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Ein­füh­rung

Der Erfolg von Uni­ver­si­tä­ten im natio­na­len und inter­na­tio- nalen Wett­be­werb hängt in zuneh­men­dem Maße auch vom Grad ihrer Ver­net­zung und der Qua­li­tät ihrer Zusam­men- arbeit mit außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen ab. Das Auf­bre­chen der als „Ver­säu­lung“ bezeich­ne­ten Spe­zia- lität des deut­schen Wis­sen­schafts­sys­tems, der insti­tu­tio­nel- len Tren­nung von uni­ver­si­tä­rer und außer­uni­ver­si­tä­rer For­schung, gehört daher zu den wich­ti­gen wis­sen­schafts­po­li­ti- schen Zie­len in Bund und Län­dern. Die­ses Ziel wird ins­be­son- dere mit dem Exzel­lenz­wett­be­werb verfolgt1 und fin­det sei- nen Nie­der­schlag als Ver­pflich­tung der Uni­ver­si­tä­ten zur Koope­ra­ti­on in den Hoch­schul­ge­set­zen der Länder.2 Auch für die Mit­glie­der von Hoch­schul­lei­tun­gen sind die damit ver­bun­de­nen Fra­ge­stel­lun­gen gera­de in jüngs­ter Zeit wie- der von hoher Aktua­li­tät und Relevanz.3

Die­un­ter­schied­li­chen­Di­men­sio­nen­der­Ver­net­zun- gen im Wis­sen­schafts­sys­tem kann man je nach Blick- win­kel kate­go­ri­sie­ren in for­schungs­the­men­be­zo­ge­ne Koope­ra­tio­nen, regio­nal­be­zo­ge­ne Koope­ra­tio­nen und per­so­nen­be­zo­ge­ne Koope­ra­tio­nen, wobei sich die Dimen- sio­nen in der Pra­xis regel­mä­ßig überschneiden.4 Die For- schungs­the­ma­tik steht z.B. bei den Helm­holtz-Alli­an­zen im Vor­der­grund, die als Ver­bün­de Helm­holtz-Zen­tren, Uni- ver­si­tä­ten und außer­hoch­schu­li­sche Ein­rich­tun­gen zu- sam­men­füh­ren. Als regio­nal­be­zo­ge­ne Koope­ra­tio­nen kann man die Natio­na­len Leis­tungs­zen­tren der Fraun­ho- fer-Gesell­schaft betrach­ten, an denen Uni­ver­si­tä­ten, außer- hoch­schu­li­sche For­schungs­ein­rich­tun­gen und die Wirt- schaft betei­ligt sind. Ent­spre­chen­des gilt für Helm­holtz- Insti­tu­te auf dem Cam­pus von Uni­ver­si­tä­ten oder das Helm­holtz-Exzel­lenz­netz­werk, das sich Helm­holtz als ein neu­es För­der­instru­ment für Clus­ter im Bereich der Exzel­lenz­stra­te­gie aus­ge­dacht hat und das aus dem Im- puls- und Ver­net­zungs­fonds des Prä­si­den­ten geför­dert wird.5 Bei der per­so­nen­be­zo­ge­nen Koope­ra­ti­on steht die enge per­so­nel­le Ver­flech­tung von Uni­ver­si­tä­ten und au- ßer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen im Vorder-

* Wert­vol­le Unter­stüt­zung bei der Erstel­lung die­ses Pra­xis­be­richts leis­te­ten Cor­ne­lia Stöck­lein und Hei­ke Dol­l­mann, Uni­ver­si­tät Hei- del­berg, denen an die­ser Stel­le herz­lich gedankt sei.

  1. 1  Vgl. Posi­ti­ons­pa­pier der DFG zur Zukunft des Wis­sen­schafts­sys- tems, Juli 2013, S. 3, http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_pro- fil/­re­den_stel­lung­nah­men/2013/130704_dfg-posi­ti­ons­pa­pier_­zu- kunft_wissenschaftssystem.pdf.
  2. 2  Z.B. § 6 Abs. 1 bwLHG.
  3. 3  Sie­he z.B. Jah­res­ta­gung der Kanz­le­rin­nen und Kanz­ler der Uni­ver-sitä­ten Deutsch­lands mit dem Titel „Koope­ra­ti­on und Konkur-

grund, in der Regel auf der Ebe­ne der wis­sen­schaft­li­chen Füh­rungs­kräf­te wie der Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren. Im Vor­der­grund die­ses Bei­trags steht die per­so­nen­be­zo- gene Koope­ra­ti­on mit ihren spe­zi­fi­schen Her­aus­for­de- run­gen ins­be­son­de­re für die Universitäten.

Ver­netz­tes For­schen am Bei­spiel der Uni­ver­si­tät Hei- delberg

Die wich­tigs­ten außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungsein- rich­tun­gen, mit denen die Uni­ver­si­tät Hei­del­berg län- ger­fris­ti­ge Part­ner­schaf­ten unter­hält, sind

- das Deut­sche Krebs­for­schungs­zen­trum in Hei­del- berg,

- das Euro­pean Mole­cu­lar Labo­ra­to­ry in Hei­del­berg (EMBL),

- die Gesell­schaft für Schwer­io­nen­for­schung in Darm­stadt, ein Helmholtz-Institut,

- das Insti­tut für Deut­sche Spra­che der Leib­niz- Gemein­schaft in Mannheim,

- das Hei­del­ber­ger Insti­tut für Theo­re­ti­sche Stu­di­en gGmbH,

- das Max-Planck-Insti­tut für Astro­no­mie in Hei­del- berg

- das Max-Planck-Insti­tut für aus­län­di­sches öffent­li- ches Recht und Völ­ker­recht auf dem Cam­pus der Uni­ver­si­tät Heidelberg,

- das Max-Planck-Insti­tut für Kern­phy­sik in Hei­del- berg,

- das Max-Planck-Insti­tut für Medi­zi­ni­sche For­schung, eben­falls auf dem Cam­pus der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, — das Zen­tral­in­sti­tut für See­li­sche Gesund­heit in

Mann­heim und
- das Zen­trum für Euro­päi­sche Wirtschaftsforschung

der Leib­niz-Gemein­schaft eben­falls in Mann- heim.6

renz: Uni­ver­si­tä­ten und ihre Part­ner unter ver­schärf­ten Wettbe-

werbs­be­din­gun­gen?“ am 21. und 22. Sep­tem­ber 2017 in Pots­dam. 4 Eben­so Pakt für For­schung und Inno­va­ti­on, Bericht der Helm-

holtz-Gemein­schaft 2017, S. 23 ff.
5 För­der­vor­aus­set­zung ist die Mit­glied­schaft min­des­tens eines

Helm­holtz-Ver­tre­ters im Lei­tungs­gre­mi­um des Clus­ters, was der

Helm­holtz-Gemein­schaft Ein­fluss auf die­ses För­der­seg­ment sichert. 6 Sie­he auch http://www.uni-heidelberg.de/einrichtungen/ausser_

uni.html

Ange­la Kalous

Ver­netz­tes Arbei­ten und Personalzuordnung*

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2018, ISBN/ISSN 3–45678-222–7

162 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 2 (2018), 161–168

Alle Koope­ra­tio­nen haben eine aus­führ­li­che ver­trag­li- che Grund­la­ge. Hier­für sind auf bei­den Sei­ten pro­fes- sio­nel­le, erfah­re­ne Juris­ten und Ver­trags­ma­na­ger erforderlich.

Eine beson­de­re Form der Zusam­men­ar­beit stellt die Alli­anz zwi­schen dem Zen­trum für Mole­ku­la­re Bio­lo­gie der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg und dem For- schungs­schwer­punkt „Zell- und Tumor­bio­lo­gie“ des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trums dar. Über 400 Wis­sen­schaft­ler aus Uni­ver­si­tät und Deut­schem Krebs­for­schungs­zen­trum arbei­ten, unter­stützt mit Mit­teln aus der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve, eng zusam­men. Im Fokus steht das Ver­ständ­nis mole­ku­la­rer Pro­zes­se und grund­le­gen­der Zell­funk­tio­nen. Mit gemein­sa­men For­schungs- und För­der­pro­gram­men, Lei­tungs­gre­mi- en und Beru­fun­gen sowie der gemein­schaft­li­chen Nut­zung der wis­sen­schaft­li­chen Infra­struk­tur sol­len Res­sour­cen bes­ser genutzt und Platt-form­tech­no­lo­gi- en opti­mal aus­ge­las­tet werden.

Die Koope­ra­tio­nen mit den außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen unter­stüt­zen vor allem die vier For­schungs­schwer­punk­te der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, die sich in der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve als Teil des Zukunfts- kon­zepts der Uni­ver­si­tät seit 2007 her­aus­ge­bil­det ha- ben.7 Sie sind inte­gra­ler Bestand­teil der For­schungs­stra- tegie der Uni­ver­si­tät: Das Field of Focus 1 „Mole­ku­lar- und zell­bio­lo­gi­sche Grund­la­gen des Lebens“ stützt sich bei­spiels­wei­se auf die Koope­ra­tio­nen mit dem Deut- schen Krebs­for­schungs­zen­trum, dem Euro­pean Mole­cu- lar Bio­lo­gy Labo­ra­to­ry und dem Max-Planck-Insti­tut für Medi­zi­ni­sche For­schung. Im Field of Focus 2 „Struk­tur und Mus­ter­bil­dung in der mate­ri­el­len Welt“ koope- riert die Uni­ver­si­tät mit den Max Planck-Insti­tu­ten für Astro­phy­sik und für Kern­phy­sik, dem Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie und dem Helm­holtz­zen­trum für Schwer­io­nen­for­schung. Ent­spre­chen­des gilt für Field of Focus 3 „Kul­tu­rel­le Dyna­mik in glo­ba­li­sier­ten Wel­ten“ und Field of Focus 4 „Selbst­re­gu­la­ti­on und Regu­la­ti­on: Indi­vi­du­en und Organisationen“.

Instru­men­te der per­so­nen­be­zo­ge­nen Kooperation

Die wesent­li­chen Instru­men­te der per­so­nen­be­zo­ge­nen Koope­ra­ti­on sind

- die außer­plan­mä­ßi­ge oder Hono­rar­pro­fes­sur,
- die Max Planck Fel­low­ship sowie
- sons­ti­ge (z. B. Zuwei­sung bzw. Abord­nung von

Mit­ar­bei­tern des wis­sen­schaft­li­chen Dienstes).

Der Begriff „Gemein­sa­me Beru­fung“ wird ge- braucht, um die wich­tigs­te Form der per­so­nen­be­zo­ge- nen Koope­ra­ti­on zu beschrei­ben: Ein For­scher bzw. eine For­sche­rin über­nimmt eine Pro­fes­sur an einer Uni­ver­si­tät und gleich­zei­tig For­schungs- und Füh- rungs­auf­ga­ben an einer außer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich- tung. Es geht also um eine gemein­sa­me Beru­fung in Lei­tungs­po­si­tio­nen; nicht immer wird wirk­lich eine gemein­sa­me Beru­fung auf die Pro­fes­sur durch Ein- rich­tung einer gemein­sa­men Beru­fungs­kom­mis­si­on oder zwei­er gemein­sam tagen­der Beru­fungs­kom­mis- sio­nen durchgeführt.8 Manch­mal fin­den die Aus­wahl- ver­fah­ren nach­ein­an­der und nicht immer fin­det das eigent­li­che Aus­wahl­ver­fah­ren zuerst an der Uni­ver­si- tät statt. Sol­che Beru­fun­gen kön­nen zu pro­ble­ma­ti- schen Dis­kus­sio­nen im Senat der Uni­ver­si­tät füh­ren, wenn die Per­son qua­si als „gesetzt“ gilt, was eben nicht bedeu­tet, dass die Uni­ver­si­tät die grund­ge­setz­li- chen und hoch­schul­recht­li­chen Vor­ga­ben zur Bes­ten- aus­le­se außer Acht las­sen kann.

Die Brü­cken­pro­fes­sur ist eine beson­de­re Form der per­so­nen­be­zo­ge­nen Koope­ra­ti­on, bei der der For­scher bzw. die For­sche­rin auf Dau­er ange­leg­te Auf­ga­ben an der Uni­ver­si­tät und gleich­zei­tig an der Part­ner­ein­rich­tung wahr­nimmt, i.d.R. auch nach einer gemein­sa­men Berufung.9

Außerplanmäßige10 oder Honorarprofessuren11 sind meist die Form der per­so­nel­len Zusam­men­ar­beit mit den Max-Planck-Insti­tu­ten. Hier gibt es kein dienst- recht­li­ches, son­dern nur ein hoch­schul­recht­li­ches Band, das die Titel­füh­rung ermög­licht und zu zwei Semes­ter- wochen­stun­den nicht ver­gü­te­ter Leh­re verpflichtet.

Dar­über hin­aus för­dert die Max-Planck-Gesell­schaft per­so­nen­be­zo­ge­ne Koope­ra­tio­nen durch das Fel­low- Pro­gramm, mit dem her­aus­ra­gen­de Hoch­schul­leh­rer und Hoch­schul­leh­re­rin­nen für die Dau­er von fünf Jah- ren die Lei­tung einer Arbeits­grup­pe an einem Max- Planck-Insti­tut – neben der Wahr­neh­mung ihrer Pro­fes- sur – ermög­licht wird oder mit dem Hoch­schul­pro­fes­so- ren und ‑pro­fes­so­rin­nen nach ihrer Pen­sio­nie­rung an der Uni­ver­si­tät für die Dau­er von drei Jah­ren ihre For-

9 An der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg wird der Begriff teil­wei­se auch zur Bezeich­nung von Pro­fes­su­ren gebraucht, die inner­uni­ver­si­tär Fakul­täts- oder Ein­rich­tungs­gren­zen überwinden.

10 § 39 Abs. 4 bwLHG. 11 § 55 Abs. 1 bwLHG.

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die gemein­sa­me Beru­fung, die Brückenprofessur,

Sie­he http://www.uni-heidelberg.de/studium/journal/2013/01/ zukunft.html.
So aber die Modell­be­schrei­bung in „Gemein­sa­me Beru­fun­gen von lei­ten­den Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern durch Hoch­schu­len und außer­hoch­schu­li­sche For­schungs­ein­rich­tun­gen“, Gemein­sa­me Wis­sen­schafts­kon­fe­renz, Heft 37, Bonn 2014, S. 6.

schungs­tä­tig­keit an einem Max-Planck-Insti­tut fort­set- zen können.

Als sons­ti­ge Instru­men­te der per­so­nen­be­zo­ge­nen Koope­ra­ti­on sind noch die Abord­nung und die Zuwei- sung zu nen­nen. Eine Abord­nung ist der vor­über­ge­hen- de Ein­satz – ganz oder teil­wei­se – eines Beam­ten oder Beschäf­tig­ten zu einer ande­ren Dienst­stel­le des­sel­ben oder eines ande­ren Dienst­herrn, wobei das Dienst­ver- hält­nis zur bis­he­ri­gen Dienst­stel­le und die Plan­stel­le auf- recht­erhal­ten blei­ben. Die Zuwei­sung ist im deut­schen Recht der dau­ern­de oder vor­über­ge­hen­de Ein­satz eines Beam­ten oder eines Tarif­be­schäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes bei einem Arbeit­ge­ber des pri­va­ten Rechts.

Für die per­so­nen­be­zo­ge­ne Koope­ra­ti­on in Form der gemein­sa­men Beru­fung exis­tie­ren in der der­zei­ti­gen Pra­xis ver­schie­de­ne Modelle:

  • -  Beur­lau­bung (Jüli­cher Modell): Es erfolgt eine Beru- fung auf eine Pro­fes­sur an der Uni­ver­si­tät und gleich­zei­tig eine Beur­lau­bung im dienst­li­chen Inter- esse unter Fort­fall der Bezü­ge. Die For­schungsein- rich­tung schließt einen pri­vat­recht­li­chen Ans­tel- lungs­ver­trag, die Ver­gü­tung ori­en­tiert sich an der W‑Besoldung; es wird eine meist nur gerin­ge Lehr- und Prü­fungs­ver­pflich­tung vereinbart.
  • -  Erstat­tung (Ber­li­ner Modell): Der For­scher bzw. die For­sche­rin wird auf eine Pro­fes­sur an der Uni­ver­si- tät beru­fen und anschlie­ßend der außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tung zuge­wie­sen. Der Pro­fes- sor bzw. die Pro­fes­so­rin hat alle aka­de­mi­schen Rech­te und Pflich­ten. Die For­schungs­ein­rich­tung erstat­tet die Bezüge.
  • -  Neben­tä­tig­keit (Karls­ru­her Modell): Der For­scher bzw. die For­sche­rin wird auf eine Pro­fes­sur an die Hoch­schu­le beru­fen und nimmt eine Neben­tä­tig- keit an der For­schungs­ein­rich­tung wahr. Die Ver­gü- tung der Neben­tä­tig­keit erfolgt separat.
  • -  Mit­glied­schaft­li­che Stel­lung (Thü­rin­ger Modell): Der For­scher bzw. die For­sche­rin wird an der auße- runi­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung ange­stellt und von der koope­rie­ren­den Uni­ver­si­tät gem. § 78 Abs. 8 ThürHG in die mit­glied­schaft­li­che Stel­lung eines Hoch­schul­leh­rers beru­fen. Damit ver­bun­den ist das Recht, die Berufs­be­zeich­nung „Uni­ver­si­täts- pro­fes­sor“ zu füh­ren. Im Unter­schied zu allen ande-
  1. 12  Ver­ein­ba­rung zu § 5 der „Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem Land Baden-Würt­tem­berg zur För­de­rung der Stif­tung Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ), Hei­del­berg, vom 28. Sep­tem­ber 1976“, März 1983.
  2. 13  Ebd. § 11.

ren Model­len erfolgt hier also kei­ne Ver­be­am­tung mit den damit ver­bun­den Vor­tei­len. Die­ses Modell steht auch in Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Sach- sen zur Ver­fü­gung, nicht aber in den ande­ren Bun- desländern.

Wel­ches Modell ange­wen­det wird, hängt vom Ein­zel- fall und den Bedürf­nis­sen der jewei­li­gen Koope­ra­ti­ons- part­ner ab. An der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg wird z.B. in der Koope­ra­ti­on mit dem Hei­del­ber­ger Insti­tut für Theo- reti­sche Stu­di­en das Ber­li­ner und das Karls­ru­her Modell genutzt, in der Koope­ra­ti­on mit dem Deut­schen Krebs- for­schungs­zen­trum das Jüli­cher und das Karls­ru­her Mo- dell und in der Koope­ra­ti­on mit dem Zen­tral­in­sti­tut für See­li­sche Gesund­heit, der Gesell­schaft für Schwer­io­nen- for­schung und dem Zen­trum für Euro­päi­sche Wirt- schafts­for­schung nur das Jüli­cher Modell.

Die Ver­ein­ba­rung zwi­schen Bund und dem Land Ba- den-Würt­tem­berg aus dem Jah­re 1983, die unter ande- rem die Beru­fung von Pro­fes­so­ren an baden-würt­tem- ber­gi­schen Lan­des­uni­ver­si­tä­ten gemein­sam mit dem Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum regelt12 – damals berief ja noch der Wis­sen­schafts­mi­nis­ter die Pro­fes­so­ren und das Minis­te­ri­um führ­te die Gehalts­ver­hand­lun­gen –, sieht übri­gens das Jüli­cher Modell auch für Beam­te der A‑Besoldung vor (also Aka­de­mi­sche Räte, d.h. Ange­hö- rige des sog. Mittelbaus).13 Von einer sol­chen Opti­on, die ja an allen baden-würt­tem­ber­gi­schen Uni­ver­si­täts- stand­or­ten mög­lich ist, wird, soweit erkenn­bar, kein Ge- brauch gemacht. Dar­an sieht man: Die Gewin­nung guter wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen ist für die außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen kein Pro­blem. Was sie aber nicht kön­nen, ist, den Pro­fes- soren­ti­tel ver­lei­hen, ver­bun­den mit dem Recht, wis­sen- schaft­li­chen Nach­wuchs zu gra­du­ie­ren, also zu pro­mo- vie­ren. Das ist also das wich­ti­ge Gut, das Uni­ver­si­tä­ten in eine sol­che Koope­ra­ti­on hineingeben.

Bun­des­weit ist die Anzahl der gemein­sa­men Beru- fun­gen in den letz­ten Jah­ren mas­siv ange­stie­gen. Aus den Erhe­bun­gen der Gemein­sa­men Wis­sen­schafts­kon- ferenz ergibt sich, dass sich die Zahl der Per­so­nen, die per gemein­sa­mer Beru­fung in einer ent­spre­chen­den Lei- tungs­po­si­ti­on tätig sind, zwi­schen 2005 und 2015 nahe­zu ver­dop­pelt hat.14 Im Jahr 2015 waren ins­ge­samt 1.173 Pro- fes­su­ren durch gemein­sa­me Beru­fun­gen mit einer Ein- rich­tung der For­schungs­or­ga­ni­sa­tio­nen besetzt, das ent-

14 Gemein­sa­me Wis­sen­schafts­kon­fe­renz, Heft 47, Pakt für For- schung und Inno­va­ti­on, Moni­to­ring Bericht, Bonn 2016, S. 43, Abb. 17.

Kalous · Ver­netz­tes Arbei­ten 1 6 3

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spricht 3 % aller Pro­fes­su­ren in Deutsch­land. Die Helm- holtz-Gemein­schaft hat die meis­ten gemein­sa­men Beru- fun­gen, 2015 ins­ge­samt 609. Auch an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg gibt es einen enor­men Zuwachs in den letz- ten Jah­ren, ins­be­son­de­re in der Zusam­men­ar­beit mit dem Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum, und der Trend ist wei­ter steigend.

Her­aus­for­de­run­gen

Jedes Modell der per­so­nen­be­zo­ge­nen Koope­ra­ti­on ist mit Her­aus­for­de­run­gen und Pro­ble­men ver­bun­den, die sich meist nach­tei­lig für die Uni­ver­si­tä­ten bzw. die Beru- fenen aus­wir­ken und bei letz­te­ren häu­fig zu Unsi­cher- hei­ten führen.

So wird z.B. im Jüli­cher Modell bei der Ernen­nung zum Pro­fes­sor oder zur Pro­fes­so­rin für eine logi­sche Se- kun­de ein Beam­ten­ver­hält­nis begrün­det, das dann durch die Beur­lau­bung — im Nor­mal­fall bis zur Pen­sio­nie­rung — ruht. Zwi­schen Uni­ver­si­tät und Pro­fes­sor besteht in der akti­ven Pha­se damit nur ein schma­les recht­li­ches Band. Die außer­uni­ver­si­tä­re Ein­rich­tung führt mit dem Neu- beru­fe­nen die Aus­stat­tungs- und Gehalts­ver­hand­lun- gen, wobei in der Pra­xis die recht­li­che Kon­struk­ti­on des Jüli­cher Modells häu­fig nicht aus­rei­chend trans­pa­rent gemacht wird. Die Betrof­fe­nen ver­ste­hen dann nicht, war­um z.B. auch eine Beru­fungs­ver­ein­ba­rung mit der Uni­ver­si­tät, z.B. zur Pen­si­on oder zu einem even­tu­el­len Rück­fall an die Uni­ver­si­tät, erfor­der­lich ist.15 Geht der Pro­fes­sor in Pen­si­on, lebt für eine logi­sche Sekun­de das Beam­ten­ver­hält­nis mit Ablauf der Beur­lau­bungs­pha­se wie­der auf. Die­ses Kon­strukt führt in der Pra­xis zu einer Rei­he von Schwierigkeiten:

- Was das Risi­ko des Rück­falls des Pro­fes­sors an die Uni­ver­si­tät angeht, so besteht die­ses in der Rea­li­tät meist nicht von Anfang an. Mit zuneh­men­der Dau- er der Beur­lau­bung kön­nen jedoch Ereig­nis­se ein- tre­ten, die zu Beginn der Koope­ra­ti­on noch nicht abseh­bar waren, z.B. eine Ände­rung der Stra­te­gie der For­schungs­ein­rich­tung oder per­sön­li­che Grün- de auf Sei­ten der For­schungs­ein­rich­tung oder des Pro­fes­sors. Endet die Beschäf­ti­gung an der auße- runi­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung vor der Pen- sio­nie­rung, dann lebt das Beam­ten­ver­hält­nis an der Uni­ver­si­tät auf. Die Uni­ver­si­tät erhält in die­sem Fall einen Pro­fes­sor „zurück“, ohne Stel­le, ohne Ausstat-

15 Kanz­ler bekom­men dann ab und an lan­ge Brie­fe mit vie­len Fra- gen, zumal auch die Bera­tung durch den ein­schlä­gi­gen Berufs­ver- band häu­fig zur wei­te­ren Ver­un­si­che­rung beiträgt.

tung und ohne Bedarf. Und selbst wenn die Koope- rati­ons­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Uni­ver­si­tät und der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung eine Rück­fall­re­ge­lung ent­hält, so wahrt die­se meist nicht die Inter­es­sen der Uni­ver­si­tät. Z.B. ist in der Ver­ein- barung zwi­schen dem Bund und dem Land Baden- Würt­tem­berg aus dem Jahr 198316 gere­gelt: „Wird die Beur­lau­bung oder die Zuwei­sung zur Dienst­leis- tung auf­ge­ho­ben, so stellt das DKFZ dem Pro­fes­sor auf Ver­lan­gen der Uni­ver­si­tät Arbeits-mög­lich­kei- ten zur Ver­fü­gung, soweit und solan­ge die Uni­ver­si- tät Hei­del­berg dazu nicht in der Lage ist. Die Uni- ver­si­tät wird das Erfor­der­li­che ver­an­las­sen, um die Wie­der­ein­glie­de­rung und Rück­glie­de­rung in ange- mes­se­ner Frist zu errei­chen.“ Eine sol­che Rege­lung bedeu­tet, dass sich die außer­uni­ver­si­tä­re For- schungs­ein­rich­tung im Fal­le des vor­zei­ti­gen Endes einer sol­chen per­so­nen­be­zo­ge­nen Koope­ra­ti­on im Zwei­fel allen Ver­pflich­tun­gen ent­zie­hen kann, obwohl die gemein­sa­me Beru­fung in ers­ter Linie im Inter­es­se der For­schungs­ein­rich­tung erfolgt und die Ereig­nis­se, die zum Rück­fall füh­ren kön­nen, i.d.R. aus ihrer Risi­ko- und Ver­ant­wor­tungs­sphä­re stam- men.

Die Uni­ver­si­tät Hei­del­berg begeg­net die­ser Pro­ble- matik durch eine zwei­ge­teil­te Beru­fungs­ver­ein­ba­rung. Der ers­te Teil der Ver­ein­ba­rung regelt nur die Beur­lau- bungs­pha­se und ent­hält u.a. Bestim­mun­gen zu Gehalts- fra­gen, wie z.B. Dyna­mi­sie­rung, Ruhe­ge­halt­fä­hig­keit, Zula­gen, Befris­tung etc. Die inso­weit zwi­schen dem Be- rufe­nen und der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich- tung aus­ge­han­del­ten Kon­di­tio­nen wer­den der Uni­ver­si- tät zur Auf­nah­me in die Beru­fungs­ver­ein­ba­rung mit­ge- teilt. Die Lehr- und Prü­fungs­ver­pflich­tun­gen des Beru- fenen erge­ben sich i.d.R. aus der Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung von Uni­ver­si­tät und For- schungs­ein­rich­tung und wer­den eben­falls in den ers­ten Teil der Beru­fungs­ver­ein­ba­rung aufgenommen.

Der zwei­te Teil der Beru­fungs­ver­ein­ba­rung regelt die Mög­lich­keit des Rück­falls: Ver­ein­bart wird i.d.R. ein W3-Grund­ge­halt, da das Haupt­in­ter­es­se an der Beru- fung bei der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung liegt und daher der Rück­fall so unat­trak­tiv wie mög­lich gestal­tet wer­den soll. Das zustän­di­ge baden-würt­tem­ber- gische Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te die­se Vor­ge­hens- wei­se zunächst beam­ten­recht­lich in Fra­ge gestellt. 2014 hat

16 Sie­he oben Fn. 12.
17 Sie­he oben Fn. 8, S. 23.

die Gemein­sa­me Wis­sen­schafts­kon­fe­renz im Rah­men ihrer Emp­feh­lun­gen zu gemein­sa­men Beru­fun­gen die Hei­del- ber­ger Pra­xis jedoch bestätigt.17 Nicht gere­gelt wird die Aus­stat­tung der Pro­fes­sur im Fall des Rück­falls. Hier gilt das ver­fas­sungs­recht­li­che Gebot einer Min­dest­aus­s­tat- tung, die dann im Fall des Rück­falls zu bestim­men ist.

  • -  Wei­te­re Pro­ble­me ent­ste­hen, wenn sich die außer­uni- ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tung bei der Gehalts­be- mes­sung am Bun­des­recht und nicht am Lan­des- recht ori­en­tiert. Die W3-Grund­ge­halts­sät­ze nach Bun­des­recht und nach Lan­des­recht dif­fe­rie­ren: Im Bund gibt es drei Stu­fen, wobei Stu­fe 1 der­zeit rd. 370 € nied­ri­ger und Stu­fe 3 rd. 400 € höher als das baden-würt­tem­ber­gi­sche W3- Grund­ge­halt ist, das kei­ne Stu­fen kennt. Da aber der von der außer­uni- ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung zu ent­rich­ten­de Ver­sor­gungs­zu­schlag und die spä­te­re Pen­si­on des Beru­fe­nen sich (natür­lich) nach Lan­des­recht rich- ten, führt dies im Fal­le des höhe­ren Gehalts­sat­zes nach Bun­des­recht dazu, dass nur der nied­ri­ge­re Grund­ge­halts­satz des Lan­des pen­si­ons­wirk­sam wird. Dies wirkt sich zum Nach­teil der Beru­fe­nen aus, die das häu­fig nicht wis­sen bzw. erst spät bemer- ken. Das Pro­blem kann auch nicht dadurch gelöst wer­den, dass ein­fach die Leis­tungs­be­zü­ge zum Aus- gleich des Dif­fe­renz­be­tra­ges erhöht wer­den. Denn Leis­tungs­be­zü­ge kön­nen nur auf­grund beson­de­rer Leis­tun­gen und nicht wegen dif­fe­rie­ren­der Besol- dungs­struk­tu­ren gewährt wer­den. Im umge­kehr­ten Fall zahlt die außer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich- tung einen zu hohen Ver­sor­gungs­zu­schlag an das Land.18
  • -  Die unter­schied­li­che Dyna­mi­sie­rung der Gehäl­ter nach Bun­des- oder Lan­des­recht stellt eine wei­te­re Hür­de in die­sem Pro­blem­kreis dar. Glei­ches gilt für das Aus­ein­an­der­fal­len der Regel­al­ters­gren­ze im Bun­des- bzw. Lan­des­recht. So gibt es in der Pra­xis die Situa­ti­on, dass ein Pro­fes­sor die Alters­gren­ze nach Bun­des­recht erreicht, nach Lan­des­recht aber noch nicht und dann für den ver­blei­ben­den Zeit- raum an die Uni­ver­si­tät zurück­fällt, mit all den damit ver­bun­de­nen Problemen.
  • -  Gemäß § 49 Abs. 3 bwLHG beträgt die Beur­lau- bungs­zeit in Baden-Würt­tem­berg max. 12 Jah­re. Nach Ablauf der 12 Jah­re kann die Beur­lau­bung zwar ver­län­gert wer­den, aber die Uni­ver­si­tä­ten sind

18 Der Ver­sor­gungs­zu­schlag ist für den Pro­fes­sor ein ein­kom­men- steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn. In glei­cher Höhe han­delt es sich aller­dings auch um Werbungskosten.

von der Bean­tra­gung durch den betrof­fe­nen Profes-

sor abhän­gig.
- Ein wei­te­res Pro­blem ist der man­geln­de Informati-

ons­fluss zwi­schen der For­schungs­ein­rich­tung bzw. dem beur­laub­ten Pro­fes­sor und der Uni­ver­si­tät wäh­rend der Beur­lau­bungs­pha­se. Die Uni­ver­si­tä­ten benö­ti­gen Infor­ma­tio­nen von der außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tung, falls es rele­van­te Ände- run­gen im Rah­men des Arbeits- bzw. Dienst­ver- hält­nis­ses mit dem gemein­sam beru­fe­nen Pro­fes­sor gibt. Dies wird jedoch häu­fig ver­ges­sen. So wird in der Pra­xis eine Kün­di­gung bzw. der Antritt einer neu­en Stel­le durch den beur­laub­ten Pro-fes­sor oft- mals nicht mit­ge­teilt. Sofern der Betrof­fe­ne nicht anders­wo in den öffent­li­chen Dienst eintritt,19 son- dern z.B. in die Pri­vat­wirt­schaft oder an eine aus­län- dische Uni­ver­si­tät wech­selt, läuft das baden-würt- tem­ber­gi­sche Beam­ten­ver­hält­nis ein­fach wei­ter, ohne dass der ursprüng­li­che Beur­lau­bungs­grund wei­ter­hin vorliegt.

- Auch die Infor­ma­tio­nen über Ände­run­gen der Leis- tungs­zu­la­gen, z.B. im Rah­men von Blei­be­ver­hand- lun­gen oder bei beson­de­ren Leis­tun­gen gelan­gen häu­fig nicht zur Uni­ver­si­tät. Der Uni­ver­si­tät ist oft nicht bekannt, ob Blei­be­ver­hand­lun­gen oder ande­re Ver­hand­lun­gen in der außer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich- tung statt­fin­den. Dies ist des­halb sehr pro­ble­ma- tisch, weil sich Zula­gen nor­ma­ler­wei­se auf die Pen- sion aus­wir­ken und der gemein­sam Beru­fe­ne davon auch aus­geht. Eine Ruhe­ge­halts­fä­hig­keit sol­cher von der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung gewähr­ten Gehalts­er­hö­hun­gen setzt aber vor­aus, dass die For­schungs­ein­rich­tung auch den zusätz­li- chen Ver­sor­gungs­zu­schlag an das Lan­des­amt für Besol­dung bezahlt. Und die­ser wird nur dann in der rich­ti­gen Höhe gezahlt, wenn die Uni­ver­si­tät von der Gehalts­er­hö­hung weiß und das Lan­des­amt für Besol­dung ent­spre­chend informiert.

Auch das Ber­li­ner Modell, bei dem der Beru­fe­ne der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tung zur Wahr­neh­mung von For­schungs- und Lei­tungs­auf­ga- ben zuge­wie­sen wird, ist mit ver­schie­de­nen Pro­ble- men verbunden.

- Der gemein­sam beru­fe­ne Pro­fes­sor hat die glei­chen Lehr- und Prü­fungs­ver­pflich­tun­gen und ist zur

19 In die­sem Fall erlischt das Beam­ten­ver­hält­nis zum Land Baden- Würt­tem­berg gem. § 22 BeamtStG kraft Gesetzes.

Kalous · Ver­netz­tes Arbei­ten 1 6 5

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Über­nah­me von Auf­ga­ben in der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung ver­pflich­tet, womit neben den Auf­ga­ben an der For­schungs­ein­rich­tung eine hohe zeit­li­che Belas­tung einhergeht.

  • -  Wer­den auch an der Uni­ver­si­tät For­schungs­auf­ga- ben wahr­ge­nom­men, ent­ste­hen schwie­ri­ge Fra­gen der Drittmittelzuordnung.
  • -  Auch die Affi­lia­ti­on bei Publi­ka­tio­nen berei­tet in der Pra­xis stets Schwie­rig­kei­ten. Die Erfol­ge der deut­schen Uni­ver­si­tä­ten in inter­na­tio­na­len Ran- kings ste­hen in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der Nen­nung der Uni­ver­si­tät bei Publi­ka­tio­nen ihrer Wis­sen­schaft­ler. Obwohl Beru­fe­ne nach dem Ber­li­ner Modell der Uni­ver­si­tät ange­hö­ren, wird in der Pra­xis die Nen­nung der Uni­ver­si­tät bei Publi­ka- tio­nen häu­fig „ver­ges­sen“ — zum Scha­den der Uni- versität.
  • -  Auch wenn es um Paten­te, Nut­zungs- und Ver­wer- tungs­rech­te geht, kön­nen im Ber­li­ner Modell schwie­ri­ge Kon­stel­la­tio­nen entstehen.
  • -  Sim­ple­Be­schaf­fun­gen­füh­ren­in­der­Pra­xis­eben­falls zu Pro­ble­men, wenn näm­lich die Fra­ge auf­taucht, wel­che Bud­gets zuerst ein­ge­setzt wer­den, aus wel- chen Bud­gets die Anschaf­fungs­mit­tel stam­men, wel­cher Insti­tu­ti­on die beschaff­ten Gerä­te gehö­ren, wel­che Insti­tu­ti­on für die Betriebs­kos­ten auf­kommt usw.20
  • -  Sogar der Zugang der uni­ver­si­tä­ren Arbeits­grup­pe zur For­schungs­ein­rich­tung und zum dort vor­han- denen Intra­net berei­tet in der prak­ti­schen Umset- zung sol­cher Koope­ra­tio­nen Schwierigkeiten.21
  • -  Nach wie vor unklar ist, ob bzw. unter wel­chen Vor- aus­set­zun­gen die Per­so­nal­kos­ten­er­stat­tung im Ber- liner Modell eine Umsatz­steu­er­pflicht aus­löst.For­de­run­genDie beschrie­be­nen Her­aus­for­de­run­gen und unge­lös­ten Fra­gen kon­ter­ka­rie­ren die poli­ti­schen Zie­le, die Bund und Län­der zur Zusam­men­ar­beit von Uni­ver­si­tä­ten und auße- runi­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen ver­fol­gen. Kom- pli­zier­te Bedie­nungs­an­lei­tun­gen, wie die der Gemein­sa- men Wis­sen­schafts­kon­fe­renz zu gemein­sa­men Beru­fun- gen,22 die 37 eng bedruck­te Sei­ten umfasst und eine gewis­se Lust an der Büro­kra­ti­sie­rung ver­mu­ten lässt, sind kei­ne Lösung. Gesetz­ge­ber, die Koope­ra­tio­nen recht­lich verord- nen, aber kein geeig­ne­tes „recht­li­ches Kleid“ hier­für anbie- ten, haben ihre Haus­auf­ga­ben nicht gemacht. Die Rah­men-hier­über den Kopf. 22 Sie­he oben Fn. 8. 23 Sie­he oben Fn. 1.

Schließ­lich ist auch das Karls­ru­her Modell, bei dem die For­schungs- und Lei­tungs­auf­ga­be an der außer­uni­ver­si­tä- ren Ein­rich­tung im Wege der Neben­tä­tig­keit wahr­ge­nom- men wird, mit diver­sen Fall­stri­cken verbunden.

  • -  Das Neben­tä­tig­keits­recht for­dert eine strik­te Tren- nung von Dienst­auf­ga­ben und Neben­tä­tig­keit im Hin­blick auf die Arbeits­zeit, den Ort und die ein­ge- setz­ten Res­sour­cen. Bei Licht bese­hen ist dies das Gegen­teil des­sen, was For­scher benö­ti­gen und was mit der Koope­ra­ti­on eigent­lich erreicht wer­den soll.
  • -  Für die Inan­spruch­nah­me von Res­sour­cen im Rah-
  1. 20  Wis­sen­schaft­ler bekla­gen: Inhalt­lich sol­len wir zusam­men­ar­bei- ten, orga­ni­sa­to­risch sol­len wir jedoch alles getrennt halten.
  2. 21  Mit­glie­der von inter­na­tio­nal besetz­ten Advi­so­ry Boards schütteln

men der Neben­tä­tig­keit sind vom Pro­fes­sor Nut-

zungs­ent­gel­te zu ent­rich­ten.
- Der zuläs­si­ge Umfang der Neben­tä­tig­keit ist auf ein

Fünf­tel der in der Arbeits­zeit- und Urlaubs­verord- nung vor­ge­schrie­be­nen regel­mä­ßi­gen wöchent­li- chen Arbeits­zeit begrenzt.

- Bezüg­lich der Rech­te am geis­ti­gen Eigen­tum kön- nen wie beim Ber­li­ner Modell Pro­ble­me entstehen.

Im Ergeb­nis ist kei­nes der Model­le opti­mal. Zwar gibt es bei­spiels­wei­se an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg jeweils Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen zu gemein­sa­men Beru­fun- gen bzw. Brü­cken­pro­fes­su­ren mit Rege­lun­gen ins­be­son- dere zum Beru­fungs­mo­dell, zur Abwick­lung eines mög- lichen Rück­falls, zu den Bei­trä­gen bei­der Insti­tu­tio­nen, zum gemein­sa­men Außen­auf­tritt, zu Publi­ka­tio­nen und Affi­lia­ti­on, zur Ein­wer­bung bzw. Ver­wal­tung von Dritt- mit­teln ein­schließ­lich der Ver­tei­lung von Over­heads und zum geis­ti­gen Eigen­tum. Die Ver­trags­ver­hand­lun- gen sind aber i.d.R. sehr zeit­in­ten­siv und die Rechts­ab- tei­lung der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun- gen meist bes­ser aus­ge­stat­tet als die der Uni­ver­si­tä­ten. Ein wei­te­res Pro­blem: Papier ist gedul­dig. Die Koope­ra- tions­ver­ein­ba­run­gen sind häu­fig als Rah­men­ver­trä­ge aus­ge­stal­tet, die nach Abschluss in den Akten ver­schwin- den. Im Ein­zel­fall wird dann doch wie­der anders ver­fah- ren. Zum Bei­spiel: Im Eck­punk­te­pa­pier, das zwi­schen der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg und dem DKFZ kon­sen­tiert wur­de, wer­den das Ber­li­ner Modell und das Karls­ru­her Modell als Regel­fäl­le benannt – gelebt wird aber haupt- säch­lich das Jüli­cher Modell und ver­ein­zelt das Karls­ru- her Modell, auf das Ber­li­ner Modell wird in die­ser Ko- ope­ra­ti­on gar nicht zurückgegriffen.

bedin­gun­gen für Koope­ra­tio­nen müs­sen geklärt und ver- ein­facht werden.

Eine HRK-Ent­schlie­ßung aus dem Jah­re 2013 be- zeich­net die Hoch­schu­len als die Orga­ni­sa­ti­ons­zen­tren des Wissenschaftssystems.23 Vie­le Akteu­re in der Wis- sen­schaft und im Wis­sen­schafts­ma­nage­ment sind je- doch der Ansicht, dass der Wett­be­werb zwi­schen Uni- ver­si­tä­ten und außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich- tun­gen nicht gut für die Uni­ver­si­tä­ten aus­geht. Unter an- derem sei die Stra­te­giefä­hig­keit der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen sehr viel bes­ser als die der Uni- ver­si­tä­ten. Rich­tig dar­an ist, dass z.B. bei allen Model­len der gemein­sa­men Beru­fung das Inter­es­se der außer­uni­ver­si­tä- ren For­schungs­ein­rich­tung im Vor­der­grund steht. Die Bes- ten bekommt man eben nur, wenn man den Pro­fes­so­ren- Titel und das Recht ver­ge­ben kann, wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuchs zu gra­du­ie­ren. Es kann aber kei­ne Uni­ver­si­täts- stra­te­gie sein, die Bes­ten an die außer­uni­ver­si­tä­ren For- schungs­ein­rich­tun­gen zu schicken.

Neue Rah­men­be­din­gun­gen für die Zusam­men­ar­beit müs­sen daher einen ange­mes­se­nen Inter­es­sen­aus­gleich ge- währ­leis­ten. Die Koope­ra­ti­on muss im Inter­es­se der Uni-

ver­si­tät so gestal­tet wer­den, dass alles was in der Zusam- men­ar­beit geschieht, zumin­dest auch auf die Mar­ke der Uni­ver­si­tät einzahlt.24 Und: Zu einem guten Ehe­ver­trag, der einen ange­mes­se­nen Inter­es­sen­aus­gleich gewähr­leis­tet, gehört auch eine ange­mes­se­ne Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba- rung. Schließ­lich müs­sen die Her­aus­for­de­run­gen wis­sen- schafts­ad­äquat bewäl­tigt wer­den. Wis­sen­schaft­ler in Ko- ope­ra­tio­nen dür­fen kei­ne Nach­tei­le haben, sonst gewinnt man nicht die Bes­ten. Wis­sen­schaft­ler sind in der der­zei­ti- gen Situa­ti­on aber nicht nur der Auf­fas­sung, dass das Recht die Wis­sen­schaft behin­dert, son­dern auch, dass die Uni­ver- sitäts­ver­wal­tung die Wis­sen­schaft behin­dert. Wie aber schafft man bei einem Rege­lungs­wirr­warr und über­mä­ßi- ger Büro­kra­tie Vertrauen?

Ange­la Kalous ist Kanz­le­rin der Ruprecht-Karls-Uni­ver- sität Hei­del­berg und war Lei­ten­de Minis­te­ri­al­rä­tin im Wis­sen­schafts- und im Staats­mi­nis­te­ri­um Baden-Württemberg.

24 „Die Uni­ver­si­tät darf nicht zum McDri­ve wer­den, wo man zur Be- rufung mal eben schnell vor­bei­fährt“, wie es der Kanz­ler eine gro­ßen deut­schen Uni­ver­si­tät bei der Tagung der Kanz­le­rin­nen und Kanz­ler der Uni­ver­si­tä­ten Deutsch­lands vom 21. und 22. Sep­tem­ber 2017 in Pots­dam sehr tref­fend for­mu­liert hat.

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