an­sprü­che auf das ant­ark­ti­sche Fest­land erhe­ben, gege­be­nen­falls Ansprü- che auf einen erwei­ter­ten Fest­landso­ckel stel­len kön­nen; schließ­lich auch, wel­che Fol­gen Ansprü­che auf einen erwei­ter­ten Fest­landso­ckel in der Ant­ark­tis für die For- schungs­ak­ti­vi­tä­ten ande­rer Staa­ten in die­sen Gebie­ten haben.17 Sowohl Aus­tra­li­en als auch Argen­ti­ni­en und Nor­we­gen haben bereits Anträ­ge in den Jah­ren 2004 (Aus­tra­li­en) bzw. 2009 (Argen­ti­ni­en und Nor­we­gen) auf einen erwei­ter­ten Fest­landso­ckel des ant­ark­ti­schen Fest- lan­des bei der Fest­landso­ckel­kom­mis­si­on gestellt.18 Die völ­ker­recht­li­chen Fol­gen wer­den im Fol­gen­den unter IV. dargelegt.

  1. 15  Hier­zu gehö­ren gemäß Art 6 Ant­ark­tis­ver­trag (AV) (unter­zeich- net am 1.12.1959, Inkraft­tre­ten am 23.6.1961, 402 UNTS 71) alle Gebie­te süd­lich des 60. Brei­ten­grads inklu­si­ve des Eis­schelfs; vgl dazu Vöne­ky/­Addi­son-Agy­ei, Ant­arc­ti­ca, in Wol­frum (Hrsg), MPEPIL, Band 1, 418, Rn 24; zum ant­ark­ti­schen Ver­trags­re­gime ins­ge­samt ibid., Rn 12 ff. Sie­he auch die Inter­net­prä­senz des Sekre­ta­ri­ats des Ant­ark­tis­ver­trags­sys­tems unter http://www.ats. aq/index_e.htm. Zum Fest­landso­ckel der Ant­ark­tis vgl die Kar­te unten in Anhang II.
  2. 16  Zu den soge­nann­ten clai­mant sta­tes gehö­ren die sie­ben Staa­ten, die vor dem Inkraft­tre­ten des Ant­ark­tis­ver­tra­ges Gebietsan- sprü­che auf das ant­ark­ti­sche Fest­land erho­ben hat­ten. Dies sind Groß­bri­tan­ni­en, Neu­see­land, Frank­reich, Nor­we­gen, Aus­tra­li­en, Chi­le und Argentinien.
  3. 17  Von deut­scher Sei­te wird auch in ant­ark­ti­schen Gewäs­sern Mee- res­for­schung von der FS Polar­stern aus betrie­ben, vgl wiederum

II. Das Fest­landso­ckel­re­gime der Ark­tis und die wis- sen­schaft­li­che Meeresforschung

1. Das Fest­landso­ckel­re­gime des See­rechts­über­ein­kom- mens

Art. 76 Abs. 1 SRÜ stellt die Vor­aus­set­zun­gen für das Fest­landso­ckel­re­gime des See­rechts­über­ein­kom­mens auf. Dem­nach umfasst der Fest­landso­ckel eines Staa­tes min­des­tens den Mee­res­bo­den bis zu 200 sm, aus­ge­hend von der so genann­ten Basislinie,19 sowie den Boden der gesam­ten natür­li­chen Ver­län­ge­rung des Land­ge­bie­tes bis zum Fest­land­rand, wenn die geo­lo­gi­schen und geo­mor- pho­lo­gi­schen Bedin­gun­gen der Abs. 3–7 des Art. 76 SRÜ gege­ben sind.

Die Erstre­ckung des Fest­landso­ckels jen­seits von 200 sm („erwei­ter­ter Fest­landso­ckel“) wird durch ein beson- deres Ver­fah­ren nach Art. 76 Abs. 8 SRÜ fest­ge­legt. Ge- mäß Art. 4 Annex II des SRÜ müs­sen die Küs­ten­staa­ten spä­tes­tens zehn Jah­re nach Inkraft­tre­ten des See­rechts- über­ein­kom­mens Anträ­ge bei der Fest­landso­ckel­kom- mis­si­on zur Fest­le­gung der Fest­landso­ckel­gren­zen stel- len. 2001 einig­te sich die Ver­trags­staa­ten­kon­fe­renz des See­rechts­über­ein­kom­mens aller­dings dar­auf, dass die Frist für die Staa­ten, die am 13. Mai 1999 Ver­trags­par­tei waren, an die­sem Tag beginnt.20 Dar­aus folgt, dass die Frist zur Antrags­stel­lung für die­se Staa­ten bis 2009 ver- län­gert wurde.

Für das Ver­fah­ren hat die Fest­landso­ckel­kom­mis­si­on in Annex I Rules of Pro­ce­du­re 21 beson­de­re Regeln erlas- sen. Im Fal­le eines Strei­tes über den Grenz­ver­lauf zwi- schen zwei oder meh­re­ren Staa­ten soll die Kommission

http://www.awi.de/index.php?id=51&L=1.
18 Vgl die Inter­net­sei­te der Fest­landso­ckel­kom­mis­si­on, Fn 12.

Die ande­ren clai­mant sta­tes haben bis­her kei­ne sol­cher Anträge

gestellt oder ange­kün­digt.
19 Die Basis­li­nie ist nach Art 5 SRÜ regel­mä­ßig die Niedrigwasser-

linie; bei stark zer­klüf­te­ten Küs­ten ist jedoch nach Maß­ga­be des Art 7 SRÜ das Zie­hen gera­der Basis­li­ni­en durch den Küs­ten­staat erlaubt. Zu den Fest­landso­ckeln in der Ark­tis vgl die Kar­te unten in Anhang I.

20 Mee­ting of Sta­tes Par­ties, Ele­venth Mee­ting SPLOS/72, abruf­bar unter http://www.un.org/depts/los/meeting_states_parties/SP- LOS_documents.htm.

21 Sub­mis­si­ons in case of a dis­pu­te bet­ween Sta­tes with oppo­si­te or adja­cent coasts or in other cases of unre­sol­ved land or mari­ti­me dis­pu­tes, abruf­bar unter http://www.un.org/depts/los/clcs_new/ commission_rules.htm.

46 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 43–54

von dem Küs­ten­staat infor­miert wer­den, der den Antrag auf Fest­le­gung des Fest­landso­ckels stellt (Regel 2a); die Kom­mis­si­on darf dann die Anträ­ge der an dem Streit be- tei­lig­ten Staa­ten weder prü­fen noch beur­tei­len (Regel 5a S. 1).

Die Erfül­lung der Kri­te­ri­en des Art. 76 Abs. 1 SRÜ durch den rus­si­schen Antrag für die Ark­tis ist unklar, vor allem hin­sicht­lich der Fra­ge, ob der Lomo­no­s­sow- Rücken22 auf dem ark­ti­schen Mee­res­grund noch als „na- tür­li­che Fort­set­zung des Fest­landso­ckels“ vor der rus­si- schen Küs­te ange­se­hen wer­den kann.23 Hier ist die tech- nisch auf­wän­di­ge Erhe­bung wei­te­rer Daten über die Be- schaf­fen­heit des ark­ti­schen Mee­res­bo­dens not­wen­dig. Russ­land bemüht sich dar­um, die­se Daten zu erhe­ben, um sie zur Revi­si­on sei­nes Antrags bei der Fest­land­so- ckel­kom­mis­si­on ein­zu­rei­chen. Hin­zu kommt, dass Ka- nada in sei­ner Ankün­di­gung vom Dezem­ber 201324 eben­falls Anspru­cher­he­bun­gen auf den Lomo­no­s­sow- Rücken in Aus­sicht gestellt hat.

Wie bereits fest­ge­stellt, konn­te hin­ge­gen in dem nor- wegi­schen Antrag dar­ge­legt wer­den, dass die Vor­aus­set- zun­gen des Art. 76 Abs. 1 SRÜ erfüllt sind.

2. Rech­te der Küs­ten­staa­ten am erwei­ter­ten Fest­land­so- ckel

Auf dem gesam­ten Fest­landso­ckel – ein­schließ­lich sei­ner Erwei­te­rung jen­seits der 200 sm-Gren­ze – ste­hen dem Küs­ten­staat exklu­si­ve sou­ve­rä­ne Rech­te zur Erfor­schung und Aus­beu­tung der natür­li­chen Res­sour­cen des Sockels zu, Art. 77 Abs. 1 und Abs. 2 SRÜ. Die natür­li­chen Res- sourcen umfas­sen sämt­li­che nicht­le­ben­den Res­sour­cen des Mee­res­bo­dens und sei­nes Unter­grun­des sowie die­je- nigen Lebe­we­sen, die – unbe­weg­lich oder beweg­lich – in stän­di­ger, unmit­tel­ba­rer Ver­bin­dung mit dem Boden oder sei­nem Unter­grund ste­hen, Art. 77 Abs. 4 SRÜ.

Der Küs­ten­staat hat kon­se­quen­ter­wei­se auch das umfas­sen­de Recht zur Geneh­mi­gung und Regelung

  1. 22  Der Lomo­no­s­sow-Rücken ist ein im ark­ti­schen Oze­an bei­na­he senk­recht zur zen­tral­rus­si­schen Küs­ten­li­nie ver­lau­fen­der ozea­ni- scher Rücken vgl die Kar­te unten in Anhang I.
  2. 23  Dazu aus­führ­lich Wol­frum, Das Rechts­re­gime der Ark­tis, Vor­trag vom 04.03.2008, Ark­tis-Work­shop des Aus­wär­ti­gen Amtes, Ber- lin, abruf­bar unter http://www.mpil.de/files/pdf2/wolfrum_aus- waertiges_amt_arktis.pdf.
  3. 24  Vgl o Fn 11.
  4. 25  Die genaue Bedeu­tung von Art 82 SRÜ ist unklar; ins­be­son­de­re­das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren durch die Mee­res­bo­den­be­hör­de (In-

sämt­li­cher Bohr­ar­bei­ten auf dem Fest­landso­ckel, Art. 81 SRÜ, und zur Errich­tung und Regle­men­tie­rung künst­li- cher Inseln und sons­ti­ger bau­li­cher Anla­gen auf dem Mee­res­bo­den, Art. 80 i. V. m. Art. 60 SRÜ. Die Ver­le- gung unter­see­ischer Kabel und Rohr­lei­tun­gen ande­rer Staa­ten über den Fest­landso­ckel kann der Küs­ten­staat hin­ge­gen nicht ohne Wei­te­res ver­hin­dern, Art. 79 SRÜ.

Grund­sätz­lich macht es für das Fest­landso­ckel­re­gime – abge­se­hen von den Zah­lungs­pflich­ten des Küs­ten­staats nach Art. 82 SRÜ25– kei­nen Unter­schied, ob der Fest- landso­ckel inner­halb der 200 sm-Zone liegt oder ob es sich um einen dar­über hin­aus­ge­hen­den, erwei­ter­ten Fest­landso­ckel han­delt. Eine wich­ti­ge Aus­nah­me davon stellt Art. 246 Abs. 6 SRÜ dar, der das Ermes­sen der Küs- ten­staa­ten bei der Zustim­mung zu For­schungs­vor­ha­ben auf dem Fest­landso­ckel außer­halb der 200 sm-Zone ein- schränkt (dazu sogleich).

Für die Anrai­ner­staa­ten der Ark­tis bedeu­tet dies, dass sie auf dem ihnen zuer­kann­ten erwei­ter­ten Fest- landso­ckel sowie in dem Teil, der in ihre aus­schließ­li­che Wirt­schafts­zo­ne fällt, Berg­bau- und Bohr­ar­bei­ten zur Aus­beu­tung der dort befind­li­chen Roh­stof­fe vor­neh­men und geneh­mi­gen kön­nen. Aller­dings kön­nen – die noch aus­ste­hen­de Imple­men­tie­rung des aus­schlag­ge­ben­den Art. 82 SRÜ durch die Mee­res­bo­den­be­hör­de vor­aus­ge- setzt – im Fal­le der Aus­beu­tung Ver­pflich­tun­gen der Küs­ten­staa­ten zu Aus­gleichs­zah­lun­gen an die übri­gen Ver­trags­staa­ten des See­rechts­über­ein­kom­mens anfal­len. Die­se erge­ben sich aus der grund­sätz­li­chen Ein­ord­nung des außer­halb der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­nen der Küs­ten­staa­ten gele­ge­nen Tief­see­bo­dens als „gemein- sames Erbe der Menschheit“,26 an dem alle Staa­ten gleich­be­rech­tigt teil­ha­ben sollen.

ter­na­tio­nal Seabed Aut­ho­ri­ty) bedarf wei­te­rer Klä­rung. Vgl dazu Vitzt­hum, Hand­buch des See­rechts, 2006, 200 und Inter­na­tio­nal Seabed Aut­ho­ri­ty, Tech­ni­cal Stu­dy No 4: Issu­es Asso­cia­ted with the Imple­men­ta­ti­on of Arti­cle 82 of the United Nati­ons Con­ven­ti- on on the Law of the Sea, 2009, abruf­bar unter http://www.isa. org.jm/files/documents/EN/Pubs/Article82.pdf.

26 Vgl Art 136 SRÜ: „The Area and its resour­ces are the com­mon heri­ta­ge of man­kind.” Dazu Vöneky/Höfelmeier, Arti­cle 136, in Pro­elss (Hrsg), United Nati­ons Con­ven­ti­on on the Law of the Sea – Com­men­ta­ry (erscheint demnächst).

Höfelmeier/Vöneky · For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten über dem Fest­landso­ckel 4 7

3. Wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung auf und über dem Fest­landso­ckel

a) Begriff der wis­sen­schaft­li­chen Meeresforschung

Vor­aus­set­zung für die Anwend­bar­keit des Teils XIII SRÜ, der die „Wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung“ regelt und auch Art. 246 umfasst, ist zunächst, dass es sich bei dem kon­kre­ten Vor­ha­ben um wis­sen­schaft­li­che Mee­res- for­schung im Sin­ne des Über­ein­kom­mens han­delt. Dar- unter sind alle Tätig­kei­ten zu ver­ste­hen, die die Erwei­te- rung mensch­li­chen Wis­sens von der Mee­res­um­welt und ihren Pro­zes­sen bezwecken.27

Strit­tig ist hier, ob auch hydro­gra­phi­sche Ver­mes- sungs­ar­bei­ten dar­un­ter fal­len. Dage­gen spricht zunächst Art. 21 Abs. 1 lit. g SRÜ, der die Rege­lungs­be­fug­nis der Küs­ten­staa­ten für das Küs­ten­meer betrifft und hydro­gra- phi­sche Ver­mes­sun­gen aus­drück­lich neben der wis­sen- schaft­li­chen Mee­res­for­schung als sepa­ra­tes Nor­mie- rungs­ge­biet anführt. Zudem kann argu­men­tiert wer­den, dass, betrach­tet man allein die Tätig­keit und nicht die Ziel­rich­tung der Unter­su­chun­gen, kein wesent­li­cher Un- ter­schied zwi­schen hydro­gra­phi­schen Ver­mes­sun­gen und den beson­de­res sen­si­blen mili­tä­ri­schen Erfas­sun­gen des Mee­res­grun­des besteht.28 So spricht nach einer An- sicht der Umstand, dass Teil XIII SRÜ im Unter­schied zu ande­ren Tei­len kei­ne Son­der­re­ge­lun­gen zu hydro­gra­phi- schen Ver­mes­sungs­ar­bei­ten ent­hält, dafür, dass die­se Ver­mes­sungs­ar­bei­ten nicht in Teil XIII gere­gelt sein sol- len, also kei­ne wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung dar- stellen.29 Dage­gen spricht jedoch, dass die­se ein­sch­rän- ken­de Aus­le­gung des Begriffs der wis­sen­schaft­li­chen Mee­res­for­schung sich im Wort­laut des Teils XIII SRÜ nicht hin­rei­chend wider­spie­gelt. Die blo­ße Bezug­nah­me auf Art. 21 Abs. 1 lit. g SRÜ über­zeugt nicht. So kann Art. 21 Abs. 1 lit. g SRÜ sinn­voll so ver­stan­den wer­den, dass nur die hydro­gra­phi­schen Ver­mes­sun­gen (in Abgren- zung zur wis­sen­schaft­li­chen Mee­res­for­schung) gemeint sind, die gera­de nicht zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken vor­ge­nom­men wer­den. Es ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass Teil XIII auch die hydro­gra­phi­schen Ver­mes­sun­gen umfasst, die aus wis­sen­schaft­li­chen Grün­den durch­ge- führt wer­den und die Erwei­te­rung mensch­li­chen Wis- sens von der Mee­res­um­welt und ihren Pro­zes­sen bezwe- cken.30

  1. 27  Vitzt­hum, Hand­buch des See­rechts, 2006, 426 mwN in Fn 294.
  2. 28  Zum Streit­stand Rothwell/Stephens, The Inter­na­tio­nal Law oft­he Sea, 2010, 330 f; vgl auch Bateman, Hydro­gra­phic Sur­vey­ing in the EEZ: Dif­fe­ren­ces and Over­laps with Mari­ne Sci­en­ti­fic Rese­arch, (2005) 20 Mar.Pol‘y, 163 mwN.
  3. 29  Aus­führ­lich zum Begriff der wis­sen­schaft­li­chen Mee­res­for­schung Tre­ves, Mari­ne Sci­en­ti­fic Rese­arch, in Wol­frum (Hrsg), Max

b) Maß­geb­li­che see­recht­li­che Rege­lun­gen zur wis­sen- schaft­li­chen Meeresforschung

aa) Grund­sät­ze

Kor­re­spon­die­rend zu Art. 2 SRÜ, der die staat­li­che Sou- verä­ni­tät auf das Küs­ten­meer erstreckt, regelt Art. 245 SRÜ, dass wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung im Küs- ten­meer nur mit Zustim­mung des Küs­ten­staa­tes und unter den von ihm gemäß Art. 21 SRÜ auf­ge­stell­ten Bedin­gun­gen erfol­gen darf. Ver­gleich­ba­res gilt für die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­zo­ne und den Fest­landso­ckel: Art. 55 ff. und Art. 77 ff. SRÜ gewäh­ren dem Küs­ten­staat nur begrenz­te, auf Aus­beu­tung und Erfor­schung der Res­sour­cen bezo­ge­ne Hoheits­rech­te, wäh­rend die grund­sätz­li­che Schiff­fahrts­frei­heit erhal­ten bleibt.

Art. 246 SRÜ dif­fe­ren­ziert die begrenz­ten Rech­te der Küs­ten­staa­ten im Hin­blick auf die wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung in der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo- ne und auf dem Fest­landso­ckel – auch dem erwei­ter­ten Fest­landso­ckel – wei­ter aus und schafft eine Balan­ce zwi- schen dem grund­sätz­li­chen Recht der Staa­ten zur Durch- füh­rung sol­cher For­schung (Art. 238 SRÜ) und den res- sourcen­be­zo­ge­nen Hoheits­rech­ten der Küstenstaaten.

bb) Die Rege­lung des Art. 246 SRÜ: For­schungs­rech­te der Staaten

Art. 246 SRÜ räumt den Küs­ten­staa­ten grund­sätz­lich das Recht ein, in der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne und auf dem Fest­landso­ckel wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for- schung zu regeln, zu geneh­mi­gen und zu betrei­ben. Dem­nach gilt gemäß Art. 246 Abs. 1 und 2 SRÜ eine Geneh­mi­gungs­pflicht für wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for- schung ande­rer Staa­ten in die­sen Gebie­ten. Gemäß Art. 246 Abs. 3 und 4 SRÜ ist die Geneh­mi­gung im Nor­mal- fall – unab­hän­gig von den diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen zwi­schen Antrags- und Küs­ten­staat – zu ertei­len, wenn die For­schung fried­lich ist und zum Nut­zen der gesam- ten Mensch­heit geschieht.

Art. 246 Abs. 5 SRÜ zählt jedoch auch Grün­de auf, die aus­nahms­wei­se ein Ver­sa­gen der Geneh­mi­gung er- lau­ben. Erlaubt ist dies (nur)

Planck Ency­clo­pe­dia of Public Inter­na­tio­nal Law (MPEPIL),

Band VI, 2012, 1063 ff.
30 Für die­se Aus­le­gung spricht grund­sätz­lich auch die Rege­lung in

Art 246 Abs 5 lit a SRÜ, nach der wis­sen­schaft­li­che Tätig­kei­ten vom Küs­ten­staat unter­sagt wer­den kön­nen, wenn die­se von un- mit­tel­ba­rer Bedeu­tung für die Erfor­schung und Aus­beu­tung der Res­sour­cen sind; vgl dazu näher unten II. 3. b) (2).

48 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 43–54

- bei unmit­tel­ba­rer Bedeu­tung des Vor­ha­bens für die Erfor­schung und Aus­beu­tung der Res­sour­cen (lit. a);
- bei Boh­rungs­vor­ha­ben unter Ein­satz von Spreng­stoff oder mit Schad­stoff­aus­stoß (lit. b);

- zudem, wenn das Vor­ha­ben die Errich­tung, den Betrieb oder die Nut­zung künst­li­cher Inseln oder Bau­wer­ke vor- sieht (lit. c); oder
- wenn bestimm­te Grün­de für die Unzu­ver­läs­sig­keit des Antrag­stel­lers spre­chen (lit. d).

Der ers­te die­ser Grün­de – also die aus­nahms­wei­se Ver­sa­gung der Geneh­mi­gung bei unmit­tel­ba­rer Bedeu- tung des Vor­ha­bens für die Erfor­schung und Aus­beu- tung der Res­sour­cen (lit. a) – gilt jedoch für den erwei- ter­ten Fest­landso­ckel grund­sätz­lich nicht (Art. 246 Abs. 6 SRÜ), es sei denn, das Vor­ha­ben soll in einem vom Küs­ten­staat aus­ge­wie­se­nen Aus­beu­tungs­ge­biet erfol­gen. Sol­che Gebie­te sind jedoch vom Küs­ten­staat „inner­halb einer ange­mes­se­nen Frist“ bekannt zu geben. Bei dem erwei­ter­ten Fest­landso­ckel müs­sen daher die Grün­de des lit. b bis lit. d vor­lie­gen, um wis­sen­schaft­li­che Mee- res­for­schung zu unter­sa­gen; ein blo­ßer Res­sour­cen­be­zug der For­schung reicht nicht aus.

Wich­tig für die For­schungs­rech­te frem­der Staa­ten ist dabei auch, dass von einer still­schwei­gen­den Zustim- mung des Küs­ten­staa­tes zur For­schung aus­ge­gan­gen wird, wenn die­ser nach ord­nungs­ge­mä­ßer Antrag­s­tel- lung gemäß Art. 252 SRÜ nicht reagiert.

Zusam­men­ge­fasst bedeu­tet dies, dass für wis­sen- schaft­li­che Mee­res­for­schung auf dem erwei­ter­ten Fest- landso­ckel, also auf dem Mee­res­bo­den oder in sei­nem Unter­grund jen­seits der 200 sm-Gren­ze, die For­schungs- rech­te frem­der Staa­ten umfang­rei­cher sind als in der aus- schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne: Das Ermes­sen des Küs- ten­staa­tes bei der Ableh­nung res­sour­cen­be­zo­ge­ner For- schungs­pro­jek­te auf dem erwei­ter­ten Fest­landso­ckel ist ein­ge­schränkt und umfasst gera­de nicht die Bedeu­tung des Vor­ha­bens für die Erfor­schung und Aus­beu­tung der Ressourcen.31

cc) Ver­fah­ren für For­schungs­vor­ha­ben in der aus- schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne oder auf dem Fest­land­so- ckel

Unab­hän­gig davon, ob das For­schungs­vor­ha­ben in der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne oder auf dem regu­lä- ren oder erwei­ter­ten Fest­landso­ckel ange­strebt wird, müs­sen für wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung die Vor- schrif­ten der Art. 248 ff. SRÜ ein­ge­hal­ten wer­den. Die Staa­ten, die for­schen möch­ten, müs­sen dem Küstenstaat

31 Ent­spre­chen­des gilt im Übri­gen auch gegen­über Staa­ten, die – wie die USA – nicht Ver­trags­par­tei­en des SRÜ sind, da die Fest­land- sockel­kon­ven­ti­on von 1958, wie auch das Völkergewohnheits-

min­des­tens sechs Mona­te vor Beginn des Vor­ha­bens umfang­rei­che Infor­ma­tio­nen dar­über über­mit­teln, Art. 248 SRÜ. Bei der Durch­füh­rung des Vor­ha­bens müs­sen die­se Staa­ten die in Art. 249 und 250 SRÜ vor­ge­se­he­nen Beteiligungs‑, Infor­ma­ti­ons- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflich­ten ein­hal­ten. Wer­den die genann­ten Vor­schrif­ten nicht ein- gehal­ten, so kann der Küs­ten­staat gemäß Art. 253 SRÜ die Unter­bre­chung oder Ein­stel­lung der For­schun­gen verlangen.

dd) Wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung in den Gewäs- sern über dem erwei­ter­ten Festlandsockel

Der Rechts­sta­tus der über dem Fest­landso­ckel gele­ge­nen Gewäs­ser bleibt gemäß Art. 78 Abs. 1 SRÜ vom Fest­land- sockel­re­gime grund­sätz­lich unbe­rührt. Die­se Gewäs­ser sind also wei­ter­hin in Küs­ten­ge­wäs­ser, aus­schließ­li­che Wirt­schafts­zo­ne und Hohe See zu unter­tei­len. Art. 78 Abs. 2 SRÜ bestimmt, dass die Akti­vi­tä­ten des Küs­ten- staa­tes die Rech­te der ande­ren Staa­ten und Nut­zer weder beein­träch­ti­gen noch unge­recht­fer­tigt behin­dern dür- fen. Die Vor­schrift wird durch Art. 246 Abs. 8 SRÜ ergänzt. Danach darf wie­der­um die wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung die Aus­übung sou­ve­rä­ner Rech­te durch den Küs­ten­staat nicht unge­recht­fer­tigt behin­dern. Es gilt also ein Gebot gegen­sei­ti­ger Rücksichtnahme.

Die Gewäs­ser über dem erwei­ter­ten Fest­landso­ckel sind, da sie jen­seits der 200 sm-Gren­ze für die aus- schließ­li­che Wirt­schafts­zo­ne lie­gen, immer Teil der Ho- hen See und unter­fal­len danach der Frei­heit der wis­sen- schaft­li­chen For­schung gemäß Art. 87 Abs. 1 lit. f. SRÜ. Des­sen Ver­weis auf Teil XIII SRÜ (Wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung) lässt dar­auf schlie­ßen, dass ins­be­son- dere Art. 240 SRÜ als die spe­zi­el­le­re Norm der all­ge­mei- nen Frei­heit der Hohen See vor­geht: Die Frei­heit der wis­sen­schaft­li­chen Mee­res­for­schung besteht danach nur in dem von Teil XIII SRÜ gewähr­ten Rahmen.

Der Ver­weis des Art. 87 Abs. 1 lit. f SRÜ auf Teil VI SRÜ (Fest­landso­ckel) bedeu­tet, dass die Frei­heit der For- schung nur für For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten in den Gewäs­sern gilt. Sobald es sich aber um For­schung auf oder unter dem Mee­res­grund han­delt, ist das oben beschrie­be­ne, spe­zi­el­le Regime für den Fest­landso­ckel anwend­bar. Die Abgren­zung zwi­schen Mee­res­bo­den- und Gewäs­serfor- schung ist also ent­schei­dend für die Zuläs­sig­keit und Ver­fah­rens­wei­se bei einem For­schungs­vor­ha­ben: Han- delt es sich um For­schung in den Gewäs­sern, so bestehen für den Küs­ten­staat, dem ein erwei­ter­ter Fest­landso­ckel zusteht, jen­seits der 200 sm-Gren­ze kei­ne Ein­wir­kungs- rech­te. Weder ist die For­schung von sei­ner Genehmi-

recht, ver­gleich­ba­re Vor­schrif­ten ent­hält. Vgl Art 5 der Fest­land- sockel­kon­ven­ti­on, o Fn 5. Näher dazu Tre­ves, Mari­ne Sci­en­ti­fic Rese­arch, in Wol­frum (Hrsg), MPEPIL, Band VI, 2012, 1063 ff.

Höfelmeier/Vöneky · For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten über dem Fest­landso­ckel 4 9

gung abhän­gig noch kann er die wis­sen­schaft­li­che Mee- res­for­schung durch sei­ne Geset­ze reglementieren.

Auch Belan­ge wie Umwelt- und Res­sour­cen­schutz sind für die Was­ser­säu­le, wel­che sich über dem erwei­ter- ten Fest­landso­ckel befin­det, durch das See­rechts­über­ein- kom­men sowohl mate­ri­ell als auch pro­zes­su­al zen­tral ge- regelt. Der Küs­ten­staat kann sich für sein Ein­grei­fen also nicht auf eine mög­li­che Umwelt­ver­schmut­zung durch das Vor­ha­ben beru­fen, son­dern müss­te sich zu deren Gel­tend­ma­chung der Streit­bei­le­gungs­me­cha­nis­men des See­rechts­über­ein­kom­mens bedienen.

Glei­ches gilt, sofern die wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for- schung in der Was­ser­säu­le die Erfor­schung und Aus­beu- tung des Fest­landso­ckels durch den Küs­ten­staat behin- dert. Zwar ist dies gemäß Art. 240 lit. c SRÜ ver­bo­ten, das Über­ein­kom­men stellt jedoch als Reak­ti­ons­mög­lich- keit nur die all­ge­mei­nen Streit­bei­le­gungs­me­cha­nis­men zur Ver­fü­gung. Zur Ver­hin­de­rung sol­cher Kon­flikt­la­gen dient die Zusam­men­ar­beits- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht in Art. 242 SRÜ. Danach hat ein Staat, der wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung durch­führt, dafür zu sor­gen, dass die ande­ren Staa­ten die zum Schutz der Mee­res­um­welt und der Men­schen erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen erhalten.

4. Zusam­men­fas­sung: Recht­li­cher Rah­men für For- schungs­ak­ti­vi­tä­ten auf und über dem Fest­landso­ckel der Arktis

Für Staa­ten, die wis­sen­schaft­li­che Mee­res­for­schung im Bereich des ark­ti­schen Fest­landso­ckels betrei­ben wol­len, gilt es also zunächst zwi­schen For­schung auf oder unter dem Mee­res­grund und sol­cher in den Gewäs­sern darü- ber zu unterscheiden:

Geht es um For­schung auf oder unter dem Mee­res- grund, so muss die­se vom Küs­ten­staat geneh­migt wer- den, wobei die Geneh­mi­gung jedoch nur in weni­gen, den Kern­be­reich küs­ten­staat­li­cher Aus­beu­tungs­be­fug- nis­se betref­fen­den Kon­stel­la­tio­nen abge­lehnt wer­den darf; auf dem erwei­ter­ten Fest­landso­ckel sind die Küs- ten­staa­ten­rech­te zur Unter­sa­gung der For­schung noch- mals ein­ge­schränkt, da eine Nicht-Geneh­mi­gung nicht auf die Bedeu­tung des Vor­ha­bens für die Erfor­schung und Aus­beu­tung der Res­sour­cen gestützt wer­den kann.

Bei For­schung in den Gewäs­sern über dem Fest­land- sockel ist zwi­schen Gewäs­sern bis zur 200 sm-Grenze

  1. 32  In Grund­zü­gen gilt dies auch kraft Gewohn­heits­rechts und der Fest­landso­ckel­kon­ven­ti­on für Nicht­ver­trags­par­tei­en des See- rechts­über­ein­kom­mens wie die USA.
  2. 33  Trea­ty con­cer­ning the Archi­pe­la­go of Spits­ber­gen vom 9.2.1920 (Inkraft­tre­ten am 14.8.1925), 2 LNTS 7, abruf­bar unter http:// lovdata.no/dokument/NL/lov/1920–02-09.
  3. 34  Vgl Kem­pen, Der völ­ker­recht­li­che Sta­tus der Insel­grup­pe Spitz- ber­gen, 1995, 107.

der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne und sol­chen jen- seits die­ser Gren­ze zu unter­schei­den. In ers­te­rer gel­ten die küs­ten­staat­li­chen Hoheits- und Ein­wir­kungs­rech­te der jewei­li­gen Zone. Über dem erwei­ter­ten Fest­land­so- ckel hin­ge­gen hat der Küs­ten­staat kei­ner­lei Ein­wir­kungs- rechte.32

III. Son­der­fall: Das Fest­landso­ckel­re­gime im Spitz- bergengebiet

Im Spitz­ber­gen­ge­biet ist umstrit­ten, ob das die Insel umge­ben­de Fest­landso­ckel­ge­biet der Sou­ve­rä­ni­tät eines Staa­tes (Nor­we­gens) oder der gleich­be­rech­tig­ten wirt- schaft­li­chen Nut­zung aller Ver­trags­staa­ten unter­liegt. Dies ist der Fall, da sich der Spitz­ber­gen­ver­trag (SV),33 der Nor­we­gen beschränk­te Sou­ve­rä­ni­tät über das Archi- pel Spitz­ber­gen ein­räumt, nach sei­nem Art. 1 aus­drück- lich nur auf die Inseln und ihre Hoheits­ge­wäs­ser bezieht.

Nor­we­gen geht von sei­ner Sou­ve­rä­ni­tät über den Fest­landso­ckel im Spitz­ber­gen­ge­biet aus und begrün­det dies ins­be­son­de­re damit, dass Spitz­ber­gen kei­nen eige- nen Fest­landso­ckel besit­ze, son­dern auf dem nor­we­gi- schen Sockel liege.34 Selbst wenn aber ein eige­ner Sockel Spitz­ber­gens ange­nom­men wer­de, sei­en Beschrän­kun- gen nor­we­gi­scher Sou­ve­rä­ni­tät im Spitz­ber­gen­ver­trag restrik­tiv aus­zu­le­gen. Da der Fest­landso­ckel nicht aus- drück­lich in Art. 1 SV erwähnt wer­de, unter­ste­he er der allei­ni­gen Sou­ve­rä­ni­tät Nor­we­gens und als Küs­ten­staat ste­he Nor­we­gen der Fest­landso­ckel auch nach all­ge­mei- nem See­völ­ker­recht zu.35

Nach der Ansicht ande­rer Ver­trags­staa­ten und von Tei­len der Lite­ra­tur unter­liegt der Fest­landso­ckel im Spitz­ber­gen­ge­biet jedoch der gleich­be­rech­tig­ten wirt- schaft­li­chen Nut­zung aller Par­tei­en des Spitz­ber­gen­ver- tra­ges, da die­ser bei einer Aus­le­gung nach Sinn und Zweck auch den Sockel erfas­se. Sinn und Zweck des Ver- tra­ges sei, in umfas­sen­der Wei­se eine geord­ne­te wirt- schaft­li­che Nut­zung der Insel­grup­pe zu ermög­li­chen. Die Mög­lich­keit der Aus­beu­tung des Fest­landso­ckels und das völ­ker­recht­li­che Fest­landso­ckel­re­gime waren zur Zeit des Ver­trags­schlus­ses im Jah­re 1920 noch nicht bekannt.36 Nur des­we­gen sei der Fest­landso­ckel nicht aus­drück­lich erwähnt.37

35 Vgl Art 2 der Con­ven­ti­on on the Con­ti­nen­tal Shelf vom 29.4.1958 (Inkraft­tre­ten am 10.6.1964), 499 UNTS 311, und Art 77 des SRÜ.

36 Vgl dazu Wol­frum, Die Inter­na­tio­na­li­sie­rung staats­frei­er Räu­me, 1984, 118.

37 Vgl Kem­pen, Der völ­ker­recht­li­che Sta­tus der Insel­grup­pe Spitz- ber­gen, 1995, 108, 114.

50 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 43–54

Der letzt­ge­nann­ten Ansicht ist zuzu­stim­men, da der Spitz­ber­gen­ver­trag als Statusvertrag38 eine im Inter­es­se aller Staa­ten lie­gen­de, umfas­sen­de ter­ri­to­ria­le Ord­nung im Spitz­ber­gen­ge­biet errich­tet. Dem wür­de eine ein­sei­ti- ge Zuord­nung des Fest­landso­ckels zu Nor­we­gen wider- sprechen.

IV. Das Fest­landso­ckel­re­gime der Antarktis

Wie bereits erwähnt, haben Aus­tra­li­en, Argen­ti­ni­en und Nor­we­gen als clai­mant sta­tes bereits Anträ­ge auf die Aner­ken­nung eines erwei­ter­ten Fest­landso­ckels in der Ant­ark­tis bei der Fest­landso­ckel­kom­mis­si­on gestellt (unter I. 2.). Alle die­ser Anträ­ge wer­den zur­zeit in Abstim­mung mit den Antrag­stel­lern nicht bear­bei­tet, da es umstrit­ten ist, ob Art. 4 des Ant­ark­tis­ver­tra­ges (AV)39 der Dekla­ra­ti­on und Aus­übung hoheit­li­cher Rech­te über den Fest­landso­ckel der Ant­ark­tis ent­ge­gen­steht. Die dar- geleg­te Ver­fah­rens­re­ge­lung der Fest­landso­ckel­kom­mis- sion, die eine Stel­lung­nah­me bei unge­lös­ten ter­ri­to­ria­len Strei­tig­kei­ten ver­bie­tet, ver­hin­dert für den Fest­land­so- ckel des ant­ark­ti­schen Fest­lan­des damit eine end­gül­ti­ge und bin­den­de Fest­le­gung von Festlandsockelgrenzen.

1. Völ­ker­recht­li­cher Meinungsstand

Nicht bestrit­ten wird, dass das See­rechts­über­ein­kom- men im Bereich des Ant­ark­tis­ver­tra­ges grund­sätz­lich anwend­bar ist.40 Es gilt jedoch modi­fi­ziert, sofern der Ant­ark­tis­ver­trag abwei­chen­de Rege­lun­gen ent­hält, da für des­sen Par­tei­en schon nach dem völ­ker­recht­li­chen Grund­satz des Vor­rangs von lex spe­cia­lis eine Rege- lungs­prio­ri­tät des Ant­ark­tis­ver­tra­ges im Ver­hält­nis zum all­ge­mei­nen See­recht besteht.41

Zum Teil wird ver­tre­ten, dass Art. 4 AV der Aus- übung sou­ve­rä­ner Rech­te am Fest­landso­ckel entgegen-

  1. 38  Sta­tus­ver­trä­ge sind gebiets­be­zo­ge­ne völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge, die im All­ge­mein­in­ter­es­se abge­schlos­sen wer­den und einen erga om- nes, also gegen­über sämt­li­chen Völ­ker­rechts­sub­jek­ten, wirk­sa­men Rechts­sta­tus des Gebie­tes begrün­den sol­len. Dazu grund­le­gend Klein, Sta­tus­ver­trä­ge im Völ­ker­recht, 1980, 23 ff.
  2. 39  Ant­arc­tic Trea­ty vom 1.12.1959 (Inkraft­tre­ten am 23.6.1961), 402 UNTS 71.
  3. 40  Vgl Krü­ger, Anwend­bar­keit von Umwelt­schutz­ver­trä­gen in der Ant­ark­tis, 2000, 32 ff mwN; Vukas, UNCLOS and the Polar Ma- rine Envi­ron­ment, in Vidas (Hrsg), Pro­tec­ting the Polar Mari­ne Envi­ron­ment, 2000, 34 ff.
  4. 41  Wol­frum, Die Inter­na­tio­na­li­sie­rung staats­frei­er Räu­me, 1984, 58; Sahu­rie, The Inter­na­tio­nal Law of Ant­arc­ti­ca, 1992, 547.
  5. 42  Vgl bei­spiels­wei­se Mar­coux, Natu­ral Resour­ce Juris­dic­tion on the Ant­arc­tic Con­ti­nen­tal Mar­gin, (1971) 11 Va.J.Int‘l L., 374, 403 und Joy­ner, The Ant­arc­tic Trea­ty Sys­tem and the Law of the Sea – Com­pe­ting Regimes in Sou­thern Oce­an?, (1995) 10 IJMCL, 301, 309.
  6. 43  „The rights of the coas­tal Sta­te over the con­ti­nen­tal shelf do not

steht: Dies sei der Fall, da das See­rechts­über­ein­kom­men die Rech­te am Fest­landso­ckel von der küs­ten­staat­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät ablei­te, der Ant­ark­tis­ver­trag jedoch die ter- rito­ria­len Gebiets­an­sprü­che in der Ant­ark­tis ein­frie­re, d.h. weder ab- noch aner­ken­ne (Art. 4 Abs. 2 S. 2 AV). Da zudem die Erwei­te­rung hoheit­li­cher Gebiets­an­s­prü- che in der Ant­ark­tis durch Art. 4 AV ver­trag­lich aus­ge- schlos­sen sei, gel­te dies auch für sou­ve­rä­ne Rech­te hin- sicht­lich des Fest­landso­ckels. Dafür spre­che, dass der Ant­ark­tis­ver­trag auf alle Land- und See­ge­bie­te süd­lich von 60o S Anwen­dung findet.42

Ein ande­rer Teil der Lite­ra­tur ver­tritt hin­ge­gen, dass Art. 4 AV die Staa­ten nicht an der Dekla­ra­ti­on und Aus- übung sou­ve­rä­ner Rech­te am Fest­landso­ckel hin­dert. Der Grund dafür sei, dass sich die küs­ten­staat­li­che Sou- verä­ni­tät hin­sicht­lich des Fest­landso­ckels nach Art. 77 Abs. 3 SRÜ43 und der Recht­spre­chung des IGH in den North Sea Con­ti­nen­tal Shelf-Fäl­len44 aus der ter­ri­to­ria- len Sou­ve­rä­ni­tät auto­ma­tisch ablei­te und nicht durch die Ver­wirk­li­chung eines dies­be­züg­li­chen Anspruchs er- wor­ben wer­de. Dies sei bereits vor Inkraft­tre­ten des Ant- ark­tis­ver­tra­ges aner­kannt gewe­sen, wie sich aus Art. 3 Abs. 2 der Gen­fer Festlandsockelkonvention45 ergebe.46 Die Gel­tend­ma­chung von Sou­ve­rä­ni­tät über den Fest- landso­ckel durch die so genann­ten clai­mant sta­tes sei da- her nicht als neu­er Anspruch oder Erwei­te­rung des be- reits gel­tend gemach­ten zu qua­li­fi­zie­ren, son­dern als In- anspruch­nah­me bestehen­der und von Art. 4 AV ge- schütz­ter Rech­te der clai­mants.47

Nach einer wei­te­ren, drit­ten Ansicht unter­fällt der ant­ark­ti­sche Fest­landso­ckel dem Tief­see­bo­den­re­gime des See­rechts­über­ein­kom­mens, weil das ant­ark­ti­sche Ver­trags­sys­tem nicht das in Art. 1 Nr. 1 und 136 SRÜ ver- anker­te und uni­ver­sell akzep­tier­te Prin­zip des com­mon

depend on occup­a­ti­on, effec­ti­ve or notio­nal, or on any express

pro­cla­ma­ti­on.“
44 Inter­na­tio­na­ler Gerichts­hof (IGH), North Sea Con­ti­nen­tal Shelf

Cases (Federal Repu­blic of Germany/Denmark; Federal Republic

of Germany/Netherlands), ICJ (1969) Reports 3.
45 Sie­he oben Fn 5.
46 Car­roll, Of Ice­bergs, Oil Wells, and Trea­ties, (1983) 19 Stan.J.Int‘l

L., 207, 223; Nuss­baum, Legal Sta­tus of Ant­arc­tic Off-Shore Are­as, ASOLP Occ. P., 1993, 15; Rothwell, The Polar Regi­ons and the Deve­lo­p­ment of Inter­na­tio­nal Law, 1994, 201.

47 Vgl Krü­ger, Anwend­bar­keit von Umwelt­schutz­ver­trä­gen in der Ant­ark­tis, 2000, 47 mwN. Nach die­ser Ansicht hin­dert Art 4 AV die Ver­trags­par­tei­en nur, ihre Hoheits­rech­te gel­tend zu machen, soweit sich die­se Ein­schrän­kung aus ande­ren Arti­keln des Ant- ark­tis­ver­tra­ges ergibt (vgl Art 2 (Siche­rung der For­schungs­frei- heit) und Art 5 (Ver­bot von Kern­ex­plo­sio­nen und der Besei­ti- gung radio­ak­ti­ven Abfalls)). Zuläs­sig ist dage­gen die Aus­übung von Hoheits­rech­ten dann, wenn nicht in die vom Ant­ark­tis­ver- trag geschütz­ten Posi­tio­nen ande­rer Staa­ten ein­ge­grif­fen wird.

Höfelmeier/Vöneky · For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten über dem Fest­landso­ckel 5 1

heri­ta­ge of man­kind dero­gie­ren kön­ne. Das Gebiet (also der Tief­see­bo­den und sei­ne Res­sour­cen, „the Area“, das als gemein­sa­mes Erbe der Mensch­heit gilt, erstre­cke sich auch auf den ant­ark­ti­schen Festlandsockel.48 Gegen die- se Auf­fas­sung ist jedoch ein­zu­wen­den, dass aus Art. 5 der Con­ven­ti­on on the Regu­la­ti­on of Ant­arc­tic Mine­ral Re- source Acti­vi­ties (CRAMRA)49 im Rah­men des vor­ran- gigen Ant­ark­tis­ver­trags­re­gimes folgt, dass nur der Tief- see­bo­den in der Ant­ark­tis, nicht aber der ant­ark­ti­sche Fest­landso­ckel dem Tief­see­bo­den­re­gime des See­rechts- über­ein­kom­mens unterfällt.50 Art. 5 CRAMRA defi­niert die äuße­re Begren­zung des geo­lo­gi­schen Fest­landso­ckels in Über­ein­stim­mung mit dem See­rechts­über­ein­kom- men und schließt aus­drück­lich den (geo­lo­gi­schen) Fest- landso­ckel bis zum Tief­see­bo­den mit ein. An der über- ein­stim­men­den Pra­xis der Ver­trags­staa­ten des Ant­ark- tis­ver­tra­ges und der Signal­wir­kung die­ser Vor­schrift än- dert auch das Schei­tern der CRAMRA nichts.51

Eine vier­te Ansicht führt an, alle Kon­sul­ta­tiv­par­tei­en sei­en gemein­sam als Sach­wal­ter zur Aus­übung der Ho- heits­rech­te bezüg­lich des Fest­landso­ckels berech­tigt; dies gel­te zumin­dest, solan­ge For­schung und Umwelt- schutz die Haupt­wid­mun­gen der Ant­ark­tis seien.52

2. Bewer­tung und prak­ti­sche Bedeutung

Wäh­rend die drit­te Ansicht aus den genann­ten Grün­den völ­ker­recht­lich nicht über­zeugt, stüt­zen sich sowohl die ers­te als auch die zwei­te Ansicht völ­ker­recht­lich auf gute Grün­de. Folgt man der zweit­ge­nann­ten Ansicht, kön­nen die clai­mant sta­tes indi­vi­du­ell ihre Ansprü­che gel­tend machen; die Anträ­ge Argen­ti­ni­ens, Nor­we­gens und Aus- tra­li­ens, die wegen der unkla­ren recht­li­chen Situa­ti­on in Bezug auf den ark­ti­schen Fest­landso­ckel auf Ver­an­las- sung der Antrag­stel­ler zunächst nicht bear­bei­tet wer­den, könn­ten also durch die Fest­landso­ckel­kom­mis­si­on beschie­den wer­den. Hin­sicht­lich der dar­aus resul­tie­ren- den Rech­te am Fest­landso­ckel wären jedoch Modifikati-

  1. 48  Vgl Infan­te, Mari­ti­me Con­ven­ti­ons in Ant­arc­ti­ca, (1992) 35 GYIL, 249, 252; Miglio­ri­no, The new Law of the Sea and the Deep Seabed of the Ant­arc­tic Regi­on, in Francioni/Scovazzi (Hrsg), Inter­na­tio­nal Law for Ant­arc­ti­ca (1987), 381, 388 und Joy­ner (1992), 131.
  2. 49  Con­ven­ti­on on the Regu­la­ti­on of Ant­arc­tic Mine­ral Resour­ce Acti­vi­ties vom 2.6.1988 (nicht in Kraft getre­ten), (1988) 27 ILM 868.
  3. 50  Wol­frum, The Con­ven­ti­on on the Regu­la­ti­on of Ant­arc­tic Mine­ral Resour­ce Acti­vi­ties, 1991, 33.
  4. 51  Krü­ger, Anwend­bar­keit von Umwelt­schutz­ver­trä­gen in der Ant­ark­tis, 2000, 168; ande­rer Ansicht Joy­ner, The Ant­arc­tic Trea­ty Sys­tem and the Law of the Sea – Com­pe­ting Regimes in Sou­thern Oce­an?, (1995) 10 IJMCL, 301, 325.

onen durch das Ant­ark­tis­ver­trags­sys­tem zu beach­ten, ins­be­son­de­re das Berg­bau­ver­bot aus Art. 7 des Umwelt- schutz­pro­to­kolls zum Antarktisvertrag.53

Dem Sinn und Zweck des Ant­ark­tis­ver­tra­ges ent- spricht es jedoch, eine uni­la­te­ra­le Aus­übung von Ho- heits­rech­ten an der Ant­ark­tis zu ver­mei­den, ohne die Anspruchs­er­he­bun­gen der clai­mant sta­tes end­gül­tig zu ver­ei­teln. Die­sem Sinn ent­spricht die vier­te Ansicht am bes­ten. Für sie spricht zudem, dass der Ursprung des Fest­landso­ckel­prin­zips die geo­lo­gisch-geo­gra­phi­sche Ver­bin­dung mit dem Land und nicht, wie es die zwei­te Ansicht annimmt, die Begrün­dung ter­ri­to­ria­ler Souve- räni­tät ist. Die Rechts­na­tur der Hoheits­rech­te am Fest- landso­ckel erfor­dert daher gera­de nicht die Zuord­nung zu einem Völ­ker­rechts­sub­jekt mit Staats­qua­li­tät. Eine Modi­fi­zie­rung des Fest­landso­ckel­kon­zepts des See- rechtsübereinkommens54 zuguns­ten eines Kon­do­mi­ni- ums sui gene­ris ist somit zulässig.55 Nach die­ser Lösung kann die kol­lek­ti­ve Gel­tend­ma­chung der Gren­zen des ant­ark­ti­schen Fest­landso­ckels durch alle Kon­sul­ta­tiv­par- tei­en des Ant­ark­tis­ver­tra­ges auch gemein­sam erfol­gen. Dann wäre ein ant­ark­ti­scher Fest­landso­ckel vor­han­den, der einer „joint juris­dic­tion“ unterläge.56

Die Zurück­hal­tung bei der Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen auf den ant­ark­ti­schen Fest­landso­ckel und die Ankün­di­gung der Staa­ten, die sol­che Anträ­ge gestellt haben, dass die­se für die Gel­tungs­dau­er des Ant­ark­tis- ver­tra­ges ruhen soll­ten, spre­chen dafür, dass auch die clai­mant sta­tes nicht davon aus­ge­hen, dass sie nach der aktu­el­len Rechts­la­ge Hoheits­rech­te über den Fest­land­so- ckel der Ant­ark­tis aus­üben dürfen.

Die gemein­sa­me Gel­tend­ma­chung von Aus­beu- tungs­rech­ten in Bezug auf den ant­ark­ti­schen Fest­land­so- ckel durch die Par­tei­en des Ant­ark­tis­ver­tra­ges ist ange- sichts des vor­ran­gi­gen Ziels des Schut­zes der Ant­ark­tis vor Umwelt­schä­di­gun­gen jedoch nicht zu erwarten.

52 Wol­frum, Die Inter­na­tio­na­li­sie­rung staats­frei­er Räu­me, 1984, 96 ff; Krü­ger, Anwend­bar­keit von Umwelt­schutz­ver­trä­gen in der Ant­ark­tis, 2000, 166.

53 Pro­to­col on Envi­ron­men­tal Pro­tec­tion to the Ant­arc­tic Trea­ty vom 04.10.1991 (Inkraft­tre­ten am 14.1.1998), (1991) 30 ILM 1455.

54 Das See­rechts­über­ein­kom­men lei­tet die Hoheits­rech­te über den Fest­landso­ckel – wie oben dar­ge­legt – dem Wort­laut zufol­ge grund­sätz­lich von der küs­ten­staat­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät ab.

55 So auch Nuss­baum, Roh­stoff­ge­win­nung in der Ant­ark­tis, 1985, 192.

56 Krü­ger, Anwend­bar­keit von Umwelt­schutz­ver­trä­gen in der Ant- ark­tis, 2000, 170.

52 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 43–54

V. Son­der­fall: Das Rechts­re­gime des Fest­landso­ckels der Inseln nörd­lich des Antarktisgebietes

Da der Ant­ark­tis­ver­trag nach sei­nem Art. 6 nur für das Gebiet süd­lich von 60° S gilt, folgt die recht­li­che Zuord- nung der Fest­landso­ckel­zo­nen, die zu den Inseln nörd- lich von 60° S gehö­ren (wie z.B. den aus­tra­li­schen Mac- quarie‑, Heard- und McDo­nald-Inseln) den all­ge­mei­nen Regeln in Art. 76 SRÜ.

Reicht einer die­ser Fest­landso­ckel von außen in das Gebiet des Ant­ark­tis­ver­tra­ges hin­ein, so bestim­men sich die küs­ten­staat­li­chen Ansprü­che auf den Fest­landso­ckel zunächst allein nach dem Rechts­re­gime des See­rechts- über­ein­kom­mens, wie es oben dar­ge­stellt wur­de. Art. 4 AV ist hier als spe­zi­el­le­re, ver­drän­gen­de Norm nicht an- wend­bar. Die Fest­landso­ckel­zo­nen stel­len kei­ne „neu­en Ansprü­che oder Erwei­te­run­gen bestehen­der Ansprü­che auf Gebiets­ho­heit in der Ant­ark­tis“ dar, son­dern sind – ohne ein wei­te­res Tun der Staa­ten – Fol­ge der küs­ten- staat­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät über die Inseln.

Unklar ist aber, ob die Bestim­mun­gen des Ant­ark­tis- ver­trags­sys­tems das Nut­zungs­re­gime des Festlandso-

ckels für die Küs­ten­staa­ten modi­fi­zie­ren. Art. 7 des Um- welt­schutz­pro­to­kolls zum Ant­ark­tis­ver­trag, der ein grund­sätz­li­ches Ver­bot von nicht for­schungs­be­zo­ge­nen Akti­vi­tä­ten in Bezug auf mine­ra­li­sche Boden­schät­ze in der Ark­tis ver­an­kert, scheint eine sol­che Modi­fi­ka­ti­on vor­zu­neh­men. Der Final Act der Staa­ten­kon­fe­renz zur Vor­gän­ger­kon­ven­ti­on CRAMRA schließt jedoch die küs­ten­staat­li­chen Rech­te in Bezug auf die nörd­lich des Ver­trags­ge­biets gele­ge­nen Inseln aus­drück­lich vom Re- gelungs­be­reich der res­sour­cen­be­zo­ge­nen Vor­schrif­ten aus.57 Es ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass für die­se In- seln das Nut­zungs­re­gime des See­rechts­über­ein­kom­mens gilt.58

Sil­ja Vöne­ky ist Pro­fes­so­rin an der Albert-Lud­wigs-Uni- ver­si­tät Frei­burg und Direk­to­rin des Insti­tuts für Öffent­li­ches Recht, Abtei­lung 2: Völ­ker­recht und- Rechts­ver­glei­chung sowie Mit­glied des Deut­schen Ethik­ra­tes. Anja Höfel­mei­er ist wis­sen­schaft­li­che Mitar- bei­te­rin des Instituts.

57 Final Act of the Fourth Spe­cial Ant­arc­tic Trea­ty Con­sul­ta­ti­ve Mee­ting on Ant­arc­tic Mine­ral Resour­ces, 02.06.1988, (1988) 27 ILM 859, 866. Vgl zudem Art. 5 CRAMRA; dazu Wol­frum, The Con­ven­ti­on on the Regu­la­ti­on of Ant­arc­tic Mine­ral Resour­ce Acti­vi­ties, 1991, 32 f, 105.

58 So auch Hemmings/Stephens, Australia’s Exten­ded Con­ti­nen­tal Shelf: What Impli­ca­ti­ons for Ant­arc­ti­ca?, (2009) 20 Public Law Review, 9 ff.

Höfelmeier/Vöneky · For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten über dem Fest­landso­ckel 5 3

Anhang I: Fest­landso­ckel­ge­bie­te in der Arktis

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Quel­le: http://www.economist.com/node/13649265

54 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2014), 43–54

Anhang II: Fest­landso­ckel­ge­bie­te und gel­tend gemach­te Ansprü­che in der Antarktis

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Quel­le: http://www.grida.no/graphic.aspx?f=pubs/shelf/fig-14.jpg