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ÜBERSICHT

I. Ein­lei­tung

II. Hand­lungs­op­tio­nen des Gesetz­ge­bers und Leit­li­ni­en der Ge- setz­ge­bung

III. Neu­re­ge­lung im Detail

1. Zusam­men­set­zung der Gre­mi­en, all­ge­mei­ne Vor­ga­ben des § 10 Abs.3 LHG

2. Zusam­men­set­zung und Wahl­ver­fah­ren für den Senat, § 19 Abs.2 n.F. LHG

3. Zusam­men­set­zung des Fakul­täts­rats

4. Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren der Hoch­schul­lei­tung, §§ 18, 18 a LHG

5. Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren der Amts­trä­ger auf dezen­tra­ler Ebe­ne.

IV. Wei­te­re Neu­re­ge­lun­gen

1. Kor­po­ra­ti­ons­recht­li­che Rechts­stel­lung der Dok­to­ran­den, be- fris­te­te Asso­zia­ti­on von Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul- leh­rer der Hoch­schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten in Pro- moti­ons­ver­fah­ren.

2. Ten­u­re Track für Juni­or­pro­fes­so­ren , § 51 b LHG

3. För­de­rung der Wissens‑, Gestal­tungs- und Tech­no­lo­gie­trans- fer und Grün­der­kul­tur

V. Fazit

I. Ein­lei­tung

Am 30. März 2018 ist das Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts (HRWei­tEG) vom 13. März 2018 in Kraft getreten.1

Damit trägt der baden- würt­tem­ber­gi­sche Gesetz­ge- ber ziel­ge­nau der Auf­la­ge des Urteils des Ver­fas­sungs­ge-

  1. 1  Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts (HRWei­tEG), GBl. BW. 2018, S. 85 ff.
  2. 2  VerfGH BW Urteil vom 14. Novem­ber 2016 – 1 VB 16/15 –, ESVGH 67, 124 (Leit­satz) = WissR 2016, 302–332 (Leit­satz und Grün­de); dazu: Micha­el Feh­ling, Unzu­rei­chen­de Kom­pe­ten­zen
    des Senats im refor­mier­ten Lan­des­hoch­schul­ge­setz Baden- Würt­tem­berg? – Anmer­kun­gen zum Urteil des VerfGH BW vom 14. Novem­ber 2016, OdW 2017, 63 ff.: Hel­mut Goe­r­lich und Georg Sand­ber­ger, Zurück zur Pro­fes­so­ren-Uni­ver­si­tät? – Neue Lei­tungs- struk­tu­ren auf dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Prüf­stand – Zum Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs für das Land Baden-Würt­tem­berg, vom 14.11.2016, DVBl. 2017, 667 ff.; Fried­helm Hufen, JuS 2017, 279–281 (Anmer­kung) ; Hen­drik Jacob­sen, VBlBW 2017, 69–70 (Anmer­kung); Jörg Ennu­schat, RdJB 2017, 34–46 (Ent­schei­dungs-

richts­hofs v. 14. Novem­ber 2016 Rech­nung, das das Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren der haupt­be­ruf­li­chen Mit- glie­der des Rek­to­rats nach § 18 LHG als mit Art. 20 LV unver­ein­bar und des­halb ver­fas­sungs­wid­rig erklärt und dem Gesetz­ge­ber eine Anpas­sungs­frist bis zum 31. März 2018 gesetzt hat.2

Im Mit­tel­punkt des Geset­zes ste­hen die Kon­se­quen- zen des Urteils für die Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on der Hoch­schu­len.

Der Tenor des Urteils betrifft die Rege­lung des Wahl- und Abwahl­ver­fah­rens der haupt­amt­li­chen Mit­lie­der der Hochschulleitung.3 Gleich­wohl hat der Gesetz­ge­ber die tra­gen­den Grün­de des Urteils zum Anlass genom- men, die Gre­mi­en­zu­sam­men­set­zung der Hoch­schu­len sowohl auf der zen­tra­len als auch auf der dezen­tra­len Ebe­ne, sowie die Wahl und die vor­zei­ti­ge Amts­be­en­di- gung für das Lei­tungs­per­so­nal neu zu regeln. Damit soll die Mehr­heit der gewähl­ten Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes- soren sowohl bei Wah­len und Abwah­len als auch bei Gre­mien­ent­schei­dun­gen sicher­ge­stellt wer­den. Die Neu- rege­lung erfolgt in ent­spre­chen­der Wei­se auch für die Dua­le Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg (DHBW).4

Wei­te­res Ziel der Gesetz­ge­bung ist es, den wis­sen- schaft­li­chen Nach­wuchs, die hoch­schul­ar­ten­über­grei- fen­de Zusam­men­ar­beit und den Wissens‑, und Tech­no- logie­trans­fer zu stärken.5

Dazu wird die Reprä­sen­ta­ti­on der ange­nom­me­nen ein­ge­schrie­be­nen Dok­to­ran­din­nen und Dok­to­ran­den in den Gre­mi­en neu gestal­tet.

Als eine förm­li­che Koope­ra­ti­ons­form zur Pro­mo­ti­ons- betreu­ung wird die Mög­lich­keit einer Asso­zi­ie­rung von Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rern der Hoch- schu­len für Ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten ein­ge­führt.

bespre­chung); Timo Rade­ma­cher/­Jens-Peter Schnei­der, Die „Hoch- schul­leh­rer­mehr­heit“ des § 10 Abs. 3 LHG in der Recht­spre­chung des baden-würt­tem­ber­gi­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs, VBlBW 2017, 155 ff.; zur Beur­tei­lung der Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on vor dem Urteil des VerfGH Tho­mas Wür­ten­ber­ger, Zur Ver­fas­sungs­mä­ßig- keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung im Lan­des­hoch­schul­ge- setz von Baden-Würt­tem­berg, OdW 2016, 1.ff.

3 Tenor Nr. 1 lau­tet: 1. § 18 Abs. 1 bis 3, 5 Satz 1 bis 4 und Abs. 6 Satz 1 und 5 des Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes sind mit Art. 20 Abs. 1 der Lan­des­ver­fas­sung unver­ein­bar. Die Vor­schrif­ten blei­ben wei­ter anwend­bar. Der Gesetz­ge­ber muss bis 31. März 2018 eine ver­fas­sungs­kon­for­me Neu­re­ge­lung tref­fen.“

4 Amt­li­che Begrün­dung, LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 1. 5 Amt­li­che Begrün­dung, LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 1.

Georg Sand­ber­ger

Zurück zur Pro­fes­so­ren­mehr­heit
– Anmer­kun­gen zum Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts vom 13. März 2018 –

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2018, ISSN 2197–9197

192 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 191–200

Es wird eine eigen­stän­di­ge Ten­u­re-Track-Pro­fes­sur ein­ge­rich­tet.

Die Hoch­schu­len erhal­ten schließ­lich die Mög­lich- keit, wis­sen­schafts­ge­lei­te­te Exis­tenz­grün­dun­gen zu unter­stüt­zen.

Der Ver­zicht auf wei­ter­ge­hen­de Ände­run­gen des Hoch­schul­rech­tes ist vor allem dem durch das Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs gesetz­ten Anpas­sungs­ter­min geschul­det. Gleich­zei­tig wur­den aber wei­te­re Novel­len des Hoch­schul­rechts für die lau­fen­de Legis­la­tur­pe­ri­ode in Aus­sicht gestellt.

II. Hand­lungs­op­tio­nen des Gesetz­ge­bers und Leit­li- nien der Gesetz­ge­bung

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Baden-Würt- tem­berg sieht die indi­vi­du­el­le Wis­sen­schafts­frei­heit der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer durch die star­ke Stel­lung des Rek­to­ra­tes im Ver­hält­nis zum Senat struk­tu­rell gefährdet.6

Als Optio­nen für einen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus- gleich des Macht­ge­fäl­les nennt das Urteil ent­we­der eine Ein­schrän­kung der Kom­pe­ten­zen des Rek­to­rats zuguns- ten des Senats oder eine Stär­kung der Hoch­schul­leh­re- rin­nen und ‑leh­rer bei Wahl und Abwahl der Rektoratsmitglieder.7

Das HRWei­tEG hat sich ent­schie­den, die­se Macht­ba- lan­ce nicht durch eine Ände­rung der Kom­pe­tenz­ver­tei- lung her­bei­zu­füh­ren, son­dern die Gre­mi­en­zu­sam­men- set­zung, die Wahl und vor­zei­ti­ge Amts­be­en­di­gung der Rek­to­rats­mit­glie­der unter Beach­tung der Vor­ga­ben des Urteils neu zu regeln. 8

Damit hält es an dem mit dem das Lan­des­hoch­schul- gesetz 2014 bestä­tig­ten Kom­pe­tenz­ge­fü­ge von Rek­to­rat,

  1. 6  Ent­schei­dungs­grün­de unter II, Rn. 93 ff.
  2. 7  Ent­schei­dungs­grün­de unter E III, Rn.169.
  3. 8  Zum Refe­ren­ten­ent­wurf v. 19. 9. 2017 kri­tisch Hen­drik Jacob­sen,Die per­p­etu­ier­te Grund­recht­sin­kon­for­mi­tät der baden-würt­tem- ber­gi­schen Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on im Ent­wurf des Hoch­schul- rechts­wei­ter­ent­wick­lungs­ge­set­zes 2018, VBlBW. 2018, 55 ff., 57. Nach sei­ner Auf­fas­sung ver­letzt das in § 18 a LHG n.F. vor­ge­se- hene Ur- Abwahl­recht das Prin­zip kon­ti­nu­ier­li­cher und effek­ti­ver Kon­trol­le sowie das Prin­zip der Organ­kon­trol­le durch den Senat und durch die in ihn gewähl­ten Grund­rechts­trä­ger. Er kri­ti­siert des Wei­te­ren die Per­p­etu­ie­rung der aus sei­ner Sicht grund­recht- sin­kon­for­men Hoch­schul­rats­or­ga­ni­sa­ti­on, das der zen­tra­len Ebe­ne nach­ge­bil­de­te Abwahl­recht der Hoch­schul­lehrin­nen und Hoch­schul­leh­rer in § 24 a LHG n.F., bei der Rege­lung der DHBW die Eta­blie­rung einer grund­recht­sin­kon­for­men Urab­wahl von Mit­glie­dern des Prä­si­di­ums der DHBW, die schwa­che Rechts­stel- lung des ört­li­chen Rek­to­rats, den nicht gewähr­leis­te­ten Ein­fluss der Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren bei Wahl und Abwahl des ört­li­chen Rek­to­rats, die Per­p­etu­ie­rung einer grund­recht­sin­kon- for­men ört­li­chen Hoch­schul­rats­or­ga­ni­sa­ti­on und der Nicht­öf­fent- lich­keit der Gre­mi­en­sit­zun­gen.
  4. 9  Amt­li­che Begrün­dung, LT- Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 26.

Senat und Hoch­schul­rat, fest, das vor­sieht, kla­re Ver­ant- wort­lich­kei­ten zu schaf­fen, die Hand­lungs­fä­hig­keit der Hoch­schu­len zu erhö­hen und wei­te­re Pro­fil­bil­dun­gen der Hoch­schu­len zu ermöglichen.9

Die­se Ziel­rich­tung liegt auch auf der Linie der Judi- katur des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts seit dem sog. Ham- bur­ger Deka­nats­be­schluss, die zur Wah­rung einer ver- fas­sungs­kon­for­men Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on ent­we­der eine Kon­trol­le der Kom­pe­ten­zen der Hoch­schul­lei­tung durch ein Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren mit ent­schei­den- dem Ein­fluss des Senats als Selbst­ver­wal­tungs­or­gan oder eine Rück­füh­rung von Kom­pe­ten­zen in wis­sen­schafts­re- levan­ten Ange­le­gen­hei­ten von der Hochschulleitung/ Fakul­täts­lei­tung auf den Senat/ Fakul­täts­rat fordert.10

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Baden- Würt­tem­berg hat die Stär­kung des Ein­flus­ses der Selbst- ver­wal­tungs­or­ga­ne im Gegen­satz zum BVerfG11 aller- dings nicht als aus­rei­chend ange­se­hen, son­dern gefor- dert, dass die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Hoch- schul­leh­rer­schaft auch ohne die Unter­stüt­zung ande­rer Sta­tus­grup­pen die Wahl von Rek­to­rats­mit­glie­dern ver- hin­dern und deren vor­zei­ti­ge Amts­ent­he­bung erzwin- gen kön­nen. Abwei­chend vom bis­he­ri­gen Ver­ständ­nis des auch pro­fes­so­ra­le Amts­mit­glie­der ein­schlie­ßen­den sog. mate­ri­el­len Hoch­schul­leh­rer­be­grif­fes sieht der Ver- fas­sungs­ge­richts­hof nur die gewähl­ten Hoch­schul­leh­re- rin­nen und Hoch­schul­leh­rer als legi­ti­mier­te Reprä­sen­ta- tion die­ser Grup­pe an. 12

Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer, die kraft Amtes Gre­mi­en­mit­glied sind, rech­net er dage­gen nicht zu den Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Hoch- schul­leh­rer­schaft, da sie ihre Legi­ti­ma­ti­on aus Wah­len bezie­hen, an denen auch ande­re Mit­glie­der­grup­pen be- tei­ligt sind und des­halb Inter­es­sen der Hoch­schu­le oder

10 BVerfGE 127, 87 ff. Rn.118 ff.; BVerfG Beschluss v. 24.6.2014,
1 BvR 3217/07 – BVerfGE 136, 338 ff Rn. 63 ff.; vgl. dazu H. Jacob­sen, Die Unver­ein­bar­keit der baden- würt­tem­ber­gi­schen LHG-Novel­le 2014 mit Art. 5 Abs. 3 nach dem Ham­bur­ger De- kanats­be­schluss, VBIBW 2014, 328 ff. zu den Aus­wir­kun­gen der Recht­spre­chung des BVerfG vgl. auch G. Sand­ber­ger, Kom­men- tar zum LHG, 2. Aufl. 2015, Ein­lei­tung zu Kap. II VI 2 Rn. 7 ff. Tho­mas Wür­ten­ber­ger, Zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lun­gen der Hoch­schul­lei­tung im Lan­des­hoch­schul­ge­setz von Baden- Würt­tem­berg, OdW 2016, 1 ff.

11 BVerfGE 136, 338, Rn. 60: „Aus der Wis­sen­schafts­frei­heit ergibt sich dabei zwar kein Recht, die Per­so­nen zur Lei­tung einer wis- sen­schaft­li­chen Ein­rich­tung aus­schließ­lich selbst zu bestim­men (vgl. BVerfGE 111, 333 [365]). Doch ist das Recht eines plu­ral zusam­men­ge­setz­ten Ver­tre­tungs­or­gans zur Bestel­lung und auch zu Abbe­ru­fung von Lei­tungs­per­so­nen ein zen­tra­les und effek­ti­ves Ein­fluss- und Kon­troll­in­stru­ment der wis­sen­schaft­lich Täti­gen auf die Orga­ni­sa­ti­on. Je höher Aus­maß und Gewicht der den Lei­tungs­per­so­nen zuste­hen­den Befug­nis­se sind, des­to eher muss die Mög­lich­keit gege­ben sein, sich selbst­be­stimmt von die­sen zu tren­nen (vgl. BVerfGE 127, 87 [130 f.]“).

12 Ent­schei­dungs­grün­de unter E I c, Rn. 88.

ihrer Unter­glie­de­run­gen ins­ge­samt wahr­neh­men müssen.13

Dies hat eine Ver­schie­bung der Macht­ba­lan­ce der Mit­glie­der­grup­pen in den Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en zur Fol­ge. Um die­se abzu­mil­dern, boten sich für den Ge- setz­ge­ber fol­gen­de Lösun­gen an:

Ent­we­der die Zahl der stimm­be­rech­tig­ten Amts­mit- glie­der zu redu­zie­ren oder dies mit einer Min­dest­quo­te der nicht zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer gehö­ren­den Wahl­mit­glie­der zu ver­bin­den.

Die­ser Weg wird auch durch das HRWei­tEG be- schrit­ten. Die Begrün­dung ver­weist auf die Rechts­la­ge in den ande­ren Ländern.14 Stimm­be­rech­tig­te Amts­mit­glie- der in den Gre­mi­en sind dort im Regel­fall nur die Rek­to- ren/ Prä­si­den­ten. Dage­gen wur­de die Amts­mit­glied- schaft der Deka­ne ent­we­der abge­schafft oder in eine be- raten­de Mit­wir­kung umge­wan­delt.

Dies ist mit einer Reduk­ti­on des Ein­flus­ses der Fakul- täten und der von ihnen reprä­sen­tier­ten Fächer­kul­tu­ren ver­bun­den. Um die Fächer­kul­tu­ren ange­mes­sen zu re- prä­sen­tie­ren und den Inter­es­sen der Fakul­tä­ten hin­rei- chend Ein­gang in die Bera­tun­gen auf zen­tra­ler Ebe­ne zu gewäh­ren, wird durch das HRWei­tEG der bis­he­ri­ge auf fakul­täts­über­grei­fen­de Wahl­lis­ten aus­ge­rich­te­te Wahl- modus geän­dert. Die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Hoch­schul­leh­rer­schaft sol­len künf­tig von den Hoch- schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rern der Fakul­tät di- rekt gewählt wer­den, wobei hin­sicht­lich der Zahl der Sit- ze nach der Grö­ße der Fakul­tä­ten dif­fe­ren­ziert wer­den kann.15

III. Neu­re­ge­lung im Detail

1. Zusam­men­set­zung der Gre­mi­en, all­ge­mei­ne Vor­ga- ben des § 10 Abs.3 LHG

Das Lan­des­hoch­schul­ge­setz über­lässt die kon­kre­te Zusam­men­set­zung der Gre­mi­en auch zukünf­tig der Gestal­tung der Hoch­schu­len durch ihre Grund­ord­nung und behält die all­ge­mei­nen Rah­men­vor­ga­ben des § 10 Abs.1 LHG bei.

Neben den in der bis­he­ri­gen Fas­sung des § 10 Abs.3 LHG berück­sich­tig­ten Vor­ga­ben aus der Rechtsp­re- chung des Bundesverfassungsgerichts16 für die Hoch- schul­leh­rer­mehr­heit bei wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent- schei­dun­gen waren die Vor­ga­ben aus dem Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs zu beach­ten. Danach kann in

  1. 13  Ent­schei­dungs­grün­de unter E I c, Rn.88.
  2. 14  LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 26 ff.
  3. 15  LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 27.
  4. 16  BVerfGE 35, 79, 133 ff.
  5. 17  Ent­schei­dungs­grün­de unter E I c, Rn. 88 ff.

kol­le­gia­len Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en als Ver­tre­tung der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer nur gewer­tet wer­den, wer von die­sen durch eine Wahl mit einem ent­spre­chen­den Reprä­sen­ta­ti­ons­man­dat betraut wurde.17

Dem­entspre­chend sieht § 10 Abs.3 n.F. LHG vor, die Zahl der Wahl­mit­glie­der des Senats, des Fakul­täts­rats oder Sek­ti­ons­rats und des Ört­li­chen Senats der DHBW in den Sat­zun­gen so zu bemes­sen, dass die gewähl­ten Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Grup­pe der Hoch- schul­leh­rer in dem Gre­mi­um über eine Stim­me mehr ver­fü­gen als alle ande­ren stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­der zusam­men.
Mit der Gewähr­leis­tung der struk­tu­rel­len Mehr­heit der Hoch­schul­lehrein­nen und Hoch­schul­leh­rer soll zugleich den Anfor­de­run­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an die sog. dop­pel­te Mehr­heit in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Fra­gen Rech­nung getra­gen wer­den, deren Reich­wei­te das BVerfG zuletzt über den Kern­be­reich von For­schung und Leh­re auch auf Struk­tur- Orga­ni­sa­ti­ons- und Ent- schei­dun­gen der Haus­halts­auf­stel­lung und des Haus- halts­voll­zugs aus­ge­dehnt hat.18

Dabei wird jedoch ver­kannt, dass eine struk­tu­rel­le Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit den ent­schei­den­den Ein­fluss in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Fra­gen nur dann sichert, wenn die Hoch­schul­leh­rer in der Sit­zung prä­sent sind und im Abstim­mungs­ver­hal­ten bei Ent­schei­dun­gen in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Fra­gen nicht von den ande­ren Mit­glie­der­grup­pen über­stimmt werden.19

Bei­de Vor­aus­set­zun­gen sind allein durch eine struk- turel­le Mehr­heit nicht gewähr­leis­tet. Des­halb hät­te die bis­her in § 10 Abs.3 LHG vor­ge­se­he­ne dop­pel­te Mehr­heit in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Fra­gen neben der vom VerfGH gefor­der­ten struk­tu­rel­len Mehr­heit bei­be­hal­ten wer­den müs­sen.

Die Erset­zung des § 10 Abs.3 LHG bis­he­ri­ger Fas­sung durch § 10 Abs.3 n.F. LHG ver­stößt des­halb nach den Maß­stä­ben des BVerfG gegen Art. 5 Abs.3 GG.

Soweit die Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul- leh­rer in kon­kre­ten wis­sen­schafts­re­le­van­ten Entsch­ei- dun­gen trotz ihrer struk­tu­rel­len Mehr­heit über­stimmt wer­den, wären die­se Ent­schei­dun­gen der Gre­mi­en unwirk­sam.

Daher ist eine umge­hen­de Kor­rek­tur des § 10 Abs.3 LHG durch Wie­der­ein­füh­rung der dop­pel­ten Mehr­heit bei der Abstim­mung in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ange­le- gen­hei­ten neben der Gewähr­leis­tung der Hoch­schul­leh- rer­mehr­heit in den Gre­mi­en der Hoch­schu­le gebo­ten.

18 BVerfG Beschluss v. 24.6.2014, 1 BvR 3217/07 – BVerfGE 136, 338 ff Rn. 63 ff.

19 Dies wird in der Stel­lung­nah­me des MWK zu ent­spre­chen­den Hin­wei­sen im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ver­kannt, vgl. LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 59.

Sand­ber­ger · Zurück zur Pro­fes­so­ren­mehr­heit 1 9 3

194 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 191–200

2. Zusam­men­set­zung und Wahl­ver­fah­ren für den Senat, § 19 Abs.2 n.F. LHG

§ 19 Abs.2 LHG n. F. ver­an­kert ent­spre­chend den Anfor­de- run­gen des VerfGH die struk­tu­rel­le Mehr­heit der gewähl- ten Hoch­schul­lehrein­nen und Hoch­schul­leh­rer.

Zum ande­ren sieht er mit dem Ziel der Begren­zung der damit ver­bun­de­nen Aus­wei­tung der Mit­glie­der­zahl grund- legen­de Ver­än­de­run­gen in der Zusam­men­set­zung mit Amts­mit­glie­dern und im Wahl­ver­fah­ren vor.

Als stimm­be­rech­tig­te Amts­mit­glie­der gehö­ren dem Se- nat künf­tig nur noch der Rek­tor, der Kanz­ler und die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te an (§ 19 Abs.2 Nr. 3 LHG).

Obli­ga­to­risch sind neben den wei­te­ren Mit­glie­dern des Rek­to­rats der Lei­ten­de Ärzt­li­che Direk­tor und der Dekan der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät in Ange­le­gen­hei­ten der Hoch- schul­me­di­zin als bera­ten­de Mit­glie­der vor­ge­se­hen (§ 19 Abs. 2 S. 3 Nr. 1–3 LHG).

Deka­ne­sol­len­da­ge­gen­dem­Gre­mi­um­ent­we­der­nicht mehr oder nach Maß­ga­be der Grund­ord­nung nur als bera- ten­de Mit­glie­der ange­hö­ren.

Damit wird die Mit­wir­kung der Fakul­tä­ten an stra­te­gi- schen Ent­schei­dun­gen der Hoch­schu­le und ihre mit die­ser Mit­wir­kung ver­bun­de­ne Ver­ant­wor­tung für die Ent­wick- lung der Hoch­schu­le nach­hal­tig geschwächt.

Selbst wenn sich die Grund­ord­nung für eine bera­ten­de Mit­glied­schaft der Deka­ne ent­schei­det, ist dies erfah­rungs- gemäß mit einer Ver­rin­ge­rung der Prä­senz und bera­ten­den Mit­wir­kung ver­bun­den.

Ob dies mit dem ver­fas­sungs­recht­lich mit eige­nen Rech­ten aus Art. 5 Abs.3 GG aus­ge­stat­te­ten Sta­tus einer Fa- kul­tät als teil­rechts­fä­hi­ger Glied­kör­per­schaft der Hoch- schu­le ver­ein­bar ist, ist ver­fas­sungs­recht­lich bis­her kaum the­ma­ti­siert, in jedem Fall auch in ande­ren Bun­des­län­dern mit ver­gleich­ba­rer Rechts­la­ge noch nie­mals ent­schie­den wor­den.

Das HRWei­tEG ver­sucht dem mit dem Weg­fall der Amts­mit­glied­schaft der Deka­ne ver­bun­de­nen Ein­fluss­ver- lust der Fakul­tä­ten durch ein Wahl­ver­fah­ren zu kom­pen­sie- ren, in dem die Sit­ze der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch- schul­leh­rer ent­spre­chend der Grö­ße der Fakul­tä­ten und Sek­tio­nen auf­ge­teilt und ihre Ver­tre­ter direkt gewählt wer- den (§ 19 Abs. 2 S.5 LHG). Dafür sol­len nach der Amt­li­chen Begrün­dung auch die Deka­ne wähl­bar sein.20 Die Wahl soll, abwei­chend zu § 9 Abs. 8 S.3 LHG, auch in einer Ver- samm­lung der Hoch­schul­leh­rer­schaft zuläs­sig sein.

Dies soll es ins­be­son­de­re an klei­ne­ren Fakul­tä­ten er- mög­li­chen, dass alle Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch- schul­leh­rer in einer gemein­sa­men Sit­zung ihre Ver­tre­tung im Senat wäh­len.

20 LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 36.

An der DHBW ist unter Wah­rung der Hoch­schul­leh- rer­mehr­heit gem. § 10 Abs.3 LHG die gleich­mä­ßi­ge Re- prä­sen­ta­ti­on der Stu­di­en­aka­de­mien und die Stu­di­en­be- rei­che vor­zu­se­hen. Außer­dem ist an der DHBW sicher- zustel­len, dass die Aus­bil­dungs­part­ner als Mit­glie­der der Hoch­schu­le (§ 9 Absatz 1 Satz 6 und § 65 c Absatz 2 LHG) im Senat ver­tre­ten sind, wes­halb je Stu­di­en­be­reich eine Ver­tre­te­rin oder ein Ver­tre­ter der Aus­bil­dungs­stät­ten in den Senat gewählt wird.

Die Grund­ord­nung legt fest, wie vie­le Ver­tre­te­rin­nen oder Ver­tre­ter der Hoch­schul­leh­rer­schaft der Fakul­tät in den Senat ent­sandt wer­den (§ 19 Abs. 2 Satz 6 LHG). Da- mit besteht die Mög­lich­keit, ent­spre­chend der Grö­ße der Fakul­tä­ten oder Sek­tio­nen zu dif­fe­ren­zie­ren. Die Grund- ord­nung muss fer­ner sicher­stel­len, dass alle Grup­pen nach Maß­ga­be von § 10 Absatz 1 Sät­ze 1 und 2 LHG ver- tre­ten sind, die Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit gemäß § 10 Absatz 3 LHG gewähr­leis­tet ist und die Min­dest­quo­te für nicht­pro­fes­so­ra­le Wahl­mit­glie­der beach­tet wird. An Hoch­schu­len, die nicht in Fakul­tä­ten oder Sek­tio­nen ge- glie­dert sind, sind die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Hoch­schul­leh­rer­schaft hoch­schul­weit zu wäh­len. Das Prin­zip der Mehr­heits­wahl wird dabei wie bei den ande- ren Hoch­schu­len bei­be­hal­ten.

Dem im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren von den Orga­ni­sa- tio­nen der Hoch­schu­len vor­ge­tra­ge­nen Wunsch, die Zu- sam­men­set­zung des Senats unter Berück­sich­ti­gung der struk­tu­rel­len Mehr­heit der gewähl­ten Hoch­schul­leh­re- rin­nen und Hoch­schul­leh­rer durch ihre Grund­ord­nung zu gestal­ten, hat sich der Gesetz­ge­ber weit­ge­hend versagt.21

Die Grund­ord­nung kann zwar die Gesamt­grö­ße fest- legen und hat die Opti­on, ob sie eine bera­ten­de Amts- mit­glied­schaft der Deka­ne vor­sieht. Sie hat dabei aber die nach Hoch­schul­ar­ten und Grö­ße abge­stuf­te Min- dest­quo­te der Ver­tre­tung der ande­ren Mit­glie­der­grup- pen zu wah­ren. Gleich­zei­tig wer­den die Gestal­tungs- spiel­räu­me durch eine nur mit Zustim­mung des Wis­sen- schafts­mi­nis­te­ri­ums ver­än­der­ba­re Ober­gren­ze von 45 stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­dern beschränkt (§ 19 Abs.2 Nr.4 LHG). Auch für das Wahl­ver­fah­ren besteht nur die Opti­on einer Dif­fe­ren­zie­rung nach Grö­ße der Fakul­tä­ten oder Sek­tio­nen und einer gehei­men Wahl oder offe­nen Wahl in Voll­ver­samm­lun­gen.

Mit der Rege­lung über die Zusam­men­set­zung und das Wahl­ver­fah­ren zum Senat beschrei­tet der Gesetz­ge- ber Neu­land. Des­we­gen gibt es kei­ne Erfah­run­gen mit den poten­ti­el­len Aus­wir­kun­gen. Die Hand­lungs­fä­hig­keit des Gre­mi­ums wird wesent­lich davon abhän­gen, dass die Hoch­schul­leh­rer­schaft ihren Ein­fluss durch regel­mä­ßi­ge

21 Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 69.

Prä­senz und sorg­fäl­ti­ge Vor­be­rei­tung auch tat­säch­lich wahr­nimmt. Die Reprä­sen­ta­ti­on nach „Fakul­täts­bän- ken“ kann, soweit nicht die Deka­ne als Ver­tre­ter gewählt wer­den, zu Kon­kur­renz­si­tua­tio­nen zwi­schen Deka­nen und Fakul­tä­ten füh­ren bzw. Anrei­ze aus­lö­sen, Fakul­täts- kon­flik­te in den Senat zu tra­gen.

Nicht aus­zu­schlie­ßen ist schließ­lich, dass sich durch die Stär­kung der Hoch­schul­leh­rer­schaft Grup­pen­kon- flik­te mit den ande­ren Mit­glie­der­grup­pen ver­stär­ken, auch wenn die­se schon bis­her bei dem domi­nie­ren­den Ein­fluss der Amts­mit­glie­der gegen­über den Wahl­mit- glie­dern mög­lich waren.

3. Zusam­men­set­zung des Fakul­täts­rats

Obwohl die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Fakul­täts- orga­ni­sa­ti­on vom VerfGH wegen Frist­ver­säum­nis als unzu­läs­sig ver­wor­fen wurde,22 hat das HRWei­tEG auch die Zusam­men­set­zung des Fakul­täts­rats unter Beach- tung der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit in § 25 Abs.2 LHG neu gere­gelt. Ein­zi­ges Amts­mit­glied mit Stimm­recht ist zukünf­tig die Deka­nin oder der Dekan, wäh­rend alle ande­ren stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­der von den Grup- pen gewählt wer­den. Die genaue Zusam­men­set­zung regelt die Grund­ord­nung nach Maß­ga­be der Grup­pen­re- prä­sen­ta­ti­on nach § 10 Absatz 1 Sät­ze 1 und 2 LHG sowie der Gewähr­leis­tung der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit gemäß § 10 Absatz 3 LHG.

Die Amts­zei­ten der gewähl­ten Gre­mi­en­ver­tre­ter im Fakul­täts­rat wer­den den Amts­zei­ten der Gre­mi­en­vertre- ter im Senat ange­gli­chen, wobei die Grund­ord­nun­gen davon abwei­chen kön­nen. Ziel ist die gleich­zei­ti­ge Wahl der Gre­mi­en­ver­tre­ter sowohl auf zen­tra­ler als auch de- zen­tra­ler Ebe­ne, um durch eine Kon­zen­tra­ti­on eine mög­lichst hohe Wahl­be­tei­li­gung zu erreichen.23

Dem­entspre­chend wur­de auch die Zusam­men­set- zung der Gre­mi­en der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät in § 27 Abs.2 LHG geän­dert.

An der DHBW wird auf der dezen­tra­len Ebe­ne – pa- ral­lel zur Rege­lung des Fakul­täts­rats der ande­ren Hoch- schu­len – die Zusam­men­set­zung des Ört­li­chen Senats in § 27 c LHG geän­dert.

Ein­zi­ges Amts­mit­glied mit Stimm­recht ist zukünf­tig die Rek­to­rin oder der Rek­tor der Stu­di­en­aka­de­mie. Die ande­ren stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­der wer­den von den ein­zel­nen Grup­pen gewählt.

Die Anzahl der Mit­glie­der der Grup­pe der Hoch- schul­leh­rer­schaft und das Ver­fah­ren wer­den durch die Wahl­ord­nung fest­ge­legt, die dabei die Vor­ga­be in § 10 Absatz 3 berück­sich­ti­gen muss. Dadurch wird auch auf

  1. 22  Ent­schei­dungs­grün­de unter DI, Rn.56 ff., E III 1, Rn.166.
  2. 23  Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 38.
  3. 24  Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 38.

der dezen­tra­len Ebe­ne der DHBW der maß­geb­li­che Ein- fluss der gewähl­ten Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Hoch­schul­leh­rer­schaft sichergestellt.24

4. Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren der Hoch­schul­lei­tung, §§ 18, 18 a LHG

Mit sei­nem Urteil hat der VerfGH die Vor­schrif­ten über das Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren nach 18 Abs. 1 bis 3, 5 Satz 1 bis 4 und Abs. 6 Satz 1 und 5 LHG bis­he­ri­ger Fas- sung für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt.25

Die bis­he­ri­ge Rege­lung des Wahl­ver­fah­rens gewähr- leis­tet nach Auf­fas­sung des VerfGH nicht, dass eine Wahl der haupt­amt­li­chen Mit­glie­der des Rek­to­rats nicht gegen den Wil­len der gewähl­ten Hoch­schul­leh­rer im Senat statt­fin­den kann. Um eine sol­che Wahl zu ver­hin­dern, müss­ten die Hoch­schul­leh­rer im Senat über die Mehr- heit der Stim­men ver­fü­gen. Dann könn­ten die Hoch- schul­leh­rer im Fal­le ihrer Einig­keit die Mit­glie­der des Se- nats in der Fin­dungs­kom­mis­si­on bestim­men, nach § 18 Abs. 2 Satz 3 LHG im Ein­ver­neh­men mit dem Wis­sen- schafts­mi­nis­te­ri­um wei­te­re Bewer­ber in den Wahl­vor- schlag auf­neh­men, in allen drei Wahl­gän­gen im Senat nach § 18 Abs. 2 LHG die Wahl eines haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glieds errei­chen oder jeden­falls ver­hin­dern, dass mit gerin­ge­ren Mehr­hei­ten im Senat ein vom Hoch- schul­rat prä­fe­rier­ter Bewer­ber gewählt wird, sowie die Mit­glie­der des Senats im Wahl­per­so­nen­gre­mi­um fest­le- gen, gegen deren ein­heit­li­chen Wil­len dort eben­falls kein haupt­amt­li­ches Rek­to­rats­mit­glied gewählt wer­den kann.26

Nach Art. 20 Abs. 1 LV sei auch erfor­der­lich, „dass die in ein Selbst­ver­wal­tungs­or­gan gewähl­ten Ver­tre­ter der Hoch­schul­leh­rer sich von einem mit star­ken wis­sen- schafts­re­le­van­ten Befug­nis­sen aus­ge­stat­te­ten Lei­tungs- organ, das ihr Ver­trau­en nicht mehr genießt, tren­nen kön­nen, ohne im Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­um auf eine Eini­gung mit den Ver­tre­tern ande­rer Grup­pen sowie ohne auf die Zustim­mung eines wei­te­ren Organs oder des Staa­tes ange­wie­sen zu sein. Aus­ge­hend hier­von ist die Abbe­ru­fung der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der der­zeit nicht als ein effek­ti­ves Kon­troll­in­stru­ment für die Hoch­schul­leh­rer aus­ge­stal­tet.“

Die für eine Abbe­ru­fung erfor­der­li­che Mehr­heit von zwei Drit­teln der Mit­glie­der wür­de nach Auf­fas­sung des VerfGH von den Hoch­schul­leh­rern im Senat auch unter Berück­sich­ti­gung der von § 19 Abs. 2 Nr. 2 LHG gege­be- nen Mög­lich­keit, die Zahl der Wahl­mit­glie­der des Senats durch Grund­ord­nung zu regeln, nicht erreicht wer­den. Dar­über hin­aus könn­ten die Hoch­schul­leh­rer im Senat

25 VerfGH BW Urteil vom 14. Novem­ber 2016 – 1 VB 16/15 – Te- nor Nr.1.

26 Ent­schei­dungs­grün­de unter E III 5, Rn.157.

Sand­ber­ger · Zurück zur Pro­fes­so­ren­mehr­heit 1 9 5

196 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 191–200

ein haupt­amt­li­ches Rek­to­rats­mit­glied, das ihr Ver­trau­en nicht mehr genießt, nicht unab­hän­gig von der Mit­wir­kung ande­rer Akteu­re — hier des Hoch­schul­rats und des Wis­sen- schafts­mi­nis­te­ri­ums — abberufen.27

Dem­entspre­chend nimmt die Neu­ge­stal­tung des Wahl- und Abwahl­ver­fah­rens eine zen­tra­le Stel­le des HRWei­tEG ein.28

Ange­sichts der Vor­ga­ben des VerfGH über­rascht, dass der Gesetz­ge­ber an der Rege­lung des Wahl­ver­fah­rens in § 18 Abs. 1 und 2 LHG kei­ne durch­grei­fen­den Ände­run­gen am Kon­zept eines vom Hoch­schul­rat und Senat gemein­sam ge- tra­ge­nen Fin­dungs- und Wahl­ver­fah­ren vor­ge­nom­men hat.

Viel­mehr sieht das Gesetz in der Gewähr­leis­tung der Mehr­heit der gewähl­ten Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch- schul­leh­rer im Senat eine aus­rei­chen­de Garan­tie dafür, dass gegen­de­ren­Wil­lenk­ein­haupt­amt­li­ches­Rek­to­rats­mit­glied gewählt wer­den kann.

„Die gewähl­ten Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul- leh­rer ver­fü­gen auf­grund der geän­der­ten Zusam­men­set- zun­gim­Wahl­gre­mi­umSe­na­t­über­die­Mehr­heit­der­Stim- men. Außer­dem kön­nen sie die Ver­tre­te­rin­nen und Vertre- ter des Senats im Wahl­per­so­nen­gre­mi­um zukünf­tig maß- geblich bestim­men. Die Wahl eines Rek­to­rats­mit­glieds ist somit nicht mehr gegen die Stim­men der Hoch­schul­leh­re- rin­nen und Hoch­schul­leh­rer mög­lich. Damit ist den Vor­ga- ben des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs für das Land Baden-Würt- tem­berg im Bereich der Krea­ti­on der Rek­to­rats­mit­glie­der Rech­nung getra­gen. Gleich­wohl bleibt der Ein­fluss der an- deren Grup­pen bei der Wahl im Wesent­li­chen gewahrt.“29

Die­se Vor­stel­lung setzt jedoch vor­aus, dass die Ver­tre­ter der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer bei der Bil­dung der Fin­dungs­kom­mis­si­on, vor allem aber beim Wahl­akt prä­sent und einig sind.

Nur beim ers­ten Wahl­gang, bei dem die Mehr­heit der StimmendesGremiumsentscheidet,istgesichert,dassge- gen den Wil­len der Hoch­schul­leh­rer­mehr­heit kein Rek­to- rats­mit­glied gewählt wird. Im zwei­ten und drit­ten Wahl- gang, in der die abso­lu­te oder rela­ti­ve Mehr­heit der abge­ge- benen Stim­men ent­schei­det, wäre dies nur gesi­chert, wenn zusätz­lich die Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men der Hoch­schul­leh­rer­grup­pe gewähr­leis­tet ist.

Es bestehen damit Zwei­fel, ob das HRWei­tEG mit der Neu­re­ge­lung des Wahl­ver­fah­rens die Anfor­de­run­gen des VerfGH erfüllt hat.

  1. 27  Ent­schei­dungs­grün­de unter E III 5, Rn.162.
  2. 28  Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 35 ff.
  3. 29  Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 27.
  4. 30  Zur Abwähl­bar­keit kom­mu­na­ler Wahl­be­am­ter nach hes­si­schem­Recht BVerwG Urteil vom 15. März 1989 – 7 C 7/88 –, BVerw­GE 81, 318; VGH Mann­heim, Urteil v. 26.2.2016 – 9 S 2445/15 –, juris.
  5. 31  Zutref­fend H. Jacob­sen, VBlBW 2018, 55, 56, der dies aus dem

Für das Abwahl­ver­fah­ren sieht das HRWei­tEG neben dem fort­be­stehen­den Abwahl­ver­fah­ren nach durch Se- nat und Hoch­schul­rat nach § 18 Abs.5 LHG in § 18 a LHG ein Abwahl­ver­fah­ren durch eine Urab­stim­mung der Hoch­schul­leh­rer­schaft vor.

Die Abwahl­mög­lich­keit als sol­che steht – auch im Hoch­schul­be­reich – mit den her­ge­brach­ten Grund­sät- zen des Berufs­be­am­ten­tums nach Art. 33 Abs.5 GG in Einklang.30 Der zen­tra­le recht­fer­ti­gen­de Grund ergibt sich aus der aus Art. 5 Abs.3 GG abge­lei­te­ten Not­wen­dig- keit, dass die Lei­tungs­macht der haupt­amt­li­chen Mit- glie­der des Rek­to­rats vom Ver­trau­en der Selbst­ver­wal- tungs­gre­mi­en getra­gen sein und im Fal­le des Ver­trau- ens­ver­lus­tes durch eine Abwahl kom­pen­siert wer­den muss.

Ob und war­um bei Siche­rung des ent­schei­den­den Ein­flus­ses der gewähl­ten Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer im Senat neben dem Abwahl­ver­fah­ren durch Senat und Hoch­schul­rat nach § 18 Abs. 5 LHG ein eigen­stän­di­ges Abwahl­ver­fah­ren durch eine Urab­wahl der Hoch­schul­leh­rer­schaft erfor­der­lich ist, erscheint frag­lich. Der Kri­tik des VerfGH am bestehen­den Ab- wahl­ver­fah­ren, dass die Hoch­schul­leh­rer im Senat ein haupt­amt­li­ches Rek­to­rats­mit­glied, das ihr Ver­trau­en nicht mehr genießt, nicht unab­hän­gig von der Mit­wir- kung ande­rer Akteu­re – hier des Hoch­schul­rats und des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums – abbe­ru­fen kön­nen, hät­te durch eine ent­spre­chen­de Ände­rung des Abwahl­ver­fah- rens in § 18 Abs.5 LHG Rech­nung getra­gen wer­den kön- nen, die den ent­schei­den­den Ein­fluss der Hoch­schul­leh- rer­schaft sichert.31

Für die­se Lösung spricht auch, dass Wahl- und Ab- wahl­ver­fah­ren in der Hand des­sel­ben Organs blei­ben müs­sen, da eine Abwahl nicht ohne Klä­rung der Nach- fol­ge erfol­gen kann, wenn ver­mie­den wer­den soll, dass die Hoch­schu­le nach einer Abwahl ohne Füh­rung bleibt.32

Mit der in drei Stu­fen vor­ge­se­he­nen Urab­wahl durch die Hoch­schul­leh­rer­schaft nach § 18 a LHG hat der Ge- setz­ge­ber Neu­land betre­ten.

Mit der im Anhö­rungs­ver­fah­ren viel­fach kri­ti­sier­ten Regelung33 soll den wahl­be­rech­tig­ten Hoch­schul­leh­re- rin­nen und Hoch­schul­leh­rer die vor­zei­ti­ge Been­di­gung des Amtes eines Rek­to­rats­mit­glie­des ermög­li­chen, wenn sie das Ver­trau­en in sei­ne Amts­füh­rung ver­lo­ren haben

Gebot der effek­ti­ven Kon­trol­le ablei­tet, die nur gewähr­leis­tet ist, wenn „die Kon­troll­in­stanz in glei­chem Maße wie das Lei­tungs­or- gan mit Hoch­schul­recht, Orga­ni­sa­ti­on und Ent­wick­lung ver­traut ist“.

32 Auf die­sen Zusam­men­hang hat H. Jacob­sen in sei­ner Bewer­tung des Refe­ren­ten­ent­wurfs in VBLBW 2018, 55, 57 hin­ge­wie­sen.

33 Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 65.

(§ 18a Abs.1 S.1 LHG). Die­ser Ver­trau­ens­ver­lust ist fest- gestellt, wenn nach einem von 25% der wahl­be­rech­tig- ten Hoch­schul­leh­rer­schaft unter­zeich­ne­ten Initia­tiv- antrag das Wahl­ver­fah­ren zuge­las­sen wird und nach gemein­sa­mer Anhö­rung des betrof­fe­nen Rek­to­rats- mit­glieds durch Hoch­schul­rat und Senat sich die Mehr­heit der wahl­be­rech­tig­ten Mit­glie­der für eine Abbe­ru­fung in einer gehei­men Abstim­mung aus­spricht.

Die­se Mehr­heit muss an min­des­tens der Hälf­te al- ler Fakul­tä­ten oder Sek­tio­nen erreicht wer­den. An der DHBW ist anstel­le der Fakul­tä­ten oder Sek­tio­nen auf die Stu­di­en­aka­de­mien abzu­stel­len. Ist eine Hoch­schu- le- wie bei klei­nen Hoch­schu­len für Ange­wand­te Wis- sen­schaf­ten oder Kunst­hoch­schu­len nicht in Fakul­tä- ten oder Sek­tio­nen geglie­dert, ist die Abwahl erfolg- reich, wenn zwei Drit­tel der an der Hoch­schu­le vor- han­de­nen wahl­be­rech­tig­ten Mit­glie­der der Grup­pe nach § 10 Absatz 1 Satz 2 Num­mer 1 für die Abwahl stim­men. Die Hoch­schu­len kön­nen in ihrer Sat­zung höhe­re Schwel­len fest­le­gen (§ 18 a Abs.4 S.5 LHG)

Trotz der Schwel­len für einen Initia­tiv­an­trag, vor allem aber für eine erfolg­rei­che Abwahl, ist die­ses Ver­fah­ren mit Risi­ken ver­bun­den, die die vom Gesetz gefor­der­te Stra­te­giefä­hig­keit einer Hoch­schul­lei­tung, vor allem aber die Gewin­nung geeig­ne­ter Füh­rungs­kräf- te nach­hal­tig gefähr­den.

Bereits die mit einer Abwahl­in­itia­ti­ve ver­bun­de­ne öf- fent­li­che Dis­kus­si­on ist geeig­net, das Anse­hen einer Hoch­schul­lei­tung zu beschä­di­gen, auch wenn die Initia- tive letzt­lich schei­tert. Zudem ist die Schwel­le von 25 % für klei­ne Hoch­schu­len mit weni­gen Pro­fes­su­ren gering.

Vor allem ist die Beschrän­kung des Senats und Hoch- schul­rats als Wahl­or­gan auf eine Stel­lung­nah­me zu schwach aus­ge­stal­tet. Um die­ser Ver­ant­wor­tung zu ent- spre­chen, hät­te eine zusätz­li­che Zustim­mung für die Fort­füh­rung des Abwahl­be­geh­rens vor­ge­se­hen wer­den müs­sen.

Trotz eini­ger im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren vor­ge­nom- mener Ver­fah­rens­ver­bes­se­run­gen, zu denen auch die Sperr­wir­kung eines erfolg­lo­sen Abwahl­be­geh­rens von 6 Mona­ten gehört (§ 18 a Abs.6 S.4 LHG), lässt die Rege- lung zahl­rei­che Fra­gen offen. Dies betrifft ins­be­son­de­re die Rechts­fol­gen der vor­zei­ti­gen Been­di­gung für das Be- amten­ver­hält­nis des Amts­trä­gers.

Die­se Fra­ge ist nur für den Fall einer Abwahl nach § 18 Abs.5 LHG gere­gelt. Ob eine Ana­lo­gie zuläs­sig ist, muss wegen des Aus­nah­me­cha­rak­ters der Rege­lung be- zwei­felt wer­den.

34 VGH Mann­heim, Urteil v. 26.2.2016–9 S 2445/15 – juris, Rn.15.

Eben­so offen sind die Rechts­schutz­fra­gen gegen­über einer erfolg­ten Urab­wahl ein­schließ­lich der Fra­gen des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes.

Der Voll­zug der vor­zei­ti­gen Been­di­gung bedarf eines fest­stel­len­den Ver­wal­tungs­ak­tes. Für den Fall des § 18 Abs.5 LHG hat der VGH Baden-Würt­tem­berg trotz Feh- lens einer expli­zi­ten Rechts­grund­la­ge eine Zustän­dig­keit der Minis­te­rin bejaht.34 Ob dies auch im Fall des § 18a LHG gilt, in dem noch nicht ein­mal eine Anhö­rung der Minis­te­rin in ihrer Funk­ti­on als Dienst­vor­ge­setz­te (§ 11 Abs.5 LHG) vor­ge­se­hen ist und die Zustän­dig­keit des Minis­ter­prä­si­den­ten für die Ernen­nung und Ent­las­sung der haupt­amt­li­chen Rek­to­rats­mit­glie­der tan­giert ist(§ 1 ErnG), ist offen.

Eben­so ist unge­klärt, wer das Ergeb­nis der Abstim- mung ver­bind­lich fest­stellt und ob die­se Fest­stel­lung der Rechts­auf­sicht nach § 67 Abs.1 LHG unter­liegt.

Das in § 18 a LHG vor­ge­se­he­ne Urab­wahl­ver­fah­ren neben dem Abwahl­ver­fah­ren durch Senat und Hoch- schul­rat ist des­halb frag­wür­dig und rege­lungs­tech­nisch miss­lun­gen.

Es mag dis­zi­pli­nie­ren­de Wir­kung auf die Hoch­schul- lei­tung haben, bei der Amts­füh­rung auf die Bei­behal- tung des Ver­trau­ens der Hoch­schul­leh­rer­schaft bedacht zu sein. Im Fal­le eines Erfol­ges mag es eine Ver­trau- ens­kri­se been­den, die damit ver­bun­de­ne Füh­rungs­kri­se kann aber nur im Zusam­men­wir­ken von Hoch­schul­rat und Senat beho­ben wer­den.

5. Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren der Amts­trä­ger auf dezen­tra­ler Ebe­ne.

Auch­wenn­der­VerfGHaus­ver­fah­rens­recht­li­chen­Grün- den von einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Beur­tei­lung der Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on Abstand neh­men muss­te, erscheint es kon­se­quent, die Zusam­men­set­zung der dezen­tra­len Gre­mi­en und das Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren ent­sp­re- chend der Rege­lung der zen­tra­len Ebe­ne zu gestal­ten.

Um die Ent­schei­dungs­ho­heit des Fakul­täts­rats bei der Wahl und Abwahl des Dekans nicht ein­zu­schrän­ken, wird das bis­her ver­bind­li­che Vor­schlags­recht für die Wahl bzw. Abwahl nach § 24 Abs.3 S.1 und 8 LHG in ein nicht bin­den­des Vor­schlags­recht umge­wan­delt.

Neben der nach § 24 Abs.3 S.8 LHG mög­li­chen Ab- wahl sieht § 24 a LHG ein Abwahl­ver­fah­ren durch Urab- wahl der wahl­be­rech­tig­ten Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer vor, das spie­gel­bild­lich zu § 18 a LHG die Vor­aus­set­zun­gen, den Ablauf und die Kri­te­ri­en einer erfolg­rei­chen Urab­wahl fest­legt. Es weist die glei­chen In- kon­sis­ten­zen wie das Urab­wahl­ver­fah­ren auf zen­tra­ler Ebe- ne auf.35

35 Zutref­fend H. Jacob­sen, VBLBW 2018, 55, 60.

Sand­ber­ger · Zurück zur Pro­fes­so­ren­mehr­heit 1 9 7

198 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 191–200

Die Durch­füh­rung liegt in der Ver­ant­wor­tung des Rek­to- rats, die wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Ver­fah­rens wie die Zulas- sung und Durch­füh­rung der Abstim­mung ein­schließ­lich der Mög­lich­keit einer Abstim­mung durch Brief­wahl und die Be- kannt­ga­be des Ergeb­nis­ses regelt die Sat­zung.

Für die DHBW wer­den durch § 27 e LHG die Rege­lun­gen über­die­Ab­wahl­der­Rek­to­ri­no­der­des­Rek­tors­der­Stu­di­en- aka­de­mie durch die Grup­pe der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer denen für die Abwahl der Rek­to­rats­mit­glie- der der Hoch­schu­le ange­passt. Die amt­li­che Begrün­dung be- zeich­net dies als Stär­kung der Rech­te der Hoch­schul­leh­re­rin- nen und Hoch­schul­leh­rer im Rah­men der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung zur Siche­rung der frei­en wis­sen­schaft­li­chen Betä­ti­gung auch an der DHBW auf die dezen­tra­le Ebene.36

Dabei bleibt aber außer Betracht, dass die Stu­di­en­aka­de­mi- en mach § 27 a Abs.1 LHG als recht­lich unselb­stän­di­ge ört­li­che Unter­ein­hei­ten der DHBW ver­fasst sind und ihre Stu­di­en­be- rei­che im Gegen­satz zu Fakul­tä­ten der ande­ren Hoch­schul­ar- ten kei­nen Fakul­täts­sta­tus mit eige­ner Selbst­ver­wal­tung genie- ßen. Die dage­gen von Jacob­sen bereits 2014 vorgetragenen,37 auf den Ham­bur­ger Deka­nats­be­schluss des Bun­des­ver­fas- sungsgerichts38 gestütz­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken und die von der VMDH in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge- brach­ten Ände­rungs­vor­schlä­ge wer­den mit der pau­scha­len Bemer­kung, die­se sei­en nicht Gegen­stand des Ver­fah­rens , zurückgewiesen.39

Der Gesetz­ge­ber wird sich in der nächs­ten anste­hen­den Novel­le damit aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob die­se Abwei- chun­gen von der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on der ande­ren Hoch- schu­len ange­sichts der Ände­rung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an das Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht auf­recht- erhal­ten wer­den kön­nen.

IV. Wei­te­re Neu­re­ge­lun­gen

1. Kor­po­ra­ti­ons­recht­li­che Rechts­stel­lung der Dok­tor­an- den, befris­te­te Asso­zia­ti­on von Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer der Hoch­schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten in Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren.

a) Rechts­staus der Dok­to­ran­den

Der Rechts­sta­tus der Dok­to­ran­den wur­de bereits durch das 3. HRÄG mit der Ein­füh­rung einer ver­bind­li­chen Pro­mo­ti­ons­ver­ein­ba­rung (§ 38 Abs.5 S.3 LHG) und die Ein­füh­rung eines Dok­to­ran­den­kon­vents (§ 38 Abs.7 LHG) nach­hal­tig gestärkt.

  1. 36  Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 39.
  2. 37  H. Jacob­sen, Die Unver­ein­bar­keit der baden- würt­tem­ber­gi­schenLHG-Novel­le 2014 mit Art. 5 Abs. 3 nach dem Ham­bur­ger Deka­nats­be­schluss, VBIBW 2014, 328, 333; ders. Die per­p­etu­ier­te Grund­recht­sin­kon­for­mi­tät der baden- würt­tem­ber­gi­schen Hoch- schul­or­ga­ni­sa­ti­on im Ent­wurf des Hoch­schul­rechts­wei­ter­ent­wick-

Dok­to­ran­din­nen und Dok­to­ran­den stell­ten bis­her aber kei­ne eige­ne Sta­tus­grup­pe. Mit­glied­schafts­recht­lich zäh­len sie ent­we­der im Fal­le einer nach § 38 Abs.5 S. 1 LHG mög­li­chen Imma­tri­ku­la­ti­on zu der Grup­pe der Stu­die­ren­den oder im Fal­le einer haupt­be­ruf­li­chen Be- schäf­ti­gung nach § 10 Abs. 1 S. 3 LHG zu der Grup­pe der Aka­de­mi­schen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter. Im Hin­blick auf die unter­schied­li­che Inter­es­sen­la­ge zu den ande­ren Sta­tus­grup­pen wur­de im RegE die Schaf­fung ei- ner eige­nen Mit­glie­der­grup­pe vorgeschlagen.40 Dem­ge- gen­über schafft § 10 Abs.1 S.4 LHG für haupt­amt­lich tä- tige ein­ge­schrie­be­ne Dok­to­ran­din­nen und Dok­to­ran­den die Opti­on, ob sie ihre Mit­wir­kungs­rech­te in der Grup­pe der Aka­de­mi­schen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter (Satz 2 Num­mer 2) oder in der Grup­pe der Stu­die­ren­den nach § 60 Absatz 1 Satz 1 Buch­sta­be b (Satz 2 Num­mer 4) aus­üben wol­len. Für haupt­be­ruf­lich Beschäf­tig­te besteht auch eine Opti­on, sich nicht zu imma­tri­ku­lie­ren.

Damit wird der kor­po­ra­ti­ons­recht­li­che Sta­tus der Dok­to­ran­di­nen und Dok­to­ran­den an die Ein­schrei­bung gebun­den. Letzt­lich wird dadurch nur die Erhal­tung der sozia­len Rah­men­be­din­gun­gen erreicht.41

b) Befris­te­te Asso­zia­ti­on von Betreu­ern aus HAW

Neben der schon bis­her mög­li­chen Koopt­ati­on von Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer der Hoch- schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten nach § 22 Abs. 4 S.2 LHG, die in der Regel an eine dau­er­haf­te Koope­ra­ti- on anknüpft, wird durch § 38 Abs.6 a LHG die von der Amt­li­chen Begrün­dung als „nie­der­schwel­li­ger“ bezeich- nete Opti­on der befris­te­ten Asso­zi­ie­rung geschaf­fen.

Ihre inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung wird weit­ge­hend der Pro­mo­ti­ons­ord­nung oder einer ande­ren Sat­zung über­las­sen. Mit­wir­kungs­rech­te an der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung sind mit der Asso­zi­ie­rung nicht ver­bun­den.

2. Ten­u­re Track für Juni­or­pro­fes­so­ren, § 51 b LHG

Die durch das HRWei­tEG mit § 51 a LHG ein­ge­führ­te Ten­u­re-Track-Pro­fes­sur ist nach der Amt­li­chen Begrün- dung eine Juni­or­pro­fes­sur, die mit der Zusa­ge auf Über­nah- me in ein Pro­fes­so­ren­amt ver­gleich­ba­rer Deno­mi­na­ti­on einer höhe­ren Besol­dungs­grup­pe ohne Stel­len­vor­be­halt im Fal­le der Bewäh­rung ver­bun­den ist.42

Die Neu­re­ge­lung dient dazu, den Hoch­schu­len die Teil- nah­me am Pro­gramm zur För­de­rung des wis­sen­schaft­li-

lungs­ge­set­zes 2018, VBlBW. 2018, 55 ff., 61 ff. 38 BVerfGE 127, 87 ff. Rn.118 ff.
39 Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 80. 40 Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 28. 41 Vgl. dazu LT-Drs. 16 / 3248 v. 9. 01. 2018, S. 38. 42 LT-Drs. 16/3248 zu § 51 b LHG, S. 40 ff.

chen Nach­wuch­ses gemäß der Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen Bund und Län­dern vom 16. Juni 2016 zu ermög­li- chen. Sie soll früh­zei­ti­ge wis­sen­schaft­li­che Selbst­stän­dig- keit, ver­bun­den mit einer ver­bind­li­chen Ent­wick­lungs­pers- pek­ti­ve, ver­mit­teln. Damit ergänzt § 51 a LHG das bereits mit dem 3. HRÄG in § 48 Absatz 1 Satz 4 LHG imple­men- tier­te Ten­u­re-Track-Ver­fah­rens. Die neu­en hoch­schul- recht­li­chen Kate­go­rien „Ten­u­re-Track-Pro­fes­sur“ und „Ten­u­re-Track-Dozen­tur“ unter­schei­den sich vom bis­he­ri- gen Ver­fah­ren dar­in, dass bereits im Zeit­punkt der Aus- schrei­bung die Anfor­de­run­gen der Bewäh­rung in einem mit dem Minis­te­ri­um abge­stimm­ten Qua­li­täts­si­che­rungs- kon­zept benannt wer­den und im Zeit­punkt der Über­nah- me eine ent­spre­chen­de Plan­stel­le zur Ver­fü­gung ste­hen muss(§51bLHG).

Für Ten­u­re-Track-Pro­fes­so­rin­nen und Ten­u­re- Track-Pro­fes­so­ren fin­den die für die Juni­or­pro­fes­sur gel- ten­den Rege­lun­gen Anwen­dung, soweit in § 51 b LHG nichts ande­res gere­gelt ist. Auch für die Ten­u­re- Track- Pro­fes­sur gel­ten die damit die Rege­lun­gen des § 51 LHG hin­sicht­lich der Auf­ga­ben, der Qua­li­fi­zie­rungs­zeit, des Qua­li­fi­zie­rungs­ver­fah­rens und der Aus­ge­stal­tung des Dienst­ver­hält­nis­ses. Beam­ten­recht­lich fin­den die Vor- schrif­ten über die Juni­or­pro­fes­sur Anwen­dung.

Die Zusa­ge auf Über­nah­me bei posi­ti­ver Eva­lua­ti­on nach Abschluss der Qua­li­fi­zie­rungs­zeit , der Weg­fall des Stel­len­vor­be­halts, der Ver­zicht auf eine Aus­schrei­bung und die Mög­lich­keit einer ver­ein­fach­ten Beru­fung bei Über­nah­me sind mit umfang­rei­chen Anfor­de­run­gen für das Qua­li­täts­si­che­rungs­kon­zept und das Ver­fah­ren sei- ner Durch­füh­rung ver­bun­den.

Das Qua­li­täts­si­che­rungs­kon­zept beschreibt den ge- sam­ten Pro­zess der bis zu sechs­jäh­ri­gen Qua­li­fi­zie­rungs- zeit von der Aus­schrei­bung der Ten­u­re-Track-Pro­fes­sur bis zur Über­nah­me auf die W 3‑Professur nach einer er- folg­rei­chen Eva­lua­ti­on. Qua­li­täts­si­che­rungs­kon­zept und das Eva­lu­ie­rungs­ver­fah­ren wer­den – nicht zuletzt aus Grün­den der Ver­bind­lich­keit durch Sat­zung gere­gelt (Absatz 2 Satz 1). Die für die Ten­u­re-Eva­lua­ti­on am Ende der Dienst­zeit gesetz­ten Anfor­de­run­gen sind der Tenu- re-Track-Pro­fes­so­rin/ dem Ten­u­re Track-Pro­fes­sor be- reits bei der Beru­fung schrift­lich bekannt zu machen. Die Aus­schrei­bung zur Ten­u­re-Track-Pro­fes­sur erfolgt inter­na­tio­nal (§ 51 IV LHG). Über die Anfor­de­run­gen des § 51 VI LHG hin­aus sind an der Aus­wahl­kom­mis­si­on zur Beset­zung der Ten­u­re-Track-Pro­fes­sur inter­na­tio­nal aus­ge­wie­se­ne Gut­ach­te­rin­nen und Gut­ach­ter zu betei­li- gen (§ 51 b I 3) LHG.

Die Ver­bind­lich­keit des Ten­u­re-Track-Ver­fah­rens begrün­det kei­ne Über­nah­me­ga­ran­tie. Maß­geb­lich ist

43 Vgl. Bericht in LT-Drs. 16/ 3248, zu § 51 b LHG, S. 86 ff.

die Eva­lua­ti­on, mit der das Leis­tungs­prin­zip gewahrt und die Qua­li­tät gesi­chert wird. Die Eva­lua­ti­on der Leis­tun­gen der Ten­u­re-Track-Pro­fes­so­rin oder des Ten­u­re-Track-Pro­fes­sors wäh­rend der Qua­li­fi­zie- rungs­zeit ist des­halb die wesent­li­che Vor­aus­set­zung für einen Aus­schrei­bungs­ver­zicht bei der Beset­zung der W 3‑Professur nach § 48 I 4 LHG. Gegen­stand der Eva­lua­ti­on sind alle Auf­ga­ben­be­rei­che einer Juni­or- pro­fes­sur, d. h. For­schung, Leh­re und Selbst­ver­wal- tung. Die Eva­lua­ti­on erfolgt nach einer Eva­lua­tions- sat­zung, die das Ver­fah­ren, die Anfor­de­run­gen, Kri­te- rien und Maß­stä­be der Ten­u­re-Eva­lua­ti­on trans­pa­rent aus­weist (Absatz 2 Satz 1).

In der Orga­ni­sa­ti­on des Ten­u­re-Pro­zes­ses sind ein oder meh­re­re Eva­lu­ie­rungs­gre­mi­en vor­zu­se­hen, von de- nen zumin­dest eines die Min­dest­an­for­de­run­gen an die Beset­zung von Beru­fungs­kom­mis­sio­nen erfüllt. Das Qua­li­täts­si­che­rungs­kon­zept muss fer­ner geeig­ne­te In- stru­men­te vor­se­hen, um der Ten­u­re-Track-Pro­fes­so­rin oder dem Ten­u­re-Track-Pro­fes­sor wäh­rend ihrer oder sei­ner in der Regel bis zu sechs­jäh­ri­gen Qua­li­fi­zie­rungs- zeit eine geeig­ne­te Rück­mel­dung zu den bis­he­ri­gen Leis- tun­gen zu geben (Absatz 2 Satz 2).

§ 51 b IV LHG über­nimmt die Mög­lich­keit einer Ten­u­re-Zusa­ge auch für die Juniordo­zen­tur nach § 51 a Absatz 3 Satz 1 LHG. Auch die­se Mög­lich­keit gab es bis­her schon. Künf­tig sind jedoch die Min­dest­an­for- derun­gen der Ten­u­re-Track-Dozen­tur die­sel­ben wie bei der Ten­u­re-Track-Pro­fes­sur.

Die Ein­füh­rung der Ten­u­re- Track Pro­fes­sur wur- de von den Hoch­schu­len all­ge­mein begrüßt.43 Die Fra­ge, ob für das Ziel der­art umfang­rei­che inhalt­li­che und pro­ze­du­ra­le Vor­ga­ben not­wen­dig sind, wur­de nicht gestellt. In der Hoch­schul­pra­xis ist der entsch­ei- den­de limi­tie­ren­de Fak­tor das Vor­han­den­sein einer W- 3 Plan­stel­le im Zeit­punkt der Über­nah­me. Dafür wäre eine ent­spre­chen­de Fle­xi­bi­li­sie­rung von Plan- stel­len im Rah­men vor­ge­ge­be­ner Gesamt­de­ckung erfor­der­lich.

3. För­de­rung der Wissens‑, Gestal­tungs- und Tech­no­lo- gie­trans­fer und Grün­der­kul­tur

Die För­de­rung des Wis­sens- und Tech­no­lo­gie­trans­fers ist schon nach bis­he­ri­gem Recht eine in § 2 Abs.5 LHG ver­an­ker­te und durch spe­zi­el­le Pro­gram­me geför­der­te Auf­ga­be.

Durch Ergän­zung des § 2 Abs.5 LHG wird den Hoch- schu­len aus­drück­lich ermög­licht, Unter­neh­mens­grün- dun­gen und Exis­tenz­grün­dun­gen ihrer aktu­el­len und ehe­ma­li­gen Beschäf­tig­ten zu för­dern. Bei­spiels­wei­se

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200 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 3 (2018), 191–200

kön­nen Räu­me und Labo­re unent­gelt­lich oder ver­güns- tigt über­las­sen wer­den. Die För­de­rung erfolgt auf der Basis einer vor­her abzu­schlie­ßen­den schrift­li­chen Ver- ein­ba­rung mit dem Rek­to­rat. Die Ein­bin­dung des Rek­to- rats soll ver­hin­dern, dass die Res­sour­cen der Hoch­schu- le für pri­va­te Erwerbs­zwe­cke in Anspruch genom­men wer­den, ohne die not­wen­di­ge Ein­wil­li­gung der Hoch- schu­le ein­ge­holt zu haben. Für Absol­ven­tin­nen und Ab- sol­ven­ten und ehe­ma­li­ge Beschäf­tig­te wird der Zeit- raum, inner­halb des­sen eine För­de­rung erfol­gen kann, auf fünf Jah­re beschränkt.44

Ob die­se Rege­lung vor mög­li­chen Ein­wän­den aus dem in der Begrün­dung genann­ten EU- Bei­hil­fe­recht, vor allem aber den vom Rech­nungs­hof streng über­wach- ten haus­halts­recht­li­chen Rege­lun­gen des § 63 Abs.5 LHO über die Über­las­sung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den Be- stand hat, wird die Pra­xis zei­gen.

V. Fazit

Inwie­weit mit dem Gesetz – wie der Titel ver­heißt – eine Wei­ter­ent­wick­lung des Hoch­schul­rechts ver­bun­den ist, ist von sei­ner Ziel­set­zung abhän­gig.

Vor­ran­gi­ges Ziel des Geset­zes war es, den Vor­ga­ben des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs für eine ver­fas­sungs­kon­for- me Kor­rek­tur der bis­he­ri­gen Lei­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on Rech- nung zu tra­gen.

Da der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof mit sei­nen Maß­stä­ben über die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt genann­ten An- for­de­run­gen an eine Stär­kung der Selbst­ver­wal­tungs­or- gane gegen­über der mit weit­ge­hen­den Befug­nis­sen aus- gestat­te­ten Hoch­schul­lei­tung hin­aus­ge­gan­gen ist, sah sich der Gesetz­ge­ber sowohl bei der Zusam­men­set­zung der Gre­mi­en als auch beim Wahl- und Abwahl­ver­fah­ren

ver­an­lasst, Neu­land zu betre­ten, um den ent­schei­den­den Ein­fluss der gewähl­ten Reprä­sen­tan­ten der Hoch­schul- leh­rer­schaft zu gewähr­leis­ten.

Der gewähl­te Weg der Urab­wahl ist – von rege­lungs- tech­ni­schen Unklar­hei­ten abge­se­hen – mit erheb­li­chen Risi­ken für die Gewin­nung geeig­ne­ter Per­sön­lich­kei­ten für Lei­tungs­äm­ter und die Stra­te­giefä­hig­keit der Hoch- schu­len ver­bun­den. Ob sie ein geeig­ne­ter Weg zur Lö- sung einer Ver­trau­ens­kri­se oder ein Weg in eine Füh- rungs­kri­se ist, wird von einem ver­ant­wor­tungs­vol­len Zusam­men­wir­ken der Reprä­sen­tan­ten Hoch­schul­leh- rer­schaft und den Wahl­gre­mi­en der Hoch­schu­le abhän­gen.

Die wei­te­ren The­men des HRWei­tEG wir­ken – was ihre Dring­lich­keit anlangt – eher als will­kür­li­cher Griff aus einer hoch­schul­po­li­ti­schen Agen­da.

Ob mit den Neu­re­ge­lun­gen der Dok­to­ran­den­sta­tus nach­hal­tig ver­bes­sert wird, bleibt abzu­war­ten.

Mit der Ten­u­re Track Juni­or­pro­fes­sur wer­den die not­wen­di­gen recht­li­chen Rah­men­pro­gram­me des Bun- des geschaf­fen. Den­noch ist dies allen­falls ein Bau­stein für die Ver­bes­se­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pfa­de des wis- sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses.

Die Ver­bes­se­rung des Wis­sens. und Tech­no­lo­gie- trans­fers und der Grün­der­kul­tur wird davon abhän­gig sein, dass dem auch eine der gesetz­li­chen Ziel­set­zung kon­for­me Anwen­dung des Bei­hil­fe- und Haus­halts- rechts ent­spricht.

Georg Sand­ber­ger ist Hono­rar­pro­fes­sor an der Juris­ti- schen Fakul­tät der Eber­hard Karls Uni­ver­si­tät Tübin- gen und war von 1979 bis 2003 deren Kanz­ler.

44 Vgl. Bericht in LT-Drs. 16/ 3248, zu § 51 b LHG, S. 86 ff.