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Trotz der Nobel-Prei­se für her­aus­ra­gen­de Wis­sen­schaft- lerin­nen und Wis­sen­schaft­ler: die Zeit der gro­ßen Ein- zel­for­scher ist weit­hin vorbei.1 Schon seit lan­gem sind es vor­nehm­lich die unter­schied­lich gro­ßen For­schungs­ver- bün­de, die Koope­ra­tio­nen zwi­schen wis­sen­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen, nament­lich die­je­ni­gen, die auf der Grenz- linie meh­re­rer Wis­sen­schafts­ge­bie­te inter­dis­zi­pli­när zusam­men­wir­ken, denen die Gesell­schaft wesent­li­che Erkennt­nis­se, ja: Durch­brü­che zu ganz neu­en Ufern ver- dankt. Nicht sel­ten wer­den sol­che Wis­sen­schafts­ko­ope- ratio­nen, an denen auch pri­va­te Wirt­schafts­un­ter­neh- men betei­ligt sein kön­nen, aus öffent­li­chen Kas­sen mit Beträ­gen in zwei‑, wenn nicht gar drei­stel­li­ger Mil­lio- nen­hö­he geför­dert. Dabei wird die koope­ra­ti­ve For- schung von den Betei­lig­ten bewusst gewählt und ihre Inten­si­vie­rung als poli­ti­sches Ziel verstanden.2

I. Maß­ge­schnei­der­te Kooperationsverträge

Die­se Koope­ra­tio­nen erfor­dern Rege­lun­gen in vie­ler­lei Hin­sicht, z.B.: Auf wel­chem Gebiet ist der Ver­bund mit wel­chem Ziel ange­sie­delt? Wer führt des­sen Geschäf­te und wer beruft die Geschäfts­füh­rer? Wel­che Entsch­ei- dun­gen fal­len in deren Zustän­dig­keit und wel­che in die jener Insti­tu­tio­nen, wel­che die Koope­ra­ti­on tra­gen? Wie wer­den die For­scher und ihre Leis­tungs­po­ten­tia­le dem Ver­bund zuge­ord­net? In wel­cher Wei­se wer­den die For-

* Im Novem­ber 2015 fand ein vom Deut­schen Krebs­for­schungs­zen- trum und der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg initi­ier­tes Rechts­sym­po­si­um zum gleich­na­mi­gen The­ma die­ses Auf­sat­zes statt. Eine anschlie- ßend ein­ge­rich­te­te Arbeits­grup­pe „Rechts­for­mal­ter­na­ti­ve de lege feren­da“ hat die im Arti­kel ange­spro­che­nen Aspek­te dis­ku­tiert und sich recht­lich mit ver­schie­de­nen wei­te­ren Schwer­punk­ten, die das The­ma umfas­sen, aus­ein­an­der­ge­setzt. Die Autoren die­ses Arti­kels dan­ken den ande­ren Mit­glie­dern der Arbeits­grup­pe Hei­di Beu­che / Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen, Pius O. Dol­zer / Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, Ste­fan Gei­bel / Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, Merit Grz­eg­anek / Helm- holtz-Zen­trum Dres­den-Ros­sen­dorf, Jut­ta Hop­penau / DZNE, Ange­la Kalous / Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, Sven­ja Dei­mel / DKFZ Hei­del­berg, für ihre enga­gier­te Betei­li­gung an der Erar­bei­tung des Kon­zepts und das kri­ti­sche Gegen­le­sen herz­lich. Der Arti­kel gibt die Rechts­auf­fas­sung der Autoren wieder.

1 Vgl. exem­pla­risch für das Land Baden-Würt­tem­berg, das laut einer Stu­die des sta­tis­ti­schen Lan­des­amts die höchs­te Inno­va­tions- kraft von 87 euro­päi­schen Regio­nen auf­weist, Inno­va­ti­ons­in­dex 2014, abruf­bar unter https://www.baden-wuerttemberg.de/de/ ser­vice­/­pres­se/­pres­se­mit­tei­lun­g/­pi­d/­ba­den-wuer­t­tem­berg-ist-

scher in die Ent­schei­dungs­pro­zes­se der Koope­ra­ti­on und in deren Infor­ma­ti­ons­strö­me ein­ge­bun­den? Wie wird mit Know-how umge­gan­gen, das die Koope­ra­ti­ons- part­ner in die Koope­ra­ti­on ein­brin­gen? Wem wer­den die in der Koope­ra­ti­on gewon­ne­nen Erkennt­nis­se zuge­wie- sen, wer kann sie sich ggf. paten­tie­ren las­sen: der Ver- bund selbst oder sei­ne Trä­ger­in­sti­tu­tio­nen? Und was ist mit den For­schern? Die För­der­mit­tel: Wer legt wann in wel­cher Wei­se den För­de­rern Rechen­schaft für die Mit- tel­ver­wen­dung? Über­haupt: Wel­che Rol­le sol­len die För- derer inner­halb der Koope­ra­ti­on spie­len? Schließ­lich dür­fen die Risi­ken aus ihr (beson­ders bedeut­sam bei pati­en­ten­be­zo­ge­nen For­schungs­ver­bün­den) nicht auf die Trä­ger­in­sti­tu­tio­nen durch­schla­gen, aber mög­lichst auch nicht auf die betei­lig­ten Forscher.

In der Wis­sen­schafts­pra­xis beschäf­ti­gen die­se Fra­gen und regu­la­to­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen lang anhal­tend und inten­siv die zur Hil­fe­stel­lung auf­ge­ru­fe­nen Admi- nis­tra­tio­nen, die Uni­ver­si­täts­ver­wal­tun­gen und die der Kli­ni­ken eben­so wie die Ver­wal­tun­gen der außer­uni­ver- sitä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen. Denn für Wis­sen- schafts­ko­ope­ra­tio­nen gibt es kei­ne spe­zi­ell auf sie zuge- schnit­te­ne Rechts­form im Gesetz. Auch bei den Mus­ter- ver­trä­gen, die Minis­te­ri­en und ande­re Stel­len For- schungs­ver­bün­den vor­ge­ben oder die­sen emp­feh­len, kön­nen die betei­lig­ten Wis­sen­schafts­in­sti­tu­tio­nen und For­scher nicht sicher sein, dass alle aus ihrer Sicht rege-

inno­va­ti­ons­staerks­te-regi­on-in-euro­pa/ [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016]; For­schungs- und Ent­wick­lungs­mo­ni­tor Baden-Würt- tem­berg, Rei­he Sta­tis­ti­sche Ana­ly­sen 1/2014, S. 14 f. sowie S. 47 ff.; sie­he auch FAZ vom 18.3.2015, Beruf und Chan­ce, „Will­kom­men im Cluster-Ländle“.

2 Vgl. „Inno­va­ti­on durch Koope­ra­ti­on – Maß­nah­men für eine effek­ti­ve Nut­zung des For­schungs­po­ten­ti­als von Wis­sen­schaft und Wirt­schaft“, Posi­ti­ons­pa­pier des Bun­des­ver­band der Deut­schen Indus­trie, Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Arbeit­ge­ber­ver- bän­de, Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft, Fraunhofer–Gesell- schaft, Helmholtz–Gemeinschaft, Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz, Leibniz–Gemeinschaft, Max–Planck–Gesellschaft, Stif­ter­ver­band für die Deut­sche Wis­sen­schaft und des Wis­sen­schafts­rats, 2007,

S. 2, abruf­bar unter: https://www.mpg.de/9048617/071112-allianz- forschungspotentials.pdf [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016], Inter- natio­na­le Koope­ra­ti­on – Akti­ons­plan des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung, 2014, S. 16 f., abruf­bar unter: https:// www.bmbf.de/pub/Aktionsplan_Internationale_Kooperation.pdf [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016].

Wolf­ram Eber­bach / Peter Hom­mel­hoff / Johan­nes Lap­pe*
Eine Koope­ra­ti­ons­form für die Wissenschaft

Ord­nung der Wis­sen­schaft 2017, ISBN/ISSN 3–45678-222–7

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 1–12

lungs­be­dürf­ti­gen Punk­te tat­säch­lich gere­gelt sind.3 Für die Wis­sen­schafts­ver­wal­tun­gen bedeu­tet dies müh­sa­me Hand­ar­beit in jedem Ein­zel­fall: Jeder ein­zel­ne Koope­ra- tions­ver­trag muss maß­ge­schnei­dert wer­den. Das kos­tet Zeit, ver­schlingt Res­sour­cen, frus­triert nicht sel­ten die „Ver­trags­bau­meis­ter“ und nicht weni­ger die Forscher.

Sie wol­len end­lich mit dem gemein­sa­men Vor­ha­ben begin­nen – doch trotz allem Bemü­hen kann ihnen nie- mand jene Rechts­si­cher­heit gewähr­leis­ten, die For­scher und betei­lig­te Wis­sen­schafts­in­sti­tu­tio­nen mit Recht für ihre Koope­ra­ti­on erwar­ten. Schnell sind sie mit dem Vor­wurf bei der Hand: Das Recht behin­dert die Wis­sen- schaft!

Kommt Wei­te­res hin­zu: Wenn öffent­lich-recht­li­che Insti­tu­tio­nen wie Uni­ver­si­tä­ten, Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka oder außer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen (der Helm- holtz-Gemein­schaft oder der Leib­niz- oder der Max Planck-Gesell­schaft) in For­schungs­ver­bün­den koope­rie- ren, dann ist ihr Ver­bund trotz des öffent­lich-recht­li­chen Cha­rak­ters der Betei­lig­ten man­gels einer öffent­lich- recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­form zivil­recht­lich als Gesell- schaft bür­ger­li­chen Rechts und dann recht schnell als Außen-GbR zu qualifizieren.4 Die Fol­ge: die am Ver- bund betei­lig­ten Wis­sen­schafts­in­sti­tu­tio­nen haben recht­lich zwin­gend für des­sen Ver­bind­lich­kei­ten, auf wel­chem Rechts­grund auch immer sie beru­hen mögen, selbst, unbe­schränkt und unbe­schränk­bar in vol­ler Höhe als Gesamt­schuld­ner einzustehen5 – eine Hor­ror­vors­tel- lung ganz beson­ders für jene For­schungs­ein­rich­tun­gen, die mit Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka in pati­en­ten­be­zo­ge­ner For-

  1. 3  So hat sich eine wah­re „Mus­ter­pra­xis“ her­aus­ge­bil­det, exem­p­la- risch für Koope­ra­tio­nen mit der Pri­vat­wirt­schaft ins­be­son­de­re, die sog. Ber­li­ner Ver­trags­bau­stei­ne; die Mus­ter­ver­ein­ba­rung der IHK Nord­rhein-West­pha­len und Hes­sen, abruf­bar unter: http://www. ihk-nordwestfalen.de/fileadmin/medien/02_Wirtschaft/33_Inno- vati­on_Um­welt­/00_­Tech­no­lo­gie/­me­di­en/IHK-Rat­ge­ber_­FuE-Ver- traege_KMU_Hochschule.pdf [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016]; bspw. der Mus­ter­leit­fa­den der TU Mün­chen, abruf­bar unter: https://www.tum.de/fileadmin/w00bfo/www/Wirtschaft/Broschu- eren_­Ko­ope­ra­tio­nen­/130318_­TU­M_CCC_­Forsch-Wir­t_­Brosch-dt. pdf [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016]; der Mus­ter­leit­fa­den des BMWi, abruf­bar unter: http://www.bmwi.de/Dateien/BMWi/PDF/ mus­ter­ver­ein­ba­run­gen-fuer-for­schungs-und-ent­wick­lungs­ko­ope­ra tionen,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016]; sowie der Mus­ter­ver­trag für Koope­ra­tio­nen, die sei­tens des „horizon2020“-Programms der­EU För­de­rung erhal­ten wol­len, abruf­bar unter: http://www.desca-2020.eu/ [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016].
  2. 4  Vgl. bspw. Ulsen­hei­mer, Die zwi­schen­be­trieb­li­che For­schungs- und­Ent­wick­lungs­ko­ope­ra­ti­on, Frank­furt a.M. 2002, S. 79: „Koope­ra- tions­ab­re­den stets (…) dem Ide­al­bild des § 705 BGB ent­spre­chen“; Win­zer, For­schungs- und Ent­wick­lungs­ver­trä­ge, 2. Aufl. Mün­chen 2011, S. 14 Rn. 28; Ull­rich, GRUR 1993, 338, 340; dif­fe­ren­zier­ter Rosen­ber­ger, Ver­trä­ge über For­schung und Ent­wick­lung, Köln 2010, S. 282, Kap. 6 II 1. Rn. 3 ff.; fer­ner Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 167 ff. m.w.N.

schung trans­la­te­ral zusam­men­wir­ken wol­len. Den mit- unter beträcht­li­chen Haf­tungs­ri­si­ken lässt sich auch nicht durch „Rechtsformverneinungs“-Klauseln der­ge­stalt ent­ge- hen, dass durch den Ver­trag kei­ne GbR entstehe.6

Nicht allein die­se Haf­tungs­ge­fah­ren füh­ren zwang­los zum Auf­ruf an den Gesetz­ge­ber, für For­schungs­ver­bün- de eine eigen­stän­di­ge Wis­sen­schafts­ko­ope­ra­ti­ons­form als rechts­si­che­res Orga­ni­sa­ti­ons­ve­hi­kel zur Ver­fü­gung zu stel­len. Vor allem jedoch ist der Gesetz­ge­ber zum Han­deln auf­ge­ru­fen, da er sonst sein eige­nes Bemü­hen kon­ter­ka­riert, die beson­ders frucht­ba­re (inter­na­tio­na­le) Ver­bund­for­schung zu för­dern, und er sein Ziel ver­fehlt, staat­li­che Mit­tel zuguns­ten der Wis­sen­schaf­ten mög- lichst nicht mit redu­zier­ba­rem Ver­wal­tungs­auf­wand zu ver­geu­den, son­dern effi­zi­ent einzusetzen.7 Mit einer ei- gen­stän­di­gen Rechts­form wür­de der Gesetz­ge­ber zu- gleich sei­nem Auf­trag aus Art. 5 Abs. 3 GG Rech­nung tra­gen, zur För­de­rung der Wis­sen­schaft per­so­nel­le, fi- nan­zi­el­le vor allem aber auch orga­ni­sa­to­ri­sche Mit­tel be- reitzustellen.8 Indes – auch Gesetz­ge­bung ist eine kost- bare Res­sour­ce. Sie soll­te erst dann in Anspruch genom- men wer­den, wenn sich die betei­lig­ten Wis­sen­schafts- ein­rich­tun­gen regel­mä­ßig nicht selbst ohne grö­ße­ren Auf­wand hel­fen können.

II. Rechts­for­men-Abgleich

Daher ist zunächst der Rechts­for­men-Schatz in den Blick zu neh­men, den das gel­ten­de Recht schon jetzt zur Ver­fü­gung stellt. Wesent­li­che Prüf­kri­te­ri­en sind:9

5 Grund­le­gend zur akzes­so­ri­schen Außen­haf­tung der BGB-Gesell- schaf­ter BGH, Urt. v. 29.1.2001 – II ZR 331/00 = BGHZ 146, 341 ff. = NJW 2001, 1056 ff.; zur Unbe­schränk­bar­keit der Haf­tung schon BGH, Urt. v. 27. 9.1999 — II ZR 371/98 = NJW 1999, 3483 ff.

6 Vgl. z.B. § 12 Abs. 4 TUM Mus­ter für Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­run- gen Typ 2 (Ver­bund­för­de­rung), abruf­bar unter https://www.tum. de/­fi­lead­min/­w00b­fo/ww­w/­Wirt­schaf­t/­Bro­schue­ren_­Ko­ope­ra­tio- nen/130318_TUM_CCC_Forsch-Wirt_Brosch-dt.pdf [zuletzt abge- rufen am 16.11.2016], der fest­legt, dass durch den geschlos­se­nen Koope­ra­ti­ons­ver­trag kei­ne gesell­schafts­recht­li­che Ver­bin­dung zwi­schen den Koope­ra­ti­ons­part­nern geschlos­sen wer­den soll.

7 So for­mu­liert das BMBF in Inter­na­tio­na­le Koope­ra­ti­on – Akti­ons- plan des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung, 2014,
S. 2, abruf­bar unter: http://www.bmbf.de/pub/Aktionsplan_In- ternationale_Kooperation.pdf [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016]: „Effek­ti­ver: Koope­ra­tio­nen und För­der­ver­fah­ren sind so ein­fach wie mög­lich zu gestal­ten, Hin­der­nis­se in der bila­te­ra­len und mul- tila­te­ra­len Zusam­men­ar­beit müs­sen abge­baut werden.“

8 Vgl. zum objek­ti­ven Gewähr­leis­tungs­ge­halt von Art. 5 Abs. 3 GG Kip­ping, in: Epping/Hillgruber Beck ́scher Online­kom­men­tar Grund­ge­setz, Stand: 01.09.2016, Art. 5 Rn. 186; Scholz, in: Maunz/ Dürig, Grund­ge­setz, 77. EL Juli 2016, Art. 5 Rn. 116; vgl. grund­le- gend: BVerfG, Urt. v. 29. 5. 1973 — 1 BvR 424/71 u. 325/72 = BVerfGE 35, 79, 114 ff. = NJW 1973, 1176, 1177.

9 Auch hier­zu und zu wei­te­ren Kri­te­ri­en Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 15 ff.

Eberbach/Hommelhoff/Lappe · Koope­ra­ti­ons­form für die Wis­sen­schaft 3

- eine wis­sen­schafts­ad­äqua­te Gover­nan­ce-Struk­tur. Sie muss auf der einen Sei­te die betei­lig­ten For­scher mit ein­be­zie­hen, ihnen aber den­noch die unab­ding­ba­ren Hand­lungs­frei­räu­me sichern. Auf der ande­ren Sei­te muss sie den die Koope­ra­ti­on tra­gen­den Wis­sen­schafts- ein­rich­tun­gen in ange­mes­se­nem Umfang Ein­fluss auf den Fort­gang der Ver­bund­for­schung eröff­nen und jene so hin­rei­chend erkenn­bar blei­ben lassen;

- Rechts­sub­jek­ti­vi­tät, die es einer­seits erlaubt, der Ko- ope­ra­ti­on Sach- und Finanz­mit­tel, aber ggf. auch Dienst- ver­hält­nis­se zuzu­ord­nen, ande­rer­seits aber auch die in der Ver­bund­for­schung gewon­ne­nen Erkennt­nis­se ein- schließ­lich ihrer Ver­wer­tung rechts­si­cher gestalt­bar macht;

- Ein­grenz­bar­keit der mit gemein­sa­mer For­schung ver- bun­de­nen Risi­ken, Haf­tungs­ka­na­li­sie­rung auf die Ko- ope­ra­ti­ons­form und Haftungsbeschränkung.

1. Öffent­lich-recht­li­che Organisationsformen

Unter den öffent­lich-recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­for­men käme neben der gemein­sa­men öffent­lich-recht­li­chen Anstalt vor allem der aus dem Kom­mu­nal­recht bekann- te Zweck­ver­band in Betracht. Er ver­fügt mit der Ver- bands­ver­samm­lung und dem Ver­bands­vor­ste­her – die­ser ggf. von einem Ver­bands­ge­schäfts­füh­rer unter­stützt – über eine Gover­nan­ce-Struk­tur und ist als Per­so­nal­kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts rechtsfähig.10 Aller­dings birgt er für sei­ne Mit­glie­der inso­fern ein Finan­zie­rungs­ri­si­ko, als deren Pflicht unbe­grenzt ist, Umla­gen an den Ver­band zu leis­ten, soweit dies für die Zwecker­fül­lung not­wen­dig ist.11 Über­dies kann im Zuge einer Zweck­ver­bands-Grün- dung gesamt­schuld­ne­ri­sche Außen­haf­tung der Mit­glie­der ent­ste­hen; sie ent­spricht der – für For­schungs­ver­bün­de uner­wünsch­ten – Haf­tung von BGB-Gesellschaftern.12

Trotz die­ser grund­sätz­li­chen Eig­nung des Zweck­ver- ban­des, For­schungs­ver­bün­de zwi­schen wissenschaftli-

  1. 10  Dazu Th. I. Schmidt, Kom­mu­nal­recht, 2. Aufl. 2014, S. 254 ff; Gern, Deut­sches Kom­mu­nal­recht, 3. Aufl. 2003, S. 595 f. Rn. 934 f. sowie zur grund­sätz­li­chen Organ­struk­tur S. 598 Rn. 939.
  2. 11  Inso­fern zeigt sich ein fun­da­men­ta­ler Unter­schied zu den Grund- fes­ten einer per­so­nen­ge­sell­schafts­recht­li­chen, zivil­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­on: Hier schiebt § 707 BGB als „mit­glied­schaft­li­ches Grund­recht“, so BGH, Urt. v. 5.3.2007 – II ZR 282/05 = NZG 2007, 381, 381, zurück­ge­hend auf Wie­de­mann, Gesell­schafts­recht I, Mün­chen 1980, S. 357 f., § 7 I 1. sowie S. 393 f., § 7 IV 1. a), einer unbe­schränk­ten Ver­mö­gens­meh­rungs­pflicht der Koope­ra­ti­ons- part­ner zur Errei­chung des Koope­ra­ti­ons­zwecks einen Rie­gel vor. Es müs­sen im Grund­satz nur die ein­mal zuge­sag­ten Bei­trä­ge geleis­tet werden.
  3. 12  Vgl. BGH, Urt. v. 18.12.2000 — II ZR 385/98 = NJW 2001, 748, 749 ff.

chen Ein­rich­tun­gen zu orga­ni­sie­ren, lässt die­se Rechts- form die Tätig­keit des Gesetz­ge­bers zuguns­ten der Wis- sen­schaft nicht ent­fal­len. Denn Zweck­ver­bän­de sind kei- ne all­ge­mein ver­füg- und nutz­ba­re Orga­ni­sa­tion­form, son­dern wer­den von den ein­zel­nen Lan­des­ge­setz­ge­bern ihren Gemein­den und Land­krei­sen in spe­zi­el­len Geset- zen für deren Zusam­men­ar­beit bereitgestellt.13 Das­sel­be gilt für die neue Orga­ni­sa­ti­ons­form der gemein­sa­men Anstalt öffent­li­chen Rechts. Wol­len Gebiets­kör­per­schaf- ten aus meh­re­ren Bun­des­län­dern zusam­men­ar­bei­ten, so bedarf die Orga­ni­sa­ti­on ihrer Koope­ra­ti­on eines Staats- ver­tra­ges. Wei­ter denk­bar – und auch der Pra­xis nicht unbekannt14 – wäre die Ein­rich­tung einer „Koope­ra­ti- ons­kör­per­schaft“ direkt per Gesetz. Zweck­ver­bän­de, ge- mein­sa­me Anstal­ten und sons­ti­ge „maß­ge­schnei­der­te“ Kör­per­schaf­ten ste­hen somit den wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen zur Orga­ni­sa­ti­on ihrer For­schungs­ver- bün­de in und zwi­schen den Bun­des­län­dern nicht ohne erheb­li­chen admi­nis­tra­ti­ven und oder gesetz­ge­be­ri- schen15 Auf­wand zur Verfügung.

Außer einem Zweck­ver­band könn­te im Ein­zel­fall auch ein öffent­lich-recht­li­cher Ver­trag in Betracht gezo- gen wer­den. Vor­aus­set­zung ist, dass alle Koope­ra­ti­ons- part­ner Juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts (JPöR) sind, wenn man nicht in kom­ple­xe Abgren­zungs- pro­ble­me zwi­schen Pri­vat- und öffent­li­chem Recht im Ein­zel­fall gelan­gen will.16 Hier­zu zäh­len auch Hoch- schu­len. Es sind jedoch eher sel­te­ne Fäl­le, in denen an ei- ner Wis­sen­schafts­ko­ope­ra­ti­on aus­schließ­lich Hoch­schu- len betei­ligt sind. In der Regel koope­rie­ren zum Bei­spiel Hoch­schu­len mit außer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen, also etwa For­schungs­in­sti­tu­ten, sol­che Ein­rich­tun­gen unter­ein­an­der und mit Kli­ni­ken etc. Es wäre umständ- lich, müss­te jeweils erst der öffent­lich-recht­li­che Sta­tus der Betei­lig­ten geprüft wer­den, bevor dann ein öffent- lich-recht­li­cher Ver­trag geschlos­sen wer­den könn­te. Zu- dem ist ein sol­cher Ver­trag sofort hin­fäl­lig, wenn nach eini­ger Zeit die Koope­ra­ti­on erwei­tert wer­den soll durch

13 S. die Fund­stel­len zu den Län­der­ge­set­zen bei Th. I. Schmidt, Kom­mu­nal­recht (Fn. 10), S. 254 Fn. 7; zudem Gern, Deut­sches Kom­mu­nal­recht, 3. Aufl. 2003, S. 595 f. Rn. 934 f; für den Bereich der Hoch­schu­len s. aber auch § 6 Abs. 5 LHG Baden-Würt­tem- berg.

14 So bspw. bei der Nie­der­säch­si­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le, Nds. GVBl. 2008, 416 – § 1 NTH–Gesetz.

15 Vgl. Nie­der­säch­si­sche Land­tags­drucks. 16/410, S. 6 sowie Nds. GVBl. 2008, 416, wonach von April 2007 bis zur Ver­kün­dung des Geset­zes am 15.12.2008 annä­hernd zwei Jah­re ver­gan­gen sind.

16 Vgl. zum Pro­blem der Ein­ord­nung koope­ra­ti­ver Ver­trä­ge zwi- schen Pri­va­ten und der öffent­li­chen Hand Bonk/Neumann, in: Stelkens/Bonk/Sachs, VwVfG, 8. Aufl. 2014, § 54 Rn. 43 a ff. sowie Rn. 64.

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 1–12

Auf­nah­me eines Part­ners, der die­sen öffent­lich-recht­li- chen Sta­tus nicht besitzt. Dann fin­ge – gleich­sam mit­ten im For­schungs­pro­zess – die müh­sa­me Suche nach der nun­mehr geeig­ne­ten Rechts­form an. Dies kann sich als so pro­ble­ma­tisch erwei­sen, dass die Fort­füh­rung der Ko- ope­ra­ti­on sogar infra­ge gestellt ist. Wür­de die (öffent- lich-recht­li­che) Rechts­form der Betei­lig­ten dar­über ent- schei­den, wie die Koope­ra­ti­on recht­lich zu gestal­ten ist, wäre dies der Über­sicht­lich­keit nicht för­der­lich. Daher ist es ein­fa­cher, über­sicht­li­cher und „stö­rungs­frei­er“, für alle Koope­ra­tio­nen eine Rechts­form vorzusehen.

2. Pri­vat­recht­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­for­men: die GmbH vorweg

Mit­hin ver­blei­ben pri­vat­recht­li­che Rechts­for­men – vor allen ande­ren die Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung, die als „Allzweckmöbel“17 auch im staat­li­chen Bereich viel­fäl­tig genutzt wird.18 Hin­sicht­lich des Unter­neh- mens­ge­gen­stands und der Unter­neh­mens­zie­le frei gestaltbar,19 ver­fügt die­se rechts­fä­hi­ge Orga­ni­sa­ti­ons- form mit den Geschäfts­füh­rern, der Gesell­schaf­ter­ver- samm­lung und dem (fakul­ta­ti­ven) Auf­sichts­rat schon in ihrer gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung über eine Gover­nan­ce- Struk­tur, die sich auch wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tun­gen für ihre gemein­sa­men For­schun­gen nutz­bar machen kön­nen. Das Pri­vi­leg der Haf­tung allein mit dem Gesell- schafts­ver­mö­gen (§ 13 Abs. 2 GmbHG) und nicht mit dem der Gesell­schaf­ter, für staat­li­che Orga­ni­sa­tio­nen eines der wich­tigs­ten Ele­men­te der GmbH, kommt hin- zu. Damit erscheint die­se Rechts­form auf den ers­ten Blick als nahe­zu ide­al, um in ihr auch wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­tio­nen zu orga­ni­sie­ren. Einer neu­en eigen­stän- digen Rechts­form bedürf­te es dann anschei­nend nicht.

Auf­fäl­lig jedoch ver­wen­det die Wis­sen­schafts­pra­xis die GmbH nur selten,20 ohne dass die Grün­de für die­se Zurück­hal­tung offen auf der Hand lie­gen. Das gesetz­li- che Min­dest­ka­pi­tal und das auf­wen­di­ge Grün­dungs­ver- fah­ren allein kön­nen es nicht sein, seit­dem der Gesetz­ge- ber mit der „Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haf­tungs­be- schränkt)“ eine Mini-GmbH ange­bo­ten hat, die für eine

  1. 17  Lutter/Hommelhoff, in: Lutter/Hommelhoff GmbHG, 19. Aufl. 2016, Einl. Rn. 6.
  2. 18  Vgl. Bay­er, in: Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 19. Aufl. 2016, § 1 Rn. 10; Flei­scher, in: Münch­Komm-GmbHG; 2. Aufl 2015, Ein­lei- tung, Rn. 48 f.
  3. 19  Flei­scher, in: Münch­Komm-GmbHG; 2. Aufl 2015, § 1 Rn. 17; Vgl. Begr. GmbHG S. 35 f. und S. 47 („Ver­schie­den­ar­tig­keit der Zwecke“).
  4. 20  So schei­nen bspw. die For­schungs- und Ent­wick­lungs­zen­trum Fach­hoch­schu­le Kiel GmbH oder For­schungs­zen­trum Jülich GmbH eher Aus­nah­men als die Regel­ent­schei­dung in Bezug auf die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur eines For­schungs­pro­jekts zu sein.
  5. 21  Vgl. zum ver­ein­fach­ten Grün­dungs­ver­fah­ren See­bach, Rhein-

Koope­ra­ti­on nur weni­ge Euro Stamm­ka­pi­tal erfor­dert und über­dies ohne gro­ßen Auf­wand schnell und kos­ten- güns­tig im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren gegrün­det wer­den kann (§§ 5a, 2 Abs. 1a GmbHG).21 Die Grün­de lie­gen tat- säch­lich tiefer.

Ein wesent­li­cher Grund ist in den Geschäfts­füh­rern zu sehen: Sie bil­den inner­halb einer gefes­tig­ten Orga­ni- sati­ons­struk­tur das Initia­tiv- und Aktivitätszentrum22; sie sind pri­mär im Inter­es­se der Gesell­schaft tätig und nur nach­ge­ord­net in dem der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter; ihnen gegen­über wer­den die von der Gesell­schaft ergrif- fenen Akti­vi­tä­ten schon durch sie als Rechts­per­son me- diatisiert.23 Kommt hin­zu: die Geschäfts­füh­rung, nach dem Kon­zept des GmbH-Geset­zes ein mit Gesell­schaf- ter­frem­den besetz­tes Organ (Fremd­or­gan­schaft und eben kei­ne zwin­gen­de Selbst­or­gan­schaft der Gesell­schaf- ter), betreibt die Akti­vi­tä­ten der Gesell­schaft und ver- selbst­stän­digt die­se so wei­ter gegen­über ihren Gesell- schaf­tern und deren Ein­fluss. Dar­an ändert auch ihr GmbH-spe­zi­fi­sches Wei­sungs­recht gegen­über den Ge- schäfts­füh­rern, das Hier­ar­chie­ge­fäl­le zwi­schen den Or- ganen der Gesellschaft,24 nichts. Die­se Media­ti­sie­rung ist von Geset­zes wegen dar­auf ange­legt, die Gesell­schaft gegen­über ihren Gesell­schaf­tern zu ver­selb­stän­di­gen, die­se hin­ter die Gesell­schaft mit ihrer eige­nen Fir­mie- rung zurück­tre­ten, ja: unsicht­bar wer­den zu las­sen. Für die „nor­ma­len“ Gesell­schaf­ter einer unter­neh­mens­tra- gen­den GmbH ist die­ser Zug zur Ver­selb­stän­di­gung und zur Anony­mi­sie­rung der Gesell­schaf­ter nicht son­der­lich stö­rend: An einer Kapi­tal­ge­sell­schaft mit ihren geld­wer- ten Ein­la­gen betei­ligt, sind sie nach dem gesetz­li­chen Grund­kon­zept allein am finan­zi­el­len Wert der Gesell- schaft und an den finan­zi­el­len Erträ­gen aus ihr inter­es­siert. Denn die GmbH ist nach ihrem nor­ma­ti­ven Grund­kon­zept auf wirt­schaft­li­chen Gewinn ausgerichtet.25

Wis­sen­schafts­ko­ope­ra­tio­nen dage­gen zie­len vor­ran- gig auf den gemein­sa­men Gewinn wis­sen­schaft­li­cher Er- kennt­nis­se. Die wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen in ih- rer Koope­ra­ti­on, in ihrem Zusam­men­wir­ken, wol­len die­sen Erkennt­nis­ge­winn – auch wenn er gemeinsam

NotZ, 2013, 261, 263; zu den all­ge­mei­nen Gründungsvorausset-

zun­gen der UG Hucke/Holfter, JuS 2010, 861, 862.
22 Liebs­cher, in: Münch­Komm-GmbHG, 2. Aufl. 2016, § 37 Rn. 83; Klein­diek, in: Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 19. Aufl. 2016, § 37

Rn. 4.
23 Stephan/Tieves, in: Münch­Komm-GmbHG, 2. Aufl. 2015, § 35 Rn.

88; Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. 2013,

§ 35 Rn. 35.
24 Vgl. Lutter/Hommelhoff, in: Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 19.

Aufl. 2016, Einl. Rn.5.
25 Mich­alski, in: Mich­alski, GmbHG, 2. Aufl. 2010, Systematische

Dar­stel­lung 1 Über­blick über das GmbH-Recht Rn. 193.

Eberbach/Hommelhoff/Lappe · Koope­ra­ti­ons­form für die Wis­sen­schaft 5

errun­gen ist – indes jede für sich nut­zen. Um es am Bei- spiel zu ver­deut­li­chen: Wenn eine Uni­ver­si­tät und eine außer-uni­ver­si­tä­re For­schungs­in­sti­tu­ti­on sich für eine bestimm­te For­schung über eine Koope­ra­ti­ons- ein­heit ver­bun­den haben, und wenn ein in die­ser Ein- heit täti­ger For­scher den Nobel­preis erringt, dann wol­len­sichauch­di­edie­Ko­ope­ra­tion­tra­gen­den­Ein- rich­tun­gen in dem gewon­nen Ruhm und Anse­hen sonnen;26 die Koope­ra­ti­ons­ein­heit darf sie nicht ver- decken, wenn die Koope­ra­ti­ons­zie­le aller Part­ner er- reicht wer­den wol­len. Ver­all­ge­mei­nert for­mu­liert: Die wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­ti­ons­form darf sich gegen- über ihren Trä­ger­ein­rich­tun­gen nicht ver­selb­stän­di- gen, muss die­se auch für außen­ste­hen­de Drit­te sicht- barbleibenlassen.Kurzum:InderWissenschaftmüs- sen die Koope­ra­ti­ons­for­men per­so­nen­ge­sell­schafts- recht­li­che Grundzüge27 aufweisen.

Schon des­halb ist die GmbH für die­se spe­zi­fi­schen For­schungs­ver­bün­de regel­mä­ßig kei­ne geeig­ne­te Rechts­form. Hin­zu kom­men wei­te­re Fehl­stel­len: Wie sol­len die koope­rie­ren­den For­scher in die Auf­bau- und Ablauf­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­fügt wer­den und wie die Insti­tu­tio­nen, die für die gemein­schaft­li­che For­schung Mit­tel ein­schie­ßen? Auf wel­chen Wegen sol­len sie die Mit­tel­ver­wen­dung kon­trol­lie­ren kön­nen? Die hier­für not­wen­di­gen Rege­lun­gen gehen über die Gover­nan­ce- Struk­tur der GmbH hin­aus und soll­ten, wenn auch dis­po­si­tiv, vom Gesetz­ge­ber gere­gelt wer­den, um Wis- sen­schafts­ko­ope­ra­tio­nen zu för­dern, die Wis­sen- schafts­frei­heit auch in sol­chen Ver­bün­den rechts­ge- wiss zu gewähr­leis­ten und um den betei­lig­ten Wis­sen- schafts­ver­wal­tun­gen res­sour­cen­scho­nend die Arbeit auf all­sei­tig-glei­cher Augen­hö­he zu erleichtern.

3. „Gesetz­ge­bung tut not“

Des­halb kann nach allem die GmbH die Anfor­de­run­gen an eine Wis­sen­schafts-adäqua­te Koope­ra­ti­ons­form in aller Regel nicht erfüllen.28 Das­sel­be gilt cum gra­no salis für den auf Mit­glie­der­wech­sel ange­leg­ten Ver­ein. Die

  1. 26  Dies dürf­te neben der Repu­ta­ti­on mit Blick auf das Gene­rie­ren wei­te­rer För­der­mit­tel auch dar­an lie­gen, dass für die wei­te­re Arbeit in der Koope­ra­ti­on, aber auch für den ein­zel­nen Ko- ope­ra­ti­ons­part­ner die öffent­li­che Aner­ken­nung des Arbeit­ser- geb­nis­ses der wich­tigs­te nicht mone­tä­re Moti­va­ti­ons­fak­tor von Wis­sen­schaft­lern ist, vgl. Lee/Meschke/Nicklas, in: Hanebuth/et
    al. (Hrsg.), For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Wis­sen­schaft und Pra­xis, S. 169, 170 ff. sowie Ortiz, Koope­ra­ti­on zwi­schen Unter- neh­men und Uni­ver­si­tä­ten, 2013, S. 126 f.
  2. 27  Vgl. K. Schmidt, Gesell­schafts­recht, 4. Aufl. 2002, S. 46 f; Wie- demann, Gesell­schafts­recht, Band I, 1980, S. 103 f; Wind­bich­ler, Gesell­schafts­recht, 23. Aufl. 2013, S. 27 ff; dazu auch Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 453 für die Per­spek­ti­ve de lege feren­da.

Stif­tung wie­der­um ist eine nicht mit­glied­schaft­lich aus- gestal­te­te, nach dem Stif­tungs­akt vom Stif­ter abge­kop- pel­te Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on – auf „Ewig­keit“ ange­legt und in ihrem Zweck allen­falls ganz begrenzt abän­der- bar.29 Dies ver­trägt sich nicht mit der zeit­li­chen Begren- zung wis­sen­schaft­li­cher For­schung auf defi­nier­ten, wenn auch ein­ver­nehm­lich ver­än­der­ba­ren Feldern.30 Der deut­sche Gesetz­ge­ber soll­te mit­hin eine eigen­stän­di­ge Rechts­form für wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­tio­nen kre­ie- ren, um die jeden­falls auf natio­na­ler Ebe­ne bestehen­de Rege­lungs­lü­cke zu schließen.31

Ange­sichts der Viel­falt und Viel­ge­stalt wis­sen­schaft- licher Koope­ra­tio­nen wird sich eine Kern­re­ge­lung für alle For­schungs­ver­bün­de emp­feh­len, die je nach den in- divi­du­el­len Bedürf­nis­sen des ein­zel­nen Ver­bun­des durch fakul­ta­ti­ve Rege­lun­gen ergänzt wer­den kann; aber auch die­se soll­te der Gesetz­ge­ber anbie­ten, um Rechts­si- cher­heit zu gewährleisten.

III. Gover­nan­ce-Struk­tu­ren

Im Sta­tut der Koope­ra­ti­on sind sowohl der Bereich, das Feld fest­zu­le­gen, in wel­chem die For­schung statt­fin­den soll, als auch das kon­kre­te Ziel die­ser For­schung. Um dies Ziel mit Nach­druck und ohne (auch juris­ti­sche) Ab- und Umwe­ge ver­fol­gen zu kön­nen, muss der Koope­ra­ti­on eine Rechts­form zur Ver­fü­gung ste­hen, die – es wur­de bereits beim The­ma GmbH (oben II 2) aus­ge­führt – per­so- nen­ge­sell­schafts­recht­li­che Züge auf­wei­sen soll­te. So lässt sich die Wis­sen­schafts­ko­ope­ra­ti­on eng und inten­siv genug an ihre wis­sen­schaft­li­chen Trä­ger rück­kop­peln, und blei­ben die­se damit zugleich hin­rei­chend deut­lich erkennbar.

Per­so­nen­ge­sell­schafts­recht­lich geprägt sein soll­ten vor allem die Lei­tung der Koope­ra­ti­ons­form und deren enges Ver­hält­nis zu den Trä­ger­ein­hei­ten. Für die Über- wachung der Lei­tung und ihre wis­sen­schaft­li­che Beglei- tung ist es dage­gen vor­zugs­wür­dig, zusätz­li­che Anlei­hen beim dua­lis­ti­schen Auf­sichts­rats-Sys­tem zu nehmen.

28 Aus­führ­lich zur Eig­nung der GmbH als Koope­ra­ti­ons­ve­hi­kel Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 419 ff.

29 Vgl. Wei­te­mey­er, in: Münch­Komm-BGB, 7. Aufl. 2015, § 85 Rn. 2 m.w.N. Ein Stif­tungs­ge­schäft, das die Ände­rungs­mög­lich­kei­ten des Zwecks in das Belie­ben der Stif­tungs­or­ga­ne stellt, ist nach ganz über­wie­gen­der Auf­fas­sung unzu­läs­sig, vgl. Hüt­te­man­n/­Ra- wert,: in Stau­din­ger BGB, Neu­bearb. 2011, § 85 Rn. 10 ff. m.w.N.

30 Vgl. zur Unge­eig­net­heit der Stif­tung auch öffent­li­chen Rechts ins­be­son­de­re für inter­na­tio­na­le Koope­ra­tio­nen Blau­ro­ck/Hen­nig- hau­sen, OdW 2016, 73, 76.

31 Vgl. zur Mög­lich­keit der Nut­zung des Euro­päi­sche Ver­bund ter­ri­to­ria­ler Zusam­men­ar­beit (EVTZ) als Vehi­kel für euro­pa­wei­te Koope­ra­tio­nen Blaurock/Hennighausen, OdW 2016, 73, 77 ff.

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 1–12

Daher soll­te die Gover­nan­ce-Struk­tur zumin­dest zwei- glied­rig sein (two-tiers).32

1. Die Leitung

a) Gelei­tet wer­den muss die Koope­ra­ti­ons­ein­heit von Wis­sen­schaft­lern, die in ihr und auf dem fest­ge­leg­ten For­schungs­feld tätig sind. Eine betont wis­sen­schaft­li­che Lei­tung ist unab­hän­gig davon gebo­ten, in wel­chem Umfang Mit­tel in der Ein­heit ein­ge­setzt und die For- schungs­er­geb­nis­se vor­aus­sicht­lich ver­mark­tungs­fä­hig sein wer­den. Dies mag im Ein­zel­fall einen Admi­nis­tra- tor, einen „kauf­män­ni­schen Vor­stand“ (unten III 1b) inner­halb der Geschäfts­lei­tung erfor­dern; das Schwer­ge- wicht muss jedoch stets bei den Wis­sen­schaft­lern lie­gen, damit eine pri­mär wis­sen­schafts­ge­lei­te­te Aus­rich­tung der Koope­ra­ti­ons­ein­heit gewähr­leis­tet ist. Im Inter­es­se ihrer per­so­nen­ge­sell­schafts­recht­li­chen Struk­tur muss in der Lei­tung das Prin­zip der Selbst­or­gan­schaft ver­wirk- licht wer­den, soweit dies bei den kör­per­schaft­lich ver- fass­ten Trä­ger­ein­hei­ten mög­lich ist. Wis­sen­schaft­li­che Lei­ter der Koope­ra­ti­on kön­nen daher nur Per­so­nen sein, die zugleich Reprä­sen­tan­ten der betei­li­gen Trä­ger sind und bleiben.33 Ihre Benen­nung erfolgt jeweils inner­halb eines Kon­sens­sys­tems. Die Dop­pel­funk­ti­on der Reprä- sen­tan­ten wirkt sich u.a. auf die Zurech­nung der For- schungs­er­geb­nis­se aus: Die­se „gebüh­ren“ der Koope­ra­ti- ons­ein­heit eben­so wie den Trägereinheiten;34 im Ruhm des Nobel­prei­ses kann sich die Koope­ra­ti­ons­ein­heit eben­so spie­geln wie die Trä­ger­ein­heit, die der Nobi­li­tier- te im For­schungs­ver­bund repräsentiert.

b) Die finanz­wirt­schaft­li­che Lei­tung der Koope­ra­ti- ons­ein­heit liegt in den Hän­den eines ver­ant­wort­li­chen Admi­nis­tra­tors. Die­ser muss zwar nicht unbe­dingt Mit- glied des Lei­tungs­or­gans und kann auch unter­halb von ihm posi­tio­niert sein. Kon­se­quent tra­gen in die­sem Fall die wis­sen­schaft­li­chen Lei­ter zugleich die finanz­wirt- schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. Ein sol­ches Modell wird aber nur in Aus­nah­me­fäl­len in Betracht kom­men. Des­halb soll­te eine gesetz­li­che Rege­lung den Admi­nis­tra­tor grund­sätz­lich als Mit­glied des Lei­tungs­or­gans vor­se­hen, dies aber zur Dis­po­si­ti­on des Koope­ra­ti­ons­sta­tuts stel-

  1. 32  So auch Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 91 f.
  2. 33  Rechts­tech­nisch soll­te den ent­sen­den­den Kör­per­schaf­ten die Organ­stel­lung zukom­men, deren Aus­übung durch die Benen- nung des Reprä­sen­tan­ten an die­sen gebun­den wird. Durch die Ent­sen­dung des For­schers könn­ten sodann die Organ­pflich­ten des Koope­ra­ti­ons­part­ners u.U. in das etwaig fort­be­stehen­de Anstel­lungs­ver­hält­nis zum ent­sen­den­den For­schungs­trä­ger gespie­gelt wer­den, wobei es frei­lich zu den Organ­pflich­ten zäh­len könn­te, berech­tig­te Inter­es­sen des ent­sen­den­den For­schungs- trä­gers im Rah­men der Organ­tä­tig­keit wahr­zu­neh­men. Durch die Spie­ge­lung der Organ­pflich­ten in das etwaig fortbestehende

len. Anders als die wis­sen­schaft­li­chen Lei­ter ist der Ad- minis­tra­tor kein Trä­ger-Reprä­sen­tant (oben III 1a), selbst wenn er einer Trä­ger­ein­heit ent­stam­men soll­te. Andern­falls könn­te in dem Lei­tungs­or­gan einem ein­zel- nen Trä­ger ein zu gro­ßes Gewicht zufallen.

c) Ob es den Mit­glie­dern des mehr­köp­fi­gen Lei­tungs- organs frei­ge­stellt wer­den soll­te, einen von ihnen zum „Wis­sen­schaft­li­chen Vor­stands­vor­sit­zen­den“ zu beru­fen, oder ob das der kenn­zeich­nen­den Gleich­heit der For- scher wider­spre­chen wür­de, braucht an die­ser Stel­le nicht ent­schie­den zu wer­den. Der Gesetz­ge­ber könn­te es auch bei einem blo­ßen „Spre­cher“ als aus­schließ­li­che Gestal­tungs­op­ti­on belassen.

2. Die Trägerversammlung

a) Die Ver­samm­lung der Trä­ger­ein­rich­tun­gen ist das Basis­or­gan die­ser Koope­ra­ti­ons­form. In ihren Zustän- dig­keits­be­reich fal­len die Grund­la­gen­ent­schei­dun­gen für den For­schungs­ver­bund, ins­be­son­de­re: ob sein For- schungs­feld erwei­tert oder ver­klei­nert, das For­schungs- ziel fort­ge­schrie­ben oder abge­än­dert wer­den soll; ob neue Trä­ger­ein­rich­tun­gen auf­ge­nom­men oder vor­han- dene ver­ab­schie­det wer­den sol­len. Vor allem ist die Trä- ger­ver­samm­lung der Adres­sat des obli­ga­to­ri­schen Jah- res­be­richts, in dem die Koope­ra­ti­ons­lei­tung über ihre Tätig­keit im ver­gan­ge­nen Jahr Rechen­schaft ablegt und die aktu­el­le sowie vor­aus­sicht­lich künf­ti­ge Lage des For- schungs­ver­bun­des schildert.

b) Aus dem Recht der Trä­ger­ver­samm­lung, sich ei- nen Jah­res­be­richt vor­le­gen zu las­sen, folgt kei­nes­wegs zwin­gend, dass ihr auch das Recht zur Prü­fung und Über­wa­chung der Koope­ra­ti­ons­lei­tung zuge­wie­sen wer- den müss­te. Denn die Über­wa­chung des For­schungs­ver- bun­des erschöpft sich nicht in der Kon­trol­le sei­ner fi- nanz­wirt­schaft­li­chen Hand­lun­gen; dar­über hin­aus und vor allem bedür­fen die For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten, ihre Er- fol­ge, aber auch ihre Miss­erfol­ge der kri­ti­schen Beglei- tung. Im Regel­fall erscheint zwei­fel­haft, ob dafür die Trä- ger­ein­rich­tun­gen selbst noch das fach­kun­di­ge Per­so­nal haben, das nicht zugleich in der Koope­ra­ti­ons­ein­heit en- gagiert ist. Des­halb soll­te der Gesetz­ge­ber ein selbständi-

Anstel­lungs­ver­hält­nis lie­ßen sich Pflich­ten­kol­li­sio­nen, bekannt aus dem Pro­blem­kreis Dritt­an­stel­lung, u.U. ver­mei­den. Vgl. jüngst zum (kon­zern­recht­li­chen) Pro­blem der Dritt­an­stel­lung von Lei­tungs­or­ga­nen Deilmann/Dornbusch, NZG 2016, 201 ff.; Vet­ter, NZG 2015, 889 ff.

34 Nicht gesagt ist damit, wem die Arbeit­ge­ber­ver­wer­tungs­rech­te
an etwai­gen Erfin­dun­gen oder Urhe­ber­rech­ten zuste­hen. Dies bestimmt sich wei­ter­hin ex lege nach dem Arbeit­neh­mer­er­fin- dungs­ge­setz respek­ti­ve den Grund­sät­zen des Arbeit­neh­mer­ur- heber­rechts sowie ent­spre­chen­den ver­trag­li­chen Rege­lun­gen im Koope­ra­ti­ons­ver­trag. Vgl. zu den gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun- gen, Ulri­ci, WissR 2015, 318 ff.

Eberbach/Hommelhoff/Lappe · Koope­ra­ti­ons­form für die Wis­sen­schaft 7

ges Über­wa­chungs­or­gan neben der Trä­ger­ver­samm­lung eta­blie­ren (unten III 3), deren Ein­rich­tung jedoch zur Dis­po­si­ti­on des Koope­ra­ti­ons­sta­tuts stel­len. Falls das Sta­tut die ander­wei­ti­ge Über­wa­chung aus­schließt, ist die Trä­ger­ver­samm­lung zur Kon­trol­le der Koope­ra­ti­ons­lei- tung berufen.

c) Ver­gleich­bar dem Per­so­nen­ge­sell­schafts­recht könn­te für die Trä­ger­ver­samm­lung zwar erwo­gen wer- den, ihr die Ent­schei­dung über außer­ge­wöhn­li­che Maß- nah­men der Koope­ra­ti­on zuzu­wei­sen – etwa über die Anschaf­fung beson­ders teu­rer Gerä­te oder die Eins­tel- lung beson­ders teu­ren Per­so­nals. Eine Kom­pe­tenz­ab- gren­zung zwi­schen gewöhn­li­chen Maß­nah­men, die in der Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit des Lei­tungs­or­gans lie- gen, und außer­ge­wöhn­li­chen Maß­nah­men, über wel­che die Trä­ger­ver­samm­lung ent­schei­det, wür­de die Koope- rati­ons­ein­heit enger an die Trä­ger­ein­rich­tun­gen rück- kop­peln. Jedoch wäre eine sol­che Tren­nung wegen der Schwer­fäl­lig­keit des Ent­schei­dungs­ver­fah­rens und we- gen der rechts­un­si­che­ren Grenz­li­nie zumin­dest dort nicht emp­feh­lens­wert, wo außer­ge­wöhn­li­che Lei­terent- schei­dun­gen an die Zustim­mung eines Über­wa­chungs- organs rück­ge­bun­den wer­den kön­nen. Dis­kus­si­ons­wür- dig, aber zugleich – bedürf­tig ist ein gesetz­li­ches Wei- sungs­recht der Trä­ger­ver­samm­lung gegen­über dem Lei- tungs­or­gan der Koope­ra­ti­ons­ein­heit – aller­dings bloß in den Gren­zen der Wis­sen­schafts­frei­heit ihrer Forscher.

3. Über­wa­chung und Begleitung

Wie schon oben III 2b aus­ge­führt, soll­te der Gesetz­ge­ber ein Über­wa­chungs­or­gan vorgeben.35 Einer sta­tuts­dis­po- sitiv regel­mä­ßi­gen und ggf. kon­ti­nu­ier­li­chen Über­wa- chung bedarf das Lei­tungs­or­gan gewiss hin­sicht­lich der zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel und ihrer Ver­wen­dung. Das ent­spricht der klas­si­schen Über­wa­chung durch einen Auf­sichts­rat, daher emp­fiehlt sich für den Gesetz- geber, auch der wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­ons­form einen Auf­sichts­rat (sta­tuts­dis­po­si­tiv) vor­zu­ge­ben. In ihm wäre dann auch Platz für jene finan­zi­el­len För­de­rer des For­schungs­ver­bun­des, die nicht zugleich des­sen Trä- ger­ein­rich­tun­gen sind. Die­sen exter­nen För­de­rern stün- de es kon­se­quent frei, ob sie sich selbst (in Abspra­che mit den Trä­gern) in den Auf­sichts­rat ein­brin­gen oder ohne ihre Betei­li­gung auf die sach­ge­rech­te Arbeit des

35 So emp­fiehlt auch das DES­CA-Con­sor­ti­um Agree­ment, ab- ruf­bar unter http://www.desca-2020.eu/fileadmin/content/De- sca_2020_1.2/DESCA2020_v1.2_March_2016_with_elucidations. pdf [zuletzt abge­ru­fen am 16.11.2016] in sec­tion 6 eine drei­glied- rige Gover­nan­ce-Struk­tur mit einem auch mit Kontrollaufgaben

Auf­sichts­rats ver­trau­en wol­len. Im einen wie im ande­ren Fall wür­de eine sol­che Ver­wen­dungs­kon­trol­le durch den Auf­sichts­rat den exter­nen För­de­rern eine zusätz­li­che Kon­trol­le außer­halb der Wis­sen­schafts­ko­ope­ra­ti­on und ihrer Orga­ni­sa­ti­on erspa­ren. Inso­weit sind gesetz­ge­be­ri- sche Vor­ga­ben nicht nötig.

Einer kri­ti­schen Beglei­tung bedarf der For­schungs- ver­bund aber auch und vor allem hin­sicht­lich sei­ner For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten unter wis­sen­schaft­li­chen Aspek- ten. Zwar ist es in Unter­neh­mens-tra­gen­den Akti­en­ge- sell­schaf­ten eben­falls Auf­ga­be des Auf­sichts­rats, den Vor­stand in sei­ner Unter­neh­mens­lei­tung zu über­wa- chen. Des­halb spricht man­ches dafür, eben­falls in der wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­ons­form die Beglei­tung de- rer For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten dem Auf­sichts­rat zuzu­wei­sen. Dage­gen spricht jedoch: die­se kri­ti­sche Beglei­tung ver- langt ganz ande­re Kennt­nis­se, Befä­hi­gun­gen und Erfah- run­gen als die Über­wa­chung der For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten unter finan­zi­ell-wirt­schaft­li­chen Aspek­ten. Gewiss – die- se bei­den Her­aus­for­de­run­gen las­sen sich durch eine ent- spre­chend diver­se Zusam­men­set­zung des Auf­sichts­rats be- wältigen.36 Aber sie könn­te zu über­gro­ßen Über­wa­chungs- gre­mi­en füh­ren und inner­halb die­ser zu unstim­mi­gen Bera­tungs-Abläu­fen: For­schung und For­schungs­er­geb- nis­se sind in ande­rer Wei­se zu erör­tern als Zah­len­wer­ke, anhand derer über die Ver­wen­dung von Mit­teln Rechen- schaft abge­legt wird.

Für den Gesetz­ge­ber wird es sich daher emp­feh­len, neben dem Auf­sichts­rat ein eigen­stän­di­ges Gre­mi­um zu eta­blie­ren, einen wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat (sci­en­ti­fic ad- viso­ry board, SAB). Aller­dings soll­te es den Trä­ge­r­ein- rich­tun­gen frei­ge­stellt blei­ben, die bei­den unter­schied­li- chen Grund­funk­tio­nen der Über­wa­chung, Beglei­tung und Bera­tung im einen Auf­sichts­rat sta­tu­ta­risch zusam- menzuführen.

4. For­scher­ver­samm­lung

In der Gover­nan­ce-Struk­tur der wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­ons­form soll­ten schließ­lich die im For­schungs- ver­bund täti­gen For­scher mit ihren Inter­es­sen orga­ni­sa- torisch insti­tu­tio­na­li­siert wer­den. Denn in die For- schungs­auf­ga­be und ihre Erle­di­gung sind nicht allein die wis­sen­schaft­li­chen Lei­ter des Ver­bun­des invol­viert. Als vier­tes (oder gar fünf­tes) Organ neben Lei­tung, Überwa-

bedach­ten Organ neben der als „Trä­ger­ver­samm­lung“ fun­gie­ren- den Gene­ral Assem­bly, vgl. sec­tion 6.3.2 ff. DES­CA-Con­sor­ti­um Agreement.

36 Hier könn­te an eine Rege­lung ent­spre­chend § 100 Abs. 5 AktG für die Zusam­men­set­zung des Über­wa­chungs­or­gans gedacht werden.

ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 1–12

chung und Trä­ger­ver­samm­lung soll­te den Koope­ra­ti- ons­ein­hei­ten des­halb und zudem aus ver­fas­sungs­recht­li- chen Grün­den (Art. 5 Abs. 3 GG) eine eigen­stän­di­ge For- scher­ver­samm­lung vor­ge­ge­ben wer­den – wenigs­tens denen mit einer gesetz­lich defi­nier­ten Min­dest­zahl von Forschern.37

Noch wei­te­rer Dis­kus­si­on bedarf, wor­über die For- scher­ver­samm­lung von der Lei­tung der Koope­ra­ti­ons- ein­heit zu infor­mie­ren ist und was die­se (und ggf. die Trä­ger­ver­samm­lung) mit den For­schern zu erör­tern ha- ben. Rechts­po­li­tisch zu bera­ten sind über­dies mög­li­che Mit­ent­schei­dungs­rech­te der For­scher­ver­samm­lung ne- ben den ande­ren Orga­nen der Kooperationsform.

5. Ablauf­or­ga­ni­sa­ti­on

Die­Kom­pe­tenz­ab­gren­zungzwi­schen­den­Or­ga­nenim Detail kann an die­ser Stel­le eben­so­we­nig geleis­tet wer­den wie die nor­ma­ti­ve Gestal­tung der Infor­ma­ti- ons­strö­me inner­halb der wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra- tions­form. Dies alles muss einer Fol­ge­dis­kus­si­on vor- behal­ten blei­ben. Das­sel­be gilt für mög­li­che Vor­ga­ben zu einer Wis­sen­schafts-adäqua­ten Rech­nungs­le­gung, ihrer sach­ver­stän­di­gen Über­prü­fung und ggf. ihrer Veröffentlichung.

IV. Die eige­ne Rechts­fä­hig­keit der Koope­ra­ti­ons- form

Da der Bun­des­ge­richts­hof die nach außen auf­tre­ten­de BGB-Gesell­schaft mit Zustim­mung des Schrift­tums befä­higt hat, selbst Trä­ge­rin von Rech­ten und Pflich- ten zu sein,38 ihr mit­hin Rechts­sub­jek­ti­vi­tät ver­lie­hen hat, soll­te der Gesetz­ge­ber eben­falls der Rechts­form „wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­ti­on“ Rechts­fä­hig­keit bei- mes­sen. Die­ser Sta­tus soll­te nicht vom tat­säch­li­chen Außen­auf­tritt des For­schungs­ver­bun­des abhän­gen, son­dern den Trä­ger­ein­rich­tun­gen zur frei­en Wahl über­las­sen bleiben,39 also auch dem (ggf. momen­tan noch) nicht nach außen auf­tre­ten­den Ver­bund. Eine

  1. 37  Vgl. zu den Anfor­de­run­gen, die sich aus dem orga­ni­sa­ti­ons- recht­li­chen Gewähr­leis­tungs­ge­halt, an die Aus­ge­stal­tung der Gover­nan­ce-Struk­tur einer For­schungs­ko­ope­ra­ti­on erge­ben kön­nen Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 346 ff.
  2. 38  BGH, Urt. v. 29.1.2001 – II ZR 331/00 = BGHZ 146, 341 ff. = NJW 2001, 1056 ff.; BGH, Urt. v. 23.10.2001 – XI ZR 63/01 = BGHZ 149, 80, 84 = NJW 2002, 368, 369; BGH, Urt. v. 25.1.2008 – V ZR 63/07 = NJW 2008, 1378, 1379 jeweils m.w.N.; BVerfG, Beschl. v. 2.9.2002 – 1 BvR 1103/02 = NJW 2002, 3533, 3533;BVerwG, Urt. v. 22.9.2004 – 6 C 29/03 = BVerw­GE 122, 29, 38 f.
    = NZG 2005, 265, 268; BAG, Urt. v. 1.12.2004 – 5 AZR 597/03 = BAGE 113, 50, 53 f. = NJW 2005, 1004, 1005; BFH, Urt. v. 18.5.2004 – IX R 83/00 = BFHE 206, 164, 166 = NJW 2002, 2773, 2774; Ser-

ande­re Fra­ge ist die Regis­trie­rung der Koope­ra­ti­ons- ein­heit und ihre Wirk­sam­keit gegen­über Drit­ten; hie- rüber wird noch wei­ter zu reflek­tie­ren sein.

1. Eini­ge Konsequenzen

Als rechts­fä­hi­ges Sub­jekt ist die Koope­ra­ti­ons­ein­heit Inha­be­rin der ihr über­tra­ge­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de, ins­be­son­de­re der ihr zuge­wie­se­nen Finanz­mit­tel ein- schließ­lich der Rück­la­gen. Um jedoch auch inso­weit die Ein­heit, der ursprüng­li­chen Kon­zep­ti­on des Per­so­nen- gesell­schafts­rechts fol­gend, enger an ihre Trä­ger­ein­hei- ten zurück zu kop­peln, könn­te erwo­gen wer­den, gesetz- lich vor­zu­ge­ben, dass Ver­fü­gun­gen und ver­fü­gungs­glei- che Geschäf­te über mate­ri­el­le und imma­te­ri­el­le Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de und –güter (ab einer gewis­sen Wert­schwel­le) nur mit Zustim­mung der Trä­ger­ver- samm­lung getrof­fen wer­den dür­fen. Eine sol­che Rück- kop­pe­lung hät­te ins­be­son­de­re für die in der gemein­sa- men For­schung erar­bei­te­ten Erkennt­nis­se und ihre wirt- schaft­li­che Ver­wer­tung gro­ße Bedeu­tung – mag die­se doch in der wei­te­ren Anwen­dung u.U. zu Gewin­nen in Höhe vie­ler Mil­lio­nen führen.

Mit der eige­nen Rechts­per­sön­lich­keit der Koope­ra­ti- ons­form ist zugleich ihre Befä­hi­gung ver­bun­den, Dienst- und Arbeits­ver­hält­nis­se ein­zu­ge­hen, also als Arbeit­ge­ber zu fungieren.40 Noch wei­ter zu erör­tern ist dage­gen, ob ihr über­dies „Dienst­her­ren­fä­hig­keit“ schon ex lege zuge- spro­chen oder ob dies dem Landesgesetzgeber/den Wis- sen­schafts­mi­nis­te­ri­en für den kon­kre­ten Ein­zel­fall über- las­sen wer­den soll. Die Dienst­her­ren­ei­gen­schaft wür­de die Koope­ra­ti­ons­ein­heit auf Augen­hö­he mit den Trä­ger- ein­rich­tun­gen brin­gen und den betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen Gestal­tungs­spiel­räu­me eröff­nen, um nament­lich die Lei- ter­po­si­tio­nen und ihre Beset­zung (oben III 1a) Koope­ra- tions-adäquat zuzuordnen.

2. Wei­ter­ge­hen­de Normierungen

Im Anschluss an die Rechts­sub­jek­ti­vi­tät der Koope­ra­ti- ons­form stellt sich die Fra­ge, ob der Gesetz­ge­ber für die

vati­us, in: Henssler/Strohn Gesell­schafts­recht, 2. Aufl. 2014, § 705 Rn. 67; Sprau, in: Palandt BGB, 76. Aufl. 2017, § 705 Rn. 24, f. 33; a.A. Stür­ner, in: Jau­er­nig BGB, 16. Aufl. 2015, § 705 Rn. 1 m.w.N.

39 So mit Ein­schrän­kun­gen auch für die BGB-Gesell­schaft de lege lata Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 232 ff.

40 Vgl. zur „Arbeit­ge­ber­fä­hig­keit“ auf­grund der Rechts­fä­hig­keit der Außen–GbR BAG, Urt. v. 30. 10. 2008 – 8 AZR 397/07 = NZA 2009, 485, 487; So schon zur Rechts­la­ge vor BGHZ 146, 341 Schip- pel, GRUR 1962, 191, 192, der sei­ner­zeit schon die Außen–GbR für arbeit­ge­ber­fä­hig hielt sowie Bar­ten­bach, Zwi­schen­be­trieb­li­che For­schungs- und Ent­wick­lungs­ko­ope­ra­tio­nen und das Recht der Arbeit­neh­mer­er­fin­dung, 1985, S. 69.

Eberbach/Hommelhoff/Lappe · Koope­ra­ti­ons­form für die Wis­sen­schaft 9

For­schungs­ver­bün­de über deren Orga­ni­sa­ti­ons­recht hin­aus­ge­hend noch wei­te­re Mate­ri­en in die Rege­lung der Form mit ein­be­zie­hen soll­te; über eine in sich abge- schlos­se­ne Gesamt­re­ge­lung wür­de er allen Betei­lig­ten den Umgang mit dem recht­li­chen Fun­da­ment der Koope­ra­ti­on erleich­tern (enab­ling law). Gegen­stand einer so erwei­ter­ten Nor­mie­rung könn­te auf der einen Sei­te das Daten­schutz­recht sein, soweit es die Infor­ma­ti- ons­strö­me zwi­schen der Koope­ra­ti­ons­ein­heit und ihren Trä­gern betrifft sowie die Strö­me zwi­schen den Trä­gern zur Ver­fol­gung des Koope­ra­ti­ons­ge­gen­stands und –ziels (oben I/II 2). Auf der ande­ren Sei­te könn­te Gegen­stand erwei­ter­ter Nor­mie­rung das IP-Recht des For­schungs- ver­bun­des sein: die Wis­sen­schafts-adäqua­te Ord­nung des Rechts­ver­hält­nis­ses zwi­schen der Koope­ra­ti­on­sein- heit und den betei­lig­ten For­schern in Fort­schrei­bung des § 42 Arbeit­neh­mer­er­fin­dungs­ge­setz; sodann die per­so- nen­ge­sell­schafts­recht­lich gepräg­te Gestal­tung der Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen der Koope­ra­ti­ons­ein­heit und ihren Trä­gern (s. oben IV 1); schließ­lich die Rege- lung der wirt­schaft­li­chen Nut­zung und Ver­wer­tung der gewon­ne­nen Erkennt­nis­se, ins­be­son­de­re über einen wirt­schaft­lich-indus­tri­el­len Part­ner, wenn auch die­ser als Trä­ger an der Koope­ra­ti­ons­ein­heit betei­ligt ist – gera- de dann ist den wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen im Umgang mit den regel­mä­ßig hoch­pro­fes­sio­nel­len Part- nern aus der Wirt­schaft der Rücken zu stär­ken. Unter die­sem Aspekt müss­te sich eine nor­mier­te Gesamt­re­ge- lung gewiss auch mit der wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­ti­on der im For­schungs­ver­bund gewon­ne­nen Erkennt­nis­se befassen.

Dar­über hin­aus gibt eine so kon­zi­pier­te Gesamt­nor- mie­rung der Wis­sen­schafts­ko­ope­ra­ti­on als Rechts­form dem Gesetz­ge­ber gewiss zugleich Anlass, sich mit den steu­er­recht­li­chen Fra­gen im For­schungs­ver­bund näher zu befas­sen – nament­lich im Umsatz­steu­er – und im Ge- mein­nüt­zig­keits­recht. Dane­ben ste­hen kar­tell- und bei- hil­fe­recht­li­che Fra­gen an. Auch sie soll­ten aus Anlass der rechts­po­li­ti­schen Arbei­ten an einer wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­ons­form durch­dacht wer­den. Aller­dings sind die­se Mate­ri­en so stark in die jewei­li­gen Rechts­ge­bie­te ein­ge­floch­ten und mit die­sen ver­wo­ben, dass sie wohl bes­ser in ihrem jewei­li­gen Kon­text gere­gelt wer­den und nicht inner­halb des Orga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes für wis­sen- schaft­li­che Kooperationen.

  1. 41  Sie­he nur BGH, Urt. v. 29.1.2001 – II ZR 331/00 = BGHZ 146,
    341, 358 = DNotZ 2001, 234, 244; K. Schmidt, Gesell­schafts­recht, 4 Aufl. 2002 , S. 1790 ff., § 60 III. 2. m.w.N.
  2. 42  Vgl. § 65 Abs.1 Nr. 2 BHO sowie die ver­gleich­ba­ren Nor­men der Lan­des­haus­halts­ord­nun­gen, die nur eine Betei­li­gung der öffent­li­chen Hand bei abso­lu­ter Haf­tungs­be­gren­zung zulas­sen, von Lewisnki/Burbat, in: NK–BHO, 1. Aufl. 2013, § 65 Rn. 8;

V. Haf­tung und Haftungsbeschränkung

Zugleich mit der Zuer­ken­nung der Rechts­fä­hig­keit für die BGB-Außen­ge­sell­schaft hat der Bun­des­ge­richts­hof die Haf­tung der BGB-Gesell­schaf­ter sta­tu­iert – die unbe- schränk­te und (gesell­schafts­ver­trag­lich) unbe­schränk- bare Haf­tung in ent­spre­chen­der Anwen­dung der §§ 128 ff HGB.41 Im Bereich der wis­sen­schafts­recht­li­chen Trä- ger­ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts, zu denen vor allem die Uni­ver­si­tä­ten und Uni­ver­si­täts­kli­ni­ka zäh­len, reibt sich die­se zwin­gen­de Gesell­schaf­ter­haf­tung mit der aus­nahms­lo­sen Vor­ga­be des Bun­des und der Län­der, dass sich öffent­lich­recht­li­che Recht­sub­jek­te allein dann an einer Gesell­schaft oder sons­ti­gen Orga­ni­sa­ti­ons­form betei­li­gen dür­fen, wenn die Risi­ken aus die­ser Form nicht unbe­grenzt auf die öffent­lich­recht­li­chen Trä­ger durch­schla­gen können.42 Für For­schungs­ver­bün­de hat die­se Struk­tur­vor­ga­be zum Bei­spiel und vor allem bei medi­zi­ni­scher Ver­bund­for­schung Bedeu­tung: Falls eine Trä­ger­ein­rich­tung der theo­re­ti­schen Grund­la­gen­for- schung zusam­men mit einem Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Pati- enten-bezo­ge­ne For­schung betreibt, muss die Ein­rich- tung der Grund­la­gen­for­schung befürch­ten, dass sie im Koope­ra­ti­ons­feld für Behand­lungs­feh­ler aus dem Bereich des Kli­ni­kums nach den zwin­gen­den Grund­sät- zen der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung prak­tisch unent­rinn­bar dem Pati­en­ten mit ein­ste­hen muss.43 Die Regress­mög­lich­keit beim Kli­ni­kum hilft nicht entsch­ei- dend weiter.

Aber damit scheint das Ziel, der wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­ons­form ein per­so­nen­ge­sell­schafts­recht­li­ches Geprä­ge zu ver­lei­hen (oben II 2), letz­ten Endes an der unbe­schränk­ten Haf­tung der wis­sen­schaft­li­chen Trä­ge- rein­rich­tun­gen zu schei­tern. Indes – den gestal­ten­den Gesetz­ge­ber kann der Bun­des­ge­richts­hof nicht bin­den; jenem steht es viel­mehr frei, sogar Per­so­nen­ge­sell­schaf- ter vor unbe­schränk­ter Haf­tung zu bewah­ren, wie er dies bereits im Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­setz mit dem An- gebot an die Ange­hö­ri­gen der Frei­en Beru­fe getan hat, in einer beson­ders gekenn­zeich­ne­ten „Part­ner­schafts­ge- sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung“ für Ver­bind- lich­kei­ten der Part­ner­schaft aus Schä­den wegen feh­ler- haf­ter Berufs­aus­übung deren Gläu­bi­gern unter be- stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen allein mit dem Gesell­schafts- ver­mö­gen, also nicht als Part­ner per­sön­lich, einstehen

Werns­mann, in: Gröpl BHO/LHO 2011, § 65 Rn. 6; Stro­bl, NVwZ 2004, 1195, 1196 f.; offe­ner für eine Betei­li­gungs­mög­lich­keit bei abseh­ba­ren Haf­tungs­ri­si­ken für die GbR Forst/Traut, DÖV 2010, 210, 212 f.

43 Vgl. aus­führ­lich zu den etwai­gen Mög­lich­kei­ten einer Außen- haf­tungs­be­schrän­kung für eine Koope­ra­ti­ons-GbR Lap­pe, Koope- ratio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 385 ff.

10 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 1–12

zu müs­sen (§ 8 Abs. 4 PartGG). Dem Bun­des­ge­setz­ge­ber bleibt es unbe­nom­men, eine unge­fähr ver­gleich­ba­re Re- gelung für die wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­ti­ons­form zu normieren.44

Aller­dings darf dabei nicht der Schutz des geschä­dig- ten Drit­ten auf der Stre­cke blei­ben. Sei­ner Inter­es­sen hat sich das Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­setz durch die Be- ruf­s­haft­pflicht­ver­si­che­rung im gesetz­lich vor­ge­ge­be­nen Umfang als Vor­aus­set­zung der Haf­tungs­be­schrän­kung (§ 8 Abs. 4 S. 1 PartGG) ange­nom­men. Ein sol­cher Ver­si- che­rungs­schutz (über den bereits in § 40 Arz­nei­mit­tel- gesetz bestehen­den hin­aus ver­all­ge­mei­nert) könn­te auch für For­schungs­ver­bün­de in Betracht kom­men; frei­lich bedarf das noch ver­tief­ter Reflek­ti­on. Denn bei der Be- tei­li­gung meh­re­rer Trä­ger­ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts an einer Koope­ra­ti­ons­ein­heit genügt die zusätz­li- che Haf­tung bloß eines Trä­gers gegen­über dem drit­ten Geschä­dig­ten, so lan­ge nur sicher­ge­stellt ist, dass für die Trä­ger­haf­tung eine insol­ven­zun­fä­hi­ge Gebiets­kör­per- schaft ein­zu­ste­hen hat. Ver­mie­den wer­den muss bloß, dass der geschä­dig­te Drit­te auf das begrenz­te Leis­tungs- poten­ti­al der wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­ons­ein­heit abschlie­ßend ver­wie­sen wer­den kann. Für die per­sön­li- che Haf­tungs­frei­stel­lung der betei­lig­ten For­scher gegen- über dem Drit­ten kann auf § 839 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 34 GG zurück­ge­grif­fen wer­den, sofern der Han­deln- de haf­tungs­recht­lich als Beam­ter zu qua­li­fi­zie­ren ist.45 Zudem kommt ein Schutz des For­schers über die Grund- sät­ze des inner­be­trieb­li­chen Scha­dens­aus­gleichs in Be- tracht.46

VI. Zusam­men­fas­sung in Thesen

1. Um sich für den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb auch orga­ni­sa­to­risch opti­mal auf­stel­len zu kön­nen, braucht die deut­sche Wis­sen­schaft für ihre zwi­schen wis­sen- schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen begrün­de­ten und zuneh­mend bedeut­sa­me­ren For­schungs­ver­bün­de eine eigen­stän­di­ge Rechts­form, die den spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen wis- sen­schaft­li­cher Koope­ra­tio­nen gerecht wird.

2. Die­se spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen ver­mö­gen im geltendenRechtwederdieOrganisationsformendesPri-

  1. 44  Hier­für auch Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich- tun­gen, pas­sim, S. 473 ff.
  2. 45  Klas­si­sche Hoch­schul­for­schung stellt dabei die Aus­übung eines öffent­li­chen Amtes dar, gesund­heit­li­che Behand­lun­gen auch bei öffent­li­cher Trä­gern der behan­deln­den Insti­tu­ti­on hin­ge­gen nicht, vgl. Papier, in: Maunz/Dürig GG, 77. EL 2016, Art. 34 Rn. 140 sowie Rn. 145.

vat­rechts voll­auf befrie­di­gend zu erfül­len, noch die des öffent­li­chen Rechts. Daher ist der Bun­des­ge­setz­ge­ber auf­ge­ru­fen, eine „wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­ti­on“ als Rechts­form zu schaf­fen – auch, um sei­nem Gestal­tung- auf­trag aus Art. 5 Abs. 3 GG nachzukommen.

3. Die „wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­ti­on“ soll­te an ihre Trä­ger­ein­rich­tun­gen hin­rei­chend inten­siv rück­ge­kop- pelt blei­ben und die­se nicht durch ihre Akti­vi­tä­ten medi- ati­sie­rend ver­de­cken kön­nen. Des­halb soll­te die „wis­sen- schaft­li­che Koope­ra­ti­on“ schon von Geset­zes wegen per- sonen­ge­sell­schafts­recht­lich geprägt sein.

4. Das gilt vor allem für die Gover­nan­ce-Struk­tur der Koope­ra­ti­on. Um das Prin­zip der Selbst­or­gan­schaft ad- äquat fort­zu­schrei­ben, soll­te der Gesetz­ge­ber für die Lei- tung der Koope­ra­ti­on ihre Beset­zung mit For­schern als Reprä­sen­tan­ten ihrer jewei­li­gen Trä­ger­ein­rich­tun­gen vor­ge­ben. Ein admi­nis­tra­ti­ver Mit-Lei­ter soll­te nach Ent­schei­dung des Koope­ra­ti­ons­sta­tuts zusätz­lich ein­ge- setzt werden.

5. Die Trä­ger­ein­rich­tun­gen bil­den in ihrer Gesamt- heit die Trä­ger­ver­samm­lung als Basis­or­gan der Koope- rati­on. In ihren Ent­schei­dungs­be­reich fal­len die Grund- lagen­ent­schei­dun­gen für den For­schungs­ver­bund. Au- ßer­dem könn­te der Trä­ger­ver­samm­lung ein Wei­sungs- recht gegen­über dem Lei­tungs­or­gan ver­lie­hen wer­den – aller­dings nur in den Gren­zen der Wis­sen­schafts­frei- heit, die den in der Koope­ra­ti­on wir­ken­den For­schern zusteht; dies bedarf wei­te­rer Diskussion.

6. Der „wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­on“ soll­ten (sta- tuts­dis­po­si­tiv) ein Über­wa­chungs­or­gan für die Mit­tel- ver­wen­dung vor­ge­ge­ben wer­den und ein Wis­sen­schaft­li- cher Bei­rat für die kri­ti­sche wis­sen­schaft­li­che Beglei­tung der For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten unter wis­sen­schaft­li­chen As- pek­ten. Es soll­te dem Koope­ra­ti­ons­sta­tut unbe­nom­men blei­ben, Über­wa­chung und kri­ti­sche Beglei­tung in ei- nem Organ zusammenzufassen.

7. Zwin­gend vor­ge­ben soll­te der Gesetz­ge­ber eine Ver­samm­lung der im Ver­bund täti­gen For­scher zur

46 Vgl. zu die­sen Grund­sät­zen zusam­men­fas­send nur BAG, Urt. v. 15. 11. 2012 – 8 AZR 705/11 = NJOZ 2013 709, 710 f. m.w.N. Vgl. zum Stan­dard der Sorg­falt für For­schung Lap­pe, Koope­ra­tio­nen wis­sen­schaft­li­cher Ein­rich­tun­gen, pas­sim, S. 111 ff.

Eberbach/Hommelhoff/Lappe · Koope­ra­ti­ons­form für die Wis­sen­schaft 1 1

Wahr­neh­mung ihrer Inter­es­sen – zumin­dest für Koope- ratio­nen mit einer bestimm­ten Min­dest­zahl von For- schern.

8. Obli­ga­to­risch soll­ten die Grund­zü­ge der Ablaufor- gani­sa­ti­on in der „wis­sen­schaft­li­chen Koope­ra­ti­on“ gere- gelt wer­den, ins­be­son­de­re das Zusam­men­wir­ken ihrer Orga­ne und die Infor­ma­ti­ons­strö­me zwi­schen ihnen.

9. Der Gesetz­ge­ber soll­te der „wis­sen­schaft­li­chen Ko- ope­ra­ti­on“ wie der BGB-Gesell­schaft unein­ge­schränk­te Rechts­fä­hig­keit nach Wahl der Trä­ger­ein­rich­tun­gen ver- lei­hen. Damit ver­bun­den ist ihre Arbeit­ge­ber­funk­ti­on; ob ihr auch „Dienst­her­ren­fä­hig­keit“ eröff­net wer­den soll­te, könn­te der jewei­li­gen Lan­des­ge­setz­ge­bung über- las­sen bleiben.

10. Für ihre Ver­bind­lich­kei­ten hat die „wis­sen­schaft- liche Koope­ra­ti­on“ ein­zu­ste­hen. Die wissenschaftlichen

Trä­ger­ein­rich­tun­gen soll­ten vor Mit­haft nach dem Vor- bild der „Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung“ bewahrt wer­den, wenn die Inter­es­sen ge- schä­dig­ter Drit­ter ander­weit geschützt wer­den. Die da- für not­wen­di­gen Vor­ga­ben des Gesetz­ge­bers bedür­fen noch wei­te­rer Erörterung.

Rechts­an­walt Prof. Dr. Wolf­ram Eber­bach. Minis­te­ri­al- diri­gent a.D., war Abtei­lungs­lei­ter für Hoch­schu­len, Wis­sen­schaft und For­schung im Thü­rin­ger Kul­tus­mi- nisterium.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Hom­mel­hoff, em. Ordi­na­ri- us für Bür­ger­li­ches Recht, Han­dels- und Wirt­schafts- recht, Rechts­ver­glei­chung der Ruprecht-Karls-Uni­ver- sität Hei­del­berg und ihr Altrektor.

Refe­ren­dar Johan­nes Lap­pe, wiss. Mit­ar­bei­ter am Insti- tut für deut­sches und euro­päi­sches Gesell­schafts- und Wirt­schafts­recht der Uni­ver­si­tät Heidelberg.

12 ORDNUNG DER WISSENSCHAFT 1 (2017), 1–12